Michael Blume, Anti­semitismus­beauf­tragter der Lan­desregierung Baden-Würt­tem­berg, hat ein Prob­lem. Seine Äußerun­gen und Artikel stoßen offen­sichtlich aus­gerech­net jenen Men­schen bit­ter auf, die seine natür­lichen Ver­bün­de­ten sein müssten: Juden und Nichtju­den, die gegen den grassieren­den Anti­semitismus in Deutsch­land kämpfen, Aufk­lärungsar­beit über die Agen­da des BDS leis­ten und über­all zur Stelle sind, wenn es gilt, Poli­tik­ern und Jour­nal­is­ten das Wegse­hen zu erschw­eren. Die Vorgeschichte lesen sie bei Fre­und und Blog­gerkol­lege Gerd Buur­mann (hier und hier). Nun habe ich bere­its im Feb­ru­ar den Mitschnitt eines Vor­trags von Michael Blume bei YouTube gese­hen, der mir selt­sam, wenn auch nicht gän­zlich falsch erschien. Auf mein­er Liste der Artikel, die ich noch schreiben wollte, stand eine Antwort auf Blumes ver­schwurbelte Erk­lärun­gen der Ursachen des Anti­semitismus, dessen Wach­sen er allein mit medi­alen Ver­w­er­fun­gen und der Ver­bre­itung von Ver­schwörungs­the­o­rien erk­lärt, deshalb weit oben. Sein Name und einige sein­er Antworten auf die gegen ihn erhobe­nen Vor­würfe geri­eten wieder und wieder in meinen Blick. Also las ich einige der aktuellen Artikel Blumes und sah mir das Video aus Feb­ru­ar noch mal aufmerk­samer an. Meine Schlussfol­gerun­gen find­en sich am Ende des Textes, zunächst möchte ich meine Leser bit­ten, mir in die Gedanken­welt des Michael Blume zu fol­gen, die er in dem Vor­trag so bere­itwillig vor uns aus­bre­it­et. Sprin­gen wir gle­ich mal zu Minute 15:

„Alle Anti­semiten mit denen Sie zu tun haben wer­den, wer­den Ihnen immer erzählen, die Welt ste­ht vor dem Abgrund, es ist ganz furcht­bar, wenn wir jet­zt nichts tun geht unsere Gesellschaft kaputt, wir wer­den ein Mis­chvolk oder ähn­lich­es. Äng­ste die dort aus­ge­drückt wer­den und die immer mit der Angst vor der Zukun­ft des Ver­falls arbeit­en. Deswe­gen meine Damen und Her­ren, Anti­semiten sind regelmäßig sehr unglück­liche Men­schen, die haben tat­säch­lich Angst, die glauben tat­säch­lich zum Beispiel, dass ihr Arzt, ihre Lehrerin, ihr Abge­ord­neter Teil ein­er Ver­schwörung sind, die sie bedro­ht und deswe­gen recht­fer­ti­gen sie ihre Gewalt auch regelmäßig als Notwehr. Sie wür­den sich ja nur vertei­di­gen gegen diese Weltver­schwörung. Und was hil­ft dann? Wenn die Zukun­ft bedrohlich ist? Wenn der Ver­fall dro­ht? Natür­lich — der Rück­bezug auf die Ver­gan­gen­heit, auf eine ide­al­isierte Ver­gan­gen­heit, auf eine Welt wie sie eigentlich nie war. Früher war alles toll, in Deutsch­land.“

Wenn das so stim­men würde, wenn es nur solche Anti­semiten gäbe – die Beto­nung liegt auf „nur“, aber Blumes ein­führen­des „alle“ stellt dies ja aus­drück­lich so dar – gibt oder gab es die wenig­sten Anti­semiten aus­gerech­net beim IS. Denn von Äng­sten vor ein­er Weltver­schwörung oder Über­frem­dung war dort nie­mand geplagt, im Gegen­teil! Man glaubte fest daran, dass Allah seinen Kriegern den Sieg und die Welt ver­sprochen habe. Habe ich all den Juden­hass in der islamis­chen Welt etwa immer falsch ver­standen? Wohnt in jedem iranis­chen Mul­lah, der nach dem Fre­itags­ge­bet den Tod Israels fordert, nur ein unglück­lich­er Men­sch voller Äng­ste, die man wegther­a­pieren kann? Ich schaue mir die Pas­sage im Video an und ver­suche, sie als Folie über all die erk­lärter­maßen anti­semi­tis­chen Typen zu leg­en, mit denen ich es bish­er schon zu tun bekam und finde nur wenig Übere­in­stim­mungen.

Per­fekt passt diese Folie erst, legt man sie als Erk­lärungsmuster für das Wiesel­wort „Islam­o­pho­bie“ über die Real­ität, wie sie regierungsamtlich definiert wird. Blume macht also im Grunde den Job eines Islam­o­pho­biebeauf­tragten. Anti­semitismus ist nach sein­er Ein­schätzung im Grunde das­selbe wie Islam­o­pho­bie, gehorcht densel­ben Mustern und Äng­sten vor „Über­frem­dung“ und „Ver­mis­chung“. Diese Eindi­men­sion­al­ität, entspricht exakt dem Opfer­diskurs, wie ihn mus­lim­is­che Organ­i­sa­tio­nen wie die DITIB führen, wenn sie sich über man­gel­nde Anerken­nung ihrer religiösen Befind­lichkeit­en bekla­gen. Wer nur einen Ham­mer zur Hand hat, für den sieht eben jedes Prob­lem wie ein Nagel aus.

Deut­lich wird dies auch in einem Artikel Blumes über Eth­nona­tion­al­is­mus, den er über­all am Werk sieht. Denn diese Ten­den­zen der Aus­gren­zung und Abschot­tung sieht er im West­en, in der mus­lim­is­chen Welt offen­bar nicht. Aus­führlich behan­delt er die bluti­gen Gipfel völkisch-nationaler Hybris, wie wir sie mit den Ver­brechen von Breivik in Nor­we­gen und Ter­rant in Neusee­land erleben mussten. Gibt es der­lei im Namen ein­er ver­meintlichen „Rein­heit des Glaubens“ nicht auch ander­swo? Anschläge gegen Kopten in Ägypten, wech­sel­seit­ig von Schi­iten und Sun­niten im Irak, die Anschläge auf das „Taj Mahal Palace“ in Mum­bai, 9/11, Madrid, Lon­don, Paris, Niz­za, Berlin…was ist mit den Mor­den an Juden in Frankre­ich in den let­zten Jahren, die let­ztlich tausende jüdis­che Fran­zosen aus dem Land trieben? Alles Äng­ste vor Weltver­schwörung bei unglück­lichen Men­schen? Die religiöse Kom­po­nente all dieser Ereignisse blendet Blume vol­lkom­men aus.

Ich bin mir ziem­lich sich­er, dass Blume nicht bewusst ist, auf welchem Denk­fehler seine eige­nar­ti­gen Vorstel­lun­gen von Anti­semitismus beruhen. Liest man aber eine von Blumes Buchempfehlun­gen aus 2018, so wird man wom­öglich fündig. Dort schreibt er – und es sieht nicht danach aus, als zitiere er hier nur aus dem besproch­enen Buch, son­dern kon­stru­iert eine Analo­gie zu gescheit­erten Inte­gra­tions­be­mühun­gen mus­lim­is­ch­er Gemein­schaften:

„Eben­so eskalierte ja auch der europäis­che Anti­semitismus, nach­dem sich Jüdin­nen und Juden aus den abgeschot­teten Ghet­tos her­aus erfol­gre­ich für säku­lare Bil­dung und Berufe geöffnet und gesellschaftlich assim­i­liert hat­ten.“

Das halte ich, mit Ver­laub, für Blödsinn! Ver­sucht man näm­lich, diese Aus­sage induk­tiv zu bele­gen, ergäbe sich die irre Annahme, solange die Juden in ihren Ghet­tos unter sich waren, seien sie zwar unter­priv­i­legiert gewe­sen, aber der Anti­semitismus wäre nicht eskaliert. Blume ist allerd­ings nicht der einzige, der offen­bar ver­sucht her­auszufind­en, wann Anti­semitismus genau entste­ht. Muss ein Jude an- oder abwe­send sein, arm oder reich, sek­tiererisch oder assim­i­liert, gebildet oder dumm, schön oder hässlich…? Seit Jahrhun­derten ver­suchen ins­beson­dere und aus­gerech­net Juden immer wieder, dies her­auszufind­en und Ver­hal­tensregeln daraus abzuleit­en. Bis heute! Bis heute auch verge­blich. Denn es war dem Anti­semiten zu allen Zeit­en egal, was ein Jude tat oder unter­ließ, ob er sich assim­i­lierte oder im Städl lebte, ein Kaufhaus in Berlin besaß oder als Trödler und Hausier­er zu fuß durch Schle­sien zog. Den Anti­semiten störte und stört prinzip­iell, dass es Juden gibt. Alles andere sind Vor­wände, keine Ursachen! Das alles ist eigentlich seit vie­len Jahren bekan­nt und auch nicht strit­tig, umso ver­wun­dert­er reibt man sich die Augen, wenn man die Ver­gle­iche liest, mit denen Blume immer wieder seine Erken­nt­nisse zu erk­lären ver­sucht. So wie in dem oben zitierten Satz oder in dieser hanebüch­enen Aus­sage, die er eben­falls in der Rezen­sion machte:

„…Kaum jemand hat­te zum Beispiel ein Prob­lem mit Kopf­tuchträgerin­nen im Schul­dienst, solange sich diese auf den Putz­di­enst beschränk­ten. Zum erregt disku­tierten The­ma wurde das Klei­dungsstück erst, als die ersten Mus­lim­in­nen mit einem Kopf­tuch den Lehrberuf ergrif­f­en.“

Schon wieder die Folie „Islam­o­pho­bie“ und “Aus­gren­zung von auf­streben­den Mus­li­men” als Erk­lärung für Anti­semitismus und aus­gerech­net ein frauen­feindlich­es Sym­bol des Patri­ar­chats als vorgeschobenes Hin­der­nis für den Schul­dienst. Doch es ist Mus­lim­in­nen nicht unter­sagt, das Lehramt auszuüben – und damit auch staatliche Autorität zu trans­portieren. Die häu­fige Argu­men­ta­tion, es sei doch nur ein Klei­dungsstück, ver­fängt hier näm­lich nicht. Wäre dies so, kön­nte es die Lehrerin ja in der Schule able­gen und auf dem Nach­hauseweg wieder anle­gen. Die Putz­di­en­ste sind in Schulen jedoch aus­drück­lich keine Vertreter des Staates, auch wenn ich beto­nen möchte, dass deren Arbeit deshalb nicht weniger wichtig und anerken­nenswert ist.

Aufkommen des Antisemitismus als Ergebnis einer Medienkrise?

Zurück zum Video. Ab Minute 26 seines Vor­trages bei der Schwäbis­chen Zeitung zieht Blume dann eine direk­te Lin­ie vom Ende des Naziregimes zur Grün­dung des Öffentlichen Rund­funks durch die Alli­ierten.

„…weil man das erkan­nt hat [Was erkan­nt? Der Schluss ist unsin­nig.], hat man direkt nach dem Krieg den öffentlich-rechtlichen Rund­funk einge­führt. Und jet­zt wis­sen sie, warum Pop­ulis­ten aller Art immer wieder als erstes ver­suchen, öffentlich-rechtliche Rund­funk- und Fernsehsys­teme zu zer­stören. Weil sich die nicht so leicht kon­trol­lieren lassen.“

Das ist nun lei­der kom­plett irre. Das erste, was im Drit­ten Reich gle­ichgeschal­tet wurde, war der öffentliche Rund­funk, also staatliche Sendeanstal­ten! Das dafür nötige Recht schuf man sich und gab es wie bei Ver­la­gen und Zeitun­gen auch pri­vate Medi­en, griff man zum Mit­tel der Enteig­nung. Man han­delte aber immer im Rah­men des Rechts, das man sich selb­st schuf. Wer die Macht über die Geset­zge­bung erlangt, kann sich die Macht über alle Medi­en ver­schaf­fen – und sei es nur unter dem Vor­wand, die Bevölkerung vor feindlich­er Pro­pa­gan­da zu schützen. Göbbels Pro­pa­gan­dati­raden, die Über­tra­gun­gen von den Parteita­gen und Hitlerre­den liefen über staatliche Kanäle, wur­den mit Steuergeldern vom Staat finanziert! Es ist keine einzige Rede Hitlers auf die Nach­welt gekom­men, die von ein­er Reklame für Mag­gi-Würze oder Per­sil unter­brochen wurde. Rund­funk war staatlich im drit­ten Reich, so wie er fast über­all staatlich organ­isiert begann. Die BBC in Großbri­tan­nien, RAI in Italien…Blumes Trick beste­ht nur darin, zu unter­stellen, dass „öffentlich-rechtlich“ etwas gän­zlich anderes sei, als „staatlich“. Doch wer das glaubt, für den fühlen sich die Zwangs-Rund­funkge­bühren auch nicht wie Steuern, son­dern wie eine “Demokratieab­gabe” an und der hält das Fram­ing­man­u­al der ARD für eine pos­i­tive Maß­nahme zur Sprach- und Gedanken­hy­giene. Eige­nar­tiger­weise argu­men­tieren aus­gerech­net viele Poli­tik­er so.

Blume jubelt den öffentlich-rechtlichen Rund­funk zum Boll­w­erk der Wahrheit und des Kampfes gegen den Anti­semitismus hoch, als wären die Rechts­form, die Län­der­struk­tur oder die finanzielle Unab­hängigkeit vom Kon­sumenten und ein Sys­tem der Zwangs­fi­nanzierung ein Garant für die Qual­ität der Inhalte oder eine edlere Gesin­nung der Mach­er. Dass die anwe­senden Jour­nal­is­ten pri­vater Prove­nienz (die Schwäbis­che Zeitung hat­te ja ein­ge­laden) nicht empört den Raum ver­ließen oder wenig­stens Ein­spruch erhoben, zeigt, wie weit das Ver­trauen in die ver­heißene staatliche Ret­tung „sys­tem­rel­e­van­ter Medi­en“ wohl schon gediehen ist. Die Sys­tem­rel­e­vanz der Lokalme­di­en, welche Blume als Garan­ten der Mit­machdemokratie stre­ichelte (Aus­sage: Demokratie lernt man auf lokaler Ebene oder gar nicht.), legt er immer wieder als Bal­sam über die von Aufla­gen­schwund und Bedeu­tungsver­lust getrof­fe­nen Jour­nal­is­tenseelchen, denen das böse Inter­net die Gelder wegfrisst. ‚Sag bess­er nichts gegen den Got­tkom­plex der Öffentlich-rechtlichen und ihre staatlich bestall­ten Vertei­di­ger, du kön­ntest schon mor­gen dort um eine Stelle vorstel­lig wer­den müssen‘, wird es vielle­icht unter dem Iro von Sasha Lobo gedacht haben, der vorn in der ersten Rei­he als Zuschauer saß.

Übri­gens, fol­gt man den Argu­menten Blumes zum Zwecke des empirischen Beweis­es weit­er und sucht nach Beispie­len für das segen­sre­iche Wirken staatlich­er respek­tive öffentlich-rechtlich­er Medi­en, muss ein Land auf dieser Welt beson­ders pop­ulis­tisch und anti­semi­tisch sein. Aber da kom­men sie ohne so ein prächtiges Hirn wie das des Her­rn Blume nie drauf: Israel! Kein Witz! Dort wurde das öffentlich-rechtliche bzw. staatliche Fernse­hen näm­lich 2017 abgeschal­tet, was nach Blumes Logik ein Sieg des Pop­ulis­mus, Ras­sis­mus und des Anti­semitismus gewe­sen sein muss.

Für der­art spitzfind­i­ge Anwen­dun­gen sein­er The­o­rien ist Michael Blume jedoch nicht empfänglich, Kri­tik tropft von ihm ab. Viel lieber bleibt er in seinem Gedankenge­bäude, der Anti­semitismus sei allein durch Ver­schwörungs­the­o­rien, Angst und Unbil­dung deter­miniert, der Islam­o­pho­bie ver­wandt, let­ztlich das Ergeb­nis ein­er Medi­enkrise und habe keine erwäh­nenswerte religiöse Kom­po­nente. Im Vor­trag heißt es:

„Das Aufkom­men des Anti­semitismus ist das Ergeb­nis ein­er Medi­enkrise, weil die Aufmerk­samkeit und die Wer­begelder [ins Inter­net zu den neuen Medi­en] abfließen und unsere lokalen Medi­en kaputt gehen.“

Man fragt sich, ob diese Aus­sage nicht Blumes „Boll­w­erk-The­o­rie“ ad absur­dum führt, mit der er kurz vorher die Öffentlich-rechtlichen über den grü­nen Klee lobte. Denen fehlt es ja ger­ade nicht an Geld und damit gekaufter und poli­tisch beklatschter Aufmerk­samkeit, son­dern an Glaub­würdigkeit auf­grund ihrer großen Nähe zur Poli­tik, von deren Wohlwollen sie abhän­gen. Auch in Sachen Anti­semitismus, sind die Öffentlich-rechtlichen Medi­en min­destens genau­so kon­t­a­miniert, wie der Rest des Lan­des. Das unwürdi­ge Gez­erre um eine Doku­men­ta­tion über Anti­semitismus im Jahr 2017, die im Auf­trag des WDR und Arte ent­stand und erst nicht und dann nur mit einem hochnot­pein­lichem „Fak­tencheck“ bei Mais­chberg­er gesendet wer­den kon­nte, sei hier nur als Beispiel genan­nt. Eben­so beschä­mend ist die ten­den­z­iöse Berichter­stat­tung von ARD und ZDF über Israel und den Nahostkon­flikt. Der Anti­semitismus existiert auch auf den Fluren des WDR in Köln genau so wie in TAZ und Spiegel, im Inter­net und den neuen Medi­en.

Fazit

Für Michael Blume ist der Anti­semitismus offen­sichtlich nichts anderes, als das Ergeb­nis von Ver­schwörungs­the­o­rien und dem Erstarken neuer Medi­en. Schon das Wörtchen „auch“ kön­nte hier Wun­der wirken, aber er benutzt es nicht. Doch es gibt auch andere Quellen des Anti­semitismus, beson­ders religiös-mus­lim­is­che. Das blendet Blume jedoch aus, weil dann seine Folien nicht mehr passen wür­den, die er gle­icher­maßen über Mus­lime und Juden legt. Michael Blume argu­men­tiert erschreck­end ein­seit­ig und eher wie ein Beauf­tragter gegen Islam­o­pho­bie, was allerd­ings gut zu seinen son­sti­gen Auf­gaben und Arbeitss­chw­er­punk­ten passt. Auf den Unter­schied zwis­chen ein­er nur als Gerücht existieren­den jüdis­chen Bedro­hung, von der der Anti­semitismus lebt und der dur­chaus immer wieder schreck­lich realen Furcht vor islamistis­chen Anschlä­gen und dem Expan­sion­is­mus islamis­ch­er Ide­olo­gie geht Blume lei­der nicht ein.

Meine Bitte an Her­rn Blume ist deshalb, sich an seine mit Steuergeldern finanzierte Auf­gabe zu erin­nern, die er bere­its im Titel “Anti­semitismus­beauf­tragter” trägt, statt sein Hob­by, den christlich-mus­lim­is­chen Dia­log, mit sein­er beru­flichen Tätigkeit allzu unkri­tisch zu verknüpfen. Es ist gut und wichtig, den recht­en und linken Rand der Gesellschaft im Auge zu behal­ten, doch dabei sollte man auch den religiösen Anti­semitismus, der heute mas­siv zugenom­men hat und der von islamis­chen Kreisen aus­ge­ht, bess­er nicht aus den Augen ver­lieren. Eben­so entschei­dend ist es, bei der Betra­ch­tung der Medi­en den Öffentlich-rechtlichen Sek­tor genau­so kri­tisch betra­cht­en, wie neue und soziale Medi­en im Inter­net. Seine jüdis­chen Kri­tik­er zu Trollen zu erk­lären und in einem Abwasch zusam­men mit Nazi­größen und Holo­caust-Organ­isatoren erledi­gen zu wollen, ist des Amtes, welch­es Michael Blume in Baden-Würt­tem­berg bek­lei­det, nicht würdig.

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20 Kommentare

  1. Ver­schwurbelte Erk­lärun­gen sind nor­maler­weise Auf­gabe von Frau Dr. Angela Merkel.

    Ab jet­zt ganz ernst:

    Danke Roger für deinen bril­lanten Artikel und für deine Analyse.

    Ich stimme dir zu – bis auf:
    „Ich bin mir ziem­lich sich­er, dass Blume nicht bewusst ist, auf welchem Denk­fehler seine eige­nar­ti­gen Vorstel­lun­gen von Anti­semitismus beruhen. […]“

    Und ich bin mir ziem­lich sich­er, dass Herr Blume ganz bewusst gewisse Denk­fehler ein­baut.

    Der mod­erne Staat Israel ist der Staat im Mit­tleren Osten, der unser­er plu­ral­is­tis­chen Gesellschaft ähn­lich ist, eine Demokratie hat und Men­schen­rechte hochhält. Er ist unser­er Staats­form ähn­lich.

    Das weiß sicher­lich auch Herr Blume.

    Wer sich informiert, stellt fest, was im real existieren­den Islam abläuft. Ich nenne nur das Beispiel Iran. Men­schen­rechte haben keine Bedeu­tung mehr.

    Was also soll das Rel­a­tivieren von Her­rn Blume?

    Wir müssen nur der Spur des Geldes fol­gen, dann wer­den wir fündig.

    Der Export der deutschen Indus­trie, ins­beson­dere der Indus­trie
    Baden-Würt­tem­bergs in islamis­che Staat­en läuft bestens. Dann kann man ob der ganzen Dol­lars und Euros aus diesen Län­dern schon mal zum Rel­a­tivieren greifen, wie es der Herr Blume so pro­fes­sionell kann, gelle.

    Denn tief im Herzen eines noch so feinen Gut­men­schen sitzt die Gewis­sheit, dass wir unseren ganzen Luxus und unsere Wohltat­en hier ohne die vie­len bluti­gen Dol­lars und Euros – auch aus diesen Län­dern –, nicht lange aufrecht erhal­ten kön­nten. Das wis­sen auch die schlauen Men­schen im tüchti­gen Län­dle. (Falls das Herr Blume noch nicht wusste, wird es ihm jemand aus der Regierung gut erk­lärt haben.)

    Fragt unseren ober­sten Her­rn und Meis­ter, den ober­sten Gut­mann des besten Deutsch­lands, das wir je hat­ten, Her­rn Stein­meier; ja, auch der weiß, warum er Her­rn Rohani zum 40. Jahrestag der islamis­chen Rev­o­lu­tion so her­zlich grat­ulierte.

    Wie gesagt, wir müssen nur der Spur des Geldes fol­gen …

  2. Zeit für meinen oblig­a­torischen Wider­spruch:

    “Denn von Äng­sten vor ein­er Welt­ver­schwö­rung oder Über­frem­dung war dort nie­mand geplagt, im Gegen­teil! Man glaubte fest daran, dass Allah seinen Krie­gern den Sieg und die Welt ver­spro­chen habe.”

    Äh, das stimmt so nicht. Der IS hat sich GANZ EXAKT an Koran und Hadithen gehal­ten, und wollte GANZ EXAKT wieder­her­stellen, was es unter dem Propheten und seinen Nach­folge-Khal­ifen gegeben hat. Ich glaube, Allah hat nicht “den Mus­li­men” die Welt ver­sprochen, son­dern ein weltweites Khal­i­fat, und ich glaube selb­st dies nur indi­rekt. Ich bin nicht sich­er. Die Exis­tenz von Staat­en nach west­lichem Vor­bild in der islamis­chen Welt ist für den IS in jedem Fall ein Zeichen der Über­frem­dung und Abkehr vom Islam, weil ein Khal­i­fat mit ein­er “Gewal­tenteilung” zwis­chen Khalif und Gelehrten, die vom Propheten vorgeschriebene Organ­i­sa­tions­form ist, und das ist eben keine mod­erne Regierung. Darum haben die so viele “Mus­lime” als Apos­tat­en hin­gerichtet. Jed­er Staats­beamter eines Staates, der gegen das Khal­i­fat kämpft, ist für die ein Abtrünniger/Verräter, und zwar selb­st nach der großzügig­sten Ausle­gung islamis­chen Rechts, die möglich ist.

    Aus deren Per­spek­tive würde ich übri­gens auch von ein­er Weltver­schwörung aus­ge­hen. West­liche Staat­en überziehen doch die ganze Welt mit Krieg, Bestechung, und Erpres­sung, um dieser das eigene Gesellschaftsmod­ell mit­samt Rechtsver­ständ­nis aufzu­drück­en, und die eige­nen Inter­essen durchzuset­zen. “Aufk­lärung” ist so ein west­lich­es Ding. Die Außen­per­spek­tive ist eine andere als die Innen­per­spek­tive.

    “Habe ich all den Juden­hass in der islamis­chen Welt etwa immer falsch ver­standen?”

    Im Bezug auf den ultra­radikalen (also ursprünglichen) Islam des IS ist dies möglich.

    Islamis­ches Recht — damit meine ich jet­zt die ultra­ortho­doxe Vari­ante, die es im echt­en Khal­i­fat gab, und die der IS durch­set­zen will — ist als polyzen­trisches Rechtssys­tem aus­gelegt. Es gibt zahlre­iche einan­der wider­sprechen­den Ausle­gun­gen islamis­chen Rechts, die alle gle­ichzeit­ig nebeneinan­der Gültigkeit haben, und diese sehen weitre­ichende Autonomie für unter anderem christliche und jüdis­che Gemein­den vor. In der Prax­is bedeutet dies, dass inner­halb eines jüdis­chen Vier­tels das tradierte jüdis­che Recht gilt, im christlichen Vier­tel gilt tradiertes christlich­es Recht, im mus­lim­is­chen Vier­tel gilt islamis­ches Recht, und so weit­er. In einem jüdis­chem Gebi­et, das sich dem Khal­i­fat angeschlossen hat, würde für die Bevölkerung weit­er­hin größ­ten­teils jüdis­ches Recht gel­ten. Inner­halb von Fam­i­lien beste­ht darüber hin­aus auch noch eine große Autonomie, weshalb zusät­zlich auch noch jede Art von Pri­va­trecht gültig sein kann. Ein nicht geringer Teil der islamis­chen Jurispru­denz befasst sich damit, festzule­gen, wessen Recht über­haupt zur Anwen­dung kommt, und dies ist in der Regel das Recht der Gemeinde, inner­halb der­er sich ein Vor­fall zuge­tra­gen hat. Beson­ders, wenn keine Mus­lime betrof­fen sind, gibt es da nur wenige Ein­schränkun­gen.

    Dies ist eine andere Recht­sauf­fas­sung, als die Auf­fas­sung, die seit der Aufk­lärung vorherrschend ist. Seit der Aufk­lärung ist die Recht­sauf­fas­sung im Wesen eine Abso­lutis­tis­che. Ein aufgek­lärter Staat ist ein Staat, in dem es nur ein einziges Rechtssys­tem gibt, das keine weit­eren Rechtssys­teme neben sich duldet. In einem Rechtsstaat gilt im jüdis­chen Vier­tel also nicht — wie im Mit­te­lal­ter oder einem orig­i­nal­ge­treuen Khal­i­fat — jüdis­ches Recht, son­dern staatlich­es Recht. Wenn dieses staatliche Recht vor­sieht, dass Juden sich in der Gaskam­mer einzufind­en haben, oder von vorne bis hin­ten diskri­m­iniert wer­den müssen, dann ist das halt so. Man lese Hobbes Leviathan, wenn man meint, das dritte Reich, mit all sein­er Diskri­m­inierung und Massen­ver­nich­tung, sei kein direk­tes Resul­tat der Aufk­lärung. Und genau daher kommt auch die Diskri­m­inierung von Min­der­heit­en in der islamis­chen Welt. Die sind aufgek­lärt und nation­al­is­tisch gewor­den, und haben diesen Flick­en­tep­pich zahllos­er nebeneinan­der beste­hen­der Rechtssys­teme, die es inner­halb eines Khal­i­fats gäbe, durch ein einziges Recht erset­zt, das dem Willen der Mehrheit entspricht, und dadurch das gesamte Staats­ge­bi­et diesem Willen aus­geliefert hat.

    Witzig, hm? Die islamis­che Welt wurde umso faschis­tis­ch­er, je mehr sie sich den Aufk­lärungswerten des West­ens angepasst hat. Die waren früher mal wirk­lich tol­er­ant, und ger­ade zu deren Anfangszeit­en war es ein Vorteil, denen beizutreten, wenn man niedrige Steuern mochte und kein über­grif­figes Rechtssys­tem haben wollte.

    “Aus­führlich behan­delt er die bluti­gen Gipfel völkisch-nationaler Hybris, wie wir sie mit den Ver­brechen von Breivik in Nor­we­gen und Spencer in Neusee­land erleben mussten.”

    Ich habe ger­ade bei 8chan/pol nachgeschaut, und da ste­ht, dass der Typ nicht Spencer heißt — Richard Spencer ist nicht Amok gelaufen, son­dern ein­fach nur däm­lich. Der Christchurch Shoot­er heißt Bren­ton Tar­rant. Die Jungs von 8chan/pol müssens wis­sen. Da hat er seinen Face­book-Live-Link gepostet, und da hän­gen nun seine Fan­boys rum.

    “Ver­sucht man näm­lich, diese Aus­sage induk­tiv zu bele­gen, ergäbe sich die irre Annahme, solange die Juden in ihren Ghet­tos unter sich waren, seien sie zwar unter­pri­vi­le­giert gewe­sen, aber der Anti­se­mi­tis­mus wäre nicht eska­liert.”

    Ich glaube, der bezieht sich aufs Mit­te­lal­ter, beziehungsweise das ver­wen­dete Nar­a­tiv bezieht sich aufs Mit­te­lal­ter, in dem die Juden in ihren Vierteln unter sich waren, und während­dessen nicht sel­ten sog­ar nach ihrem eige­nen Rechtssys­tem leben kon­nten, und dabei häu­fig so große Reichtümer anhäuften, dass es für den jew­eili­gen Fürsten Sinn ergab, ihnen irgen­dein an den Haaren her­beige­zo­genes Ver­brechen vorzuw­er­fen, um sie zu vertreiben, und ihre Güter zu beschlagnah­men. Die Tem­pel­rit­ter wur­den ja auch eher deshalb ver­fol­gt, weil sie so viel Kohle hat­ten, und ein gewiss­er Phillip Schulden. Bevor die Tem­pel­rit­ter dran waren, ver­trieb dieser Phillip erst­mal die Juden. So lief das damals. Ein nicht geringer Teil der Vertrei­bun­gen des Mit­te­lal­ters lassen sich dadurch erk­lären, dass die Ver­triebe­nen Kohle hat­ten, aber keine Armee, der Fürst stattdessen nur Schulden, dafür aber eine Armee. Um genug Kohle zu erwirtschaften, um ver­trieben zu wer­den, muss man aber erst­mal eine ganze Weile lang in Ruhe gelassen wer­den, und zuvor rel­a­tiv gute Lebens­be­din­gun­gen vorfind­en. Was im Mit­te­lal­ter dadurch gegeben war, dass damals so ein jüdis­ches Vier­tel nach jüdis­chem Recht lebte, und Juden zum Beispiel Zin­sen ver­lan­gen kon­nten, was Chris­ten streng ver­boten war.

    Als dann die Aufk­lärung kam, waren plöt­zlich alle ein Volk unter einem Staat. Eben­so wie in der islamis­chen Welt wurde ein Flick­en­tep­pich von feu­dalen und tradierten Rechtssys­te­men mit jed­er Menge Seg­re­ga­tion durch ein einziges, allum­fassendes Rechtssys­tem mit ganz viel Inte­gra­tion erset­zt, das sich am Willen der Mehrheit ori­en­tierte. Und da war dann wieder das Prob­lem, dass man eine Mehrheit hat­te, die eine Min­der­heit nicht lei­den kon­nte, und nur ein einziges Rechtssys­tem für Bei­de… Hey, auch Europa wurde erst nach der Aufk­lärung faschis­tisch! Wer hätte das gedacht…

    • Der Spencer ist lääängst kor­rigiert, mein lieber. Ich hat­te beim Schreiben wohl noch die ver­wirrende Head­line von Blumes Artikel auf dem Nach­barschirm. 😉

    • @Sharia-Rolf: Der Kom­men­tar ist fast länger als der Artikel..! Macht das Forum hier etwas unüber­sichtlich. Tipp: In der Kürze liegt die Würze. Wenn’s doch mal länger wer­den soll/muss: Text woan­ders platzieren und dor­thin ver­linken. Dankenswert­er­weise läßt Roger solche Ver­weise zu.

    • @Roger:
      Sor­ry wegen dem Her­rn Spencer, ich hab meinen Text während mein­er Pausen zur Entspan­nung geschrieben, und zwis­chen­durch nicht aktu­al­isiert. Ich war gestern zu sehr unter Zeit­druck, um Deinen Artikel vorm Posten noch nach Aktu­al­isierun­gen abzu­grasen.

      @Ulf:
      Rogers Text ist dop­pelt so lang wie mein­er. Manche Dinge kann man nicht eben mal in Ultra­kurz­form aus­drück­en. Die meis­ten Sachen, die ich hier schreibe, sind, wenn man sie zuende denkt, ein Kahlschlag an dem, was heutzu­tage Kon­sens ist. Ich greife solche Dinge wie die Basis und Legit­im­ität des Rechtsstaats, des Gewalt­monopols, die Demokratie, die Aufk­lärung, etc. an. Die Kurz­form wäre “Demokratie ist scheiße” oder “Aufk­lärung ist ver­al­tet”, und das wäre eine Mei­n­ung, jedoch kein Argu­ment. Die kor­rek­te Ent­geg­nung wäre in dem Fall sowas wie “Demokratie ist super, Du bist scheiße”, und mehr wäre nicht nötig. Ich bin in der Regel ein­fach nicht besof­fen genug, um an sowas Spaß zu haben, weshalb ich lieber Argu­mente ausar­beite.

      Abge­se­hen davon, halte ich meine Argu­men­ta­tion von “Vir­u­len­ter Anti­semitismus wegen Inte­gra­tion im Zuge der Aufk­lärung” für ziem­lich gut, weil damit, erstens, viel aus der Ver­gan­gen­heit erk­lär­bar wird, für das anson­sten ein brauch­bar­er Erk­lärungsansatz fehlt — “Die sind böse” ist mir zu eindi­men­sion­al — und, zweit­ens, damit ein nach­weis­lich funk­tion­ieren­der Ausweg aus diversen schw­er­wiegen­den Dilem­mas der Gegen­wart aufgezeigt wird, für die anson­sten kein nach­weis­bar funk­tion­ieren­der Lösungsansatz existiert. Ich meine, abge­se­hen von Vernichtungslagern/Umerziehungslagern. Die Dinger funk­tion­ieren ja, sind allerd­ings nicht unbe­d­ingt wün­schenswert.

      Ungeachtet dessen kön­nte Roger mir sagen, dass ichs Maul hal­ten soll. Dann würde ichs tun, und ihn den­noch lieben. Das hier ist seine Home­page, nicht meine.

      • Schreiben Sie immer soviel ICH-ICH-ICH, oder nur manch­mal?
        Abge­se­hen davon strotzt Ihr über­lang-überselb­st­wichtiger Kom­men­tar von Aus­las­sun­gen und falschen Prämis­sen. Wenn Sie sowas in ein­er Pros­em­i­nars-Arbeit schrieben, würde der Pro­fes­sor Ihnen ja pein­lich aufs Dach steigen (wenn er kein Sozial­ist oder Grup­pen­den­kler ist).
        Lei­der machen Sie aber nicht den Ein­druck, als ob Sie noch was ler­nen woll­ten. Sie wis­sen ja schon alles und wollen eine Rolle spie­len.

        - Et non, ich biete Ihnen hier­mit keinen Dia­log an. Mit Leuten wie Ihnen hat ein Dialogver­such ja nie Sinn.

      • Zwis­chen “Maul hal­ten” und “Romane schreiben” gibt es ja noch Mit­tel­wege. Eine Möglichkeit (= län­gere Texte außer­halb platzieren und dann dor­thin ver­linken) hat­te ich Ihnen aufgezeigt. Man muss längst nicht immer von einem Extrem ins andere fall­en.

        • Von einem Extrem ins Andere fall­en? Ich habe Aris­to­b­u­lus Text als Text ohne rel­e­van­ten Inhalt ein­ge­ord­net, und dies kurz und ohne selb­st­wichtigem Ich-Bezug mit­geteilt. So war es doch gewün­scht, oder?

          Auf Deinen Text bin ich einge­gan­gen. Ich habe unter anderem erwäh­nt, dass ich dur­chaus bere­it bin, mein Ver­hal­ten hier anzu­passen, oder gegebe­nen­falls gän­zlich zu ver­schwinden, falls Roger mir das sagt. Was Du denkst, ist dies­bezüglich genau so wenig rel­e­vant, wie was ich denke. Das hier ist nicht unsere Home­page.

          Zum Ver­linken: Kön­nte ich machen, will ich aber nicht. Kom­men­tarsek­tio­nen sind dazu da, Dinge zu disku­tieren. Da Roger ziem­lich gut darin ist, Sachver­halte zu erfassen, und dieses Ver­ständ­nis in Worte zu fassen, würde ich ihm ein hohes Maß an Per­fek­tion­is­mus unter­stellen. Was Per­fek­tion­is­ten vom Rest unter­schei­det, ist, dass sie sich nicht für Zus­tim­mung inter­essieren, son­dern für Kri­tik, weil Kri­tik einem das aufzeigt, was man noch weit­er per­fek­tion­ieren kann. Deshalb gehe ich davon aus, dass es von Roger dur­chaus erwün­scht ist, dass ich auf seine Prämis­sen ein­prügele, und ver­suche, diese kaputt zu machen.

        • Ich inter­essiere mich allerd­ings wed­er für Zus­tim­mung noch für Kri­tik son­dern allen­falls für sach­liche Kor­rek­turen. Anson­sten bin ich schon mit Aufmerk­samkeit und damit zufrieden, dass jemand seine kost­bare Zeit mit dem Lesen mein­er Texte ver­bringt. Ich habe wed­er Zeit noch Muße, ellen­lange Prügel nachträglich in meinen Tex­twer­dung­sprozess ein­fließen zu lassen, der ist näm­lich mit Klick auf “Veröf­fentlichen” weit­ge­hend abgeschlossen. Wie ich schon auf der Seite “Noch so ein Blog” erk­läre, ist das Schreiben für mich vor allem der Weg, einen Sachver­halt für MICH zu ver­ar­beit­en. Die Kom­mentare dazu sind meist erfreulich, kön­nen aber an meinen “Tage­buchein­trä­gen” nichts ändern, son­dern reflek­tieren lediglich die eben­falls sub­jek­tive Sicht des Lesers — was ja auch erwün­scht ist. Aber ich bitte zu bedenken, dass mir ein­fach die Zeit für einen echt­en Dia­log fehlt. Oder für fundierte Erwiderun­gen auf Kom­mentare, die daherkom­men wie das ulti­ma­tiv kor­rigierende Siegel der absoluten Wahrheit. Denn einige Kom­men­ta­toren hier nehmen für sich in Anspruch, die von mir angeris­se­nen The­men prinzip­iell bess­er und umfassender durch­drun­gen zu haben, was mein­er Mei­n­ung nach keines­falls so sein muss. Doch dies hier ist eben kein Forum, wo sich unter einem Start­beitrag end­lose und gle­ich­berechtigte Diskus­sio­nen entspin­nen, weil mir meist die Zeit fehlt, angemessen zu reagieren.
          Deshalb hier nochmal die generellen Regeln. Solange es zur Sache geht, den Artikel bet­rifft, nicht ad hominem oder son­st aus­fäl­lig oder verunglimpfend wird oder mir jemand seine Ver­schwörungs­the­o­rien unter­jubeln will, lasse ich hier alles durchge­hen. Vieles geht aus diesen Grün­den nicht durch, das ist auch der Grund dafür, dass ich immer noch händisch freigeben muss. Die Welt da draußen ist voller Irrer, die ich hier nicht haben möchte. Die füllen als Ersatzbe­friedi­gung meinen SPAM-Ord­ner. Bei eini­gen der hier kom­men­tieren­den würde ich es für begrüßenswert hal­ten, wenn sie ihr Tal­ent auch in eige­nen For­mat­en sprießen ließen, statt nur darauf warten zu müssen, einen mein­er frischen Zweige anzuschnei­den, um ihre Ideen darauf zu pfropfen — auch wenn ich dies natür­lich nicht behin­dern werde. 😉

        • Bezüglich mein­er Texte würde ich gerne anmerken, dass ich sie schreibe, während ich meine 15/45-Pausen ein­lege, und ich sie als Entspan­nungsübung betra­chte, die ich nötig habe, weil ich nicht unbe­gren­zt fokussiert sein kann, und ich ohne diese Pausen Spaghet­ti­code pro­duziere. Dementsprechend sehe ich mein Geschriebenes als ein Neben­pro­dukt meines Unter­be­wusst­seins an, das Dir einige Rechen­zyklen spenden möchte. Mehr nicht.

          Ich erwarte nicht, dass Du Deine Tage­buchein­träge nachträglich anpasst, würde aber schon davon aus­ge­hen, dass Du Dinge, die nicht mal eben so wider­legt wer­den kön­nen, zur Ken­nt­nis nimmst, und grund­sät­zlich als möglich betra­cht­est. Nicht, weil ich Dir irgen­det­was unter­stellen möchte, son­dern, weil das die einzige funk­tion­ierende Meth­ode der Wahrheits­find­ung ist, die der Men­schheit bekan­nt ist. Mein­er Ansicht nach ist das die einzige angemessene Reak­tion, die nötig ist, und ich würde annehmen, dass Du beim Wiederkäuen von Mei­n­un­gen ste­henge­blieben wärst, wenn Du grund­sät­zlich anders funk­tion­ieren würdest.

          Was ich jedoch erwarten würde, wäre, dass die “All­ge­mein­heit” meine teils haarsträuben­den Äußerun­gen wider­legt. Dies ist vielle­icht noch so ein Ding, das mich motiviert. Es ist schon unter­halt­sam, Dinge zu schreiben, die im Grunde das gesamte Welt­bild der Leser mas­siv infragestellen, ohne, dass diese eine Wider­legung hin­bekä­men. Stell Dir vor, Du würdest beim Antifa-Stuh­lkreis für die AfD Wer­bung machen, und damit durchkom­men.

          Bezüglich Deines let­zten Schach­tel­satzes — den ich auf mich beziehe — ste­he ich auf dem Schlauch. Kön­ntest Du dessen Aus­sage auf eine etwas direk­tere Weise umfor­mulieren, damit ich Dich nicht falsch ver­ste­he? Ein Prob­lem mit indi­rek­ter Höflichkeit ist, dass man damit viel Inter­pre­ta­tion­sspiel­raum lässt, und der­lei Unschärfe zu Fehlin­ter­pre­ta­tio­nen ein­läd. Bedenke, dass ich von 4chan sozial­isiert wurde.

        • Ok, ich über­set­ze: Du bist hier natür­lich weit­er­hin her­zlich willkom­men. Aber ich frage mich — und bin mit dieser Frage nicht allein — warum Du nicht auch was eigenes aufziehst. Und sei es nur, um Entspan­nung vom Pro­gram­mieren zu find­en, wenn ich hier grad nichts poste. 😉

  3. Das hat doch was: Ein Staats­beauf­tragter gegen Anti­semitismus legt sich mit Aktivis­ten an, die den Juden­hass bekämpfen!* Willkom­men im neuen islam­ophilen Deutsch­land! Allahu akbar!

    *Wobei die in der Folge etwas über­reagiert haben, aber das ist ein anderes The­ma.

  4. Exzel­lent argu­men­tiert — es wurde höch­ste Zeit, dass das krause Geschwätz von Her­rn Blume kri­tisch zerpflückt wurde. Es wäre zu rat­en, dass sich der Herr ein­mal die let­zten bei­den Inter­views von Alain Finkielkraut anhören würde; dort würde ihm unmissver­ständlich erk­lärt, wo der derzeit­ige Anti­semitismus haupt­säch­lich anzusiedeln ist: bei der Linken und den Mus­li­men.

    • Es gibt lei­der auch noch völkisch-rechte mit brauner Soße im Kopf. Man denke nur an die Flach­hirne der NPD, die sog­ar einen Abge­ord­neten im EU-Par­la­ment haben. Der schwafelte kür­zlich erst vom “hero­is­chen Kampf der His­bol­lah gegen den IS und den Zion­is­mus”. Aber diese Typen sind mar­gin­al­isiert und haben kein­er­lei Macht über den Diskurs.

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