Die Frage, ob wir uns aktuell in einem Plot nach „1984“ oder doch eher „Schöne neue Welt“ befinden, wird gerade wieder heftig diskutiert. Sicher findet man aus beiden Büchern Elemente in der aktuellen Realität wieder, für das komplette Bild fehlt mir jedoch ein entscheidender Aspekt: das offensichtliche Chaos. Sowohl Orwell als auch Huxley unterstellte in ihren Dystopien ja geradezu diabolisch planvolles Handeln. Es gab sogar stets eine zentrale Macht, die steuernd im Sinn ihres „großen Plans“ eingriff. Sicher, heute ist immer wieder vom „Great Reset“ die Rede, was nach einem ausgeklügelten Plan klingen mag. Doch alles Regierungshandeln, das angeblich dorthin führen soll, kommt völlig erratisch daher und ist voller Widersprüche. Keiner weiß Bescheid, keiner macht, was er soll, aber alle machen mit. Der Albtraum, in dem wir uns befinden, enthält meiner Meinung nach Elemente aus Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Die Antwort auf alles lautet nicht 42, sondern „Inzidenz 50“, nur kann sich leider niemand an die Frage erinnern oder daran, wer sie gestellt hat. Unsere galaktische Präsidentin Merkel hat gerade wieder den Unendlichen-Unwahrscheinlichkeits-Antrieb eingeschaltet, um der galaktischen Pandemie in Richtung Lockdownverschärfung zu entkommen und dabei bewiesen, dass man eine Wirtschaftsrakete mit einem Knopfdruck in einen Petunientopf und einen Pottwal verwandeln kann. Und während ersterer „nicht schon wieder“ denkt, weil er ahnt, dass mit ihm kein Blumentopf zu gewinnen ist, stürzt der zweite bei seiner kurzen Identitätsfindung auf den Planeten Covid hinab und fragt sich, ob der schnell näher kommende Boden wohl freundlich zu ihm sein werde.

Die Exekutive zieht an dem Hebeln des Raumschiffs „Land aus Gold“, jeder halbwegs intelligente Marvin an Bord schüttelt deprimiert den Kopf und sagt „Das geht nicht gut aus“ und „Ich hab’s euch doch gesagt“. Der sonst nervtötend gut gelaunte Bordcomputer Eddi-„Wir-Sind-Ein-Reiches-Land“ hat längst auf seinen autoritären Ersatzcharakter „Söder“ umgeschaltet und ruft ständig „Wir sind arm dran, deshalb Arm ab!“ und „Keine Panik!“, was die Menschen natürlich erst recht in Panik versetzt. Zum Glück hat heute jeder stets sein Handtuch dabei!

Dummerweise kann man vor dem Wahnsinn nicht mal ins „Restaurant am Ende des Universums“ fliehen, weil das natürlich wegen Corona geschlossen ist. Aber da sind wir schon in einem anderen Buch von Douglas Adams, in dem sich weitere passende Analogien finden.

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8 Kommentare

  1. Als „Anhalter …“-Fan (- bitte unbedingt die TV-Verfiilmung der sechsteiligen BBC-Serie von 1981 anschauen, nicht den Schrott-Hollywood-Film) sowie Orwell-Leser (- empfehle neben 1984 auch „Tage in Burma“, um Engländer verstehen zu lernen) protestiere ich wie andere Leser gegen die Unterstellung jeglichen planvollen Handelns. 

    Nicht nur Deutsche tun Dinge um ihrer selbst willen, sondern auch Engländer. (Nicht: „Briten“, die drei anderen Länder haben andere Volkscharaktere.)

    Die einfachste Erklärung auch für das Regierungshandeln anlässlich Corona ist „Dummheit“, danach „politischer Opportunismus“. Wer in einem Ministerium dienen durfte weiss, dass die Frage „Wie kommt unser Minister in der Presse drüber“ alle andere Aspekte überwiegt. Das gilt natürlich verstärkt für „Kanzler“. Merkels 2. Atom-Zick-Zack war der von der Presse geschürten Fukushima-Panik und den damit gehypten Grünen-Stimmen geschuldet, ihre Migration-Grenzöffnung vom 4. September 2015 erfolgte in der Erinnerung an die Medien-Schmäh mit dem Titel „Merkel bringt Flüchtlingsmädchen zum Weinen“ o.ä. nach dem TV-Termin vom 15. Juli 2015. 

    Die Positionen der Minister Spahn und Seehofer (- für Öff. Ordnung und Katastrophenschutz zuständig) entsprechen exakt den Kriterien „gut in der Presse rüberkommen“ sowie “ Opportunismus“: Zuerst abwiegeln und dabei störende Mahner lächerlich machen, danach - wenn aus dem Ausland unschöne Bilder kommen und Angst aufkommt - radikaler Kurswechsel. Man macht einen Lockdown, weil es andere Länder vorgemacht haben, unabhängig von eigenen Situationsanalysen und ohne jegliche Einschätzungen. Die weitere Abfolge nach Mitte 2020 entsprach auch dem Schema „gut in der Presse rüberkommen“ und „Opportunismus“. Zu letzterem gehört bei den letzten beiden Regierungen Merkel, die linksgrün-begeisterten Medien gewogen zu halten. Nach dem Flüchtingsmädchen-Fauxpax lässt die keine Gelegenheit aus, linksgrüne Mädchen zu hofieren.

    Trotzdem:
    Regierungen in demokratischen Staaten handeln zwar in der Regel nicht planvoll, sondern aus der Situation heraus, aber den gewieften Machtpolitiker zeichnet aus, Gelegenheiten beim Schopf zu packen. Der berühmteste Fall eines solchen Tuns in der deutschen Geschichte war der Naziputsch nach dem 28. Februar 1933. Um das Ereignis nutzen und die Demokratie ausser Kraft setzen zu können, müssen die Machthaber und ihre Paladine natürlich vorbereitet sein. 

    Nun ist Corona kein Reichstagsbrand, aber dennoch eine willkommene Gelegenheit. Die Merkel-Paladine hatten mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz Vorarbeit dahingehend geleistet, dass widerspenstige Stimmen zum Schweigen gebracht werden können. Wenn zB statt der Pandemie eine Naturkatastrophe gegeben hätte oder chaotische Zustände durch einen längere Black-Out (- den man zB den Rechten Identitären angelastet hätte), hätten wir eine vergleichbare durch- und übergriffige Kanzlerin, de-facto-Ausschaltung des Parlaments, freiwillig oder mit Staatsknete gleichgeschaltete Medien und per NetzDG sowie „Gegen-Hass“-NGOs eingeschüchterte Kritiker. 

    1984 stellt mE eine Diktatur ohne marxistische oder maoistische Ideologie dar, „das System“ hält sich mit Stasi- und Gestapo-Maßnahmen an der Macht, die Unterdrückungs-Fachleute sind austauschbar. (Sie dienten auch Ho-Chi-Minh bzw Pinochet.) Auch bei „Schöne Neue Welt“ gibt es nur den Machterhalt, es ist nicht mehr nötig, die Menschen durch (leninistische) Zukunftsbilder bei der Stange zu halten.

    Antony Burgess schrieb in dem zweiteiligen Werk „1985“ einen Roman und einige Essays zum Thema „diktatorische Regierung“. Als Orwell 1946 bis 1948 sein 1984 schrieb, befand sich GB in Labour-Händen; die bürgerliche Churchill-Regierung war - ausgerechnet kurz nach dem Sieg gegen Nazi-Deutschland - abgewählt worden. Labour machte sich daran, eine sozialistische Planwirtschaft nach Beispiel des Freundes und Mit-Siegers UdSSR einzuführen: PM Attlee versprach eine Planwirtschaft, um einen nie zuvor gesehenen Wohlfahrtsstaat einzuführen, Vollbeschäftigung zu garantieren, Soziale Ungleichheit zu beseitigen. Das Instrument dazu war die Verstaatlichung der wichtigsten Industrien, das wurde bis 1950 gegen massive Widerstände der konservativ-bürgerlichen Gesellschaftsteile abgeschlossen.

    Orwell sah voraus, dass dies scheitern würde und dass sich dieser „Sozialismus“ nur mit Unterdrückung Andersdenkender würde durchsetzen lassen. Unter der Labour-Regierung wurde die im Krieg eingeführten Zensurgesetze in Kraft gelassen; schon vor 1945 hatte man den Druck von „Animal Farm“ verboten, um den Verbündeten UdSSR nicht zu verärgern. Die Verstaatlichung der Unternehmen und die Aufblähung der Bürokratie unter Labour schuf - in Kombination mit den Erinnerungen an London unter deutschen Bombenangriffen - Atmosphäre für „1984“.

    Burgess 1985 zeigt im Romanteil die Fortsetzung der Labour-Regierung mit ihren Verstaatlichungen und Staatsplanungs- und Bürokratisierungswahn. Ironischerweise mussten die Briten zusehen, wie das besiegte Deutschland sie mit einer ordoliberalen Marktwirtschaft überholte. Ein Nachklang der „britischen Krankheit“ aus Verstaatlichung, Bürokratie und mächtigen destruktiven Gewerkschaften besteht dann aus dem überwältigenden Wahlsieg Margret Thatchers.

    Thatcher war ein Gegentyp zu der Opportunistin Merkel: klar denkend, klar redend, auf Freiheit und individuelle Verantwortung vertrauend. Ein „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ unter Thatcher: undenkbar.

  2. Bei Orwell’s 1984 gibt es eigentlich auch keinen Plan. Es gibt vielleicht auch Big Brother nicht. Die Bruderschaft? Die gibt es vielleicht auch nicht. All das wird am Ende in Frage gestellt. Es ist wohl wie ein Torbogen, der immernoch steht, wenn man das Gerüst wegnimmt. In meiner Naivität dachte ich eine Zeitlang, dass das eine Schwäche des Romans sei. Die Erklärungslosigkeit. Mittlerweile denke ich, dass er den Nagel auf den Kopf trifft. 

    Endlose Kommentare verorten Merkel und Co als Marionetten von düsteren Mächten. Dabei sieht man die Akteure direkt vor Augen. Man sieht zwar, dass Merkel ihre Macht stützt, indem sie mal dem einen, mal dem anderen, eine Gefälligkeit zukommen lässt und sie wirkt entsprechend interessenlos. Die anderen Akteure in den Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Kirchen etc. verfahren aber genauso. Es gibt keinen zentralen Knoten. 

    Ein frustrierender Aspekt bei 1984 ist, dass nur das Böse, die Lust am Leid anderer, als Motivation preisgegeben werden. Natürlich gibt es auch die Mechanismen von Statussucht und Angst, aber im Kern wollen Menschen andere Menschen leiden lassen. Eine unglaublich frustrierende Lektüre. 

    Ebenfalls naiv fand ich auch die Bibel früher. Warum drehen alle immer wieder am Rad, tanzen um ein goldenes Kalb und reiten ihre Esel aufs Glatteis, wenn es ihnen gut geht? Die Antwort des Best-Of aus Jahrhunderten von Überlegungen lautet: weil drum! Da ging es v.a. um einen Kernkonsens: Man soll bitte nix und niemanden anbeten außer den Herrn, nicht Baal oder Erdogan, nicht Aschera oder Putin. Ganz einfach. Das kann ja nicht so schwierig sein. Das wuppen wir doch! Ha! Oh, da kommt schon der heilige Obama … Also egal welcher Kernkonsens anvisiert wird, es ist immer zuviel verlangt.

    • „Es gibt keinen zentralen Knoten.“

      Naja, wie der Führer schon sagte, frei zitiert, umformuliert, und zusammengefasst: „In der Demokratie wird die Verantwortung so sehr hin und her geschoben, dass es schlussendlich niemanden gibt, der noch Verantwortung für das eigene Handeln tragen würde.“

      Darum finde ich Diktaturen mitlerweile besser. „Wer ist dafür verantwortlich, und wen müssen wir jetzt hinrichten“ als einzige politische Lösung setzt von Anfang an die korrekten Anreize. Wenn man das noch mit einem vernünftigen Waffenrecht kombiniert, kann man die politischen Rechte auch weglassen. Wählen ist eh nur ne unzureichende Ersatzhandlung, mit der man nen falschen Eindruck erweckt, und die von Protosozialisten ins Leben gerufen wurde. 

      Übrigens wurde gerade Biden’s SS-Leibstandarte auf ihn persönlich vereidigt. Ist er womöglich doch der Auserwählte? Trump hatte ja die Chance, ist aber vor der Herausforderung zurückgecuckt. Und die größten Leistungen von Politikern hängen in der Regel damit zusammen, ihren eigenen Leuten in den Rücken zu fallen, weils da niemanden gibt, der sie daran hindert. Naja, man wird sehen.

      • Unsinn. Das Motto in Diktaturen lautet „Wen können wir dafür verantwortlich MACHEN und ohne Prozess hinrichten.“ Heute vor 76 Jahren wurden die Lager von Auschwitz befreit, da sollte man so elementare Dinge langsam begriffen haben.

  3. „DDR“-Erfahrene adaptieren den seinerzeit bekannten gültigen Dreihupf:

    Jeder macht, was er will (die MP & MP-Innen),
    keiner macht, was er soll (die Landkreise),
    alle machen mit (die Gesundheitsämter mit Fax und Zetteln).

    Beim Corona-Impfen liegt D weit hinten. Das sollte positiv gesehen werden, denn „Wo wir sind, ist vor. Wenn wir hinten sind, ist hinten vorn“.

    In den Gesundheitsämter arbeitet man deutschlandweit nach der in der „DDR“- bekannten Robinson-Methode: „Warten auf Freitag“

  4. lieber Roger Letsch,
    ein Meisterstück ! Vielen Dank dafür.
    Mit freundichen Grüssen Thomas Banholzer

  5. »Keine Panik!« rufen finde ich gar nicht so schlecht, allerdings sollte man dann auch sinnvolle und für alle praktikable Maßnahmen zur Eindämmung derselben vorschlagen, wie z.B. die DIY-FP2-Maske. Man nehme einen herkömmlichen Schal, befestige daran zwei Kronkorken (vornehmlich von Corona Bierflaschen) und binde sich das Ganze vors Gesicht. Voilá, fertig ist die perfekte FP2-Maske! Ich möchte hier natürlich nicht zur Nachahmung auffordern. Das läge mir fern.

    • Nach meiner Meinung würde stat einer FFP2 auch eine OP-Maske reichen, mit einem Schlauchschal oder selbstgehäkelter Maske darüber, dann hätte es u.U. mehr filterwirkung, als manche Pseudo - FFP2 aus Asien.

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