Good Fellas Arafat und Castro
Good Fel­las Ara­fat und Cas­tro. Bei­de erkann­ten nicht, wann es Zeit war, die Uni­form abzulegen.

Auf Kuba, so hört man, reg­net es häu­fi­ger nachts als am Tage, was die Insel zu einem Para­dies erst für son­nen­hung­ri­ge Tou­ris­ten, dann für zwie­lich­ti­ge Glücks­spiel-Mafio­so und schließ­lich für Revo­lu­ti­ons­träu­mer des Post­so­zia­lis­mus mach­te. Dazu kam für den klei­nen Nach­wuchs­kom­mu­nis­ten noch der schö­ne Schau­er, rings um vom Erz­feind USA umzin­gelt zu sein, ein idea­ler Ort, um Urlaub zu machen. Nir­gends im sozia­lis­ti­schen Welt­reich war man dem „gro­ßen Satan“ näher. Cas­tro zeig­te den USA den Stin­ke­fin­ger und war sich auch nicht zu scha­de, dafür die ato­ma­ren Wurst­fin­ger Chruscht­schows auf die Insel zu holen. Die Tat­sa­che, dass ein Zigar­re rau­chen­der Zau­sel­bart in Mili­tär­dril­lich auf einer fer­nen Kari­bik­in­sel dar­über bestimm­te, ob in Ber­lin oder Frank­furt die Lich­ter aus­gin­gen, sorg­te im Wes­ten für Gän­se­haut und Faszination.

Kuba ist Nordkorea, aber das Wetter ist besser

Wenn man ordent­lich Rum auf die Pal­me gie­ßen kann, über­all 50er-Jah­re Ami-Schlit­ten ums Eck fah­ren und man sich als Tou­rist im Frei­licht­mu­se­um mit brö­ckeln­der Fas­sa­de wähnt, fühlt sich so eine Dik­ta­tur doch gleich viel net­ter an. Beson­ders dann, wenn man nach 14 Tagen wie­der in den Flie­ger nach Euro­pa steigt, als Mit­bring­sel eine sünd­haft teu­re Ech­te „Havan­na“ im Gepäck, ein Che-T-Shirt über dem Bauch und ein „revo­lu­ción o muer­te“ auf den Lip­pen hat. Von innen füh­len sich sol­che „Dik­ta­tu­ren mit geschön­tem Ant­litz“ lei­der ganz anders an. Das „muer­te” darf man näm­lich wört­lich neh­men, wenn man ein Pro­blem mit „revo­lu­ción” hat.

Von außen sieht man leicht über die feh­len­de Frei­heit hin­weg, wen man sie selbst unein­ge­schränkt genie­ßen kann. Cuba ist nach dem Ende der Batis­ta-Dik­ta­tur naht­los in die Cas­tro-Dik­ta­tur geschlit­tert, die sich als ewi­ge Revo­lu­ti­on gerier­te, ganz so, als ob jeden Tag aufs Neue jeder Pflas­ter­stein auf links gedreht wer­den müs­se. Batis­ta sah Kuba als sei­ne pri­va­te Insel an, dicht genug an den USA für sei­ne Bud­dys aus der Unter­welt, weit genug weg vom FBI, das sich gern mit eini­gen der in Havan­na leben­den Exi­lan­ten befasst hät­te. Das Geschäft mit dem Zucker konn­te schon zur dama­li­gen Zeit das Land nicht auf eige­ne Füße bringen.

Nach der Macht­über­nah­me Cas­tros wur­de Kuba wie­der zu einer abhän­gi­gen Zucker­in­sel, nur dass es nun die Sowjet­uni­on war, die die Ali­men­te auf­brach­te. Man bezahl­te aber für die „Lage” des Lan­des, nicht für Zucker und Revo­lu­ti­on. Die Tat­sa­che, dass die Sowjet­uni­on den defi­zi­tä­ren Außen­pos­ten Kuba ohne nen­nens­wer­te Export­gü­ter sub­ven­tio­nier­te und am Leben hielt, obwohl sie sich das eigent­lich längst nicht mehr leis­ten konn­te, ver­kürz­te deren Lebens­zeit um eini­ge Jah­re, Mona­te oder Tage. Viel­leicht ist dies der eine Punkt, den man den Cas­tros gut­schrei­ben soll­te. Lei­der muss sich Kuba die­sen Punkt mit Nord-Korea und ande­ren „Revo­lu­tio­nen“ teilen.

Etwas gab es aller­dings, das Cas­tros Kuba unge­fragt in alle Welt expor­tier­te: Eine eige­ne Revo­lu­ti­on! Mit den poli­ti­schen Spät­fol­gen die­ses Export­booms muss sich die Welt heu­te noch her­um­pla­gen. Man kann sich aber nicht ernst­haft über den Inter­ven­tio­nis­mus der USA bekla­gen, wäh­rend man den Inter­ven­tio­nis­mus Kubas hel­den­haft ver­klärt. Ob in Mit­tel- und Latein­ame­ri­ka oder in Afrika…die „Bera­ter“ von Cas­tro und Ché waren flei­ßig! Sie waren Inspi­ra­ti­on zum Bei­spiel für die Macht­ha­ber in Vene­zue­la, das gera­de unge­bremst den Bach run­ter­geht, inter­ve­nier­ten im Kon­go und in Ango­la, bei­des heu­te moder­ne, zivi­li­sier­te Staa­ten mit Demo­kra­tie und Rechts­si­cher­heit. Ich mach doch nur Spaß! Von Demo­kra­tie kann dort wohl kaum die Rede sein, oder? Nicht zu ver­ges­sen Nica­ra­gua, wo der grei­se Dau­er­prä­si­dent Dani­el Orte­ga gera­de sei­ne Frau als Vize­prä­si­den­tin ins Amt gescho­ben hat – ein wei­ser Mann sorgt für Nach­fol­ge im Fami­li­en­ge­schäft. Ganz wie el Com­man­dan­te, der sei­nen Bru­der Raul ins Amt setz­te, als sich Alter und Krank­heit nicht mehr ver­schlei­ern ließen.

Bei aller Cas­tro-Besof­fen­heit in unse­ren Medi­en – kaum eines kam in den letz­ten Tagen ohne min­des­tens drei oder vier Arti­kel über den Maxi­mo Lea­der auf der Start­sei­te aus – soll­ten wir nicht aus den Augen ver­lie­ren, dass da immer noch ein Cas­tro ist, der Kuba als Dik­ta­tor regiert. Sein nun toter Bru­der Fidel Ale­jan­dro Cas­tro Ruz war ein Dino­sau­ri­er, ein Fos­sil, des­sen blo­ßes Über­le­ben ihm eine Aura der Hei­lig­keit ver­schaff­te. Sei­ne Elo­quenz und die Fähig­keit, mit zehn Stich­punk­ten auf einem Zet­tel eine acht­stün­di­ge Par­tei­tags­re­de zu fül­len, ver­schaff­te ihm die stil­le und manch­mal pein­lich lau­te (stimmt‘s, Herr Junckers?) Bewun­de­rung von Poli­ti­kern aus allen Lagern, beson­ders, wenn die­sen jene Gabe so gänz­lich abging. Aber es genügt eben nicht, ein bril­lan­ter Red­ner zu sein, wenn das, was man den Men­schen zu sagen hat, nur Not, Elend, Ent­beh­run­gen und Unfrei­heit für die­se bedeu­tet. Ent­beh­run­gen, die Cas­tro wort­reich als Frei­heit ver­kauf­te. Von sol­chen Red­nern hat­ten wir in Deutsch­land auch schon eini­ge, wir soll­ten sie eigent­lich erken­nen kön­nen und sie nicht immer wie­der auf Sockel stellen.

Und das US-Embar­go, wer­den Sie sich fra­gen? Ist das nicht schuld an der wirt­schaft­li­chen Mise­re in Kuba? Mal abge­se­hen davon, dass es mit Aus­nah­me der USA von fast nie­man­dem ernst­haft ein­ge­hal­ten wur­de – und kuba­ni­sche Zigar­ren lie­fer­te Kuba mit Umweg über Euro­pa in die Staaten…was hin­der­te zum Bei­spiel Chi­na oder Russ­land dar­an, auf Kuba in gro­ßem Umfang zu inves­tie­ren? Chi­na hat zudem kei­ne Berüh­rungs­ängs­te mit tota­li­tä­ren Sys­te­men, das kann es nicht sein. Ich ver­mu­te, sobald am Auf­wand und Nut­zen ins Ver­hält­nis setzt stellt man fest: Es lohnt sich ein­fach nicht! Das US-Embar­go hat den Cas­tros bei der Auf­recht­erhal­tung ihrer sozia­lis­ti­schen Traum­welt am Ende viel­leicht mehr gehol­fen als gescha­det. Raul Cas­tro wäre also im Sin­ne der „ewi­gen Revo­lu­ti­on“ gut bera­ten, Donald Trump eine schi­cke Kis­te voll mit den edels­ten Havan­nas zu schi­cken. Ver­bun­den mit der Bit­te, die vor­sich­ti­ge Annä­he­rung der USA an Kuba schleu­nigst zurück­zu­dre­hen. Ande­ren­falls könn­te es pas­sie­ren, dass das kuba­ni­sche Volk sich bald dar­an erin­nert, wie man Pflas­ter­stei­ne auf links dreht. Das hat man schließ­lich jahr­zehn­te­lang geübt.

Übri­gens: War­um steht Cas­tro nur bis zu den Knien im Höl­len­feu­er, wäh­rend Ara­fat bis zum Hals in den Flam­men steckt? Cas­tro steht auf den Schul­tern von Lenin, Sta­lin und Mao. – alter Katholikenwitz

Vorheriger ArtikelHarden your broadcast – überleben im Denunziantenstadl Facebook
Nächster ArtikelMaria ist tot

2 Kommentare

Comments are closed.