„Ein Sys­tem, das aus sei­nen Feh­lern nicht lernt, 
ist ein gefähr­li­ches Sys­tem.“ (Bret Weinstein)

Ich weiß nicht mehr Tag noch Stun­de, zu der im Jahr 2020 ein gewis­ser Prä­si­dent, des­sen Name bes­ser nicht mehr genannt wer­den soll­te, das Video der ame­ri­ka­ni­schen Ärz­tin Dr. Stel­la Imma­nu­el aus Texas auf Twit­ter pos­te­te, in dem es abge­kürzt dar­um ging, dass es hoff­nungs­vol­le Behand­lungs­mög­lich­kei­ten gäbe und das ers­te Mal der Name jenes alten Mala­ria­prä­pa­ra­tes gefal­len war: Hydro­xychlo­ro­qui­ne oder kurz HCQ. “Ame­ri­ca, you don’t need to be afraid. Covid has a cure.“ – sag­te Dr. Imma­nu­el. Die Medi­en stell­ten die Sache dar, als habe die­ser Prä­si­dent die Ame­ri­ka­ner auf­ge­for­dert, Chlor­blei­che zu sau­fen oder irgend eine wir­kungs­lo­se Wun­der­tink­tur zu schlu­cken und als Ergeb­nis einer aus­ge­wach­se­nen Hys­te­rie zen­su­rier­ten Twit­ter und Face­book schon die Erwäh­nung des Wor­tes. Und das war erst der Anfang.

Zwar gab es immer mal wie­der Berich­te über Stu­di­en, aber medi­al koch­te man das The­ma abseits von „Oran­geman­bad“ mög­lichst auf klei­nem Feu­er. Fest stand, dass jeder, der ab die­sem Zeit­punkt Hydro­xychlo­ro­qui­ne hör­te, sofort den­ken soll­te: ‚Die­ser Trump, was für ein Honk!‘ Unter dem Radar der Öffent­lich­keit schrei­tet die For­schung jedoch vor­an und auch die kli­ni­schen Expe­ri­men­te nach dem Prin­zip „Ver­such und Irr­tum“ gin­gen wei­ter. Gera­de in der Anfangs­zeit mit vie­len beson­ders schwe­ren Krank­heits­ver­läu­fen war­fen Kli­nik­ärz­te in den USA sprich­wört­lich „the who­le kit­chen sink“ nach dem Virus, hof­fend, dass irgend­was die Sym­pto­me lin­dern und den Ver­lauf der Krank­heit bei den Pati­en­ten in den Griff bekom­men wür­de. Gehen wir zurück in den Som­mer 2020, als besag­ter Prä­si­dent noch im Amt war und die Medi­en augen­schein­lich nur eine ein­zi­ge Agen­da zu haben schie­nen: Alles was er sag­te, muss falsch, gelo­gen, bös­ar­tig, ras­sis­tisch oder im Auf­trag Putins erfol­gen. Meist sogar alles zusammen.

Ivory will’s wissen

In eben die­se Zeit, genau­er auf den 10. August 2020, fiel auch eine Repor­ta­ge von Ivory Hecker, in der sie für ihren loka­len News­sen­der Fox26 über „Medi­cal Teams“ der Armee berich­te­te, die damals an ver­schie­de­nen Kli­ni­ken in Hous­ton Texas das über­las­te­te Per­so­nal ver­stärk­ten, dar­un­ter auch am „United Memo­ri­al Medi­cal Cen­ter“ (UMMC). Ihre Redak­ti­on hat­te Hecker geschickt, um mehr über die Behand­lung von Covid zu erfah­ren und sie führ­te Inter­views mit Kli­nik­per­so­nal und den Hel­fern der Armee. In ihrer Anmo­de­ra­ti­on im Home­of­fice kün­digt Hecker die Infor­ma­tio­nen über die Behand­lung von Covid-Pati­en­ten auch noch an, im Clip fin­det sich jedoch nichts mehr davon. Ledig­lich der Hin­weis auf die hohe Erfolgs­ra­te der Kli­nik bei der Behand­lung der Pati­en­ten sowie der Hin­weis, dass man Zwangs­be­atmung „wie den Teu­fel“ zu mei­den ver­su­che, blie­ben im Beitrag.

Dr. Joseph Varon, der Chef­arzt des UMMC, hat­te im ursprüng­li­chen Inter­view aber noch ande­res zu berich­ten, was es dann nicht in den fina­len Schnitt des Sen­ders schaff­te. Grund: es pass­te nicht ins gül­ti­ge Nar­ra­tiv und ent­sprach so gar nicht der hys­te­ri­schen Bericht­erstat­tung über HCQ und was es alles nicht konn­te. Grund für das Weg­las­sen sei­tens des Sen­ders: Hecker gebe nicht an, wel­che Medi­ka­men­te Dr. Varon außer dem „umstrit­te­nen“ Hydro­xychlo­ro­qui­ne (HCQ) sonst noch nut­ze. Ergänzt um die­se Infor­ma­ti­on stell­te Hecker den weg­ge­las­se­nen Schnip­sel des Inter­views mit Dr. Varon, in wel­chem die­ser erklär­te, auch das poli­tisch heiß dis­ku­tier­te Hydro­xychlo­ro­qui­ne bei sei­nen Pati­en­ten zu ver­wen­den und damit gute Ergeb­nis­se zu erzie­hen, auf ihrer Face­book­sei­te. Hecker hat­te also genau das nach­ge­lie­fert, was ihre Bos­se bei Fox26 moniert hat­ten. Dach­te sie!

Doch da hat­te Ivory Hecker wohl etwas falsch ver­stan­den. Nicht die unvoll­stän­dig wie­der­ge­ge­be­ne Medi­ka­ti­on Varons, son­dern die blo­ße Erwäh­nung des Wor­tes „Hydro­xychlo­ro­qui­ne“ im posi­ti­ven Kon­text war das Pro­blem. Nach dem nun fol­gen­den Anschiss ihrer Chefs leg­te Hecker wie gewünscht ihre Social­me­dia-Accounts still und berich­te­te nicht mehr über das The­ma. Am 8. Sep­tem­ber erhielt sie eine schrift­li­che Ver­war­nung ihres Sen­ders, weil sie Instruk­tio­nen des Manage­ments von Fox26 nicht befolgt habe. Dar­in wird mit frech ver­scho­be­ner Zeit­an­ga­be behaup­tet, dass Hecker bereits Ende Juli auf­ge­for­dert wor­den sei, nicht über HCQ zu berich­ten – was glatt gelo­gen war. Man wol­le ihr hel­fen, so die Begrün­dung für die­se fal­sche, kar­rie­re­schä­di­gen­de Behaup­tung. Erst als Hecker den Fall ihrem Anwalt über­gab, änder­te der Sen­der den Ton­fall und lösch­te die schrift­li­che Ver­war­nung aus Heckers Personalakte.

Hecker selbst war es, die schließ­lich Anfang Juni 2021 nach zahl­rei­chen mit­ge­schnit­te­nen Tele­fo­na­ten und Video-Kon­fe­ren­zen die Bom­be plat­zen ließ – noch dazu bei einer Repor­ta­ge auf Fox26.

Ihrem Bericht über kaput­te Kli­ma­an­la­gen stell­te sie ihre Erklä­rung vor­an, wie sie vom Sen­der unter Druck gesetzt wur­de, nicht über das zu berich­ten, was die Zuschau­er wis­sen woll­ten. Der Sen­der dürf­te nicht sehr glück­lich gewe­sen sein, zumal Hecker als Ver­öf­fent­li­chungs­platt­form ihres Whist­leb­lowings aus­ge­rech­net Pro­jekt­Ve­ri­tas nann­te, aber in eine Live-Repor­ta­ge ein­zu­grei­fen, wag­te man bei Fox26 wohl auch nicht.

Bei jeder Kri­tik Heckers an ihrem nun ehe­ma­li­gen Sen­der zieht sich eine Aus­sa­ge wie ein roter Faden durch alles: wir (also der Sen­der) berich­ten, was die Zuschau­er von uns erwar­ten. Wobei die Fra­ge, ob die Erwar­tun­gen nicht eher Pro­jek­tio­nen des Sen­ders sind, leicht zu beant­wor­ten ist. Wenn Hecker etwa bei Berich­ten über Bit­coin in ihrem News­seg­ment um 17 Uhr stets abschlä­gig beschie­den wird, weil um die­se Zeit vor­wie­gend „arme Schwar­ze“ zuse­hen wür­den, die mit Bit­coin nichts am Hut hät­ten, drängt sich jedem halb­wegs intel­li­gen­ten Beob­ach­ter sofort der Ver­dacht des Ras­sis­mus der gesenk­ten Erwar­tun­gen auf. Man berich­tet also nicht „was ist“, um ein abge­dro­sche­nes und dort auch längst nicht mehr (nicht erst seit Relo­ti­us) behei­ma­te­tes Mot­to des Spie­gel zu bemü­hen, son­dern das, was man glaubt, der Ziel­grup­pe zumu­ten zu können.

Heckers zuge­schla­ge­ne Tür stürzt die Medi­en­bran­che in den USA gera­de in ein Dilem­ma. Denn einer­seits möch­te man dort nur zu gern jede Gele­gen­heit nut­zen, um die Kon­zern­mut­ter von Fox26 mit Dreck zu bewer­fen, ande­rer­seits ist gera­de der ver­ächt­li­che Umgang mit dem The­ma HCQ auch bei allen ande­ren Medi­en gel­ten­de Haus­po­li­tik. Man ent­schied sich schließ­lich für die Vari­an­te Schmie­ren­stück und „Dai­ly Beast“ brach­te einen Arti­kel, in dem all die ein­ge­üb­ten Klin­gel­wor­te des letz­ten Jah­res hin­ter­ein­an­der spa­zie­ren gehen. Man kapri­zier­te sich auf die Per­son Ivory Hecker, um sich nicht mit den Aus­sa­gen ihrer Inter­view­part­ner und der Tat­sa­che befas­sen zu müs­sen, dass sie nicht Mes­sen­ger, son­dern nur Deli­very Girl war. Ihre Illoya­li­tät vor lau­fen­der Kame­ra wie­ge schwe­rer als die paar klei­nen Dienst­an­wei­sun­gen, die sie nicht befol­gen woll­te und wer mit den „rechts­ex­tre­men Akti­vis­ten“ bei Pro­ject­Ve­ri­tas pak­tiert, nun ja, dem sei ohne­hin nicht zu helfen.

Der „geneig­te“ Leser ist nach der Lek­tü­re des „Dai­ly Beast“-Artikels wie­der an Bord der Andrea Doria und HCQ in all sei­nen Dar­rei­chungs­for­men nach wie vor unwirk­sa­mes Teu­fels­zeug, das Trump als Wun­der­mit­tel emp­foh­len habe. Hat er nicht, der Opti­mis­mus stammt von Dr. Stel­la Imma­nu­el, aber wen inter­es­siert das noch. Die War­nun­gen blei­ben bestehen, ganz gleich, ob Medi­zi­ner an der „Front“ das Mit­tel sehr wohl, und zwar in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Prä­pa­ra­ten, ein­set­zen. Und es sind nicht die erfolg­lo­ses­ten Ver­su­che. Empi­rie schlägt auch das best­ge­web­te poli­ti­sche Nar­ra­tiv und so ist es durch­aus denk­bar, dass die Pres­se eines Tages doch noch die Sei­ten wech­selt, wie dies im Fall der Lab-Leak-Hypo­the­se gera­de der Fall ist. Die Fra­ge ist nur, wer soll der Pres­se noch glau­ben, wenn der Schwenk, wie wir gleich sehen wer­den, ohne das gerings­te Bewusst­sein für eige­ne Feh­ler erfolgt?

Woher stammt das Virus?

Es gibt die Ver­mu­tung, dass das Can­celn von Idee, Theo­rien und Per­so­nen ein Blitz sei, der nur Rechts der Mit­te und bei Kon­ser­va­ti­ven ein­schlägt und da sich die ten­den­zi­ell eher lin­ken Medi­en (nicht nur in den Staa­ten) mit sol­cher Ver­bis­sen­heit auf alles stürz­ten, was jemals mit Trump in Berüh­rung kam, scheint sich die­se Ver­mu­tung zu bestä­ti­gen. Eben­so wie die Sta­tis­tik der gelösch­ten Kon­ten bei Twit­ter, Face­book oder You­Tube. Doch im ver­eng­ten Mei­nungs­kor­ri­dor lie­gen über­all Minen und selbst Iko­nen oder erklär­te Anhän­ger des eher lin­ken Spek­trums tre­ten mit zuneh­men­der Häu­fig­keit und Hef­tig­keit hinein.

So wie unlängst Talk­show­le­gen­de Jon Ste­ward, der sei­nen Rück­zug aus der Öffent­lich­keit bei Ste­phen Col­bert kurz unter­brach, um mit Anlauf und Arsch­bom­be in das Fett­näpf­chen „Lab-Leak“ hin­ein­zu­sprin­gen. Der bil­der­buch­li­be­ra­le Ste­ward, gewis­ser­ma­ßen fünf Jah­re lang wie Han Solo in Car­bo­nit ein­ge­fro­ren, hat­te offen­sicht­lich kei­ne Ahnung, in was für einen Shit­s­torm er mit sei­ner komö­di­an­ti­schen Ein­la­ge hin­ein­ge­ra­ten wür­de und was heu­te gar nicht mehr geht, obwohl es vor fünf Jah­ren noch völ­lig nor­mal war: geheim­dienst­li­che oder doch zumin­dest ver­mu­te­te Kon­spi­ra­tio­nen der Regie­rung aufs Korn zu neh­men, ganz gleich, ob gera­de ein „D“ oder ein „R“ hin­ter dem Namen des Prä­si­den­ten steht.

Gut, die Lab-Leak-Hypo­the­se ist eigent­lich reha­bi­li­tiert, seit die Regie­rung Biden Ermitt­lun­gen in die­se Rich­tung ein­ge­lei­tet hat. Und sie bleibt vor­erst auch genau das: eine Hypo­the­se. Auf Face­book und Twit­ter wird nicht mehr sofort gelöscht und gesperrt, wer in die­se Rich­tung argu­men­tiert. Wie groß­zü­gig! Aber doch bit­te nicht so hef­tig drauf hau­en wie Jon Ste­ward und vor allem mit mehr Kon­junk­ti­ven bit­te! Die Pas­sa­gie­re könn­ten bemer­ken, dass der Pilot im Wei­ßen Haus gera­de eine sanf­te Wen­de fliegt, um auch in die­ser Sache auf den alten „Chi­na Virus“ Kurs sei­nes Vor­gän­gers ein­zu­bie­gen und wol­len womög­lich Erklä­run­gen für den Sin­nes­wan­del haben. Und für Erklä­run­gen steht Joe Biden nun wirk­lich nicht zur Verfügung.

Monstren, Mutationen, Hypothesen

Als Erklär­bär ers­ter Güte darf hin­ge­gen Bret Wein­stein gel­ten. Der Bio­lo­gie­pro­fes­sor und eins­ti­ge Unter­stüt­zer von Ber­nie San­ders lehr­te bis 2017 am Ever­green Sta­te Col­le­ge in Washing­ton Sta­te, einer Uni­ver­si­tät mit selbst für ame­ri­ka­ni­sche Ver­hält­nis­se erheb­lich lin­ker Schlag­sei­te. Eine Grup­pe von 50 Stu­den­ten, die nicht ein­mal sei­ne Stu­den­ten waren, schaff­te es schließ­lich, Wein­stein von der Uni zu wer­fen, weil der sich wei­ger­te, am soge­nann­ten „Tag der Abwe­sen­heit“ (einer neu­en Erfin­dung im „Kampf“ gegen den Ras­sis­mus) als Wei­ßer dem Cam­pus fern zu blei­ben. Wein­stein kam und muss­te schließ­lich gehen. Mit ihm sei­ne Frau, die Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gin Hea­ther Heying. Hier fin­den Sie eine sehr gute und voll­stän­di­ge Abhand­lung von Matt Tai­bi zur gesam­ten Cau­sa Weinstein.

Der You­Tube-Kanal „Dark Hor­se“, den die bei­den arbeits­lo­sen Pro­fes­so­ren seit­dem betrei­ben, darf wäh­rend der gesam­ten Coro­na-Manie als posi­ti­ves Bei­spiel dafür ange­se­hen wer­den, was es heißt, offen und nahe am Stand der (zugäng­li­chen) For­schung zu argu­men­tie­ren. Wein­stein und sei­ne Gäs­te, unter ihnen auch der Erfin­der der mRNA-Impf­stoff­tech­no­lo­gie, Dr. Robert Malo­ne, bewe­gen sich dabei stets auf dem Feld der Hypo­the­se, inter­pre­tie­ren Sta­tis­ti­ken, Sym­pto­me, Stu­di­en, kurz, sie beackern das Feld mit den ihnen zu Gebo­te ste­hen­den wis­sen­schaft­li­chen Methoden.

Falsch­aus­sa­gen oder gegen die Richt­li­ni­en von You­Tube oder die der WHO konn­ten schon des­halb nicht zu bemän­geln sein, weil sich Sach­lich­keit und Erkennt­nis­ge­winn wie rote Fäden durch sie Debat­ten auf „Dark Hor­se“ zogen. Man betritt jeden Weg auf dem unsi­che­ren Unter­grund der Hypo­the­se, und sei es nur um zu prü­fen, ob er trägt. Dass sol­ches in der über­reiz­ten Welt der Medi­en und des poli­ti­schen Akti­vis­mus als Ver­schwö­rungs­theo­rien oder Aluhut-Moden­schau­en wahr­ge­nom­men wird, offen­bart im bes­ten Fall, wie dünn die ver­bin­den­de Bil­dungs­de­cke über der west­li­chen Welt mitt­ler­wei­le ist. Im schlimms­ten Fall sieht man lei­der nur die bös­ar­ti­ge Lust an Denun­zia­ti­on und Intrige.

Auch gegen Wein­stein und Heying warf mal wie­der „Day­lie Beast“ den ers­ten Stein, sprach von „Ste­ve Ban­non Wuhan Lab COVID Con­spi­ra­cy“ und griff damit gleich zum Äußers­ten, dem (ins Deut­sche über­setzt) „Höcke-Ver­gleich“. Diver­se Video­lö­schun­gen und Ver­war­nun­gen gegen „Dark Hor­se“ folg­ten und weil bei Goog­le die Dok­trin „Drei Ver­war­nun­gen und du bist raus“ gilt, hängt über dem Kanal nun das Damo­kles­schwert der end­gül­ti­gen Löschung, ganz egal ob es mitt­ler­wei­le offi­zi­ell mög­lich und „gestat­tet“ ist, über die Her­kunft des Virus oder die Risi­ken der Imp­fung gegen das Virus zu spre­chen. Genau­so wie völ­lig dane­ben gegan­ge­ne „Fak­ten­checks“ nicht dazu füh­ren, dass die Fak­ten­che­cker ihre eige­ne Wis­sens­an­ma­ßung erken­nen, ändert die neue „Mei­nungs­ge­stat­tungs­la­ge“ nichts an der Situa­ti­on des YouTube-Kanals.

Kommunikationsfehler wohin man schaut

Jetzt muss­te ich schon meh­re­re Sei­ten schrei­ben, nur um eini­ges ein­füh­ren­de Mate­ri­al für mei­ne eige­ne Hypo­the­se zusam­men­zu­tra­gen. Im Fall Ivory Hecker blie­ben vali­de Infor­ma­tio­nen in den poli­ti­schen Fil­tern eines Medi­en­netz­wer­kes hän­gen, weil man sich dort anmaß­te, ent­schei­den zu dür­fen, was die Ziel­grup­pe erfah­ren darf und was nicht. Die Wahr­schein­lich­keit, dass sol­che Ent­schei­dun­gen nach Guts­her­ren­art am Ende doch ent­deckt wer­den, ist heu­te, in den Zei­ten der sozia­len Medi­en, sehr hoch.

Sicher, es gab sol­che Prak­ti­ken und auch die Ent­hül­lun­gen zu jeder Zeit, doch erst heu­te wird der­lei Geba­ren als Pro­blem gese­hen, wel­ches dem Anse­hen der Medi­en und damit deren Rele­vanz immer stär­ker scha­det. Je trans­pa­ren­ter die Medi­en ihre Recher­chen und Berich­te gestal­ten – was bedeu­ten kann, dass eine Recher­che auch mal zu nichts Spek­ta­ku­lä­ren führt – des­to grö­ßer die Glaub­wür­dig­keit. Dass bei sol­cher Arbeit nicht immer Berich­te ent­ste­hen kön­nen, die den Autoren als genia­len Men­schen­flüs­te­rer und Skan­da­l­auf­de­cker vor dem Herrn daste­hen las­sen, ver­steht sich von selbst. Das ist die Schat­ten­sei­te die­ses Weges: er ist lang­wei­lig. Die Alter­na­ti­ve zu maxi­ma­ler Trans­pa­renz wäre eine ech­te, offe­ne­re Feh­ler­kul­tur, bei der die Mea-Cul­pa-Glo­cke jedoch min­des­tens so groß und laut sein müss­te, wie die mit der rei­ße­ri­schen, aber fal­schen Nach­richt. Die Schat­ten­sei­te die­ses Weges ist ein ver­narb­ter Rücken. Einen von bei­den wer­den die Medi­en gehen müs­sen, wenn sie nicht wie Schnee in der Früh­lings­son­ne all­mäh­lich ver­schwin­den wollen.

Der Fall Weinstein/Heying wie­der­um zeigt das Dilem­ma, in wel­ches sich die zu Selbst­zen­sur, poli­ti­schem Druck und eige­ner poli­ti­scher Schlag­sei­te nei­gen­den Face­book, Twit­ter und You­Tube bege­ben haben. Einer­seits wegen der gro­ßen Reich­wei­te ein Segen, ver­engt die rigi­de Hand­ha­bung von „Regeln“ auch jeden wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs, weil die Bots, Algo­rith­men und schlecht bezahl­ten Lösch­trup­pen nicht zwi­schen Falsch­aus­sa­ge, Hypo­the­se, Theo­rem, seman­ti­scher Zuspit­zung, fach­kun­di­ger Ana­ly­se oder Replik unter­schei­den kön­nen. Das bedeu­tet nicht, dass die Algo­rith­men bes­ser wer­den müs­sen. Die hin­ken der Ent­wick­lung der Spra­che und jeder wis­sen­schaft­li­chen Debat­te immer hinterher.

Das bedeu­tet aber, dass jeder wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs nur noch weit ent­fernt von den sozia­len Medi­en und der Öffent­lich­keit ent­fernt statt­fin­den kann, sobald er kon­tro­vers geführt wird. Sobald sich eine Sei­te den Schlüs­sel zum poli­ti­schen Main­stream ver­schafft hat, endet unwei­ger­lich jede Debat­te durch Stumm­schal­tung – etwa so, wie wir das schon mit The­men wie der Atom­ener­gie, Elek­tro­mo­bi­li­tät oder dem Kli­ma­wan­del erlebt haben. Ziel der For­schung ist dann nicht mehr die Erkennt­nis, son­dern mög­lichst schnell in der Poli­tik anschluss­fä­hig zu werden.

Was es braucht, um schlech­te Debat­ten, Lügen und Fehl­in­for­ma­tio­nen vor­zu­beu­gen ist nicht weni­ger, son­dern mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on, mehr Debat­ten, mehr freie Rede und mehr erlern­te Kom­pe­tenz, in dem Infor­ma­ti­ons­wirr­war schnö­den Koh­len­stoff von edlen Dia­man­ten unter­schei­den zu kön­nen. Nicht immer sicher, aber mit der Zeit immer siche­rer und öfter.

Dem aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Zwang, sich in Sachen Covid bedin­gungs- und kri­tik­los hin­ter den jewei­li­gen Regie­rungs­kurs stel­len zu müs­sen, wäre Wein­steins Kanal bei­na­he zum Opfer gefal­len und könn­te dies immer noch. Damit zumin­dest eine der Erkennt­nis­se Wein­steins nicht ver­lo­ren geht, näm­lich die des qua­li­ta­ti­ven Unter­schie­des, ob das Sars-Cov-2-Virus am Ende doch durch natür­li­che Muta­ti­on oder tat­säch­lich durch einen Labor­un­fall bei der Gain-of-Func­tion-For­schung in Wuhan sei­ne „Stun­de Null“ hat­te, las­se ich zum Abschluss Bret Wein­stein, der aus­ge­rech­net jah­re­lang an Fle­der­mäu­sen forsch­te, das (von mir hof­fent­lich nicht ent­stel­lend kom­pri­mier­te) Wort:

Wenn es aus einem Labor kommt, ist es das Resul­tat eines bere­chen­ba­ren Feh­lers, ver­ur­sacht durch das Umge­hen des in den USA bestehen­den Ver­bots einer For­schung, die des­halb off­shore in Wuhan statt­fin­det. […] wir könn­ten unser Ver­hal­ten also kor­ri­gie­ren, um so etwas in Zukunft zu ver­mei­den. Wenn wir so tun, als han­de­le es sich um eine natür­li­che Ent­wick­lung, könn­ten wir zu dem Schluss kom­men, noch nicht genug geforscht zu haben und wei­ten die For­schung in sol­chen Labors stark aus. Covid-19 wür­de als Demons­tra­ti­on dafür die­nen, dass wir die Arbeit in noch viel grö­ße­rem Maß­stab aus­wei­ten müs­sen, weil sie nicht schnell genug war, um Covid-19 zu verhindern.

Und jetzt dür­fen Sie selbst dar­über grü­beln, lie­be Leser, in wel­cher die­ser bei­den zukünf­ti­gen Wel­ten es einer Regie­rung leich­ter fal­len wür­de, die Men­schen in einem per­ma­nen­ten Alarm­zu­stand zu hal­ten, in wel­chem „Nach der Pan­de­mie“ immer nur „Vor der Pan­de­mie“ bedeu­tet. In wel­cher die­ser bei­den Wel­ten wol­len sie leben? In wel­cher hät­te der Staat mehr Macht über das Leben jedes Ein­zel­nen? Sehen Sie jetzt, wie rele­vant die Fra­ge nach dem „woher“ wirk­lich ist und war­um unse­re Poli­ti­ker so ungern mit uns dar­über reden wollen?

Vorheriger ArtikelNachrichten aus dem Auenland – woke, woker, Neuseeland
Nächster ArtikelGreenpeace – Wir sind die Guten!

2 Kommentare

    • Ach, so isses. Wie sag­te einst ein Bau­meis­ter: Dem ist nichts hinzuzufügen.

Comments are closed.