Unan­genehmen Enthül­lun­gen begeg­net man am wirkungsvoll­sten, indem man sie als Ver­schwörungs­the­o­rie beschimpft und schon dreimal durchs Dorf gejagt hat, bevor sie offen­bar wer­den. Wie angekündigt hat Twit­ter­boss Musk mit der Veröf­fentlichung intern­er schmutziger Inter­na bei Twit­ter begonnen, deren Exis­tenz außer Frage stand. Nur der Zweck der Schweinereien wurde stets sehr ver­schieden dargestellt, näm­lich entwed­er als wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Mei­n­ung­shy­giene oder als dreiste Zen­sur im Auf­trag poli­tis­ch­er Kräfte. Als Musk nun das erste Bün­del an einen Jour­nal­is­ten zur Bear­beitung weit­er­gab – es han­delte sich um Details der Gen­e­sis des soge­nan­nten „Lap­top from Hell“ von Hunter Biden – war die Aufre­gung über den Inhalt der Doku­mente ger­ing und die Medi­en bemüht­en sich nach Kräften, das Vorurteil ihrer Vor­ein­genom­men­heit zu bestäti­gen, indem sie die Sache laut beschwiegen oder vom The­ma ablenk­ten, indem sie den Über­bringer der Nachricht­en (Matt Taib­bi) tadel­ten oder den Absender (Elon Musk) ad hominem angrif­f­en. Aber dazu später. Reka­pit­ulieren wir zunächst das Dilem­ma, in das sich Twit­ter im Jahr 2020, kurz vor den Präsi­dentschaftswahlen, begab.

Die Titelgeschichte in der New York Post kam für die Demokratis­che Partei zur Unzeit. Die Eska­paden von Bidens Sohn Hunter, sein Dro­genkon­sum, die end­lose Rei­he von Pros­ti­tu­ierten, ver­störende Fotos und die selt­samen Geschäfte warten zwar keine schöne Sache, betrafen Joe Biden jedoch nicht direkt. Anders sah es aus mit den vie­len Hin­weisen auf die Art und Weise, die die Bidens ihre Fam­i­liengeschäfte organ­isiert hat­ten. Da waren die „10% fort he big guy“, die Flüge Hunters in der Air Force 2 nach Chi­na, sein Vor­stand­sposten bei Buris­ma in der Ukraine ohne nen­nenswerte Exper­tise außer seinem Namen, gemein­same Kon­ten, Joes Tre­f­fen mit Hunters Geschäfts­fre­un­den und vieles mehr. Ein Schlaraf­fen­land sowohl für inves­tiga­tiv­en Jour­nal­is­mus als auch die Staat­san­waltschaft, sofern bei­de wil­lens wären, ihren Job zu machen.

Solche Geschicht­en sind natür­lich auch ein gefun­denes Fressen für die poli­tis­chen Geg­n­er und die waren sichtlich ange­fressen, als der Artikel der NYP aus den sozialen Medi­en ver­schwand. Kurze Zeit später sper­rte Twit­ter den Account der ältesten Tageszeitung der USA gle­ich ganz und deak­tivierte auch den Account der Press­esprecherin des Weißen Haus­es, weil diese es gewagt hat­te, den Artikel zu posten. Die Sperre führte zu einem wüten­den Schreiben von Trumps Wahlkampfmi­tar­beit­er Mike Hahn an Twit­ter: „Tun Sie zumin­d­est so, als wür­den Sie sich um die näch­sten 20 Tage küm­mern.“

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Gemeint waren die verbleiben­den 20 Tage bis zur Präsi­dentschaftswahl. Doch Twit­ter hat­te ein Prob­lem: was sollte man als Grund für die Nachricht­ensperre angeben? Das Beste, was man als Auss­chlusskri­teri­um in den Geschäfts­be­din­gun­gen find­en kon­nte, waren „gehack­te Mate­ri­alien“, doch für diese Regel hätte es ein­er offiziellen und strafrechtlichen Fest­stel­lung eines Hacks bedurft, die es jedoch nicht gab. Als gestohlen kon­nte man das Ding auch nicht beze­ich­nen, ohne dadurch dessen Echtheit zu bestäti­gen.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Wir erin­nern uns, wer das im Reparaturladen vergessene Lap­top in die Fin­ger bekam, nach­dem es der Ladenbe­sitzer auch dem FBI emp­fohlen hat­te? Richtig, Rudi Giu­liani, der Fre­und und Anwalt von Trump. Doch auch dazu kom­men wir später noch. Erst mal musste Twit­ter reagieren, denn man bekam Feuer von Carl Szabo von der Fir­ma NetChoice, wo man die Stim­mung im Kongress nach Veröf­fentlichung des Artikels in der NYP bere­its abgek­lopft hat.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Twit­ter mod­eriere nicht genug „schädliche Inhalte“, und wenn es doch passiert, wie im Fall des NYP-Artikels, wird die Mod­er­a­tion selb­st zur Sto­ry. Würde mehr „mod­eriert“, kämen die Kon­ser­v­a­tiv­en gar nicht auf die Idee, die sozialen Medi­en für Desin­for­ma­tion, Fehlin­for­ma­tion oder anderes zu nutzen. Die Demokrat­en unter den Befragten waren sich einig: Die sozialen Medi­en müssen mehr mod­erieren, weil son­st die Demokratie kor­rumpiert und jede “Wahrheit” rel­a­tiviert werde. Auf die Frage, wie die Regierung dies im Ein­klang mit dem Ersten Ver­fas­sungszusatz durch­set­zen kön­nte, wink­ten sie ab: „Der erste Ver­fas­sungszusatz ist nicht abso­lut“ – was wirk­lich gesagt wer­den darf, bes­tim­men ab sofort ein Twit­terzen­sor und ein paar nach ihrer Mei­n­ung gefragte demokratis­che Kon­gress­ab­ge­ord­nete.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Das sahen aber wohl nicht mal alle Abge­ord­neten der Demokrat­en so. Eine rühm­liche Aus­nahme war Ro Khan­na, Kon­gress­ab­ge­ord­neter aus Kali­fornien, der das Gespräch mit Twit­ter wieder auf die im ersten Ver­fas­sungszusatz garantierte Rede- und Mei­n­ungs­frei­heit zurück­brin­gen wollte.

„Aber das scheint ein Ver­stoß gegen die Grund­sätze des 1. [Ver­fas­sungszusatzes] zu sein. Wenn es einen Hack von Ver­schlusssachen oder anderen Infor­ma­tio­nen gäbe, die ein schw­eres Kriegsver­brechen aufdeck­en kön­nten, und die NYT diese veröf­fentlichen würde, sollte sie das Recht dazu haben. Ein Jour­nal­ist sollte nicht für die ille­galen Hand­lun­gen der Quelle zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den, es sei denn, er hat den Hack aktiv unter­stützt. Die Ver­bre­itung dieses Mate­ri­als einzuschränken, ins­beson­dere in Bezug auf einen Präsi­dentschaft­skan­di­dat­en, scheint also nicht im Ein­klang mit den Grund­sätzen des Urteils NYT/Sullivan zu ste­hen. Ich sage das als absoluter Biden-Parteigänger und bin überzeugt, dass er nichts falsch gemacht hat. Aber bei der Geschichte geht es jet­zt mehr um Zen­sur als um rel­a­tiv harm­lose E‑Mails, und sie ist zu ein­er größeren Sache gewor­den, als sie es gewe­sen wäre. […] Aber in der Hitze eines Präsi­dentschaftswahlkampfes scheint die Ein­schränkung der Ver­bre­itung von Zeitungsar­tikeln (selb­st wenn die NY Post recht­sex­trem ist) mehr Gegen­reak­tio­nen her­vorzu­rufen als Gutes zu bewirken.“

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Vijaya Gadde, die dama­lige Chefjus­ristin bei Twit­ter, antwortete schnell und bewies, dass sie das Prob­lem gar nicht ver­standen hat­te, dass der Abge­ord­nete bezüglich der Gel­tung des Ver­fas­sungszusatzes sah:

„Hal­lo Kon­gress­ab­ge­ord­neter Khan­na,
vie­len Dank, dass Sie sich gemeldet haben, wir wis­sen die Vor­war­nung zu schätzen. Wir haben heute Abend eine Rei­he von Tweets veröf­fentlicht, um unsere Poli­tik bezüglich der Veröf­fentlichung pri­vater Infor­ma­tio­nen und der direk­ten Ver­linkung zu gehack­tem Mate­r­i­al zu erläutern. Das Kon­to der Press­esprecherin wurde nicht dauer­haft ges­per­rt — wir haben sie aufge­fordert, den Tweet zu löschen, der Mate­r­i­al enthält, das gegen unsere Regeln ver­stößt, und ihr Kon­to ist ges­per­rt, bis sie dem nachkommt. […]“

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Aber es gab keine „Hacks“. Nur Twit­ters “Not”, eine poli­tis­che Entschei­dung als im Ein­klang mit offiziellen Fir­men­regeln darzustellen. Yoel Roth, der dama­lige Chef für „Ver­trauen und Sicher­heit“ bei Twit­ter, ver­an­lasste „in Anbe­tra­cht der schw­er­wiegen­den Risiken in diesem Fall“ die Mel­dung, mit welch­er Twit­ter die Weit­er­ver­bre­itung des Artikels der NYP ver­hin­derte.  „Wie lautet die Mel­dung?“ wollte Gadde wis­sen. Roth: „Wenn du auf den Link klickst, siehst du die all­ge­meine Mel­dung „Unsichere URL“ (mit Hin­weisen auf Spam, Mal­ware und Ver­stößen gegen die Twit­ter-Regeln) — nicht ide­al, aber das ist das Einzige, was wir haben.“ So klingt Panik.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Die Biden-Kam­pagne sprang den Sozialen Medi­en rasch bei und erfand eine „rus­sis­che Ver­schwörung“, wobei man es nicht so deut­lich sagte. „50 ehe­ma­lige Geheim­di­en­s­t­ex­perten“ sagen vielmehr die „typ­i­cal ear­marks“ rus­sis­ch­er Falschin­for­ma­tio­nen. Ohrmarken! Wie im Kuh­stall. Und das Rind­vieh, dass hier getäuscht wer­den sollte, war die Öffentlichkeit. Denn lei­der war alles gel­o­gen, der Russe war’s nicht. Das musste längst selb­st die Wash­ing­ton Post ein­räu­men. Doch da gäh­nte das Pub­likum nur noch denn Aufmerk­samkeit und Empörung waren längst weit­erge­zo­gen. Schau da oben, ein Vogel…!

Man wird ihn in gewis­sen poli­tis­chen Kreisen schmer­zlich ver­mis­sen, diesen direk­ten poli­tis­chen Ein­fluss auf Twit­ter. Und hof­fentlich kommt er nicht zurück, egal auf welch­er Seite. Ein rechter Zen­sor ist genau­so von Übel wie ein link­er. Ein Vorteil kön­nte sein, dass nach Musks Kegel­runde gar nicht mehr genug Per­son­al da ist, das nur auf die Löschbegehren der ver­meintlich richti­gen wartet und auf die Nachricht „Mehr zu über­prüfen vom Biden-Team“ antwortet „Erledigt.“

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzep­tieren Sie die Daten­schutzerk­lärung von Twit­ter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Rückblende

Im April 2021 durch­suchte das FBI Büroräume und Woh­nung von Rudi Giu­liani in New York. Der richter­liche Befehl ver­langte unter anderem die Sich­er­stel­lung aller Com­put­er und Daten­träger. Heute, fast zwei Jahre später, ste­ht fest, dass es keine Anklage geben wird. Offen­bar war nichts Belas­ten­des zu find­en. Inter­es­sant ist, was das FBI damals nicht mit­nehmen wollte: die Fest­plat­ten aus dem Biden-Lap­top. „Die wollen sie doch sich­er auch haben“ fragte Giu­liani mehrfach. „Nein, nein, nein“, beteuerten die Agen­ten nach Giu­lia­n­is Darstel­lung. „Die nicht!“

Es war also nicht nur Twit­ter wenig daran inter­essiert, was in den Abgrün­den von Hunters Eska­paden zu find­en war, oder man wusste es nur zu gut und ver­mied tun­lichst, sich die Nach­forschung aufzuhalsen. Schließlich hin­ter­lässt so ein Beweis­stück Spuren in den Gericht­sak­ten und jede vor­getäuschte Ermit­tlung wäre von denen kom­men­tiert wor­den, die Kopi­en der Dat­en haben. Auch kamen andere Medi­en außer der New York Post nicht auf die Idee, nun, da die Gefahr für die Präsi­dentschaftswahl vor­bei war, die immer noch heiße Spur zu Kor­rup­tion und Vet­tern­wirtschaft in höch­sten Regierungskreisen doch noch aufzunehmen. Es war, als hätte sich die Erde aufge­tan und die Sto­ry ver­schluckt.

Bis zu dem Tag, an dem Elon Musk Twit­ter kaufte und beschloss, die Archive der inter­nen Kom­mu­nika­tion zu öff­nen. Die Trä­nen in den Augen von Vijaya Gadde am Tag von Musks Ankun­ft im Haup­tquarti­er waren rück­blick­end zur zu ver­ständlich. War denn nicht längst Gras über diese Sache gewach­sen? Doch nun kam dieses Kamel namens Matt Taib­bi und fraß es wieder ab! Die Tweets von Taib­bi bilden mit Sicher­heit erst die Spitze eines ganzen Eis­berges an Bee­in­flus­sung und Manip­u­la­tion ab, an die man sich bei Twit­ter nach anfänglichem Zögern schon so gewöh­nt hat­te, dass man bei­des für völ­lig legit­im hielt.

Noch muss man vieles davon als Gerücht behan­deln und sollte dies auch so lange tun, bis Hand­festes in Form weit­er­er Artikel von Matt Taib­bi oder anderen Autoren vor­liegt, die Musk ins Ver­trauen gezo­gen hat. Was man hinge­gen schon jet­zt wie in ein­er Petrischale beobacht­en kann, sind die wie gle­ichgeschal­tet reagieren­den Medi­en in der wok­en Main­stream­blase, die sich, wie ein­gangs beschrieben, sofort auf den Über­bringer der Nachricht stürzten. Natür­lich via Twit­ter, weil sie auf Mastodon nie­mand hören würde! Musk hat­te das Mate­r­i­al einem freien Jour­nal­is­ten zur Ver­fü­gung gestellt und nicht etwa der Wash­ing­ton Post – warum wohl? Taib­bi, wohl ein­er der inte­gersten und fach­lich ver­siertesten Jour­nal­is­ten, die derzeit in den USA arbeit­en, musste sich denn auch um inhaltliche Kri­tik keine Sor­gen machen – vielmehr ging die Meute sofort und wie im Gle­ich­schritt auf seine Per­son los.

The Richest Man

Tenor ALLER Anschuldigun­gen: Taib­bi betreibe PR für „the rich­est man in the world“, ganz so, als sei damit schon der Let­zt­be­weis der Ille­git­im­ität erbracht und nicht etwa der des Ver­sagens ein­er ganzen Branche aus Claque­uren, Drüber­wegse­hern und Nar­ra­tivträgern. Man schlage nur die Namen der dümm­sten Schwätzer, ihrer Brötchenge­ber und deren Umfeld nach, die Mediaite.com fre­undlicher­weise zusam­mengestellt hat: Ben Collins, NBC. Chris Hayes, MSNBC. Meh­di Has­dan, MSNBC und NBC. Elias Cepe­da, MMA-Kolum­nist. Jason Schreier, Bloomberg. Waja­hat Ali, Dai­ly Beast. Jason Wil­son, ehe­mals Guardian. Ross McCaf­fer­ty, Metro.co.uk., Bassey Etim, ehe­mals NYT. Sarah Reese Jones, Politi­cusUSA. John Kne­fel, Media Mat­ters. Frank Less­er, ehe­mals Autor „The Col­bert Report“. Car­los, Injus­tice­watch. Jay Boller, Rack­etmn. Han­nah Gais, SPLC (South­ern Pover­ty Law Cen­ter, ein Think­tank der Dems). Tyler Kingkade, NBC. Tom Ley, Defec­tor Media. Eric New­com­er, ehe­mals Bloomberg – von den Gehäs­sigkeit­en den deutschen Kom­men­tari­ats ganz zu schweigen.

Das ist aber keine Gle­ich­schal­tung, wie sie eine Ver­schwörungs­the­o­rie malen würde. Ähn­lich wie auch in Deutsch­land han­delt es sich ein­fach um ein sich selb­st repro­duzieren­des und bestäti­gen­des Milljöh, in dem man Nar­ra­tive, Feinde und die Mit­tel teilt, seine Ziele zu erre­ichen. Deshalb klingt das ganze wie ein Chor aus Ctrl+C und Ctrl+V. Da muss nichts gle­ichgeschal­tet wer­den, das schwingt wie von selb­st auf ein­er Fre­quenz und um Zugang zu dieser dom­i­nan­ten Ober­welle zu erhal­ten genügt es schon fast, „irgend­was mit Medi­en“ zu machen und eine blaue Prüf­marke am Twit­ter­na­men vor­weisen zu kön­nen. Es beste­ht die leise Hoff­nung, dass dies in Zukun­ft nicht mehr genü­gen wird, um das Pub­likum begreift, dass „die Mehrheit“ nicht immer recht hat, nur weil sie sich auf einen laut gebrüll­ten „Kon­sens“ beruft und sich auf­plus­tert wie ein Spatz bei Frost. Die Welt der sozialen Medi­en ist ein klein wenig freier gewor­den. Zumin­d­est für einen Moment, an den wir uns noch lange erin­nern wer­den und den wir deshalb genießen soll­ten.


Nach­trag, 5.12.22 um 19:53 Uhr: man ver­liert angesichts dieses Sumpfes leicht den Überblick. Ich ja sowieso, aber wohl selb­st Matt Taib­bi hat einen Akteur zu leicht von der Leine gehen lassen: das FBI. Taib­bi meinte, nichts gefun­den zu haben, was darauf hin­weist, dass es eine direk­te Ein­flussnahme des Staates (in dem Fall der Insti­tu­tion Bun­de­spolizei) auf die Reak­tion Twit­ters in der Causa “Lap­top from Hell” gegeben hat.

Doch es gab im Dezem­ber 2021 eine Anhörung der US-Bun­deswahlkomis­sion, bei der der unter anderem Joel Roth (er kommt oben im Text vor) schriftlich aus­sagte, dass es regelmäßige Tre­f­fen mit dem FBI und dem DOH gegeben habe und dass das FBI im Vor­feld der Wahl 2020 davor gewarnt habe, es gäbe Gerüchte über “hack-and-leak” Oper­a­tio­nen, in die Hunter Biden involviert sein könne. Ein Schelm, der da nicht sofort an die Unschuldsver­mu­tung denkt!
(Bemerkt hat dieses schon fast vergessene “Miss­ing Link” übri­gens Jack Poso­biec)

 

Vorheriger ArtikelDanke für Ihre Netzdienlichkeit
Nächster ArtikelGerüchte über mein Ableben sind stark übertrieben

9 Kommentare

  1. Ich find ja den EU-Aspekt von der Twit­ter-Über­nahme viel span­nen­der. Die sozialen Medi­en geben ja nicht frei­willig so viel Geld aus, um ihre Nutzer zu gän­geln. Jack Dorsey wusste wohl kaum was von der Biden-Lap­top-Sache. Die Unternehmen ste­hen unter Druck.

    Eine fik­tive Szene:

    Thier­ry Bre­ton (EU-Kom­mis­sar): “Das Vögelchen wird in Europa nach unseren Regeln fliegen. Wir wer­den Strafen ver­hän­gen und den Dienst abschal­ten, wenn ihr nicht den Fein­den unser­er großen Demokratie das Maul stopft.”

    … Wochen später .…

    “Der Vogel kommt hier nicht mehr rein. Wir wer­den block­ieren! Wir wer­den VPNs ver­bi­eten! Wir wer­den Google und Apple dazu zwin­gen, Twit­ter aus den Down­load-Stores zu ver­ban­nen! Liebe Bürger_innen Europas, liebe Demokrat­en und Demokratin­nen, ihr müsst euch jet­zt entschei­den! Wen liebt ihr mehr? Twit­ter oder mich, Thier­ry Bre­ton?”

    Man hört erste Explo­sio­nen auf der Straße Frankre­ichs.…

  2. Finde ich klasse, was Musk bei Twit­ter macht, solange die linke Blase schäumt (seine “Autos” kann er sich trotz­dem in .….die Garage schieben).

    • Seine Autos sind jeden­falls bess­er, als Twit­ter. Unpoli­tisch. Und man merkt sofort, wer keine Ahnung hat.

    • Die Autos sind ansich schon völ­lig in Ord­nung, wenn auch nichts für meinen Geld­beu­tel und mein Ein­satzpro­fil. Geld ver­di­ent Tes­la damit ja auch nicht, son­dern vor allem mit den CO2-Zer­ti­fikat­en, die man nicht braucht und deshalb verkaufen kann.

  3. Der Kampf um die Öffentliche Mei­n­ung ist in west­lichen Massendemokra­tien inzwis­chen das wichtig­ste Schlacht­feld der Herrschen­den. Deshalb wird er mit dieser uner­bit­tlichen Härte geführt. Jour­nal­is­ten sind seine Krieger und die Medi­en die Waf­fen. Du kannst nur einen Krieg führen, den du in den Köpfen schon gewon­nen hast. Nun ist das alles nicht neu. Schon im Dreißigjähri­gen Krieg, wahrschein­lich schon im Pele­pone­sis­chen Krieg, wusste man das und han­delte entsprechend. Wie gut für die Herrschen­den, dass die Schafe immer Schafe bleiben wollen, und sich um nichts küm­mern, als um ihr Fressen. Und ihr Blöken. Wie sagte meine Groß­mut­ter, Kind des 19. Jahrhun­derts, „Mit den Dum­men treibt man die Welt um.“ Es wird immer so sein.

Kommentarfunktion ist geschlossen.