Alle Fragen zur Energiewende beantwortet?Es war das Prob­lem man­gel­hafter Tech­nikfol­ge­ab­schätzung in der Energiewende, welch­es Cora Stephan in ihrem Kom­men­tar auf NDR.de behan­delte. Mit Phillipps­burg II ging ger­ade ein weit­eres grund­last­fähiges Kernkraftwerk endgültig vom Netz und die ent­standene Lücke, immer­hin ein Fün­f­tel des Strombe­darfs von Baden-Würt­tem­berg, fließt nun aus Frankre­ich (Atom) und Polen (Kohle) zu uns. Doch auch Win­dan­la­gen haben Laufzeit­en, auch Solarpa­neele müssen irgend­wann entsorgt werden…wie ste­ht es also wirk­lich um die Nach­haltigkeit, wie um die Ver­sorgungssicher­heit? Alles berechtigte Fra­gen, sollte man meinen. Alles auch Fra­gen, um die sich Inve­storen und Betreiber von Wind- und Solaran­la­gen und unsere Regierung doch sich­er Gedanken gemacht haben müssen, nimmt man an. Doch wo Sub­ven­tio­nen im Spiel sind, set­zt oft nicht nur der Sachver­stand aus. Auch der Wet­tbe­werb hat schlechte Karten. Zugegeben: auch die Kernen­ergie wäre ohne reich­lich Sub­ven­tio­nen nie an den Start gekom­men. Man sollte aber nicht glauben, Fir­men wie Siemens hät­ten ein gesteigertes Inter­esse daran gehabt, diese Kraftwerke zu bauen. Das war der Staat – und zwar aus Pres­tige-Grün­den. Und wenn Mil­liar­den an Sub­ven­tio­nen winken, baut man das, was gewün­scht wird. Das ist heute nicht anders als vor 50 Jahren.

Die heuti­gen Ver­fechter von EEG, Fördertöpfen und risikolosen Invest­ments in Wind und Sonne geißeln die Sub­ven­tio­nen ver­gan­gener Tage für die Kernen­ergie und ver­lan­gen doch gle­ichzeit­ig Sub­ven­tio­nen für sich, weil es ohne nun mal nicht gehe. Den inhärenten Wider­spruch bemerkt man nicht mal. Nun, die Sub­ven­tio­nen für die Kernen­ergie sollte man vielle­icht zusam­men mit den Steuere­in­nah­men, den jahrzehn­te­lang gün­sti­gen Stromkosten in die finanzielle Waagschale wer­fen und die sta­bilen Net­ze sind ja auch nicht zu ver­acht­en. Ob Sonne und Wind hier mithal­ten kön­nen, müssen sie erst beweisen. Bish­er ist nur zu sehen, dass die Net­zsta­bil­ität sinkt, die Kosten steigen, Arbeit­splätze schwinden und Natur zu Indus­triege­bi­eten umgewid­met wird.

Mein Inter­esse gilt hier aber nicht Stephans vortr­e­f­flichem Artikel, son­dern vie­len Kom­mentaren darunter. Das Spek­trum ist gemis­cht, was natür­lich gut ist. Aber es stechen doch jene her­aus, die dünnhäutig bis belei­digt reagieren, fast, als hätte Cora Stephan den Schreiber des Kom­men­tars mit ihrer Mei­n­ung per­sön­lich ver­let­zt oder belei­digt. Tenor: wie kann man nur Zweifel an der Wind­kraft haben, nicht an das Gelin­gen der Energiewende glauben und die Abschal­tung eines Kernkraftwerks nicht eupho­risch feiern? Wer sowas tut, ist rechts, AfD-Fan, von der Atom­lob­by bezahlt, ewiggestrig, Kli­maleugn­er, Wünschdirwas!

Alle Fragen zur Energiewende längst beantwortet?

In Sachen Energiewende ver­fes­tigt sich bei mir der Ein­druck, dass eine große Anzahl mein­er Mit­bürg­er (und in diesem Fall der Kom­men­tarschreiber) sich jahre­lang mit den Textbausteinen der Prof­i­teure eben dieser Energiewende hat abspeisen lassen, bis ein Sät­ti­gungs­ge­fühl ein­trat. Man glaubt, zu wis­sen und ist jet­zt mit ges­tanztem Polit­blech ange­füllt bis Oberkante Unter­lippe. Jed­er Zweifel, jede Nach­frage und jed­er leise Anflug von Kri­tik verur­sacht bei vie­len nur noch Übelkeit und das Erbrechen eben jenes Phrasen­blechs, mit dem sie gefüt­tert wur­den. Man liest einen Kom­men­tar von X, der aber wortwörtlich und bis in die Belei­di­gun­gen hinein auch aus dem Mund von Habeck, Trit­tin, Roth, Baer­bock oder einem anderen Sofabe­wohn­er bei Ill­ner, Will und Co kom­men kön­nte. Es ist aber nicht Dummheit, die unter dem Artikel von Cora Stephan jede Kri­tik abbügelt. Die Gesund­beter der Energiewende wis­sen ein­fach zu viel, was so nicht stimmt. Aufgeschnapptes gebiert Schnap­pat­mung, wenn es in Zweifel gezo­gen wird.

Vier Möglichkeiten, Fragen nicht zu beantworten

Die Strate­gie, mit der einige Leser auf Stephans aufge­wor­fene Fra­gen antworten, kann man grob in vier Grup­pen aufteilen. Zunächst gibt es zwei Möglichkeit­en, der Beant­wor­tung ein­er aufge­wor­fe­nen Frage aktiv auszuwe­ichen. Man kann entwed­er behaupten, die Frage stelle sich gar nicht und tut dann so, als sei sie tat­säch­lich nie gestellt wor­den. Oder man behauptet, die Frage sei längst beant­wortet, was auf das­selbe hin­aus­läuft. Alter­na­tiv kann man die Frage auch als falsch gestellt und damit den Fragesteller als Dep­pen beze­ich­nen, auf dessen Niveau man sich aus Grün­den der Würde nicht begeben wolle – und wieder bekommt man keine Antwort.

Wenn einem gar nichts anderes ein­fall­en will, ist der Vor­wurf des Lob­by­is­mus die let­zte Hand­granate, die gewor­fen wird. Es kann ja nicht sein, dass da jemand aus eigen­er Anschau­ung zu ein­er Auf­fas­sung gelangt, die man selb­st nicht teilt! Zudem hat man sich selb­st frei­willig (und dum­mer­weise noch dazu völ­lig unent­geltlich) auf jene Art der Wel­terk­lärung ein­ge­lassen, die da in der Kri­tik ste­ht – es muss also Geld im Spiel sein! Das Unter­be­wusst­sein leuchtet nei­dgelb und kommt dem man­gel­haften Fak­ten­wis­sen nur zu gern zu Hil­fe: ver­nichtet sie, sie ist eine bezahlte Söldnerin!

Zusam­men­fassend: man kann Kri­tik ganz ohne Sachken­nt­nis abbürsten, ignori­eren, alles bess­er „wis­sen“ oder den Vor­wurf der Fremd­s­teuerung erheben. Zur Sache geht es nie. Wenn Sie nun glauben, liebe Leserin­nen und Leser, hier gewisse Par­al­le­len zu den Vertei­di­gungsstrate­gien von Ide­olo­gien und Heil­slehren aller Art zu erken­nen, sind Sie wohl auf dem richti­gen Weg.

Die Kommentare

Wollen wir uns also mit eini­gen der Kom­mentare befassen, die ger­adezu exem­plar­isch für die Wirkung der jahrzehn­te­lan­gen Pro­pa­gan­da ste­hen kön­nen. Ich nenne hier keine Namen, zitiere aber wörtlich. Sie find­en die Texte wie gesagt unter dem Artikel auf NDR.de.

„Ich ver­ste­he nicht wie man gegen Wind­kraft und Sonnenen­ergie sein kann! Denn damit leugnet man automa­tisch das Kli­ma, was von zahlre­ichen bedeu­ten­den Wis­senschaftlern bestätigt ist. Dass wir erst­mal Strom von Kohlekraftwerken in Polen oder Atom­kraft aus Frankre­ich brauchen ist dage­gen zu ver­nach­läs­si­gen, da es sich nur um eine Über­gangszeit han­delt, bis wir unsere Nach­barn von sauber­er Energie überzeugt haben und Deutsch­land hier Vor­re­it­er ist.“ 

Wer gegen Wind- und Sonnenen­ergie ist, leugnet also das Kli­ma. Das ist offen­bar ein religiös­es Dog­ma und muss nicht weit­er hin­ter­fragt wer­den. Solche Schüsse aus der Hüfte wer­den gern wortre­ich und oft bril­lant wider­legt, doch der Schütze ist längst in den näch­sten Saloon gezo­gen und hört nicht mehr zu. Und was unsere Nach­barn ange­ht, die uns in ein­er „Über­gangsphase“ hin zur eige­nen Glück­seligkeit Kohle- und Atom­strom liefern müssen dür­fen, wer­den die sich dann wohl weit­ere Nach­barn für den Weg ins Glück suchen müssen. Frankre­ich holt seinen Strom dann über­gangsweise vielle­icht aus Spanien, Spanien später aus Por­tu­gal. Die Por­tugiesen haben dann Pech, weil sie keinen Nach­barn mehr haben.

Dieses kurzsichtige Argu­ment erin­nert mich an eine Anek­dote, von der Markus Krall berichtete. Natür­lich sei die Erde eine Scheibe, das wisse doch jed­er, meinte eine sein­er Zuhörerin­nen. Worauf die Erd­scheibe denn gelagert sei, fragte Krall. Auf ein­er Schild­kröte natür­lich. Und diese? „Auf ein­er größeren Schild­kröte! Und bevor sie fra­gen“, fuhr die Dame fort, „es gibt Schild­kröten bis ganz nach unten!“ So ähn­lich muss wohl auch die Energiewende für ganz Europa funk­tion­ieren, von der wir Deutsche als „Vor­re­it­er“ unsere Nach­barn „überzeu­gen“ wer­den. Das Mod­ell funk­tion­iert für alle – außer für die Schild­kröte „ganz unten“.

„Ich staune nur noch; wie kann die Kom­men­ta­torin nach so vie­len Jahren Beschäf­ti­gung mit den gewalti­gen Risiken und auch sicht­baren belas­ten­den Fol­gen der Atom­tech­nik, auch in Deutsch­land (Kinder­leukämien u.a.), solch einen Text ver­fassen: Meis­terIn­nen-Leis­tung im Ausblenden.“

Gerücht ver­dop­pelt – so wie Stimm und Echo – die Zahl Gefürchteter. (Shake­speare, Hein­rich IV.). Ein solch­es Gerücht sind die Häu­fun­gen von Kinder­leukämie in der Nähe von Kernkraftwerken. Denn gäbe es solche und noch dazu Zusam­men­hänge zum Betrieb der Kraftwerke, wären diese längst still­gelegt und geschlossen. Das Argu­ment, die „Atom­lob­by“ hätte dies eben erfol­gre­ich ver­tuscht und die Schließung ver­hin­dert, passt irgend­wie nicht ganz zur offen­sichtlichen Macht­losigkeit der­sel­ben Lob­by, was aktuell die endgültige Schließung voll funk­tion­stüchtiger Anla­gen ange­ht. Die Begrün­dung dafür ist dif­fus, nicht konkret. Die einzi­gen sicht­baren Belas­tun­gen der Atom­tech­nik in Deutsch­land sind die „demon­stra­tiv­en“ Begleit­er­schei­n­un­gen bei jed­er Art von Transport.

„Ein pein­lich­es Herun­ter­beten von unrichti­gen und / oder grob irreführen­den Pro­pa­gand­abehaup­tun­gen der alten, neu aufgestell­ten Atomlobby.“

Diese „neu aufgestellte Atom­lob­by“ kon­nte nicht mal ver­hin­dern, dass die vie­len tausend Opfer des Erd­bebens mit anschließen­dem Tsuna­mi von 2011 in Japan ein­fach dem AKW in Fukushi­ma zugeschoben wer­den. Es gibt in Deutsch­land in Wirk­lichkeit keine nen­nenswerte Atom­lob­by mehr. Die geräuschlose Stil­l­le­gung von Philipps­burg II hat dies ger­ade wieder ein­drucksvoll gezeigt. Die Forschung­sein­rich­tun­gen an den Uni­ver­sitäten wer­den zusam­mengeschnur­rt, Gelder in die Grund­la­gen­forschung fließen immer spär­lich­er. Eine merk­würdig stille Lob­by muss das sein, vor der da gewarnt wird – beson­ders laut übri­gens von ein­er anderen Lob­by, die ger­ade schmerzvoll aufheult, weil durch neue Abstand­sregeln für Win­dan­la­gen ange­blich Stan­dorte gefährdet sind. Es ist schon selt­sam, dass ein Gren­zw­ert, der ja die Gesund­heit von Men­schen schützen soll, hier dem „tech­nis­chen Fortschritt“ im Weg ist, während andere Gren­zw­erte, etwa die für Fein­staub und NOx, gar nicht niedrig genug sein kön­nen. Beklage einen Gren­zw­ert als zu hoch und ich sage dir, für wen du trommelst.

„Mal wieder ein reißerisch­er, ein­seit­iger Artikel von der AfD-Frau Ste­fan. Wie kann man hier von ein­er freien Jour­nal­istin sprechen?“

Liebe Mit­bürg­er, freie Jour­nal­is­ten heißen so, weil sie kein Gehalt von einem Medi­en­haus, Ver­lag oder Sender erhal­ten und stattdessen einzelne Artikel oder Beiträge gegen Hon­o­rar dort abliefern. Der NDR hat (erfreulicher­weise) eine Rubrik „Kom­men­tar“. In welch­er, wie die Beze­ich­nung nahelegt, Autoren ihre Mei­n­ung zu einem The­ma äußern. Das darf reißerisch, ein­seit­ig und alles Mögliche sein, nur nicht lang­weilig. Eines ist ein Kom­men­tar jedoch nie: Der Neu­tral­ität verpflichtet, denn er ist keine Nachricht! Deshalb heißt er auch nicht so. Umgekehrt ist dies lei­der immer sel­tener der Fall. Dass Cora Stephan allerd­ings eine „AfD-Frau“ ist, dürfte nicht nur sie selb­st über­raschen. Aber was rege ich mich auf. Heute gilt schließlich jed­er, der nicht täglich das „Teeren & Fed­ern“ für Wei­del oder das Kiel­holen für Meuthen fordert, als verkappter Anti­demokrat und Faschist, dem man die Bürg­er­rechte entziehen muss. Das wird allmäh­lich langweilig.

„Atom­kraft ist nicht CO2- frei. Uran­berg­bau, die Anre­icherung, die Pro­duk­tion und der Trans­port der Brennstäbe sind es nicht. Die Nach­be­hand­lung und End­lagerung erst recht nicht. […] Sie wer­den nie erfahren, was Ihre Nachkom­men ein­mal darüber denken wer­den, dass Uro­ma Cora lieber milch­mäd­chen­hafte Kom­mentare ver­fasst hat, statt ihren Lebensstil zu hin­ter­fra­gen. Es ist erschütternd.“

Mich schüt­telt es auch. Vor Lachen. Aber ich will hier gar keine Rech­nung zum CO2-Ausstoß auf­machen, weil ich das für ein Neben­the­ma halte. Es geht in erster Lin­ie um Ver­sorgungssicher­heit, ein The­ma, welch­es ein Land, welch­es auch weit­er­hin Indus­trieland sein möchte, gar nicht ernst genug nehmen kann. Natür­lich ist die Kernen­ergie nicht voll­ständig CO2-neu­tral! Das Dumme ist nur: es gibt über­haupt keine CO2-freie Energiegewin­nung. Wer mir also etwas erschüt­tern­des über den Uran­berg­bau erzählen will, der darf über die Minen für Kobalt, Neodym oder Wol­fram nicht schweigen. Wer von Uran-Anre­icherung und Wartung erzählt, aber bei der Gewin­nung von Lithi­um nichts zu meck­ern hat und die Diesel­trans­porter nicht sieht, die zur Wartung der Wind­kraftan­la­gen durchs Land fahren, der ist ein Heuch­ler. Punkt! Von all den restlichen CO2-inten­siv­en Mate­ri­alien (Car­bon­fasern, Ver­bund­stoffe, Beton, Stahl…), aus denen so eine Wind­kraftan­lage beste­ht, möchte ich gar nicht erst anfan­gen. Der Ern­te­fak­tor ist für die Kernen­ergie jeden­falls um Größenord­nun­gen bess­er als für Sonne und Wind, was zwar all­ge­mein bekan­nt, aber in der Betra­ch­tung gern ver­schwiegen wird. Diese Frage „stellt sich halt nicht“.

Energiewende ohne Endlager?

Noch zwei Gedanken zur Prob­lematik der End­lagerung. Erstens: wir haben kein End­lager, brauchen aber für unseren Müll den­noch eines – dass wir aus der Kernen­ergie aussteigen, sorgt nur für noch mehr Dringlichkeit bei unsicher­er Finanzierung. Am Gefahren­poten­zial der Stoffe ändert auch der Ausstieg nichts. Statt nach ein­er Mil­lion Jahren sind wir mit der End­lagerung aber wohl etwa 20 Jahre früher fer­tig. Was für ein bek­lopptes Beispiel wir doch der Welt sind! Glück­wun­sch! Zweit­ens: andere Län­der gehen das Prob­lem offen­siv an und entwick­eln neue Reak­tortypen, die, weil sie mit schnellen statt mit langsamen Neu­tro­nen arbeit­en, gün­stigere Zer­fall­srei­hen haben, sehr viel mehr Energie aus den einge­set­zten „Brennstof­fen“ erzeu­gen und als End­pro­duk­te sehr viel kürz­er radioak­tiv­en Müll zurücklassen.

Wir reden hier von Halb­w­ertzeit­en von eini­gen Hun­dert Jahren, nicht mehr von Mil­lio­nen. End­lager in Salz oder Gestein wird so über­flüs­sig. Als Stich­worte seien hier nur Dual-Flu­id, Schnelle Brüter, Tho­ri­um-Flüs­sigsalz oder ‑Flüs­sig­blei-Reak­toren genan­nt. Es gibt also Tech­nolo­gien, sog­ar bere­its ein­set­zbare. Ein Blick nach Rus­s­land oder Chi­na kann Klarheit schaf­fen. Doch bringt man solche Ideen ins Spiel, ist man natür­lich „von der Atom­lob­by bezahlt“. Das von der SPD erfun­dene „Wind­bürg­ergeld“ hinge­gen ist natür­lich nicht auf dem Mist ein­er Lob­by gewach­sen, um die Akzep­tanz der Wind­kraft zu opti­mieren. „Aber diese Akzep­tanzkos­metik bezahlt doch keine Lob­by!“, wer­den die Leser vielle­icht ein­wen­den. Stimmt, das bezahlt der Steuerzahler, dieser Trot­tel. Das ist dann natür­lich was ganz anderes!

„Der Kom­men­tar von Frau Stephan hat in mein­er Fam­i­lie ungläu­biges Stauen und Kopf­schüt­teln her­vorgerufen und scheint mir ein „gutes“ Beispiel für die Lob­b­yarbeit der großen Energieoli­gop­o­lis­ten zu sein, die nun ver­suchen den Ausstieg aus der Atom­en­ergie und Kohlever­stro­mung mit allen Mit­teln zu verhindern.“

In diesem Land ver­hin­dert kein­er mehr irgend­was, schon gar nicht, wenn man wie Cora Stephan einen Kom­men­tar schreibt, der nicht mehr als 4:30 Minuten lang sein darf, um ins For­mat des Senders zu passen. Zulet­zt kon­nte man über eine Stunde lang beobacht­en, wie sich Pro­fes­sor Sinn verge­blich bemühte, die Risiken des in Energiefra­gen eingeschla­ge­nen Weges gegen den Wider­stand der Grü­nen Traumtänz­erin Nes­tle darzule­gen. Es war eine Qual!

Nein, wir ver­lassen uns hierzu­lande ein­fach darauf, dass sich bes­timmte Fra­gen nicht stellen, weil sie längst beant­wortet seien. Das Netz ist der Spe­ich­er und der Kobold hat immer recht! Dass wir die Antworten in Wahrheit nicht ken­nen und uns stattdessen als „Über­gangslö­sung“ auf unsere Nach­barn ver­lassen, die wir durch unser Vor­bild auch noch anre­gen wollen, es uns gle­ich zu tun, stört uns kein Biss­chen. Auch nicht, wie unsere Nach­barn wirk­lich über unsere Wel­tret­tungspläne denken.

In Energiefra­gen ver­hält sich der deutsche Michel lei­der nicht anders als ein Kleinkind, dass zwis­chen seinen Eltern und an deren Hän­den durch die Luft wirbelt. Dessen Füße berühren zwar den Boden nicht, aber es sieht, dass es immer noch vorankommt. Ener­getisch vor­bildlich! Und jet­zt ruft das Kind „Mama, Papa, jet­zt ihr!“ Ich glaube, je schneller Polen und Frankre­ich loslassen, umso rasch­er der Auf­schlag in der Real­ität. Nur ein solch­er Auf­schlag kann uns noch ret­ten – vor einem noch größeren Auf­schlag. Lei­der wird dabei so oder so auch so manch­es liebge­wonnene Stück Porzel­lan zu Bruch gehen.

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14 Kommentare

  1. Betr.: „Dass wir erst­mal Strom von Kohlekraftwerken in Polen oder Atom­kraft aus Frankre­ich brauchen ist dage­gen zu ver­nach­läs­si­gen, da es sich nur um eine Über­gangszeit han­delt, bis wir unsere Nach­barn von sauber­er Energie überzeugt haben und Deutsch­land hier Vor­re­it­er ist.“

    Herr Letsch, dass ist doch wohl eher fein­ster Sarkas­mus des Kom­men­ta­tors (gegenüber dem NDR), denn soviel Naiv­ität in einem Satz wäre doch kaum vorstell­bar. (Wenn das doch ernst gemeint sein sollte, möchte ich das Fehlen des Begriffs „Leucht­tum­r­pro­jek­te“ beklagen.)

    PS
    Bei dieser Gele­gen­heit: Danke für Ihre Beiträge.

  2. Die dünnhäuti­gen Kom­men­ta­toren des Artikels von Frau Stephan kann ich mir gut vorstellen. Im besten Fall, im allerbesten Fall, sind es welche, die bei ihrem Stromver­sorg­er die Option „Ökostrom“ angek­lickt haben, zwei Cent mehr bezahlen, und denken damit wäre die Zukun­ft gerettet. 

    „Wir haben 100% Ökostrom“ sagten neulich auch mal Bekan­nte zu mir. Akademik­er­paar. Da dachte ich an die Elek­tro­roller, die hier über­all ste­hen; nicht diese Kinder­roller, somdern die Schwalbe in der E‑Version, wo drauf­ste­ht „Fährt mit 100% Ökostrom“.
    Wie geht das? Wer­den die in windi­gen Nächt­en zum Aufladen an ein Win­drad gekar­rt? Mit einem Elek­troau­to, das man in der vorheri­gen windi­gen Nacht an der­sel­ben Quelle aufge­laden hat­te? Fra­gen über Fragen.

  3. Es ist wieder mal ein Offen­barung­seid, was so in Sachen Kli­ma behauptet wird. Und wie zu ver­muten ist, steckt hin­ter alle­dem das Geld, für dessen Sklaven­di­enst immer ein paar nüt­zliche Idioten zu find­en sind. Die bes­tim­men die Poli­tik. Was Wun­der, wir zahlen!
    YouTube ist ja eine richtige Fund­grube und so habe ich einen Beitrag gefun­den von einem der „3%“ Wis­senschaftler, die „das Kli­ma“ leug­nen. Dr. Shi­va erk­lärt hier ein­drucksvoll, wer bzw. was hin­ter dieser ganzen Kli­made­bat­te steckt und warum Trump dem Kli­maabkom­men nicht beige­treten ist.

    https://www.youtube.com/watch?v=-0Rtystv7dc

  4. In Bul­gar­ien liegt der Strompreis bei ca. 10 ct / kWh — die wür­den sich freuen, wenn sie dem deutschen „Vor­bild“ fol­gen und eine EEG-Umlage von 6,2 ct / kWh (also ein Plus von rund 60%) zusät­zlich bezahlen dürften.

    Zum Prob­lem der Endlagerung:
    Während in Rus­s­land mit dem BNH-800 bere­its ein Reak­tortyp im kom­merziellen Betrieb ist, der 96% der Reak­torabfälle zu Energie ver­ar­beit­et und es ähn­liche Entwick­lun­gen in den USA und Chi­na gibt, wurde in Deutsch­land die Forschung durch den Ausstieg aus der Atom­kraft gestoppt.
    Eines Tages wer­den wir die Forschungsergeb­nisse ander­er Län­der teuer zukaufen dür­fen, bzw. müssen.

  5. Ganz großen Dank, Herr Letsch, für diesen Ein­blick in die Müh­le, in welch­er Hoch­poten­zen sich zuk­lapsen. Res­o­nan­zange­bote für Hohlköpfe haben immer ihre Klien­tel gefun­den. Ich empfehle, zum Ver­gle­ich z.B. in „Die Let­zten Tage der Men­schheit“ von Karl Kraus die Pas­sagen zu lesen, in denen begrün­det wird, warum Deutsch­land & Öster­re­ich nicht anders als siegen kön­nen, oder in der von Goebbels speziell für die sog. Intel­li­genz konzip­ierten Wochen­zeitung „Das Reich“ Artikel, in denen noch 1944/1945 aus­ge­führt wird, warum der End­sieg bevorste­ht. Mir scheint da eine beachtliche Kon­ti­nu­ität der Verblendung, Aus­blendung und Ratio­nal­isierung vorzuliegen, sie definiert ger­adezu das Milieu der Intellektuellchen.

    Den Typus des Beschei­d­wis­sers und Phrasene­jek­tors kenne ich seit mehr als 30 Jahren auch auf meinem Arbeits­ge­bi­et (nicht das der Energiewirtschaft). Bei detail­liert­er Nach­frage stößt man allerd­ings regel­haft auf Leere, einen hor­ror vacui men­tis hat man in diesem Milieu nicht. Beson­ders apart unter den von Ihnen ange­führten argu­men­ta­tiv­en Sim­u­lantien ist das Lob­by-Argu­ment, bei ein­er Studie das Finanzi­er-Argu­ment. Wenn man von ein­er Sache tat­säch­lich etwas ver­ste­ht und diese selb­ständig zu beurteilen ver­mag (d.h. kom­pe­tent ist statt angek­lick­te & aufgeschnappte virtuelle sog. Kom­pe­ten­zen aufzuweisen), find­et man immer leicht die Schwach­punk­te in ein­er Argu­men­ta­tion und kann die vor allem im Detail bele­gen; den Rekurs auf eine Lob­by hat man nicht nötig. Der ist sog­ar unpro­duk­tiv, da man z.B. durch Analyse auch aus fehler­haften Stu­di­en oft noch etwas ler­nen kann. Wenn man allerd­ings nichts von der Sache ver­ste­ht, gle­ich­wohl auf dem ganz hohen Ego-Press­luft-Ross mit einem IQ von 5 atü sitzt, dann kommt das Argu­ment zur Lob­by. Ein fra­gen­der Piekser nach Details reicht dann zur Defla­tion. Und als Krö­nung kommt dann der „Kon­sens“, hier „meine Fam­i­lie“ genan­nt. Den gab es ganz oft im 20 Jh. (siehe oben).

    Ich glaube, keine Zeit zuvor hat so viele, so ein­drucksvolle Dun­ning-Kruger-Belegfälle gener­iert wie die heutige.

  6. Ich warte regel­recht auf den Black­out. Ja ich weiß das klingt ziem­lich bescheuert. Ja ich weiß was das bedeuten kann, Anar­chie und Plüderun­gen, nicht erre­ich­bare Ein­satzkräfte und so weit­er. Ist mir alles klar. Aber es ist vielle­icht die let­zte Möglichkeit diesen Wahnsinn noch zu stop­pen. Allerd­ings beste­ht auch die Möglichkeit, dass die Regierung nur noch mehr WKA bauen lässt. Und die Schuld für den Black­out würde man Trump, Putin oder chi­ne­sis­chen Hack­ern anhängen. 

    https://www.welt.de/wirtschaft/article204786230/Atomausstieg-Was-die-Energiewende-wirklich-kostet.html

    Die Beiträge unter diesem Artikel sind teil­weise auch sehr lustig.

  7. Bere­its eine Dampf­mas­chine hat­te einen Gesamtwirkungs­grad von 20%, wie ein Atom­kraftwerk ohne die Langzeit Fol­gen. Wo ist hier bitte der tech­nis­che Fortschritt? Und dass zwis­chen­zeitlich die inter­nen Mate­ri­alien der AKW auf­grund der Laufzeit am Ende ihrer Lebens­dauer sind und nur unter hohem Aufwand erhal­ten wer­den kön­nen will anscheinend nie­mand wahrnehmen.
    Sollte es in den viel­gerühmten franzö­sis­chen AKW zu ein­er Ern­sten Sache kom­men, hoffe ich nur, dass wir wieder einen Ost­wind wie bei Tsch­er­nobyl haben. Wer heute noch auf AKW set­zt sollte bere­it sein den Abfall on seinem Vor­garten oder Keller einzu­lagern und für die sichere Lagerung für die näch­sten tausende von Jahren ver­ant­wortlich sein.

    • Ist dieser Kom­men­tar jet­zt Satire? Ich bin mir nicht sicher!
      Wenn ein Text nicht ger­ade das CO2 in die Bilanzen hinein­rech­net, das diejeni­gen ausat­men die die Richtlin­ien für Kraftwerke erlassen, kann sich bei ähn­lich absur­den Din­gen doch nie­mand mehr sich­er sein ob sie nicht vielle­icht ern­st­ge­meint sind. Ich ver­mute allerd­ings, das ist Satire — schließlich IST ein Atom­kraftwerk eine Dampf­mas­chine (wie Kohle‑, Gas‑, und Ölkraftwerke auch): alles Drum­rum ist nur Teil der Frage, woher denn der Dampf für die Maschi­nen kommt.
      Insofern: gut gemacht! 🙂

    • Ihr albern­er Ver­gle­ich mit der Dampf­mas­chine lässt ver­muten, dass Sie noch nie den Begriff „Energiedichte“ gehört haben. In sum­ma gehen ver­glichen mit anderen For­men der Energieerzeu­gung sta­tis­tisch gese­hen weniger Tote auf das Kon­to der Kernkraft. Der Reak­tor in Tsch­er­nobyl war sicher­heit­stech­nisch schlecht kon­stru­iert (prob­lema­tis­ch­er Mod­er­a­tor, nicht ein­mal ein Con­tain­ment) und eben­so unver­ant­wortlich gefahren (siehe z.B. Murray/Holbert: Nuclear Ener­gy; trig­ger warn­ing: ohne Ken­nt­nisse der Physik nicht zu ver­ste­hen). Fukushi­ma erwies sich als hand­hab­bar, auch da lag ein leicht beheb­bar­er Kon­struk­tions­fehler vor. Glauben Sie nicht, dass Inge­nieure dazuler­nen kön­nen, oder schließen Sie vorschnell von Grü­nen, Linken und anderen Fos­silien des 18. und 19. Jahrhun­derts (Rousseau, Marx)? Die mod­er­nen Konzepte, die Herr Letsch nur ansatzweise erwäh­nte, gehen in andere Rich­tun­gen als die klas­sis­chen und entschär­fen u.a. auch das (m.E. zu poli­tis­chen Zweck­en aufge­bauschte) Prob­lem der End­lagerung. Es hat seinen guten Grund, wenn weltweit die Kernen­ergie forciert entwick­elt wird. Dass dies in Meusalia nicht geschieht, ist ein­er — ver­mut­lich unheil­baren – parareligiösen, roman­tisch-irra­tionalen Tra­di­tion geschuldet; daher auch gibt es hier so viele Gretins. Bitte machen Sie sich fachkundig (z.B. Sornette/Kröger/Wheatley: New Ways and Needs for Exploit­ing Nuclear Ener­gy, oder Shultis/Faw: Fun­da­men­tals of Nuclear Sci­ence and Engi­neer­ing; trig­ger warn­ing: ohne Ken­nt­nisse der Physik nicht zu ver­ste­hen). Bei real­is­tis­ch­er Betra­ch­tung bietet alleine die Kernkraft mit ihrer hohen Energiedichte das Poten­tial, den steigen­den weltweit­en Energiebe­darf ver­lässlich und aus­re­ichend zu deck­en. Die sog. erneuer­baren Energien brauchen zu viel an Ressourcen/Fläche und sind zu unergiebig (EROI usw.) oder unzu­ver­läs­sig. Sie sind allen­falls lokale Lösun­gen. Anson­sten viel Freude mit der Dampf­mas­chine (es gibt sehr schöne Modelle).

  8. Ein wirk­lich guter Artikel und sehr real­ität­snah es zeigt sich die real­itäts­ferne viele Kommentare

  9. Her­vor­ra­gen­der Artikel.
    Vie­len Dank dafür.
    Ich muss den NDR mal loben, hätte nicht gedacht, dass er so einen Artikel erlaubt.

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