Alle Fragen zur Energiewende beantwortet?Es war das Problem man­gel­haf­ter Tech­nik­fol­ge­ab­schät­zung in der Ener­gie­wende, welches Cora Stephan in ihrem Kom­men­tar auf NDR​.de behan­delte. Mit Phil­lipps­burg II ging gerade ein wei­te­res grund­last­fä­hi­ges Kern­kraft­werk end­gül­tig vom Netz und die ent­stan­dene Lücke, immer­hin ein Fünftel des Strom­be­darfs von Baden-Würt­tem­berg, fließt nun aus Frank­reich (Atom) und Polen (Kohle) zu uns. Doch auch Wind­an­la­gen haben Lauf­zei­ten, auch Solar­pa­neele müssen irgend­wann ent­sorgt werden…wie steht es also wirk­lich um die Nach­hal­tig­keit, wie um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit? Alles berech­tigte Fragen, sollte man meinen. Alles auch Fragen, um die sich Inves­to­ren und Betrei­ber von Wind- und Solar­an­la­gen und unsere Regie­rung doch sicher Gedan­ken gemacht haben müssen, nimmt man an. Doch wo Sub­ven­tio­nen im Spiel sind, setzt oft nicht nur der Sach­ver­stand aus. Auch der Wett­be­werb hat schlechte Karten. Zuge­ge­ben: auch die Kern­ener­gie wäre ohne reich­lich Sub­ven­tio­nen nie an den Start gekom­men. Man sollte aber nicht glauben, Firmen wie Siemens hätten ein gestei­ger­tes Inter­esse daran gehabt, diese Kraft­werke zu bauen. Das war der Staat – und zwar aus Pres­tige-Gründen. Und wenn Mil­li­ar­den an Sub­ven­tio­nen winken, baut man das, was gewünscht wird. Das ist heute nicht anders als vor 50 Jahren.

Die heu­ti­gen Ver­fech­ter von EEG, För­der­töp­fen und risi­ko­lo­sen Invest­ments in Wind und Sonne geißeln die Sub­ven­tio­nen ver­gan­ge­ner Tage für die Kern­ener­gie und ver­lan­gen doch gleich­zei­tig Sub­ven­tio­nen für sich, weil es ohne nun mal nicht gehe. Den inhä­ren­ten Wider­spruch bemerkt man nicht mal. Nun, die Sub­ven­tio­nen für die Kern­ener­gie sollte man viel­leicht zusam­men mit den Steu­er­ein­nah­men, den jahr­zehn­te­lang güns­ti­gen Strom­kos­ten in die finan­zi­elle Waag­schale werfen und die sta­bi­len Netze sind ja auch nicht zu ver­ach­ten. Ob Sonne und Wind hier mit­hal­ten können, müssen sie erst bewei­sen. Bisher ist nur zu sehen, dass die Netz­sta­bi­li­tät sinkt, die Kosten steigen, Arbeits­plätze schwin­den und Natur zu Indus­trie­ge­bie­ten umge­wid­met wird.

Mein Inter­esse gilt hier aber nicht Ste­phans vor­treff­li­chem Artikel, sondern vielen Kom­men­ta­ren dar­un­ter. Das Spek­trum ist gemischt, was natür­lich gut ist. Aber es stechen doch jene heraus, die dünn­häu­tig bis belei­digt reagie­ren, fast, als hätte Cora Stephan den Schrei­ber des Kom­men­tars mit ihrer Meinung per­sön­lich ver­letzt oder belei­digt. Tenor: wie kann man nur Zweifel an der Wind­kraft haben, nicht an das Gelin­gen der Ener­gie­wende glauben und die Abschal­tung eines Kern­kraft­werks nicht eupho­risch feiern? Wer sowas tut, ist rechts, AfD-Fan, von der Atom­lobby bezahlt, ewig­gest­rig, Kli­ma­l­eug­ner, Wün­sch­dir­was!

Alle Fragen zur Energiewende längst beantwortet?

In Sachen Ener­gie­wende ver­fes­tigt sich bei mir der Ein­druck, dass eine große Anzahl meiner Mit­bür­ger (und in diesem Fall der Kom­men­tar­schrei­ber) sich jah­re­lang mit den Text­bau­stei­nen der Pro­fi­teure eben dieser Ener­gie­wende hat abspei­sen lassen, bis ein Sät­ti­gungs­ge­fühl eintrat. Man glaubt, zu wissen und ist jetzt mit gestanz­tem Polit­blech ange­füllt bis Ober­kante Unter­lippe. Jeder Zweifel, jede Nach­frage und jeder leise Anflug von Kritik ver­ur­sacht bei vielen nur noch Übel­keit und das Erbre­chen eben jenes Phra­sen­blechs, mit dem sie gefüt­tert wurden. Man liest einen Kom­men­tar von X, der aber wort­wört­lich und bis in die Belei­di­gun­gen hinein auch aus dem Mund von Habeck, Trittin, Roth, Baer­bock oder einem anderen Sofa­be­woh­ner bei Illner, Will und Co kommen könnte. Es ist aber nicht Dumm­heit, die unter dem Artikel von Cora Stephan jede Kritik abbü­gelt. Die Gesund­be­ter der Ener­gie­wende wissen einfach zu viel, was so nicht stimmt. Auf­ge­schnapp­tes gebiert Schnapp­at­mung, wenn es in Zweifel gezogen wird.

Vier Möglichkeiten, Fragen nicht zu beantworten

Die Stra­te­gie, mit der einige Leser auf Ste­phans auf­ge­wor­fene Fragen ant­wor­ten, kann man grob in vier Gruppen auf­tei­len. Zunächst gibt es zwei Mög­lich­kei­ten, der Beant­wor­tung einer auf­ge­wor­fe­nen Frage aktiv aus­zu­wei­chen. Man kann ent­we­der behaup­ten, die Frage stelle sich gar nicht und tut dann so, als sei sie tat­säch­lich nie gestellt worden. Oder man behaup­tet, die Frage sei längst beant­wor­tet, was auf das­selbe hin­aus­läuft. Alter­na­tiv kann man die Frage auch als falsch gestellt und damit den Fra­ge­stel­ler als Deppen bezeich­nen, auf dessen Niveau man sich aus Gründen der Würde nicht begeben wolle – und wieder bekommt man keine Antwort.

Wenn einem gar nichts anderes ein­fal­len will, ist der Vorwurf des Lob­by­is­mus die letzte Hand­gra­nate, die gewor­fen wird. Es kann ja nicht sein, dass da jemand aus eigener Anschau­ung zu einer Auf­fas­sung gelangt, die man selbst nicht teilt! Zudem hat man sich selbst frei­wil­lig (und dum­mer­weise noch dazu völlig unent­gelt­lich) auf jene Art der Welt­erklä­rung ein­ge­las­sen, die da in der Kritik steht – es muss also Geld im Spiel sein! Das Unter­be­wusst­sein leuch­tet neid­gelb und kommt dem man­gel­haf­ten Fak­ten­wis­sen nur zu gern zu Hilfe: ver­nich­tet sie, sie ist eine bezahlte Söld­ne­rin!

Zusam­men­fas­send: man kann Kritik ganz ohne Sach­kennt­nis abbürs­ten, igno­rie­ren, alles besser „wissen” oder den Vorwurf der Fremd­steue­rung erheben. Zur Sache geht es nie. Wenn Sie nun glauben, liebe Lese­rin­nen und Leser, hier gewisse Par­al­le­len zu den Ver­tei­di­gungs­stra­te­gien von Ideo­lo­gien und Heils­leh­ren aller Art zu erken­nen, sind Sie wohl auf dem rich­ti­gen Weg.

Die Kommentare

Wollen wir uns also mit einigen der Kom­men­tare befas­sen, die gera­dezu exem­pla­risch für die Wirkung der jahr­zehn­te­lan­gen Pro­pa­ganda stehen können. Ich nenne hier keine Namen, zitiere aber wört­lich. Sie finden die Texte wie gesagt unter dem Artikel auf NDR​.de.

Ich ver­stehe nicht wie man gegen Wind­kraft und Son­nen­en­er­gie sein kann! Denn damit leugnet man auto­ma­tisch das Klima, was von zahl­rei­chen bedeu­ten­den Wis­sen­schaft­lern bestä­tigt ist. Dass wir erstmal Strom von Koh­le­kraft­wer­ken in Polen oder Atom­kraft aus Frank­reich brau­chen ist dagegen zu ver­nach­läs­si­gen, da es sich nur um eine Über­gangs­zeit handelt, bis wir unsere Nach­barn von sau­be­rer Energie über­zeugt haben und Deutsch­land hier Vor­rei­ter ist.“

Wer gegen Wind- und Son­nen­en­er­gie ist, leugnet also das Klima. Das ist offen­bar ein reli­giö­ses Dogma und muss nicht weiter hin­ter­fragt werden. Solche Schüsse aus der Hüfte werden gern wort­reich und oft bril­lant wider­legt, doch der Schütze ist längst in den nächs­ten Saloon gezogen und hört nicht mehr zu. Und was unsere Nach­barn angeht, die uns in einer „Über­gangs­phase“ hin zur eigenen Glück­se­lig­keit Kohle- und Atom­strom liefern müssen dürfen, werden die sich dann wohl weitere Nach­barn für den Weg ins Glück suchen müssen. Frank­reich holt seinen Strom dann über­gangs­weise viel­leicht aus Spanien, Spanien später aus Por­tu­gal. Die Por­tu­gie­sen haben dann Pech, weil sie keinen Nach­barn mehr haben.

Dieses kurz­sich­tige Argu­ment erin­nert mich an eine Anek­dote, von der Markus Krall berich­tete. Natür­lich sei die Erde eine Scheibe, das wisse doch jeder, meinte eine seiner Zuhö­re­rin­nen. Worauf die Erd­scheibe denn gela­gert sei, fragte Krall. Auf einer Schild­kröte natür­lich. Und diese? „Auf einer grö­ße­ren Schild­kröte! Und bevor sie fragen“, fuhr die Dame fort, „es gibt Schild­krö­ten bis ganz nach unten!“ So ähnlich muss wohl auch die Ener­gie­wende für ganz Europa funk­tio­nie­ren, von der wir Deut­sche als „Vor­rei­ter“ unsere Nach­barn „über­zeu­gen“ werden. Das Modell funk­tio­niert für alle – außer für die Schild­kröte „ganz unten“.

Ich staune nur noch; wie kann die Kom­men­ta­to­rin nach so vielen Jahren Beschäf­ti­gung mit den gewal­ti­gen Risiken und auch sicht­ba­ren belas­ten­den Folgen der Atom­tech­nik, auch in Deutsch­land (Kin­der­leuk­ämien u.a.), solch einen Text ver­fas­sen: Meis­te­rIn­nen-Leis­tung im Aus­blen­den.“

Gerücht ver­dop­pelt – so wie Stimm und Echo – die Zahl Gefürch­te­ter. (Shake­speare, Hein­rich IV.). Ein solches Gerücht sind die Häu­fun­gen von Kin­der­leuk­ämie in der Nähe von Kern­kraft­wer­ken. Denn gäbe es solche und noch dazu Zusam­men­hänge zum Betrieb der Kraft­werke, wären diese längst still­ge­legt und geschlos­sen. Das Argu­ment, die „Atom­lobby“ hätte dies eben erfolg­reich ver­tuscht und die Schlie­ßung ver­hin­dert, passt irgend­wie nicht ganz zur offen­sicht­li­chen Macht­lo­sig­keit der­sel­ben Lobby, was aktuell die end­gül­tige Schlie­ßung voll funk­ti­ons­tüch­ti­ger Anlagen angeht. Die Begrün­dung dafür ist diffus, nicht konkret. Die ein­zi­gen sicht­ba­ren Belas­tun­gen der Atom­tech­nik in Deutsch­land sind die „demons­tra­ti­ven“ Begleit­erschei­nun­gen bei jeder Art von Trans­port.

Ein pein­li­ches Her­un­ter­be­ten von unrich­ti­gen und / oder grob irre­füh­ren­den Pro­pa­gan­da­be­haup­tun­gen der alten, neu auf­ge­stell­ten Atom­lobby.“

Diese „neu auf­ge­stellte Atom­lobby“ konnte nicht mal ver­hin­dern, dass die vielen tausend Opfer des Erd­be­bens mit anschlie­ßen­dem Tsunami von 2011 in Japan einfach dem AKW in Fuku­shima zuge­scho­ben werden. Es gibt in Deutsch­land in Wirk­lich­keit keine nen­nens­werte Atom­lobby mehr. Die geräusch­lose Still­le­gung von Phil­ipps­burg II hat dies gerade wieder ein­drucks­voll gezeigt. Die For­schungs­ein­rich­tun­gen an den Uni­ver­si­tä­ten werden zusam­men­ge­schnurrt, Gelder in die Grund­la­gen­for­schung fließen immer spär­li­cher. Eine merk­wür­dig stille Lobby muss das sein, vor der da gewarnt wird – beson­ders laut übri­gens von einer anderen Lobby, die gerade schmerz­voll auf­heult, weil durch neue Abstands­re­geln für Wind­an­la­gen angeb­lich Stand­orte gefähr­det sind. Es ist schon seltsam, dass ein Grenz­wert, der ja die Gesund­heit von Men­schen schüt­zen soll, hier dem „tech­ni­schen Fort­schritt“ im Weg ist, während andere Grenz­werte, etwa die für Fein­staub und NOx, gar nicht niedrig genug sein können. Beklage einen Grenz­wert als zu hoch und ich sage dir, für wen du trom­melst.

Mal wieder ein rei­ße­ri­scher, ein­sei­ti­ger Artikel von der AfD-Frau Stefan. Wie kann man hier von einer freien Jour­na­lis­tin spre­chen?“

Liebe Mit­bür­ger, freie Jour­na­lis­ten heißen so, weil sie kein Gehalt von einem Medi­en­haus, Verlag oder Sender erhal­ten und statt­des­sen ein­zelne Artikel oder Bei­träge gegen Honorar dort ablie­fern. Der NDR hat (erfreu­li­cher­weise) eine Rubrik „Kom­men­tar“. In welcher, wie die Bezeich­nung nahe­legt, Autoren ihre Meinung zu einem Thema äußern. Das darf rei­ße­risch, ein­sei­tig und alles Mög­li­che sein, nur nicht lang­wei­lig. Eines ist ein Kom­men­tar jedoch nie: Der Neu­tra­li­tät ver­pflich­tet, denn er ist keine Nach­richt! Deshalb heißt er auch nicht so. Umge­kehrt ist dies leider immer sel­te­ner der Fall. Dass Cora Stephan aller­dings eine „AfD-Frau“ ist, dürfte nicht nur sie selbst über­ra­schen. Aber was rege ich mich auf. Heute gilt schließ­lich jeder, der nicht täglich das „Teeren & Federn“ für Weidel oder das Kiel­ho­len für Meuthen fordert, als ver­kapp­ter Anti­de­mo­krat und Faschist, dem man die Bür­ger­rechte ent­zie­hen muss. Das wird all­mäh­lich lang­wei­lig.

Atom­kraft ist nicht CO2- frei. Uran­berg­bau, die Anrei­che­rung, die Pro­duk­tion und der Trans­port der Brenn­stäbe sind es nicht. Die Nach­be­hand­lung und End­la­ge­rung erst recht nicht. […] Sie werden nie erfah­ren, was Ihre Nach­kom­men einmal darüber denken werden, dass Uroma Cora lieber milch­mäd­chen­hafte Kom­men­tare ver­fasst hat, statt ihren Lebens­stil zu hin­ter­fra­gen. Es ist erschüt­ternd.“

Mich schüt­telt es auch. Vor Lachen. Aber ich will hier gar keine Rech­nung zum CO2-Ausstoß auf­ma­chen, weil ich das für ein Neben­thema halte. Es geht in erster Linie um Ver­sor­gungs­si­cher­heit, ein Thema, welches ein Land, welches auch wei­ter­hin Indus­trie­land sein möchte, gar nicht ernst genug nehmen kann. Natür­lich ist die Kern­ener­gie nicht voll­stän­dig CO2-neutral! Das Dumme ist nur: es gibt über­haupt keine CO2-freie Ener­gie­ge­win­nung. Wer mir also etwas erschüt­tern­des über den Uran­berg­bau erzäh­len will, der darf über die Minen für Kobalt, Neodym oder Wolfram nicht schwei­gen. Wer von Uran-Anrei­che­rung und Wartung erzählt, aber bei der Gewin­nung von Lithium nichts zu meckern hat und die Die­sel­trans­por­ter nicht sieht, die zur Wartung der Wind­kraft­an­la­gen durchs Land fahren, der ist ein Heuch­ler. Punkt! Von all den rest­li­chen CO2-inten­si­ven Mate­ria­lien (Car­bon­fa­sern, Ver­bund­stoffe, Beton, Stahl…), aus denen so eine Wind­kraft­an­lage besteht, möchte ich gar nicht erst anfan­gen. Der Ern­te­fak­tor ist für die Kern­ener­gie jeden­falls um Grö­ßen­ord­nun­gen besser als für Sonne und Wind, was zwar all­ge­mein bekannt, aber in der Betrach­tung gern ver­schwie­gen wird. Diese Frage „stellt sich halt nicht“.

Energiewende ohne Endlager?

Noch zwei Gedan­ken zur Pro­ble­ma­tik der End­la­ge­rung. Erstens: wir haben kein End­la­ger, brau­chen aber für unseren Müll dennoch eines – dass wir aus der Kern­ener­gie aus­stei­gen, sorgt nur für noch mehr Dring­lich­keit bei unsi­che­rer Finan­zie­rung. Am Gefah­ren­po­ten­zial der Stoffe ändert auch der Aus­stieg nichts. Statt nach einer Million Jahren sind wir mit der End­la­ge­rung aber wohl etwa 20 Jahre früher fertig. Was für ein beklopp­tes Bei­spiel wir doch der Welt sind! Glück­wunsch! Zwei­tens: andere Länder gehen das Problem offen­siv an und ent­wi­ckeln neue Reak­tor­ty­pen, die, weil sie mit schnel­len statt mit lang­sa­men Neu­tro­nen arbei­ten, güns­ti­gere Zer­falls­rei­hen haben, sehr viel mehr Energie aus den ein­ge­setz­ten „Brenn­stof­fen“ erzeu­gen und als End­pro­dukte sehr viel kürzer radio­ak­ti­ven Müll zurück­las­sen.

Wir reden hier von Halb­wert­zei­ten von einigen Hundert Jahren, nicht mehr von Mil­lio­nen. End­la­ger in Salz oder Gestein wird so über­flüs­sig. Als Stich­worte seien hier nur Dual-Fluid, Schnelle Brüter, Thorium-Flüs­sigs­alz oder ‑Flüs­sig­blei-Reak­to­ren genannt. Es gibt also Tech­no­lo­gien, sogar bereits ein­setz­bare. Ein Blick nach Russ­land oder China kann Klar­heit schaf­fen. Doch bringt man solche Ideen ins Spiel, ist man natür­lich „von der Atom­lobby bezahlt“. Das von der SPD erfun­dene „Wind­bür­ger­geld“ hin­ge­gen ist natür­lich nicht auf dem Mist einer Lobby gewach­sen, um die Akzep­tanz der Wind­kraft zu opti­mie­ren. „Aber diese Akzep­tanz­kos­me­tik bezahlt doch keine Lobby!“, werden die Leser viel­leicht ein­wen­den. Stimmt, das bezahlt der Steu­er­zah­ler, dieser Trottel. Das ist dann natür­lich was ganz anderes!

Der Kom­men­tar von Frau Stephan hat in meiner Familie ungläu­bi­ges Stauen und Kopf­schüt­teln her­vor­ge­ru­fen und scheint mir ein „gutes” Bei­spiel für die Lob­by­ar­beit der großen Ener­gieo­li­go­po­lis­ten zu sein, die nun ver­su­chen den Aus­stieg aus der Atom­ener­gie und Koh­le­ver­stro­mung mit allen Mitteln zu ver­hin­dern.“

In diesem Land ver­hin­dert keiner mehr irgend­was, schon gar nicht, wenn man wie Cora Stephan einen Kom­men­tar schreibt, der nicht mehr als 4:30 Minuten lang sein darf, um ins Format des Senders zu passen. Zuletzt konnte man über eine Stunde lang beob­ach­ten, wie sich Pro­fes­sor Sinn ver­geb­lich bemühte, die Risiken des in Ener­gie­fra­gen ein­ge­schla­ge­nen Weges gegen den Wider­stand der Grünen Traum­tän­ze­rin Nestle dar­zu­le­gen. Es war eine Qual!

Nein, wir ver­las­sen uns hier­zu­lande einfach darauf, dass sich bestimmte Fragen nicht stellen, weil sie längst beant­wor­tet seien. Das Netz ist der Spei­cher und der Kobold hat immer recht! Dass wir die Ant­wor­ten in Wahr­heit nicht kennen und uns statt­des­sen als „Über­gangs­lö­sung“ auf unsere Nach­barn ver­las­sen, die wir durch unser Vorbild auch noch anregen wollen, es uns gleich zu tun, stört uns kein Biss­chen. Auch nicht, wie unsere Nach­barn wirk­lich über unsere Welt­ret­tungs­pläne denken.

In Ener­gie­fra­gen verhält sich der deut­sche Michel leider nicht anders als ein Klein­kind, dass zwi­schen seinen Eltern und an deren Händen durch die Luft wirbelt. Dessen Füße berüh­ren zwar den Boden nicht, aber es sieht, dass es immer noch vor­an­kommt. Ener­ge­tisch vor­bild­lich! Und jetzt ruft das Kind „Mama, Papa, jetzt ihr!“ Ich glaube, je schnel­ler Polen und Frank­reich los­las­sen, umso rascher der Auf­schlag in der Rea­li­tät. Nur ein solcher Auf­schlag kann uns noch retten – vor einem noch grö­ße­ren Auf­schlag. Leider wird dabei so oder so auch so manches lieb­ge­won­nene Stück Por­zel­lan zu Bruch gehen.

14 Kommentare

  1. Betr.: „Dass wir erstmal Strom von Koh­le­kraft­wer­ken in Polen oder Atom­kraft aus Frank­reich brau­chen ist dagegen zu ver­nach­läs­si­gen, da es sich nur um eine Über­gangs­zeit handelt, bis wir unsere Nach­barn von sau­be­rer Energie über­zeugt haben und Deutsch­land hier Vor­rei­ter ist.“

    Herr Letsch, dass ist doch wohl eher feins­ter Sar­kas­mus des Kom­men­ta­tors (gegen­über dem NDR), denn soviel Nai­vi­tät in einem Satz wäre doch kaum vor­stell­bar. (Wenn das doch ernst gemeint sein sollte, möchte ich das Fehlen des Begriffs „Leuchtt­umr­pro­jekte” bekla­gen.)

    PS
    Bei dieser Gele­gen­heit: Danke für Ihre Bei­träge.

  2. Die dünn­häu­ti­gen Kom­men­ta­to­ren des Arti­kels von Frau Stephan kann ich mir gut vor­stel­len. Im besten Fall, im aller­bes­ten Fall, sind es welche, die bei ihrem Strom­ver­sor­ger die Option „Öko­strom“ ange­klickt haben, zwei Cent mehr bezah­len, und denken damit wäre die Zukunft geret­tet.

    Wir haben 100% Öko­strom“ sagten neulich auch mal Bekannte zu mir. Aka­de­mi­ker­paar. Da dachte ich an die Elek­trorol­ler, die hier überall stehen; nicht diese Kin­der­rol­ler, somdern die Schwalbe in der E‑Version, wo drauf­steht „Fährt mit 100% Öko­strom“.
    Wie geht das? Werden die in win­di­gen Nächten zum Auf­la­den an ein Windrad gekarrt? Mit einem Elek­tro­auto, das man in der vor­he­ri­gen win­di­gen Nacht an der­sel­ben Quelle auf­ge­la­den hatte? Fragen über Fragen.

  3. Es ist wieder mal ein Offen­ba­rungs­eid, was so in Sachen Klima behaup­tet wird. Und wie zu ver­mu­ten ist, steckt hinter alledem das Geld, für dessen Skla­ven­dienst immer ein paar nütz­li­che Idioten zu finden sind. Die bestim­men die Politik. Was Wunder, wir zahlen!
    YouTube ist ja eine rich­tige Fund­grube und so habe ich einen Beitrag gefun­den von einem der „3%” Wis­sen­schaft­ler, die „das Klima” leugnen. Dr. Shiva erklärt hier ein­drucks­voll, wer bzw. was hinter dieser ganzen Kli­ma­de­batte steckt und warum Trump dem Kli­ma­ab­kom­men nicht bei­getre­ten ist.

    https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​-​0​R​t​y​s​t​v​7dc

  4. In Bul­ga­rien liegt der Strom­preis bei ca. 10 ct / kWh – die würden sich freuen, wenn sie dem deut­schen „Vorbild” folgen und eine EEG-Umlage von 6,2 ct / kWh (also ein Plus von rund 60%) zusätz­lich bezah­len dürften.

    Zum Problem der End­la­ge­rung:
    Während in Russ­land mit dem BNH-800 bereits ein Reak­tor­typ im kom­mer­zi­el­len Betrieb ist, der 96% der Reak­tor­ab­fälle zu Energie ver­ar­bei­tet und es ähn­li­che Ent­wick­lun­gen in den USA und China gibt, wurde in Deutsch­land die For­schung durch den Aus­stieg aus der Atom­kraft gestoppt.
    Eines Tages werden wir die For­schungs­er­geb­nisse anderer Länder teuer zukau­fen dürfen, bzw. müssen.

  5. Ganz großen Dank, Herr Letsch, für diesen Ein­blick in die Mühle, in welcher Hoch­po­ten­zen sich zuklap­sen. Reso­nanz­an­ge­bote für Hohl­köpfe haben immer ihre Kli­en­tel gefun­den. Ich emp­fehle, zum Ver­gleich z.B. in „Die Letzten Tage der Mensch­heit“ von Karl Kraus die Pas­sa­gen zu lesen, in denen begrün­det wird, warum Deutsch­land & Öster­reich nicht anders als siegen können, oder in der von Goe­b­bels spe­zi­ell für die sog. Intel­li­genz kon­zi­pier­ten Wochen­zei­tung „Das Reich“ Artikel, in denen noch 1944/1945 aus­ge­führt wird, warum der Endsieg bevor­steht. Mir scheint da eine beacht­li­che Kon­ti­nui­tät der Ver­blen­dung, Aus­blen­dung und Ratio­na­li­sie­rung vor­zu­lie­gen, sie defi­niert gera­dezu das Milieu der Intel­lek­tu­ell­chen.

    Den Typus des Bescheid­wis­sers und Phra­se­ne­jek­tors kenne ich seit mehr als 30 Jahren auch auf meinem Arbeits­ge­biet (nicht das der Ener­gie­wirt­schaft). Bei detail­lier­ter Nach­frage stößt man aller­dings regel­haft auf Leere, einen horror vacui mentis hat man in diesem Milieu nicht. Beson­ders apart unter den von Ihnen ange­führ­ten argu­men­ta­ti­ven Simu­lan­tien ist das Lobby-Argu­ment, bei einer Studie das Finan­zier-Argu­ment. Wenn man von einer Sache tat­säch­lich etwas ver­steht und diese selb­stän­dig zu beur­tei­len vermag (d.h. kom­pe­tent ist statt ange­klickte & auf­ge­schnappte vir­tu­elle sog. Kom­pe­ten­zen auf­zu­wei­sen), findet man immer leicht die Schwach­punkte in einer Argu­men­ta­tion und kann die vor allem im Detail belegen; den Rekurs auf eine Lobby hat man nicht nötig. Der ist sogar unpro­duk­tiv, da man z.B. durch Analyse auch aus feh­ler­haf­ten Studien oft noch etwas lernen kann. Wenn man aller­dings nichts von der Sache ver­steht, gleich­wohl auf dem ganz hohen Ego-Press­luft-Ross mit einem IQ von 5 atü sitzt, dann kommt das Argu­ment zur Lobby. Ein fra­gen­der Piekser nach Details reicht dann zur Defla­tion. Und als Krönung kommt dann der „Konsens“, hier „meine Familie“ genannt. Den gab es ganz oft im 20 Jh. (siehe oben).

    Ich glaube, keine Zeit zuvor hat so viele, so ein­drucks­volle Dunning-Kruger-Beleg­fälle gene­riert wie die heutige.

  6. Ich warte regel­recht auf den Black­out. Ja ich weiß das klingt ziem­lich bescheu­ert. Ja ich weiß was das bedeu­ten kann, Anar­chie und Plü­de­run­gen, nicht erreich­bare Ein­satz­kräfte und so weiter. Ist mir alles klar. Aber es ist viel­leicht die letzte Mög­lich­keit diesen Wahn­sinn noch zu stoppen. Aller­dings besteht auch die Mög­lich­keit, dass die Regie­rung nur noch mehr WKA bauen lässt. Und die Schuld für den Black­out würde man Trump, Putin oder chi­ne­si­schen Hackern anhän­gen.

    https://​www​.welt​.de/​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​/​a​r​t​i​c​l​e​2​0​4​7​8​6​2​3​0​/​A​t​o​m​a​u​s​s​t​i​e​g​-​W​a​s​-​d​i​e​-​E​n​e​r​g​i​e​w​e​n​d​e​-​w​i​r​k​l​i​c​h​-​k​o​s​t​e​t​.​h​tml

    Die Bei­träge unter diesem Artikel sind teil­weise auch sehr lustig.

  7. Bereits eine Dampf­ma­schine hatte einen Gesamt­wir­kungs­grad von 20%, wie ein Atom­kraft­werk ohne die Lang­zeit Folgen. Wo ist hier bitte der tech­ni­sche Fort­schritt? Und dass zwi­schen­zeit­lich die inter­nen Mate­ria­lien der AKW auf­grund der Lauf­zeit am Ende ihrer Lebens­dauer sind und nur unter hohem Aufwand erhal­ten werden können will anschei­nend niemand wahr­neh­men.
    Sollte es in den viel­ge­rühm­ten fran­zö­si­schen AKW zu einer Ernsten Sache kommen, hoffe ich nur, dass wir wieder einen Ostwind wie bei Tscher­no­byl haben. Wer heute noch auf AKW setzt sollte bereit sein den Abfall on seinem Vor­gar­ten oder Keller ein­zu­la­gern und für die sichere Lage­rung für die nächs­ten tau­sende von Jahren ver­ant­wort­lich sein.

    • Ist dieser Kom­men­tar jetzt Satire? Ich bin mir nicht sicher!
      Wenn ein Text nicht gerade das CO2 in die Bilan­zen hin­ein­rech­net, das die­je­ni­gen aus­at­men die die Richt­li­nien für Kraft­werke erlas­sen, kann sich bei ähnlich absur­den Dingen doch niemand mehr sicher sein ob sie nicht viel­leicht ernst­ge­meint sind. Ich vermute aller­dings, das ist Satire – schließ­lich IST ein Atom­kraft­werk eine Dampf­ma­schine (wie Kohle‑, Gas‑, und Ölkraft­werke auch): alles Drumrum ist nur Teil der Frage, woher denn der Dampf für die Maschi­nen kommt.
      Inso­fern: gut gemacht! 🙂

    • Ihr alber­ner Ver­gleich mit der Dampf­ma­schine lässt ver­mu­ten, dass Sie noch nie den Begriff „Ener­gie­dichte” gehört haben. In summa gehen ver­gli­chen mit anderen Formen der Ener­gie­er­zeu­gung sta­tis­tisch gesehen weniger Tote auf das Konto der Kern­kraft. Der Reaktor in Tscher­no­byl war sicher­heits­tech­nisch schlecht kon­stru­iert (pro­ble­ma­ti­scher Mode­ra­tor, nicht einmal ein Con­tain­ment) und ebenso unver­ant­wort­lich gefah­ren (siehe z.B. Murray/Holbert: Nuclear Energy; trigger warning: ohne Kennt­nisse der Physik nicht zu ver­ste­hen). Fuku­shima erwies sich als hand­hab­bar, auch da lag ein leicht beheb­ba­rer Kon­struk­ti­ons­feh­ler vor. Glauben Sie nicht, dass Inge­nieure dazu­ler­nen können, oder schlie­ßen Sie vor­schnell von Grünen, Linken und anderen Fos­si­lien des 18. und 19. Jahr­hun­derts (Rous­seau, Marx)? Die moder­nen Kon­zepte, die Herr Letsch nur ansatz­weise erwähnte, gehen in andere Rich­tun­gen als die klas­si­schen und ent­schär­fen u.a. auch das (m.E. zu poli­ti­schen Zwecken auf­ge­bauschte) Problem der End­la­ge­rung. Es hat seinen guten Grund, wenn welt­weit die Kern­ener­gie for­ciert ent­wi­ckelt wird. Dass dies in Meu­sa­lia nicht geschieht, ist einer – ver­mut­lich unheil­ba­ren – para­re­li­giö­sen, roman­tisch-irra­tio­na­len Tra­di­tion geschul­det; daher auch gibt es hier so viele Gretins. Bitte machen Sie sich fach­kun­dig (z.B. Sornette/Kröger/Wheatley: New Ways and Needs for Explo­i­t­ing Nuclear Energy, oder Shultis/Faw: Fun­da­men­tals of Nuclear Science and Engi­nee­ring; trigger warning: ohne Kennt­nisse der Physik nicht zu ver­ste­hen). Bei rea­lis­ti­scher Betrach­tung bietet alleine die Kern­kraft mit ihrer hohen Ener­gie­dichte das Poten­tial, den stei­gen­den welt­wei­ten Ener­gie­be­darf ver­läss­lich und aus­rei­chend zu decken. Die sog. erneu­er­ba­ren Ener­gien brau­chen zu viel an Ressourcen/Fläche und sind zu uner­gie­big (EROI usw.) oder unzu­ver­läs­sig. Sie sind allen­falls lokale Lösun­gen. Ansons­ten viel Freude mit der Dampf­ma­schine (es gibt sehr schöne Modelle).

  8. Ein wirk­lich guter Artikel und sehr rea­li­täts­nah es zeigt sich die rea­li­täts­ferne viele Kom­men­tare

  9. Her­vor­ra­gen­der Artikel.
    Vielen Dank dafür.
    Ich muss den NDR mal loben, hätte nicht gedacht, dass er so einen Artikel erlaubt.

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