Jener Anteil der Kritik an „Fridays for Future“, der sich nicht mit den inhaltlichen Fehlleistungen, sondern mit dem abgehobenen Personal der Bewegung befasst, wusste schon vor dem Insiderbericht von Clemens Traub, aus welchem Juste Milieu sich die Klimaretter in der Regel rekrutieren. Tausende Memes über Gretas Luxus-Segelreisen oder das Mobiliar ihrer Eltern, Langstrecken-Luisas Reiseziele oder Carola „Extinction Rebellion“ Rackete, der es in Europa, das sie gern füllen möchte, „zu voll“ ist und die es deshalb eher nach Patagonien zieht, belegen, dass zumindest das laute Spitzenpersonal nicht aus den abgehängten Kreisen einer prekär beschäftigten Arbeiterklasse kommt, deren Wahl darin bestehen soll, am Klimawandel oder am Jobverlust zu leiden. Man spürt die „silbernen Löffel“ am Klang ihrer Stimmen und hört sie in ihren Aussagen, die auf eine verächtliche Art von der kalten Absolutheit ihrer Idee bestrichen wurden. Solche Ideen kann nur hegen, wessen Tage nicht von ungewisser Zukunft, Geldmangel, Hunger oder Durst, sondern lediglich von der Zeit begrenzt sind.

Der Auszug aus Traubs Buch „Future for Fridays“ im Cicero bringt mich aber auf die Idee eines auf den ersten Blick absurden Vergleiches, der sich hoffentlich auf den zweiten Blick erschließt. Ich muss hier um etwas Geduld bitten, aber fangen wir doch erst mal mit der These an:

Die Struktur von Fridays for Future zeigt gerade wegen der Privilegiertheit ihrer Protagonisten den einzigen Weg zum Fortschritt der Menschheit.

Einschränkend füge ich hinzu, dass F4F selbst sicher keine Vorstellung davon hat, in welcher Form die Bewegung mir als – in Ermangelung eines besseren Begriffs – Vorbild zur begrifflichen Verortung eines existenziellen Problems der Menschheit dient. Sicher ist es nicht einmal die Absicht von Luisa Neubauer, Linus Steinmetz, Carla Reemtsma und ihren Gesinnungsfreunden, in dieser Weise tätig zu sein. Bei F4F geht man vielmehr von einer eigenen, inhärent überlegenen Moral und der Idee aus, die fehlenden praktischen Lösungen der postulierten Probleme entständen letztlich wie von selbst, wenn man nur schnell und blind genug in eine Richtung laufe. Also gewissermaßen nach dem Prinzip des Fliegenlernens in „Per Anhalter durch die Galaxis“: man wirft sich zu Boden, verfehlt diesen absichtlich und fliegt dann einfach. Oder hat eben das Klima gerettet und dabei ganz nebenbei eine neue Gesellschaftsform jenseits des Kapitalismus erfunden.

„Ohne Kapitalismus können wir den Klimaschutz vergessen“

Diesen Satz von Clemens Fuest, dem Chef des IFO-Instituts, mochte Luisa Neubauer in „Aspekte“ nicht gelten lassen. Doch es geht mir hier ja nicht um eine Widerlegung von Neubauers These, dass wenn man staatliche Regulierung hoch und Marktkräfte herunter regele, könne auch etwas völlig anderes als Sozialismus entstehen, wenn man das Experiment gleich auf planetarem Maßstab versuchen würde. Frei nach dem Motto „schau’n mer mal“. Das ist natürlich Blödsinn und muss uns heute mal nicht kümmern.

Die Frage für mein Beispiel muss lauten, ab wann eine Gesellschaft überhaupt in der Lage ist, die Ressourcen aufzubringen, um sich mit allen möglichen Dingen zu beschäftigen, die nicht der prekären, täglichen Daseinserhaltung dienen. Also Fragen wie die, ob ein Fahrradschnellweg durch die Stadt gebaut, ein Fahrverbot für Verbrenner-Autos verhängt oder eine CO2-Steuer erhoben wird, stellen sich ja nicht in Somalia, Venezuela oder Myanmar. Dafür braucht es zunächst politische Freiheit (für Kritik), Stabilität (für den langen Atem mancher Projekte) und Rechtsstaatlichkeit (Investitionssicherheit) und außerdem eine extrem arbeitsteilige und wohlhabende Gesellschaft, ohne existenzielle Kämpfe und tribalistische Konflikte. Kurz: dazu braucht es den Humus eines entwickelten Industriestaates. Idealerweise mit funktionierender Marktwirtschaft, wie wir noch sehen werden.

Alle gesellschaftlichen Bewegungen und Phänomene, die ihre Nasen heute aus der Ackerfurche täglichen Existenzkampfes herausheben, sind Gewächse des industrialisierten „Westens“. Auch F4F, wie wir wissen. Die Ideen stammen aus Köpfen, die im Vergleich mit denen, die sich in der Ebene mühen müssen, in den Wolken stecken.

Es gibt keine Zukunftsangst bei Luisa Neubauer – außer jener natürlich, die sie als Monstranz ihrer Idee vor sich herträgt. Auch Frau Reemtsma und Frau Thunberg können auf Verbrenner-Autos verzichten, sie haben Alternativen. Oder um plakativer zu werden: mit einer Villa auf Sylt kann man wunderbar auf Flugreisen nach Mallorca verzichten und dank eines Twitter-Accounts mit einer Million Follower kann man die Welt an diesem Verzicht teilhaben lassen.

In die Position, sich mit derlei Alternativen befassen zu können und auch dann noch Kuchen zu haben, wenn andere das tägliche Brot kaum auftreiben können, hat jedem einzelnen der Aktivisten von F4F – ob sie es begreifen oder nicht – die Marktwirtschaft, vulgo der Kapitalismus gebracht, in dem ihre Familien reüssieren konnten.

Im Grunde ist es also ganz einfach mit der Bewusstseinsänderung der Menschheit, die Neubauer und ihre Mitstreiter anstreben. Man muss nur so werden wie sie, dann käme das Bewusstsein – oder der Drang, sich statt mit der Ackerfurche, lieber mit dem Pflügen von Wolken zu befassen – von ganz allein. Natürlich überspitze ich hier, aber ich habe hier ja auch einen trockenen Beweis zu führen. Da tut Auflockerung not.

Der Schlüssel zu Wohlstand und Umweltschutz ist Energie

Der Kapitalismus habe uns erst in die Lage versetzt, der Natur zu schaden, so das Credo von F4F. Er hat uns aber auch erst die Fähigkeiten und die Ressourcen geschenkt, den Schaden zu erkennen, zu begrenzen oder umzukehren. Außerdem ist es ja nicht so, dass andere, vorindustrielle Gesellschaften es an Versuchen haben mangeln lassen, der Natur Schaden zuzufügen. Sei es nun vorsätzlich oder fahrlässig.

Oft war dies sogar erfolgreich und nur die zeitliche Entfernung lässt vergessen, was etwa zur Waldarmut entlang des Mittelmeers oder im vorindustriellen Europa geführt hat. Es war neben dem Schiffsbau vor allem der Energiehunger der Menschen, die zur Abholzung und Kahlschlag führten. Erst der Sprung der Industriegesellschaft von Holz zu Kohle, Öl und Gas bis zur Kernkraft rettete die Wälder und ermöglichte die weitere Entwicklung. Inklusive der Möglichkeit, diese in Frage zu stellen. In diesem gesellschaftlichen und ökonomischen Zustand ist die Welt als Ganzes aber noch nicht angelangt, ganz gleich, wie „planetar“ die Visionen von F4F auch sein mögen.

Der Schrecken, den Neubauer und Co verbreiten, speist sich auch aus der Vorstellung, dass diese Entwicklung sich tatsächlich vollziehen könnte, ohne dass dies verhindert werden kann, beispielsweise in Afrika. An die Begrenzung von CO2-Emissionen ist in diesem Zusammenhang nicht mal zu denken! An die Begrenzung der Entwicklung der Menschheit jenseits wirrer neokolonialer Weltretter-Träume, die Afrika gern den „edlen Wilden“ überlassen und für Postkartenmotive mit Löwe, Elefant und Giraffe konservieren wollen, aber auch nicht.

Mehr CO2 wagen

Der Schritt über die Schwelle einer Industriegesellschaft ist aber nicht vom guten Willen der Menschen und nur in geringerem Maße von der Bildung abhängig, sondern in hohem Maße von der zur Verfügung stehenden Energie. Und zwar nicht in Form von gütigen Spenden entwicklungshilfebesoffener Europäer, die ein paar Solarzellen in sudanesische Savannendörfer bringen und sich dabei für Prometheus halten, der den Menschen das Feuer brachte, sondern in Gestalt einer selbstgemachten, selbstständigen Weiterentwicklung, die zwangsläufig über die einfach zu erschließenden fossilen Energieträger laufen muss, bevor bessere, leistungsstärkere Energieträger mit hoher Verfügbarkeit in Frage kommen. Schon aufgrund von Leistungsdichte und Erntefaktor kommen Sonne und Wind hier kaum in Frage. Der Weg vom Holz zur Kernkraft mag in Afrika schneller gehen können – warum soll man die gleichen Fehler wie die Europäer machen – , aber es gibt wohl keine Abkürzung.

Über die Hysterie, CO2 zum Sündenstoff zu erklären, habe ich schon viel geschrieben, doch nehmen wir für einen Moment an, es gebe gute Gründe dafür, es aus der Luft zu entfernen. Unter dem Aspekt der menschlichen Entwicklung anderer Weltgegenden muss es, was den Ausstoß von CO2 angeht, erst schlechter werden müssen, bevor es nachhaltig besser werden kann. Hier steht die menschliche Entwicklung, also letztlich der Mensch selbst, den Zielen der Klimaretter im Weg. Ihr Credo ist ja gerade nicht „suche den effektivsten Weg“, sondern „tue dies, lasse das, verbiete jenes“.

Die Wahrscheinlichkeit, dass auf diese Weise Fehlentscheidungen zugunsten technologischer Sackgassen getroffen werden und es zur Fehlallokation von Kapital kommt, ist extrem hoch. Die Marktwirtschaft irrt ständig, aber im kleinen Maßstab, während jede andere Art der Wirtschaft von einem gigantischen Fehler zum nächsten taumelt. Und obwohl die wohlhabenden Industriestaaten den Weg, den sie genommen haben, genau kennen, erheben sie sich nur zu gern und oft wie Gouvernanten über Entwicklungsländer. Sie „wissen“, wie diese handeln müssten, welche Industrie sie zu entwickeln haben, welche Autos sie fahren sollten und wie sie auf keinen Fall ihre Energie erzeugen dürfen. Sie tun in der Welt also genau das, was F4F zu Hause tut: Besserwissen, Entmündigen, Fordern, Strafen.

Das Juste Milieu von „Fridays for Future“ verhält sich also zum Rest unserer Gesellschaft wie der industrialisierte „Westen“ zum Rest der Welt. 

So wie die von ihr gehasste Marktwirtschaft Luisa Neubauer ins Studio von „Kontraste“ brachte, kann auch nur die Marktwirtschaft die ärmeren Länder über jene Schwelle heben, hinter der wichtige Prozesse erst in Gang kommen können: Das Bewusstsein für Wirtschaftlichkeit und Ressourcenverbrauch steigt, die Lebenserwartung steigt, Kindersterblichkeit und Reproduktionsraten gehen zurück, Umweltbewusstsein und das Verständnis für Stoffkreisläufe und Effizienz bilden sich aus und der Umweltschutz hat eine gute Zeit.

Auch Menschen vom Schlag Luisa Neubauers können sich erst in diesem Habitat entwickeln wie Urzeitkrebse aus dem Yps-Heft. Anderenorts fehlt dafür einfach Zeit, Geld und Muße. In Gesellschaften auf der energetischen Kippe, im Existenzkampf gegen die Natur oder innerhalb tribaler, ideologischer Kämpfe, gäbe es nicht mal die goldenen Petrischalen, in denen sie sich ungestört, wohltemperiert und gut befeuchtet entwickeln könnten! Es muss also erst „schlechter“ im Sinne von F4F werden, bevor es „besser“ werden kann. Anderenfalls befinden wir uns am Beginn der Herrschaft einer Energie-Aristokratie, einer kleinen Elite, die die Tür des Elfenbeinturmes hinter sich zuschlägt und in der Welt das Licht ausgehen lässt.

Der Schlüssel zu Wohlstand und Umweltschutz ist Energie

Der ideologisierte Kampf gegen fossile Energie hat etwas Selbstmörderisches. Dabei ist wohl den meisten Menschen mittlerweile klar, dass Wind und Sonne nicht reichen werden, in einem Industrieland wie Deutschland für Puls zu sorgen. Das sonnenverwöhnte Kalifornien musste in diesem Sommer bereits erleben, was es heißt, sich zu sehr auf Solarenergie und Windkraft zu verlassen. Die wegen Energiemangels notwendigen „rolling Blackouts“ dort sind auch ein Vorgeschmack für deutsche Verbraucher, die glauben, man könnte problemlos aus Kohle und Kernkraft aussteigen, Gas infrage stellen und gleichzeitig auch noch den Verkehr auf Strom drehen. Der Energiebedarf pro Kopf lässt sich in Industrieländern nicht beliebig drücken, weshalb die ehrliche Suche nach verlässlichen und belastbaren Methoden der Energieerzeugung überlebenswichtig ist. In dieser Frage absichtlich hinter die bestehenden Standards zurückzufallen, indem man voll auf volatile Energieerzeugungen durch Sonne und Wind vertraut, ist mindestens fahrlässig.

Nennt es meinetwegen „Klimaschutz“

Wenn die Energiefrage wirklich geklärt wäre, würden einige der kristallenen Träume der Klimaretter sogar ihren Schrecken verlieren. Ein belastbares, von Wetter und Tageszeit unabhängiges Stromnetz käme sogar mit einer größeren Anzahl Elektroautos zurecht. Tatsächlich und kontinuierlich im Überfluss vorhandene Energie könnte zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe und Wasserstoff aus Luft und Wasser verwendet werden. Das wird aber ohne Kernenergie nicht möglich sein. Und bevor jetzt die Tomaten fliegen möchte ich hinzufügen, dass ich nicht von den Kraftwerkstypen spreche, die in den 60er und 70er Jahren konzipiert und gebaut wurden. Sicher, es würden selbst dann noch Jahrzehnte bis zum Betrieb erster Dual-Fluid-Reaktoren vergehen, wenn wir heute beschließen würden, den Ausstieg aus der Kernkraft rückgängig zu machen. Aber man kann der Technologie kaum vorwerfen, dass die Politik seit 30 Jahren eine falsche Entscheidung nach der anderen getroffen hat.

Fridays for Future und Luisa Neubauer täten also gut daran, nicht ausgerechnet ihre wichtigsten Verbündeten, die Marktwirtschaft und die Kernenergie, abschaffen zu wollen und sich lieber für ein echtes energetisches Level-Up der Menschheit einzusetzen, damit ihre Vorstellungen, so irrwitzig sie auch sein mögen, es technologisch zumindest in den Bereich des Möglichen schaffen könnten. Darauf zu vertrauen, dass es jenseits der Marktwirtschaft irgendwo ein unentdecktes Land geben könne, das nicht Sozialismus heißt und dass unbekannte Technologien sich schon irgendwie zeigen würden, wenn wir nur ganz fest daran glauben, ist keine gute Idee. Statt fliegen zu lernen, indem man den Boden verfehlt, sollte man vielleicht lieber Physik oder Chemie studieren.

Was ist also der „Weg“, den „Fridays for Future“ der Menschheit wirklich zeigt? Es ist das notwendige Ende der anmaßende Bevormundung seitens einer Elite, die es über die Wolken geschafft hat, gegenüber denjenigen, die noch nicht bis dorthin vorgedrungen sind. Die Aufgabe des Juste Milieu von F4F muss es sein, sie nicht daran zu hindern, über die Wolken zu kommen. Alles ist eben eine Energiefrage. Wer sie sich leisten kann, ist im Vorteil.

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11 Kommentare

  1. Hier handelt es sich um nichts anderes als White Supremacy. Weiße Prinzesschen, die sich nie die Finger schmutzig gemacht haben, wollen aus ihrem geistigen Gefängnis heraus der ganzen Welt vorschreiben, wie sie zu leben haben. – Einerseits predigen diese Wohlstandsweibchen Small Is Beautiful, gleichzeitig huldigen sie aber jedem dahergelaufenen BBC-Aktivisten. Oder wie lautet die korrekte Abkürzung für Burn/Loot/Murder?

  2. Herr Letsch, der Spaziergang ist die bürgerliche Form der Erholung. Gleichzeitig werden manche danach süchtig und spazieren sogar schon zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, stehen dazu sogar früher auf, weil die bedächtig fließende Bewegung des Körpers einen analogen Mechanismus vom ungezwungenen Fließen der Gedanken im Kopf auslöst - you poor home officers, I pity you. Wir sehen, dass man den stummen Zwang zur materiellen Sicherung der Existenz mittels Lohnarbeit durchaus morgens und abends noch mit ein wenig Wolkenkuckucksheim verbinden kann.

    Bei den gehobenen Dingern der Klima- und Seeretter-Szenerie spielt natürlich noch eine ganz andere „materielle Basis“ mit: Das im geselligen Rahmen bei ihren 3F-Gelagen wie auch in einer Schlepper-Kombüse kaschiert ausgetobte sexuelle Schmoren des (immer noch) jungfräulich-knospenden Körpers findet über ZeoDu wie ZehNot zu seiner äußerst blasiert-genüsslichen Inszenierung! Hätten sich die einzelnen Dämelchen an Stelle klophaler Glimmergardrobe derweil intensier mit der sinnlosen Wokerei befasst, ob sie nicht vielleicht in den „falschen“ Körperchen stecken tüten, wäre aus dem Hüpfen die Puste vollkommen raus, assured!

  3. Irgendwie habe ich mich an den alten Herrn B. erinnert gefühlt.
    “ Erst kommt das Fressen und dann die Moral“ .
    Oder wenn man es umkehren möchte, nur wer genug zu Fressen hat kann sich Moral leisten.

  4. Ein insgesamt hervorragender Artikel, den ich mit Genuss gelesen habe! Vielen Dank Herr Letsch.
    An einer Stelle bin ich allerdings nicht ganz sicher, ob die von Ihnen dargelegten Entwicklungsschritte in den „Entwicklungsländern“ sich in der Realität erfüllen werden können: Sie schreiben (Zitat):„Der Schritt über die Schwelle einer Industriegesellschaft ist aber nicht vom guten Willen der Menschen und nur in geringerem Maße von der Bildung abhängig, sondern in hohem Maße von der zur Verfügung stehenden Energie.“ (Zitat Ende).

    Dem stimme ich so zu. Allerdings fehlt eine Ergänzung: Der Schritt ist m.E. in extrem hohem Maße neben der Verfügbarkeit von Energie von der gleichzeitigen Verfügbarkeit von einem gewissen, durchaus als (im kernphysikalischen Sinne einer Kettenreaktion) „kritischen“ Prozentsatz an Personen mit der Möglichkeit zu kognitiver Spitzenleistung in den jeweiligen Gesellschaften abhängig. 

    Und ob dieser in einem Großteil der heutigen Entwicklungsländer (zumindest kurz - und mittelfristig) erreicht werden kann…da habe ich meine Zweifel. Die Untersuchungen von Prof. Heinsohn sowie zahlreiche Beiträge aus der Intelligenzforschung lassen mich zu diesem Schluss kommen. Dabei möchte ich hier gar nichts über die Ursachen dieser Misere aussagen (Stichworte Umwelt/Anlage). Ich stelle lediglich das Problem fest! Was also, wenn dieser einzige noch quantitativ wachsende Teil der Menschheit (Stichwort Bevölkerungsdynamik in den Entwicklungsländern) nicht in der Lage ist, sich zu Industrienationen mit einem hohen Bewusstsein für Umweltschutz zu entwickeln…? 

    Ich will nicht falsch verstanden werden: Ich halte sowohl die Thesen als aus die „Lösungsvorschläge“ (absichtlich in Anführungszeichen) von F4F und dem Dunstkreis um sie herum für hanebüchenen Unsinn und zwar sowohl in technologischer als auch in gesellschaftlich - politischer Hinsicht. Nichts desto trotz müssen wir uns überlegen, wie die Zukunft aussieht, wenn eben die Probleme eines großen Teils der Menschheitsbevölkerung sich nicht durch den Weg, den Europa, Nordamerika, Australien/Neuseeland und Teile Ostasiens gegangen sind, lösen lassen.

  5. Ich stimme mit Ihnen in fast allem überein. Glänzend geschrieben!
    Ich finde es aber interessant, dass Sie über ein „Verständnis für Stoffkreisläufe“ schreiben, was man so interpretieren könnte, dass Kunststoff-Recycling eine gute Sache ist. Ich halte mich in der Frage für fachmännisch (ist ja ein Teil meines Jobs) und denke, dass Kunststoff-Recycling der absolute Schwachsinn ist. Ich denke nicht, dass Kunststoff in der Mülldeponie landen darf, aber dass es verbrannt werden muss, wobei man dabei Strom oder Heizwärme erzeugen kann. Trotzdem wird es seit Jahrzehnten derart und ohne konkreten Fakten und Zahlen derart propagiert, dass fast alle - auch meine Kollegen - denken, es sei eine gute Sache.

    Das eigentliche Problem ist nicht der CO2-Ausstoß, sondern dass wir einfach zuviele Menschen auf der Welt sind. Tendenz steigend.

    • Es gibt sicher Unterschiede in der Effizienz, mit der solche Stoffkreisläufe betrieben werden können. Bei Metallen gelingt uns das schon ganz gut. Die Stoffkreisläufe sind schon sehr geschlossen, einmal konzentriertes Metall wird wiederverwendet und nicht weggeworfen und dadurch wieder verstreut. Der Energieeinsatz ist entscheidend. Braucht man mehr Energie, um den Stoffkreislauf in Gang zu halten, als die verbrauchten Stoffe aus ihren Senken zurück zu holen, lohnt sich ein künstlicher Kreislauf natürlich nicht.

  6. Der Artikel geht ein wenig an der Problematik vorbei,denn den „normalen“ Menschen hängt diese „Bewegung“ inzwischen zum Hals raus und bei einem Anteil Europas von ca. 2% der weltweiten Emissionen wäre das Thema inzwischen auch schon keins mehr,würde es eben von der cholerisch-hysterischen Polit-Propaganda nicht immer wieder aufgewärmt.
    Da von irgendwelchen Parteikadern zwanghaft „rot-schwarz-grün“ oder jegliche andere „grün“ enthaltene Kombination favorisiert werden soll,erhalten „Elite-Kids“ immer wieder massive mediale Beachtung.Es gibt auch Meinungen wie die eines Erich Wolff o. Prof. Kreiß,die gerade im Kontext der „Pandemie“ eine massive Influenz machtgieriger Grosskapitalisten siehe entspr. Artikel,sehen!

      • Das kommt dabei raus,wenn man grosse Zusammenhänge mit wenigen Worten kommentieren will;sorry für das Missverständnis!Ich machs dennoch kurz:Ich bin gegen die oben beschriebene „FFF“-Bewegung,habe dafür aber meine eigene „erweiterte“ Sicht.Sehen Sie mir bitte nach,wenn ich das nicht im Detail beschreibe,ich glaube,die Kommentarfunktion ist für den Platz der dafür gebraucht wird,nicht ausgelegt!

  7. Felix Krull hundert Jahre später, es passt für F4F auf so vielen Ebenen. Man kann ideologische Konstrukte oft „aufs Menschliche“ herunterbrechen, dann erkennt man bei den Protagonisten unter ihren stets neuen Kleidern doch immer wieder dasselbe Elend: gähnende Langeweile, Gefallsucht und die verführerische Kraft des eigenen Sendungsbewusstseins. Für alle anderen, für die Gefolgschaft, gilt der Herdentrieb (ich weiß nicht, wie man das fachsprachlich, psychologisch oder so, ausdrückt). Jedenfalls haben Sie in Ihrem Essay sogar mit (scheinbar) ehrlichen Schritten auf die F4F-Bewegung zugehend, deren Wahn prima bloßgelegt. Dabei denke ich so gerne in Analogien und sonstigen Bildern und sehe Sie locker neben das schnaubende Leittier trabend und aus dem Mundwinkel leicht süffisant kommentierend: „Na, Chefin, du weißt aber um die Schlucht, deren Abgrund uns uns noch vor Erreichen der Wasserstelle den Weg versperrt, oder?“

  8. Diejenigen, die diese klugen Erkenntnisse angehen, werden sie nicht zu lesen bekommen, und wenn doch, werden sie sie hochnäsig beiseite schieben. Deutlicher kann man die Problematik nicht ausdrücken, wie in diesem Essay.

    Mir bleibt angesichts der aktuellen Entwicklungen nur der Sarkasmus, der sich an die Sachlichkeit von oben unsachlich aber logisch anfügt:

    F4F heißt statt „Fridays for Future“ besser „Fuck for Fun“. Denn mehr steckt nicht hinter dieser Ideologie.

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