Jener Anteil der Kritik an „Fridays for Future“, der sich nicht mit den inhalt­li­chen Fehl­leis­tun­gen, sondern mit dem abge­ho­be­nen Per­so­nal der Bewe­gung befasst, wusste schon vor dem Insi­der­be­richt von Clemens Traub, aus welchem Juste Milieu sich die Kli­ma­ret­ter in der Regel rekru­tie­ren. Tau­sende Memes über Gretas Luxus-Segel­rei­sen oder das Mobi­liar ihrer Eltern, Lang­stre­cken-Luisas Rei­se­ziele oder Carola „Extinc­tion Rebel­lion“ Rackete, der es in Europa, das sie gern füllen möchte, „zu voll“ ist und die es deshalb eher nach Pata­go­nien zieht, belegen, dass zumin­dest das laute Spit­zen­per­so­nal nicht aus den abge­häng­ten Kreisen einer prekär beschäf­tig­ten Arbei­ter­klasse kommt, deren Wahl darin bestehen soll, am Kli­ma­wan­del oder am Job­ver­lust zu leiden. Man spürt die „sil­ber­nen Löffel“ am Klang ihrer Stimmen und hört sie in ihren Aus­sa­gen, die auf eine ver­ächt­li­che Art von der kalten Abso­lut­heit ihrer Idee bestri­chen wurden. Solche Ideen kann nur hegen, wessen Tage nicht von unge­wis­ser Zukunft, Geld­man­gel, Hunger oder Durst, sondern ledig­lich von der Zeit begrenzt sind.

Der Auszug aus Traubs Buch „Future for Fridays“ im Cicero bringt mich aber auf die Idee eines auf den ersten Blick absur­den Ver­glei­ches, der sich hof­fent­lich auf den zweiten Blick erschließt. Ich muss hier um etwas Geduld bitten, aber fangen wir doch erst mal mit der These an:

Die Struk­tur von Fridays for Future zeigt gerade wegen der Pri­vi­le­giert­heit ihrer Prot­ago­nis­ten den ein­zi­gen Weg zum Fort­schritt der Mensch­heit.

Ein­schrän­kend füge ich hinzu, dass F4F selbst sicher keine Vor­stel­lung davon hat, in welcher Form die Bewe­gung mir als – in Erman­ge­lung eines bes­se­ren Begriffs – Vorbild zur begriff­li­chen Ver­or­tung eines exis­ten­zi­el­len Pro­blems der Mensch­heit dient. Sicher ist es nicht einmal die Absicht von Luisa Neu­bauer, Linus Stein­metz, Carla Reem­tsma und ihren Gesin­nungs­freun­den, in dieser Weise tätig zu sein. Bei F4F geht man viel­mehr von einer eigenen, inhä­rent über­le­ge­nen Moral und der Idee aus, die feh­len­den prak­ti­schen Lösun­gen der pos­tu­lier­ten Pro­bleme ent­stän­den letzt­lich wie von selbst, wenn man nur schnell und blind genug in eine Rich­tung laufe. Also gewis­ser­ma­ßen nach dem Prinzip des Flie­gen­ler­nens in „Per Anhal­ter durch die Galaxis“: man wirft sich zu Boden, ver­fehlt diesen absicht­lich und fliegt dann einfach. Oder hat eben das Klima geret­tet und dabei ganz neben­bei eine neue Gesell­schafts­form jen­seits des Kapi­ta­lis­mus erfun­den.

Ohne Kapitalismus können wir den Klimaschutz vergessen“

Diesen Satz von Clemens Fuest, dem Chef des IFO-Insti­tuts, mochte Luisa Neu­bauer in „Aspekte“ nicht gelten lassen. Doch es geht mir hier ja nicht um eine Wider­le­gung von Neu­bau­ers These, dass wenn man staat­li­che Regu­lie­rung hoch und Markt­kräfte her­un­ter regele, könne auch etwas völlig anderes als Sozia­lis­mus ent­ste­hen, wenn man das Expe­ri­ment gleich auf pla­ne­ta­rem Maßstab ver­su­chen würde. Frei nach dem Motto „schau’n mer mal“. Das ist natür­lich Blöd­sinn und muss uns heute mal nicht kümmern.

Die Frage für mein Bei­spiel muss lauten, ab wann eine Gesell­schaft über­haupt in der Lage ist, die Res­sour­cen auf­zu­brin­gen, um sich mit allen mög­li­chen Dingen zu beschäf­ti­gen, die nicht der pre­kä­ren, täg­li­chen Daseins­er­hal­tung dienen. Also Fragen wie die, ob ein Fahr­rad­schnell­weg durch die Stadt gebaut, ein Fahr­ver­bot für Ver­bren­ner-Autos ver­hängt oder eine CO2-Steuer erhoben wird, stellen sich ja nicht in Somalia, Vene­zuela oder Myanmar. Dafür braucht es zunächst poli­ti­sche Frei­heit (für Kritik), Sta­bi­li­tät (für den langen Atem mancher Pro­jekte) und Rechts­staat­lich­keit (Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit) und außer­dem eine extrem arbeits­tei­lige und wohl­ha­bende Gesell­schaft, ohne exis­ten­zi­elle Kämpfe und tri­ba­lis­ti­sche Kon­flikte. Kurz: dazu braucht es den Humus eines ent­wi­ckel­ten Indus­trie­staa­tes. Idea­ler­weise mit funk­tio­nie­ren­der Markt­wirt­schaft, wie wir noch sehen werden.

Alle gesell­schaft­li­chen Bewe­gun­gen und Phä­no­mene, die ihre Nasen heute aus der Acker­fur­che täg­li­chen Exis­tenz­kamp­fes her­aus­he­ben, sind Gewächse des indus­tria­li­sier­ten „Westens“. Auch F4F, wie wir wissen. Die Ideen stammen aus Köpfen, die im Ver­gleich mit denen, die sich in der Ebene mühen müssen, in den Wolken stecken.

Es gibt keine Zukunfts­angst bei Luisa Neu­bauer – außer jener natür­lich, die sie als Mons­tranz ihrer Idee vor sich her­trägt. Auch Frau Reem­tsma und Frau Thun­berg können auf Ver­bren­ner-Autos ver­zich­ten, sie haben Alter­na­ti­ven. Oder um pla­ka­ti­ver zu werden: mit einer Villa auf Sylt kann man wun­der­bar auf Flug­rei­sen nach Mal­lorca ver­zich­ten und dank eines Twitter-Accounts mit einer Million Fol­lower kann man die Welt an diesem Ver­zicht teil­ha­ben lassen.

In die Posi­tion, sich mit derlei Alter­na­ti­ven befas­sen zu können und auch dann noch Kuchen zu haben, wenn andere das täg­li­che Brot kaum auf­trei­ben können, hat jedem ein­zel­nen der Akti­vis­ten von F4F – ob sie es begrei­fen oder nicht – die Markt­wirt­schaft, vulgo der Kapi­ta­lis­mus gebracht, in dem ihre Fami­lien reüs­sie­ren konnten.

Im Grunde ist es also ganz einfach mit der Bewusst­seins­än­de­rung der Mensch­heit, die Neu­bauer und ihre Mit­strei­ter anstre­ben. Man muss nur so werden wie sie, dann käme das Bewusst­sein – oder der Drang, sich statt mit der Acker­fur­che, lieber mit dem Pflügen von Wolken zu befas­sen – von ganz allein. Natür­lich über­spitze ich hier, aber ich habe hier ja auch einen tro­cke­nen Beweis zu führen. Da tut Auf­lo­cke­rung not.

Der Schlüssel zu Wohlstand und Umweltschutz ist Energie

Der Kapi­ta­lis­mus habe uns erst in die Lage ver­setzt, der Natur zu schaden, so das Credo von F4F. Er hat uns aber auch erst die Fähig­kei­ten und die Res­sour­cen geschenkt, den Schaden zu erken­nen, zu begren­zen oder umzu­keh­ren. Außer­dem ist es ja nicht so, dass andere, vor­in­dus­tri­elle Gesell­schaf­ten es an Ver­su­chen haben mangeln lassen, der Natur Schaden zuzu­fü­gen. Sei es nun vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig.

Oft war dies sogar erfolg­reich und nur die zeit­li­che Ent­fer­nung lässt ver­ges­sen, was etwa zur Wald­ar­mut entlang des Mit­tel­meers oder im vor­in­dus­tri­el­len Europa geführt hat. Es war neben dem Schiffs­bau vor allem der Ener­gie­hun­ger der Men­schen, die zur Abhol­zung und Kahl­schlag führten. Erst der Sprung der Indus­trie­ge­sell­schaft von Holz zu Kohle, Öl und Gas bis zur Kern­kraft rettete die Wälder und ermög­lichte die weitere Ent­wick­lung. Inklu­sive der Mög­lich­keit, diese in Frage zu stellen. In diesem gesell­schaft­li­chen und öko­no­mi­schen Zustand ist die Welt als Ganzes aber noch nicht ange­langt, ganz gleich, wie „pla­ne­tar“ die Visio­nen von F4F auch sein mögen.

Der Schre­cken, den Neu­bauer und Co ver­brei­ten, speist sich auch aus der Vor­stel­lung, dass diese Ent­wick­lung sich tat­säch­lich voll­zie­hen könnte, ohne dass dies ver­hin­dert werden kann, bei­spiels­weise in Afrika. An die Begren­zung von CO2-Emis­sio­nen ist in diesem Zusam­men­hang nicht mal zu denken! An die Begren­zung der Ent­wick­lung der Mensch­heit jen­seits wirrer neo­ko­lo­nia­ler Welt­ret­ter-Träume, die Afrika gern den „edlen Wilden“ über­las­sen und für Post­kar­ten­mo­tive mit Löwe, Elefant und Giraffe kon­ser­vie­ren wollen, aber auch nicht.

Mehr CO2 wagen

Der Schritt über die Schwelle einer Indus­trie­ge­sell­schaft ist aber nicht vom guten Willen der Men­schen und nur in gerin­ge­rem Maße von der Bildung abhän­gig, sondern in hohem Maße von der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Energie. Und zwar nicht in Form von gütigen Spenden ent­wick­lungs­hil­fe­besof­fe­ner Euro­päer, die ein paar Solar­zel­len in suda­ne­si­sche Savan­nen­dör­fer bringen und sich dabei für Pro­me­theus halten, der den Men­schen das Feuer brachte, sondern in Gestalt einer selbst­ge­mach­ten, selbst­stän­di­gen Wei­ter­ent­wick­lung, die zwangs­läu­fig über die einfach zu erschlie­ßen­den fos­si­len Ener­gie­trä­ger laufen muss, bevor bessere, leis­tungs­stär­kere Ener­gie­trä­ger mit hoher Ver­füg­bar­keit in Frage kommen. Schon auf­grund von Leis­tungs­dichte und Ern­te­fak­tor kommen Sonne und Wind hier kaum in Frage. Der Weg vom Holz zur Kern­kraft mag in Afrika schnel­ler gehen können – warum soll man die glei­chen Fehler wie die Euro­päer machen – , aber es gibt wohl keine Abkür­zung.

Über die Hys­te­rie, CO2 zum Sün­den­stoff zu erklä­ren, habe ich schon viel geschrie­ben, doch nehmen wir für einen Moment an, es gebe gute Gründe dafür, es aus der Luft zu ent­fer­nen. Unter dem Aspekt der mensch­li­chen Ent­wick­lung anderer Welt­ge­gen­den muss es, was den Ausstoß von CO2 angeht, erst schlech­ter werden müssen, bevor es nach­hal­tig besser werden kann. Hier steht die mensch­li­che Ent­wick­lung, also letzt­lich der Mensch selbst, den Zielen der Kli­ma­ret­ter im Weg. Ihr Credo ist ja gerade nicht „suche den effek­tivs­ten Weg“, sondern „tue dies, lasse das, ver­biete jenes“.

Die Wahr­schein­lich­keit, dass auf diese Weise Fehl­ent­schei­dun­gen zuguns­ten tech­no­lo­gi­scher Sack­gas­sen getrof­fen werden und es zur Fehl­al­lo­ka­tion von Kapital kommt, ist extrem hoch. Die Markt­wirt­schaft irrt ständig, aber im kleinen Maßstab, während jede andere Art der Wirt­schaft von einem gigan­ti­schen Fehler zum nächs­ten taumelt. Und obwohl die wohl­ha­ben­den Indus­trie­staa­ten den Weg, den sie genom­men haben, genau kennen, erheben sie sich nur zu gern und oft wie Gou­ver­nan­ten über Ent­wick­lungs­län­der. Sie „wissen“, wie diese handeln müssten, welche Indus­trie sie zu ent­wi­ckeln haben, welche Autos sie fahren sollten und wie sie auf keinen Fall ihre Energie erzeu­gen dürfen. Sie tun in der Welt also genau das, was F4F zu Hause tut: Bes­ser­wis­sen, Ent­mün­di­gen, Fordern, Strafen.

Das Juste Milieu von „Fridays for Future“ verhält sich also zum Rest unserer Gesell­schaft wie der indus­tria­li­sierte „Westen“ zum Rest der Welt. 

So wie die von ihr gehasste Markt­wirt­schaft Luisa Neu­bauer ins Studio von „Kon­traste“ brachte, kann auch nur die Markt­wirt­schaft die ärmeren Länder über jene Schwelle heben, hinter der wich­tige Pro­zesse erst in Gang kommen können: Das Bewusst­sein für Wirt­schaft­lich­keit und Res­sour­cen­ver­brauch steigt, die Lebens­er­war­tung steigt, Kin­der­sterb­lich­keit und Repro­duk­ti­ons­ra­ten gehen zurück, Umwelt­be­wusst­sein und das Ver­ständ­nis für Stoff­kreis­läufe und Effi­zi­enz bilden sich aus und der Umwelt­schutz hat eine gute Zeit.

Auch Men­schen vom Schlag Luisa Neu­bau­ers können sich erst in diesem Habitat ent­wi­ckeln wie Urzeit­krebse aus dem Yps-Heft. Ande­ren­orts fehlt dafür einfach Zeit, Geld und Muße. In Gesell­schaf­ten auf der ener­ge­ti­schen Kippe, im Exis­tenz­kampf gegen die Natur oder inner­halb tri­ba­ler, ideo­lo­gi­scher Kämpfe, gäbe es nicht mal die gol­de­nen Petri­scha­len, in denen sie sich unge­stört, wohl­tem­pe­riert und gut befeuch­tet ent­wi­ckeln könnten! Es muss also erst „schlech­ter“ im Sinne von F4F werden, bevor es „besser“ werden kann. Ande­ren­falls befin­den wir uns am Beginn der Herr­schaft einer Energie-Aris­to­kra­tie, einer kleinen Elite, die die Tür des Elfen­bein­tur­mes hinter sich zuschlägt und in der Welt das Licht aus­ge­hen lässt.

Der Schlüssel zu Wohlstand und Umweltschutz ist Energie

Der ideo­lo­gi­sierte Kampf gegen fossile Energie hat etwas Selbst­mör­de­ri­sches. Dabei ist wohl den meisten Men­schen mitt­ler­weile klar, dass Wind und Sonne nicht reichen werden, in einem Indus­trie­land wie Deutsch­land für Puls zu sorgen. Das son­nen­ver­wöhnte Kali­for­nien musste in diesem Sommer bereits erleben, was es heißt, sich zu sehr auf Solar­ener­gie und Wind­kraft zu ver­las­sen. Die wegen Ener­gie­man­gels not­wen­di­gen „rolling Black­outs“ dort sind auch ein Vor­ge­schmack für deut­sche Ver­brau­cher, die glauben, man könnte pro­blem­los aus Kohle und Kern­kraft aus­stei­gen, Gas infrage stellen und gleich­zei­tig auch noch den Verkehr auf Strom drehen. Der Ener­gie­be­darf pro Kopf lässt sich in Indus­trie­län­dern nicht belie­big drücken, weshalb die ehr­li­che Suche nach ver­läss­li­chen und belast­ba­ren Metho­den der Ener­gie­er­zeu­gung über­le­bens­wich­tig ist. In dieser Frage absicht­lich hinter die bestehen­den Stan­dards zurück­zu­fal­len, indem man voll auf vola­tile Ener­gie­er­zeu­gun­gen durch Sonne und Wind ver­traut, ist min­des­tens fahr­läs­sig.

Nennt es meinetwegen „Klimaschutz“

Wenn die Ener­gie­frage wirk­lich geklärt wäre, würden einige der kris­tal­le­nen Träume der Kli­ma­ret­ter sogar ihren Schre­cken ver­lie­ren. Ein belast­ba­res, von Wetter und Tages­zeit unab­hän­gi­ges Strom­netz käme sogar mit einer grö­ße­ren Anzahl Elek­tro­au­tos zurecht. Tat­säch­lich und kon­ti­nu­ier­lich im Über­fluss vor­han­dene Energie könnte zur Her­stel­lung syn­the­ti­scher Kraft­stoffe und Was­ser­stoff aus Luft und Wasser ver­wen­det werden. Das wird aber ohne Kern­ener­gie nicht möglich sein. Und bevor jetzt die Tomaten fliegen möchte ich hin­zu­fü­gen, dass ich nicht von den Kraft­werks­ty­pen spreche, die in den 60er und 70er Jahren kon­zi­piert und gebaut wurden. Sicher, es würden selbst dann noch Jahr­zehnte bis zum Betrieb erster Dual-Fluid-Reak­to­ren ver­ge­hen, wenn wir heute beschlie­ßen würden, den Aus­stieg aus der Kern­kraft rück­gän­gig zu machen. Aber man kann der Tech­no­lo­gie kaum vor­wer­fen, dass die Politik seit 30 Jahren eine falsche Ent­schei­dung nach der anderen getrof­fen hat.

Fridays for Future und Luisa Neu­bauer täten also gut daran, nicht aus­ge­rech­net ihre wich­tigs­ten Ver­bün­de­ten, die Markt­wirt­schaft und die Kern­ener­gie, abschaf­fen zu wollen und sich lieber für ein echtes ener­ge­ti­sches Level-Up der Mensch­heit ein­zu­set­zen, damit ihre Vor­stel­lun­gen, so irr­wit­zig sie auch sein mögen, es tech­no­lo­gisch zumin­dest in den Bereich des Mög­li­chen schaf­fen könnten. Darauf zu ver­trauen, dass es jen­seits der Markt­wirt­schaft irgendwo ein unent­deck­tes Land geben könne, das nicht Sozia­lis­mus heißt und dass unbe­kannte Tech­no­lo­gien sich schon irgend­wie zeigen würden, wenn wir nur ganz fest daran glauben, ist keine gute Idee. Statt fliegen zu lernen, indem man den Boden ver­fehlt, sollte man viel­leicht lieber Physik oder Chemie stu­die­ren.

Was ist also der „Weg”, den „Fridays for Future” der Mensch­heit wirk­lich zeigt? Es ist das not­wen­dige Ende der anma­ßende Bevor­mun­dung seitens einer Elite, die es über die Wolken geschafft hat, gegen­über den­je­ni­gen, die noch nicht bis dorthin vor­ge­drun­gen sind. Die Aufgabe des Juste Milieu von F4F muss es sein, sie nicht daran zu hindern, über die Wolken zu kommen. Alles ist eben eine Ener­gie­frage. Wer sie sich leisten kann, ist im Vorteil.

11 Kommentare

  1. Hier handelt es sich um nichts anderes als White Supre­macy. Weiße Prin­zes­schen, die sich nie die Finger schmut­zig gemacht haben, wollen aus ihrem geis­ti­gen Gefäng­nis heraus der ganzen Welt vor­schrei­ben, wie sie zu leben haben. – Einer­seits pre­di­gen diese Wohl­stands­weib­chen Small Is Beau­ti­ful, gleich­zei­tig hul­di­gen sie aber jedem daher­ge­lau­fe­nen BBC-Akti­vis­ten. Oder wie lautet die kor­rekte Abkür­zung für Burn/Loot/Murder?

  2. Herr Letsch, der Spa­zier­gang ist die bür­ger­li­che Form der Erho­lung. Gleich­zei­tig werden manche danach süchtig und spa­zie­ren sogar schon zwi­schen Wohnung und Arbeits­platz, stehen dazu sogar früher auf, weil die bedäch­tig flie­ßende Bewe­gung des Körpers einen ana­lo­gen Mecha­nis­mus vom unge­zwun­ge­nen Fließen der Gedan­ken im Kopf auslöst – you poor home offi­cers, I pity you. Wir sehen, dass man den stummen Zwang zur mate­ri­el­len Siche­rung der Exis­tenz mittels Lohn­ar­beit durch­aus morgens und abends noch mit ein wenig Wol­ken­ku­ckucks­heim ver­bin­den kann.

    Bei den geho­be­nen Dingern der Klima- und See­ret­ter-Sze­ne­rie spielt natür­lich noch eine ganz andere „mate­ri­elle Basis” mit: Das im gesel­li­gen Rahmen bei ihren 3F-Gelagen wie auch in einer Schlep­per-Kombüse kaschiert aus­ge­tobte sexu­elle Schmo­ren des (immer noch) jung­fräu­lich-knos­pen­den Körpers findet über ZeoDu wie ZehNot zu seiner äußerst bla­siert-genüss­li­chen Insze­nie­rung! Hätten sich die ein­zel­nen Dämel­chen an Stelle klo­pha­ler Glim­mer­gard­robe derweil inten­sier mit der sinn­lo­sen Wokerei befasst, ob sie nicht viel­leicht in den „fal­schen” Kör­per­chen stecken tüten, wäre aus dem Hüpfen die Puste voll­kom­men raus, assured!

  3. Irgend­wie habe ich mich an den alten Herrn B. erin­nert gefühlt.
    ” Erst kommt das Fressen und dann die Moral” .
    Oder wenn man es umkeh­ren möchte, nur wer genug zu Fressen hat kann sich Moral leisten.

  4. Ein ins­ge­samt her­vor­ra­gen­der Artikel, den ich mit Genuss gelesen habe! Vielen Dank Herr Letsch.
    An einer Stelle bin ich aller­dings nicht ganz sicher, ob die von Ihnen dar­ge­leg­ten Ent­wick­lungs­schritte in den „Ent­wick­lungs­län­dern” sich in der Rea­li­tät erfül­len werden können: Sie schrei­ben (Zitat):„Der Schritt über die Schwelle einer Indus­trie­ge­sell­schaft ist aber nicht vom guten Willen der Men­schen und nur in gerin­ge­rem Maße von der Bildung abhän­gig, sondern in hohem Maße von der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Energie.” (Zitat Ende).

    Dem stimme ich so zu. Aller­dings fehlt eine Ergän­zung: Der Schritt ist m.E. in extrem hohem Maße neben der Ver­füg­bar­keit von Energie von der gleich­zei­ti­gen Ver­füg­bar­keit von einem gewis­sen, durch­aus als (im kern­phy­si­ka­li­schen Sinne einer Ket­ten­re­ak­tion) „kri­ti­schen” Pro­zent­satz an Per­so­nen mit der Mög­lich­keit zu kogni­ti­ver Spit­zen­leis­tung in den jewei­li­gen Gesell­schaf­ten abhän­gig.

    Und ob dieser in einem Groß­teil der heu­ti­gen Ent­wick­lungs­län­der (zumin­dest kurz – und mit­tel­fris­tig) erreicht werden kann…da habe ich meine Zweifel. Die Unter­su­chun­gen von Prof. Hein­sohn sowie zahl­rei­che Bei­träge aus der Intel­li­genz­for­schung lassen mich zu diesem Schluss kommen. Dabei möchte ich hier gar nichts über die Ursa­chen dieser Misere aus­sa­gen (Stich­worte Umwelt/Anlage). Ich stelle ledig­lich das Problem fest! Was also, wenn dieser einzige noch quan­ti­ta­tiv wach­sende Teil der Mensch­heit (Stich­wort Bevöl­ke­rungs­dy­na­mik in den Ent­wick­lungs­län­dern) nicht in der Lage ist, sich zu Indus­trie­na­tio­nen mit einem hohen Bewusst­sein für Umwelt­schutz zu ent­wi­ckeln…?

    Ich will nicht falsch ver­stan­den werden: Ich halte sowohl die Thesen als aus die „Lösungs­vor­schläge” (absicht­lich in Anfüh­rungs­zei­chen) von F4F und dem Dunst­kreis um sie herum für hane­bü­che­nen Unsinn und zwar sowohl in tech­no­lo­gi­scher als auch in gesell­schaft­lich – poli­ti­scher Hin­sicht. Nichts desto trotz müssen wir uns über­le­gen, wie die Zukunft aus­sieht, wenn eben die Pro­bleme eines großen Teils der Mensch­heits­be­völ­ke­rung sich nicht durch den Weg, den Europa, Nord­ame­rika, Australien/Neuseeland und Teile Ost­asi­ens gegan­gen sind, lösen lassen.

  5. Ich stimme mit Ihnen in fast allem überein. Glän­zend geschrie­ben!
    Ich finde es aber inter­es­sant, dass Sie über ein „Ver­ständ­nis für Stoff­kreis­läufe” schrei­ben, was man so inter­pre­tie­ren könnte, dass Kunst­stoff-Recy­cling eine gute Sache ist. Ich halte mich in der Frage für fach­män­nisch (ist ja ein Teil meines Jobs) und denke, dass Kunst­stoff-Recy­cling der abso­lute Schwach­sinn ist. Ich denke nicht, dass Kunst­stoff in der Müll­de­po­nie landen darf, aber dass es ver­brannt werden muss, wobei man dabei Strom oder Heiz­wärme erzeu­gen kann. Trotz­dem wird es seit Jahr­zehn­ten derart und ohne kon­kre­ten Fakten und Zahlen derart pro­pa­giert, dass fast alle – auch meine Kol­le­gen – denken, es sei eine gute Sache.

    Das eigent­li­che Problem ist nicht der CO2-Ausstoß, sondern dass wir einfach zuviele Men­schen auf der Welt sind. Tendenz stei­gend.

    • Es gibt sicher Unter­schiede in der Effi­zi­enz, mit der solche Stoff­kreis­läufe betrie­ben werden können. Bei Metal­len gelingt uns das schon ganz gut. Die Stoff­kreis­läufe sind schon sehr geschlos­sen, einmal kon­zen­trier­tes Metall wird wie­der­ver­wen­det und nicht weg­ge­wor­fen und dadurch wieder ver­streut. Der Ener­gie­ein­satz ist ent­schei­dend. Braucht man mehr Energie, um den Stoff­kreis­lauf in Gang zu halten, als die ver­brauch­ten Stoffe aus ihren Senken zurück zu holen, lohnt sich ein künst­li­cher Kreis­lauf natür­lich nicht.

  6. Der Artikel geht ein wenig an der Pro­ble­ma­tik vorbei,denn den „nor­ma­len” Men­schen hängt diese „Bewe­gung” inzwi­schen zum Hals raus und bei einem Anteil Europas von ca. 2% der welt­wei­ten Emis­sio­nen wäre das Thema inzwi­schen auch schon keins mehr,würde es eben von der cho­le­risch-hys­te­ri­schen Polit-Pro­pa­ganda nicht immer wieder auf­ge­wärmt.
    Da von irgend­wel­chen Par­tei­ka­dern zwang­haft „rot-schwarz-grün” oder jeg­li­che andere „grün” ent­hal­tene Kom­bi­na­tion favo­ri­siert werden soll,erhalten „Elite-Kids” immer wieder massive mediale Beach​tung​.Es gibt auch Mei­nun­gen wie die eines Erich Wolff o. Prof. Kreiß,die gerade im Kontext der „Pan­de­mie” eine massive Influ­enz macht­gie­ri­ger Gross­ka­pi­ta­lis­ten siehe entspr. Artikel,sehen!

    • … eine massive Influ­enza der groß­ka­pi­ta­lis­ti­schen Art?, und was bitte soll das sein? Sind Sie dafür oder dagegen, und wenn, in welchem Sinne?

      • Das kommt dabei raus,wenn man grosse Zusam­men­hänge mit wenigen Worten kom­men­tie­ren will;sorry für das Missverständnis!Ich machs dennoch kurz:Ich bin gegen die oben beschrie­bene „FFF”-Bewegung,habe dafür aber meine eigene „erwei­terte” Sicht.Sehen Sie mir bitte nach,wenn ich das nicht im Detail beschreibe,ich glaube,die Kom­men­tar­funk­tion ist für den Platz der dafür gebraucht wird,nicht aus­ge­legt!

  7. Felix Krull hundert Jahre später, es passt für F4F auf so vielen Ebenen. Man kann ideo­lo­gi­sche Kon­strukte oft „aufs Mensch­li­che” her­un­ter­bre­chen, dann erkennt man bei den Prot­ago­nis­ten unter ihren stets neuen Klei­dern doch immer wieder das­selbe Elend: gäh­nende Lan­ge­weile, Gefall­sucht und die ver­füh­re­ri­sche Kraft des eigenen Sen­dungs­be­wusst­seins. Für alle anderen, für die Gefolg­schaft, gilt der Her­den­trieb (ich weiß nicht, wie man das fach­sprach­lich, psy­cho­lo­gisch oder so, aus­drückt). Jeden­falls haben Sie in Ihrem Essay sogar mit (schein­bar) ehr­li­chen Schrit­ten auf die F4F-Bewe­gung zuge­hend, deren Wahn prima bloß­ge­legt. Dabei denke ich so gerne in Ana­lo­gien und sons­ti­gen Bildern und sehe Sie locker neben das schnau­bende Leit­tier trabend und aus dem Mund­win­kel leicht süf­fi­sant kom­men­tie­rend: „Na, Chefin, du weißt aber um die Schlucht, deren Abgrund uns uns noch vor Errei­chen der Was­ser­stelle den Weg ver­sperrt, oder?”

  8. Die­je­ni­gen, die diese klugen Erkennt­nisse angehen, werden sie nicht zu lesen bekom­men, und wenn doch, werden sie sie hoch­nä­sig bei­seite schie­ben. Deut­li­cher kann man die Pro­ble­ma­tik nicht aus­drü­cken, wie in diesem Essay.

    Mir bleibt ange­sichts der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen nur der Sar­kas­mus, der sich an die Sach­lich­keit von oben unsach­lich aber logisch anfügt:

    F4F heißt statt „Fridays for Future” besser „Fuck for Fun”. Denn mehr steckt nicht hinter dieser Ideo­lo­gie.

Comments are closed.