Jener Anteil der Kri­tik an „Fri­days for Future“, der sich nicht mit den inhalt­li­chen Fehl­leis­tun­gen, son­dern mit dem abge­ho­be­nen Per­so­nal der Bewe­gung befasst, wuss­te schon vor dem Insi­der­be­richt von Cle­mens Traub, aus wel­chem Jus­te Milieu sich die Kli­ma­ret­ter in der Regel rekru­tie­ren. Tau­sen­de Memes über Gre­tas Luxus-Segel­rei­sen oder das Mobi­li­ar ihrer Eltern, Lang­stre­cken-Lui­sas Rei­se­zie­le oder Caro­la „Extinc­tion Rebel­li­on“ Racke­te, der es in Euro­pa, das sie gern fül­len möch­te, „zu voll“ ist und die es des­halb eher nach Pata­go­ni­en zieht, bele­gen, dass zumin­dest das lau­te Spit­zen­per­so­nal nicht aus den abge­häng­ten Krei­sen einer pre­kär beschäf­tig­ten Arbei­ter­klas­se kommt, deren Wahl dar­in bestehen soll, am Kli­ma­wan­del oder am Job­ver­lust zu lei­den. Man spürt die „sil­ber­nen Löf­fel“ am Klang ihrer Stim­men und hört sie in ihren Aus­sa­gen, die auf eine ver­ächt­li­che Art von der kal­ten Abso­lut­heit ihrer Idee bestri­chen wur­den. Sol­che Ideen kann nur hegen, wes­sen Tage nicht von unge­wis­ser Zukunft, Geld­man­gel, Hun­ger oder Durst, son­dern ledig­lich von der Zeit begrenzt sind.

Der Aus­zug aus Traubs Buch „Future for Fri­days“ im Cice­ro bringt mich aber auf die Idee eines auf den ers­ten Blick absur­den Ver­glei­ches, der sich hof­fent­lich auf den zwei­ten Blick erschließt. Ich muss hier um etwas Geduld bit­ten, aber fan­gen wir doch erst mal mit der The­se an:

Die Struk­tur von Fri­days for Future zeigt gera­de wegen der Pri­vi­le­giert­heit ihrer Prot­ago­nis­ten den ein­zi­gen Weg zum Fort­schritt der Menschheit.

Ein­schrän­kend füge ich hin­zu, dass F4F selbst sicher kei­ne Vor­stel­lung davon hat, in wel­cher Form die Bewe­gung mir als – in Erman­ge­lung eines bes­se­ren Begriffs – Vor­bild zur begriff­li­chen Ver­or­tung eines exis­ten­zi­el­len Pro­blems der Mensch­heit dient. Sicher ist es nicht ein­mal die Absicht von Lui­sa Neu­bau­er, Linus Stein­metz, Car­la Reem­ts­ma und ihren Gesin­nungs­freun­den, in die­ser Wei­se tätig zu sein. Bei F4F geht man viel­mehr von einer eige­nen, inhä­rent über­le­ge­nen Moral und der Idee aus, die feh­len­den prak­ti­schen Lösun­gen der pos­tu­lier­ten Pro­ble­me ent­stän­den letzt­lich wie von selbst, wenn man nur schnell und blind genug in eine Rich­tung lau­fe. Also gewis­ser­ma­ßen nach dem Prin­zip des Flie­gen­ler­nens in „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“: man wirft sich zu Boden, ver­fehlt die­sen absicht­lich und fliegt dann ein­fach. Oder hat eben das Kli­ma geret­tet und dabei ganz neben­bei eine neue Gesell­schafts­form jen­seits des Kapi­ta­lis­mus erfunden.

„Ohne Kapitalismus können wir den Klimaschutz vergessen“

Die­sen Satz von Cle­mens Fuest, dem Chef des IFO-Insti­tuts, moch­te Lui­sa Neu­bau­er in „Aspek­te“ nicht gel­ten las­sen. Doch es geht mir hier ja nicht um eine Wider­le­gung von Neu­bau­ers The­se, dass wenn man staat­li­che Regu­lie­rung hoch und Markt­kräf­te her­un­ter rege­le, kön­ne auch etwas völ­lig ande­res als Sozia­lis­mus ent­ste­hen, wenn man das Expe­ri­ment gleich auf pla­ne­ta­rem Maß­stab ver­su­chen wür­de. Frei nach dem Mot­to „schau’n mer mal“. Das ist natür­lich Blöd­sinn und muss uns heu­te mal nicht kümmern.

Die Fra­ge für mein Bei­spiel muss lau­ten, ab wann eine Gesell­schaft über­haupt in der Lage ist, die Res­sour­cen auf­zu­brin­gen, um sich mit allen mög­li­chen Din­gen zu beschäf­ti­gen, die nicht der pre­kä­ren, täg­li­chen Daseins­er­hal­tung die­nen. Also Fra­gen wie die, ob ein Fahr­rad­schnell­weg durch die Stadt gebaut, ein Fahr­ver­bot für Ver­bren­ner-Autos ver­hängt oder eine CO2-Steu­er erho­ben wird, stel­len sich ja nicht in Soma­lia, Vene­zue­la oder Myan­mar. Dafür braucht es zunächst poli­ti­sche Frei­heit (für Kri­tik), Sta­bi­li­tät (für den lan­gen Atem man­cher Pro­jek­te) und Rechts­staat­lich­keit (Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit) und außer­dem eine extrem arbeits­tei­li­ge und wohl­ha­ben­de Gesell­schaft, ohne exis­ten­zi­el­le Kämp­fe und tri­ba­lis­ti­sche Kon­flik­te. Kurz: dazu braucht es den Humus eines ent­wi­ckel­ten Indus­trie­staa­tes. Idea­ler­wei­se mit funk­tio­nie­ren­der Markt­wirt­schaft, wie wir noch sehen werden.

Alle gesell­schaft­li­chen Bewe­gun­gen und Phä­no­me­ne, die ihre Nasen heu­te aus der Acker­fur­che täg­li­chen Exis­tenz­kamp­fes her­aus­he­ben, sind Gewäch­se des indus­tria­li­sier­ten „Wes­tens“. Auch F4F, wie wir wis­sen. Die Ideen stam­men aus Köp­fen, die im Ver­gleich mit denen, die sich in der Ebe­ne mühen müs­sen, in den Wol­ken stecken.

Es gibt kei­ne Zukunfts­angst bei Lui­sa Neu­bau­er – außer jener natür­lich, die sie als Mons­tranz ihrer Idee vor sich her­trägt. Auch Frau Reem­ts­ma und Frau Thun­berg kön­nen auf Ver­bren­ner-Autos ver­zich­ten, sie haben Alter­na­ti­ven. Oder um pla­ka­ti­ver zu wer­den: mit einer Vil­la auf Sylt kann man wun­der­bar auf Flug­rei­sen nach Mal­lor­ca ver­zich­ten und dank eines Twit­ter-Accounts mit einer Mil­li­on Fol­lower kann man die Welt an die­sem Ver­zicht teil­ha­ben lassen.

In die Posi­ti­on, sich mit der­lei Alter­na­ti­ven befas­sen zu kön­nen und auch dann noch Kuchen zu haben, wenn ande­re das täg­li­che Brot kaum auf­trei­ben kön­nen, hat jedem ein­zel­nen der Akti­vis­ten von F4F – ob sie es begrei­fen oder nicht – die Markt­wirt­schaft, vul­go der Kapi­ta­lis­mus gebracht, in dem ihre Fami­li­en reüs­sie­ren konnten.

Im Grun­de ist es also ganz ein­fach mit der Bewusst­seins­än­de­rung der Mensch­heit, die Neu­bau­er und ihre Mit­strei­ter anstre­ben. Man muss nur so wer­den wie sie, dann käme das Bewusst­sein – oder der Drang, sich statt mit der Acker­fur­che, lie­ber mit dem Pflü­gen von Wol­ken zu befas­sen – von ganz allein. Natür­lich über­spit­ze ich hier, aber ich habe hier ja auch einen tro­cke­nen Beweis zu füh­ren. Da tut Auf­lo­cke­rung not.

Der Schlüssel zu Wohlstand und Umweltschutz ist Energie

Der Kapi­ta­lis­mus habe uns erst in die Lage ver­setzt, der Natur zu scha­den, so das Cre­do von F4F. Er hat uns aber auch erst die Fähig­kei­ten und die Res­sour­cen geschenkt, den Scha­den zu erken­nen, zu begren­zen oder umzu­keh­ren. Außer­dem ist es ja nicht so, dass ande­re, vor­in­dus­tri­el­le Gesell­schaf­ten es an Ver­su­chen haben man­geln las­sen, der Natur Scha­den zuzu­fü­gen. Sei es nun vor­sätz­lich oder fahrlässig.

Oft war dies sogar erfolg­reich und nur die zeit­li­che Ent­fer­nung lässt ver­ges­sen, was etwa zur Wald­ar­mut ent­lang des Mit­tel­meers oder im vor­in­dus­tri­el­len Euro­pa geführt hat. Es war neben dem Schiffs­bau vor allem der Ener­gie­hun­ger der Men­schen, die zur Abhol­zung und Kahl­schlag führ­ten. Erst der Sprung der Indus­trie­ge­sell­schaft von Holz zu Koh­le, Öl und Gas bis zur Kern­kraft ret­te­te die Wäl­der und ermög­lich­te die wei­te­re Ent­wick­lung. Inklu­si­ve der Mög­lich­keit, die­se in Fra­ge zu stel­len. In die­sem gesell­schaft­li­chen und öko­no­mi­schen Zustand ist die Welt als Gan­zes aber noch nicht ange­langt, ganz gleich, wie „pla­ne­tar“ die Visio­nen von F4F auch sein mögen.

Der Schre­cken, den Neu­bau­er und Co ver­brei­ten, speist sich auch aus der Vor­stel­lung, dass die­se Ent­wick­lung sich tat­säch­lich voll­zie­hen könn­te, ohne dass dies ver­hin­dert wer­den kann, bei­spiels­wei­se in Afri­ka. An die Begren­zung von CO2-Emis­sio­nen ist in die­sem Zusam­men­hang nicht mal zu den­ken! An die Begren­zung der Ent­wick­lung der Mensch­heit jen­seits wir­rer neo­ko­lo­nia­ler Welt­ret­ter-Träu­me, die Afri­ka gern den „edlen Wil­den“ über­las­sen und für Post­kar­ten­mo­ti­ve mit Löwe, Ele­fant und Giraf­fe kon­ser­vie­ren wol­len, aber auch nicht.

Mehr CO2 wagen

Der Schritt über die Schwel­le einer Indus­trie­ge­sell­schaft ist aber nicht vom guten Wil­len der Men­schen und nur in gerin­ge­rem Maße von der Bil­dung abhän­gig, son­dern in hohem Maße von der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ener­gie. Und zwar nicht in Form von güti­gen Spen­den ent­wick­lungs­hil­fe­besof­fe­ner Euro­pä­er, die ein paar Solar­zel­len in suda­ne­si­sche Savan­nen­dör­fer brin­gen und sich dabei für Pro­me­theus hal­ten, der den Men­schen das Feu­er brach­te, son­dern in Gestalt einer selbst­ge­mach­ten, selbst­stän­di­gen Wei­ter­ent­wick­lung, die zwangs­läu­fig über die ein­fach zu erschlie­ßen­den fos­si­len Ener­gie­trä­ger lau­fen muss, bevor bes­se­re, leis­tungs­stär­ke­re Ener­gie­trä­ger mit hoher Ver­füg­bar­keit in Fra­ge kom­men. Schon auf­grund von Leis­tungs­dich­te und Ern­te­fak­tor kom­men Son­ne und Wind hier kaum in Fra­ge. Der Weg vom Holz zur Kern­kraft mag in Afri­ka schnel­ler gehen kön­nen – war­um soll man die glei­chen Feh­ler wie die Euro­pä­er machen – , aber es gibt wohl kei­ne Abkürzung.

Über die Hys­te­rie, CO2 zum Sün­den­stoff zu erklä­ren, habe ich schon viel geschrie­ben, doch neh­men wir für einen Moment an, es gebe gute Grün­de dafür, es aus der Luft zu ent­fer­nen. Unter dem Aspekt der mensch­li­chen Ent­wick­lung ande­rer Welt­ge­gen­den muss es, was den Aus­stoß von CO2 angeht, erst schlech­ter wer­den müs­sen, bevor es nach­hal­tig bes­ser wer­den kann. Hier steht die mensch­li­che Ent­wick­lung, also letzt­lich der Mensch selbst, den Zie­len der Kli­ma­ret­ter im Weg. Ihr Cre­do ist ja gera­de nicht „suche den effek­tivs­ten Weg“, son­dern „tue dies, las­se das, ver­bie­te jenes“.

Die Wahr­schein­lich­keit, dass auf die­se Wei­se Fehl­ent­schei­dun­gen zuguns­ten tech­no­lo­gi­scher Sack­gas­sen getrof­fen wer­den und es zur Fehl­al­lo­ka­ti­on von Kapi­tal kommt, ist extrem hoch. Die Markt­wirt­schaft irrt stän­dig, aber im klei­nen Maß­stab, wäh­rend jede ande­re Art der Wirt­schaft von einem gigan­ti­schen Feh­ler zum nächs­ten tau­melt. Und obwohl die wohl­ha­ben­den Indus­trie­staa­ten den Weg, den sie genom­men haben, genau ken­nen, erhe­ben sie sich nur zu gern und oft wie Gou­ver­nan­ten über Ent­wick­lungs­län­der. Sie „wis­sen“, wie die­se han­deln müss­ten, wel­che Indus­trie sie zu ent­wi­ckeln haben, wel­che Autos sie fah­ren soll­ten und wie sie auf kei­nen Fall ihre Ener­gie erzeu­gen dür­fen. Sie tun in der Welt also genau das, was F4F zu Hau­se tut: Bes­ser­wis­sen, Ent­mün­di­gen, For­dern, Strafen.

Das Jus­te Milieu von „Fri­days for Future“ ver­hält sich also zum Rest unse­rer Gesell­schaft wie der indus­tria­li­sier­te „Wes­ten“ zum Rest der Welt. 

So wie die von ihr gehass­te Markt­wirt­schaft Lui­sa Neu­bau­er ins Stu­dio von „Kon­tras­te“ brach­te, kann auch nur die Markt­wirt­schaft die ärme­ren Län­der über jene Schwel­le heben, hin­ter der wich­ti­ge Pro­zes­se erst in Gang kom­men kön­nen: Das Bewusst­sein für Wirt­schaft­lich­keit und Res­sour­cen­ver­brauch steigt, die Lebens­er­war­tung steigt, Kin­der­sterb­lich­keit und Repro­duk­ti­ons­ra­ten gehen zurück, Umwelt­be­wusst­sein und das Ver­ständ­nis für Stoff­kreis­läu­fe und Effi­zi­enz bil­den sich aus und der Umwelt­schutz hat eine gute Zeit.

Auch Men­schen vom Schlag Lui­sa Neu­bau­ers kön­nen sich erst in die­sem Habi­tat ent­wi­ckeln wie Urzeit­kreb­se aus dem Yps-Heft. Ande­ren­orts fehlt dafür ein­fach Zeit, Geld und Muße. In Gesell­schaf­ten auf der ener­ge­ti­schen Kip­pe, im Exis­tenz­kampf gegen die Natur oder inner­halb tri­ba­ler, ideo­lo­gi­scher Kämp­fe, gäbe es nicht mal die gol­de­nen Petri­scha­len, in denen sie sich unge­stört, wohl­tem­pe­riert und gut befeuch­tet ent­wi­ckeln könn­ten! Es muss also erst „schlech­ter“ im Sin­ne von F4F wer­den, bevor es „bes­ser“ wer­den kann. Ande­ren­falls befin­den wir uns am Beginn der Herr­schaft einer Ener­gie-Aris­to­kra­tie, einer klei­nen Eli­te, die die Tür des Elfen­bein­tur­mes hin­ter sich zuschlägt und in der Welt das Licht aus­ge­hen lässt.

Der Schlüssel zu Wohlstand und Umweltschutz ist Energie

Der ideo­lo­gi­sier­te Kampf gegen fos­si­le Ener­gie hat etwas Selbst­mör­de­ri­sches. Dabei ist wohl den meis­ten Men­schen mitt­ler­wei­le klar, dass Wind und Son­ne nicht rei­chen wer­den, in einem Indus­trie­land wie Deutsch­land für Puls zu sor­gen. Das son­nen­ver­wöhn­te Kali­for­ni­en muss­te in die­sem Som­mer bereits erle­ben, was es heißt, sich zu sehr auf Solar­ener­gie und Wind­kraft zu ver­las­sen. Die wegen Ener­gie­man­gels not­wen­di­gen „rol­ling Black­outs“ dort sind auch ein Vor­ge­schmack für deut­sche Ver­brau­cher, die glau­ben, man könn­te pro­blem­los aus Koh­le und Kern­kraft aus­stei­gen, Gas infra­ge stel­len und gleich­zei­tig auch noch den Ver­kehr auf Strom dre­hen. Der Ener­gie­be­darf pro Kopf lässt sich in Indus­trie­län­dern nicht belie­big drü­cken, wes­halb die ehr­li­che Suche nach ver­läss­li­chen und belast­ba­ren Metho­den der Ener­gie­er­zeu­gung über­le­bens­wich­tig ist. In die­ser Fra­ge absicht­lich hin­ter die bestehen­den Stan­dards zurück­zu­fal­len, indem man voll auf vola­ti­le Ener­gie­er­zeu­gun­gen durch Son­ne und Wind ver­traut, ist min­des­tens fahrlässig.

Nennt es meinetwegen „Klimaschutz“

Wenn die Ener­gie­fra­ge wirk­lich geklärt wäre, wür­den eini­ge der kris­tal­le­nen Träu­me der Kli­ma­ret­ter sogar ihren Schre­cken ver­lie­ren. Ein belast­ba­res, von Wet­ter und Tages­zeit unab­hän­gi­ges Strom­netz käme sogar mit einer grö­ße­ren Anzahl Elek­tro­au­tos zurecht. Tat­säch­lich und kon­ti­nu­ier­lich im Über­fluss vor­han­de­ne Ener­gie könn­te zur Her­stel­lung syn­the­ti­scher Kraft­stof­fe und Was­ser­stoff aus Luft und Was­ser ver­wen­det wer­den. Das wird aber ohne Kern­ener­gie nicht mög­lich sein. Und bevor jetzt die Toma­ten flie­gen möch­te ich hin­zu­fü­gen, dass ich nicht von den Kraft­werks­ty­pen spre­che, die in den 60er und 70er Jah­ren kon­zi­piert und gebaut wur­den. Sicher, es wür­den selbst dann noch Jahr­zehn­te bis zum Betrieb ers­ter Dual-Flu­id-Reak­to­ren ver­ge­hen, wenn wir heu­te beschlie­ßen wür­den, den Aus­stieg aus der Kern­kraft rück­gän­gig zu machen. Aber man kann der Tech­no­lo­gie kaum vor­wer­fen, dass die Poli­tik seit 30 Jah­ren eine fal­sche Ent­schei­dung nach der ande­ren getrof­fen hat.

Fri­days for Future und Lui­sa Neu­bau­er täten also gut dar­an, nicht aus­ge­rech­net ihre wich­tigs­ten Ver­bün­de­ten, die Markt­wirt­schaft und die Kern­ener­gie, abschaf­fen zu wol­len und sich lie­ber für ein ech­tes ener­ge­ti­sches Level-Up der Mensch­heit ein­zu­set­zen, damit ihre Vor­stel­lun­gen, so irr­wit­zig sie auch sein mögen, es tech­no­lo­gisch zumin­dest in den Bereich des Mög­li­chen schaf­fen könn­ten. Dar­auf zu ver­trau­en, dass es jen­seits der Markt­wirt­schaft irgend­wo ein unent­deck­tes Land geben kön­ne, das nicht Sozia­lis­mus heißt und dass unbe­kann­te Tech­no­lo­gien sich schon irgend­wie zei­gen wür­den, wenn wir nur ganz fest dar­an glau­ben, ist kei­ne gute Idee. Statt flie­gen zu ler­nen, indem man den Boden ver­fehlt, soll­te man viel­leicht lie­ber Phy­sik oder Che­mie studieren.

Was ist also der „Weg“, den „Fri­days for Future“ der Mensch­heit wirk­lich zeigt? Es ist das not­wen­di­ge Ende der anma­ßen­de Bevor­mun­dung sei­tens einer Eli­te, die es über die Wol­ken geschafft hat, gegen­über den­je­ni­gen, die noch nicht bis dort­hin vor­ge­drun­gen sind. Die Auf­ga­be des Jus­te Milieu von F4F muss es sein, sie nicht dar­an zu hin­dern, über die Wol­ken zu kom­men. Alles ist eben eine Ener­gie­fra­ge. Wer sie sich leis­ten kann, ist im Vorteil.

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11 Kommentare

  1. Hier han­delt es sich um nichts ande­res als White Supre­ma­cy. Wei­ße Prin­zes­schen, die sich nie die Fin­ger schmut­zig gemacht haben, wol­len aus ihrem geis­ti­gen Gefäng­nis her­aus der gan­zen Welt vor­schrei­ben, wie sie zu leben haben. – Einer­seits pre­di­gen die­se Wohl­stands­weib­chen Small Is Beau­ti­ful, gleich­zei­tig hul­di­gen sie aber jedem daher­ge­lau­fe­nen BBC-Akti­vis­ten. Oder wie lau­tet die kor­rek­te Abkür­zung für Burn/Loot/Murder?

  2. Herr Letsch, der Spa­zier­gang ist die bür­ger­li­che Form der Erho­lung. Gleich­zei­tig wer­den man­che danach süch­tig und spa­zie­ren sogar schon zwi­schen Woh­nung und Arbeits­platz, ste­hen dazu sogar frü­her auf, weil die bedäch­tig flie­ßen­de Bewe­gung des Kör­pers einen ana­lo­gen Mecha­nis­mus vom unge­zwun­ge­nen Flie­ßen der Gedan­ken im Kopf aus­löst – you poor home offi­cers, I pity you. Wir sehen, dass man den stum­men Zwang zur mate­ri­el­len Siche­rung der Exis­tenz mit­tels Lohn­ar­beit durch­aus mor­gens und abends noch mit ein wenig Wol­ken­ku­ckucks­heim ver­bin­den kann.

    Bei den geho­be­nen Din­gern der Kli­ma- und See­ret­ter-Sze­ne­rie spielt natür­lich noch eine ganz ande­re „mate­ri­el­le Basis“ mit: Das im gesel­li­gen Rah­men bei ihren 3F-Gela­gen wie auch in einer Schlep­per-Kom­bü­se kaschiert aus­ge­tob­te sexu­el­le Schmo­ren des (immer noch) jung­fräu­lich-knos­pen­den Kör­pers fin­det über Zeo­Du wie Zeh­Not zu sei­ner äußerst bla­siert-genüss­li­chen Insze­nie­rung! Hät­ten sich die ein­zel­nen Dämel­chen an Stel­le klo­pha­ler Glim­mer­gard­ro­be der­weil inten­sier mit der sinn­lo­sen Woke­rei befasst, ob sie nicht viel­leicht in den „fal­schen“ Kör­per­chen ste­cken tüten, wäre aus dem Hüp­fen die Pus­te voll­kom­men raus, assured!

  3. Irgend­wie habe ich mich an den alten Herrn B. erin­nert gefühlt.
    “ Erst kommt das Fres­sen und dann die Moral“ .
    Oder wenn man es umkeh­ren möch­te, nur wer genug zu Fres­sen hat kann sich Moral leisten.

  4. Ein ins­ge­samt her­vor­ra­gen­der Arti­kel, den ich mit Genuss gele­sen habe! Vie­len Dank Herr Letsch.
    An einer Stel­le bin ich aller­dings nicht ganz sicher, ob die von Ihnen dar­ge­leg­ten Ent­wick­lungs­schrit­te in den „Ent­wick­lungs­län­dern“ sich in der Rea­li­tät erfül­len wer­den kön­nen: Sie schrei­ben (Zitat):„Der Schritt über die Schwel­le einer Indus­trie­ge­sell­schaft ist aber nicht vom guten Wil­len der Men­schen und nur in gerin­ge­rem Maße von der Bil­dung abhän­gig, son­dern in hohem Maße von der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ener­gie.“ (Zitat Ende).

    Dem stim­me ich so zu. Aller­dings fehlt eine Ergän­zung: Der Schritt ist m.E. in extrem hohem Maße neben der Ver­füg­bar­keit von Ener­gie von der gleich­zei­ti­gen Ver­füg­bar­keit von einem gewis­sen, durch­aus als (im kern­phy­si­ka­li­schen Sin­ne einer Ket­ten­re­ak­ti­on) „kri­ti­schen“ Pro­zent­satz an Per­so­nen mit der Mög­lich­keit zu kogni­ti­ver Spit­zen­leis­tung in den jewei­li­gen Gesell­schaf­ten abhängig. 

    Und ob die­ser in einem Groß­teil der heu­ti­gen Ent­wick­lungs­län­der (zumin­dest kurz – und mit­tel­fris­tig) erreicht wer­den kann…da habe ich mei­ne Zwei­fel. Die Unter­su­chun­gen von Prof. Hein­sohn sowie zahl­rei­che Bei­trä­ge aus der Intel­li­genz­for­schung las­sen mich zu die­sem Schluss kom­men. Dabei möch­te ich hier gar nichts über die Ursa­chen die­ser Mise­re aus­sa­gen (Stich­wor­te Umwelt/Anlage). Ich stel­le ledig­lich das Pro­blem fest! Was also, wenn die­ser ein­zi­ge noch quan­ti­ta­tiv wach­sen­de Teil der Mensch­heit (Stich­wort Bevöl­ke­rungs­dy­na­mik in den Ent­wick­lungs­län­dern) nicht in der Lage ist, sich zu Indus­trie­na­tio­nen mit einem hohen Bewusst­sein für Umwelt­schutz zu entwickeln…? 

    Ich will nicht falsch ver­stan­den wer­den: Ich hal­te sowohl die The­sen als aus die „Lösungs­vor­schlä­ge“ (absicht­lich in Anfüh­rungs­zei­chen) von F4F und dem Dunst­kreis um sie her­um für hane­bü­che­nen Unsinn und zwar sowohl in tech­no­lo­gi­scher als auch in gesell­schaft­lich – poli­ti­scher Hin­sicht. Nichts des­to trotz müs­sen wir uns über­le­gen, wie die Zukunft aus­sieht, wenn eben die Pro­ble­me eines gro­ßen Teils der Mensch­heits­be­völ­ke­rung sich nicht durch den Weg, den Euro­pa, Nord­ame­ri­ka, Australien/Neuseeland und Tei­le Ost­asi­ens gegan­gen sind, lösen lassen.

  5. Ich stim­me mit Ihnen in fast allem über­ein. Glän­zend geschrieben!
    Ich fin­de es aber inter­es­sant, dass Sie über ein „Ver­ständ­nis für Stoff­kreis­läu­fe“ schrei­ben, was man so inter­pre­tie­ren könn­te, dass Kunst­stoff-Recy­cling eine gute Sache ist. Ich hal­te mich in der Fra­ge für fach­män­nisch (ist ja ein Teil mei­nes Jobs) und den­ke, dass Kunst­stoff-Recy­cling der abso­lu­te Schwach­sinn ist. Ich den­ke nicht, dass Kunst­stoff in der Müll­de­po­nie lan­den darf, aber dass es ver­brannt wer­den muss, wobei man dabei Strom oder Heiz­wär­me erzeu­gen kann. Trotz­dem wird es seit Jahr­zehn­ten der­art und ohne kon­kre­ten Fak­ten und Zah­len der­art pro­pa­giert, dass fast alle – auch mei­ne Kol­le­gen – den­ken, es sei eine gute Sache.

    Das eigent­li­che Pro­blem ist nicht der CO2-Aus­stoß, son­dern dass wir ein­fach zuvie­le Men­schen auf der Welt sind. Ten­denz steigend.

    • Es gibt sicher Unter­schie­de in der Effi­zi­enz, mit der sol­che Stoff­kreis­läu­fe betrie­ben wer­den kön­nen. Bei Metal­len gelingt uns das schon ganz gut. Die Stoff­kreis­läu­fe sind schon sehr geschlos­sen, ein­mal kon­zen­trier­tes Metall wird wie­der­ver­wen­det und nicht weg­ge­wor­fen und dadurch wie­der ver­streut. Der Ener­gie­ein­satz ist ent­schei­dend. Braucht man mehr Ener­gie, um den Stoff­kreis­lauf in Gang zu hal­ten, als die ver­brauch­ten Stof­fe aus ihren Sen­ken zurück zu holen, lohnt sich ein künst­li­cher Kreis­lauf natür­lich nicht.

  6. Der Arti­kel geht ein wenig an der Pro­ble­ma­tik vorbei,denn den „nor­ma­len“ Men­schen hängt die­se „Bewe­gung“ inzwi­schen zum Hals raus und bei einem Anteil Euro­pas von ca. 2% der welt­wei­ten Emis­sio­nen wäre das The­ma inzwi­schen auch schon keins mehr,würde es eben von der cho­le­risch-hys­te­ri­schen Polit-Pro­pa­gan­da nicht immer wie­der aufgewärmt.
    Da von irgend­wel­chen Par­tei­ka­dern zwang­haft „rot-schwarz-grün“ oder jeg­li­che ande­re „grün“ ent­hal­te­ne Kom­bi­na­ti­on favo­ri­siert wer­den soll,erhalten „Eli­te-Kids“ immer wie­der mas­si­ve media­le Beachtung.Es gibt auch Mei­nun­gen wie die eines Erich Wolff o. Prof. Kreiß,die gera­de im Kon­text der „Pan­de­mie“ eine mas­si­ve Influ­enz macht­gie­ri­ger Gross­ka­pi­ta­lis­ten sie­he entspr. Artikel,sehen!

    • … eine mas­si­ve Influ­en­za der groß­ka­pi­ta­lis­ti­schen Art?, und was bit­te soll das sein? Sind Sie dafür oder dage­gen, und wenn, in wel­chem Sinne?

      • Das kommt dabei raus,wenn man gros­se Zusam­men­hän­ge mit weni­gen Wor­ten kom­men­tie­ren will;sorry für das Missverständnis!Ich machs den­noch kurz:Ich bin gegen die oben beschrie­be­ne „FFF“-Bewegung,habe dafür aber mei­ne eige­ne „erwei­ter­te“ Sicht.Sehen Sie mir bit­te nach,wenn ich das nicht im Detail beschreibe,ich glaube,die Kom­men­tar­funk­ti­on ist für den Platz der dafür gebraucht wird,nicht ausgelegt!

  7. Felix Krull hun­dert Jah­re spä­ter, es passt für F4F auf so vie­len Ebe­nen. Man kann ideo­lo­gi­sche Kon­struk­te oft „aufs Mensch­li­che“ her­un­ter­bre­chen, dann erkennt man bei den Prot­ago­nis­ten unter ihren stets neu­en Klei­dern doch immer wie­der das­sel­be Elend: gäh­nen­de Lan­ge­wei­le, Gefall­sucht und die ver­füh­re­ri­sche Kraft des eige­nen Sen­dungs­be­wusst­seins. Für alle ande­ren, für die Gefolg­schaft, gilt der Her­den­trieb (ich weiß nicht, wie man das fach­sprach­lich, psy­cho­lo­gisch oder so, aus­drückt). Jeden­falls haben Sie in Ihrem Essay sogar mit (schein­bar) ehr­li­chen Schrit­ten auf die F4F-Bewe­gung zuge­hend, deren Wahn pri­ma bloß­ge­legt. Dabei den­ke ich so ger­ne in Ana­lo­gien und sons­ti­gen Bil­dern und sehe Sie locker neben das schnau­ben­de Leit­tier tra­bend und aus dem Mund­win­kel leicht süf­fi­sant kom­men­tie­rend: „Na, Che­fin, du weißt aber um die Schlucht, deren Abgrund uns uns noch vor Errei­chen der Was­ser­stel­le den Weg ver­sperrt, oder?“

  8. Die­je­ni­gen, die die­se klu­gen Erkennt­nis­se ange­hen, wer­den sie nicht zu lesen bekom­men, und wenn doch, wer­den sie sie hoch­nä­sig bei­sei­te schie­ben. Deut­li­cher kann man die Pro­ble­ma­tik nicht aus­drü­cken, wie in die­sem Essay.

    Mir bleibt ange­sichts der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen nur der Sar­kas­mus, der sich an die Sach­lich­keit von oben unsach­lich aber logisch anfügt:

    F4F heißt statt „Fri­days for Future“ bes­ser „Fuck for Fun“. Denn mehr steckt nicht hin­ter die­ser Ideologie.

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