liedEhrlich, ich kon­nte den ESC noch nie ver­ste­hen. Bis auf wenige Aus­nah­men ist mir die zum Vor­trag gebrachte Musik fremd, die von Jahr zu Jahr gigan­tis­ch­er wer­den­den Büh­nen­shows oder die bemüht orig­inellen Chore­o­gra­phien aus der „Mal-sehen-was-geht“-Retorte stoßen mich ab. Der ESC erscheint wie eine Par­al­lel­welt aus Anti­ma­terie, die mit der inter­na­tionalen Real­ität der Musik­welt bess­er nicht in Berührung kommt.  Die Briten zum Beispiel mögen in der Real­ität eine musikalis­che Super­ma­cht sein, in der Par­al­lel­welt des ESC sind sie Zwerge. Jahre­lang war die Punk­tev­erteilung eine Frage der Dias­po­ra-Sta­tis­tik und der Sym­pa­thiew­erte. Andere Län­der zu über­fall­en kann dir zwar einen Beschluss des Welt­sicher­heit­srates ein­brin­gen, schw­er­er jedoch wiegt der Sym­pa­thieentzug beim ESC. Musik als Mit­tel der Diszi­plin­ierung.

Nun schafft es die Poli­tik wieder, sich in die Musik zu schle­ichen und die Ver­anstal­tung zum „Fes­ti­val des poli­tis­chen Liedes“ zu machen. Statt etwas Belan­glos­es über „Ghosts“ zu trällern, hätte Deutsch­land die Enke­lin eines Ost­preußens sin­gen lassen sollen, den Stal­ins Scher­gen aus Königs­berg ver­trieben hat­ten. Flüchtlingsleid geht derzeit über­all gut, wer fragt schon nach Fluchtur­sachen! Die Deutschen hät­ten eben die Sow­je­tu­nion nicht über­fall­en sollen? Buu­uh! Viele Krim­tataren hät­ten bess­er nicht mit den Nazis kol­la­bori­ert? Halt die Fresse!

Es soll ja Leute geben, die glauben, der ESC wäre so etwas wie die Suche nach dem kle­in­sten gemein­samen musikalis­chen Nen­ner in Europa. Dieser „Nen­ner“ ist 2016 also ein musikalisch grässlich­es, mit Ver­gan­gen­heit über­ladenes Lied aus Selb­st­mitleid, Schuldzuweisun­gen und Geschicht­skrit­telei, welch­es man außer der Ukraine selb­st wohl nie wieder im Radio hören wird. Clause­witz würde es in seinem Werk „Vom Kriege“ heute vielle­icht so for­mulieren: „Der ESC ist die Fort­set­zung der Poli­tik mit musikalis­chen Mit­teln.“

Europa, mir graut vor dir!

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1 Kommentar

  1. Ich weiss nicht, wie es bei Ihnen ist, aber in meinem Fre­un­des- und Bekan­ntenkreis redet schon seit ein paar Jahren kein Men­sch mehr über den ESC. Wie wäre es, die näh­men alle anderen Län­der auch noch auf und nen­nen es in WSC um?

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