Nachdem ich es mir mit den Fans eines bekann­ten TV-Phy­si­kers ver­scherzt habe, indem ich diesem eine gewisse Blau­äu­gig­keit in Bezug auf die Mach­bar­keit der Ener­gie­wende vorwarf, ist es höchste Zeit, kurz vor der Euro­pa­wahl eine Phy­si­ke­rin zu Wort kommen zu lassen, deren gesun­der Skep­ti­zis­mus und nüch­terne Betrach­tung ihrer Zunft Hoff­nung macht, dass die Selbst­re­fe­ren­zia­li­tät, die sich nicht nur in der Physik breit gemacht hat, irgend­wann enden wird. Ich möchte Sabine Hos­sen­fel­der, die Sie hier im Video sehen können, natür­lich nichts unter­stel­len. Sie spricht in erster Linie über die Gründe für das seit Jahr­zehn­ten anhal­tende Fest­hän­gen der For­schung in den Grund­la­gen der Physik, wo man ver­zwei­felt ver­sucht, Theo­rien zu ver­ein­fa­chen und dadurch „schöner“ oder „per­fek­ter“ zu machen, auf diesem Weg jedoch offen­bar keinen Mil­li­me­ter vor­an­kommt. Allein die Menge an publi­zier­ten Vor­her­sa­gen, was nach der Inbe­trieb­nahme des LHC, des „Large Hadron Col­li­der“ alles zu finden sein würde, steht in keinem Ver­hält­nis zu dem, was die Expe­ri­mente ergaben. Gefun­den wurde das Higgs-Boson, das letzte noch feh­lende Teil­chen des soge­nann­ten Stan­dard­mo­dells. Sonst nichts – was nicht abwer­tend gemeint ist, denn der Fund war zwei­fel­los ein gran­dio­ser Erfolg. Laut Hos­sen­fel­der gehört das Stan­dard­mo­dell unter Phy­si­kern übri­gens nicht gerade zu den als „schön“ emp­fun­de­nen Theo­rien, weshalb viele ihrer Kol­le­gen ele­gante Erwei­te­run­gen und Sym­me­trien pos­tu­lier­ten. Dumm gelau­fen, dass aus­ge­rech­net die Bestä­ti­gung des Stan­dard­mo­dells in all seiner Häss­lich­keit so gut lief.

Meine Kol­le­gen und ich, wir sind die intel­lek­tu­el­len Nach­kom­men von Albert Ein­stein. Wir denken gerne, dass wir auch nach Schön­heit suchen.“
(Antony Zee, theo­re­ti­scher Phy­si­ker)

Hos­sen­fel­der deutet an, dass sich die Neigung der Wis­sen­schaft­ler, nach Sym­me­trie, Har­mo­nie und „mathe­ma­ti­scher Schön­heit“ zu suchen und ihre Hypo­the­sen diesen Erwar­tun­gen anzu­pas­sen, nicht nur in der Physik findet. Die Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten seien eben­falls voll davon. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, wir finden diese Unsitte auch in der ange­wand­ter Form der Sozio­lo­gie, in der Politik. Hos­sen­fel­ders Schluss­fol­ge­rung, die sie in einem Vortrag an Uni Stutt­gart sowie in ihrem Buch „Das häss­li­che Uni­ver­sum“ zog:

Die Ver­wen­dung von Schön­heits­kri­te­rien zur Auswahl von wis­sen­schaft­li­chen Hypo­the­sen ist schlechte Metho­dik. Solch schlechte Metho­dik kann akzep­tierte Norm werden, wenn viele Wis­sen­schaft­ler sich gegen­sei­tig ver­si­chern, dass sie das Rich­tige tun.“

Erset­zen Sie „Wis­sen­schaft­ler” durch „Poli­ti­ker”, liebe Leser, und Sie wissen, was ich meine.

Auf der Suche nach Harmonie, Symmetrie, Hierarchie und Schönheit

Chaos ist nicht nur dem Phy­si­ker, sondern auch dem Poli­ti­ker ein Gräuel. Den einen schreckt die Unvor­her­sag­bar­keit, den anderen der eigene Kon­troll­ver­lust. Doch während dem Phy­si­ker nichts anderes bleibt, als weiter nach Gesetz­mä­ßig­kei­ten zu suchen, kommen manche Poli­ti­ker auf die Idee, das Chaos ganz abzu­schaf­fen. Wenn die Prot­ago­nis­ten nur mit­spie­len würden! Im Unter­schied zu denen in der Physik haben die Ele­men­tar­teil­chen (Indi­vi­duen) in Politik und Sozio­lo­gie doch die Eigen­schaft, denken zu können. Regel­än­de­run­gen müssen sich also (schein­bar) nicht an Natur­ge­setze halten. Das Streben nach kom­ple­xen Hier­ar­chien, nach Kon­trolle, Gleich­schal­tung und Ordnung soll als Betriebs­sys­tem im „Homo Poli­ti­cus“ ver­an­kert werden, mit dem der wohl­mei­nende Poli­ti­ker mittels seines „Gestal­tungs­wil­lens“ tolle Dinge machen kann.

Das Pos­tu­lat gesell­schaft­li­cher Har­mo­nie hat die meisten Klin­gel­worte her­vor­ge­bracht, mit denen uns Politik und Medien täglich die Hirne fluten. Die Kam­pa­gnen der Par­teien zur Euro­pa­wahl zeigen dies gera­dezu exem­pla­risch. „Wir“, „gestal­ten“, „uns“, „gemein­sam“, „Zukunft“, „Inte­gra­tion“, „retten“. Je größer jedoch die Ent­fer­nung der poli­tisch Han­deln­den vom Indi­vi­duum ist, umso höher muss der Abs­trak­ti­ons­grad der Bot­schaft sein, damit sie all­ge­mein ver­stan­den wird. Ver­glei­chen Sie doch mal die Kom­ple­xi­tät des Baus einer Umge­hungs­straße um ihren Hei­mat­ort mit dem Projekt „euro­päi­sche Inte­gra­tion“, dann haben Sie eine Ahnung vom prin­zi­pi­el­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­blem.

Was beson­ders auf­fäl­lig und bemer­kens­wert ist, dass in der fun­da­men­ta­len Physik eine schöne oder ele­gante Theorie eine größere Wahr­schein­lich­keit hat richtig zu sein, als eine unele­gante.“
(Murray Gell-Mann, Phy­si­ker, Nobel­preis 1969)

Während man dem ein­zel­nen Indi­vi­duum noch am ehesten das Prä­di­kat „Instinkt“ zuord­nen kann, weil ihm auch so ele­men­tare Dinge wie Hunger, Durst, Furcht oder Liebe eigen sind, „fühlen“ Gesell­schaf­ten, Staaten oder Staa­ten­ge­mein­schaf­ten nichts der­glei­chen. Mit dem Hier­ar­chie­grad steigt die Abs­trak­tion und die Orga­ni­sa­tion anony­mi­siert sich. Indi­vi­duum, Familie, Gruppe, Gemeinde, Region, Land, Staats­we­sen – jede Ebene kann sich phy­sisch nur sinn­voll um die Regu­lie­rung von exter­nen Bedürf­nis­sen der Ebene dar­un­ter bemühen und zum Funk­tio­nie­ren der Ebene darüber bei­tra­gen. Des­po­tie kann ent­ste­hen, wenn Ebenen über­sprun­gen werden, wenn sich bei­spiels­weise der Staat regu­lie­rend und bevor­mun­dend um die Ängste seiner Bürger kümmert und sie etwa zur Phobie erklärt oder durch Ge- und Verbote in die Spei­se­pläne seiner Bürger ein­zu­grei­fen ver­sucht.

Schöne Idee, hässliche Wirklichkeit?

Begrün­det wird solches gern mit gefüh­li­ger „Sorge um das Wohl­erge­hen“ des Ein­zel­nen, doch wie schon gesagt: Staaten haben keine Gefühle. Gän­ge­lun­gen der Art „Was-geht-das-den-Staat-an“ bemerkt man deshalb sehr schnell und emp­fin­det sie meist als anma­ßend und bevor­mun­dend. Die Idee, dass sich die Staaten Europas zu einer Gemein­schaft zusam­men­schlie­ßen, ist so betrach­tet jedoch nichts Schlech­tes. Aber was die EU, wenn sie ihre Aufgabe richtig ver­steht, leisten kann und sollte, hat eigent­lich nur Aus­wir­kun­gen auf die Inter­ak­tion der euro­päi­schen Staaten und der EU als Ganzes gegen­über ihren Nach­barn und der Staa­ten­ge­mein­schaft. Überall dort, wo die EU diese Grenze beach­tet, wirkt sie geräusch­los und effi­zi­ent.

Ver­letzt sie jedoch die Hand­lungs­sou­ve­rä­ni­tät lokale­rer Ebenen oder ver­sucht sogar, sich zur staat­li­chen Entität auf­zu­schwin­gen und sich EU-unmit­tel­bare Wesen, die soge­nann­ten „Euro­päer“ als Staats­volk herbei zu defi­nie­ren, wird sie als fremd und über­grif­fig emp­fun­den. Hier ver­sucht die Politik, das recht erfolg­rei­che Konzept der Natio­na­li­tät abzu­schaf­fen, indem sie es kopiert und zur „euro­päi­schen Iden­ti­tät“ auf­bläst. Nichts als eine wun­der­schöne Theorie, während die „häss­li­che“ Praxis sagt, dass es schon ver­geb­lich wäre, die Mann­schaf­ten des BVB und Schal­kes in den glei­chen Farben antre­ten zu lassen – und die sind bis hinab zur Ebene „Region“ gera­dezu Zwil­linge!

Viele der aus­ge­han­del­ten Rege­lun­gen auf EU-Ebene sind zwei­fels­ohne sinn­voll, gerade wenn es um Sach­ver­halte geht, die das Zusam­men­le­ben der Mit­glieds­staa­ten betref­fen. Nur ist das, was auf EU-Ebene ent­schie­den wird, selten Poli­ti­sches im engen Sinne, sondern bewegt sich auf der Ebene von Ver­wal­tungs­ak­ten und juris­ti­schen Ver­trä­gen. Wir sollen am 26.5. jedoch nicht Ver­wal­tungs­an­ge­stellte und Juris­ten mit dieser Aufgabe betrauen, sondern Poli­ti­ker – und die wollen gewählt werden. Die Inhalts­leere der Wahl­aus­sa­gen aller Par­teien, die sich bis zum Ver­wech­seln der Parolen ähneln, zeigt das Glaub­wür­dig­keits­pro­blem des Pro­jek­tes „EU-Par­la­ment“, nicht die Über­flüs­sig­keit der EU als Ganzes.

Die man­gel­hafte Ver­an­ke­rung der EU-Par­la­men­ta­rier in den Hier­ar­chie­ebe­nen „Gemeinde“ oder „Land“ lässt kon­kre­tere Wahl­aus­sa­gen jedoch kaum zu. Wo es um das „große Ganze“ geht, ist vom „kleinen Indi­vi­duum“ nichts mehr zu sehen. Da müssen platte Sprüche aus­hel­fen. Die Barleys, Beers und Webers beraten später ja nicht nur die Belange ihres Landes, sondern die „der Euro­päer“, was eine sehr fluide Quer­summe aus pol­ni­schem Koh­le­kum­pel, Ber­li­ner Kebab­ver­käu­fer, fran­zö­si­schem Zie­gen­züch­ter und mal­te­si­schem Reeder ist. Die schöne Theorie ist, dass es eine Politik geben kann, die deren sämt­li­che Inter­es­sen zu einem sinn­vol­len Ganzen bündeln kann. Die häss­li­che Praxis fragt, warum es so etwas über­haupt geben sollte.

Hässliche Theorien ablehnen?

Hass macht häss­lich“ pol­terte MdB Johan­nes Kahrs in Rich­tung des poli­ti­schen Gegners und das soge­nannte „Zentrum für poli­ti­sche Schön­heit“ sorgt mit medial gut insze­nier­ten Aktio­nen für die rich­tige päd­ago­gi­sche Grund­stim­mung. Aber wer legt eigent­lich fest, was als schön emp­fun­den wird? Phy­si­ker mögen offen­bar keine Zahlen ohne Ein­hei­ten, keine Unend­lich­keit und andere „unele­gante“ Dinge. Viele Poli­ti­ker mögen offen­bar keine gesell­schaft­li­chen Pro­zesse, die gänz­lich ohne ihr Zutun ablau­fen. Als häss­lich wird deshalb gern der Kapi­ta­lis­mus dar­ge­stellt, schon weil er mit so ver­dammt wenigen Regeln aus­kommt, die man noch nicht einmal kennen muss, um sie instink­tiv zu erfas­sen und am System zu par­ti­zi­pie­ren.

Um wie vieles schöner erscheint da der theo­re­tisch mächtig unter­füt­terte Sozia­lis­mus, in dessen Pro­pa­ganda wir all die abs­trak­ten Schlag­worte wie­der­fin­den, die wir auf den Pla­ka­ten zur Euro­pa­wahl sehen – was natür­lich ein häss­li­cher Zufall sein könnte. Der Kapi­ta­lis­mus mag nicht schön, sondern voller Fehler und Unge­rech­tig­kei­ten sein, aber im Gegen­satz zum theo­re­tisch per­fek­ten Sozia­lis­mus funk­tio­niert er. Selbst dann noch, wenn er mehr und mehr von poli­ti­schen Gän­ge­lun­gen und Ein­grif­fen über­wölbt wird. Es ist leider schwer zu sagen, welche poli­ti­sche Umbau­maß­nahme und Regu­lie­rung „die eine zu viel“ sein wird und wann das System infolge dessen zusam­men­bricht. Es gibt keine „tra­gen­den Wände“, die als solche gekenn­zeich­net sind. Wir werden jedoch merken, dass die letzte Wand eine tra­gende war. Der Hammer wird in Berlin geschwun­gen, die Ver­ant­wor­tung gern nach Brüssel dele­giert.

Europawahl: Schön ist, was sich fügt

Viele Poli­ti­ker halten eine Gesell­schaft für „schön“, wenn sie die Hand­lun­gen all ihrer Teile bis zur Ebene des Indi­vi­du­ums nicht nur erklä­ren, sondern her­lei­ten und beein­flus­sen können. Weil dies jedoch prak­tisch nur begrenzt möglich ist, erklärt man sich die Wei­ge­rung ein­zel­ner Indi­vi­duen ent­we­der als Feind­schaft oder als Mangel an Wissen. Feinde werden mora­lisch abge­son­dert (Popu­list, Natio­na­list, Euro­pa­zer­stö­rer, Nazi), Unwis­sende inten­siv mora­lisch agi­tiert. So teilt sich die Welt schnell in schön und häss­lich. Auf der Ebene der EU und spe­zi­ell des EU-Par­la­ments ist es beson­ders leicht möglich, „schöne“ Theo­rien vor­an­zu­trei­ben, weil hier das Indi­vi­duum weit weg ist und der Ver­ge­sell­schaf­tung immer wei­te­rer Berei­che des Lebens nicht aktiv im Weg stehen kann. Gegen die Schlie­ßung einer Schule oder den Bau einer Hoch­span­nungs­lei­tung kann man demons­trie­ren, Ver­ant­wort­li­che auf­su­chen und Bür­ger­pro­test orga­ni­sie­ren. Gegen euro­pa­weit vor­an­ge­trie­bene gesell­schaft­li­che Umbau­maß­nah­men ist das schon erheb­lich schwie­ri­ger. Pro­fes­sor Russell Berman von der Stan­ford-Uni­ver­sity for­mu­liert es in der NZZ so:

Ich meine damit [mit Ver­ge­sell­schaf­tung] die Kol­lek­ti­vie­rung bzw. Mono­po­li­sie­rung der Wirt­schaft, die Ver­recht­li­chung des all­täg­li­chen Lebens und die Poli­ti­sie­rung des Pri­va­ten, kurzum: das Schrump­fen nicht­ver­wal­te­ter Lebens­zo­nen. Erst­mals seit langem macht sich eine heftige Reak­tion der Bürger gegen diese ver­wal­tete Welt bemerk­bar. Was wir hier in den USA erleben, kennen Sie auch in Europa, denken Sie nur an die «gilets jaunes» in Frank­reich oder die Popu­lis­ten in Italien. Gegen die Erwar­tun­gen des nor­mier­ten Denkens würde ich nun eben zuge­spitzt sagen: Theodor Adorno, dieser Linke, ist der eigent­li­che Vor­den­ker der «gilets jaunes». Zwar war er selbst gegen­über den aktio­nis­ti­schen Ten­den­zen der Stu­den­ten­be­we­gung höchst reser­viert, doch hilft er uns diese Pro­test­be­we­gung zu ver­ste­hen – als Auf­schrei gegen Zen­tra­lis­mus, Bevor­mun­dung und ENA-Eli­tis­mus.

Der „ENA-Eli­tis­mus”, dem Macron nun zaghaft und meiner Meinung nach zu spät zu Leibe rückt, zeigt in Frank­reich im Kleinen das, was in der EU im großen Maßstab betrie­ben wird, nur dass sich auf euro­päi­scher Ebene die Pro­test­be­we­gung erst zu bilden beginnt. Dort wird, so fürchte ich, nicht weniger in Bruch und Brand geraten, als bei den Pro­tes­ten der Gelb­wes­ten in Paris. Der gleich­ge­schal­tete EU-Wahl­kampf von Links über Grün und SPD bis in die Union zur Bewah­rung des Status Quo und für die Bei­be­hal­tung und Ver­tie­fung von Zen­tra­lis­mus und Bevor­mun­dung lassen der Phan­ta­sie wenig Raum, dass es nicht so weit kommen wird.

Ein Sah­ne­häub­chen auf die Indif­fe­renz des ganzen Europa-Wahl­kamp­fes setzte vor wenigen Tagen die FDP im hes­si­schen Fisch­bach­tal, wo man gleich eine uni­ver­selle Wahl­emp­feh­lung für alle Par­teien (außer natür­lich für die Schwe­fel­bu­ben von der AfD) abgab. Ja, wenn man wolle, könne man auch FDP wählen. Wichtig scheint das der FDP indes nicht zu sein. Für den wei­te­ren Weg, den Brüssel nehmen wird, könnte sich das fata­ler­weise als rich­tige Ein­schät­zung erwei­sen. Die minimal nötigen 51% zur Siche­rung des Status Quo werden schon noch zusam­men­kom­men. Und auf Lis­ten­platz zwei ihrer Partei wird Svenja Hahn, die Ulk­nu­del vom Wäh­ler­ver­ar­schungs­dienst der FDP, sicher gern an diesem Status mit­stri­cken. Viel­leicht wird sie ein Demo­kra­tie-Tuto­rial daraus machen. Nur für’s Pro­to­koll: schön ist das nicht!

Europa: Die beste Idee, die Europa je hatte.”
(Robert Habeck, Poli­ti­ker)

Rettet die Idee, denn sie ist so schön!

Aber ist sie auch gut, diese Idee? Es ist in der Tat nicht leicht, gerade schönen Ideen die gebüh­rende Portion an Skepsis ent­ge­gen zu bringen. Viel zu leicht lässt man sich von ihnen Umarmen, viel zu unkri­tisch heißt man sie will­kom­men, weil sie dem ästhe­ti­schen Emp­fin­den schmei­cheln. Mas­sen­hafte mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rung etwa ist etwas, dass noch in keinem ein­zi­gen west­li­chen Land zu Inte­gra­tion geführt hat. Dennoch hält man eisern an der Idee der Inte­gra­tion fest, weil die Alter­na­tive einem Offen­ba­rungs­eid gleich­käme. Auch die zwei­fel­los schöne Idee einer gemein­sa­men Währung lässt sich nur noch durch die Aus­he­be­lung aller Markt­re­geln auf­recht­erhal­ten. Niemand wagt es zu fragen, warum es in 3.000 Jahren Wäh­rungs­ge­schichte noch nie zu nega­ti­ven Zinsen kam – bis die EZB dies für eine gute Idee hielt. Man bleibt der schönen Idee solange ver­pflich­tet, bis es richtig häss­lich wird.

Man bringt auch den Mut nicht auf, die offen­sicht­lich in der Praxis geschei­terte Idee, wirt­schaft­lich sehr unter­schied­li­che Regio­nen und Staaten mit Hilfe einer gemein­sa­men Währung zu „har­mo­ni­sie­ren“, für geschei­tert zu erklä­ren. Wie die Phy­si­ker aus dem Vortrag von Sabine Hos­sen­fel­der suchen auch Poli­ti­ker nach Sym­me­trien und Har­mo­nie, die sie unbe­dingt her­stel­len wollen. Der Min­dest­lohn ist eine weitere solche Sym­me­trie, die als ange­nehm emp­fun­den wird – den möchte man nun auf euro­päi­scher Ebene erzwin­gen. Jeder Wunsch nach Umver­tei­lung ent­spricht der ima­gi­nier­ten Störung einer Sym­me­trie und soll poli­tisch regu­liert, begra­digt und ver­schö­nert werden. Das schlägt mitt­ler­weile bis in die juris­ti­schen Begriffe durch – in Deutsch­land ist man dies­be­züg­lich beson­ders weit. Man denke nur an das „Gute-Kita-Gesetz“ – da ist der ästhe­ti­sche Anspruch bereits im Titel ver­an­kert und über Schön­heit kann man bekannt­lich nicht strei­ten.

Europa ist die Antwort auf jede Frage.”
(Chris­tian Lindner, Poli­ti­ker)

Beinahe jedes poli­ti­sche Groß­pro­jekt, ange­fan­gen mit Bau­maß­nah­men wie S21 und Kopf­no­ten­ge­bern vom Kaliber „Demo­kra­tie leben“ über gesell­schaft­li­che Groß­pro­jekte wie die Ener­gie­wende, welche uns saubere, unschul­dige Energie besche­ren soll bis hin zur Kli­ma­hys­te­rie, die eine sta­tis­ti­sche Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur zum Schön­heits­ideal des Pla­ne­ten Erde erklärt – überall findet man Spuren dieser schlech­ten „Metho­dik der Schön­heit“ und hört den Gleich­schritt ihrer Pos­tu­lan­ten. Überall werden im Namen dieser pos­tu­lier­ten Schön­heit munter alle Bereichs­gren­zen bis zur indi­vi­du­el­len Lebens­füh­rung der Bürger ange­grif­fen und pul­ve­ri­siert. Für das höhere Wohl, für die Schön­heit einer Idee.

Das Fazit Hos­sen­fel­ders für die Physik lautet übri­gens: „Bevor Phy­si­ker ver­su­chen ein „Problem“ zu lösen, sollten sie sicher­stel­len, dass es ein Problem ist. Ein emp­fun­de­ner Mangel an Schön­heit ist kein Wider­spruch und daher kein echtes Problem.“

Das gilt meiner Meinung nach ebenso für die Politik.

6 Kommentare

  1. Nun, mit Verlaub, als Phy­si­ker möchte ich doch zu beden­ken geben: das mit der Schön­heit der Theo­rien ist bei den meisten Phy­si­kern eher im über­tra­ge­nen Sinne gemeint und im Grunde eine Erwei­te­rung von Ockham’s Razor, dem Prinzip, unnö­tige Theo­reme zu ver­mei­den. Ein schönes Bei­spiel stellen die Maxwell-Glei­chun­gen dar:
    Vier Glei­chun­gen, die alles, was damals – 1864 – über magne­ti­sche und elek­tri­sche Vor­gänge bekannt war, zusam­men­faß­ten, dar­un­ter die Gauß’schen Gesetze für elek­tri­sche und magne­ti­sche Felder, das Gesetz von Faraday, das Ampere’sche Gesetz, das Gesetz von Biot-Savart und weitere. Darüber hinaus ergaben sich Vor­her­sa­gen für bis dato unbe­kannte Phä­no­mene, die z.B. Hein­rich Hertz ver­an­laß­ten, nach elek­tro­ma­gne­ti­schen Wellen zu suchen und für deren Ent­de­ckung er sicher den Nobel­preis bekom­men hätte, hätte es den da schon gegeben.
    Die vier Max­well­glei­chun­gen zeigen ver­schie­dene Sym­me­trien und werden von manchen Phy­si­kern deshalb als schön beschrie­ben.
    Bei einer Theorie wie des Stan­dard­mo­dells der Teil­chen­welt, mit über Hundert ver­schie­de­nen Ele­men­tar-Teil­chen gibt es eben den Ver­dacht, es gebe eine Wirk­lich­keit dahin­ter, die mit weniger Para­me­tern aus­kommt!

    Ob man die Theorie des Sozia­lis­mus schön findet oder nicht, sei dahin­ge­stellt, es ist keine wis­sen­schaft­li­che Theorie sondern eine Ideo­lo­gie und braucht sich deshalb nicht an der Rea­li­tät zu ori­en­tie­ren! Ganz ver­gleich­bar übri­gens die Neo­li­be­rale Kapi­ta­lis­mus­theo­rie, nach der der Markt alles regelt, wenn man ihn nur mög­lichst unge­stört wirken läßt. Ver­ein­facht gesagt, wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.
    Auch hier zeigt die Rea­li­tät eben ganz andere Ergeb­nisse, als die Neo­li­be­ra­len gerne hätten. Dabei ist es zum einen eine Frage der Ziele: falls man errei­chen will, daß einige wenige ultra-reich werden,so gut wie alle anderen aber an oder unter die Armuts­grenze rut­schen: hier ist ja der Neo­li­be­ra­lis­mus welt­weit sehr erfolg­reich. Eigent­lich auch kein Wunder, denn die Rede Markt, vom Wett­be­werb ist ja nur eine Beschö­ni­gung des Rechts des Stär­ke­ren, der dog-eat-dog-Gesell­schaft, wie es im Eng­li­schen heißt, nur das möchte man eben nicht so offen sagen.
    Zum anderen sind es eben oft die Reichen und Mäch­ti­gen, die genau das, den freien Markt, pre­di­gen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

    hemei 22. Mai 2019 at 11:47
    2. Das lang­same Abster­ben der Bevöl­ke­run­gen
    der Indus­trie­staa­ten kann nicht auf­ge­hal­ten werden, es sein denn mit der Wie­der­ein­füh­rung archai­scher Lebens­wei­sen.

    Nun, da bin ich ganz anderer Ansicht! Es ist eine Frage des poli­ti­schen Wollens. Bräuchte man nicht zwei Jobs – wenn’s reicht – um eine Familie zu ernäh­ren, sondern es gäbe wieder anstän­dige Löhne, so daß ein Allein­ver­die­ner eine Familie gut ernäh­ren kann, da bin ich sicher, gäbe es auch wieder mehr Kinder. Nichts Archai­sches, sondern einfach die Zustände wie in den 1960ern und 1970ern. Eben vor Schrö­ders Agenda der Billig- und Tage­löh­ner, der Neo­skla­ve­rei und gewoll­ter Ver­elen­dung.
    Da man davon aber nicht abgehen will, ein men­schen­wür­di­ges Leben für die Erwerbs­ab­hän­gi­gen nicht in Frage kommen darf, impor­tiert man jetzt eben Men­schen aus Kul­tu­ren, in denen das Prinzip Ver­ant­wor­tung unbe­kannt ist, die sich völlig unge­hemmt ver­meh­ren, egal wovon ihr Nach­wuchs mal leben soll. Solange der Sozi­al­staat noch nicht ver­früh­stückt worden ist, finan­zie­ren wir Steu­er­zah­ler die Party.

  2. Muss natür­lich heißen:
    Aber wahr­schein­lich sind wir wirk­lich erst bereit, uns zu wehren, wenn die Juso-Antifa mit dem Base­ball-Schlä­ger zuhaut.

  3. Ich nehme mal Bert Brechts „Fragen eines lesen­den Arbei­ters”

    Wer baute das sie­ben­to­rige Theben?
    In den Büchern stehen die Namen von Königen.
    Haben die Könige die Fels­bro­cken her­bei­ge­schleppt?
    Und das mehr­mals zer­störte Babylon

    Wer baute es so viele Male auf?
    In welchen Häusern des gold­strah­len­den Limas wohnten die Bau­leute?
    Wohin gingen an dem Abend, wo die Chi­ne­si­sche Mauer fertig war die Maurer?
    Das große Rom ist voll von Tri­umph­bö­gen. Wer errich­tete sie?

    Über wen tri­um­phier­ten die Cäsaren?
    Hatte das viel­be­sun­gene Byzanz nur Paläste für seine Bewoh­ner?
    Selbst in dem sagen­haf­ten Atlan­tis brüll­ten in der Nacht, wo das Meer es ver­schlang
    Die Ersau­fen­den nach ihren Sklaven.

    Der junge Alex­an­der eroberte Indien.
    Er allein?
    Cäsar schlug die Gallier.
    Hatte er nicht wenigs­tens einen Koch bei sich?

    Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte unter­ge­gan­gen war. Weinte sonst niemand?
    Fried­rich der Zweite siegte im Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg.
    Wer siegte außer ihm?
    Jede Seite ein Sieg.

    Wer kochte den Sie­ges­schmaus?
    Alle zehn Jahre ein großer Mann.
    Wer bezahlte die Spesen?
    So viele Berichte. So viele Fragen.

    Na ja, wenn die Sozen sagen, dass Europa die Antwort ist, dann hat sich das ja.

    Im übrigen findet sich in Erfurt (eine sehens­werte Stadt) auf dem ega-Gelände (Erfur­ter Gar­ten­bau­aus­stel­lung) auch die pas­sende, über­le­bens­große Bron­ze­sta­tue „lesen­der Arbei­ter” (Ludwig Engel­hardt, 1961). Dazu eine kleine Anek­dote mei­ner­seits: 2006 während der WM hatte ich mit meiner 16-jäh­ri­gen Tochter eine Städ­te­reise in Thü­rin­gen und Sachsen gemacht. Wir besuch­ten in Erfurt den ega-Park. Als ich die Statue von weitem sah, sagte ich meiner Tochter: „Geh mal hin. Das ist ein lesen­der Arbei­ter.” Vorher hatten wir schon die Trak­to­ris­tin und andere gesehen. Als sie nach­ge­schaut hatte, fragte sie mich ver­blüfft:” Papa, woher hast Du das gewusst?” Ich habe ihr dann kurz etwas über den sozia­lis­ti­schen Rea­lis­mus erzählt.
    Sozia­lis­ten jeder Couleur sind so erbärm­lich bere­chen­bar. Man weiß immer schon, was als nächs­tes kommt und könnte sich eigent­lich dagegen feien.
    Aber wahr­schein­lich sind wirk­lich erst bereit, uns zu wehren, wenn die Juso-Antifa mit dem Base­ball-Schlä­ger zuhaut.
    Was das mit Schön­heit zu tun hat? Frage ich mich auch, da mög­li­cher­weise phy­si­ka­li­sche Formeln nach Ein­stein ästhe­tisch sein mögen (Phy­si­ker sind oft auch gute Musiker wie z.B. Ein­stein), Politik aber aus­schließ­lich und nur Inter­es­sen ver­folgt.
    Und die EU-Inter­es­sen, bzw. die Inter­es­sen derer, die die EU aus­bauen wollen, sind nur Inter­es­sen. Schön­heit in dem Sinne finde ich z.B. in Werken der euro­päi­schen Archi­tek­tur, der bil­den­den Kunst, der Musik oder der Wis­sen­schaft. Da gab es über mehr als 1000 Jahre eine frucht­bare Wech­sel­wir­kung. Goti­sche Kathe­dra­len in Deutsch­land, Dürer in Italien, Händel in England, eng­li­sche Land­schafts­gär­ten auf dem gesam­ten Kon­ti­nent… Die Liste lässt sich ver­län­gern. Politik war nie dabei, ist nicht dabei und wird nicht dabei sein.

  4. Auf der Suche nach einem gemein­sa­men Nenner für das Tohu­wa­bohu fällt mir fol­gen­des ein: 1. Die Bevöl­ke­rungs­ex­plo­sion in der III.Welt und ins­be­son­dere in Afrika ist nicht lösbar, es sei denn mit dik­ta­to­ri­schen Maß­nah­men.
    2. Das lang­same Abster­ben der Bevöl­ke­run­gen
    der Indus­trie­staa­ten kann nicht auf­ge­hal­ten werden, es sein denn mit der Wie­der­ein­füh­rung archai­scher Lebens­wei­sen.
    3. Die Aus­wir­kun­gen der Mensch­heit auf den Globus (Umwelt) können nicht ver­hin­dert, wohl auch kaum ver­klei­nert werden.(Bevölkerungswachstum, fort­schrei­tende Indus­tria­li­sie­rung) es sei denn durch eine Welt­dik­ta­tur.
    Die­je­ni­gen, die diese Ent­wick­lung auf­hal­ten wollen, liegen genauso falsch, wie die­je­ni­gen, die vor­ge­ben Lösun­gen zu kennen.
    Gemein­sam ist beiden nur die ver­ständ­li­che Hys­te­rie.

  5. Besser kann man es nicht for­mu­lie­ren:
    „Es gibt keine „tra­gen­den Wände“, die als solche gekenn­zeich­net sind. Wir werden jedoch merken, dass die letzte Wand eine tra­gende war. Der Hammer wird in Berlin geschwun­gen […].“
    Eine der tra­gen­den Wände wurde bereits von Berlin zu 99 Prozent zer­stört: die Mei­nungs­frei­heit.

  6. Die EU hat sich weit von der Idee ihrer Grün­der­vä­ter ent­fernt, der eines frei­wil­li­gen Zusam­men­schlu­ßes euro­päi­scher Staaten, die durch Bün­de­lung ihrer Kräfte Vor­teile erwirt­schaf­ten, die dem ein­zel­nen Mit­glied des Staa­ten­ver­bun­des zum Vorteil gerei­chen. Mitt­ler­weile hat sich daraus ein eigen­mäch­ti­ges Gebilde her­aus­ge­schält, daß das ideo­lo­gi­sche Ziel der Auf­lö­sung aller Natio­nal­staa­ten ver­folgt, um ein euro­päi­sches Umver­tei­lungs­or­gan zu eta­blie­ren, in dem die euro­päi­sche arbei­tende Bevöl­ke­rung den stän­di­gen Nach­schub aus mus­li­misch- und afri­ka­ni­scher Welt ver­sor­gen soll. Ich muß nicht extra erwäh­nen, daß das ganze damit ver­bun­dene Öko­mär­chen aus­schließ­lich der Akzep­tanz der Migra­tion gegen­über der euro­päi­schen Bevöl­ke­rung dient. Euro­päer haben Schuld an der Aus­beu­tung der dritten Welt, sind Umwelt­schweine, müssen bestraft werden. Der Ablaß, der Schul­der­laß, sind Migran­ten. Eine christ­li­che Vor­stel­lung, der sich unsere Kir­chen­obers­ten gerne anschlos­sen, Hal­le­luja! Egal was wir auf­neh­men, nach 14 Tage hat Afrika eine neue Mil­lio­nen CO2-Abdrü­cke geboren. Ein öko­lo­gi­sches Desas­ter, nach grüner Dik­ti­tion. CO2 wird in unserer Hal­tungs­dik­ta­tur nur dort skan­da­li­siert, wo es zur Zer­stö­rung der ein­hei­mi­schen Indus­trie führt. ( ein wei­te­rer Pro­gramm­punkt grüner Politik) Die Alt­par­teien wollen a l l e die Befug­nisse dieser EU aus­bauen. Man ist für Migra­tion, für die CO2-Steuer, um damit die bereits jetzt fal­len­den Steu­er­ein­nah­men, die für die teuren Hobbys Migra­tion und EU-Finan­zie­rung benö­tigt werden, kom­pen­sie­ren zu können. Nicht mehr alle Stimmen des Euro­pa­rats sollen bei Ent­schei­dun­gen nötig sein, sondern nur noch eine Mehr­heit, was bedeu­tet, daß wir schnel­ler über­stimmt werden können, auch dafür stehen alle Alt­par­teien, und auch dafür bezah­len wir jede Menge Geld. Die ideo­lo­gi­sche Ver­blen­dung und Blöd­heit der Poli­ti­ker nimmt ihren Lauf und ständig zu. Bereits im deut­schen Bun­des­tag bestim­men Men­schen mit abge­bro­che­ner Berufs­aus­bil­dung oder reine Poli­ti­ker( d.h. null Berufs­aus­bil­dung) Deutsch­lands Belange. Sie werden nicht nach Kom­pe­tenz, sondern auf­grund ideo­lo­gi­scher Stand­fes­tig­keit von ihrer Partei unde­mo­kra­tisch auf Lis­ten­plätze und in Aus­schüs­sen ver­teilt. Die­je­ni­gen, die diesen Pfeifen inkom­pe­tent erschei­nen, werden nach Brüssel abser­viert. Es ist ein Elend, kein Wunder, daß selbst Ober­ideo­loge Juncker ständig zur Flasche griff!

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