Während Grüne und Linke einen Recht­sruck im Land zu erken­nen glauben, die Regierung aus Union und SPD in aufgeregten Alarmis­mus ver­fällt und die verbliebene bürg­er­liche Mitte sich mehr und mehr darüber wun­dert, wozu man in ein­er Mark­twirtschaft eigentlich so viel Reg­ulierung braucht und wozu Min­is­terin Gif­fey jet­zt auch noch ein „Gesetz zur Förderung der Demokratie“ aufs Gleis set­zen will – während die deutsche Poli­tik also mit Selb­st­lob, Nabelschau und Spiegelfechtereien beschäftigt ist, klopfen im sich langsam mit Wass­er fül­len­den Maschi­nen­raum der europäis­chen Wirtschaft (genauer: der Finanzwirtschaft) die Heiz­er mit Schürhak­en von unten gegen das Ball­saal-Deck der “MS Europa”, wo sich das Pub­likum darum stre­it­et, wer beim Unter­gang links und wer rechts sitzen solle und mit wem man auf keinen Fall jemals gemein­sam unterzuge­hen gedenke. Wir haben näm­lich in der Tat noch Prob­leme im Land und der EU, die sich nicht mit einem Hash­tag, einem Gratiskonz­ert oder ein­er „bre­it­en gesellschaftlichen Ini­tia­tive“ beseit­i­gen lassen. Renten­lücke? Pflegenot­stand? Sich­er, das alles drückt. Aber es kommt wohl noch dick­er und schneller, als wir denken – und zwar auf ein­er Baustelle, die von der Poli­tik bere­its als erledigt gekennze­ich­net wurde: unsere Währung und das Eurosys­tem als Ganzes.

Der Nei­gung des Men­schen, einen als pos­i­tiv emp­fun­de­nen oder auch nur einge­bilde­ten Ist-Zus­tand gedanklich in die Ewigkeit zu ver­längern, ver­danken wir einige der kurios­es­ten Aus­sagen von Poli­tik­ern und Medi­en­vertretern. „Deutsch­land ist ein reich­es Land“ ist so eine, eben­so “das Kli­ma muss bleiben wie es ist”, „die EU wird immer enger und bess­er“, “Griechen­land ist gerettet” oder „wir schaf­fen das“. Doch das sind let­ztlich nichts als Glaubenssätze – zunächst soll man daran glauben, während am Ende immer jemand dran glauben muss. Wer etwa glaubt, Draghis „What­ev­er it takes“ von 2012 sei das finale Macht­wort zur Sta­bil­ität des Eurosys­tems gewe­sen, der sollte hier aufhören zu lesen. Denn pos­i­tiv­er wird es ab jet­zt nicht mehr. Und zwar nicht nur im Text, son­dern auch in der Realität.

Währungskollaps – ein Problem der Anderen?

Wer die Nachricht­en der let­zten Wochen und Monate bezüglich des Währungsver­falls in Venezuela oder der Türkei betra­chtet, ganz gle­ich wie ver­schieden die Ursachen auch sein mögen, dessen Hand legt sich sofort beruhigt auf die eigene Brief­tasche und man denkt “wie gut, dass wir den Euro haben”, denn der ist ja sta­bil und sich­er. Vor allem gerettet, wie es scheint. Immer wieder. Wirtschaft­skrise, Bankenkrise, Eurokrise, Staatss­chuldenkrise in Griechen­land, Irland, Spanien, Ital­ien, wieder Griechen­land… aber jet­zt sei alles gut, meint das fiskale Spitzen­per­son­al, speziell unsere bei­den schwarzen Nullen Schäu­ble und sein Nach­fol­ger Scholz. Doch selb­st eine Ming-Vase ist eine solide Sache, sog­ar dann noch wenn sie fällt. Der Fall ist nicht das Prob­lem, lediglich der Auf­prall macht uns Sor­gen. Und der ste­ht uns im Euro mit aller­größter Wahrschein­lichkeit noch bevor.

Mein Wirtschaftsver­ständ­nis neigt sich, auch wenn ich kein Ökonom, son­dern nur ein Fan der Logik bin, eher den Erken­nt­nis­sen von Mis­es und Hayek zu, die eben ger­ade nicht dem Tur­bo- und Staatskap­i­tal­is­mus das Wort rede­ten, son­dern ein­er Mark­twirtschaft, die ökonomis­chen Geset­zen gehorcht und sich Regeln gibt, deren Ein­hal­tung der Staat überwachen hil­ft. Hinge­gen halte ich den heute all­ge­gen­wär­ti­gen Etatismus für das Grundü­bel unser­er Schulden­wirtschaft, genau wie den in der Poli­tik vorherrschen­den Key­ne­sian­is­mus, der besin­nungslose Staat­saus­gaben und Staatsver­schul­dung, aufge­blähte staatliche Struk­turen, Ver­schwen­dung, Tausend-Töpchen-Gün­stlingswirtschaft und fehlgeleit­ete Speku­la­tio­nen erzeugt. Ich war deshalb sehr erfreut, als ich einen Experten-Vor­trag auf YouTube fand, der schlüs­sig all die kleinen Teile, all die Ver­w­er­fun­gen, über die Poli­tik und Medi­en täglich ein­fach hin­wegse­hen, weil sie zu den Prof­i­teuren gehören, zu einem ganzen Bild zusam­men­fasst. Die Symp­tome kon­nte ich zwar auch sehen, für deren Beschrei­bung und Syn­these ver­füge ich aber kaum über das passende Vok­ab­u­lar. Aber dafür ver­weise ich auf den Vor­trag von Dr. Markus Krall weit­er unten.

Sie ken­nen vielle­icht das Gefühl, wenn sich nach inten­siv­er Beschäf­ti­gung mit einem kom­plex­en The­ma auf einen Schlag der Nebel lichtet, alles klar wird und die Murmeln im Kopf, die son­st immer so unwillig klap­perten, eine nach der anderen ein­ras­ten? Die Erken­nt­nisse waren vielle­icht einzeln schon da, nur passten sie nie richtig zusam­men oder man sah die Zusam­men­hänge ein­fach nicht. So etwa kön­nte es ihnen gehen, wenn sie zwar prinzip­iell über Tar­get-Salden, Nul­lzins, EZB, Ret­tungss­chirme, Kred­it­mar­gen und all den gähn-lang­weili­gen Finanzkram Bescheid wis­sen, jedoch noch nie das ganze Bild gese­hen haben. Dr. Markus Krall lässt uns in seinem Vor­trag einen Schritt zurück­treten und das ganze Bild betrachten.

Das Eurosystem und die Einmischung der Politik

Im Video sehen Sie, wie alles enden kön­nte und wohl auch wird, weil die Poli­tik seit Jahren schein­bar besseres zu tun hat, als sich um eine sta­bile (und unab­hängige) Währung zu küm­mern, andere Währun­gen nicht zulässt und den Euro, den sie uns eher unfrei­willig übergestülpt hat, poli­tisch miss­braucht. Krall meint, 2020 kön­nte es so weit sein mit dem Finanzcrash, der dann in der Gewicht­sklasse 1929 kämpft, sobald erst sicht­bar werde, was bere­its vor Jahren durch falsche Weichen­stel­lung einge­treten ist. Mit Blick auf die Brüs­sel­er Bürokratie und deren aus­geprägte Nei­gung zu Ver­tuschung und dreis­ten Lügen (Zitat Junck­er: „Wenn es ernst wird, muss man lügen“) würde ich zwar noch ein oder zwei Jährchen drau­fle­gen und natür­lich genau wie Krall eine Flasche Scham­pus öff­nen, wenn alles ganz anders käme – aber prinzip­iell kön­nte Markus Krall Recht behal­ten und je länger der Absturz noch auf sich warten lässt, umso größer wird die Fall­höhe sein. Im Moment reden wir von der Größenord­nung etwa der Hälfte des seit 1948 anges­parten Volksver­mö­gens, das ver­nichtet würde. Ich höre sie förm­lich scharf Luft holen, liebe Leserin­nen und Leser, mir ging es nicht anders.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hil­ft, zu leben.
(Her­mann Hesse)

Ein dem Sarkas­mus zuneigen­der Men­sch erken­nt natür­lich einen unge­heueren Kol­lat­er­al­nutzen, der einem Absturz aus den lufti­gen Höhen des Euro innewohnt. All die Hash­tag-Ini­tia­tiv­en, Gen­der-Bewe­gun­gen, Wohlfühl­pro­jek­te, Willkom­mens-Stuh­lkreise und ter­tiär­poli­tis­chen Honigschleck­ereien haucht­en ihr Dasein schla­gar­tig aus, sobald die Zitzen von Parteien, Gew­erkschaften, Min­is­te­rien und der EU keine Milch mehr geben. Die ver­s­tum­menden Laut­sprech­er des ali­men­tierten und betreuten “Mean­ing of Life” und ihre Medi­en­ver­stärk­er wür­den, nach­dem sie kurze Zeit laut­stark um ihr Über­leben gebet­telt hät­ten, für den eigentlichen Sound der Krise sor­gen: Stille! Unnötig zu erwäh­nen, dass auch die Attrak­tiv­ität Europas als Ziel und Sied­lungsraum inter­na­tionaler Migra­tiongsströme schla­gar­tig zer­bröseln würde, weil unter dem Regen­bo­gen kein Topf voll Gold mehr auf die Neu-Europäer wartete. So kön­nte sich para­dox­er­weise und auf sehr lange Sicht ein geflügeltes Kan­z­lerin­nen­wort in leicht verän­dert­er Form als wahrhaftig und als Ret­tung Europas erweisen, denn nur weil der Euro scheit­ern wird, kann das Scheit­ern Europas abgewen­det wer­den. Ich sage Europas, nicht der EU, weil diese Organ­i­sa­tion den Crash sich­er nicht über­ste­hen wird. Jeden­falls nicht in ihrer heuti­gen Form.

Eine Ein­schränkung Kralls Szenar­ios und vielle­icht unsere let­zte Hoff­nung um dem kurzfristi­gen Crash zu ent­ge­hen kön­nte sein, dass die Banken in Wirk­lichkeit seit Jahren peni­bel darauf acht­en, wem sie Kred­ite geben und wo sie Kred­itlin­ien zurück­fahren müssen, weil sie jene “Zom­bie-Fir­men” sich­er erken­nen, die sich nur auf­grund der niedri­gen Zin­sen über­haupt noch halb­wegs über Wass­er hal­ten kön­nen. Doch dann fällt Ihnen sich­er ein, dass es sich immer noch um diesel­ben Banken han­delt, die ihnen noch vor zehn Jahren und vor dem let­zten Finanzcrash 2007/2008 Sub-Prime-Dar­lehn in schick­en AAA bew­erteten Derivat­en von Lehman Broth­ers verkauft hät­ten, ohne auch nur mit der Wim­per zu zuck­en. Das die Banken also rechtzeit­ig gegen­s­teuern kön­nen, darf bezweifelt werden.

Zwei Bemerkungen noch

Sie ken­nen das Wort “Banken-Union” sich­er aus Nachricht­ensendun­gen, speziell wenn es um EU-The­men, den vor­preschen­den Macron und die zaud­ernde Kan­z­lerin geht. Eine Europäis­che Banken-Union wäre in den drei Szenar­ien, die Markus Krall gle­ich erwäh­nen wird, der Weg der soge­nan­nte “Sow­jetisierung”. Ein Weg, den die EU-Bürokrat­en offen­sichtlich bere­it sind zu gehen, denn in keine andere Rich­tung gibt es so große Bemühun­gen. Als let­ztes noch eine kleine Eck­zahl, die sie ver­ste­hen wer­den, wenn Sie das Video gese­hen haben: Die mächtig unter Sparzwang und im Feuer ste­hende Deutsche Bank hat im ver­gan­genen Jahr (2017) eine Kosteneinsparung von 3,5% hin­bekom­men. Merken Sie sich bitte diese Zahl. Jet­zt habe ich aber genug Deprim­ieren­des geschrieben, den Rest gibt Ihnen Markus Krall. Film ab!

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Das am Ende erwäh­nte Buch (The Rot­ten Heart of Europe) ist derzeit lei­der ver­grif­f­en. Die Lek­türe von Hen­ryk M. Broders “Die let­zten Tage Europas — wie wir eine gute Idee versenken” ver­mit­telt jedoch einen eben­so guten Ein­druck von dem, was die EU heute ist und was sie Zusam­men­hält: Planwirtschaft!

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20 Kommentare

  1. Wenn man Schum­peter und Kon­tradi­eff glauben darf, und mir scheinen die The­o­rien logisch, dann kommt bald ein wirtschaftlich­er Abschwung. Dann wird es richtig span­nend. Entwed­er die EU drückt dann, wohlmeinend selb­stver­ständlich, die sozial­is­tis­che Plan­wirtschaft durch, oder der ganze Laden fliegt uns um die Ohren. Wom­öglich eine Kom­bi­na­tion aus beidem.

    • Ein Wirtschaft­sraum kann sich nur durch real erzeugten Mehrw­ert über Wass­er hal­ten. Bei pro­duk­tiv­en Bere­ichen wie Bil­dung, Infra­struk­tur, Fortschritt lohnt sich die Investi­tion, weil sie die Pro­duk­tiv­ität und Wertschöp­fung erhöht.

      Weite Teile der EU neigen aber zu kon­sump­tiv­en Aus­gaben. Deutsch­land importiert Mil­lio­nen von Men­schen, die Null Mehrw­ert schaf­fen, aber materielle Pro­duk­te kaufen und Dien­stleis­tun­gen in Anspruch nehmen. Von diesem Han­del prof­i­tieren viele, ange­fan­gen bei der kirch­lichen Sozialin­dus­trie über Ver­mi­eter und Recht­san­wälte bis hin zu Nach­hil­felehrern, Logopä­den, Ther­a­peuten, Zah­närzten, Secu­ri­tykräften, Richtern, Bestat­tern, Gefäng­niswärtern und Bewährungshelfern.

      All diese Dien­stleis­tun­gen bilden zwar ein großes BSP, zumal bei gle­iczeit­igem Geld­druck­en; sie bescheren aber der Gesamt­ge­sellschaft keinen nach­halti­gen Mehrw­ert. Daher sinkt der Wert unser­er Währung zwangsläu­fig. Die Kaufkraft sinkt nicht weil die bösen Kap­i­tal­is­ten den armen Arbeit­er um die Früchte sein­er Mal­oche betrü­gen, wie man uns einre­den will. Son­dern weil den hier Leben­den jeglich­er Leis­tungswille aber­zo­gen wird, auf weniger Wertschöp­fung eine steigende Zahl von Trans­fer­empfängern kommt.

      Gle­ichzeit­ig gewin­nen die Währun­gen funk­tion­ieren­der Wirtschaft­sräume an Wert; siehe Dol­lar und bald auch das Pfund.

  2. Das war ein inter­es­santes Dooms­dayszenario. Ich wollte mich sowieso mal mit der deutschen Geld­blase beschäfti­gen, da passte das. Inhaltlich gibts übri­gens im englis­chsprachi­gen Raum einiges ähn­lich­es Mate­r­i­al, das einen Sys­temzusam­men­bruch vorher­sagt, und das behauptet, entwed­er die “unfund­ed lia­bil­i­ties” oder der Leitzins wären in der gegen­wär­ti­gen Form wed­er halt­bar, noch kön­nte man diese Dinge so anpassen, dass sie halt­bar wür­den. Unfund­ed Lia­bil­i­ties nicht, weil man es nicht ohne große Kol­lat­er­alschä­den an Leib und Leben durch­set­zen kön­nte, Men­schen Ansprüchen wegzunehmen, auf die diese sich ein­gerichtet haben, und den Leitzins kann man nicht heben, weil dann eine zu große Pleit­ewelle fol­gen würde, die man nun schon zu lange aufgeschoben hat. “Kick­ing the can down the road” ist im englis­chsprachi­gen Raum eine häu­fige Beschrei­bung. Was ich jedoch infragestellen würde, ist der Zeit­plan, der im Video vorgestellt wird. So lange es möglich ist, anhand staatlich­er Ein­griffe zu ver­hin­dern, dass es den Crash gibt, wird dies geschehen. Der Preis, zu dem dies erfol­gt, ist halt, dass man den Markt weit­er abschafft. So lange man es aber so ausse­hen lassen kann, als habe alles seine Ord­nung, ste­ht dem Lauf des Sozial­is­mus nichts im Weg, und dieser ist sog­ar erwün­scht, weil man die Unsicher­heit eines großen Crashs gegen eine Art der Sicher­heit ein­tauscht, die zwar jedem im Weg ist und Armut und Inef­fizienz bewirkt, die jedoch nicht unkon­trol­lier­bar ist. Men­schen haben Angst davor, die Kon­trolle über die Ereignisse abzugeben, und sich dem Chaos auszuliefern. Selb­st, wenn das Chaos unterm Strich das kleinere Übel, oder gar pos­i­tiv wäre. Zudem frage ich mich, ob die Berech­nungs­grund­lage des Zeit­plans, und der ver­wen­dete Daten­satz, öffentlich ein­se­hbar sind. Falls nicht, man­gelt es dem Zeit­plan an Nach­prüf­barkeit. Ich finde aber gut, dass der Author ein Buch über schwarze Schwäne und deren Kinder geschrieben hat. (https://en.wikipedia.org/wiki/Black_swan_theory)

    Abge­se­hen davon hätte ich einige inhaltliche Anmerkungen:

    - Im Video wird es so dargestellt, als wäre die Wirtschaft­skrise, die den Führer an die Macht gebracht hat, eine infla­tionäre Krise gewe­sen. Das stimmt aber nicht. Die Wirtschaft­skrise von 1929 nahm in den USA ihren Anfang, und war durch Defla­tion gekennze­ich­net. Sie fing damit an, dass eine jüdis­che Bank (Chrrr, de Jodn!) pleite ging, was einen Bankrun aus­löste, weshalb weit­ere Banken fie­len, was eine Defla­tion aus­löste. Die Defla­tion wurde dadurch ver­schärft, dass die US-Regierung dies für eine gute Gele­gen­heit hielt, ihre Gol­dreser­ven auszuweit­en, indem sie die Geld­menge reduziert. Man dachte sich damals, nach Beratung mit eini­gen bekan­nten östere­ichis­chen Ökonomen, dass es doch mal ne gute Entwick­lung wäre, wenn die schwäch­sten Unternehmen pleite gin­gen, weil es die Vital­ität der Wirtschaft stärkt, wenn Diese liq­ui­diert wür­den. In Sch­land kam es dann wegen des gestiege­nen Dol­lar- und Gold­preis­es zu ein­er Infla­tion, weil die Weimar­er Repub­lik ihre Rech­nun­gen nicht mehr zahlen kon­nte, und deshalb wie blöd Geld druckte. 

    - Am Ende sagt der Typ, die Cui-Bono-Nutznießer der Geld­blase seien Hedge-Fonds und Speku­lanten. Dem möchte ich ener­gis­chst wider­sprechen. Hedge-Fonds und Speku­lanten kön­nen pleite gehen. Diese Aus­sage macht unge­fähr so viel Sinn, wie zu behaupten, bei der Fußball-WM hät­ten diejeni­gen vom Auss­chei­den Sch­lands prof­i­tiert, die im Wet­tbüro eine Wette auf Frankre­ich laufen hat­ten. Wet­ten kann man halt gewin­nen und ver­lieren, aber sie sind unab­hängig vom Ereig­nis, und Sch­land hat die WM ganz gewiss nicht deshalb ver­loren, damit der frankophile Murad nen fet­ten Wettgewinn ein­stre­ichen kann. Mir ist klar, dass der Typ sagt, dass es nicht um Speku­lanten an sich geht, son­dern um diejeni­gen Speku­lanten, die darauf wet­ten, dass sie, falls sie pleite gehen, mit­tels Cor­po­rate Wel­fare gerettet wer­den. Allerd­ings sind diejeni­gen, die damit rech­nen kön­nen, keine Wild­west-Speku­lanten, son­dern eher halb­staatliche Unternehmen, beziehungsweise Unternehmen, die hochgr­a­dig reg­uliert sind, und eng mit dem Staat zusam­me­nar­beit­en. Sofern die Leis­tun­gen von Behör­den beson­ders schlecht sind, erhöht man halt deren Bud­get. Das ist die Logik. Raubtierkap­i­tal­is­mus ist daran unschuldig, und ist eher die Lösung als das Problem.

    Wenn jemand an der Geld­blase gewin­nt, dann sind es Immo­bilienbe­sitzer und Börse­nun­ternehmen. Ganz ein­fach deshalb, weil über­flüs­siges Geld, das nir­gends mit höherem Gewinn direkt investiert wer­den kann, sich nun­mal seinen Weg in Gel­dan­la­gen sucht, die ver­gle­ich­sweise sich­er sind, und die Ren­dite abw­er­fen. Und diese Gel­dan­la­gen find­et man auf dem Aktien- und Immo­bilien­markt. Und natür­lich unpro­duk­tive Arbeit­nehmer, die trotz ihrer Unpro­duk­tiv­ität nicht gefeuert wer­den. Rent­ner und Sozial­hil­feempfänger sind eben­falls Nutznießer der niedri­gen Zin­sen, weil mehr Geld da ist, das man in ihre Rich­tung umverteilen kann. Und der größte Gewin­ner ist der­jenige, der das Geld zuerst aus­gibt, weil eine Ausweitung der Geld­menge ja einen Ver­lust der Kaufkraft bewirkt, und für ihn das Geld mehr Kaufkraft hat, als für alle Mark­t­teil­nehmer danach. Den erken­nt man am Gießkännchen.

    Weshalb Speku­lanten, die lediglich Wet­ten abschließen, die man gewin­nen oder ver­lieren kann, als Nutznießer genan­nt wur­den, erschließt sich mir nicht. Das ist wohl so ne kog­ni­tive Dis­so­nanz, bei der von allen Seit­en Recht­fer­ti­gun­gen und Sün­den­böcke zum Ein­satz kom­men. Früher warens die Finanzju­den, heute sinds die Speku­lanten. So ver­mei­det man die Ein­sicht, dass das, was man für gut und richtig hält, falsch und schädlich ist.

    - Der Typ zeigt drei grobe Szenar­ien auf, von denen Eins “Sovi­etisierung” heißt, während die bei­den Anderen zu einem Reset führen. Er wollte wohl sehr gründlich sein, und auch mögliche Alter­na­tiv­en zur alter­na­tivlosen Sovi­etisierung aufzeigen. Dies finde ich löblich, auch wenn wir alle wis­sen, dass es keine dieser zwei Alter­na­tiv­en sein wird.

    - Ich weiß nun, warum sich Papa Staat nicht darum küm­mert, dass die Rente in ein Paar Jahren nicht mehr finanzier­bar sein wird. Er rech­net halt mit Infla­tion. Wenn ein belegtes Brötchen 50€ kostet, kann man die ent­stande­nen Renten­forderun­gen aus der Por­tokasse begle­ichen, und sog­ar noch großzügig Renten­steigerun­gen beschließen. Freut Euch, Ihr werdet alle nom­i­nal viel mehr Rente kriegen, als befürchtet! Her­zlichen Glückwunsch!

    - Zum Abschluss noch etwas Abschwei­fung und eine Ver­schwörungs­the­o­rie: Mal angenom­men, das Banken­sys­tem fällt, die Geld­blase platzt, und die Hälfte des gesamten seit 1948 ange­häuften Volksver­mö­gens ist weg… Naja, das würde doch soziale Über­w­er­fun­gen verur­sachen. Bei solchen Währungskrisen ster­ben Men­schen wie die Fliegen. Und man kann dur­chaus behaupten, der Staat sei Schuld daran. Wäre es, so rein mac­chi­avel­lis­tisch betra­chtet, aus Legit­im­itäts­grün­den, nicht dur­chaus prak­tisch, wenn es dann einen äußeren Feind gibt, zu dessen Bekämp­fung man den Staat braucht? Sowas wie mar­o­dierende Flüchtlinge, die mar­o­dieren, weil ihre zahlre­ichen Kinder ver­hungern, seit­dem ihnen die Sozial­hil­fe gestrichen wurde? Das wäre doch bil­liger als ein richtiger Krieg, wenn es darum geht, die eigene Macht­ba­sis mit­tels Not­stands­maß­nah­men zu behal­ten und auszuweiten.

    Dies ist jet­zt der Punkt, an dem ich fra­gen muss, ob es eigentlich ille­gal wäre, eine Wette darüber abzuschließen, ob sich aus ein­er solchen Sit­u­a­tion, die irgend­wann ein­treten muss, ein Genozid entwick­elt. Falls dies nicht ille­gal ist, würde ich näm­lich drei Hüh­n­er und eine Kiste Äpfel darauf set­zen, dass es zu einem solchen kommt. Min­destens jedoch zu Vertrei­bun­gen mit Todesmärschen, und hohem Body­count im Ziel­ge­bi­et. Möchte jemand dage­gen wetten?

    • Kurze Antwort auf Dein (hier nicht freigegebenes) Feed­back (weil OT): Das war eher ein Exper­i­ment. Ich behalte das alte Design vor­erst bei. Und Suche… die find­et Du ganz oben unter dem Twitter-Link. 😉

    • > Sowas wie mar­o­dierende Flüchtlinge, die mar­o­dieren, weil ihre zahlre­ichen Kinder ver­hungern, seit­dem ihnen die Sozial­hil­fe gestrichen wurde? Das wäre doch bil­liger als ein richtiger Krieg, wenn es darum geht, die eigene Macht­ba­sis mit­tels Not­stands­maß­nah­men zu behal­ten und auszuweiten.

      M.E. gibt es dazu Ver­schiedenes zu sagen. 

      > äußeren Feind

      Der waere dann schon rein oertlich ein Inner­er. Die damit allein ver­bun­de­nen Prob­leme machen diesen Krieg wohl schon in mehrfach­er Hin­sicht teur­er als Ein­er weit weg.

      > Sowas wie mar­o­dierende Flüchtlinge, die mar­o­dieren, weil ihre zahlre­ichen Kinder ver­hungern, seit­dem ihnen die Sozial­hil­fe gestrichen wurde?

      Mar­o­dieren wer­den die jet­zt hier­her geschick­ten Zweit- Dritt- und weit­eren Soehne der gegen­waer­ti­gen Gen­er­a­tion, gefuehrt von mil­i­taerisch oder para­mil­i­taerisch geschul­tem Per­son­al, welch­es sich schon seit Oeff­nung der Gren­zen und auch vorher hier­her bewegt hat. Gelingt denen noch ein Dach z.b. unter ein­er geeigneten Reli­gion wird es wed­er mit bil­liger noch teur­er Kriegs­fuehrung etwas. Sollte das Ganze weit­er in der Zukun­ft passieren, kom­men die dann hier Neuge­bore­nen dazu. Die notwendi­ge Aggre­siv­i­taet und Selb­st­be­gru­en­dung ist latent und auch man­i­festiert jet­zt schon prob­lem­los sicht­bar, ganz ohne gestrich­ene Sozial­hil­fe (im Gegen­teil — trotz ueber­pro­por­tion­al Fliessender). Nur der Organ­i­sa­tion­s­grad fehlt noch. M.E. uebri­gens das einzige Pfund — Staat ist tra­di­tionell ein schwach­er Punkt der trib­al gepraegten Klien­tel, von der hier gesprochen wird. Dum­mer­weise schwaecht sich der Staat i.M. auch hier.

      > Vertrei­bun­gen mit Todesmärschen

      Wort­wahl des ersten und die Verbindung mit dem zweit­en Begriff halte ich fuer zumin­d­est polemisch. Denn das RUECKFUEHRUNGEN bei den sich gegen­waer­tig entwick­el­nden Zahlen eine der unmit­tel­baren Fol­gekon­se­quen­zen ein­er erre­icht­en Gren­zschlies­sung (notwendig, aber auch erst ein­mal zu real­isieren) sein muessen, erscheint mir zwin­gend. Vertrei­bun­gen sind das deswe­gen nicht. Wie das inhaltlich ausse­hen wird, haengt auch davon ab, wie weit sich die Lage weit­er zus­pitzen kann. Und das laesst sich ganz sim­pel in ver­stre­ichen­der Zeit unter Beibehal­tung der gegen­waer­ti­gen Randbe­din­gun­gen messen. Gegen­waer­tig greift ja in D nicht ein­mal die Min­i­malan­forderung nach ein­er Ent­fer­nung des Pullfaktors.

      • Ich ver­suche mal zu begrün­den, weshalb ich denke, dass sich die Sit­u­a­tion zu einem Genozid entwick­eln wird. Ich nehme dabei Abstand von allen poli­tis­chen Erk­lärun­gen, weil ich diese für unzure­ichend und ober­fläch­lich halte. Sollte der Ein­druck entste­hen, als würde ich einen Genozid für eine gute Idee hal­ten, von der ich jeman­den überzeu­gen möchte, so hängt dies damit zusam­men, dass Dinge, die wie eine gute Idee klin­gen, mit der man Men­schen überzeu­gen kann, wahrschein­lich imple­men­tiert wer­den. Abge­se­hen davon wären alle anderen Argu­men­ta­tion­sstrate­gien lang­weilig, und wür­den die Länge dieses Texts ins End­lose ziehen.

        > > äußeren Feind
        > Der waere dann schon rein oert­lich ein Inner­er. Die damit allein ver­bun­de­nen Pro­bleme machen diesen Krieg wohl schon in mehr­fa­cher Hin­sicht teur­er als Ein­er weit weg.

        Nee, das wäre ein Äußer­er. Als die Wehrma­cht in Rus­s­land war, war sie auch rein örtlich in Rus­s­land, und den­noch kein inner­er Feind. Inner­er Feind waren Defätis­ten und Reak­tionäre, die man nicht ein­fach so von den eige­nen Leuten unter­schei­den kon­nte. Wenn man nen Feind anhand von irgendwelchen Merk­malen — Sprache, Ausse­hen, etc. — von den eige­nen Leuten unter­schei­den kann, und es zu Kampfhand­lun­gen kommt, organ­isiert man sich so um, dass er zu einem äußeren Feind wird. Die Weiße Armee war auch der äußere Feind der Roten Armee, obwohl bei­de rus­sisch waren, auf rus­sis­chem Gebi­et operierten, und Rück­halt und Fam­i­lie in der Zivil­bevölkerung hat­ten, und deren Fam­i­lien seit Gen­er­a­tio­nen in direk­ter Nach­barschaft lebten.

        > Maro­die­ren wer­den die jet­zt hier­her geschick­ten Zweit- Dritt- und wei­te­ren Soehne der gegen­wa­er­ti­gen Gene­ra­tion, gefuehrt von mili­tae­risch oder para­mi­li­tae­risch geschul­tem Per­so­nal, welch­es sich schon seit Oeff­nung der Gren­zen und auch vorher hier­her bewegt hat.

        Die mögen zwar den Vorteil genießen, dass sie nicht so ver­we­ich­licht sind, wie im hiesi­gen Sprachraum aufgewach­sene Men­schen, aber mit Entschlossen­heit alleine kommt man im großen Maßstab nicht weit­er. Es wäre nicht teuer, mit der Bekämp­fung zu begin­nen, sofern man auf solche Höflichkeit­en wie die Beach­tung der Men­schen­rechte verzichtet. Über­leg mal: Die sind in aushunger­baren Bal­lungs­ge­bi­eten konzen­tri­ert, sind weitest­ge­hend unbe­waffnet, sind tech­nol­o­gisch weitest­ge­hend unfähig, ver­fü­gen über keine eigene leis­tungs­fähige Infra­struk­tur, und so weit­er. Krieg gewin­nt man mit­tels Infra­struk­tur, Tech­nolo­gie, und über­legen­er Bewaffnung. In dieser Rei­hen­folge. Soll­ten die zum Feind erk­lärt wer­den, hät­ten die ihrer Bekämp­fung nichts ent­ge­gen­zuset­zen. Und soll­ten die sich in ihrer Rolle des Unter­wor­fe­nen dann nicht ein­find­en, oder die Masse als Deck­ung nutzen, kön­nte man diese Deck­ung ein­fach zusam­men­schießen, genau so, wie mans in Sri Lan­ka gemacht hat, als man die Tamil Tigers bekämpfte. Was übri­gens eine funk­tion­ierende Sch­ablone dafür ist, wie man von der Bevölkerung unter­stützten Ter­ror­is­mus kosten­ef­fek­tiv bekämpfen kann. Ist grausam, aber es funktioniert.

        Was den West­en bish­er an solchen Din­gen gehin­dert hat, ist, dass es bei den Nach­barn und den Ver­bün­de­ten keinen guten Ein­druck gemacht hätte. Hässliche Bilder, und vielle­icht auch darauf­fol­gende Sank­tio­nen. Angesichts der Bevölkerungsen­twick­lung im West­en eben­so wie in der drit­ten Welt, ist die Angst vor den hässlichen Bildern aber etwas, das man able­gen wird, weil man sich son­st von dem­jeni­gen, der es auf hässliche Bilder ankom­men lässt, erpress­bar macht. Und Sank­tio­nen sind auch eher zahn­los, wenn der Sank­tion­ierende selb­st pleite ist, und er sich um eigene Prob­leme küm­mern muss.

        Sobald das wegfällt, gibts dann nie­man­den mehr, der sich an hässlichen Bildern stört, oder der in der Posi­tion wäre, Sank­tio­nen ver­hän­gen zu kön­nen. In Sri Lankas Umge­bung störte sich auch nie­mand daran, dass die alle Tamilen in ein­er kleinen Green-Zone konzen­tri­erten, alles außer­halb zu ein­er Kill-Zone macht­en, und die Green-Zone mehrfach verklein­erten, und diese mit Artillerie beschossen, sobald darin jemand auf­muck­te. Außer­halb der Green Zone lagen, nach­dem sich die Lage beruhigt hat­te, last­wa­gen­weise nack­te, ver­we­sende, weib­liche Leichen herum. Wenn man die Region heute besucht, find­et man an jed­er Ecke Frauen, die sagen, sie seien damals verge­waltigt wor­den, und bei einem Großteil der Bevölkerung ist eine post­trau­ma­tis­che Belas­tungsstörung fest­stell­bar. Aber man find­et eben keine Tamil Tigers mehr, die noch vor eini­gen Jahren eine größere und schlagkräftigere Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion als Al Qae­da zu deren Hochzeit­en im Irak war.

        > Maro­die­ren wer­den die jet­zt hier­her geschick­ten Zweit- Dritt- und wei­te­ren Soehne der gegen­wa­er­ti­gen Gene­ra­tion, gefuehrt von mili­tae­risch oder para­mi­li­tae­risch geschul­tem Per­so­nal, welch­es sich schon seit Oeff­nung der Gren­zen und auch vorher hier­her bewegt hat. Gelingt denen noch ein Dach z.b. unter ein­er geeig­ne­ten Reli­gion wird es wed­er mit bil­li­ger noch teur­er Kriegs­fueh­rung etwas. Sollte das Ganze weit­er in der Zukun­ft pas­sie­ren, kom­men die dann hier Neu­ge­bo­re­nen dazu.

        Denk mal amoralisch. Tu so, als würdest Du Mas­ters of Ori­on spie­len. Genozid ist ein tech­nis­ches Ver­fahren zur Lösung eines Prob­lems. Wie lautet das Problem?

        > Denn das RUECKFUEHRUNGEN bei den sich gegen­waer­tig entwick­el­nden Zahlen eine der unmit­tel­baren Fol­gekon­se­quen­zen ein­er erre­icht­en Gren­zschlies­sung (notwendig, aber auch erst ein­mal zu real­isieren) sein muessen, erscheint mir zwingend. 

        Rück­führun­gen wohin? Wohin willst Du jeman­den zurück­führen, dessen Iden­tität ungek­lärt und wahrschein­lich frei erfun­den ist, und dessen vorge­blich­es Heimat­land ihn aus diesem Grund nicht haben will? Oder, der hie geboren wurde, und deshalb keine “Heimat” hat, in die man ihn abschieben kann. Mal ganz abge­se­hen davon, dass die Heimatlän­der jet­zt schon mit den Fol­gen der Über­bevölkerung zu kämpfen haben, und deshalb selb­st auch keine unin­te­grier­baren Flüchtlinge haben wollen. Klingt das für Dich nach einem ungelösten Prob­lem? Wie meinst Du, wird sich dieses Prob­lem entwick­eln, wenn man die Heimatlän­der nicht mehr mit Entwick­lungs­geldern bestechen kann, weil man selb­st pleite ist?

        Als ich das Wort “Todesmärsche” gebrauchte, war das keine polemis­che Anspielung auf Abschiebun­gen. Todesmärsche sind lange Märsche ohne Nahrungsver­sorgung, auf denen die Beteiligten ihre Kalo­rien­re­ser­ven so lange ver­bren­nen, bis sie liegen bleiben. In der Ver­gan­gen­heit wur­den Todesmärsche einge­set­zt, wenn man mehr Men­schen loswer­den wollte, als man Unter­bringungsplätze hat­te. Man wählte Todesmärsche, weil diese ziem­lich friedlich und unspek­tat­ulär ablaufen, da die Men­schen zuerst denken, es wäre eine ganz nor­male Ver­legung, und ihnen später die notwendi­gen Kalo­rien zur Gegen­wehr fehlen. Abge­se­hen davon hat man, während lang anhal­tender kör­per­lich­er Anstren­gung, zwar kein Hungerge­fühl, die kog­ni­tive Leis­tung lässt aber nach. Das Gehirn ver­bren­nt nor­maler­weise auss­chließlich Glu­cose, und funk­tion­iert schlechter, wenn der Stof­fwech­sel auf die Ver­bren­nung von Fett oder Pro­tein umgestellt wird. Man marschiert also ein­fach stumpf so lange weit­er, bis man umfällt und im Straßen­graben liegen bleibt, und real­isiert gar nicht, dass damit der wahre Bes­tim­mung­sort erre­icht ist.

        Nochmal: Für welch­es Prob­lem wäre dieses tech­nis­che Ver­fahren eine Lösung? Denk amoralisch.

        > Wie das inhalt­lich aus­se­hen wird, haengt auch davon ab, wie weit sich die Lage weit­er zuspit­zen kann. Und das laesst sich ganz sim­pel in ver­strei­chen­der Zeit unter Bei­be­hal­tung der gegen­wa­er­ti­gen Rand­be­din­gun­gen messen. Gegen­wa­er­tig greift ja in D nicht ein­mal die Mini­mal­an­for­de­rung nach ein­er Ent­fer­nung des Pullfaktors.

        Ich per­sön­lich hab gute Erfahrun­gen damit gemacht, das, was man als “Gesellschaft” beze­ich­net als ein kom­plex­es Sys­tem zu betra­cht­en. Damit meine ich die Mathematische/Systemtheoretische Def­i­n­i­tion. Eine Eigen­schaft Kom­plex­er Sys­teme ist, dass sie sich nicht lin­ear entwick­eln, son­dern sie plöt­zlich auf unvorherse­hbare Weise umschla­gen kön­nen, und sie sich danach auf einem neuen Gle­ichgewicht ein­pen­deln. “But­ter­fly Effect” nen­nt man dies. Oder auch “Black Swans”. Let­zteres sind Ereignisse mit durch­schla­gen­den Fol­gen, die auf­grund ihrer Unwahrschein­lichkeit, nicht vorherse­hbar sind. Es gibt aber so viele mögliche Black Swan Ereignisse, dass irgen­deins davon ständig ein­tritt. Wenn man sehr viele kleine Zahlen aufad­diert, kommt irgend­wann eine große Zahl her­aus. Let­zteres ist die Wahrschein­lichkeit, dass eines aus der Unzahl möglich­er Ereignisse ein­tritt, so hoch, dass eines dieser Ereignisse sich­er eintritt. 

        Kom­plexe Sys­teme sind amoralisch. Das Sys­tem “Gesellschaft” inter­essiert sich genau so sehr für die Moralvorstel­lun­gen ihrer Mit­glieder, wie sich ein großer Ameisen­schwarm für die Befind­lichkeit­en der ihn zusam­menset­zen­den Ameisen inter­essiert. Die soll­ten nicht ver­hungern, weil das den Schwarm schwächen würde, also hat die Nahrungsver­sorgung Pri­or­ität. Wenn über­all gefährliche Geschlecht­skrankheit­en lauern, wie während der Zeit vor der vic­to­ri­an­is­chen Sex­ual­moral, bekom­men die Ameisen Keuch­heit als Wert ver­mit­telt, damit sie nicht massen­weise an der Syphillis ster­ben, wie vor der vic­to­ri­an­is­chen Sex­ual­moral geschehen. Nach der Ent­deck­ung vom Peni­cilin fällt der Wert von Keuschheit wieder weg, und die Ameisen dür­fen wieder Spaß bei Orgien haben. Wenn Wirtschaft­sprozesse auf­grund der weitläu­fi­gen Stan­dar­d­isierung von Ameisen viel effizien­ter ablaufen, sofern die Ameisen beson­ders tol­er­ant gegenüber frem­den Ameisen sind, wird Tol­er­anz als Wert ver­mit­telt. Wenn 50% der weib­lichen Ameisen unpro­duk­tiv sind, man fol­glich die Pro­duk­tiv­ität des Haufens steigern kann, indem man diese Hälfte auch auf den Arbeits­markt wirft, wird Fem­i­nis­mus und Frauen­be­freiung als Wert ver­mit­telt. Sofern es viele Ameisen mit ungenutztem Poten­zial gibt, die auf­grund irgendwelch­er Attribute aus­geschlossen wer­den, wird Inklu­sion als Wert ver­mit­telt. Gewaltverzicht in indi­vidu­ellen Ameisen ist prak­tisch, wenn man ein funk­tion­ieren­des Gewalt­monopol haben will, gle­ichzeit­ig aber auch die Ressourcen min­imieren will, die die unpro­duk­tiv­en Kriegerdrohnen ver­schlin­gen. Also ver­mit­telt man Gewaltverzicht. 

        Welche Werte wür­den ver­mit­telt wer­den, wenn der Ameisen­haufen von innen her­aus von einem anderen Ameisen­haufen aufge­fressen wird? Welche Werte würdest Du ver­mit­teln, wenn Du ein amoralis­ch­er Ameisen­haufen in dieser Sit­u­a­tion wärst? Anzunehmen, dass diese Werte nicht genozi­dal sind, würde mein­er Mei­n­ung nach behaupten, dass dieser Ameisen­haufen seine Fähigkeit ver­loren hat, sich auf eine sich verän­dernde Umwelt einzustellen. Und dage­gen spricht zumin­d­est die Tat­sache, dass er noch existiert.

        BTW, eine inter­es­sante Betra­ch­tungsweise, die jet­zt nichts mit dem The­ma zu tun hat, ist, dass die von mir genan­nten Ameisen­haufen­werte linke Werte sind. Außer Keuschheit, aber ich glaube, diejeni­gen, die diese früher so extrem gefordert haben, wären, von ihrer psy­chis­chen Beschaf­fen­heit her, heute links. Ich hab hier ja schon mal die Linken als die Extrem­is­ten unser­er “Gesellschaft”, und zeit­gle­ich deren größten Opfer, beze­ich­net. Das meinte ich damit. Ich betra­chte Linke als Über­sozial­isiert, beziehungsweise als Extrem­sozial­isiert, und sehe das, was sie haben wollen, als die reine Aus­prä­gung dessen, woraufhin sich unser Ameisen­haufen zube­wegt. Sie sind die Avan­gardis­ten, bei denen sich die Sozial­isierung ihres Ameisen­haufens voll ent­fal­tet. Eben­so wie der islamis­che Staat die rein­ste Aus­prä­gung dessen ist, woraufhin sich der islamis­che Ameisen­haufen zube­wegt. Bei­de sind in den Werten ihrer jew­eili­gen Ameisen­haufen Über­sozial­isiert, und lassen dadurch sehr deut­lich erken­nen, in welche Rich­tung sozial­isiert wird.

        Linke Gewalt ist übri­gens kein Gege­nar­gu­ment, weil das Gebot des Gewaltverzichts unter allen Umstän­den, eben­so wie das Gebot der Keuschheit unter allen Umstän­den, psy­chis­che Prob­leme verur­sacht, die irgend­wie kom­pen­siert wer­den müssen. Linke Gewalt richtet sich auch nicht gegen den Ameisen­haufen an sich, son­dern gegen die, aus link­er Sicht, regres­sive Ele­mente des Ameisen­haufens, die den Ameisen­haufen in seinem Fortschritt behin­dern. Das Gewaltverzicht­sar­gu­ment wird auch kom­plett weg­fall­en, sobald der Ameisen­haufen dadurch größere Vorteile hat, als es Kosten verur­sacht. Siehe zum Beispiel die total durch­mil­i­tarisierte preußis­che Gesellschaft, in der die Duell­bere­itschaft zum guten Ton gehörte, oder die zeit­genös­sis­che islamis­che Gesellschaft, die Frauen, die Sex außer­halb der Gemein­schaft haben, mit Totald­iskri­m­inierung bis Tod bedrohen.

        Falls Du übri­gens denken soll­test, dass Gewaltverzicht in allen Lagen keine psy­chis­chen Prob­leme bewirkt, dann sieh mal zu, wie jemand aus Deinem Umfeld verge­waltigt wird, und unter­drück während­dessen die dann auftre­tenden Impulse. Oder lass Dich selb­st verge­walti­gen. Bei­des wird Dich vom Gegen­teil überzeu­gen. Du würdest hin­ter­her selb­st eine Ther­a­pie brauchen, in der Du weniger bear­beit­en wirst, was geschehen ist, als, dass Du es geschehen lassen hast. Der psy­chis­che Krankheitsver­lauf bei Verge­wal­ti­gun­gen ist schw­er­er, wenn gewalt­same Gegen­wehr unterblieben ist. Gegen­wehr unterbleibt aber häu­fig, weil Instink­te, die sich gewalt­tätig auswirken, heutzu­tage weg­sozial­isiert wer­den. Neben­bei bemerkt wirkt sich dies zum Nachteil einzel­ner Ameisen, und zum Vorteil des Haufens, aus. Der Haufen ist also amoralisch, und inter­essiert sich nicht für die Befind­lichkeit­en von Individuen.

        Wie gesagt, das ist eine inter­es­sante Betrachtungsweise.

        • Die Sys­temthe­o­rie lass ich mal weg, obwohl ich die als Math­e­matik­er recht gut verstehe. 

          Ich habe etwas den Ein­druck, dass du dir in den Kon­se­quenz­be­tra­ch­tun­gen selb­st noch Mut zus­prechen musst, ich habe gar nicht so sehr das Problem 🙂 

          Damit zum Inhalt: In die Ver­wen­dung von ‘auesserem’ oder ‘innerem’ Feind bitte nicht zu viel inter­pretieren. Ich habe das eher prag­ma­tisch in Bezug auf das das ‘teuer’ der erforder­lichen Mass­nah­men gewaehlt. Und im Land befind­liche Geg­n­er haben halt ein paar mehr Moeglichkeit­en Schaden anzuricht­en als von ausser­halb. Damit waeren wir bei deinen Vorteilen:
          Ich bin nicht sich­er, wer ger­ade gegen­waer­tig eine Bewaffnung dieser Leute hier wie ver­hin­dern kann, und dass die der bewaffneten deutschen Kraefte da irgend­wie ueber­legen waeren. Eben­falls sehe ich keine zwin­gend entschei­dende Vorteile an Infra­struk­tur. Teile davon wie z.B. aktuelle Kom­mu­nika­tion­snet­ze wer­den vir­tu­os von allen moeglichen Mit­spiel­ern genutzt.

          > Rück­führun­gen wohin? Wohin willst Du jeman­den zurück­führen, dessen Iden­tität ungek­lärt und wahrschein­lich frei erfun­den ist, 

          Passt jet­zt nicht ganz zu deinen Amoral­i­taets- und Haerte­forderun­gen. Herkun­ft kann schon ermit­telt wer­den, wenn man denn will. Und dazu muss man noch nicht ein­mal zu sehr in Uner­s­priesslich­es abrutschen. Etwas Wis­senschaft und Tech­nik zum auf den Zahn fuehlen genue­gen oft schon (eine Hand­wurzel zu roent­gen sollte dann aber wirk­lich keinen Auf­schrei mehr her­vor­rufen). Investi­tion in die Requirierung und Aus­bil­dung von Leuten mit tief­er­en Ken­nt­nis­sen dieser Gesellschaften und deren sys­tem­a­tis­ch­er Ein­satz in die (Re-)evaluierung erteil­ter Bleibeberech­ti­gun­gen soll­ten weit­ere Wun­der wirken. Speziell wenn entsprechend geset­zlich flankiert.

          > und dessen vorge­blich­es Heimat­land ihn aus diesem Grund nicht haben will?

          Jet­zt kann man langsam mal mit dem Durch­set­zen­muessen begin­nen. Der Durch­set­zung des Wil­lens dieser Heimat­laen­der speist sich aus der Durch­set­zungss­chwaeche z.B. dieses Lan­des hier. Eine geschick­tere Kom­bi­na­tion von Kaufen (also nicht das, was Frau Merkel jet­zt wohl ger­ade ver­sucht) und Pis­tole auf die Brust ist eine Facette. Falls jemand ‘white supre­ma­tists’ nicht von vorn­here­in sus­pekt sind sehe er sich deren Kat­a­loge weich­er Mass­nah­men an, die laen­gere Zeitraeume umfassen. Kern: Aufen­thalt hier unat­trak­tiv machen.

        • “Die Sys­temthe­o­rie lass ich mal weg, obwohl ich die als Math­e­matik­er recht gut verstehe. ”

          Sys­temthe­o­rie, wie man das Wort im Zusam­men­hang mit kom­plex­en Sys­te­men benutzt, ist nicht unbe­d­ingt math­e­ma­tis­ch­er Natur, son­dern beste­ht eher aus eini­gen uni­versell anwend­baren Denkan­sätzen. Aber wenn Du ver­stehst, weshalb ich die Welt lieber als großen Ameisen­haufen oder Agen­ten­sys­tem betra­chte, als jede Angele­gen­heit zu ver­men­schlichen, und in die üblichen Denkmuster zu pressen, finde ich das gut.

          “Ich habe etwas den Ein­druck, dass du dir in den Kon­se­quenz­be­tra­ch­tun­gen selb­st noch Mut zus­prechen musst, ich habe gar nicht so sehr das Problem”

          Ich ver­ste­he nicht, was Du damit sagen willst. Steh ich auf dem Schlauch? 

          “Restlich­er Text”

          Mein Punkt war nicht, dass mar­o­dierende Ban­den eine Chance haben, einen gewalt­samen Umsturz zu bewirken, und deshalb eine pro­por­tionale Gegen­reak­tion erfol­gt. Die haben keine Chance. Mar­o­dierende Ban­den sind vere­inzelte Spin­ner, die gewalt­sam durch­drehen, und die sich eher ein Steak aus ihrem Nach­barn schnei­den wür­den, als den Staat zu stürzen. Die haben wed­er die Waf­fen, noch die Infra­struk­tur, um es mit diesem aufzunehmen, ganz gle­ich, ob mit Dachor­gan­i­sa­tion, oder ohne. In jedem Fall sehe ich bei Dir zwei Denk­fehler: Erstens sche­inst Du nicht zu ver­ste­hen, was die Islamis­ten machen, und zweit­ens irrst Du Dich darüber, wie das Kräftev­er­lält­nis in einem direk­ten Kon­flikt aussähe. Ich führe mal aus:

          1. Die Strate­gie der Islamisten. 

          Der West­en ist für die nur ein Neben­schau­platz. Die haben die Twin Tow­ers ange­grif­f­en, weil sie eine Gegen­reak­tion provozieren woll­ten, die ihre heimis­chen Dik­taturen desta­bil­isiert, und deren heimis­che Bevölkerung angepisst unter dem Ban­ner des Propheten vere­inigt. Das hat geklappt. Als sie dann ihre Besatzung hat­ten, wussten sie, dass die Mil­itärein­sätze des Geg­n­ers furcht­bar teuer sind, und diesem irgend­wann die Kohle aus­ge­ht, wenn er hun­dert­tausende bis Mil­lio­nen Dol­lars aus­gibt, sobald irgend­wo mal zwei Jihadis­ten am Hor­i­zont auf­tauchen, während man aus einem unbe­gren­zten Pool an Möchte­gern­ji­hadis­ten schöpfen kann, die man für ein Taschen­geld kaufen kann. Eine Seite hat tolle Waf­fen, aber auch hohe Kosten, und die andere Seite hat waf­fen­mäßi­gen Dreck, aber dafür bil­liges Men­schen­ma­te­r­i­al. Naja, und Men­schen kosten dort nichts, und eignen sich zudem noch als Weapon-Deliv­ery-Sys­tem mit ner ziem­lich hohen Rechenka­paz­ität. Asym­metrische Kriegs­führung klappt halt. Nach­dem die Amis abge­zo­gen sind, hat­ten die Jihadis­ten den Rück­halt in der Bevölkerung, den so eine Beset­zung mit sich bringt, und sie haben dann ver­sucht, einen kon­ven­tionellen Staat nach dem Vor­bild des Propheten zu grün­den. Dies war der IS. Es bleibt span­nend, abzuwarten, wie es nun weit­erge­ht, nach­dem der IS ange­blich besiegt wurde. Es würde mich aber wun­dern, wenn die Sache schon vor­bei wäre. Die restruk­turi­eren sich nur in anderen Milizen.

          Und was den West­en ange­ht, leg­en die es darauf an, durch Ein­wan­derung und Geburten einen hohen Bevölkerungsan­teil zu erre­ichen, und entwed­er den ganzen Staat auf demokratis­chem Weg zu übernehmen, oder zu sezessieren. Ein­wan­derung ist ja mitler­weile ein sich selb­st finanzieren­der Selb­stläufer, und Geburten wer­den sub­ven­tion­iert. Ter­ro­ran­schläge im West­en hal­ten die über­haupt nicht für wirk­sam, son­dern sie rech­nen eher damit, dass die Regierun­gen darauf reagieren, indem sie Unsum­men zur aus­geben, um einige bil­ligst herangezüchtete Jihadis­ten zu bekämpfen, und während­dessen die Leben­squal­ität der eige­nen wie der zuge­wan­derten Bevölkerung so weit erstick­en, dass sie ihre Legit­im­ität ver­lieren, und es am Schluss wie eine Befreiung erscheinen wird, wenn die Demokra­tien let­ztlich fall­en, und vom Kali­fat abgelöst wer­den. Die Strate­gie hier ist also gar nicht so viel anders, als die Strate­gie im Irak. Ein angenehmer Neben­ef­fekt von Anschlä­gen ist, dass die Ein­heimis­chen dadurch mis­strauisch gege­büber den Neulin­gen wer­den, und deshalb die Seg­re­ga­tion fördern. Für Jihadis­ten wäre es schließlich ein Prob­lem, soll­ten sich die Neubürg­er inte­gri­eren, und so sehr ver­west­lichen, dass sie über­haupt nicht mehr nach den Regeln ihrer Reli­gion leben wollen. Such mal nach dem Such­be­griff “Open Source Jihad”, und über­leg Dir, mit welchen Mit­teln man sowas ver­hin­dern kann, ohne das ganze Land in eine totale Dystopie zu ver­wan­deln. Wobei, lies die späteren Aus­gaben der Dabiq oder die Rumiyah, die sind bess­er, aus­führlich­er, und unzen­siert­er, als die Presse­berichte über alte Al-Qae­da-Schinken. Wie gesagt: Über­leg, wie man sowas ver­hin­dern kann, ohne 1984 wie nen lib­eralen Frei­heit­straum erscheinen zu lassen. Einen kon­ven­tionellen Krieg oder Staatsstre­ich brauchen die über­haupt nicht, um zu gewin­nen. Wir, also der West­en, haben uns da in einen Krieg ver­wick­eln lassen, dessen Hand­lungsabläufe wir seit 15+ Jahren nicht ver­ste­hen, und den wir ver­lieren, weil wir nicht unkon­ven­tionell denken wollen, und deshalb genau das tun, was von uns erwartet wird. Schein­bar hat Allah uns, neben der Unfrucht­barkeit, auch mit Dummheit geschlagen.

          Eine kleine Randbe­merkung: Den sel­ben Effekt, den Anschläge haben, hat man aber auch ganz ohne Mär­tyr­er mit den sex­uellen Beläs­ti­gung­sorgien und der Gewaltkrim­i­nal­ität, weshalb ich, wäre ich der Jihad-King, eher diese Mit­tel fördern würde, um Furcht in die Herzen der Ungläu­bi­gen zu dingsen. Bin ich aber nicht, deshalb zählt meine Mei­n­ung nicht, und ist nur so ein Nebengedanke. Den­noch sehe ich gewisse Anze­ichen dafür, dass auch diese Strate­gie ver­fol­gt wird, sei es jet­zt expliz­it im Sinne der Jihadis­ten, oder ein­fach nur aus der in der drit­ten Welt weit ver­bre­it­eten asozialen Men­tal­ität heraus.

          2. Das Kräftev­er­hält­nis im Fall eines offe­nen Krieges oder Staatsstreichs: 

          Wenn Du denkst, die hät­ten eine Chance, sich die notwendi­gen Waf­fen auf dem Schwarz­markt zu besor­gen, dann ver­such doch mal, Dir im Dark­net oder der­gle­ichen eine AK-47 zu besor­gen, ohne, dass Dir ein SEK am näch­sten Tag die Bude ein­ren­nt. Das selbe Prob­lem haben die auch. Es kön­nte zwar sein, dass die über Kon­tak­te in die Heimat ver­fü­gen, aber da sind sie so vie­len Geheim­di­en­st­op­er­a­tio­nen aus­ge­set­zt, dass die sich, ohne koop­er­a­tiv­en Staat, nicht lange hal­ten kön­nten. Mit koop­er­a­tivem Staat würde man diesen ein­fach zum Feind­staat erk­lären, weil die Koop­er­a­tion auf­fliegen würde, was Schmuggel auch eher schw­er machen würde. Es geht ja nicht nur um einige Kilo hochreines Hero­in pro Stadt und Tag, son­dern um min­destens zehn­tausende Klein­waf­fen und Kilo­ton­nen Muni­tion. Oder man fängt klein an, und ver­sucht Waf­fen­trans­porte zu erbeuten, um die Grun­dausstat­tung zu kriegen, aber… Naja, irgend­wie ist das zu wenig, für einen richti­gen Auf­s­tand, und man hat, als kleine Gruppe, das Prob­lem, dass man in der Unterzahl ist, sollte der Staat her­aus­bekom­men, wo man sich aufhält. Im Kon­flik­t­fall Fall zählt ja nur, wer eine Waffe trägt, und logis­tis­che Unter­stützung alleine bewirkt nichts.

          Sofern sie aber Waf­fen HÄTTEN, würde ihnen der Zugriff auf die Infra­struk­tur fehlen, um diese auch halb­wegs effek­tiv einzuset­zen. Wenn man Deutsch­land nimmt, wäre es für den Staat kein Prob­lem, mal eben alle ver­füg­baren Kräfte des gesamten Lan­des inner­halb eines hal­ben Tages nach Berlin oder nach Köln zu ver­legen. Rapid Deploy­ment. Du weißt ja sich­er, was passiert, wenn man 100 Panz­er gegen 50 Panz­er antreten lässt, die pro Schuss eine zehn­prozentige Tre­f­fer­wahrschein­lichkeit haben. Im vor­liegen­den Beispiel hätte die erste Gruppe noch 85 Panz­er, sobald die Zweite ver­nichtet wurde. Rapid Deploy­ment ermöglicht sowas selb­st mit ins­ge­samt unter­lege­nen Kräften. Eine Jihadis­te­n­armee hätte diese Möglichkeit nicht, ohne, dass es auf­fällt, und würde, wenn sie es ver­sucht, bere­its auf dem Trans­portweg aus­geschal­tet werden.

          Ganz abge­se­hen davon, frisst so ein kon­ven­tioneller Krieg ziem­lich viele Ressourcen. In Viet­nam hat die US-Infantrie unge­fähr eine Tonne Gewehrpa­tro­nen pro getötetem Geg­n­er ver­schossen. So ner eingekessel­ten Stadt würde schnell die Muni aus­ge­hen. Ganz abge­se­hen von der Nahrung, die nach spätestens ein­er Woche aufge­braucht wäre. Wass­er, Strom und Gas kann man auch kap­pen. Stell Dir vor, während der Hitzewelle wäre Deine Trinkwasserver­sorgung gekappt wor­den, oder im ver­gan­genen Win­ter Dein Strom und Gas. Wie lange hättest Du über­lebt? Diese Infra­struk­tur kon­trol­liert unser Staat. Die Kom­mu­nika­tion­sin­fra­struk­tur übri­gens auch.

          Gehen wir also mal davon aus, dass es hierzu­lande wed­er einen Staatsstre­ich, noch einen kon­ven­tionellen Krieg geben wird, den Islamis­ten anzetteln wer­den, son­dern alles bei nieder­schwelli­gen Anschlä­gen und den üblichen Beläs­ti­gun­gen bleiben wird.

          Ich verzichte mal darauf, jet­zt noch im Detail darauf einzuge­hen, weshalb in denke, dass die von Dir vorgeschla­ge­nen Maß­nah­men, um unsere Neubürg­er in ihre Heimat zu ver­schif­f­en, alle möglichen Prob­leme bekä­men, wenn man ver­suchen würde, sie in die Prax­is umzuset­zen. Ich denke, Du ver­gisst, dass kein Schlacht­plan den ersten Feind­kon­takt über­lebt, und hast unre­al­is­tis­che Vorstel­lun­gen bezüglich der Mach­barkeit. Oben­drein denke ich, dass Du auch eine falsche Vorstel­lung vom Ist-Zus­tand hast, wie ich in meinen zwei Punk­ten zu erläutern versuchte. 

          Damit will ich jet­zt nicht sagen, dass Du prinzip­iellen Mist redest, oder Deine angestrebte Rich­tung keinen Sinn ergibt, jedoch befürchte ich Überaschun­gen, und sehe eine ganze Rei­he uner­warteter Aus­gänge und Schwierigkeit­en bei der Real­isierung. Herkun­fts­bes­tim­mung ist zum Beispiel nicht ver­trauenswürdig mach­bar, weil man dazu selb­st “Flüchtlinge” nimmt, die einem sagen sollen, wo andere “Flüchtlinge” herkom­men. Schau mal, wer heutzu­tage die Dol­metscher­di­en­ste in den Ämtern über­nom­men hat. Das Rönt­gen von Hand­knochen zur Alters­bes­tim­mung mag zwar eine inter­es­sante Tech­nik sein, jedoch sehe ich nicht, weshalb Alters­bes­tim­mung eine Rolle spie­len sollte, wenn man darauf abzielt, die Größe der hier ansäs­sige Pop­u­la­tion zu reduzieren. Dafür ist deren Alter egal. Die Abschiebe­möglichkeit­en sind auch nicht beliebig, seit­dem Mada­gaskar voll ist.

          Ich habe den Ein­druck, dass Du zu sehr in Scheinen und Bewil­li­gun­gen denkst, und darüber hin­aus ver­gisst, dass es um Ereignisse in der realen Welt geht, und nicht um die Akten­lage. Die Akten- und Recht­slage ist für die reale Welt unwichtig. Diese ganzen Rit­uale, die man gebraucht, um dieses oder jenes zu begrün­den, sind außer­halb unser­er Köpfe unwichtig.

        • Das ist mir jet­zt etwas zu laenglich, aber wenig­stens abschliessend zu ein paar Punkten:

          » Kon­se­quenz­be­tra­ch­tun­gen
          > Ich ver­ste­he nicht, was Du damit sagen willst. Steh ich auf dem Schlauch? 

          Ich gewinne auch nach diesem post­ing irgend­wie den Ein­druck, dass hier jemand schreibt, der ohne Ken­nt­nis­nahme der Aus­sagen seines Gegenue­ber diesem anlass­los staendig einen omi­noe­sen Begriff sein­er vorge­blich scho­nungslosen Betra­ch­tungsweise (“denk doch mal amoralisch” etc. ) ueber­helfen will. In solchen Faellen liegt der Gedanke an Pro­jek­tio­nen rel­a­tiv nah, denn zum Grad mein­er eige­nen ‘Amoral­i­taet’ hat­te ich nichts geaeussert.
          Die enthaelt allerd­ings auch das Charak­ter­is­tikum, sich ungern auf die Zus­tim­mung zum Drehen immer groesser­er Raed­er zur Selb­stver­sicherung wie dem Fab­u­lieren ueber zwin­gen­den Genozid beschraenken zu lassen. Deswe­gen ist es ihr moeglich, ein ganzes Spek­trum und nicht nur immer weit­er in irra­tionale Extrem­punk­te hin­aus­geschobenes Han­deln ueber­haupt ins Auge zu fassen. Demzu­folge geht es auch nicht um ‘Scheine’ und ‘Akten­lage’. Nat­uer­lich ist eine Forderung nach ein­er unmit­tel­bar angeschlosse­nen hand­lungs­fae­hi­gen Exeku­tive impliz­it enthal­ten. Deswe­gen auch das Roent­gen­beispiel zum Gegen­teil (hint: es ging nicht um seine konkrete Anwen­dung auf Alters­bes­tim­mungen, son­dern um ein Beispiel fuer die gegen­waer­tige Sit­u­a­tion des geziel­ten Unwil­lens, auch harm­los­es­te Mit­tel zu nutzen).

          Zur mil­i­taerischen Sit­u­a­tion will und kann ich mich nicht qual­i­fiziert aeussern — allerd­ings scheinen mir Panzer­beispiele beim aktuellen Zus­tand von Infra­struk­tur und Bewaffnung der Armee dieses Lan­des doch deplaziert zu sein.

        • Abschließend auch von mir:

          “Ich gewinne auch nach diesem post­ing irgend­wie den Ein­druck, dass hier jemand schreibt, der ohne Kennt­nis­nahme der Aus­sa­gen seines Gege­nu­e­ber diesem anlass­los sta­en­dig einen omi­no­esen Begriff sein­er vor­geb­lich scho­nungs­lo­sen Betrach­tungs­weise („denk doch mal amo­ra­lisch” etc. ) ueber­hel­fen will. In solchen Faellen liegt der Gedanke an Pro­jek­tio­nen rel­a­tiv nah, denn zum Grad mein­er eige­nen ‚Amoral­i­taet’ hat­te ich nichts geaeussert.”

          Ich betra­chte Diskus­sio­nen wie Diese nicht als 1:1 Unterre­dun­gen, son­dern gehe davon aus, dass sie von vie­len Men­schen mit einem unter­schiedlichen Hin­ter­grund gele­sen wer­den. Auch kenne ich meinen aktuellen Kon­ver­sa­tion­spart­ner, also Dich, nicht näher. Ich muss also annehmen, dass eben­so Du selb­st, wie die meis­ten anderen Leser, einige Eigen­schaften haben, die sta­tis­tisch gehäuft vorkom­men. Darum halte ich es für ange­bracht, hin und wieder auch mal eine Denkrich­tung nahezule­gen, die ich als hil­fre­ich für das weit­ere Ver­ständ­nis erachte.

          Im Fall des Amoralis­chen ging es darum, eine Sit­u­a­tion mal mit ganz viel Abstand, und ohne Denkhem­mungen, zu betra­cht­en. “Welche Prob­leme gibts, welche Lösung­sop­tio­nen mit welch­er Erfol­gsaus­sicht ste­hen im Raum, und welche Kri­te­rien spie­len bei der Entschei­dungs­find­ung eine Rolle?” Diese Fra­gen ohne Wun­schdenken und Kinder­garten­moral zu betra­cht­en, halte ich für sin­nvoll. Mit “Kinder­garten­moral” meine ich das, worauf man kleine Kinder kon­di­tion­iert, wodurch man sie, ein großen Grup­pen, ein­fach­er steuer­bar macht, indem man ihnen gezielt Hem­mungen anerzieht, und dadurch lebenslang ihre Hand­lung­sop­tio­nen ein­schränkt. Sofern Du mein­er Argu­men­ta­tion mit den Left­ies als Avan­gardis­ten des Ameisen­haufens zumin­d­est einiger­maßen fol­gen kannst, sollte Dir in den Sinn gekom­men sein, dass diese Kinder­garten­moral, wenn man sie ernst nimmt, zu solchen Man­i­fes­ta­tio­nen kollek­tiv­en Wahns führt, wie man sie heute bei den Left­ies beobacht­en kann, und man Deshalb zwei Dinge tun sollte: Erstens sollte man darüber nach­denken, wie man die Welt unter voll­ständi­ger Ausklam­merung der ganzen Kinder­garten­moral sin­nvoll inter­pretieren kann, und zweit­ens, welche Anpas­sun­gen an die Kinder­garten­moral auf abse­hbare Zeit aus funk­tionalen Grün­den notwendig wer­den kön­nten, und wie die Welt dann aussähe. Dir sollte klar sein, dass das auf Sozial­isierung basierte Moralver­ständ­nis von heute ein rein funk­tionales Ding ist, das, für sich genom­men, nicht mehr Valid­ität genießt, als die Spin­nereien aus dem Mit­te­lal­ter, die damals als Grund­lage der Sozial­isierung dien­ten. Da Men­schen eher sel­ten außer­halb des Over­ton Win­dows denken, halte ich die explizite Auf­forderung, eben dies zu tun, für in der Regel angemessen, beson­ders dann, wenn sich ein Text auch an eine Öffentlichkeit richtet, die, per Def­i­n­i­tion, nur in sel­te­nen Fällen außer­halb des Over­ton Win­dow denkt.

          Mit Pro­jek­tion hat dies wenig zu tun. Ich mache mir nur nicht die Arbeit, einen Text niederzuschreiben, ohne diesen für Andere möglichst leicht ver­ständlich zu machen. Ich mache mir die Arbeit, damit Andere die darin aus­ge­drück­ten Gedankengänge nachvol­lziehen kön­nen. Aus dem sel­ben Grund halte ich mich auch einiger­maßen an die Rechtschrei­bung, und mache meine lan­gen Schach­tel­sätze mit Kom­mas und Binde­strichen leichter lesbar.

          Gegen den Vor­wurf, dass ich die Aus­sagen meines Gegenübers nicht zur Ken­nt­nis nehme, wehre ich mich. Ich gebe zu, dass ich nicht jeden Satzfet­zen bear­beite, aber nor­maler­weise habe ich gründlich gele­sen, was jemand sagt, bevor ich eine Antwort ver­fasse, und gehe dann auch auf die Punk­te ein, die ich für rel­e­vant halte, oder die ich angreifen möchte. Du musst bedenken, dass man eine Aus­sage auch damit angreifen kann, dass man die Prämis­sen, auf denen sie auf­baut, angreift. Da es hier meis­tens um “Gesellschaft und Poli­tik” geht, sind viele Prämis­sen angreif­bar. Tat­säch­lich habe ich den Ein­druck, dass Diskus­sio­nen, die sich um diese The­men drehen, nor­maler­weise entwed­er auf den Befind­lichkeit­en den Ameisen­haufens, oder auf irgendwelchen Glaubenssätzen auf­bauen, wie sie in Geset­zes­tex­ten for­muliert wer­den, denen man dann den Sta­tus ein­er heili­gen Schrift ver­lei­ht. Aber 100% der Men­schen kön­nen sich eben­so irren, wie heilige Schriften unwahr sein kön­nen, wie die Imple­men­tierung heiliger Schriften auch an realen Gegeben­heit­en scheit­ern kann. Bei genauer­er Betra­ch­tung, gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen dies in der Ver­gan­gen­heit nicht der Fall war, sofern es um eine einiger­maßen kom­plexe The­matik ging, weshalb ich tat­säch­lich darüber nach­denken würde, dies als den Nor­mal­fall anzunehmen.

          Und, um den Vor­wurf mal zurück­zugeben: Ich habe in meinen vorheri­gen Tex­ten einige Gedanken rel­a­tiv aus­führlich niedergeschrieben, und einige The­o­rien for­muliert. Dabei habe ich sog­ar darauf geachtet, sie fal­si­fizier­bar zu machen. Moral als Sozial­isierungs­funk­tion eines amoralis­chen Ameisen­haufens, Left­ies und Islamis­ten als beson­ders stark sozial­isierte Ameisen, die Notwendigkeit ein­er Anpas­sung der Sozial­isierung­spri­or­itäten, da unser Ameisen­haufen ger­ade von einem Anderen aufge­fressen wird, ohne sich zu wehren, sowie eine Erk­lärung der Strate­gie, die die eher radikalen Islamis­ten ver­fol­gen. Ich würde behaupten, dass ich damit ein­er ganzen Rei­he Dein­er Aus­sagen den Boden unter den Füßen wegge­kickt habe. Du hast diese Inhalte — die rel­e­vant für die von Dir getätigten Aus­sagen sind — kom­plett ignori­ert. Zugle­ich hast Du mir vorge­wor­fen, ich würde mich der Ken­nt­nis­nahme Dein­er Aus­sagen entziehen, während Du Dich selb­st der Ken­nt­nis­nahme mein­er Aus­sagen ent­zogst. Sofern die Qual­ität mein­er Aus­sagen nicht so niedrig ist, dass sie kein­er­lei Beach­tung ver­di­ent haben, muss ich Dir also auch irgen­deine Form von Unredlichkeit vor­w­er­fen. Heuchelei oder kog­ni­tive Dis­so­nanz wären meine wahrschein­lich­sten Kan­di­dat­en. Natür­lich unter der Voraus­set­zung, dass ich Dein Schweigen nicht als Zus­tim­mung inter­pretieren soll. In diesem Fall fehlt Deinem Vor­wurf aber jedes Gewicht, und er wäre ein bloßes stilis­tis­ches Mit­tel, um gut auszuse­hen. Kor­rigi­er mich, sofern ich da etwas falsch sehe.

          “zur Selb­stver­sicherung wie dem Fab­u­lieren ueber zwin­gen­den Genozid”

          Ich sagte nicht, dass ich Genozid für zwin­gend halte, son­dern, dass ich denke, dass sich die Welt in eine Rich­tung entwick­elt, in der es ein immer größer wer­den­des Prob­lem gibt, das sich mit den derzeit in Betra­cht gezo­ge­nen Mit­teln nicht lösen lässt. Sofern man den Raum möglich­er Lösun­gen ausweit­et, erscheint mir so ein Genozid als eine der nahe­liegend­sten Lösun­gen. Natür­lich ist diese Lösung selb­st prob­lem­be­haftet, aber sofern man annimmt, dass man damit ein Prob­lem löst, das selb­st immer größer wird, wird es einen Zeit­punkt geben, ab dem “ein Genozid” weniger prob­lema­tisch als “kein Genozid” ist. Darüber hin­aus muss man bedenken, dass der entschei­dende Ameisen­haufen nicht ratio­nal abwägt, son­dern irra­tional bis wahn­haft agieren kann, wie man beispiel­sweise an den heuti­gen Left­ies erken­nen kann, und er wahrschein­lich nicht warten würde, bis “ein Genozid” bei objek­tiv­er Betra­ch­tung das kleinere Übel ist, son­dern er sich schon vorher dazu trig­gern ließe.

          Ich rede also nur über eine mögliche Zukun­ft in ein­er chao­tis­chen Welt. Ursprünglich ging es darum, dass ich drei Hüh­n­er und eine Kiste Äpfel wet­ten wollte, dass die Real­ität einen Weg auswählt, an dessen Ende Leichen­berge ste­hen. Ich habe anschließend erk­lärt, weshalb ich diesen Weg für wahrschein­lich halte, und weshalb ich es fol­glich für eine gute Idee halte, die drei Hüh­n­er und die Kiste Äpfel als Wet­tein­satz zu riskieren. Nach­dem Du mein­er Ein­schätzung wider­sprachst, habe ich etwas aus­führlich­er dargelegt, wie ich zu dieser Ansicht komme. Sofern Du denkst, dass ich damit falsch liege, sollte Deine Herange­hensweise doch eigentlich sein, mir zu erk­lären, aus welchen Grün­den meine Ein­schätzung falsch ist. Du soll­test mir also entwed­er klar aufzeigen, wo meine Prämis­sen fehler­haft sind, weil meine Schlüsse dadurch fehler­haft wären, oder, dass ich irgend­wo einen Fehlschluss gemacht habe. Dies sollte mach­bar sein, weil ich schon ziem­lich detail­liert und spez­i­fisch argu­men­tiere, und nicht herum­schwurbele, oder viele unbe­wiese­nen Gegeben­heit­en annehme. Stattdessen hast Du mir ein­fach nur Deine Mei­n­ung dargelegt, und erwartest nun, dass ich Deine Mei­n­ung wider­lege, ohne, dass Du meinen Argu­menten den Boden unter den Füßen wegge­zo­gen hättest. Find­est Du nicht, dass Diskus­sio­nen so ver­laufen soll­ten, dass man dem Anderen zuerst die Argu­mente kaputt schießt, bevor man ihm die eige­nen Argu­mente zum Ersatz anbi­etet? Ohne diese Vorge­hensweise dreht sich ein Gespräch doch nur um unfundierte Glaubenssätze. 

          “allerd­ings scheinen mir Panzer­beispiele beim aktuellen Zus­tand von Infra­struk­tur und Bewaffnung der Armee dieses Lan­des doch deplaziert zu sein.”

          Das Beispiel mit den Panz­ern ist eine in Dreisatz­form gebrachte Grund­lage gewalt­tätiger Strate­gie, die seit der Steinzeit gültig ist. Siehe hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Lanchester%27s_laws

          Du sche­inst mir, ger­ade für einen Math­e­matik­er, nicht sehr math­e­ma­tisch zu denken. Ich hätte angenom­men, dass Du erkennst, dass ich Dir in leicht ver­ständlich­er Form die wichtig­ste Grund­lage der Manöverkriegs­führung erk­lärt habe, und Du den Schluss ziehst, dass man Prob­leme, die man nicht lösen kann, so umformt, dass man sie lösen kann. 

          Dein einziger Punkt scheint zu sein, dass wir noch nicht so weit sind, wie in meinem hypo­thetis­chen Szenario beschrieben. Stimmt. Was ich mache, ist eine Zukun­ft­sprog­nose. Und? Warum ist das irrel­e­vant? Und warum die Fest­stel­lung, dass man sich in der Gegen­wart auf eine nicht zukun­ft­staugliche Weise ziert, rel­e­vant? Wir wären längst aus­gestor­ben, wenn wir nicht dazu in der Lage wären, uns auf eine sich verän­dernde Sit­u­a­tion einzustellen. Verän­derun­gen sind wahrschein­lich­er, als ein gle­ich­bleiben­der Zustand.

        • War es ein tech­nis­ch­er Fehler, dass meine Antwort nicht veröf­fentlicht wurde, ist mein The­ma zu kon­tro­vers, oder ist der Grund ein Anderer?

          “Unsere Gesellschaft wird immer author­itäter, bewegt sich auf einen Punkt zu, ab dem sie kip­pen kön­nte, und die Dinge sprechen eher dafür als dage­gen, dass sie anschließend damit begin­nt, massen­haft Men­schen umzubringen”

          Das ist zwar außer­halb des Over­ton Win­dows, aber doch nicht falsch. Ich halte das zudem für einen guten Grund, um mal darüber nachzu­denken, was ger­ade passiert. Demokra­tien neigen dur­chaus dazu, den Kar­ren mit Sozial­pro­gram­men an die Wand zu fahren, und hin­ter­her einen starken Führer an die Macht zu brin­gen, der den Kar­ren mit aller­lei Bevollmäch­ti­gun­gen aus dem Dreck ziehen soll. Beispiele dafür sind weltweit zahlre­ich vorhan­den. Aus mein­er Sicht ist das ein besseres Argu­ment, als irgendwelche Poli­tik-Ham­pelmän­ner auseinan­der zu nehmen, von denen eh jed­er weiß, dass es ihnen um ihre Pöstchen geht, und deren Ide­olo­gie halt das ist, wom­it man ein nicht sehr helles Wahlvolk dazu bewe­gen kann, das Kreuzchen in dem Kästchen zu machen, das vor dem gewün­scht­en Parteina­men steht.

        • Schön, das freut mich zu lesen. Ich hab mir schon Sor­gen gemacht, dass ich mir nen anderen Platz zum Posten suchen müsste. 😉

  3. Eine schönes Stück Nach­denken haben Sie mir hier vorge­set­zt, roger.

    Nor­maler­weise halte ich wenig von solchen Alarmis­musvorträ­gen. Nor­maler­weise sind diese auch mit ein biss­chen gesun­den Men­schen­ver­stand recht ein­fach auseinan­derzunehmen. Ich selb­st bin zudem BWLer und war während meines Studi­ums der VWL sehr zuge­tan. Bei diesem Vor­trag jedoch muss ich zugegeben, dass Herr Krall im Gegen­satz zu anderen Ref­er­enten dieser Art sehr sachkundig, kom­pe­tent und glaub­haft wirkt. Auch die Antworten auf spon­tane Fra­gen schüt­telt er punk­t­ge­nau aus dem Ärmel. Tat­säch­lich bin ich während und nach dem Anschauen in Panik ver­fall­en (unsere Eigen­heim­fi­nanzierung muss 2020 neu abgeschlossen wer­den), habe mir sogle­ich sein Buch bestellt und meine Frau von der anste­hen­den Katas­tro­phe unter­richtet. Eine Stunde und drei Zigaret­ten später habe ich jedoch die Buchbestel­lung storniert. Auch die Nacht drüber zu schlafen, hat geholfen, hier ein paar Schwach­punk­te in Kralls Vor­trag zu iden­ti­fizieren. Dies jedoch freilich nicht so wesentlich, dass ich behaupten kann, der Mann hat defin­i­tiv Unrecht. Daher ist es mir ein nach­drück­lich­es Anliegen, mich hier mit weit­eren Lesern auszu­tauschen und möglicher­weise fachkundi­ge Mei­n­ung zu diesem Vor­trag zu bekommen.

    Dies sind meine Einwände:

    1. Die Banken: Das Dilem­ma der Banken, mit dem niedri­gen Zins nicht dauer­haft wirtschaften zu kön­nen, wird plau­si­bel dargestellt, eine Erhöhung der Zin­sen bzw. der Mar­gen der Banken scheint mit­tel­fristig unauswe­ich­lich. Hier kann ich, auch aus Unken­nt­nis, wenig gegen sagen, jedoch aber den Hin­weis geben, das Japan schon deut­lich länger als wir eine extreme Niedrigzin­sphase durch­macht, dort der Laden immer noch läuft und die Banken nicht rei­hen­weise umkippen.

    2. Die Zom­bies: Hier schätzt Krall die Anzahl der Zom­bie­un­ternehmen aus rein sta­tis­tis­chen Erfahrun­gen. Er sagt, in ein­er nor­malen Zin­sphase gin­gen 2 % der Unternehmen jährlich in den Konkurs. Wegen des niedri­gen Zins über­lebten diese aber und kumulierten sich inzwis­chen so zu einem 12%igen Anteil aller Unternehmen, denen dann ganz fix die Puste aus­ge­he, wenn der Zins steigt. Ich zwei­fle aber sehr, dass diese Berech­nung der Anzahl der Zom­bie­un­ternehmen so zuläs­sig ist. Das ist in etwa damit ver­gle­ich­bar, wenn Karin Göring-Eckardt diesen Som­mer als Argu­ment anführt, um den radikalen Kli­mawan­del zu bele­gen. Dat­en bzw. der Trend der Ver­gan­gen­heit tau­gen per se nicht dazu, die Zukun­ft zu prognostizieren.
    Ein weit­er­er Ein­wand hier ist, dass in der akuten Niedrigzin­sphase viele Zom­bie­un­ternehmen die Möglichkeit haben Eigenkap­i­tal aufzubauen und sich somit zu gesun­den. Im Gegen­satz zum Zom­bie als Men­sch ist das Zom­biedar­sein eines Unternehmens kein zwangsläu­fig endgültiger Zus­tand und kann durch eine umsichtige Unternehmen­spoli­tik und im Beson­deren unter den aktuell guten Rah­menbe­din­gun­gen been­det werden.

    3. Die exk­lu­sive Erken­nt­nis: Ein­er der Zuhör­er fragte, warum dieses Szenario kein bekan­ntes The­ma in der Wis­senschaft sei. Krall antwortet hier damit, dass die Uni­ver­sitäten Staats abhängig seien und entsprechend an diesen wie vom Staat gewün­scht die Lehre bzw. Schule des Key­ne­sian­is­mus (John May­nard Keynes) dominiere. Teil der Lehre des K. ist u.a., dass die Wirtschaft im wesentlichen von der Nach­frage ges­teuert wird und dass mas­sive staatliche Ein­griffe in die Kon­junk­tur hil­fre­ich sein kön­nen. Exem­plar­isch wird hier das DIW erwäh­nt. Was das DIW ange­ht, hat Krall wohl recht, die Jungs vom DIW verkaufen sich regelmäßig als ziem­liche Knalltüten, die zudem noch abhängig am Tropf der Sozialdemokratie (oder vielle­icht noch an Schlim­meren) hän­gen. Diese Schule ermögliche es dem Staat, die aktuelle Fiskalpoli­tik wis­senschaftlich legit­imiert durchzusetzen.
    Die zweite weit ver­bre­ite Lehre in der VWL ist die öster­re­ichis­che Schule (u.a. Friedrich August von Hayek, auch „Neolib­er­al­is­mus“ wobei dieser Begriff irreführend sein kann, da dieser mit­tler­weile zum Teil öffentlich umgedeutet wurde, und als Ergeb­nis der Umdeu­tung den völ­lig ungezügel­ten Kap­i­tal­is­mus meint, was dann eher das Gegen­teil der ursprünglichen Idee ist. Im übri­gen ist Hayek mein per­sön­lich­er Favorit). Diese Schule präferiere auch Krall. Er referiert, dass die Mod­elle der öster­re­ichis­che Schule seine Crash­prog­nosen stützten. Diese Schule spiele auf­grund der der fehlen­den staatlichen Zunei­gung aber keine Rolle mehr.

    Hier ist mein Kri­tikpunkt, dass ich an der voll­ständi­gen Eli­m­inierung der öster­re­ichis­che Schule an den Uni­ver­sitäten recht stark zwei­fle, ohne jedoch konkrete Anhalt­spunk­te zu haben. Hier wür­den mich sehr andere Mei­n­un­gen inter­essieren, beson­ders von Per­so­n­en, die dort dichter dran sind.

    Let­zlich sind die Zusam­men­hänge, die Krall aufzeigt, recht ein­fach. Man muss kein Genie sein, dass zu ver­ste­hen und auch keins um sel­ber auf diese Idee zu kom­men. Warum außer Krall kaum jemand anderes dieses Szenario propagiert, bleibt für mich der wesentliche Klump­fuß bei dieser Sache. Ich bin auf weit­ere Kom­mentare bzw. Ein­wände hier sehr gespannt.

    Ihre Diag­nose allerd­ings, roger, die auch Krall bestätigt, dass wir immer weit­er in die Plan­wirtschaft rein­rutschen, teile ich uneingeschränkt.

    • Die japanis­che Noten­bank ver­schuldet sich bei ihren Bürg­ern, während in der Euro­zone die meis­ten Schulden Aus­landss­chulden sind. Dazu kommt, dass die japanis­che Wirtschaft im Unter­schied zu Deutsch­land immer noch ein Pro­duk­tiv­itätswach­s­tum aufweist. Gesund ist das was Japan da treibt, gle­ich­wohl auch nicht.

      Im Gegen­satz zu den Behaup­tun­gen KGE’e lassen sich die Wirtschaftskenn­zahlen gut messen. Die Anzahl der Unternehmen, die in Konkurs gehen sinkt von Jahr zu Jahr und liegt aktuell bei 0,5%, obwohl auch Jahr für Jahr fast 700.000 gegrün­det wer­den. Inter­es­san­ter­weise SINKT die Zahl der größere neuen Unternehmen! Die wer­den wohl eher außer­halb des Euro­raumes gegründet.
      https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/UnternehmenHandwerk/Gewerbemeldungen/Gewerbemeldungen.html
      Was Krall in sein­er Rech­nung dabei noch gar nicht berück­sichtigt hat, weil es dazu imho keine Sta­tis­tiken gibt, ist die Frage, wieviele dieser Grün­dun­gen nur deshalb zus­tande kom­men, weil die Gießkan­nen­poli­tik durch För­der­mit­tel, Grün­dung­shil­fen und sub­ven­tion­ierte Arbeit­splätze kräftig nach­hil­ft, um die Sta­tis­tik zu verbessern. Es gilt schließlich zu beweisen, dass die Migra­tionspoli­tik der let­zten Jahre ein voller Erfolg ist!

      Das Unternehmen, die die Def­i­n­i­tion von Zom­bi-Unternehmen erfüllen, jet­zt Eigenkap­i­tal bilden, halte ich für sehr fraglich. Das schaf­fen vielle­icht die, die ger­ade so unter­halb der Def­i­n­i­tion liegen. Und endgültig Pleite gehen ja selb­st zu Nul­lzin­szeit­en auch welche, wie wir sehen. Was allerd­ings stimmt, ist, dass die großen, sol­ven­ten Unternehmen dies tun. Dass sie das Geld in Deutsch­land lieber hal­ten als zu investieren deutet eher auf Dys­funk­tion­al­ität des Kred­itwe­sens und man­gel­ndes Ver­trauen in das Investi­tion­skli­ma hin, sowie auf Maßnehmen, die man trifft, wenn Banken aus­fall­en. Bay­er zieht sich langsam aus Europa zurück, Siemens auch, die Auto­bauer wer­den ger­ade moralisch zer­schla­gen, das Know How von Anla­gen- und Maschi­nen­bau fließt nach Chi­na ab, die Energiewirtschaft ist prak­tisch erledigt…es leis­tet also auch kaum noch jemand Wider­stand. Wer auf­muckt, bekommt die Nadel in den Arm und wird mit Sub­ven­tio­nen ruhig gestellt, Geld ist ja genug da. Noch.

      Ich breche hier ab.

  4. Das weit­ere nicht ange­sproch­ene Prob­lem bei einem Zusam­men­bruch der Währung, und wenn die ganzen Schicht­en, die auf die Finanzierung angewiesen sind, kein Geld mehr bekom­men, wird sein: Bürg­erkrieg, Über­fälle der Ein­wan­der­er auf die Bevölkerung, die lei­der unbe­waffnet ist. Die zün­den dann die Häuser an und mas­sakri­eren die ansäs­sige Bevölkerung. Es ist unfassbar.

    • Das ist der Moment in dem alle nach den “Neon­azis” rufen wer­den. Das wer­den dann die einzi­gen sein, die noch den Mumm und die kör­per­lichen Möglichkeit­en haben, Wider­stand zu leisten.
      Das hat­ten wir ja alles schon­mal, irgend­wie. Aber aus der Geschichte ler­nen, heisst ja in Deutsch­land nur, “Asche aufs Haupt” und Konzen­tra­tionslager besuchen.…

  5. Als neulich die Mel­dung kam, dass die Finanzkrise in Griechen­land been­det sei, habe ich auch gedacht: Ach so, haben die jet­zt plöt­zlich 100.000 Wert schöpfende Arbeit­splätze in der Indus­trie geschaf­fen? Wohl eher nicht, also kann das doch gar nicht sein. Da wird ein totes Pferd gerit­ten — und der Michel sol­l’s nicht merken, son­dern weit­er­hin mit sein­er Altersvor­sorge bezahlen.

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