Wäh­rend Grü­ne und Lin­ke einen Rechts­ruck im Land zu erken­nen glau­ben, die Regie­rung aus Uni­on und SPD in auf­ge­reg­ten Alar­mis­mus ver­fällt und die ver­blie­be­ne bür­ger­li­che Mit­te sich mehr und mehr dar­über wun­dert, wozu man in einer Markt­wirt­schaft eigent­lich so viel Regu­lie­rung braucht und wozu Minis­te­rin Gif­fey jetzt auch noch ein „Gesetz zur För­de­rung der Demo­kra­tie“ aufs Gleis set­zen will – wäh­rend die deut­sche Poli­tik also mit Selbst­lob, Nabel­schau und Spie­gel­fech­te­rei­en beschäf­tigt ist, klop­fen im sich lang­sam mit Was­ser fül­len­den Maschi­nen­raum der euro­päi­schen Wirt­schaft (genau­er: der Finanz­wirt­schaft) die Hei­zer mit Schür­ha­ken von unten gegen das Ball­saal-Deck der „MS Euro­pa“, wo sich das Publi­kum dar­um strei­tet, wer beim Unter­gang links und wer rechts sit­zen sol­le und mit wem man auf kei­nen Fall jemals gemein­sam unter­zu­ge­hen geden­ke. Wir haben näm­lich in der Tat noch Pro­ble­me im Land und der EU, die sich nicht mit einem Hash­tag, einem Gra­tis­kon­zert oder einer „brei­ten gesell­schaft­li­chen Initia­ti­ve“ besei­ti­gen las­sen. Ren­ten­lü­cke? Pfle­ge­not­stand? Sicher, das alles drückt. Aber es kommt wohl noch dicker und schnel­ler, als wir den­ken – und zwar auf einer Bau­stel­le, die von der Poli­tik bereits als erle­digt gekenn­zeich­net wur­de: unse­re Wäh­rung und das Euro­sys­tem als Ganzes.

Der Nei­gung des Men­schen, einen als posi­tiv emp­fun­de­nen oder auch nur ein­ge­bil­de­ten Ist-Zustand gedank­lich in die Ewig­keit zu ver­län­gern, ver­dan­ken wir eini­ge der kurio­ses­ten Aus­sa­gen von Poli­ti­kern und Medi­en­ver­tre­tern. „Deutsch­land ist ein rei­ches Land“ ist so eine, eben­so „das Kli­ma muss blei­ben wie es ist“, „die EU wird immer enger und bes­ser“, „Grie­chen­land ist geret­tet“ oder „wir schaf­fen das“. Doch das sind letzt­lich nichts als Glau­bens­sät­ze – zunächst soll man dar­an glau­ben, wäh­rend am Ende immer jemand dran glau­ben muss. Wer etwa glaubt, Draghis „Wha­te­ver it takes“ von 2012 sei das fina­le Macht­wort zur Sta­bi­li­tät des Euro­sys­tems gewe­sen, der soll­te hier auf­hö­ren zu lesen. Denn posi­ti­ver wird es ab jetzt nicht mehr. Und zwar nicht nur im Text, son­dern auch in der Realität.

Währungskollaps – ein Problem der Anderen?

Wer die Nach­rich­ten der letz­ten Wochen und Mona­te bezüg­lich des Wäh­rungs­ver­falls in Vene­zue­la oder der Tür­kei betrach­tet, ganz gleich wie ver­schie­den die Ursa­chen auch sein mögen, des­sen Hand legt sich sofort beru­higt auf die eige­ne Brief­ta­sche und man denkt „wie gut, dass wir den Euro haben“, denn der ist ja sta­bil und sicher. Vor allem geret­tet, wie es scheint. Immer wie­der. Wirt­schafts­kri­se, Ban­ken­kri­se, Euro­kri­se, Staats­schul­den­kri­se in Grie­chen­land, Irland, Spa­ni­en, Ita­li­en, wie­der Grie­chen­land… aber jetzt sei alles gut, meint das fis­ka­le Spit­zen­per­so­nal, spe­zi­ell unse­re bei­den schwar­zen Nul­len Schäub­le und sein Nach­fol­ger Scholz. Doch selbst eine Ming-Vase ist eine soli­de Sache, sogar dann noch wenn sie fällt. Der Fall ist nicht das Pro­blem, ledig­lich der Auf­prall macht uns Sor­gen. Und der steht uns im Euro mit aller­größ­ter Wahr­schein­lich­keit noch bevor.

Mein Wirt­schafts­ver­ständ­nis neigt sich, auch wenn ich kein Öko­nom, son­dern nur ein Fan der Logik bin, eher den Erkennt­nis­sen von Mises und Hayek zu, die eben gera­de nicht dem Tur­bo- und Staats­ka­pi­ta­lis­mus das Wort rede­ten, son­dern einer Markt­wirt­schaft, die öko­no­mi­schen Geset­zen gehorcht und sich Regeln gibt, deren Ein­hal­tung der Staat über­wa­chen hilft. Hin­ge­gen hal­te ich den heu­te all­ge­gen­wär­ti­gen Eta­tis­mus für das Grund­übel unse­rer Schul­den­wirt­schaft, genau wie den in der Poli­tik vor­herr­schen­den Keyne­sia­nis­mus, der besin­nungs­lo­se Staats­aus­ga­ben und Staats­ver­schul­dung, auf­ge­bläh­te staat­li­che Struk­tu­ren, Ver­schwen­dung, Tau­send-Töp­chen-Günst­lings­wirt­schaft und fehl­ge­lei­te­te Spe­ku­la­tio­nen erzeugt. Ich war des­halb sehr erfreut, als ich einen Exper­ten-Vor­trag auf You­Tube fand, der schlüs­sig all die klei­nen Tei­le, all die Ver­wer­fun­gen, über die Poli­tik und Medi­en täg­lich ein­fach hin­weg­se­hen, weil sie zu den Pro­fi­teu­ren gehö­ren, zu einem gan­zen Bild zusam­men­fasst. Die Sym­pto­me konn­te ich zwar auch sehen, für deren Beschrei­bung und Syn­the­se ver­fü­ge ich aber kaum über das pas­sen­de Voka­bu­lar. Aber dafür ver­wei­se ich auf den Vor­trag von Dr. Mar­kus Krall wei­ter unten.

Sie ken­nen viel­leicht das Gefühl, wenn sich nach inten­si­ver Beschäf­ti­gung mit einem kom­ple­xen The­ma auf einen Schlag der Nebel lich­tet, alles klar wird und die Mur­meln im Kopf, die sonst immer so unwil­lig klap­per­ten, eine nach der ande­ren ein­ras­ten? Die Erkennt­nis­se waren viel­leicht ein­zeln schon da, nur pass­ten sie nie rich­tig zusam­men oder man sah die Zusam­men­hän­ge ein­fach nicht. So etwa könn­te es ihnen gehen, wenn sie zwar prin­zi­pi­ell über Tar­get-Sal­den, Null­zins, EZB, Ret­tungs­schir­me, Kre­dit­mar­gen und all den gähn-lang­wei­li­gen Finanz­kram Bescheid wis­sen, jedoch noch nie das gan­ze Bild gese­hen haben. Dr. Mar­kus Krall lässt uns in sei­nem Vor­trag einen Schritt zurück­tre­ten und das gan­ze Bild betrachten.

Das Eurosystem und die Einmischung der Politik

Im Video sehen Sie, wie alles enden könn­te und wohl auch wird, weil die Poli­tik seit Jah­ren schein­bar bes­se­res zu tun hat, als sich um eine sta­bi­le (und unab­hän­gi­ge) Wäh­rung zu küm­mern, ande­re Wäh­run­gen nicht zulässt und den Euro, den sie uns eher unfrei­wil­lig über­ge­stülpt hat, poli­tisch miss­braucht. Krall meint, 2020 könn­te es so weit sein mit dem Finanz­crash, der dann in der Gewichts­klas­se 1929 kämpft, sobald erst sicht­bar wer­de, was bereits vor Jah­ren durch fal­sche Wei­chen­stel­lung ein­ge­tre­ten ist. Mit Blick auf die Brüs­se­ler Büro­kra­tie und deren aus­ge­präg­te Nei­gung zu Ver­tu­schung und dreis­ten Lügen (Zitat Juncker: „Wenn es ernst wird, muss man lügen“) wür­de ich zwar noch ein oder zwei Jähr­chen drauf­le­gen und natür­lich genau wie Krall eine Fla­sche Scham­pus öff­nen, wenn alles ganz anders käme – aber prin­zi­pi­ell könn­te Mar­kus Krall Recht behal­ten und je län­ger der Absturz noch auf sich war­ten lässt, umso grö­ßer wird die Fall­hö­he sein. Im Moment reden wir von der Grö­ßen­ord­nung etwa der Hälf­te des seit 1948 ange­spar­ten Volks­ver­mö­gens, das ver­nich­tet wür­de. Ich höre sie förm­lich scharf Luft holen, lie­be Lese­rin­nen und Leser, mir ging es nicht anders.

Und jedem Anfang wohnt ein Zau­ber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
(Her­mann Hesse)

Ein dem Sar­kas­mus zunei­gen­der Mensch erkennt natür­lich einen unge­heue­ren Kol­la­te­ral­nut­zen, der einem Absturz aus den luf­ti­gen Höhen des Euro inne­wohnt. All die Hash­tag-Initia­ti­ven, Gen­der-Bewe­gun­gen, Wohl­fühl­pro­jek­te, Will­kom­mens-Stuhl­krei­se und ter­tiär­po­li­ti­schen Honig­schle­cke­rei­en hauch­ten ihr Dasein schlag­ar­tig aus, sobald die Zit­zen von Par­tei­en, Gewerk­schaf­ten, Minis­te­ri­en und der EU kei­ne Milch mehr geben. Die ver­stum­men­den Laut­spre­cher des ali­men­tier­ten und betreu­ten „Mea­ning of Life“ und ihre Medi­en­ver­stär­ker wür­den, nach­dem sie kur­ze Zeit laut­stark um ihr Über­le­ben gebet­telt hät­ten, für den eigent­li­chen Sound der Kri­se sor­gen: Stil­le! Unnö­tig zu erwäh­nen, dass auch die Attrak­ti­vi­tät Euro­pas als Ziel und Sied­lungs­raum inter­na­tio­na­ler Migra­ti­ong­s­strö­me schlag­ar­tig zer­brö­seln wür­de, weil unter dem Regen­bo­gen kein Topf voll Gold mehr auf die Neu-Euro­pä­er war­te­te. So könn­te sich para­do­xer­wei­se und auf sehr lan­ge Sicht ein geflü­gel­tes Kanz­le­rin­nen­wort in leicht ver­än­der­ter Form als wahr­haf­tig und als Ret­tung Euro­pas erwei­sen, denn nur weil der Euro schei­tern wird, kann das Schei­tern Euro­pas abge­wen­det wer­den. Ich sage Euro­pas, nicht der EU, weil die­se Orga­ni­sa­ti­on den Crash sicher nicht über­ste­hen wird. Jeden­falls nicht in ihrer heu­ti­gen Form.

Eine Ein­schrän­kung Kralls Sze­na­ri­os und viel­leicht unse­re letz­te Hoff­nung um dem kurz­fris­ti­gen Crash zu ent­ge­hen könn­te sein, dass die Ban­ken in Wirk­lich­keit seit Jah­ren peni­bel dar­auf ach­ten, wem sie Kre­di­te geben und wo sie Kre­dit­li­ni­en zurück­fah­ren müs­sen, weil sie jene „Zom­bie-Fir­men“ sicher erken­nen, die sich nur auf­grund der nied­ri­gen Zin­sen über­haupt noch halb­wegs über Was­ser hal­ten kön­nen. Doch dann fällt Ihnen sicher ein, dass es sich immer noch um die­sel­ben Ban­ken han­delt, die ihnen noch vor zehn Jah­ren und vor dem letz­ten Finanz­crash 2007/2008 Sub-Prime-Dar­lehn in schi­cken AAA bewer­te­ten Deri­va­ten von Leh­man Bro­thers ver­kauft hät­ten, ohne auch nur mit der Wim­per zu zucken. Das die Ban­ken also recht­zei­tig gegen­steu­ern kön­nen, darf bezwei­felt werden.

Zwei Bemerkungen noch

Sie ken­nen das Wort „Ban­ken-Uni­on“ sicher aus Nach­rich­ten­sen­dun­gen, spe­zi­ell wenn es um EU-The­men, den vor­pre­schen­den Macron und die zau­dern­de Kanz­le­rin geht. Eine Euro­päi­sche Ban­ken-Uni­on wäre in den drei Sze­na­ri­en, die Mar­kus Krall gleich erwäh­nen wird, der Weg der soge­nann­te „Sowje­ti­sie­rung“. Ein Weg, den die EU-Büro­kra­ten offen­sicht­lich bereit sind zu gehen, denn in kei­ne ande­re Rich­tung gibt es so gro­ße Bemü­hun­gen. Als letz­tes noch eine klei­ne Eck­zahl, die sie ver­ste­hen wer­den, wenn Sie das Video gese­hen haben: Die mäch­tig unter Spar­zwang und im Feu­er ste­hen­de Deut­sche Bank hat im ver­gan­ge­nen Jahr (2017) eine Kos­ten­ein­spa­rung von 3,5% hin­be­kom­men. Mer­ken Sie sich bit­te die­se Zahl. Jetzt habe ich aber genug Depri­mie­ren­des geschrie­ben, den Rest gibt Ihnen Mar­kus Krall. Film ab!

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Das am Ende erwähn­te Buch (The Rot­ten Heart of Euro­pe) ist der­zeit lei­der ver­grif­fen. Die Lek­tü­re von Hen­ryk M. Bro­ders „Die letz­ten Tage Euro­pas – wie wir eine gute Idee ver­sen­ken“ ver­mit­telt jedoch einen eben­so guten Ein­druck von dem, was die EU heu­te ist und was sie Zusam­men­hält: Planwirtschaft!

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20 Kommentare

  1. Wenn man Schum­pe­ter und Kont­ra­dieff glau­ben darf, und mir schei­nen die Theo­rien logisch, dann kommt bald ein wirt­schaft­li­cher Abschwung. Dann wird es rich­tig span­nend. Ent­we­der die EU drückt dann, wohl­mei­nend selbst­ver­ständ­lich, die sozia­lis­ti­sche Plan­wirt­schaft durch, oder der gan­ze Laden fliegt uns um die Ohren. Womög­lich eine Kom­bi­na­ti­on aus beidem.

    • Ein Wirt­schafts­raum kann sich nur durch real erzeug­ten Mehr­wert über Was­ser hal­ten. Bei pro­duk­ti­ven Berei­chen wie Bil­dung, Infra­struk­tur, Fort­schritt lohnt sich die Inves­ti­ti­on, weil sie die Pro­duk­ti­vi­tät und Wert­schöp­fung erhöht.

      Wei­te Tei­le der EU nei­gen aber zu kon­sump­ti­ven Aus­ga­ben. Deutsch­land impor­tiert Mil­lio­nen von Men­schen, die Null Mehr­wert schaf­fen, aber mate­ri­el­le Pro­duk­te kau­fen und Dienst­leis­tun­gen in Anspruch neh­men. Von die­sem Han­del pro­fi­tie­ren vie­le, ange­fan­gen bei der kirch­li­chen Sozi­al­in­dus­trie über Ver­mie­ter und Rechts­an­wäl­te bis hin zu Nach­hil­fe­leh­rern, Logo­pä­den, The­ra­peu­ten, Zahn­ärz­ten, Secu­ri­ty­kräf­ten, Rich­tern, Bestat­tern, Gefäng­nis­wär­tern und Bewährungshelfern.

      All die­se Dienst­leis­tun­gen bil­den zwar ein gro­ßes BSP, zumal bei gleic­zei­ti­gem Geld­dru­cken; sie besche­ren aber der Gesamt­ge­sell­schaft kei­nen nach­hal­ti­gen Mehr­wert. Daher sinkt der Wert unse­rer Wäh­rung zwangs­läu­fig. Die Kauf­kraft sinkt nicht weil die bösen Kapi­ta­lis­ten den armen Arbei­ter um die Früch­te sei­ner Malo­che betrü­gen, wie man uns ein­re­den will. Son­dern weil den hier Leben­den jeg­li­cher Leis­tungs­wil­le aberzo­gen wird, auf weni­ger Wert­schöp­fung eine stei­gen­de Zahl von Trans­fer­emp­fän­gern kommt.

      Gleich­zei­tig gewin­nen die Wäh­run­gen funk­tio­nie­ren­der Wirt­schafts­räu­me an Wert; sie­he Dol­lar und bald auch das Pfund.

  2. Das war ein inter­es­san­tes Dooms­day­sze­na­rio. Ich woll­te mich sowie­so mal mit der deut­schen Geld­bla­se beschäf­ti­gen, da pass­te das. Inhalt­lich gibts übri­gens im eng­lisch­spra­chi­gen Raum eini­ges ähn­li­ches Mate­ri­al, das einen Sys­tem­zu­sam­men­bruch vor­her­sagt, und das behaup­tet, ent­we­der die „unfun­ded lia­bi­li­ties“ oder der Leit­zins wären in der gegen­wär­ti­gen Form weder halt­bar, noch könn­te man die­se Din­ge so anpas­sen, dass sie halt­bar wür­den. Unfun­ded Lia­bi­li­ties nicht, weil man es nicht ohne gro­ße Kol­la­te­ral­schä­den an Leib und Leben durch­set­zen könn­te, Men­schen Ansprü­chen weg­zu­neh­men, auf die die­se sich ein­ge­rich­tet haben, und den Leit­zins kann man nicht heben, weil dann eine zu gro­ße Plei­te­wel­le fol­gen wür­de, die man nun schon zu lan­ge auf­ge­scho­ben hat. „Kicking the can down the road“ ist im eng­lisch­spra­chi­gen Raum eine häu­fi­ge Beschrei­bung. Was ich jedoch infra­ge­stel­len wür­de, ist der Zeit­plan, der im Video vor­ge­stellt wird. So lan­ge es mög­lich ist, anhand staat­li­cher Ein­grif­fe zu ver­hin­dern, dass es den Crash gibt, wird dies gesche­hen. Der Preis, zu dem dies erfolgt, ist halt, dass man den Markt wei­ter abschafft. So lan­ge man es aber so aus­se­hen las­sen kann, als habe alles sei­ne Ord­nung, steht dem Lauf des Sozia­lis­mus nichts im Weg, und die­ser ist sogar erwünscht, weil man die Unsi­cher­heit eines gro­ßen Crashs gegen eine Art der Sicher­heit ein­tauscht, die zwar jedem im Weg ist und Armut und Inef­fi­zi­enz bewirkt, die jedoch nicht unkon­trol­lier­bar ist. Men­schen haben Angst davor, die Kon­trol­le über die Ereig­nis­se abzu­ge­ben, und sich dem Cha­os aus­zu­lie­fern. Selbst, wenn das Cha­os unterm Strich das klei­ne­re Übel, oder gar posi­tiv wäre. Zudem fra­ge ich mich, ob die Berech­nungs­grund­la­ge des Zeit­plans, und der ver­wen­de­te Daten­satz, öffent­lich ein­seh­bar sind. Falls nicht, man­gelt es dem Zeit­plan an Nach­prüf­bar­keit. Ich fin­de aber gut, dass der Aut­hor ein Buch über schwar­ze Schwä­ne und deren Kin­der geschrie­ben hat. (https://en.wikipedia.org/wiki/Black_swan_theory)

    Abge­se­hen davon hät­te ich eini­ge inhalt­li­che Anmerkungen:

    - Im Video wird es so dar­ge­stellt, als wäre die Wirt­schafts­kri­se, die den Füh­rer an die Macht gebracht hat, eine infla­tio­nä­re Kri­se gewe­sen. Das stimmt aber nicht. Die Wirt­schafts­kri­se von 1929 nahm in den USA ihren Anfang, und war durch Defla­ti­on gekenn­zeich­net. Sie fing damit an, dass eine jüdi­sche Bank (Chrrr, de Jodn!) plei­te ging, was einen Bank­run aus­lös­te, wes­halb wei­te­re Ban­ken fie­len, was eine Defla­ti­on aus­lös­te. Die Defla­ti­on wur­de dadurch ver­schärft, dass die US-Regie­rung dies für eine gute Gele­gen­heit hielt, ihre Gold­re­ser­ven aus­zu­wei­ten, indem sie die Geld­men­ge redu­ziert. Man dach­te sich damals, nach Bera­tung mit eini­gen bekann­ten öste­rei­chi­schen Öko­no­men, dass es doch mal ne gute Ent­wick­lung wäre, wenn die schwächs­ten Unter­neh­men plei­te gin­gen, weil es die Vita­li­tät der Wirt­schaft stärkt, wenn Die­se liqui­diert wür­den. In Schland kam es dann wegen des gestie­ge­nen Dol­lar- und Gold­prei­ses zu einer Infla­ti­on, weil die Wei­ma­rer Repu­blik ihre Rech­nun­gen nicht mehr zah­len konn­te, und des­halb wie blöd Geld druckte. 

    - Am Ende sagt der Typ, die Cui-Bono-Nutz­nie­ßer der Geld­bla­se sei­en Hedge-Fonds und Spe­ku­lan­ten. Dem möch­te ich ener­gischst wider­spre­chen. Hedge-Fonds und Spe­ku­lan­ten kön­nen plei­te gehen. Die­se Aus­sa­ge macht unge­fähr so viel Sinn, wie zu behaup­ten, bei der Fuß­ball-WM hät­ten die­je­ni­gen vom Aus­schei­den Schlands pro­fi­tiert, die im Wett­bü­ro eine Wet­te auf Frank­reich lau­fen hat­ten. Wet­ten kann man halt gewin­nen und ver­lie­ren, aber sie sind unab­hän­gig vom Ereig­nis, und Schland hat die WM ganz gewiss nicht des­halb ver­lo­ren, damit der fran­ko­phi­le Murad nen fet­ten Wett­ge­winn ein­strei­chen kann. Mir ist klar, dass der Typ sagt, dass es nicht um Spe­ku­lan­ten an sich geht, son­dern um die­je­ni­gen Spe­ku­lan­ten, die dar­auf wet­ten, dass sie, falls sie plei­te gehen, mit­tels Cor­po­ra­te Wel­fa­re geret­tet wer­den. Aller­dings sind die­je­ni­gen, die damit rech­nen kön­nen, kei­ne Wild­west-Spe­ku­lan­ten, son­dern eher halb­staat­li­che Unter­neh­men, bezie­hungs­wei­se Unter­neh­men, die hoch­gra­dig regu­liert sind, und eng mit dem Staat zusam­men­ar­bei­ten. Sofern die Leis­tun­gen von Behör­den beson­ders schlecht sind, erhöht man halt deren Bud­get. Das ist die Logik. Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus ist dar­an unschul­dig, und ist eher die Lösung als das Problem.

    Wenn jemand an der Geld­bla­se gewinnt, dann sind es Immo­bi­li­en­be­sit­zer und Bör­sen­un­ter­neh­men. Ganz ein­fach des­halb, weil über­flüs­si­ges Geld, das nir­gends mit höhe­rem Gewinn direkt inves­tiert wer­den kann, sich nun­mal sei­nen Weg in Geld­an­la­gen sucht, die ver­gleichs­wei­se sicher sind, und die Ren­di­te abwer­fen. Und die­se Geld­an­la­gen fin­det man auf dem Akti­en- und Immo­bi­li­en­markt. Und natür­lich unpro­duk­ti­ve Arbeit­neh­mer, die trotz ihrer Unpro­duk­ti­vi­tät nicht gefeu­ert wer­den. Rent­ner und Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger sind eben­falls Nutz­nie­ßer der nied­ri­gen Zin­sen, weil mehr Geld da ist, das man in ihre Rich­tung umver­tei­len kann. Und der größ­te Gewin­ner ist der­je­ni­ge, der das Geld zuerst aus­gibt, weil eine Aus­wei­tung der Geld­men­ge ja einen Ver­lust der Kauf­kraft bewirkt, und für ihn das Geld mehr Kauf­kraft hat, als für alle Markt­teil­neh­mer danach. Den erkennt man am Gießkännchen.

    Wes­halb Spe­ku­lan­ten, die ledig­lich Wet­ten abschlie­ßen, die man gewin­nen oder ver­lie­ren kann, als Nutz­nie­ßer genannt wur­den, erschließt sich mir nicht. Das ist wohl so ne kogni­ti­ve Dis­so­nanz, bei der von allen Sei­ten Recht­fer­ti­gun­gen und Sün­den­bö­cke zum Ein­satz kom­men. Frü­her warens die Finanz­ju­den, heu­te sinds die Spe­ku­lan­ten. So ver­mei­det man die Ein­sicht, dass das, was man für gut und rich­tig hält, falsch und schäd­lich ist.

    - Der Typ zeigt drei gro­be Sze­na­ri­en auf, von denen Eins „Sovie­ti­sie­rung“ heißt, wäh­rend die bei­den Ande­ren zu einem Reset füh­ren. Er woll­te wohl sehr gründ­lich sein, und auch mög­li­che Alter­na­ti­ven zur alter­na­tiv­lo­sen Sovie­ti­sie­rung auf­zei­gen. Dies fin­de ich löb­lich, auch wenn wir alle wis­sen, dass es kei­ne die­ser zwei Alter­na­ti­ven sein wird.

    - Ich weiß nun, war­um sich Papa Staat nicht dar­um küm­mert, dass die Ren­te in ein Paar Jah­ren nicht mehr finan­zier­bar sein wird. Er rech­net halt mit Infla­ti­on. Wenn ein beleg­tes Bröt­chen 50€ kos­tet, kann man die ent­stan­de­nen Ren­ten­for­de­run­gen aus der Por­to­kas­se beglei­chen, und sogar noch groß­zü­gig Ren­ten­stei­ge­run­gen beschlie­ßen. Freut Euch, Ihr wer­det alle nomi­nal viel mehr Ren­te krie­gen, als befürch­tet! Herz­li­chen Glückwunsch!

    - Zum Abschluss noch etwas Abschwei­fung und eine Ver­schwö­rungs­theo­rie: Mal ange­nom­men, das Ban­ken­sys­tem fällt, die Geld­bla­se platzt, und die Hälf­te des gesam­ten seit 1948 ange­häuf­ten Volks­ver­mö­gens ist weg… Naja, das wür­de doch sozia­le Über­wer­fun­gen ver­ur­sa­chen. Bei sol­chen Wäh­rungs­kri­sen ster­ben Men­schen wie die Flie­gen. Und man kann durch­aus behaup­ten, der Staat sei Schuld dar­an. Wäre es, so rein mac­chia­vel­lis­tisch betrach­tet, aus Legi­ti­mi­täts­grün­den, nicht durch­aus prak­tisch, wenn es dann einen äuße­ren Feind gibt, zu des­sen Bekämp­fung man den Staat braucht? Sowas wie maro­die­ren­de Flücht­lin­ge, die maro­die­ren, weil ihre zahl­rei­chen Kin­der ver­hun­gern, seit­dem ihnen die Sozi­al­hil­fe gestri­chen wur­de? Das wäre doch bil­li­ger als ein rich­ti­ger Krieg, wenn es dar­um geht, die eige­ne Macht­ba­sis mit­tels Not­stands­maß­nah­men zu behal­ten und auszuweiten.

    Dies ist jetzt der Punkt, an dem ich fra­gen muss, ob es eigent­lich ille­gal wäre, eine Wet­te dar­über abzu­schlie­ßen, ob sich aus einer sol­chen Situa­ti­on, die irgend­wann ein­tre­ten muss, ein Geno­zid ent­wi­ckelt. Falls dies nicht ille­gal ist, wür­de ich näm­lich drei Hüh­ner und eine Kis­te Äpfel dar­auf set­zen, dass es zu einem sol­chen kommt. Min­des­tens jedoch zu Ver­trei­bun­gen mit Todes­mär­schen, und hohem Body­count im Ziel­ge­biet. Möch­te jemand dage­gen wetten?

    • Kur­ze Ant­wort auf Dein (hier nicht frei­ge­ge­be­nes) Feed­back (weil OT): Das war eher ein Expe­ri­ment. Ich behal­te das alte Design vor­erst bei. Und Suche… die fin­det Du ganz oben unter dem Twitter-Link. 😉

    • > Sowas wie maro­die­ren­de Flücht­lin­ge, die maro­die­ren, weil ihre zahl­rei­chen Kin­der ver­hun­gern, seit­dem ihnen die Sozi­al­hil­fe gestri­chen wur­de? Das wäre doch bil­li­ger als ein rich­ti­ger Krieg, wenn es dar­um geht, die eige­ne Macht­ba­sis mit­tels Not­stands­maß­nah­men zu behal­ten und auszuweiten.

      M.E. gibt es dazu Ver­schie­de­nes zu sagen. 

      > äuße­ren Feind

      Der wae­re dann schon rein oert­lich ein Inne­rer. Die damit allein ver­bun­de­nen Pro­ble­me machen die­sen Krieg wohl schon in mehr­fa­cher Hin­sicht teu­rer als Einer weit weg.

      > Sowas wie maro­die­ren­de Flücht­lin­ge, die maro­die­ren, weil ihre zahl­rei­chen Kin­der ver­hun­gern, seit­dem ihnen die Sozi­al­hil­fe gestri­chen wurde?

      Maro­die­ren wer­den die jetzt hier­her geschick­ten Zweit- Dritt- und wei­te­ren Soeh­ne der gegen­wa­er­ti­gen Genera­ti­on, gefuehrt von mili­tae­risch oder para­mi­li­tae­risch geschul­tem Per­so­nal, wel­ches sich schon seit Oeff­nung der Gren­zen und auch vor­her hier­her bewegt hat. Gelingt denen noch ein Dach z.b. unter einer geeig­ne­ten Reli­gi­on wird es weder mit bil­li­ger noch teu­rer Kriegs­fueh­rung etwas. Soll­te das Gan­ze wei­ter in der Zukunft pas­sie­ren, kom­men die dann hier Neu­ge­bo­re­nen dazu. Die not­wen­di­ge Aggre­si­vi­ta­et und Selbst­be­gru­en­dung ist latent und auch mani­fes­tiert jetzt schon pro­blem­los sicht­bar, ganz ohne gestri­che­ne Sozi­al­hil­fe (im Gegen­teil – trotz ueber­pro­por­tio­nal Flies­sen­der). Nur der Orga­ni­sa­ti­ons­grad fehlt noch. M.E. ueb­ri­gens das ein­zi­ge Pfund – Staat ist tra­di­tio­nell ein schwa­cher Punkt der tri­bal gepra­eg­ten Kli­en­tel, von der hier gespro­chen wird. Dum­mer­wei­se schwaecht sich der Staat i.M. auch hier.

      > Ver­trei­bun­gen mit Todesmärschen

      Wort­wahl des ers­ten und die Ver­bin­dung mit dem zwei­ten Begriff hal­te ich fuer zumin­dest pole­misch. Denn das RUECKFUEHRUNGEN bei den sich gegen­wa­er­tig ent­wi­ckeln­den Zah­len eine der unmit­tel­ba­ren Fol­ge­kon­se­quen­zen einer erreich­ten Grenz­schlies­sung (not­wen­dig, aber auch erst ein­mal zu rea­li­sie­ren) sein mues­sen, erscheint mir zwin­gend. Ver­trei­bun­gen sind das des­we­gen nicht. Wie das inhalt­lich aus­se­hen wird, haengt auch davon ab, wie weit sich die Lage wei­ter zuspit­zen kann. Und das laesst sich ganz sim­pel in ver­strei­chen­der Zeit unter Bei­be­hal­tung der gegen­wa­er­ti­gen Rand­be­din­gun­gen mes­sen. Gegen­wa­er­tig greift ja in D nicht ein­mal die Mini­mal­an­for­de­rung nach einer Ent­fer­nung des Pullfaktors.

      • Ich ver­su­che mal zu begrün­den, wes­halb ich den­ke, dass sich die Situa­ti­on zu einem Geno­zid ent­wi­ckeln wird. Ich neh­me dabei Abstand von allen poli­ti­schen Erklä­run­gen, weil ich die­se für unzu­rei­chend und ober­fläch­lich hal­te. Soll­te der Ein­druck ent­ste­hen, als wür­de ich einen Geno­zid für eine gute Idee hal­ten, von der ich jeman­den über­zeu­gen möch­te, so hängt dies damit zusam­men, dass Din­ge, die wie eine gute Idee klin­gen, mit der man Men­schen über­zeu­gen kann, wahr­schein­lich imple­men­tiert wer­den. Abge­se­hen davon wären alle ande­ren Argu­men­ta­ti­ons­stra­te­gien lang­wei­lig, und wür­den die Län­ge die­ses Texts ins End­lo­se ziehen.

        > > äuße­ren Feind
        > Der wae­re dann schon rein oert­lich ein Inne­rer. Die damit allein ver­bun­de­nen Pro­bleme machen die­sen Krieg wohl schon in mehr­fa­cher Hin­sicht teu­rer als Einer weit weg.

        Nee, das wäre ein Äuße­rer. Als die Wehr­macht in Russ­land war, war sie auch rein ört­lich in Russ­land, und den­noch kein inne­rer Feind. Inne­rer Feind waren Defä­tis­ten und Reak­tio­nä­re, die man nicht ein­fach so von den eige­nen Leu­ten unter­schei­den konn­te. Wenn man nen Feind anhand von irgend­wel­chen Merk­ma­len – Spra­che, Aus­se­hen, etc. – von den eige­nen Leu­ten unter­schei­den kann, und es zu Kampf­hand­lun­gen kommt, orga­ni­siert man sich so um, dass er zu einem äuße­ren Feind wird. Die Wei­ße Armee war auch der äuße­re Feind der Roten Armee, obwohl bei­de rus­sisch waren, auf rus­si­schem Gebiet ope­rier­ten, und Rück­halt und Fami­lie in der Zivil­be­völ­ke­rung hat­ten, und deren Fami­li­en seit Genera­tio­nen in direk­ter Nach­bar­schaft lebten.

        > Maro­die­ren wer­den die jetzt hier­her geschick­ten Zweit- Dritt- und wei­te­ren Soeh­ne der gegen­wa­er­ti­gen Gene­ra­tion, gefuehrt von mili­tae­risch oder para­mi­li­tae­risch geschul­tem Per­so­nal, wel­ches sich schon seit Oeff­nung der Gren­zen und auch vor­her hier­her bewegt hat.

        Die mögen zwar den Vor­teil genie­ßen, dass sie nicht so ver­weich­licht sind, wie im hie­si­gen Sprach­raum auf­ge­wach­se­ne Men­schen, aber mit Ent­schlos­sen­heit allei­ne kommt man im gro­ßen Maß­stab nicht wei­ter. Es wäre nicht teu­er, mit der Bekämp­fung zu begin­nen, sofern man auf sol­che Höf­lich­kei­ten wie die Beach­tung der Men­schen­rech­te ver­zich­tet. Über­leg mal: Die sind in aus­hun­ger­ba­ren Bal­lungs­ge­bie­ten kon­zen­triert, sind wei­test­ge­hend unbe­waff­net, sind tech­no­lo­gisch wei­test­ge­hend unfä­hig, ver­fü­gen über kei­ne eige­ne leis­tungs­fä­hi­ge Infra­struk­tur, und so wei­ter. Krieg gewinnt man mit­tels Infra­struk­tur, Tech­no­lo­gie, und über­le­ge­ner Bewaff­nung. In die­ser Rei­hen­fol­ge. Soll­ten die zum Feind erklärt wer­den, hät­ten die ihrer Bekämp­fung nichts ent­ge­gen­zu­set­zen. Und soll­ten die sich in ihrer Rol­le des Unter­wor­fe­nen dann nicht ein­fin­den, oder die Mas­se als Deckung nut­zen, könn­te man die­se Deckung ein­fach zusam­men­schie­ßen, genau so, wie mans in Sri Lan­ka gemacht hat, als man die Tamil Tigers bekämpf­te. Was übri­gens eine funk­tio­nie­ren­de Scha­blo­ne dafür ist, wie man von der Bevöl­ke­rung unter­stütz­ten Ter­ro­ris­mus kos­ten­ef­fek­tiv bekämp­fen kann. Ist grau­sam, aber es funktioniert.

        Was den Wes­ten bis­her an sol­chen Din­gen gehin­dert hat, ist, dass es bei den Nach­barn und den Ver­bün­de­ten kei­nen guten Ein­druck gemacht hät­te. Häss­li­che Bil­der, und viel­leicht auch dar­auf­fol­gen­de Sank­tio­nen. Ange­sichts der Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung im Wes­ten eben­so wie in der drit­ten Welt, ist die Angst vor den häss­li­chen Bil­dern aber etwas, das man able­gen wird, weil man sich sonst von dem­je­ni­gen, der es auf häss­li­che Bil­der ankom­men lässt, erpress­bar macht. Und Sank­tio­nen sind auch eher zahn­los, wenn der Sank­tio­nie­ren­de selbst plei­te ist, und er sich um eige­ne Pro­ble­me küm­mern muss.

        Sobald das weg­fällt, gibts dann nie­man­den mehr, der sich an häss­li­chen Bil­dern stört, oder der in der Posi­ti­on wäre, Sank­tio­nen ver­hän­gen zu kön­nen. In Sri Lan­kas Umge­bung stör­te sich auch nie­mand dar­an, dass die alle Tami­len in einer klei­nen Green-Zone kon­zen­trier­ten, alles außer­halb zu einer Kill-Zone mach­ten, und die Green-Zone mehr­fach ver­klei­ner­ten, und die­se mit Artil­le­rie beschos­sen, sobald dar­in jemand auf­muck­te. Außer­halb der Green Zone lagen, nach­dem sich die Lage beru­higt hat­te, last­wa­gen­wei­se nack­te, ver­we­sen­de, weib­li­che Lei­chen her­um. Wenn man die Regi­on heu­te besucht, fin­det man an jeder Ecke Frau­en, die sagen, sie sei­en damals ver­ge­wal­tigt wor­den, und bei einem Groß­teil der Bevöl­ke­rung ist eine post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung fest­stell­bar. Aber man fin­det eben kei­ne Tamil Tigers mehr, die noch vor eini­gen Jah­ren eine grö­ße­re und schlag­kräf­ti­ge­re Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on als Al Qae­da zu deren Hoch­zei­ten im Irak war.

        > Maro­die­ren wer­den die jetzt hier­her geschick­ten Zweit- Dritt- und wei­te­ren Soeh­ne der gegen­wa­er­ti­gen Gene­ra­tion, gefuehrt von mili­tae­risch oder para­mi­li­tae­risch geschul­tem Per­so­nal, wel­ches sich schon seit Oeff­nung der Gren­zen und auch vor­her hier­her bewegt hat. Gelingt denen noch ein Dach z.b. unter einer geeig­ne­ten Reli­gion wird es weder mit bil­li­ger noch teu­rer Kriegs­fueh­rung etwas. Soll­te das Gan­ze wei­ter in der Zukunft pas­sie­ren, kom­men die dann hier Neu­ge­bo­re­nen dazu.

        Denk mal amo­ra­lisch. Tu so, als wür­dest Du Mas­ters of Ori­on spie­len. Geno­zid ist ein tech­ni­sches Ver­fah­ren zur Lösung eines Pro­blems. Wie lau­tet das Problem?

        > Denn das RUECKFUEHRUNGEN bei den sich gegen­wa­er­tig ent­wi­ckeln­den Zah­len eine der unmit­tel­ba­ren Fol­ge­kon­se­quen­zen einer erreich­ten Grenz­schlies­sung (not­wen­dig, aber auch erst ein­mal zu rea­li­sie­ren) sein mues­sen, erscheint mir zwingend. 

        Rück­füh­run­gen wohin? Wohin willst Du jeman­den zurück­füh­ren, des­sen Iden­ti­tät unge­klärt und wahr­schein­lich frei erfun­den ist, und des­sen vor­geb­li­ches Hei­mat­land ihn aus die­sem Grund nicht haben will? Oder, der hie gebo­ren wur­de, und des­halb kei­ne „Hei­mat“ hat, in die man ihn abschie­ben kann. Mal ganz abge­se­hen davon, dass die Hei­mat­län­der jetzt schon mit den Fol­gen der Über­be­völ­ke­rung zu kämp­fen haben, und des­halb selbst auch kei­ne unin­te­grier­ba­ren Flücht­lin­ge haben wol­len. Klingt das für Dich nach einem unge­lös­ten Pro­blem? Wie meinst Du, wird sich die­ses Pro­blem ent­wi­ckeln, wenn man die Hei­mat­län­der nicht mehr mit Ent­wick­lungs­gel­dern bestechen kann, weil man selbst plei­te ist?

        Als ich das Wort „Todes­mär­sche“ gebrauch­te, war das kei­ne pole­mi­sche Anspie­lung auf Abschie­bun­gen. Todes­mär­sche sind lan­ge Mär­sche ohne Nah­rungs­ver­sor­gung, auf denen die Betei­lig­ten ihre Kalo­rien­re­ser­ven so lan­ge ver­bren­nen, bis sie lie­gen blei­ben. In der Ver­gan­gen­heit wur­den Todes­mär­sche ein­ge­setzt, wenn man mehr Men­schen los­wer­den woll­te, als man Unter­brin­gungs­plät­ze hat­te. Man wähl­te Todes­mär­sche, weil die­se ziem­lich fried­lich und unspekt­a­tu­lär ablau­fen, da die Men­schen zuerst den­ken, es wäre eine ganz nor­ma­le Ver­le­gung, und ihnen spä­ter die not­wen­di­gen Kalo­rien zur Gegen­wehr feh­len. Abge­se­hen davon hat man, wäh­rend lang anhal­ten­der kör­per­li­cher Anstren­gung, zwar kein Hun­ger­ge­fühl, die kogni­ti­ve Leis­tung lässt aber nach. Das Gehirn ver­brennt nor­ma­ler­wei­se aus­schließ­lich Glu­co­se, und funk­tio­niert schlech­ter, wenn der Stoff­wech­sel auf die Ver­bren­nung von Fett oder Pro­te­in umge­stellt wird. Man mar­schiert also ein­fach stumpf so lan­ge wei­ter, bis man umfällt und im Stra­ßen­gra­ben lie­gen bleibt, und rea­li­siert gar nicht, dass damit der wah­re Bestim­mungs­ort erreicht ist.

        Noch­mal: Für wel­ches Pro­blem wäre die­ses tech­ni­sche Ver­fah­ren eine Lösung? Denk amoralisch.

        > Wie das inhalt­lich aus­se­hen wird, haengt auch davon ab, wie weit sich die Lage wei­ter zuspit­zen kann. Und das laesst sich ganz sim­pel in ver­strei­chen­der Zeit unter Bei­be­hal­tung der gegen­wa­er­ti­gen Rand­be­din­gun­gen mes­sen. Gegen­wa­er­tig greift ja in D nicht ein­mal die Mini­mal­an­for­de­rung nach einer Ent­fer­nung des Pullfaktors.

        Ich per­sön­lich hab gute Erfah­run­gen damit gemacht, das, was man als „Gesell­schaft“ bezeich­net als ein kom­ple­xes Sys­tem zu betrach­ten. Damit mei­ne ich die Mathematische/Systemtheoretische Defi­ni­ti­on. Eine Eigen­schaft Kom­ple­xer Sys­te­me ist, dass sie sich nicht line­ar ent­wi­ckeln, son­dern sie plötz­lich auf unvor­her­seh­ba­re Wei­se umschla­gen kön­nen, und sie sich danach auf einem neu­en Gleich­ge­wicht ein­pen­deln. „But­ter­fly Effect“ nennt man dies. Oder auch „Black Swans“. Letz­te­res sind Ereig­nis­se mit durch­schla­gen­den Fol­gen, die auf­grund ihrer Unwahr­schein­lich­keit, nicht vor­her­seh­bar sind. Es gibt aber so vie­le mög­li­che Black Swan Ereig­nis­se, dass irgend­eins davon stän­dig ein­tritt. Wenn man sehr vie­le klei­ne Zah­len auf­ad­diert, kommt irgend­wann eine gro­ße Zahl her­aus. Letz­te­res ist die Wahr­schein­lich­keit, dass eines aus der Unzahl mög­li­cher Ereig­nis­se ein­tritt, so hoch, dass eines die­ser Ereig­nis­se sicher eintritt. 

        Kom­ple­xe Sys­te­me sind amo­ra­lisch. Das Sys­tem „Gesell­schaft“ inter­es­siert sich genau so sehr für die Moral­vor­stel­lun­gen ihrer Mit­glie­der, wie sich ein gro­ßer Amei­sen­schwarm für die Befind­lich­kei­ten der ihn zusam­men­set­zen­den Amei­sen inter­es­siert. Die soll­ten nicht ver­hun­gern, weil das den Schwarm schwä­chen wür­de, also hat die Nah­rungs­ver­sor­gung Prio­ri­tät. Wenn über­all gefähr­li­che Geschlechts­krank­hei­ten lau­ern, wie wäh­rend der Zeit vor der vic­to­ria­ni­schen Sexu­al­mo­ral, bekom­men die Amei­sen Keuch­heit als Wert ver­mit­telt, damit sie nicht mas­sen­wei­se an der Syphil­lis ster­ben, wie vor der vic­to­ria­ni­schen Sexu­al­mo­ral gesche­hen. Nach der Ent­de­ckung vom Peni­ci­lin fällt der Wert von Keusch­heit wie­der weg, und die Amei­sen dür­fen wie­der Spaß bei Orgi­en haben. Wenn Wirt­schafts­pro­zes­se auf­grund der weit­läu­fi­gen Stan­dar­di­sie­rung von Amei­sen viel effi­zi­en­ter ablau­fen, sofern die Amei­sen beson­ders tole­rant gegen­über frem­den Amei­sen sind, wird Tole­ranz als Wert ver­mit­telt. Wenn 50% der weib­li­chen Amei­sen unpro­duk­tiv sind, man folg­lich die Pro­duk­ti­vi­tät des Hau­fens stei­gern kann, indem man die­se Hälf­te auch auf den Arbeits­markt wirft, wird Femi­nis­mus und Frau­en­be­frei­ung als Wert ver­mit­telt. Sofern es vie­le Amei­sen mit unge­nutz­tem Poten­zi­al gibt, die auf­grund irgend­wel­cher Attri­bu­te aus­ge­schlos­sen wer­den, wird Inklu­si­on als Wert ver­mit­telt. Gewalt­ver­zicht in indi­vi­du­el­len Amei­sen ist prak­tisch, wenn man ein funk­tio­nie­ren­des Gewalt­mo­no­pol haben will, gleich­zei­tig aber auch die Res­sour­cen mini­mie­ren will, die die unpro­duk­ti­ven Krie­ger­droh­nen ver­schlin­gen. Also ver­mit­telt man Gewaltverzicht. 

        Wel­che Wer­te wür­den ver­mit­telt wer­den, wenn der Amei­sen­hau­fen von innen her­aus von einem ande­ren Amei­sen­hau­fen auf­ge­fres­sen wird? Wel­che Wer­te wür­dest Du ver­mit­teln, wenn Du ein amo­ra­li­scher Amei­sen­hau­fen in die­ser Situa­ti­on wärst? Anzu­neh­men, dass die­se Wer­te nicht geno­zi­dal sind, wür­de mei­ner Mei­nung nach behaup­ten, dass die­ser Amei­sen­hau­fen sei­ne Fähig­keit ver­lo­ren hat, sich auf eine sich ver­än­dern­de Umwelt ein­zu­stel­len. Und dage­gen spricht zumin­dest die Tat­sa­che, dass er noch existiert.

        BTW, eine inter­es­san­te Betrach­tungs­wei­se, die jetzt nichts mit dem The­ma zu tun hat, ist, dass die von mir genann­ten Amei­sen­hau­fen­wer­te lin­ke Wer­te sind. Außer Keusch­heit, aber ich glau­be, die­je­ni­gen, die die­se frü­her so extrem gefor­dert haben, wären, von ihrer psy­chi­schen Beschaf­fen­heit her, heu­te links. Ich hab hier ja schon mal die Lin­ken als die Extre­mis­ten unse­rer „Gesell­schaft“, und zeit­gleich deren größ­ten Opfer, bezeich­net. Das mein­te ich damit. Ich betrach­te Lin­ke als Über­so­zia­li­siert, bezie­hungs­wei­se als Extrem­so­zia­li­siert, und sehe das, was sie haben wol­len, als die rei­ne Aus­prä­gung des­sen, wor­auf­hin sich unser Amei­sen­hau­fen zube­wegt. Sie sind die Avan­gar­dis­ten, bei denen sich die Sozia­li­sie­rung ihres Amei­sen­hau­fens voll ent­fal­tet. Eben­so wie der isla­mi­sche Staat die reins­te Aus­prä­gung des­sen ist, wor­auf­hin sich der isla­mi­sche Amei­sen­hau­fen zube­wegt. Bei­de sind in den Wer­ten ihrer jewei­li­gen Amei­sen­hau­fen Über­so­zia­li­siert, und las­sen dadurch sehr deut­lich erken­nen, in wel­che Rich­tung sozia­li­siert wird.

        Lin­ke Gewalt ist übri­gens kein Gegen­ar­gu­ment, weil das Gebot des Gewalt­ver­zichts unter allen Umstän­den, eben­so wie das Gebot der Keusch­heit unter allen Umstän­den, psy­chi­sche Pro­ble­me ver­ur­sacht, die irgend­wie kom­pen­siert wer­den müs­sen. Lin­ke Gewalt rich­tet sich auch nicht gegen den Amei­sen­hau­fen an sich, son­dern gegen die, aus lin­ker Sicht, regres­si­ve Ele­men­te des Amei­sen­hau­fens, die den Amei­sen­hau­fen in sei­nem Fort­schritt behin­dern. Das Gewalt­ver­zicht­s­ar­gu­ment wird auch kom­plett weg­fal­len, sobald der Amei­sen­hau­fen dadurch grö­ße­re Vor­tei­le hat, als es Kos­ten ver­ur­sacht. Sie­he zum Bei­spiel die total durch­mi­li­ta­ri­sier­te preu­ßi­sche Gesell­schaft, in der die Duell­be­reit­schaft zum guten Ton gehör­te, oder die zeit­ge­nös­si­sche isla­mi­sche Gesell­schaft, die Frau­en, die Sex außer­halb der Gemein­schaft haben, mit Total­dis­kri­mi­nie­rung bis Tod bedrohen.

        Falls Du übri­gens den­ken soll­test, dass Gewalt­ver­zicht in allen Lagen kei­ne psy­chi­schen Pro­ble­me bewirkt, dann sieh mal zu, wie jemand aus Dei­nem Umfeld ver­ge­wal­tigt wird, und unter­drück wäh­rend­des­sen die dann auf­tre­ten­den Impul­se. Oder lass Dich selbst ver­ge­wal­ti­gen. Bei­des wird Dich vom Gegen­teil über­zeu­gen. Du wür­dest hin­ter­her selbst eine The­ra­pie brau­chen, in der Du weni­ger bear­bei­ten wirst, was gesche­hen ist, als, dass Du es gesche­hen las­sen hast. Der psy­chi­sche Krank­heits­ver­lauf bei Ver­ge­wal­ti­gun­gen ist schwe­rer, wenn gewalt­sa­me Gegen­wehr unter­blie­ben ist. Gegen­wehr unter­bleibt aber häu­fig, weil Instink­te, die sich gewalt­tä­tig aus­wir­ken, heut­zu­ta­ge weg­so­zia­li­siert wer­den. Neben­bei bemerkt wirkt sich dies zum Nach­teil ein­zel­ner Amei­sen, und zum Vor­teil des Hau­fens, aus. Der Hau­fen ist also amo­ra­lisch, und inter­es­siert sich nicht für die Befind­lich­kei­ten von Individuen.

        Wie gesagt, das ist eine inter­es­san­te Betrachtungsweise.

        • Die Sys­tem­theo­rie lass ich mal weg, obwohl ich die als Mathe­ma­ti­ker recht gut verstehe. 

          Ich habe etwas den Ein­druck, dass du dir in den Kon­se­quenz­be­trach­tun­gen selbst noch Mut zuspre­chen musst, ich habe gar nicht so sehr das Problem 🙂 

          Damit zum Inhalt: In die Ver­wen­dung von ‚aues­se­rem‘ oder ‚inne­rem‘ Feind bit­te nicht zu viel inter­pre­tie­ren. Ich habe das eher prag­ma­tisch in Bezug auf das das ‚teu­er‘ der erfor­der­li­chen Mass­nah­men gewa­ehlt. Und im Land befind­li­che Geg­ner haben halt ein paar mehr Moe­g­lich­kei­ten Scha­den anzu­rich­ten als von aus­ser­halb. Damit wae­ren wir bei dei­nen Vorteilen:
          Ich bin nicht sicher, wer gera­de gegen­wa­er­tig eine Bewaff­nung die­ser Leu­te hier wie ver­hin­dern kann, und dass die der bewaff­ne­ten deut­schen Kra­ef­te da irgend­wie ueber­le­gen wae­ren. Eben­falls sehe ich kei­ne zwin­gend ent­schei­den­de Vor­tei­le an Infra­struk­tur. Tei­le davon wie z.B. aktu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze wer­den vir­tu­os von allen moe­g­li­chen Mit­spie­lern genutzt.

          > Rück­füh­run­gen wohin? Wohin willst Du jeman­den zurück­füh­ren, des­sen Iden­ti­tät unge­klärt und wahr­schein­lich frei erfun­den ist, 

          Passt jetzt nicht ganz zu dei­nen Amo­ra­li­ta­ets- und Haer­te­for­de­run­gen. Her­kunft kann schon ermit­telt wer­den, wenn man denn will. Und dazu muss man noch nicht ein­mal zu sehr in Uner­spriess­li­ches abrut­schen. Etwas Wis­sen­schaft und Tech­nik zum auf den Zahn fueh­len genue­gen oft schon (eine Hand­wur­zel zu roent­gen soll­te dann aber wirk­lich kei­nen Auf­schrei mehr her­vor­ru­fen). Inves­ti­ti­on in die Requi­rie­rung und Aus­bil­dung von Leu­ten mit tie­fe­ren Kennt­nis­sen die­ser Gesell­schaf­ten und deren sys­te­ma­ti­scher Ein­satz in die (Re-)evaluierung erteil­ter Blei­be­be­rech­ti­gun­gen soll­ten wei­te­re Wun­der wir­ken. Spe­zi­ell wenn ent­spre­chend gesetz­lich flankiert.

          > und des­sen vor­geb­li­ches Hei­mat­land ihn aus die­sem Grund nicht haben will?

          Jetzt kann man lang­sam mal mit dem Durch­set­zen­mu­es­sen begin­nen. Der Durch­set­zung des Wil­lens die­ser Hei­mat­la­en­der speist sich aus der Durch­set­zungs­schwae­che z.B. die­ses Lan­des hier. Eine geschick­te­re Kom­bi­na­ti­on von Kau­fen (also nicht das, was Frau Mer­kel jetzt wohl gera­de ver­sucht) und Pis­to­le auf die Brust ist eine Facet­te. Falls jemand ‚white supre­ma­tists‘ nicht von vorn­her­ein suspekt sind sehe er sich deren Kata­lo­ge wei­cher Mass­nah­men an, die laen­ge­re Zeitrae­u­me umfas­sen. Kern: Auf­ent­halt hier unat­trak­tiv machen.

        • „Die Sys­tem­theo­rie lass ich mal weg, obwohl ich die als Mathe­ma­ti­ker recht gut verstehe. “

          Sys­tem­theo­rie, wie man das Wort im Zusam­men­hang mit kom­ple­xen Sys­te­men benutzt, ist nicht unbe­dingt mathe­ma­ti­scher Natur, son­dern besteht eher aus eini­gen uni­ver­sell anwend­ba­ren Denk­an­sät­zen. Aber wenn Du ver­stehst, wes­halb ich die Welt lie­ber als gro­ßen Amei­sen­hau­fen oder Agen­ten­sys­tem betrach­te, als jede Ange­le­gen­heit zu ver­mensch­li­chen, und in die übli­chen Denk­mus­ter zu pres­sen, fin­de ich das gut.

          „Ich habe etwas den Ein­druck, dass du dir in den Kon­se­quenz­be­trach­tun­gen selbst noch Mut zuspre­chen musst, ich habe gar nicht so sehr das Problem“

          Ich ver­ste­he nicht, was Du damit sagen willst. Steh ich auf dem Schlauch? 

          „Rest­li­cher Text“

          Mein Punkt war nicht, dass maro­die­ren­de Ban­den eine Chan­ce haben, einen gewalt­sa­men Umsturz zu bewir­ken, und des­halb eine pro­por­tio­na­le Gegen­re­ak­ti­on erfolgt. Die haben kei­ne Chan­ce. Maro­die­ren­de Ban­den sind ver­ein­zel­te Spin­ner, die gewalt­sam durch­dre­hen, und die sich eher ein Steak aus ihrem Nach­barn schnei­den wür­den, als den Staat zu stür­zen. Die haben weder die Waf­fen, noch die Infra­struk­tur, um es mit die­sem auf­zu­neh­men, ganz gleich, ob mit Dach­or­ga­ni­sa­ti­on, oder ohne. In jedem Fall sehe ich bei Dir zwei Denk­feh­ler: Ers­tens scheinst Du nicht zu ver­ste­hen, was die Isla­mis­ten machen, und zwei­tens irrst Du Dich dar­über, wie das Kräf­te­ver­lält­nis in einem direk­ten Kon­flikt aus­sä­he. Ich füh­re mal aus:

          1. Die Stra­te­gie der Islamisten. 

          Der Wes­ten ist für die nur ein Neben­schau­platz. Die haben die Twin Towers ange­grif­fen, weil sie eine Gegen­re­ak­ti­on pro­vo­zie­ren woll­ten, die ihre hei­mi­schen Dik­ta­tu­ren desta­bi­li­siert, und deren hei­mi­sche Bevöl­ke­rung ange­pisst unter dem Ban­ner des Pro­phe­ten ver­ei­nigt. Das hat geklappt. Als sie dann ihre Besat­zung hat­ten, wuss­ten sie, dass die Mili­tär­ein­sät­ze des Geg­ners furcht­bar teu­er sind, und die­sem irgend­wann die Koh­le aus­geht, wenn er hun­dert­tau­sen­de bis Mil­lio­nen Dol­lars aus­gibt, sobald irgend­wo mal zwei Jiha­dis­ten am Hori­zont auf­tau­chen, wäh­rend man aus einem unbe­grenz­ten Pool an Möch­te­gern­ji­ha­dis­ten schöp­fen kann, die man für ein Taschen­geld kau­fen kann. Eine Sei­te hat tol­le Waf­fen, aber auch hohe Kos­ten, und die ande­re Sei­te hat waf­fen­mä­ßi­gen Dreck, aber dafür bil­li­ges Men­schen­ma­te­ri­al. Naja, und Men­schen kos­ten dort nichts, und eig­nen sich zudem noch als Wea­pon-Deli­very-Sys­tem mit ner ziem­lich hohen Rechen­ka­pa­zi­tät. Asym­me­tri­sche Kriegs­füh­rung klappt halt. Nach­dem die Amis abge­zo­gen sind, hat­ten die Jiha­dis­ten den Rück­halt in der Bevöl­ke­rung, den so eine Beset­zung mit sich bringt, und sie haben dann ver­sucht, einen kon­ven­tio­nel­len Staat nach dem Vor­bild des Pro­phe­ten zu grün­den. Dies war der IS. Es bleibt span­nend, abzu­war­ten, wie es nun wei­ter­geht, nach­dem der IS angeb­lich besiegt wur­de. Es wür­de mich aber wun­dern, wenn die Sache schon vor­bei wäre. Die restruk­tu­rie­ren sich nur in ande­ren Milizen.

          Und was den Wes­ten angeht, legen die es dar­auf an, durch Ein­wan­de­rung und Gebur­ten einen hohen Bevöl­ke­rungs­an­teil zu errei­chen, und ent­we­der den gan­zen Staat auf demo­kra­ti­schem Weg zu über­neh­men, oder zu sezes­sie­ren. Ein­wan­de­rung ist ja mit­ler­wei­le ein sich selbst finan­zie­ren­der Selbst­läu­fer, und Gebur­ten wer­den sub­ven­tio­niert. Ter­ror­an­schlä­ge im Wes­ten hal­ten die über­haupt nicht für wirk­sam, son­dern sie rech­nen eher damit, dass die Regie­run­gen dar­auf reagie­ren, indem sie Unsum­men zur aus­ge­ben, um eini­ge bil­ligst her­an­ge­züch­te­te Jiha­dis­ten zu bekämp­fen, und wäh­rend­des­sen die Lebens­qua­li­tät der eige­nen wie der zuge­wan­der­ten Bevöl­ke­rung so weit ersti­cken, dass sie ihre Legi­ti­mi­tät ver­lie­ren, und es am Schluss wie eine Befrei­ung erschei­nen wird, wenn die Demo­kra­tien letzt­lich fal­len, und vom Kali­fat abge­löst wer­den. Die Stra­te­gie hier ist also gar nicht so viel anders, als die Stra­te­gie im Irak. Ein ange­neh­mer Neben­ef­fekt von Anschlä­gen ist, dass die Ein­hei­mi­schen dadurch miss­trau­isch gegeb­über den Neu­lin­gen wer­den, und des­halb die Segre­ga­ti­on för­dern. Für Jiha­dis­ten wäre es schließ­lich ein Pro­blem, soll­ten sich die Neu­bür­ger inte­grie­ren, und so sehr ver­west­li­chen, dass sie über­haupt nicht mehr nach den Regeln ihrer Reli­gi­on leben wol­len. Such mal nach dem Such­be­griff „Open Source Jihad“, und über­leg Dir, mit wel­chen Mit­teln man sowas ver­hin­dern kann, ohne das gan­ze Land in eine tota­le Dys­to­pie zu ver­wan­deln. Wobei, lies die spä­te­ren Aus­ga­ben der Dabiq oder die Rumi­yah, die sind bes­ser, aus­führ­li­cher, und unzen­sier­ter, als die Pres­se­be­rich­te über alte Al-Qae­da-Schin­ken. Wie gesagt: Über­leg, wie man sowas ver­hin­dern kann, ohne 1984 wie nen libe­ra­len Frei­heits­traum erschei­nen zu las­sen. Einen kon­ven­tio­nel­len Krieg oder Staats­streich brau­chen die über­haupt nicht, um zu gewin­nen. Wir, also der Wes­ten, haben uns da in einen Krieg ver­wi­ckeln las­sen, des­sen Hand­lungs­ab­läu­fe wir seit 15+ Jah­ren nicht ver­ste­hen, und den wir ver­lie­ren, weil wir nicht unkon­ven­tio­nell den­ken wol­len, und des­halb genau das tun, was von uns erwar­tet wird. Schein­bar hat Allah uns, neben der Unfrucht­bar­keit, auch mit Dumm­heit geschlagen.

          Eine klei­ne Rand­be­mer­kung: Den sel­ben Effekt, den Anschlä­ge haben, hat man aber auch ganz ohne Mär­ty­rer mit den sexu­el­len Beläs­ti­gungs­or­gi­en und der Gewalt­kri­mi­na­li­tät, wes­halb ich, wäre ich der Jihad-King, eher die­se Mit­tel för­dern wür­de, um Furcht in die Her­zen der Ungläu­bi­gen zu dingsen. Bin ich aber nicht, des­halb zählt mei­ne Mei­nung nicht, und ist nur so ein Neben­ge­dan­ke. Den­noch sehe ich gewis­se Anzei­chen dafür, dass auch die­se Stra­te­gie ver­folgt wird, sei es jetzt expli­zit im Sin­ne der Jiha­dis­ten, oder ein­fach nur aus der in der drit­ten Welt weit ver­brei­te­ten aso­zia­len Men­ta­li­tät heraus.

          2. Das Kräf­te­ver­hält­nis im Fall eines offe­nen Krie­ges oder Staatsstreichs: 

          Wenn Du denkst, die hät­ten eine Chan­ce, sich die not­wen­di­gen Waf­fen auf dem Schwarz­markt zu besor­gen, dann ver­such doch mal, Dir im Darknet oder der­glei­chen eine AK-47 zu besor­gen, ohne, dass Dir ein SEK am nächs­ten Tag die Bude ein­rennt. Das sel­be Pro­blem haben die auch. Es könn­te zwar sein, dass die über Kon­tak­te in die Hei­mat ver­fü­gen, aber da sind sie so vie­len Geheim­dienst­ope­ra­tio­nen aus­ge­setzt, dass die sich, ohne koope­ra­ti­ven Staat, nicht lan­ge hal­ten könn­ten. Mit koope­ra­ti­vem Staat wür­de man die­sen ein­fach zum Feind­staat erklä­ren, weil die Koope­ra­ti­on auf­flie­gen wür­de, was Schmug­gel auch eher schwer machen wür­de. Es geht ja nicht nur um eini­ge Kilo hoch­rei­nes Hero­in pro Stadt und Tag, son­dern um min­des­tens zehn­tau­sen­de Klein­waf­fen und Kilo­ton­nen Muni­ti­on. Oder man fängt klein an, und ver­sucht Waf­fen­trans­por­te zu erbeu­ten, um die Grund­aus­stat­tung zu krie­gen, aber… Naja, irgend­wie ist das zu wenig, für einen rich­ti­gen Auf­stand, und man hat, als klei­ne Grup­pe, das Pro­blem, dass man in der Unter­zahl ist, soll­te der Staat her­aus­be­kom­men, wo man sich auf­hält. Im Kon­flikt­fall Fall zählt ja nur, wer eine Waf­fe trägt, und logis­ti­sche Unter­stüt­zung allei­ne bewirkt nichts.

          Sofern sie aber Waf­fen HÄTTEN, wür­de ihnen der Zugriff auf die Infra­struk­tur feh­len, um die­se auch halb­wegs effek­tiv ein­zu­set­zen. Wenn man Deutsch­land nimmt, wäre es für den Staat kein Pro­blem, mal eben alle ver­füg­ba­ren Kräf­te des gesam­ten Lan­des inner­halb eines hal­ben Tages nach Ber­lin oder nach Köln zu ver­le­gen. Rapid Deploy­ment. Du weißt ja sicher, was pas­siert, wenn man 100 Pan­zer gegen 50 Pan­zer antre­ten lässt, die pro Schuss eine zehn­pro­zen­ti­ge Tref­fer­wahr­schein­lich­keit haben. Im vor­lie­gen­den Bei­spiel hät­te die ers­te Grup­pe noch 85 Pan­zer, sobald die Zwei­te ver­nich­tet wur­de. Rapid Deploy­ment ermög­licht sowas selbst mit ins­ge­samt unter­le­ge­nen Kräf­ten. Eine Jiha­dis­ten­ar­mee hät­te die­se Mög­lich­keit nicht, ohne, dass es auf­fällt, und wür­de, wenn sie es ver­sucht, bereits auf dem Trans­port­weg aus­ge­schal­tet werden.

          Ganz abge­se­hen davon, frisst so ein kon­ven­tio­nel­ler Krieg ziem­lich vie­le Res­sour­cen. In Viet­nam hat die US-Infan­trie unge­fähr eine Ton­ne Gewehr­pa­tro­nen pro getö­te­tem Geg­ner ver­schos­sen. So ner ein­ge­kes­sel­ten Stadt wür­de schnell die Muni aus­ge­hen. Ganz abge­se­hen von der Nah­rung, die nach spä­tes­tens einer Woche auf­ge­braucht wäre. Was­ser, Strom und Gas kann man auch kap­pen. Stell Dir vor, wäh­rend der Hit­ze­wel­le wäre Dei­ne Trink­was­ser­ver­sor­gung gekappt wor­den, oder im ver­gan­ge­nen Win­ter Dein Strom und Gas. Wie lan­ge hät­test Du über­lebt? Die­se Infra­struk­tur kon­trol­liert unser Staat. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur übri­gens auch.

          Gehen wir also mal davon aus, dass es hier­zu­lan­de weder einen Staats­streich, noch einen kon­ven­tio­nel­len Krieg geben wird, den Isla­mis­ten anzet­teln wer­den, son­dern alles bei nie­der­schwel­li­gen Anschlä­gen und den übli­chen Beläs­ti­gun­gen blei­ben wird.

          Ich ver­zich­te mal dar­auf, jetzt noch im Detail dar­auf ein­zu­ge­hen, wes­halb in den­ke, dass die von Dir vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men, um unse­re Neu­bür­ger in ihre Hei­mat zu ver­schif­fen, alle mög­li­chen Pro­ble­me bekä­men, wenn man ver­su­chen wür­de, sie in die Pra­xis umzu­set­zen. Ich den­ke, Du ver­gisst, dass kein Schlacht­plan den ers­ten Feind­kon­takt über­lebt, und hast unrea­lis­ti­sche Vor­stel­lun­gen bezüg­lich der Mach­bar­keit. Oben­drein den­ke ich, dass Du auch eine fal­sche Vor­stel­lung vom Ist-Zustand hast, wie ich in mei­nen zwei Punk­ten zu erläu­tern versuchte. 

          Damit will ich jetzt nicht sagen, dass Du prin­zi­pi­el­len Mist redest, oder Dei­ne ange­streb­te Rich­tung kei­nen Sinn ergibt, jedoch befürch­te ich Über­a­schun­gen, und sehe eine gan­ze Rei­he uner­war­te­ter Aus­gän­ge und Schwie­rig­kei­ten bei der Rea­li­sie­rung. Her­kunfts­be­stim­mung ist zum Bei­spiel nicht ver­trau­ens­wür­dig mach­bar, weil man dazu selbst „Flücht­lin­ge“ nimmt, die einem sagen sol­len, wo ande­re „Flücht­lin­ge“ her­kom­men. Schau mal, wer heut­zu­ta­ge die Dol­met­scher­diens­te in den Ämtern über­nom­men hat. Das Rönt­gen von Hand­kno­chen zur Alters­be­stim­mung mag zwar eine inter­es­san­te Tech­nik sein, jedoch sehe ich nicht, wes­halb Alters­be­stim­mung eine Rol­le spie­len soll­te, wenn man dar­auf abzielt, die Grö­ße der hier ansäs­si­ge Popu­la­ti­on zu redu­zie­ren. Dafür ist deren Alter egal. Die Abschie­be­mög­lich­kei­ten sind auch nicht belie­big, seit­dem Mada­gas­kar voll ist.

          Ich habe den Ein­druck, dass Du zu sehr in Schei­nen und Bewil­li­gun­gen denkst, und dar­über hin­aus ver­gisst, dass es um Ereig­nis­se in der rea­len Welt geht, und nicht um die Akten­la­ge. Die Akten- und Rechts­la­ge ist für die rea­le Welt unwich­tig. Die­se gan­zen Ritua­le, die man gebraucht, um die­ses oder jenes zu begrün­den, sind außer­halb unse­rer Köp­fe unwichtig.

          • Das ist mir jetzt etwas zu laeng­lich, aber wenigs­tens abschlies­send zu ein paar Punkten:

            » Kon­se­quenz­be­trach­tun­gen
            > Ich ver­ste­he nicht, was Du damit sagen willst. Steh ich auf dem Schlauch? 

            Ich gewin­ne auch nach die­sem pos­ting irgend­wie den Ein­druck, dass hier jemand schreibt, der ohne Kennt­nis­nah­me der Aus­sa­gen sei­nes Gege­nu­e­ber die­sem anlass­los sta­en­dig einen omi­noesen Begriff sei­ner vor­geb­lich scho­nungs­lo­sen Betrach­tungs­wei­se („denk doch mal amo­ra­lisch“ etc. ) ueber­hel­fen will. In sol­chen Fael­len liegt der Gedan­ke an Pro­jek­tio­nen rela­tiv nah, denn zum Grad mei­ner eige­nen ‚Amo­ra­li­ta­et‘ hat­te ich nichts geaeussert.
            Die ent­ha­elt aller­dings auch das Cha­rak­te­ris­ti­kum, sich ungern auf die Zustim­mung zum Dre­hen immer groes­se­rer Raeder zur Selbst­ver­si­che­rung wie dem Fabu­lie­ren ueber zwin­gen­den Geno­zid beschra­en­ken zu las­sen. Des­we­gen ist es ihr moe­g­lich, ein gan­zes Spek­trum und nicht nur immer wei­ter in irra­tio­na­le Extrem­punk­te hin­aus­ge­scho­be­nes Han­deln ueber­haupt ins Auge zu fas­sen. Dem­zu­fol­ge geht es auch nicht um ‚Schei­ne‘ und ‚Akten­la­ge‘. Natu­er­lich ist eine For­de­rung nach einer unmit­tel­bar ange­schlos­se­nen hand­lungs­fa­e­hi­gen Exe­ku­ti­ve impli­zit ent­hal­ten. Des­we­gen auch das Roent­gen­bei­spiel zum Gegen­teil (hint: es ging nicht um sei­ne kon­kre­te Anwen­dung auf Alters­be­stim­mun­gen, son­dern um ein Bei­spiel fuer die gegen­wa­er­ti­ge Situa­ti­on des geziel­ten Unwil­lens, auch harm­lo­ses­te Mit­tel zu nutzen).

            Zur mili­tae­ri­schen Situa­ti­on will und kann ich mich nicht qua­li­fi­ziert aeus­sern – aller­dings schei­nen mir Pan­zer­bei­spie­le beim aktu­el­len Zustand von Infra­struk­tur und Bewaff­nung der Armee die­ses Lan­des doch depla­ziert zu sein.

          • Abschlie­ßend auch von mir:

            „Ich gewin­ne auch nach die­sem pos­ting irgend­wie den Ein­druck, dass hier jemand schreibt, der ohne Kennt­nis­nahme der Aus­sa­gen sei­nes Gege­nu­e­ber die­sem anlass­los sta­en­dig einen omi­no­esen Begriff sei­ner vor­geb­lich scho­nungs­lo­sen Betrach­tungs­weise („denk doch mal amo­ra­lisch” etc. ) ueber­hel­fen will. In sol­chen Fael­len liegt der Gedan­ke an Pro­jek­tio­nen rela­tiv nah, denn zum Grad mei­ner eige­nen ‚Amo­ra­li­ta­et’ hat­te ich nichts geaeussert.“

            Ich betrach­te Dis­kus­sio­nen wie Die­se nicht als 1:1 Unter­re­dun­gen, son­dern gehe davon aus, dass sie von vie­len Men­schen mit einem unter­schied­li­chen Hin­ter­grund gele­sen wer­den. Auch ken­ne ich mei­nen aktu­el­len Kon­ver­sa­ti­ons­part­ner, also Dich, nicht näher. Ich muss also anneh­men, dass eben­so Du selbst, wie die meis­ten ande­ren Leser, eini­ge Eigen­schaf­ten haben, die sta­tis­tisch gehäuft vor­kom­men. Dar­um hal­te ich es für ange­bracht, hin und wie­der auch mal eine Denk­rich­tung nahe­zu­le­gen, die ich als hilf­reich für das wei­te­re Ver­ständ­nis erachte.

            Im Fall des Amo­ra­li­schen ging es dar­um, eine Situa­ti­on mal mit ganz viel Abstand, und ohne Denk­hem­mun­gen, zu betrach­ten. „Wel­che Pro­ble­me gibts, wel­che Lösungs­op­tio­nen mit wel­cher Erfolgs­aus­sicht ste­hen im Raum, und wel­che Kri­te­ri­en spie­len bei der Ent­schei­dungs­fin­dung eine Rol­le?“ Die­se Fra­gen ohne Wunsch­den­ken und Kin­der­gar­ten­mo­ral zu betrach­ten, hal­te ich für sinn­voll. Mit „Kin­der­gar­ten­mo­ral“ mei­ne ich das, wor­auf man klei­ne Kin­der kon­di­tio­niert, wodurch man sie, ein gro­ßen Grup­pen, ein­fa­cher steu­er­bar macht, indem man ihnen gezielt Hem­mun­gen aner­zieht, und dadurch lebens­lang ihre Hand­lungs­op­tio­nen ein­schränkt. Sofern Du mei­ner Argu­men­ta­ti­on mit den Lef­ties als Avan­gar­dis­ten des Amei­sen­hau­fens zumin­dest eini­ger­ma­ßen fol­gen kannst, soll­te Dir in den Sinn gekom­men sein, dass die­se Kin­der­gar­ten­mo­ral, wenn man sie ernst nimmt, zu sol­chen Mani­fes­ta­tio­nen kol­lek­ti­ven Wahns führt, wie man sie heu­te bei den Lef­ties beob­ach­ten kann, und man Des­halb zwei Din­ge tun soll­te: Ers­tens soll­te man dar­über nach­den­ken, wie man die Welt unter voll­stän­di­ger Aus­klam­me­rung der gan­zen Kin­der­gar­ten­mo­ral sinn­voll inter­pre­tie­ren kann, und zwei­tens, wel­che Anpas­sun­gen an die Kin­der­gar­ten­mo­ral auf abseh­ba­re Zeit aus funk­tio­na­len Grün­den not­wen­dig wer­den könn­ten, und wie die Welt dann aus­sä­he. Dir soll­te klar sein, dass das auf Sozia­li­sie­rung basier­te Moral­ver­ständ­nis von heu­te ein rein funk­tio­na­les Ding ist, das, für sich genom­men, nicht mehr Vali­di­tät genießt, als die Spin­ne­rei­en aus dem Mit­tel­al­ter, die damals als Grund­la­ge der Sozia­li­sie­rung dien­ten. Da Men­schen eher sel­ten außer­halb des Over­ton Win­dows den­ken, hal­te ich die expli­zi­te Auf­for­de­rung, eben dies zu tun, für in der Regel ange­mes­sen, beson­ders dann, wenn sich ein Text auch an eine Öffent­lich­keit rich­tet, die, per Defi­ni­ti­on, nur in sel­te­nen Fäl­len außer­halb des Over­ton Win­dow denkt.

            Mit Pro­jek­ti­on hat dies wenig zu tun. Ich mache mir nur nicht die Arbeit, einen Text nie­der­zu­schrei­ben, ohne die­sen für Ande­re mög­lichst leicht ver­ständ­lich zu machen. Ich mache mir die Arbeit, damit Ande­re die dar­in aus­ge­drück­ten Gedan­ken­gän­ge nach­voll­zie­hen kön­nen. Aus dem sel­ben Grund hal­te ich mich auch eini­ger­ma­ßen an die Recht­schrei­bung, und mache mei­ne lan­gen Schach­tel­sät­ze mit Kom­mas und Bin­de­stri­chen leich­ter lesbar.

            Gegen den Vor­wurf, dass ich die Aus­sa­gen mei­nes Gegen­übers nicht zur Kennt­nis neh­me, weh­re ich mich. Ich gebe zu, dass ich nicht jeden Satz­fet­zen bear­bei­te, aber nor­ma­ler­wei­se habe ich gründ­lich gele­sen, was jemand sagt, bevor ich eine Ant­wort ver­fas­se, und gehe dann auch auf die Punk­te ein, die ich für rele­vant hal­te, oder die ich angrei­fen möch­te. Du musst beden­ken, dass man eine Aus­sa­ge auch damit angrei­fen kann, dass man die Prä­mis­sen, auf denen sie auf­baut, angreift. Da es hier meis­tens um „Gesell­schaft und Poli­tik“ geht, sind vie­le Prä­mis­sen angreif­bar. Tat­säch­lich habe ich den Ein­druck, dass Dis­kus­sio­nen, die sich um die­se The­men dre­hen, nor­ma­ler­wei­se ent­we­der auf den Befind­lich­kei­ten den Amei­sen­hau­fens, oder auf irgend­wel­chen Glau­bens­sät­zen auf­bau­en, wie sie in Geset­zes­tex­ten for­mu­liert wer­den, denen man dann den Sta­tus einer hei­li­gen Schrift ver­leiht. Aber 100% der Men­schen kön­nen sich eben­so irren, wie hei­li­ge Schrif­ten unwahr sein kön­nen, wie die Imple­men­tie­rung hei­li­ger Schrif­ten auch an rea­len Gege­ben­hei­ten schei­tern kann. Bei genaue­rer Betrach­tung, gibt es nur sehr weni­ge Fäl­le, in denen dies in der Ver­gan­gen­heit nicht der Fall war, sofern es um eine eini­ger­ma­ßen kom­ple­xe The­ma­tik ging, wes­halb ich tat­säch­lich dar­über nach­den­ken wür­de, dies als den Nor­mal­fall anzunehmen.

            Und, um den Vor­wurf mal zurück­zu­ge­ben: Ich habe in mei­nen vor­he­ri­gen Tex­ten eini­ge Gedan­ken rela­tiv aus­führ­lich nie­der­ge­schrie­ben, und eini­ge Theo­rien for­mu­liert. Dabei habe ich sogar dar­auf geach­tet, sie fal­si­fi­zier­bar zu machen. Moral als Sozia­li­sie­rungs­funk­ti­on eines amo­ra­li­schen Amei­sen­hau­fens, Lef­ties und Isla­mis­ten als beson­ders stark sozia­li­sier­te Amei­sen, die Not­wen­dig­keit einer Anpas­sung der Sozia­li­sie­rungs­prio­ri­tä­ten, da unser Amei­sen­hau­fen gera­de von einem Ande­ren auf­ge­fres­sen wird, ohne sich zu weh­ren, sowie eine Erklä­rung der Stra­te­gie, die die eher radi­ka­len Isla­mis­ten ver­fol­gen. Ich wür­de behaup­ten, dass ich damit einer gan­zen Rei­he Dei­ner Aus­sa­gen den Boden unter den Füßen weg­ge­kickt habe. Du hast die­se Inhal­te – die rele­vant für die von Dir getä­tig­ten Aus­sa­gen sind – kom­plett igno­riert. Zugleich hast Du mir vor­ge­wor­fen, ich wür­de mich der Kennt­nis­nah­me Dei­ner Aus­sa­gen ent­zie­hen, wäh­rend Du Dich selbst der Kennt­nis­nah­me mei­ner Aus­sa­gen ent­zogst. Sofern die Qua­li­tät mei­ner Aus­sa­gen nicht so nied­rig ist, dass sie kei­ner­lei Beach­tung ver­dient haben, muss ich Dir also auch irgend­ei­ne Form von Unred­lich­keit vor­wer­fen. Heu­che­lei oder kogni­ti­ve Dis­so­nanz wären mei­ne wahr­schein­lichs­ten Kan­di­da­ten. Natür­lich unter der Vor­aus­set­zung, dass ich Dein Schwei­gen nicht als Zustim­mung inter­pre­tie­ren soll. In die­sem Fall fehlt Dei­nem Vor­wurf aber jedes Gewicht, und er wäre ein blo­ßes sti­lis­ti­sches Mit­tel, um gut aus­zu­se­hen. Kor­ri­gier mich, sofern ich da etwas falsch sehe.

            „zur Selbst­ver­si­che­rung wie dem Fabu­lie­ren ueber zwin­gen­den Genozid“

            Ich sag­te nicht, dass ich Geno­zid für zwin­gend hal­te, son­dern, dass ich den­ke, dass sich die Welt in eine Rich­tung ent­wi­ckelt, in der es ein immer grö­ßer wer­den­des Pro­blem gibt, das sich mit den der­zeit in Betracht gezo­ge­nen Mit­teln nicht lösen lässt. Sofern man den Raum mög­li­cher Lösun­gen aus­wei­tet, erscheint mir so ein Geno­zid als eine der nahe­lie­gends­ten Lösun­gen. Natür­lich ist die­se Lösung selbst pro­blem­be­haf­tet, aber sofern man annimmt, dass man damit ein Pro­blem löst, das selbst immer grö­ßer wird, wird es einen Zeit­punkt geben, ab dem „ein Geno­zid“ weni­ger pro­ble­ma­tisch als „kein Geno­zid“ ist. Dar­über hin­aus muss man beden­ken, dass der ent­schei­den­de Amei­sen­hau­fen nicht ratio­nal abwägt, son­dern irra­tio­nal bis wahn­haft agie­ren kann, wie man bei­spiels­wei­se an den heu­ti­gen Lef­ties erken­nen kann, und er wahr­schein­lich nicht war­ten wür­de, bis „ein Geno­zid“ bei objek­ti­ver Betrach­tung das klei­ne­re Übel ist, son­dern er sich schon vor­her dazu trig­gern ließe.

            Ich rede also nur über eine mög­li­che Zukunft in einer chao­ti­schen Welt. Ursprüng­lich ging es dar­um, dass ich drei Hüh­ner und eine Kis­te Äpfel wet­ten woll­te, dass die Rea­li­tät einen Weg aus­wählt, an des­sen Ende Lei­chen­ber­ge ste­hen. Ich habe anschlie­ßend erklärt, wes­halb ich die­sen Weg für wahr­schein­lich hal­te, und wes­halb ich es folg­lich für eine gute Idee hal­te, die drei Hüh­ner und die Kis­te Äpfel als Wett­ein­satz zu ris­kie­ren. Nach­dem Du mei­ner Ein­schät­zung wider­sprachst, habe ich etwas aus­führ­li­cher dar­ge­legt, wie ich zu die­ser Ansicht kom­me. Sofern Du denkst, dass ich damit falsch lie­ge, soll­te Dei­ne Her­an­ge­hens­wei­se doch eigent­lich sein, mir zu erklä­ren, aus wel­chen Grün­den mei­ne Ein­schät­zung falsch ist. Du soll­test mir also ent­we­der klar auf­zei­gen, wo mei­ne Prä­mis­sen feh­ler­haft sind, weil mei­ne Schlüs­se dadurch feh­ler­haft wären, oder, dass ich irgend­wo einen Fehl­schluss gemacht habe. Dies soll­te mach­bar sein, weil ich schon ziem­lich detail­liert und spe­zi­fisch argu­men­tie­re, und nicht her­um­schwur­be­le, oder vie­le unbe­wie­se­nen Gege­ben­hei­ten anneh­me. Statt­des­sen hast Du mir ein­fach nur Dei­ne Mei­nung dar­ge­legt, und erwar­test nun, dass ich Dei­ne Mei­nung wider­le­ge, ohne, dass Du mei­nen Argu­men­ten den Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen hät­test. Fin­dest Du nicht, dass Dis­kus­sio­nen so ver­lau­fen soll­ten, dass man dem Ande­ren zuerst die Argu­men­te kaputt schießt, bevor man ihm die eige­nen Argu­men­te zum Ersatz anbie­tet? Ohne die­se Vor­ge­hens­wei­se dreht sich ein Gespräch doch nur um unfun­dier­te Glaubenssätze. 

            „aller­dings schei­nen mir Pan­zer­bei­spie­le beim aktu­el­len Zustand von Infra­struk­tur und Bewaff­nung der Armee die­ses Lan­des doch depla­ziert zu sein.“

            Das Bei­spiel mit den Pan­zern ist eine in Drei­satz­form gebrach­te Grund­la­ge gewalt­tä­ti­ger Stra­te­gie, die seit der Stein­zeit gül­tig ist. Sie­he hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Lanchester%27s_laws

            Du scheinst mir, gera­de für einen Mathe­ma­ti­ker, nicht sehr mathe­ma­tisch zu den­ken. Ich hät­te ange­nom­men, dass Du erkennst, dass ich Dir in leicht ver­ständ­li­cher Form die wich­tigs­te Grund­la­ge der Manö­ver­kriegs­füh­rung erklärt habe, und Du den Schluss ziehst, dass man Pro­ble­me, die man nicht lösen kann, so umformt, dass man sie lösen kann. 

            Dein ein­zi­ger Punkt scheint zu sein, dass wir noch nicht so weit sind, wie in mei­nem hypo­the­ti­schen Sze­na­rio beschrie­ben. Stimmt. Was ich mache, ist eine Zukunfts­pro­gno­se. Und? War­um ist das irrele­vant? Und war­um die Fest­stel­lung, dass man sich in der Gegen­wart auf eine nicht zukunfts­taug­li­che Wei­se ziert, rele­vant? Wir wären längst aus­ge­stor­ben, wenn wir nicht dazu in der Lage wären, uns auf eine sich ver­än­dern­de Situa­ti­on ein­zu­stel­len. Ver­än­de­run­gen sind wahr­schein­li­cher, als ein gleich­blei­ben­der Zustand.

        • War es ein tech­ni­scher Feh­ler, dass mei­ne Ant­wort nicht ver­öf­fent­licht wur­de, ist mein The­ma zu kon­tro­vers, oder ist der Grund ein Anderer?

          „Unse­re Gesell­schaft wird immer aut­ho­ri­tä­ter, bewegt sich auf einen Punkt zu, ab dem sie kip­pen könn­te, und die Din­ge spre­chen eher dafür als dage­gen, dass sie anschlie­ßend damit beginnt, mas­sen­haft Men­schen umzubringen“

          Das ist zwar außer­halb des Over­ton Win­dows, aber doch nicht falsch. Ich hal­te das zudem für einen guten Grund, um mal dar­über nach­zu­den­ken, was gera­de pas­siert. Demo­kra­tien nei­gen durch­aus dazu, den Kar­ren mit Sozi­al­pro­gram­men an die Wand zu fah­ren, und hin­ter­her einen star­ken Füh­rer an die Macht zu brin­gen, der den Kar­ren mit aller­lei Bevoll­mäch­ti­gun­gen aus dem Dreck zie­hen soll. Bei­spie­le dafür sind welt­weit zahl­reich vor­han­den. Aus mei­ner Sicht ist das ein bes­se­res Argu­ment, als irgend­wel­che Poli­tik-Ham­pel­män­ner aus­ein­an­der zu neh­men, von denen eh jeder weiß, dass es ihnen um ihre Pöst­chen geht, und deren Ideo­lo­gie halt das ist, womit man ein nicht sehr hel­les Wahl­volk dazu bewe­gen kann, das Kreuz­chen in dem Käst­chen zu machen, das vor dem gewünsch­ten Par­tei­na­men steht.

  3. Eine schö­nes Stück Nach­den­ken haben Sie mir hier vor­ge­setzt, roger.

    Nor­ma­ler­wei­se hal­te ich wenig von sol­chen Alar­mis­mus­vor­trä­gen. Nor­ma­ler­wei­se sind die­se auch mit ein biss­chen gesun­den Men­schen­ver­stand recht ein­fach aus­ein­an­der­zu­neh­men. Ich selbst bin zudem BWLer und war wäh­rend mei­nes Stu­di­ums der VWL sehr zuge­tan. Bei die­sem Vor­trag jedoch muss ich zuge­ge­ben, dass Herr Krall im Gegen­satz zu ande­ren Refe­ren­ten die­ser Art sehr sach­kun­dig, kom­pe­tent und glaub­haft wirkt. Auch die Ant­wor­ten auf spon­ta­ne Fra­gen schüt­telt er punkt­ge­nau aus dem Ärmel. Tat­säch­lich bin ich wäh­rend und nach dem Anschau­en in Panik ver­fal­len (unse­re Eigen­heim­fi­nan­zie­rung muss 2020 neu abge­schlos­sen wer­den), habe mir sogleich sein Buch bestellt und mei­ne Frau von der anste­hen­den Kata­stro­phe unter­rich­tet. Eine Stun­de und drei Ziga­ret­ten spä­ter habe ich jedoch die Buch­be­stel­lung stor­niert. Auch die Nacht drü­ber zu schla­fen, hat gehol­fen, hier ein paar Schwach­punk­te in Kralls Vor­trag zu iden­ti­fi­zie­ren. Dies jedoch frei­lich nicht so wesent­lich, dass ich behaup­ten kann, der Mann hat defi­ni­tiv Unrecht. Daher ist es mir ein nach­drück­li­ches Anlie­gen, mich hier mit wei­te­ren Lesern aus­zu­tau­schen und mög­li­cher­wei­se fach­kun­di­ge Mei­nung zu die­sem Vor­trag zu bekommen.

    Dies sind mei­ne Einwände:

    1. Die Ban­ken: Das Dilem­ma der Ban­ken, mit dem nied­ri­gen Zins nicht dau­er­haft wirt­schaf­ten zu kön­nen, wird plau­si­bel dar­ge­stellt, eine Erhö­hung der Zin­sen bzw. der Mar­gen der Ban­ken scheint mit­tel­fris­tig unaus­weich­lich. Hier kann ich, auch aus Unkennt­nis, wenig gegen sagen, jedoch aber den Hin­weis geben, das Japan schon deut­lich län­ger als wir eine extre­me Nied­rig­zins­pha­se durch­macht, dort der Laden immer noch läuft und die Ban­ken nicht rei­hen­wei­se umkippen.

    2. Die Zom­bies: Hier schätzt Krall die Anzahl der Zom­bie­un­ter­neh­men aus rein sta­tis­ti­schen Erfah­run­gen. Er sagt, in einer nor­ma­len Zins­pha­se gin­gen 2 % der Unter­neh­men jähr­lich in den Kon­kurs. Wegen des nied­ri­gen Zins über­leb­ten die­se aber und kumu­lier­ten sich inzwi­schen so zu einem 12%igen Anteil aller Unter­neh­men, denen dann ganz fix die Pus­te aus­ge­he, wenn der Zins steigt. Ich zweif­le aber sehr, dass die­se Berech­nung der Anzahl der Zom­bie­un­ter­neh­men so zuläs­sig ist. Das ist in etwa damit ver­gleich­bar, wenn Karin Göring-Eckardt die­sen Som­mer als Argu­ment anführt, um den radi­ka­len Kli­ma­wan­del zu bele­gen. Daten bzw. der Trend der Ver­gan­gen­heit tau­gen per se nicht dazu, die Zukunft zu prognostizieren.
    Ein wei­te­rer Ein­wand hier ist, dass in der aku­ten Nied­rig­zins­pha­se vie­le Zom­bie­un­ter­neh­men die Mög­lich­keit haben Eigen­ka­pi­tal auf­zu­bau­en und sich somit zu gesun­den. Im Gegen­satz zum Zom­bie als Mensch ist das Zom­bie­dar­sein eines Unter­neh­mens kein zwangs­läu­fig end­gül­ti­ger Zustand und kann durch eine umsich­ti­ge Unter­neh­mens­po­li­tik und im Beson­de­ren unter den aktu­ell guten Rah­men­be­din­gun­gen been­det werden.

    3. Die exklu­si­ve Erkennt­nis: Einer der Zuhö­rer frag­te, war­um die­ses Sze­na­rio kein bekann­tes The­ma in der Wis­sen­schaft sei. Krall ant­wor­tet hier damit, dass die Uni­ver­si­tä­ten Staats abhän­gig sei­en und ent­spre­chend an die­sen wie vom Staat gewünscht die Leh­re bzw. Schu­le des Keyne­sia­nis­mus (John May­nard Keynes) domi­nie­re. Teil der Leh­re des K. ist u.a., dass die Wirt­schaft im wesent­li­chen von der Nach­fra­ge gesteu­ert wird und dass mas­si­ve staat­li­che Ein­grif­fe in die Kon­junk­tur hilf­reich sein kön­nen. Exem­pla­risch wird hier das DIW erwähnt. Was das DIW angeht, hat Krall wohl recht, die Jungs vom DIW ver­kau­fen sich regel­mä­ßig als ziem­li­che Knall­tü­ten, die zudem noch abhän­gig am Tropf der Sozi­al­de­mo­kra­tie (oder viel­leicht noch an Schlim­me­ren) hän­gen. Die­se Schu­le ermög­li­che es dem Staat, die aktu­el­le Fis­kal­po­li­tik wis­sen­schaft­lich legi­ti­miert durchzusetzen.
    Die zwei­te weit ver­brei­te Leh­re in der VWL ist die öster­rei­chi­sche Schu­le (u.a. Fried­rich August von Hayek, auch „Neo­li­be­ra­lis­mus“ wobei die­ser Begriff irre­füh­rend sein kann, da die­ser mitt­ler­wei­le zum Teil öffent­lich umge­deu­tet wur­de, und als Ergeb­nis der Umdeu­tung den völ­lig unge­zü­gel­ten Kapi­ta­lis­mus meint, was dann eher das Gegen­teil der ursprüng­li­chen Idee ist. Im übri­gen ist Hayek mein per­sön­li­cher Favo­rit). Die­se Schu­le prä­fe­rie­re auch Krall. Er refe­riert, dass die Model­le der öster­rei­chi­sche Schu­le sei­ne Crash­pro­gno­sen stütz­ten. Die­se Schu­le spie­le auf­grund der der feh­len­den staat­li­chen Zunei­gung aber kei­ne Rol­le mehr.

    Hier ist mein Kri­tik­punkt, dass ich an der voll­stän­di­gen Eli­mi­nie­rung der öster­rei­chi­sche Schu­le an den Uni­ver­si­tä­ten recht stark zweif­le, ohne jedoch kon­kre­te Anhalts­punk­te zu haben. Hier wür­den mich sehr ande­re Mei­nun­gen inter­es­sie­ren, beson­ders von Per­so­nen, die dort dich­ter dran sind.

    Letz­lich sind die Zusam­men­hän­ge, die Krall auf­zeigt, recht ein­fach. Man muss kein Genie sein, dass zu ver­ste­hen und auch keins um sel­ber auf die­se Idee zu kom­men. War­um außer Krall kaum jemand ande­res die­ses Sze­na­rio pro­pa­giert, bleibt für mich der wesent­li­che Klump­fuß bei die­ser Sache. Ich bin auf wei­te­re Kom­men­ta­re bzw. Ein­wän­de hier sehr gespannt.

    Ihre Dia­gno­se aller­dings, roger, die auch Krall bestä­tigt, dass wir immer wei­ter in die Plan­wirt­schaft rein­rut­schen, tei­le ich uneingeschränkt.

    • Die japa­ni­sche Noten­bank ver­schul­det sich bei ihren Bür­gern, wäh­rend in der Euro­zo­ne die meis­ten Schul­den Aus­lands­schul­den sind. Dazu kommt, dass die japa­ni­sche Wirt­schaft im Unter­schied zu Deutsch­land immer noch ein Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum auf­weist. Gesund ist das was Japan da treibt, gleich­wohl auch nicht.

      Im Gegen­satz zu den Behaup­tun­gen KGE’e las­sen sich die Wirt­schafts­kenn­zah­len gut mes­sen. Die Anzahl der Unter­neh­men, die in Kon­kurs gehen sinkt von Jahr zu Jahr und liegt aktu­ell bei 0,5%, obwohl auch Jahr für Jahr fast 700.000 gegrün­det wer­den. Inter­es­san­ter­wei­se SINKT die Zahl der grö­ße­re neu­en Unter­neh­men! Die wer­den wohl eher außer­halb des Euro­rau­mes gegründet.
      https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/UnternehmenHandwerk/Gewerbemeldungen/Gewerbemeldungen.html
      Was Krall in sei­ner Rech­nung dabei noch gar nicht berück­sich­tigt hat, weil es dazu imho kei­ne Sta­tis­ti­ken gibt, ist die Fra­ge, wie­vie­le die­ser Grün­dun­gen nur des­halb zustan­de kom­men, weil die Gieß­kan­nen­po­li­tik durch För­der­mit­tel, Grün­dungs­hil­fen und sub­ven­tio­nier­te Arbeits­plät­ze kräf­tig nach­hilft, um die Sta­tis­tik zu ver­bes­sern. Es gilt schließ­lich zu bewei­sen, dass die Migra­ti­ons­po­li­tik der letz­ten Jah­re ein vol­ler Erfolg ist!

      Das Unter­neh­men, die die Defi­ni­ti­on von Zom­bi-Unter­neh­men erfül­len, jetzt Eigen­ka­pi­tal bil­den, hal­te ich für sehr frag­lich. Das schaf­fen viel­leicht die, die gera­de so unter­halb der Defi­ni­ti­on lie­gen. Und end­gül­tig Plei­te gehen ja selbst zu Null­zins­zei­ten auch wel­che, wie wir sehen. Was aller­dings stimmt, ist, dass die gro­ßen, sol­ven­ten Unter­neh­men dies tun. Dass sie das Geld in Deutsch­land lie­ber hal­ten als zu inves­tie­ren deu­tet eher auf Dys­funk­tio­na­li­tät des Kre­dit­we­sens und man­geln­des Ver­trau­en in das Inves­ti­ti­ons­kli­ma hin, sowie auf Maß­neh­men, die man trifft, wenn Ban­ken aus­fal­len. Bay­er zieht sich lang­sam aus Euro­pa zurück, Sie­mens auch, die Auto­bau­er wer­den gera­de mora­lisch zer­schla­gen, das Know How von Anla­gen- und Maschi­nen­bau fließt nach Chi­na ab, die Ener­gie­wirt­schaft ist prak­tisch erledigt…es leis­tet also auch kaum noch jemand Wider­stand. Wer auf­muckt, bekommt die Nadel in den Arm und wird mit Sub­ven­tio­nen ruhig gestellt, Geld ist ja genug da. Noch.

      Ich bre­che hier ab.

  4. Das wei­te­re nicht ange­spro­che­ne Pro­blem bei einem Zusam­men­bruch der Wäh­rung, und wenn die gan­zen Schich­ten, die auf die Finan­zie­rung ange­wie­sen sind, kein Geld mehr bekom­men, wird sein: Bür­ger­krieg, Über­fäl­le der Ein­wan­de­rer auf die Bevöl­ke­rung, die lei­der unbe­waff­net ist. Die zün­den dann die Häu­ser an und mas­sa­krie­ren die ansäs­si­ge Bevöl­ke­rung. Es ist unfassbar.

    • Das ist der Moment in dem alle nach den „Neo­na­zis“ rufen wer­den. Das wer­den dann die ein­zi­gen sein, die noch den Mumm und die kör­per­li­chen Mög­lich­kei­ten haben, Wider­stand zu leisten.
      Das hat­ten wir ja alles schon­mal, irgend­wie. Aber aus der Geschich­te ler­nen, heisst ja in Deutsch­land nur, „Asche aufs Haupt“ und Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger besuchen.…

  5. Als neu­lich die Mel­dung kam, dass die Finanz­kri­se in Grie­chen­land been­det sei, habe ich auch gedacht: Ach so, haben die jetzt plötz­lich 100.000 Wert schöp­fen­de Arbeits­plät­ze in der Indus­trie geschaf­fen? Wohl eher nicht, also kann das doch gar nicht sein. Da wird ein totes Pferd gerit­ten – und der Michel soll’s nicht mer­ken, son­dern wei­ter­hin mit sei­ner Alters­vor­sor­ge bezahlen.

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