„Kli­ma-Gipfel in Glas­gow: Zurück in die Steinzeit?“, so lautete das The­ma des Talks im Hangar 7 bei Servus TV. Auch der Jour­nal­ist und Achgut-Autor Ulli Kulke saß in der illus­tren Runde. Eine Rezen­sion. 

Von ein­er Talk­show sollte man nicht erwarten, dass sie rich­tungsweisend ist und vor laufend­er Kam­era Bekehrun­gen stat­tfind­en. Schon der Auftritt von in prinzip­iellen Fra­gen uneini­gen Gästen hat im deutschsprachi­gen Raum heute Sel­tenheitswert und ist außer gele­gentlich bei Lanz (erfreulicher­weise) nur noch beim öster­re­ichis­chen Servus TV noch als Prinzip zu find­en. Bei Michael Fleis­chhack­ers „Talk im Hangar 7“ hat­te sich denn auch ein recht mei­n­ungs­bunter Kreis einge­fun­den, und neben der ehe­ma­li­gen öster­re­ichis­chen Außen­min­is­terin Karin Kneissl, dem Kli­ma-Ökonomen Ger­not Wag­n­er und dem Mete­o­rolo­gen Andreas Jäger waren auch der Achgut-Autor Ulli Kulke sowie der Kern­physik­er und Unternehmer Dr. Götz Ruprecht vertreten. Let­zter­er, um dem Pub­likum die Funk­tion und das Poten­zial des Dual-Flu­id-Reak­tors zu erk­lären. Um es gle­ich vor­wegzusagen: Die Titel­frage der Sendung, also die nach der Sinnhaftigkeit von Europas Kli­mas­trate­gie, wurde nicht beant­wortet, ja nicht mal wirk­lich gestellt. Viel inter­es­san­ter als das „was“ der Diskus­sion war phasen­weise sowieso das „wie“, weil man es wie eine Sch­ablone über jede andere aktuelle Großde­bat­te leg­en kön­nte, wenn ein bes­timmtes Kri­teri­um erfüllt ist: Die Poli­tik muss sich ihrer bemächtigt und sich auf eine Deu­tungs­seite geschla­gen haben. Auf der Seite der Macht wird viel gelacht, auch in dieser Sendung.

Ob Impfde­bat­te, Migra­tion oder Weltk­li­maret­tung, es ist dieselbe heit­ere Her­ablas­sung, die jedem begeg­net, der in der Sache ein Gege­nar­gu­ment platzieren will. In Deutsch­land ist man ide­ol­o­gisch natür­lich schon längst weit­er vor­angeschrit­ten, weil man dort „solche“ wie Kulke und Ruprecht gar nicht mehr ein­lädt. Wenn man sie dann doch mal trifft, drängt sich den „üblichen Verdächti­gen“ und Gle­ich­meinen­den leicht der Ein­druck auf, ihr Gegenüber sei unter einem Stein her­vorgekrochen und spräche in Zun­gen, denn was da an Argu­menten vor­ge­tra­gen wird, klingt in ihren Ohren so ver­rückt, als würde man behaupten, die Erde drehe sich um die Sonne. Der Galileo-Ver­gle­ich drängt sich ger­adezu auf, wenn man ins Kalkül zieht, dass sich „die Wis­senschaft“ damals auch sehr sich­er war. Oder um die Argu­mente mit den Worten von Her­rn Jäger vom Tisch zu wis­chen: „Das The­ma ist durch.“

„Durch“ ist übri­gens so ziem­lich alles. Die Ursachen der glob­alen Kli­maverän­derun­gen, die Inter­pre­ta­tion ihrer Auswirkun­gen und die Medi­zin, die wir deshalb alle zu schluck­en haben. Hier find­en wir übri­gens ein wichtiges Merk­mal für ide­ol­o­gisierte Diskurse, die schnell ins Religiöse über­schnap­pen: ein­fache Lösun­gen für hochkom­plexe, oft nur unvoll­ständig ver­standene Prob­leme, das One-Fits-All, zu dem man neigt, wenn man mit der großen staatlichen Schere die Klei­der der ganzen Men­schheit schnei­dern will. Mal presst man die wider­spen­sti­gen Teilchen und ver­sucht, sie gle­ichzuschal­ten, mal dehnt sich die Pelle über den Unter­schieden gefährlich aus. Am Ende kommt immer entwed­er Wurst oder Jog­ging­hose dabei her­aus. Beim Kli­ma heißt die „Lösung“: alles abschal­ten, bei Covid: alle impfen. Für Dif­feren­zierun­gen ist da kein Platz, und wenn die Physik oder der Men­sch dem Ziel im Wege ste­ht, Pech für die Physik, Pech für den Men­schen.

Und noch eine Gemein­samkeit solch­er ide­ol­o­gisiert­er Wel­terk­lärun­gen ist zu find­en. Die Denkver­bote, die in der Folge zu blind­en Fleck­en führen, die in jed­er Diskus­sion kom­plett über­gan­gen, ignori­ert oder wegdefiniert wer­den. Für die Weltk­li­maret­tung ist es Chi­na, ein sehr großer und sehr CO2-affin­er „Fleck“. Der blinde Fleck für Covid ist deut­lich klein­er und heißt Schwe­den.

Panik als Werkzeug

Ein sehr offen­sichtlich­er Stre­it­punkt bei Energie und Kli­ma liegt darin, dass die einen zur Beson­nen­heit rat­en, während die anderen zu jed­er Panik entschlossen sind. Das wurde auch in der Sendung sehr schnell deut­lich. Dabei gilt den Panikern die unhin­ter­frag­bare Grun­dan­nahme, dass es eigentlich schon für alles zu spät sei, man alle Bedenken hin­tanstellen muss, schreiend um den Block ren­nt und, dem weisen Rat der Poli­tik und den vor­preschen­den Aktivis­ten fol­gend, alles wider­spruch­s­los erduldet, was diese sich ger­ade wieder aus­gedacht haben. Mor­gen kann der Tages­be­fehl gän­zlich anders laut­en, das hin­ter­fragt man nicht. Solche Men­schen wer­den gemein­hin als klug beze­ich­net und haben keine Recht­fer­ti­gung­sprob­leme. Noch nie musste sich ein Kli­maak­tivist wortre­ich dafür erk­lären, dass er statt 2° ganz klar die 1,5° anstrebe. Und während ein Ulli Kulke noch zu erk­lären ver­sucht, warum Paz­i­fik­staat­en wie Fid­schi eben nicht unterge­hen, hat ihn der Mete­o­rologe Andreas Jäger schon mit dem Scherz „das liegt sich­er am fal­l­en­den Meer­esspiegel“ abge­bürstet, und alle wohlmeinen­den Wis­sensvortäusch­er ver­fall­en wieder in höh­nis­ches Gelächter.

Das Prob­lem mit dem Wahrheit­sanspruch ist, dass er sich berechtigt glaubt, alle Mit­tel anzuwen­den. Panikmache, Übertrei­bun­gen, kon­stru­ierte Kausal­itäten, wo es oft nur Kor­re­la­tio­nen gibt, Ver­drehun­gen, kleine Lügen, große Lügen. Dass das Wald­ster­ben nicht etwa „besiegt“ wurde, wie Jäger behauptet, son­dern ein­fach die Prog­nosen falsch waren, wie Kulke aus­führte, quit­tiert Jäger mit einem kurzen „is ja wurscht“! Nicht das Erre­ichte zählt, das Erzählte reicht! So kann man nur gewin­nen. Poli­tik ist dabei die Kun­st, jeden Tag etwas anderes zu behaupten und den­noch immer recht zu haben. Und wenn in 30 Jahren das Kli­ma nicht paris­gerettet, son­dern bei 2,5° her­auskom­men sollte, wird man sich den­noch auf die Brust schla­gen und behaupten, ohne die Regen­tänze wären es sich­er 3° gewor­den. Was für ein Tri­umph des „Ich will aber“! Doch wer es mit den Tatschen nicht so genau nimmt, der sollte sich nicht wun­dern, dass man ihm nicht ver­traut. Die Mit­tel, nicht die Ziele, machen eine Dik­tatur.

Ich sehe übri­gens die Medi­en hier in weit gerin­ger­er Ver­ant­wor­tung als die Poli­tik. Diese maßlose Jahrmark­tschreierei, das „Nur schlechte Nachricht­en sind gute Nachricht­en“ ist schon immer so gewe­sen. Auch die durchwach­sene Bilanz beim Wahrheits­ge­halt. Es gibt Alter­na­tiv­en. Man muss das nicht lesen oder guck­en. Das Prob­lem ist die Poli­tik, die sich in ihrer Inkom­pe­tenz zu kom­mu­nizieren­den Röhren der Medi­en gemacht hat. Ein panis­ch­er Aufreißer auf Seite eins macht mir weit weniger Angst als ein Poli­tik­er, der sein Han­deln man­gels eigen­er Prinzip­i­en nach dieser simulierten Panik aus­richtet.

Ökonomie des Weltuntergangs

Für den Kli­ma-Ökonomen Ger­not Wag­n­er ist per­son­ifizierte Panik namens Gre­ta eine Heldin, die nur „Wis­senschaft über­set­zt“ (Neuerd­ings in „Bla bla bla“, das ver­ste­ht dann jed­er), und ein Tweet von Gre­ta sei mehr wert als ein Paper in „Nature“ oder „Sci­ence“. Schon seine Berufs­beze­ich­nung legt nahe, dass es sich hier um Heili­gen­verehrung han­delt und er als Priester der Kli­makirche das Glöckchen schlägt. Die Wand­lung ist hier der Wan­del und der Öster­re­ich-Amerikan­er Wag­n­er gehört exakt zur Ziel­gruppe, die auch in Deutsch­land das große Wort führt: die urbane Elite, die im Ökosys­tem „Kli­ma“ mehr als nur ein gutes Auskom­men gefun­den hat. Er lebt in New York City, kann 100.000 Dol­lar für die ener­getis­che Sanierung seines Haus­es aus­geben, propagiert „Wärmepumpe statt Ölheizung“, und die süff­isante Schilderung sein­er Gut-und-Veg­an­wer­dung legt nahe, dass er schon gern Anerken­nung für sein ener­getis­ches Opfer und seinen ener­getisch keuschen Lebenswan­del hätte, aber schlau genug ist, schnell noch die Kurve zu kriegen und zu kon­sta­tieren, dass das nicht jed­er so machen könne „Löst das das Klimaprob­lem? Natür­lich nicht.. .darum geht’s ja auch nicht.“

Aber ja, genau darum geht es. Entwed­er man über­lässt es tat­säch­lich dem Einzel­nen und seinen Möglichkeit­en, was zu tun und zu lassen ist – ein Weg, den die Poli­tik wegen des dräuen­den Indi­vid­u­al­is­mus strikt ablehnt –, oder man präsen­tiert Skalier­bares aus dem One-Fits-All-Regal, tritt zurück ins Glied und lässt pas­siv das Welt­gericht über sich erge­hen. Bei­des zugle­ich geht nicht. Hier wird das dritte Merk­mal des ide­ol­o­gisierten Diskurs­es sicht­bar: der Trend zur Exter­nal­isierung von Prob­le­men und deren Lösung. Wag­n­er, der erk­lärt, keine eigene Waschmas­chine zu haben, nimmt fürs Wäschewaschen einen exter­nen Dienst in Anspruch und fühlt sich dadurch so richtig ökol­o­gisch! Nur ist das kein Weg, der in die Dekar­bon­isierung führt, son­dern in die Arbeit­steilung. Mir gefällt das Bild, das Man­fred Hafer­burg von unser­er Selb­st­täuschung mal geze­ich­net hat. Wir leben, so Hafer­burg, auf dem ener­getis­chen Niveau der Cae­saren. Nur dass uns nicht men­schliche Sklaven bedi­enen, bekochen und unsere Wäsche waschen, son­dern elek­trische.

Wag­n­er sieht nur nicht, wie seine Wäsche gewaschen wird, und während die philip­pinis­che Waschmannschaft seine Sock­en schrubbt, kann Wag­n­er sich über die Vorstädte, die Sub­urbs wer­tend erheben und anprangern, dass von dort die Men­schen ener­getisch ver­w­er­flich mit dem Auto in seine Wohn­stadt fahren, wo sie sich keine Woh­nung mehr leis­ten kön­nen. Mit der Dien­stleis­tung wurde näm­lich auch der Dien­stleis­ter exter­nal­isiert. Doch die Leis­tung wird ja weit­er­hin erbracht, der „Sklave“ arbeit­et für uns und Her­rn Wag­n­er. Wir riechen nur seinen Schweiß nicht mehr.

Wir lassen in Chi­na unsere Waren fer­ti­gen und kaufen den Kaf­fee bei Star­bucks. Wie schmutzig der Strom erzeugt wird, den wir in unsere E‑Autos laden und mit dem wir unsere Wärmepumpen betreiben, inter­essiert uns höch­stens mod­ell­haft, und wenn die Wäsche nicht von uns selb­st, son­dern von Bil­liglöh­n­ern gewaschen wird, fühlt man sich wie ein Held. Die unter­schied­slose Man­datierung ein­er Imp­fung ist auch so eine exter­nal­isierende Helden­tat: Die sie anord­nen, sehen nicht und wollen nicht sehen, wie die Arme und Gesichter ausse­hen, in die sie gedrückt wird.

Überheblich, fantasievoll, aber faktenschwach

Der Mete­o­rologe Jäger bekommt ger­adezu leuch­t­ende Augen, wenn er über die heuti­gen Äng­ste schwadroniert. Wald­brände, Über­schwem­mungen… Ruprechts Ein­wurf, das sei doch Wet­ter und nicht Kli­ma, wird vom Tisch gewis­cht, und als Kulke quel­len­fest hinzufügt, der Deutsche Wet­ter­di­enst DWD sehe keine Steigerung von Extrem­nieder­schlä­gen in Deutsch­land, kon­tert Jäger mit dem Hin­weis, er habe eine Arbeit gele­sen, in der das Gegen­teil ste­ht.

„Nein, das was er [Kulke] sagt, ist nicht Wis­senschaft. Glauben sie mir, die Wis­senschaft ist sich da sehr einig!“

The­ma erledigt. Schon wieder. Hier find­en wir nun das vierte Merk­mal des ide­ol­o­gisierten Diskurs­es: die Anmaßung zu entschei­den, was Wis­senschaft ist und was nicht. Die aus­ge­gren­zten und abgelehn­ten Ideen kön­nen schon froh sein, dass man sie statt mit Feuer in der Sendung nur mit her­ablassen­dem Gekich­er behan­delt. Pos­i­tive Aspek­te des ver­teufel­ten CO2? Etwa die Ergrü­nung der Sahel­zone, bessere Ern­ten denn je? Nichtig und unwis­senschaftlich, ja, gefährlich, genau wie den natür­lichen Weg zur Immu­nisierung gegen Covid zu gehen.

Kom­men Diskursv­eren­gung und „blind­er Fleck“ zusam­men, darf man erheit­ernde Aus­sagen wie die Ger­not Wag­n­ers genießen, die Solaren­ergie sei die bil­lig­ste von allen. Er macht hier den Fehler aller Energiewen­der und Dekar­bon­isier­er, instal­lierte Leis­tung für bare Münze zu nehmen. Solaren­ergie ist „bei Lichte betra­chtet“ vor allem eines: extrem zuver­läs­sig. Sie erzeugt näm­lich nachts sehr zuver­läs­sig keinen Strom, darauf ist Ver­lass! Doch zumin­d­est sind wir in der Diskus­sion nun endlich beim Kern­prob­lem angekom­men, der Energiev­er­sorgung.

Hier hat die ehe­ma­lige Außen­min­is­terin Kneissl den Punkt des Abends. Das Prob­lem sei, dass die Energiepoli­tik ein Anhängsel der Klimapoli­tik ist und nicht umgekehrt. Im Kli­maak­tivis­mus und dessen Anhängsel, der aktiv­en Poli­tik, ist lei­der sel­ten so viel Prag­ma­tismus zu find­en.

Ein Omelett aus ungelegten Eiern

Wenn es näm­lich darum geht, wie und woher Indus­triege­sellschaften wie Öster­re­ich oder Deutsch­land die benötigte Energie bekom­men kön­nen, wan­delt sich die eingeübte Zahlen­schieberei mit hal­ben Erd­wärmegraden und ppm CO2 in infan­tile Auge-Dau­men-Fen­sterkreuz-Abschätzun­gen. Hier exter­nal­isiert man gewis­ser­maßen gle­ich das Prob­lem selb­st und „rech­net“ mit ungelegten Eiern. Ruprechts War­nung, die Rich­tung, in die sich die Energiev­er­sorgung bewege, sei falsch, wis­cht Jäger weg.

„Nein, nein, die Rich­tung stimmt, die Rech­nung stimmt auch! Es gibt Rech­nun­gen, die ken­nen Sie nicht, weil Sie in ihren Atom­en hän­gen, ken­nen Sie das nicht.“

Da lacht der Net­zspe­ich­er und der Taschen­rech­n­er wun­dert sich! Denn das erwäh­nte Pump­spe­icherkraftwerk Vorarl­berg, laut Jäger „ein Rieeeesend­ing von europäis­ch­er Dimen­sion“, soll zwar 1.000 Megawatt Leis­tung haben, Baube­ginn ist aber erst 2030, in Betrieb gehen soll es gar erst 2037 und aus Erfahrung kön­nen wir da nochmal ein oder zwei Jährchen drau­fle­gen. Klar kön­nte – und sollte – man den über­schüs­si­gen Strom aus Sonne und Wind in solche Pump­spe­ich­er drück­en, für wie lange das „Rieeeesend­ing“ jedoch die 1.000 Megawatt abgeben kann, ist unbekan­nt. Diese zukün­fti­gen 1.000 Megawatt sind ein schön­er Puffer, aber kein Energieerzeuger in dem Sinne. Nur zum Ver­gle­ich: Deutsch­land schal­tet noch in diesem Jahr drei wirk­liche „Rieeeesendinger“ mit ver­gle­ich­bar­er, aber kon­stant abruf­bar­er Leis­tung ab. Drei weit­ere, die let­zten Kernkraftwerke, fol­gen im näch­sten Jahr. Das Rieeeesend­ing „Lün­erseew­erk II“ in Vorarl­berg müsste sich schon ver­hun­dert­fachen, um tat­säch­lich europäis­che Dimen­sion zu erlan­gen. Lei­der haben wir in der ganzen EU nicht mal annäh­ernd genug Platz, Berge, Zeit, Geld, Win­dräder und duld­same Europäer für sowas.

Erste Risse in der ideologischen Mauer

Die Energiepreise gehen über­all durch die Decke, die Insta­bil­ität unser­er Strom­net­ze lässt sich nicht mehr ver­leug­nen und der Stre­it, ob Erdgas nun eine Brück­en­tech­nolo­gie, CO2-Schleud­er oder Putins Dau­men­schraube sei, ist noch nicht entsch­ieden. Es wird also eng für die Energiewende, und plöt­zlich erin­nern sich die Jägers und Wag­n­ers an diese ver­achtete Art der Energieerzeu­gung, die sie lieber gestern als mor­gen in Sonne und Wind geschossen hät­ten: die Kernen­ergie. Die Ideen, die der Kern­physik­er Götz Ruprecht mit­ge­bracht hat, liegen jedoch schon seit vie­len Jahren auf dem Tisch, wo man sie nicht haben oder auch nur zur Ken­nt­nis nehmen wollte, weshalb die Entwick­lung des neuen Dual-Flu­id-Reak­tors nicht in Deutsch­land, son­dern in Kana­da stat­tfind­en wird.

Der ret­tet uns lei­der ohne­hin nicht die Energiewende, denn die Verzögerung der Entwick­lung durch Desin­ter­esse und ide­ol­o­gis­che Betrieb­s­blind­heit hat dafür gesorgt, dass wir wohl noch gut zehn Jahre auf die tech­nis­che Umset­zung warten müssen. Ein­fach die alten Reak­toren länger laufen lassen? Nun also doch? Man reibt sich die Augen, wenn man solche Andeu­tun­gen aus grü­nen Mün­dern hört, denn die Argu­mente der Befür­worter haben sich seit zehn Jahren nicht geän­dert. Aber hier kommt die Ein­sicht wohl zu spät, zumin­d­est für die drei deutschen Kraftwerke, die noch 2021 abgeschal­tet wer­den. Wir sind mit dem panis­chen Atom­ausstieg ener­getisch vom Dach gesprun­gen und haben darauf gehofft, dass uns Sonne und Wind zum Fliegen brin­gen. Wir wer­den also „leichter“ wer­den müssen für den Auf­prall, was zwangsläu­fig Dein­dus­tri­al­isierung und schmerzhafte Wohl­standsver­nich­tung bedeutet. Auch die Wag­n­ers und Jägers dieser Welt wer­den also „Energiesklaven“ ent­lassen müssen, wenn die Ver­sorgung mit Strom und Wass­er unsich­er wird. Wäschewaschen geht dann wed­er zuhause noch in der exter­nal­isierten Wäscherei. Da heißt es dann trinken oder stinken. Energiear­mut ist ein sehr zuver­läs­siger Gle­ich­mach­er. Und woll­ten sie da nicht alle hin, die Gle­ich­mach­er und Gle­ich­schal­ter? Das über­he­bliche Lachen, das sich wie ein rot­er Faden durch die Sendung zog, lässt ver­muten, dass man sich selb­st stattdessen einiger Priv­i­legien zu erfreuen gedenkt.

Die Non­cha­lance, mit der die Dekar­bon­isier­er und Energiewen­der plöt­zlich die Pferde wech­seln und die Nüt­zlichkeit der Kernen­ergie erken­nen, als sei sie ihnen ger­ade eben erst vom Him­mel gefall­en und nicht jahre­lang von ihnen bekämpft wor­den, macht mich sprach­los. Die Frage ist doch: Was an ihren ide­ol­o­gis­chen Gedankenge­bäu­den beruht noch auf falschen Annah­men und Träumereien? Nicht zu vergessen die wichtig­ste Frage von allen: Warum sollte man auf sie hören?

Zuerst erschienen auf achgut.com

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8 Kommentare

  1. Ich weiß woher die Knap­pheit­en in Sch­land kom­men!

    Die Chinks haben sich vorgenom­men, bei dem Kli­ma-Spiel mitzu­machen, und ihre CO2 Emis­sio­nen zu reduzieren. Und da die Chinks es auch ernst meinen, wenn sie sich etwas vornehmen, nicht so lar­i­fari wie hier, sind sie nun im Brownout-Mode, und fahren ihre Energiein­ten­sive Indus­trie herunter.

    Dazu gehört auch die Mag­ne­siumpro­duk­tion. Mag­ne­sium ist für viele Legierun­gen notwendig, ins­beson­dere für feste Alu­mini­um­legierun­gen, wie sie in Dosen und als der Indus­trie zum Ein­satz kom­men. Europa bezieht 95% seines Mag­ne­siums aus Chi­na. Hinzu kommt ein Chip-Man­gel — Man schaue mal, was mitler­weile ein RasPi3, der nach Erscheinen des RasPi4, gebraucht noch rund 20€ kostete, nun bei ebay kostet, um eine Vorstel­lung zu kriegen, wie sich die Preise von Com­put­er­chips entwick­eln.

    Nichts davon wird in näch­ster Zeit gelöst sein, weil alleine der Trans­port per Schiff zwei Monate dauert, und die Chinks ihre Pro­duk­tion zumin­d­est dieses Jahr nicht wieder hochfahren wollen.

    Das war auch die Grund­lage, weshalb die Cit­i­group kür­zlich sagte, die Infla­tion und Knap­pheit werde erst ab Feb­ru­ar zurück­ge­hen. Und das ist die opti­mistis­chste aller veröf­fentlicht­en Prog­nosen.

    Mua­ha­ha­ha.

    Ich würde wet­ten, dass europäis­che Regierun­gen die Chinks bere­its pres­suren, doch bitte auf die vere­in­barten Emis­sion­sziele zu pfeifen, man habe diese Sache doch nicht ernst gemeint, es ging doch nur darum, sich mehr Macht zuzus­pie­len und Steuern abzu­greifen.

    • Nein, wir Europäer sind zu fanatisch, um die zur Auf­gabe der Kli­maziele zu erbit­ten. Das Kli­ma wird gerettet bis zur let­zten Patro­nen.

      Du weißt ja um unsere Lern-aus-Schmerz-Kom­pe­tenz. Frage: Was macht ein Europäer nach einem Weltkrieg? Antwort: Noch ein­er!

      Ich wette, die Unruhen an den ital­ienis­chen Häfen wegen des Covid-Impfwahnsinns wer­den auch ihre Rolle spie­len. Biden würgt der­weil die amerikanis­che Wirtschaft ab, was hier auch wiederum alles erschw­eren dürfte.

  2. Was ich gern ein­mal in ein­er Talk­show sehen würde:
    *“Kli­maskep­tik­er” geht zu Kli­maforsch­er*
    *legt einen Graph der Tem­per­a­turen­twick­lung im Holozän und einen Graph des Methange­halts der Atmo­sphäre über dieselbe Zeit (Eis­bohrk­erne, Sed­i­mente…) auf den Tisch*
    *zeigt auf den Anstieg in der Tem­per­atur an dem man die Ent­deck­ung des Reisan­baus able­sen kann (Reis wächst in einem Sumpf, Methan heißt nicht umson­st Sumpf­gas)*
    “Hier ist Ihr zweit­er Daten­satz, jet­zt mod­el­lieren Sie mal! Hic Rho­dos, hic salta: no deduc­tion with­out repro­duc­tion, no ado­ra­tion with­out ver­i­fi­ca­tion. Methan ist ein sehr viel stärk­eres Treib­haus­gas als Kohen­diox­id, was aus­gle­icht dass es viel weniger Steinzeit­bauern als Mod­erne­fahrer gab. Hier kön­nen Sie sog­ar intrapolieren statt extrapolieren: wenn Ihr Kli­mamod­ell etwas taugt, müsste es mit den Dat­en von vor acht­tausend Jahhren vorher­sagen, was dann später in der Geschichte auch passiert ist — aufge­hört Reis zu essen haben die Leute jeden­falls nicht, die kon­nten von ihrem Kli­mawan­del­glück ja gar nichts wis­sen. Zeigen Sie den Zuschauern was Ihr Mod­ell kann, hier live in der Sendung.”

    Die Ein­schaltquoten zumin­d­est kön­nten sich bes­timmt sehen lassen.

    Prä-emp­tive Anmerkung zu “anderen Daten­sätzen” und “anderen Treib­haus­gasen”, die der Kli­maskep­tik­er in meinem Beispiel bes­timmt braucht: die Venus hat irgend­wann mal ganz fürchter­lich einen Kol­li­sion­spart­ner aufs Dach bekom­men, seit wann sie sich in ihrer Umdrehungs­geschwindigkeit fast völ­lig syn­chro­nisiert hat — sie bewegt sich (noch), braucht für eine Umdrehung aber länger als ein ganzes Venus-Jahr. Beziehungsweise hat ihr diese kos­mis­che Bil­liard­stoß gle­ich soviel Impuls mit­gegeben, dass sie sich rel­a­tiv zur Rota­tion der restlichen Plan­eten sog­ar in die “andere” Rich­tung dreht; aber eben nur sehr langsam — für alle prak­tis­chen Belange wen­det sie der Sonne sehr, sehr lange dieselbe Seite zu. Ein­er dieser Belange ist natür­lich dass die Venus sich deswe­gen auf dieser Seite “recht gut” aufheizt (näher an der Sonne ist sie zudem auch noch) — schon bevor die dichte Venusat­mo­sphäre die ganze Hitze fes­thält. Als Mod­ell für “eine Erde mit dichter­er Atmo­sphäre”, deren siderale Rota­tion­spe­ri­ode doch erhe­blich kürz­er ist, auf der es Jahreszeit­en gibt, und die zum Großteil mit Ozea­nen bedeckt ist die nicht ger­ade Pfützen sind (hal­lo, Chaos­the­o­rie!), taugt die Venusat­mo­sphäre daher “nur bed­ingt”.
    Aus der Rechen­num­mer mit dem Reis­methan kommt der Kli­maforsch­er durch Ver­weis auf die Venus also auch nicht raus — da heißt es Kli­mamod­ell auf den Tisch.

  3. Aus­geze­ich­net. Und das schlimme : Schon der Titel sagt alles, haar­ge­nau. Lei­der. Fak­ten zählen nicht mehr, es geht um Hal­tung.
    Aber immer­hin — es wur­den sog­ar Wider­borstige ein­ge­laden. Das geht in D so gar nicht mehr, höch­stens in Unter­stzahl. Servus-TV finde ich daher gut. “Alle wohlmeinen­den Wis­sensvortäusch­er ver­fall­en wieder in höh­nis­ches Gelächter”. Exzel­lente Beobach­tung. Gläu­bige der Kli­makirche halt. Die Wis­senden unter sich.

  4. > alles abschal­ten, alle impfen

    Das hat einen ein­fachen Grund: “Vor dem Gesetz sind alle gle­ich”. Gegen diesen Grund­satz zu ver­stoßen, ist Willkür. Darum ver­sucht man, diesen Grund­satz zu beacht­en. Nun würdest Du sicher­lich Gründe dafür find­en, wieso es keine Willkür ist, Aus­nah­meregelun­gen zu erfind­en, um auf diesem Umweg Manchen eine Son­der­be­hand­lung zukom­men zu lassen, ohne gegen das Gle­ich­heit­sprinzip zu ver­stoßen, und wirst Dich wenig später darüber kla­gen, die über­bor­dernde Bürokratie wäre viel zu kom­pliziert, wasserkop­far­tig, und ein Hemm­schuh, und außer­dem fehle Trans­parenz.

    Das, worüber Du klagst, ist sys­temim­ma­nent. Du schieb­st es auf das Per­son­al, aber dieses kön­nte inner­halb dieses Sys­tems gar nicht “richtig” han­deln, und angesichts dessen ists auch eher nicht zu erwarten, dass man unter denen, die sich hochgear­beit­et haben, um zu Ein­fluss zu kom­men, etwas anderes find­et, als Kanal­lien und Verblendete. Die charak­ter­lichen Eigen­schaften, die Du beklagst, sind, etwas, ohne das man nicht in die entsprechen­den Posi­tio­nen gelangt.

    • Gle­ich­es behan­delt man gle­ich. Ungle­ich­es nicht. Das, was kein­er Behand­lung bedarf, aus Grün­den der “Gle­ich­be­hand­lung” über den sel­ben Leis­ten zu ziehen, IST Willkür und tech­nokratis­ch­er Mechanismus.Es mag sys­temi­ma­nent sein, dass Staat­en sich zu solchen mech­a­nis­chen Gebilden entwick­eln, es ist aber keine Geset­zmäßigkeit, dass man sie gewähren lässt.

    • Wenn man gle­ich­es gle­ich, und ungle­ich­es ungle­ich behan­delt, dann kom­men die Auswirkun­gen der Kom­plex­ität ins Spiel. Die Lösung wird selb­st wieder zu einem Prob­lem wer­den.

      Ein Regel­w­erk, das feingliedrige Unter­schei­dun­gen trifft, muss ungle­ich kom­plex­er sein. Und dann sind wir beim Wasserkopf, der seine eige­nen Prob­leme verur­sacht. Zum Beispiel kann er nur auf Fälle reagieren, die ihm bekan­nt wer­den, wodurch man im besten Fall eine Sit­u­a­tion schafft, in der die Kinder, die am lautesten schreien, zu Las­ten der Nicht-Schrei-Babies die ganze Milch aus der Zitze saugen.

      Das ist auch Willkür, nur halt eine Willkür, die neu geschaf­fen wurde, weil man ver­suchte, eine andere Willkür abzuschaf­fen. Dadurch hat die neue Willkür gle­ich noch den Anstrich der Recht­mäßigkeit.

  5. Toller Artikel…! Fragt sich, wer stellt sich den hohn­lachen­den Besser­wis­sern ent­ge­gen? Wo und wann?
    Oder ist es schon zu spät? Bek­lem­mende Fra­gen.…

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