Was dabei her­aus­kommt, wenn deut­sche Poli­ti­ker des aktu­ell her­ge­stell­ten For­mats nur durch „Nach­den­ken“ zu Ent­schei­dun­gen kom­men, hat die Bun­des­kanz­le­rin mit dem 2010 ver­kün­de­ten beschleu­nig­ten Atom­aus­stieg gezeigt. Nicht dass sie heu­te noch häu­fig dar­auf ange­spro­chen wür­de, Vor­wür­fe ver­hal­len ohne­hin unge­hört. Aber die Poli­tik hat aus Rich­tungs­ent­schei­dun­gen die­ser Art gelernt, dass es sel­ten gut aus­geht, wenn man per­sön­lich für einen mög­li­chen Miss­erfolg ver­ant­wort­lich gemacht wer­den kann. Die­ser „Moment der Wahr­heit“ steht uns beim Atom­aus­stieg noch bevor. Seit Mer­kels ein­sa­mer Ent­schei­dung bezüg­lich der Atom­ener­gie geht die Poli­tik jedoch anders vor – und erzeugt durch ihre wis­sen­schaft­lich begrün­de­ten Ent­schei­dun­gen nicht weni­ger frag­wür­di­ge Zustän­de. Die zu Rate gezo­ge­ne und als Stich­wort­ge­ber ver­wen­de­te Wis­sen­schaft ist aus­wech­sel­bar, die Prin­zi­pi­en der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Wis­sen­schaft und Poli­tik ste­hen hin­ge­gen fest.

„Man­che Poli­ti­ker ster­ben auf Bar­ri­ka­den, auf denen sie gar nicht gestan­den haben.“ Fran­cois Mitterrand

Der heilige Konsens von Mehrheitshausen

Der Ablauf der Zusam­men­ar­beit gleicht sich in allen Fäl­len. Die Poli­tik iden­ti­fi­ziert ein Pro­blem­feld, das zu beackern loh­nens­wert erscheint. Im Ide­al­fall gibt es sogar eine gut auf­ge­stell­te Lob­by oder Wis­sen­schafts­dis­zi­plin, die bei der Erken­nung des Pro­blems in ihrem Sinn gern behilf­lich ist. Durch rasches Zusam­men­zäh­len der wis­sen­schaft­li­chen Schäf­chen simu­liert die Poli­tik einen demo­kra­ti­schen Pro­zess – denn demo­kra­tisch muss es zuge­hen, damit die Poli­tik kei­ne Recht­fer­ti­gungs­pro­ble­me bekommt. Soll­te es kei­ne Stö­run­gen von außen geben, wel­che wie in einem Putsch die Auf­merk­sam­keit von einem Pro­blem auf ein ande­res lenkt (C‑19-Situa­ti­on), kann die Poli­tik mit die­ser Mehr­heit in Sym­bio­se leben. Zuwen­dun­gen sor­gen dafür, dass die prä­fe­rier­te Mehr­heit inner­halb der Wis­sen­schaft wächst und vor Kri­tik geschützt wird. Die­se sorgt im Gegen­zug für die fach­li­che Unter­füt­te­rung der poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen und ver­teilt die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit und der Medi­en somit auf Fach­leu­te, die nicht ver­ant­wort­lich sind. Wenns schief geht, kann der eine sagen, er hät­te nichts ver­an­lasst und der ande­re, er wäre einem fach­li­chen Rat gefolgt.

Lei­der fehlt der Anwen­dung ver­meint­lich guter demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en auf die Wis­sen­schaft ein Kor­rek­tiv: Wah­len. Im Gegen­satz zu poli­ti­schen Struk­tu­ren, die in der Demo­kra­tie zumin­dest noch regel­mä­ßig in Fra­ge ste­hen, führt ein immer brei­ter wer­den­der Kon­sens über die Inter­pre­ta­ti­on von „rich­tig“ und „falsch“ zur Dik­ta­tur der Mehr­heit über die Min­der­heit. Im Jahr 1931 ver­such­ten „100 Autoren gegen Ein­stein“ eine sol­che „Mehr­heits­mei­nung“ durch­zu­set­zen, was Ein­stein sinn­ge­mäß zu fol­gen­der Aus­sa­ge ver­an­lasst haben soll: „Gleich 100? Wenn sie recht hät­ten, wür­de doch einer genü­gen.“ Wie die­ser Streit aus­ging, ist bekannt. Die Zahl der Geg­ner ist – anders als in der Poli­tik – eben kein Kri­te­ri­um, das über Sieg oder Nie­der­la­ge ent­schei­det. Mehr­hei­ten und Kon­sens sind kei­ne Kate­go­rien, mit denen man wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis mes­sen oder gar erzwin­gen kann. Der per­ma­nen­te Ideen­wett­streit in allen frei aus­ge­üb­ten Wis­sen­schaf­ten ist jedoch kein Boden, auf dem Poli­tik gedeiht. Die­se sucht ja Ant­wor­ten, nicht nach Fragen.

Die unge­sun­de Sym­bio­se von Poli­tik und Wis­sen­schaft hat in der Ver­gan­gen­heit eini­ge zwei­fel­haf­te aber als alter­na­tiv­los gel­ten­de Theo­rien her­vor­ge­bracht, die auch gänz­lich anders hät­ten aus­se­hen kön­nen, hät­te man zuge­las­sen, sie wei­ter in Fra­ge zu stel­len. Doch weil eine poli­ti­sche Idee von „Gestal­tung“ und eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie gut zuein­an­der pass­ten, kam die Sym­bio­se zustan­de. So pass­te die Geschlech­ter­for­schung von Judith But­ler bes­ser zur akti­vis­ti­schen Idee, hin­ter jedem Baum laue­re eine uner­kann­te Unter­drü­ckung, als etwa die Vor­stel­lung von Kath­le­en Stock, die Geschlechts­iden­ti­tät für eine phi­lo­so­phisch lee­re Idee hält.

Die Bei­spie­le, wie sich poli­ti­sche Idee und wis­sen­schaft­li­che Theo­rie per­fekt ergän­zen, sind zahl­reich und rei­chen von der Kli­ma­for­schung bis zur Medi­zin. Nach dem Pots­dam Insti­tut für Kli­ma­fol­gen­for­schung (PIK), das der dank­ba­ren Poli­tik für das kom­ple­xe Phä­no­men Kli­ma­va­ria­bi­li­tät einen Schul­di­gen (CO2) und ein­fa­che Lösun­gen (sofor­ti­ge Decar­bo­ni­sie­rung der Wirt­schaft) anbot, herrscht nach dem C‑19-Putsch momen­tan das Robert-Koch-Insti­tut über Land und Dis­kurs. So sinn­voll die­se Exper­ti­sen natür­lich auch sein kön­nen, die Art und Wei­se, wie gera­de Deutsch­land ihnen immer wie­der folgt, ist so sym­pto­ma­tisch für Poli­tik­ver­sa­gen wie Hus­ten und Fie­ber für Covid-19. Abwei­chen­de Mei­nun­gen fan­den und fin­den kein Gehör oder wer­den sogar aktiv dis­kre­di­tiert und für schäd­lich erklärt. Auch hier wer­den die Geschüt­ze, wel­che die Poli­tik abfeu­ert, bereit­wil­lig von dem Teil der Wis­sen­schaft gela­den, der im Gleich­schritt mit ihr marschiert.

Ausblick in die Post-Corona-Ära

Die Hoff­nung, all die akti­vis­ti­schen Schnit­ze­rei­en an Mei­nungs­frei­heit, Fein­staub, Kli­ma, Ener­gie­ver­sor­gung und poli­ti­scher Gleich­schal­tung wür­den bald ein Ende fin­den, weil sie gera­de von der Rea­li­tät über­rannt und fal­si­fi­ziert wer­den oder weil für der­lei Schnick­schnack künf­tig schlicht kein Geld mehr da sei, wird ent­täuscht wer­den. Der eine oder ande­re Leser mag zur Fort­füh­rung sei­nes Geschäfts auf einen pri­vat­recht­li­chen Bank­kre­dit ange­wie­sen sein, den er natür­lich umso schwie­ri­ger erhal­ten wird, je schlech­ter es sei­ner Fir­ma auf­grund der wirt­schaft­li­chen Voll­brem­sung geht. Doch wie wir von Hohl­köp­fen jeg­li­cher poli­ti­scher Fär­bung immer wie­der ler­nen, sind die Geset­ze der Wirt­schaft gera­de außer Kraft gesetzt. Ganz so, als wäre die „Wahl“ zwi­schen „Wirt­schaft und Men­schen­le­ben“ nicht genau­so irre wie die zwi­schen ein- und aus­at­men. Für Polit-Schnit­zer aller Art gal­ten die Regeln des frei­en Wirt­schaf­tens jedoch noch nie, wie­so soll­ten ihren Ideen also Scha­den neh­men, wenn die Wirt­schaft am Boden liegt?

Die deut­sche Umwelt­hil­fe, das PIK oder die Tromm­ler der Ener­gie­wen­de sit­zen jeden­falls viel näher am Honig­topf mit der Auf­schrift „Steu­er­kne­te“ und müs­sen bei Ban­ken kei­ne Klin­ken put­zen. Außer­dem ist die Ver­su­chung für Kli­ma- und ande­re Akti­vis­ten, sich an die aktu­el­le Kri­se her­an­zu­wan­zen und zu ver­su­chen, dem Wahn­sinn posi­ti­ve Neben­ef­fek­te abzu­trot­zen, ein­fach zu groß. Beim MDR lern­ten wir, was das böse Virus mit CO2 gemein­sam hat. Die Grü­nen brach­ten in Vor­schlag, ange­sichts des sin­ken­den Strom­ver­brauchs die Abschal­tung der rest­li­chen Atom­kraft­wer­ke noch vor das Ende der Coro­na-Kri­se vor­zu­zie­hen und Lui­sa Lang­stre­cke stell­te soli­da­ri­sches Fie­ber bei Erde und Mensch­heit fest und pro­pa­giert Kri­sen-Koope­ra­ti­on. Das alles wird wie­der Fahrt auf­neh­men, sobald die media­le Auf­merk­sam­keit vom täg­li­chen Wahn­sinn und tat­säch­li­chen Pro­ble­men weg und wie­der in die Zukunft gerich­tet ist.

Die von den Akti­vis­ten benö­tig­ten Pro­zes­se sind vir­tu­el­ler Natur und nicht auf Lie­fer­ket­ten ange­wie­sen. Noch bevor sich das Wirt­schafts­le­ben nor­ma­li­sie­ren kann, wird der Akti­vis­mus zurück­keh­ren, der gegen die Wirt­schaft pro­tes­tiert. Auch die für NGOs nöti­gen För­der­mit­tel flie­ßen ja direkt aus den Haus­hal­ten von Minis­te­ri­en und EU, eine Bank braucht man höchs­tens noch, um das aus­ge­schenk­te Geld ver­füg­bar zu machen. Noch. Denn wozu braucht man über­haupt noch pri­va­te Ban­ken und Spar­kas­sen, wenn man sein Giro­kon­to auch bei der Bun­des­bank oder gleich der EZB haben könnte?

Was für eine Wirtschaft stabilisiert der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF)?

Wäh­rend die Men­schen ver­ängs­tigt zu Hau­se sit­zen, sich in der Öffent­lich­keit miss­trau­isch mit einer Hus­ten­län­ge Abstand umschlei­chen und sich statt über Wet­ter und Sport über die Details des­sen infor­mie­ren, was sie mor­gen noch oder schon wie­der oder nicht mehr dür­fen, schlägt unser Bun­des­tag die Grenz­pfos­ten für ein staat­lich kon­trol­lier­tes Post-Coro­na-Wirt­schafts­sys­tem ein. Der Wider­stand aller Oppo­si­ti­ons­par­tei­en gegen das Gesetz war schwach und ging ohne­hin in den Laut­spre­cher­durch­sa­gen der Kri­sen­stä­be und der Fra­ge unter, ob das RKI nun aktu­ell Mas­ken emp­fiehlt, oder gera­de nicht.

Gera­de mal eine Woche brauch­te es, das Gesetz zum WSF in drei Lesun­gen durch den Bun­des­tag zu peit­schen. Seit die Rei­hen dort wegen Coro­na dün­ner besetzt sind, scheint auch die Durch­läs­sig­keit für Regie­rungs­vor­ha­ben zuge­nom­men zu haben. Es ist aller­dings nicht die Auf­ga­be des Bun­des­ta­ges, es der Regie­rung mög­lichst leicht zu machen. Und wäh­rend die Demo­kra­ten in den USA es nicht schaff­ten, den „Green New Deal“ sozu­sa­gen als Anhäng­sel zum Coro­na-Ret­tungs­pa­ket gleich mit durch Kon­gress und Senat zu drü­cken, stel­len unse­re Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten eine wei­te­re Wei­che auf dem Weg zu Staats­wirt­schaft und Sozialismus.

Beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie heißt es zum neu­en Wirt­schafts­ör­de­rungs­ge­setz lapi­dar: Der Wirt­schafts­sta­bi­li­sie­rungs­fonds mit einem Umfang von 600 Mil­li­ar­den Euro bie­tet Unter­neh­men und Start-Ups bei Vor­lie­gen der all­ge­mei­nen Antrags­vor­aus­set­zun­gen Unter­stüt­zung durch Garan­tien und Eigen­ka­pi­tal­hil­fen, um die Kri­se erfolg­reich zu bewältigen.“ 

Liest man jedoch, was Richard Mit­ter­hu­ber und Tho­mas Mühl für das juris­ti­sche Online-Maga­zin LTO dazu schrei­ben oder kon­sul­tiert den Geset­zes­text, kom­men dem auf­merk­sa­men Leser erheb­li­che Beden­ken bezüg­lich des Zwecks die­ses Geset­zes. Ich jeden­falls hät­te da ein paar Fra­gen (Zita­te aus LTO):

„Im Fokus ste­hen Unter­neh­men, deren Bestands­ge­fähr­dung erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft, die tech­no­lo­gi­sche Sou­ve­rä­ni­tät, Ver­sor­gungs­si­cher­heit, kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren oder den Arbeits­markt hätte.“

Wer legt fest, was „erheb­li­che“ Aus­wir­kun­gen sind? Wie defi­niert man „tech­no­lo­gi­sche Sou­ve­rä­ni­tät“ und hat nicht jeder ver­lo­re­ne Arbeits­platz Ein­fluss auf den Arbeitsmarkt?

„…müs­sen sol­che [unter­stüt­zen oder mit staat­li­cher Betei­li­gung ver­zier­ten] Unter­neh­men in den letz­ten bei­den Geschäfts­jah­ren vor dem 1. Janu­ar 2020 eine Bilanz­sum­me von mehr als 43 Mil­lio­nen Euro und einen Umsatz von mehr als 50 Mil­lio­nen Euro aus­ge­wie­sen sowie durch­schnitt­lich mehr als 249 Arbeit­neh­mer beschäf­tigt haben.“

Sind die­se Zah­len durch Kaf­fee­satz­le­sen oder Vogel­flug ermit­telt wor­den? Auf wel­che Zeit­räu­me bezieht sich das „durch­schnitt­lich“?

Garantie, Beteiligung, Gegenleistung

„Die geplan­ten Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men sol­len zu ange­mes­se­nen Gegen­leis­tun­gen erfol­gen und sind als ulti­ma ratio gedacht.“

Was sind „ange­mes­se­ne Gegen­leis­tun­gen“? Wer defi­niert, ob und wann eine Gegen­leis­tung ange­mes­sen ist? Ange­mes­sen für wen?

„Hil­fe soll nur dort­hin flie­ßen, wo sie tat­säch­lich auch Erfolg verspricht.“ 

Auch hier nichts als scham­lo­se Wis­sens­an­ma­ßung! „Tat­säch­lich Erfolg“ ist schließ­lich ein Kri­te­ri­um, dass sich erst im Nach­hin­ein erwei­sen kann. Will der Staat nun per Ver­wal­tungs­ver­ord­nung beur­tei­len, ob ein Unter­neh­men Erfolg haben kann? Könn­te sich der „gemes­se­ne“ Erfolg viel­leicht durch poli­ti­sches Wohl­ver­hal­ten, Ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen, Spen­den an die „Rich­ti­gen“, Kün­di­gung der „Fal­schen“ oder „Gegen­leis­tun­gen“ ande­rer Art vor­ab einstellen?

„Zu den Ermes­sens­kri­te­ri­en zäh­len unter ande­rem die Bedeu­tung des Unter­neh­mens für die Wirt­schaft Deutsch­lands, die Dring­lich­keit, die Aus­wir­kun­gen auf den Arbeits­markt und den Wett­be­werb sowie der Grund­satz des spar­sams­ten und wirt­schaft­li­chen Ein­sat­zes der Fonds­mit­tel. Nähe­res kann in einer Rechts­ver­ord­nung gere­gelt wer­den, zum Bei­spiel wel­che Ober­gren­zen, Gegen­leis­tun­gen und sons­ti­ge Bedin­gun­gen es für Garan­tien und Reka­pi­ta­li­sie­run­gen geben soll und zu wel­chen Bedin­gun­gen die Betei­li­gun­gen ver­äu­ßert werden.“

Bei der Fest­le­gung der „Ermes­sens­kri­te­ri­en“ kom­men unse­re unge­dul­dig mit den Füßen schar­ren­den Akti­vis­ten von wei­ter oben sicher gern wie­der ins Spiel. Denn schließ­lich waren sie es ja auch schon vor der Kri­se, die fest­zu­le­gen sich erdreis­te­ten, was in und für Deutsch­land drin­gend, rich­tig, CO2-arm, grenz­wert­über­schrei­tend und gene­rell oppor­tun ist. Es liegt künf­tig wohl im Ermes­sen des Staa­tes und der von ihm Beauf­tra­gen „Exper­ten“ zu ent­schei­den, was Unter­neh­men wie wann und wo tun oder las­sen, sobald sie sich in ihrer Not unter den Ret­tungs­schirm namens WSF bege­ben haben.*

Unter­neh­men, die dies nicht tun, gera­ten auch unter Druck, denn wäh­rend die „geret­te­ten“ zunächst mit vol­ler Hose stin­ken kön­nen, müs­sen sie sich selbst wie­der auf die Bei­ne hel­fen, was zu wei­te­ren Ver­zer­run­gen der Märk­te füh­ren muss. Staat­li­che Stel­len wer­den dar­über bestim­men, was benö­tigt wird und nach­dem die Exper­ti­se des Robert-Koch-Insti­tuts abge­klun­gen ist, wer­den ande­re Wis­sen­schaft­ler ent­schei­den, was das „Rich­ti­ge“ sein wird. Wind­rä­der viel­leicht oder Bio-Kar­tof­feln oder Elek­tro-Autos mit Kar­tof­fel­an­trieb. Gewin­ne machen ist dann viel­leicht nicht mehr wich­tig, solan­ge man nur das Rich­ti­ge tun. Die staat­li­che Pla­nungs­kom­mis­si­on wird schon wis­sen, was uns frommt und wer hät­te nach der über­stan­de­nen Coro­na-Kri­se denn noch etwas gegen den Sozia­lis­mus ein­zu­wen­den! Saskia Esken ver­wen­det den Begriff schließ­lich schon län­ger posi­tiv und ihre SPD (Regie­rungs­par­tei) ist neu­er­dings wie­der im Auf­wind – was soll da schon schief gehen!

Die span­nen­de Fra­ge, wel­cher Wis­sen­schaft wir nach der Kri­se wohl dies­mal alle fol­gen müs­sen, ist mei­ner Mei­nung nach beant­wor­tet. Nach­dem wir schon den Gen­der­for­schern, Migra­ti­ons­ex­per­ten, Wind­an­be­tern, CO2-Sehern und zuletzt den Viro­lo­gen hin­ter­her­ge­lau­fen sind, wer­den es dies­mal die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler sein. Doch ich fürch­te, es wer­den schon wie­der die sein, die durch Kon­sens die größ­te Grup­pe bilden.

Das Fazit, nur im Konjunktiv zu ertragen

Es könn­te sein, dass die meis­ten Ban­ken in Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den oder in der EZB auf­ge­hen, schließ­lich sind Finanz­in­sti­tu­te vom WSF-Ret­tungs­schirm aus­ge­nom­men. Mög­li­cher­wei­se erle­ben wir nicht nur staat­li­che Betei­li­gun­gen an Fir­men und in der Fol­ge poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me auf die Wirt­schaft in nie da gewe­se­ner Dimen­si­on, son­dern durch den Weg­fall vie­ler Ban­ken auch direk­te Kre­dit­ver­ga­ben durch Staat und EZB, die eben­falls an „Gegen­leis­tun­gen“ gebun­den wer­den kön­nen. Ein täg­lich zu erneu­ern­der Treue­schwur auf EU-Kom­mis­si­on und EZB wäre sicher nicht zu viel verlangt.

Die EZB könn­te ver­su­chen, sich als „die bes­se­re Bank“ dar­zu­stel­len und die Geld­schleu­sen noch wei­ter öff­nen. Wie wäre es gleich mit einem BGE, wie die Grü­ne Jugend es for­dert? Eine Flut von Geld wür­de sich über eine unter staat­li­chem Kom­man­do ste­hen­de Wirt­schaft ergie­ßen, wel­che wegen ihrer mitt­ler­wei­le behör­den­glei­chen Star­re und man­gels Wis­sens gar nicht schnell genug reagie­ren könn­te, um dem Geld ein Ange­bot aus Waren und Dienst­leis­tun­gen gegen­über zu stel­len. Es flös­se dann ab ins Aus­land, zumin­dest so lan­ge wie man dort glaubt, es sei noch etwas wert.

Und am Ende wür­de man die Fehl­ent­schei­dun­gen, die Regu­lie­run­gen, das Gegen­steu­ern und die gan­ze per­ma­nen­te Ret­te­rei wie­der mal dem Kapi­ta­lis­mus in die Schu­he schie­ben, selbst wenn der sich längst zwi­schen eine Hand voll Buch­de­ckel zurück­ge­zo­gen hat, die kaum noch jemand auf­schlägt, weil die meis­ten den simp­len sozia­lis­ti­schen Losun­gen auf Spruch­bän­dern hinterherlaufen.

Doch dann wird der Kon­sens längst wei­ter­ge­zo­gen sein und die Poli­tik wird wie­der ande­ren Exper­ten fol­gen. Viel­leicht wer­den es dann Zau­be­rer, Astro­lo­gen und Wun­der­hei­ler sein.

* Nur zur Erin­ne­rung: an der Com­merz­bank ist der Bund seit 2009 zu 25% betei­ligt, was zwar das Über­le­ben des Hau­ses sicher­stell­te, jedoch nicht sei­nen Erfolg. Auch hier steht die gro­ße Abschrei­bung wohl noch aus.

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8 Kommentare

  1. Was ich bis­her nur in aus­län­di­schen oder fremd­spra­chi­gen Medi­en gele­sen habe, ist die Idee für einen immu­ni­ty pass. Pas­sen­der­wei­se aus Deutsch­land kom­mend, wo man frü­her den Ari­er­nach­weis wie ein „Tref­fer“ Los aus der Gen­lot­te­rie stolz vor­zei­gen konnte. 

    „„Tho­se with immu­ni­ty could be issued with a type of immu­ne-cer­ti­fi­ca­te that could, for examp­le, allow them to be exempt from the restric­tions on their acti­vi­ties,“ said Krause.“
    https://www.dw.com/en/germany-mulls-mass-testing-for-coronavirus-immunity-report/a‑52940096

    Auch im Guar­di­an und der US Pres­se fin­det die Idee Erwäh­nung, und sorgt für Empörung.

  2. „Die Wis­sen­schaft“ reprä­sen­tiert den neu­en Kle­rus und die Regie­ren­den holen sich jetzt ihre Abso­lu­ti­on nicht mehr vom Papst, son­dern von Wis­sen­schaft­lern, die von ver­schie­de­nen Inter­es­sen­grup­pen finan­ziert wer­den, die mit der gro­ßen Pres­se ver­wo­ben sind.
    Wir dach­ten, wir hät­ten uns vom Kle­rus befreit, fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on, Vol­taire etc und erho­ben den mensch­li­chen Ver­stand zum Maß aller Din­ge. Das geht in einer kom­ple­xer wer­den­den Welt „zuneh­mend“ in die Hose. Der mensch­li­che Ver­stand ist nicht in der Lage hoch­kom­ple­xe Sys­te­me mit Logik zu steu­ern, weil er ihr Wesen nicht ver­steht. Die Fol­gen sehen wir jetzt: wel­chen Wis­sen­schaft­lern sol­len wir glau­ben? Sehr wahr­schein­lich hat kei­ner von ihnen Recht, selbst die nicht, die jetzt noch „die Kir­che im Dorf las­sen“. Aber gib‘ Ihnen Macht und auch sie wer­den das Cha­os herbeiführen.

    Die Bibel, und spe­zi­ell das Neue Tes­ta­ment und dar­in v.a. die Berg­pre­digt — das schrei­be ich nicht, weil heu­te Kar­frei­tag ist — ist eine Anwei­sung, in wel­che Rich­tung wir uns ent­wi­ckeln müs­sen, um im Ein­klang mit den Prin­zi­pi­en des Uni­ver­sums leben zu kön­nen. Wir alle seh­nen uns danach und suchen den Weg. Vie­le über­se­hen jedoch die wich­tigs­te und am leich­tes­ten ver­ständ­li­che Quelle.

  3. Also zuerst: die Coro­na-Sofort­hil­fe ist hin­ter­her zu ver­steu­ern, indem der Betrag auf das Steuer­brut­to drauf­ge­rech­net wird. Zumin­dest ist das bei Ein­zel­un­ter­neh­mern so. Und die Fan­tas­til­li­ar­den wer­den ohne­hin wie­der zurück­be­zahlt, ähn­lich wie des Kai­sers Sekt­steu­er bis in alle Ewig­keit. Und wer zahlt das? Natür­lich die Leu­te, die jetzt die klei­ne Hil­fe bekom­men. Und so geht es am Ende doch nur dar­um, mög­lichst alle „gesell­schaft­li­chen Grup­pen“ an Staats­kne­te zu gewöh­nen und damit zu bra­ven, wider­stands­lo­sen Applau­die­rern zu machen, Chi­na in Sanft sozusagen. 

    Mitt­ler­wei­le zeigt sich, dass die Kri­se doch kei­ne so dra­ma­ti­sche ist. Kam heu­te im WDR, dass die Uni­kli­nik Bonn in Heins­berg fest­ge­stellt hat, dass es viel mehr Infi­zier­te ohne Sym­pto­me gibt als ange­nom­men. Sterb­lich­keit somit unter 0,4 Pro­zent. Und am Ende erwischt es doch die alten Kran­ken, wie man an dem Seu­chen­zug in den Alten­hei­men erkennt, der jetzt erst Fahrt auf­nimmt. Man braucht näm­lich gar kei­nen Besuch im Alten­heim; der stan­dard­mä­ßi­ge Über­trä­ger ist der Pfle­ger oder Arzt. Weiß man seit 150 Jah­ren. Nur nicht im Kanzleramt.….

  4. Wie benei­de ich die Höh­len­men­schen von Anno Dazu­mal. Die hat­ten ech­te Pro­ble­me, die auch reell gelöst wur­den. Ansons­ten hat­ten sie mit Sozia­lis­mus nichts am Hut, kei­ne Ret­tungs­schir­me und Almo­sen für Nach­bar­sip­pen, die am lau­tes­ten rufen kön­nen, kei­ne Kol­lek­tiv­be­glü­ckung son­dern ein­fach ein Leben des Auf­ein­an­der-ange­wie­sen-seins. Jeder wuss­te, was zu tun war. Alles war klar gere­gelt. Wer gegen die Regeln ekla­tant ver­stieß, wur­de im Moor ver­senkt o.ä.

    Sie wuss­ten nicht viel außer das, was not­wen­dig ist für das täg­li­che Leben. Außer­dem glaub­ten sie viel.
    Ich stel­le gera­de fest, der Kreis schließt sich hier. An der Stel­le sind wir heu­te. Nur ein wenig irrer.

    • Du soll­test etwas vom Unabom­ber lesen. Das ist ein ehe­ma­li­ger Mathe-Pro­fes­sor, der die Sache mit dem Pri­mi­ti­vis­mus wirk­lich ernst meint. Ziem­lich lesenswert.

      Ich emp­feh­le „Tech­no­lo­gi­cal Slavery“. Gibts gra­tis als PDF.

      Abge­se­hen davon:

      „Sie wuss­ten nicht viel außer das, was not­wen­dig ist für das täg­li­che Leben. Außer­dem glaub­ten sie viel.
      Ich stel­le gera­de fest, der Kreis schließt sich hier. An der Stel­le sind wir heute.“

      Wir sind heu­te an der Stel­le, dass wir wis­sen, was für das täg­li­che Leben not­wen­dig ist? Da ist doch ein Denkfehler.

      • Natür­lich: Klo­pa­pier und Nudeln.
        Außer­dem wird GEGLAUBT, was das Zeug hält. Nach­den­ken ist eher was für Tie­re mit gro­ßen Köpfen.

        • Klo­pa­pier und Nudeln sind indus­tri­ell her­ge­stell­te Güter. Ich wür­de „In den Super­markt gehen“ jetzt nicht unbe­dingt den Lebens­not­wen­dig­kei­ten, son­dern eher dem deka­den­ten Luxus zurech­nen. Die meis­ten Men­schen kön­nen kein Kar­ni­ckel schlach­ten, wis­sen nicht, wie man sich gegen einen Angrei­fer ver­tei­digt, und so weiter.

          Naja, ich zie­he mei­nen Ein­wand zurück, da ich ein­se­he, dass „Wis­sen“ nicht unbe­dingt mit tat­säch­li­chen Fähig­kei­ten ein­her­ge­hen muss, zu denen ich „Ein­kau­fen“ und „110 wäh­len“ eher nicht zäh­le. Mei­ne Emp­feh­lung den Unabom­ber zu lesen bleibt aber bestehen. Der Typ hat den Durchblick.

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