Was dabei her­aus­kommt, wenn deut­sche Poli­ti­ker des aktuell her­ge­stell­ten Formats nur durch „Nach­den­ken“ zu Ent­schei­dun­gen kommen, hat die Bun­des­kanz­le­rin mit dem 2010 ver­kün­de­ten beschleu­nig­ten Atom­aus­stieg gezeigt. Nicht dass sie heute noch häufig darauf ange­spro­chen würde, Vor­würfe ver­hal­len ohnehin unge­hört. Aber die Politik hat aus Rich­tungs­ent­schei­dun­gen dieser Art gelernt, dass es selten gut ausgeht, wenn man per­sön­lich für einen mög­li­chen Miss­erfolg ver­ant­wort­lich gemacht werden kann. Dieser „Moment der Wahr­heit“ steht uns beim Atom­aus­stieg noch bevor. Seit Merkels ein­sa­mer Ent­schei­dung bezüg­lich der Atom­ener­gie geht die Politik jedoch anders vor – und erzeugt durch ihre wis­sen­schaft­lich begrün­de­ten Ent­schei­dun­gen nicht weniger frag­wür­dige Zustände. Die zu Rate gezo­gene und als Stich­wort­ge­ber ver­wen­dete Wis­sen­schaft ist aus­wech­sel­bar, die Prin­zi­pien der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Wis­sen­schaft und Politik stehen hin­ge­gen fest.

Manche Poli­ti­ker sterben auf Bar­ri­ka­den, auf denen sie gar nicht gestan­den haben.“ Fran­cois Mit­ter­rand

Der heilige Konsens von Mehrheitshausen

Der Ablauf der Zusam­men­ar­beit gleicht sich in allen Fällen. Die Politik iden­ti­fi­ziert ein Pro­blem­feld, das zu beackern loh­nens­wert erscheint. Im Ide­al­fall gibt es sogar eine gut auf­ge­stellte Lobby oder Wis­sen­schafts­dis­zi­plin, die bei der Erken­nung des Pro­blems in ihrem Sinn gern behilf­lich ist. Durch rasches Zusam­men­zäh­len der wis­sen­schaft­li­chen Schäf­chen simu­liert die Politik einen demo­kra­ti­schen Prozess – denn demo­kra­tisch muss es zugehen, damit die Politik keine Recht­fer­ti­gungs­pro­bleme bekommt. Sollte es keine Stö­run­gen von außen geben, welche wie in einem Putsch die Auf­merk­sam­keit von einem Problem auf ein anderes lenkt (C‑19-Situa­tion), kann die Politik mit dieser Mehr­heit in Sym­biose leben. Zuwen­dun­gen sorgen dafür, dass die prä­fe­rierte Mehr­heit inner­halb der Wis­sen­schaft wächst und vor Kritik geschützt wird. Diese sorgt im Gegen­zug für die fach­li­che Unter­füt­te­rung der poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen und ver­teilt die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit und der Medien somit auf Fach­leute, die nicht ver­ant­wort­lich sind. Wenns schief geht, kann der eine sagen, er hätte nichts ver­an­lasst und der andere, er wäre einem fach­li­chen Rat gefolgt.

Leider fehlt der Anwen­dung ver­meint­lich guter demo­kra­ti­scher Prin­zi­pien auf die Wis­sen­schaft ein Kor­rek­tiv: Wahlen. Im Gegen­satz zu poli­ti­schen Struk­tu­ren, die in der Demo­kra­tie zumin­dest noch regel­mä­ßig in Frage stehen, führt ein immer breiter wer­den­der Konsens über die Inter­pre­ta­tion von „richtig“ und „falsch“ zur Dik­ta­tur der Mehr­heit über die Min­der­heit. Im Jahr 1931 ver­such­ten „100 Autoren gegen Ein­stein“ eine solche „Mehr­heits­mei­nung“ durch­zu­set­zen, was Ein­stein sinn­ge­mäß zu fol­gen­der Aussage ver­an­lasst haben soll: „Gleich 100? Wenn sie recht hätten, würde doch einer genügen.“ Wie dieser Streit ausging, ist bekannt. Die Zahl der Gegner ist – anders als in der Politik – eben kein Kri­te­rium, das über Sieg oder Nie­der­lage ent­schei­det. Mehr­hei­ten und Konsens sind keine Kate­go­rien, mit denen man wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis messen oder gar erzwin­gen kann. Der per­ma­nente Ideen­wett­streit in allen frei aus­ge­üb­ten Wis­sen­schaf­ten ist jedoch kein Boden, auf dem Politik gedeiht. Diese sucht ja Ant­wor­ten, nicht nach Fragen.

Die unge­sunde Sym­biose von Politik und Wis­sen­schaft hat in der Ver­gan­gen­heit einige zwei­fel­hafte aber als alter­na­tiv­los gel­tende Theo­rien her­vor­ge­bracht, die auch gänz­lich anders hätten aus­se­hen können, hätte man zuge­las­sen, sie weiter in Frage zu stellen. Doch weil eine poli­ti­sche Idee von „Gestal­tung“ und eine wis­sen­schaft­li­che Theorie gut zuein­an­der passten, kam die Sym­biose zustande. So passte die Geschlech­ter­for­schung von Judith Butler besser zur akti­vis­ti­schen Idee, hinter jedem Baum lauere eine uner­kannte Unter­drü­ckung, als etwa die Vor­stel­lung von Kath­leen Stock, die Geschlechts­iden­ti­tät für eine phi­lo­so­phisch leere Idee hält.

Die Bei­spiele, wie sich poli­ti­sche Idee und wis­sen­schaft­li­che Theorie perfekt ergän­zen, sind zahl­reich und reichen von der Kli­ma­for­schung bis zur Medizin. Nach dem Potsdam Insti­tut für Kli­ma­fol­gen­for­schung (PIK), das der dank­ba­ren Politik für das kom­plexe Phä­no­men Kli­ma­va­ria­bi­li­tät einen Schul­di­gen (CO2) und ein­fa­che Lösun­gen (sofor­tige Decar­bo­ni­sie­rung der Wirt­schaft) anbot, herrscht nach dem C‑19-Putsch momen­tan das Robert-Koch-Insti­tut über Land und Diskurs. So sinn­voll diese Exper­ti­sen natür­lich auch sein können, die Art und Weise, wie gerade Deutsch­land ihnen immer wieder folgt, ist so sym­pto­ma­tisch für Poli­tik­ver­sa­gen wie Husten und Fieber für Covid-19. Abwei­chende Mei­nun­gen fanden und finden kein Gehör oder werden sogar aktiv dis­kre­di­tiert und für schäd­lich erklärt. Auch hier werden die Geschütze, welche die Politik abfeu­ert, bereit­wil­lig von dem Teil der Wis­sen­schaft geladen, der im Gleich­schritt mit ihr mar­schiert.

Ausblick in die Post-Corona-Ära

Die Hoff­nung, all die akti­vis­ti­schen Schnit­ze­reien an Mei­nungs­frei­heit, Fein­staub, Klima, Ener­gie­ver­sor­gung und poli­ti­scher Gleich­schal­tung würden bald ein Ende finden, weil sie gerade von der Rea­li­tät über­rannt und fal­si­fi­ziert werden oder weil für derlei Schnick­schnack künftig schlicht kein Geld mehr da sei, wird ent­täuscht werden. Der eine oder andere Leser mag zur Fort­füh­rung seines Geschäfts auf einen pri­vat­recht­li­chen Bank­kre­dit ange­wie­sen sein, den er natür­lich umso schwie­ri­ger erhal­ten wird, je schlech­ter es seiner Firma auf­grund der wirt­schaft­li­chen Voll­brem­sung geht. Doch wie wir von Hohl­köp­fen jeg­li­cher poli­ti­scher Färbung immer wieder lernen, sind die Gesetze der Wirt­schaft gerade außer Kraft gesetzt. Ganz so, als wäre die „Wahl” zwi­schen „Wirt­schaft und Men­schen­le­ben” nicht genauso irre wie die zwi­schen ein- und aus­at­men. Für Polit-Schnit­zer aller Art galten die Regeln des freien Wirt­schaf­tens jedoch noch nie, wieso sollten ihren Ideen also Schaden nehmen, wenn die Wirt­schaft am Boden liegt?

Die deut­sche Umwelt­hilfe, das PIK oder die Tromm­ler der Ener­gie­wende sitzen jeden­falls viel näher am Honig­topf mit der Auf­schrift „Steu­er­knete“ und müssen bei Banken keine Klinken putzen. Außer­dem ist die Ver­su­chung für Klima- und andere Akti­vis­ten, sich an die aktu­elle Krise her­an­zu­wan­zen und zu ver­su­chen, dem Wahn­sinn posi­tive Neben­ef­fekte abzu­trot­zen, einfach zu groß. Beim MDR lernten wir, was das böse Virus mit CO2 gemein­sam hat. Die Grünen brach­ten in Vor­schlag, ange­sichts des sin­ken­den Strom­ver­brauchs die Abschal­tung der rest­li­chen Atom­kraft­werke noch vor das Ende der Corona-Krise vor­zu­zie­hen und Luisa Lang­stre­cke stellte soli­da­ri­sches Fieber bei Erde und Mensch­heit fest und pro­pa­giert Krisen-Koope­ra­tion. Das alles wird wieder Fahrt auf­neh­men, sobald die mediale Auf­merk­sam­keit vom täg­li­chen Wahn­sinn und tat­säch­li­chen Pro­ble­men weg und wieder in die Zukunft gerich­tet ist.

Die von den Akti­vis­ten benö­tig­ten Pro­zesse sind vir­tu­el­ler Natur und nicht auf Lie­fer­ket­ten ange­wie­sen. Noch bevor sich das Wirt­schafts­le­ben nor­ma­li­sie­ren kann, wird der Akti­vis­mus zurück­keh­ren, der gegen die Wirt­schaft pro­tes­tiert. Auch die für NGOs nötigen För­der­mit­tel fließen ja direkt aus den Haus­hal­ten von Minis­te­rien und EU, eine Bank braucht man höchs­tens noch, um das aus­ge­schenkte Geld ver­füg­bar zu machen. Noch. Denn wozu braucht man über­haupt noch private Banken und Spar­kas­sen, wenn man sein Giro­konto auch bei der Bun­des­bank oder gleich der EZB haben könnte?

Was für eine Wirtschaft stabilisiert der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF)?

Während die Men­schen ver­ängs­tigt zu Hause sitzen, sich in der Öffent­lich­keit miss­trau­isch mit einer Hus­ten­länge Abstand umschlei­chen und sich statt über Wetter und Sport über die Details dessen infor­mie­ren, was sie morgen noch oder schon wieder oder nicht mehr dürfen, schlägt unser Bun­des­tag die Grenz­pfos­ten für ein staat­lich kon­trol­lier­tes Post-Corona-Wirt­schafts­sys­tem ein. Der Wider­stand aller Oppo­si­ti­ons­par­teien gegen das Gesetz war schwach und ging ohnehin in den Laut­spre­cher­durch­sa­gen der Kri­sen­stäbe und der Frage unter, ob das RKI nun aktuell Masken emp­fiehlt, oder gerade nicht.

Gerade mal eine Woche brauchte es, das Gesetz zum WSF in drei Lesun­gen durch den Bun­des­tag zu peit­schen. Seit die Reihen dort wegen Corona dünner besetzt sind, scheint auch die Durch­läs­sig­keit für Regie­rungs­vor­ha­ben zuge­nom­men zu haben. Es ist aller­dings nicht die Aufgabe des Bun­des­ta­ges, es der Regie­rung mög­lichst leicht zu machen. Und während die Demo­kra­ten in den USA es nicht schaff­ten, den „Green New Deal” sozu­sa­gen als Anhäng­sel zum Corona-Ret­tungs­pa­ket gleich mit durch Kon­gress und Senat zu drücken, stellen unsere Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten eine weitere Weiche auf dem Weg zu Staats­wirt­schaft und Sozia­lis­mus.

Beim Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Energie heißt es zum neuen Wirt­schafts­ör­de­rungs­ge­setz lapidar: Der Wirt­schafts­sta­bi­li­sie­rungs­fonds mit einem Umfang von 600 Mil­li­ar­den Euro bietet Unter­neh­men und Start-Ups bei Vor­lie­gen der all­ge­mei­nen Antrags­vor­aus­set­zun­gen Unter­stüt­zung durch Garan­tien und Eigen­ka­pi­tal­hil­fen, um die Krise erfolg­reich zu bewäl­ti­gen.“

Liest man jedoch, was Richard Mit­ter­hu­ber und Thomas Mühl für das juris­ti­sche Online-Magazin LTO dazu schrei­ben oder kon­sul­tiert den Geset­zes­text, kommen dem auf­merk­sa­men Leser erheb­li­che Beden­ken bezüg­lich des Zwecks dieses Geset­zes. Ich jeden­falls hätte da ein paar Fragen (Zitate aus LTO):

Im Fokus stehen Unter­neh­men, deren Bestands­ge­fähr­dung erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft, die tech­no­lo­gi­sche Sou­ve­rä­ni­tät, Ver­sor­gungs­si­cher­heit, kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren oder den Arbeits­markt hätte.“

Wer legt fest, was „erheb­li­che“ Aus­wir­kun­gen sind? Wie defi­niert man „tech­no­lo­gi­sche Sou­ve­rä­ni­tät” und hat nicht jeder ver­lo­rene Arbeits­platz Ein­fluss auf den Arbeits­markt?

…müssen solche [unter­stüt­zen oder mit staat­li­cher Betei­li­gung ver­zier­ten] Unter­neh­men in den letzten beiden Geschäfts­jah­ren vor dem 1. Januar 2020 eine Bilanz­summe von mehr als 43 Mil­lio­nen Euro und einen Umsatz von mehr als 50 Mil­lio­nen Euro aus­ge­wie­sen sowie durch­schnitt­lich mehr als 249 Arbeit­neh­mer beschäf­tigt haben.“

Sind diese Zahlen durch Kaf­fee­satz­le­sen oder Vogel­flug ermit­telt worden? Auf welche Zeit­räume bezieht sich das „durch­schnitt­lich“?

Garantie, Beteiligung, Gegenleistung

Die geplan­ten Sta­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men sollen zu ange­mes­se­nen Gegen­leis­tun­gen erfol­gen und sind als ultima ratio gedacht.“

Was sind „ange­mes­sene Gegen­leis­tun­gen“? Wer defi­niert, ob und wann eine Gegen­leis­tung ange­mes­sen ist? Ange­mes­sen für wen?

Hilfe soll nur dorthin fließen, wo sie tat­säch­lich auch Erfolg ver­spricht.“ 

Auch hier nichts als scham­lose Wis­sens­an­ma­ßung! „Tat­säch­lich Erfolg“ ist schließ­lich ein Kri­te­rium, dass sich erst im Nach­hin­ein erwei­sen kann. Will der Staat nun per Ver­wal­tungs­ver­ord­nung beur­tei­len, ob ein Unter­neh­men Erfolg haben kann? Könnte sich der „gemes­sene“ Erfolg viel­leicht durch poli­ti­sches Wohl­ver­hal­ten, Ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen, Spenden an die „Rich­ti­gen“, Kün­di­gung der „Fal­schen” oder „Gegen­leis­tun­gen“ anderer Art vorab ein­stel­len?

Zu den Ermes­sens­kri­te­rien zählen unter anderem die Bedeu­tung des Unter­neh­mens für die Wirt­schaft Deutsch­lands, die Dring­lich­keit, die Aus­wir­kun­gen auf den Arbeits­markt und den Wett­be­werb sowie der Grund­satz des spar­sams­ten und wirt­schaft­li­chen Ein­sat­zes der Fonds­mit­tel. Näheres kann in einer Rechts­ver­ord­nung gere­gelt werden, zum Bei­spiel welche Ober­gren­zen, Gegen­leis­tun­gen und sons­tige Bedin­gun­gen es für Garan­tien und Reka­pi­ta­li­sie­run­gen geben soll und zu welchen Bedin­gun­gen die Betei­li­gun­gen ver­äu­ßert werden.“

Bei der Fest­le­gung der „Ermes­sens­kri­te­rien“ kommen unsere unge­dul­dig mit den Füßen schar­ren­den Akti­vis­ten von weiter oben sicher gern wieder ins Spiel. Denn schließ­lich waren sie es ja auch schon vor der Krise, die fest­zu­le­gen sich erdreis­te­ten, was in und für Deutsch­land drin­gend, richtig, CO2-arm, grenz­wert­über­schrei­tend und gene­rell oppor­tun ist. Es liegt künftig wohl im Ermes­sen des Staates und der von ihm Beauf­tra­gen „Exper­ten” zu ent­schei­den, was Unter­neh­men wie wann und wo tun oder lassen, sobald sie sich in ihrer Not unter den Ret­tungs­schirm namens WSF begeben haben.*

Unter­neh­men, die dies nicht tun, geraten auch unter Druck, denn während die „geret­te­ten“ zunächst mit voller Hose stinken können, müssen sie sich selbst wieder auf die Beine helfen, was zu wei­te­ren Ver­zer­run­gen der Märkte führen muss. Staat­li­che Stellen werden darüber bestim­men, was benö­tigt wird und nachdem die Exper­tise des Robert-Koch-Insti­tuts abge­klun­gen ist, werden andere Wis­sen­schaft­ler ent­schei­den, was das „Rich­tige” sein wird. Wind­rä­der viel­leicht oder Bio-Kar­tof­feln oder Elektro-Autos mit Kar­tof­fel­an­trieb. Gewinne machen ist dann viel­leicht nicht mehr wichtig, solange man nur das Rich­tige tun. Die staat­li­che Pla­nungs­kom­mis­sion wird schon wissen, was uns frommt und wer hätte nach der über­stan­de­nen Corona-Krise denn noch etwas gegen den Sozia­lis­mus ein­zu­wen­den! Saskia Esken ver­wen­det den Begriff schließ­lich schon länger positiv und ihre SPD (Regie­rungs­par­tei) ist neu­er­dings wieder im Aufwind – was soll da schon schief gehen!

Die span­nende Frage, welcher Wis­sen­schaft wir nach der Krise wohl diesmal alle folgen müssen, ist meiner Meinung nach beant­wor­tet. Nachdem wir schon den Gen­der­for­schern, Migra­ti­ons­ex­per­ten, Wind­an­be­tern, CO2-Sehern und zuletzt den Viro­lo­gen hin­ter­her­ge­lau­fen sind, werden es diesmal die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler sein. Doch ich fürchte, es werden schon wieder die sein, die durch Konsens die größte Gruppe bilden.

Das Fazit, nur im Konjunktiv zu ertragen

Es könnte sein, dass die meisten Banken in Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den oder in der EZB auf­ge­hen, schließ­lich sind Finanz­in­sti­tute vom WSF-Ret­tungs­schirm aus­ge­nom­men. Mög­li­cher­weise erleben wir nicht nur staat­li­che Betei­li­gun­gen an Firmen und in der Folge poli­ti­sche Ein­fluss­nahme auf die Wirt­schaft in nie da gewe­se­ner Dimen­sion, sondern durch den Wegfall vieler Banken auch direkte Kre­dit­ver­ga­ben durch Staat und EZB, die eben­falls an „Gegen­leis­tun­gen“ gebun­den werden können. Ein täglich zu erneu­ern­der Treue­schwur auf EU-Kom­mis­sion und EZB wäre sicher nicht zu viel ver­langt.

Die EZB könnte ver­su­chen, sich als „die bessere Bank“ dar­zu­stel­len und die Geld­schleu­sen noch weiter öffnen. Wie wäre es gleich mit einem BGE, wie die Grüne Jugend es fordert? Eine Flut von Geld würde sich über eine unter staat­li­chem Kom­mando ste­hende Wirt­schaft ergie­ßen, welche wegen ihrer mitt­ler­weile behör­den­glei­chen Starre und mangels Wissens gar nicht schnell genug reagie­ren könnte, um dem Geld ein Angebot aus Waren und Dienst­leis­tun­gen gegen­über zu stellen. Es flösse dann ab ins Ausland, zumin­dest so lange wie man dort glaubt, es sei noch etwas wert.

Und am Ende würde man die Fehl­ent­schei­dun­gen, die Regu­lie­run­gen, das Gegen­steu­ern und die ganze per­ma­nente Ret­te­rei wieder mal dem Kapi­ta­lis­mus in die Schuhe schie­ben, selbst wenn der sich längst zwi­schen eine Hand voll Buch­de­ckel zurück­ge­zo­gen hat, die kaum noch jemand auf­schlägt, weil die meisten den simplen sozia­lis­ti­schen Losun­gen auf Spruch­bän­dern hin­ter­her­lau­fen.

Doch dann wird der Konsens längst wei­ter­ge­zo­gen sein und die Politik wird wieder anderen Exper­ten folgen. Viel­leicht werden es dann Zau­be­rer, Astro­lo­gen und Wun­der­hei­ler sein.

* Nur zur Erin­ne­rung: an der Com­merz­bank ist der Bund seit 2009 zu 25% betei­ligt, was zwar das Über­le­ben des Hauses sicher­stellte, jedoch nicht seinen Erfolg. Auch hier steht die große Abschrei­bung wohl noch aus.

8 Kommentare

  1. Was ich bisher nur in aus­län­di­schen oder fremd­spra­chi­gen Medien gelesen habe, ist die Idee für einen immu­nity pass. Pas­sen­der­weise aus Deutsch­land kommend, wo man früher den Ari­er­nach­weis wie ein „Treffer“ Los aus der Gen­lot­te­rie stolz vor­zei­gen konnte.

    „Those with immu­nity could be issued with a type of immune-cer­ti­fi­cate that could, for example, allow them to be exempt from the restric­tions on their acti­vi­ties,” said Krause.“
    https://www.dw.com/en/germany-mulls-mass-testing-for-coronavirus-immunity-report/a‑52940096

    Auch im Guar­dian und der US Presse findet die Idee Erwäh­nung, und sorgt für Empö­rung.

  2. Die Wis­sen­schaft” reprä­sen­tiert den neuen Klerus und die Regie­ren­den holen sich jetzt ihre Abso­lu­tion nicht mehr vom Papst, sondern von Wis­sen­schaft­lern, die von ver­schie­de­nen Inter­es­sen­grup­pen finan­ziert werden, die mit der großen Presse ver­wo­ben sind.
    Wir dachten, wir hätten uns vom Klerus befreit, fran­zö­si­sche Revo­lu­tion, Vol­taire etc und erhoben den mensch­li­chen Ver­stand zum Maß aller Dinge. Das geht in einer kom­ple­xer wer­den­den Welt „zuneh­mend” in die Hose. Der mensch­li­che Ver­stand ist nicht in der Lage hoch­kom­plexe Systeme mit Logik zu steuern, weil er ihr Wesen nicht ver­steht. Die Folgen sehen wir jetzt: welchen Wis­sen­schaft­lern sollen wir glauben? Sehr wahr­schein­lich hat keiner von ihnen Recht, selbst die nicht, die jetzt noch „die Kirche im Dorf lassen”. Aber gib’ Ihnen Macht und auch sie werden das Chaos her­bei­füh­ren.

    Die Bibel, und spe­zi­ell das Neue Tes­ta­ment und darin v.a. die Berg­pre­digt – das schreibe ich nicht, weil heute Kar­frei­tag ist – ist eine Anwei­sung, in welche Rich­tung wir uns ent­wi­ckeln müssen, um im Ein­klang mit den Prin­zi­pien des Uni­ver­sums leben zu können. Wir alle sehnen uns danach und suchen den Weg. Viele über­se­hen jedoch die wich­tigste und am leich­tes­ten ver­ständ­li­che Quelle.

  3. Also zuerst: die Corona-Sofort­hilfe ist hin­ter­her zu ver­steu­ern, indem der Betrag auf das Steuer­brutto drauf­ge­rech­net wird. Zumin­dest ist das bei Ein­zel­un­ter­neh­mern so. Und die Fan­tas­til­li­ar­den werden ohnehin wieder zurück­be­zahlt, ähnlich wie des Kaisers Sekt­steuer bis in alle Ewig­keit. Und wer zahlt das? Natür­lich die Leute, die jetzt die kleine Hilfe bekom­men. Und so geht es am Ende doch nur darum, mög­lichst alle „gesell­schaft­li­chen Gruppen” an Staats­knete zu gewöh­nen und damit zu braven, wider­stands­lo­sen Applau­die­rern zu machen, China in Sanft sozu­sa­gen.

    Mitt­ler­weile zeigt sich, dass die Krise doch keine so dra­ma­ti­sche ist. Kam heute im WDR, dass die Uni­kli­nik Bonn in Heins­berg fest­ge­stellt hat, dass es viel mehr Infi­zierte ohne Sym­ptome gibt als ange­nom­men. Sterb­lich­keit somit unter 0,4 Prozent. Und am Ende erwischt es doch die alten Kranken, wie man an dem Seu­chen­zug in den Alten­hei­men erkennt, der jetzt erst Fahrt auf­nimmt. Man braucht nämlich gar keinen Besuch im Alten­heim; der stan­dard­mä­ßige Über­trä­ger ist der Pfleger oder Arzt. Weiß man seit 150 Jahren. Nur nicht im Kanz­ler­amt.….

  4. Wie beneide ich die Höh­len­men­schen von Anno Dazumal. Die hatten echte Pro­bleme, die auch reell gelöst wurden. Ansons­ten hatten sie mit Sozia­lis­mus nichts am Hut, keine Ret­tungs­schirme und Almosen für Nach­bar­sip­pen, die am lau­tes­ten rufen können, keine Kol­lek­tiv­be­glü­ckung sondern einfach ein Leben des Auf­ein­an­der-ange­wie­sen-seins. Jeder wusste, was zu tun war. Alles war klar gere­gelt. Wer gegen die Regeln ekla­tant ver­stieß, wurde im Moor ver­senkt o.ä.

    Sie wussten nicht viel außer das, was not­wen­dig ist für das täg­li­che Leben. Außer­dem glaub­ten sie viel.
    Ich stelle gerade fest, der Kreis schließt sich hier. An der Stelle sind wir heute. Nur ein wenig irrer.

    • Du soll­test etwas vom Unabom­ber lesen. Das ist ein ehe­ma­li­ger Mathe-Pro­fes­sor, der die Sache mit dem Pri­mi­ti­vis­mus wirk­lich ernst meint. Ziem­lich lesens­wert.

      Ich emp­fehle „Tech­no­lo­gi­cal Slavery”. Gibts gratis als PDF.

      Abge­se­hen davon:

      Sie wussten nicht viel außer das, was not­wen­dig ist für das täg­li­che Leben. Außer­dem glaub­ten sie viel.
      Ich stelle gerade fest, der Kreis schließt sich hier. An der Stelle sind wir heute.”

      Wir sind heute an der Stelle, dass wir wissen, was für das täg­li­che Leben not­wen­dig ist? Da ist doch ein Denk­feh­ler.

      • Natür­lich: Klo­pa­pier und Nudeln.
        Außer­dem wird GEGLAUBT, was das Zeug hält. Nach­den­ken ist eher was für Tiere mit großen Köpfen.

        • Klo­pa­pier und Nudeln sind indus­tri­ell her­ge­stellte Güter. Ich würde „In den Super­markt gehen” jetzt nicht unbe­dingt den Lebens­not­wen­dig­kei­ten, sondern eher dem deka­den­ten Luxus zurech­nen. Die meisten Men­schen können kein Kar­ni­ckel schlach­ten, wissen nicht, wie man sich gegen einen Angrei­fer ver­tei­digt, und so weiter.

          Naja, ich ziehe meinen Einwand zurück, da ich einsehe, dass „Wissen” nicht unbe­dingt mit tat­säch­li­chen Fähig­kei­ten ein­her­ge­hen muss, zu denen ich „Ein­kau­fen” und „110 wählen” eher nicht zähle. Meine Emp­feh­lung den Unabom­ber zu lesen bleibt aber bestehen. Der Typ hat den Durch­blick.

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