Fundstücke, Fragen, Gedankensplitter

15.12.2018: Distanz. Da ist es, was zwi­schen einem glaub­wür­di­gen Jour­na­lis­ten und dem Gegen­stand seiner Recher­che liegen muss. Leider geht zwi­schen jene und den Objek­ten der meisten ihrer Recher­chen, den Poli­ti­kern, kaum ein Blatt Papier, weshalb die einen kritik- und ahnungs­los vom „Netz als Spei­cher“ schwa­feln, während die anderen – so auch Stefan Aust – detail­liert über die Fall­stri­cke des Global Compact for Migra­tion berich­ten. Aust ist jemand, an dem man sich wegen Details und Fakten reiben kann, ohne deshalb gleich in ideo­lo­gi­sche Gra­ben­kämpfe abzu­glei­ten, wie es mit neun von zehn seiner Berufs­kol­le­gen derzeit der Fall ist. Er gehört zu den wenigen Stan­des­kol­le­gen, denen man heute noch guten Gewis­sens den Hanns-Joachim-Fried­rich-Preis ver­lei­hen könnte, der da ver­langt: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffent­li­che Betrof­fen­heit ver­sin­ken, im Umgang mit Kata­stro­phen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir ver­trauen, dich zu einem Fami­li­en­mit­glied machen, dich jeden Abend ein­schal­ten und dir zuhören.“ – ein sehens­wer­tes Inter­view mit einem Jour­na­lis­ten, mit dem ich zwar nicht immer über­ein­stimme, der aber nie den Ein­druck ver­mit­telt, als wisse er alles prin­zi­pi­ell besser, als seine Leser. Sein Raus­schmiss beim Spiegel hatte binnen weniger Monate die Kün­di­gung meines Abos zur Folge. Dabei wusste ich damals noch nicht einmal, warum ich die Kon­for­mis­ten-Soße nicht mehr ertra­gen konnte. Heute und im Rück­blick schon.


3.12.2018: Erwärmt sie sich, oder erwärmt sie sich nicht, die Erde – und wenn ja, wen kann man dafür ver­ant­wort­lich machen? Alle Jahre wieder, zeit­lich clever in Weih­nachts­nähe und damit in die Wirk­zeit von flie­gen­den Ren­tie­ren und anderen Fabel­we­sen gelegt, trifft sich ein Tri­bu­nal von Voll­kli­ma­to­lo­gen (nicht zu ver­wech­seln mit Voll­ju­ris­ten), um zu Gericht zu sitzen und ein Urteil zu spre­chen, dass längst in Stein gemei­ßelt scheint: CO2 ist ein Schurke, der die Welt ver­gif­tet, das Klima auf Hoch­ofen dreht und den Mee­res­spie­gel in alpine Täler schiebt – ganz zu schwei­gen von den Men­schen, die es in Afrika aus ihren Hütten und nach Europa treibt. Es ist wieder COP-Zeit in der Welt der nicht­re­gie­rend Orga­ni­sier­ten und der nicht­or­ga­ni­siert Regie­ren­den wie alle Jahre wieder. Diesmal ist man für die COP24 zu zehn­tau­sen­den und mittels großer Mengen Flug­ben­zin über Kato­wice in Polen her­ge­fal­len. Die Vor­würfe, die seit Jahren in schöner Regel­mä­ßig­keit wie­der­ho­len, sind leider fast durch­weg Quatsch. Der Mee­res­spie­gel steigt kaum messbar und seit dem Ende der Eiszeit recht kon­stant. Nur hat der Mensch in seiner Kurz­sich­tig­keit (der Blick reicht ja kaum noch weiter als bis auf das Smart­phone in der Hand) mitt­ler­weile ein Faible für Was­ser­grund­stü­cke ent­wi­ckelt. Der Bei­pack­zet­tel zur Erde, in dem deren opti­male Betriebs­tem­pe­ra­tur nach­zu­le­sen wäre, wurde leider noch immer nicht gefun­den und die Men­schen Afrikas machen sich in Wahr­heit nicht wegen des Kli­ma­wan­dels, sondern auf­grund von Über­be­völ­ke­rung, man­geln­der Per­spek­ti­ven in der Heimat und ihren beschei­den gewach­se­nen Mög­lich­kei­ten auf den Weg in gelob­tere Länder. Bleibt nur noch das böse CO2, dem man deshalb alle Schuld in die Schuhe schiebt. Ich trete hier an, um die Ver­tei­di­gung dieses Mole­küls zu über­neh­men. Das Plä­doyer habe ich bereits anläss­lich der COP23 in Bonn 2017 gehal­ten, aller­dings hat sich weder an der dar­ge­leg­ten Physik, noch am reli­giö­sen Eifer des Tri­bu­nals etwas geän­dert. Hohles Gericht, ich ver­lange das Wort! 


25.11.2018: Es war ein Ver­säum­nis des Bun­des­ta­ges, der Emp­feh­lung des wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes nicht zu folgen, welche vorsah, die­je­ni­gen aus­zu­bür­gern, die sich dem IS anschlie­ßen. Die Ent­schei­dung war eine recht­li­che, keine logi­sche. Es ist recht­lich schlicht nicht möglich, einen Bürger staa­ten­los zu machen und der IS war eben nie ein aner­kann­ter Staat, in dessen Staats­bür­ger­schaft man geraten kann. Nun haben wir den erwart­ba­ren Salat, weil nicht nur des­il­lu­sio­nierte IS-Kämpfer und Schläfer klamm­heim­lich und einzeln zurück­keh­ren, die wir an unseren offenen Grenzen ohnehin nicht erwi­schen, sondern auch die in Syrien in Gefan­gen­schaft gera­te­nen auf ihre Rechte als deut­sche Staats­bür­ger pochen. Was also tun mit den Ter­ror­bräu­ten, die sich auch heute noch, da ihre isla­mis­ti­sche Blase geplatzt ist, in der sie ihren Kindern „ein bes­se­res Leben“ bieten wollten, keiner Schuld bewusst sind? Für die Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung kann man sie ohne kon­krete Mit­schuld kaum für mehr als ein paar Jahre ver­kna­cken. Pro­zesse, die indi­vi­du­elle Schuld belegen, sind lang­wie­rig und es mangelt ihnen an ver­läss­li­cher Beweis­si­che­rung, die in Syrien und dem Irak kaum möglich ist. Worauf ich hinaus will? Ich gebe zu Beden­ken, dass eine ver­gleich­bare Situa­tion die USA dazu bewog, Camp Iguana und Camp Delta auf Guan­ta­namo ein­zu­rich­ten. Nicht, dass wir ähn­li­ches tun sollten. Dazu fehlt es uns an allem, nicht nur einer exter­ri­to­ria­len Ein­rich­tung, wo unser Rechts­sys­tem nicht hin­reicht. Auch unsere Politik ist nicht dafür bekannt, poten­zi­elle Gefah­ren durch „Con­tain­ment“ ein­däm­men zu können. Aber es gibt uns eine gute Mög­lich­keit zu ver­ste­hen, was einen Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staaten dazu bewog, Guan­ta­namo ein­zu­rich­ten und es seinen zwei Amts­nach­fol­gern (Obama, Trump) trotz inter­na­tio­na­ler Pro­teste unmög­lich macht, es zu schlie­ßen.


16.11.2018: Gip­fel­tref­fen EU-Süd­afrika in Brüssel.
Der Juncker Claude, der ist kein Wicht,
die schlechte Laune kennt er nicht.
In Köln ist fünfte Jah­res­zeit,
und Brüssel ist ja auch nicht weit.
Dort staunt der Gast aus Afrika,
was er als EU-Brauch­tum sah.
Der Spar­zwang das Budget bedrückt,
weshalb Jean-Claude sich selber bückt.
Welch Schuh’ er nicht ent­schei­den kann,
und zieht deshalb verschied’ne an.


7.11.2018: 11 Fäuste für ein Hal­le­luja, dachte man sich bei SPON gestern Abend noch und ließ seiner Trump-Ver­ach­tung mal ordent­lich – also mehr als sonst – die Zügel schie­ßen. Elf Artikel! In der Rei­hen­folge wie unten abge­bil­det. Wer gestern mit diesem Wis­sens­stand zu Bett ging, staunte nicht schlecht, als Trump heute morgen noch nicht zurück­ge­tre­ten und nicht vom tar­pe­ji­schen Felsen gesto­ßen war. Senat gewon­nen, Reprä­sen­tan­ten­haus knapp ver­lo­ren – aber eine echte demo­kra­ti­sche Mehr­heit sehe dort auch anders aus. Ver­gli­chen mit anderen Midterm-Wahlen sehen die Ver­luste von Trump (26 Sitze) gera­dezu lächer­lich aus. Obama verlor übri­gens 63 Sitze bei seinem Halb­zeit-Amar­ged­don, Clinton fast ebenso viele (52). Zwei Mel­dun­gen des Tages lassen die „pro­gres­sive Linke”, die vor allem nach jedem „first of…” lechzt, froh­lo­cken. Alex­an­dria Ocasio-Cortez (jüngste Frau ever und Migran­tin: Dop­pel­punkt) und Ilhan Omar (Muslima, Kopf­tuch, Frau, Migra­tin, Anti­se­mi­tin: Fünf­fach­punkt!). Ich vermute, bei so viel Mino­rit­äs­credi­bi­lity wird Frau Omar die hei­ßeste Kan­di­da­tin für die Präsidentschaft…kommt aber dum­mer­weise aus Somalia und darf somit nicht die dem­nächst vakante Stelle des US-Prä­si­den­ten über­neh­men. Aber viel­leicht unter­zeich­nen die USA ja doch noch den GCM, dann kann sie wegen Dis­kri­mi­nie­rung klagen und das Gesetz ändern. Ach ja…was ich eigent­lich sagen wollte: über den GCM, der unser Land im Moment bren­nen­der inter­es­siert, war gestern kein Artikel zu finden auf SPON.


6.11.2018: Pro­to­koll eines Fluches – Exzerpt eines (+)Welt-Arti­kels von Robin Alex­an­der, Marcel Leu­be­cher, Thomas Vitzt­hum

Berlin, Frak­ti­ons­sit­zung der Union: Rode­rich Kie­se­wet­ter (CDU) will mit dem GCM ille­gale Migra­tion zurück­drän­gen und in legale ver­wan­deln und die Her­kunfts­län­der zur Rück­nahme ver­pflich­ten (der Ille­ga­len Migran­ten bevor sie Legale werden?), betont aber, der Pakt ver­pflichte zu nichts. Übri­gens auch die Her­kunfts­län­der nicht. Und die Migran­ten schon mal gar nicht. Michael Frieser (CSU) fragt, warum man einen Pakt, der nichts bindend sei, über­haupt unter­zeich­nen müsse, Stephan Har­b­arth (CDU) erklärt, der GCM sei im deut­schen Inter­esse, weil Deutsch­land Haupt­zi­el­land von Migra­tion sei und weil wir Gesund­heits­ver­sor­gung, Sozi­al­leis­tun­gen und Bildung gewäh­ren, was durch den Pakt auch andere Länder dazu brächte, solche Wohl­ta­ten anzu­bie­ten (nicht rechts­ver­bind­lich, ver­steht sich, ich wie­der­hole mich). Har­b­arth möchte mit dem Pakt den Migra­ti­ons­druck von Deutsch­land nehmen. (lang­an­hal­ten­der, fre­ne­ti­scher Beifall in der Frak­tion). Volker Ullrich (CSU) träumt von der „glo­ba­len Ordnung“ und Philipp Amthor (CDU) ist schon auf dem Pau­sen­hof und möchte nicht mit der AfD „Stöck­chen­sprin­gen“ spielen. Alex­an­der Dob­rindt (CSU) mene­te­kelt TTIP an die Wand, möchte sich aber „inter­na­tio­nal über Flucht und Migra­tion unter­hal­ten“, ver­ken­nend, wie unter­hal­tend das Land diese Dis­kus­sion schon seit min­des­tens drei Jahren findet. Silke Launert (CSU) fordert schließ­lich eine geheime, inhalt­li­che Abstim­mung über den Pakt und ver­lässt den Saal, als sie die nicht bekommt. Ein „emo­tio­na­ler Ausfall“ bestä­ti­gen Augen­zeu­gen, ein Flucht­grund, würden UN-Exper­ten inter­pre­tie­ren, ein Migra­ti­ons­grund, würde wohl Gauland sagen. Lau­nerts wüten­der Schluss­atz, der fast schon einem alt­ägyp­ti­schen Fluch glich, lautete übri­gens „Wundert euch nicht, wenn hier in drei Jahren nur noch 100 Leute drin sitzen!“ Im Moment sind es ja noch 246. Es ist noch Luft nach unten. Pro­to­kol­lende …—…


4.11.2018: Sieb­zehn Punkte sind es, die Öster­reich am Global Compact for Migra­tion ablehnt, weshalb man ihn nicht unter­zeich­nen möchte. Ein jeder, der bisher glaubte, so schlimm könne es doch gar nicht werden mit einem recht­lich unver­bind­li­chen Stück Papier, der gehe mal Punkt für Punkt die Liste durch und prüfe, welche Punkte einem selbst Bauch­schmer­zen machen würden. Die „Unver­bind­lich­keit” ist übri­gens ein Tro­ja­ni­sches Pferd, denn wenn man den Inhalt des Paktes so vehe­ment ver­tei­digt, weil er so viele Chancen ent­halte und weil ohnehin nur die fiesen Typen von der AfD gegen solche guten Sachen sein können…warum sollte man ihn dann nicht Punkt für Punkt in euro­päi­sches oder deut­sches Recht umset­zen? Achten Sie mal drauf: Unserer Regie­rung ver­tei­digt den Pakt in Toto, während die Staaten, die den GCM ableh­nen, die Wun­der­tüte öffnen und Punkt für Punkt auf Taug­lich­keit, Kosten und Fallen prüfen. Ein solches Vor­ge­hen gibt es in Deutsch­land nicht – und wenn, dann nur von „Denen”, die ohnehin nach Schwe­fel riechen. In keinem Punkt aktu­el­ler Politik ist die pau­schale Ver­wei­ge­rung einer ehr­li­chen Debatte stärker aus­ge­prägt, als in der Causa GCM. Merk­wür­dig, oder? Dabei ist doch alles so schön unver­bind­lich!
Zum Schluss ein kleines Gedan­ken­ex­pe­ri­ment: Stellen Sie sich vor, sie sitzen mit ihrem/ihrer zukünf­ti­gen Lebenspartner(in) beim Anwalt, um einen Ehe­ver­trag zu unter­zeich­nen. Sie haben Bauch­schmer­zen bei dem einen oder anderen Punkt und fragen sich, ob sie das wirk­lich wollen. Der Anwalt beru­higt sie, das sei doch alles nicht ver­bind­lich und könne ja eigent­lich gar nicht ein­tre­ten. Und über­haupt, sie könnten sich ja auch jeder­zeit wieder schei­den lassen! Würden Sie unter­schrei­ben?

17.10.2018: Eine halbe Stunde lang habe ich mich gestern auf eine tele­fo­ni­sche FORSA-Umfrage ein­ge­las­sen. Nichts als sug­ges­tive Fragen zum Thema Wind­ener­gie­ak­zep­tanz, Solar­vol­taik, För­der­mit­tel und bösen Koh­le­strom. So gut wie jede Frage beant­wor­tete ich nicht mit den ange­bo­te­nen Ant­wor­ten, sondern for­mu­lierte neue oder sagte, dass sich diese Frage auf­grund meiner letzten Antwort über­haupt nicht stelle usw. Bei wieder anderen ver­wei­gerte ich glatt die Aus­kunft. Es war im Grunde eine halbe Stunde bloggen am Telefon zum Thema Ener­gie­wende. Da meine Vor­träge aber nicht zu den vor­ge­fer­tig­ten Ant­wor­ten passen wollten, hat die FORSA-Tante sicher­lich irgend­was ein­ge­tra­gen, was die Qua­li­tät der Umfrage sicher nicht hebt. Wer die Umfrage in Auftrag gegeben hat, konnte und wollte man mir nicht mit­tei­len, auf­grund der sug­ges­ti­ven Fragen kommt aber nur ein Minis­te­rium in Frage, dass sich mit groß­zü­gi­ge­ren Sub­ven­tio­nen die Akzep­tanz der Wind- und Solar­in­dus­trie auch wei­ter­hin erkau­fen möchte. Die Politik stützt ihr Handeln auf genau solche frag­wür­di­gen Umfra­gen und glaubt, damit dem Volk nach dem Munde zu reden. Die Fragen sind jedoch so for­mu­liert und die mög­li­chen Ant­wor­ten so begrenzt, dass das Ergeb­nis von vorn herein fest­steht: Dem Volk wird der Mund ver­bo­gen!


14.10.2018: Mutiger als in einen Marsch von 150.000 mit­zu­lau­fen ist es, sich mit einer Hand­voll und aus Prinzip jedem Gleich­schritt zu ver­wei­gern.


8.10.2018: Wenn Bediens­tete sich treffen, reden sie über ihre Herr­schaft, wenn Autoren sich treffen, reden sie über ihre Ver­le­ger, so Hein­rich Heine. Wenn Autoren der Achse sich treffen und Freunde, Unter­stüt­zer dazu kommen und sogar der Bot­schaf­ter der Ver­ei­nig­ten Staaten von Amerika vor­bei­schaut, reden sie über die Frei­heit und deren Feinde. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig uns allen dieses beson­dere Jah­res­tref­fen ist. Wie sehr es belebt, mit so vielen unter­schied­li­chen Autoren zu spre­chen, die aus so unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven auf die Pro­bleme in unserem Land blicken. Bei uns reden Liber­täre mit Kom­mu­nis­ten, Libe­rale mit Sozi­al­de­mo­kra­ten und Athe­is­ten mit erz­kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken, weil sie alle eines eint: Das Ziel, gegen die poli­ti­sche und mora­li­sche Bewusst­lo­sig­keit anzu­schrei­ben, die wie ein zäher Teig über dem ganzen Land liegt. Die Achse ist gewis­ser­ma­ßen das Riech­salz der Repu­blik und selbst in den Redak­ti­ons­kon­fe­ren­zen, den Amts­stu­ben und Vor­stands­eta­gen hält man immer wieder die Nase über unsere Artikel. Wir wissen das zu schät­zen und laden die Kol­le­gen in den Medien ein, endlich tief Luft zu holen. Der Moment des Auf­wa­chens (mit bösen Kopf­schmer­zen) kann schnell kommen.
Bei unseren Jah­res­tref­fen reden wir über unsere Recher­chen, finden Anknüp­fungs­punkte und ent­de­cken über­se­hene Zusam­men­hänge, werfen einen Blick hinter Vor­hänge, die sich nur Insi­dern öffnen, wir strei­ten, wir lachen, wir seufzen, wir weinen…einerseits aus Freude, wenigs­tens einmal im Jahr einen so vor Intel­lekt gera­dezu damp­fen­den Haufen kluger Leute bei­sam­men zu sehen (Joachim Niko­laus Stein­hö­fel weiß, wovon ich rede. Mir geht es ebenso.). Ande­rer­seits vor Trau­rig­keit, weil man es auch in diesem Jahr nicht schaffte, all die Gesprä­che zu führen, die man seit Wochen mit den Worten „Darüber reden wir in Berlin…“ ver­spro­chen hatte. Da die Anzahl der „Lager“, in denen sie die Achse des Guten dreht, von Jahr zu Jahr größer und inter­es­san­ter wird, ist es aber auch gera­dezu unmög­lich, all das an einem Tag zu schaf­fen. Man kann ja noch nicht in ZIP-Dateien spre­chen. Mein wich­tigs­tes Fazit des Abends lautet deshalb wie folgt: wir werden uns noch stärker ver­net­zen, beson­ders analog! Es gibt ja heute schon zahl­rei­che Pro­jekte, an denen wir in losen Gruppen gemein­sam arbei­ten. Man wird also in Zukunft noch mehr von der Achse und deren Autoren hören und lesen, was für manchen wie eine Drohung klingen mag, aber nichts anderes als ein Ver­spre­chen ist. Das Ver­spre­chen, auch wei­ter­hin Pro­to­kol­lan­ten der poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Tal­fahrt Deutsch­lands zu sein und ebenso scho­nungs­los über die Cheer­lea­der der Regie­rungs­po­li­tik zu berich­ten, die in den Leit­me­dien gute Stim­mung zum schlech­ten Wetter machen, als gäbe es keinen Sturm und keinen Hagel. Wir werden noch mehr schrei­ben, noch tiefer graben, noch besser recher­chie­ren, noch unbe­que­mer sein. Und die TAZ wird nicht das letzte Medium sein, das wir in der Reich­weite über­flü­geln.

Wehe, wenn sie los­ge­las­sen
Wach­send ohne Wider­stand
Durch die volk­be­leb­ten Gassen
Wälzt den unge­heu­ren Brand!
(Fried­rich Schil­ler)

US-Bot­schaf­ter Richard Grenell beim Jah­res­tref­fen der Achse des Guten


5.10.2018: Mein kleiner Essay über den „Global Compact for Migra­tion“ endet mit zwei Auf­ru­fen. Erstens, mir zu miss­trauen und sich anhand der frei ver­füg­ba­ren Doku­mente selbst ein Bild zu machen und zwei­tens, ins­be­son­dere den Bun­des­tags-Abge­ord­ne­ten mit Direkt­man­dat im jewei­li­gen Wahl­kreis Dampf zu machen, weil vor allem diese eine direkte Ver­an­ke­rung beim Wähler haben und zumin­dest theo­re­tisch so etwas wie das Murren der Schafe im hei­mat­li­chen Stall spüren würden. Erfreu­li­cher­weise wollen dies einige Leser auch umset­zen. Heute erhielt ich die Mail eines Lesers, der sich zunächst daran machte, „seinen“ Abge­ord­ne­ten in Erfah­rung zu bringen und kon­ster­niert fest­stellte, dass es sich dabei aus­ge­rech­net um den SPD-General Lars Kling­beil handelt. Das ist in der Tat ein dickes Brett, stellte ich fest. Das ist aber kein Grund, es unver­sucht zu lassen, auch einen Lars Kling­beil vom Irrsinn des GCM zu unter­rich­ten und ihn auf­zu­for­dern, das Thema zwecks Ableh­nung auf die Agenda des Bun­des­ta­ges zu bringen. Ein anderer Aspekt jedoch scheint mir fast ebenso wichtig zu sein. Denn der Leser kennt nun endlich den Namen und die Kon­takt­da­ten seines „Volks­ver­tre­ters“ und wer sagt, dass man seinen Abge­ord­ne­ten nicht auch wegen anderer pres­sie­ren­der Pro­bleme kon­tak­tie­ren und von der Stim­mung an der Basis unter­rich­ten darf? 


2.10.2018: Für meinen Weg zur Arbeit muss ich durch einen kleinen Ort fahren, dessen Orts­durch­fahrt derzeit durch eine Bau­stelle gesperrt ist, was einen erheb­li­chen Umweg bedeu­tet. Es gibt jedoch einen befes­tig­ten Feldweg, den man mit kleinen Fahr­zeu­gen und im Schritt­tempo und nicht mehr als 200 Meter zurück­le­gen kann, ohne dass Anwoh­ner dabei gestört würden, es gibt dort nämlich keine. Allein, es ist nicht gestat­tet – sagt ein Schild. „Durch­fahrt ver­bo­ten! Land- und Forst­wirt­schaft frei“. Wer aller­dings orts­kun­dig ist, und das sind nicht viele, der nickt, sagt zum Schild „du hast natür­lich Recht“ und zuckelt langsam und vor­sich­tig die 200 Meter auf der Rüben­au­to­bahn. Bis gestern. Seitdem blo­ckiert ein alter, schwe­rer Prit­schen­wa­gen quer den schma­len Feldweg. Kein Durch­kom­men mehr. 200 Meter Rück­wärts­gang. Da wurde mir klar, Deutsch­land ist mora­lisch immer noch kern­ge­sund! Wenn es um die Durch­set­zung eines Prin­zips oder Rechts geht, kennt der Deut­sche keinen Schmerz! Und der Bauer auch nicht! Lieber walzt er mit dem Trecker einen halben Hektar Rüben platt, um eine Feldweg-Grenz­an­lage zu appli­zie­ren, als dass er einem frechen Auto­fah­rer eine Abkür­zung gönnt! Wo kommen wir denn da hin! Der Deut­sche hat offen­sicht­lich Kants kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv wie­der­ent­deckt, denn das Ver­hal­ten reni­ten­ter Auto­fah­rer taugt selbst­re­dend nicht dazu, all­ge­meine Gesetz­ge­bung zu werden! Da muss gehan­delt werden, da ent­wi­ckelt man Eigen­in­itia­tive, da bildet der Wächter der Krume eine Bür­ger­wehr und sperrt den Forst­wirt, dem auf dem Schild ja eben­falls gewisse Rechte attes­tiert werden, gleich mit aus. Opfer müssen eben gebracht werden, wenn es um’s Prinzip geht! So ist es auf dem Land von alters her, so ist es auch in der ganzen Repu­blik! Doch halt, dort ist es ja gerade nicht so. Dort kann man auch nur den ein­zel­nen Ver­kehrs­sün­der bestra­fen, Grenz­an­la­gen sind undenk­bar, ein „wer da und wohin des Wegs“ Aus­druck klein­li­chen Miss­trau­ens. Verbote? Zählen nicht! Schil­der? Wer kann schon lesen! Nein, im ganzen Land kann die Politik sich nicht gegen Regel­brü­che wehren, zumal die meisten von ihr selbst aus­ge­hen. So viele Prit­schen­wa­gen gibt’s ja gar nicht! Aber viel­leicht ist das ja nicht der einzige Weg. Viel­leicht sollten man das gewäh­ren von kleinen Net­tig­kei­ten, Soli­da­ri­tät und ein gewis­ses Laissez-faire lieber im Umgang der Men­schen unter­ein­an­der üben und die prin­zi­pi­elle Durch­set­zung gel­ten­den Rechts dem Staat über­las­sen, statt es – wie im Moment – ver­kehrt herum zu tun.


18.9.2019: Eine Million Woh­nungs­su­chende ins Land holen und staat­lich ali­men­tie­ren und bevor­zu­gen, Geld für Null Zinsen raus­hauen und jede Anla­ge­form außer Beton­gold unat­trak­tiv machen, durch gesetz­lich erschwerte Wohn­ei­gen­tums­bil­dung den Miet­markt zu einem der größten der Welt machen, damit Inves­to­ren anlo­cken und ihnen den kom­mu­na­len Woh­nungs­be­stand ver­kau­fen, durch unsin­nige Regu­lie­run­gen, Auf­la­gen, Dämmung, Ener­gie­pass und Furz und Feu­er­stein die Bau­kos­ten für Woh­nun­gen in die Höhe treiben, die Kom­mu­nen vom Immo­bi­li­en­an­bie­ter zum Immo­bi­li­en­su­chen­den machen…und sich dann über leer­ge­fegte Woh­nungs­märkte wundern. Genau mein Sozia­lis­mus, genau mein Humor!


immer noch 13.9.2018: Ja, der feine Herr Johan­nes Kahrs (SPD), der die Nazis aus dem Bun­des­tag treibt – so sieht er sich wohl selbst. Seine Rolle in der gest­ri­gen Ple­nar­sit­zung ist hin­läng­lich beleuch­tet, es war ein Tief­punkt des Par­la­men­ta­ris­mus in Deutsch­land, ange­sie­delt gleich hinter dem Aus­ras­ter von Tim „Schulz” dem Loko­mo­tiv­füh­rer. Den FAZ-Artikel über Kahrs aus 2009 hab ich heute aller­dings zum ersten mal gelesen…und ich bin fas­sungs­los! SPD 2018 ist, wenn man für Ein­schüch­te­rung und fast schon mafiöses Revier-Gebaren ein Bun­des­tags­man­dat bekommt wie Kahrs und für’s Bücher­schrei­ben und Sta­tis­ti­ken aus­wer­ten mit Par­tei­aus­schluss bedroht wird, wie Sar­ra­zin! Ich hab Kahrs bel­fern­des Organ im Bun­des­tag vor der Som­mer­pause noch im Ohr, als er die Zwi­schen­frage eines AfD-Abge­ord­ne­ten mit den Worten „Mit Nazis rede ich nicht” abbürs­tete. So wie er drauf ist, sollte Kahrs folg­lich vor allem keine Selbst­ge­sprä­che mehr führen.


13.9.2018: Bereits in meiner Rezen­sion des Buches „Finis Ger­ma­nia“ von Rolf Peter Sie­ferle merkte ich an, wie schein­bar kühl, teil­nahms­los aber präzise der Autor die dys­to­pi­sche Welt des kom­men­den Deutsch­land zeich­nete. Die Schauer, die mich beim Ein­tau­chen in seine skiz­zier­ten Bilder über­lie­fen, waren nicht von der ange­neh­men Sorte. Ange­sichts der aktu­el­len Auf­re­gung um die phan­ta­sierte unmit­tel­bar bevor­ste­hende Macher­grei­fung der Nazi­h­or­den in Chem­nitz, Sachsen und der rest­li­chen Welt jagte mir heute ein Zitat aus einem wei­te­ren Buch Sie­fer­les Schauer der Vor­ah­nung über den Rücken. „Das Migra­ti­ons­pro­blem“, aus dem das Zitat stammt, erschien 2017 eben­falls posthum. Der Autor starb bereits im Sep­tem­ber 2016, fand diese Worte also lange vor Kandel, Chem­nitz oder Köthen.

Die letzten Men­schen werden erstaunt sein, wie viele All­tags­kon­flikte plötz­lich mit unge­wohn­ter Gewalt aus­ge­tra­gen werden (…) Eine Welle unfaß­ba­rer blu­ti­ger Gewalt über­spült die letzten Men­schen, die von einer Ver­trei­bung aus ihrem Rent­ner­pa­ra­dies bedroht sind. Sie werden die Ver­un­si­che­rung in innere Kon­flikt­li­nien trans­for­mie­ren, sie werden in den eigenen Reihen Feinde iden­ti­fi­zie­ren, die leicht zu bekämp­fen sind, da sie aus dem glei­chen Holz geschnitzt sind wie sie selbst” – gefun­den bei Michael Klo­n­ovsky.


12.9.2018: Aus der Rolle gefal­len.
Um es gleich ganz klar zu sagen: für mich wäre so ein Cadil­lac Esca­lade auch alles andere als erstre­bens­wert. Zu dick, zu doof, zu durstig. Dass der Spiegel diese 8-Liter-Mons­ter­karre als „Trumps Trumm“ vor­stellt, spielt hin­ge­gen keine Rolle für Sym­pa­thie oder Abnei­gung. Der Takt jedoch ist damit gesetzt. Aus der Rolle gefal­len ist jedoch nicht dieses Auto, das in etwa so wichtig oder bedeu­tungs­voll in der euro­päi­schen Zulas­sungs­sta­tis­tik ist wie der hoch­ge­lobte Tesla. Aus der Rolle fällt viel­mehr Michael Specht von SPON, der über das Auto schrei­ben musste. Denn ein Test ist das gleich­wohl nicht, was Specht da abge­lie­fert hat. Viel­mehr ist es eine lar­mo­yante Ent­schul­di­gung für die Tat­sa­che, dass er sich über­haupt hinter das Steuer dieses poli­tisch so unkor­rek­ten „White Trash“ (18 Liter/100 km) gesetzt zu haben wagte.

Den Mit­leids­be­kun­dun­gen der Kom­men­ta­to­ren, die hohn­la­chend auf die Markt­ver­feh­lung dieses Trüm­mers hin­wie­sen, sei ent­geg­net, dass diese Vor­stel­lung wohl doch nur ihrem eigenen betreu­ten Denken ent­springt, denn offen­bar ver­kauft sich das Gerät in den Staaten gut und findet somit sehr wohl einen Markt. Wie sonst sind Sätze wie dieser zu erklä­ren: „In Kali­for­nien steht er an fast jeder Stra­ßen­ecke oder fährt die Luxus­mei­len in Beverly Hills rauf und runter.” Und das wird er auch wohl noch eine weitere Weile tun, während wir uns in Deutsch­land, nachdem dort der Diesel beer­digt wurde, als nächs­tes die Ben­zin­mo­to­ren werden aus­re­den lassen.

Was jedoch allen Lesern ent­gan­gen war, ist die Tat­sa­che, dass in dem „Test“ mit keinem Wort auf die Fahr­ei­gen­schaf­ten, Geräusch­ku­lisse oder ähnlich rele­vante Skills ein­ge­gan­gen wurde und außer dem Ein­druck scham­vol­len Ent­set­zens nichts Sub­stan­zi­el­les in Spechts Artikel zu finden ist. Mein dies­be­züg­li­cher Hinweis in einem Leser-Kom­men­tar bei SPON wurde – wie üblich – nicht ver­öf­fent­licht. Der Spiegel macht sich neu­er­dings sogar dort lächer­lich, wo man ihm bislang sau­be­ren Jour­na­lis­mus attes­tie­ren konnte.


4.9.2018: Ich mag der Sudel­grete Sto­kow­ski nicht schon wieder einen ganzen Artikel in meinem Blog widmen, deshalb schnell einige Skizzen als Fund­stück. Sto­kow­ski, die mal eine Sybille Berg werden will, wenn sie groß ist – also hys­te­ri­sche Kolum­nen und gute Bücher schrei­ben – muss sich nur mit den Romanen noch mehr Mühe geben. Doch viel inter­es­san­ter als der Ver­we­sungs­ge­ruch, den ihre SPON-Kolumne ver­strömt, sind die Fliegen, die er anzieht. Da ich auf SPON nichts posten kann, ant­worte ich hier auf einige Kom­men­tare ihrer abge­fah­rens­ten Antifa-Fans.

Wenn es sein muss, dann bin ich Antifa. In Zeiten wie diesen ist das mMn. Pflicht, wenn man ein guter Staats­bür­ger sein möchte, dem Zivil­cou­rage wichtig ist.“
Da hat jemand in Staats­bür­ger­kunde auf­ge­passt!

Die Leute im Osten berei­ten sich wieder mal darauf vor, anschlies­send „von nichts gewusst zu haben”. Wird span­nend sein zu erleben, wie lange es der AfD noch gelingt, ihr bür­ger­li­ches Män­tel­chen zu behal­ten.“
Ich dache, die AfD sei längst entlavt? Im Übrigen sind es gerade die „Leute im Osten“, die gerade die Sturm­glo­cke läuten. Später wird man „im Westen“ wohl behaup­ten, man hätte das für musi­ka­li­sche Folk­lore gehal­ten.

Danke für diesen ver­nünf­ti­gen Beitrag nach all den Rela­ti­vie­run­gen rechter Gewalt.“
Welche Gewalt? Die rechte Gewalt, die Daniel H. das Leben kostet?

Antifa war, ist und bleibt wichtig im Kampf gegen Faschis­mus und Faschis­ten.“
Und sie wird spä­tes­tens im Jahr 2018 die Macht­er­grei­fung 1933 ver­hin­dern.

Jede Demo, bei der ein Nazi mit­läuft, ist eine Nazi- Demo.“
Wenn der Arm zum Himmel springt, die Antifa den Sieg erringt. Irgend etwas scheint ja mit dem Hit­ler­gruß dieser Tage nicht mehr so gut zu funk­tio­nie­ren. Diese beklopp­ten Faschos aber auch!

Die Antifa war noch nie so wichtig wie heute. Sie sind Vorbild für junge Men­schen, weil sie öffent­lich dafür ein­ste­hen, den Rechten keinen Raum für ihr wider­wär­ti­ges Handeln zu lassen.“
Die Antifa besteht nur aus jungen Men­schen! Keiner von denen ist älter als 30! Das hat sie erschre­cken­der­weise mit den SA-Schlä­gern der Hit­ler­zeit gemein­sam. Viele Protest-Demons­tra­tio­nen erschei­nen dagegen wie Ger­ia­trie­kon­gresse! „Der Schoß ist frucht­bar noch…?“ Ja, nur welcher und was kriecht daraus hervor?

Wer Antifa auf den „schwar­zen Block” redu­ziert, kann oder will nicht dif­fe­ren­zie­ren.“
Wer macht denn sowas! Dann könnte man ja die Rechts­po­pu­lis­ten auf Typen wie Höcke redu…ach, lassen wir das.

Und Danke an die Antifa und ihre uner­müd­li­chen Bemü­hun­gen!“
Jawoll, auch John Maynard Keynes, den alle Eta­tis­ten so sehr lieben, sagt danke! Und nicht ver­ges­sen: besser als einem Rechten das Ess­zim­mer nach hinten zu schie­ben ist es, einen Bril­len­trä­ger dafür aus­zu­su­chen. Der Optiker braucht schließ­lich auch Kon­junk­tur!

Zwi­schen 1949 und 1989 gab es viel mehr Anti­fa­schis­ten.“
Falsch. Je länger das Faschis­mus hinter uns liegt und je weniger Faschis­ten es gibt, umso mehr Anti­fa­schis­ten werfen sich in den Kampf. Mein Groß­va­ter war Anti­fa­schist, was ihn 1933 für Jahre ins Zucht­haus brachte. Wer heute Anti­fa­schist ist, den bringt Flixbus zu einem Gra­tis­kon­zert nach Chem­nitz. Die Antifa hat heute leider nicht die blas­seste Ahnung, was es bedeu­tet, sich mit echten Faschis­ten anzu­le­gen, weshalb ihr auch ein offener Bür­ger­krieg ver­lo­ckend erscheint.

Genug davon, abschal­ten!

Zur Ehren­ret­tung der SPON-Leser sei ange­merkt, dass sich unter Sudel­gre­tes Artikel erfreu­li­cher­weise aber auch viele Kom­men­tare befan­den, die der Antifa deut­lich kri­ti­scher gegen­über­ste­hen.


3.9.2018: Bleib ruhig, sage ich mir. Schreib ganz lako­nisch die Fakten auf. Versuch ich ja! Also los: Acht­ein­halb Jahre Haft für Abdul D. für den Mord an Mia in Kandel. Es wurde nach Jugend­straf­recht ver­han­delt, die Höchst­strafe von 15 Jahren wandte das Gericht nicht an – nach dessen Ein­schät­zung lag eben keine beson­dere Schwere der Schuld vor, sonst wären es ja 15 Jahre gewor­den. Wenigs­tens wurde er wegen Mordes ver­ur­teilt und nicht weil der das Messer falsch herum gehal­ten hat. Inter­es­sant ist indes, dass das Gericht alles möglich wenigs­tens so unge­fähr hat fest­stel­len können, nur nicht, woher Abdul D. eigent­lich genau kommt. „Ver­mut­lich aus Afgha­ni­stan” orakelt der Spiegel. Ist das wichtig, werden Sie fragen? Ja, ist es. Denn man wüsste doch schon gern, wohin man das Geschenk Abdul D. nach seinem Knast­auf­ent­halt retour­nie­ren muss. Da das offen­bar niemand so genau wissen will, wird er wohl am Ende – nachdem er wegen guter Führung und der wohl­wol­len­den Pro­gnose einer begeis­ter­ten Sozi­al­ar­bei­te­rin vor­zei­tig ent­las­sen wurde – das schreck­li­che Schick­sal soma­li­scher Piraten nach deren Prozess in Hamburg teilen, die nun in Deutsch­land fest­sit­zen und auf Kosten der All­ge­mein­heit ein sor­gen­freies Leben genieß.…ähm fristen müssen.


1.9.2018: Allen Lesern, die noch nicht wissen, was in Chem­nitz gesche­hen ist, erklärt es der Speigel heute ganz genau. Trump kann ein­pa­cken! Er müsste schon nach Sachsen ziehen und dort für die AfD kan­di­die­ren, um solch eine Auf­merk­sam­keit noch zu toppen. So geht aus­ge­wo­gene Bericht­erstat­tung. (Artikel auf SPON um 10:30 Uhr am 1.9.2018 in exakt dieser Rei­hen­folge)


15.8.2018: Wer gele­gent­lich meine Texte liest, dem ist viel­leicht meine Neigung zu Alli­te­ra­tio­nen auf­ge­fal­len. Gerade über­lege ich, welches und warum meine liebs­ten deut­schen oder deutsch­spra­chi­gen Kom­po­nis­ten sind und komme – kein Witz – auf Bach, Beet­ho­ven und Brahms. Kann nicht sein, denke ich! Überleg nochmal, wer ist Nummer vier? Ich hab’s: Bruck­ner! WTF!


13.8.2018: Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei die 1 eine gene­röse, freie Gesell­schaft selbst den­ken­der Men­schen dar­stellt und 10 ein denun­zi­an­ti­sches El Dorado orwell­scher Dimen­sion ist; wo mag sich da wohl ein Land befin­den, in dem man für ein Selfie ange­zeigt wird, dass während der Fahrt im Auto auf­ge­nom­men wurde und wo die Polizei solchen Schwer­ver­bre­chen tat­säch­lich ihre volle foren­si­sche Auf­merk­sam­keit widmet?


11.8.2018: Wie man den Zustand eines Landes an den Boom-Bran­chen erkennt:
Als die ersten Gold­stü­cke 2015 kamen, pro­fi­tierte zunächst der Glücks­hor­mon-Haus­halt schul­der­zo­ge­ner ungern-Deut­scher und Huf­fing­ton-Post-Jour­na­lis­ten, dann die Ted­dy­bär-Indus­trie. Die nächste Kon­junk­tur ging durch die Branche der Feld­bet­ten­her­stel­ler, Groß­kü­chen, pen­sio­nier­ten Deutsch­leh­rer und Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men. Dann waren die Ver­mie­ter dran. Jetzt sind wir in der Phase, in der Sicher­heits­dienste, Pan­zer­glas­her­stel­ler und Pfef­fer­spray­pro­du­zen­ten gute Kon­junk­tur haben. Wer jedoch vor­aus­denkt, inves­tiert heute in Firmen, die Woh­nungs­auf­lö­sun­gen und inter­na­tio­nale Umzüge orga­ni­sie­ren oder Aus­wan­de­rer beraten, die es nach Argen­ti­nien, Aus­tra­lien oder Ungarn zieht.


10.8.2018: Nur ein Seminar für Band­wür­mer unter dem Titel „Über­le­ben am Ende des Ver­dau­ungs­ap­pa­ra­tes“ würde mehr Sinn ergeben als eines, wie man als Links­ex­tre­mist den Spät­ka­pi­ta­lis­mus über­lebt. Der Parasit hat Angst vor seinem Wirt! Aber Infor­ma­tio­nen über „respekt­vol­les queeres Flirten“ und „Miet­recht für Haus­be­set­zer“ wären mir die 5–15 Euro schon Wert. Leider findet der wirk­lich heiße Scheiß immer in Berlin und nicht im pro­vin­zi­el­len Han­no­ver statt. Menno!


8.8.2018: So sehr ich auch schätze, wie Musk den Auto­markt und die Raum­fahrt durch­ein­an­der­wir­belt, so wenig konnte und kann ich seine Inves­to­ren ver­ste­hen, die ihm auch dann noch Geld geben, wenn er eine Ziel­marke nach der anderen riss und ein Ver­spre­chen nach dem anderen sich in Luft auf­löste, um durch noch größere Ver­spre­chen ersetzt zu werden. Noch weniger kann ich ver­ste­hen, dass nach Musks lau­ni­gen Tweed, er über­lege, Tesla wieder von der Börse nehmen zu wollen, die Aktie nach einiger Tur­bu­lenz aus­ge­rech­net ins Plus drehte. Musk sind die Inves­to­ren lästig. Ihm sind Ziel­vor­ga­ben lästig, Kon­trol­len sowieso. Die Leute sollen ihm Geld geben, die Klappe halten und noch mehr Geld geben – was glaubt er, wer er ist? Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung? Und wie kommt man als Inves­tor auf die Idee, dass das inves­tierte Geld in einer Firma, die sich der Bör­sen­auf­sicht ent­zie­hen will, besser auf­ge­ho­ben sei und gou­tiert den Tweed mit Kurs­stei­ge­run­gen? Man wird einfach nicht schlau aus dem, was rund um Musk und Tesla pas­siert. Die SPON-Head­line ist jeden­falls irre­füh­rend. Musk hat nicht etwa „keinen Bock auf brav” – er hat keinen Bock auf Spiel­re­geln!


6.8.2018: Erst erwärmt es sich unge­bühr­lich, jetzt kippt’s auch noch, das Klima. So warnen For­scher. Ach nein: so schreibt der Spiegel! Die For­scher warnen nämlich gar nicht, sie simu­lie­ren. Sie simu­lie­ren mit Schal­tern, von denen sie ver­mu­ten, dass sie dort und dort liegen könnten. Viel­leicht. Dann aber, dann kippt das Klima. Aber so richtig! Klar sei das Com­pu­ter­spie­le­rei, nichts sei gewiss und sogar „Kli­ma­papst” Schelln­hu­ber (der übri­gens pen­sio­niert ist wie Papst Bene­dikt und dem PIK nicht mehr vor­steht) räumt in seiner neu­es­ten Enzy­klika ein, dass man schon noch genauer gucken müsse, ob da über­haupt was kippt. Man will ja in den nächs­ten Jahren auch noch was zu tun haben, das Klima DARF jetzt noch gar nicht kippen, wo käme man denn da hin! Die Ein­la­dun­gen zum nächs­ten Kli­ma­gip­fel in Poznan sind doch schon raus! Und so simu­lie­ren die For­scher weiter was pas­siert, wenn dieses und jenes und das auch noch gleich­zei­tig geschieht. Das können Sie zuhause übri­gens auch ver­su­chen: schaf­fen sie alle Kerzen und Taschen­lam­pen aus dem Haus, ver­ste­cken sie die Streich­höl­zer und Feu­er­zeuge, ver­gra­ben sie ihre Smart­pho­nes und drehen sie nachts die Haupt­si­che­rung raus. Ich wette, dann kippt die Sache mit der Beleuch­tung und sie stehen im Dunkeln. Aber so richtig! Wenn’s kippt, dann kippt’s! Schön, dass es der Spiegel ange­sichts der Affen­hitze immer wieder schafft, Artikel zu schrei­ben, die eher Negli­gés sind. Man hat ja sonst so wenig Erfri­schung dieser Tage, da freut man sich über jeden Hauch.


2.8.2018: „Ich bin an Bord bei @SOSMEDITERRANEE, wenn die #Aqua­rius, stell­ver­tre­tend für uns alle, ab heute wieder Leben rettet! Für See­not­ret­tung und ein humanes Europa!…” – So steht es auf der Face­book­seite von Herbert Grö­ne­meyer. Auch uns Herbert hält es nicht mehr im behag­li­chen Upper-Class-London, er möchte teil­ha­ben an der Tugend­prah­le­rei der Böh­mer­män­ner und Kol­le­gen. Etwas spät, möchte ich anmer­ken. Denn der Wind hat sich längst gedreht, die Ver­nunft senkt sich langsam auch in die ersten Hirne von Jour­na­lis­ten und Poli­ti­kern. Deshalb reicht es auch nicht mehr, Geld zu geben: Grö­ne­meyer zieht selbst die Weste an und kämpft vor Ort. Bei Wiki­pe­dia ist der Herbert künftig unter „V” zu finden. Als Para­de­bei­spiel für Virtue Signal­ling.


31.7.2018: Hier einige Schlag­worte aus einem TAZ-Inter­view mit den Grün­dern eines auf­stre­ben­den Star­tups in Hamburg. Dort will man in Zukunft: „Men­schen abholen“, „nied­rig­schwel­lige Ange­bote machen“, „nicht nur aka­de­mi­sche Aus­ein­an­der­set­zung“, „posi­ti­ven Femi­nis­mus“, „Work­shops“, „Auf­klä­rungs­ar­beit“, „in Ruhe reden“ – was kann das wohl sein? Ein Seelen- und Chakren-Rei­ni­gungs-Seminar? Geist­hei­lung durch tan­tri­sches Fliegen? Eine Cafe­te­ria für die grüne Bun­des­tags­frak­tion? Falsch! Es handelt sich um einen neuen Sex-Shop in Hamburg! „Im Herbst soll das Pro­gramm stehen“ – na das ist ja auch das min­deste! Mit­grün­der Gnau meint übri­gens: „…, dass Sexua­li­tät und Geschlecht total zusam­men­hän­gen.“ Das glaube ich aller­dings auch! Gerade weil „Sex immer poli­tisch ist!“, wie Gnau meint und das stimmt ja auch, weil „Geschlecht“ heute ein gera­dezu umständ­li­ches Poli­ti­kum ist. Ja, der gerechte Kampf der Arbei­ter­klasse und der Min­dest­lohn vögeln immer mit, da machst nix dran. „Uns ist das Aller­wich­tigste, dass Leute im Konsens mit­ein­an­der in sexu­el­len Kontakt treten“ sagt einer der Startup-Gründer abschlie­ßend. Und ich Depp dachte immer, dass sei über­haupt die Vor­aus­set­zung für ein­ver­nehm­li­chen Sex und alles andere ent­we­der Gewalt oder die bezahlte Vari­ante oder gar beides! Aber was weiß ich schon über Rot-Front-Geschnack­sel auf der TAZ-Bar­ri­kade und den non­kon­sen­sua­len Annä­he­run­gen, die dort üblich sind! Alles Gute für Eure Geschäfts­idee, liebes „Fuck Yeah“-Kollektiv! Möge die Nacht mit euch sein!


30.7.2018: Darf eine Partei, die der bunten Viel­falt ver­pflich­tet ist, Angst vor zu viel bunter Viel­falt haben? Ängste seien unbe­grün­det, so heißt es volks­er­zie­he­risch gerade aus den Reihen der Schulz­zug-Partei und man solle sie sich mög­lichst flugs abtrai­nie­ren. Wer Flug­angst hat, fliege, wer Höhen­angst hat, springe von Dächern und der Xeno­phobe Dumpf­deut­sche (beson­ders die Deut­schen Frauen) wagen sich gefäl­ligst nachts allein zum Joggen in den Park. Da kann man es einer Orts­gruppe der SPD schon zumuten, dass die ihre Angst vor Über­frem­dung und Unter­wan­de­rung run­ter­schluckt! Vor­wärts immer, rück­wärts nimmer, Genos­sen! Das habt ihr so bestellt, das wird jetzt so geges­sen!


29.7.2018: Eine merk­wür­dige Steuer hat sich Pro­fes­sor Metcalf da aus­ge­dacht! CO2-Steuern auf den Ver­brauch fos­si­ler Ener­gie­trä­ger, die aller­dings als eine Art Divi­dende an die Steu­er­zah­ler aus­ge­zahlt werden sollen. Bei Drei Dollar pro Gallone Benzin (knapp 80 Cent pro Liter) plant man 38 Cent durch die neu­ar­tige CO2-Steuer drauf­zu­schla­gen. Das erschiene bei den US-Preisen viel­leicht sogar machbar, auch wenn mir der Sinn dieser Steuer nicht wirk­lich ein­leuch­tet. Spränge die Idee über den Atlan­tik, würde das in Deutsch­land einer Preis­stei­ge­rung von 10 Cent ent­spre­chen. Doch im Gegen­satz zu den USA tummelt sich in den deut­schen Mine­ral­öl­prei­sen bereits ein bunter Strauß an Steuern – 61 Prozent des Ben­zin­prei­ses ent­fal­len in Deutsch­land auf Mehr­wert­steuer, Öko­steuer, Ener­gie­steuer, was uns im Ver­gleich zu den USA doppelt so hohe Sprit­kos­ten beschert. Die Idee Met­calfs wird sich deshalb höchs­tens teil­weise in Europa durch­set­zen lassen: man wird sicher gern die CO2-Steuer ein­füh­ren, dann jedoch auf die Aus­zah­lung der „CO2-Divi­dende“ an die Steu­er­zah­ler ver­zich­ten, weil man das Geld drin­gend für irgend einen Blöd­sinn brauche. Aber die Steuer wird kommen und man wird ver­su­chen, sie gleich dem Griff der Straße zu ent­zie­hen und mit einem Taschen­spie­ler­trick in Brüssel ansie­deln. Warum diese Steuer kommt, sollte klar sein: kein ver­ant­wort­li­cher Poli­ti­ker in diesem Lande oder der EU konnte je der Ver­su­chung wider­ste­hen, dem Bürger unter dem Vorwand von Hilfs­be­reit­schaft und Soli­da­ri­tät in die Tasche zu greifen. Und tat­säch­lich: jedes Mal, wenn ich die Hand in meine Tasche stecke, stelle ich fest, dass die öffent­li­che Hand schon da war.



immer noch 28.7.2018:
Wenn Stu­den­ten sym­bo­li­sche poli­ti­sche Aktio­nen planen, schlägt das meist ent­we­der ins schrille oder ins lächer­li­che. Da ich eigent­lich nur durch Lachen ins reimen gerate, ten­diere ich in diesem Fall zum zweitem.

Stumm steh‘n sie da,
die Film­stu­den­ten,
des Söders Sinn nach „Gut“ zu wenden.
Begie­ßen sich mit Pri­ckel­was­ser,
um zu bewei­sen: Nass schlägt Hasser.
So netzt das feinste Mineral,
Zara-Shirt und Primark-Schal.
Und die Moral von der Geschicht:
Stumm liegt sich‘s wohl,
doch klüger nicht.


28.7.2018: Sami A. ist in Tune­sien wieder auf freiem Fuß. Wenn ihm dort aber offen­sicht­lich nichts droht, ihn dort auch der Staat nicht verfolgt…warum sollte er dann nach Deutsch­land zurück­ge­holt werden und hier Asyl erhal­ten?


26.7.2018: Die Hitze trock­net die Hirne so mancher Redak­teure der Ber­li­ner Zeitung offen­bar auf Dat­tel­größe, anders lassen sich Artikel wie dieser kaum erklä­ren. Viel­leicht han­delte es sich bei (mbr) aber auch im einen prekär beschäf­ti­gen Assis­ten­ten, hinter dem ein wüten­der Chef stand. „M! Es ist zehn Uhr und Sie haben heute noch nichts gegen die AfD unter­nom­men! Ich gebe Ihnen noch 15 Minuten!“ Lobens­wer­ter­weise merken die Leser jedoch, wer hier „Schwin­del“ pro­du­ziert, wie man an den Kom­men­ta­ren erkennt.


24.7.2018: Kaum ist der Özil weg, der laut Aug­stein ja ein „Symbol der Inte­gra­tion” war, schon prügeln sich die Inte­gra­ti­ons-Aspi­ran­ten aus „Futuris Afrika” und „Arabia Felix” bei einem Fair­play-Fuß­ball­tur­nier gegen­sei­tig fast tot. Ja, Aug­stein, hätten wir noch unseren Inte­gra­ti­ons­bambi und Vor­bild­ki­cker, das alles wäre nicht pas­siert.


23.7.2018: Die auf grün gebürs­te­ten Medien samt unseren Poli­ti­kern sahen Tesla schon als neuen Welt­markt­füh­rer und Elon Musk als eine Art Jesus der Elek­tro­mo­bi­li­tät, der die Ener­gie­wende auf vier Räder stellen würde. Doch das iko­ni­sche Bild hat Risse. Beson­ders finan­zi­elle. Die Pro­duk­tion von Autos ist eher von der Effek­ti­vi­tät von Arbeits­pro­zes­sen, Logis­tik und Planung bestimmt, als von Visio­nen und Design und in der Welt von Pro­duk­ti­ons­zah­len, Absatz­märk­ten und Margen zählt am Ende nicht nur die schöne Idee, sondern die nackten Zahlen. Die Welt der Märkt ist zwar uner­bitt­lich, aber ehrlich. Für eine kleine und mir bekannte Gemeinde, die vier kos­ten­lose E-Auto-Lade­sta­tio­nen am frisch reno­vier­ten Guts­haus ange­bracht hat, wäre das Schei­tern von Tesla zwar eine gute Nach­richt – denn in dem Ort bricht das Strom­netz zusam­men, wenn mehr als zwei Autos geladen werden – aber ich drücke Elon Musk dennoch die Daumen. Nicht, dass ich an die Elek­tro­mo­bi­li­tät in ihrer heu­ti­gen Form glauben würde…aber ich bewun­dere den Schneid, den Musk an den Tag legt und die Unbe­dingt­heit, mit der er eine Idee ver­folgt – für die er zur Not sogar betteln gehen würde, wie wir sehen. In Deutsch­land, das muss uns klar sein, wäre eine Firma wie Tesla gar nicht erst gegrün­det worden.


18.7.2018: Post von Claudia!
Nein Frau Roth, ich werde Ihre „Brüs­se­ler Erklä­rung“ nicht unter­schrei­ben. Nicht, weil ich etwa die Über­schrift nicht so toll finde, mit „Für die Frei­heit der Kunst!“ kann ich mich durch­aus iden­ti­fi­zie­ren. Doch da wäre dann noch die Frage wovon frei und wofür. Sie erklä­ren wort­reich, dass das recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Gefahr sei. Da stimme ich Ihnen zu. Aber nicht nur in Öster­reich, Ungarn, Polen oder Rumä­nien, gegen die sie wort­reich Front machen. Wenn ich bedrohte Mei­nungs- und Kunst­frei­heit sehen will, muss ich nur nach Deutsch­land schauen, ein Land, in dem Künst­ler und Publi­zis­ten einen hohen Preis dafür zahlen, wenn sie Erklä­run­gen unter­zeich­nen, ihre Meinung frei äußern und sich mit der poli­ti­schen Diktion erwünsch­ten Denkens nicht abfin­den wollen. Auf deut­schen Buch­mes­sen werden Bücher aus den Regalen geris­sen und „ent­sorgt“ – nicht auf unga­ri­schen. Auf deut­schen Podien wird Schrift­stel­lern wie Uwe Tell­kamp man­gel­hafte Gesin­nung attes­tiert und es sind deut­sche Medien, die sich nur allzu bereit­wil­lig zur Honig­schleu­der staat­li­cher „Kul­tur­po­li­tik“ machen lassen.
Aber ich will nicht unge­recht sein, Frau Roth. Erwei­tern Sie ihre Peti­tion um diese Aspekte, fordern sie die voll­stän­dige Frei­heit für die Kunst, auch hier in Deutsch­land, wozu die Frei­heit von jeg­li­cher direk­ten und indi­rek­ten staat­li­chen Ein­fluss­nahme und Ali­men­tie­rung gehört, dann unter­zeichne ich mit Freuden!


13.7.2018: Mal Spaß und ischia­s­hei­len­den Klos­ter­frau-Melis­sen­geist bei­seite. Juncker ist krank und ihm sollte gehol­fen werden. Ganz gleich ob es sich um Ischias, Mars­po­cken oder doch nur um ordi­nä­ren Gin handelt. Aber was sagt uns sein Auf­tritt beim NATO-Festakt über den Zustand der EU-Kom­mis­sion? Über die EU all­ge­mein? Wie nimmt man sich wahr, in dieser Füh­rungs­cli­que? Was sagt uns dieser Auf­tritt über Junckers Stab, seine Mit­ar­bei­ter? Wer kam auf die Idee, ihn in diesem Zustand auf die Welt los­zu­las­sen und der Lächer­lich­keit preis zu geben? Ist nicht die Würde der EU, was auch immer das sein mag, in den Sonn­tags­re­den unserer Poli­ti­ker immer etwas Hei­li­ges, Erha­be­nes? Ein leuch­ten­des Ziel, ein Glück, eine Ehre, ein Got­tes­dienst? Wäre es nicht die ver­dammte Pflicht des nicht gerade kleinen Hof­staa­tes des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten gewesen, Juncker von der Ver­an­stal­tung fern zu halten? Man kapri­zierte sich so sehr auf den ver­meint­li­chen „Feind“ USA (nicht lachen, der Spiegel hat die USA heute tat­säch­lich FEIND genannt, siehe Link) und war so von der eigenen Größe über­zeugt und besof­fen; dass man gerade selbst nur ein Bild des Jammers abgibt, sah man nicht. Was da die Treppe rauf und runter schwankte, war ein Sinn­bild der EU, wie sie auf alle, die ihr wider­spre­chen zustürmt, eine riesige blaue Fahne gehisst, jeden Kri­ti­ker an der Schul­ter packt und lallt: „Du bist ja total besof­fen!“ Ich bedaure diesen Zustand zutiefst. Ich bedaure, was aus dieser Idee, die eigent­lich eine so gute war, gewor­den ist.


25.6.2018: Sigmund Freud war schon eine coole Sau, denn seine Beschrei­bung und Benen­nung ver­schie­de­ner psy­cho­lo­gi­scher Abwehr­me­cha­nis­men sind heute noch so tref­fend wie eh und je. Nur setzte er sie damals zur Traum­deu­tung ein und um fest­zu­stel­len, welche Ereig­nisse in der Ver­gan­gen­heit seinen Pati­en­ten den Blick in die Rea­li­tät ver­bauen. Heute müsste man gleich ein ganzes Land auf die Couch legen, in dem His­to­ri­ker und Anti­se­mi­tis­mus­for­scher fol­gende Sätze in Kameras sagen können, ohne dass das „Ich“ und das „Es“ dem „Über-Ich“ kräftig die Brille putzen:

Es gibt keinen mus­li­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus, sondern Anti­se­mi­tis­mus unter Mus­li­men, der viru­lent ist.“ (Juliane Wetzel in „Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land“, Phoenix, 25.6.2018)

Ja, so fein sind die Dif­fe­ren­zie­run­gen in einem Land, zu dem der Islam gehört. Oder hieß es „das zum Islam gehört“? Na, da wollen wir mal nicht pin­ge­lig sein, jeder kann das für sich so aus­le­gen, wie er mag und dabei die Kreise Erdo­gans nicht stört. Ich kann nur nicht ent­schei­den, ob das, was Frau Wetzel spricht, „Pro­jek­tion“ oder „Ver­schie­bung“ ist. Sigmund, hilf!


25.6.2018: Von Walter „Niemand-hat-die-Absicht“ Ulb­richt stammt der Spruch vom „Über­ho­len ohne ein­zu­ho­len“, womit der die Bun­des­re­pu­blik und deren Wirt­schafts­kraft meinte. Eine ähn­li­che Stra­te­gie fahren derzeit schein­bar die ÖR-Medien, indem sie peu a peu Kritik an der ewigen Kanz­le­rin ein­streuen, ohne es wie eine Kehrt­wende aus­se­hen zu lassen. Denn die Kritik ist ja nicht neu – sie kam nur immer von den „fal­schen Leuten“, den „Euro­pa­has­sern“ und „deutsch­na­tio­na­len Spin­nern“, die allesamt nur den Schuss zum Auf­bruch in die kun­ter­bunte und post­na­tio­nale Zukunft nicht gehört hätten und der gül­de­nen Kanz­le­rin der Gleich­heit aus purer Bosheit nicht folgen wollten. Diese Kri­ti­ker ein­zu­ho­len gilt es frei­lich nicht und deshalb werden sie auch mit keinem Wort erwähnt. Man setzt gleich zum Über­ho­len an, um bei der Gret­chen-Frage künf­ti­ger „Was-habt-ihr-getan-als…“-Abrechnungen stolz auf den eigenen Mut der letzten Meter zu ver­wei­sen. Man hätte doch kri­ti­siert, man schrieb doch Wahres und Mutiges. Und während die Kol­le­gen noch die Leinen am Ver­sor­gungs­schiff MS Merkel gehabt hätten, setzte man sich mutig ins Beiboot, um die letzten Meter zum ret­ten­den Strand zu rudern. Es wird euch nichts nützen, denn in den Media­the­ken und YouTube-Kanälen lauert euer Geschwätz und Gejubel von gestern, dass ihr selbst­er­nann­ten Anfüh­rer der Kritik zu erklä­ren und zu recht­fer­ti­gen habt. Ihr habt auf­ge­spielt zum Ball auf der MS Merkel – nun behal­tet das Lied gefäl­ligst bei und beglei­tet den Unter­gang musi­ka­lisch. Der Eisberg hat längst die Bord­wand berührt.


20.6.2018: Agonie-Par­al­le­len DDR / Bun­des­re­pu­blik, Teil 342834:
Da „Zukunft“ für Men­schen zwar etwas sehr Kon­kre­tes, jedoch für Staaten Abs­trak­tes ist, muss man als „Zukunft gestal­ten­der Staat“ Begriffe finden, mit denen man han­tie­ren und Aktio­nis­mus vor­täu­schen kann. Wichtig ist dabei, dass sich jeder etwas unter dem Begriff vor­stel­len kann, nütz­lich ist, wenn sich jeder etwas anderes dar­un­ter vor­stellt. Der han­delnde Staat in Agonie, unfähig, einen klaren Gedan­ken zu fassen, muss das selbst­ge­wählte Zukunfts­thema durch unge­eig­nete Maß­nah­men dann so gründ­lich tor­pe­die­ren, dass am Ende das genaue Gegen­teil des Beab­sich­tig­ten her­aus­kommt. Die DDR sah ihr Heil in der „Mikro­elek­tro­nik“, ver­brannte aber letzt­lich ledig­lich Mil­li­ar­den Blech­mark für wert­lose Fäl­schun­gen bestehen­der Technik. Die Bun­des­re­pu­blik in den apo­ka­lyp­ti­schen Mer­kel­jah­ren wirft sich auf die „Digi­ta­li­sie­rung“, lässt aber gleich­zei­tig den halb­staat­li­chen Mono­po­lis­ten Telekom in die tech­ni­sche Sack­gasse VDSL inves­tie­ren, damit man den Klin­gel­draht der letzten dreißig Jahre wei­ter­nut­zen kann. Außer­dem unter­stützt man die Upload­fil­ter, mit denen die EU das Inter­net knebeln will, um die Infor­ma­ti­ons­frei­heit noch weiter ein­zu­schrän­ken. Der Rechts­aus­schuss des Par­la­ments beschloss heute ent­spre­chen­des ein­zu­lei­ten. (Notiz an mich: Rechts­aus­schuss EU-Par­la­ment auf die Liste „Feinde der Frei­heit” setzen)
Glück­wunsch, EU! Ich frage mich, was eigent­lich noch gegen eine Mit­glied­schaft Weiß­russ­lands spricht, Luka­schenko klatscht doch zu all euren hirn­ris­si­gen Pro­jek­ten längst begeis­tert Beifall! Wie ich bemerke, habe ich schon wieder viel zu viele Worte benutzt. Deshalb hier nochmal im trump­schen Tweed­mo­dus, denn darauf sprin­gen unsere Poli­ti­ker doch an – und zwar nicht, weil es Trump ist, der twit­tert, sondern weil er sie in genau der Kin­der­spra­che anquatscht, die sie begrei­fen können: „Stupid Germany, stupid EU. You’r doomed. So sad!“


19.6.2018: Mit dem #NetzDG schränkte man die Reich­weite der Kri­ti­ker ein. Mit der #DSGVO ver­sucht man, ihnen die Mittel zu nehmen, dies zu erken­nen. Mit dem #Leis­tungs­schutz­ge­setz möchte man sie zwingen, für das Zitie­ren ihrer Gegner zu zahlen. Noch jemand der Meinung, die hätten in Brüssel alle keinen Plan? Ich finde, die handeln äußerst rational…für eine Dik­ta­tur.


14.6.2018: Die deut­sche Sprache ist gera­dezu perfekt geeig­net, bedeu­tungs­schwere Begriffe aus Justiz und Ver­wal­tung in ein­fa­che Worte zu über­set­zen. Ein Straf­voll­zug ist bei­spiels­weise ein Ort, an dem eine Strafe voll­zo­gen wird. Und das – ver­gli­chen mit Liberia oder dem Sudan – auf bemer­kens­wert zivi­li­sierte Weise. Nur in Berlin, da bezeich­net „Straf­voll­zug“ etwas anderes. Nämlich einen Ort, an dem die Her­stel­lung abso­lu­ter Gleich­heit noch nicht voll­zo­gen ist. Deshalb stellte Jus­tiz­senator Dirk Beh­rendt (Grüne) ein neues Projekt vor, mit dem er „das Leben drinnen und draußen ein­an­der anglei­chen“ will. 35 Straf­ge­fan­gene erhal­ten zunächst auf Probe Tablets mit ein­ge­schränk­tem Inter­net­zu­griff. Zunächst läuft das Projekt für drei Monate, weshalb es auch nur 1,3 Mil­lio­nen Ber­lin­spaß­ta­ler (im Volks­mund Euro genannt) kostet. Und sollte das Projekt erfolg­reich sein, gibt es noch viele weitere Ungleich­hei­ten, die drin­gend ange­gli­chen werden müssen. Der Salz­ge­halt von Spree und Ostsee, die Pro-Kopf-Ver­schul­dung von Berlin und München und die Gehäl­ter von Grund­schul­leh­rern und Sena­to­ren der Stadt Berlin zum Bei­spiel. Jetzt bloß nicht zu schnell auf­ge­ben mit der Anglei­chung!


11.6.2018, nur wenig später: Der Spiegel ver­wen­det eine Schlin­gel­for­mu­lie­rung aus dem ital. Innen­mi­nis­te­rium, wohl nicht ahnend, wie dicht diese an der Rea­li­tät liegt:

Die Exper­ten seines Innen­mi­nis­te­ri­ums mahnten schon seit Tagen, dass mit einem neuen Schub von Migran­ten aus Libyen zu rechnen sei: Das Wetter ist heiter, das Meer ruhig, das Ende des mus­li­mi­schen Fas­ten­mo­nats Ramadan nahe.”

Nicht etwa Krieg, die sieben ägyp­ti­schen Plagen oder War­lords in Libyen sind kausal für das Zuneh­men der Flücht­lings­zah­len, sondern Wetter und die Regeln des isla­mi­schen Fas­ten­mo­nats. So gesehen hätte die Gust­loff, statt in Eises­kälte und im Januar 1945 in See zu stechen, ruhig noch bis Ostern warten können. Die Fas­ten­zeit wäre vorbei und das Wetter wieder heiter. Sowas blödes aber auch! Krieg und Fluchtursachen…kannste jeden Tag was neues drüber lernen im Spiegel!


11.6.2018: Scha­den­freude ist ange­sichts der öffent­li­chen Zerlege der Linken nicht das rich­tige Gefühl. Eher sollte sich Erleich­te­rung bei uns ein­stel­len. Lassen sich die Erz­kom­mu­nis­ten, die sich auf dem Par­tei­tag durch­set­zen konnten, doch viel leich­ter erken­nen, weil sie die letzten demo­kra­ti­schen Hem­mun­gen abge­legt haben. Es gilt der Wille der Partei und der ist tiefrot. Man wähle, ob dies die Farbe der Wut, der fis­ka­len Ent­eig­nung und des wirt­schaft­li­chen Chaos oder die des Blutes der Feinde ist, welches man zu allen Zeiten nur zu gern ver­gos­sen hat. Ich habe nie ein Geheim­nis daraus gemacht, dass ich alles wofür diese Partei steht, zutiefst ablehne. In der Demo­kra­tie muss man jedoch gesprächs­be­reit bleiben und es gibt (dem­nächst gab, so meine Pro­gnose) auch in dieser Partei einige wenige Men­schen, mit denen man reden konnte und die nicht nur voller Ideo­lo­gie steck­ten. Aus, vorbei.
Erich Mühsam schrieb im Jahr 1909 ein kleines Chanson mit dem Unter­ti­tel „Der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie gewid­met“. Nach diver­sen Abspal­tun­gen aus der­sel­ben und den ver­schwim­men­den poli­ti­schen Abgren­zun­gen der Neuzeit, in der alle ver­su­chen, sich mög­lichst weit „links“ zu posi­tio­nie­ren und deshalb weiter nach links rücken, als ihnen gut tut, passt es aber auch perfekt auf die wenigen ver­blie­be­nen ver­nunft­be­gab­ten Linken. In dieser, leicht bear­bei­te­ten Fassung beson­ders auf Sarah Wagen­knecht, deren letztes Lämp­chen des Rea­li­täts­sinns in Leipzig gera­dezu aus­ge­bla­sen wurde.

War eine Revo­luz­ze­rin,
Zivil­stand Lam­pen­put­ze­rin;
Ging im Revo­luz­zer­schritt
Mit den Revo­luz­zern mit

Und sie schrie: „Ich revolüzze!“
Und die Revo­luz­zer­mütze
Schob sie auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefähr­lich vor

Doch die Revo­luz­zer schrit­ten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo sie sonsten unver­d­rutzt
Alle Gas­la­ter­nen putzt

Sie vom Boden zu ent­fer­nen,
rupfte man die Gas­la­ter­nen
Aus dem Stra­ßen­pflas­ter aus,
Zwecks des Bar­ri­ka­den­baus

Doch die Revo­luz­ze­rin
Schrie: „Ich bin die Lam­pen­put­ze­rin
Dieses guten Leuch­te­lichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!
Wenn wir ihn’ das Licht aus­dre­hen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehn, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“

Doch die Revo­luz­zer lachten,
Und die Gas­la­ter­nen krach­ten,
Und die Lam­pen­putze schlich
Fort und weinte bit­ter­lich

Dann ist sie zuhaus geblie­ben
Und hat dort ein Buch geschrie­ben:
Nämlich, wie man revo­luzzt
Und dabei doch Lampen putzt


3.6.2018: Nach der Regie­rungs­bil­dung fragten sich viele, warum aus­ge­rech­net Merkels „Schwei­zer Taschen­mes­ser“ Thomas de Mai­zière nicht mehr dem Kabi­nett ange­hörte. War der Tau­send­sassa nicht zu allem fähig, oder war ihm nur alles Mög­li­che zuzu­trauen? Innen­mi­nis­ter, Verteidigungsminister…alles hat der Thomas schon ver­sucht, wenn auch mit mäßigem Erfolg. Schon als säch­si­scher Innen­mi­nis­ter zeigte er jedoch sein Talent als Bremser: bei der Auf­klä­rung des „Sach­sen­sump­fes“. Den Job bei der Bahn erhielt jedoch nicht er, sondern Par­tei­freund Pofalla. De Mai­zière war aber auch der ver­ant­wort­li­che Minis­ter des BAMF, als dessen Arbeits­weise noch nicht als skan­da­lös, sondern als oppor­tun dar­ge­stellt wurde. Dass er im Kabi­nett Merkel IV leer ausging, deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass der Son­nen­kö­ni­gin schon lange klar ist, welchen finalen Dienst sie von ihrem Paladin erwar­ten würde, nämlich sich ins Schwert zu stürzen, wenn die Ver­ant­wor­tung der ewigen Kanz­le­rin wie Efeu die Beine hoch­kriecht. Thomas de Mai­zière wird die Ver­ant­wor­tung über­neh­men, denn er kann die aktu­elle Koali­tion nicht beschä­di­gen, weil er ihr nicht ange­hört. So denkt die Kanz­le­rin, glaube ich. Die Frage hinter der Frage lautet dem­zu­folge, mit wessen Blut sich die Medien am Ende begnü­gen werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Fisch vom Haken geht und die Presse sich den her­aus­ge­zo­ge­nen Köder als großen Fang ver­kau­fen ließe. Frank-Jürgen Weise ist ein noch klei­ne­rer Fisch als Thomas de Mai­zière. Wir sollten die Angel jetzt nicht leicht­fer­tig ein­ho­len. Da ist noch ein weit grö­ße­rer Fisch im Teich, den es zu fangen gilt. Dieser Fang ist alter­na­tiv­los!


30.5.2018: Wenn der Euro implo­diert, wird man nicht zuerst dessen Herolde und Min­ne­sän­ger, sondern seine Kri­ti­ker und Skep­ti­ker an die Wand stellen, welche die schöne Oper versaut hätten weil sie partout nicht mit­sin­gen wollten. Man wird sagen, die man­gelnde Musi­ka­li­tät der Leute sei Schuld und die Kom­po­nis­ten, die Jubel­chöre, Kulis­sen­schie­ber und Kar­ten­ab­rei­ßer von aller Schuld frei­spre­chen.


28.5.2018: Ich hab gestern einige weitere Stimmen zur Ver­haf­tung Tommy Robin­sons gehört und da macht mich einiges stutzig. Erstens war die vor­he­rige Bewäh­rung auf drei Monate fest­ge­legt und die waren längst abge­lau­fen. Die Bewäh­rungs­strafe bestand also nicht mehr. Das war mir auch neu. Außer­dem muss mir mal jemand erklä­ren, wie es sein kann, dass man einer­seits Jahre brauchte, um den ban­den­mä­ßi­gen Kin­des­miss­brauch zur Anklage zu bringen und es ande­rer­seits schafft, für Robin­son inner­halb von VIER Stunden ein Gericht ein­zu­be­ru­fen, eine Ver­hand­lung anzu­be­rau­men, ihm einen Pflicht­ver­tei­di­ger zuzu­wei­sen (sein eigent­li­cher Anwalt war NICHT zugegen) und ein Urteil zu fällen.
Zudem befand sich Robin­son bei seinem Bericht über den Prozess vor dem Gerichts­ge­bäude und NICHT auf dem Gelände des Gerich­tes. Das hatte er vorher mit der Polizei abge­klärt. Er wurde wegen „Störung des öffent­li­chen Frie­dens” ver­haf­tet – nur, wer rief die Polizei? Er stand mitten unter seinen Leuten, als er ver­haf­tet wurde, es war sonst niemand zugegen. Ich vermute, man hat ihm auf­ge­lau­ert, während das Gericht schon bereit stand, ihn für 13 Monate zu ver­kna­cken. In Kriegs­zei­ten nennt man sowas Stand­ge­richt.


27.5.2018: Italien wackelt gewal­tig und SPON schreibt: „Dies ist die Kern­frage: Wohin driftet Europa, wenn nun Regie­run­gen ins Amt kommen, die sich erklär­ter­ma­ßen nicht an euro­päi­sche Regeln halten wollen?“ Doch hier springt der Autor zu kurz. Die Kern­frage lautet nämlich: Worin besteht der Unter­schied zwi­schen dem erklär­ten Nicht­ein­hal­ten euro­päi­scher Ver­träge und deren nicht­er­klär­tem wie­der­hol­tem Bruch? Die Antwort: Die Fahrt an den Baum ist im ersten Fall schnel­ler vorbei und findet mit offenen Augen statt. Das Worst-Case-Sze­na­rio des Spie­gels scheint korrekt, bis auf die zucker­süße Dar­stel­lung der Folgen für Deutsch­land. Denn wir sind mit unserer dop­pel­ten Unter­be­wer­tung (die des Euro und Deutsch­lands inner­halb des Euro) Teil des Pro­blems, nicht Teil der Lösung. Unseren „nied­rigs­ten Schul­den“ stehen auch die größten offenen For­de­run­gen gegen­über, fast alle in Euro. Die fallen buch­stäb­lich sofort aus. Der Kapi­tal­ab­fluss beträfe Deutsch­land am stärks­ten, weil dort das meiste geparkt ist. Die Höchst­stände des DAX zeigen das doch deut­lich. „Sichere Häfen“ sucht man aber für gewöhn­lich unter dem Wind, nicht gerade an der Peri­phe­rie des Sturms, in Deutsch­land. Die Anzie­hungs­kraft Deutsch­lands stiege zwar kurz­fris­tig enorm, aber beson­ders von Seiten der Kri­sen­staa­ten der EU, die durch die ita­lie­ni­sche Misere mit in den Strudel geris­sen werden. Die Pro­duk­ti­vi­tät Deutsch­lands sänke hin­ge­gen rapide, weil die euro­päi­schen Märkte kom­plett weg­bre­chen und das Volumen der deut­schen Exporte unmög­lich von anderen Märkten auf­ge­nom­men werden kann. Soll ich wei­ter­ma­chen…? Lieber nicht!


21.5.2018: Die Linken, die es dank ihrer Ideo­lo­gie nicht geschafft haben, den sozia­len Frieden im Land zu bewah­ren, sehen über­haupt keinen Zusam­men­hang zwi­schen der von ihnen so sehr geschätz­ten Idylle aus Bio-Bau­ern­hö­fen, Pfer­de­stäl­len und Wald­kin­der­gär­ten und der Abwe­sen­heit von Flücht­lings­hei­men und Moscheen. Während man die Bio-Bau­ern­höfe schätzt, wundert man sich über das „Erstar­ken der AfD”, „obwohl” es im Stadt­vier­tel keine Moscheen gibt. Viel­leicht, aber nur viel­leicht, wählen deshalb so viele in Berlin-Blan­ken­felde diese Partei, damit das auch so bleibt? Andere Kräfte gibt es ja derzeit leider nicht, die sich zur Garan­tie einer der­ar­ti­gen „deutsch­tü­meln­den Spie­ßer­idylle” bereit­fin­den, welche die Autorin so sehr schätzt. Muslime schi­cken ihre Kinder nicht in Wald­kin­der­gär­ten und der Bio-Fimmel deut­scher Öko­fa­schis­ten ist ihnen gänz­lich fremd. ZEIT-Autorin Caro­line Rosales aus Bonn sollte viel­leicht wieder zurück an den Rhein ziehen, am besten nach Bad Godes­berg. Dort gibt es diese Pro­bleme nicht. Dafür andere, für deren Zwicken und Zwacken man aber auch die AfD ver­ant­wort­lich machen kann. Ein Umzug wäre mutiger, als einen Ein­kaufs­wa­gen­chip mit AfD-Logo zu ent­sor­gen, den Besit­zer für dumm zu ver­kau­fen und darauf auch noch mächtig stolz zu sein.


11.5.2018: Wir halten mal fest: Dem Iran geht es dreckig, was Trumps Schuld ist. Die Währung ist im letzten Jahr um 34% ein­ge­bro­chen, was allein Trump geschafft hat. Inves­ti­tio­nen blieben aus, Arbeits­plätze wurden nach der Unter­zeich­nung des Atom­deals 2015 nicht geschaf­fen, was Trump zu ver­ant­wor­ten hat, der Iran gibt den Euro­pä­ern, China und Russ­land nun einige Wochen Zeit, mit Trump fertig zu werden. Sie müssen nun aus­ba­den, was Amerika, also Trump, ange­rich­tet hat. Teheran benutzte das Geld, was seit 2015 in den Iran fließen konnte, um sein Militär auf­zu­rüs­ten und Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen zu unter­stüt­zen, was natür­lich auch Trumps Schuld ist. Die Antwort Rohanis ist deshalb nur logisch: Da wir unsere Wirt­schaft nicht ans Laufen bekom­men, weil isla­mi­scher Eta­tis­mus genauso Scheiße funk­tio­niert wie sozia­lis­ti­scher, wenn wir unsere Bevöl­ke­rung nicht mehr satt bekom­men und unsere Währung ver­fällt, wenn das Ausland uns nicht einfach Geld schickt und auf Trans­pa­renz, der Exis­tenz Israels und Rechts­si­cher­heit ganz all­ge­mein besteht, dann rei­chern wir eben wieder Uran an. Dann wird alles gut, denn wie lautet doch der Spruch der großen fran­zö­si­schen Phi­lo­so­phin der Ver­klä­rung, Marie-Antoi­nette: Wer kein Brot hat, soll eben „Yellow Cake” fressen.

1.5.2018: Nur kurz einige Gedan­ken zu der media­len Bombe, die Net­an­yahu bezüg­lich des Atom­pro­gramms hat platzen lassen, nachdem der Mossad im Iran in den letzten Wochen offen­bar Kör­be­weise hoch­ge­hei­mes Mate­rial in die Hände bekom­men und unbe­merkt aus dem Iran her­aus­ge­schmug­gelt hatte. Reife Leis­tung, btw! Natür­lich gar­nie­ren unsere Medien die Ent­hül­lun­gen als „angeb­lich” und das Wort „Beweis” schreibt der Spiegel nur in Anfüh­rungs­zei­chen. Das seien im übrigen alles olle Kamel­len, die gar nichts neues ent­hiel­ten, meint der Spiegel. „Ach wirk­lich”, möchte man da gleich rufen. Dann wäre ein schöner Artikel über acht Seiten mit Auf­ma­cher auf der Titel­seite im „Sturm­ge­schütz der Demo­kra­tie” ja wohl Pflicht gewesen. Aber Pus­te­ku­chen, nur lasches Gerede!
Die Fülle an Mate­rial jedoch, von der im Moment nicht klar ist, wie weit es in die Gegen­wart reicht, wurde ganz offen­sicht­lich an einem Ort ver­steckt, der der IAEA voll­kom­men unbe­kannt war, prak­ti­scher­weise nur ein paar Meter von einem bekann­ten For­schungs­zen­trum ent­fernt und als Bruch­bude getarnt. Doch selbst wenn das Mate­rial, die Bau­pläne, die Fotos von Bom­ben­tei­len, die Implo­si­ons-Simu­la­tio­nen, die Zeit­pläne und die Namen der Betei­lig­ten von vor 2015 stammen sollten, stellt sich immer noch genau eine ent­schei­dende Frage: »Wieso können stich­hal­tige Beweise für ein Atom­pro­gramm des Irans namens „Amad” auf­tau­chen, wenn der Iran immer wieder und dedi­ziert bestrit­ten hat, dass es ein solches Pro­gramm jemals gegeben habe?«
Fool me once: shame on you. Fool me twice: shame on me!


25.4.2018: Da ich die „Fund­stü­cke” in den letzten Tagen sträf­lich ver­nach­läs­sigt haben, heute mal einen „Gedan­ken­split­ter” zur Auf­lo­cke­rung, und zwar in einer ernsten Ange­le­gen­heit.

In letzter Zeit lese ich immer mal wieder die For­de­rung, eine neue Ver­fas­sung auf den Weg zu bringen, weil Artikel 146 GG dies ver­lange: „Dieses Grund­ge­setz, das nach Voll­endung der Einheit und Frei­heit Deutsch­lands für das gesamte deut­sche Volk gilt, ver­liert seine Gül­tig­keit an dem Tage, an dem eine Ver­fas­sung in Kraft tritt, die von dem deut­schen Volke in freier Ent­schei­dung beschlos­sen worden ist.” Zum Glück haben die Väter und Mütter des GG jedoch kein Ver­falls­DA­TUM eingebaut, sondern ein Ver­falls­ER­EIG­NIS: eben jene Ver­fas­sung, die wir nicht haben. Aber mit Wün­schen ist das so eine Sache, man sollte vor­sich­tig sein mit deren Äuße­rung.

Jeder der mit dem Gedan­ken lieb­äu­gelt, eine ver­fas­sung­ge­bende Ver­samm­lung könnte nun doch endlich mal den Nach­fol­ger des Grund­ge­set­zes auf den Weg bringen, sollte sich über­le­gen, WER in einer solchen Ver­samm­lung die Mehr­heit hätte und WAS in einer solchen Ver­fas­sung am Ende stünde. Ich gebe mal „auf Ver­dacht” ein paar Stich­punkte: das Primat Brüs­sels in allen Ange­le­gen­hei­ten, Sozi­al­staat statt sozia­ler Staat und Migra­tion als Staats­ziel, Ein­schrän­kun­gen der Mei­nungs­frei­heit und Verbot fal­scher Mei­nun­gen, ÖR-Rund­funk samt dessen Finan­zie­rung aus der Län­der­ver­ant­wor­tung nehmen und eine Stufe höher ansie­deln, Umfor­mu­lie­ren von Artikel 21 der­ge­stalt, dass Par­teien nicht nur an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung mit­wir­ken, sondern diese von den Par­teien AUSGEHT – und auch von welchen…soll ich wei­ter­ma­chen? Ich würde noch heute katho­li­sche werden und mit dem Beten anfan­gen, sollte eine ver­fas­sung­ge­bende Ver­samm­lung ein­be­ru­fen werden. Etwas Bes­se­res als das GG werden wir in abseh­ba­rer Zeit nicht bekom­men. Wir sollten darauf drängen, es ein­zu­hal­ten, statt es in Frage zu stellen, weil dessen ebenso opti­mis­ti­sche wie beschei­dene Autoren mit Blick auf die Wie­der­ver­ei­ni­gung von dessen zeit­li­cher Beschränkt­heit aus­gin­gen. Von der Beschränkt­heit der Deut­schen im 21. Jahr­hun­dert konnten sie ja nichts wissen.


16.4.2018: Auch der Spiegel kreist wieder um das Thema Anti­se­mits­mus an deut­schen Schulen und glaubt, die Ursache zu kennen: der Nah­ost­kon­flikt! Ich kann es nicht mehr hören! Im Gegen­satz zur phi­lo­so­phi­schen Frage mit dem Huhn und dem Ei, ist die Rei­hen­folge hier doch etwas leich­ter zu beant­wor­ten – der Nah­ost­kon­flikt ist nämlich selbst die Folge von Anti­se­mi­tis­mus. Nicht umge­kehrt! Wer das Mobbing jüdi­scher Schüler an deut­schen Schulen (beson­ders gern an solchen mit dem Prä­di­kat „Schule ohne Ras­sis­mus“) mit dem Nah­ost­kon­flikt erklärt und keine reli­giö­sen Ursa­chen erken­nen will, hat echt den Schuss nicht gehört. „Was steckt hinter reli­giö­sem Mobbing“ fragt der Spiegel und Willy Klawe, Leiter des Ham­bur­ger Insti­tuts für Inter­kul­tu­relle Päd­ago­gik (HIIP) weiß natür­lich Bescheid: „Das Problem mit anti­se­mi­ti­schem Mobbing ist nicht neu. Aller­dings werden Berichte über anti­se­mi­ti­sche Belei­di­gun­gen auch genutzt, um zu pola­ri­sie­ren und Vor­ur­teile gegen­über Mus­li­men zu schüren“. Es ist, als würde sich der Anwalt eines Bank­räu­bers darüber beschwe­ren, dass sein Mandant als Ver­bre­cher bezeich­net werde. Klawe möchte natür­lich nicht aus­gren­zen und bietet statt­des­sen Semi­nare an, „…in denen Opfer und Täter zusam­men­kom­men.“ Und wieder einmal wurde die Schuld gerecht ver­teilt, indem man die Zeit sowohl des Täters als auch des Opfers in glei­cher Weise bean­sprucht! Ich würde ja statt­des­sen vor­schla­gen, den Anti­se­mi­tis­mus an unseren Schulen dadurch zu begeg­nen, dass man die Anti­se­mi­ten acht­kan­tig raus­wirft und den Eltern eine Schul- und Umzugs­emp­feh­lung für eine Madrasa in Rawal­pindi aus­stellt. Die Wie­der­ein­glie­de­rung kann medial herz­lich von SPON-Autorin­nen beklin­gelt werden. Aber das wird nicht gesche­hen, weil man wohl keine leeren Schulen in Berlin haben möchte, weil die Anti­se­mi­ten dort teil­weise schon die Mehr­heit stellen.


9.4.2018: Und jetzt mal zu etwas völlig anderem – Netflix! Als großer Fan Homers und der Ilias dachte ich, eine Serie über den Krieg um Troja könnte eine inter­es­sante Idee sein. Die ganze epische Dich­tung über Freund­schaft, Verrat, Liebe, Hass, Pflicht und Gewalt, Götter und Menschen…damit ließen sich Abende füllen. Auch die Idee, nicht Achil­les und Hektor in den Mit­tel­punkt der Hand­lung zu stellen, sondern die Geschichte an Paris und Helena auf­zu­hän­gen, schien zumin­dest inter­es­sant. Die rasche Vor­stel­lung eines gewis­sen Aeneas ließ sogar hoffen, dass in einer wei­te­ren Staffel Vergil zu Wort kommen könnte und man nach dem Fall Trojas mit der Grün­dung Roms weiter machen möchte…warum nicht!

Achil­les. Fixiert er gerade den Pizza-Boten oder fragt er sich, warum er aus­ge­rech­net zu diesem Casting gegan­gen war?

Jedoch, um es kurz zu machen: daraus wird nichts. Nicht für mich jeden­falls. Nach Folge zwei war Schluss, ich konnte diesen Mist nicht mehr ertra­gen. Nun ist es nie leicht, eine lite­ra­ri­sche Vorlage in einen guten Film oder eine gute Serie zu ver­wan­deln – man sollte jedoch darauf achten, dass nicht allzu viele Logik­feh­ler auf­tre­ten und wenn die Vorlage ein Stück Welt­li­te­ra­tur ist, sollte man den Figuren nicht allzu große Gewalt antun. Ver­ges­sen wir für einen Moment, dass Zeus und Achil­les noch nie schwarz waren – das kann, wenn Hand­lung und Schau­spiel stimmig sind, noch als Peti­tesse durch­ge­hen. Wobei ich doch sehr hoffe, dass zum Bei­spiel bei einer Neu­ver­fil­mung von „Amistad” die Rolle des „Cinque” von jeman­dem über­nom­men wird, der Djimon Hounsou das Wasser reichen kann und dunkle Haut hat, anstatt etwa von Jan-Josef Liefers – egal wie sehr letz­te­rer die Skla­ve­rei ver­dient haben mag. Wie gesagt: geschenkt. Dass aber Mene­laos Vater(??) auf Kreta starb und sich dieser dorthin mit den Worten auf den Weg machte „bis in fünf Tagen”, frage ich mich schon, ob er die Schnell­fähre oder den Acht-Uhr-Flug genom­men haben mag. Bei solchen Nach­läs­sig­kei­ten wird man hell­hö­rig und findet weitere Schlam­pe­reien: Steig­bü­gel an den Pferden, die erst hun­derte Jahre später von hun­ni­schen Reitern benutzt wurden, eiserne Waffen in der Bron­ze­zeit und Legen­den über Helden, die erst von den Römern erfun­den wurden als Kin­der­mär­chen aus Troja und Mykene. Es war fast ein Wunder, dass sich die beiden nicht über Tinder ken­nen­ge­lernt haben und Aga­mem­non die Finger vom Smart­phone lassen konnte, um Odys­seus zum Heer zu rufen! Dann die Dialoge: hölzern. Die Schau­spie­ler: kennen ihre Rollen nicht und agieren, als hätten sie eigent­lich grad an was ganz anderes gedacht. Einer Wunde beim eitern zuzu­se­hen, ist span­nen­der! Man sollte an alle Orte fahren, an denen Homer angeb­lich begra­ben sein soll, um den Streit über die letzte Ruhe­stätte des Meis­ters endlich zu klären. Das Geräusch, dass er beim Rotie­ren im Grab macht, kann man sicher nicht über­hö­ren! Gesamt­ur­teil zu „Troy – Fall of a City”: φρικτός!


7.4.2018: Der grund­le­gende Denkfehlerder „Antwort 2018“ ist, dass die „Erklä­rung 2018“ gar keine Frage gestellt hat.


4.4.2018: Minis­ter Scheuer knüpft an die großen Logik-Erfolge an, die sein Par­tei­freund Dob­rindt in der letzten Legis­la­tur der GroKo ein­fah­ren konnte. Scheuer möchte eine App ent­wi­ckeln, mit der die Bürger Funk­lö­cher melden können. Ob die Mel­dun­gen den Minis­ter per Brief­taube oder Mel­de­pfeil errei­chen sollten, ist noch nicht ganz klar. Die Mar­kie­rung mittels App funk­tio­niert aber schon ganz gut, wie die hier zu sehen­den begeis­ter­ten Test-User der App zeigen.


2.4.2018: In der Tat sind all die Frot­ze­leien, die Potenz­an­spie­lun­gen und das ganze andere niveau­lose Gekeife von Silke Bur­mes­ter locker zu ertra­gen. Das sind die Körner im täg­li­chen Brot, die die „Abweich­ler” und „Aus der Reihe Tänzer” nicht bei der Ver­dau­ung stören. Aber die For­mu­lie­rung „Raus­ge­wor­fen aus der Gemein­schaft” kommt wie ein Ver­plap­pern daher. „Die Gemein­schaft”, das ist offen­bar das mediale Auen­land wohl­mein­den­der Jour­na­lis­ten-Hobbits, deren Hori­zont schon durch die Nach­bar­shü­gel begrenzt ist und die schein­bar alle das­selbe Kraut rauchen. Mal ehrlich Leute: es wird Zeit, das Auen­land zu ver­las­sen! Bur­mes­ters Abrech­nung mit Thomas Fischer, einem ehe­ma­li­gen Richter und alten weißen Mann wird bei meedia gera­dezu file­tiert – zu Recht, muss man sagen!


1.4.2018: Im deut­schen Medien nichts Neues. Es sind ja immer genug Repor­ter vor Ort, um die gehetz­ten Gesich­ter paläs­ti­nen­si­scher „Demons­tran­ten” zu filmen, die ihre kleinen Kinder in die Kameras halten, die sie selbst in den Kon­flikt schlei­fen. Israel, Israel hat das getan. Israel, Israel ist schuld! Dabei war es die Hamas, die diese Riots ange­zet­telt hat, die hier in den Zei­tun­gen immer noch als Pro­teste bezeich­net werden. Und ehrlich, es ist grausam, was den Men­schen da gerade geschieht, weil man sie ohne Sinn und Ver­stand gegen die Gewehr­läufe der IDF rennen lässt, die selbst­re­dend nicht zulas­sen kann, dass die Grenze über­rannt wird. Doch die Men­schen können sich auch nicht umdre­hen und nach Hause gehen, weil hinter ihnen die Gewehre der Hamas auf die warten. Kano­nen­fut­ter. Der Speigel (kein Ver­tip­per) ging jedoch brav der Hamas-Pro­pa­ganda auf den Leim und berich­tete vom „Tod im Peter­si­li­en­feld” und das Recht Israels, sein Staats­ge­biet zu schüt­zen, wurde mal wieder in Anfüh­rungs­zei­chen geschrie­ben. Doch die IDF hat medial auf­ge­rüs­tet. Wär­me­bild­ka­me­ras und Drohnen sind live dabei und was angeb­lich Peter­si­lie pflü­ckende Bauern war, ent­puppt sich als bewaff­nete und ent­schlos­sene Hamas-Kämpfer. Doch Speigel und Co berich­ten im Nah­ost­kon­flikt noch immer erst von der zweiten Kugel, die dann natür­lich von Israel abge­feu­ert wird. Die erste Kugel war dann wohl ein Strauß Peter­si­lie.


26.3.2018: Malu Dreyer distan­ziert sich von etwas, mit dem sie offi­zi­ell nie etwas zu tun gehabt zu haben behaup­tet: der Antifa, die „ihre” Ver­an­stal­tung durch Angriffe auf Polizei und Demons­tran­ten ver­schö­nerte. Das endet deshalb als Eigen­tor!
Distanz, das Gegen­teil von Nähe,
du nicht von fernen Dingen suchst.
Weshalb dein Gegner gern es sähe,
dass du dich distan­zie­ren musst!
Nun klebt der distan­zierte Gegen­stand,
durch dieses Schie­ben an der Hand.


21.3.2018: Die Leip­zi­ger Buch­messe ist vorbei, die Nach­be­trach­tun­gen zum Thema „Wie Nazi kann man sein und warum” sind es selbst­re­dend nicht. Die TAZ, in der es in letzter Zeit sogar einige bemer­kens­werte Artikel zu lesen gab, fällt aller­dings gerade wieder in revo­lu­tio­näre Bar­ri­ka­den­zei­ten blinden Stumpf­sinns zurück, ent­staubt die Kampf­be­griffe und schärft die Wort­klin­gen. Der ganze TAZ-Artikel trieft nur so vor Selbst­ge­rech­tig­keit und Kampf­si­mu­la­tion und ich gab den Versuch, mich inhalt­lich ernst­haft damit zu befas­sen, ange­säu­ert auf. Nein, die Benen­nung meines ersten Magen­ge­schwürs nach dem sub­ven­ti­ons­ge­pu­der­ten Blätt­chen der Salon­re­vo­lu­tion muss noch warten. Gut, dass ich kom­pe­tente Kol­le­gen und Freunde habe, die ange­sichts dieses rost­ro­ten Dickichts unge­rührt bleiben, die Stihl anwer­fen und mit langem Säge­blatt durch das knis­ternde, tro­ckene Gestrüpp fahren. Danke Alex­an­der Wendt! Deinen Text ent­führe ich hier zu mir auf diese Seite, auf das er nicht ver­lo­ren gehe:
Hallo, liebe Sta­li­nis­ten von der taz! Oder Stasis. Oder Gulag­wäch­ter. Ich darf euch doch so nennen, oder? Wir müssen uns doch hier nicht tot­dif­fe­ren­zie­ren. Wollen wir ein Spiel spielen? Gibt man also Gulag­wäch­tern wie euch Raum, dann füllt ihr ihn. In der taz, im Par­la­ment, auf der Straße. Das ist schlecht. Also ergibt Kom­mu­ni­ka­tion mit euch wenig Sinn. Man muss euch das Leben so schwer machen, wie es geht. In Deutsch­land gibt es auf diesem Gebiet – Lebens­er­schwer­nis für bestimmte Gruppen – wirk­lich reich­li­che Exper­tise.
Pri­vat­adres­sen ins Inter­net stellen, das wäre schon mal ein erster Schritt. Eure Autos abbren­nen. Eure Kinder in der Schule unter Druck setzen. Ab und zu mal jemand ver­prü­geln, wenn die Mehr­heits­ver­hält­nisse min­des­tens zwei zu eins sind, so wie kürz­lich zwei Männer einen Anti-Merkel Demons­tran­ten in Hamburg zusam­men­ge­prü­gelt hatten. Kurzum, genau so, wie ihr es fordert: das Leben eines mar­kier­ten Men­schen­krei­ses so schwer wie möglich machen. Nur, dass ihr jetzt (auch) dieser Men­schen­kreis seid.
Dann, liebe Pol-Pot-Fans, wäre doch eine Art Gleich­stand zwi­schen euch und der unüber­seh­ba­ren Zahl von Nazis in diesem Land erreicht, über die ihr jeden Tag schreibt.
Um aber wirk­lich damit anzu­fan­gen, würde ich gern ent­we­der als Kom­men­tar hier oder via PN Nach­rich­ten von euch bekom­men: Wer von euch möchte es tat­säch­lich in echt mal lebens­schwer gemacht bekom­men, richtig mit scharf und alles? Also nicht, wie es bei euch immer heißt: „Bin auf Twitter bedroht worden.” Nein, richtig Stahl­ge­wit­ter und Lan­ge­marck, Skala von Nasen­bruch bis oben offen. #MeeToo! Taz-Redak­teure, Jakob Aug­stein, Frau SpOn Sto­kow­ski, Georg Diez: da müsst ihr jetzt durch! Bekennt euch öffent­lich dazu, Blut­zeu­gen der wech­sel­sei­ti­gen Lebens­er­schwer­nis zu werden, exakt nach euren eigenen For­de­run­gen. Bekennt euch: ja, wir wollen auf’s Maul.
Falls aber nicht: haltet für­der­hin einfach öffent­lich die Klappe, wenn es um eure Gewalt­phan­ta­sien geht. Lebt sie zuhause mit einer Wochen­end­pa­ckung Tempos aus. Aber malt anderen nur dann ein bestimm­tes Schick­sal in Flam­men­schrift an die Wand, wenn ihr es für euch selbst auch so drin­gend wünscht, dass ihr es gar nicht mehr aus­hal­tet.


12.3.2018: Wir leben in Zeiten, in denen es nur noch schwarz und weiß zu geben scheint. Die Grau­töne ver­schwin­den immer mehr aus dem Blick, weil der Kon­trast zu stark hoch­ge­zo­gen und die Zeit zu knapp ist, auf Zwi­schen­töne zu achten. Deshalb trete ich hier mal einen Schritt zur Seite und werfe einen Blick auf einen Ort, der dem land­läu­fi­gen Begriff der Ewig­keit schon recht nahe kommt – zumin­dest nach mensch­li­chem Maßstab und durch meinen Blick: Rom. Zwar kann ich nicht durch Urkunde oder Pass belegen, dass dies „meine” Stadt ist, ich betrachte sie aber als solche. Rom ist die Stadt, die schon alles erlebt, alles gesehen, alles ertra­gen und alles über­stan­den hat. Sie ist gleich­gül­tig, fett, schmut­zig, duftend, unnah­bar und ver­traut zugleich. Rom ist Licht und Schat­ten und alle Zwi­schen­töne. Immer, wenn es mir in Deutsch­land zu eng und unehr­lich wird, denke ich an die ehr­li­che Enge von Rom, wo die Pro­bleme zwar größer schei­nen, als hier­zu­lande, aber gleich­zei­tig niemand den Ein­druck ver­mit­telt, die lösen zu können. Alles fließt, frisst sich selbst, verdaut sich selbst, erneu­ert sich unauf­hör­lich. Man lässt laufen, kümmert sich um die seinen und je schlim­mer es in der einen oder anderen Ecke aus­sieht, umso mehr achtet der Römer und ins­be­son­dere die Römerin auf Würde, Selbst­ach­tung und Gelas­sen­heit. Das Spiel von Licht und Schat­ten in Rom, seinen Straßen und Sakra­li­tä­ten, seinen Bewoh­nern und Bett­lern, den Damen und Dieben macht süchtig. Hier eine kleine Auswahl von „her­un­ter­ge­fal­le­nen Fotos”, die ich beim durch­se­hen meiner Archive gerade gefun­den habe und – passend zum Thema – hier mal in schwarz/weiß aber kom­men­tar­los zeigen möchte. Achtet auch auf die Grautöne…viel Spaß.


15.2.2018: Na, liebe ARD? Wie wäre es mal mit einem The­men­abend zu einem weit rea­lis­ti­sche­ren Sze­na­rio der Ent­wick­lung Deutsch­lands? Statt TAZ-Dreh­bü­cher dann auch noch von TAZ-Schrei­ber­lin­gen im Spiegel beklat­schen zu lassen, könntet ihr die Rea­li­tät das Dreh­buch schrei­ben lassen. Für alle, die den Welt-Artikel nicht lesen können, weil er hinter der Bezahl­schranke liegt, eine kurze Zusam­men­fas­sung. Jeches­keli, ein israe­li­scher inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­list, bastelt sich eine isla­mis­ti­sche Iden­ti­tät, kauft für 1250 Dollar einen syri­schen Pass (nicht gut gefälscht, sondern fast echt, könnte ohnehin nur in Syrien fal­si­fi­ziert werden), besteigt ein Flug­zeug und wird in Berlin von einem Sach­be­ar­bei­ter betreut, der aus Gaza stammt. Der gibt gern Tipps, wie man die deut­schen Behör­den narren kann und die Familie schnell nach­holt. „Mit Allahs Hilfe beginnst du hier jetzt ein neues, isla­mi­sches Leben“. In den Moscheen hört Jeches­keli Pre­dig­ten mit dem Tenor „inte­griert euch nicht”. Das ist Alltag in Ger­ma­ni­stan, wo die Dawa, die gewalt­lose Unter­wan­de­rung und Bekeh­rung, bereits im vollen Gange ist. Die Welt weiter: „Die wahren Absich­ten der Zuwan­de­rer würden in Deutsch­land nicht über­prüft. Keiner der Flücht­linge, die er im Auf­fang­la­ger getrof­fen habe, hätte die Absicht gehabt, sich zu inte­grie­ren.” – es ist also ange­rich­tet und kann ser­viert werden. Heiß oder kalt…das steht noch nicht fest.


7.2.2018: Genau heute von 78 Jahre hatte Disneys erster Abend­fül­len­der Ani­ma­ti­ons­film „Pinoc­chio” in den USA Pre­miere. Da kann man ruhig mal klat­schen! Ruft doch mal „Martin”…!


5.2.2018: In den letzten Tagen sam­melte ich Mate­rial, um mir ein aktua­li­sier­tes Bild vom Zustand der Türkei zu machen. Das Zusam­men­zu­fas­sen ist eigent­lich unnötig, weil die Fakten bekannt sind. Zumin­dest die wich­tigs­ten. Freie Geister zieht es in der Türkei momen­tan nach Izmir, weil die AKP dort einfach keinen Fuß auf die Erde bekommt. Oder sie ver­las­sen das Land – oder sitzen im Knast. Im Syri­en­kon­flikt ist Erdogan dabei, in die blu­ti­gen Stiefel des IS zu steigen und den Kurden – selbst denen, die nicht in der Türkei leben – den Todes­stoß zu ver­set­zen. Die Panzer, die nörd­lich von Kobane an der Grenze standen, um den IS gewäh­ren zu lassen, rollen nun nach Syrien, um das „Werk” des IS zu voll­enden. Die Türkei gebiert etwas, dass wir uns wohl in den schlimms­ten Träumen nicht vor­stel­len wollen. Wie immer, wenn ich für einen Artikel sammle, mache ich mir Gedan­ken über ein Teaser-Bild, konnte aber nichts Pas­sen­des finden – bis mir das hier einfiel. Deshalb heute mal nur ein Bild, kein Artikel.


4.2.2018: L’État c’est moi – der Staat bin ich! Sagte Ludwig XIV und aus seiner Sicht war das auch richtig. Wenn jedoch 300 Jahre und einige Revo­lu­tio­nen später Staats­len­ker und Regie­rungs­klün­gel schon wieder mit solchen Gedan­ken kommen, finde ich das sehr bedenk­lich. Es sagt einer­seits viel über das Selbst­ver­ständ­nis unserer Polit-Eliten. Ande­rer­seits zeigt es die Lie­der­lich­keit unserer Medien, die solchem Gefasel durch Ver­wen­dung ver­dre­hen­der Begriffe Vor­schub leisten. Unver­ges­sen die Worte von Julia Klöck­ner, die meinte „der Staat habe gut gewirt­schaf­tet“, womit sie die hohen Steu­er­ein­nah­men auf die Leis­tungs­seite aus­ge­rech­net der­je­ni­gen schlug, die von diesen Steuern leben, statt sie zu „erwirt­schaf­ten“. Einen neuen Gipfel der Ehr­lich­keit erklomm Ralf Stegner am 3.2.2018 in der Tages­schau: „Wir glauben, der Markt regelt gar nichts, sondern der Staat muss sich kümmern.“ Der Staat regelt alles, der Staat bestimmt alles. Es gab Zeiten, in denen hätte ich von einem Sozi­al­de­mo­kra­ten noch erwar­tet, dass er die die­nende Funk­tion des Staates begreift, obgleich die Neigung, jede Form mensch­li­chen Stre­bens staat­li­cher Kon­trolle zu unter­wer­fen, auch der Sozi­al­de­mo­kra­tie nie ganz fremd war. Doch heute sind die Hem­mun­gen, staat­li­che Kon­trolle zur gesell­schaft­li­chen Norm zu erklä­ren, längst abge­legt. Wenn nicht einmal die Union, welche das gesell­schaft­li­che Modell tra­di­tio­nell von innen (Familie, Indi­vi­duen) nach außen (Land, Staat, EU) denkt, dem fort­schrei­ten­den Eta­tis­mus nicht wider­ste­hen kann. In solchen Zeiten käme es auf die Medien an. Es wäre wichtig, dass diese die außer Kon­trolle gera­te­nen Eliten begriff­lich erden, indem sie deren Argu­mente und deren „Wir sind der Staat“-Gewäsch nicht noch ver­stär­ken. Doch was lesen wir zum Bei­spiel in der Head­line eines Arti­kels des ehe­ma­li­gen „Sturm­ge­schüt­zes der Demo­kra­tie“? „G20-Gipfel kostet Bun­des­re­gie­rung 72,2 Mil­lio­nen Euro“ – wohl­ge­merkt: die Bun­des­re­gie­rung zahlt! Nicht etwa der Steu­er­zah­ler, in dessen Taschen hier tat­säch­lich gegrif­fen wurde. Über’n Daumen hat der G20-Gipfel jeden tat­säch­li­chen Steu­er­zah­ler zwei Euro, oder jeden Ein­woh­ner Deutsch­lands knapp einen Euro gekos­tet. Es ist kaum anzu­neh­men, dass Merkels Kabi­nett die G20-Kosten wie eine Pizza-Rech­nung durch 13 geteilt hat. Ich habe prin­zi­pi­ell nicht gegen solche Ver­an­stal­tun­gen. Aber man sollte in der Bericht­erstat­tung schon so ehrlich sein zu erklä­ren, wer die Pizza-Rech­nung in Wirk­lich­keit begli­chen hat.


immer noch 28.1.2018: Erfolg­rei­chen Unter­neh­mern wie Ingvar Kamprad muss man ein Denkmal setzten. Alle Kom­men­ta­to­ren, die seinen Tod ver­kün­den, greifen sofort nach der Keule „Steu­er­flücht­ling” oder „reicher Mann”, um sein Erbe zu rela­ti­vie­ren. Aber, er hat etwas geschaf­fen, das bleibt, weil es in die DNA von Mil­lio­nen Men­schen ein­ge­baut wurde, seien es nun Stu­den­ten mit kleinem Budget oder Anwalts­kanz­leien mit Bauhaus-Charme. Hof­fent­lich halten seine Erben den Laden gut am Laufen. 


28.1.2018: Nein, ich schreibe nicht gezielt gegen die Grünen! Es ist nur so, dass die Ton­tau­ben, mit denen diese seit Monaten um sich werfen, mir dauernd vor die Flinte kommen! Was soll ich also anderes tun, als abdrü­cken? Sie fliegen ja ohnehin nicht weit und ein geziel­ter Schuss sorgt viel­leicht dafür, dass die flug­un­fä­hi­gen Ideen nicht auf den Köpfen arg­lo­ser Pas­san­ten zer­schel­len. Die Bi-Pon­ti­ner Grünen warfen nun nicht bloß Ton­tau­ben, sondern Esel. Selbige sollen künftig „auf Zuruf” den OENV im länd­li­che Raum Zwei­brü­ckens bewerk­stel­li­gen, den Öffent­li­chen Esel Nah­ver­kehr. Die Idee ist wohl aus der Not geboren. Aber nicht der, diese Aufgabe mit handels- und lan­des­ty­pi­schen Autos nicht bewerk­stel­li­gen zu können – und seien es selbst elök­tri­sche. Sondern der Not, das vor­han­dene qua­li­fi­zierte Fach­per­so­nal mit adäqua­ter Arbeit zu ver­sor­gen. Gestern noch Gold von den Schif­fen, heute schon auf­stre­ben­der Klein­un­ter­neh­mer im Zuruf-Trans­port­ge­werbe. Doch was Esel können, können nur Esel, liebe Grüne. Das ist bei Zug­tie­ren wie bei Par­teien.


26.1.2018: Kann mir jemand sagen, wann genau aus „trau­ma­ti­siert”, „vor Krieg und Ver­fol­gung geflo­hen” und „schreck­li­ches durch­ge­macht” plötz­lich „Stress­re­sis­tenz und Durch­hal­te­ver­mö­gen” gewor­den ist? Ich muss eine Phase der Bericht­erstat­tung nicht mit­be­kom­men haben! Eine Leserin ant­wor­tet auf meine rhe­to­ri­sche Frage wie folgt: „Stimmt doch alles, was regt Ihr Euch auf? Ziel­ori­en­tiert gehen sie auf Frauen zu, belast­bar sind sie hin­sicht­lich evtl. Gegen­wehr und team­fä­hig, da meist im Rudel antan­zend.” – Treffer, fürchte ich.


23.1.2018: Vor­sicht, liebe Grüne und Linke, nicht zu früh freuen. Der Über­tritt des AfD-Mit­glieds Wagner zum Islam könnte als Axt in eurem Knie landen. Die Ableh­nung seiner Bewer­bung für den Gemein­de­rat der ev. Kirche aus 2016 mit der Begrün­dung, dessen Partei ver­folge „men­schen­feind­li­che Ziele”, könnte sonst als Bume­rang zurück kommen. Was sagt diese Zuschrei­bung eigent­lich über die Reli­gion aus, der Wagner nun bei­getre­ten ist? Wahre Chris­ten können keine AfDler sein, hört man immer wieder. Ist der Islam also eine bessere Heimat? Wegen seiner Ziele viel­leicht? Was wäre eigent­lich, wenn die AfD geschlos­sen zum Islam über­träte? Müsste sie dann nicht eurer Sym­pa­thie gewiss sein? Ich würde an eurer Stelle nicht länger darüber nach­den­ken – Zir­kel­schlüsse lassen sich nämlich logisch nicht auf­lö­sen.


21.1.2018: Der Count-Down läuft, heute will die SPD beschlie­ßen, ob sie eine eigen­stän­dige Partei bleiben möchte, oder, gegen den Willen von fast 90% der deut­schen Bevöl­ke­rung mit­tel­fris­tig eine Fusion mit der ver­grün­ten Merkel-CDU anstrebt. Wie werden sie sich Genos­sen aus dem „Willy-Abge­brannt-Haus” wohl ent­schei­den?
A)– Der Par­tei­vor­stand schließt die Jusos vom Abstim­mungs­pro­zess aus und ordnet eine sofor­tige Alters­fest­stel­lung an. Alle Voll­jäh­ri­gen Juso-Mit­glie­der werden ver­haf­tet und ins Saar­land abge­scho­ben, wo sie von Heiko Maas in digi­ta­ler Ein­zel­haft gehal­ten werden.
B)– Martin Schulz betritt das Podium, zieht ein japa­ni­sches Waki­za­shi und droht, sich hin­ein­zu­stür­zen, sollte er nicht die erfor­der­li­che Mehr­heit für die GroKo erhal­ten. Das Prä­si­dium beschließt dar­auf­hin ohne Gegen­stimme die eilige Instal­la­tion von Zeit­lu­pen­ka­me­ras, um den his­to­ri­schen Moment aus ver­schie­de­nen Winkeln fest­zu­hal­ten.
C)– Der Par­tei­vor­stand gibt argu­men­ta­tiv alles – Andrea Nahles tanzt und singt „Und diese Biene die ich meine, die heißt Angela“, im Saal werden Sauer­stoff­mas­ken gereicht – im Tausch gegen ein „Ja“ zur GroKo.


19.1.2018: Dieses Land bricht nicht plötz­lich zusam­men, es ero­diert langsam aber stetig vor sich hin. Man muss schon an die neur­al­gi­schen Punkte schauen, um das zu bemer­ken. Dorthin, wo die Abwehr­schlach­ten toben, vor Gerich­ten, bei der Polizei, den frei­wil­li­gen Helfern und dem medi­zi­ni­schen Per­so­nal. Die Men­schen dort melden sich nicht mit Peti­tio­nen, orga­ni­sie­ren keine Pro­test­mär­sche und nageln auch das Grund­ge­setz nicht an die Tür des Kanz­ler­am­tes – diese Men­schen brechen einfach still zusam­men, geben auf und ver­schwin­den. Wenn es vorbei ist, werden es deshalb nicht die Allah­huag­bar-Rufe sein, die uns auf­fal­len werden. Es wird die Stille sein, die sich über alles legt, die Men­schen in ihre Häuser und ihre gated Com­mu­nities treibt. Unsere Poli­ti­ker werden diese Stille für Frieden halten, die eigent­lich eine Fried­hofs­ruhe sein wird. Ret­tungs­sa­ni­tä­ter David R. hat auf­ge­ge­ben und sich in Stille und Exil ver­ab­schie­det. Ich kann’s ihm nicht ver­den­ken.


18.1.2018: In Öster­reich reagiert man tra­di­tio­nell sehr emp­find­lich auf deut­sche Bevor­mun­dung. So wie Kurz bei Maisch­ber­ger behan­delt wurde, hilft ihm das sowohl bei der Bevöl­ke­rung als auch beim Koali­ti­ons­part­ner. Die FPÖ wird sich die­bisch freuen, all das zu ent­kräf­ten, was die Anklä­ger aus der ARD den Zuschau­ern als „Wissen” ver­kau­fen wollte. Kurz hat sich ins Studio gesetzt, ist ruhig geblie­ben, hat sachlich argu­men­tiert und wurde im Gegen­zug mit faulen ver­ba­len Eiern bewor­fen und infan­til belei­digt – ganz zu schwei­gen von den pein­li­chen Nazi­ver­glei­chen, die im Stu­dio­hin­ter­grund ein­ge­blen­det wurden. Wem bei der­ar­tig deut­lich von Ver­ach­tung getra­ge­nen Fragen am Ende die Sym­pa­thien zuflie­gen, sieht man an den Kom­men­ta­ren hier. Kurz hat das wohl ein­kal­ku­liert und perfekt genutzt – Maisch­ber­ger und Trittin wurden als Eiferer ent­larvt, die Auswahl aus­ge­rech­net Trit­tins als Sekun­dant Maisch­ber­gers zeigt außer­dem über­deut­lich, wo das Herz der Macher im ÖR schlägt. Was wird von dieser Sendung hängen bleiben? Ganz einfach, Ent­set­zen darüber, wie man im deut­schen Fern­se­hen mit aus­län­di­schen Staats­len­kern umzu­ge­hen bereit ist, die dem „german way of life” nicht folgen. Danke an Bun­des­kanz­ler Kurz für die Lehr­stunde über ideo­lo­gisch ver­blen­dete deut­sche Mei­nungs­ma­cher, als wenn es da noch eines Bewei­ses bedurft hätte.
Ach, Frau Maisch­ber­ger, da Ihre Sendung voll auf Linie liegt und deshalb wohl auch weiter von unseren Gebüh­ren getra­gen wird, hätte ich eine Bitte: behal­ten Sie diesen her­ab­las­sen­den Ton bitte bei, wenn Sie das nächste Som­mer­inter­view mit der Kanz­le­rin machen.


14.1.2018: Nach Trumps „Shi­t­hole-Gate” steht die selbst­ge­rechte und selbst­be­trü­ge­ri­sche Welt­elite der Medien geschlos­sen auf und pro­tes­tiert. Sowas sagt man nicht, sowas stimmt auch nicht, sowas darf auch nicht sein! Das würde ja bedeu­ten, dass sich Mil­lio­nen Men­schen aus ihren Shi­t­hole-Coun­tries auf den Weg in den Westen machen würden – und wann hätte man jemals von sowas gehört! Doch der unge­ho­belte, undi­plo­ma­ti­sche, unsym­pa­thi­sche Trump schafft, woran seit Jahr­zehn­ten andere Poli­ti­ker schei­tern: er spricht die blanke, nackte, häss­li­che Wahr­heit aus. Er lockt Leute hervor, die sagen, „er hat doch ver­dammt nochmal recht!”. So wie den Nige­ria­ner, Chaz Chiazo Ogbu, der in den Staaten lebt und genau die Worte findet, die hinter dem trump­schen Geplap­per stehen: Macht endlich was! Nigeria first…wenn du ein Nige­ria­ner bist! Und das ist auch gut so! I love this guy!


11.2.2018: Die drei großen Vor­sit­zen­den treten hin vor die Welt und tuen kund und zu wissen, was das Stünd­lein in Deutsch­land, Europa und dem ganzen Rest geschla­gen hat. Bei Minute 23:30 wird’s dann richtig pein­lich. 


8.1.2018: Heute mal was völlig Unpo­li­ti­sches. Hat jemand schon mal solch eine riesige Hirsch­herde gesehen?


immer noch 3.1.2018: Die Zahlen, mit denen Pfeif­fer für seine Studie arbei­tete, sind ja korrekt – nur seine Schluss­fol­ge­run­gen sind billig. Er ließ genau drei Fäden aus seinem Knäul raus­gu­cken: der eine ist die Wahr­schein­lich­keit von Anzei­gen im Fall von Straf­ta­ten – Deut­sche zeigen eben gern Flücht­linge an, während Flücht­linge vor Dank­bar­keit devot erstar­ren. Der zweite ist der feh­lende „female touch” unter den Flücht­lin­gen, was mäßi­gend auf die wirken würde, aber ihre Mütter, Schwes­tern und Frauen seinen ja nunmal (noch) nicht da. Der dritte ist die Per­spek­tiv­lo­sig­keit, die zwangs­läu­fig zur Kri­mi­na­li­tät führe, weil sich die edlen Wilden nicht so gern durch gewis­sen­lose Unter­neh­mer in Schwarz­ar­beit aus­beu­ten lassen wollen. Da kommt man schon mal auf die schiefe Bahn… (Ich frage mich erst­haft, was das für Schwarz­ar­beit sein soll.) Es hat keine 24 Stunden gedau­ert, bis landauf, landab fast alle Medien solange an den Fäden zogen, bis die Wirkung der eigent­li­chen Essenz der Studie ver­pufft war: Wir haben offen­sicht­lich ein nord­afri­ka­ni­sches Kri­mi­na­li­täts­pro­blem. Keine Sau spricht mehr davon. Alle reden nur noch vom Fami­li­en­nach­zug und von den bösen Unter­neh­mern, die Flücht­linge zu Schwarz­ar­beit zwingen wollen. Ach, übri­gens: bei Wilhelm Busch endete die Sache für Max und Moritz dann doch irgend­wann tödlich…


3.1.2017: Die sicherste Art (nach der Ver­wen­dung von Schlüs­sel­wor­ten wie Musel oder Nafri), die Wirk­sam­keit des seit 1. Januar gel­ten­den NetzDG zu testen, ist es zumin­dest bei Twitter, eine bereits gesperrte Person in Stil, Inhalt oder Pro­fil­bild nach­zu­ah­men oder hoch­zu­neh­men – kurz: mit Satire schafft man es. Das weiß nun auch die Titanic-Redak­tion, die im Namen der AfD-Poli­ti­ke­rin twit­terte. Die Lage ist also unüber­sicht­lich. Nun ver­sucht man dort wohl als nächs­tes, einen Frei­fahrt­schein zu erlan­gen, damit dieses ver­se­hent­li­che Sperren nicht noch einmal pas­sie­ren kann. Viel­leicht sollte man im Jus­tiz­mi­nis­te­rium darüber nach­den­ken, einen amt­li­chen Satire-Unbe­denk­lich­keits­pass aus­zu­stel­len, dem natür­lich eine amt­li­che Prüfung vor­aus­ge­hen muss und den nur ver­diente Künst­ler des Volkes erhal­ten können. Nur Inhaber dieses Passes erhal­ten dann unein­ge­schränk­ten Zugriff auf die Rechte, die sich aus Artikel 5GG ergeben.


1.1.2018: Wenn es ein Land in der isla­mi­schen Welt gibt, dessen Men­schen ich „aus dem Stand” den Über­gang zu einer libe­ra­len, demo­kra­tisch ver­fass­ten Gesell­schaft zutrauen würde – sobald man den reli­giös deter­mi­nier­ten, repres­si­ven Staats­ap­pa­rat erst mal abzu­schüt­teln im Stande war – dann ist es der Iran. 2009 hatte sich jedoch gezeigt, dass das Mullah-Regime sich seit 1979 so viele Kost­gän­ger, Pro­fi­teure und Unter­stüt­zer in der Bevöl­ke­rung her­an­ge­zo­gen hatte, dass es die unzu­frie­dene Jugend nicht schaffte, das Ruder her­um­zu­rei­ßen. Die abhän­gi­gen Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ten, die Revo­lu­ti­ons­gar­den, die Armee, der Klerus…sie alle wurden ent­we­der ideo­lo­gisch oder mit Geld gefügig gemacht, nicht wenige haben mitt­ler­weile so viel Dreck am Stecken, dass sie eine Nach-Theo­kra­ti­sche, freie Gesell­schaft nicht zu Unrecht fürch­ten. Halten die Pro­teste jedoch an, könnte im Ver­gleich zu dem, was im Iran gesche­hen wird, der „ara­bi­sche Früh­ling” wie ein laues Lüft­chen erschei­nen. Umso ange­ekel­ter muss man davon sein, wie weite Teile unserer Medien über die Pro­teste berich­ten. Wenn Pre­si­dent Trump erklärt, die Welt sehe genau zu, ver­steht das ZDF dies als „ansta­cheln”. Ober­fläch­lich wie das ZDF nunmal ist, erklärt es die Pro­teste vor­der­grün­dig als der schlech­ten Wirt­schafts­lage geschul­det, obwohl doch jeder weiß, dass es die im Iran herr­schende Theo­kra­tie ist, welche Bestechung, Miss­wirt­schaft und von Unkennt­nis und ideo­lo­gi­scher Ver­bohrt­heit erst möglich macht. Nichts an dem, was Trump hier twit­terte, ver­dient die dümm­li­che Kritik des ZDF! Die Wort­wahl „ansta­cheln” ekelt mich gera­dezu an, zeigt sie doch, auf wessen Seite sich unsere Medien hier schla­gen. Der kind­li­che Reflex, pau­schal gegen alles zu sein, für das Trump steht, kostet uns die Freund­schaft zu den Men­schen, die im Iran nichts lieber täten, als endlich die Mullahs zum Teufel zu jagen!