Fundstücke (Archiv 2018)

31.12.2018: Relo­ti­us mal­te mit brei­tem Pin­sel das, was sei­ne Schöp­fer von ihm erwar­te­ten. Die Far­ben auf sei­ner Palet­te ent­stamm­te jedoch Bun­des­pres­se­kon­fe­ren­zen, Regie­rungs­er­klä­run­gen und Neu­jahrs­an­spra­chen. Und er ist kein Ein­zel­fall. Es kann einem schwin­de­lig wer­den, wenn man Wendts Auf­zäh­lung folgt, zumal mir sofort sämt­li­che Mel­dun­gen, das Behar­ren auf deren Rich­tig­keit und das stil­le und fol­gen­lo­se Ver­puf­fen in den Medi­en wie­der ein­fal­len. Deutsch­lands Medi­en­land­schaft ist eine endlose Relo­ti­usa­de, dabei wäre jede ein­zel­ne dazu geeig­net gewe­sen, eine scham­vol­le Auf­ar­bei­tung in der Grö­ßen­ord­nung aus­zu­lö­sen, wie sie der Spie­gel heu­te an der Backe hat. Das dies nun zum ers­ten Mal geschah, sagt wenig über den Fall Relo­ti­us und viel über die Bran­che aus ver­schwä­ger­ter Pres­se, Poli­tik, NGO-Akti­vis­mus und Kirchen.
Alex­an­der Wendt: „In kei­nem der auf­ge­zähl­ten Fäl­le führ­ten die Erfin­dun­gen, Aus­las­sun­gen, Ver­dre­hun­gen und unbe­wie­se­nen Behaup­tun­gen zu irgend­wel­chen per­so­nel­len Kon­se­quen­zen. Viel­fach folg­te noch nicht ein­mal eine Kor­rek­tur, oder sie wur­de im Klein­ge­druck­ten ver­steckt. Alle auf­ge­zähl­ten Vari­an­ten der Wirk­lich­keits­be­ar­bei­tung ste­hen für die Ver­drän­gung der Beschrei­bung durch das so genann­te Nar­ra­tiv und der Distanz durch das Wich­tig­ma­chen des Erzäh­lers, sie ste­hen also für das Typi­sche und Erwünsch­te und nicht für die Aus­nah­me und den Unfall. War­um soll­te also aus­ge­rech­net an Claas Relo­ti­us ein Exem­pel sta­tu­iert werden?
Es gibt schon Grün­de: Was ande­re Jour­na­lis­ten Relo­ti­us eigent­lich übel­neh­men, ist der Umstand, dass sei­ne Tex­te sich wie eine Par­odie hun­der­ter ande­rer Mode­ra­tio­nen und Meter­wa­ren­tex­te aus dem Reschke-Rest­le-Sto­kow­ski-Wir­kungs­kreis lesen. Der Spie­gel-Mann kon­zen­trier­te die Bei­ze, in der die gesam­te Bran­che schwimmt, nur ein wenig stär­ker als üblich, und wies damit auf die Exis­tenz der Bei­ze über­haupt erst wie­der hin.“
Die Bei­ze, von der hier die Rede ist, bewirk­te – ohne dass ich mir des­sen bewusst war – dass ich vor vier Jah­ren begann, mei­ne Kom­men­ta­re nicht mehr dem Spie­gel und ande­ren anver­trau­te, son­dern selbst zu bün­deln und als Blog zu ver­öf­fent­li­chen. Man muss sich nur die schie­re Anzahl der auf die­sel­be Art und Wei­se ins Leben geru­fe­nen Medi­en anse­hen um zu begrei­fen, was schief läuft in unse­rem Land.


28.12.2018: Das Min­dest­al­ter für das Amt des US-Prä­si­den­ten liegt bei 35 Jah­ren und man kann vor der Weit­sicht derer nur den Hut zie­hen, die dies vor lan­ger Zeit so fest­ge­legt haben. Die­ser Fakt wird die Demo­kra­ti­sche Par­tei davor bewah­ren, nach der kata­stro­pha­len Nomi­nie­rung Hil­la­ry Clin­tons im nächs­ten Wahl­kampf gleich den nächs­ten Feh­ler zu bege­hen und in einem Anflug von „Schulz-Hype“ Alex­an­dria Oca­sio-Cor­tez auf den Schild zu heben. Die wird 2020 näm­lich erst 31 und kommt somit nicht in Fra­ge. Das betrübt die Repu­bli­ka­ner um Trump ver­mut­lich sogar noch mehr als die Demo­kra­ten, denn mit Oca­sio-Cor­tez hät­te man leich­tes Spiel gehabt. Zu dünn sind Oca­sio-Cor­tez Kennt­nis­se der Rea­li­tät, zu dick legt sie in jeder Dis­kus­si­on und jedem Inter­view ideo­lo­gi­sche Schmin­ke auf. Ihre kom­mu­nis­ti­schen Tag­träu­me dar­über, was alles „kos­ten­los“ sein sol­le in Ame­ri­ka und ihre beharr­li­che Wei­ge­rung zu zei­gen, wie das alles bezahlt wer­den soll und von wem, kann sie in Inter­views noch mit einem brei­ten Lächeln über­spie­len. Im Wahl­kampf jedoch wür­de der poli­ti­sche Oppo­nent genüss­lich ihre Ahnungs­lo­sig­keit file­tie­ren und ihre Mar­xis­ti­schen Tag­träu­me zer­pflü­cken. Die Demo­kra­ten sind, genau wie so vie­le ande­re eher lin­ke poli­ti­sche Par­tei­en in der west­li­chen Welt, geschla­gen mit einem ekla­tan­ten Man­gel an „wähl­ba­rem Poli­ti­ker­ma­te­ri­al“, dass nicht per­ma­nent die Peit­sche der Revo­lu­ti­on schwingt wie Madu­ro, dem Oppor­tu­nis­mus zuge­neigt ist wie Zipras, in dem nicht die Büro­kra­tie längst den Men­schen gefres­sen hat wie bei Mar­tin Schulz oder denen der Anti­se­mi­tis­mus nicht aus jeder Pore trieft wie bei Jere­my Cor­byn. Ber­nie San­ders wie­der­um, Oca­sio-Cor­tez poli­ti­scher Zieh­va­ter, ist gera­de­zu das Para­de­bei­spiel für die Ver­bit­te­rung eines lin­ken Ideo­lo­gen, der zeit­le­bens ein frei­heit­li­ches, weit­ge­hend markt­wirt­schaft­li­ches Sys­tem bekämpft hat, dass ihn gleich­zei­tig präch­tig ernähr­te. Viel­leicht ist dies im Grun­de sogar der gemein­sa­me Nen­ner aller radi­ka­len lin­ken Welt­ver­bes­se­rer, Kli­ma­ret­ter (Oca­sio-Cor­tez gehört dazu) und Sei­den­schal-Revo­luz­zer samt den 68ern und den RAF-Ter­ro­ris­ten: infan­til-trot­zi­ge Auf­leh­nung gegen das kapi­ta­lis­ti­sche „Schwei­ne-Sys­tem“, von des­sen emsi­gen, satt-sur­ren­den Betrieb­sam­keit man pro­fi­tiert, ohne dass man zur Ent­ste­hung einen Bei­trag leis­ten konn­te. Dabei will man doch so gern die Welt ret­ten – auch um den Preis, sie vor­her in Gefahr zu brin­gen. Der Arti­kel der SZ schmach­tet Oca­sio-Cor­tez auf pein­li­che Wei­se gera­de­zu an, auch wenn eini­ge ihrer bekann­tes­ten öffent­lich bekann­ten Dumm­hei­ten kurz zur Spra­che kom­men. Wenn die Zukunft der Demo­kra­ti­schen Par­tei jedoch tat­säch­lich in den Hän­den von Oca­sio-Cor­tez lie­gen soll­te, sehe ich schwarz für die Par­tei Jef­fer­sons, Roo­se­velts und Kennedys.


23.12.2018: Wie ver­nich­tend der Wir­kungs­tref­fer „Spie­gel-Affä­re“ für den lini­en­stram­men Jour­na­lis­mus in Deutsch­land ist, erkennt man erst bei Betrach­tung der Last-Minu­te-Kriegs­er­klä­run­gen an das „Sys­tem“. Jörg Tha­de­usz könn­te man das „Ägyp­ten unter den Sie­gern“ bezeich­nen. Denn wäh­rend er noch im Wahl­kampf als media­les Zäpf­chen und unter­wür­fi­ger Stich­wort­ge­ber für die von ihm so bewun­der­te Ange­la M. unter­wegs war, bekun­det er nun bereit­wil­lig sein Unbe­ha­gen über sei­nen welt­bild­be­stä­ti­gen­den Kol­le­gen Relo­ti­us. Er konn­te ihn nie lei­den, steht zwi­schen den Zei­len. Denn Relo­ti­us hiel­te ihn für „zwang­haft über­mü­tig“, was wohl bedeu­ten soll, Tha­de­usz sei eigent­lich ein Rebell, den das Sys­tem Relo­ti­us unter­drück­te. Ägyp­ten erklär­te Japan und dem Deut­schen Reich am 24. Febru­ar 1945 den Krieg, um sich bei den Alli­ier­ten lieb Kind für Gebiets­an­sprü­che im Sudan zu machen. Die Bri­ten mach­ten dem König näm­lich klar, dass nur die Geg­ner Nazi­deutsch­lands in der neu­en Welt­ord­nung ein Wört­chen mit­zu­re­den hät­ten. Der frü­he­re – aber nach eige­ner Wahr­neh­mung unfrei­wil­li­ge – Welt­bild­be­stä­ti­ger Tha­de­usz hat mit sei­nem gra­tis­mu­ti­gen Text sogar bis Ende Dezem­ber gewar­tet und kann nur hof­fen, dass es den­noch für die eine oder ande­re Apa­na­ge in der Nach­re­lo­ti­us­ord­nung rei­chen wird. Ein Spät­be­kehr­ter ver­sucht, sich über das Sys­tem zu erhe­ben, dem er selbst nur zu bereit­wil­lig dien­te. Was für ein Affentheater!


immer noch 22.12.2018: Wie ham­mer­blöd muss man eigent­lich sein, dem Dieb, der die Hand in den Taschen aller Bür­ger hat und der noch dazu Kre­di­te auf die Köp­fe aller Bür­ger häuft, frei­wil­lig Geld hin­ter­her­zu­wer­fen, um die Kre­di­te abbe­zah­len zu kön­nen? Um es kurz zu machen: es gibt in Deutsch­land zumin­dest so vie­le Dep­pen, dass sie in die­sem Jahr ins­ge­samt 600.000 Euro auf das soge­nann­te „Schul­den­til­gungs­kon­to“ des Bun­des über­wie­sen haben. Wohl­ge­merkt: ohne Spen­den­quit­tung. Ablass­brie­fe für Kli­ma­wandel oder Fein­staub­ver­bre­chen wer­den auch nicht aus­ge­stellt. Es ist Ein­fach­so­geld. Geld, dass man „ein­fach so“ zahlt, so wie die Oma ihrem Enkel einen Zeh­ner in die Hand drückt, wenn er ein Weih­nachts­lied geträl­lert hat. Es ist, als säße man im Koch­kes­sel in Kan­ni­ba­listan und blie­se kräf­tig in die Flam­men, damit das Feu­er nicht aus­geht. Ach, übri­gens, der Deutsch­land­funk sag­te in den Nach­rich­ten auch, war­um die Sum­me nur so klein sein: der Staat bewer­be die­se Mög­lich­keit nicht. Was ich aller­dings sehr scha­de fin­de, weil sich erst dann die per­fek­te Ver­ar­schungs­ket­te erge­ben wür­de. Der vom Bür­ger finan­ziert Staat macht im Namen des Bür­gers Schul­den, die der Bür­ger beglei­chen soll und wirbt mit wei­te­ren Gel­dern des Bür­gers für die Mög­lich­keit, wie der Bür­ger frei­wil­lig und gene­rös Son­der­til­gun­gen für die­se Schul­den zah­len kann. Gran­di­os, die­se Deut­schen! Gran­di­os verpeilt!


22.12.2018: Wer das Buch von Alex Feuer­herdt „Ver­ein­te Natio­nen gegen Isra­el“ noch nicht gele­sen hat, viel­leicht, weil es erst unter dem Weih­nachts­baum lie­gen wird, für den habe ich hier schon mal eine klei­ne Ein­füh­rung und Zusam­men­fas­sung vom Autor. Es ist ein Mit­schnitt eines Vor­tra­ges, den er Anfang Dezem­ber in Mün­chen im Rah­men einer Vor­trags­rei­se zum Buch gehal­ten hat. Kei­ne Sor­ge, kein Spoi­ler-Alarm! Es ist viel­mehr eine dich­te, auf weni­ge Fäl­le beschränk­te Dar­le­gung, wie die zahl­rei­chen Ver­ur­tei­lun­gen Isra­els durch alle nur denk­ba­ren UN-Gre­mi­en zustan­de kom­men. Das Buch ist viel kom­ple­xer. Die Ton­qua­li­tät ist lei­der nicht sehr gut und es feh­len am Beginn ein paar Minu­ten, aber das macht nichts. Der Vor­trag und sein Gegen­stand sind es wert, dass man ihm eine Stun­de widmet.


19.12.2018: Da darf man ruhig mal klat­schen! Groß­ka­li­bri­ge Fake-Gra­na­ten aus dem Sturm­ge­schütz der Demokratie…rührige Arti­kel – die von vorn bis hin­ten erstun­ken und erlo­gen waren – über Flucht, Krieg und Migra­ti­on kamen auch aus der Edel­fe­der von Claas Relo­ti­us, mit der er sich durch die Ver­la­ge der hal­ben Repu­blik gekle­ckert hat. Man hat das alles geglaubt, weil man es glau­ben woll­te! Relo­ti­us hat offen­bar mühe­los an der Erwar­tung sei­ner Vor­ge­setz­ten ent­lang phan­ta­siert. Wie man sieht, reicht eine rege Phan­ta­sie, um in die­sem Land die fet­tes­ten Ehrun­gen als Jour­na­list zu erlan­gen. Irre!


17.12.2018: War­um Kli­ma­ret­ter vom Mars kom­men oder dort hin wollen.
Wie weit ist die Mensch­heit auf den Hund gekom­men, wenn man sich die täg­li­che Por­ti­on Opti­mis­mus von einem 95-jäh­ri­gen Wis­sen­schaft­ler holen muss! Auf die Fra­ge, ob er opti­mis­tisch in die nächs­ten 100 Jah­re der Mensch­heit bli­cke, ant­wor­tet Free­man Dys­on: „Ich bin in den 30er Jah­ren auf­ge­wach­sen und alles war so viel schlech­ter damals. Das ist der Haupt­grund für mei­nen Opti­mis­mus. … Es ist also eine Fra­ge, wo man mit dem Ver­gleich star­tet.“ Hier noch eine Per­le aus dem Inter­view mit Stuart McNish ––

McNish: „Ich habe Al Gores Film „Eine unbe­que­me Wahr­heit“ gese­hen und dort sagt er, wenn man Was­ser­dampf mal bei­sei­telässt, ist CO2 für 30% des Treib­haus­ef­fekts verantwortlich.“
Dys­on: „Das stimmt“
McNish: „Aber […] der Ein­fluss von Was­ser­dampf beträgt 90%!“
Dys­on: „Ja“
McNish: „Aber wenn der so hoch ist, wie kann man ihn dann beiseitelassen?“
Dys­on: „Kann man nicht [lacht]. Das wür­de nur pas­sen, wenn man vom Mars spräche.“
McNish: „Weil es dort kei­nen Was­ser­dampf gibt?“
Dys­on: „Genau!“
Sol­che Poin­ten wer­den für Inter­views mit Kli­ma-Wis­sen­schaft­lern schon seit 20 Jah­ren nicht mehr her­ge­stellt! Ein sehens­wer­tes Inter­view mit einem der renom­mier­tes­ten Phy­si­ker der USA über Grö­ße und Wirk­me­cha­nis­men von anthro­po­ge­nem CO2 und den Effekt, den es mit 30% der rest­li­chen 10% der kli­mare­le­van­ten Mecha­nis­men hat. (Und dort nicht mal line­ar! Amn. d. V.)
YouTube

Mit dem Laden des Vide­os akzep­tie­ren Sie die Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.
Mehr erfah­ren

Video laden


 

15.12.2018: Distanz. Da ist es, was zwi­schen einem glaub­wür­di­gen Jour­na­lis­ten und dem Gegen­stand sei­ner Recher­che lie­gen muss. Lei­der geht zwi­schen jene und den Objek­ten der meis­ten ihrer Recher­chen, den Poli­ti­kern, kaum ein Blatt Papier, wes­halb die einen kri­tik- und ahnungs­los vom „Netz als Spei­cher“ schwa­feln, wäh­rend die ande­ren – so auch Ste­fan Aust – detail­liert über die Fall­stri­cke des Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on berich­ten. Aust ist jemand, an dem man sich wegen Details und Fak­ten rei­ben kann, ohne des­halb gleich in ideo­lo­gi­sche Gra­ben­kämp­fe abzu­glei­ten, wie es mit neun von zehn sei­ner Berufs­kol­le­gen der­zeit der Fall ist. Er gehört zu den weni­gen Stan­des­kol­le­gen, denen man heu­te noch guten Gewis­sens den Hanns-Joa­chim-Fried­rich-Preis ver­lei­hen könn­te, der da ver­langt: „Distanz hal­ten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffent­li­che Betrof­fen­heit ver­sin­ken, im Umgang mit Kata­stro­phen cool blei­ben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschau­er dir ver­trau­en, dich zu einem Fami­li­en­mit­glied machen, dich jeden Abend ein­schal­ten und dir zuhö­ren.“ – ein sehens­wer­tes Inter­view mit einem Jour­na­lis­ten, mit dem ich zwar nicht immer über­ein­stim­me, der aber nie den Ein­druck ver­mit­telt, als wis­se er alles prin­zi­pi­ell bes­ser, als sei­ne Leser. Sein Raus­schmiss beim Spie­gel hat­te bin­nen weni­ger Mona­te die Kün­di­gung mei­nes Abos zur Fol­ge. Dabei wuss­te ich damals noch nicht ein­mal, war­um ich die Kon­for­mis­ten-Soße nicht mehr ertra­gen konn­te. Heu­te und im Rück­blick schon.

YouTube

Mit dem Laden des Vide­os akzep­tie­ren Sie die Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.
Mehr erfah­ren

Video laden


3.12.2018: Erwärmt sie sich, oder erwärmt sie sich nicht, die Erde – und wenn ja, wen kann man dafür ver­ant­wort­lich machen? Alle Jah­re wie­der, zeit­lich cle­ver in Weih­nachts­nä­he und damit in die Wirk­zeit von flie­gen­den Ren­tie­ren und ande­ren Fabel­we­sen gelegt, trifft sich ein Tri­bu­nal von Voll­kli­ma­to­lo­gen (nicht zu ver­wech­seln mit Voll­ju­ris­ten), um zu Gericht zu sit­zen und ein Urteil zu spre­chen, dass längst in Stein gemei­ßelt scheint: CO2 ist ein Schur­ke, der die Welt ver­gif­tet, das Kli­ma auf Hoch­ofen dreht und den Mee­res­spie­gel in alpi­ne Täler schiebt – ganz zu schwei­gen von den Men­schen, die es in Afri­ka aus ihren Hüt­ten und nach Euro­pa treibt. Es ist wie­der COP-Zeit in der Welt der nicht­re­gie­rend Orga­ni­sier­ten und der nicht­or­ga­ni­siert Regie­ren­den wie alle Jah­re wie­der. Dies­mal ist man für die COP24 zu zehn­tau­sen­den und mit­tels gro­ßer Men­gen Flug­ben­zin über Kato­wice in Polen her­ge­fal­len. Die Vor­wür­fe, die seit Jah­ren in schö­ner Regel­mä­ßig­keit wie­der­ho­len, sind lei­der fast durch­weg Quatsch. Der Mee­res­spie­gel steigt kaum mess­bar und seit dem Ende der Eis­zeit recht kon­stant. Nur hat der Mensch in sei­ner Kurz­sich­tig­keit (der Blick reicht ja kaum noch wei­ter als bis auf das Smart­pho­ne in der Hand) mitt­ler­wei­le ein Fai­ble für Was­ser­grund­stü­cke ent­wi­ckelt. Der Bei­pack­zet­tel zur Erde, in dem deren opti­ma­le Betriebs­tem­pe­ra­tur nach­zu­le­sen wäre, wur­de lei­der noch immer nicht gefun­den und die Men­schen Afri­kas machen sich in Wahr­heit nicht wegen des Kli­ma­wan­dels, son­dern auf­grund von Über­be­völ­ke­rung, man­geln­der Per­spek­ti­ven in der Hei­mat und ihren beschei­den gewach­se­nen Mög­lich­kei­ten auf den Weg in gelob­te­re Län­der. Bleibt nur noch das böse CO2, dem man des­halb alle Schuld in die Schu­he schiebt. Ich tre­te hier an, um die Ver­tei­di­gung die­ses Mole­küls zu über­neh­men. Das Plä­doy­er habe ich bereits anläss­lich der COP23 in Bonn 2017 gehal­ten, aller­dings hat sich weder an der dar­ge­leg­ten Phy­sik, noch am reli­giö­sen Eifer des Tri­bu­nals etwas geän­dert. Hoh­les Gericht, ich ver­lan­ge das Wort! 


25.11.2018: Es war ein Ver­säum­nis des Bun­des­ta­ges, der Emp­feh­lung des wis­sen­schaft­li­chen Diens­tes nicht zu fol­gen, wel­che vor­sah, die­je­ni­gen aus­zu­bür­gern, die sich dem IS anschlie­ßen. Die Ent­schei­dung war eine recht­li­che, kei­ne logi­sche. Es ist recht­lich schlicht nicht mög­lich, einen Bür­ger staa­ten­los zu machen und der IS war eben nie ein aner­kann­ter Staat, in des­sen Staats­bür­ger­schaft man gera­ten kann. Nun haben wir den erwart­ba­ren Salat, weil nicht nur des­il­lu­sio­nier­te IS-Kämp­fer und Schlä­fer klamm­heim­lich und ein­zeln zurück­keh­ren, die wir an unse­ren offe­nen Gren­zen ohne­hin nicht erwi­schen, son­dern auch die in Syri­en in Gefan­gen­schaft gera­te­nen auf ihre Rech­te als deut­sche Staats­bür­ger pochen. Was also tun mit den Ter­ror­bräu­ten, die sich auch heu­te noch, da ihre isla­mis­ti­sche Bla­se geplatzt ist, in der sie ihren Kin­dern „ein bes­se­res Leben“ bie­ten woll­ten, kei­ner Schuld bewusst sind? Für die Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung kann man sie ohne kon­kre­te Mit­schuld kaum für mehr als ein paar Jah­re ver­kna­cken. Pro­zes­se, die indi­vi­du­el­le Schuld bele­gen, sind lang­wie­rig und es man­gelt ihnen an ver­läss­li­cher Beweis­si­che­rung, die in Syri­en und dem Irak kaum mög­lich ist. Wor­auf ich hin­aus will? Ich gebe zu Beden­ken, dass eine ver­gleich­ba­re Situa­ti­on die USA dazu bewog, Camp Igua­na und Camp Del­ta auf Guan­ta­na­mo ein­zu­rich­ten. Nicht, dass wir ähn­li­ches tun soll­ten. Dazu fehlt es uns an allem, nicht nur einer exter­ri­to­ria­len Ein­rich­tung, wo unser Rechts­sys­tem nicht hin­reicht. Auch unse­re Poli­tik ist nicht dafür bekannt, poten­zi­el­le Gefah­ren durch „Con­tain­ment“ ein­däm­men zu kön­nen. Aber es gibt uns eine gute Mög­lich­keit zu ver­ste­hen, was einen Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten dazu bewog, Guan­ta­na­mo ein­zu­rich­ten und es sei­nen zwei Amts­nach­fol­gern (Oba­ma, Trump) trotz inter­na­tio­na­ler Pro­tes­te unmög­lich macht, es zu schließen.


16.11.2018: Gip­fel­tref­fen EU-Süd­afri­ka in Brüssel.
Der Juncker Clau­de, der ist kein Wicht,
die schlech­te Lau­ne kennt er nicht.
In Köln ist fünf­te Jahreszeit,
und Brüs­sel ist ja auch nicht weit.
Dort staunt der Gast aus Afrika,
was er als EU-Brauch­tum sah.
Der Spar­zwang das Bud­get bedrückt,
wes­halb Jean-Clau­de sich sel­ber bückt.
Welch Schuh‘ er nicht ent­schei­den kann,
und zieht des­halb verschied’ne an.


7.11.2018: 11 Fäus­te für ein Hal­le­lu­ja, dach­te man sich bei SPON ges­tern Abend noch und ließ sei­ner Trump-Ver­ach­tung mal ordent­lich — also mehr als sonst — die Zügel schie­ßen. Elf Arti­kel! In der Rei­hen­fol­ge wie unten abge­bil­det. Wer ges­tern mit die­sem Wis­sens­stand zu Bett ging, staun­te nicht schlecht, als Trump heu­te mor­gen noch nicht zurück­ge­tre­ten und nicht vom tar­pe­ji­schen Fel­sen gesto­ßen war. Senat gewon­nen, Reprä­sen­tan­ten­haus knapp ver­lo­ren — aber eine ech­te demo­kra­ti­sche Mehr­heit sehe dort auch anders aus. Ver­gli­chen mit ande­ren Mid­term-Wah­len sehen die Ver­lus­te von Trump (26 Sit­ze) gera­de­zu lächer­lich aus. Oba­ma ver­lor übri­gens 63 Sit­ze bei sei­nem Halb­zeit-Amar­ged­don, Clin­ton fast eben­so vie­le (52). Zwei Mel­dun­gen des Tages las­sen die „pro­gres­si­ve Lin­ke“, die vor allem nach jedem „first of…“ lechzt, froh­lo­cken. Alex­an­dria Oca­sio-Cor­tez (jüngs­te Frau ever und Migran­tin: Dop­pel­punkt) und Ilhan Omar (Mus­li­ma, Kopf­tuch, Frau, Migra­tin, Anti­se­mi­tin: Fünf­fach­punkt!). Ich ver­mu­te, bei so viel Mino­rit­äs­credi­bi­li­ty wird Frau Omar die hei­ßes­te Kan­di­da­tin für die Präsidentschaft…kommt aber dum­mer­wei­se aus Soma­lia und darf somit nicht die dem­nächst vakan­te Stel­le des US-Prä­si­den­ten über­neh­men. Aber viel­leicht unter­zeich­nen die USA ja doch noch den GCM, dann kann sie wegen Dis­kri­mi­nie­rung kla­gen und das Gesetz ändern. Ach ja…was ich eigent­lich sagen woll­te: über den GCM, der unser Land im Moment bren­nen­der inter­es­siert, war ges­tern kein Arti­kel zu fin­den auf SPON.


6.11.2018: Pro­to­koll eines Flu­ches – Exzerpt eines (+)Welt-Arti­kels von Robin Alex­an­der, Mar­cel Leu­be­cher, Tho­mas Vitzthum

Ber­lin, Frak­ti­ons­sit­zung der Uni­on: Rode­rich Kie­se­wet­ter (CDU) will mit dem GCM ille­ga­le Migra­ti­on zurück­drän­gen und in lega­le ver­wan­deln und die Her­kunfts­län­der zur Rück­nah­me ver­pflich­ten (der Ille­ga­len Migran­ten bevor sie Lega­le wer­den?), betont aber, der Pakt ver­pflich­te zu nichts. Übri­gens auch die Her­kunfts­län­der nicht. Und die Migran­ten schon mal gar nicht. Micha­el Frie­ser (CSU) fragt, war­um man einen Pakt, der nichts bin­dend sei, über­haupt unter­zeich­nen müs­se, Ste­phan Har­b­arth (CDU) erklärt, der GCM sei im deut­schen Inter­es­se, weil Deutsch­land Haupt­zi­el­land von Migra­ti­on sei und weil wir Gesund­heits­ver­sor­gung, Sozi­al­leis­tun­gen und Bil­dung gewäh­ren, was durch den Pakt auch ande­re Län­der dazu bräch­te, sol­che Wohl­ta­ten anzu­bie­ten (nicht rechts­ver­bind­lich, ver­steht sich, ich wie­der­ho­le mich). Har­b­arth möch­te mit dem Pakt den Migra­ti­ons­druck von Deutsch­land neh­men. (lang­an­hal­ten­der, fre­ne­ti­scher Bei­fall in der Frak­ti­on). Vol­ker Ull­rich (CSU) träumt von der „glo­ba­len Ord­nung“ und Phil­ipp Amt­hor (CDU) ist schon auf dem Pau­sen­hof und möch­te nicht mit der AfD „Stöck­chen­sprin­gen“ spie­len. Alex­an­der Dob­rindt (CSU) mene­te­kelt TTIP an die Wand, möch­te sich aber „inter­na­tio­nal über Flucht und Migra­ti­on unter­hal­ten“, ver­ken­nend, wie unter­hal­tend das Land die­se Dis­kus­si­on schon seit min­des­tens drei Jah­ren fin­det. Sil­ke Lau­nert (CSU) for­dert schließ­lich eine gehei­me, inhalt­li­che Abstim­mung über den Pakt und ver­lässt den Saal, als sie die nicht bekommt. Ein „emo­tio­na­ler Aus­fall“ bestä­ti­gen Augen­zeu­gen, ein Flucht­grund, wür­den UN-Exper­ten inter­pre­tie­ren, ein Migra­ti­ons­grund, wür­de wohl Gau­land sagen. Lau­nerts wüten­der Schluss­atz, der fast schon einem alt­ägyp­ti­schen Fluch glich, lau­te­te übri­gens „Wun­dert euch nicht, wenn hier in drei Jah­ren nur noch 100 Leu­te drin sit­zen!“ Im Moment sind es ja noch 246. Es ist noch Luft nach unten. Protokollende …—…


4.11.2018: Sieb­zehn Punk­te sind es, die Öster­reich am Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on ablehnt, wes­halb man ihn nicht unter­zeich­nen möch­te. Ein jeder, der bis­her glaub­te, so schlimm kön­ne es doch gar nicht wer­den mit einem recht­lich unver­bind­li­chen Stück Papier, der gehe mal Punkt für Punkt die Lis­te durch und prü­fe, wel­che Punk­te einem selbst Bauch­schmer­zen machen wür­den. Die „Unver­bind­lich­keit“ ist übri­gens ein Tro­ja­ni­sches Pferd, denn wenn man den Inhalt des Pak­tes so vehe­ment ver­tei­digt, weil er so vie­le Chan­cen ent­hal­te und weil ohne­hin nur die fie­sen Typen von der AfD gegen sol­che guten Sachen sein können…warum soll­te man ihn dann nicht Punkt für Punkt in euro­päi­sches oder deut­sches Recht umset­zen? Ach­ten Sie mal drauf: Unse­rer Regie­rung ver­tei­digt den Pakt in Toto, wäh­rend die Staa­ten, die den GCM ableh­nen, die Wun­der­tü­te öff­nen und Punkt für Punkt auf Taug­lich­keit, Kos­ten und Fal­len prü­fen. Ein sol­ches Vor­ge­hen gibt es in Deutsch­land nicht — und wenn, dann nur von „Denen“, die ohne­hin nach Schwe­fel rie­chen. In kei­nem Punkt aktu­el­ler Poli­tik ist die pau­scha­le Ver­wei­ge­rung einer ehr­li­chen Debat­te stär­ker aus­ge­prägt, als in der Cau­sa GCM. Merk­wür­dig, oder? Dabei ist doch alles so schön unverbindlich! 
Zum Schluss ein klei­nes Gedan­ken­ex­pe­ri­ment: Stel­len Sie sich vor, sie sit­zen mit ihrem/ihrer zukünf­ti­gen Lebenspartner(in) beim Anwalt, um einen Ehe­ver­trag zu unter­zeich­nen. Sie haben Bauch­schmer­zen bei dem einen oder ande­ren Punkt und fra­gen sich, ob sie das wirk­lich wol­len. Der Anwalt beru­higt sie, das sei doch alles nicht ver­bind­lich und kön­ne ja eigent­lich gar nicht ein­tre­ten. Und über­haupt, sie könn­ten sich ja auch jeder­zeit wie­der schei­den las­sen! Wür­den Sie unterschreiben?

17.10.2018: Eine hal­be Stun­de lang habe ich mich ges­tern auf eine tele­fo­ni­sche FOR­SA-Umfra­ge ein­ge­las­sen. Nichts als sug­ges­ti­ve Fra­gen zum The­ma Wind­ener­gie­ak­zep­tanz, Solar­vol­ta­ik, För­der­mit­tel und bösen Koh­le­strom. So gut wie jede Fra­ge beant­wor­te­te ich nicht mit den ange­bo­te­nen Ant­wor­ten, son­dern for­mu­lier­te neue oder sag­te, dass sich die­se Fra­ge auf­grund mei­ner letz­ten Ant­wort über­haupt nicht stel­le usw. Bei wie­der ande­ren ver­wei­ger­te ich glatt die Aus­kunft. Es war im Grun­de eine hal­be Stun­de blog­gen am Tele­fon zum The­ma Ener­gie­wen­de. Da mei­ne Vor­trä­ge aber nicht zu den vor­ge­fer­tig­ten Ant­wor­ten pas­sen woll­ten, hat die FOR­SA-Tan­te sicher­lich irgend­was ein­ge­tra­gen, was die Qua­li­tät der Umfra­ge sicher nicht hebt. Wer die Umfra­ge in Auf­trag gege­ben hat, konn­te und woll­te man mir nicht mit­tei­len, auf­grund der sug­ges­ti­ven Fra­gen kommt aber nur ein Minis­te­ri­um in Fra­ge, dass sich mit groß­zü­gi­ge­ren Sub­ven­tio­nen die Akzep­tanz der Wind- und Solar­in­dus­trie auch wei­ter­hin erkau­fen möch­te. Die Poli­tik stützt ihr Han­deln auf genau sol­che frag­wür­di­gen Umfra­gen und glaubt, damit dem Volk nach dem Mun­de zu reden. Die Fra­gen sind jedoch so for­mu­liert und die mög­li­chen Ant­wor­ten so begrenzt, dass das Ergeb­nis von vorn her­ein fest­steht: Dem Volk wird der Mund verbogen!


14.10.2018: Muti­ger als in einen Marsch von 150.000 mit­zu­lau­fen ist es, sich mit einer Hand­voll und aus Prin­zip jedem Gleich­schritt zu verweigern.


8.10.2018: Wenn Bediens­te­te sich tref­fen, reden sie über ihre Herr­schaft, wenn Autoren sich tref­fen, reden sie über ihre Ver­le­ger, so Hein­rich Hei­ne. Wenn Autoren der Ach­se sich tref­fen und Freun­de, Unter­stüt­zer dazu kom­men und sogar der Bot­schaf­ter der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka vor­bei­schaut, reden sie über die Frei­heit und deren Fein­de. Ich kann gar nicht genug beto­nen, wie wich­tig uns allen die­ses beson­de­re Jah­res­tref­fen ist. Wie sehr es belebt, mit so vie­len unter­schied­li­chen Autoren zu spre­chen, die aus so unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven auf die Pro­ble­me in unse­rem Land bli­cken. Bei uns reden Liber­tä­re mit Kom­mu­nis­ten, Libe­ra­le mit Sozi­al­de­mo­kra­ten und Athe­is­ten mit erz­kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken, weil sie alle eines eint: Das Ziel, gegen die poli­ti­sche und mora­li­sche Bewusst­lo­sig­keit anzu­schrei­ben, die wie ein zäher Teig über dem gan­zen Land liegt. Die Ach­se ist gewis­ser­ma­ßen das Riech­salz der Repu­blik und selbst in den Redak­ti­ons­kon­fe­ren­zen, den Amts­stu­ben und Vor­stands­eta­gen hält man immer wie­der die Nase über unse­re Arti­kel. Wir wis­sen das zu schät­zen und laden die Kol­le­gen in den Medi­en ein, end­lich tief Luft zu holen. Der Moment des Auf­wa­chens (mit bösen Kopf­schmer­zen) kann schnell kommen.
Bei unse­ren Jah­res­tref­fen reden wir über unse­re Recher­chen, fin­den Anknüp­fungs­punk­te und ent­de­cken über­se­he­ne Zusam­men­hän­ge, wer­fen einen Blick hin­ter Vor­hän­ge, die sich nur Insi­dern öff­nen, wir strei­ten, wir lachen, wir seuf­zen, wir weinen…einerseits aus Freu­de, wenigs­tens ein­mal im Jahr einen so vor Intel­lekt gera­de­zu damp­fen­den Hau­fen klu­ger Leu­te bei­sam­men zu sehen (Joa­chim Niko­laus Stein­hö­fel weiß, wovon ich rede. Mir geht es eben­so.). Ande­rer­seits vor Trau­rig­keit, weil man es auch in die­sem Jahr nicht schaff­te, all die Gesprä­che zu füh­ren, die man seit Wochen mit den Wor­ten „Dar­über reden wir in Ber­lin…“ ver­spro­chen hat­te. Da die Anzahl der „Lager“, in denen sie die Ach­se des Guten dreht, von Jahr zu Jahr grö­ßer und inter­es­san­ter wird, ist es aber auch gera­de­zu unmög­lich, all das an einem Tag zu schaf­fen. Man kann ja noch nicht in ZIP-Datei­en spre­chen. Mein wich­tigs­tes Fazit des Abends lau­tet des­halb wie folgt: wir wer­den uns noch stär­ker ver­net­zen, beson­ders ana­log! Es gibt ja heu­te schon zahl­rei­che Pro­jek­te, an denen wir in losen Grup­pen gemein­sam arbei­ten. Man wird also in Zukunft noch mehr von der Ach­se und deren Autoren hören und lesen, was für man­chen wie eine Dro­hung klin­gen mag, aber nichts ande­res als ein Ver­spre­chen ist. Das Ver­spre­chen, auch wei­ter­hin Pro­to­kol­lan­ten der poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Tal­fahrt Deutsch­lands zu sein und eben­so scho­nungs­los über die Cheer­lea­der der Regie­rungs­po­li­tik zu berich­ten, die in den Leit­me­di­en gute Stim­mung zum schlech­ten Wet­ter machen, als gäbe es kei­nen Sturm und kei­nen Hagel. Wir wer­den noch mehr schrei­ben, noch tie­fer gra­ben, noch bes­ser recher­chie­ren, noch unbe­que­mer sein. Und die TAZ wird nicht das letz­te Medi­um sein, das wir in der Reich­wei­te überflügeln.

Wehe, wenn sie losgelassen
Wach­send ohne Widerstand
Durch die volk­be­leb­ten Gassen
Wälzt den unge­heu­ren Brand!
(Fried­rich Schiller)

US-Bot­schaf­ter Richard Grenell beim Jah­res­tref­fen der Ach­se des Guten

 


5.10.2018: Mein klei­ner Essay über den „Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on“ endet mit zwei Auf­ru­fen. Ers­tens, mir zu miss­trau­en und sich anhand der frei ver­füg­ba­ren Doku­men­te selbst ein Bild zu machen und zwei­tens, ins­be­son­de­re den Bun­des­tags-Abge­ord­ne­ten mit Direkt­man­dat im jewei­li­gen Wahl­kreis Dampf zu machen, weil vor allem die­se eine direk­te Ver­an­ke­rung beim Wäh­ler haben und zumin­dest theo­re­tisch so etwas wie das Mur­ren der Scha­fe im hei­mat­li­chen Stall spü­ren wür­den. Erfreu­li­cher­wei­se wollen dies eini­ge Leser auch umset­zen. Heu­te erhielt ich die Mail eines Lesers, der sich zunächst dar­an mach­te, „sei­nen“ Abge­ord­ne­ten in Erfah­rung zu brin­gen und kon­ster­niert fest­stell­te, dass es sich dabei aus­ge­rech­net um den SPD-Gene­ral Lars Kling­beil han­delt. Das ist in der Tat ein dickes Brett, stell­te ich fest. Das ist aber kein Grund, es unver­sucht zu las­sen, auch einen Lars Kling­beil vom Irr­sinn des GCM zu unter­rich­ten und ihn auf­zu­for­dern, das The­ma zwecks Ableh­nung auf die Agen­da des Bun­des­ta­ges zu brin­gen. Ein ande­rer Aspekt jedoch scheint mir fast eben­so wich­tig zu sein. Denn der Leser kennt nun end­lich den Namen und die Kon­takt­da­ten sei­nes „Volks­ver­tre­ters“ und wer sagt, dass man sei­nen Abge­ord­ne­ten nicht auch wegen ande­rer pres­sie­ren­der Pro­ble­me kon­tak­tie­ren und von der Stim­mung an der Basis unter­rich­ten darf? 


2.10.2018: Für mei­nen Weg zur Arbeit muss ich durch einen klei­nen Ort fah­ren, des­sen Orts­durch­fahrt der­zeit durch eine Bau­stel­le gesperrt ist, was einen erheb­li­chen Umweg bedeu­tet. Es gibt jedoch einen befes­tig­ten Feld­weg, den man mit klei­nen Fahr­zeu­gen und im Schritt­tem­po und nicht mehr als 200 Meter zurück­le­gen kann, ohne dass Anwoh­ner dabei gestört wür­den, es gibt dort näm­lich kei­ne. Allein, es ist nicht gestat­tet – sagt ein Schild. „Durch­fahrt ver­bo­ten! Land- und Forst­wirt­schaft frei“. Wer aller­dings orts­kun­dig ist, und das sind nicht vie­le, der nickt, sagt zum Schild „du hast natür­lich Recht“ und zuckelt lang­sam und vor­sich­tig die 200 Meter auf der Rüben­au­to­bahn. Bis ges­tern. Seit­dem blo­ckiert ein alter, schwe­rer Prit­schen­wa­gen quer den schma­len Feld­weg. Kein Durch­kom­men mehr. 200 Meter Rück­wärts­gang. Da wur­de mir klar, Deutsch­land ist mora­lisch immer noch kern­ge­sund! Wenn es um die Durch­set­zung eines Prin­zips oder Rechts geht, kennt der Deut­sche kei­nen Schmerz! Und der Bau­er auch nicht! Lie­ber walzt er mit dem Tre­cker einen hal­ben Hekt­ar Rüben platt, um eine Feld­weg-Grenz­an­la­ge zu appli­zie­ren, als dass er einem fre­chen Auto­fah­rer eine Abkür­zung gönnt! Wo kom­men wir denn da hin! Der Deut­sche hat offen­sicht­lich Kants kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv wie­der­ent­deckt, denn das Ver­hal­ten reni­ten­ter Auto­fah­rer taugt selbst­re­dend nicht dazu, all­ge­mei­ne Gesetz­ge­bung zu wer­den! Da muss gehan­delt wer­den, da ent­wi­ckelt man Eigen­in­itia­ti­ve, da bil­det der Wäch­ter der Kru­me eine Bür­ger­wehr und sperrt den Forst­wirt, dem auf dem Schild ja eben­falls gewis­se Rech­te attes­tiert wer­den, gleich mit aus. Opfer müs­sen eben gebracht wer­den, wenn es um’s Prin­zip geht! So ist es auf dem Land von alters her, so ist es auch in der gan­zen Repu­blik! Doch halt, dort ist es ja gera­de nicht so. Dort kann man auch nur den ein­zel­nen Ver­kehrs­sün­der bestra­fen, Grenz­an­la­gen sind undenk­bar, ein „wer da und wohin des Wegs“ Aus­druck klein­li­chen Miss­trau­ens. Ver­bo­te? Zäh­len nicht! Schil­der? Wer kann schon lesen! Nein, im gan­zen Land kann die Poli­tik sich nicht gegen Regel­brü­che weh­ren, zumal die meis­ten von ihr selbst aus­ge­hen. So vie­le Prit­schen­wa­gen gibt’s ja gar nicht! Aber viel­leicht ist das ja nicht der ein­zi­ge Weg. Viel­leicht soll­ten man das gewäh­ren von klei­nen Net­tig­kei­ten, Soli­da­ri­tät und ein gewis­ses Lais­sez-fai­re lie­ber im Umgang der Men­schen unter­ein­an­der üben und die prin­zi­pi­el­le Durch­set­zung gel­ten­den Rechts dem Staat über­las­sen, statt es – wie im Moment – ver­kehrt her­um zu tun.


18.9.2019: Eine Mil­li­on Woh­nungs­su­chen­de ins Land holen und staat­lich ali­men­tie­ren und bevor­zu­gen, Geld für Null Zin­sen raus­hau­en und jede Anla­ge­form außer Beton­gold unat­trak­tiv machen, durch gesetz­lich erschwer­te Wohn­ei­gen­tums­bil­dung den Miet­markt zu einem der größ­ten der Welt machen, damit Inves­to­ren anlo­cken und ihnen den kom­mu­na­len Woh­nungs­be­stand ver­kau­fen, durch unsin­ni­ge Regu­lie­run­gen, Auf­la­gen, Däm­mung, Ener­gie­pass und Furz und Feu­er­stein die Bau­kos­ten für Woh­nun­gen in die Höhe trei­ben, die Kom­mu­nen vom Immo­bi­li­en­an­bie­ter zum Immo­bi­li­en­su­chen­den machen…und sich dann über leer­ge­feg­te Woh­nungs­märk­te wun­dern. Genau mein Sozia­lis­mus, genau mein Humor!


immer noch 13.9.2018: Ja, der fei­ne Herr Johan­nes Kahrs (SPD), der die Nazis aus dem Bun­des­tag treibt — so sieht er sich wohl selbst. Sei­ne Rol­le in der gest­ri­gen Ple­nar­sit­zung ist hin­läng­lich beleuch­tet, es war ein Tief­punkt des Par­la­men­ta­ris­mus in Deutsch­land, ange­sie­delt gleich hin­ter dem Aus­ras­ter von Tim „Schulz“ dem Loko­mo­tiv­füh­rer. Den FAZ-Arti­kel über Kahrs aus 2009 hab ich heu­te aller­dings zum ers­ten mal gelesen…und ich bin fas­sungs­los! SPD 2018 ist, wenn man für Ein­schüch­te­rung und fast schon mafiö­ses Revier-Geba­ren ein Bun­des­tags­man­dat bekommt wie Kahrs und für’s Bücher­schrei­ben und Sta­tis­ti­ken aus­wer­ten mit Par­tei­aus­schluss bedroht wird, wie Sar­ra­zin! Ich hab Kahrs bel­fern­des Organ im Bun­des­tag vor der Som­mer­pau­se noch im Ohr, als er die Zwi­schen­fra­ge eines AfD-Abge­ord­ne­ten mit den Wor­ten „Mit Nazis rede ich nicht“ abbürs­te­te. So wie er drauf ist, soll­te Kahrs folg­lich vor allem kei­ne Selbst­ge­sprä­che mehr führen.


13.9.2018: Bereits in mei­ner Rezen­si­on des Buches „Finis Ger­ma­nia“ von Rolf Peter Sie­fer­le merk­te ich an, wie schein­bar kühl, teil­nahms­los aber prä­zi­se der Autor die dys­to­pi­sche Welt des kom­men­den Deutsch­land zeich­ne­te. Die Schau­er, die mich beim Ein­tau­chen in sei­ne skiz­zier­ten Bil­der über­lie­fen, waren nicht von der ange­neh­men Sor­te. Ange­sichts der aktu­el­len Auf­re­gung um die phan­ta­sier­te unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Macher­grei­fung der Nazi­h­or­den in Chem­nitz, Sach­sen und der rest­li­chen Welt jag­te mir heu­te ein Zitat aus einem wei­te­ren Buch Sie­fer­les Schau­er der Vor­ah­nung über den Rücken. „Das Migra­ti­ons­pro­blem“, aus dem das Zitat stammt, erschien 2017 eben­falls post­hum. Der Autor starb bereits im Sep­tem­ber 2016, fand die­se Wor­te also lan­ge vor Kan­del, Chem­nitz oder Köthen.

„Die letz­ten Men­schen wer­den erstaunt sein, wie vie­le All­tags­kon­flik­te plötz­lich mit unge­wohn­ter Gewalt aus­ge­tra­gen wer­den (…)  Eine Wel­le unfaß­ba­rer blu­ti­ger Gewalt über­spült die letz­ten Men­schen, die von einer Ver­trei­bung aus ihrem Rent­ner­pa­ra­dies bedroht sind. Sie wer­den die Ver­un­si­che­rung in inne­re Kon­flikt­li­ni­en trans­for­mie­ren, sie wer­den in den eige­nen Rei­hen Fein­de iden­ti­fi­zie­ren, die leicht zu bekämp­fen sind, da sie aus dem glei­chen Holz geschnitzt sind wie sie selbst“ – gefun­den bei Micha­el Klonovsky.


12.9.2018: Aus der Rol­le gefallen.
Um es gleich ganz klar zu sagen: für mich wäre so ein Cadil­lac Esca­la­de auch alles ande­re als erstre­bens­wert. Zu dick, zu doof, zu durs­tig. Dass der Spie­gel die­se 8‑Li­ter-Mons­ter­kar­re als „Trumps Trumm“ vor­stellt, spielt hin­ge­gen kei­ne Rol­le für Sym­pa­thie oder Abnei­gung. Der Takt jedoch ist damit gesetzt. Aus der Rol­le gefal­len ist jedoch nicht die­ses Auto, das in etwa so wich­tig oder bedeu­tungs­voll in der euro­päi­schen Zulas­sungs­sta­tis­tik ist wie der hoch­ge­lob­te Tes­la. Aus der Rol­le fällt viel­mehr Micha­el Specht von SPON, der über das Auto schrei­ben muss­te. Denn ein Test ist das gleich­wohl nicht, was Specht da abge­lie­fert hat. Viel­mehr ist es eine lar­moy­an­te Ent­schul­di­gung für die Tat­sa­che, dass er sich über­haupt hin­ter das Steu­er die­ses poli­tisch so unkor­rek­ten „White Trash“ (18 Liter/100 km) gesetzt zu haben wagte.

Den Mit­leids­be­kun­dun­gen der Kom­men­ta­to­ren, die hohn­la­chend auf die Markt­ver­feh­lung die­ses Trüm­mers hin­wie­sen, sei ent­geg­net, dass die­se Vor­stel­lung wohl doch nur ihrem eige­nen betreu­ten Den­ken ent­springt, denn offen­bar ver­kauft sich das Gerät in den Staa­ten gut und fin­det somit sehr wohl einen Markt. Wie sonst sind Sät­ze wie die­ser zu erklä­ren: „In Kali­for­ni­en steht er an fast jeder Stra­ßen­ecke oder fährt die Luxus­mei­len in Bever­ly Hills rauf und run­ter.“ Und das wird er auch wohl noch eine wei­te­re Wei­le tun, wäh­rend wir uns in Deutsch­land, nach­dem dort der Die­sel beer­digt wur­de, als nächs­tes die Ben­zin­mo­to­ren wer­den aus­re­den lassen.

Was jedoch allen Lesern ent­gan­gen war, ist die Tat­sa­che, dass in dem „Test“ mit kei­nem Wort auf die Fahr­ei­gen­schaf­ten, Geräusch­ku­lis­se oder ähn­lich rele­van­te Skills ein­ge­gan­gen wur­de und außer dem Ein­druck scham­vol­len Ent­set­zens nichts Sub­stan­zi­el­les in Spechts Arti­kel zu fin­den ist. Mein dies­be­züg­li­cher Hin­weis in einem Leser-Kom­men­tar bei SPON wur­de – wie üblich – nicht ver­öf­fent­licht. Der Spie­gel macht sich neu­er­dings sogar dort lächer­lich, wo man ihm bis­lang sau­be­ren Jour­na­lis­mus attes­tie­ren konnte.


4.9.2018: Ich mag der Sudel­gre­te Sto­kow­ski nicht schon wie­der einen gan­zen Arti­kel in mei­nem Blog wid­men, des­halb schnell eini­ge Skiz­zen als Fund­stück. Sto­kow­ski, die mal eine Sybil­le Berg wer­den will, wenn sie groß ist – also hys­te­ri­sche Kolum­nen und gute Bücher schrei­ben – muss sich nur mit den Roma­nen noch mehr Mühe geben. Doch viel inter­es­san­ter als der Ver­we­sungs­ge­ruch, den ihre SPON-Kolum­ne ver­strömt, sind die Flie­gen, die er anzieht. Da ich auf SPON nichts pos­ten kann, ant­wor­te ich hier auf eini­ge Kom­men­ta­re ihrer abge­fah­rens­ten Antifa-Fans.

„Wenn es sein muss, dann bin ich Anti­fa. In Zei­ten wie die­sen ist das mMn. Pflicht, wenn man ein guter Staats­bür­ger sein möch­te, dem Zivil­cou­ra­ge wich­tig ist.“
Da hat jemand in Staats­bür­ger­kun­de aufgepasst!

„Die Leu­te im Osten berei­ten sich wie­der mal dar­auf vor, anschlies­send „von nichts gewusst zu haben“. Wird span­nend sein zu erle­ben, wie lan­ge es der AfD noch gelingt, ihr bür­ger­li­ches Män­tel­chen zu behalten.“
Ich dache, die AfD sei längst ent­lavt? Im Übri­gen sind es gera­de die „Leu­te im Osten“, die gera­de die Sturm­glo­cke läu­ten. Spä­ter wird man „im Wes­ten“ wohl behaup­ten, man hät­te das für musi­ka­li­sche Folk­lo­re gehalten.

„Dan­ke für die­sen ver­nünf­ti­gen Bei­trag nach all den Rela­ti­vie­run­gen rech­ter Gewalt.“
Wel­che Gewalt? Die rech­te Gewalt, die Dani­el H. das Leben kostet?

„Anti­fa war, ist und bleibt wich­tig im Kampf gegen Faschis­mus und Faschisten.“
Und sie wird spä­tes­tens im Jahr 2018 die Macht­er­grei­fung 1933 verhindern.

„Jede Demo, bei der ein Nazi mit­läuft, ist eine Nazi- Demo.“
Wenn der Arm zum Him­mel springt, die Anti­fa den Sieg erringt. Irgend etwas scheint ja mit dem Hit­ler­gruß die­ser Tage nicht mehr so gut zu funk­tio­nie­ren. Die­se beklopp­ten Faschos aber auch!

„Die Anti­fa war noch nie so wich­tig wie heu­te. Sie sind Vor­bild für jun­ge Men­schen, weil sie öffent­lich dafür ein­ste­hen, den Rech­ten kei­nen Raum für ihr wider­wär­ti­ges Han­deln zu lassen.“
Die Anti­fa besteht nur aus jun­gen Men­schen! Kei­ner von denen ist älter als 30! Das hat sie erschre­cken­der­wei­se mit den SA-Schlä­gern der Hit­ler­zeit gemein­sam. Vie­le Pro­test-Demons­tra­tio­nen erschei­nen dage­gen wie Ger­ia­trie­kon­gres­se! „Der Schoß ist frucht­bar noch…?“ Ja, nur wel­cher und was kriecht dar­aus hervor?

„Wer Anti­fa auf den „schwar­zen Block“ redu­ziert, kann oder will nicht differenzieren.“
Wer macht denn sowas! Dann könn­te man ja die Rechts­po­pu­lis­ten auf Typen wie Höcke redu…ach, las­sen wir das.

„Und Dan­ke an die Anti­fa und ihre uner­müd­li­chen Bemühungen!“
Jawoll, auch John May­nard Keynes, den alle Eta­tis­ten so sehr lie­ben, sagt dan­ke! Und nicht ver­ges­sen: bes­ser als einem Rech­ten das Ess­zim­mer nach hin­ten zu schie­ben ist es, einen Bril­len­trä­ger dafür aus­zu­su­chen. Der Opti­ker braucht schließ­lich auch Konjunktur!

„Zwi­schen 1949 und 1989 gab es viel mehr Antifaschisten.“
Falsch. Je län­ger das Faschis­mus hin­ter uns liegt und je weni­ger Faschis­ten es gibt, umso mehr Anti­fa­schis­ten wer­fen sich in den Kampf. Mein Groß­va­ter war Anti­fa­schist, was ihn 1933 für Jah­re ins Zucht­haus brach­te. Wer heu­te Anti­fa­schist ist, den bringt Flix­bus zu einem Gra­tis­kon­zert nach Chem­nitz. Die Anti­fa hat heu­te lei­der nicht die blas­ses­te Ahnung, was es bedeu­tet, sich mit ech­ten Faschis­ten anzu­le­gen, wes­halb ihr auch ein offe­ner Bür­ger­krieg ver­lo­ckend erscheint.

Genug davon, abschalten!

Zur Ehren­ret­tung der SPON-Leser sei ange­merkt, dass sich unter Sudel­gre­tes Arti­kel erfreu­li­cher­wei­se aber auch vie­le Kom­men­ta­re befan­den, die der Anti­fa deut­lich kri­ti­scher gegenüberstehen.


3.9.2018: Bleib ruhig, sage ich mir. Schreib ganz lako­nisch die Fak­ten auf. Ver­such ich ja! Also los: Acht­ein­halb Jah­re Haft für Abdul D. für den Mord an Mia in Kan­del. Es wur­de nach Jugend­straf­recht ver­han­delt, die Höchst­stra­fe von 15 Jah­ren wand­te das Gericht nicht an — nach des­sen Ein­schät­zung lag eben kei­ne beson­de­re Schwe­re der Schuld vor, sonst wären es ja 15 Jah­re gewor­den. Wenigs­tens wur­de er wegen Mor­des ver­ur­teilt und nicht weil der das Mes­ser falsch her­um gehal­ten hat. Inter­es­sant ist indes, dass das Gericht alles mög­lich wenigs­tens so unge­fähr hat fest­stel­len kön­nen, nur nicht, woher Abdul D. eigent­lich genau kommt. „Ver­mut­lich aus Afgha­ni­stan“ ora­kelt der Spie­gel. Ist das wich­tig, wer­den Sie fra­gen? Ja, ist es. Denn man wüss­te doch schon gern, wohin man das Geschenk Abdul D. nach sei­nem Knast­auf­ent­halt retour­nie­ren muss. Da das offen­bar nie­mand so genau wis­sen will, wird er wohl am Ende – nach­dem er wegen guter Füh­rung und der wohl­wol­len­den Pro­gno­se einer begeis­ter­ten Sozi­al­ar­bei­te­rin vor­zei­tig ent­las­sen wur­de – das schreck­li­che Schick­sal soma­li­scher Pira­ten nach deren Pro­zess in Ham­burg tei­len, die nun in Deutsch­land fest­sit­zen und auf Kos­ten der All­ge­mein­heit ein sor­gen­frei­es Leben genieß.…ähm fris­ten müssen.


1.9.2018: Allen Lesern, die noch nicht wis­sen, was in Chem­nitz gesche­hen ist, erklärt es der Spe­igel heu­te ganz genau. Trump kann ein­pa­cken! Er müss­te schon nach Sach­sen zie­hen und dort für die AfD kan­di­die­ren, um solch eine Auf­merk­sam­keit noch zu top­pen. So geht aus­ge­wo­ge­ne Bericht­erstat­tung. (Arti­kel auf SPON um 10:30 Uhr am 1.9.2018 in exakt die­ser Reihenfolge)


15.8.2018: Wer gele­gent­lich mei­ne Tex­te liest, dem ist viel­leicht mei­ne Nei­gung zu Alli­te­ra­tio­nen auf­ge­fal­len. Gera­de über­le­ge ich, wel­ches und war­um mei­ne liebs­ten deut­schen oder deutsch­spra­chi­gen Kom­po­nis­ten sind und kom­me – kein Witz – auf Bach, Beet­ho­ven und Brahms. Kann nicht sein, den­ke ich! Über­leg noch­mal, wer ist Num­mer vier? Ich hab’s: Bruck­ner! WTF!


13.8.2018: Auf einer Ska­la von 1 bis 10, wobei die 1 eine gene­rö­se, freie Gesell­schaft selbst den­ken­der Men­schen dar­stellt und 10 ein denun­zi­an­ti­sches El Dora­do orwell­scher Dimen­si­on ist; wo mag sich da wohl ein Land befin­den, in dem man für ein Sel­fie ange­zeigt wird, dass wäh­rend der Fahrt im Auto auf­ge­nom­men wur­de und wo die Poli­zei sol­chen Schwer­ver­bre­chen tat­säch­lich ihre vol­le foren­si­sche Auf­merk­sam­keit widmet?


11.8.2018: Wie man den Zustand eines Lan­des an den Boom-Bran­chen erkennt:
Als die ers­ten Gold­stü­cke 2015 kamen, pro­fi­tier­te zunächst der Glücks­hor­mon-Haus­halt schul­der­zo­ge­ner ungern-Deut­scher und Huf­fing­ton-Post-Jour­na­lis­ten, dann die Ted­dy­bär-Indus­trie. Die nächs­te Kon­junk­tur ging durch die Bran­che der Feld­bet­ten­her­stel­ler, Groß­kü­chen, pen­sio­nier­ten Deutsch­leh­rer und Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men. Dann waren die Ver­mie­ter dran. Jetzt sind wir in der Pha­se, in der Sicher­heits­diens­te, Pan­zer­glas­her­stel­ler und Pfef­fer­spray­pro­du­zen­ten gute Kon­junk­tur haben. Wer jedoch vor­aus­denkt, inves­tiert heu­te in Fir­men, die Woh­nungs­auf­lö­sun­gen und inter­na­tio­na­le Umzü­ge orga­ni­sie­ren oder Aus­wan­de­rer bera­ten, die es nach Argen­ti­ni­en, Aus­tra­li­en oder Ungarn zieht.


10.8.2018: Nur ein Semi­nar für Band­wür­mer unter dem Titel „Über­le­ben am Ende des Ver­dau­ungs­ap­pa­ra­tes“ wür­de mehr Sinn erge­ben als eines, wie man als Links­ex­tre­mist den Spät­ka­pi­ta­lis­mus über­lebt. Der Para­sit hat Angst vor sei­nem Wirt! Aber Infor­ma­tio­nen über „respekt­vol­les quee­res Flir­ten“ und „Miet­recht für Haus­be­set­zer“ wären mir die 5–15 Euro schon Wert. Lei­der fin­det der wirk­lich hei­ße Scheiß immer in Ber­lin und nicht im pro­vin­zi­el­len Han­no­ver statt. Menno!


8.8.2018: So sehr ich auch schät­ze, wie Musk den Auto­markt und die Raum­fahrt durch­ein­an­der­wir­belt, so wenig konn­te und kann ich sei­ne Inves­to­ren ver­ste­hen, die ihm auch dann noch Geld geben, wenn er eine Ziel­mar­ke nach der ande­ren riss und ein Ver­spre­chen nach dem ande­ren sich in Luft auf­lös­te, um durch noch grö­ße­re Ver­spre­chen ersetzt zu wer­den. Noch weni­ger kann ich ver­ste­hen, dass nach Musks lau­ni­gen Tweed, er über­le­ge, Tes­la wie­der von der Bör­se neh­men zu wol­len, die Aktie nach eini­ger Tur­bu­lenz aus­ge­rech­net ins Plus dreh­te. Musk sind die Inves­to­ren läs­tig. Ihm sind Ziel­vor­ga­ben läs­tig, Kon­trol­len sowie­so. Die Leu­te sol­len ihm Geld geben, die Klap­pe hal­ten und noch mehr Geld geben – was glaubt er, wer er ist? Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung? Und wie kommt man als Inves­tor auf die Idee, dass das inves­tier­te Geld in einer Fir­ma, die sich der Bör­sen­auf­sicht ent­zie­hen will, bes­ser auf­ge­ho­ben sei und gou­tiert den Tweed mit Kurs­stei­ge­run­gen? Man wird ein­fach nicht schlau aus dem, was rund um Musk und Tes­la pas­siert. Die SPON-Head­line ist jeden­falls irre­füh­rend. Musk hat nicht etwa „kei­nen Bock auf brav“ — er hat kei­nen Bock auf Spielregeln!


6.8.2018: Erst erwärmt es sich unge­bühr­lich, jetzt kippt’s auch noch, das Kli­ma. So war­nen For­scher. Ach nein: so schreibt der Spie­gel! Die For­scher war­nen näm­lich gar nicht, sie simu­lie­ren. Sie simu­lie­ren mit Schal­tern, von denen sie ver­mu­ten, dass sie dort und dort lie­gen könn­ten. Viel­leicht. Dann aber, dann kippt das Kli­ma. Aber so rich­tig! Klar sei das Com­pu­ter­spie­le­rei, nichts sei gewiss und sogar „Kli­ma­papst“ Schell­nhu­ber (der übri­gens pen­sio­niert ist wie Papst Bene­dikt und dem PIK nicht mehr vor­steht) räumt in sei­ner neu­es­ten Enzy­kli­ka ein, dass man schon noch genau­er gucken müs­se, ob da über­haupt was kippt. Man will ja in den nächs­ten Jah­ren auch noch was zu tun haben, das Kli­ma DARF jetzt noch gar nicht kip­pen, wo käme man denn da hin! Die Ein­la­dun­gen zum nächs­ten Kli­ma­gip­fel in Poz­nan sind doch schon raus! Und so simu­lie­ren die For­scher wei­ter was pas­siert, wenn die­ses und jenes und das auch noch gleich­zei­tig geschieht. Das kön­nen Sie zuhau­se übri­gens auch ver­su­chen: schaf­fen sie alle Ker­zen und Taschen­lam­pen aus dem Haus, ver­ste­cken sie die Streich­höl­zer und Feu­er­zeu­ge, ver­gra­ben sie ihre Smart­pho­nes und dre­hen sie nachts die Haupt­si­che­rung raus. Ich wet­te, dann kippt die Sache mit der Beleuch­tung und sie ste­hen im Dun­keln. Aber so rich­tig! Wenn’s kippt, dann kippt’s! Schön, dass es der Spie­gel ange­sichts der Affen­hit­ze immer wie­der schafft, Arti­kel zu schrei­ben, die eher Negli­gés sind. Man hat ja sonst so wenig Erfri­schung die­ser Tage, da freut man sich über jeden Hauch.


2.8.2018: „Ich bin an Bord bei @SOSMEDITERRANEE, wenn die #Aqua­ri­us, stell­ver­tre­tend für uns alle, ab heu­te wie­der Leben ret­tet! Für See­not­ret­tung und ein huma­nes Euro­pa!…“ — So steht es auf der Face­book­sei­te von Her­bert Grö­ne­mey­er. Auch uns Her­bert hält es nicht mehr im behag­li­chen Upper-Class-Lon­don, er möch­te teil­ha­ben an der Tugend­prah­le­rei der Böh­mer­män­ner und Kol­le­gen. Etwas spät, möch­te ich anmer­ken. Denn der Wind hat sich längst gedreht, die Ver­nunft senkt sich lang­sam auch in die ers­ten Hir­ne von Jour­na­lis­ten und Poli­ti­kern. Des­halb reicht es auch nicht mehr, Geld zu geben: Grö­ne­mey­er zieht selbst die Wes­te an und kämpft vor Ort. Bei Wiki­pe­dia ist der Her­bert künf­tig unter „V“ zu fin­den. Als Para­de­bei­spiel für Vir­tue Signalling.


31.7.2018: Hier eini­ge Schlag­wor­te aus einem TAZ-Inter­view mit den Grün­dern eines auf­stre­ben­den Star­tups in Ham­burg. Dort will man in Zukunft: „Men­schen abho­len“, „nied­rig­schwel­li­ge Ange­bo­te machen“, „nicht nur aka­de­mi­sche Aus­ein­an­der­set­zung“, „posi­ti­ven Femi­nis­mus“, „Work­shops“, „Auf­klä­rungs­ar­beit“, „in Ruhe reden“ – was kann das wohl sein? Ein See­len- und Cha­k­ren-Rei­ni­gungs-Semi­nar? Geist­hei­lung durch tan­tri­sches Flie­gen? Eine Cafe­te­ria für die grü­ne Bun­des­tags­frak­ti­on? Falsch! Es han­delt sich um einen neu­en Sex-Shop in Ham­burg! „Im Herbst soll das Pro­gramm ste­hen“ – na das ist ja auch das min­des­te! Mit­grün­der Gnau meint übri­gens: „…, dass Sexua­li­tät und Geschlecht total zusam­men­hän­gen.“ Das glau­be ich aller­dings auch! Gera­de weil „Sex immer poli­tisch ist!“, wie Gnau meint und das stimmt ja auch, weil „Geschlecht“ heu­te ein gera­de­zu umständ­li­ches Poli­ti­kum ist. Ja, der gerech­te Kampf der Arbei­ter­klas­se und der Min­dest­lohn vögeln immer mit, da machst nix dran. „Uns ist das Aller­wich­tigs­te, dass Leu­te im Kon­sens mit­ein­an­der in sexu­el­len Kon­takt tre­ten“ sagt einer der Start­up-Grün­der abschlie­ßend. Und ich Depp dach­te immer, dass sei über­haupt die Vor­aus­set­zung für ein­ver­nehm­li­chen Sex und alles ande­re ent­we­der Gewalt oder die bezahl­te Vari­an­te oder gar bei­des! Aber was weiß ich schon über Rot-Front-Geschnack­sel auf der TAZ-Bar­ri­ka­de und den non­kon­sen­sua­len Annä­he­run­gen, die dort üblich sind! Alles Gute für Eure Geschäfts­idee, lie­bes „Fuck Yeah“-Kollektiv! Möge die Nacht mit euch sein!


30.7.2018: Darf eine Par­tei, die der bun­ten Viel­falt ver­pflich­tet ist, Angst vor zu viel bun­ter Viel­falt haben? Ängs­te sei­en unbe­grün­det, so heißt es volks­er­zie­he­risch gera­de aus den Rei­hen der Schulz­zug-Par­tei und man sol­le sie sich mög­lichst flugs abtrai­nie­ren. Wer Flug­angst hat, flie­ge, wer Höhen­angst hat, sprin­ge von Dächern und der Xeno­pho­be Dumpf­deut­sche (beson­ders die Deut­schen Frau­en) wagen sich gefäl­ligst nachts allein zum Jog­gen in den Park. Da kann man es einer Orts­grup­pe der SPD schon zumu­ten, dass die ihre Angst vor Über­frem­dung und Unter­wan­de­rung run­ter­schluckt! Vor­wärts immer, rück­wärts nim­mer, Genos­sen! Das habt ihr so bestellt, das wird jetzt so gegessen!


29.7.2018: Eine merk­wür­di­ge Steu­er hat sich Pro­fes­sor Met­calf da aus­ge­dacht! CO2-Steu­ern auf den Ver­brauch fos­si­ler Ener­gie­trä­ger, die aller­dings als eine Art Divi­den­de an die Steu­er­zah­ler aus­ge­zahlt wer­den sol­len. Bei Drei Dol­lar pro Gal­lo­ne Ben­zin (knapp 80 Cent pro Liter) plant man 38 Cent durch die neu­ar­ti­ge CO2-Steu­er drauf­zu­schla­gen. Das erschie­ne bei den US-Prei­sen viel­leicht sogar mach­bar, auch wenn mir der Sinn die­ser Steu­er nicht wirk­lich ein­leuch­tet. Sprän­ge die Idee über den Atlan­tik, wür­de das in Deutsch­land einer Preis­stei­ge­rung von 10 Cent ent­spre­chen. Doch im Gegen­satz zu den USA tum­melt sich in den deut­schen Mine­ral­öl­prei­sen bereits ein bun­ter Strauß an Steu­ern – 61 Pro­zent des Ben­zin­prei­ses ent­fal­len in Deutsch­land auf Mehr­wert­steu­er, Öko­steu­er, Ener­gie­steu­er, was uns im Ver­gleich zu den USA dop­pelt so hohe Sprit­kos­ten beschert. Die Idee Met­calfs wird sich des­halb höchs­tens teil­wei­se in Euro­pa durch­set­zen las­sen: man wird sicher gern die CO2-Steu­er ein­füh­ren, dann jedoch auf die Aus­zah­lung der „CO2-Divi­den­de“ an die Steu­er­zah­ler ver­zich­ten, weil man das Geld drin­gend für irgend einen Blöd­sinn brau­che. Aber die Steu­er wird kom­men und man wird ver­su­chen, sie gleich dem Griff der Stra­ße zu ent­zie­hen und mit einem Taschen­spie­ler­trick in Brüs­sel ansie­deln. War­um die­se Steu­er kommt, soll­te klar sein: kein ver­ant­wort­li­cher Poli­ti­ker in die­sem Lan­de oder der EU konn­te je der Ver­su­chung wider­ste­hen, dem Bür­ger unter dem Vor­wand von Hilfs­be­reit­schaft und Soli­da­ri­tät in die Tasche zu grei­fen. Und tat­säch­lich: jedes Mal, wenn ich die Hand in mei­ne Tasche ste­cke, stel­le ich fest, dass die öffent­li­che Hand schon da war.



immer noch 28.7.2018:
Wenn Stu­den­ten sym­bo­li­sche poli­ti­sche Aktio­nen pla­nen, schlägt das meist ent­we­der ins schril­le oder ins lächer­li­che. Da ich eigent­lich nur durch Lachen ins rei­men gera­te, ten­die­re ich in die­sem Fall zum zwei­tem.

Stumm steh‘n sie da,
die Filmstudenten,
des Söders Sinn nach „Gut“ zu wenden.
Begie­ßen sich mit Prickelwasser,
um zu bewei­sen: Nass schlägt Hasser.
So netzt das feins­te Mineral,
Zara-Shirt und Primark-Schal.
Und die Moral von der Geschicht:
Stumm liegt sich‘s wohl,
doch klü­ger nicht.


28.7.2018: Sami A. ist in Tune­si­en wie­der auf frei­em Fuß. Wenn ihm dort aber offen­sicht­lich nichts droht, ihn dort auch der Staat nicht verfolgt…warum soll­te er dann nach Deutsch­land zurück­ge­holt wer­den und hier Asyl erhalten?


26.7.2018: Die Hit­ze trock­net die Hir­ne so man­cher Redak­teu­re der Ber­li­ner Zei­tung offen­bar auf Dat­tel­grö­ße, anders las­sen sich Arti­kel wie die­ser kaum erklä­ren. Viel­leicht han­del­te es sich bei (mbr) aber auch im einen pre­kär beschäf­ti­gen Assis­ten­ten, hin­ter dem ein wüten­der Chef stand. „M! Es ist zehn Uhr und Sie haben heu­te noch nichts gegen die AfD unter­nom­men! Ich gebe Ihnen noch 15 Minu­ten!“ Lobens­wer­ter­wei­se mer­ken die Leser jedoch, wer hier „Schwin­del“ pro­du­ziert, wie man an den Kom­men­ta­ren erkennt.


24.7.2018: Kaum ist der Özil weg, der laut Aug­stein ja ein „Sym­bol der Inte­gra­ti­on“ war, schon prü­geln sich die Inte­gra­ti­ons-Aspi­ran­ten aus „Futu­ris Afri­ka“ und „Ara­bia Felix“ bei einem Fair­play-Fuß­ball­tur­nier gegen­sei­tig fast tot. Ja, Aug­stein, hät­ten wir noch unse­ren Inte­gra­ti­ons­bam­bi und Vor­bild­ki­cker, das alles wäre nicht passiert.


23.7.2018: Die auf grün gebürs­te­ten Medi­en samt unse­ren Poli­ti­kern sahen Tes­la schon als neu­en Welt­markt­füh­rer und Elon Musk als eine Art Jesus der Elek­tro­mo­bi­li­tät, der die Ener­gie­wen­de auf vier Räder stel­len wür­de. Doch das iko­ni­sche Bild hat Ris­se. Beson­ders finan­zi­el­le. Die Pro­duk­ti­on von Autos ist eher von der Effek­ti­vi­tät von Arbeits­pro­zes­sen, Logis­tik und Pla­nung bestimmt, als von Visio­nen und Design und in der Welt von Pro­duk­ti­ons­zah­len, Absatz­märk­ten und Mar­gen zählt am Ende nicht nur die schö­ne Idee, son­dern die nack­ten Zah­len. Die Welt der Märkt ist zwar uner­bitt­lich, aber ehr­lich. Für eine klei­ne und mir bekann­te Gemein­de, die vier kos­ten­lo­se E‑Au­to-Lade­sta­tio­nen am frisch reno­vier­ten Guts­haus ange­bracht hat, wäre das Schei­tern von Tes­la zwar eine gute Nach­richt – denn in dem Ort bricht das Strom­netz zusam­men, wenn mehr als zwei Autos gela­den wer­den – aber ich drü­cke Elon Musk den­noch die Dau­men. Nicht, dass ich an die Elek­tro­mo­bi­li­tät in ihrer heu­ti­gen Form glau­ben würde…aber ich bewun­de­re den Schneid, den Musk an den Tag legt und die Unbe­dingt­heit, mit der er eine Idee ver­folgt – für die er zur Not sogar bet­teln gehen wür­de, wie wir sehen. In Deutsch­land, das muss uns klar sein, wäre eine Fir­ma wie Tes­la gar nicht erst gegrün­det worden.


18.7.2018: Post von Claudia!
Nein Frau Roth, ich wer­de Ihre „Brüs­se­ler Erklä­rung“ nicht unter­schrei­ben. Nicht, weil ich etwa die Über­schrift nicht so toll fin­de, mit „Für die Frei­heit der Kunst!“ kann ich mich durch­aus iden­ti­fi­zie­ren. Doch da wäre dann noch die Fra­ge wovon frei und wofür. Sie erklä­ren wort­reich, dass das recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Gefahr sei. Da stim­me ich Ihnen zu. Aber nicht nur in Öster­reich, Ungarn, Polen oder Rumä­ni­en, gegen die sie wort­reich Front machen. Wenn ich bedroh­te Mei­nungs- und Kunst­frei­heit sehen will, muss ich nur nach Deutsch­land schau­en, ein Land, in dem Künst­ler und Publi­zis­ten einen hohen Preis dafür zah­len, wenn sie Erklä­run­gen unter­zeich­nen, ihre Mei­nung frei äußern und sich mit der poli­ti­schen Dik­ti­on erwünsch­ten Den­kens nicht abfin­den wol­len. Auf deut­schen Buch­mes­sen wer­den Bücher aus den Rega­len geris­sen und „ent­sorgt“ – nicht auf unga­ri­schen. Auf deut­schen Podi­en wird Schrift­stel­lern wie Uwe Tell­kamp man­gel­haf­te Gesin­nung attes­tiert und es sind deut­sche Medi­en, die sich nur all­zu bereit­wil­lig zur Honig­schleu­der staat­li­cher „Kul­tur­po­li­tik“ machen lassen.
Aber ich will nicht unge­recht sein, Frau Roth. Erwei­tern Sie ihre Peti­ti­on um die­se Aspek­te, for­dern sie die voll­stän­di­ge Frei­heit für die Kunst, auch hier in Deutsch­land, wozu die Frei­heit von jeg­li­cher direk­ten und indi­rek­ten staat­li­chen Ein­fluss­nah­me und Ali­men­tie­rung gehört, dann unter­zeich­ne ich mit Freuden!


13.7.2018: Mal Spaß und ischia­s­hei­len­den Klos­ter­frau-Melis­sen­geist bei­sei­te. Juncker ist krank und ihm soll­te gehol­fen wer­den. Ganz gleich ob es sich um Ischi­as, Mars­po­cken oder doch nur um ordi­nä­ren Gin han­delt. Aber was sagt uns sein Auf­tritt beim NATO-Fest­akt über den Zustand der EU-Kom­mis­si­on? Über die EU all­ge­mein? Wie nimmt man sich wahr, in die­ser Füh­rungs­cli­que? Was sagt uns die­ser Auf­tritt über Junckers Stab, sei­ne Mit­ar­bei­ter? Wer kam auf die Idee, ihn in die­sem Zustand auf die Welt los­zu­las­sen und der Lächer­lich­keit preis zu geben? Ist nicht die Wür­de der EU, was auch immer das sein mag, in den Sonn­tags­re­den unse­rer Poli­ti­ker immer etwas Hei­li­ges, Erha­be­nes? Ein leuch­ten­des Ziel, ein Glück, eine Ehre, ein Got­tes­dienst? Wäre es nicht die ver­damm­te Pflicht des nicht gera­de klei­nen Hof­staa­tes des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten gewe­sen, Juncker von der Ver­an­stal­tung fern zu hal­ten? Man kapri­zier­te sich so sehr auf den ver­meint­li­chen „Feind“ USA (nicht lachen, der Spie­gel hat die USA heu­te tat­säch­lich FEIND genannt, sie­he Link) und war so von der eige­nen Grö­ße über­zeugt und besof­fen; dass man gera­de selbst nur ein Bild des Jam­mers abgibt, sah man nicht. Was da die Trep­pe rauf und run­ter schwank­te, war ein Sinn­bild der EU, wie sie auf alle, die ihr wider­spre­chen zustürmt, eine rie­si­ge blaue Fah­ne gehisst, jeden Kri­ti­ker an der Schul­ter packt und lallt: „Du bist ja total besof­fen!“ Ich bedau­re die­sen Zustand zutiefst. Ich bedau­re, was aus die­ser Idee, die eigent­lich eine so gute war, gewor­den ist.


25.6.2018: Sig­mund Freud war schon eine coo­le Sau, denn sei­ne Beschrei­bung und Benen­nung ver­schie­de­ner psy­cho­lo­gi­scher Abwehr­me­cha­nis­men sind heu­te noch so tref­fend wie eh und je. Nur setz­te er sie damals zur Traum­deu­tung ein und um fest­zu­stel­len, wel­che Ereig­nis­se in der Ver­gan­gen­heit sei­nen Pati­en­ten den Blick in die Rea­li­tät ver­bau­en. Heu­te müss­te man gleich ein gan­zes Land auf die Couch legen, in dem His­to­ri­ker und Anti­se­mi­tis­mus­for­scher fol­gen­de Sät­ze in Kame­ras sagen kön­nen, ohne dass das „Ich“ und das „Es“ dem „Über-Ich“ kräf­tig die Bril­le putzen:

„Es gibt kei­nen mus­li­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus, son­dern Anti­se­mi­tis­mus unter Mus­li­men, der viru­lent ist.“ (Julia­ne Wet­zel in „Anti­se­mi­tis­mus in Deutsch­land“, Phoe­nix, 25.6.2018)

Ja, so fein sind die Dif­fe­ren­zie­run­gen in einem Land, zu dem der Islam gehört. Oder hieß es „das zum Islam gehört“? Na, da wol­len wir mal nicht pin­ge­lig sein, jeder kann das für sich so aus­le­gen, wie er mag und dabei die Krei­se Erdo­gans nicht stört. Ich kann nur nicht ent­schei­den, ob das, was Frau Wet­zel spricht, „Pro­jek­ti­on“ oder „Ver­schie­bung“ ist. Sig­mund, hilf!


25.6.2018: Von Wal­ter „Nie­mand-hat-die-Absicht“ Ulb­richt stammt der Spruch vom „Über­ho­len ohne ein­zu­ho­len“, womit der die Bun­des­re­pu­blik und deren Wirt­schafts­kraft mein­te. Eine ähn­li­che Stra­te­gie fah­ren der­zeit schein­bar die ÖR-Medi­en, indem sie peu a peu Kri­tik an der ewi­gen Kanz­le­rin ein­streu­en, ohne es wie eine Kehrt­wen­de aus­se­hen zu las­sen. Denn die Kri­tik ist ja nicht neu – sie kam nur immer von den „fal­schen Leu­ten“, den „Euro­pa­hassern“ und „deutsch­na­tio­na­len Spin­nern“, die alle­samt nur den Schuss zum Auf­bruch in die kun­ter­bun­te und post­na­tio­na­le Zukunft nicht gehört hät­ten und der gül­de­nen Kanz­le­rin der Gleich­heit aus purer Bos­heit nicht fol­gen woll­ten. Die­se Kri­ti­ker ein­zu­ho­len gilt es frei­lich nicht und des­halb wer­den sie auch mit kei­nem Wort erwähnt. Man setzt gleich zum Über­ho­len an, um bei der Gret­chen-Fra­ge künf­ti­ger „Was-habt-ihr-getan-als…“-Abrechnungen stolz auf den eige­nen Mut der letz­ten Meter zu ver­wei­sen. Man hät­te doch kri­ti­siert, man schrieb doch Wah­res und Muti­ges. Und wäh­rend die Kol­le­gen noch die Lei­nen am Ver­sor­gungs­schiff MS Mer­kel gehabt hät­ten, setz­te man sich mutig ins Bei­boot, um die letz­ten Meter zum ret­ten­den Strand zu rudern. Es wird euch nichts nüt­zen, denn in den Media­the­ken und You­Tube-Kanä­len lau­ert euer Geschwätz und Geju­bel von ges­tern, dass ihr selbst­er­nann­ten Anfüh­rer der Kri­tik zu erklä­ren und zu recht­fer­ti­gen habt. Ihr habt auf­ge­spielt zum Ball auf der MS Mer­kel – nun behal­tet das Lied gefäl­ligst bei und beglei­tet den Unter­gang musi­ka­lisch. Der Eis­berg hat längst die Bord­wand berührt.


20.6.2018: Ago­nie-Par­al­le­len DDR / Bun­des­re­pu­blik, Teil 342834:
Da „Zukunft“ für Men­schen zwar etwas sehr Kon­kre­tes, jedoch für Staa­ten Abs­trak­tes ist, muss man als „Zukunft gestal­ten­der Staat“ Begrif­fe fin­den, mit denen man han­tie­ren und Aktio­nis­mus vor­täu­schen kann. Wich­tig ist dabei, dass sich jeder etwas unter dem Begriff vor­stel­len kann, nütz­lich ist, wenn sich jeder etwas ande­res dar­un­ter vor­stellt. Der han­deln­de Staat in Ago­nie, unfä­hig, einen kla­ren Gedan­ken zu fas­sen, muss das selbst­ge­wähl­te Zukunfts­the­ma durch unge­eig­ne­te Maß­nah­men dann so gründ­lich tor­pe­die­ren, dass am Ende das genaue Gegen­teil des Beab­sich­tig­ten her­aus­kommt. Die DDR sah ihr Heil in der „Mikro­elek­tro­nik“, ver­brann­te aber letzt­lich ledig­lich Mil­li­ar­den Blech­mark für wert­lo­se Fäl­schun­gen bestehen­der Tech­nik. Die Bun­des­re­pu­blik in den apo­ka­lyp­ti­schen Mer­kel­jah­ren wirft sich auf die „Digi­ta­li­sie­rung“, lässt aber gleich­zei­tig den halb­staat­li­chen Mono­po­lis­ten Tele­kom in die tech­ni­sche Sack­gas­se VDSL inves­tie­ren, damit man den Klin­gel­draht der letz­ten drei­ßig Jah­re wei­ter­nut­zen kann. Außer­dem unter­stützt man die Upload­fil­ter, mit denen die EU das Inter­net kne­beln will, um die Infor­ma­ti­ons­frei­heit noch wei­ter ein­zu­schrän­ken. Der Rechts­aus­schuss des Par­la­ments beschloss heu­te ent­spre­chen­des ein­zu­lei­ten. (Notiz an mich: Rechts­aus­schuss EU-Par­la­ment auf die Lis­te „Fein­de der Frei­heit“ setzen)
Glück­wunsch, EU! Ich fra­ge mich, was eigent­lich noch gegen eine Mit­glied­schaft Weiß­russ­lands spricht, Luka­schen­ko klatscht doch zu all euren hirn­ris­si­gen Pro­jek­ten längst begeis­tert Bei­fall! Wie ich bemer­ke, habe ich schon wie­der viel zu vie­le Wor­te benutzt. Des­halb hier noch­mal im trump­schen Tweed­mo­dus, denn dar­auf sprin­gen unse­re Poli­ti­ker doch an – und zwar nicht, weil es Trump ist, der twit­tert, son­dern weil er sie in genau der Kin­der­spra­che anquatscht, die sie begrei­fen kön­nen: „Stu­pid Ger­ma­ny, stu­pid EU. You’r doo­med. So sad!“


19.6.2018: Mit dem #NetzDG schränk­te man die Reich­wei­te der Kri­ti­ker ein. Mit der #DSGVO ver­sucht man, ihnen die Mit­tel zu neh­men, dies zu erken­nen. Mit dem #Leis­tungs­schutz­ge­setz möch­te man sie zwin­gen, für das Zitie­ren ihrer Geg­ner zu zah­len. Noch jemand der Mei­nung, die hät­ten in Brüs­sel alle kei­nen Plan? Ich fin­de, die han­deln äußerst rational…für eine Diktatur.


14.6.2018: Die deut­sche Spra­che ist gera­de­zu per­fekt geeig­net, bedeu­tungs­schwe­re Begrif­fe aus Jus­tiz und Ver­wal­tung in ein­fa­che Wor­te zu über­set­zen. Ein Straf­voll­zug ist bei­spiels­wei­se ein Ort, an dem eine Stra­fe voll­zo­gen wird. Und das – ver­gli­chen mit Libe­ria oder dem Sudan – auf bemer­kens­wert zivi­li­sier­te Wei­se. Nur in Ber­lin, da bezeich­net „Straf­voll­zug“ etwas ande­res. Näm­lich einen Ort, an dem die Her­stel­lung abso­lu­ter Gleich­heit noch nicht voll­zo­gen ist. Des­halb stell­te Jus­tiz­se­nator Dirk Beh­rendt (Grü­ne) ein neu­es Pro­jekt vor, mit dem er „das Leben drin­nen und drau­ßen ein­an­der anglei­chen“ will. 35 Straf­ge­fan­ge­ne erhal­ten zunächst auf Pro­be Tablets mit ein­ge­schränk­tem Inter­net­zu­griff. Zunächst läuft das Pro­jekt für drei Mona­te, wes­halb es auch nur 1,3 Mil­lio­nen Ber­lin­spaß­ta­ler (im Volks­mund Euro genannt) kos­tet. Und soll­te das Pro­jekt erfolg­reich sein, gibt es noch vie­le wei­te­re Ungleich­hei­ten, die drin­gend ange­gli­chen wer­den müs­sen. Der Salz­ge­halt von Spree und Ost­see, die Pro-Kopf-Ver­schul­dung von Ber­lin und Mün­chen und die Gehäl­ter von Grund­schul­leh­rern und Sena­to­ren der Stadt Ber­lin zum Bei­spiel. Jetzt bloß nicht zu schnell auf­ge­ben mit der Angleichung!


11.6.2018, nur wenig spä­ter: Der Spie­gel ver­wen­det eine Schlin­gel­for­mu­lie­rung aus dem ital. Innen­mi­nis­te­ri­um, wohl nicht ahnend, wie dicht die­se an der Rea­li­tät liegt:

„Die Exper­ten sei­nes Innen­mi­nis­te­ri­ums mahn­ten schon seit Tagen, dass mit einem neu­en Schub von Migran­ten aus Liby­en zu rech­nen sei: Das Wet­ter ist hei­ter, das Meer ruhig, das Ende des mus­li­mi­schen Fas­ten­mo­nats Rama­dan nahe.“

Nicht etwa Krieg, die sie­ben ägyp­ti­schen Pla­gen oder War­lords in Liby­en sind kau­sal für das Zuneh­men der Flücht­lings­zah­len, son­dern Wet­ter und die Regeln des isla­mi­schen Fas­ten­mo­nats. So gese­hen hät­te die Gust­loff, statt in Eises­käl­te und im Janu­ar 1945 in See zu ste­chen, ruhig noch bis Ostern war­ten kön­nen. Die Fas­ten­zeit wäre vor­bei und das Wet­ter wie­der hei­ter. Sowas blö­des aber auch! Krieg und Fluchtursachen…kannste jeden Tag was neu­es drü­ber ler­nen im Spiegel!


11.6.2018: Scha­den­freu­de ist ange­sichts der öffent­li­chen Zer­le­ge der Lin­ken nicht das rich­ti­ge Gefühl. Eher soll­te sich Erleich­te­rung bei uns ein­stel­len. Las­sen sich die Erz­kom­mu­nis­ten, die sich auf dem Par­tei­tag durch­set­zen konn­ten, doch viel leich­ter erken­nen, weil sie die letz­ten demo­kra­ti­schen Hem­mun­gen abge­legt haben. Es gilt der Wil­le der Par­tei und der ist tief­rot. Man wäh­le, ob dies die Far­be der Wut, der fis­ka­len Ent­eig­nung und des wirt­schaft­li­chen Cha­os oder die des Blu­tes der Fein­de ist, wel­ches man zu allen Zei­ten nur zu gern ver­gos­sen hat. Ich habe nie ein Geheim­nis dar­aus gemacht, dass ich alles wofür die­se Par­tei steht, zutiefst ableh­ne. In der Demo­kra­tie muss man jedoch gesprächs­be­reit blei­ben und es gibt (dem­nächst gab, so mei­ne Pro­gno­se) auch in die­ser Par­tei eini­ge weni­ge Men­schen, mit denen man reden konn­te und die nicht nur vol­ler Ideo­lo­gie steck­ten. Aus, vorbei.
Erich Müh­sam schrieb im Jahr 1909 ein klei­nes Chan­son mit dem Unter­ti­tel „Der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie gewid­met“. Nach diver­sen Abspal­tun­gen aus der­sel­ben und den ver­schwim­men­den poli­ti­schen Abgren­zun­gen der Neu­zeit, in der alle ver­su­chen, sich mög­lichst weit „links“ zu posi­tio­nie­ren und des­halb wei­ter nach links rücken, als ihnen gut tut, passt es aber auch per­fekt auf die weni­gen ver­blie­be­nen ver­nunft­be­gab­ten Lin­ken. In die­ser, leicht bear­bei­te­ten Fas­sung beson­ders auf Sarah Wagen­knecht, deren letz­tes Lämp­chen des Rea­li­täts­sinns in Leip­zig gera­de­zu aus­ge­bla­sen wurde.

War eine Revoluzzerin,
Zivil­stand Lampenputzerin;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revo­luz­zern mit

Und sie schrie: „Ich revolüzze!“
Und die Revoluzzermütze
Schob sie auf das lin­ke Ohr,
Kam sich höchst gefähr­lich vor

Doch die Revo­luz­zer schritten
Mit­ten in der Stra­ßen Mitten,
Wo sie sons­ten unverdrutzt
Alle Gas­la­ter­nen putzt

Sie vom Boden zu entfernen,
rupf­te man die Gaslaternen
Aus dem Stra­ßen­pflas­ter aus,
Zwecks des Barrikadenbaus

Doch die Revoluzzerin
Schrie: „Ich bin die Lampenputzerin
Die­ses guten Leuchtelichts.
Bit­te, bit­te, tut ihm nichts!
Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bür­ger nichts mehr sehen,
Laßt die Lam­pen stehn, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“

Doch die Revo­luz­zer lachten,
Und die Gas­la­ter­nen krachten,
Und die Lam­pen­put­ze schlich
Fort und wein­te bitterlich

Dann ist sie zuhaus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Näm­lich, wie man revoluzzt
Und dabei doch Lam­pen putzt


3.6.2018: Nach der Regie­rungs­bil­dung frag­ten sich vie­le, war­um aus­ge­rech­net Mer­kels „Schwei­zer Taschen­mes­ser“ Tho­mas de Mai­ziè­re nicht mehr dem Kabi­nett ange­hör­te. War der Tau­send­sas­sa nicht zu allem fähig, oder war ihm nur alles Mög­li­che zuzu­trau­en? Innen­mi­nis­ter, Verteidigungsminister…alles hat der Tho­mas schon ver­sucht, wenn auch mit mäßi­gem Erfolg. Schon als säch­si­scher Innen­mi­nis­ter zeig­te er jedoch sein Talent als Brem­ser: bei der Auf­klä­rung des „Sach­sen­sump­fes“. Den Job bei der Bahn erhielt jedoch nicht er, son­dern Par­tei­freund Pofal­la. De Mai­ziè­re war aber auch der ver­ant­wort­li­che Minis­ter des BAMF, als des­sen Arbeits­wei­se noch nicht als skan­da­lös, son­dern als oppor­tun dar­ge­stellt wur­de. Dass er im Kabi­nett Mer­kel IV leer aus­ging, deu­tet mei­ner Mei­nung nach dar­auf hin, dass der Son­nen­kö­ni­gin schon lan­ge klar ist, wel­chen fina­len Dienst sie von ihrem Pala­din erwar­ten wür­de, näm­lich sich ins Schwert zu stür­zen, wenn die Ver­ant­wor­tung der ewi­gen Kanz­le­rin wie Efeu die Bei­ne hoch­kriecht. Tho­mas de Mai­ziè­re wird die Ver­ant­wor­tung über­neh­men, denn er kann die aktu­el­le Koali­ti­on nicht beschä­di­gen, weil er ihr nicht ange­hört. So denkt die Kanz­le­rin, glau­be ich. Die Fra­ge hin­ter der Fra­ge lau­tet dem­zu­fol­ge, mit wes­sen Blut sich die Medi­en am Ende begnü­gen wer­den. Es wäre nicht das ers­te Mal, dass der Fisch vom Haken geht und die Pres­se sich den her­aus­ge­zo­ge­nen Köder als gro­ßen Fang ver­kau­fen lie­ße. Frank-Jür­gen Wei­se ist ein noch klei­ne­rer Fisch als Tho­mas de Mai­ziè­re. Wir soll­ten die Angel jetzt nicht leicht­fer­tig ein­ho­len. Da ist noch ein weit grö­ße­rer Fisch im Teich, den es zu fan­gen gilt. Die­ser Fang ist alternativlos!


30.5.2018: Wenn der Euro implo­diert, wird man nicht zuerst des­sen Herol­de und Min­ne­sän­ger, son­dern sei­ne Kri­ti­ker und Skep­ti­ker an die Wand stel­len, wel­che die schö­ne Oper ver­saut hät­ten weil sie par­tout nicht mit­sin­gen woll­ten. Man wird sagen, die man­geln­de Musi­ka­li­tät der Leu­te sei Schuld und die Kom­po­nis­ten, die Jubel­chö­re, Kulis­sen­schie­ber und Kar­ten­ab­rei­ßer von aller Schuld freisprechen.


28.5.2018: Ich hab ges­tern eini­ge wei­te­re Stim­men zur Ver­haf­tung Tom­my Robin­sons gehört und da macht mich eini­ges stut­zig. Ers­tens war die vor­he­ri­ge Bewäh­rung auf drei Mona­te fest­ge­legt und die waren längst abge­lau­fen. Die Bewäh­rungs­stra­fe bestand also nicht mehr. Das war mir auch neu. Außer­dem muss mir mal jemand erklä­ren, wie es sein kann, dass man einer­seits Jah­re brauch­te, um den ban­den­mä­ßi­gen Kin­des­miss­brauch zur Ankla­ge zu brin­gen und es ande­rer­seits schafft, für Robin­son inner­halb von VIER Stun­den ein Gericht ein­zu­be­ru­fen, eine Ver­hand­lung anzu­be­rau­men, ihm einen Pflicht­ver­tei­di­ger zuzu­wei­sen (sein eigent­li­cher Anwalt war NICHT zuge­gen) und ein Urteil zu fällen.
Zudem befand sich Robin­son bei sei­nem Bericht über den Pro­zess vor dem Gerichts­ge­bäu­de und NICHT auf dem Gelän­de des Gerich­tes. Das hat­te er vor­her mit der Poli­zei abge­klärt. Er wur­de wegen „Stö­rung des öffent­li­chen Frie­dens“ ver­haf­tet — nur, wer rief die Poli­zei? Er stand mit­ten unter sei­nen Leu­ten, als er ver­haf­tet wur­de, es war sonst nie­mand zuge­gen. Ich ver­mu­te, man hat ihm auf­ge­lau­ert, wäh­rend das Gericht schon bereit stand, ihn für 13 Mona­te zu ver­kna­cken. In Kriegs­zei­ten nennt man sowas Standgericht.


27.5.2018: Ita­li­en wackelt gewal­tig und SPON schreibt: „Dies ist die Kern­fra­ge: Wohin drif­tet Euro­pa, wenn nun Regie­run­gen ins Amt kom­men, die sich erklär­ter­ma­ßen nicht an euro­päi­sche Regeln hal­ten wol­len?“ Doch hier springt der Autor zu kurz. Die Kern­fra­ge lau­tet näm­lich: Wor­in besteht der Unter­schied zwi­schen dem erklär­ten Nicht­ein­hal­ten euro­päi­scher Ver­trä­ge und deren nicht­er­klär­tem wie­der­hol­tem Bruch? Die Ant­wort: Die Fahrt an den Baum ist im ers­ten Fall schnel­ler vor­bei und fin­det mit offe­nen Augen statt. Das Worst-Case-Sze­na­rio des Spie­gels scheint kor­rekt, bis auf die zucker­sü­ße Dar­stel­lung der Fol­gen für Deutsch­land. Denn wir sind mit unse­rer dop­pel­ten Unter­be­wer­tung (die des Euro und Deutsch­lands inner­halb des Euro) Teil des Pro­blems, nicht Teil der Lösung. Unse­ren „nied­rigs­ten Schul­den“ ste­hen auch die größ­ten offe­nen For­de­run­gen gegen­über, fast alle in Euro. Die fal­len buch­stäb­lich sofort aus. Der Kapi­tal­ab­fluss beträ­fe Deutsch­land am stärks­ten, weil dort das meis­te geparkt ist. Die Höchst­stän­de des DAX zei­gen das doch deut­lich. „Siche­re Häfen“ sucht man aber für gewöhn­lich unter dem Wind, nicht gera­de an der Peri­phe­rie des Sturms, in Deutsch­land. Die Anzie­hungs­kraft Deutsch­lands stie­ge zwar kurz­fris­tig enorm, aber beson­ders von Sei­ten der Kri­sen­staa­ten der EU, die durch die ita­lie­ni­sche Mise­re mit in den Stru­del geris­sen wer­den. Die Pro­duk­ti­vi­tät Deutsch­lands sän­ke hin­ge­gen rapi­de, weil die euro­päi­schen Märk­te kom­plett weg­bre­chen und das Volu­men der deut­schen Expor­te unmög­lich von ande­ren Märk­ten auf­ge­nom­men wer­den kann. Soll ich wei­ter­ma­chen…? Lie­ber nicht!


21.5.2018: Die Lin­ken, die es dank ihrer Ideo­lo­gie nicht geschafft haben, den sozia­len Frie­den im Land zu bewah­ren, sehen über­haupt kei­nen Zusam­men­hang zwi­schen der von ihnen so sehr geschätz­ten Idyl­le aus Bio-Bau­ern­hö­fen, Pfer­de­stäl­len und Wald­kin­der­gär­ten und der Abwe­sen­heit von Flücht­lings­hei­men und Moscheen. Wäh­rend man die Bio-Bau­ern­hö­fe schätzt, wun­dert man sich über das „Erstar­ken der AfD“, „obwohl“ es im Stadt­vier­tel kei­ne Moscheen gibt. Viel­leicht, aber nur viel­leicht, wäh­len des­halb so vie­le in Ber­lin-Blan­ken­fel­de die­se Par­tei, damit das auch so bleibt? Ande­re Kräf­te gibt es ja der­zeit lei­der nicht, die sich zur Garan­tie einer der­ar­ti­gen „deutsch­tü­meln­den Spie­ßer­idyl­le“ bereit­fin­den, wel­che die Autorin so sehr schätzt. Mus­li­me schi­cken ihre Kin­der nicht in Wald­kin­der­gär­ten und der Bio-Fim­mel deut­scher Öko­fa­schis­ten ist ihnen gänz­lich fremd. ZEIT-Autorin Caro­li­ne Rosa­les aus Bonn soll­te viel­leicht wie­der zurück an den Rhein zie­hen, am bes­ten nach Bad Godes­berg. Dort gibt es die­se Pro­ble­me nicht. Dafür ande­re, für deren Zwi­cken und Zwa­cken man aber auch die AfD ver­ant­wort­lich machen kann. Ein Umzug wäre muti­ger, als einen Ein­kaufs­wa­gen­chip mit AfD-Logo zu ent­sor­gen, den Besit­zer für dumm zu ver­kau­fen und dar­auf auch noch mäch­tig stolz zu sein.


11.5.2018: Wir hal­ten mal fest: Dem Iran geht es dre­ckig, was Trumps Schuld ist. Die Wäh­rung ist im letz­ten Jahr um 34% ein­ge­bro­chen, was allein Trump geschafft hat. Inves­ti­tio­nen blie­ben aus, Arbeits­plät­ze wur­den nach der Unter­zeich­nung des Atom­deals 2015 nicht geschaf­fen, was Trump zu ver­ant­wor­ten hat, der Iran gibt den Euro­pä­ern, Chi­na und Russ­land nun eini­ge Wochen Zeit, mit Trump fer­tig zu wer­den. Sie müs­sen nun aus­ba­den, was Ame­ri­ka, also Trump, ange­rich­tet hat. Tehe­ran benutz­te das Geld, was seit 2015 in den Iran flie­ßen konn­te, um sein Mili­tär auf­zu­rüs­ten und Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen zu unter­stüt­zen, was natür­lich auch Trumps Schuld ist. Die Ant­wort Roha­nis ist des­halb nur logisch: Da wir unse­re Wirt­schaft nicht ans Lau­fen bekom­men, weil isla­mi­scher Eta­tis­mus genau­so Schei­ße funk­tio­niert wie sozia­lis­ti­scher, wenn wir unse­re Bevöl­ke­rung nicht mehr satt bekom­men und unse­re Wäh­rung ver­fällt, wenn das Aus­land uns nicht ein­fach Geld schickt und auf Trans­pa­renz, der Exis­tenz Isra­els und Rechts­si­cher­heit ganz all­ge­mein besteht, dann rei­chern wir eben wie­der Uran an. Dann wird alles gut, denn wie lau­tet doch der Spruch der gro­ßen fran­zö­si­schen Phi­lo­so­phin der Ver­klä­rung, Marie-Antoi­net­te: Wer kein Brot hat, soll eben „Yel­low Cake“ fressen.

1.5.2018: Nur kurz eini­ge Gedan­ken zu der media­len Bom­be, die Net­an­ya­hu bezüg­lich des Atom­pro­gramms hat plat­zen las­sen, nach­dem der Mos­sad im Iran in den letz­ten Wochen offen­bar Kör­be­wei­se hoch­ge­hei­mes Mate­ri­al in die Hän­de bekom­men und unbe­merkt aus dem Iran her­aus­ge­schmug­gelt hat­te. Rei­fe Leis­tung, btw! Natür­lich gar­nie­ren unse­re Medi­en die Ent­hül­lun­gen als „angeb­lich“ und das Wort „Beweis“ schreibt der Spie­gel nur in Anfüh­rungs­zei­chen. Das sei­en im übri­gen alles olle Kamel­len, die gar nichts neu­es ent­hiel­ten, meint der Spie­gel. „Ach wirk­lich“, möch­te man da gleich rufen. Dann wäre ein schö­ner Arti­kel über acht Sei­ten mit Auf­ma­cher auf der Titel­sei­te im „Sturm­ge­schütz der Demo­kra­tie“ ja wohl Pflicht gewe­sen. Aber Pus­te­ku­chen, nur lasches Gerede!
Die Fül­le an Mate­ri­al jedoch, von der im Moment nicht klar ist, wie weit es in die Gegen­wart reicht, wur­de ganz offen­sicht­lich an einem Ort ver­steckt, der der IAEA voll­kom­men unbe­kannt war, prak­ti­scher­wei­se nur ein paar Meter von einem bekann­ten For­schungs­zen­trum ent­fernt und als Bruch­bu­de getarnt. Doch selbst wenn das Mate­ri­al, die Bau­plä­ne, die Fotos von Bom­ben­tei­len, die Implo­si­ons-Simu­la­tio­nen, die Zeit­plä­ne und die Namen der Betei­lig­ten von vor 2015 stam­men soll­ten, stellt sich immer noch genau eine ent­schei­den­de Fra­ge: »Wie­so kön­nen stich­hal­ti­ge Bewei­se für ein Atom­pro­gramm des Irans namens „Amad“ auf­tau­chen, wenn der Iran immer wie­der und dedi­ziert bestrit­ten hat, dass es ein sol­ches Pro­gramm jemals gege­ben habe?«
Fool me once: shame on you. Fool me twice: shame on me!

YouTube

Mit dem Laden des Vide­os akzep­tie­ren Sie die Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.
Mehr erfah­ren

Video laden


25.4.2018: Da ich die „Fund­stü­cke“ in den letz­ten Tagen sträf­lich ver­nach­läs­sigt haben, heu­te mal einen „Gedan­ken­split­ter“ zur Auf­lo­cke­rung, und zwar in einer erns­ten Angelegenheit.

In letz­ter Zeit lese ich immer mal wie­der die For­de­rung, eine neue Ver­fas­sung auf den Weg zu brin­gen, weil Arti­kel 146 GG dies ver­lan­ge: „Die­ses Grund­ge­setz, das nach Voll­endung der Ein­heit und Frei­heit Deutsch­lands für das gesam­te deut­sche Volk gilt, ver­liert sei­ne Gül­tig­keit an dem Tage, an dem eine Ver­fas­sung in Kraft tritt, die von dem deut­schen Vol­ke in frei­er Ent­schei­dung beschlos­sen wor­den ist.“ Zum Glück haben die Väter und Müt­ter des GG jedoch kein Ver­falls­DA­TUM eingebaut, son­dern ein Ver­falls­ER­EIG­NIS: eben jene Ver­fas­sung, die wir nicht haben. Aber mit Wün­schen ist das so eine Sache, man soll­te vor­sich­tig sein mit deren Äußerung.

Jeder der mit dem Gedan­ken lieb­äu­gelt, eine ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung könn­te nun doch end­lich mal den Nach­fol­ger des Grund­ge­set­zes auf den Weg brin­gen, soll­te sich über­le­gen, WER in einer sol­chen Ver­samm­lung die Mehr­heit hät­te und WAS in einer sol­chen Ver­fas­sung am Ende stün­de. Ich gebe mal „auf Ver­dacht“ ein paar Stich­punk­te: das Pri­mat Brüs­sels in allen Ange­le­gen­hei­ten, Sozi­al­staat statt sozia­ler Staat und Migra­ti­on als Staats­ziel, Ein­schrän­kun­gen der Mei­nungs­frei­heit und Ver­bot fal­scher Mei­nun­gen, ÖR-Rund­funk samt des­sen Finan­zie­rung aus der Län­der­ver­ant­wor­tung neh­men und eine Stu­fe höher ansie­deln, Umfor­mu­lie­ren von Arti­kel 21 der­ge­stalt, dass Par­tei­en nicht nur an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung mit­wir­ken, son­dern die­se von den Par­tei­en AUSGEHT — und auch von welchen…soll ich wei­ter­ma­chen? Ich wür­de noch heu­te katho­li­sche wer­den und mit dem Beten anfan­gen, soll­te eine ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung ein­be­ru­fen wer­den. Etwas Bes­se­res als das GG wer­den wir in abseh­ba­rer Zeit nicht bekom­men. Wir soll­ten dar­auf drän­gen, es ein­zu­hal­ten, statt es in Fra­ge zu stel­len, weil des­sen eben­so opti­mis­ti­sche wie beschei­de­ne Autoren mit Blick auf die Wie­der­ver­ei­ni­gung von des­sen zeit­li­cher Beschränkt­heit aus­gin­gen. Von der Beschränkt­heit der Deut­schen im 21. Jahr­hun­dert konn­ten sie ja nichts wissen.


16.4.2018: Auch der Spie­gel kreist wie­der um das The­ma Anti­se­mitsmus an deut­schen Schu­len und glaubt, die Ursa­che zu ken­nen: der Nah­ost­kon­flikt! Ich kann es nicht mehr hören! Im Gegen­satz zur phi­lo­so­phi­schen Fra­ge mit dem Huhn und dem Ei, ist die Rei­hen­fol­ge hier doch etwas leich­ter zu beant­wor­ten – der Nah­ost­kon­flikt ist näm­lich selbst die Fol­ge von Anti­se­mi­tis­mus. Nicht umge­kehrt! Wer das Mob­bing jüdi­scher Schü­ler an deut­schen Schu­len (beson­ders gern an sol­chen mit dem Prä­di­kat „Schu­le ohne Ras­sis­mus“) mit dem Nah­ost­kon­flikt erklärt und kei­ne reli­giö­sen Ursa­chen erken­nen will, hat echt den Schuss nicht gehört. „Was steckt hin­ter reli­giö­sem Mob­bing“ fragt der Spie­gel und Wil­ly Kla­we, Lei­ter des Ham­bur­ger Insti­tuts für Inter­kul­tu­rel­le Päd­ago­gik (HIIP) weiß natür­lich Bescheid: „Das Pro­blem mit anti­se­mi­ti­schem Mob­bing ist nicht neu. Aller­dings wer­den Berich­te über anti­se­mi­ti­sche Belei­di­gun­gen auch genutzt, um zu pola­ri­sie­ren und Vor­ur­tei­le gegen­über Mus­li­men zu schü­ren“. Es ist, als wür­de sich der Anwalt eines Bank­räu­bers dar­über beschwe­ren, dass sein Man­dant als Ver­bre­cher bezeich­net wer­de. Kla­we möch­te natür­lich nicht aus­gren­zen und bie­tet statt­des­sen Semi­na­re an, „…in denen Opfer und Täter zusam­men­kom­men.“ Und wie­der ein­mal wur­de die Schuld gerecht ver­teilt, indem man die Zeit sowohl des Täters als auch des Opfers in glei­cher Wei­se bean­sprucht! Ich wür­de ja statt­des­sen vor­schla­gen, den Anti­se­mi­tis­mus an unse­ren Schu­len dadurch zu begeg­nen, dass man die Anti­se­mi­ten acht­kan­tig raus­wirft und den Eltern eine Schul- und Umzugs­emp­feh­lung für eine Madra­sa in Rawalpin­di aus­stellt. Die Wie­der­ein­glie­de­rung kann medi­al herz­lich von SPON-Autorin­nen beklin­gelt wer­den. Aber das wird nicht gesche­hen, weil man wohl kei­ne lee­ren Schu­len in Ber­lin haben möch­te, weil die Anti­se­mi­ten dort teil­wei­se schon die Mehr­heit stellen.


9.4.2018: Und jetzt mal zu etwas völ­lig ande­rem — Net­flix! Als gro­ßer Fan Homers und der Ili­as dach­te ich, eine Serie über den Krieg um Tro­ja könn­te eine inter­es­san­te Idee sein. Die gan­ze epi­sche Dich­tung über Freund­schaft, Ver­rat, Lie­be, Hass, Pflicht und Gewalt, Göt­ter und Menschen…damit lie­ßen sich Aben­de fül­len. Auch die Idee, nicht Achil­les und Hek­tor in den Mit­tel­punkt der Hand­lung zu stel­len, son­dern die Geschich­te an Paris und Hele­na auf­zu­hän­gen, schien zumin­dest inter­es­sant. Die rasche Vor­stel­lung eines gewis­sen Aene­as ließ sogar hof­fen, dass in einer wei­te­ren Staf­fel Ver­gil zu Wort kom­men könn­te und man nach dem Fall Tro­jas mit der Grün­dung Roms wei­ter machen möchte…warum nicht!

Achil­les. Fixiert er gera­de den Piz­za-Boten oder fragt er sich, war­um er aus­ge­rech­net zu die­sem Cas­ting gegan­gen war?

Jedoch, um es kurz zu machen: dar­aus wird nichts. Nicht für mich jeden­falls. Nach Fol­ge zwei war Schluss, ich konn­te die­sen Mist nicht mehr ertra­gen. Nun ist es nie leicht, eine lite­ra­ri­sche Vor­la­ge in einen guten Film oder eine gute Serie zu ver­wan­deln — man soll­te jedoch dar­auf ach­ten, dass nicht all­zu vie­le Logik­feh­ler auf­tre­ten und wenn die Vor­la­ge ein Stück Welt­li­te­ra­tur ist, soll­te man den Figu­ren nicht all­zu gro­ße Gewalt antun. Ver­ges­sen wir für einen Moment, dass Zeus und Achil­les noch nie schwarz waren — das kann, wenn Hand­lung und Schau­spiel stim­mig sind, noch als Peti­tes­se durch­ge­hen. Wobei ich doch sehr hof­fe, dass zum Bei­spiel bei einer Neu­ver­fil­mung von „Amistad“ die Rol­le des „Cin­que“ von jeman­dem über­nom­men wird, der Dji­mon Houn­sou das Was­ser rei­chen kann und dunk­le Haut hat, anstatt etwa von Jan-Josef Lie­fers — egal wie sehr letz­te­rer die Skla­ve­rei ver­dient haben mag. Wie gesagt: geschenkt. Dass aber Mene­la­os Vater(??) auf Kre­ta starb und sich die­ser dort­hin mit den Wor­ten auf den Weg mach­te „bis in fünf Tagen“, fra­ge ich mich schon, ob er die Schnell­fäh­re oder den Acht-Uhr-Flug genom­men haben mag. Bei sol­chen Nach­läs­sig­kei­ten wird man hell­hö­rig und fin­det wei­te­re Schlam­pe­rei­en: Steig­bü­gel an den Pfer­den, die erst hun­der­te Jah­re spä­ter von hun­ni­schen Rei­tern benutzt wur­den, eiser­ne Waf­fen in der Bron­ze­zeit und Legen­den über Hel­den, die erst von den Römern erfun­den wur­den als Kin­der­mär­chen aus Tro­ja und Myke­ne. Es war fast ein Wun­der, dass sich die bei­den nicht über Tin­der ken­nen­ge­lernt haben und Aga­mem­non die Fin­ger vom Smart­pho­ne las­sen konn­te, um Odys­seus zum Heer zu rufen! Dann die Dia­lo­ge: höl­zern. Die Schau­spie­ler: ken­nen ihre Rol­len nicht und agie­ren, als hät­ten sie eigent­lich grad an was ganz ande­res gedacht. Einer Wun­de beim eitern zuzu­se­hen, ist span­nen­der! Man soll­te an alle Orte fah­ren, an denen Homer angeb­lich begra­ben sein soll, um den Streit über die letz­te Ruhe­stät­te des Meis­ters end­lich zu klä­ren. Das Geräusch, dass er beim Rotie­ren im Grab macht, kann man sicher nicht über­hö­ren! Gesamt­ur­teil zu „Troy — Fall of a City“: φρικτός!


7.4.2018: Der grund­le­gen­de Denkfehlerder „Ant­wort 2018“ ist, dass die „Erklä­rung 2018“ gar kei­ne Fra­ge gestellt hat.


4.4.2018: Minis­ter Scheu­er knüpft an die gro­ßen Logik-Erfol­ge an, die sein Par­tei­freund Dob­rindt in der letz­ten Legis­la­tur der Gro­Ko ein­fah­ren konn­te. Scheu­er möch­te eine App ent­wi­ckeln, mit der die Bür­ger Funk­lö­cher mel­den kön­nen. Ob die Mel­dun­gen den Minis­ter per Brief­tau­be oder Mel­de­pfeil errei­chen soll­ten, ist noch nicht ganz klar. Die Mar­kie­rung mit­tels App funk­tio­niert aber schon ganz gut, wie die hier zu sehen­den begeis­ter­ten Test-User der App zeigen.


2.4.2018: In der Tat sind all die Frot­ze­lei­en, die Poten­z­an­spie­lun­gen und das gan­ze ande­re niveau­lo­se Gekei­fe von Sil­ke Bur­mes­ter locker zu ertra­gen. Das sind die Kör­ner im täg­li­chen Brot, die die „Abweich­ler“ und „Aus der Rei­he Tän­zer“ nicht bei der Ver­dau­ung stö­ren. Aber die For­mu­lie­rung „Raus­ge­wor­fen aus der Gemein­schaft“ kommt wie ein Ver­plap­pern daher. „Die Gemein­schaft“, das ist offen­bar das media­le Auen­land wohl­mein­de­n­der Jour­na­lis­ten-Hob­bits, deren Hori­zont schon durch die Nach­bar­shü­gel begrenzt ist und die schein­bar alle das­sel­be Kraut rau­chen. Mal ehr­lich Leu­te: es wird Zeit, das Auen­land zu ver­las­sen! Bur­mes­ters Abrech­nung mit Tho­mas Fischer, einem ehe­ma­li­gen Rich­ter und alten wei­ßen Mann wird bei mee­dia gera­de­zu file­tiert – zu Recht, muss man sagen!


1.4.2018: Im deut­schen Medi­en nichts Neu­es. Es sind ja immer genug Repor­ter vor Ort, um die gehetz­ten Gesich­ter paläs­ti­nen­si­scher „Demons­tran­ten“ zu fil­men, die ihre klei­nen Kin­der in die Kame­ras hal­ten, die sie selbst in den Kon­flikt schlei­fen. Isra­el, Isra­el hat das getan. Isra­el, Isra­el ist schuld! Dabei war es die Hamas, die die­se Riots ange­zet­telt hat, die hier in den Zei­tun­gen immer noch als Pro­tes­te bezeich­net wer­den. Und ehr­lich, es ist grau­sam, was den Men­schen da gera­de geschieht, weil man sie ohne Sinn und Ver­stand gegen die Gewehr­läu­fe der IDF ren­nen lässt, die selbst­re­dend nicht zulas­sen kann, dass die Gren­ze über­rannt wird. Doch die Men­schen kön­nen sich auch nicht umdre­hen und nach Hau­se gehen, weil hin­ter ihnen die Geweh­re der Hamas auf die war­ten. Kano­nen­fut­ter. Der Spe­igel (kein Ver­tip­per) ging jedoch brav der Hamas-Pro­pa­gan­da auf den Leim und berich­te­te vom „Tod im Peter­si­li­en­feld“ und das Recht Isra­els, sein Staats­ge­biet zu schüt­zen, wur­de mal wie­der in Anfüh­rungs­zei­chen geschrie­ben. Doch die IDF hat medi­al auf­ge­rüs­tet. Wär­me­bild­ka­me­ras und Droh­nen sind live dabei und was angeb­lich Peter­si­lie pflü­cken­de Bau­ern war, ent­puppt sich als bewaff­ne­te und ent­schlos­se­ne Hamas-Kämp­fer. Doch Spe­igel und Co berich­ten im Nah­ost­kon­flikt noch immer erst von der zwei­ten Kugel, die dann natür­lich von Isra­el abge­feu­ert wird. Die ers­te Kugel war dann wohl ein Strauß Petersilie.


26.3.2018: Malu Drey­er distan­ziert sich von etwas, mit dem sie offi­zi­ell nie etwas zu tun gehabt zu haben behaup­tet: der Anti­fa, die „ihre“ Ver­an­stal­tung durch Angrif­fe auf Poli­zei und Demons­tran­ten ver­schö­ner­te. Das endet des­halb als Eigentor!
Distanz, das Gegen­teil von Nähe,
du nicht von fer­nen Din­gen suchst.
Wes­halb dein Geg­ner gern es sähe,
dass du dich distan­zie­ren musst!
Nun klebt der distan­zier­te Gegenstand,
durch die­ses Schie­ben an der Hand.


21.3.2018: Die Leip­zi­ger Buch­mes­se ist vor­bei, die Nach­be­trach­tun­gen zum The­ma „Wie Nazi kann man sein und war­um“ sind es selbst­re­dend nicht. Die TAZ, in der es in letz­ter Zeit sogar eini­ge bemer­kens­wer­te Arti­kel zu lesen gab, fällt aller­dings gera­de wie­der in revo­lu­tio­nä­re Bar­ri­ka­den­zei­ten blin­den Stumpf­sinns zurück, ent­staubt die Kampf­be­grif­fe und schärft die Wort­klin­gen. Der gan­ze TAZ-Arti­kel trieft nur so vor Selbst­ge­rech­tig­keit und Kampf­si­mu­la­ti­on und ich gab den Ver­such, mich inhalt­lich ernst­haft damit zu befas­sen, ange­säu­ert auf. Nein, die Benen­nung mei­nes ers­ten Magen­ge­schwürs nach dem sub­ven­ti­ons­ge­pu­der­ten Blätt­chen der Salon­re­vo­lu­ti­on muss noch war­ten. Gut, dass ich kom­pe­ten­te Kol­le­gen und Freun­de habe, die ange­sichts die­ses rost­ro­ten Dickichts unge­rührt blei­ben, die Stihl anwer­fen und mit lan­gem Säge­blatt durch das knis­tern­de, tro­cke­ne Gestrüpp fah­ren. Dan­ke Alex­an­der Wendt! Dei­nen Text ent­füh­re ich hier zu mir auf die­se Sei­te, auf das er nicht ver­lo­ren gehe:
Hal­lo, lie­be Sta­li­nis­ten von der taz! Oder Sta­sis. Oder Gulag­wäch­ter. Ich darf euch doch so nen­nen, oder? Wir müs­sen uns doch hier nicht tot­dif­fe­ren­zie­ren. Wol­len wir ein Spiel spie­len? Gibt man also Gulag­wäch­tern wie euch Raum, dann füllt ihr ihn. In der taz, im Par­la­ment, auf der Stra­ße. Das ist schlecht. Also ergibt Kom­mu­ni­ka­ti­on mit euch wenig Sinn. Man muss euch das Leben so schwer machen, wie es geht. In Deutsch­land gibt es auf die­sem Gebiet — Lebens­er­schwer­nis für bestimm­te Grup­pen – wirk­lich reich­li­che Expertise.
Pri­vat­adres­sen ins Inter­net stel­len, das wäre schon mal ein ers­ter Schritt. Eure Autos abbren­nen. Eure Kin­der in der Schu­le unter Druck set­zen. Ab und zu mal jemand ver­prü­geln, wenn die Mehr­heits­ver­hält­nis­se min­des­tens zwei zu eins sind, so wie kürz­lich zwei Män­ner einen Anti-Mer­kel Demons­tran­ten in Ham­burg zusam­men­ge­prü­gelt hat­ten. Kurz­um, genau so, wie ihr es for­dert: das Leben eines mar­kier­ten Men­schen­krei­ses so schwer wie mög­lich machen. Nur, dass ihr jetzt (auch) die­ser Men­schen­kreis seid.
Dann, lie­be Pol-Pot-Fans, wäre doch eine Art Gleich­stand zwi­schen euch und der unüber­seh­ba­ren Zahl von Nazis in die­sem Land erreicht, über die ihr jeden Tag schreibt.
Um aber wirk­lich damit anzu­fan­gen, wür­de ich gern ent­we­der als Kom­men­tar hier oder via PN Nach­rich­ten von euch bekom­men: Wer von euch möch­te es tat­säch­lich in echt mal lebens­schwer gemacht bekom­men, rich­tig mit scharf und alles? Also nicht, wie es bei euch immer heißt: „Bin auf Twit­ter bedroht wor­den.“ Nein, rich­tig Stahl­ge­wit­ter und Lan­ge­marck, Ska­la von Nasen­bruch bis oben offen. #Mee­Too! Taz-Redak­teu­re, Jakob Aug­stein, Frau SpOn Sto­kow­ski, Georg Diez: da müsst ihr jetzt durch! Bekennt euch öffent­lich dazu, Blut­zeu­gen der wech­sel­sei­ti­gen Lebens­er­schwer­nis zu wer­den, exakt nach euren eige­nen For­de­run­gen. Bekennt euch: ja, wir wol­len auf’s Maul.
Falls aber nicht: hal­tet für­der­hin ein­fach öffent­lich die Klap­pe, wenn es um eure Gewalt­phan­ta­sien geht. Lebt sie zuhau­se mit einer Wochen­end­pa­ckung Tem­pos aus. Aber malt ande­ren nur dann ein bestimm­tes Schick­sal in Flam­men­schrift an die Wand, wenn ihr es für euch selbst auch so drin­gend wünscht, dass ihr es gar nicht mehr aushaltet.


12.3.2018: Wir leben in Zei­ten, in denen es nur noch schwarz und weiß zu geben scheint. Die Grau­tö­ne ver­schwin­den immer mehr aus dem Blick, weil der Kon­trast zu stark hoch­ge­zo­gen und die Zeit zu knapp ist, auf Zwi­schen­tö­ne zu ach­ten. Des­halb tre­te ich hier mal einen Schritt zur Sei­te und wer­fe einen Blick auf einen Ort, der dem land­läu­fi­gen Begriff der Ewig­keit schon recht nahe kommt — zumin­dest nach mensch­li­chem Maß­stab und durch mei­nen Blick: Rom. Zwar kann ich nicht durch Urkun­de oder Pass bele­gen, dass dies „mei­ne“ Stadt ist, ich betrach­te sie aber als sol­che. Rom ist die Stadt, die schon alles erlebt, alles gese­hen, alles ertra­gen und alles über­stan­den hat. Sie ist gleich­gül­tig, fett, schmut­zig, duf­tend, unnah­bar und ver­traut zugleich. Rom ist Licht und Schat­ten und alle Zwi­schen­tö­ne. Immer, wenn es mir in Deutsch­land zu eng und unehr­lich wird, den­ke ich an die ehr­li­che Enge von Rom, wo die Pro­ble­me zwar grö­ßer schei­nen, als hier­zu­lan­de, aber gleich­zei­tig nie­mand den Ein­druck ver­mit­telt, die lösen zu kön­nen. Alles fließt, frisst sich selbst, ver­daut sich selbst, erneu­ert sich unauf­hör­lich. Man lässt lau­fen, küm­mert sich um die sei­nen und je schlim­mer es in der einen oder ande­ren Ecke aus­sieht, umso mehr ach­tet der Römer und ins­be­son­de­re die Röme­rin auf Wür­de, Selbst­ach­tung und Gelas­sen­heit. Das Spiel von Licht und Schat­ten in Rom, sei­nen Stra­ßen und Sakra­li­tä­ten, sei­nen Bewoh­nern und Bett­lern, den Damen und Die­ben macht süch­tig. Hier eine klei­ne Aus­wahl von „her­un­ter­ge­fal­le­nen Fotos“, die ich beim durch­se­hen mei­ner Archi­ve gera­de gefun­den habe und — pas­send zum The­ma — hier mal in schwarz/weiß aber kom­men­tar­los zei­gen möch­te. Ach­tet auch auf die Grautöne…viel Spaß.


15.2.2018: Na, lie­be ARD? Wie wäre es mal mit einem The­men­abend zu einem weit rea­lis­ti­sche­ren Sze­na­rio der Ent­wick­lung Deutsch­lands? Statt TAZ-Dreh­bü­cher dann auch noch von TAZ-Schrei­ber­lin­gen im Spie­gel beklat­schen zu las­sen, könn­tet ihr die Rea­li­tät das Dreh­buch schrei­ben las­sen. Für alle, die den Welt-Arti­kel nicht lesen kön­nen, weil er hin­ter der Bezahl­schran­ke liegt, eine kur­ze Zusam­men­fas­sung. Jeches­keli, ein israe­li­scher inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­list, bas­telt sich eine isla­mis­ti­sche Iden­ti­tät, kauft für 1250 Dol­lar einen syri­schen Pass (nicht gut gefälscht, son­dern fast echt, könn­te ohne­hin nur in Syri­en fal­si­fi­ziert wer­den), besteigt ein Flug­zeug und wird in Ber­lin von einem Sach­be­ar­bei­ter betreut, der aus Gaza stammt. Der gibt gern Tipps, wie man die deut­schen Behör­den nar­ren kann und die Fami­lie schnell nach­holt. „Mit Allahs Hil­fe beginnst du hier jetzt ein neu­es, isla­mi­sches Leben“. In den Moscheen hört Jeches­keli Pre­dig­ten mit dem Tenor „inte­griert euch nicht“. Das ist All­tag in Ger­ma­ni­stan, wo die Dawa, die gewalt­lo­se Unter­wan­de­rung und Bekeh­rung, bereits im vol­len Gan­ge ist. Die Welt wei­ter: „Die wah­ren Absich­ten der Zuwan­de­rer wür­den in Deutsch­land nicht über­prüft. Kei­ner der Flücht­lin­ge, die er im Auf­fang­la­ger getrof­fen habe, hät­te die Absicht gehabt, sich zu inte­grie­ren.“ — es ist also ange­rich­tet und kann ser­viert wer­den. Heiß oder kalt…das steht noch nicht fest.


7.2.2018: Genau heu­te von 78 Jah­re hat­te Dis­neys ers­ter Abend­fül­len­der Ani­ma­ti­ons­film „Pinoc­chio“ in den USA Pre­mie­re. Da kann man ruhig mal klat­schen! Ruft doch mal „Mar­tin“…!

YouTube

Mit dem Laden des Vide­os akzep­tie­ren Sie die Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.
Mehr erfah­ren

Video laden


5.2.2018: In den letz­ten Tagen sam­mel­te ich Mate­ri­al, um mir ein aktua­li­sier­tes Bild vom Zustand der Tür­kei zu machen. Das Zusam­men­zu­fas­sen ist eigent­lich unnö­tig, weil die Fak­ten bekannt sind. Zumin­dest die wich­tigs­ten. Freie Geis­ter zieht es in der Tür­kei momen­tan nach Izmir, weil die AKP dort ein­fach kei­nen Fuß auf die Erde bekommt. Oder sie ver­las­sen das Land – oder sit­zen im Knast. Im Syri­en­kon­flikt ist Erdo­gan dabei, in die blu­ti­gen Stie­fel des IS zu stei­gen und den Kur­den – selbst denen, die nicht in der Tür­kei leben – den Todes­stoß zu ver­set­zen. Die Pan­zer, die nörd­lich von Koba­ne an der Gren­ze stan­den, um den IS gewäh­ren zu las­sen, rol­len nun nach Syri­en, um das „Werk“ des IS zu voll­enden. Die Tür­kei gebiert etwas, dass wir uns wohl in den schlimms­ten Träu­men nicht vor­stel­len wol­len. Wie immer, wenn ich für einen Arti­kel samm­le, mache ich mir Gedan­ken über ein Tea­ser-Bild, konn­te aber nichts Pas­sen­des fin­den – bis mir das hier ein­fiel. Des­halb heu­te mal nur ein Bild, kein Artikel.


4.2.2018: L’État c’est moi – der Staat bin ich! Sag­te Lud­wig XIV und aus sei­ner Sicht war das auch rich­tig. Wenn jedoch 300 Jah­re und eini­ge Revo­lu­tio­nen spä­ter Staats­len­ker und Regie­rungs­klün­gel schon wie­der mit sol­chen Gedan­ken kom­men, fin­de ich das sehr bedenk­lich. Es sagt einer­seits viel über das Selbst­ver­ständ­nis unse­rer Polit-Eli­ten. Ande­rer­seits zeigt es die Lie­der­lich­keit unse­rer Medi­en, die sol­chem Gefa­sel durch Ver­wen­dung ver­dre­hen­der Begrif­fe Vor­schub leis­ten. Unver­ges­sen die Wor­te von Julia Klöck­ner, die mein­te „der Staat habe gut gewirt­schaf­tet“, womit sie die hohen Steu­er­ein­nah­men auf die Leis­tungs­sei­te aus­ge­rech­net der­je­ni­gen schlug, die von die­sen Steu­ern leben, statt sie zu „erwirt­schaf­ten“. Einen neu­en Gip­fel der Ehr­lich­keit erklomm Ralf Steg­ner am 3.2.2018 in der Tages­schau: „Wir glau­ben, der Markt regelt gar nichts, son­dern der Staat muss sich küm­mern.“ Der Staat regelt alles, der Staat bestimmt alles. Es gab Zei­ten, in denen hät­te ich von einem Sozi­al­de­mo­kra­ten noch erwar­tet, dass er die die­nen­de Funk­ti­on des Staa­tes begreift, obgleich die Nei­gung, jede Form mensch­li­chen Stre­bens staat­li­cher Kon­trol­le zu unter­wer­fen, auch der Sozi­al­de­mo­kra­tie nie ganz fremd war. Doch heu­te sind die Hem­mun­gen, staat­li­che Kon­trol­le zur gesell­schaft­li­chen Norm zu erklä­ren, längst abge­legt. Wenn nicht ein­mal die Uni­on, wel­che das gesell­schaft­li­che Modell tra­di­tio­nell von innen (Fami­lie, Indi­vi­du­en) nach außen (Land, Staat, EU) denkt, dem fort­schrei­ten­den Eta­tis­mus nicht wider­ste­hen kann. In sol­chen Zei­ten käme es auf die Medi­en an. Es wäre wich­tig, dass die­se die außer Kon­trol­le gera­te­nen Eli­ten begriff­lich erden, indem sie deren Argu­men­te und deren „Wir sind der Staat“-Gewäsch nicht noch ver­stär­ken. Doch was lesen wir zum Bei­spiel in der Head­line eines Arti­kels des ehe­ma­li­gen „Sturm­ge­schüt­zes der Demo­kra­tie“? „G20-Gip­fel kos­tet Bun­des­re­gie­rung 72,2 Mil­lio­nen Euro“ – wohl­ge­merkt: die Bun­des­re­gie­rung zahlt! Nicht etwa der Steu­er­zah­ler, in des­sen Taschen hier tat­säch­lich gegrif­fen wur­de. Über’n Dau­men hat der G20-Gip­fel jeden tat­säch­li­chen Steu­er­zah­ler zwei Euro, oder jeden Ein­woh­ner Deutsch­lands knapp einen Euro gekos­tet. Es ist kaum anzu­neh­men, dass Mer­kels Kabi­nett die G20-Kos­ten wie eine Piz­za-Rech­nung durch 13 geteilt hat. Ich habe prin­zi­pi­ell nicht gegen sol­che Ver­an­stal­tun­gen. Aber man soll­te in der Bericht­erstat­tung schon so ehr­lich sein zu erklä­ren, wer die Piz­za-Rech­nung in Wirk­lich­keit begli­chen hat.


immer noch 28.1.2018: Erfolg­rei­chen Unter­neh­mern wie Ing­var Kam­p­rad muss man ein Denk­mal setz­ten. Alle Kom­men­ta­to­ren, die sei­nen Tod ver­kün­den, grei­fen sofort nach der Keu­le „Steu­er­flücht­ling“ oder „rei­cher Mann“, um sein Erbe zu rela­ti­vie­ren. Aber, er hat etwas geschaf­fen, das bleibt, weil es in die DNA von Mil­lio­nen Men­schen ein­ge­baut wur­de, sei­en es nun Stu­den­ten mit klei­nem Bud­get oder Anwalts­kanz­lei­en mit Bau­haus-Charme. Hof­fent­lich hal­ten sei­ne Erben den Laden gut am Laufen. 


28.1.2018: Nein, ich schrei­be nicht gezielt gegen die Grü­nen! Es ist nur so, dass die Ton­tau­ben, mit denen die­se seit Mona­ten um sich wer­fen, mir dau­ernd vor die Flin­te kom­men! Was soll ich also ande­res tun, als abdrü­cken? Sie flie­gen ja ohne­hin nicht weit und ein geziel­ter Schuss sorgt viel­leicht dafür, dass die flug­un­fä­hi­gen Ideen nicht auf den Köp­fen arg­lo­ser Pas­san­ten zer­schel­len. Die Bi-Pon­ti­ner Grü­nen war­fen nun nicht bloß Ton­tau­ben, son­dern Esel. Sel­bi­ge sol­len künf­tig „auf Zuruf“ den OENV im länd­li­che Raum Zwei­brü­ckens bewerk­stel­li­gen, den Öffent­li­chen Esel Nah­ver­kehr. Die Idee ist wohl aus der Not gebo­ren. Aber nicht der, die­se Auf­ga­be mit han­dels- und lan­des­ty­pi­schen Autos nicht bewerk­stel­li­gen zu kön­nen — und sei­en es selbst elök­tri­sche. Son­dern der Not, das vor­han­de­ne qua­li­fi­zier­te Fach­per­so­nal mit adäqua­ter Arbeit zu ver­sor­gen. Ges­tern noch Gold von den Schif­fen, heu­te schon auf­stre­ben­der Klein­un­ter­neh­mer im Zuruf-Trans­port­ge­wer­be. Doch was Esel kön­nen, kön­nen nur Esel, lie­be Grü­ne. Das ist bei Zug­tie­ren wie bei Parteien.


26.1.2018: Kann mir jemand sagen, wann genau aus „trau­ma­ti­siert“, „vor Krieg und Ver­fol­gung geflo­hen“ und „schreck­li­ches durch­ge­macht“ plötz­lich „Stress­re­sis­tenz und Durch­hal­te­ver­mö­gen“ gewor­den ist? Ich muss eine Pha­se der Bericht­erstat­tung nicht mit­be­kom­men haben! Eine Lese­rin ant­wor­tet auf mei­ne rhe­to­ri­sche Fra­ge wie folgt: „Stimmt doch alles, was regt Ihr Euch auf? Ziel­ori­en­tiert gehen sie auf Frau­en zu, belast­bar sind sie hin­sicht­lich evtl. Gegen­wehr und team­fä­hig, da meist im Rudel antan­zend.“ — Tref­fer, fürch­te ich.


23.1.2018: Vor­sicht, lie­be Grü­ne und Lin­ke, nicht zu früh freu­en. Der Über­tritt des AfD-Mit­glieds Wag­ner zum Islam könn­te als Axt in eurem Knie lan­den. Die Ableh­nung sei­ner Bewer­bung für den Gemein­de­rat der ev. Kir­che aus 2016 mit der Begrün­dung, des­sen Par­tei ver­fol­ge „men­schen­feind­li­che Zie­le“, könn­te sonst als Bume­rang zurück kom­men. Was sagt die­se Zuschrei­bung eigent­lich über die Reli­gi­on aus, der Wag­ner nun bei­getre­ten ist? Wah­re Chris­ten kön­nen kei­ne AfD­ler sein, hört man immer wie­der. Ist der Islam also eine bes­se­re Hei­mat? Wegen sei­ner Zie­le viel­leicht? Was wäre eigent­lich, wenn die AfD geschlos­sen zum Islam über­trä­te? Müss­te sie dann nicht eurer Sym­pa­thie gewiss sein? Ich wür­de an eurer Stel­le nicht län­ger dar­über nach­den­ken — Zir­kel­schlüs­se las­sen sich näm­lich logisch nicht auflösen.


21.1.2018: Der Count-Down läuft, heu­te will die SPD beschlie­ßen, ob sie eine eigen­stän­di­ge Par­tei blei­ben möch­te, oder, gegen den Wil­len von fast 90% der deut­schen Bevöl­ke­rung mit­tel­fris­tig eine Fusi­on mit der ver­grün­ten Mer­kel-CDU anstrebt. Wie wer­den sie sich Genos­sen aus dem „Wil­ly-Abge­brannt-Haus“ wohl entscheiden?
A)– Der Par­tei­vor­stand schließt die Jusos vom Abstim­mungs­pro­zess aus und ord­net eine sofor­ti­ge Alters­fest­stel­lung an. Alle Voll­jäh­ri­gen Juso-Mit­glie­der wer­den ver­haf­tet und ins Saar­land abge­scho­ben, wo sie von Hei­ko Maas in digi­ta­ler Ein­zel­haft gehal­ten werden.
B)– Mar­tin Schulz betritt das Podi­um, zieht ein japa­ni­sches Waki­za­shi und droht, sich hin­ein­zu­stür­zen, soll­te er nicht die erfor­der­li­che Mehr­heit für die Gro­Ko erhal­ten. Das Prä­si­di­um beschließt dar­auf­hin ohne Gegen­stim­me die eili­ge Instal­la­ti­on von Zeit­lu­pen­ka­me­ras, um den his­to­ri­schen Moment aus ver­schie­de­nen Win­keln festzuhalten.
C)– Der Par­tei­vor­stand gibt argu­men­ta­tiv alles – Andrea Nah­les tanzt und singt „Und die­se Bie­ne die ich mei­ne, die heißt Ange­la“, im Saal wer­den Sauer­stoff­mas­ken gereicht – im Tausch gegen ein „Ja“ zur GroKo.


19.1.2018: Die­ses Land bricht nicht plötz­lich zusam­men, es ero­diert lang­sam aber ste­tig vor sich hin. Man muss schon an die neur­al­gi­schen Punk­te schau­en, um das zu bemer­ken. Dort­hin, wo die Abwehr­schlach­ten toben, vor Gerich­ten, bei der Poli­zei, den frei­wil­li­gen Hel­fern und dem medi­zi­ni­schen Per­so­nal. Die Men­schen dort mel­den sich nicht mit Peti­tio­nen, orga­ni­sie­ren kei­ne Pro­test­mär­sche und nageln auch das Grund­ge­setz nicht an die Tür des Kanz­ler­am­tes — die­se Men­schen bre­chen ein­fach still zusam­men, geben auf und ver­schwin­den. Wenn es vor­bei ist, wer­den es des­halb nicht die Allah­hu­ag­bar-Rufe sein, die uns auf­fal­len wer­den. Es wird die Stil­le sein, die sich über alles legt, die Men­schen in ihre Häu­ser und ihre gated Com­mu­nities treibt. Unse­re Poli­ti­ker wer­den die­se Stil­le für Frie­den hal­ten, die eigent­lich eine Fried­hofs­ru­he sein wird. Ret­tungs­sa­ni­tä­ter David R. hat auf­ge­ge­ben und sich in Stil­le und Exil ver­ab­schie­det. Ich kann’s ihm nicht verdenken.


18.1.2018: In Öster­reich reagiert man tra­di­tio­nell sehr emp­find­lich auf deut­sche Bevor­mun­dung. So wie Kurz bei Maisch­ber­ger behan­delt wur­de, hilft ihm das sowohl bei der Bevöl­ke­rung als auch beim Koali­ti­ons­part­ner. Die FPÖ wird sich die­bisch freu­en, all das zu ent­kräf­ten, was die Anklä­ger aus der ARD den Zuschau­ern als „Wis­sen“ ver­kau­fen woll­te. Kurz hat sich ins Stu­dio gesetzt, ist ruhig geblie­ben, hat sachlich argu­men­tiert und wur­de im Gegen­zug mit fau­len ver­ba­len Eiern bewor­fen und infan­til belei­digt – ganz zu schwei­gen von den pein­li­chen Nazi­ver­glei­chen, die im Stu­dio­hin­ter­grund ein­ge­blen­det wur­den. Wem bei der­ar­tig deut­lich von Ver­ach­tung getra­ge­nen Fra­gen am Ende die Sym­pa­thien zuflie­gen, sieht man an den Kom­men­ta­ren hier. Kurz hat das wohl ein­kal­ku­liert und per­fekt genutzt – Maisch­ber­ger und Trit­tin wur­den als Eife­rer ent­larvt, die Aus­wahl aus­ge­rech­net Trit­tins als Sekun­dant Maisch­ber­gers zeigt außer­dem über­deut­lich, wo das Herz der Macher im ÖR schlägt. Was wird von die­ser Sen­dung hän­gen blei­ben? Ganz ein­fach, Ent­set­zen dar­über, wie man im deut­schen Fern­se­hen mit aus­län­di­schen Staats­len­kern umzu­ge­hen bereit ist, die dem „ger­man way of life“ nicht fol­gen. Dan­ke an Bun­des­kanz­ler Kurz für die Lehr­stun­de über ideo­lo­gisch ver­blen­de­te deut­sche Mei­nungs­ma­cher, als wenn es da noch eines Bewei­ses bedurft hätte.
Ach, Frau Maisch­ber­ger, da Ihre Sen­dung voll auf Linie liegt und des­halb wohl auch wei­ter von unse­ren Gebüh­ren getra­gen wird, hät­te ich eine Bit­te: behal­ten Sie die­sen her­ab­las­sen­den Ton bit­te bei, wenn Sie das nächs­te Som­mer­inter­view mit der Kanz­le­rin machen.


14.1.2018: Nach Trumps „Shi­t­ho­le-Gate“ steht die selbst­ge­rech­te und selbst­be­trü­ge­ri­sche Welt­eli­te der Medi­en geschlos­sen auf und pro­tes­tiert. Sowas sagt man nicht, sowas stimmt auch nicht, sowas darf auch nicht sein! Das wür­de ja bedeu­ten, dass sich Mil­lio­nen Men­schen aus ihren Shi­t­ho­le-Coun­tries auf den Weg in den Wes­ten machen wür­den — und wann hät­te man jemals von sowas gehört! Doch der unge­ho­bel­te, undi­plo­ma­ti­sche, unsym­pa­thi­sche Trump schafft, wor­an seit Jahr­zehn­ten ande­re Poli­ti­ker schei­tern: er spricht die blan­ke, nack­te, häss­li­che Wahr­heit aus. Er lockt Leu­te her­vor, die sagen, „er hat doch ver­dammt noch­mal recht!“. So wie den Nige­ria­ner, Chaz Chia­zo Ogbu, der in den Staa­ten lebt und genau die Wor­te fin­det, die hin­ter dem trump­schen Geplap­per ste­hen: Macht end­lich was! Nige­ria first…wenn du ein Nige­ria­ner bist! Und das ist auch gut so! I love this guy!


11.2.2018: Die drei gro­ßen Vor­sit­zen­den tre­ten hin vor die Welt und tuen kund und zu wis­sen, was das Stünd­lein in Deutsch­land, Euro­pa und dem gan­zen Rest geschla­gen hat. Bei Minu­te 23:30 wird’s dann rich­tig pein­lich. 


8.1.2018: Heu­te mal was völ­lig Unpo­li­ti­sches. Hat jemand schon mal solch eine rie­si­ge Hirsch­her­de gesehen?

YouTube

Mit dem Laden des Vide­os akzep­tie­ren Sie die Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.
Mehr erfah­ren

Video laden


immer noch 3.1.2018: Die Zah­len, mit denen Pfeif­fer für sei­ne Stu­die arbei­te­te, sind ja kor­rekt — nur sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen sind bil­lig. Er ließ genau drei Fäden aus sei­nem Knäul raus­gu­cken: der eine ist die Wahr­schein­lich­keit von Anzei­gen im Fall von Straf­ta­ten — Deut­sche zei­gen eben gern Flücht­lin­ge an, wäh­rend Flücht­lin­ge vor Dank­bar­keit devot erstar­ren. Der zwei­te ist der feh­len­de „fema­le touch“ unter den Flücht­lin­gen, was mäßi­gend auf die wir­ken wür­de, aber ihre Müt­ter, Schwes­tern und Frau­en sei­nen ja nun­mal (noch) nicht da. Der drit­te ist die Per­spek­tiv­lo­sig­keit, die zwangs­läu­fig zur Kri­mi­na­li­tät füh­re, weil sich die edlen Wil­den nicht so gern durch gewis­sen­lo­se Unter­neh­mer in Schwarz­ar­beit aus­beu­ten las­sen wol­len. Da kommt man schon mal auf die schie­fe Bahn… (Ich fra­ge mich erst­haft, was das für Schwarz­ar­beit sein soll.) Es hat kei­ne 24 Stun­den gedau­ert, bis land­auf, land­ab fast alle Medi­en solan­ge an den Fäden zogen, bis die Wir­kung der eigent­li­chen Essenz der Stu­die ver­pufft war: Wir haben offen­sicht­lich ein nord­afri­ka­ni­sches Kri­mi­na­li­täts­pro­blem. Kei­ne Sau spricht mehr davon. Alle reden nur noch vom Fami­li­en­nach­zug und von den bösen Unter­neh­mern, die Flücht­lin­ge zu Schwarz­ar­beit zwin­gen wol­len. Ach, übri­gens: bei Wil­helm Busch ende­te die Sache für Max und Moritz  dann doch irgend­wann tödlich…


3.1.2017: Die sichers­te Art (nach der Ver­wen­dung von Schlüs­sel­wor­ten wie Musel oder Nafri), die Wirk­sam­keit des seit 1. Janu­ar gel­ten­den NetzDG zu tes­ten, ist es zumin­dest bei Twit­ter, eine bereits gesperr­te Per­son in Stil, Inhalt oder Pro­fil­bild nach­zu­ah­men oder hoch­zu­neh­men – kurz: mit Sati­re schafft man es. Das weiß nun auch die Tita­nic-Redak­ti­on, die im Namen der AfD-Poli­ti­ke­rin twit­ter­te. Die Lage ist also unüber­sicht­lich. Nun ver­sucht man dort wohl als nächs­tes, einen Frei­fahrt­schein zu erlan­gen, damit die­ses ver­se­hent­li­che Sper­ren nicht noch ein­mal pas­sie­ren kann. Viel­leicht soll­te man im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um dar­über nach­den­ken, einen amt­li­chen Sati­re-Unbe­denk­lich­keits­pass aus­zu­stel­len, dem natür­lich eine amt­li­che Prü­fung vor­aus­ge­hen muss und den nur ver­dien­te Künst­ler des Vol­kes erhal­ten kön­nen. Nur Inha­ber die­ses Pas­ses erhal­ten dann unein­ge­schränk­ten Zugriff auf die Rech­te, die sich aus Arti­kel 5GG ergeben.


1.1.2018: Wenn es ein Land in der isla­mi­schen Welt gibt, des­sen Men­schen ich „aus dem Stand“ den Über­gang zu einer libe­ra­len, demo­kra­tisch ver­fass­ten Gesell­schaft zutrau­en wür­de – sobald man den reli­gi­ös deter­mi­nier­ten, repres­si­ven Staats­ap­pa­rat erst mal abzu­schüt­teln im Stan­de war – dann ist es der Iran. 2009 hat­te sich jedoch gezeigt, dass das Mul­lah-Regime sich seit 1979 so vie­le Kost­gän­ger, Pro­fi­teu­re und Unter­stüt­zer in der Bevöl­ke­rung her­an­ge­zo­gen hat­te, dass es die unzu­frie­de­ne Jugend nicht schaff­te, das Ruder her­um­zu­rei­ßen. Die abhän­gi­gen Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ten, die Revo­lu­ti­ons­gar­den, die Armee, der Klerus…sie alle wur­den ent­we­der ideo­lo­gisch oder mit Geld gefü­gig gemacht, nicht weni­ge haben mitt­ler­wei­le so viel Dreck am Ste­cken, dass sie eine Nach-Theo­kra­ti­sche, freie Gesell­schaft nicht zu Unrecht fürch­ten. Hal­ten die Pro­tes­te jedoch an, könn­te im Ver­gleich zu dem, was im Iran gesche­hen wird, der „ara­bi­sche Früh­ling“ wie ein lau­es Lüft­chen erschei­nen. Umso ange­ekel­ter muss man davon sein, wie wei­te Tei­le unse­rer Medi­en über die Pro­tes­te berich­ten. Wenn Pre­si­dent Trump erklärt, die Welt sehe genau zu, ver­steht das ZDF dies als „ansta­cheln“. Ober­fläch­lich wie das ZDF nun­mal ist, erklärt es die Pro­tes­te vor­der­grün­dig als der schlech­ten Wirt­schafts­la­ge geschul­det, obwohl doch jeder weiß, dass es die im Iran herr­schen­de Theo­kra­tie ist, wel­che Bestechung, Miss­wirt­schaft und von Unkennt­nis und ideo­lo­gi­scher Ver­bohrt­heit erst mög­lich macht. Nichts an dem, was Trump hier twit­ter­te, ver­dient die dümm­li­che Kri­tik des ZDF! Die Wort­wahl „ansta­cheln“ ekelt mich gera­de­zu an, zeigt sie doch, auf wes­sen Sei­te sich unse­re Medi­en hier schla­gen. Der kind­li­che Reflex, pau­schal gegen alles zu sein, für das Trump steht, kos­tet uns die Freund­schaft zu den Men­schen, die im Iran nichts lie­ber täten, als end­lich die Mul­lahs zum Teu­fel zu jagen!