schalmeiWer oder was brachte eigent­lich die Ber­li­ner Mauer zu Fall? Kommt ganz drauf an, wen man fragt. David Has­sel­hoff würde sicher sagen, dass er sie mit­hilfe eines alber­nen Songs ein­ge­ris­sen hat und die blöden Ossis dank ihm endlich begrif­fen, dass es sich tat­säch­lich lohne, „for freedom“ zu „looken“. Udo Lin­den­berg war aber sicher auch ganz wichtig und vorn dabei, wollte er doch unbe­dingt im „Son­der­zug nach Pankow“ zu Hon­ecker fahren – während die meisten seiner Fans dort viel lieber in die andere Rich­tung unter­wegs gewesen wären. Schwamm drüber, die Mauer ist ja nun weg. Aber Udo ist noch da und gibt der Rhei­ni­schen Post ein Inter­view.

Das ist an sich nichts Unge­wöhn­li­ches, schließ­lich leben Künst­ler von wie auch immer her­ge­stell­ter Öffent­lich­keit. Udo singt, Udo malt, Udo lebt und diesmal spricht er eben. Über sich, das Leben und den ganzen Scheiß, klar Mann! Und über die fürch­ter­lich unpo­li­ti­schen Kol­le­gen aus der Schla­ger­zunft, spe­zi­ell über Helene Fischer, die es sträf­lich ver­säumt, den ihr zu Füßen lie­gen­den Massen in ange­mes­se­ner Art poli­ti­sche Erzie­hung ange­dei­hen zu lassen, anstatt das Publi­kum einfach nur zu unter­hal­ten.

In den ver­gan­ge­nen drei Jahren waren 800.000 Men­schen bei unseren Kon­zer­ten, die können wir sen­si­bi­li­sie­ren, das ist auch innen­po­li­ti­sche Arbeit. Und Sinn­kri­sen, das hat ja jeder manch­mal, Fußpilz und Sinn­kri­sen.“…

Udo Lin­den­berg als Res­sort­lei­ter Inneres, Psy­cho­lo­gie und Der­ma­to­lo­gie. Zustän­dig für Befind­lich­keit, große Gefühle und poli­ti­sche Bildung und das Panik-Orches­ter als Ein­peit­scher der Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness. Dafür kann man dann auch noch Ein­tritt ver­lan­gen. Udos Busen­freund Siggi Gabriel würde vor Neid erblas­sen!

Mehr fände ich besser, wenn mehr Leute was machen, sich posi­tio­nie­ren würden, auch aus der Schla­ge­r­ecke. Wenn von Helene Fischer auch mal ein State­ment käme gegen Rechts­po­pu­lis­mus. Aber es gibt viele, die äußern sich prin­zi­pi­ell gar nicht, die sagen, wir sind reine Enter­tai­ner, wir machen nur Unter­hal­tung nach dem Motto: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino, vergiss die Welt da draußen. Fände ich besser, wenn mehr Leute ein­stei­gen würden.“

Ich finde poli­ti­schen Beleh­run­gen von Künst­lern, deren Exper­tise um keinen Deut größer ist als die jeder Hand­le­se­rin mit zwei Wochen Jahr­markt-Erfah­rung ver­däch­tig und anma­ßend. Ver­däch­tig beson­ders dann, wenn die­sel­ben Künst­ler bei jeder Gele­gen­heit Poli­tik­er­hände bei Preis­ver­lei­hun­gen schüt­teln und bei Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen zustim­mend nicken. Wenn Udo bei seinen Kon­zer­ten State­ments gegen Rechts­po­pu­lis­mus abson­dert, handelt es sich dabei logi­scher­weise um lupen­rei­nen Popu­lis­mus. Aber eben der Gute, der von links! Das hält Udo nicht nur für ange­bracht und richtig, sondern für Schla­ger­sän­gers Bür­ger­pflicht! Denn was den Udo an der Helene wirk­lich stört, ist natür­lich nicht, dass sie sich poli­tisch nicht äußert. Es wäre ihm nämlich über­haupt nicht recht, wenn sie sich zwar enga­gie­ren würde, aber auf der (seiner Meinung nach) „fal­schen Seite“ stünde. Aber viel­leicht trägt der Udo ja nicht nur Hut, sondern hat ihn auch im über­tra­ge­nen Sinne auf und ist von Elvis höchst­selbst berufen, alle Berufs­kol­le­gen poli­tisch in die rich­tige Rich­tung zu schub­sen. Viel­leicht gehen dem Meister aber auch nur die Ideen für neue Kon­zerte aus und wenn man die Fans auch zu einer poli­ti­schen Demo zusam­men­ru­fen kann, umso ein­fa­cher.

Wie pein­lich diese Welt­ret­ter-Atti­tüde werden kann, zeigt der Welt bei­spiel­haft seit Jahren der U2-Front­mann Bono, dessen Ver­mö­gen nicht zuletzt auf­grund güns­ti­ger Nie­der­län­di­scher Steu­er­ge­setz­ge­bung und einer 2,3%-igen Betei­li­gung an Face­book im Mil­li­ar­den­be­reich liegt, während er die Steu­er­zah­ler der west­li­chen Welt auf­for­dert, Afrika pau­schal die Schul­den zu erlas­sen. Zu seinem Glück hat er selbst Afrika kein Geld gelie­hen. Ergo: Populär, medial präsent, unglaub­wür­dig – aber seine Musik mag ich. Trotz, nicht wegen seiner fis­ka­len Heu­che­lei.

Ob und wie sich ein Schau­spie­ler oder Musiker poli­tisch äußert, muss ihm natür­lich voll­kom­men selbst über­las­sen bleiben. Leider ist es aber häufig so, dass Künst­ler ihre öffent­li­che Wirkung von ihrer Kunst wie selbst­ver­ständ­lich auf andere Berei­che über­trag­bar glauben und es einfach nicht wahr haben wollen, dass ihr Enga­ge­ment im Poli­ti­schen oft nur aus Ober­fläch­lich­kei­ten ohne Sub­stanz besteht und sie sich von Poli­ti­kern nur allzu oft mani­pu­lie­ren und instru­men­ta­li­sie­ren lassen. Das Medi­en­in­ter­esse ist ihnen auf­grund ihres Namens sicher, selbst wenn sie jen­seits ihrer Kunst nichts zu sagen haben, das von beson­de­rem Belang wäre. Es ist aber ein Fehler zu glauben, aus dem Inter­esse an der Person Udo Lin­den­berg würde sich Wir­kungs­ka­pi­tal schla­gen lassen.

Als Udo Lin­den­berg zum Bei­spiel 2011 in Jena seine Fans zum Konzert „gegen rechts“ in bester Batman-Manier zusam­men­rief – „Es musste leider sein“, Gotham City hatte zum Zeichen setzen gerufen – konnte er sicher sein, dass sich im jubeln­den Publi­kum aber auch nicht ein ein­zi­ger Nazi ver­steckt hatte, gegen den Udos Armee die Reihen fest geschlos­sen hatte. Der Anti­fa­schis­mus gedeiht dort beson­ders gut, wo es keine Faschis­ten gibt. Auf Udo-Lin­den­berg-Kon­zer­ten zum Bei­spiel.

Bob Dylan’s Songs sind poli­tisch, Kon­stan­tin Weckers Songs auch, bei Udo Lin­den­berg ist es zumin­dest Atti­tüde. Aber Dylan betä­tigte sich nie als Pro­pa­gan­dist und lies sich nie vor einen poli­ti­schen Karren spannen – unter anderem deshalb kommt Wecker nie für einen Lite­ra­tur­no­bel­preis in Frage und Lin­den­berg nicht als glaub­haf­ter Minis­ter für Volks­auf­klä­rung.

Wer Pommes liebt, ist der natür­li­che Feind der Kar­tof­fel­fäule, ob ihm das klar ist, oder nicht. Ein Demo­krat muss nicht laut­stark „gegen Nazis“ rufen, weil er kein Demo­krat wäre, wenn er für Nazis ein­tritt – das sollte langsam auch dem letzten Mund­har­mo­ni­kaspie­ler klar sein. Mir genügt auch schon, Lin­den­berg immer wieder an der Seite von Siggi Gabriel zu sehen um zu erken­nen, dass im Udo eine unan­ge­nehme Affi­ni­tät zur Macht steckt.

Also Udo, male, singe, tu‘ was gegen Sinn­kri­sen und Fußpilz und rufe Dein Publi­kum weiter gegen Rechts­po­pu­lis­mus auf – aber ver­schone uns zumin­dest mit poli­ti­schen Beleh­run­gen deiner Kol­le­gen. Ich würde es nämlich sehr begrü­ßen, mir nicht auch noch die poli­ti­schen Emp­feh­lun­gen von Helene Fischer anhören zu müssen.

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1 Kommentar

  1. Die Künst­ler haben ja auch keine andere Wahl. Würde es Eine ® wagen auch nur andeu­tungs­weise sich kri­tisch zur Flücht­lings­po­li­tik zu äussern oder vor­sich­tig nach­zu­fra­gen ob die Afd mal bei einer Sache aus­nahms­weise richtig liegen könnte, die Schlag­zei­len wären (Nennen wir ihn bei­spiel­haft Lin­den­berg) „Was ist mit Lin­den­berg los? Lin­den­berg bekun­det Sym­pa­thie mit Afd. Tickt Lin­den­berg noch richtig? Pro­mi­nente wie Lin­den­berg sind mit Schuld wenn Flücht­lings­heime brennen. Wird Lin­den­berg zum Rechten?”
    Das kann Keiner ris­kie­ren, Ein­bruch der Platten-Ver­kaufs­zah­len, Keine Rollen mehr für solche Schau­spie­ler.

    Wirk­li­chen Respekt würde der oder die Pro­mi­nente von meiner Seite erfah­ren wenn sich endlich jemand einer unge­heu­ren Sache anneh­men würde die schon seit 09. Sept. 2016 durch die Zei­tun­gen gegan­gen ist: Beim Aus­län­der­zen­tral­re­gis­ter sind zahl­rei­che ver­hei­ra­tete Min­der­jäh­rige erfasst, die jüngst als Flücht­linge ein­ge­reist sind, dar­un­ter 361 Kinder unter 14 Jahren. Dies ist om Juli 2016 durch eine Anfrage der Grünen bekannt gewor­den. Wo bleibt der Auf­schrei? Stellen wir uns vor, 361 Deut­sche oder ansäs­sige Aus­län­der mit pädo­phi­ler Neigung hätten sich je ein Kind geschnappt und würden dieses als abhän­gi­ges Anhäng­sel zu Hause halten und miss­brau­chen. Die Ein­satz­kom­man­dos würden aus­rü­cken und die Haft­be­fehle voll­stre­cken und die Kinder befreien.
    Und jetzt? Ist die Rechts­ord­nung besei­tigt?
    Seit 4 Monaten besteht der drin­gende Tat­ver­dacht dass 361 Kinder unter 14 Jahren in ihrem Zuhause sexuell miß­braucht werden oder worden sind. Nach § 176 StGB ist eine solche Tat mit bis zu zehn Jahren Frei­heits­strafe bedroht und Jeder, wirk­lich Jeder wird und wurde seit Bestehen der Bun­des­re­pu­blik nach diesem Gesetz belangt und schwer bestraft, meist unter Verlust der bür­ger­li­chen Exis­tenz, des Arbeits­plat­zes und Zer­stö­rung der Familie wenn eine Tat bekannt gewor­den ist.

    Wenn nun aus anderen Ländern ein­ge­reiste bestimmte Per­so­nen davon aus­ge­nom­men werden sollten wäre Artikel 20 GG in Betracht zu ziehen: „[…] die voll­zie­hende Gewalt und die Recht­spre­chung sind an Gesetz und Recht gebun­den. (4) Gegen jeden, der es unter­nimmt, diese Ordnung zu besei­ti­gen, haben alle Deut­schen das Recht zum Wider­stand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist”. Es müsste sich drin­gend jemand finden, der die „andere Abhilfe” bemüht (Presse, Jour­na­lis­ten, Straf­an­zei­gen, Schrei­ben an Jus­tiz­mi­nis­ter, Staats­an­walt­schaft, Peti­tio­nen) . Wenn dann die Besei­ti­gung der Rechts­ord­nung anhielte wäre der Weg zu Artikel 20 geboten.

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