Eines der erklär­ten Zie­le des Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on ist es, zur „Ver­min­de­rung der Migra­ti­ons­ur­sa­chen“ bei­zu­tra­gen. Migra­ti­ons­ur­sa­chen, nicht Flucht­ur­sa­chen! Auch wenn bei­des im Ver­lauf des Doku­men­tes immer mehr zu einem glat­ten Teig zusam­men­ge­rührt wird. Es geht im GCM also eigent­lich nicht um Krieg, poli­ti­sche oder reli­giö­se Ver­fol­gung oder eth­ni­sche Kon­flik­te, son­dern um die indi­vi­du­el­le Suche nach einem bes­se­ren Leben – und wer woll­te anzwei­feln, dass die­ses Stre­ben ein legi­ti­mes Anlie­gen ist. Auf die zu bekämp­fen­den Migra­ti­ons-Ursa­chen möch­te ich nach­fol­gend etwas näher ein­ge­hen und zei­gen, dass die UN-Plä­ne, die im GCM nie­der­ge­schrie­ben sind, schon unter die­sem Aspekt ent­we­der absurd oder schrei­end naiv sind. Wahr­schein­lich sogar beides.

Ein sehr lesens­wer­ter Arti­kel von Ste­fan Aust für Welt+ zitiert zum Bei­spiel den UN-Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res mit den Wor­ten: „Migran­ten, denen lega­le Ein­rei­se­mög­lich­kei­ten ver­wehrt wer­den, grei­fen unwei­ger­lich auf ille­ga­le Metho­den zurück. Lega­le Ein­rei­se zu ermög­li­chen, ist der bes­te Weg, das Stig­ma der Ille­ga­li­tät und des Miss­brauchs von Migran­ten zu been­den.“ Eine Logik, deren inne­woh­nen­de Nai­vi­tät erst deut­lich wird, wen­det man sie auf ande­re nicht vor­han­de­ne Ursa­che-Wir­kung-Dua­lis­men an: Wem der Zugang zum Medi­zin­stu­di­um ver­wehrt wird, der muss eben Prof. Dr. Hoch­stap­ler wer­den, eine abge­schlos­se­ne Haus­tür lässt harm­lo­se Pas­san­ten zu Ein­bre­chern mutie­ren und man­geln­de lega­le Mög­lich­kei­ten, Steu­ern zu zah­len, sor­gen für Steu­er­hin­ter­zie­hung. Sol­che Äuße­run­gen von UN-Gre­mi­en ver­die­nen min­des­tens die Fiel­ds-Medail­le – für mathe­ma­ti­sche Ori­gi­na­li­tät. Lei­der ist die Sache weni­ger lus­tig, wenn man die Fol­gen bedenkt.

Ein paar Fragen zur Migration und deren Ursachen

Auch wenn es ins­be­son­de­re Grü­ne und Lin­ke nicht gern hören wer­den, aber die abso­lu­te Armut ist im glo­ba­len Kon­text in den letz­ten drei Jahr­zehn­ten immer wei­ter zurück gegan­gen. Das mag kein Grund zum Fei­ern sein, aber die Vor­stel­lung, den Men­schen gin­ge es welt­weit in toto von Jahr zu Jahr schlech­ter – außer im „rei­chen“ Euro­pa natür­lich – ist absurd! Die­se Annah­me braucht es aber, um dem GCM aus­rei­chend Legi­ti­mi­tät zu ver­schaf­fen, wozu auch gehört, Migra­ti­on für prin­zi­pi­ell wün­schens­wert zu erklä­ren (sie­he Prä­am­bel des GCM). Es ist, als stün­de man in einem nach Was­ser­rohr­bruch über­flu­te­tem Raum und erklär­te das stei­gen­de Was­ser für erwünscht, weil man nicht in der Lage ist, das Leck zu fin­den. So wird aus einem Pro­blem ein erfüll­ter Wunsch und die Illu­si­on der Kon­trol­le bleibt intakt. Doch viel­leicht stel­len wir nur die fal­schen Fra­gen, wenn es um die Tat­sa­che geht, war­um sich heu­te mehr Men­schen als je zuvor in der Geschich­te vor­stel­len kön­nen, ihre Hei­mat zu ver­las­sen oder dies tat­säch­lich pla­nen und tun.

Frage 1: Was hat sich geändert?

Was ist 2018 anders als 1970, 1980 oder 1995. Waren die Afri­ka­ner etwa weni­ger arm, also im Ver­gleich mit uns, den Euro­pä­ern, nicht im Ver­gleich mit ihrer Peer-Group zu Hau­se? Gab es bes­se­re Jobs, mehr Rechts­si­cher­heit, pro­spe­rier­ten die Län­der der Sub-Saha­ra? Nichts der­glei­chen. Im Gegen­teil, wie wir noch sehen wer­den. Aber war­um kamen die Men­schen nicht schon 1995 oder 2000 in Mas­sen, auf Boo­ten oder zu Fuß? Ein Blick auf den Wiki­pe­dia-Ein­trag am Bei­spiel Malis bringt uns der Lösung näher. Dort heiß es unter dem Punkt „Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on“:

„Im Jah­re 2002 gab es in Mali 56.600 Tele­fon­an­schlüs­se [Fest­netz, Anm. d. A.], davon 80 % in der Haupt­stadt Bama­ko. Der Stan­dard galt als nied­rig und unzu­ver­läs­sig. Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Mobil­te­le­fo­nie einen idea­len Wachs­tums­markt gefun­den. Seit im Jahr 1998 der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­markt libe­ra­li­siert und eine Auf­sichts­be­hör­de geschaf­fen wur­de, ist die Bran­che rasant gewach­sen und bie­tet dabei den Kun­den nied­ri­ge Prei­se, wenn­gleich es im Land ledig­lich zwei Betrei­ber gibt. Die Zahl der Mobil­funk­kun­den Malis ist von 10.000 im Jahr 2000 auf 2,5 Mil­lio­nen im Jahr 2007 in die Höhe geschnellt. […] Der Anteil der Inter­net-Nut­zer ist in Mali von prak­tisch null im Jah­re 2000 auf rund 6 % der Gesamt­be­völ­ke­rung im Jah­re 2007 gestie­gen. […] Der Gebrauch von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons-Dienst­leis­tun­gen ist weit­ge­hend ein städ­ti­sches Pri­vi­leg. Die Ver­sor­gung des Lan­des ist mar­kant schlech­ter; etwa 12 % der Mali­er woh­nen in so dünn besie­del­ten Gebie­ten, dass sie ohne Sub­ven­ti­on nie in den Genuss sol­cher Ser­vices kom­men werden.“ 

Das war die Lage 2007, an der sich struk­tu­rell bis heu­te nichts geän­dert hat. Wir erle­ben seit etwa 20 Jah­ren in den meis­ten afri­ka­ni­schen Län­dern einen gewal­ti­gen Tech­no­lo­gie­sprung in Rich­tung Inter­net, und zwar gleich in die heu­ti­ge, mobi­le Aus­prä­gung. Die Tech­no­lo­gie­stu­fe „Fest­netz“ über­springt man dabei, eben­so übri­gens die typisch euro­päi­sche Vor­stel­lung von sta­tio­nä­ren Ban­ken und Kon­ten für den Zah­lungs­ver­kehr und der Idee eines auch zur Wert­auf­be­wah­rung geeig­ne­ten Geld­sys­tems, die sich in den infla­tio­nä­ren Wäh­run­gen in der Hei­mat ohne­hin nie durch­set­zen konn­te. Nicht Kapi­tal­bil­dung, son­dern Kon­sum fin­det statt. Oder Kapi­tal­flucht. Selbst die eige­nen Dik­ta­to­ren brin­gen ergau­ner­te Ver­mö­gen im Aus­land in „Sicher­heit”.

Am Tech­no­lo­gie­sprung ist zunächst nichts Schlech­tes, er ist logisch. Es ergibt ja auch kei­nen Sinn, alle Tech­no­lo­gie­stu­fen zu durch­lau­fen, um in eine bereits exis­tie­ren­de Moder­ne zu gelan­gen. Chi­na bau­te ja auch nicht den Flug­ap­pa­rat der Brü­der Wright nach, son­dern baut lie­ber gleich taug­li­che Pas­sa­gier­flug­zeu­ge wie die Comac.

Das erklärt, war­um es aus­ge­rech­net die Stadt­be­woh­ner afri­ka­ni­scher Län­der sind, die sich auf den Weg machen – sie haben einen immensen Infor­ma­ti­ons­vor­sprung gegen­über länd­li­chen Lan­des­tei­len, der in Euro­pa in die­ser Wei­se nicht exis­tiert. Zur Infor­ma­ti­on und der Ver­füg­bar­keit moder­ner Infra­struk­tur, die bei der Rei­se hilft (bar­geld­lo­ses Bezah­len, Kon­takt zur Hei­mat) kommt ein wei­te­rer Fak­tor hin­zu: Das Geld für die Rei­se ist ver­füg­bar, das war noch vor 20 oder 30 Jah­ren nicht der Fall.

Frage 2: Wer genau kommt da eigentlich?

Die huma­nis­tisch-euro­päi­sche Sicht auf Migra­ti­on ist stark geprägt von den Ereig­nis­sen in der eige­nen Geschich­te. Man denkt an ver­lo­re­ne Krie­ge, reli­giö­se Kon­flik­te, Gebiets­ver­lus­te oder Natur­ka­ta­stro­phen wie die in Irland, wo eine Hun­gers­not in den 1840er Jah­ren Hun­dert­tau­sen­de zur Aus­rei­se nach Ame­ri­ka zwang.

In Irland war es ins­be­son­de­re die ver­arm­te Land­be­völ­ke­rung, die sich auf den Weg über den Atlan­tik mach­te, wäh­rend es heu­te in Afri­ka eher die Bewoh­ner der Städ­te sind. Die unter Fra­ge 1 erwähn­ten Bedin­gun­gen sind näm­lich nur dort erfüllt: Zugang zum Inter­net, Smart­pho­nes für die Rei­se­pla­nung. Das alles gibt es jedoch nur in ver­gleichs­wei­se wohl­ha­ben­den Fami­li­en­struk­tu­ren, die das Geld für die Durch­füh­rung der Migra­ti­on eini­ger Fami­li­en­mit­glie­der auf­brin­gen können…all das fin­den wir in Nige­ria, Gha­na, Mali und anders­wo in den Städ­ten und dort wie­der­um in der Mit­tel­schicht, wo bereits ein gewis­ser sozia­ler Auf­stieg statt­ge­fun­den hat. Das immer noch rapi­de Bevöl­ke­rungs­wachs­tum in den Sub­sa­ha­ra-Län­dern einer­seits – auch in der Mit­tel­schicht – und ein aus­rei­chend gro­ßer Anreiz, im „rei­chen Nor­den“ erheb­lich leich­ter ein ver­gleich­ba­res oder für die Fami­lie zusätz­li­ches Ein­kom­men zu erzie­len, sor­gen für genug Druck. Aus öko­no­mi­scher Sicht und ange­sichts der aus poli­ti­schen Grün­den beschränk­ten Aus­sich­ten für wei­te­ren Auf­stieg oder Sicher­heit erreich­ten Wohl­stan­des, ist die Ent­schei­dung zur Migra­ti­on abso­lut logisch und ver­gleichs­wei­se erfolgversprechend.

Immer wie­der hört man ja die War­nun­gen, dass es eben nicht die ärms­ten sei­en, die es zu uns schaf­fen. Dass es jedoch Sys­tem hat, wenn aus­ge­rech­net die Mit­tel­schicht sich auf den beschwer­li­chen Weg in den ver­meint­lich gol­de­nen Nor­den macht, blen­det Euro­pa strikt aus. Dabei muss man nur auf die eige­nen Jour­na­lis­ten hören, wenn man schon nicht auf böse Blog­ger wie mich hören möch­te. In einem Bericht des DLF vom August 2018 kam Wal­de­mar zu Wort. Wal­de­mar kommt aus der Elfen­bein­küs­te und hat es geschafft, von Marok­ko aus nach Spa­ni­en über­zu­set­zen. In einem Schlauch­boot, wie es vie­le ver­su­chen. Vie­le mehr­fach, vie­le schaf­fen es letzt­lich. Nun gehört die Elfen­bein­küs­te aktu­ell nicht zu den Kri­sen­ge­bie­ten Afri­kas und man darf sich die Fra­ge stel­len, was einen Ivo­rer wie Wal­de­mar dazu bewegt hat, in ein Schlauch­boot zu stei­gen. Er berich­tet offen über sei­ne Über­fahrt: „Wir hat­ten Freun­de, wir haben es mehr­fach ver­sucht. Um das Geld für die Über­fahrt zu bekom­men, haben wir in der Hei­mat ange­ru­fen. Dann haben die Geld geschickt und wir haben immer mal wie­der 100 Euro gezahlt. Dann haben wir das Mate­ri­al gekauft und sind ges­tern rüber gekommen.“

Ord­nen wir das Gele­se­ne kurz ein. Die Elfen­bein­küs­te ver­zeich­ne­te 2017 ein Wirt­schafts­wachs­tum von 7,8%. Ein beacht­li­cher Wert, möch­te ich mei­nen. Im Ver­gleich zu Deutsch­land ist es natür­lich immer noch ein armes Land, gera­de wenn man auf das BIP pro Kopf (kauf­kraft­pa­ri­tä­tisch) von $3.883 pro Jahr schaut, und die­se mit dem Deutsch­lands ver­gleicht, die im Jahr 2017 bei $50.425 lagen. Die „100 Euro“, die Wal­de­mar und sei­ne Freun­de „immer mal wie­der“ aus der Hei­mat erhiel­ten, ent­spre­chen also 1.300 Euro Kauf­kraft in Deutsch­land. Über­le­gen Sie selbst, wie oft Sie „immer mal wie­der“ einen sol­chen Betrag irgend­wo­hin schi­cken kön­nen und zu wel­cher gesell­schaft­li­chen Schicht sie gehö­ren, wenn sie dies, viel­leicht unwil­lig, schimp­fend und zäh­ne­knir­schend, aber letzt­lich den­noch für ein Fami­li­en­mit­glied tun wür­den. Mehr­fach. „Immer mal wieder.“

Es ist offen­kun­dig und fast aus­schließ­lich die Mit­tel­schicht, die in den letz­ten zwan­zig Jah­ren ent­stan­de­ne Mit­tel­schicht in Afri­ka, die sich auf den Weg nach Euro­pa macht. Weil sie die Mit­tel hat, weil sie die Infor­ma­tio­nen hat, weil sie in ihren bis auf die Kno­chen kor­rup­ten Hei­mat­län­dern an Gren­zen sto­ßen, die aus Rechts­un­si­cher­heit, Klep­to­kra­tie, eth­ni­schen und reli­giö­sen Kon­flik­ten und einer fest im Sat­tel sit­zen­den kri­mi­nel­len Ober­schicht besteht. Viel­leicht hat man es selbst geschafft, viel­leicht hat man kol­la­bo­riert und aus den­sel­ben Töp­fen gesof­fen, die den Füh­rungs­eli­ten Afri­kas die Bäu­che fül­len: inter­na­tio­na­le Roh­stoff-Fir­men, die Bestechun­gen und Schutz­gel­der zah­len oder NGO’s, die mit Gieß­kan­nen vol­ler Ent­wick­lungs­hil­fe, legi­ti­miert durch UN-Orga­ni­sa­tio­nen, durchs Land zie­hen. Für Euro­pa ist es gewis­ser­ma­ßen der Fluch der guten Tat, die nun mit Macht auf uns zurück­fällt. Denn die Sache hat einen dop­pel­ten Haken.

If I can make it there, I’ll make it anywhere

Die­se Text­zei­le aus dem Sina­tra-Song „New York, New York“ erfüllt sich näm­lich für afri­ka­ni­sche Mit­tel­schicht-Aus­wan­de­rer in Euro­pa so gut wie nie, wäh­rend sich iri­sche oder ita­lie­ni­sche Unter­schicht-Aus­wan­de­rer im schlimms­ten Fall in der­sel­ben sozia­len Klas­se wie­der­fan­den, der sie aus Euro­pa ent­kom­men woll­ten. Der Blick geht nach oben, wei­ter abrut­schen fast aus­ge­schlos­sen. Ein Wal­de­mar aus der Mit­tel­schicht der Elfen­bein­küs­te stellt sich in sei­nem Ziel­land Frank­reich jedoch wie­der ganz weit unten an, sein sozia­les Pres­ti­ge ist ver­lo­ren, der Frust vor­pro­gram­miert. Die 100 Euro, die ihm sei­ne Fami­lie schi­cken kann, füh­len sich in Paris oder Mar­seil­le auch nicht mehr wie 1300 an. Es ist ein Abstieg, der oft genug ein Abstieg in die Sozi­al­sys­te­me und die Kri­mi­na­li­tät ist. Im Ein­zel­fall ist dies nicht zu ver­hin­dern. Etwas gänz­lich ande­res ist es, die­se Abstiegs­spi­ra­le durch einen UN-Pakt auch noch für nor­mal und wün­schens­wert zu erklä­ren. Das ist der ers­te Haken der ver­meint­lich guten Tat.

Unse­re Regie­rung scheint nun zu ver­su­chen, um den zwei­ten Haken etwas schär­fer zu zeich­nen, durch besin­nungs­lo­ses Geld­aus­ge­ben und aller­lei sozia­le Wohl­ta­ten wie kos­ten­lo­ses Woh­nen, kos­ten­lo­se Gesund­heits­ver­sor­gung, Inte­gra­ti­ons­kur­se, Aner­ken­nung von Abschlüs­sen, Unter­stüt­zung betreu­en­der NGO‚s und vie­les mehr die­se Lücke fül­len zu wol­len, was bei Tei­len der Bevöl­ke­rung den Ein­druck erweckt, hier gin­ge es nicht mit rech­ten Din­gen zu. Vor allem nicht mit rechts­staat­li­chen. Das Gerech­tig­keits­emp­fin­den der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung Deutsch­lands (und nicht nur die­ser) ist erheb­lich gestört, was mitt­ler­wei­le zu mehr als nur einem ver­nehm­li­chen Mur­ren geführt hat. Der ver­nehm­li­che, sicht­ba­re Teil die­ses Mur­rens ist jedoch nur die Spit­ze des Eis­ber­ges und sitzt mitt­ler­wei­le in erheb­li­cher Frak­ti­ons­stär­ke im Bun­des­tag und sämt­li­chen Landtagen.

Frage 3: Welche Migrationsursachen sollen eigentlich bekämpft werden?

Das alles führt uns zur ent­schei­den­den Fra­ge, auf die der Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on nicht ein­mal den Hauch einer Ant­wort hat: wenn der heu­ti­ge Migra­ti­ons­strom getrie­ben wird vom tech­ni­schen Fort­schritt und dem wirt­schaft­li­chen Erfolg einer recht klei­nen Grup­pe von Men­schen in den Her­kunfts­län­dern, jedoch ver­ur­sacht ist von den tat­säch­li­chen poli­ti­schen Zustän­den in die­sen Län­dern, von denen dort wie­der­um eine klep­to­kra­ti­sche Ober­schicht pro­fi­tiert, war­um soll­ten die Reprä­sen­tan­ten die­ser Ober­schicht den GCM dann unter­zeich­nen? In Deutsch­land will uns die Gro­Ko erzäh­len, die­se machen das, um sich unse­ren Stan­dards anzu­glei­chen. Ich dage­gen hal­te es für aus­ge­schlos­sen, dass die unter­zeich­nen­den Dik­ta­to­ren auch nur die Absicht haben, am Sta­tus Quo in ihren Län­dern etwas zu ändern.

Zäh­len Sie zwei und zwei zusam­men, lie­be Leser, und ent­schei­den Sie selbst, ob sich die tat­säch­li­chen Ursa­chen der Migra­ti­on bekämp­fen las­sen. Es sei denn, man befür­wor­tet es im Kanz­le­rin­nenamt, das Inter­net in Afri­ka abzu­schal­ten und die dor­ti­ge Mit­tel­schicht von den ört­li­chen War­lords und Dik­ta­to­ren kur­zer­hand ent­eig­nen zu las­sen. Weil davon nicht aus­zu­ge­hen ist, kom­men für das Han­deln der Bun­des­re­gie­rung nur noch zwei Moti­ve in Fra­ge: ent­we­der Dumm­heit – char­mant, aber auch unwahr­schein­lich. Oder aber man möch­te 2015 ver­schüt­te­te Milch unter einem gan­zen Milch­see verstecken.

Ein Jam­mer nur, dass so gut wie alle Län­der, in die ich mich selbst im Ernst­fall unter gro­ßem Aus­rei­se­druck abset­zen wür­de, den GCM expli­zit nicht unter­schrei­ben wer­den. Neu­see­land gin­ge wohl noch, aber um auch nur theo­re­tisch dort­hin zu gelan­gen – prak­tisch ver­hin­dert das neu­see­län­di­sche Migra­ti­ons­ge­setz eine unkon­trol­lier­te Ein­rei­se –, muss man die­sel­ben öko­no­mi­schen Vor­aus­set­zun­gen erfül­len, wie etwa ein Migrant aus Gha­na, der nach Deutsch­land möch­te: man muss zur öko­no­mi­schen Mit­tel­schicht gehö­ren (wenn auch nicht der nach Merz’scher Defi­ni­ti­on) um sich die gege­be­nen Rei­se­be­din­gun­gen leis­ten zu kön­nen. Ein Smart­pho­ne habe ich, es fehlt mir nur an den „Immer-mal-wie­der-Über­wei­sun­gen“ aus der Heimat.

PS: Hier die aktu­el­len Ergeb­nis­se der Welt-Umfra­ge unter dem oben erwähn­ten Arti­kel von Ste­fan Aust. Auch wenn sol­che Medi­en­um­fra­gen nie reprä­sen­ta­tiv sind, soll­ten sie doch Hin­weis für die Regie­rung sein, wie die Stim­mung für ein poli­ti­sches Groß­pro­jekt sich tat­säch­lich dar­stellt. Tut man dies nicht, soll­te man sich jedoch nicht über Bedeu­tungs­ver­lust, schwin­den­de Wäh­ler­ba­sis und einen immer grö­ßer wer­den­den blau­en Ele­fan­ten bekla­gen. Die Abstim­mung beruht auf aktu­ell 97.395 Teil­neh­mern. Um 95.000 davon für rechts­ex­tre­me Idio­ten zu hal­ten, braucht es ein gutes Maß Realitätsverweigerung.

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11 Kommentare

  1. Der Migra­ti­ons­pakt ist von lan­ger Hand vor­be­rei­tet und selbst­ver­ständ­lich Absicht. Ein Skan­dal, dass die­se Selbstent­äu­ße­rung nicht im Bun­des­tag debat­tiert und der Öffent­lich­keit vor­ge­legt wird. Deutsch­land ver­kauft sich an die Migran­ten oder Flücht­lin­ge („Schutz­su­chen­de”) und öff­net jedem Mes­ser­ste­cher, denn aus die­sen Krei­sen stam­men doch die jun­gen „Mes­ser­män­ner”, ein wei­tes Aktionsfeld.

  2. Du kannst es ihnen (wie hier bes­tens bewie­sen) erklä­ren, Demos ver­an­stal­ten, Peti­tio­nen erstel­len, nega­ti­ve Erfah­run­gen sam­meln las­sen, es im Guten ver­su­chen, sie Erklär­vi­de­os schau­en las­sen, dich­ten, Rei­me und Ryth­men mischen aber es wird nicht helfen.
    Es ist der Sou­ve­rän. Der Duden meint dazu:
    „(geho­ben) (auf­grund sei­ner Fähig­kei­ten) sicher und über­le­gen (im Auf­tre­ten und Handeln)”
    Bei „sicher und über­le­gen” dach­te ich dann: „Ver­dammt, Ich sit­ze ganz schön in der Scheiße”.

  3. Ich bin auch beein­druckt! Muss ich mir aus­dru­cken, an die Wand hän­gen, tei­len, sonst­wie fest­hal­ten! Super!

  4. Hier wird ver­sucht etwas zu ver­hin­dern was auf Dau­er nicht zu ver­hin­dern ist. Sie wer­den kom­men. Sie wol­len das was wir haben auch haben, so ist der mensch­li­che Ego­is­mus. So sind auch – ich glau­be- , alle Krie­ge entstanden.
    Hier liegt ein grund­sätz­li­cher Schöp­fungs­feh­ler zu Grunde.

  5. Mer­kel hat vor Jahr und Tag bei Anne Will schon gesagt, was sie errei­chen will, wenn alles geschafft ist: Mög­lichst vie­le Men­schen in Deutsch­land. Mög­lichst vie­le Men­schen in einem Land mit nega­ti­ver Repro­duk­ti­os­ra­te heißt mög­lichst vie­le Ara­ber und Afri­ka­ner. Also mög­lichst vie­le Kon­su­men­ten, Arbeits­kräf­te, Ein­woh­ner. 2015 ergab sich die Mög­lich­keit gleich mal 1 Mio zu schnap­pen. Und das Ergeb­nis ist ein Boom beim Woh­nungs­bau für Einwanderer,
    Betreu­ungs­gel­der für Kom­mu­nen, Kir­chen und Hel­fer. Die „Asyl­in­dus­trie“ boomt. Na also, Wachs­tum, Wachstum.
    Der Wie­der­ver­ei­ni­gungs­boom war schon ver­ebbt. Jetzt also Asyl­boom. Und klar, die Mäch­ti­gen der Her­kunfts­län­der sind froh den „Über­schuss“ los zu wer­den und erhal­ten Über­wei­sun­gen aus dem Aus­land. Eine win win Situationen.
    Wie sag­te Yascha Mounk, das gibt natür­lich Ver­wer­fun­gen, aber sonst ist das super. Muss nur rich­tig erklärt werden.
    Und eines nicht ver­ges­sen, ohne Wachs­tum kann die Indus­trie nicht über­le­ben und ohne spru­deln­de Steu­er­ein­nah­men kei­ne fet­ten Poli­ti­ker­ge­häl­ter. Alles klar?

  6. Sie tref­fen den Nagel wie­der ein­mal auf den Kopf.
    Genau so ist es.
    Ich unter­stel­le den Autoren und Betrei­bern die­ses Pak­tes durch­aus nicht Dumm­heit oder Blind­heit für die Realitäten.
    Ich unter­stel­le ihnen Absicht.

    • nur, was haben die davon? kön­nen sich alle dar­an betei­lig­ten deut­schen Poli­ti­ker dort­hin abset­zen, wo sie nicht von der von ihnen selbst los­ge­tre­te­nen Lawi­ne über­rollt werden?

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