Der Vorwurf, sich erst in letzter Sekunde auf das Thema GCM zu stürzen, bei dessen Zustan­de­kom­men aber nicht mit­ge­wirkt zu haben, wurde mehr­fach laut gegen die AfD. Und das obwohl über­haupt erst auf deren Initia­tive die Befas­sung des Bun­des­ta­ges am 8.11.2018 mit dem UN-Pakt zustande kam. Tenor: ihr hattet eure Chance, inhalt­lich etwas bei­zu­steu­ern, jetzt ist es zu spät dafür. Im Dezem­ber rücken in Douglas-Adams-Manier die galak­ti­schen Bau­trupps der Vogonen an. Der Drops ist gelutscht, der Kater gekämmt, Fei­er­abend! Peti­tio­nen, Kam­pa­gnen, vor die Bagger legen…alles ver­geb­lich. Die Pläne lagen ja schließ­lich lange genug im zustän­di­gen Bauamt auf Alpha Cen­tauri (UN-Gebäude, New York) aus und so eine galak­ti­sche Umge­hungs­straße muss eben gebaut werden, weil sie geplant ist. Nach der letzten kurzen Befas­sung des Bun­des­ta­ges im April, die auf­grund zweier kleiner Anfra­gen der AfD-Frak­tion eben­falls über­haupt erst zustande kam, hatte der GCM bis zu seiner finalen Fassung im Juli indes noch erheb­lich an Umfang und Gewicht zuge­legt. Doch wenn Ver­pflich­tun­gen, Ver­träge oder Tumore umfang­rei­cher werden, sollte man einen wei­te­ren prü­fen­den Blick darauf werfen, bevor man sie einfach so unter­schreibt oder hin­nimmt.

Die Debatte am 8.11. bot Erwar­te­tes. Stephan Har­b­arth (CDU), der die erste Erwi­de­rung der Regie­rungs­par­teien auf die Rede des Schwe­fel­bu­ben Gauland bringen durfte, erklärte, es gelte nun, mit Hilfe des GCM, die „Stan­dards“ (vulgo Sozi­al­stan­dards) welt­weit anzu­glei­chen, also auf deut­sches Niveau zu heben. Es gäbe welt­weit gemein­same Ziele und deshalb werde man auch zu diesen gemein­sa­men Stan­dards gelan­gen. „Wer für den GCM ist, schafft die Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass die Anreize, nach Deutsch­land zu kommen, zurück gehen.“ sagt Har­b­arth und weiter „der poli­ti­sche und geis­tige Hori­zont dieses Hauses darf niemals an den deut­schen Außen­gren­zen enden“. Das klingt zwar etwas grö­ßen­wahn­sin­nig, aber auch nicht mehr als das, was sonst an glo­ba­lis­ti­scher Groß­manns­sucht durch das Hohe Haus wabert. Grie­chen­land­ret­tung, Ban­ken­ret­tung, Euro­ret­tung, Kli­ma­ret­tung, Welt­ret­tung. Das deut­sche par­la­men­ta­ri­sche A-Team Mac­Gy­vert sich durch die poli­ti­sche Galaxis.

Nun sind es also die Stan­dards der Gesund­heits- und Sozi­al­sys­teme, die wir der Welt bringen werden, wie Pro­me­theus den Men­schen das Feuer. The German Way of Life. Das ist es also, was Har­b­arth im Global Compact for Migra­tion sehen will und deshalb ver­tei­digt er ihn lei­den­schaft­lich. Kurio­ser­weise könnte es schon bald für Stephan Har­b­arth zum Schwur kommen, wenn er als neuer Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ab 2020 das Grund­ge­setz gegen jene Geset­zes­vor­la­gen beschüt­zen muss, die den Geist des GCM nur zu gern auf­grei­fen werden. Die ersten stehen schon in den Start­lö­chern. Har­b­arths Plä­doyer vom 8.11.2018 für den UN-Pakt könnte dann in Dau­er­schleife unter dem Titel „Ver­spro­chen – gebro­chen!“ in den sozia­len Medien laufen, falls es die in zwei Jahren abseits von Cat-Content und Par­tei­en­wer­bung noch geben sollte.

Als Antwort auf eine Nach­frage von Storchs, welches Land denn tat­säch­lich die Absicht habe oder auch nur dazu fähig sei, seine Stan­dards auch nur in die Nähe des deut­schen Niveaus zu heben, um dadurch den Migra­ti­ons­druck von Deutsch­land zu nehmen, ant­wor­tet Har­b­arth: „Ich habe im Sommer ein Flücht­lings­la­ger in Jor­da­nien besucht…“ und führt damit en passant den (ver­mut­lich unbe­ab­sich­tig­ten) Beweis für die Berech­ti­gung von Befürch­tun­gen der Kri­ti­ker des Paktes, dar­un­ter auch der Grüne OB von Tübin­gen Boris Palmer, die das größte Defizit des GCM darin sehen, dass nicht scharf zwi­schen Asyl, Flucht & Ver­trei­bung und Migra­tion unter­schie­den wird. Auch Har­b­arth scheint dazu offen­kun­dig nicht in der Lage, wenn er auf eine Frage zum MIGRA­TI­ONS-Pakt ant­wor­tet, er sei in einem FLÜCHT­LINGS-Lager gewesen. Es mag ihm ent­gan­gen sein, aber einen „Global Compact on Refu­gees“ gibt es ja eben­falls und der ist über­haupt nicht umstrit­ten und war weder Gegen­stand der Debatte, noch der Frage.

Chris­toph Mat­schie (SPD) hin­ge­gen betont, nur inter­na­tio­nale Rege­lun­gen helfen weiter, natio­nale hin­ge­gen nicht. Damit schubst er – sicher auch ohne Vorsatz – das bisher wie eine Mons­tranz vor dem GCM her­ge­tra­gene Prinzip der staat­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät bei­seite und zeich­net die Stoß­rich­tung vor, die der Gesetz­ge­bungs­pro­zess in Deutsch­land ein­ge­schla­gen hat. Denn dort trifft ja eben gerade nicht ein unver­bind­li­cher inter­na­tio­na­ler Pakt auf ver­bind­li­ches natio­na­les Ein­wan­de­rungs­recht, sondern ein noch zu erlas­se­nes Ein­wan­de­rungs­ge­setz trifft auf einen Pakt, von dem die Macher des Geset­zes ganz begeis­tert sind und dessen inter­na­tio­nale Rege­lun­gen, denen Deutsch­land im Dezem­ber zustim­men wird, laut Mat­schie wirk­mäch­ti­ger sein müssen als klein­li­che natio­nale Rechts­prin­zi­pien oder siebzig Jahre alte Ver­fas­sun­gen. Sub­si­dia­ri­tät? Geplatzt, über­wun­den, von gestern!

Mat­schies Atti­tüde trifft im Grunde genau den Kern des Pro­blems, denn warum wollen die Kri­ti­ker des Paktes sich bei allen Ver­su­chen, die Ideen des Paktes 1:1 umzu­set­zen, nicht einfach auf die Prä­am­bel „unver­bind­lich“ bezie­hen, um For­de­run­gen abzu­weh­ren? Ganz einfach: weil in Deutsch­land min­des­tens ein Drittel der Men­schen nicht mehr darauf ver­traut, dass es tat­säch­lich dabei bleibt. Zu viele voll­mun­dige, tak­ti­sche Ver­spre­chen, die kalt­lä­chelnd abge­räumt werden, sobald es oppor­tun oder „alter­na­tiv­los“ erscheint. Hier eine Kost­probe: „Die Ener­gie­wende wird monat­lich nicht mehr kosten, als eine Kugel Eis“, „Mit mir wird es keine PKW-Maut geben“, „Der Euro wird keine Haf­tungs­ge­mein­schaft“, „Was die Flücht­linge mit­brin­gen, ist wert­vol­ler als Gold“ … beschrif­ten Sie Memory-Karten mit Zitat und Urheber, liebe Leser. Sie bekom­men sicher mühelos einen ordent­li­chen Stapel zusam­men! Achten Sie aber darauf, Merkel als Urheber nicht mehr­fach zu nennen, das wäre zu einfach.

Ich möchte Sie aber nicht mit Text­ana­ly­sen der ein­zel­nen Rede­bei­träge der Bun­des­tags­de­batte lang­wei­len, denn ich müsste beinahe jeden Satz jedes Redners zer­pflü­cken, was ich weder meinen Lesern noch mir zumuten möchte. Aller­dings hatte ich den Ein­druck, dass kein ein­zi­ger Einwand der Kri­ti­ker des GCM sach­lich ent­kräf­tet oder gar wider­legt wurde. Statt­des­sen hörte man immer wieder nur „Lüge“, „Hetze“, „Kam­pa­gne“, „Ängste schüren“ und man darf sich schon fragen, wie das kommt. Nicht die pau­scha­li­sierte Beschimp­fung der AfD-Abge­ord­ne­ten, an diese Tourette-Kako­pho­nie hat man sich ja schon fast gewöhnt, das ist wie ein Hin­ter­grund­ge­räusch, das niemand mehr auf seine Plau­si­bi­li­tät über­prüft. Nein, ich meine die Über­zeu­gung, mit der die Abge­ord­ne­ten aller anderen Par­teien das ver­kün­den, was ihrer Meinung nach drin stehe, im Pakt der unver­bind­li­chen Migra­ti­ons-Wun­der­tüte, in der jedes Los gewinnt und nega­tive Aspekte durch unver­bind­li­che Absichts­er­klä­run­gen aus­ge­merzt werden. Aber viel­leicht liegt es an mir, dass ich die Abge­ord­ne­ten nicht ver­stehe und ihre Argu­mente nicht nach­voll­zie­hen kann, sofern sie sich über­haupt dazu her­ab­las­sen, Argu­mente zu bringen.

Es liest: ein Zielland

Ver­stehe ich viel­leicht einfach nur falsch, was im GCM steht? Muss ich ihn nochmal lesen? Wie oft eigent­lich noch? Aber viel­leicht muss man ihn anders lesen? Auf die Idee kam ich, als in einem Rede­bei­trag anklang, dass das GCM-Doku­ment schließ­lich in Zusam­men­ar­beit mit 190 Ländern zustande gekom­men sei und man kaum erwar­ten könne, dass sich in jedem Punkt prin­zi­pi­ell die Inter­es­sen Deutsch­lands wie­der­fin­den. Das ist zwei­fel­los richtig und ich glaube, hier liegt der Schlüs­sel zu vielen Miss­ver­ständ­nis­sen und Schwie­rig­kei­ten.

Da ist zunächst die offen­sicht­lich chao­ti­sche Struk­tur des Textes, die Sprünge und Ver­schach­te­lun­gen, was das Ganze schwer lesbar macht. Klar, es handelt sich um einen juris­ti­schen Ver­trags­text, aber das erklärt nicht alles. Einige Aspekte der Migra­tion sind kom­plett aus­ge­klam­mert, ebenso die Defi­ni­tion von pri­mä­ren poli­ti­schen Ver­ant­wort­lich­kei­ten. Eigent­lich unty­pisch für Juris­ten. Man ver­misst etwa die Fest­stel­lung, dass die Regie­run­gen jedes Landes für Leib, Leben und Unver­sehrt­heit seiner jewei­li­gen Bürger und deren Eigen­tum ver­ant­wort­lich sind und dieser Ver­ant­wor­tung unbe­dingt die Eigen­ver­ant­wor­tung jedes Ein­zel­nen voraus gehen muss. Damit würde ich einen solchen „Pakt“ begin­nen, aber ich bin ja auch par­tei­los, kein Poli­ti­ker und zu allem Über­fluss auch noch ein erz­li­be­ra­ler Spinner.

Migra­ti­ons­druck ent­steht ja erst – sieht man einmal ab von frei­wil­li­gen, legi­ti­men Ein­zel­ent­schei­dun­gen freier Men­schen, ihr Glück anderswo zu suchen – durch Miss­stände in den Her­kunfts­län­dern: Kor­rup­tion, reli­giöse Kon­flikte, Raubbau an der Natur, Über­be­völ­ke­rung, sozia­lis­ti­sche Gesell­schafts­ex­pe­ri­mente, Tri­ba­lis­mus und man­gel­hafte Rechts­sys­teme. Kein Wort davon im GCM, nur die Fest­stel­lung, Migra­tion sei etwas ganz nor­ma­les und gutes, wo sie doch eigent­lich eine Aus­nahme und sehr ambi­va­lent ist. Wäre es anders, hätte die Mensch­heit das Noma­den­le­ben wohl nicht schon vor tau­sen­den Jahren auf­ge­ge­ben.

Mit dem Global Compact for Migra­tion haben wir es offen­bar nicht mit einem Text zu tun, sondern mit vielen Texten vieler Autoren. Was wir folg­lich in der Bun­des­tags­de­batte erleb­ten, war das selek­tive Vor­tra­gen der eigenen Ziele und Vor­stel­lun­gen der Regie­rungs­par­teien, die sie mit großem Fleiß und unter Mühen dort hin­ein­ge­schrie­ben haben – aber das gleiche taten natür­lich auch die Ver­tre­ter anderer Staaten. Mit ebenso ver­ständ­li­chen, aber gänz­lich anderen Inter­es­sen.

Es liest: ein Herkunftsland

Ich bezweifle nicht, dass etwa Har­b­arth und Mat­schie das im Pakt sehen, was sie zu sehen glauben. Ich bezweifle, dass alles so kommen wird, wie Har­b­arth und Mat­schie es dar­stell­ten, wenn nicht auch der Rest der Welt genau so tickte, wie deut­sche Koali­ti­ons­po­li­ti­ker, die sich ganz vor­sich­tig einem dicken Ele­fan­ten zuwen­den, der seit 2015 igno­riert im Raum steht. Ob die Welt dies für erstre­bens­wert hält und uns bei unserer Selbst­fin­dung und Bewusst­wer­dung unter­stüt­zen möchte? Deshalb lesen deut­sche Poli­ti­ker aus dem Text des GCM heraus, dass zum Bei­spiel Afri­ka­ni­sche Länder freudig ihre Sozi­al­stan­dards anheben werden, um den Migra­ti­ons­druck von Deutsch­land zu nehmen, ganz so als sei dies ein Ziel, für das die Regie­rungs­chefs afri­ka­ni­scher Staaten zuhause gefei­ert und gewählt würden!

Es lohnt sich also, das UN-Papier noch­mals zu lesen, aber diesmal mit den Augen der Poli­ti­ker am anderen Ende der per­ver­sen migran­ti­schen Ver­wer­tungs­kette, sagen wir mal bei­spiels­weise wie der lupen­reine Scharia-Demo­krat Umar al-Baschir, der mit inter­na­tio­na­lem Haft­be­fehl gesuchte Staats­prä­si­dent des Sudan, einem typi­schen „Her­kunfts­land“. Oder wie Idriss Déby es lesen würde, seit 1990 Prä­si­dent mit eigen­wil­li­gem Ver­ständ­nis von Gewal­ten­tei­lung des Tschad, eines typi­schen „Tran­sit­lan­des“. Für den Sudan sieht die Pro­gnose des Bevöl­ke­rungs­wachs­tums noch für lange Zeit Zuwächse von über 10% alle 5 Jahre. Men­schen, die das Land in seiner aktu­el­len Ver­fas­sung kaum ernäh­ren kann, was sich ange­sichts eines rück­stän­di­gen Scharia-Staates mit Stam­mes­kon­flik­ten und laten­tem Bür­ger­krieg auch so schnell nicht bessern wird. Das Inves­ti­ti­ons­klima ist kata­stro­phal, das Rechts­sys­tem von der Scharia bestimmt, die Füh­rungs­cli­que korrupt bis unter den Turban.

Für den Sudan und seine Regie­rung ist es deshalb ver­mut­lich nur von sehr unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, wie die Sicher­heits­lage sich im Stadt­park von Frei­burg ent­wi­ckelt oder ob der Deutsch­leh­rer eines Inte­gra­ti­ons­kur­ses in Bochum ent­nervt einen offenen Brief an die Lokal­zei­tung schickt. Für den Sudan ist es wich­ti­ger, dass sich junge, starke Suda­ne­sen gefahr­lo­ser auf den Weg durch Libyen oder Tschad nach Europa machen können, dort Zugang zu Arbeits­markt oder Sozi­al­sys­te­men erhal­ten, schnell Konten eröff­nen zu können, um rasch Rück­über­wei­sun­gen in die Heimat vor­neh­men zu können. Der posi­tive Effekt solcher Geld­trans­fers, die in Summe schon die welt­weite Ent­wick­lungs­hilfe in den Schat­ten stellt, steht expli­zit im GCM! Dies sicher­zu­stel­len, ist ein erklär­tes Ziel des GCM.

Nur um das klar zu stellen: dagegen ist kaum etwas zu sagen! Was könnte auch dage­gen­spre­chen, wenn jemand auf diese noma­di­sie­rende Art seine Familie ernährt, weil keine andere Mög­lich­keit besteht. Aber der Ent­wick­lung des Her­kunfts­lan­des dient das nicht und den Sozi­al­sys­te­men im Ziel­land dient es eben­falls nicht! Es per­p­etu­iert die Chan­cen­lo­sig­keit und sorgt für inno­va­ti­ons­lose Abhän­gig­keit in Afrika – ganz zu schwei­gen von der Frage, welche Arbeits­märkte Europas dazu geeig­net wären, diese Men­schen zu beschäf­ti­gen. Der „run to the bottom“ setzt bereits ein, wenn die Toma­ten­ernte in Italien nicht mehr durch afri­ka­ni­sche Sai­son­ar­bei­ter, sondern durch Migran­ten für noch weniger Geld erle­digt wird. Einen Auf­schrei der Gewerk­schaf­ten konnte ich bisher noch nicht ver­neh­men, dort möchte man lieber den Min­dest­lohn erhöhen, igno­rie­rend, dass die Bür­ger­schafts­rente der west­li­chen Welt dabei ist, wie Schnee in der Sonne zu schmel­zen. Kein Natio­nal­staat, kein Sozi­al­staat – so einfach und grausam kann Mathe­ma­tik sein.

Es liest: ein Transitland

Liest man den Pakt mit den Augen der Regie­rung des Tschad, findet man das Ver­spre­chen von Regu­lie­rung, Infra­struk­tur und regu­lä­rem Trans­port der Migran­ten. Hilfs­gel­der winken, Aus­ga­be­stel­len für Ersatz­pa­piere müssen betrie­ben werden, Poli­zis­ten ein­ge­stellt werden um Schlep­per zu bekämpfen…das nennen ich einen ver­schäm­ten „Sei­den­stra­ßen-Effekt“. Man kann es auch mit dem Ent­ste­hen von Wirts­häu­sern entlang der Wege in Europa ver­glei­chen. Dafür brauchte man im frühen Mit­tel­al­ter fol­gende Fak­to­ren: Han­dels­wege, die länger als einen Tages­ritt sind und genü­gend Sicher­heit. Das mora­li­sche Problem, dass die Ware im Jahr 2018 nicht Wolle oder Getreide, sondern Men­schen sind, blendet man einfach aus. Aber um den läs­ti­gen Trans­port kümmern sich ja andere, dann geht das schon.

Auch diese Ver­spre­chen finden sich im Pakt und jeder Unter­zeich­ner findet für sich, seine Inter­es­sen seien aus­rei­chend berück­sich­tigt. Alles, was man auf den zweiten Blick für pro­ble­ma­tisch hält, erklärt man für unver­bind­lich. Und weil ein jeder das so macht, ist am Ende der ganze Vertrag unver­bind­lich und ver­bind­lich zugleich. Wir werden die Strei­te­reien erleben, wenn die Unter­zeich­ner sich gegen­sei­tig des Ver­trags­bruchs bezich­ti­gen, weil aus­ge­rech­net dieser oder jener wich­tige Punkt von der anderen Seite „falsch“ gewich­tet oder igno­riert wird. Deutsch­land wird viel­leicht fest­stel­len, dass sich die angeb­lich erleich­terte Rück­füh­rung ille­ga­ler Migran­ten als schwie­rig erweist, weil die Her­kunfts­staa­ten auf der Lega­li­tät ihrer Aus­wan­de­rer behar­ren und es ganz lukra­tiv finden, wenn Geld aus Europa in die Heimat fließt, anstatt das Bevöl­ke­rungs­wachs­tums in die Reihen der Chan­cen­lo­sen im eigenen Land ein­zu­rei­hen. Der Tschad wird viel­leicht murren, weil nicht genug Gelder fließen, damit man vor Ort eine Schlag­kräf­tige Truppe zur Schleu­ser­be­kämp­fung auf­bauen kann, wor­auf­hin Deutsch­land zäh­ne­knir­schend „frei­wil­lige“ Unter­stüt­zung leisten wird. Der Sudan wird sich viel­leicht bekla­gen, dass es in Deutsch­land nicht genug Arbeits­plätze gibt, um Mer­ce­des-Sterne auf die Autos zu schrau­ben und das die Arbeits­be­din­gun­gen in der Erdbeer- und Spar­gel­ernte zu hart seien…da die Prio­ri­tä­ten in jedem Land anders gesetzt sind, ist eine umfas­sende Ent­täu­schung vor­pro­gram­miert. Min­des­tens.

GCM: Gruß aus der Küche

Der Text des Global Compact for Migra­tion wirkt, als hätte man Vor­speise, Haupt­ge­richt und Dessert gleich­zei­tig und in einem Topf gekocht. Am Ende kommen zwar alle Zutaten zusam­men, jeder durfte etwas zum Rezept bei­steu­ern, aber ein schmack­haf­tes Menü wird das sicher nicht. Damit am Ende nicht die kom­plette Ent­täu­schung ein­tritt, tippe ich darauf – und die Bun­des­tags­de­batte bestä­tigt mich in dieser Meinung – dass vor allem Deutsch­land einige Löffel dieses Breies, der nur noch als Neptuns Speise auf einer Äqua­tor­taufe oder zum Tauben ver­gif­ten taugt, hin­un­ter­wür­gen wird. Grün-fahle Gesichts­farbe und Magen­krämpfe inclu­sive. Wir schaf­fen das!

Nun isses halt da und meine Groß­mutter würde sagen, dass geges­sen wird, was auf den Tisch kommt. Der Deut­sche wirft ja nichts weg. Essen nicht, Vor­ur­teile nicht, Ideen nicht. Von nichts können wir uns trennen, auch nicht von der Vor­stel­lung, die Welt müsse idea­ler­weise so ticken wie wir. Wir betrei­ben stets alles bis zum bit­te­ren Ende, meist bis zur Kata­stro­phe, und sei es nur aus Prinzip. Selbst wenn sich unsere Pläne lang­fris­tig als Schnaps­ideen erwei­sen sollten wie die Ener­gie­wende, die Euro­ret­tung oder aktuell die globale Steue­rung und Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Migra­tion, bei der jeder sich aber aus­su­chen kann, was er für ver­bind­lich und was für obsolet hält.

Jeder wie er will

Zum Abschluss noch eine Anek­dote, die mit Sicher­heit erfun­den ist, aber hier dennoch gut passt. Als bei der Planung des Euro-Tunnels zwi­schen Frank­reich und Groß­bri­tan­nien in einer wei­te­ren Aus­bau­stufe neben der Zug­stre­cke auch Auto­ver­kehr ange­dacht war, stand die Frage im Raum, ob unter dem Kanal Rechts- oder Links­ver­kehr gelten sollte. Gerüch­ten zufolge gab es einen gera­dezu salo­mo­ni­schen Vor­schlag der Queen, dass doch einfach jeder auf seiner Seite fahren könne. Ich vermute, so in etwa könnte auch der Global Compact for Migra­tion funk­tio­nie­ren.

8 Kommentare

  1. Einer der besten Bei­träge zu diesem Thema.Respekt!

    Nur, und das ist auch anzu­mer­ken, bleibt Deutsch­land wohl das ein­zigste Land in Europa, welches diesen Pakt ohne wenn und aber unter­fer­tigt.
    Sollte es soweit kommen, werden die wohl­ha­ben­den Deut­schen aus dem BRD- Kal­kutta samt ihrem Ver­mö­gen zu migrie­ren wissen, in die Schweiz, nach Öster­reich, nach Ungarn oder USA.

    Ja, dann ist auch vorbei mit feine Sahne Fisch­fi­let, dann gibt’s afri­ka­ni­schen Hir­se­brei nach Mes­ser­ste­cher­art.

  2. Es macht alles Sinn – unter der Prä­misse, dass alles, was Deutsch­land schadet, gut sei für die Welt. Also aus grüner Sicht.

    Opfer bei Charlie Hebdo, im Bata­clan, in Nizza oder in diver­sen euro­päi­schen Bahn­hö­fen sind reine Kol­la­te­ral­schä­den bei der glo­ba­len Selbst­fin­dungs­the­ra­pie unseres Volkes. Des dritten über­mensch­li­chen Groß­ver­suchs in hundert Jahren.

    Wer Islam­wis­sen­schaft, Tur­ko­lo­gie und Juda­is­tik stu­die­ren kann mit „minimal Ara­bisch“, „etwas Tür­kisch“ und offen­bar Null Hebrä­isch, ist auch berufen, dem Welt­geist bei der Kor­rek­tur seiner his­to­ri­schen Fehler bei­zu­ste­hen. Das übrige welt­fremde Jung­ge­müse dieser Partei tickt offen­bar ähnlich: Von nichts ’ne Ahnung, zu allem eine Meinung. Da lobe ich mir die jüngs­ten Äuße­run­gen von Boris Palmer und Win­fried Kret­sch­mann, aus denen die Lebens­er­fah­rung spricht.

    Übri­gens werden weder Deutsch­lands Nach­barn noch die Welt­mächte ein Alma­ni­stan in der Mitte Europas dulden.

    • Bei Kret­sch­mann bin ich mir ziem­lich sicher, dass er nur sein Kli­en­tel im Rot­wein­gür­tel vor erschre­cken­den Erfah­run­gen bewah­ren will. Poli­ti­kern die mir sagen: „Bleib wo Du bist, wir regeln das schon”, machen das nur, damit ihr eigener Flucht­weg frei bleibt.
      Wohlan…

  3. Ihnen fallen wirk­lich die besten Bilder und Bezüge ein.
    Ich wäre nie auf einen solchen Anfang gekom­men.
    Einfach klasse.
    Exzel­lente Dar­stel­lung!
    Ihr schwar­zer Humor gefällt mit außer­or­dent­lich gut.
    Er hilft mir, nicht völlig zu ver­zwei­feln ange­sichts dieser Tra­gö­die.
    Danke!

  4. Ich sehe ver­ge­wal­tigte und ermor­dete Frauen, beraubte und zusam­men­ge­schla­gene Schüler und Jugend­li­che, per­ma­nente Beläs­ti­gun­gen in Schwimm­bä­dern, Parks, in Wald und Flur Ich sehe ein anwach­sen der Steuern, weil wir mehr Bullen und Bulet­ten brau­chen werden; natür­lich auch mehr Lehrer und noch mehr frei­wil­lig tätige NGO‚ler*innen, die natür­lich sub­ven­tio­niert werden müssen und ich sehe einen neuen rie­si­gen Bau an dessen Pforte steht : Dem inter­na­tio­na­len Migran­ten. Dort sitzen dann Özügüls Nachfolger*innen und ver­tei­len das dem dt. Volk geraubte Gut.

    10
  5. Schwarz-links-grün gewählt, schwarz-links-grün liefert. Mit freund­li­cher Unter­stüt­zung der „Qali­täts­me­dien” (ö-r ebenso wie private). Wohlan!

  6. Ganz aus­ge­zeich­net! Die letzten beiden Kapitel (Gruß aus der Küche und Jeder wie er will) beschrei­ben den bit­te­ren Ernst über die Aus­wir­kung des Paktes auf äußerst humo­ris­ti­sche Weise (Gal­gen­hu­mor). Danke dafür!

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