6-format2403Es ist Zeit für ein Geständ­nis, eine Liebe­serk­lärung sog­ar. Jet­zt habt ihr mich so weit, ich gebe alles zu: Ja, ich liebe die deutsche Sprache! Ich benutze sie, so oft ich kann. Ich for­muliere, fab­u­liere und ver­gle­iche für mein Leben gern. Das geht manch­mal soweit, dass meine Satzpyra­mi­den unter der Last, die ich ihnen auf­bürde, zusam­men­brechen. Es stimmt näm­lich lei­der auch, dass ich dieser mein­er Liebe hin und wieder schlimmes antue, wenn ich Fehler mache, die Groß/K­lein-Schrei­bung durcheinan­der­bringe oder gram­matikalis­che Regeln gröblich mis­sachte. Zu mein­er Vertei­di­gung kann ich nur anführen, dass ich dies nie absichtlich tue – was mir beim Deutsch-Dik­tat in der Schule lei­der nie mildernd angerech­net wurde.

Ob Dialekt, Fach­sprache oder „Isch macht’sch bladd, ey“ – Deutsch wird mit allem fer­tig. Deutsch bedi­ent sich sog­ar skru­pel­los am Wortschatz ander­er Sprachen, wenn sich dort prak­tis­che Begriffe find­en. Unsere Sprache war anpas­sungs­fähig und lebendig – bis eines Tages die Glauben­skrieger der Gen­deri­tis ein wehrlos­es Opfer in ihr fan­den!

Es ist schon eine Weile her, dass es genügte, am Ende eines Textes zu ver­merken, dass aus stilis­tis­chen Grün­den und zur besseren Les­barkeit auf eine voll­ständi­ge, gen­derko­r­rek­te Ansprache verzichtet wurde, und der Leser (oder die Leserin) sich das passende bitte dazu denken möge. Es war wohl stets eine zu starke Zumu­tung für die Leser, immer bis zu der erk­lären­den Stelle vor­drin­gen zu müssen, deshalb kam dann (m/w) in Mode, dann das Binnen‑I, später Schreib­weisen mit Unter­strichen und so weit­er und so fort. Der Kampf ist ein leichter und er find­et unter dem wehen­den Ban­ner des Fem­i­nis­mus und der Gle­ich­berech­ti­gung statt, unter dem wahrlich schon gute und wichtige Kämpfe aus­ge­focht­en wur­den. Das Schlacht­feld Sprache freilich leis­tet keine Gegen­wehr, es ist nicht mit ern­sthaftem Wider­stand zu rech­nen, man führt keine Rev­o­lu­tion an. Man delek­tiert sich an Worten, denen man eine innewohnende Diskri­m­inierung zurech­net, die sie nie hat­ten.

Wenn nun am 13.10.2016 die Rats­frak­tion der Linken in Flens­burg zur Ratsver­samm­lung erscheint und ihre Beschlussvor­lage zur „Gen­derg­erecht­en Sprache“ ein­brin­gen wird, kön­nte der Anfang vom Ende der Diskri­m­inierung von Büro-Gegen­stän­den beschlossen wer­den. Wenn alles gut läuft, wird der Fortschritt des Gen­deris­mus über die verkomme alte Sprache von Goethe, Kant und Luther siegen und es wird endlich Scan­ner­In­nen, Com­put­erIn­nen, Bleis­tiftan­spitzerIn­nen, PapierkörbIn­nen, BriefköpfInnen und Abfall­eimerIn­nen geben. Und nicht zu vergessen, die Lorio‘sche „Heinzel­mann-Ver­sion“ des Staub­saugers, die Staub­saugerIn.

Bei der ersten deutschen Rechtschreibre­form zu Beginn des 20. Jahrhun­derts bestand der Kaiser lediglich darauf, das „h“ in Thron unange­tastet zu lassen. Er kon­nte es nicht ertra­gen, dass sich jemand an diesem exk­lu­siv­en Möbel zu schaf­fen machte. Die Linken sind da deut­lich weniger zart­füh­lend, unter ein­er Rev­o­lu­tion macht es die Linke in ihren Kämpfen nicht! Aber wen richtet man hin, gegen wen geht man auf die Bar­rikaden? Der Mark­twirtschaft hat man nichts Wirk­sames ent­ge­gen­zuset­zen, Frei­land­ver­suche mit Sozial­is­mus scheit­ern von Beginn an mit ein­er unge­heuren Band­bre­ite – es passt viel kun­ter­buntes Ver­sagen zwis­chen Cas­tro und Pol Pot. In der prak­tis­chen Regierungsar­beit und der Ver­wal­tung ist die Linke densel­ben Zwän­gen und Real­itäten unter­wor­fen, wie andere Parteien auch. Im Grunde bleibt nur die Sprache als Kampf­feld, also lässt man seine Gestal­tungss­wut an ihr aus.
Aber nicht mit mir! Ich ver­weigere mich nach wie vor dem Gen­der­wahnsinn und ein­er über­triebe­nen Geschlech­ter­de­bat­te, die beson­ders Linke und Grüne zum Popanz aufge­blasen haben. Ich nehme meinen Bleis­tift, spitze ihn mit meinem Bleis­tiftan­spitzer, schreibe auf ein Blatt Papi­er „Sprachver­gen­derung – nein danke“. Knülle es zusam­men und werde es in meinen Papierko­rb. Die Anspitz-Sauerei beseit­ige ich mit meinem Staub­sauger. Fahrt zur Hölle mit Eurem Ver­such, meine geliebte deutsche Sprache an Euch zu reißen! Nehmt gefäl­ligst Eure gieri­gen Fin­ger dort weg!

PS: „Kann das sein“, wer­den Sie sich vielle­icht fra­gen. Ist der Antrag der Linken in Flens­burg vielle­icht ein Aprilscherz? Wohl kaum! Es befind­en sich auf der Web­seite noch andere, ähn­lich tolle PDF-Dateien. Diese hat der Urhe­ber übri­gens alle per Ken­nwort geschützt – wohl um zu ver­hin­dern, dass irgen­dein Spaßvo­gel ver­rück­te Dinge hinein­za­ubert. Tja, zu spät. Für sowas sor­gen die Linken schon selb­st.

Falls es Prob­leme mit dem Link geben sollte, habe ich die Datei rev­o­lu­tion­ssich­er auf meinem Serv­er auf­be­wahrt. Nur für den Fall dass mal in 20 Jahren jemand nicht glauben mag, zu welchem Schwachsinn die Linke im Jahr 2016 fähig war.

Update 26.9.2016: Die Erk­lärung des Flens­burg­er Humors find­en Sie hier.

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5 Kommentare

  1. Daß die Sprache durch die ganzen Bin­nen­ma­juskeln und was nicht noch kom­plett ver­hun­zt wird, stört mich genau­so. Genau­so, wie es mich umgekehrt stört wenn Jagd auf Fremd­wörter gemacht wird, um sie nur ja durch etwas anderes zu erset­zen. Bei­des ist ein­fach unäs­thetisch.

    An der Bin­nen­ma­juskelei stört mich vor allem aber etwas anderes: ich möchte keine sprach­liche Gle­ich­stel­lung, weil ich echte Gle­ich­berech­ti­gung will. Ich will genau­so gemeint sein wie männliche Kol­le­gen und nicht immer geson­dert hin­ten­drange­hängt wer­den, weil ich mit der­sel­ben Qual­i­fika­tion das gle­iche tue, und deswe­gen densel­ben Beruf habe, zum Geier nochmal! Oder in den Worten Elis­a­beths der Ersten, die aus genau diesem Grund den Titel Elis­a­beth REX und nicht Elis­a­beth Regi­na trug: I have the heart and stom­ach of a King of Eng­land (nicht, daß ich jet­zt König von Eng­land wäre; aber etwas anderes bin ich genau so wie und nicht anders als meine männlichen Kol­le­gen)!

    Aber, was will man machen? Ich habe einen Blog­post drüber geschrieben ( https://aurorula.wordpress.com/2017/02/12/tyrannosaurus/ ) und mein eigenes Namenss­child geän­dert (das Schild fällt nicht mal jeman­dem auf) — und das wars.

  2. Obwohl Frau (zugegeben eine alte, im 86.), obwohl mit Migra­tionsh­in­ter­grund geht mir
    Gen­deris­mus total auf die Ner­ven. Denn obwohl ich seit fast 60 Jahren im deutschen Sprachraum lebe und Deutsch noch immer nicht richtig gut kann, liebe ich diese Sprache.
    Und es schmerzt mir, was alles man ihr antut. Eine Schande, ich zumin­d­est empfinde es so.
    lg
    caru­so

  3. Die Geschichte mit dem Thron gehört wohl zu den unaus­rot­tbaren der Pseudo­ge­bilde­ten. Die Rechtschreibre­form von 1901 legte fest, dass in deutschen Wörtern das “th” ent­fällt, bei Fremd­wörten aber bliebe. Jet­zt ist Thron aber eine direk­te Abkömm­ling des griechis­chen θρόνος und θ wird als th tran­skri­biert.
    Der Kaiser hat­te damit gar nichts zu tun.

    • Es gibt Geschicht­en, bei denen die Leg­ende deut­lich mehr Sexap­peal hat, als das, was die Philolo­gen erzählen. Um diese wäre es wirk­lich schade…aber danke für die Aufk­lärung, Rhadaman­thys. Sie durften Ihr TH ja zum Glück auch behal­ten. 😉

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