schokotaler1Oxfam ist eine meiner Lieblings-NGO’s! Wie man es dort schafft, eine Welt­ret­ter-Orga­ni­sa­tion fast wie eine Sekte zu orga­ni­sie­ren und Frei­wil­lige in Massen auf Mission zu schi­cken, nachdem sie das klare Welt­bild von Oxfam tief genug inha­liert haben, wie man kreativ Spenden sammelt und sogar noch die Konsum-Sucht der Main­stream-Gesell­schaft und deren schlech­tes Gewis­sen für sich arbei­ten lässt, indem man Woll­müt­zen, Kin­der­spiel­zeug und FairTrade-Lebens­mit­tel unter die Leute bringt, ist einfach phä­no­me­nal! Oxfam rules, ehrlich!

Wussten Sie aber, dass Oxfam sich auch mit phy­si­ka­li­scher Grund­la­gen­for­schung befasst? Wirk­lich! So ist es Oxfam schon Anfang 2016 noch vor den Phy­si­kern gelun­gen, Gra­vi­ta­ti­ons­wel­len nach­zu­wei­sen. Nicht im Uni­ver­sum, aber im Jour­na­lis­mus. Sie erin­nern sich sicher an den „Reich­tums­be­richt 2016“, in dem Oxfam fol­gen­des her­aus­fand:

62 Men­schen ver­fü­gen über ebenso viel Ver­mö­gen wie die gesamte ärmere Hälfte der Welt­be­völ­ke­rung“.

Ich will hier nicht näher beleuch­ten, wie der Bericht zustande kam, was er ver­schweigt, wie korrekt die Zahlen oder gar die Schluss­fol­ge­run­gen sind. Nur so viel: Die Behaup­tung ist kom­plet­ter Blöd­sinn, dass es ein welt­weit rie­si­ges Problem mit der Ver­tei­lung von Reich­tum gibt, bestrei­tet indes niemand (1).

Aber für das Expe­ri­ment mit der Gra­vi­ta­tion war das uner­heb­lich. Ent­schei­dend war, dass es auf dem Weg der Schlag­zeile durch die Redak­tio­nen von Presse und TV zu Wech­sel­wir­kun­gen mit den Hirnen einiger Jour­na­lis­ten und Kom­men­ta­to­ren kam, welche man lange Zeit für nicht nach­weis­bar gehal­ten hatte. Nun aber ist der Beweis erbracht, dass es zu Ver­zer­run­gen kommt, die von den Lesern und Zuschau­ern fast nicht wahr­ge­nom­men werden. Folgen wir also der Oxfam-Meldung durch einige Redak­tio­nen.

Fokus: „62 Super­rei­che besit­zen so viel Geld wie die ärmere Hälfte der Welt­be­völ­ke­rung“ Der Fokus ergänzt die Aussage noch um das Wört­chen „Geld“, so wie es im ursprüng­li­chen Bericht auch gut ver­steckt steht. In der von Oxfam ver­brei­te­ten Meldung fehlt dieses Wort. Beim Fokus ist die Meldung also schwe­rer (wahrer) gewor­den, als die ursprüng­li­che Meldung.

Taz: „Laut einer Studie besit­zen 62 Super­rei­che so viel wie 3,6 Mil­li­ar­den Arme zusam­men“ Da die TAZ gern auf der bren­nen­den Bar­ri­kade gelesen wird und die Mensch­heit für die Chef­re­dak­tion in toto von einer kleinen Clique Super­rei­cher Impe­ria­lis­ten und Mana­gern beherrscht wird, gibt es natür­lich weit mehr als 3,6 Mil­li­ar­den arme Men­schen, die Oxfam viel­leicht unter­schla­gen hat. Die Meldung wurde leich­ter, da sie um eine wich­tige Aussage ver­kürzt, dafür um die Aussage „3,6 Mil­li­ar­den Arme“ ange­rei­chert wurde.

SPON: „62 Super­rei­che besit­zen so viel wie die halbe Welt“ Mit der „ärmsten Hälfte“ hält man sich hier gar nicht erst auf. Es ist gleich die halbe Welt. Wo teilt mal die Welt? Am Äquator? Es liegt hier schon eine erheb­li­che Ver­zer­rung der Raum­zeit vor.

Kann man diese Ver­zer­rung noch stei­gern? Man kann! Am 14.2.2016 wurden die bisher spek­ta­ku­lärs­ten Mess­ergeb­nisse erzielt, als anläss­lich der Gala zum 50. Geburts­tag des Mainzer „unter­haus“ der Kaba­ret­tist Arnulf Rating (2) ausrief:

„62 Men­schen haben mehr als die rest­li­chen 3,5 Mil­li­ar­den“.

Danke, Oxfam! Ein­stein wäre stolz auf Euch!

PS: Eigent­lich geht diese Ent­de­ckung nicht auf das Oxfam-Expe­ri­ment zurück, sondern auf die Israe­lis. Die ent­deck­ten nämlich schon vor Jahren, dass es eine riesige Dis­kre­panz zwi­schen Ereig­nis­sen in ihrem Land und deren Wahr­neh­mung in der euro­päi­schen Presse gibt. Aber den Israe­lis wollte das niemand glauben.

(1) FAZ, 19.1.2016

(2) Hier das Video zum Rekord, der Beweis findet sich bei 1h 02min.