Im Jan­u­ar 2022 bekam der ehe­ma­lige Präsi­dent Trump in seinem Dom­izil in Flori­da Besuch vom FBI. Das Nation­alarchiv hat­te sich beschw­ert, dass Trump einige Doku­mente nicht her­aus­rück­en wollte, welche dieser bei seinem Auss­chei­den aus dem Amt ein Jahr zuvor mitgenom­men hat­te. Die Beamten des FBI mussten mit leeren Hän­den wieder abziehen. Trump hat­te erk­lärt, die Unter­la­gen dem zukün­fti­gen Trump-Archiv übergeben zu wollen, also ein­er Art Stiftung, wie sie bish­er noch jed­er Präsi­dent ini­ti­iert hat. Immer­hin inspizierten die FBI-Agen­ten den Ort der Auf­be­wahrung der Doku­mente und bracht­en schließlich ein zusät­zlich­es Schloss an der Tür an. Den einzi­gen Schlüs­sel dazu nah­men sie mit.

Im August und unter leb­hafter Anteil­nahme der Presse, stürmte das FBI Trumps Anwe­sen und brach die Tür auf, die man im Jan­u­ar selb­st ver­schlossen hat­te. Da man den Schlüs­sel offen­bar nicht dabei­hat­te, wird es sich wohl um eine andere Dien­st­stelle gehan­delt haben. Das Foto der aus­ge­bre­it­eten Geheim­doku­mente ging um die Welt und empörte Kom­mentare hall­ten durch die Medi­en. Dieb­stahl, Ver­rat, Nieder­tra­cht, Leichtsinn – was auch immer am Ende hän­gen bleiben würde, für Trumps Geg­n­er stand fest, dass so etwas die Dis­qual­i­fika­tion für das Amt des Präsi­den­ten bedeute, bess­er noch lebenslange Haft. Allen voran schüt­telte Präsi­dent Joe Biden miss­bil­li­gend den Kopf, als er am 18. Sep­tem­ber 2022 in der CBS-Sendung „60 Min­utes“ inter­viewt wurde. Die nationale Sicher­heit sei gefährdet, Trump han­dle unver­ant­wortlich! Es gehe ja auch um die Sicher­heit von Mitar­beit­ern und Infor­man­ten, die wom­öglich in den Doku­menten erwäh­nt seien.

Wir wis­sen nicht, was in den näch­sten einein­halb Monat­en durch Bidens Hirn schwappte, aber wom­öglich hat­te er eine Ahnung oder erin­nerte sich vage daran, dass er wom­öglich selb­st geheime Unter­la­gen irgend­wann und irgend­wo… Vielle­icht erin­nerte ihn auch ein­fach der Dekan der PennState Uni­ver­sität daran, dass man die Büroräume in Wash­ing­ton gern wieder sel­ber nutzen würde, aus denen Biden und sein Think­Tank „Penn Biden Cen­ter for Diplo­ma­cy and Glob­al Engage­ment“ 2017 nach Ende sein­er Vizepräsi­dentschaft aus­ge­zo­gen waren und die seit­dem ungenutzt waren.

Doch eine vage Ahnung muss Biden wohl gehabt haben, denn son­st hätte er als Räumkom­man­do ein Umzug­sun­ternehmen schick­en oder das Weiße Haus mit der Sache betrauen kön­nen. Stattdessen räumten Bidens per­sön­liche Anwälte in jen­em Büro die Schränke aus. Man schrieb den 2. Novem­ber 2022 als eben diese Anwälte auf die als „Streng geheim“ gekennze­ich­neten Unter­la­gen stießen. Und statt die Doku­mente – einige steck­ten in mit „pri­vat“ gekennze­ich­neten Ord­nern – ein­fach mit einzu­sack­en, informierten sie das Weiße Haus, wo man erst mal beim Nation­alarchiv anrief, wo die Unter­la­gen ja eigentlich sein soll­ten. Das Nation­alarchiv schließlich informierte das Jus­tizmin­is­teri­um und spätestens am 4.11.2022 wussten alle Ermit­tlungs­be­hör­den Bescheid. Doch weil am 8.11.2022 Wahlen stat­tfind­en wür­den, hielt man die Öffentlichkeit aus der Sache her­aus. Keine Ein­satz­fahrzeuge vor dem Büro­ge­bäude, keine fürs Foto aus­ge­bre­it­ete „Streng Geheim“ Map­pen, keine Live­bilder auf CNN. Zwei Monate lang. Zweifel­los hätte das auch so bleiben sollen. Doch irgendw­er plaud­erte den Fund der Presse gegenüber aus.

Als Ver­gle­ich drängt sich die Hand­habung der „Trump-Files“ natür­lich ger­adezu auf, doch die Main­stream-Medi­en wiegel­ten ab. Das könne man doch nicht ver­gle­ichen! Biden habe anders als Trump von Anfang an mit den Ermit­tlern kooperiert und außer­dem seien es noch nur ganz wenige Akten gewe­sen. Als gäbe es eine Stück­zahl, ab der aus einem kleinen Vor­fall eine Riesen­sauerei wird. Oder einen qual­i­ta­tiv­en Unter­schied zwis­chen dem einen, der die Her­aus­gabe von Doku­menten verzögerte und einem, der nicht ein­mal mehr wusste, dass er sie irgend­wo vergessen hat­te.

Die notorische Spar­denkerin Joy Behar von „The View“ ver­stieg sich bei der Beurteilung der Causa sog­ar zu der ent­waffnend naiv­en Aus­sage, Biden könne man eben trauen, während Trump bekan­ntlich ein aus­gemachter Lügn­er sei, genau das sei der Unter­schied der bei­den Fälle. So ein­fach war es dann aber doch nicht, wie sich schnell zeigte.

Ich stelle mir vor, dass Bidens Stab und seine Pflegekräfte verzweifelt ver­sucht­en, die Erin­nerung ihres Chefs zurück­zu­holen, wo son­st noch belas­ten­des Mate­r­i­al gefun­den wer­den kön­nte. Und Joe erin­nerte sich. Dies­mal an sein Haus in Delaware und die los­geschick­ten Beamten wur­den in der Garage des Haus­es sowie in min­destens einem Schrank im Haus fündig. Gefun­den wur­den die Doku­mente bere­its am 20. Dezem­ber 2022.

Die Pressekon­ferenz am 12.Januar 2023, auf der Biden – sich­er auf Empfehlung sein­er Anwälte – eigentlich nur den vor ihm liegen­den Zettel vor­lesen sollte, wird wohl als leg­endär­er Moment der Selb­stan­klage in die Geschichte einge­hen. Denn die Garage von Bidens Haus ist der Presse seit einem Wahlwerbespot für die Kam­pagne 2020 gut bekan­nt. Biden posierte damals in sein­er grü­nen 1967er Corvette, die er im Spot rück­wärts durch deren offenes Tor fuhr. Im Hin­ter­grund: Krem­pel und Kar­tons und irgend­wo dazwis­chen ver­mut­lich auch die Top-Secret-Doku­mente.

“Geheimes Mate­r­i­al neben Ihrer Corvette? Was haben Sie sich dabei gedacht?“ fragte Peter Doocy von FoxNews. Die ehrliche Antwort hätte wohl „nichts“ laut­en müssen.

Biden sagte jedoch: „Übri­gens ste­ht meine Corvette in ein­er abgeschlosse­nen Garage. Es ist also nicht so, dass sie auf der Straße ste­ht”.

„Das Mate­r­i­al war also in ein­er abgeschlosse­nen Garage?“ fragte Doocy nach.

„Ja, genau wie wie meine Corvette.“ bestätigte Biden.

Die von eini­gen Medi­en und Poli­tik­ern leise ver­bre­it­ete Leg­ende, die Doku­mente kön­nten böse Trump­is­ten in bös­er Absicht in Bidens Haus platziert haben, ver­puffte also, noch bevor sie groß und laut wer­den kon­nte.

Jus­tizmin­is­ter Mer­rick Gar­land blieb nichts anderes übrig, als auf die Biden-Doku­mente eben­so einen Son­der­ermit­tler anzuset­zen wie zuvor auf Trump. Und bei­de Ermit­tlun­gen wer­den am Ende im Sande ver­laufen. Die Ermit­tlun­gen gegen Trump, weil der als Präsi­dent im Gegen­satz zum Vizepräsi­den­ten die Befug­nis hat­te, Doku­mente „ein­fach so“ zu deklas­si­fizieren. Die gegen Biden, weil er als Präsi­dent der Demokrat­en von einem von den Demokrat­en geführten Jus­tizmin­is­teri­um nichts zu befürcht­en hat, selb­st wenn er geheime Doku­mente aus sein­er Zeit als Vizepräsi­dent besitzt, die er eigentlich nicht haben dürfte und die in sechs Jahren offen­bar nie­mand ver­misst hat.

Aber die Sache hat auch was Gutes. Denn die Prax­is, alle möglichen Dinge als „geheim“ zu klas­si­fizieren und sie dadurch dem Blick ein­er kri­tis­chen Öffentlichkeit zu entziehen, hat in Wash­ing­ton in den let­zten Jahrzehn­ten extrem zugenom­men. Die res pub­li­ca, die öffentliche Sache, nimmt daran Schaden und die fehlende öffentliche Kon­trolle ließ so manche poli­tis­che Entschei­dung im Ver­bor­ge­nen und in Hin­terz­im­mern keinem. Eine gefährliche Prax­is in ein­er Repub­lik, die dazu führt, dass das Mis­strauen des Volkes zu sein­er Regierung wächst – und vice ver­sa, wie man auch in Deutsch­land sehen kann, wenn man auf den Bau des Grabens rund um das Reich­stags­ge­bäude schaut.

Dass sowohl Biden wie auch Trump nun ihr „Doc­u­ment-Gate“ haben, kön­nte dabei helfen, endlich eine ein­heitliche und trans­par­ente Regelung für den Umgang mit der­lei Doku­menten zu find­en. Außer­dem sollte das FBI gle­ich mal Besuche in den Geschäft­sräu­men und Büros aller anderen ex-Präsi­den­ten machen. Jede Wette, dass auch dort so einiges auf Ent­deck­ung wartet.

Der vor weni­gen Tagen gewählte Sprech­er des Repräsen­tan­ten­haus­es hat bere­its angekündigt, die Geheimniskrämerei zu been­den, wo sie nicht wirk­lich unbe­d­ingt nötig ist. So wer­den einige Hun­dert Stun­den bish­er geheim gehaltenes Video­ma­te­r­i­al freigegeben, das die Überwachungskam­eras des Kapi­tols am 6. Jan­u­ar 2021 aufgenom­men hat­ten, auch um die Rolle von Polizei und FBI beim „Sturm auf das Kapi­tol“ genauer zu unter­suchen. Dies wurde bish­er mit der Begrün­dung abgelehnt, der Betra­chter könne aus den Videos her­leit­en, was die Kam­eras alles sehen kön­nten und wozu sie per Zoom in der Lage sind. Ich würde sagen, genau dazu sind sie doch da, oder? Ein Biss­chen mehr Licht der Öffentlichkeit ist seit jeher das beste Desin­fek­tion­s­mit­tel gegen Kor­rup­tion, Intri­gen und auch Ver­schwörungs­the­o­rien.

Warum der Fall über­haupt noch an die Öffentlichkeit kam, wo man ihn doch so gern hätte ver­tuschen wollen, ist Gegen­stand wilder Speku­la­tio­nen. Manche meinen, die Demokrat­en selb­st hät­ten das insze­niert, um Biden davon abzuhal­ten, für 2024 tat­säch­lich nochmal anzutreten. Dessen Aus­set­zer wie vor weni­gen Tagen, als Biden offen­sichtlich einen Mitar­beit­er der Heil­sarmee für jeman­den vom Secret Ser­vice hielt, wer­den schließlich immer häu­figer. Ich halte es jedoch für wahrschein­lich­er, dass irgend­je­mand der Eingewei­ht­en bei Nation­alarchiv oder den Ermit­tlungs­be­hör­den kalte Füße bei dem Gedanken bekam, das neube­set­zte Geheim­di­enst-Komi­tee im Repräsen­tan­ten­haus kön­nte über irgend einen Akten­ver­merk oder eine Notiz stolpern, die belegt, dass die Biden-Regierung die Infor­ma­tion über die Doku­menten­funde so lange zurück­ge­hal­ten hat. Vielle­icht wurde auch jeman­dem schla­gar­tig bewusst, dass auch Bidens Sohn Hunter Zugang zu dieser Garage in Delaware hat­te.

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6 Kommentare

  1. Hal­lo Roger, in Bidens Pri­vathaus in Wilm­ing­ton im Bun­desstaat Delaware, in der Garage aber auch in dem angren­zen­den Raum, wur­den am 11.01.2023 und 12.01.2023 ins­ge­samt 6 weit­ere Doku­mente gefun­den. Zusät­zlich zu den 10 Ver­schlus­sachen vom 02.11.2022.
    Frage lieber Roger: Am 20.12.2022 wur­den lt. deinem Beitrag auch schon Doku­mente in Bidens Pri­vathaus gefun­den? Ich kann in der NYP und den dort ablei­t­en­den Links darüber nichts find­en. Ist das Datum vom 20.12.2022 vielle­icht ein Schreibfehler? Hm.

    • Im ver­link­ten NYP-Artikel heißt es weit­er unten: “Gar­land said the DOJ was noti­fied of the ini­tial doc­u­ment dis­cov­ery Nov. 4 — four days before the midterm elec­tions — and that the papers at Biden’s home were locat­ed Dec. 20.”

    • Das Inter­es­sante ist also, dass zu dem Zeit­punkt, als der Fund an der PennState durchgestochen wurde, der Fund in der Garage bere­its im Weißen Haus bekan­nt war. Es bedurfte also eines weit­eren “Hin­weis­es”, um auch diesen zweit­en und dann den drit­ten Fund (im Haus) zuzugeben. Daraus mag jed­er ableit­en was er will. 😉

      • @Roger, tat­säch­lich, ich habs gefun­den, vie­len Dank, hat­te die NYP gar nicht so weit run­terge­scrollt, mein Fehler. Also hal­ten wir fest: Doku­mente wur­den am 02.11.2022 (lt.CBS) in Bidens Tink Thank in Wash­ing­ton gefun­den, sowie bere­its am 20.12.2022 (lt. NYP) sowie am 10 (11.).01.2023 und 12.01.2023 in Bidens Garage in Delaware — lt. NBC “an Orten, die von dem Büro in Wash­ing­ton getren­nt sind”. bzw. “außer­halb Bidens ehe­ma­ligem Büro in Wash­ing­ton auf­be­wahrt wur­den”. Soso. Und erst am 12.01.2023 wurde das ganze dann via Pressekon­ferenz öffentlich gemacht, weils dann inzwis­chen wohl zu bren­zlig wurde. Alles klar.

  2. Erstaunlich wer da alles nicht existiert — die Regierungssprecherin Karine Jean-Pierre agiert wie ein Robot­er mit notorisch entseel­ter Stimme, also kann da drin nicht viel Exis­tenz wesen. Auch und ger­ade Boe Jiden der Präsi­den­ten­darsteller existiert nicht, der ist ein leer­er Anzug. Früher war er ein Bösewicht, heute ist er gar nichts mehr. So weit zum Per­son­al.
    Bloß geheime Doku­mente existieren da!, und massen­haft Leute existieren lei­der, die jed­erzeit Zugang zu diesen Gara­gen­doku­menten hat­ten. Gele­sen oder weit­ergegeben an irgendwen, oder Hunter Biden, der ja immer­hin als Dro­gen­wrack existiert, mehr veg­etiert, hat vielle­icht damit gehan­delt?, hat Hunter Biden nicht Mil­lio­nen von dubiosen Gas­fir­men ausm rus­sis­chen Ein­fluss­bere­ich eingestrichen?, ja wofür hat der denn die gekriegt?, also mir gibt die kein­er; aber ich hab ja auch keinen Zugang zu Boe Jidens Doku­menten­garage. Tja.

  3. Mir wird auch zu viel als geheim eingestuft. Wenn es von Hillary Clin­ton oder Ursu­la von der Leyen nicht gelöscht wurde, kann es nicht wichtig gewe­sen sein.

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