Lan­ge Zeit hat­te er idea­li­sie­rend über Wöl­fe geschrie­ben, nun ruft er mit ner­vö­sem Voka­bu­lar „Wolf!“ und die Leu­te glau­ben ihm. Nie­mand war erstaun­ter als ich dar­über, zu wel­cher ideo­lo­gi­schen Ross­kur die Rea­li­tät aus­ge­rech­net der grü­ne Wirt­schafts­mi­nis­ter Habeck zwang. Auch Mar­kus Lanz konn­te sein Glück kaum fas­sen, wie scho­nungs­los der zuge­schal­te­te Minis­ter sei­ne Fra­gen beant­wor­te­te, wie unge­schminkt, ja gera­de­zu undi­plo­ma­tisch ehr­lich er die Lage dar­legt. Beson­ders die­ser eine Satz nötig­te mir eini­gen Respekt ab: „Die schie­re Phy­sik steht den makro­öko­no­mi­schen Model­len im Weg“ sag­te Robert Habeck am 31.3.22 bei Lanz.

Wem der Saft ausgeht

Es ging natür­lich um unse­re auf Kan­te genäh­te Ener­gie­ver­sor­gung und die Fra­gen, ob, wie und wie schnell wir uns aus der Abhän­gig­keit von rus­si­schen Ener­gie­im­por­ten lösen kön­nen. Der oben zitier­te Satz gehört als Sinn­spruch jedem künf­ti­gen Par­tei­pro­gramm der Woke-Frak­ti­on vor­an­ge­stellt. Strahlt ihn an den Reichs­tag, hängt ihn von Brü­cken, klöp­pelt ihn in Spit­zen­deck­chen, denn dass streit­lus­ti­ge Blog­ger wie ich die­se Trom­mel seit Jah­ren schla­gen, hat offen­sicht­lich nichts bewirkt. Als Phy­si­ker, Kraft­werks­tech­ni­ker und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler die­sen und ähn­li­che Sät­ze sag­ten, wur­den sie als ewig­gest­ri­ge Koh­le­fans und als von der Kern­kraft­lob­by bezahlt dif­fa­miert. Die Phy­sik steht dem Modell im Weg und nach­dem es jah­re­lang hieß „Pech für die Phy­sik“, lan­det das Modell hart auf ukrai­ni­schem Boden. Es han­delt sich bei die­sem Bruch­pi­lo­ten um das Modell „Kli­ma­ret­tung durch Energiewende“.

Es kommt in Deutsch­land lei­der nie auf Kom­pe­tenz an oder wer etwas sagt. Es kommt viel­mehr auf die Stel­lung an, die der Spre­cher inne­hat. Inhalt­li­che Oppo­si­ti­on zur Macht zählt da nicht viel und Ver­än­de­run­gen kom­men zwi­schen Rhein und Oder (bis auf eine Aus­nah­me zwi­schen Elbe und Oder) stets von oben. Hier­ar­chie schlägt Kom­pe­tenz und der durch­schnitt­li­che Deut­sche hat, trotz sei­ner demo­kra­ti­schen und repu­bli­ka­ni­schen Lip­pen­be­kennt­nis­se, ein aus­ge­prägt ser­vi­les Ver­hält­nis zu Auto­ri­tät, beson­de­res, wenn sie ver­klei­det daher kommt. Die „Wis­sen­schaft“, der zu fol­gen man gern vor­gibt, ist nichts als eine Mas­ke, hin­ter der man sich man­gels recht­fer­ti­gen­der Argu­men­te ver­steckt. Aus Fra­gen und Kri­tik wird Kon­for­mi­tät und Gewohn­heit und ist man erst mal dort ange­langt, enden alle Fra­gen. Nicht nur bei der Ener­gie­wen­de, wie ich heu­te fest­stel­len durf­te. Ich war gera­de ein­kau­fen und obwohl heu­te die ent­spre­chen­den Regeln in mei­nem Bun­des­land aus­ge­lau­fen sind, war ich im Super­markt der ein­zi­ge Kun­de ohne Mas­ke. Mir war wirk­lich zum Heu­len zumute.

Doch sei’s drum, wenn es ein grü­ner Kin­der­buch­au­tor und Minis­ter ist, der die unge­heu­er­li­che Wahr­heit von unse­rer ener­ge­ti­schen Nackt­heit aus­spricht, dann ist das eben so! Zu dumm nur, dass er und sei­ne Par­tei es auch waren, die seit 20 Jah­ren von den tol­len neu­en Klei­dern schwär­men, die wir uns bereit­wil­lig anzogen.

Atomausstieg, Kohleausstieg, Vernunftausstieg

Natür­lich ist es bequem, im Moment Putin für alles ver­ant­wort­lich machen zu wol­len, was schief­läuft. Der wird sich auch kaum die Mühe machen, die Anschul­di­gun­gen in einer aus­führ­li­chen Pres­se­kon­fe­renz oder bei Lanz zu wider­le­gen. Putins Krieg war in Bezie­hung auf unse­re Ener­gie­ver­sor­gung jedoch ledig­lich ein Kata­ly­sa­tor, der eine Not­la­ge vor­weg­nimmt, in die wir uns über vie­le Jah­re in ver­schie­den gro­ßen Schrit­ten hin­ein­ge­wöh­nen woll­ten. Atom­aus­stieg, Koh­le­aus­stieg, Ver­nunft­aus­stieg… Die Vor­be­rei­tung auf dro­hen­de Black­outs bestand jedoch nicht in tech­ni­schen Maß­nah­men, son­dern in poli­ti­schem und media­lem Feu­er­werk. Da waren Marie Antoi­net­te wür­di­ge Anlei­tun­gen zum Ener­gie­spa­ren, SUV-Scham, mora­li­sche Erpres­sung in Rich­tung Tem­po­li­mit, staat­lich ver­an­lass­te „Koch­bü­cher“ für die strom­lo­sen Momen­te im Leben und immer wie­der Beteue­run­gen, man habe die Lage im Griff, die Ener­gie­wen­de lau­fe gut, man sei breit auf­ge­stellt, Abhän­gig­kei­ten gäbe es nicht.

Das arro­gan­te Grin­sen im Gesicht des Hei­ko Maas bei der Rede Trumps vor der UN-Voll­ver­samm­lung, bei der er die deut­sche Abhän­gig­keit von rus­si­schem Gas ansprach, steht mir noch deut­lich vor Augen. Ja, wir leis­te­ten uns sogar Clowns und Jon­gleu­re wie Kem­fert und Qua­sch­ning, die von ihren gut dotier­ten Kan­zeln her­ab die Ener­gie­wen­de pre­dig­ten und das fos­si­le Zeit­al­ter ins Fege­feu­er ver­bann­ten. Und sie pre­di­gen immer noch! Eben­so medi­al-akti­vis­ti­sche Front­ge­sich­ter aus der Mir-geht’s‑zu-gut-und-mir-ist-langweilig-Abteilung wie Lui­sa Neu­bau­er, für die jedes ener­ge­ti­sche Pro­blem nur eine Lösung kennt: viel mehr und viel schnel­ler Solar- und Wind­ener­gie! Putins Krieg hat jedoch den dop­pel­ten Boden weg­ge­ris­sen, auf dem alle Zau­ber­tricks mit den erneu­er­ba­ren Ener­gien beru­hen: reich­lich bil­li­ges rus­si­sches Erd­gas. Den Zugang woll­ten wir uns via Ost­see direkt in die Vene legen lassen.

Neues Vorbild: die Energiepolitik der DDR

Unse­re soge­nann­ten Leit­me­di­en stim­men uns nun auf die neue, mora­lisch schi­cke Knapp­heit des „weni­ger ist mehr“ ein und schwel­gen in DDR-Nost­al­gie. Es war ja nicht alles schlecht, im Osten! Tris­te Ver­pa­ckun­gen und das Glät­ten von Geschenk­pa­pier zwecks erneu­ter Ver­wen­dung waren laut Spie­gel nicht etwa Ergeb­nis von Man­gel und Plan­wirt­schaft, son­dern Aus­druck dafür, dass die Din­ge in der DDR einen „Wert an sich“ gehabt hät­ten. „Ler­nen von der DDR, wer hät­te das gedacht“ lau­tet das merk­wür­di­ge Fazit eines Spie­gel-Arti­kels von Sabi­ne Renne­fanz. Gelernt wur­de natür­lich schon damals viel. Sie­gen zum Bei­spiel. Und der mili­tä­ri­sche Duk­tus bei „Aktu­el­le Kame­ra“ und „Neu­es Deutsch­land“ war kein Zufall. Schließ­lich waren es die Kon­skri­bier­ten Sol­da­ten der NVA, die in jedem Win­ter in Armee­stär­ke in die Braun­koh­le­ta­ge­baue ein­rü­cken muss­ten, um die all­jähr­li­che Win­ter­schlacht gegen Frost, Black­out und Man­gel­wirt­schaft mit schwe­rem Gerät, Mus­kel­kraft und Depu­tats-Schnaps zu schla­gen. Die zen­tra­le Pla­nung schaff­te es mit Mühe, min­der­wer­ti­ge und schwef­li­ge Braun­koh­le aus dem Dreck zu klau­ben und zu ver­bren­nen. Erst mit dem Ein­zug der heu­te von Kli­ma­schüt­zern ver­teu­fel­ten Markt­wirt­schaft nach 1990 wur­de die Luft besser.

Den per­ma­nent dro­hen­den Ener­gie­man­gel konn­te die DDR nie end­gül­tig in den Griff bekom­men und schon damals half die „brü­der­li­che Ver­bun­den­heit“ mit der Sowjet­uni­on wenig. Von der DDR ler­nen heißt also, sich mit­tels Plan­wirt­schaft so in die Ecke trei­ben zu las­sen, dass einem die Ideen aus­ge­hen und ener­ge­tisch alles so auf Kan­te zu nähen, dass sich schon ein klei­nes Wet­ter­ereig­nis zum sys­tem­be­dro­hen­den Ernst­fall auf­schwin­gen konn­te. Der Witz, die vier Fein­de des Sozia­lis­mus sei­en Früh­ling, Som­mer, Herbst und Win­ter, war ein Dauerbrenner.

Nun, da sind wir ja fast wie­der, ange­sichts des media­len Auf­at­mens bei nied­ri­gem Füll­stand der Gas­ka­ver­nen und dem mil­den März­wet­ter. Doch dann schick­te Putin (wer denn auch sonst!) am 1. April Win­ter­käl­te mit Schnee und erin­ner­te uns dar­an, dass wir ange­sichts der begin­nen­den Ener­gie­knapp­heit aus­ge­rech­net die glo­ba­le Erwär­mung als Ver­bün­de­ten anse­hen müs­sen, statt uns künf­tig noch kli­ma­ge­ret­te­te wei­ße Weih­nach­ten wün­schen zu dür­fen. Die ener­ge­ti­sche Anämie der Bun­des­re­pu­blik wird aber sicher ange­neh­mer ver­lau­fen, weil der Spie­gel sie in velin­schö­nes, glatt­ge­stri­che­nes Geschenk­pa­pier aus Wor­ten zu klei­den weiß. Aus Spar­sam­keits­grün­den dann aber nur noch online und im wöchent­li­chen Wech­sel mit dem Focus, ver­steht sich! Opfer müs­sen gebracht wer­den für den Sieg!

Die immer wie­der lokal auf­tre­ten­den Strom­aus­fäl­le (heu­te wür­de man wohl Brow­nout dazu sagen) bekam man im ener­ge­ti­schen Arbei­ter- und Bau­er­pa­ra­dies DDR übri­gens erst eini­ger­ma­ßen in den Griff, als das Kern­kraft­werk bei Greifs­wald in Betrieb ging. Hier­zu emp­feh­le ich drin­gend die Schil­de­run­gen von Man­fred Hafer­burg, der dort mal Schicht­lei­ter war. Wir hin­ge­gen sind heu­te drauf und dran, auch noch die letz­ten Kern­kraft­wer­ke abzu­schal­ten. Die­se DDR-Lek­ti­on heben wir uns wohl für spä­ter auf.

Die man­gel­haf­te Resi­li­enz unse­res Strom­net­zes – von den Strom­kos­ten ganz zu schwei­gen – wächst sich immer schnel­ler zum Stand­ort­nach­teil aus. Und hier kom­men wir zu den ent­schei­den­den Fehl­schlüs­sen grü­ner Poli­tik, unse­res geläu­ter­ten Wirt­schafts­mi­nis­ters und auch des Spie­gel-Arti­kels, weil die pri­va­te Ent­schei­dung zu Spar­sam­keit und Ver­zicht, die selbst in der Sum­me kaum noch Spar­po­ten­zi­al haben, mit abso­lut not­wen­di­ger Pro­zess-Ener­gie gleich­ge­setzt wird. Che­mie, Metall­ur­gie, die Her­stel­lung von Zement, Kup­fer, Alu­mi­ni­um – übri­gens alles Din­ge, die auch für Wind­räd­chen in gro­ßer Men­ge benö­tigt wer­den – las­sen sich nicht spar­sa­mer gestal­ten, indem man das Geschenk­pa­pier weg­lässt oder die Ver­pa­ckungs­fo­lie in den gel­ben Sack steckt. Der Gip­fel der Iro­nie: die zur Schmel­ze von Metal­len nöti­ge Ener­gie kommt hier­zu­lan­de ange­sichts der hohen Strom­kos­ten bei vie­len Fir­men aus Erd­gas. Die Umstel­lung von teu­rem Strom auf „bil­li­ges“ Gas ist vie­ler­orts gera­de voll­zo­gen wor­den. Man hat also, auf die poli­ti­schen Ver­spre­chen bau­end, den Teu­fel gegen den Beel­ze­bub getauscht.

Wer übri­gens aus den Wor­ten Habecks schließt, die Grü­nen und das sie tra­gen­de Milieu wären nun aus ihrem para­die­si­schen Traum in der phy­si­ka­li­schen Rea­li­tät erwacht, liegt lei­der falsch. Die Ursa­chen für unser Dilem­ma blei­ben uner­kannt und die Schuld­zu­wei­sun­gen sind so falsch wie immer. Renne­fanz schreibt:

„Wenn Unab­hän­gig­keit von Russ­land und Öl und Gas den meis­ten Wäh­lern wich­tig gewe­sen wäre, dann hät­ten die Grü­nen doch schon 2017 eine abso­lu­te Mehr­heit gewin­nen müssen.“

Soll hei­ßen, wenn statt Nordstream2 ein­fach ein paar Wind­rä­der mehr gebaut wor­den wären, hät­te uns der schnel­le Aus­bau der „Erneu­er­ba­ren“ längst in die Aut­ar­kie geführt. Das ist lei­der kom­plet­ter Unsinn! Man sieht nicht oder will nicht sehen, dass unse­re Erd­gas­ab­hän­gig­keit direkt und unmit­tel­bar die Fol­ge des exten­si­ven Zubaus von Solar- und Wind­ener­gie, also gewis­ser­ma­ßen deren dunk­le und ver­leug­ne­te Sei­te ist.

Ich rede hier gar nicht vom Aus­stieg aus Kern­kraft und Koh­le, son­dern vom aku­ten Bedarf an elek­tri­scher Regel­ar­beit als Lücken­bü­ßer für den bekann­ter­ma­ßen vola­ti­len Ener­gie­wen­de­strom. Die schnell regel­ba­ren Gas­kraft­wer­ke sind es, die die halb­wegs gere­gel­te Ein­spei­sung von Solar- und Wind­strom erst mög­lich machen. Da wir kei­ne nen­nens­wer­ten Ener­gie­spei­cher haben und wohl auch nie haben wer­den, sind Gas­kraft­wer­ke die ein­zi­ge ver­füg­ba­re Tech­no­lo­gie, die dazu in nen­nens­wer­tem Umfang in der Lage sind – und die brau­chen nun mal Gas. Koh­le und Kern­kraft sind wun­der­bar sta­bil grund­last­fä­hig, aber völ­lig unge­eig­net, den Zap­pel­strom zu glät­ten. Statt also das Hei­zungs­ther­mo­stat zuzu­dre­hen und auf der Auto­bahn aus Pro­test gegen Putin 100 zu fah­ren, müss­te sich der Volks­zorn sinn­vol­ler gegen Wind­rä­der und Solar­an­la­gen richten.

Und wenn sie mal wie­der unter einem sich dre­hen­den Wind­rad ste­hen, lie­be Leser, dann lau­schen sie! Hören Sie nicht auch die Stim­me Putins, die im Takt der Wind­rad­flü­geln „zehn Cent, zehn Cent, zehn Cent, zehn Cent…“ flüs­tert? Er kann ja Deutsch, der Putin. Kurz: die deut­sche Ener­gie­wen­de ist es, die Putin bei der Finan­zie­rung sei­nes Kriegs gegen die Ukrai­ne hilft. Für ihn hät­ten es ruhig schon mehr Wind­rä­der sein kön­nen, die sich in Deutsch­land dre­hen und im Gesicht Robert Habecks bei Lanz war abzu­le­sen, dass er dies nun auch weiß. Es jedoch aus­zu­spre­chen, so weit geht sein erwach­ter poli­ti­scher Rea­lis­mus dann lei­der nicht.

Angebot, Nachfrage, Gelegenheit

Ein Biss­chen spa­ren, ein Biss­chen Flüs­sig­gas, ein Biss­chen Last­ab­wurf und Tria­ge beim Ener­gie­be­darf – das scheint die Stra­te­gie Deutsch­lands zu sein, um aus der selbst­ver­schul­de­ten Abhän­gig­keit von Russ­land her­aus­zu­kom­men. Alles Mög­li­che wur­de schon erwo­gen. Habeck reis­te nach Qatar, eine US-Dele­ga­ti­on nach Vene­zue­la, Ener­gie-Hilfs­pa­ke­te wer­den geschnürt und Biden gibt einen beträcht­li­chen Teil der stra­te­gi­schen Ölre­ser­ve ab. Wie schon seit zwei Deka­den ver­sucht man, jedes Pro­blem mit Geld zuzu­schüt­ten und Unsi­cher­hei­ten mit den Werk­zeu­gen der Plan­wirt­schaft zu bear­bei­ten. Nur eines wur­de noch nicht in Betracht gezo­gen, weil es immer noch eine hei­lig ideo­lo­gi­sche Kuh gibt, die nicht ange­rührt wer­den darf: die längst obso­le­ten „Pari­ser Klimaziele“.

Weder in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten noch in Deutsch­land wird erwo­gen, die hei­mi­sche Ener­gie­pro­duk­ti­on wie­der­zu­be­le­ben und – statt der seit Jah­ren übli­chen Ver­schie­bung von CO2-Emis­sio­nen ins Aus­land, um die eige­ne Bilanz auf­zu­hüb­schen – sich ehr­lich zu machen und sich zum Bei­spiel mit Hil­fe von Kern­kraft und Schie­fer­gas-Fracking mög­lichst unab­hän­gig von rus­si­schem Öl und Gas zu machen. Die Grü­nen wol­len eine „Was­ser­stoff­wirt­schaft“ ankur­beln? Nur zu! Doch dafür braucht es die Kern­ener­gie! Die Wind­rä­der sol­len sich wei­ter dre­hen? Bit­te, dann brau­chen wir Gas für die Flau­ten­schie­ber­kraft­wer­ke! Nur auf der Ange­bots­sei­te lässt sich der Preis mit­tel­fris­tig sta­bi­li­sie­ren und uner­wünsch­te Abhän­gig­kei­ten been­den. Nur so lässt sich tat­säch­lich wirk­sam Druck auf Putin aus­üben, nur so zieht man bei einem Gas-Boy­kott – von wel­cher Sei­te auch immer der aus­ge­hen mag – nicht das kür­ze­re Streich­holz. Nur so bleibt auch in der Kri­se genug Wirt­schafts­leis­tung übrig, um Freun­den zu helfen.

Vorheriger ArtikelImpfpropaganda: Die 300-Millionen-Spritze
Nächster ArtikelDas Verhör

11 Kommentare

  1. Die Pari­ser Kli­ma­zie­le sind nicht, was zur Situa­ti­on geführt hat. Zorn gegen auf Wie­sen auf­ge­bau­te Gerä­te zu emp­fin­den ist dämlich.

    Was zur Situa­ti­on geführt hat sind kon­kre­te Men­schen, die kon­kret gehan­delt haben. Sie haben gehan­delt, weil sie es konn­ten, ihre Gier und Gel­tungs­sucht davon pro­fi­tier­te, und sie durch sol­che Din­ge wie Recht­staat und Grund­ge­setz davor geschützt wer­den, dass man sie für die von ihnen her­bei­ge­führ­ten Schä­den zur Rechen­schaft zieht. 

    Wenn Zorn einen Sinn hat, dann liegt die­ser dar­in, sich gegen kon­kre­te Men­schen mit Anschrif­ten und Fami­li­en zu rich­ten, um eine abschre­cken­de Bedro­hungs­la­ge her­bei­zu­füh­ren, die unge­ach­tet gel­ten­den Rechts auf­tritt. Zorn gegen Gehirn­für­ze und tote Gegen­stän­de führt ledig­lich zu Gefüh­len der Frus­tra­ti­on und Ohn­macht, und scha­det nur, weil dadurch jedes Poten­zi­al ver­schwen­det wird. Es ist wie die Pre­digt eines Pries­ters, der zur Abkehr vom Leben rät.

      • Jawohl. Ich ver­mis­se den­noch eine vis­ze­ra­le Reak­ti­on. Ein­fach der Anrei­ze wegen.

      • Also, ich ver­mis­se die vis­ze­ra­le Reak­ti­on ganz allgemein. 

        Unterm Donald hat der Poo­tin nicht her­um­ge­fuckt, weil der Donald ihm ganz direkt aus­rich­ten ließ, dass er Mos­kau bom­bar­diert las­sen wird, wenn er rum­fuckt. Biden hin­ge­gen hat klar gesagt, dass er sowas nicht tun wür­de. Euro­päi­sche Poli­ti­ker heu­len rum, dass man den Krieg nicht eska­lie­ren dür­fe, obwohl der Rus­sen­schwen­gel genau dies tut, und die ver­gan­ge­nen 75 Jah­re ohne Krieg zwi­schen Groß­mäch­ten nur des­halb mög­lich waren, weil auf allen Sei­ten Wahn­sin­ni­ge an den roten Knöp­fen saßen, die nur auf eine Gele­gen­heit war­te­ten, alles was der Feind hat im nuklea­ren Höl­len­feu­er nie­der­zu­bren­nen. Denn gegen cra­zy hilft nur crazy.

        Was hin­ge­gen gemacht wird, ist das Gegen­teil. Ver­nünf­ti­ge, Euro­päi­sche Poli­ti­ker haben kein Inter­es­se dar­an, dass die Nutz­lo­sig­keit von ihnen und ihrem Gesell­schafts­mo­dell offen­bar wird, und die euro­päi­sche Wirt­schaft hat kein Inter­es­se dar­an, dass es zu Ein­bu­ßen kommt, weil man sich einen Kon­flikt leis­tet, in dem ein Feind ver­sucht, einen zu zer­fi­cken, der zur Abwech­se­lung auch mal hard-power pro­ji­zie­ren kann. Völ­lig ratio­nal und ver­nünf­tig. Also schmeißt man den Feind mit Geld zu, damit er still ist. Und genau des­halb weil das so ist, ist der Poo­tin davon aus­ge­gan­gen, dass er sich ein­fach alles leis­ten kann, so lan­ge er sich nur schön irre gibt. Dar­um klin­gen sei­ne Vor­wän­de so bescheu­ert, und dar­um eska­liert er wie ein Irrer. Die Ande­ren wer­den sich dann schon bewe­gen und ihm Zuge­ständ­nis­se machen, und hin­ter­her hat er mehr als vor­her. Dar­um hat man jetzt nen Krieg an der Backe.

        Und genau das ist das Pro­blem, das man im Inne­ren hat, sei es nun im Wes­ten oder in poc­cnr oder sonst­wo. Weil die Bevöl­ke­rung aus lau­ter Ver­nünf­ti­gen besteht, die nie­man­den umbrin­gen, die nicht ster­ben, und die auch nicht in den Knast gehen wol­len, kann man sich von sol­chen Din­gen wie Frei­heit und Wohl­stand ver­ab­schie­den. Einen Grund die­se Din­ge zum per­sön­li­chen Nut­zen zu schä­di­gen fin­det sich näm­lich immer, und der Ver­such kos­tet nichts. 

        Dar­um trig­gert mich Ver­nunft mit­ler­wei­le. Es man­gelt ganz all­ge­mein an cra­zy, und das ist schlecht.

        • Auf die Fra­ge, ob er davon aus­ge­he, dass Putin die Sache mit der Bom­bar­die­rung Mos­kaus ernst neh­men wer­de, ant­wor­tet Trump übri­gens: „Zu fünf Pro­zent. Das genügt.“ Inso­fern hat Dei­ne cra­zy­ness-Initia­ti­ve durch­aus etwas für sich.

  2. Da wer­den die Koh­le- Atom- und Gas-Aus­stei­ger in noch grö­ße­re, vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt evo­zier­te Schla­mas­sel kom­men und mit ihnen ganz Deutsch­land: Man wird die vom BVG unan­fecht­bar vor­ge­schrie­be­nen Grenz­wer­te bzw. das CO2-Rest­bud­get nicht ein­hal­ten kön­nen. Eine Kata­stro­phe für Deutsch­land, dass das BVG i.W. den in grü­ner Hand­schrift ver­fass­ten Ein­las­sun­gen gefolgt ist. Sie­he dazu Vahrenholt/Lüning: Unan­fecht­bar? Der Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Kli­ma­schutz im Fak­ten­check, LMV 2021.

  3. Wenn wir uns die auch his­to­risch plau­si­ble Aus­sa­ge anse­hen: „Es gibt Han­del — oder Krieg“, so stel­len wir fest, dass dabei der Begriff ‚Abhän­gig­keit‘ nicht auftaucht.

    Zurecht — solan­ge der Han­del blüht, gibt es kei­nen Krieg. Auf die Idee, Handel…der eine lie­fert das, was der ande­re braucht, und umgekehrt…als ‚Abhän­gig­keit‘ zu bezeich­nen, wird nur von jenen pro­pa­giert , die Krieg wol­len. Oder sol­chen, die nicht zwi­schen bei­den unter­schei­den kön­nen oder wollen.

    Anwe­sen­de sind natür­lich aus­ge­schlos­sen, lie­ber Herr Letsch…

  4. Der Arti­kel trifft den Nagel auf den Kopf. Auch ich war baff, als ich Habeck die­sen Satz über die Phy­sik und noch ganz ande­re real­po­li­ti­sche Sät­ze sagen hör­te. Mein Gott, jeden nicht­grü­nen oder gar AfD Poli­ti­ker hät­te Lanz für sol­che Aus­sa­gen zer­ris­sen. Auch Habecks ver­knif­fe­nes Gesicht war sehens­wert. Der Mann ist wirk­lich in der Rea­li­tät auf­ge­schla­gen. Hart sehr hart. er hat sei­nen Hel­mut Schmid Moment. Er muss alle grü­nen Regeln bre­chen und alle auf ein­mal. Er wird, egal ob es zunächst demen­tiert wird, die gan­ze Ener­gie­wen­de begra­ben (müs­sen). Er wird die drei bestehen­den KKWs wei­ter lau­fen las­sen, Koh­le­kraft­wer­ke im Dut­zend wie­der anwer­fen, ja und auch Schie­fer­gas wird sehr schnell von der Ver­bots- auf die To do- Lis­te gesetzt wer­den. Er wird, wie in Qua­tar, um Gas bet­teln müs­sen, auch wenn es nicht langt. E‑Mobilität, Wär­me­pum­pen, Was­ser­stoff, das alles muss hef­tigst ver­scho­ben wer­den. Es gilt die Pilo­ten­re­gel Nr1. First fly. Das Flug­zeug in der Luft hal­ten. Alles wei­te­re kommt danach. Er wird nie­mals einem Deut­schen Gas oder Öl Embar­go gegen Russ­land zustim­men, da er jetzt im Amt genau weiss, wie ver­hee­rend das wäre. Und ja, er weiss, das Deutsch­land abhän­gig ist. Ich glau­be aller­dings, dass er.nicht dar­an glaubt, dass Putin das Gas abstellt. Aber eben­so wie Schmid wird er sei­ne Basis gewal­tig gegen sich auf­brin­gen. Ich muss zu mei­ner gröss­ten Über­ra­schung ein­ge­ste­hen, dass ich auf ein­mal Respekt für ihn emp­fin­de, wenn er das durch­steht statt davon zu lau­fen. Sei­ne Beur­tei­lung von Hof­rei­ters Aus­sa­gen gehört wohl zu der höf­lichs­ten Umschrei­bung von „Tota­ler Quatsch“, die ich je unter­ge­kom­men ist.

  5. Grue­ne Ideo­lo­gie ist Reli­gi­on, also sakro­sankt. Nur die bru­ta­le Bauch­lan­dung, 10 Tage oder län­ger bei win­ter­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren andau­ern­der Black­out, wird in die kran­ken Hir­ne der Kli­ma­wen­de­glae­u­bi­gen, vor­drin­gen. Habe vor­ge­sorgt, Not­strom­ag­gre­gat und Vor­rat an LM angelegt.

  6. Die Ein­sicht von Herrn Habeck ist bemer­kens­wert, wird nur lei­der an der schlim­men Situa­ti­on nichts ändern,
    weil die gro­ße Mehr­heit der deut­schen Medi­en wei­ter die kli­ma­ideo­lo­gi­sche Trom­mel rührt.
    Die vom Wirt­schafts- und Umwelt­mi­nis­ter ent­deck­te Phy­sik ist die­sen Trot­teln gänz­lich unbekannt.
    Da wird ger­ne schon mal das per­pe­tu­um Mobi­le erfun­den: “ Es wäre doch schlau wenn das Elek­tro­au­to sei­nen Strom
    sel­ber macht, mit Pho­to­vol­ta­ik auf dem Auto­dach“. Oder:“ Wind und Son­ne sind auf die Zukunft, da sind sich alle einig .“
    Wenn ich letz­te­ren Satz aufs Wet­ter bezie­he kann ich dem zustim­men, aber der­ar­ti­ges im Bezug zur
    Ener­gie­ver­sor­gung zu äußern ist schon sehr gewagt, oder frech, oder ver­blö­det, ( allein Frank­reich will 14 neue
    Atom­kraft­wer­ke bauen).
    Wie gesagt, solan­ge die­se“ Genera­ti­on Smart­pho­ne ich goog­le das Mal Jour­na­lis­ten“ Mei­nung machen können,
    sehe ich schwarz.…

Kommentarfunktion ist geschlossen.