Es gibt Gepflo­gen­hei­ten in der Welt der Diplo­ma­tie, die nimmt man einfach so hin. Dazu gehört, dass sich die UN haupt­säch­lich mit dem Schick­sal der Paläs­ti­nen­ser und der Ver­ant­wor­tung Israels dafür befasst. War schon immer so, muss man nicht ver­ste­hen. Und es gibt schlechte Ange­wohn­hei­ten, die sich schnel­ler ver­fes­ti­gen als das Her­um­lie­gen­las­sen getra­ge­ner Socken. Dazu gehört, das aus dem Stall Trumps nichts Gutes kommen kann, das muss man auch nicht mehr hin­ter­fra­gen, da darf sofort gek­ü­belt werden und genau hin­hö­ren muss man bei den Trump­schen Knall­tü­ten selbst­re­dend auch nicht mehr. Oder richtig über­set­zen. Das dachte sich wohl auch die Tages­schau, als sie über eine Rede der UN-Bot­schaf­te­rin Nikki Haley berich­tete, die natür­lich als ein Kind der Trumpo­ca­lypse dar­ge­stellt werden muss. Haley kam gerade aus einer der monat­li­chen Sit­zun­gen des UN-Sicher­heits­ra­tes zum Thema „Mitt­le­rer Osten“ und hatte einiges mit­zu­tei­len. Die Tages­schau kom­men­tierte Haleys Worte so:

Ihr [Haleys] erster Ein­druck: „Es war das erste Treffen dieser Art für mich, aber es war sehr merk­wür­dig” [soweit ok], sagte sie und legte los: Die Mit­glie­der dieses Sicher­heits­ra­tes sollten ihr bitte eines erklä­ren: Warum sitze man hier Monat für Monat zusam­men und rede über den Nahost-Frie­dens­pro­zess? Es gebe so viele Pro­bleme auf der Welt. Warum also Monat für Monat diese Sitzung?

Zu dumm nur, dass Haley das so gar nicht gesagt hat. Aber es passte so schön ins Bild, dachten sich die Dienst­ha­ben­den vom Trump-Abwehr­dienst. Eine trump­dumme Trulla, die keine Ahnung vom Frie­dens­pro­zess habe, was soll man erwar­ten. Etwas pas­sen­der finde ich aber dieses (ver­kürzte) Wie­der­gabe dessen, was Haley sagte:

Warum sitze man hier Monat für Monat zusam­men und rede über die Pro­bleme im mitt­le­ren Osten, wenn weder die ille­ga­len Rake­ten­stel­lun­gen der His­bol­lah, noch die Ter­ror­un­ter­stüt­zung durch den Iran, noch die Ver­ant­wor­tung Assads für aber­tau­sende Todes­op­fer in Syrien zur Sprache kommen? Es gebe so viele Pro­bleme dort. Warum also Monat für Monat diese Sitzung, bei der es immer nur um und gegen Israel geht?

Klingt für mich irgend­wie anders und gar nicht mehr trump­dumm. Dem­nächst bitte etwas mehr Sorg­falt bei der Über­set­zung und der Inter­pre­ta­tion, liebe ARD. Dafür sollte doch genug Geld da sein.

5 Kommentare

  1. […] Die Tages­schau über­setzt ein State­ment der neuen UN-Bot­schaf­te­rin Nikki Haley irre­füh­rend. Frau Haley kri­ti­siert den UN-Sicher­heits­rat dafür, dass er sich ständig ein­sei­tig mit Israel befasse und zählt auf, was den UN-Sicher­heits­rat in Nahost alles nicht inter­es­sie­ren würde. NDR-Mit­ar­bei­ter Georg Schwarte über­setzt so: Frau Haley kri­ti­siere, dass sich der Sicher­heits­rat ständig mit dem Frie­dens­pro­zess in Nahost beschäf­tige, als ob es keine anderen Pro­bleme in der Welt gäbe. (Quelle) […]

  2. @ roger:

    Sie emp­feh­len Schwei­zer Median als „West­fern­se­hen von heute”? Als Schwei­zer hoffe ich, Sie denken nicht an die Staats­sen­der SRF und bei­spiels­weise an die NZZ. Beide sind nach meinem Emp­fin­den schon uner­träg­lich links. Wenn Sie „West­fern­se­hen” wollen, dann lesen Sie die Welt­wo­che.

  3. Wir hören nur noch Lügen und Lücken in den DDR Sendern, tschul­di­gung, ÖR Sendern der BRD. Wer irgend­wie kann, sollte sich das nicht mehr antun. Es wird von Tag zu Tag schlim­mer. Unfass­bar was in unserer ehe­ma­li­gen Demo­kra­tie pas­siert.

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