Eigen­ar­ti­ge Din­ge gesche­hen gera­de in der Pres­se, die uns in Deutsch­land wie in den USA gera­de alles mit­teilt, was es über Hal­tungs­jour­na­lis­mus zu wis­sen gibt. In den Staa­ten hat gera­de Bari Weiss, die wohl letz­te ech­te libe­ra­le Jour­na­lis­tin des Blat­tes, die New York Times ver­las­sen und die Tür mit einem so lau­ten Knall in Form ihres offe­nen Kün­di­gungs­schrei­bens zuge­wor­fen, dass die Anti­fa-Auf­kle­ber auf den Tas­sen in so ziem­lich jeder deut­schen Redak­ti­on vor Schreck ins Rut­schen kamen. Weiss‘ Gene­ral­ab­rech­nung mit dem, was von der einst stol­zen und wohl bedeu­tends­ten Zei­tung der Welt übrig geblie­ben ist, nach­dem ideo­lo­gi­sche Eng­füh­rung und Oran­ge-Man-Bad-Click­bai­t­ing dort Ein­zug gehal­ten haben und der Sieg Trumps in 2016 bis heu­te nicht ver­daut ist, kann man eigent­lich kaum lesen, ohne dass einem die Trä­nen in die Augen steigen.

Bei der NYT herr­schen nach Weiss‘ Aus­sa­ge Ein­schüch­te­rung und Mob­bing und wer nicht ent­lang der gewünsch­ten Blatt­li­nie schreibt, wird zer­mürbt und „zum Trock­nen auf­ge­hängt“. Der Weg­gang von Bari Weiss ist kein Rand­ereig­nis, son­dern wird in der Bran­che sehr auf­merk­sam ver­folgt. Sie gehör­te zum Füh­rungs­per­so­nal des Mei­nungs­teils der NYT und war als talen­tier­te Autorin inter­na­tio­nal geschätzt. Obschon beken­nen­der „Never-Trumper“, berich­te­te und schrieb sie den­noch fair und objek­tiv auch über den aktu­el­len Prä­si­den­ten. Zumin­dest ver­such­te sie es, solan­ge es noch mög­lich war. Außer­dem ist Weiss seit Jah­ren stark enga­giert im media­len Kampf gegen den auch in den USA immer bedroh­li­cher wer­den­den Anti­se­mi­tis­mus. Den­noch wird das Echo ihres Weg­gangs in unse­ren Medi­en kaum wahr­nehm­bar sein.

Der Spie­gel etwa, der seit vier Jah­ren einen ähn­lich wahnhaft/manischen Berichts­stil gegen­über Trump ver­folgt wie die New York Times heu­te und sich in Arti­keln und Titel­bil­dern einen gera­de­zu dio­ny­si­schen Wett­be­werb um die besof­fens­ten Trump-Inju­ri­en mit ande­ren lin­ken Medi­en lie­fert, wür­de beim Lesen von Weiss‘ Kün­di­gung buch­stäb­lich „in den Spie­gel“ schau­en. Die Macher des Spie­gels lei­den näm­lich unter der­sel­ben Krank­heit, die auch die Qua­li­tät der NYT ver­gif­tet hat. Man ver­sucht, das Niveau, einer alten Kon­ser­ven­do­se gleich, immer wei­ter die Stra­ße hin­un­ter zu kicken. Natür­lich kann ich nicht wis­sen, ob sich nicht doch jemand bei Zeit, SZ oder Spie­gel dazu auf­raf­fen wird, eine dür­re Mel­dung zum Weg­gang von Bari Weiss zu ver­fas­sen. Eine aus­führ­li­che Wür­di­gung des Brie­fes wäre wohl zu viel ver­langt. Zum Zeit­punkt, als ich dies hier schrieb, ergab die Suche nach „Bari Weiss“ bei allen drei­en kei­ne Tref­fer. Ich glau­be kei­nen Augen­blick, dass in den Redak­tio­nen die Fak­ten noch nicht bekannt sind, denn die WELT bringt eine unkom­men­tier­te Über­set­zung des Schrei­bens im Wort­laut.

Dies ereig­ne­te sich just zu der Zeit, als ich an die­sem Arti­kel schrieb, der eigent­lich den Zustand der Süd­deut­schen Zei­tung zum The­ma hat. Doch wie sie sehen wer­den, lie­be Leser, sind Weiss‘ Rück­tritt und das, was es Neu­es über die SZ zu berich­ten gibt, zwei Sei­ten der­sel­ben Medail­le und die Zustands­be­schrei­bung der gro­ßen New Yor­ker Tages­zei­tung spie­gelt sicher recht gut den der pro­vin­zi­el­len Süd­deut­schen Zei­tung wider. Behal­ten wir also im Gedächt­nis, was Bari Weiss über den ideo­lo­gi­sier­ten, links­las­ti­gen Zustand der NYT aus eige­ner leid­vol­ler Anschau­ung berich­tet hat und schau­en uns an, was die SZ in ver­klau­su­lier­ten aber auf­schluss­rei­chen Wor­ten als ihr neu­es Selbst­ver­ständ­nis, ihr „Wer­te­pa­pier“ defi­niert hat und zwecks Erfül­lung an ihre Mit­ar­bei­ter weiterreicht.

Das Wertepapier der Süddeutschen Zeitung – aus Worten werde Haltung

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis des Fol­gen­den müs­sen wir einen klei­nen his­to­ri­schen Abste­cher machen. Der Weg der Jugend ins staat­lich kon­trol­lier­te Leben war in der DDR defi­niert durch eine Abfol­ge von kom­mu­nis­ti­schen Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen, deren ers­te die „Jun­gen Pio­nie­re“ waren, in die man bereits in der Grund­schu­le ein­trat. Die Ideo­lo­gie geht eben am bes­ten in die Hir­ne, wenn sie noch weich und von der uner­freu­li­chen Empi­rie sozia­lis­ti­scher Rea­li­tät unbe­las­tet sind. Der Auf­nah­me­ri­tus ent­hielt ein eid­lich zu spre­chen­des Gelöb­nis aus zehn Gebo­ten, voll von mit Bin­sen gemisch­ten Unver­schämt­hei­ten, die den Außen­ste­hen­den ent­set­zen. Dekre­tier­te Lie­be zur DDR und der Sowjet­uni­on, Ehre den Sym­bo­len der Macht und ver­pflich­ten­der Arbeits­ei­fer bei der Errich­tung des sozia­lis­ti­schen Uto­pia. Es ist ein Zeit­do­ku­ment der Indok­tri­na­ti­on, das in gewis­ser Wei­se heu­te wie­der Nach­ah­mer fin­det. In Mün­chen, bei der Süddeutschen.

Klar, das Was­ser steht vie­len Blät­tern bis zum Hals. Nur scheint es, dass man in der Füh­rungs­eta­ge der Süd­deut­schen Zei­tung nicht die eige­ne poli­ti­sche Schlag­sei­te, man­gel­haf­te Bericht­erstat­tung und einen unver­blüm­ten poli­ti­schen Akti­vis­mus dafür ver­ant­wort­lich macht, son­dern einen Man­gel dar­an. Die Trans­for­ma­ti­on der Zei­tung aus der Welt des Papiers ins digi­ta­le Zeit­al­ter wird offen­bar nicht als gelun­gen betrach­tet und der Dia­gno­se der NYT-Autorin Weiss, die schwin­den­de Bedeu­tung läge vor allem an der Tat­sa­che, dass immer die­sel­be Bla­se an immer der­sel­ben Stel­le ange­sto­chen wer­de, will die SZ offen­bar nicht folgen.

Damit die Süd­deut­sche im digi­ta­len „Neu­land“ bestehen kann – und um mir die Gele­gen­heit zur Ver­wen­dung eines berühm­ten mer­kel­schen Euphe­mis­mus zu geben – ver­fasst der Redak­ti­ons­aus­schuss der Süd­deut­schen Zei­tung ein aus zehn Gebo­ten bestehen­des „Wer­te­pa­pier“ für die Mit­ar­bei­ter, des­sen Stil sich deut­lich an den des Jung­pio­nier­ge­löb­nis­ses anlehnt. Die­ses „Wer­te­pa­pier“ sol­le „…als Kom­pass die Rich­tung wei­sen, in die sich die SZ ent­wi­ckeln muss, um auch in Zukunft an der Spit­ze des Qua­li­täts­jour­na­lis­mus zu ste­hen.“ Der Kom­pass wird nicht der ein­zi­ge Ver­such blei­ben, nau­ti­sche Meta­phern zu strapazieren.

Ersetzt man gedank­lich „Wir Jung­pio­nie­re“ durch „Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der SZ“, hat man’s inhalt­lich eigent­lich schon fast. Die meis­ten der Stan­zen sind wie bei den Jung­pio­nie­ren eigent­lich Bin­sen, deren blo­ße Erwäh­nung als Ener­gie­ver­schwen­dung gel­ten soll­te – es sei denn, sie umschrei­ben Miss­stän­de von sol­chem Aus­maß, dass einem angst und ban­ge wer­den muss.

Liest man die Erklä­rungs­tex­te unter den Gelöb­nis­punk­ten, erhär­tet sich der Ver­dacht, dass hier der Ver­such unter­nom­men wird, durch Wor­te Hand­lun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen so zu ver­än­dern, damit sie dem Gelöb­nis gerecht wer­den. Der Ist-Zustand muss also das Gegen­teil sein. Wozu soll­te man sonst sol­che Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten beto­nen? Es for­mu­liert ja auch nie­mand eine For­de­rung zur Ach­tung der Gra­vi­ta­ti­on – die ist näm­lich ein­fach da und ver­schafft sich Aner­ken­nung. Mit dem pos­tu­lier­ten „fai­ren Umgang mit­ein­an­der“ etwas muss es also eine ande­re, nega­ti­ve Bewandt­nis haben. Hier eini­ge aus­ge­wähl­te Head­lines des SZ-Gelöb­nis­ses mit eini­gen Anmerkungen.

(1) Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Süd­deut­schen Zei­tung begrei­fen sich über alle Res­sorts und Ver­öf­fent­li­chungs­ka­nä­le hin­weg als eine Redaktion.

Das taten sie bis­her offen­sicht­lich nicht, denn sonst müss­te man das nicht schrei­ben. Die Angst zu ver­stum­men geht um in deut­schen Redak­tio­nen. Ich stel­le mir vor, dass es bei der SZ ähn­lich zugeht wie beim Spie­gel. Juan More­no, der den Relo­ti­us-Skan­dal ans Licht brach­te, beschrieb es in sei­nem sehr zu emp­feh­len­den Buch „Tau­send Zei­len Lügen“ etwa so: Die Fra­ge an einen Kol­le­gen, an was er gera­de arbei­te, wird weni­ger als Ein­stieg in einen Small­talk denn als Spio­na­ge und Ver­such emp­fun­den, dem Kol­le­gen zuvor zu kom­men. Man wit­zelt, so More­no, die häu­figs­te Metho­de des Sui­zids unter Spie­gel-Autoren sei, sich vom Berg der eige­nen unver­öf­fent­lich­ten Manu­skrip­te in die Tie­fe zu stür­zen. Die SZ dekre­tiert nun, sie sei eins und einig und unteil­bar – ein­zig­ar­tig sowie­so. War­um ist so etwas not­wen­dig, wenn nicht das Gegen­teil der Fall wäre?

(2) Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der SZ hören ein­an­der zu, unab­hän­gig von Alter, Geschlecht, Hier­ar­chie und Betriebszugehörigkeit.

Die Beschwö­rung von Zusam­men­halt und Benimm zieht sich durch die SZ-Gebo­te wie ein roter Faden, es muss also fins­ter aus­se­hen dort und ver­ba­le Mes­ser­ste­che­rei­en, Stan­des­dün­kel und Hier­ar­chien bestim­men sehr wahr­schein­lich den All­tag, ganz egal, mit welch inni­gem Vibra­to in den Arti­keln des Blat­tes die wun­der­ba­re Gleich­heit aller Men­schen besun­gen wird. Intern muss den Mit­ar­bei­ter wie Klein­kin­dern erklärt wer­den, dass sie ein­an­der zuhö­ren sol­len. Pein­li­cher und gou­ver­nan­ten­haf­ter geht’s kaum.

(3) Die Süd­deut­sche Zei­tung ist ein ver­trau­ter, unbe­stech­li­cher, neu­gie­ri­ger, offe­ner, klu­ger und wenn mög­lich hei­te­rer Freund und Begleiter.

Das ist voll­ende­ter Jung­pio­nier­sprech und Wunsch­den­ken. Was ein Blatt wirk­lich ist, bestim­men näm­lich die­je­ni­gen, die es wirt­schaft­lich tra­gen, also die Leser und Anzei­gen­kun­den. Man hat offen­bar ande­re Finan­zie­rungs­quel­len im Sinn und wir hören hier offen­bar eher einem Bewer­bungs­mo­no­log als einer Selbst­dia­gno­se zu. Die SZ, dein hei­te­rer Freund und Beglei­ter. Wie putzig!

(5) Die Süd­deut­sche Zei­tung ver­steht sich als Leucht­turm in einer unru­hi­gen und unüber­sicht­li­chen Welt.

Das ist ehr­lich und ein pas­sen­des Bild noch dazu. Denn ein Leucht­turm will lei­ten, er teilt das Meer in Untie­fen und siche­re Fahr­was­ser, in rich­tig und falsch. Sei­nem Licht folgt man gern, weil es den schma­len Grad mar­kiert, der das Leben vom Tode trennt. Das wäre die Süd­deut­sche auch gern, ein Leucht­turm, der sagt, wo es lang­geht und dafür mit dem rei­nen Licht der abso­lu­ten Wahr­heit den Weg weist. Für ein Pres­se­me­di­um ist das die buch­stäb­li­che Defi­ni­ti­on von Hybris, doch in Zei­ten von GPS hat der Leucht­turm aus­ge­dient. Nie­mand ist mehr dar­auf ange­wie­sen, sei­nem Licht zu fol­gen, um sicher zu navi­gie­ren. Der Leucht­turm hat sein sei­ne Auf­ga­be ver­lo­ren, ver­sucht sich nun als Hafen­meis­ter und spielt den Platz­an­wei­ser für die vie­len klei­nen Schif­fe, die ganz ohne sein lei­ten­des Licht im Hafen der Mei­nungs­frei­heit ange­kom­men sind.

Dazu passt auch fol­gen­de Pas­sa­ge aus dem Erklä­rungs­text des 5. Gebots: „[Die SZ] ord­net stets schnell und gründ­lich ein. Die Gewich­tung und auch das Weg­las­sen von The­men auf allen Aus­spiel­we­gen erfol­gen mit küh­lem Kopf, Gelas­sen­heit und im Dia­log unter Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen.“ Gera­de für das Weg­las­sen von The­men hat sich im grum­meln­den Publi­kum ein grif­fi­ger Begriff ein­ge­bür­gert, der die Lücke the­ma­ti­siert, die durch das Weg­las­sen sicht­bar wird. Nun kann eine Zei­tung natür­lich nicht über alles berich­ten, gegen das Weg­las­sen an sich ist also nichts ein­zu­wen­den. Offen­bar haben jedoch vie­le ehe­ma­li­ge Abon­nen­ten der SZ den Ein­druck, dass dort beim „schnel­len und gründ­li­chen Ein­ord­nen und Gewich­ten“ etwas Schlag­sei­te ent­stan­den ist, über Bari Weiss kann ich bei­spiels­wei­se noch immer nichts fin­den in der Süddeutschen…

(8) Die Redak­ti­on ver­steht Zah­len und Daten als Chan­ce und nutzt sie, ohne sich zu deren Skla­ven zu machen.

Dia­lek­tik galo­re! Das erin­nert fast ein wenig an Bidens acht­los hin­ge­mur­mel­tes „truth over facts“ und lädt gera­de­zu dazu ein, „Chan­cen zu nut­zen“, wenn sie sich bie­ten. Durch „Gewich­tung und Weg­las­sen“ viel­leicht? Wer möch­te schon Skla­ve der Fak­ten sein – ganz gleich, ob es sich um nega­ti­ve Leser­kom­men­ta­re, schwin­den­de Reich­wei­te, eine Hetz­jagd oder eine Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik handelt.

(9) Die SZ-Iden­ti­tät ist in allen ihren Pro­duk­ten – ob ana­log oder digi­tal – deut­lich spürbar.

In einem Medi­um, das stän­dig der klebrich­ten lin­ken Iden­ti­täts­po­li­tik das Wort redet, muss die eige­ne Iden­ti­tät natür­lich aus jedem Knopf­loch strah­len. Ich hal­te Authen­ti­zi­tät für entscheidender.

Ich bre­che hier ab und über­las­se es dem Leser, mit etwas Phan­ta­sie durch die wei­te­ren For­mu­lie­run­gen des SZ-Gelöb­nis­ses zu strei­fen. Zur per­fek­ten Hal­tungs­pro­the­se fehlt dem „Wer­te­pa­pier“ der SZ eigent­lich nur eine locken­de Per­spek­ti­ve, eine Anschluss­ver­wen­dung im Fal­le von Wohl­ver­hal­ten und Gelöb­nis­er­fül­lung. Die stand einst direkt unter den zehn Gebo­ten der Jung­pio­nie­re und ich möch­te der SZ drin­gend raten, fol­gen­de – leicht abge­än­der­te – Form zu übernehmen:

„Wir berei­ten uns dar­auf vor, gute Thäl­mann­pio­nie­re Regie­rungs­spre­cher zu werden.“

Denn früh krümmt sich, was ein Häck­chen wer­den will.


Update: Heu­te, am 15.7.2020 um 15:47 Uhr hat­te die SZ nun doch ihr lau­tes Schwei­gen gebro­chen und Bari Weiss einen ekel­er­re­gen­den Arti­kel hin­ter­her­ge­wor­fen, wel­cher alle Klin­gel­wor­te der Ver­ach­tung und Ver­leum­dung ent­hält, die man in der kür­ze der Zeit zusam­men­klau­ben konn­te. Umstrit­ten sei Weiss gewe­sen (offen­sicht­lich), hät­te Kon­tro­ver­sen aus­ge­löst (was eigent­lich ihre Auf­ga­be ist), sie sei ohne­hin „außer­halb der Bran­che unbe­kannt“ (selbst ihre Kol­le­gen ken­nen sie nun nicht mehr) und hät­te nun „Bei­fall von der fal­schen Sei­te“ – letz­te­res ist der schlimms­te Vor­wurf, zu dem Gesin­nungs­jour­na­lis­ten mit ihrem engen Welt­bild fähig sind. Auch schmutzt Wil­li Wink­ler von der SZ, ihr gro­ßes Gel­tungs­be­dürf­nis sei Weiss wohl im Weg gewe­sen. Ein Arti­kel wie aus dem Lehr­buch des Ruf­mords und der Nega­tiv­pro­pa­gan­da! Aber ich will mei­nen Arti­kel posi­tiv been­den. Das Gelöb­nis der SZ-Autoren­schaft wird offen­bar Punkt für Punkt erfüllt. Punkt 9, die Iden­ti­tät des Blat­tes, wird auch in die­sem Arti­kel über­deut­lich: Hal­tungs­jour­na­lis­mus der schlimms­ten Sorte!

Vorheriger ArtikelMaskenpflicht und Schaumweinsteuer
Nächster ArtikelDer Spiegel erklärt uns die Gewalt in New York

17 Kommentare

  1. Am lus­tigs­ten ist Arti­kel 8: Erin­nert mich an eine ehe­ma­li­ge Nan­ny aus der Ukrai­ne, die dort „krea­ti­ve Buch­füh­rung“ gelernt hat­te. Soll hei­ßen, die Fak­ten (Zah­len) wer­den solan­ge krea­tiv „gestal­tet“ bis das gewünsch­te Ergeb­nis erreicht ist. War übri­gens auch das Wesen der sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaft. Irgend­wie Wahn­sinn. Sit­zen denn bei SPIEGEL und SZ nur noch dres­sier­te Äffchen?

  2. Zum Bari Weiss-Arti­kel der SZ : „umstrit­ten“ „selbst­er­nannt“ – direkt aus dem Lehr­buch für Framing. 

    Dann noch : „Hans-Georg Maaßen, der ehe­ma­li­ge deut­sche Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent, muss­te sich anhän­gen und Weiss‘ Kla­ge auf­grei­fen, wonach man mit jeder Mei­nungs­äu­ße­rung sofort als Nazi und Ras­sist dif­fa­miert wer­de. “ Dem geben sie also auch noch gleich ihr Fett mit, sozu­sa­gen Auf­räu­men in einem Auf­wasch. Dass Maaßen ledig­lich die all­täg­li­che Rea­li­tät beschreibt – geschenkt.
    Das ist der Jour­na­lis­mus, auf den ich seit Jah­ren ger­ne ver­zich­ten kann.

  3. HiHi, die SZ ist also am Ende. Wer sowas schreibt und sich als Qua­li­täts­jour­na­lis­mus ver­steht, das ist ein Wider­spruch der nicht aus­zu­hal­ten ist, wo der Bogen irgend­wann reißt. Nicht das ich das bedau­ern wür­de. Frü­her habe ich ganz gern gele­gent­lich mal in der SZ gele­sen, aber seit­dem kei­ne Leser­kom­men­ta­re mehr vor­han­den sind, habe ich auch kei­ne Lust mehr extra für die SZ den Adblo­cker auszuschalten.
    Den Part der süd­deut­schen sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Zei­tung, die gele­gent­lich mal lese, hat jetzt Der Stan­dart über­nom­men. Am bes­ten sind dort die Leser­kom­men­ta­re, wo ich oft den Arti­kel über­sprin­ge und mir gleich die Kom­men­ta­re durchlese.
    Ansons­ten muss ich mich mei­nem Vor­red­ner Franz Reinartz anschlie­ßen, die ein­zi­ge deutsch­spra­chi­ge Zei­tung die oft und gern lese ist die Neue Zür­cher Zei­tung. Die Zehn Grund­sät­ze für guten Jour­na­lis­mus im digi­ta­len Zeit­al­ter, die Eric Gujer auf der Gene­ral­ver­samm­lung der NZZ 2017 for­mu­liert hat, „Wahr­heit und ande­re Lügen“: https://www.nzz.ch/meinung/guter-journalismus-wahrheit-und-andere-luegen-ld.1289153 , tren­nen Wel­ten von der SZ. Intel­lek­tu­el­ler Anspruch hier, Leuch­turm im Sin­ne von Roger Letsch dort.
    Im übri­gen bin ich der Mei­nung Eric Gujer sollt als Chef­re­dak­teur der NZZ bald mög­lichst ersetzt wer­den. Der hat mir in sei­nen Arti­keln zu viel Rechts­drall ent­wi­ckelt. Ich schät­ze sei­nen Mei­nung, aber es macht die NZZ angreifbar.

  4. dan­ke ‑wie­der einmal-
    für den „augen-öff­nen­den“ arti­kel. ohne ins eso­te­ri­sche abzu­glei­ten muß doch gefragt wer­den, wie es mög­lich ist, daß in den 15 jah­ren wo das zei­tungs­ge­schäft durch digi­ta­li­sie­rung den bach run­ter­geht, sich die redak­tio­nel­le viel­falt in fast allen print­me­di­en radi­kal verengt. 

    cui bono – wem nützt dies?

  5. Lie­ber Herr Letsch, gern schaue ich auf Ihrer Sei­te vor­bei, ich habe aber fest­ge­stellt, dass beim The­ma Kom­mu­nis­mus , DDR usw. Ihre grau­en Zel­len den Dienst ver­sa­gen. WAS genau ist am Gelöb­nis der Jung­pio­nie­re so ver­werf­lich, so ätz­ed, dass es Sie schüt­telt. Ich habe das Gelöb­nis mit nur EINER Ände­rung hier nach­voll­zo­gen (Sowjet­uni­on durch USA erset­zet). Was ergibt sich nun für die „Grund­schü­ler der BRD“ anstel­le von „Jung­pio­nie­re“ in die­sen 10 Gebo­ten? Sehen wir mal:
    WIR Grund­schü­ler der BRD
    1. lie­ben unser Land.
    2. lie­ben unse­re Eltern.
    3. lie­ben den Frieden.
    4. hal­ten Freund­schaft mit den Kin­dern der USA und allen Ländern.
    5. ler­nen flei­ßig, sind ordent­lich und diszipliniert.
    6. ach­ten alle arbei­ten­den Men­schen und hel­fen über­all tüch­tig mit.
    7. sind gute Freun­de und hel­fen einander.
    8. sin­gen und tan­zen, spie­len und bas­teln gern.
    9. trei­ben Sport und hal­ten unse­re Kör­per sau­ber und gesund.
    10. tra­gen mit Stolz unser blau­es Halstuch.
    Was, sagen Sie im Kom­men­tar, was ist an die­sen Gebo­ten schlecht? DAs Land zu lie­ben? die Eltern oder den Frie­den? Freund­schaft mit den Kin­dern der Welt hal­ten, flei­ßig ler­nen, arbei­ten­de Men­schen­ach­ten, usw. usf. Was also ist schlecht dar­an? Das blaue Hals­tuch tra­gen? Na end­lich, JETZT haben wir’s!
    Bes­te Grü­ße, Ken

    • Es ist der Geist, den die­se Bin­sen atmen und was man aus schein­bar harm­lo­sen Begrif­fen für ein Sys­tem des Gehor­sams und der Indok­tri­na­ti­on zim­mern kann. Wenn Sie den Weg nicht erken­nen, in den das alles mün­det und die beglei­ten­de uni­for­mie­ren­de Orna­men­tik für harm­los hal­ten, sind es viel­leicht nicht mei­ne grau­en Zel­len, die ihren Dienst versagen.

      • Nur eine kur­ze Ant­wort, weil die­se Dis­kus­si­on vom eigent­li­chen Inhalt des Bei­trags abglei­tet: Es zeugt weder von Ach­tung, noch von Intel­li­genz, wenn mit geschickt plat­zier­ten sug­ges­ti­ven For­mu­lie­run­gen einer Aus­sa­ge ein Inhalt unter­stellt wird, den die­se nie hat­te. Genau so, wie Sie geschrie­ben haben, haben auch mir schon vie­le Men­schen mit­ge­teilt, wie ich – angeb­lich – gelebt hat­te. Ich weiß das – sie nicht. So ist es auch in die­sem Fall. Ich ver­ste­he sol­che Unter­stel­lun­gen nicht, da ver­sa­gen mei­ne grau­en Zellen.

        • Sor­ry, Herr Bur­ger, aber es sind defi­ni­tiv nicht Herrn Letschs „graue Zel­len“, die ver­sa­gen. Des­sen Ver­gleich der SZ-Dog­men mit den Gebo­ten der „Jung­pio­nie­re“ in der DDR trifft den Nagel auf den Kopf. Jun­ger Pio­nier (spä­ter „Thäl­mann- Pio­nier“) zu sein, bedeu­te­te, von frühs bis abends mit kom­mu­nis­ti­scher Pro­pa­gan­da indok­tri­niert zu wer­den: Begin­nend mit dem mor­gend­li­chen „Fah­nen­ap­pell“ auf dem Schul­hof, endend mit dem abend­li­chen Besuch der Leh­re­rin, die sich bei den Eltern beschwer­te, daß der Fili­us beim Tref­fen mit „anti­fa­schis­ti­schen Wider­stands­kämp­fern“ (meist ver­bit­ter­te rote Socken mit lee­rem Blick) das Pio­nier­hals­tuch nicht umhat­te. Ich ver­mu­te mal stark, daß es bei der (national)sozialistischen HJ – dem Vor­bild – ähn­lich lief. Und genau das pas­siert bei den lin­ken „Haltungs“-Medien: Die früh­zei­tig grün-sozia­lis­tisch indok­tri­nie­ren Jung­spun­de von der Henrry-Nan­nen-Schu­le für Jour­na­lis­mus sol­len ja nicht anfan­gen, zu zwei­feln oder gar selb­stän­dig zu den­ken. Und des­halb knallt man ihnen – wie wei­land den Pimp­fen im drit­ten Reich und den Pio­nie­ren in der DDR – eine Lat­te von Gebo­ten vor den Kopf. Die – wie in einem tota­li­tä­ren Umfeld üblich – sakro­sankt sind. Was, bit­te, ist an die­sem Ver­gleich falsch?

          • Roland, Auf sol­che Schrei­be­rei dürf­te ich nicht ant­wor­ten, weil zu dumm. Da bis hier­her aber ggf. ande­re Leser schau­en, muss ich kurz ant­wor­ten: Wer behaup­tet, in der DDR hät­te es täg­li­che Mor­gen­a­pel­le (auf dem Schul­hof!) gege­ben und „abend­li­che Besu­che der Leh­re­rin“, der lügt. Und zwar dreist. Die Erklä­rung ist wahr­schein­lich Ihre geis­ti­ge Her­kunft, die HJ mit DDR-Pio­nie­ren ver­gleicht. Ganz nah am oliv­grün-brau­nen Rand. Zu so einer Hal­tung haben über Jahr­zehn­te in der BRD ja genü­gend NSDAP-Leh­rer, Rich­ter und Poli­ti­ker beigetragen.

            • Lie­ber Bur­ger, ich bin in der DDR auf­ge­wach­sen und habe sie zwei Jah­re vor dem Fall der Mau­er in einem bis zur Gren­ze ver­sie­gel­ten Abteil eines Zuges ver­las­sen. Inso­fern erst ein­mal: Ich weiß wovon ich rede. (Die Fah­nen­a­pel­le hat es übri­gens tat­säch­lich nicht täg­lich, aber in regel­mä­ßi­gen Abstän­den, selbst im Feri­en­la­ger, gege­ben). Zu den Par­al­le­len Natio­nal­so­zia­lis­mus- Kom­mu­nis­mus: Als Stu­dent in der DDR las ich „LTI“ (Die Spra­che des Drit­ten Rei­ches) von Vic­tor Klem­pe­rer. Es war wie eine Erleuch­tung, mit einem Schlag wur­de mir, der unter der ver­lo­ge­nen kom­mu­nis­ti­schen Pro­pa­gan­da litt wie ein Hund, vie­les klar. Als ich kurz danach den „Iwan Denis­so­witsch“ von Alex­an­der Sol­sche­ni­zyn las, hat­te ich kei­ne Fra­gen mehr. Man mag mir mit allem kom­men, aber bit­te nicht mehr mit dem ahis­to­ri­schen Blöd­sinn, der Kom­mu­nis­mus sei mit ande­ren tota­li­tä­ren Sys­te­men nicht ver­gleich­bar gewesen.

            • Was für lächer­li­che Kli­schees! In der DDR gab es eben­so NSDAP-Mit­glie­der, bei­spiels­wei­se ehe­ma­li­ge Wehr­machts­of­fi­zie­re bei der Natio­na­len Volks­ar­mee, ent­ge­gen der offi­zi­el­len SED-Pro­pa­gan­da vom angeb­li­chen „anti­fa­schis­ti­schen“ Staat DDR. „Die Erklä­rung ist wahr­schein­lich Ihre geis­ti­ge Her­kunft, die HJ mit DDR-Pio­nie­ren ver­gleicht. Ganz nah am oliv­grün-brau­nen Rand. Zu so einer Hal­tung haben über Jahr­zehn­te in der BRD ja genü­gend NSDAP-Leh­rer, Rich­ter und Poli­ti­ker bei­getra­gen.“ Wel­che „Jahr­zehn­te“ sol­len das gewe­sen sein? Spä­tes­tens seit den 70er Jah­ren war die Leh­rer­schaft in der Bun­des­re­pu­blik gro­ßen­teils links ori­en­tiert, zuerst SPD­nah und spä­ter Grün.

  6. Die von Bari Weiss ‚ent­deck­ten‘ Hal­tungs-Schä­den sind von Mela­nie Phil­ipps bereits sehr ein­drück­lich in ‚Guar­di­an Angel‘ anhand eige­ner Erfah­rung im bri­ti­schen Links­bio­top beschrie­ben. Um zu ver­öf­fent­li­chen muß sie sich eines US-Ver­la­ges bedie­nen, im UK ist sie prak­tisch mit Publi­ka­ti­ons­ver­bot belegt. Das ist geleb­te ‚Diver­si­tät‘.

  7. Oder, wie Danisch zum SZ-Arti­kel anmerkt: 

    Bari Weiss wird damit platt­ge­macht, dass Trump und Maaßen ihr zustimmten.
    Womit in vol­lem Umfang bestä­tigt ist, was Bari Weiss da schreibt.

  8. Auch und sogar der von mir geschätz­te Wil­li Winkler ?!
    (aller­dings les ich die SZ und Con­sor­ten seit „Ukrai­ne“ nicht mehr, ken­ne also nur sei­ne Arti­kel vor die­sem Dammbruch)

  9. Was Sie, wer­ter Herr Letsch, für die SZ, Zeit und Spie­gel kon­sta­tie­ren, trifft für eigent­lich alle frü­her auch mal gro­ßen Zeitungen/Magazine zu. Man hat sich offen­bar dar­in behag­lich ein­ge­rich­tet, gegen die Inter­es­sen eines Groß­teils der Leser zu schrei­ben, wie an den meist von der Arti­kel­m­ei­nung abwei­chen­den Leser­kom­men­ta­ren bzw. Leser­vo­ten erkenn­bar ist (soweit es noch Kom­men­ta­re gibt). Kon­se­quen­ter­wei­se sin­ken die Verkaufszahlen.
    Die Leser sind es offen­bar leid, den Kakao, durch den sie gezo­gen wer­den, nicht nur zu trin­ken, son­dern auch noch zu zahlen.
    Beson­ders schnell ist nach mei­ner Beob­ach­tung die ehe­mals eher bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ve FAZ nach links-grün-außen gekippt. Auch bei der FAZ in den Kom­men­ta­ren gut zu beobachten.
    Die Welt kämpft wohl noch um ihr Pro­fil. Es scheint da so zu sein, wie Frau Weiss das für die NYT fest­stellt, dass die „alten“ Män­ner und Frau­en noch ver­su­chen, Jour­na­lis­mus zu betrei­ben, wäh­rend die jün­ge­ren mit mis­sio­na­ri­schem Eifer rot-grü­ne Dog­men und Regie­rungs­pro­pa­gan­da verkünden.
    Frü­her lokal rele­van­te Blät­ter wie RP, KStA oder WAZ sind wirk­lich nur noch bedingt und mit Lokal­be­zug im dop­pel­ten Sinn les­bar. Da ist mir sogar mein wöchent­li­ches Anzei­ge­blatt lieber.
    Gefragt, was man noch lesen kann, um sich halb­wegs unvor­ein­ge­nom­men infor­miert zu füh­len, kann ich eigent­lich nur noch die NZZ nen­nen, die es in den letz­ten zwei Jah­ren ver­stan­den hat, einen beein­dru­cken­den Deutsch­land-Teil aufzubauen.

  10. Deutsch­land: Das Land der Dich­ter und Den­ker, vor allem Den­ker? Wann soll das gewe­sen sein, im Mit­tel­al­ter? Mir kommt es bereits heu­te so vor, als dau­er­ten die unsäg­li­chen, heu­ti­gen „Zustän­de“ seit Ewigkeiten.

  11. Scha­de, (Schan­de) wenn heu­te die Dich­ter der deut­schen Lite­ra­tur vom Sockel der Geschich­te gesto­ßen wer­den und wir solch wert­vol­le Jour­na­lis­ten an unse­rer Sei­te wis­sen, wo soll die­ses Deutsch­land enden?

Comments are closed.