Eige­nar­tige Dinge geschehen ger­ade in der Presse, die uns in Deutsch­land wie in den USA ger­ade alles mit­teilt, was es über Hal­tungsjour­nal­is­mus zu wis­sen gibt. In den Staat­en hat ger­ade Bari Weiss, die wohl let­zte echte lib­erale Jour­nal­istin des Blattes, die New York Times ver­lassen und die Tür mit einem so laut­en Knall in Form ihres offe­nen Kündi­gungss­chreibens zuge­wor­fen, dass die Antifa-Aufk­le­ber auf den Tassen in so ziem­lich jed­er deutschen Redak­tion vor Schreck ins Rutschen kamen. Weiss‘ Gen­er­al­abrech­nung mit dem, was von der einst stolzen und wohl bedeu­tend­sten Zeitung der Welt übrig geblieben ist, nach­dem ide­ol­o­gis­che Engführung und Orange-Man-Bad-Click­bait­ing dort Einzug gehal­ten haben und der Sieg Trumps in 2016 bis heute nicht ver­daut ist, kann man eigentlich kaum lesen, ohne dass einem die Trä­nen in die Augen steigen.

Bei der NYT herrschen nach Weiss’ Aus­sage Ein­schüchterung und Mob­bing und wer nicht ent­lang der gewün­scht­en Blat­tlin­ie schreibt, wird zer­mürbt und „zum Trock­nen aufge­hängt“. Der Weg­gang von Bari Weiss ist kein Ran­dereig­nis, son­dern wird in der Branche sehr aufmerk­sam ver­fol­gt. Sie gehörte zum Führungsper­son­al des Mei­n­ung­steils der NYT und war als tal­en­tierte Autorin inter­na­tion­al geschätzt. Obschon beken­nen­der „Nev­er-Trumper“, berichtete und schrieb sie den­noch fair und objek­tiv auch über den aktuellen Präsi­den­ten. Zumin­d­est ver­suchte sie es, solange es noch möglich war. Außer­dem ist Weiss seit Jahren stark engagiert im medi­alen Kampf gegen den auch in den USA immer bedrohlich­er wer­den­den Anti­semitismus. Den­noch wird das Echo ihres Weg­gangs in unseren Medi­en kaum wahrnehm­bar sein.

Der Spiegel etwa, der seit vier Jahren einen ähn­lich wahnhaft/manischen Berichtsstil gegenüber Trump ver­fol­gt wie die New York Times heute und sich in Artikeln und Titel­bildern einen ger­adezu dion­y­sis­chen Wet­tbe­werb um die besof­fen­sten Trump-Injurien mit anderen linken Medi­en liefert, würde beim Lesen von Weiss‘ Kündi­gung buch­stäblich „in den Spiegel“ schauen. Die Mach­er des Spiegels lei­den näm­lich unter der­sel­ben Krankheit, die auch die Qual­ität der NYT vergiftet hat. Man ver­sucht, das Niveau, ein­er alten Kon­ser­ven­dose gle­ich, immer weit­er die Straße hin­unter zu kick­en. Natür­lich kann ich nicht wis­sen, ob sich nicht doch jemand bei Zeit, SZ oder Spiegel dazu aufraf­fen wird, eine dürre Mel­dung zum Weg­gang von Bari Weiss zu ver­fassen. Eine aus­führliche Würdi­gung des Briefes wäre wohl zu viel ver­langt. Zum Zeit­punkt, als ich dies hier schrieb, ergab die Suche nach „Bari Weiss“ bei allen dreien keine Tre­f­fer. Ich glaube keinen Augen­blick, dass in den Redak­tio­nen die Fak­ten noch nicht bekan­nt sind, denn die WELT bringt eine unkom­men­tierte Über­set­zung des Schreibens im Wort­laut.

Dies ereignete sich just zu der Zeit, als ich an diesem Artikel schrieb, der eigentlich den Zus­tand der Süd­deutschen Zeitung zum The­ma hat. Doch wie sie sehen wer­den, liebe Leser, sind Weiss‘ Rück­tritt und das, was es Neues über die SZ zu bericht­en gibt, zwei Seit­en der­sel­ben Medaille und die Zus­tands­beschrei­bung der großen New York­er Tageszeitung spiegelt sich­er recht gut den der prov­inziellen Süd­deutschen Zeitung wider. Behal­ten wir also im Gedächt­nis, was Bari Weiss über den ide­ol­o­gisierten, linkslasti­gen Zus­tand der NYT aus eigen­er lei­d­voller Anschau­ung berichtet hat und schauen uns an, was die SZ in verk­lausulierten aber auf­schlussre­ichen Worten als ihr neues Selb­stver­ständ­nis, ihr „Wertepa­pi­er“ definiert hat und zwecks Erfül­lung an ihre Mitar­beit­er weit­er­re­icht.

Das Wertepapier der Süddeutschen Zeitung – aus Worten werde Haltung

Zum besseren Ver­ständ­nis des Fol­gen­den müssen wir einen kleinen his­torischen Abstech­er machen. Der Weg der Jugend ins staatlich kon­trol­lierte Leben war in der DDR definiert durch eine Abfolge von kom­mu­nis­tis­chen Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen, deren erste die „Jun­gen Pio­niere“ waren, in die man bere­its in der Grund­schule ein­trat. Die Ide­olo­gie geht eben am besten in die Hirne, wenn sie noch weich und von der uner­freulichen Empirie sozial­is­tis­ch­er Real­ität unbe­lastet sind. Der Auf­nah­mer­i­tus enthielt ein eidlich zu sprechen­des Gelöb­nis aus zehn Geboten, voll von mit Bin­sen gemis­cht­en Unver­schämtheit­en, die den Außen­ste­hen­den entset­zen. Dekretierte Liebe zur DDR und der Sow­je­tu­nion, Ehre den Sym­bol­en der Macht und verpflich­t­en­der Arbeit­seifer bei der Errich­tung des sozial­is­tis­chen Utopia. Es ist ein Zeit­doku­ment der Indok­tri­na­tion, das in gewiss­er Weise heute wieder Nachah­mer find­et. In München, bei der Süd­deutschen.

Klar, das Wass­er ste­ht vie­len Blät­tern bis zum Hals. Nur scheint es, dass man in der Führungse­tage der Süd­deutschen Zeitung nicht die eigene poli­tis­che Schlag­seite, man­gel­hafte Berichter­stat­tung und einen unverblümten poli­tis­chen Aktivis­mus dafür ver­ant­wortlich macht, son­dern einen Man­gel daran. Die Trans­for­ma­tion der Zeitung aus der Welt des Papiers ins dig­i­tale Zeital­ter wird offen­bar nicht als gelun­gen betra­chtet und der Diag­nose der NYT-Autorin Weiss, die schwindende Bedeu­tung läge vor allem an der Tat­sache, dass immer dieselbe Blase an immer der­sel­ben Stelle angestochen werde, will die SZ offen­bar nicht fol­gen.

Damit die Süd­deutsche im dig­i­tal­en „Neu­land“ beste­hen kann – und um mir die Gele­gen­heit zur Ver­wen­dung eines berühmten merkelschen Euphemis­mus zu geben – ver­fasst der Redak­tion­sauss­chuss der Süd­deutschen Zeitung ein aus zehn Geboten beste­hen­des „Wertepa­pi­er“ für die Mitar­beit­er, dessen Stil sich deut­lich an den des Jung­pi­oniergelöb­niss­es anlehnt. Dieses „Wertepa­pi­er“ solle „…als Kom­pass die Rich­tung weisen, in die sich die SZ entwick­eln muss, um auch in Zukun­ft an der Spitze des Qual­ität­sjour­nal­is­mus zu ste­hen.“ Der Kom­pass wird nicht der einzige Ver­such bleiben, nautis­che Meta­phern zu stra­pazieren.

Erset­zt man gedanklich „Wir Jung­pi­oniere“ durch „Die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er der SZ“, hat man’s inhaltlich eigentlich schon fast. Die meis­ten der Stanzen sind wie bei den Jung­pi­onieren eigentlich Bin­sen, deren bloße Erwäh­nung als Energiev­er­schwen­dung gel­ten sollte – es sei denn, sie umschreiben Missstände von solchem Aus­maß, dass einem angst und bange wer­den muss.

Liest man die Erk­lärung­s­texte unter den Gelöb­nis­punk­ten, erhärtet sich der Ver­dacht, dass hier der Ver­such unter­nom­men wird, durch Worte Hand­lun­gen und Ver­hal­tensweisen so zu verän­dern, damit sie dem Gelöb­nis gerecht wer­den. Der Ist-Zus­tand muss also das Gegen­teil sein. Wozu sollte man son­st solche Selb­stver­ständlichkeit­en beto­nen? Es for­muliert ja auch nie­mand eine Forderung zur Achtung der Grav­i­ta­tion – die ist näm­lich ein­fach da und ver­schafft sich Anerken­nung. Mit dem pos­tulierten „fairen Umgang miteinan­der“ etwas muss es also eine andere, neg­a­tive Bewandt­nis haben. Hier einige aus­gewählte Head­lines des SZ-Gelöb­niss­es mit eini­gen Anmerkun­gen.

(1) Die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er der Süd­deutschen Zeitung begreifen sich über alle Ressorts und Veröf­fentlichungskanäle hin­weg als eine Redak­tion.

Das tat­en sie bish­er offen­sichtlich nicht, denn son­st müsste man das nicht schreiben. Die Angst zu ver­s­tum­men geht um in deutschen Redak­tio­nen. Ich stelle mir vor, dass es bei der SZ ähn­lich zuge­ht wie beim Spiegel. Juan Moreno, der den Relotius-Skan­dal ans Licht brachte, beschrieb es in seinem sehr zu empfehlen­den Buch „Tausend Zeilen Lügen“ etwa so: Die Frage an einen Kol­le­gen, an was er ger­ade arbeite, wird weniger als Ein­stieg in einen Smalltalk denn als Spi­onage und Ver­such emp­fun­den, dem Kol­le­gen zuvor zu kom­men. Man witzelt, so Moreno, die häu­fig­ste Meth­ode des Suizids unter Spiegel-Autoren sei, sich vom Berg der eige­nen unveröf­fentlicht­en Manuskripte in die Tiefe zu stürzen. Die SZ dekretiert nun, sie sei eins und einig und unteil­bar – einzi­gar­tig sowieso. Warum ist so etwas notwendig, wenn nicht das Gegen­teil der Fall wäre?

(2) Die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er der SZ hören einan­der zu, unab­hängig von Alter, Geschlecht, Hier­ar­chie und Betrieb­szuge­hörigkeit.

Die Beschwörung von Zusam­men­halt und Ben­imm zieht sich durch die SZ-Gebote wie ein rot­er Faden, es muss also fin­ster ausse­hen dort und ver­bale Messer­stechereien, Standes­dünkel und Hier­ar­chien bes­tim­men sehr wahrschein­lich den All­t­ag, ganz egal, mit welch innigem Vibra­to in den Artikeln des Blattes die wun­der­bare Gle­ich­heit aller Men­schen besun­gen wird. Intern muss den Mitar­beit­er wie Kleinkindern erk­lärt wer­den, dass sie einan­der zuhören sollen. Pein­lich­er und gou­ver­nan­ten­hafter geht’s kaum.

(3) Die Süd­deutsche Zeitung ist ein ver­trauter, unbestech­lich­er, neugieriger, offen­er, kluger und wenn möglich heit­er­er Fre­und und Begleit­er.

Das ist vol­len­de­ter Jung­pi­onier­sprech und Wun­schdenken. Was ein Blatt wirk­lich ist, bes­tim­men näm­lich diejeni­gen, die es wirtschaftlich tra­gen, also die Leser und Anzeigenkun­den. Man hat offen­bar andere Finanzierungsquellen im Sinn und wir hören hier offen­bar eher einem Bewer­bungsmonolog als ein­er Selb­st­di­ag­nose zu. Die SZ, dein heit­er­er Fre­und und Begleit­er. Wie putzig!

(5) Die Süd­deutsche Zeitung ver­ste­ht sich als Leucht­turm in ein­er unruhi­gen und unüber­sichtlichen Welt.

Das ist ehrlich und ein passendes Bild noch dazu. Denn ein Leucht­turm will leit­en, er teilt das Meer in Untiefen und sichere Fahrwass­er, in richtig und falsch. Seinem Licht fol­gt man gern, weil es den schmalen Grad markiert, der das Leben vom Tode tren­nt. Das wäre die Süd­deutsche auch gern, ein Leucht­turm, der sagt, wo es langge­ht und dafür mit dem reinen Licht der absoluten Wahrheit den Weg weist. Für ein Pressemedi­um ist das die buch­stäbliche Def­i­n­i­tion von Hybris, doch in Zeit­en von GPS hat der Leucht­turm aus­ge­di­ent. Nie­mand ist mehr darauf angewiesen, seinem Licht zu fol­gen, um sich­er zu navigieren. Der Leucht­turm hat sein seine Auf­gabe ver­loren, ver­sucht sich nun als Hafen­meis­ter und spielt den Platzan­weis­er für die vie­len kleinen Schiffe, die ganz ohne sein lei­t­en­des Licht im Hafen der Mei­n­ungs­frei­heit angekom­men sind.

Dazu passt auch fol­gende Pas­sage aus dem Erk­lärung­s­text des 5. Gebots: „[Die SZ] ord­net stets schnell und gründlich ein. Die Gewich­tung und auch das Weglassen von The­men auf allen Ausspiel­we­gen erfol­gen mit küh­lem Kopf, Gelassen­heit und im Dia­log unter Kol­legin­nen und Kol­le­gen.“ Ger­ade für das Weglassen von The­men hat sich im grum­mel­nden Pub­likum ein grif­figer Begriff einge­bürg­ert, der die Lücke the­ma­tisiert, die durch das Weglassen sicht­bar wird. Nun kann eine Zeitung natür­lich nicht über alles bericht­en, gegen das Weglassen an sich ist also nichts einzuwen­den. Offen­bar haben jedoch viele ehe­ma­lige Abon­nen­ten der SZ den Ein­druck, dass dort beim „schnellen und gründlichen Einord­nen und Gewicht­en“ etwas Schlag­seite ent­standen ist, über Bari Weiss kann ich beispiel­sweise noch immer nichts find­en in der Süd­deutschen…

(8) Die Redak­tion ver­ste­ht Zahlen und Dat­en als Chance und nutzt sie, ohne sich zu deren Sklaven zu machen.

Dialek­tik galore! Das erin­nert fast ein wenig an Bidens acht­los hinge­murmeltes „truth over facts“ und lädt ger­adezu dazu ein, „Chan­cen zu nutzen“, wenn sie sich bieten. Durch „Gewich­tung und Weglassen“ vielle­icht? Wer möchte schon Sklave der Fak­ten sein – ganz gle­ich, ob es sich um neg­a­tive Leserkom­mentare, schwindende Reich­weite, eine Het­z­jagd oder eine Krim­i­nal­itätssta­tis­tik han­delt.

(9) Die SZ-Iden­tität ist in allen ihren Pro­duk­ten – ob ana­log oder dig­i­tal – deut­lich spür­bar.

In einem Medi­um, das ständig der kle­bricht­en linken Iden­tität­spoli­tik das Wort redet, muss die eigene Iden­tität natür­lich aus jedem Knopfloch strahlen. Ich halte Authen­tiz­ität für entschei­den­der.

Ich breche hier ab und über­lasse es dem Leser, mit etwas Phan­tasie durch die weit­eren For­mulierun­gen des SZ-Gelöb­niss­es zu streifen. Zur per­fek­ten Hal­tung­sprothese fehlt dem „Wertepa­pi­er“ der SZ eigentlich nur eine lock­ende Per­spek­tive, eine Anschlussver­wen­dung im Falle von Wohlver­hal­ten und Gelöb­nis­er­fül­lung. Die stand einst direkt unter den zehn Geboten der Jung­pi­oniere und ich möchte der SZ drin­gend rat­en, fol­gende – leicht abgeän­derte – Form zu übernehmen:

„Wir bere­it­en uns darauf vor, gute Thäl­man­n­pioniere Regierungssprech­er zu wer­den.“

Denn früh krümmt sich, was ein Häckchen wer­den will.


Update: Heute, am 15.7.2020 um 15:47 Uhr hat­te die SZ nun doch ihr lautes Schweigen gebrochen und Bari Weiss einen ekel­er­re­gen­den Artikel hin­ter­herge­wor­fen, welch­er alle Klin­gel­worte der Ver­ach­tung und Ver­leum­dung enthält, die man in der kürze der Zeit zusam­men­klauben kon­nte. Umstrit­ten sei Weiss gewe­sen (offen­sichtlich), hätte Kon­tro­ver­sen aus­gelöst (was eigentlich ihre Auf­gabe ist), sie sei ohne­hin “außer­halb der Branche unbekan­nt” (selb­st ihre Kol­le­gen ken­nen sie nun nicht mehr) und hätte nun “Beifall von der falschen Seite” – let­zteres ist der schlimm­ste Vor­wurf, zu dem Gesin­nungsjour­nal­is­ten mit ihrem engen Welt­bild fähig sind. Auch schmutzt Willi Win­kler von der SZ, ihr großes Gel­tungs­bedürf­nis sei Weiss wohl im Weg gewe­sen. Ein Artikel wie aus dem Lehrbuch des Ruf­mords und der Neg­a­tivpro­pa­gan­da! Aber ich will meinen Artikel pos­i­tiv been­den. Das Gelöb­nis der SZ-Autoren­schaft wird offen­bar Punkt für Punkt erfüllt. Punkt 9, die Iden­tität des Blattes, wird auch in diesem Artikel überdeut­lich: Hal­tungsjour­nal­is­mus der schlimm­sten Sorte!

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17 Kommentare

  1. Am lustig­sten ist Artikel 8: Erin­nert mich an eine ehe­ma­lige Nan­ny aus der Ukraine, die dort „kreative Buch­führung“ gel­ernt hat­te. Soll heißen, die Fak­ten (Zahlen) wer­den solange kreativ „gestal­tet“ bis das gewün­schte Ergeb­nis erre­icht ist. War übri­gens auch das Wesen der sozial­is­tis­chen Plan­wirtschaft. Irgend­wie Wahnsinn. Sitzen denn bei SPIEGEL und SZ nur noch dressierte Äffchen?

  2. Zum Bari Weiss-Artikel der SZ : “umstrit­ten” “selb­ster­nan­nt” — direkt aus dem Lehrbuch für Fram­ing.

    Dann noch : “Hans-Georg Maaßen, der ehe­ma­lige deutsche Ver­fas­sungss­chutzpräsi­dent, musste sich anhän­gen und Weiss’ Klage auf­greifen, wonach man mit jed­er Mei­n­ungsäußerung sofort als Nazi und Ras­sist dif­famiert werde. ” Dem geben sie also auch noch gle­ich ihr Fett mit, sozusagen Aufräu­men in einem Aufwasch. Dass Maaßen lediglich die alltägliche Real­ität beschreibt — geschenkt.
    Das ist der Jour­nal­is­mus, auf den ich seit Jahren gerne verzicht­en kann.

  3. HiHi, die SZ ist also am Ende. Wer sowas schreibt und sich als Qual­ität­sjour­nal­is­mus ver­ste­ht, das ist ein Wider­spruch der nicht auszuhal­ten ist, wo der Bogen irgend­wann reißt. Nicht das ich das bedauern würde. Früher habe ich ganz gern gele­gentlich mal in der SZ gele­sen, aber seit­dem keine Leserkom­mentare mehr vorhan­den sind, habe ich auch keine Lust mehr extra für die SZ den Adblock­er auszuschal­ten.
    Den Part der süd­deutschen sozialdemokratis­chen Zeitung, die gele­gentlich mal lese, hat jet­zt Der Stan­dart über­nom­men. Am besten sind dort die Leserkom­mentare, wo ich oft den Artikel über­springe und mir gle­ich die Kom­mentare durch­lese.
    Anson­sten muss ich mich meinem Vorred­ner Franz Reinartz anschließen, die einzige deutschsprachige Zeitung die oft und gern lese ist die Neue Zürcher Zeitung. Die Zehn Grund­sätze für guten Jour­nal­is­mus im dig­i­tal­en Zeital­ter, die Eric Gujer auf der Gen­er­alver­samm­lung der NZZ 2017 for­muliert hat, “Wahrheit und andere Lügen”: https://www.nzz.ch/meinung/guter-journalismus-wahrheit-und-andere-luegen-ld.1289153 , tren­nen Wel­ten von der SZ. Intellek­tueller Anspruch hier, Leuch­turm im Sinne von Roger Letsch dort.
    Im übri­gen bin ich der Mei­n­ung Eric Gujer sollt als Chefredak­teur der NZZ bald möglichst erset­zt wer­den. Der hat mir in seinen Artikeln zu viel Rechts­drall entwick­elt. Ich schätze seinen Mei­n­ung, aber es macht die NZZ angreif­bar.

  4. danke ‑wieder ein­mal-
    für den “augen-öff­nen­den” artikel. ohne ins eso­ter­ische abzu­gleit­en muß doch gefragt wer­den, wie es möglich ist, daß in den 15 jahren wo das zeitungs­geschäft durch dig­i­tal­isierung den bach run­terge­ht, sich die redak­tionelle vielfalt in fast allen print­me­di­en radikal verengt.

    cui bono — wem nützt dies?

  5. Lieber Herr Letsch, gern schaue ich auf Ihrer Seite vor­bei, ich habe aber fest­gestellt, dass beim The­ma Kom­mu­nis­mus , DDR usw. Ihre grauen Zellen den Dienst ver­sagen. WAS genau ist am Gelöb­nis der Jung­pi­oniere so ver­w­er­flich, so ätzed, dass es Sie schüt­telt. Ich habe das Gelöb­nis mit nur EINER Änderung hier nachvol­l­zo­gen (Sow­je­tu­nion durch USA erset­zet). Was ergibt sich nun für die “Grund­schüler der BRD” anstelle von “Jung­pi­oniere” in diesen 10 Geboten? Sehen wir mal:
    WIR Grund­schüler der BRD
    1. lieben unser Land.
    2. lieben unsere Eltern.
    3. lieben den Frieden.
    4. hal­ten Fre­und­schaft mit den Kindern der USA und allen Län­dern.
    5. ler­nen fleißig, sind ordentlich und diszi­plin­iert.
    6. acht­en alle arbei­t­en­den Men­schen und helfen über­all tüchtig mit.
    7. sind gute Fre­unde und helfen einan­der.
    8. sin­gen und tanzen, spie­len und basteln gern.
    9. treiben Sport und hal­ten unsere Kör­p­er sauber und gesund.
    10. tra­gen mit Stolz unser blaues Hal­stuch.
    Was, sagen Sie im Kom­men­tar, was ist an diesen Geboten schlecht? DAs Land zu lieben? die Eltern oder den Frieden? Fre­und­schaft mit den Kindern der Welt hal­ten, fleißig ler­nen, arbei­t­ende Men­schenacht­en, usw. usf. Was also ist schlecht daran? Das blaue Hal­stuch tra­gen? Na endlich, JETZT haben wir’s!
    Beste Grüße, Ken

    • Es ist der Geist, den diese Bin­sen atmen und was man aus schein­bar harm­losen Begrif­f­en für ein Sys­tem des Gehor­sams und der Indok­tri­na­tion zim­mern kann. Wenn Sie den Weg nicht erken­nen, in den das alles mün­det und die beglei­t­ende uni­formierende Orna­men­tik für harm­los hal­ten, sind es vielle­icht nicht meine grauen Zellen, die ihren Dienst ver­sagen.

      • Nur eine kurze Antwort, weil diese Diskus­sion vom eigentlichen Inhalt des Beitrags abgleit­et: Es zeugt wed­er von Achtung, noch von Intel­li­genz, wenn mit geschickt platzierten sug­ges­tiv­en For­mulierun­gen ein­er Aus­sage ein Inhalt unter­stellt wird, den diese nie hat­te. Genau so, wie Sie geschrieben haben, haben auch mir schon viele Men­schen mit­geteilt, wie ich — ange­blich — gelebt hat­te. Ich weiß das — sie nicht. So ist es auch in diesem Fall. Ich ver­ste­he solche Unter­stel­lun­gen nicht, da ver­sagen meine grauen Zellen.

        • Sor­ry, Herr Burg­er, aber es sind defin­i­tiv nicht Her­rn Letschs „graue Zellen“, die ver­sagen. Dessen Ver­gle­ich der SZ-Dog­men mit den Geboten der „Jung­pi­oniere“ in der DDR trifft den Nagel auf den Kopf. Junger Pio­nier (später „Thäl­mann- Pio­nier“) zu sein, bedeutete, von frühs bis abends mit kom­mu­nis­tis­ch­er Pro­pa­gan­da indok­triniert zu wer­den: Begin­nend mit dem mor­gendlichen „Fah­ne­nap­pell“ auf dem Schul­hof, endend mit dem abendlichen Besuch der Lehrerin, die sich bei den Eltern beschw­erte, daß der Fil­ius beim Tre­f­fen mit „antifaschis­tis­chen Wider­stand­skämpfern“ (meist ver­bit­terte rote Sock­en mit leerem Blick) das Pio­nier­hal­stuch nicht umhat­te. Ich ver­mute mal stark, daß es bei der (national)sozialistischen HJ — dem Vor­bild — ähn­lich lief. Und genau das passiert bei den linken „Haltungs“-Medien: Die frühzeit­ig grün-sozial­is­tisch indok­trinieren Jungspunde von der Hen­r­ry-Nan­nen-Schule für Jour­nal­is­mus sollen ja nicht anfan­gen, zu zweifeln oder gar selb­ständig zu denken. Und deshalb knallt man ihnen — wie wei­land den Pimpfen im drit­ten Reich und den Pio­nieren in der DDR — eine Lat­te von Geboten vor den Kopf. Die — wie in einem total­itären Umfeld üblich — sakrosankt sind. Was, bitte, ist an diesem Ver­gle­ich falsch?

        • Roland, Auf solche Schreiberei dürfte ich nicht antworten, weil zu dumm. Da bis hier­her aber ggf. andere Leser schauen, muss ich kurz antworten: Wer behauptet, in der DDR hätte es tägliche Mor­ge­napelle (auf dem Schul­hof!) gegeben und “abendliche Besuche der Lehrerin”, der lügt. Und zwar dreist. Die Erk­lärung ist wahrschein­lich Ihre geistige Herkun­ft, die HJ mit DDR-Pio­nieren ver­gle­icht. Ganz nah am oliv­grün-braunen Rand. Zu so ein­er Hal­tung haben über Jahrzehnte in der BRD ja genü­gend NSDAP-Lehrer, Richter und Poli­tik­er beige­tra­gen.

        • Lieber Burg­er, ich bin in der DDR aufgewach­sen und habe sie zwei Jahre vor dem Fall der Mauer in einem bis zur Gren­ze ver­siegel­ten Abteil eines Zuges ver­lassen. Insofern erst ein­mal: Ich weiß wovon ich rede. (Die Fah­ne­napelle hat es übri­gens tat­säch­lich nicht täglich, aber in regelmäßi­gen Abstän­den, selb­st im Ferien­lager, gegeben). Zu den Par­al­le­len Nation­al­sozial­is­mus- Kom­mu­nis­mus: Als Stu­dent in der DDR las ich „LTI“ (Die Sprache des Drit­ten Reich­es) von Vic­tor Klem­per­er. Es war wie eine Erleuch­tung, mit einem Schlag wurde mir, der unter der ver­lo­ge­nen kom­mu­nis­tis­chen Pro­pa­gan­da litt wie ein Hund, vieles klar. Als ich kurz danach den „Iwan Denis­sow­itsch“ von Alexan­der Solsch­enizyn las, hat­te ich keine Fra­gen mehr. Man mag mir mit allem kom­men, aber bitte nicht mehr mit dem ahis­torischen Blödsinn, der Kom­mu­nis­mus sei mit anderen total­itären Sys­te­men nicht ver­gle­ich­bar gewe­sen.

        • Was für lächer­liche Klis­chees! In der DDR gab es eben­so NSDAP-Mit­glieder, beispiel­sweise ehe­ma­lige Wehrma­cht­sof­fiziere bei der Nationalen Volk­sarmee, ent­ge­gen der offiziellen SED-Pro­pa­gan­da vom ange­blichen “antifaschis­tis­chen” Staat DDR. “Die Erk­lärung ist wahrschein­lich Ihre geistige Herkun­ft, die HJ mit DDR-Pio­nieren ver­gle­icht. Ganz nah am oliv­grün-braunen Rand. Zu so ein­er Hal­tung haben über Jahrzehnte in der BRD ja genü­gend NSDAP-Lehrer, Richter und Poli­tik­er beige­tra­gen.” Welche “Jahrzehnte” sollen das gewe­sen sein? Spätestens seit den 70er Jahren war die Lehrerschaft in der Bun­desre­pub­lik großen­teils links ori­en­tiert, zuerst SPDnah und später Grün.

  6. Die von Bari Weiss ‘ent­deck­ten’ Hal­tungs-Schä­den sind von Melanie Philipps bere­its sehr ein­drück­lich in ‘Guardian Angel’ anhand eigen­er Erfahrung im britis­chen Links­biotop beschrieben. Um zu veröf­fentlichen muß sie sich eines US-Ver­lages bedi­enen, im UK ist sie prak­tisch mit Pub­lika­tionsver­bot belegt. Das ist gelebte ‘Diver­sität’.

  7. Oder, wie Danisch zum SZ-Artikel anmerkt:

    Bari Weiss wird damit plattgemacht, dass Trump und Maaßen ihr zus­timmten.
    Wom­it in vollem Umfang bestätigt ist, was Bari Weiss da schreibt.

  8. Auch und sog­ar der von mir geschätzte Willi Win­kler ?!
    (allerd­ings les ich die SZ und Con­sorten seit “Ukraine” nicht mehr, kenne also nur seine Artikel vor diesem Damm­bruch)

  9. Was Sie, wert­er Herr Letsch, für die SZ, Zeit und Spiegel kon­sta­tieren, trifft für eigentlich alle früher auch mal großen Zeitungen/Magazine zu. Man hat sich offen­bar darin behaglich ein­gerichtet, gegen die Inter­essen eines Großteils der Leser zu schreiben, wie an den meist von der Artikelmei­n­ung abwe­ichen­den Leserkom­mentaren bzw. Leser­voten erkennbar ist (soweit es noch Kom­mentare gibt). Kon­se­quenter­weise sinken die Verkauf­szahlen.
    Die Leser sind es offen­bar leid, den Kakao, durch den sie gezo­gen wer­den, nicht nur zu trinken, son­dern auch noch zu zahlen.
    Beson­ders schnell ist nach mein­er Beobach­tung die ehe­mals eher bürg­er­lich-kon­ser­v­a­tive FAZ nach links-grün-außen gekippt. Auch bei der FAZ in den Kom­mentaren gut zu beobacht­en.
    Die Welt kämpft wohl noch um ihr Pro­fil. Es scheint da so zu sein, wie Frau Weiss das für die NYT fest­stellt, dass die “alten” Män­ner und Frauen noch ver­suchen, Jour­nal­is­mus zu betreiben, während die jün­geren mit mis­sion­ar­ischem Eifer rot-grüne Dog­men und Regierung­spro­pa­gan­da verkün­den.
    Früher lokal rel­e­vante Blät­ter wie RP, KStA oder WAZ sind wirk­lich nur noch bed­ingt und mit Lokalbezug im dop­pel­ten Sinn les­bar. Da ist mir sog­ar mein wöchentlich­es Anzeige­blatt lieber.
    Gefragt, was man noch lesen kann, um sich halb­wegs unvor­ein­genom­men informiert zu fühlen, kann ich eigentlich nur noch die NZZ nen­nen, die es in den let­zten zwei Jahren ver­standen hat, einen beein­druck­enden Deutsch­land-Teil aufzubauen.

  10. Deutsch­land: Das Land der Dichter und Denker, vor allem Denker? Wann soll das gewe­sen sein, im Mit­te­lal­ter? Mir kommt es bere­its heute so vor, als dauerten die unsäglichen, heuti­gen “Zustände” seit Ewigkeit­en.

  11. Schade, (Schande) wenn heute die Dichter der deutschen Lit­er­atur vom Sock­el der Geschichte gestoßen wer­den und wir solch wertvolle Jour­nal­is­ten an unser­er Seite wis­sen, wo soll dieses Deutsch­land enden?

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