Bis­lang zielte die Poli­tik in der EU auf das Zurück­drän­gen des Bargelds. Der derzeit­ige großflächige Aus­fall elek­tro­n­is­ch­er Bezahlsys­teme zeigt, dass der von staatlich­er Überwachung freie Zahlungsverkehr deut­lich krisen­sicher­er ist.

Es war ein­mal in diesem Land zu ein­er Zeit, als ein Liter Diesel eine Mark kostete. Da trug sich zu, dass ich tanken musste. Verge­blich ver­suchte ich, meine Karten durch das Lesegerät an der Kasse zu ziehen, die Fehler­mel­dung war hart­näck­ig. Auf meine Frage, wie die Tankstelle in solchen Fällen ver­fahre, ver­langte der Kassier­er Barzahlung. Meinen Ein­wand, ich hätte kein Bargeld dabei, bürstete der unfre­undliche Herr mit der Bemerkung ab, man müsse immer so viel Bares dabei­haben, wie man mit Karte zu zahlen beab­sichtige. Diese Regel hat­te er zwar ger­ade erfun­den und es kostete mich einige Zeit, ihn zu überzeu­gen, ein umständlich­es Lastschrift­for­mu­lar her­vorzukra­men.

Sie ahnen es jedoch, liebe Leser, ich will ihnen hier nicht alte Geschicht­en von defek­ten Lesegeräten erzählen, son­dern die Kurve kriegen zu ein­er Begeben­heit, die wohl viele in den let­zten Tagen betrof­fen hat. Unter anderem meldete der Zahlungs­di­en­stleis­ter Pay­one Prob­leme mit der Soft­ware von Ver­i­fone, und bun­desweit funk­tion­ierte bei vie­len Einzel­händlern und auch an Tankstellen die Zahlung mit EC- und Kred­itkarten nicht mehr. „Nur Barzahlung möglich“, hieß es an den Kassen, und der Zettel hing in eini­gen Geschäften nicht weit weg von einem anderen, mit der Bitte, in Zeit­en von Coro­na aus pan­demis­chen Grün­den am besten bargeld- und damit kon­tak­t­los zu zahlen.

Kriminalitätsbekämpfung als Vorwand

Da man jedoch nicht gle­ichzeit­ig vor­wärts und rück­wärts laufen kann, stellt sich die Frage, was die Poli­tik in Deutsch­land nun eigentlich will. Denn auch in der Presse lesen wir mit­tler­weile Erstaunlich­es. Ob durch die bun­desweite Störung aus­gelöst oder nicht, der Focus gibt Empfehlun­gen für Notvor­räte an Bargeld, die jed­er Haushalt anle­gen solle! Nicht die erste Empfehlung, sich für Krisen­si­t­u­a­tio­nen vorzu­bere­it­en, wie wir wis­sen. Ob es nun staatliche Han­dre­ichun­gen wie „Kochen ohne Strom – das Not­fal­lkochbuch“ sind, oder Empfehlun­gen, die lange Zeit obso­lete pri­vate Vor­rat­shal­tung wieder in Betra­cht zu ziehen – da ist so einiges, was ger­ade kippt. Der unvor­bere­it­ete Staat, der alles zukun­fts­fest zu gestal­ten und im Griff zu haben vorgibt, ver­lässt sich zunehmend auf die einst ver­pön­ten und in die rechte Ecke der Ver­schwör­er gestell­ten „Prep­per“.

Jahre­lang hat­te die Poli­tik gegen das Bargeld getrom­melt. Es sei zu beliebt bei krim­inellen Aktiv­itäten und diene der Steuerver­mei­dung, so hieß es. 2019 wurde der 500-Euro-Schein abgeschafft, was das Ver­brechen aber nur milde inter­essierte. Alles Scheinar­gu­mente aus den Pro­pa­gan­dakanonen der hochver­schulde­ten Staat­en und Dig­i­tal­dien­stleis­ter. Denn wer wirk­lich krim­inell absah­nen will, bedi­ent sich von jeher ander­er Mit­tel als Kof­fer und Geld­boten im kleinen Gren­zverkehr. Einen vor­läu­fi­gen Höhep­unkt der Madig­machung des Bargelds erre­icht­en wir 2020 im Coro­na-Panikmodus, als die bedruck­ten Baum­wol­lzettel sog­ar verdächtigt wur­den, Träger des Virus zu sein. „Bitte zahlen Sie bargeld­los“, hieß es vielerorts, auch wenn sich Ver­weise auf das in der Mod­erne angekommene Schwe­den – wo die Bargeld­ab­schaf­fung doch so vor­bildlich laufe – aus anderen Grün­den ger­ade nicht anboten.

Zwis­chen 2016 und 2018 unter­stützte die Bun­desregierung mit ein­er hal­ben Mil­lion Euro die Ini­tia­tive „Bess­er als Bargeld“, die sich gern als „UN basierte Organ­i­sa­tion“ beze­ich­net. Das kann man tun, wenn man Büros im UN-Gebäude in New York hat. Eine UN-Organ­i­sa­tion ist man dann selb­stre­dend noch lange nicht. Wie notlei­dend eine Ini­tia­tive sein muss, dass die Bun­desregierung ihr Geld (kein Bargeld natür­lich) über­weisen muss, obwohl zu den Grün­dern Organ­i­sa­tio­nen wie die Gates-Stiftung, VISA, Citibank und die Ford-Foun­da­tion zählen, wird wohl für immer ein Rät­sel bleiben. Ver­mut­lich weil das erk­lärte Ziel der „finanziellen Inklu­sion“ so wun­der­bar in das merkelsche Wort­gek­lin­gel passte. Doch mit­tler­weile ist wohl auch dem Let­zten aufge­fall­en, dass es vie­len Men­schen auf dieser Welt nicht am Zugang zu dig­i­tal­en Finanz­di­en­stleis­tun­gen man­gelt, son­dern schlicht an Einkom­men. Oder dass sie darunter lei­den, wie viel davon über­grif­fige Staat­en ihren Bürg­ern wieder aus der Tasche ziehen.

Was nutzen EC-Karten, wenn der Strom ausfällt?

Der Idee der Bargeld­ab­schaf­fung liegt eine Annahme zugrunde, die sich zunehmend als falsch erweist. Dass näm­lich dig­i­tale Infra­struk­turen prinzip­iell bess­er und vor allem so lan­glebig und zuver­läs­sig sind, dass man ihnen ger­adezu blind alle Aspek­te der men­schlichen Gesellschaft anver­trauen kann. Unter­stellte Alter­na­tivlosigkeit ist jedoch nicht nur in der Poli­tik eine Gefahr. Und es ist nicht nur die Infra­struk­tur elek­tro­n­is­ch­er Zahlun­gen, die anfäl­lig ist. Das Strom­netz selb­st ist mit­tler­weile auf Kante genäht und einem Kun­den let­ztlich egal, ob er auf­grund ein­er Soft­warestörung, der Pleite eines Zahlungs­di­en­stleis­ters, Inter­net­störun­gen oder Stro­maus­fällen nicht tanken oder den Woch­enen­deinkauf nicht bezahlen kann. Von der Möglichkeit staatlich­er Stellen, diese „Steck­er“ auch zur Diszi­plin­ierung mei­n­ungs­freudi­ger oder ren­i­ten­ter Bürg­er zu nutzen – sei es nun über Sozialpunk­tesys­teme wie in Chi­na oder über behördliche Schika­nen – ganz zu schweigen.

Absicht oder nicht, Macht über dich hat, wer die Steck­er ziehen kann. Und das sind beim Bargeld nicht viele. Sieht man mal vom Tota­laus­fall ein­er Währung und Hyper­in­fla­tion ab, gibt es beim Bargeld keine Möglichkeit, es nach der Aus­gabe noch zu bee­in­flussen. Und keine Zuschauer bei Transak­tio­nen. Denn nur über Bargeld ist es möglich, anonym zu zahlen, ohne dass neugierige Sta­tis­tik­er, Meta­daten­händler, Regierun­gen, Krankenkassen oder Geheim­di­en­ste dabei zuse­hen. Let­ztlich auch via Blockchain und dig­i­tale Werte wie Bit­coin nicht, die zwar fälschungssich­er sind, aber in der Kon­se­quenz zu noch mehr unfrei­williger Trans­parenz führen – beson­ders dann, wenn sie – was ja geplant ist – bald von Zen­tral­banken wie der EZB aus­gegeben wer­den.

Miete an Einkommen koppeln?

Die schle­ichende Abschaf­fung des Bargeldes ist offen­sichtlich vor­erst abge­blasen. Doch wie bei dem anderen Kohleausstieg, der wegen Gas­man­gels ger­ade schwächelt, ist aufgeschoben nicht gle­ich aufge­hoben. Zu ver­lock­end ist das Maß an Kon­trolle, das man über jede noch so kleine finanzielle Regung der Bürg­er erlan­gen kön­nte, wenn man nur endlich das Bargeld los wäre. Auch Pläne aus dem stal­in­is­tis­chen Sozial­la­bor wie Gif­feys bek­loppte Idee, die Höhe der Miete prozen­tu­al an das Einkom­men des Mieters zu kop­peln, ließe sich ohne totale Kon­trolle und gläserne Bürg­er gar nicht umset­zen.

Bis zum näch­sten staatlichen Ver­such in Rich­tung Bargeld­ab­schaf­fung gebe ich Ihnen deshalb Hausauf­gaben auf, liebe Leser. Machen Sie eine Inven­tur, welche alltäglichen Geschäfte Sie heute schon nicht mehr mit Bargeld erledi­gen kön­nen. Vergessen Sie ruhig die Rund­funkge­bühren, die sind im Not­fall ihr kle­in­stes Prob­lem, schließlich senden ARD und ZDF im Black­out nicht mehr. Wenn Inter­net und Stromver­sorgung ver­sagen oder auch nur unsich­er wer­den, bekom­men Sie im Hofladen um die Ecke oder ein Dorf weit­er sich­er noch einen Sack Kartof­feln oder eine Pack­ung Eier für Bargeld, während Sie Ama­zon oder Lieferan­do nicht mal mehr mit­teilen kön­nten, was Sie gern haben wollen.

Es genügt am Ende vielle­icht, nicht das Bargeld selb­st und absichtlich, son­dern lediglich „aus Verse­hen“ die Gele­gen­heit­en abzuschaf­fen, bei denen man es über­haupt noch ver­wen­den kann. Und dabei helfen wir ger­ade alle – ob aus Bequem­lichkeit, Igno­ranz oder Überzeu­gung – kräftig mit.

Zuerst erschienen auf achgut.com

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1 Kommentar

  1. > die sind im Not­fall ihr kle­in­stes Prob­lem, schließlich senden ARD und ZDF im Black­out nicht mehr

    Das wird den “Beitrag” wohl eher erhoe­hen, denn die Sende­fae­higkeit muss ja wieder hergestellt wer­den.

    Aber das nur neben­bei. Wenn man die Diskus­sio­nen auch unter Leuten ohne Agen­da ver­fol­gt, wer­den dort eher poten­tielle Schuldige fuer die aktuellen Kasse­naus­faelle gesucht und darauf gedrun­gen, dass der vorherige Zus­tand bitte schnell­stens wieder hergestellt wird. Ger­ade unter den Jun­gen herrscht das vor. Es fehlt jegliche Fan­tasie, sich einen aktiv feindlichen Staat vorzustellen.
    Erst recht diejenige, was eine kon­trol­lierte Kryp­towaehrung mit kom­plett bekan­nter Zahlung­shis­to­rie tat­saech­lich ermoeglicht. S. die Kon­ten der kanadis­chen Truck­er und deren Spender. Und das ist noch Kinderge­burt­stag im Ver­gle­ich zu dem, was dann wirk­lich geht.

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