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v.l.n.r.: Afri­ka, Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler Foto: dpa/Michael Gottschalk/Photothek

Wann genau ging eigent­lich Afri­ka ver­lo­ren? Und wem könn­te man die Schuld dafür in die Schu­he schieben?

Nach „Hart aber fair“ vom 19.9.2016 steht für die Mehr­heit der Talk­run­de jeden­falls fest: Der Nor­den hat Schuld, also Euro­pa, also auch Deutsch­land. Und Ungarn natür­lich. Wegen des Zauns und weil auch die Ungarn Smart­pho­nes nut­zen, in denen Col­tan steckt. Böses Col­tan! Wür­de man es nicht für Han­dys brau­chen, läge es heu­te noch brav und unge­fähr­lich als Dreck irgend­wo im Kon­go rum. Böse High-Tech-Indus­trie, pfui Apple und Samsung!

Außer­dem Schuld ist jeder Scho­ko­la­de­nes­ser und Afri-Cola-Trin­ker. Fra­gen Sie nicht, es muss so sein. Gin­ge es nach Plas­bergs Gast Eli­as Bier­del, gäbe es des­halb in Euro­pa über­haupt kei­ne Zäu­ne und Gren­zen mehr, das habe Afri­ka sich ver­dient. Schließ­lich sei das frü­her auch so gewe­sen, der Zaun, der die spa­ni­sche Enkla­ve Ceu­ta von Afri­ka trennt, war bis 1992 nur 1,2m hoch. Nun misst er 8 Meter und hin­der­te die Afri­ka­ner den­noch nicht dar­an, nach Euro­pa zu gelan­gen – sie kom­men wegen des Zauns aber angeb­lich schwe­rer wie­der zurück. Kein Scherz! Zäu­ne und Gren­zen hal­ten die Men­schen nicht auf, weiss Bier­del und damit hat er natür­lich recht. Aber ich wet­te, er schließt sei­ne Woh­nung den­noch ab, wenn er mor­gens zur Arbeit geht – und das obwohl man schon von Leu­ten gehört hat, die durch ver­schlos­se­ne Türen nicht an Ein­brü­chen gehin­dert wer­den kön­nen. Man hat schon von Gren­zen gehört, die aus ähn­li­chen Grün­den exis­tie­ren. Und aus ande­ren, rein prak­ti­schen Beweg­grün­den auch.

Dabei ist die Lage in Afri­ka wirk­lich ernst, wer woll­te das bestrei­ten. Es kann gut sein, dass die Flut der Flücht­lin­ge aus dem ara­bi­schen Raum ein dün­nes Rinn­sal war, ver­gli­chen mit den Men­schen­mas­sen, die jen­seits des Mit­tel­meers auf ihren Traum vom Glück im Nor­den war­ten. Lei­se tuschelt man schon hier und dort, dass die Dik­ta­to­ren von Liby­en und Tune­si­en doch eigent­lich ganz nütz­li­che Arbeit geleis­tet hat­ten, hiel­ten sie uns doch meist die Ter­ro­ris­ten und die Flücht­lin­ge vom Leib – es sei denn, sie schick­ten sel­ber wel­che los. Von bei­den Sor­ten. Was mich an bei­na­he sämt­li­chen Gäs­ten auf Plas­bergs „Afri­ka-Gip­fel“ stör­te, war jedoch die Art, wie sich alle in mora­li­scher Ent­rüs­tung zu über­tref­fen such­ten. Nor­bert Rött­gen gab den „Schluss-mit-Reden-jetzt-wird-gehan­delt-Poli­ti­ker“, den der Mode­ra­tor kaum vom Ärmel hoch­krem­peln abhal­ten konn­te. Eli­as Bier­del, der zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch eini­ge wirk­lich gute Bei­trä­ge zum Dis­kurs leis­te­te, gab ansons­ten den groß­her­zi­gen NGO’ler, der selbst­ver­ständ­lich einen Flücht­ling bei sich zuhau­se auf­neh­men wür­de. Ob in sei­nem Gäs­te­zim­mer oder in einer schi­cken Feri­en­im­mo­bi­lie im Tes­sin wie der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Dehm, bleibt offen. Und offen ist das Stich­wort. Lei­der kam näm­lich nie­mand auf die Idee, das gan­ze Sze­na­rio offe­ner Gren­zen ein­mal mit nach­voll­zieh­ba­ren Zah­len und Fak­ten durch­zu­rech­nen. Also müs­sen wir das jetzt machen. Rech­nen wir!

Grenzen auf, das Spiel beginnt!

Deutsch­land hat seit 2015 eine unge­fäh­re Vor­stel­lung davon, wie sich eine Mil­li­on Flücht­lin­ge pro Jahr anfühlt, arbei­ten wir also mit die­ser Zahl. Natür­lich springt unse­rem Plan „Afri­ka­ret­tung — Euro­pa löst Pro­ble­me“ sofort die unge­teil­te Euro­päi­sche Soli­da­ri­tät zur Sei­te – es ist ja ein Spiel, wie man es sich sicher­lich auch in Paris, Rom, War­schau und Brüs­sel aus­den­ken wür­de. Jedes Mit­glieds­land der EU nimmt pro Jahr eben­falls 1/82-stel sei­ner Bevöl­ke­rungs­zahl an Flücht­lin­gen aus Afri­ka auf, wir ach­ten streng auf Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit! Die Bri­ten sind ja raus aus dem Spiel, aber der Rest der EU zusam­men­ge­nom­men nimmt in unse­rem klei­nen Rechen­ex­em­pel ins­ge­samt 5,5 Mil­lio­nen Afri­ka­ner auf, gibt ihnen Wohn­raum, Sprach­kur­se, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung und gute Jobs. Jähr­lich natür­lich. Die Fra­ge ist, wie lan­ge das so funk­tio­nie­ren wür­de. Da in Afri­ka aktu­ell allein 19 Mil­lio­nen Men­schen auf der Flucht sind und auf dem Kon­ti­nent pro Jahr ein Bevöl­ke­rungs­wachs­tum von 30 Mil­lio­nen zu ver­zeich­nen ist (Ten­denz stei­gend), gehen uns sicher so schnell die Flücht­lin­ge nicht aus. Anders könn­te das mit unse­ren eige­nen Res­sour­cen aus­se­hen, aber ich unter­stel­le ein­fach mal, dass wir das schon schaf­fen wer­den – eini­ge beson­ders schlaue Poli­ti­ker und Ent­wick­lungs­hil­fe­ex­per­ten tun das ja auch. Es ist ja ein Spiel und da kann man schon mal gro­ße Räder drehen.

Irgend­et­was gefällt mir aber an der Rech­nung noch nicht. Genau, die gefähr­li­che Rei­se der Flücht­lin­ge! Herr Bier­del ver­such­te in der Sen­dung den unga­ri­schen Bot­schaf­ter zu beschä­men, indem er vom Bei­spiel eines klei­nen, ehe­mals unga­ri­schen Dor­fes im Bur­gen­land berich­te­te, des­sen Ein­woh­ner Anfang des letz­ten Jahr­hun­derts nach Chi­ca­go aus­wan­der­ten und den zurück­ge­blie­be­nen Dorf­be­woh­nern Geld schick­ten. Die­se bedank­ten sich mit der Errich­tung eines Denk­mals. Rüh­rend! Das Bei­spiel soll­te dem Bot­schaf­ter sicher vor Augen füh­ren, wie viel wei­ter unser Huma­nis­mus heu­te ent­wi­ckelt sein soll­te – außer in Ungarn ver­steht sich. Bier­del ver­gaß zu erwäh­nen, dass die Chi­ca­go­er Bür­ger sich kei­nen Deut dafür inter­es­sier­ten, wie ihre zukünf­ti­gen unga­ri­schen Mit-Ame­ri­ka­ner über den gro­ßen Teich kamen und ein herz­li­ches Will­kom­men in der neu­en Hei­mat gab’s auch nicht. Das kön­nen wir heu­te natür­lich bes­ser! Alles ande­re wäre ja auch inhu­man. Ver­gesst den gefähr­li­chen Weg über’s Mit­tel­meer, lie­be Afri­ka­ner. Nehmt nicht den lan­gen Weg durch die Wüs­te! Wir holen euch ab, was hal­tet ihr davon? Das sind wir euch schul­dig wegen dem Kolo­nia­lis­mus, dem Öl, dem Skla­ven­han­del und dem Col­tan. So könnt ihr auch das Geld für Schlep­per spa­ren und statt nur des ältes­ten Soh­nes kann gleich die gan­ze Fami­lie nach Cas­trop-Rau­xel zie­hen! Das ist geleb­ter Huma­nis­mus und Wie­der­gut­ma­chungs­kul­tur! Das ist die mora­li­sche Über­le­gen­heit des Wes­tens, den ihr wegen der schi­cken Kla­mot­ten, dem guten Essen und den dicken Autos ja so viel mehr liebt und zu schät­zen wisst, als wir noto­risch schuld­be­la­de­nen Euro­pä­er, deren erra­ti­sche Poli­tik seit Jahr­hun­der­ten alles falsch macht.

Die Rech­nung ist immer noch nicht rund, wir haben näm­lich ein klei­nes Problem…wir wer­den Men­schen zurück­wei­sen müs­sen! So eine Quo­te von 5,5 Mil­lio­nen EU-Neu­bür­gern pro Jahr wird wahr­schein­lich in zwei bis drei Mona­ten erschöpft sein. Was machen wir dann? Wen wäh­len wir aus, wen wei­sen wir ab? Neh­men wir die star­ken, arbeits­fä­hi­gen, weil in Euro­pa die gut bezahl­ten Jobs in der IT-Bran­che war­ten oder doch lie­ber die kran­ken und schwa­chen, für die wir Plät­ze in unse­ren unter­be­leg­ten Kli­ni­ken und Pfle­ge­hei­men bereit­ge­stellt haben? Ers­te­res ver­bie­tet uns ein Blick in den Spie­gel (den an der Wand). Nur die „jun­gen und star­ken…?“ – das stinkt doch gewal­tig nach Skla­ven­han­del und Neun­zehn­hun­dert­schwarz­weiss. Nur die Kran­ken geht auch nicht, denn schließ­lich lech­zen unse­re dar­ben­den Sozi­al­sys­te­me bereits nach kräf­ti­gen 40-Jah­re-Bei­trag­zah­lern, die unse­re Ren­te finan­zie­ren. Wür­feln wäre eine Mög­lich­keit. Oder Schnick, Schnack, Schnuck. Oder wir über­las­sen die Aus­wahl den ört­li­chen Behörden…nee, geht auch nicht. Die Leu­te flie­hen vor Per­spek­tiv­lo­sig­keit, Miss­wirt­schaft, Kor­rup­ti­on und Gewalt. Alles Din­ge, die von den unfä­hi­gen Regie­run­gen vor Ort zumin­dest mit ver­ur­sacht wur­den. Wir wer­den deut­sche Beam­te nach Afri­ka schi­cken müs­sen und von Bun­des­wehr­sol­da­ten bewa­chen las­sen, Camps errich­ten, Flug­hä­fen betrei­ben, Städ­te grün­den, Stra­ßen bauen…Moment mal. Irgend­wie alles Din­ge, die wir Deut­schen, die Fran­zo­sen, Bri­ten und Por­tu­gie­sen vor gar nicht all­zu lan­ger Zeit auch schon in Afri­ka gemacht haben. Heu­te natür­lich ohne Gewalt und Ras­sis­mus und ganz ohne kolo­nia­le Absich­ten! Natür­lich wol­len wir heu­te nur das Bes­te für die Men­schen dort. Wir wol­len, dass es ihnen bes­ser geht. Wol­len, dass sie end­lich die Seg­nun­gen der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on erfah­ren können…Moment. Schon wie­der ein Flash­back mit Tro­pen­helm! Irgend­et­was stimmt in der Rech­nung immer noch nicht, es ist zum ver­zwei­feln! Es stellt sich auch die Fra­ge, was frü­her ein­tre­ten wür­de: Frie­den in Afri­ka oder Krieg und Anar­chie in Euro­pa. Wür­de es die Pro­ble­me Afri­kas lösen, wenn wir dem Kon­ti­nent jähr­lich über fünf Mil­lio­nen Men­schen „abnäh­men“, mit denen man in der Hei­mat nichts anzu­fan­gen weiss, oder wür­de die­ser Trans­fer für vie­le Afri­ka­ner nicht eher als die Lösung des Pro­blems an sich erschei­nen? Rech­nen wir also lie­ber ein ande­res Modell durch, ver­su­chen wir es mal mit der guten alten Entwicklungshilfe.

Minister Müller bekämpft die Fluchtursachen

Haben Sie ich auch schon mal gefragt, was ein Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung so macht? Und des­sen Minis­ter, Dr. Gerd Mül­ler? Man darf ja skep­tisch sein, nach­dem des­sen Amts­vor­gän­ger Nie­bel nach sei­nem Weg­gang mühe­los einen Pos­ten in der art­ver­wand­ten Rüs­tungs­in­dus­trie fand – mühe­los im mora­li­schen Sinn, ver­steht sich! Herr Mül­ler jeden­falls bekämpft Flucht­ur­sa­chen, indem er auf dem Zukunfts­kon­gress in Mün­chen „Inno­va­ti­ve Lösun­gen für die glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit“ ein­for­dert. Immer wenn die Flos­kel­dich­te den Wert 2 LpS (Leer­aus­sa­gen pro Satz) über­schrei­tet, rebel­liert mein Ver­stand, weil er sich ver­arscht fühlt. Es ist wie beim Ver­zehr von Süß­stoff. Man schmeckt etwas Schö­nes, das bei genaue­rer Ver­dau­ung jedoch lei­der kei­ne ein­zi­ge ver­wert­ba­re Kalo­rie her­gibt. Mül­ler wört­lich: „Die Flücht­lings­kri­se wird uns noch auf Jahr­zehn­te beschäf­ti­gen. Des­halb ist es wich­tig, dass wir jetzt end­lich zu der Ein­sicht gelan­gen: Nur mit Inves­ti­tio­nen in Bil­dung, erneu­er­ba­re Ener­gien und in ein nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten wer­den wir die Her­aus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts lösen – mit einem ganz neu­en Ansatz von glo­ba­ler Ent­wick­lungs­po­li­tik.“ – Die­ser Satz erreicht schon mühe­los 3,78 LpS! Es sind nur des­halb nicht 4 LpS, weil sich ein Körn­chen Wahr­heit in die Aus­sa­ge geschli­chen hat, wenn dies auch sicher nicht beab­sich­tigt war. Das mit der Beschäf­ti­gung stimmt näm­lich! Auch wei­ter­hin wer­den vie­le Men­schen Beschäf­ti­gung fin­den, indem sie sich mit Ent­wick­lungs­hil­fe befas­sen. Inter­es­san­ter­wei­se befas­sen sich bei der Bun­des­re­gie­rung und in der EU aber noch viel mehr Men­schen damit, der Ent­wick­lungs­hil­fe aus­rei­chend Elend bereit­zu­stel­len. Durch Frei­han­dels­ab­kom­men mit Afri­ka und Agrar­sub­ven­tio­nen in Euro­pa. Wäre man ehr­lich, müss­te man sich ange­sichts der Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung z. B. in Afri­ka, der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung und den Flücht­lings­zah­len dort ein­ge­ste­hen, dass wir gera­de das gesam­te Kon­zept der Ent­wick­lungs­hil­fe beim Abnip­peln beob­ach­ten kön­nen – und das bereits seit fünf­zig Jahren.

Fünf­zig Jah­re Ent­wick­lungs­hil­fe haben es nicht ver­mocht, die Zustän­de in Afri­ka auch nur einen Hauch zu ver­bes­sern. Man dreh­te aber gern an den bevor­zug­ten Stell­sch­räub­chen und bekämpf­te zum Bei­spiel erfolg­reich die Säug­lings­sterb­lich­keit, ver­lor dabei jedoch die Gebur­ten­ra­te aus dem Blick und setz­te dadurch unfrei­wil­lig eine Bevöl­ke­rungs­ex­plo­si­on in Gang. Tol­le Hil­fe! Die­se „Hil­fe“ war stets nichts ande­res als ein mora­li­scher Ablass­han­del, bei dem wir stolz ver­kün­den, bald 0,7% des BIP in die Ent­wick­lungs­hil­fe zu ste­cken, wäh­rend die EU deut­lich grö­ße­re Sum­men für Markt­pro­tek­tio­nis­mus und Abschot­tung aus­gibt. Damit Sie mich hier rich­tig ver­ste­hen: Ich fin­de nicht, dass die 0,7% zu gering sind, im Gegen­teil! Die Zahl ist um exakt 0,7% zu hoch! Fünf­zig Jah­re lang rei­ten wir die­ses tote Pferd, kom­men nicht vom Fleck und glau­ben immer noch, mehr Fut­ter wür­de das tote Tier irgend­wann mal ans flie­gen brin­gen. Es wäre sehr viel ehr­li­cher, end­lich abzusteigen.

Dabei fing alles so gut an! Immer wenn in Afri­ka eine Natur­ka­ta­stro­phe bibli­schen Aus­ma­ßes zuschlug, waren unse­re Ret­ter im Ein­satz – und dar­an ist nichts aus­zu­set­zen! Im Gegen­teil. Mei­ne aller­größ­te Hoch­ach­tung gilt die­sen Hilfs­kräf­ten und der Hilfs­be­reit­schaft des rei­chen Nor­dens in sol­chen Not­la­gen. Aber dann kom­men die Ent­wick­lungs­hel­fer und die haben eine ande­re Agen­da. Sie bau­en Stra­ßen, boh­ren Brun­nen, imp­fen Kin­der und ver­sor­gen gan­ze Dör­fer. Macht man das 50 Jah­re lang, schafft es fata­le Abhän­gig­kei­ten und Finanz­kreis­läu­fe, för­dert Ungleich­hei­ten und Kor­rup­ti­on und lähmt jede selbst­stän­di­ge Ent­wick­lung. Die inter­na­tio­na­le Ent­wick­lungs­hil­fe tut aus altru­is­ti­schen Moti­ven fast genau das­sel­be, was die Kolo­nia­lis­ten vor hun­dert Jah­ren aus Arro­ganz und Ego­is­mus taten: Afri­ka ohne des­sen zutun den­sel­ben Trans­for­ma­tio­nen und damit auch Defor­ma­tio­nen zu unter­wer­fen, die Euro­pa und Nord­ame­ri­ka durch­ge­macht haben. Chan­cen? Von wegen! Die mas­si­ven Agrar­sub­ven­tio­nen Euro­pas und Ame­ri­kas ver­hin­dern, dass sich Afri­ka zunächst mit­hil­fe eige­ner Exper­ti­se und Fer­tig­kei­ten aus der Schei­ße zieht – durch selbst­be­stimm­te, sub­si­dia­re Agrar­wirt­schaft und fai­ren Markt­zu­gang. Statt­des­sen ver­sucht man mit phan­tas­tisch klin­gen Pro­jek­ten, Afri­ka gleich ins 24. Jahr­hun­dert der Erneu­er­ba­ren Ener­gie zu kata­pul­tie­ren. So gesche­hen in einem indi­schen Pro­jekt des „Bare­foot Col­le­ge“, in wel­chem afri­ka­ni­sche Frau­en in einem Crash­kurs zu „Sola­r­in­ge­nieu­ren“ aus­ge­bil­det wer­den. An die sich dar­aus erge­be­nen Fol­gen hat­te man schlicht nicht gedacht.

Wann genau ging Afrika verloren?

Wenn deut­sche Poli­ti­ker und Talk­show­gäs­te voll­mun­dig ankün­di­gen, die Flucht­ur­sa­chen bekämp­fen zu wol­len, folgt selt­sa­mer­wei­se nie ein kon­kre­ter Vor­schlag, wie genau die­ser Kampf aus­se­hen sol­le. Kampf an sich ist schon mal der fal­sche Begriff – das riecht ver­däch­tig nach Bun­des­wehr und Marsch­be­fehl, das ist natür­lich nie gemeint. Folgt man der Argu­men­ta­ti­on eini­ger Fähn­chen­schwen­ker, ist zunächst mal der Kolo­nia­lis­mus an allem schuld! Im Nahen Osten zog er Gren­zen, wo es vor­her kei­ne gab und Afri­ka brach­ten die euro­päi­schen Kolo­ni­al­mäch­te nichts als Not und Elend. Aber man ist nicht wirk­lich kon­se­quent, denn anstel­le eines „Roll­back“ in die ver­meint­lich para­die­si­sche Zeit des Prä­ko­lo­nia­lis­mus ver­sucht die Ent­wick­lungs­hil­fe die Staa­ten Afri­kas mit den Errun­gen­schaf­ten des 21. Jahr­hun­derts zu beglücken.

Die Solaranlage ist die Glasperle des 21. Jahrhunderts

Es gibt heu­te kein Pro­jekt der Ent­wick­lungs­hil­fe in Afri­ka, das nicht sämt­li­che Prüf­sie­gel der Nabel­schau für Nach­hal­tig­keit, Ener­gie­ef­fi­zi­enz und öko­lo­gi­sche Unbe­denk­lich­keit trü­ge. Die Ergeb­nis­se sind lei­der noch weni­ger als beschei­den, denn die Ent­wick­lungs­hel­fer von heu­te bege­hen prin­zi­pi­ell die­sel­ben Feh­ler wie die Kolo­ni­al­her­ren ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te. Nicht phy­sisch, aber intel­lek­tu­ell! Wer Flucht­ur­sa­chen in Afri­ka bekämp­fen will, müss­te dazu nicht das Mit­tel­meer über­que­ren, son­dern zunächst ein­mal nach Brüs­sel gehen. Dort sitzt näm­lich einer der mäch­tigs­ten Ver­ur­sa­cher und Pro­fi­teu­re der Mise­re in Afri­ka. Die­sel­be EU, deren Bür­ger heu­te Angst davor haben, bei den Frei­han­dels­ab­kom­men mit Kana­da und den USA über den vir­tu­el­len Tisch gezo­gen zu wer­den, hat mit­hil­fe gigan­ti­scher Agrar­sub­ven­tio­nen eine unüber­wind­bar hohe Mau­er um die euro­päi­schen Märk­te gezo­gen. Ande­re prak­ti­sche Sperr-Rigel funk­tio­nie­ren lei­der nicht mehr so zuver­läs­sig, wie sie dies Jahr­zehn­te­lang taten. Die Des­po­ten Nord­afri­kas waren auf­grund rei­cher Ölvor­kom­men lan­ge in der Lage, Euro­pa nach Süden hin abzu­si­chern und uns Euro­pä­ern gleich­zei­tig eini­ge schö­ne Bade­strän­de zu bie­ten. Wie prak­tisch. Eine Win-Win-MirDochEgal-Situation.

Es kann sein, dass es längst zu spät ist, die Flucht­ur­sa­chen in Afri­ka zu bekämp­fen. Gut mög­lich, dass wir das bereits vor 30 oder 40 Jah­ren hät­ten tun müs­sen – was aus heu­ti­ger Sicht natür­lich fatal ist, doch wir waren damals so sehr mit dem kal­ten Krieg und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik beschäf­tigt, wer dach­te da schon an Afri­ka. Egal was wir auch tun, es wird nicht rei­chen. Wir kön­nen nicht jeden in Euro­pa auf­neh­men und ich bin es leid, jedem Trot­tel, der in Mathe Klas­se 2 lie­ber Käse­käst­chen mal­te, zu erklä­ren, dass selbst unser ver­meint­li­cher Reich­tum dies nicht schaf­fen könn­te – auch nicht mit einer fet­ten Mil­lio­närs-Steu­er, wie die Lin­ke sie for­dert. Viel­leicht wäre es an der Zeit, dras­ti­sche Maß­nah­men gegen die fai­led Sta­tes Afri­kas zu ergrei­fen, indem man Bono in sei­nem Bemü­hen stoppt, aus­ge­rech­net den afri­ka­ni­schen Staa­ten die Schul­den zu erlas­sen, die sich durch beson­de­re Miss­wirt­schaft und Kor­rup­ti­on aus­zeich­nen und damit aus­ge­rech­net die weni­gen Staa­ten bestraft, die es trotz schwie­rigs­ter Umstän­de und trotz kolo­nia­ler Ver­gan­gen­heit und kaum über­wun­de­ner Bür­ger­krie­ge schaf­fen, eine lang­sa­me aber ste­ti­ge Ent­wick­lung zu gene­rie­ren. Viel­leicht ist es end­lich an der Zeit, dass Euro­pa sein Modell der Agrar­sub­ven­tio­nie­rung schritt­wei­se auf­gibt und so ech­te Chan­cen für afri­ka­ni­sche Erzeu­ger zulässt. Viel­leicht ist es an der Zeit, Jahr­zehn­te nach dem Ende der Kolo­ni­al­rei­che, euro­päi­sche Inves­to­ren beson­ders im Agrar­be­reich in die frucht­ba­ren Län­der Afri­kas zu locken und dort für ihre Sicher­heit und Pro­spe­ri­tät ihrer Far­men zu sor­gen. Denn viel­leicht war es kei­ne gute Idee, zum Bei­spiel in Sim­bab­we aus­ge­rech­net den gegen­tei­li­gen Weg zu gehen, indem man dort einen wider­li­chen und rui­nö­sen Ras­sis­mus gegen wei­ße Far­mer ent­fes­sel­te. Viel­leicht ist es an der Zeit, dass die Medi­en der afri­ka­ni­schen Län­der end­lich mas­sen­haft Euro­pa-Kor­re­spon­den­ten in den Nor­den schi­cken, um zu berich­ten, mit wel­chen Pro­ble­men wir uns hier her­um­schla­gen, wenn wir nicht gera­de schick Essen und Shop­pen gehen und mit unse­ren fet­ten SUV’s zwi­schen Kitz­bühl und Kö‘ pen­deln. Viel­leicht ist es an der Zeit, Afri­ka nicht mehr wie ein Kind zu behan­deln und end­lich sei­ne Eli­ten selbst für ihr Ver­sa­gen zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen, ohne sich immer noch ängst­lich hin­ter dem Kolo­nia­lis­mus ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te zu ver­ste­cken und die­se sicher grau­sa­me Zeit für jedes Elend des schwar­zen Kon­ti­nents ver­ant­wort­lich zu machen.

Viel­leicht ist dann auch Euro­pa noch zu ret­ten, denn Euro­pa ist es lei­der völ­lig unmög­lich, Afri­ka zu retten.

Addenum: Wie man Not­hil­fe von Ent­wick­lungs­hil­fe unterscheidet
Sie erwar­ten Gäs­te und wol­len einen Kuchen backen. Es ist Sonn­tag, Sie ste­hen in der Küche und stel­len ent­setzt fest, dass Sie ver­ges­sen haben, Eier zu kau­fen. Also gehen Sie zum Nach­barn, erklä­ren ihm die Lage und der geht zu sei­nem Kühl­schrank. Er holt eine Packung Eier her­aus und gibt ihnen mit den Wor­ten „Gern gesche­hen“ lächelnd drei davon. Das ist Nothilfe.

Es ist Mon­tag­mor­gen, Sie wol­len früh­stü­cken und haben immer noch kei­ne Eier im Haus. Sie könn­ten jetzt ein­kau­fen gehen oder ein­fach auf die Früh­stücks­ei­er ver­zich­ten. Aber Sie haben ja auch einen net­ten Nachbarn…Sie klin­geln bei ihm. Er wun­dert sich, dass Sie schon wie­der nach Eiern fra­gen und fragt Sie, war­um Sie nicht ein­kau­fen gehen kön­nen – die Geschäf­te sei­en jetzt geöff­net. Wenn Sie jetzt empört ant­wor­ten, dass Ein­kau­fen völ­lig unnö­tig sei, weil der Nach­bar ja immer­hin noch sie­ben Eier habe, haben Sie den Ben­to-Test „Wie Afri­ka bin ich“ bestan­den! Das ist Entwicklungshilfe.

 

Nachtrag

Für gewöhn­lich kom­men­tie­re ich mei­ne Tex­te nicht, weil ich glau­be, alles in ihnen gesagt zu haben, was ich für wich­tig hal­te. Zu die­sem Text gab es aber einen Aspekt, den ich kom­plett über­se­hen habe und der erst durch einen Kom­men­tar unter dem Ach­gut-Arti­kel auf mein Radar geriet: Das Mär­chen von der man­gel­haf­ten Vor­be­rei­tung der Kolo­nien auf ihre Unabhängigkeit.

Denn es ist nichts ande­res als ein Mär­chen. Ein Mär­chen vom wil­den, schwar­zen Mann, denn der gute Onkel aus Euro­pa erst bei­brin­gen muss, wie sich Frei­heit anfühlt und was man damit so alles anfan­gen kann. Vor­be­rei­ten auf die Frei­heit? Hat man jemals Lud­wig XVI. von Frank­reich vor­ge­wor­fen, er hät­te sein Volk nicht ange­mes­sen auf die Revo­lu­ti­on vor­be­rei­tet? Ver­ach­ten wir Hit­ler dafür, dass er nicht den Grund­stein zur Demo­kra­tie in Deutsch­land gelegt hat? Nein! Aber afri­ka­ni­sche Völ­ker hät­ten vor­be­rei­tet wer­den müs­sen – oder kön­nen? Wie sieht solch eine Vor­be­rei­tung aus, wenn ein Bür­ger­krieg wie in Alge­ri­en oder ein Gue­ril­la-Krieg wie in Ango­la oder Moçam­bi­que oder Mas­sen­pro­tes­te wie in Indi­en die Kolo­ni­al­her­ren sehr unsanft aus dem Land jagen? Vor­be­rei­ten wor­auf? Dass mor­gen die Son­ne auf­geht? Alles Mär­chen, die dem schuld­be­la­de­nen Euro­pä­er einen wei­te­ren Grund auf­drü­cken, sich in der his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung eines Erzie­hungs­be­rech­tig­ten Afri­kas zu wähnen.

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8 Kommentare

  1. Zu Mar­tin W.:
    Das BIP der asia­ti­schen Kolo­nien, ins­be­son­de­re Sin­ga­pur und Süd­ko­rea, ist nach der Unab­hän­gig­keit gestie­gen. Das BIP der afri­ka­ni­schen Kolo­nien ist dage­gen unter den Stand der Kolo­ni­al­zeit gesunken.
    Zu Afrika:
    Demo­kra­tie ist dort weit­ge­hend ein Label für die Macht­aus­übung durch die füh­ren­den Aris­to­kra­ten (Häupt­lings­fa­mi­li­en) der jeweils mäch­tigs­ten Eth­nie. Trotz west­li­chen Geha­bes sind die meis­ten Län­der Afri­kas gesell­schaft­lich mit den euro­päi­schen früh­feu­da­len Gesell­schaf­ten ver­gleich­bar. War­um das so ist kann dahin­ge­stellt blei­ben. Es führt aller­dings dazu, dass jedes über­ge­stülp­te Sys­tem, ob „west­lich“ oder „sozia­lis­tisch“, den streng stammes‑, aber vor allem hier­ar­chie­be­zo­ge­nen Regeln folgt. Qua­si als Beweis der Lenin’schen Idee von der Ent­wick­lung einer Gesell­schaft. Da sich die herr­schen­den Schichten/ Sip­pen nicht son­der­lich um das Fuß­volk und schon gar nicht um ande­re Eth­ni­en küm­mern, über­nimmt die Ent­wick­lungs­hil­fe die Staats­auf­ga­ben. Chi­na hat da einen gewal­ti­gen Vor­sprung gegen­über der west­li­chen Ent­wick­lungs­hil­fe: Chi­na inves­tiert in die afri­ka­ni­sche Infra­struk­tur und erkauft sich dadurch spott­bil­lig Aus­beu­tungs­rech­te der dor­ti­gen Roh­stof­fe. So neu ist die Idee an sich nicht, die DDR mach­te das genauso. 

    Nun wis­sen die Älte­ren bestimmt noch, dass Afri­ka unter der Schul­den­last des Neo­ko­lo­nia­lis­mus litt. Nur wohin das gelie­he­ne Geld inves­tiert wur­de..? In Waf­fen natür­lich. Aber war­um? Weil Onkel und Tan­te vom Häupt­ling [Prä­si­dent] auch ein Stück vom „Korruptions„kuchen bzw. vom staats­kre­dit­fi­nan­zier­ten Luxus­le­ben abha­ben wollten. 

    Nun sind die Schul­den der „Drit­ten Welt“ aber längst erlas­sen. Könn­te es da nicht einen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung geben? Könn­te. Soll es aber nicht. Die roh­stoff­rei­che „Drit­te“ soll der roh­stoff­ar­men „Alten“ und auch der „Neu­en“ Welt mög­lichst kei­ne Kon­kur­renz machen. Wie schafft man das? Man kor­rum­piert die herr­schen­den Sip­pen mit hor­ren­den Schmier­gel­dern und sorgt dafür, dass die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung auf die bil­li­ge Ener­gie aus … na klar, Koh­len­was­ser­stof­fen! nicht für eine indus­tri­el­le Ent­wick­lung zur Ver­fü­gung steht. Daher sind Län­der wie Chi­na, Indi­en und Süd­afri­ka der­ar­ti­ge Kli­ma­ret­tungs­ver­wei­ge­rer. Die­se Län­der wol­len erst mal ein wohl­standss­at­tes Bil­dungs­bür­ger­tum her­an­züch­ten was sich Gedan­ken um das Über­le­ben in der Welt in 200 Jah­ren macht und nicht um mor­gen. Oder den Rest des Tages.

    „Kli­ma­schutz“ ist Neo­ko­lo­nia­lis­mus in Rein­kul­tur. Gera­de aus die­sem Grund soll­te ich ein glü­hen­der „Alar­mist“ sein. Aber ich kann nicht anders, ich muss mei­nen Bil­dungs­bür­ger­fin­ger in den Him­mel pieck­sen und quän­geln „Herr Leh­rer, ich weiß was…“ Aber viel­leicht bin ich auch nur wie ein moder­ner Poli­ti­ker, der ange­sichts des abseh­ba­ren Kol­lap­ses der deut­schen Ren­ten- und öffent­li­chen Kas­sen sagt: „Hey, es geht ohne­hin alles den Bach run­ter! Also lasst uns lau­ter ver­rück­te Din­ge tun, die wir uns frü­her nie getraut hät­ten!“ „Flücht­lin­ge! Die beru­hi­gen das Gewis­sen und len­ken ab! Ener­gie­wen­de! Ja geil, wenn das Strom­netz groß­flä­chig zusam­men­bricht sind die Leu­te nach­her froh, das über­lebt zu haben und fra­gen nicht nach dem Ren­ten­mist und ihren wert­lo­sen Spar­gro­schen! Lasst uns nur noch schnell die NPD ver­bie­ten, sonst wird die anschlie­ßend noch mehr­heit­lich pro­test­ge­wählt…“ Aber jetzt schwei­fe ich zu sehr ab. Viel­leicht eins noch… War­um muss man die NPD ver­bie­ten? Weil, wenn sie den Kanz­ler stel­len wür­de, der weni­ger zu sagen hät­te, als sein unter­ge­be­ner Innen­mi­nis­ter [der ist der Ober-Chef vom Ver­fas­sungs­schutz]. Das ist for­mal­ju­ris­tisch staats­recht­lich nicht tragbar.

  2. (Südost-)Asien war vor 150 Jah­ren genau­so bet­tel­arm und unter­ent­wi­ckelt wie der afri­ka­ni­sche Kon­ti­nent und stand eben­so wie die meis­ten afri­ka­ni­schen Län­der unter der Ver­wal­tung euro­päi­scher Groß­mäch­te. Nach dem zwei­ten Welt­krieg ent­le­dig­ten sich die Asia­ten gemein­sam mit den Afri­ka­nern ihrer Kolo­ni­al­her­ren. Glei­che Ver­gan­gen­heit, glei­ches Schick­sal, aber mit­nich­ten eine glei­che Gegen­wart und eine glei­che Zukunft. 

    War­um geht des den Asia­ten statt­des­sen so unver­gleich­lich viel bes­ser als den Afrikanern?

    Gute Fra­ge, Herr Letsch, oder?!

    Ein Bei­spiel: (Süd-)Korea war noch in den spä­ten 50ziger Jah­ren des vor­he­ri­gen Jahr­hun­derts ein total kriegs­zer­stör­tes und bedürf­ti­ges, rei­nes Agrar­land, gehört aber heu­te zu den 10 reichs­ten Indus­trie­na­tio­nen der Welt und das trotz!!! eines ver­meint­lich impe­ria­lis­ti­schen Wes­tens, dem „Kapi­ta­lis­mus­kri­ti­ker“ unter­stel­len, eifer­süch­tig und hab­gie­rig dar­über zu wachen, dass ja nur kein Ent­wick­lungs­land sich zu einem Platz an der Son­ne vor­ar­bei­ten kann. Die­se ruch­lo­sen Staa­ten des Nor­dens wol­len ‑zumin­dest gemäß lin­ker Ver­schwö­rungs­theo­rien- die Län­der der zwei­ten und drit­ten Welt mit der Knu­te des Kriegs und der Kre­di­te im Dun­kel hal­ten, weil ihre bösen Kon­zer­ne sie nur in der Fins­te­ris aus­beu­ten kön­nen. Eine absur­de fixe Idee, die indes von zahl­lo­sen asia­ti­schen „Tiger­staa­ten“ mehr als beweis­kräf­tig wider­legt wird.

    • dan­ke für den Kom­men­tar. Die glei­chen Argu­men­te benut­ze auch ich den den Dis­kus­sio­nen. Die Ant­wor­ten blei­ben den­noch gleich. Immer soll Geld gege­ben wer­den. Geld das die Kor­rupto­kra­tien perpetuirt.

  3. Da braut sich was zusammen.…..
    Die Armen die­ser Welt wer­den die west­li­che Welt über­ren­nen und nicht mehr danach fra­gen, wem was gehört und wer wel­che Recht hat. Irgend­wann neh­men sie es sich ein­fach. Wir sind bereits mit­ten­drin. Und es wird schlim­mer, wenn wir unser eige­nes Ver­hal­ten gegen­über die­sen Län­dern nicht schleu­nigst ändern.

    • Sie sind zu pes­si­mis­tisch. Die Ger­ma­nen konn­ten das römi­sche Reich nur des­halb „über­ren­nen“, weil sie die mili­tä­ri­sche Macht dazu hat­ten. Glei­ches haben die Armen der Welt natür­lich nicht. Wir kön­nen uns nur über­ren­nen las­sen, wenn wir so selbst­ver­ges­sen sind, dies auch frei­wil­lig zuzu­las­sen. Also, wenn alle Deut­schen sol­che von ihrem eige­nen Gut­sein besof­fe­nen Will­kom­mens­jub­ler wären, wie die Ted­dy­bä­ren wer­fen­den Bahn­pas­sa­gie­re auf dem Münch­ner Haupt­bahn­hof anno 04. Sep­tem­ber 2015.

  4. Vie­len Dank für die tref­fen­de und zugleich trau­ri­ge Analyse.
    Ein Freund von mir sag­te vor unge­fähr 2 Jah­ren ange­spro­chen auf die Ebo­la­fie­ber Epe­de­mie zu mir: „Afri­ka küm­mert sich um Afrika.……“
    Zu dem Zeit­punkt tin­gel­ten zahl­rei­chen Fach­män­ner durch die ARD+ZDF Talk­shows und hat­ten zahl­rei­che Ansät­ze, wie man Afri­ka bzgl. der Epe­de­mie und auch im Gan­zen ret­ten könne.
    Ich war und bin der fes­ten Über­zeu­gung, dass alle Bemü­hun­gen der west­li­chen Län­der das Gegen­teil bewir­ken als geplant. Man stel­le sich nur vor, die Kin­der­sterb­lich­keit läge nied­ri­ger und das das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men wür­de signi­fi­kant ange­ho­ben — dann wür­den sich noch mehr auf den Weg nach Nor­den machen und uns kul­tu­rell und wirt­schaft­lich bereichern.
    Das Bevöl­ke­rungs­wachs­tum in den Län­dern wächst jedes jahr­zehnt stetig.
    Es ist offen­sicht­lich — Kin­der vor dem Hun­ger zu bewah­ren erreicht man nicht, in dem man spen­det und die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen unterstützt.
    Kin­der vor dem Hun­ger in Afri­ka zu bewah­ren kann man nur, indem man es ver­hin­dert, dass sie gebo­ren wer­den. Lei­der ist das nicht nur ein Pro­blem in Afri­ka — in allen Dritt­welt­staa­ten ist Ähn­li­ches zu beobachten.

    Aus­spre­chen darf man das gewiss nicht — aber des­we­gen ist es nicht falsch.

    • Kin­der vor dem Ver­hun­gern zu bewah­ren, dass erreicht man in Afri­ka vor­nehm­lich durch Fami­li­en­pla­nung. Sehr richtig!

  5. Die­ser sehr fun­diert ana­ly­sie­re Arti­kel zeigt deut­lich auf, dass das Mot­to „Sie woll­ten das Para­dies und brach­ten die Höl­le“ (Robert Schnei­der, Kris­tus) sich wie ein roter Faden durch die Geschich­te zieht.
    Über die Ana­ly­se hin­aus wer­den hier in die­sem Arti­kel Lösungs­an­sät­ze aufgezeigt.

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