‚Das macht er nicht‘ war mein Gedanke, kurz bevor er es dann doch tat: Arafats Hand schütteln. Und dieser zog und schüttelte derart an Rabins Hand dass man meinen konnte, er wolle sie abreißen. Ein Papier war unterschrieben worden, Clinton war sichtlich stolz wie Bolle und die Welt seufzte erleichtert auf. Nun beginnt der Frieden, das haben wir jetzt schriftlich!

Die Welt wandte sich wieder wichtigeren Dingen zu, Europa konnte sich in Ruhe mit sich selbst und der Euro-Einführung befassen, Clinton hatte eine Praktikantenstelle zu besetzen und Deutschland war weiter mit dem Zusammenwachsen befasst. Der Frieden in Nahost wurde unterdessen „ausgestaltet“, was bedeutete, dass die israelischen „Besatzer“ Stück für Stück die Kontrolle über Orte und Gebiete im Westjordanland an die Palästinensische Autonomiebehörde abgaben. Was bedeutete diese Kontrolle konkret für die Bevölkerung von Bethlehem, Hebron oder Ramallah? Nun, für die arabische Bevölkerung, das sie nun nicht mehr „unter der Besatzung leben“ musste und da es den „Befreiten“ nicht zumutbar war, ihre Straßen und Plätze weiter mit Juden zu teilen, mussten diese eben verschwinden. Ramallah ist heute „judenrein“ und die wenigen übriggebliebenen Juden in Hebron müssen sich in einem winzigen Teil von Hebron hinter Mauern, Stacheldraht und Checkpoints verbarrikadieren, um am Leben zu bleiben. Die Christen, die zum Beispiel in Bethlehem einst die Bevölkerungsmehrheit bildeten, zogen ebenfalls weg. Fragt man ihre muslimischen Nachbarn nach dem Grund, machen sie die Besatzer dafür verantwortlich. Man suche in dieser Aussage nicht nach Logik. Heute leben in der „befreiten Zone“ noch ca. 2% Christen, es waren einst zehn Mal so viele.

Der Händedruck zwischen Rabin und Arafat vermittelte ein Bild der Einigkeit, er bemäntelte leider eine Lüge. Der hochgelobte Osloer Friedensprozess verstärkte nur die Trennung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, schaffte Ghettos, Enklaven und sorgte für die Vertreibung von Juden und Christen. Jedes Haus, jede Straße und jeder Ort, über den Israel die Kontrolle aufgab, verwandelte sich umgehend in eine No-Go-Area für Juden. Wieso ist es zum Beispiel unmöglich für Juden, in ihren Häusern und den „befreiten“ Orten zu bleiben? Warum gestattet es die Fatah nicht, das Juden einfach da bleiben, wo sie eben leben, zum Beispiel in Betlehem/Palästina, während es einem Araber möglich ist, in Haifa oder Tel Aviv zu leben? Und wieso fällt diese Ungerechtigkeit der Welt nicht auf?

Heute vor 20 Jahren starb Jitzchak Rabin durch die Kugel seines Mörders, der Jude war wie er. Rabin, 1922 in Jerusalem geboren war schon durch diese Tatsache der lebende Beweis dafür, dass die Juden 1948 nicht „von irgendwoher“ kamen, sondern schon immer da waren, von wo die Araber sie gern vertreiben würden. In der Rückblende wird Rabin besonders von der Europäischen Linken als Friedensengel verklärt. Mit „Würde Rabin heute noch leben…“ beginnen in ihren Reden oft Phantasien, in denen Araber und Juden Hand in Hand in den Sonnenuntergang spazieren. Den friedensbewegten Europäern geht bei so viel gedachter Harmonie einer ab, deshalb halten sie an dem Bild fest. Aber sie glauben ihre eigenen Märchen denn der Händedruck von Arafat und Rabin sollte dank des Abkommens das letzte Mal sein, dass sich Araber und Juden so nahe kamen.

Der ungestüme Händedruck war nichts anderes als ein Abschiedsgruß.

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