Foto: © Poba/iStockphoto
Foto: © Poba/iStockphoto

Glo­ba­li­sie­rung ist ein ver­dammt hartes Geschäft. Man muss zusehen, wo man bleibt. Würde England heute noch wie vor 300 Jahren vom Woll­han­del leben oder Bra­si­lien vom Zucker, wären beide Länder längst zusam­men­ge­bro­chen. Nun gut, zuletzt ver­suchte Bra­si­lien, statt­des­sen von geschön­ten Sta­tis­ti­ken, ver­sem­mel­ten Olym­pia­den und Kor­rup­tion zu leben, was auch nicht wirk­lich funk­tio­nierte. Sehr viel klei­nere Länder haben es aber oft beson­ders schwer im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb und so ist es nur logisch, dass man sich mög­lichst exklu­sive Nischen sucht, um zu bestehen. Die Schweiz zum Bei­spiel ver­mark­tete Jahr­zehn­te­lang erfolg­reich das Produkt „Schwei­gen“ – und da muss man erst mal drauf kommen!

Irgend­je­mand sagte einst, Glück sei die Fähig­keit, her­aus­zu­fin­den, was man im Leben gern machen möchte – gepaart mit dem Erfolg, jeman­den zu finden, der einen dafür bezahlt. Das kann man im Kleinen machen, oder ein System daraus bauen, dass vielen Men­schen zugu­te­kommt. Wie wäre es, einem schein­bar unter­drück­ten, dezi­mier­ten und bemit­lei­dens­wer­ten Volk anzu­ge­hö­ren? Keine Sorge, Sie müssen nicht in ein Native-Ame­ri­can-Reser­vat in Wyoming oder nach Papua-Neu­gui­nea umzie­hen! Wenn Sie erst mal dort wären, krähte nämlich kein Hahn mehr nach Ihnen! Sie wollen doch inter­na­tio­nale Zuwen­dung und Auf­merk­sam­keit. Dann sollten Sie unbe­dingt paläs­ti­nen­si­scher Araber werden! Aber Vor­sicht! Wenn Sie sich in Jor­da­nien in einem Flücht­lings­la­ger auf­hal­ten oder auf einem Ölfeld in Kuwait arbei­ten, um Ihre Familie zu ernäh­ren, haben Sie nicht ganz ver­stan­den, wie das Spiel läuft. Selbst­ver­ständ­lich müssen Sie in Israel sein, besser noch in den „besetz­ten Gebie­ten“. Die Paläs­ti­nen­ser pro­fi­tie­ren seit Jahr­zehn­ten von inter­na­tio­na­ler Soli­da­ri­tät, deren Ursa­chen sie selbst immer wieder ent­fa­chen. Ein gut funk­tio­nie­ren­des „Per­pe­tuum Money“. Ein Brand­stif­ter, der immer wieder das eigene Haus anzün­det und sich dann über das Miss­trauen des Nach­barn beschwert, der das Haus nach dem Brand wie­der­auf­baut. Wenn Sie nun glauben, die Geld­ge­ber werden eines Tages miss­trau­isch, weil sie Jahr für Jahr Gelder in immer gleiche Pro­jekte pumpen, ohne dass sich die Lage wesent­lich bessert, liegen Sie falsch. Sie gehen ja auch nicht in einen Zoo und erwar­ten bei jedem Besuch mehr Tiere oder größere Gehege. Ihnen ist als Zoo­be­su­cher klar, dass ihr Ein­tritts­geld und ihre Paten­schaft für Pinguin Paul­chen nur dazu dient, den Laden am Laufen zu halten und Jahr für Jahr mehr Besu­chern Ein­tritts­kar­ten zu ver­kau­fen. Sie wissen, der Pinguin könnte in der Ant­ark­tis seinen Fisch selber fangen, denken aber nicht so gern darüber nach, weil Sie im Zoo Pin­guine gucken wollen. Wie stellt man es aber an, ein ganzes Land, das defacto noch nicht mal eines ist, so umzu­ge­stal­ten, dass sich unzäh­lige NGO’s dort nie­der­las­sen und die inter­na­tio­nale Gemein­schaft für einen nie ver­sie­gen­den Geld­strom sorgt?

Ein Fatah-Aktivist packt aus

Euro­päer zahlen nicht so gern für Moscheen, das haben wir schnell gelernt. Auch die Tat­sa­che, dass unsere „Demo­kra­tie“ in Wirk­lich­keit „Isla­mi­sie­rung“ heißt, können wir so offen natür­lich nicht sagen – zumin­dest nicht auf Eng­lisch. Statt­des­sen schaf­fen wir nach außen Struk­tu­ren, in denen sich die bescheu­er­ten Euro­päer und Amis selbst wie­der­erken­nen. Also bauten wir an einem Bil­dungs­sys­tem, eta­blier­ten Sicher­heits­kräfte und Polizei und hielten sogar Wahlen ab! Allzu oft muss man sowas wie „Wahlen“ aber nicht machen, haben wir fest­ge­stellt. So genau schauen die Idioten da nicht hin. Wenn nur „frei gewählt“ drauf­steht, fließen die Gelder in schöner Regel­mä­ßig­keit, weil wir sie für unsere Bildung (was wir dar­un­ter ver­ste­hen), unsere Sicher­heit (gegen Oppo­si­tion und die bösen Zio­nis­ten) und die Ver­wal­tung (ein anderes Wort für unseren Selbst­be­die­nungs­la­den „PA“) dekla­rie­ren. Wer fragt schon nach, was aus dem Geld wurde.

Seit Dreißig Jahren finan­zie­ren die Euro­päer an unseren Schulen anti­se­mi­ti­sche Indok­tri­na­tion, deren Früchte wir nun endlich ernten können. Schon Zwölf­jäh­rige ziehen die Messer und in den Dschi­had und wenn sie dabei umkom­men, ist ihr Blut Wasser auf die Mühlen der inter­na­tio­na­len Empö­rung und ver­hin­dert so, dass sich unsere Lands­leute zu leicht mit dem Status Quo der Exis­tenz Israels abfin­den. Und wenn die IDF in Gaza eine EU-finan­zierte Schule bom­bar­diert, weil die Hamas sie als Waf­fen­la­ger und Rake­ten­start­platz nutzt, schi­cken diese Trottel aus Europa doch tat­säch­lich Geld, um die Schule wieder auf­zu­bauen! Man muss also nicht zim­per­lich mit der eigenen Bevöl­ke­rung oder Infra­struk­tur sein, solange es genug dummes Geld aus Europa und Amerika gibt. Sorgen machen uns hin­ge­gen die Israe­lis. Immer wieder beläs­ti­gen sie uns mit Pro­jek­ten, die auch uns zugu­te­kom­men. Sie bauen Straßen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netze, sorgen für eine funk­tio­nie­rende Wasser- und Strom­ver­sor­gung und lassen unsere Kinder kos­ten­los an ihren Uni­ver­si­tä­ten stu­die­ren. Es kostet uns einiges an Mühe unserer Bevöl­ke­rung zu erklä­ren, dass dies alles die natür­li­chen Pflich­ten eines Besatzers sind und wir hoffen, das nicht allzu viele unserer Lands­leute diese Behaup­tung über­prü­fen oder schlim­mer noch denken, eine Besat­zung, die der Jugend kos­ten­los höhere Bildung ermög­licht, sei doch eigent­lich ganz kommod.

Ein Kino für Jenin, keine Kühlschränke für die Inuit

Ein gera­dezu exem­pla­ri­sches Bei­spiel für den Wer­de­gang von Pro­jek­ten in Paläs­tina, die mit inter­na­tio­na­ler Auf­merk­sam­keit gera­dezu über­schüt­tet wurden, ist das „Cinema Jenin“. Dabei handelt es sich tat­säch­lich um ein Kino, dass auch bis zum Beginn der Inti­fada von 1981 als solches genutzt wurde. Später wurde es auf­ge­ge­ben und ver­rot­tete langsam vor sich hin. Bis es Marcus Vetter wie­der­ent­deckte, der Regis­seur des Films „Das Herz von Jenin“, der in der Ruine den idealen Ort für die Auf­füh­rung seiner Pro­pa­ganda-Doku­men­tar­filme sah, die alle im Drei­klang aus paläs­ti­nen­si­schen Opfern, israe­li­schen Tätern und deut­schem Film­för­der­geld ent­stan­den sind. In Jenin dachte man sich wohl, ist uns doch egal, wohin ihr euer Geld werft – solange es in unsere Rich­tung gewor­fen wird… und spielte mit. Es war nicht leicht, die nötigen Mittel zusam­men zu bekom­men, immer wieder kam das Projekt ins Wanken. Aber schließ­lich, im Jahr 2010, war fei­er­li­che Eröff­nung. Eines der „Major Goals“ des Pro­jek­tes ist „Re-estab­li­shing a culture of cinema-going“ – ein Ziel, das dem Initia­tor des Pro­jekts, einem deut­schen Regis­seur, wirk­lich würdig ist! Dann folgten jedoch die Mühen der Ebene. Will heißen, dass sich offen­bar keine Sau dafür inter­es­sierte, das Kino auch zu besu­chen. Von Anfang an gab es ein krasses Miss­ver­hält­nis von Betriebs­kos­ten und Ein­nah­men aus dem Kar­ten­ver­kauf oder im „Cinema Jenin“ statt­fin­den­den Ver­an­stal­tun­gen. Man hat schon Mühe über­haupt so etwas wie ein aktu­el­les Pro­gramm des Kinos zu finden – es gibt offen­bar keins. Aber ein Kino gibt es nun wieder in Jenin, ein Kino, das keine Besu­cher hat, für dessen Errich­tung sich euro­päi­sche Akti­vis­ten aber heftig beglück­wünsch­ten und sich mächtig gut dabei fühlten.

Das „Re-estab­li­shing [of an] culture of cinema-going“ ist jedoch auf ganzer Linie geschei­tert, aber wer schaut schon genauer hin, fünf Jahre nachdem die Kohle in Beton, Pro­jek­to­ren und Pop­corn­ma­schi­nen ver­senkt wurde? Niemand! Wie ver­zwei­felt die finan­zi­elle Lage des Kinos ist, erkennt man viel­leicht daran, dass man in Jenin etwas ver­sucht, das ich bisher nur von eng­li­schen Kirchen und ame­ri­ka­ni­schen Thea­tern gehört habe: Adopt a Seat! In einem Kino, in dem fast keine Filme laufen, können und sollen Sie ernst­haft einen Sitz adop­tie­ren! „Ich hab‘ einen Koffer in Berlin und einen Sitz in Jenin“ – daraus könnte Marlene Diet­rich sicher einen Song machen. Ein wirt­schaft­lich trag­fä­hi­ges Konzept ist es wohl kaum. Damit das Kino nicht klamm­heim­lich wieder in sich zusam­men­fällt, stellt das deut­sche Außen­mi­nis­te­rium jedes Jahr einen Scheck für das Nötigste aus und ein Verein in Thü­rin­gen sammelt Geld. Zumin­dest hat man das bis 2012 so gemacht, neuere Zahlen waren nicht zu finden – ich hoffe, es geht dem Kino gut oder wenigs­tens „den Umstän­den ent­spre­chend“.

Nun sind Jenin-Kino-För­de­rer wie „MAN Fer­ro­st­aal“ oder „Hasso Platt­ner Ven­tures“ private Unter­neh­men, die mit ihrem Geld fördern können, wonach ihnen der Sinn steht und was ihnen die Aktio­näre an Extra­va­gan­zen durch­ge­hen lassen. Aber Goethe-Insti­tut, Land Bran­den­burg, ILB (Inves­ti­ti­ons­bank des Landes Bran­den­burg) und die Regie­rung von Belgien sind öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, die Rede und Antwort stehen müssen, was sie mit dem Geld ihrer Eigen­tü­mer bzw. der Steu­er­zah­ler so alles anstel­len. Gut, das Land Bran­den­burg kann ich wirk­lich noch ver­ste­hen. Die wollten endlich mal was finan­zie­ren, das zu Ende gebaut wird – muss ja kein Flug­ha­fen sein. Beson­ders die bel­gi­sche Regie­rung hätte aber viel­leicht besser in ein Kino in Brüssel/Moolenbek inves­tiert. Warum es aus­ge­rech­net ein Kino in Jenin sein musste und nicht neue Kühl­schränke für die Inuit auf Grön­land, bleibt wohl für immer ein Geheim­nis.

Solche „Minis­te­ri­el­len Geschenke“ an Pro­jekte in Paläs­tina gibt es viele, und sie halten den Laden Paläs­tina „im Kleinen“ am Laufen. Es ist aber schier unmög­lich eine Gesamt­summe zu ermit­teln, nicht einmal für die Hilfs­be­reit­schaft Deutsch­lands. Die großen Summen aber, die, die man im Haus­halt abbil­den muss, ver­schla­gen einem auch schon den Atem. Im Jahr 2014* über­wies die Bun­des­re­gie­rung nach eigenen Angaben 143 Mil­lio­nen Euro an die Auto­no­mie­be­hörde und ist selbst­re­dend auch maß­geb­lich an den 360 Mil­lio­nen Euro betei­ligt, die die EU-Kom­mis­sion 2014 offi­zi­ell nach Ramal­lah schickte. Selbst das kleine Öster­reich hatte 2014 ins­ge­samt 6,18Mio Euro (Öffent­li­che Ent­wick­lungs­hil­fe­leis­tung, ODA) für Paläs­tina übrig.

Lächer­li­che Zahlen, meinen Sie? Wir retten Banken mit Mil­li­ar­den, was sind da ein paar Mil­li­ön­chen für die Opfer einer Besat­zung? Rechnen wir also mal nach: Paläs­tina hat ca. 4,6 Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Würde irgend­je­mand zwi­schen Jupiter und Mars jähr­lich einen ver­gleich­bar großen Löffel Honig nach Deutsch­land schi­cken wie der Löffel von EU+Deutschland+Österreich, der an Paläs­tina geht, wäre dieser Löffel mit 8,8 Mil­li­ar­den lecke­ren süßen Euros gefüllt. Jahr für Jahr! Dazu kamen für Paläs­tina im Jahr 2014 noch $ 242 Mil­lio­nen, die von der US-Regie­rungs­be­hörde USAID kommen, außer­dem hat Paläs­tina eben­falls spen­da­ble Freunde in den Regie­run­gen Groß­bri­tan­ni­ens, Frank­reichs, Nor­we­gens, Schwe­dens, Bel­gi­ens, Spa­ni­ens, Ita­li­ens, Japans und vielen anderen Ländern. Der Iran und seine Freunde schi­cken nicht nur Geld, sondern auch gleich noch Waffen hin­ter­her, die man dann nicht von euro­päi­schem Geld kaufen muss – doppelt gespart! Rechnet man jetzt noch hinzu, wieviel Geld indi­rekt über Orga­ni­sa­tio­nen wie UNRWA, IKRK, MSF (Ärzte ohne Grenzen) und die ca. 400 wei­te­ren NGO’s ins Land kommt, wird klar, welche lukra­tive Markt­ni­sche Paläs­tina in der glo­ba­li­sier­ten Welt fast im Allein­gang besetzt hält und warum es Hamas und Fatah tun­lichst ver­mei­den müssen, Israel anzu­er­ken­nen und ihre irr­sin­ni­gen For­de­run­gen nach einem Staat zwi­schen Mit­tel­meer und Jordan und der Rück­kehr aller Flücht­linge von 1948 und deren Nach­fah­ren endlich auf­zu­ge­ben. Nichts was sie bekom­men könnten ist ähnlich attrak­tiv wie der aktu­elle Zustand des Hän­de­auf­hal­tens. Selbst wenn sie den Anti­se­mi­tis­mus aus den Schä­deln bekämen, können sie doch immer noch rechnen!

Wo die ganze Kohle bleibt, fragen Sie? Wissen Sie nicht, was so ein Ver­wal­tungs­ap­pa­rat kostet? Wie teuer ein Fuhr­park aus Mer­ce­des- und Audi-Schlit­ten allein im Unter­halt kommt? Von Fahrern ganz zu schwei­gen! Außer­dem müssen Minis­ter, Beamte, Sicher­heits­leute und Spit­zen­kräfte der Hamas und Fatah ja irgendwo arbei­ten, wohnen und sich erholen. Das stellt sich in einem Land, das unter einer Besat­zung leidet, wirk­lich schwie­rig dar. Beson­ders schwie­rig erweist es sich in letzter Zeit, die Paläs­ti­nen­ser der Macht­elite vom Protzen und die aus­län­di­schen Jour­na­lis­ten vom Foto­gra­fie­ren abzu­hal­ten, weil das gar keinen pas­sen­den Ein­druck von Elend und Not beim Geld­ge­ber erzeugt. Ihr Geld ist aber gut ange­legt, lieber Euro­päer, lieber Ame­ri­ka­ner! Jetzt wird dem Betrach­ter auch klarer, warum die Paläs­ti­nen­ser ein Problem mit jüdi­schen Sied­lern haben – deren Behau­sun­gen passen im Ver­gleich einfach nicht ins schöne Bild!

Nur mal so ganz neben­bei gefragt: Für welche Summen an Vor­teils­nahme musste Chris­tian Wulf zurück­tre­ten? War es das zins­güns­tige Darlehn für den Klin­ker­schup­pen in Isern­ha­gen oder die Ein­la­dung zum Okto­ber­fest? Mir ver­rut­schen gerade Prin­zi­pien und Maß­stäbe.

Normalisierung unerwünscht

Sie werden jetzt sagen, ich sehe das alles viel zu schwarz. Es muss in Paläs­tina doch auch Men­schen geben, die von ihrer Hände Arbeit leben oder dort viel­leicht sogar eigenes Geld inves­tie­ren wollen. Aber sicher gibt es die! Ver­nunft lässt sich zum Glück nicht per Ver­ord­nung beenden. Aller­dings kann man diese Ver­nunft in der Praxis in den Wahn­sinn treiben, ihre Wege behin­dern oder einfach für ver­rückt erklä­ren lassen. Als die Briten für ihr Man­dats­ge­biet Paläs­tina einen Tei­lungs­plan vor­leg­ten, hatten sie eine sehr prag­ma­ti­sche Idee. Juden und Araber sollten zwar getrennte Staats­ge­biete erhal­ten, sich aber gemein­sam um Infra­struk­tur wie Wasser, Straßen und Elek­tri­zi­tät kümmern. Die Araber zeigten bereits am Tag der Pro­kla­ma­tion Israels, was sie von solchen Plänen hielten und erklär­ten Israel den Krieg. So kam es, dass die Infra­struk­tur­pro­jekte nur von den Israe­lis vor­an­ge­trie­ben wurden und heute auch ara­bi­sche Häuser an das israe­li­sche Trink­was­ser­netz ange­schlos­sen werden.

Als der amerikanisch/arabische Geschäfts­mann Baschar al-Masri an den Plänen für das Vor­zei­ge­pro­jekt „Rawabi“ saß, muss ihm klar gewesen sein, dass er irgend­wann auch die Was­ser­ver­sor­gung für die „Goldene Stadt“ in Angriff nehmen musste, in der einst wohl­ha­bende Paläs­ti­nen­ser leben sollen. Und zwar wird man dazu mit israe­li­schen Behör­den und Firmen zusam­men­ar­bei­ten müssen. Ob er damals ahnte, wieviel Zeit und Energie es ihn kosten würde, genau für diesen Punkt die Geneh­mi­gung der Auto­no­mie­be­hörde zu bekom­men? Zusam­men­ar­beit mit Israe­lis? Womög­lich noch durch bila­te­rale Ver­träge garan­tiert? Das könnte dazu führen, dass sich so etwas wie Nor­ma­li­tät ein­stellt zwi­schen Arabern und Juden und sowas sieht die PA gar nicht gern.

Nicht nur paläs­ti­nen­si­sche Bau­pro­jekte geraten so ins Stocken, die Israe­lis haben auch so ihre Schwie­rig­kei­ten mit grenz­über­grei­fen­den Gege­ben­hei­ten, zum Bei­spiel, wenn es um unge­rei­nigte Abwäs­ser geht, die aus paläs­ti­nen­si­schen Städten und Dörfern in die Flüsse ein­ge­lei­tet werden. Das Geld, das euro­päi­sche Gönner für Klär­an­la­gen sprin­gen lassen, ver­si­ckert im Gegen­satz zu Schmutz­was­ser gern spurlos, lange bevor es auf den ent­spre­chen­den Bau­stel­len ankommt und was kümmert einen stolzen Araber schon der Dreck, der in die Gebiete der bösen Zio­nis­ten schwimmt. Auch Umwelt-Dschi­had ist Dschi­had! Die israe­li­sche Knesset-Abge­ord­nete Sharren Haskel kämpft denn auch einen müh­sa­men Kampf, wenn sie ver­sucht, die Auto­no­mie­be­hörde dazu zu bewegen, das israe­li­sche Abwas­ser­netz zu nutzen oder Klär­an­la­gen zu bauen. So fordert sie etwa, die 50 Mil­lio­nen Euro, die Italien für die Errich­tung einer Klär­an­lage in Paläs­tina gespen­det hat, direkt den Bau­un­ter­neh­men zuzu­füh­ren, anstatt das Geld wie üblich der Gefahr des Schmel­zens in der heißen Sonne Ramal­lahs aus­zu­setz­ten.

Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung ist bei der Unter­stüt­zung Paläs­ti­nas nicht nur sehr groß­zü­gig, sondern auch sehr wort­reich. Auf den Seiten des Aus­wär­ti­gen Amtes heißt es:

Die Bun­des­re­gie­rung unter­stützt aktiv das Ziel eines unab­hän­gi­gen, demo­kra­ti­schen, zusam­men­hän­gen­den, sou­ve­rä­nen Staats Paläs­tina, der Seite an Seite in Frieden, Sicher­heit und gegen­sei­ti­ger Aner­ken­nung mit allen seinen Nach­barn ein­schließ­lich Israel lebt.“

Wenn sich seit meinem letzten Blick auf die Land­karte die Kon­ti­nen­tal­plat­ten­tek­to­nik nicht in unge­ahnt krea­ti­ver und schnel­ler Weise an der Lösung des Nah­ost­kon­flikts betei­ligt hat, wäre der Begriff „zusam­men­hän­gend“ für einen Staat, der aus West­bank und dem Gaza-Strei­fen besteht nur zutref­fend, wenn Israel KEIN zusam­men­hän­gen­der Staat mehr wäre – oder wie die Hamas das aus­drü­cken würde über­haupt KEIN Staat. Die Bun­des­re­gie­rung betont trä­nen­reich bei jeder sich bie­ten­den Gedenk­feier zur Befrei­ung eines KZ die beson­dere Freund­schaft zu Israel, ver­wen­det aber auf offi­zi­el­len Web­sei­ten For­mu­lie­run­gen der Feinde Israels, biedert sich ihnen an und finan­ziert sie direkt. Diese schein­hei­lige Rhe­to­rik sollte man drin­gend über­den­ken. Ebenso wie das fort­wäh­rende, unsin­nige und die Eigen­in­itia­tive der Paläs­ti­nen­ser läh­mende Geld­ver­sen­ken in Paläs­tina.

* Ich habe 2014 als Daten­ba­sis gewählt, weil ich für dieses Jahr die voll­stän­digs­ten Zahlen finden konnte. Aller­dings zeigen die Zahlen ins­ge­samt auch für die fol­gen­den Jahre immer nur in eine Rich­tung: Nach oben.