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Glo­ba­li­sie­rung ist ein ver­dammt har­tes Geschäft. Man muss zuse­hen, wo man bleibt. Wür­de Eng­land heu­te noch wie vor 300 Jah­ren vom Woll­han­del leben oder Bra­si­li­en vom Zucker, wären bei­de Län­der längst zusam­men­ge­bro­chen. Nun gut, zuletzt ver­such­te Bra­si­li­en, statt­des­sen von geschön­ten Sta­tis­ti­ken, ver­sem­mel­ten Olym­pia­den und Kor­rup­ti­on zu leben, was auch nicht wirk­lich funk­tio­nier­te. Sehr viel klei­ne­re Län­der haben es aber oft beson­ders schwer im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb und so ist es nur logisch, dass man sich mög­lichst exklu­si­ve Nischen sucht, um zu bestehen. Die Schweiz zum Bei­spiel ver­mark­te­te Jahr­zehn­te­lang erfolg­reich das Pro­dukt „Schwei­gen“ – und da muss man erst mal drauf kommen!

Irgend­je­mand sag­te einst, Glück sei die Fähig­keit, her­aus­zu­fin­den, was man im Leben gern machen möch­te – gepaart mit dem Erfolg, jeman­den zu fin­den, der einen dafür bezahlt. Das kann man im Klei­nen machen, oder ein Sys­tem dar­aus bau­en, dass vie­len Men­schen zugu­te­kommt. Wie wäre es, einem schein­bar unter­drück­ten, dezi­mier­ten und bemit­lei­dens­wer­ten Volk anzu­ge­hö­ren? Kei­ne Sor­ge, Sie müs­sen nicht in ein Nati­ve-Ame­ri­can-Reser­vat in Wyo­ming oder nach Papua-Neu­gui­nea umzie­hen! Wenn Sie erst mal dort wären, kräh­te näm­lich kein Hahn mehr nach Ihnen! Sie wol­len doch inter­na­tio­na­le Zuwen­dung und Auf­merk­sam­keit. Dann soll­ten Sie unbe­dingt paläs­ti­nen­si­scher Ara­ber wer­den! Aber Vor­sicht! Wenn Sie sich in Jor­da­ni­en in einem Flücht­lings­la­ger auf­hal­ten oder auf einem Ölfeld in Kuwait arbei­ten, um Ihre Fami­lie zu ernäh­ren, haben Sie nicht ganz ver­stan­den, wie das Spiel läuft. Selbst­ver­ständ­lich müs­sen Sie in Isra­el sein, bes­ser noch in den „besetz­ten Gebie­ten“. Die Paläs­ti­nen­ser pro­fi­tie­ren seit Jahr­zehn­ten von inter­na­tio­na­ler Soli­da­ri­tät, deren Ursa­chen sie selbst immer wie­der ent­fa­chen. Ein gut funk­tio­nie­ren­des „Per­pe­tu­um Money“. Ein Brand­stif­ter, der immer wie­der das eige­ne Haus anzün­det und sich dann über das Miss­trau­en des Nach­barn beschwert, der das Haus nach dem Brand wie­der­auf­baut. Wenn Sie nun glau­ben, die Geld­ge­ber wer­den eines Tages miss­trau­isch, weil sie Jahr für Jahr Gel­der in immer glei­che Pro­jek­te pum­pen, ohne dass sich die Lage wesent­lich bes­sert, lie­gen Sie falsch. Sie gehen ja auch nicht in einen Zoo und erwar­ten bei jedem Besuch mehr Tie­re oder grö­ße­re Gehe­ge. Ihnen ist als Zoo­be­su­cher klar, dass ihr Ein­tritts­geld und ihre Paten­schaft für Pin­gu­in Paul­chen nur dazu dient, den Laden am Lau­fen zu hal­ten und Jahr für Jahr mehr Besu­chern Ein­tritts­kar­ten zu ver­kau­fen. Sie wis­sen, der Pin­gu­in könn­te in der Ant­ark­tis sei­nen Fisch sel­ber fan­gen, den­ken aber nicht so gern dar­über nach, weil Sie im Zoo Pin­gui­ne gucken wol­len. Wie stellt man es aber an, ein gan­zes Land, das defac­to noch nicht mal eines ist, so umzu­ge­stal­ten, dass sich unzäh­li­ge NGO’s dort nie­der­las­sen und die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft für einen nie ver­sie­gen­den Geld­strom sorgt?

Ein Fatah-Aktivist packt aus

Euro­pä­er zah­len nicht so gern für Moscheen, das haben wir schnell gelernt. Auch die Tat­sa­che, dass unse­re „Demo­kra­tie“ in Wirk­lich­keit „Isla­mi­sie­rung“ heißt, kön­nen wir so offen natür­lich nicht sagen – zumin­dest nicht auf Eng­lisch. Statt­des­sen schaf­fen wir nach außen Struk­tu­ren, in denen sich die bescheu­er­ten Euro­pä­er und Amis selbst wie­der­erken­nen. Also bau­ten wir an einem Bil­dungs­sys­tem, eta­blier­ten Sicher­heits­kräf­te und Poli­zei und hiel­ten sogar Wah­len ab! All­zu oft muss man sowas wie „Wah­len“ aber nicht machen, haben wir fest­ge­stellt. So genau schau­en die Idio­ten da nicht hin. Wenn nur „frei gewählt“ drauf­steht, flie­ßen die Gel­der in schö­ner Regel­mä­ßig­keit, weil wir sie für unse­re Bil­dung (was wir dar­un­ter ver­ste­hen), unse­re Sicher­heit (gegen Oppo­si­ti­on und die bösen Zio­nis­ten) und die Ver­wal­tung (ein ande­res Wort für unse­ren Selbst­be­die­nungs­la­den „PA“) dekla­rie­ren. Wer fragt schon nach, was aus dem Geld wurde.

Seit Drei­ßig Jah­ren finan­zie­ren die Euro­pä­er an unse­ren Schu­len anti­se­mi­ti­sche Indok­tri­na­ti­on, deren Früch­te wir nun end­lich ern­ten kön­nen. Schon Zwölf­jäh­ri­ge zie­hen die Mes­ser und in den Dschi­had und wenn sie dabei umkom­men, ist ihr Blut Was­ser auf die Müh­len der inter­na­tio­na­len Empö­rung und ver­hin­dert so, dass sich unse­re Lands­leu­te zu leicht mit dem Sta­tus Quo der Exis­tenz Isra­els abfin­den. Und wenn die IDF in Gaza eine EU-finan­zier­te Schu­le bom­bar­diert, weil die Hamas sie als Waf­fen­la­ger und Rake­ten­start­platz nutzt, schi­cken die­se Trot­tel aus Euro­pa doch tat­säch­lich Geld, um die Schu­le wie­der auf­zu­bau­en! Man muss also nicht zim­per­lich mit der eige­nen Bevöl­ke­rung oder Infra­struk­tur sein, solan­ge es genug dum­mes Geld aus Euro­pa und Ame­ri­ka gibt. Sor­gen machen uns hin­ge­gen die Israe­lis. Immer wie­der beläs­ti­gen sie uns mit Pro­jek­ten, die auch uns zugu­te­kom­men. Sie bau­en Stra­ßen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze, sor­gen für eine funk­tio­nie­ren­de Was­ser- und Strom­ver­sor­gung und las­sen unse­re Kin­der kos­ten­los an ihren Uni­ver­si­tä­ten stu­die­ren. Es kos­tet uns eini­ges an Mühe unse­rer Bevöl­ke­rung zu erklä­ren, dass dies alles die natür­li­chen Pflich­ten eines Besatzers sind und wir hof­fen, das nicht all­zu vie­le unse­rer Lands­leu­te die­se Behaup­tung über­prü­fen oder schlim­mer noch den­ken, eine Besat­zung, die der Jugend kos­ten­los höhe­re Bil­dung ermög­licht, sei doch eigent­lich ganz kommod.

Ein Kino für Jenin, keine Kühlschränke für die Inuit

Ein gera­de­zu exem­pla­ri­sches Bei­spiel für den Wer­de­gang von Pro­jek­ten in Paläs­ti­na, die mit inter­na­tio­na­ler Auf­merk­sam­keit gera­de­zu über­schüt­tet wur­den, ist das „Cine­ma Jenin“. Dabei han­delt es sich tat­säch­lich um ein Kino, dass auch bis zum Beginn der Inti­fa­da von 1981 als sol­ches genutzt wur­de. Spä­ter wur­de es auf­ge­ge­ben und ver­rot­te­te lang­sam vor sich hin. Bis es Mar­cus Vet­ter wie­der­ent­deck­te, der Regis­seur des Films „Das Herz von Jenin“, der in der Rui­ne den idea­len Ort für die Auf­füh­rung sei­ner Pro­pa­gan­da-Doku­men­tar­fil­me sah, die alle im Drei­klang aus paläs­ti­nen­si­schen Opfern, israe­li­schen Tätern und deut­schem Film­för­der­geld ent­stan­den sind. In Jenin dach­te man sich wohl, ist uns doch egal, wohin ihr euer Geld werft – solan­ge es in unse­re Rich­tung gewor­fen wird… und spiel­te mit. Es war nicht leicht, die nöti­gen Mit­tel zusam­men zu bekom­men, immer wie­der kam das Pro­jekt ins Wan­ken. Aber schließ­lich, im Jahr 2010, war fei­er­li­che Eröff­nung. Eines der „Major Goals“ des Pro­jek­tes ist „Re-estab­li­shing a cul­tu­re of cine­ma-going“ – ein Ziel, das dem Initia­tor des Pro­jekts, einem deut­schen Regis­seur, wirk­lich wür­dig ist! Dann folg­ten jedoch die Mühen der Ebe­ne. Will hei­ßen, dass sich offen­bar kei­ne Sau dafür inter­es­sier­te, das Kino auch zu besu­chen. Von Anfang an gab es ein kras­ses Miss­ver­hält­nis von Betriebs­kos­ten und Ein­nah­men aus dem Kar­ten­ver­kauf oder im „Cine­ma Jenin“ statt­fin­den­den Ver­an­stal­tun­gen. Man hat schon Mühe über­haupt so etwas wie ein aktu­el­les Pro­gramm des Kinos zu fin­den – es gibt offen­bar keins. Aber ein Kino gibt es nun wie­der in Jenin, ein Kino, das kei­ne Besu­cher hat, für des­sen Errich­tung sich euro­päi­sche Akti­vis­ten aber hef­tig beglück­wünsch­ten und sich mäch­tig gut dabei fühlten.

Das „Re-estab­li­shing [of an] cul­tu­re of cine­ma-going“ ist jedoch auf gan­zer Linie geschei­tert, aber wer schaut schon genau­er hin, fünf Jah­re nach­dem die Koh­le in Beton, Pro­jek­to­ren und Pop­corn­ma­schi­nen ver­senkt wur­de? Nie­mand! Wie ver­zwei­felt die finan­zi­el­le Lage des Kinos ist, erkennt man viel­leicht dar­an, dass man in Jenin etwas ver­sucht, das ich bis­her nur von eng­li­schen Kir­chen und ame­ri­ka­ni­schen Thea­tern gehört habe: Adopt a Seat! In einem Kino, in dem fast kei­ne Fil­me lau­fen, kön­nen und sol­len Sie ernst­haft einen Sitz adop­tie­ren! „Ich hab‘ einen Kof­fer in Ber­lin und einen Sitz in Jenin“ – dar­aus könn­te Mar­le­ne Diet­rich sicher einen Song machen. Ein wirt­schaft­lich trag­fä­hi­ges Kon­zept ist es wohl kaum. Damit das Kino nicht klamm­heim­lich wie­der in sich zusam­men­fällt, stellt das deut­sche Außen­mi­nis­te­ri­um jedes Jahr einen Scheck für das Nötigs­te aus und ein Ver­ein in Thü­rin­gen sam­melt Geld. Zumin­dest hat man das bis 2012 so gemacht, neue­re Zah­len waren nicht zu fin­den – ich hof­fe, es geht dem Kino gut oder wenigs­tens „den Umstän­den entsprechend“.

Nun sind Jenin-Kino-För­de­rer wie „MAN Fer­ro­staal“ oder „Has­so Platt­ner Ven­tures“ pri­va­te Unter­neh­men, die mit ihrem Geld för­dern kön­nen, wonach ihnen der Sinn steht und was ihnen die Aktio­nä­re an Extra­va­gan­zen durch­ge­hen las­sen. Aber Goe­the-Insti­tut, Land Bran­den­burg, ILB (Inves­ti­ti­ons­bank des Lan­des Bran­den­burg) und die Regie­rung von Bel­gi­en sind öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, die Rede und Ant­wort ste­hen müs­sen, was sie mit dem Geld ihrer Eigen­tü­mer bzw. der Steu­er­zah­ler so alles anstel­len. Gut, das Land Bran­den­burg kann ich wirk­lich noch ver­ste­hen. Die woll­ten end­lich mal was finan­zie­ren, das zu Ende gebaut wird – muss ja kein Flug­ha­fen sein. Beson­ders die bel­gi­sche Regie­rung hät­te aber viel­leicht bes­ser in ein Kino in Brüssel/Moolenbek inves­tiert. War­um es aus­ge­rech­net ein Kino in Jenin sein muss­te und nicht neue Kühl­schrän­ke für die Inu­it auf Grön­land, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Sol­che „Minis­te­ri­el­len Geschen­ke“ an Pro­jek­te in Paläs­ti­na gibt es vie­le, und sie hal­ten den Laden Paläs­ti­na „im Klei­nen“ am Lau­fen. Es ist aber schier unmög­lich eine Gesamt­sum­me zu ermit­teln, nicht ein­mal für die Hilfs­be­reit­schaft Deutsch­lands. Die gro­ßen Sum­men aber, die, die man im Haus­halt abbil­den muss, ver­schla­gen einem auch schon den Atem. Im Jahr 2014* über­wies die Bun­des­re­gie­rung nach eige­nen Anga­ben 143 Mil­lio­nen Euro an die Auto­no­mie­be­hör­de und ist selbst­re­dend auch maß­geb­lich an den 360 Mil­lio­nen Euro betei­ligt, die die EU-Kom­mis­si­on 2014 offi­zi­ell nach Ramal­lah schick­te. Selbst das klei­ne Öster­reich hat­te 2014 ins­ge­samt 6,18Mio Euro (Öffent­li­che Ent­wick­lungs­hil­fe­leis­tung, ODA) für Paläs­ti­na übrig.

Lächer­li­che Zah­len, mei­nen Sie? Wir ret­ten Ban­ken mit Mil­li­ar­den, was sind da ein paar Mil­li­ön­chen für die Opfer einer Besat­zung? Rech­nen wir also mal nach: Paläs­ti­na hat ca. 4,6 Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Wür­de irgend­je­mand zwi­schen Jupi­ter und Mars jähr­lich einen ver­gleich­bar gro­ßen Löf­fel Honig nach Deutsch­land schi­cken wie der Löf­fel von EU+Deutschland+Österreich, der an Paläs­ti­na geht, wäre die­ser Löf­fel mit 8,8 Mil­li­ar­den lecke­ren süßen Euros gefüllt. Jahr für Jahr! Dazu kamen für Paläs­ti­na im Jahr 2014 noch $ 242 Mil­lio­nen, die von der US-Regie­rungs­be­hör­de USAID kom­men, außer­dem hat Paläs­ti­na eben­falls spen­da­ble Freun­de in den Regie­run­gen Groß­bri­tan­ni­ens, Frank­reichs, Nor­we­gens, Schwe­dens, Bel­gi­ens, Spa­ni­ens, Ita­li­ens, Japans und vie­len ande­ren Län­dern. Der Iran und sei­ne Freun­de schi­cken nicht nur Geld, son­dern auch gleich noch Waf­fen hin­ter­her, die man dann nicht von euro­päi­schem Geld kau­fen muss – dop­pelt gespart! Rech­net man jetzt noch hin­zu, wie­viel Geld indi­rekt über Orga­ni­sa­tio­nen wie UNRWA, IKRK, MSF (Ärz­te ohne Gren­zen) und die ca. 400 wei­te­ren NGO’s ins Land kommt, wird klar, wel­che lukra­ti­ve Markt­ni­sche Paläs­ti­na in der glo­ba­li­sier­ten Welt fast im Allein­gang besetzt hält und war­um es Hamas und Fatah tun­lichst ver­mei­den müs­sen, Isra­el anzu­er­ken­nen und ihre irr­sin­ni­gen For­de­run­gen nach einem Staat zwi­schen Mit­tel­meer und Jor­dan und der Rück­kehr aller Flücht­lin­ge von 1948 und deren Nach­fah­ren end­lich auf­zu­ge­ben. Nichts was sie bekom­men könn­ten ist ähn­lich attrak­tiv wie der aktu­el­le Zustand des Hän­de­auf­hal­tens. Selbst wenn sie den Anti­se­mi­tis­mus aus den Schä­deln bekä­men, kön­nen sie doch immer noch rechnen!

Wo die gan­ze Koh­le bleibt, fra­gen Sie? Wis­sen Sie nicht, was so ein Ver­wal­tungs­ap­pa­rat kos­tet? Wie teu­er ein Fuhr­park aus Mer­ce­des- und Audi-Schlit­ten allein im Unter­halt kommt? Von Fah­rern ganz zu schwei­gen! Außer­dem müs­sen Minis­ter, Beam­te, Sicher­heits­leu­te und Spit­zen­kräf­te der Hamas und Fatah ja irgend­wo arbei­ten, woh­nen und sich erho­len. Das stellt sich in einem Land, das unter einer Besat­zung lei­det, wirk­lich schwie­rig dar. Beson­ders schwie­rig erweist es sich in letz­ter Zeit, die Paläs­ti­nen­ser der Macht­eli­te vom Prot­zen und die aus­län­di­schen Jour­na­lis­ten vom Foto­gra­fie­ren abzu­hal­ten, weil das gar kei­nen pas­sen­den Ein­druck von Elend und Not beim Geld­ge­ber erzeugt. Ihr Geld ist aber gut ange­legt, lie­ber Euro­pä­er, lie­ber Ame­ri­ka­ner! Jetzt wird dem Betrach­ter auch kla­rer, war­um die Paläs­ti­nen­ser ein Pro­blem mit jüdi­schen Sied­lern haben – deren Behau­sun­gen pas­sen im Ver­gleich ein­fach nicht ins schö­ne Bild!

Nur mal so ganz neben­bei gefragt: Für wel­che Sum­men an Vor­teils­nah­me muss­te Chris­ti­an Wulf zurück­tre­ten? War es das zins­güns­ti­ge Dar­lehn für den Klin­ker­schup­pen in Isern­ha­gen oder die Ein­la­dung zum Okto­ber­fest? Mir ver­rut­schen gera­de Prin­zi­pi­en und Maßstäbe.

Normalisierung unerwünscht

Sie wer­den jetzt sagen, ich sehe das alles viel zu schwarz. Es muss in Paläs­ti­na doch auch Men­schen geben, die von ihrer Hän­de Arbeit leben oder dort viel­leicht sogar eige­nes Geld inves­tie­ren wol­len. Aber sicher gibt es die! Ver­nunft lässt sich zum Glück nicht per Ver­ord­nung been­den. Aller­dings kann man die­se Ver­nunft in der Pra­xis in den Wahn­sinn trei­ben, ihre Wege behin­dern oder ein­fach für ver­rückt erklä­ren las­sen. Als die Bri­ten für ihr Man­dats­ge­biet Paläs­ti­na einen Tei­lungs­plan vor­leg­ten, hat­ten sie eine sehr prag­ma­ti­sche Idee. Juden und Ara­ber soll­ten zwar getrenn­te Staats­ge­bie­te erhal­ten, sich aber gemein­sam um Infra­struk­tur wie Was­ser, Stra­ßen und Elek­tri­zi­tät küm­mern. Die Ara­ber zeig­ten bereits am Tag der Pro­kla­ma­ti­on Isra­els, was sie von sol­chen Plä­nen hiel­ten und erklär­ten Isra­el den Krieg. So kam es, dass die Infra­struk­tur­pro­jek­te nur von den Israe­lis vor­an­ge­trie­ben wur­den und heu­te auch ara­bi­sche Häu­ser an das israe­li­sche Trink­was­ser­netz ange­schlos­sen werden.

Als der amerikanisch/arabische Geschäfts­mann Baschar al-Mas­ri an den Plä­nen für das Vor­zei­ge­pro­jekt „Rawa­bi“ saß, muss ihm klar gewe­sen sein, dass er irgend­wann auch die Was­ser­ver­sor­gung für die „Gol­de­ne Stadt“ in Angriff neh­men muss­te, in der einst wohl­ha­ben­de Paläs­ti­nen­ser leben sol­len. Und zwar wird man dazu mit israe­li­schen Behör­den und Fir­men zusam­men­ar­bei­ten müs­sen. Ob er damals ahn­te, wie­viel Zeit und Ener­gie es ihn kos­ten wür­de, genau für die­sen Punkt die Geneh­mi­gung der Auto­no­mie­be­hör­de zu bekom­men? Zusam­men­ar­beit mit Israe­lis? Womög­lich noch durch bila­te­ra­le Ver­trä­ge garan­tiert? Das könn­te dazu füh­ren, dass sich so etwas wie Nor­ma­li­tät ein­stellt zwi­schen Ara­bern und Juden und sowas sieht die PA gar nicht gern.

Nicht nur paläs­ti­nen­si­sche Bau­pro­jek­te gera­ten so ins Sto­cken, die Israe­lis haben auch so ihre Schwie­rig­kei­ten mit grenz­über­grei­fen­den Gege­ben­hei­ten, zum Bei­spiel, wenn es um unge­rei­nig­te Abwäs­ser geht, die aus paläs­ti­nen­si­schen Städ­ten und Dör­fern in die Flüs­se ein­ge­lei­tet wer­den. Das Geld, das euro­päi­sche Gön­ner für Klär­an­la­gen sprin­gen las­sen, ver­si­ckert im Gegen­satz zu Schmutz­was­ser gern spur­los, lan­ge bevor es auf den ent­spre­chen­den Bau­stel­len ankommt und was küm­mert einen stol­zen Ara­ber schon der Dreck, der in die Gebie­te der bösen Zio­nis­ten schwimmt. Auch Umwelt-Dschi­had ist Dschi­had! Die israe­li­sche Knes­set-Abge­ord­ne­te Shar­ren Has­kel kämpft denn auch einen müh­sa­men Kampf, wenn sie ver­sucht, die Auto­no­mie­be­hör­de dazu zu bewe­gen, das israe­li­sche Abwas­ser­netz zu nut­zen oder Klär­an­la­gen zu bau­en. So for­dert sie etwa, die 50 Mil­lio­nen Euro, die Ita­li­en für die Errich­tung einer Klär­an­la­ge in Paläs­ti­na gespen­det hat, direkt den Bau­un­ter­neh­men zuzu­füh­ren, anstatt das Geld wie üblich der Gefahr des Schmel­zens in der hei­ßen Son­ne Ramal­lahs auszusetzten.

Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung ist bei der Unter­stüt­zung Paläs­ti­nas nicht nur sehr groß­zü­gig, son­dern auch sehr wort­reich. Auf den Sei­ten des Aus­wär­ti­gen Amtes heißt es:

„Die Bun­des­re­gie­rung unter­stützt aktiv das Ziel eines unab­hän­gi­gen, demo­kra­ti­schen, zusam­men­hän­gen­den, sou­ve­rä­nen Staats Paläs­ti­na, der Sei­te an Sei­te in Frie­den, Sicher­heit und gegen­sei­ti­ger Aner­ken­nung mit allen sei­nen Nach­barn ein­schließ­lich Isra­el lebt.“

Wenn sich seit mei­nem letz­ten Blick auf die Land­kar­te die Kon­ti­nen­tal­plat­ten­tek­to­nik nicht in unge­ahnt krea­ti­ver und schnel­ler Wei­se an der Lösung des Nah­ost­kon­flikts betei­ligt hat, wäre der Begriff „zusam­men­hän­gend“ für einen Staat, der aus West­bank und dem Gaza-Strei­fen besteht nur zutref­fend, wenn Isra­el KEIN zusam­men­hän­gen­der Staat mehr wäre – oder wie die Hamas das aus­drü­cken wür­de über­haupt KEIN Staat. Die Bun­des­re­gie­rung betont trä­nen­reich bei jeder sich bie­ten­den Gedenk­fei­er zur Befrei­ung eines KZ die beson­de­re Freund­schaft zu Isra­el, ver­wen­det aber auf offi­zi­el­len Web­sei­ten For­mu­lie­run­gen der Fein­de Isra­els, bie­dert sich ihnen an und finan­ziert sie direkt. Die­se schein­hei­li­ge Rhe­to­rik soll­te man drin­gend über­den­ken. Eben­so wie das fort­wäh­ren­de, unsin­ni­ge und die Eigen­in­itia­ti­ve der Paläs­ti­nen­ser läh­men­de Geld­ver­sen­ken in Palästina.

 

* Ich habe 2014 als Daten­ba­sis gewählt, weil ich für die­ses Jahr die voll­stän­digs­ten Zah­len fin­den konn­te. Aller­dings zei­gen die Zah­len ins­ge­samt auch für die fol­gen­den Jah­re immer nur in eine Rich­tung: Nach oben.

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