Klimakatastrophe bei Servus-TVEs gibt Artikel, die schrei­ben sich fast von allein. Dieser hier ist anders. Das liegt zum einen daran, dass ich mir zum Thema Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Kli­ma­hys­te­rie bereits die Finger wund geschrie­ben habe. Zum zweiten muss ich mir dafür gleich jene TV-Sendung nochmal geben, bei deren Erst­be­trach­tung ich vor­ges­tern buch­stäb­lich phy­si­sche Reak­tio­nen hatte. Blut­druck und Puls gingen hoch, das Gesicht immer wieder runter in die Hände. Auch dass mir als Athe­is­ten wie­der­holt die Worte „Nein, oh Gott, nein!“ ent­schlüp­fen, ist nicht normal. 66 Minuten Sendung mit par­al­le­ler Analyse stehen mir jetzt bevor. Aber da muss ich nun durch. Ich starte also die Media­thek des öster­rei­chi­schen Servus-TV und schaue mir die Sendung „Talk im Hangar 7“ vom 13.6.2019 ein zweites Mal an.

Thema: Klimawandel

Ach, was rede ich: die Kli­ma­ka­ta­stro­phe! Andere Themen gibt es ja nicht mehr. Während im kalten Krieg unter jedem Stein der Russe lauerte, ist heute jede meteo­ro­lo­gi­sche Regung der Natur Beweis der Apo­ka­lypse. Vier Gäste sind anwe­send, von denen ich zwei sehr schätze. Da ist zum einen Thomas Eppin­ger, der mich 2014 ermu­tigte, mit dem Bloggen anzu­fan­gen, sowie Dr. Dr. Rainer Zitel­mann, dessen Buch „Der Kapi­ta­lis­mus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ die beste Lau­da­tio auf ein frei­heit­li­ches Wirt­schafts­sys­tem ist, das ich seit Hayeks „Der Weg zur Knecht­schaft“ gelesen habe. Eppin­ger und Zitel­mann sind natür­lich die Skep­ti­ker, also jene, die den Kata­stro­phen­hel­fern bei der Kli­ma­ret­tung immer im Wege stehen und über­flüs­sige Fragen nach dem Sinn und Zweck der reli­giö­sen Übung stellen, Steu­er­zah­l­er­geld von einem Haufen auf den anderen zu schau­feln. Für die Seite der Klima-Aven­gers sind Stefan Kai­ne­der (stellv. Bun­des­spre­cher der Grünen in Öster­reich) und Klima-Akti­vis­tin Laura Gross­mann von der erz­kom­mu­nis­ti­schen Initia­tive „System Change, not Climate Change“ anwe­send. Nun aber los, Grün­kohl wird ja auch nicht lecke­rer, wenn er kalt ist.

Marktwirtschaft kalt abserviert

Wir müssen mehr gegen den Kli­ma­wan­del tun, davon sind mitt­ler­weile alle über­zeugt“ startet Mode­ra­tor Fleisch­ha­cker in die Sendung. Das, liebe Leser, wird mitt­ler­weile als Konsens vor­aus­ge­setzt, auch wenn es nicht stimmt. Es gibt nämlich trotz solcher immer wie­der­keh­ren­den Anker­sätze durch­aus Exper­ten, die der Meinung sind, man solle das viele Geld doch lieber in die Anpas­sung an die sich (mit oder ohne mensch­li­ches Zutun) voll­zie­hen­den Kli­ma­än­de­run­gen inves­tie­ren, oder, falls man sich allein auf das CO2 kapri­zie­ren möchte, dieses tech­no­lo­gisch abschei­den. Letz­te­res wäre auch kein „her­um­dok­tern an den Sym­pto­men, statt die Ursa­chen zu bekämp­fen“, wie Frau Gross­mann behaup­tet. Es macht ja auch keinen Sinn, die Ver­dau­ung ein­zu­stel­len, um deren End­pro­dukte zu „ver­mei­den“. Die Frage hier wäre doch eher, ob Stuhl­gang wirk­lich ein Problem dar­stellt, oder als Teil des Stoff­kreis­laufs „Teil der Lösung” ist. Doch aus dieser Phase des Dis­kur­ses sind wir heraus, ande­ren­falls wird man nicht mehr in solche Sen­dun­gen ein­ge­la­den.

Um als Skep­ti­ker noch zu Wort zu kommen, muss man das Dogma schlu­cken und repe­tie­ren. Bei leisen Zwei­feln wird sofort der Satz „97% der Wis­sen­schaft­ler sind davon über­zeugt…“ nach­ge­scho­ben und wer mit der Mehr­heit ist, so belegt es schließ­lich die Geschichte, liegt immer richtig. Fragen sie Galileo Galilei, 100%-Schulz, 100%-Kim oder 98,9%-Honecker.

Ich will an der Stelle nicht schon wieder über die Qua­li­tät jener Cook-Studie refe­rie­ren, der diese omi­nö­sen 97% ent­sprun­gen sind. Aber stellen Sie sich vor, eine Studie hätte gefragt, ob der Boden­see, wenn man ein Stück Wür­fel­zu­cker darin auf­löste, Süß­was­ser ent­halte. 3% der Befrag­ten hätten gesagt „So ein Blöd­sinn“, während die rest­li­chen 97% ent­we­der der Meinung wären, der Boden­see ent­halte doch auch so schon Süß­was­ser oder der Behaup­tung rein rech­ne­risch zustim­men, selbst wenn sie ein Stück Wür­fel­zu­cker ange­sichts der Menge Wasser für irrele­vant halten. Von dieser Art „97%“ spre­chen die Apo­lo­ge­ten der Kli­ma­ka­ta­stro­phe und sie haben formal Recht. Genau wie die 3% Recht haben, die die Aussage pau­schal ableh­nen: die Frage ist nämlich in der Tat Blöd­sinn. Doch ich schweife ab, zurück zum Thema.

Man muss natür­lich die poli­ti­schen „Groß­ideen“ sehen, die in der Runde ver­tre­ten sind. Laura „Wir müssen den Kapi­ta­lis­mus über­win­den“ Gross­mann möchte den End­kampf des Sozia­lis­mus mit der Markt­wirt­schaft ein­läu­ten und argu­men­tiert mit Worten, die so wenig glatt sind wie eine bren­nende Stra­ßen­bar­ri­kade oder ein Pflas­ter­stein. Kai­ne­der hin­ge­gen arbei­tet mit gefüh­li­gen, kon­sens­fä­hi­gen Flos­keln wie „am Ende der Ver­kehrs­wende werden die Kinder in Wien die­selbe saubere Luft atmen wie die Kinder im Wald­vier­tel“. Saubere Luft, gesun­des Essen und eine schad­stoff­be­freite Welt – wer will das nicht! „Alle, die nicht wie wir Grünen sind“, würde Kai­ne­der wohl ant­wor­ten. Und Grüne stapeln gern tief, was ihren Ein­fluss durch das all­ge­gen­wär­tige Nudging angeht, während man dem poli­ti­schen Gegner nur das Schlech­teste unter­stellt.

Kai­ne­der: „Der VW-Konzern hat erklärt, ab 2023 ist die Gesamt­flotte elek­tri­fi­ziert.“ Was er nicht erwähnt, ist, dass die ver­grünte Politik die Auto­kon­zerne seit Jahren vor sich her und zu Aus­sa­gen dieser Art gera­dezu treibt. Gleich­zei­tig erwar­tet die Indus­trie staat­li­che Sub­ven­tio­nen und För­de­run­gen für die Umset­zung dieser Pläne von der Politik und diese stellt die Signale auf grün. Ist ein Konzern erst mal poli­tisch ein­gen­or­det und pro­du­ziert er ad-hoc-Mel­dun­gen der gewünsch­ten Färbung, tut man bei den Grünen so, als wäre die Indus­trie von ganz allein und durch Ein­sicht darauf gekom­men („Wenn sogar schon VW der Meinung ist…“), als wirke hier grünes Vorbild und fordere der Markt dieses Ver­hal­ten. Dabei ist es genau umge­kehrt! Außer­dem bedeu­tet „Gesamt­flotte elek­tri­fi­ziert“ im besten Fall, dass VW in jedem Markt­seg­ment Elek­tro­au­tos anbie­tet, nicht, dass man keine Ver­bren­ner mehr baut. VW erklärte nämlich auch, ab 2026 keine Ver­bren­nungs­mo­to­ren mehr zu ent­wi­ckeln. Deshalb wird man wohl kaum bereits drei Jahre vorher keine mehr bauen.

Dass sich die Rea­li­tät in den Hirnen der Linken Kol­lek­ti­vis­ten kaum spie­gelt, zeigt Gross­mann mit fol­gen­dem Satz: „In China leben große Teile der Bevöl­ke­rung noch in krasser Armut“. An diesem Satz ist alles zugleich richtig und falsch. Ja, es gibt Armut in China. Immer noch. Aller­dings schwin­det diese unter den Bedin­gun­gen der freien Wirt­schaft so rasant, wie es das in der ganzen Mensch­heits­ge­schichte noch nicht gegeben hat. Außer­dem sollte man nie ver­ges­sen, dass es nicht der Kapi­ta­lis­mus war, der die Armut in China erst hat ent­ste­hen lassen, sondern eben genau die geschei­ter­ten Expe­ri­mente des Sozia­lis­mus – und zwar alle­samt!

Grossmann und die Systemfrage

Für Gross­mann ist Kli­ma­wan­del ohnehin nur das per­fekte Vehikel, einer­seits die Kom­pe­tenz und Exis­tenz­be­rech­ti­gung der Natio­nal­staa­ten in Frage zu stellen (Stich­wort wohl­mei­nende kol­lek­ti­vis­ti­sche Welt­re­gie­rung von Exper­ten) und dabei gleich­zei­tig die „Sys­tem­frage“ zu stellen. Sie spricht von „Demo­kra­ti­sie­rung der Gesell­schaft“ und behaup­tet, ein „gemein­sa­mes Erar­bei­ten und Aus­pro­bie­ren ist nicht möglich im jet­zi­gen System“ – wobei ich mich schon frage, was genau Gross­man daran hindert, gemein­sam mit wem auch immer was auch immer aus­zu­pro­bie­ren. Es sei denn, sie meint, für ihre Expe­ri­mente von der Gesell­schaft ali­men­tiert werden zu wollen, anstatt das Risiko selbst zu tragen. Zuge­ge­ben, so Gross­mann, es seien in den letzten 100 Jahren alle Expe­ri­mente mit alter­na­ti­ven Gesell­schafts­sys­te­men geschei­tert. Aber was heiße das schon! Vor 100 Jahren hätten Frauen auch noch nicht wählen dürfen – ein Ver­gleich, würdig eines sehr alter­na­ti­ven Nobel­prei­ses! Vor 100 Jahren (in manchen Ländern liegt es noch nicht mal so weit zurück) kor­ri­gierte die Mensch­heit einen Fehler und führte das Frau­en­wahl­recht ein (und hat es nie wieder abge­schafft, trotz des spo­ra­di­schen Auf­tau­chens von Kory­phäen wie Gross­mann), während man den Fehler „System-Expe­ri­ment“ seit 100 Jahren immer und immer wieder begeht.

Als Gross­mann erklärte, man müsse die Sub­ven­tio­nen der Indus­trie zurück­fah­ren, war ich sogar kurze Zeit einer Meinung mit ihr, aber schon im nächs­ten Halb­satz for­derte sie, diese Gelder statt­des­sen für andere Sub­ven­tio­nen zu ver­wen­den. Damit macht sie den­sel­ben auf Wis­sens­an­ma­ßung beru­hen­den Fehler wie alle Poli­ti­ker vor ihr, die es für eine gute Idee hielten, Sub­ven­tio­nen dau­er­haft nach hier und dort zu ver­tei­len. Es ist, als riefe Gross­mann voller Inbrunst „Esst keine Leber­wurst, die enthält zu viel Fett! Esst lieber Speck!“.

Von Abfällen und Irrwegen

Als es um tech­ni­sche Wege und Irrwege geht, spricht Kai­ne­der vom Atom­müll-Problem, das „uns fünf­ein­halb­tau­send Jahre beschäf­ti­gen wird“ – offen­bar ein aus­ge­wie­se­ner Experte auf diesem Gebiet – und schiebt nach: „Die Atom­ener­gie ist keine Nach­hal­tige, weil sie Abfälle pro­du­ziert“. Das tut die Solar­ener­gie aber auch, giftige zwar nur, keine strah­len­den, aber auch mit diesen Hin­ter­las­sen­schaf­ten, die nach der kaum 25-jäh­ri­gen Lebens­spanne der Solar-Paneele anfal­len, weiß man (noch) nichts anzu­fan­gen.

Dabei ist Kai­ne­der nichts anderes als ein Möch­te­gern-Volks­er­zie­her, der vorgibt, die freie Wahl nicht ein­schrän­ken zu wollen, obwohl er mit seiner Politik genau das tun würde. Doch die freie Wahl ist eine Illu­sion, wenn sie auf finan­zi­el­lem Zwang beruht, bes­ten­falls kann man diese Art der Politik als Nudging bezeich­nen. Der „feine Unter­schied“, den Kai­ne­der zwi­schen Zwang und seiner poli­ti­schen Kampf­li­nie sehen will, ist aber der zwi­schen Geschmack und Nach­ge­schmack. Schmeckt etwas schlecht, spuckt man es aus. Bei üblem Nach­ge­schmack ist die Ent­schei­dung zum Schlu­cken bereits gefal­len (siehe deut­sche Ener­gie­wende), was die Ver­dau­ung zur „gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Aufgabe“ macht.

Der Lobby-Kampf gegen den Diesel in Deutsch­land ist ein gutes Bei­spiel für grüne Politik und „Nach­ge­schmack“. Natür­lich steht es nach wie vor jedem frei, einen Diesel zu kaufen, man muss nur damit leben können, dass der Wert­ver­lust durch poli­ti­sche Wei­chen­stel­lun­gen ans Galop­pie­ren kommt und man keinen Ein­fluss mehr auf die Gangart hat. Natür­lich kann man seinen Diesel noch fahren – man kommt nur hier und dort nicht mehr hin. Natür­lich hat man dann immer noch ein Auto – man kann es nur nicht mehr als solches nutzen. Das Problem ist also der feh­lende Bestands- und Eigen­tums­schutz, die Rück­wir­kung und Rück­da­tie­rung von Geset­zen und Regeln, die sogar Kauf­ent­schei­dun­gen rück­wir­kend zu Fehlern erklä­ren, als diese poli­tisch noch von den­sel­ben Poli­ti­kern geför­dert und gou­tiert wurden.

Was kann der 15 Jahre alte Euro-4-Diesel dafür, dass VW bei der Ein­füh­rung von Euro 5 und 6 beschlos­sen hatte, zu betrü­gen? Im Licht der heu­ti­gen Debatte – auch wenn ich das anders sehe – war die Die­sel­för­de­rung ein Fehler der Politik, an den sie sich heute nicht mehr erin­nern will. Die Ver­ant­wor­tung dafür schiebt man der Indus­trie zu, obwohl die nur der Erfül­lungs­ge­hilfe der dama­li­gen CO2-Ziele der Poli­ti­ker war.

Richtig absurd wird es, wenn die Dis­kus­sion sich um die Ori­gi­na­li­tät oder „Neuheit“ von Tech­no­lo­gien dreht. Kai­ne­der: „Es ist eine Frage, ob man die Kern­ener­gie als fort­schritt­li­che Tech­no­lo­gie bezeich­nen kann. Die ist nämlich auch nicht ganz neu.“ – das stimmt natür­lich, die Kern­ener­gie ent­stand in den 40er bis 70er Jahren des 20. Jahr­hun­derts. Die Eisen­bahn ist übri­gens noch mal 100 Jahre älter und das Elektro-Auto ist ein Kind der 1900er Jahre. Nun kann man eine blei­abat­te­rie­be­stückte Elektro-Droschke von 1910 nicht mit einem Tesla ver­glei­chen. Das sollte man aber mit dem Reaktor von Tscher­no­byl und einem Thorium-Flüs­sigs­alz-Reaktor fai­rer­weise auch nicht tun.

Kapitalismus, Verzicht, Innovation

Zitel­mann weist auf sein Smart­phone und erklärt, dass es der Kapi­ta­lis­mus war, der dieses Gerät her­vor­ge­bracht hat, mit dem man eine ganze Reihe anderer Geräte ein­spa­ren kann. Gross­mann, ange­füllt mit den abstru­ses­ten Ver­schwö­rungs­theo­rien, mutmaßt gleich mal „ein­ge­baute Mecha­nis­men, die das Smart­phone nach ein oder zwei Jahren zer­stö­ren, damit man ein neues kaufen muss“.

Ob Gross­mann selbst wohl ein Smart­phone benutzt? Einen solchen „Mecha­nis­mus“ gibt es aber in der Tat. Es handelt sich aber nicht um eine Ver­schwö­rung der Kapi­ta­lis­ten gegen ihre Kunden, der Mecha­nis­mus hört viel­mehr auf den Namen „tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt“ und sorgt dafür, dass nach zwei Jahren bessere, leich­tere, schnel­lere Geräte auf dem Markt sind, welche die Kon­su­men­ten unbe­dingt haben wollen.

Geis­tes­gra­na­ten wie Gross­mann begrün­den ihren Gerä­te­wech­sel dann gern mit fik­ti­ven Selbst­zer­stö­rungs­me­cha­nis­men, um die eigene Gier zu exter­na­li­sie­ren. Das Smart­phone hätte aber ohnehin nichts mit Kapi­ta­lis­mus zu tun, sondern allen­falls mit Inno­va­tion, meint Gross­mann (sie besitzt wohl wirk­lich eines, sicher her­ge­stellt in Mada­gas­kar, wo sie einige Zeit lebte). Doch auch da liegt sie kon­se­quent falsch. Inno­va­tion und Markt­wirt­schaft bedin­gen ein­an­der. Markt­wirt­schaft belohnt inno­va­ti­ves Ver­hal­ten durch Erfolg, während Plan­wirt­schaft Inno­va­tio­nen als „Abwei­chung vom Plan“ bestraft. Sieht man mal von mili­tä­ri­schem Gerät ab, ist aus sozia­lis­ti­schen Sys­te­men nicht eine einzige Erfin­dung auf die Mensch­heit gekom­men, die unser Leben besser, leich­ter oder ange­neh­mer gemacht hätte. Eigent­lich logisch, schaut man sich die Ziele und Metho­den kol­lek­ti­vis­ti­scher Gesell­schaf­ten an.

Fazit

Bereits Zitel­manns Aussage vom Beginn der Sendung, dass die glei­chen Leute, die uns jah­re­lang erzäh­len, Angst sei kein guter Rat­ge­ber, uns jetzt sagen, dass wir in Panik geraten sollen, hätte die Sendung leiten können. Eppin­gers lobens­wer­ter Versuch, die Betrach­tung der CO2-Pro­ble­ma­tik unter einem inter­na­tio­na­len und technologisch/marktwirtschaftlichen Gesichts­punkt zu betrach­ten: ver­geb­li­che Mühe! Der Kapi­ta­lis­mus soll, nein, er darf das Problem nicht lösen – er soll ver­schwin­den! Statt Lösun­gen von der linken Seite des Podiums nur Aus­flüchte und Begrün­dun­gen, warum Panik manch­mal gut ist. Nämlich genau dann, wenn sie „den rich­ti­gen” Leuten poli­tisch in die Karten spielt.

Wie im Apollon-Orakel von Delphi, wo die Pries­ter das deli­ri­sche Gelalle der Pythia im eigenen Sinne deu­te­ten, inter­pre­tie­ren auch die Kli­ma­tis­ten die Äuße­run­gen und Taten ihrer reli­giö­sen Anfüh­re­rin Greta Thun­berg. Leider sind die Jour­na­lis­ten hier feder­füh­rend und über­tref­fen die Akti­vis­ten noch um Längen. Sorry, Herr Fleisch­ha­cker, aber so gut Sie Ihre Sendung auch mode­rie­ren, das blickt auch bei Ihnen immer durch.

Eppin­ger und Zitel­mann standen in der Dis­kus­sion – trotz stich­hal­ti­ger Argu­mente – auf ver­lo­re­nem Posten. Utopien lassen sich leider in viel wei­chere Worte fassen als die imper­fekte Rea­li­tät einer gegän­gel­ten und schon in weiten Teilen umge­krem­pel­ten Markt­wirt­schaft. Lennons Song über den Welt­frie­den hätte weit weniger Erfolg gezei­tigt, wenn der „The facts are…“ statt „Imagine…“ gehei­ßen hätte. Der Kapi­ta­lis­mus funk­tio­niert, sogar für seine Intim­feinde wie Kai­ne­der und Gross­mann, welche er mit den finan­zi­el­len Mitteln aus­stat­tet, um ihn abschaf­fen und bekämp­fen zu wollen.

Das irre ist ja, dass man die Regeln des Marktes weder kennen noch begrei­fen muss, um von ihnen zu pro­fi­tie­ren. Es gibt Bir­ken­stock und Second-Hand-Läden für das Wohl­be­fin­den von Frau Gross­mann und Porsche für das von Herrn Zitel­mann. Letz­te­rer muss keine Ras­ta­lo­cken tragen und erstere keinen Porsche fahren und beide können erleich­tert auf­at­men. Wer glaubt, dass das all­ge­mein (frei­wil­lig) ver­pflich­tende Tragen eines Mao-Anzugs und alter­na­tiv­lo­ses Fahr­rad­fah­ren das all­ge­meine Wohl­be­fin­den und die Inno­va­ti­ons­freude fördert, hat keine Ahnung von der psy­cho­lo­gi­schen Ver­fasst­heit des Men­schen.

Die schlechte Nachricht: Klimakatastrophe gewinnt!

Was uns ins Haus steht, ist eine öko­lo­gis­tisch-kol­lek­ti­vis­ti­sche Gesell­schaft, in der eine Frei­heit nach der anderen durch ver­meint­li­che Sach­zwänge abge­löst und aner­zo­gene „Frei­wil­lig­kei­ten“ und kon­for­mis­ti­sches Ver­hal­ten erzwun­gen werden. Der Wider­stand dagegen ist nur schwach, schlecht orga­ni­siert und viel zu indi­vi­dua­lis­tisch, um diesen Kampf noch gewin­nen zu können. Das nächste kol­lek­ti­vis­ti­sche Expe­ri­ment steht also ins Haus, viel­leicht in zehn, viel­leicht in zwanzig Jahren.

Schwer zu sagen, aber je weniger Men­schen noch leben, die das letzte sozia­lis­ti­sche Expe­ri­ment noch live mit­er­lebt haben, umso wahr­schein­li­cher der Start des nächs­ten. Dabei wird es keinen „Start“ im eigent­li­chen Sinne geben, denn Frei­heit und Markt­wirt­schaft werden Stück für Stück abge­schafft, während der Kol­lek­ti­vist immer hämi­scher und unver­schäm­ter auf den immer kläg­li­cher wer­den­den Rest seines Oppo­nen­ten schauen wird und ihm sein Schei­tern letzt­lich selbst zuschreibt. Wir können einfach die Finger nicht davon lassen, her mit der nächs­ten Utopie!

Hunger ist das neue Satt, Zuhause bleiben das neue Fliegen und Ver­zicht der neue Genuss – um mal andere Begriffe als George Orwell zu benut­zen. Dafür ist übri­gens egal, wie sich das Klima tat­säch­lich ent­wi­ckelt, dafür baut man argu­men­ta­tiv längst vor. Haben Sie das nicht bemerkt? Die Aus­sa­gen werden zugleich alar­mis­ti­scher und vager. Lies sich ein Mojib Latif noch zu der kon­kre­ten Aussage hin­rei­ßen, ab wann genau es in Deutsch­land keinen Schnee mehr geben werde – womit er sowohl eine über­prüf­bare Aussage machte, als auch die Rich­tung (Erwär­mung) fest­legte – bleibt man heute lieber im Unge­fäh­ren. Niemand redet mehr von „Erd-„ oder „Kli­ma­er­wär­mung“, sondern nur noch von einer rich­tungs­lo­sen „Kli­ma­ka­ta­stro­phe“. Als Fleisch­ha­cker im Anschluss-State­ment sagt, „Ich glaub‘ es wird wei­ter­hin wärmer werden“, fügt Gross­mann aus dem Off hinzu „oder kälter“.

Es kann halt kommen wie es will, Kata­stro­phe (und Not­stands­ge­setz) ist immer. Aber Rettung auch, wie Kai­ne­der glaubt, als er zur Begrün­dung für die Mach­bar­keit von 100% erneu­er­ba­ren Ener­gien auf sein eigenes Dach ver­weist, ver­mut­lich wegen der Solar­mo­dule, die darauf liegen. Dieser nume­ri­sche Traum­tän­zer ver­gleicht ver­mut­lich am Ende eines Jahres die beiden Zahlen auf seiner Ener­gie­rech­nung und weil die Zahl für „ein­ge­speist“ größer oder annä­hernd so groß ist wie die für „ver­braucht“, hält er sich für ener­ge­tisch unab­hän­gig. Damit ist zumin­dest erwie­sen, dass die Grünen auch in Öster­reich glauben, die Energie, die sie nachts brau­chen, würde tags­über „im Netz“ gespei­chert. Doch wer bei der Jagd einmal vor und einmal hinter die Ente schießt, kann sich nur sta­tis­tisch auf einen Braten freuen. Das ist zum Glück in Öster­reich nicht anders als in Deutsch­land.

Nur beim Termin des Welt­un­ter­gangs war man so leicht­sin­nig, die Worte der Pro­phe­tin Greta zu oft zu wie­der­ho­len, als dass wir sie ver­ges­sen könnten. Elf Jahre haben wir noch. Damit ich aber den Zeit­punkt des Welt­un­ter­gangs nicht ver­passe, den der Weise Stefan Kai­ne­der in elf Jahren ver­or­tet, habe ich auf der Start­seite dieses Blogs vor­sorg­lich einen Timer ein­ge­rich­tet. Nicht, dass ich ver­gesse, recht­zei­tig für Bionade und natur­be­las­se­nes Popcorn zu sorgen. Die Party startet eine Woche, einen Tag, eine Stunde und eine Minute nach Welt­un­ter­gang. (Um Vor­anmel­dung wird gebeten)

25 Kommentare

  1. Es ist unfass­bar, dass nach allen Sozia­lis­mus Ver­su­chen und die daraus fol­gen­den Mil­lio­nen von Toten, Armut und Unter­drü­ckung, immer wieder Men­schen genau diesen Sozia­lis­mus als heil­brin­gend emp­fin­den. Jede sozia­lis­ti­sche Vari­ante endete in eine Dik­ta­tur. Auch die “Klima Vari­ante“ wird als solche enden.

  2. Blüten der Öko­hys­te­rie (die natür­lich weiter ange­heizt wird, damit Habeck Kanzler werden kann): Neue Schul­den oder neue Steuern? Wahr­schein­lich beides – und ein groß­flä­chi­ger Strom­aus­fall als Zugabe:
    https://​jus​t​paste​.it/​5​i​hbi
    Leider stehen D und A nicht allein: Fast die halbe Welt folgt inzwi­schen den Zeugen Gretas, allen voran die „Leit- und Qua­li­täts­me­dien”. Gegen die links­grüne Gehirn­wä­sche ist bisher kein Kraut gewach­sen.

  3. @Peter Wieland: Nach­ge­rech­net: stimmt.
    Wei­ter­ge­rech­net atmet die Mensch­heit pro Minute 29500 t CO2 aus (gerech­net mit Mol­vo­lu­men von 22,4 l) , das macht pro Tag rund 42,5 Mil­lio­nen t CO2-Erzeu­gung allein durch atmen. Unglaub­lich eigent­lich. (oder habe ich mich ver­rech­net?)

    • Vieles spricht gegen die Kli­ma­hys­te­rie – aber dies Gegen­ar­gu­ment mit dem Aus­at­men ist kon­tra­pro­duk­tiv: Das CO2, welches wir aus­at­men, kommt ja nicht neu in den Kreis­lauf dazu, sondern war bereits vorher Teil der Gesamt­bi­lanz. Bitte aus­mus­tern.

      • Natür­lich, das ist stark pole­mi­sie­rend. Aber was, wenn der Kreis­lauf eine höhere Gesamt­bi­lanz bekommt? Mehr Men­schen, aber auch durch CO2-Düngung mehr Pflan­zen. Streng genom­men ist übri­gens auch der Koh­len­stoff in jedem Koh­le­flöz Teil des Kreis­lau­fes und des Gesamt­sys­tems. Da Grenzen zu ziehen ist schwer und nur sehr will­kür­lich möglich.

        • Mehr Men­schen, mehr CO2-Düngung von Pflan­zen — das ist auch in einem geschlos­se­nen System. Was die einen aus­schei­den, ist „Nahrung“ für die anderen. Deshalb addiert das kein CO2, und seien es noch so viele Men­schen und Gewächs­häu­ser. Wo man in einem dyna­mi­schen System die Grenze zieht? Viel­leicht ja bei dem CO2, das sein Jahr­mil­lio­nen fossil im Boden steckt. Viel­leicht auch in die Zeit, bevor die indi­sche Erd­platte mit Eura­sien zusam­men­ge­sto­ßen ist und das dadurch ent­ste­hende Hima­laya der Über-1000-ppm-CO2-Atmo­sphäre massiv Koh­len­di­oxid entzog, um Kalk zu bilden, so dass wir jetzt erd­ge­schicht­lich in einer CO2-armen Zeit leben.

          Auf die Frage, was die „rich­tige“ Menge an CO2 im System ist, will ich nicht hinaus. Sondern nur darauf, dass leicht zu wider­le­gende Argu­mente für die Causa kon­tra­pro­duk­tiv sind.

    • Das machen wir. Ich über­lege schon, einen schönen Bier­gar­ten in Berlin in der Nähe des Kanz­ler­amts oder der öster­rei­chi­schen Bot­schaft dafür zu blocken.

  4. Ein wirk­lich exzel­len­ter Artikel.
    Mehr muss man dazu nicht sagen.
    Vielen Dank!

  5. Der Video-Beitrag „Kli­ma­ka­ta­stro­phe in Öster­reich” ist für mich deshalb so hoch­in­ter­es­sant, weil in Öster­reich in den TV-Medien offen­bar die Chan­cen­gleich­heit der Betei­lig­ten an der Dis­kus­sion möglich ist.. In den deut­schen TV-Sendern von ARD und ZDF ist es bislang undenk­bar, dass ein poli­tisch kon­tro­ver­ses Thema durch zwei zah­len­mä­ßig gleich­starke Gruppen aus­ge­tra­gen wird. Selbst der/die Moderator(in) hat in D‑Land eine vor­ge­fasste Meinung (Plas­berg, Illner, Maischberger,Kähler,Schönenborn etc etc) die der nicht-rot­grü­nen Gruppe die Mög­lich­keit der Ent­fal­tung ihrer Argu­mente ver­hin­dert. In den Video aber hatte Mode­ra­tor Fleisch­ha­cker die beiden Kon­tra­hen­ten aus Kaineder/Großmann und Eppinger/Zitelmann selten unter­bro­chen und deren Stand­punkte dar­stel­len lassen. Der Video-Betrach­ter wurde durch die fairen Dis­kus­si­ons­be­din­gun­gen sehr gut infor­miert. Eine erfreu­li­che Erkennt­nis mit Ver­gleich zu den trau­ri­gen Ver­hält­nis­sen im deut­schen Fern­se­hen.

    • Fleisch­ha­cker mit „Hangar 7” ist derzeit zuge­ge­be­ner­ma­ßen das Beste, was deutsch­spra­chige Talk­for­mate zu bieten haben.

  6. Lieber Roger,

    Ich fühle mich so, als hätte Dich mein Anar­chis­ten-Outing beein­flusst. Auf Deine zag­hafte Erwäh­nung des Klima-Manage­ments und der grünen Welt­re­gie­rung hab ich Dich doch gebracht!

    Vor 100 Jahren (in manchen Ländern liegt es noch nicht mal so weit zurück) kor­ri­gierte die Mensch­heit einen Fehler und führte das Frau­en­wahl­recht ein (und hat es nie wieder abge­schafft, trotz des spo­ra­di­schen Auf­tau­chens von Kory­phäen wie Gross­mann), während man den Fehler „System-Expe­ri­ment“ seit 100 Jahren immer und immer wieder begeht.”

    Hm! Was für ein komi­scher Zufall es doch ist, dass die Sys­tem­ex­pe­ri­mente zufäl­lig genau dann anfin­gen, als man Frauen ein Mit­be­stim­mungs­recht gab. Sehe ich da etwa eine Kor­re­la­tion?

    Das tut die Solar­ener­gie aber auch, giftige zwar nur, keine strah­len­den”

    Giftig ist schlim­mer. Queck­sil­ber ist ewig giftig, radio­ak­ti­ves Jod oder Cäsium zer­fällt zu sta­bi­len Iso­to­pen, und ist danach harmlos.

    Inno­va­tion und Markt­wirt­schaft bedin­gen ein­an­der.”

    Dürfte ich an all die tech­ni­schen Inno­va­tio­nen erin­nern, die während des zweiten Welt­kriegs von den Nazis ent­wi­ckelt worden sind, oder an die Inno­va­tio­nen des Welt­raum­ren­nens, das nichts anderes als ein rie­si­ges For­schungs­pro­gramm für Inter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten war? Heute gibts dafür Mikro­wel­len, Reiß­ver­schlüsse, und Kugel­schrei­ber. Ich würde daher behaup­ten, Kon­kur­renz ist der aus­schlag­ge­bende Faktor.

    Him­mel­herr­gott, ich denke heute schon den ganzen Tag das Wort „Kli­ma­welt­krieg”, und über­lege mir, wie man eine Kriegs­wirt­schaft grün gestal­ten kann. Deine Anspie­lung auf den drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg hat mich inspi­riert.

  7. Es ist eigent­lich unfass­bar, wieviel Dumm­heit vor­han­den ist und gleich­zei­tig nach wächst. Eine Klima Ände­rung ver­hin­dern zu wollen ist so ähnlich, wie die Zeit stoppen zu wollen, indem man die Uhr anhält. Klima ist zudem kein realer Wert, sondern der rech­ne­ri­sche Mit­tel­wert von Sonne, Regen, Wind, Schnee und Frost, an einem Ort, während der ver­gan­ge­nen 30 Jahre. Und das wollen diese Kori­phäen ändern, nämlich die Ver­gan­gen­heit. TOLL! Dass die Grünen nicht die Hells­ten sind, wohl aber die Lau­tes­ten, ist bekannt. Traurig ist aber die Macht der Jour­naille, die diesen Traum­tän­zern nach­ei­fert und denen Raum für Ver­öf­fent­li­chung bietet. Damit bewegen sich diese auch im geis­ti­gen Nirwana.
    Wegen dem CO2 Wahn emp­fehle ich diesen Irren, einfach das Aus­at­men ein­zu­stel­len. Damit kann man doch die Kata­strofe ver­hin­dern. 7 Mil­li­ar­den Men­schen x ca. 2 Liter CO2, also 14 mil­li­ar­den Liter, pro Minute!! sollte doch deren Welt retten. Auch beachte man deren Stoff­wech­sel End­pro­dukte, solche unfass­ba­ren Mengen, die die grüne Mensch­heit vor sich her­schiebt. Ich ver­lange eine fäka­li­en­freie Umwelt und Zukunft, vor allem frei von den geis­ti­gen Abfäl­len der genann­ten Spezies.

    • Sehr gut, genauso sehe ich das auch. Habe unlängst gelesen, dass ca. 70 % der Jour­na­lis­ten ‚grün’ sind. Also liest und schaut die Mehr­zahl der Deut­schen über­wie­gend nur noch grüne Ansich­ten. Selbst Kinder (Frei­tags­hüp­fer) werden grün instru­men­ta­li­siert. Die grüne Öko-Dik­ta­tur wird wohl in abseh­ba­rer Zeit Rea­li­tät. Da hilft nur noch Aus­wan­dern. Protest ist bei den Deut­schen kaum zu erwar­ten, viel­leicht teilen sie diese abar­tige Kli­ma­hys­te­rie.

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