B. ist spät dran an diesem 20. Novem­ber im 26. Jahr der Kli­marev­o­lu­tion. Der zen­trale Weck­di­enst hat­te ihn erst geweckt, als der Wind wieder etwas stärk­er blies. Nachts war es fast wind­still gewe­sen und B.‘s Auf­gabe in Zeit­en größer­er Energieanstren­gun­gen war es, sich ruhig zu ver­hal­ten, keine elek­trischen Geräte zu benutzen und die Energie in wichtigere Bere­iche fließen zu lassen. Er kon­nte ja auch kaum anders, schließlich bes­timmte das Smart­meter, wann Strom floss. B. gehört zur soge­nan­nten “ener­getis­chen Kampfre­serve” (früher Abwur­flast genan­nt), was bedeutete, dass er, zur Untätigkeit verpflichtet, gele­gentlich mit Kälte, Hunger oder dem Ver­lan­gen kämpfen musste, sich ein­fach etwas Wass­er heiß zu machen und über ein paar Minze­blät­ter aus dem eige­nen kleinen Garten zu gießen. Es gab eben nicht immer Strom. Nicht mehr für alle.

Der küh­le, nebe­lige Novem­ber­mor­gen kroch B. die Beine hin­auf, während er auf den E–Bus an der Bun­desstraße wartete. Es war schon kurz vor neun und er war zügig gelaufen, um rechtzeit­ig am Sam­melpunkt zu sein. Die Busse fuhren schon lange nicht mehr in die kleinen Orte. E–Busse ent­fer­n­ten sich generell nicht weit von ihren Depots, weil sie zu Beginn der großen Kli­marev­o­lu­tion ständig liegen geblieben waren. Erlass Num­mer 232, das Reich­weit­en­verbesserungs­ge­setz, erfand den Tatbe­stand der „Kli­maschädi­gung durch Faul­heit“ und legte fest, dass es jedem Bürg­er zuzu­muten sei, bis zu fünf Kilo­me­ter zu den Sam­mel­stellen zu laufen. Außer­dem gab es Gesund­heit­spunk­te, wenn man das staatliche Trans­port­sys­tem nicht zu sehr belastete. Eine Win-Win-Win-Sit­u­a­tion, wie Gesund­heitsmin­is­terin Künast und ÖPNV-Min­is­ter Hofre­it­er unisono versicherten.

B.‘s Nach­bar G. stapfte gut gelaunt auf den Sam­melpunkt zu und bellte ihm ein über­trieben fröh­lich­es „Moin Nach­bar“ ent­ge­gen. G. arbeit­et im Min­is­teri­um für Kli­makampf und hält sich für unge­mein wichtig. Ver­mut­lich ist er dort zwar nicht mehr als ein klein­er Angestell­ter, der Genehmi­gun­gen zum Betrieb von Elek­trogeräten erteilte oder ent­zog. Doch oft deutete G. in Zaunge­sprächen an, wie kurz das Min­is­teri­um davor ste­he, die all­ge­gen­wär­ti­gen Energieanstren­gun­gen zu über­winden und wie bedeu­tend sein Beitrag dazu sei. B. mochte G. nicht, ließ sich jedoch nie etwas anmerken. Man kon­nte sich­er sein, dass G. ohne Zögern die Ver­mess­er rufen würde, also jene Polizei-Kom­man­dos des Kli­makampf-Min­is­teri­ums, die in alt­modis­chen Ben­z­in­au­tos angerast kamen und die Häuser der Denun­zierten auseinan­der­nah­men, immer auf der Suche nach Energie­ver­brechen und Kli­maver­rat. Es war bekan­nt, dass die Ver­mess­er immer etwas fan­den. Sie waren sehr gründlich und erfind­ungsre­ich. Die Kli­ma-Schaden­spunk­te, die die Ver­mess­er-Autos erzeugten, rech­net man stets dem Kon­to der Durch­sucht­en an, was oft allein schon die Hälfte oder mehr der fäl­li­gen Geld­strafe aus­machte. Wenn es denn bei ein­er Geld­strafe blieb.

Wirk­lich wichtig kon­nte G. jeden­falls nicht sein, denn er fuhr stets mit dem Bus zur Arbeit. Autos sah man nur noch sel­ten. Allerd­ings gehörte G. nicht zur Reserve, son­dern war Partei-Kad­er. Er fuhr jeden Tag zur sel­ben Zeit mit dem Bus, ihn weck­te kein Energiebe­darf­s­plan. Mor­gens bran­nte nicht nur das Notlicht der Stirn­lampe bei ihm und heute mor­gen, so glaubte B., hat­te er sog­ar den Duft von schwarzem Tee wahrgenom­men, der aus dem keine zehn Meter ent­fer­n­ten Küchen­fen­ster des Nach­barn zu ihm drang, als er am Fen­ster stand.

„Na, auch erst mal ein Täss­chen geschlürft, heute Mor­gen?“ fragte G., als er am Sam­melpunkt angekom­men war. B. erstar­rte. Der Tee! Er hat­te am Fen­ster ges­tanden, mit ein­er dampfend­en Tasse Minz­tee in der Hand. Er hätte eigentlich keinen kochen kön­nen, sein Smart­meter gab ihm noch keinen Strom. Auch war sein ganzes Haus noch dunkel gewe­sen. Den Tee hat­te er auf seinem kleinen Camp­ingkocher zubere­it­et, den er ver­steckt hat­te, als die Brigaden der grü­nen Garde vor Jahren began­nen, von Haus zu Haus zu ziehen, um Mofas, Rasen­mäher, Gas­grills und andere „Schädlinge“ zu kon­fiszieren. Eben­so wusste nie­mand von seinem kleinen Vor­rat an Ben­zin, den er sich zugelegt und gut ver­steckt hat­te, als Erlass 208, das Gute-Luft-Gesetz, den Han­del, den Besitz und die Benutzung aller flüs­si­gen, fes­ten und gas­för­mi­gen Kohlen­wasser­stoffe ver­boten hat­te. G. hat­te zweifel­los seine dampfende Tasse gese­hen, B.‘s Stirn­lampe und das dun­kle Haus bemerkt und dann zwei und zwei zusam­mengezählt. B.‘s Knie wur­den weich als er sich aus­malte, wie die Ver­mess­er kom­men wür­den, zusam­men mit den grü­nen Gar­den, die ihnen stets auf dem Fuße fol­gten und er als Kli­maver­brech­er angeklagt wür­den. Geschub­st, ver­prügelt, kahlgeschoren und an den Pranger gestellt würde er schließlich in einem der Umerziehungslager lan­den. Man hörte so einiges darüber und es waren keine schö­nen Geschicht­en. Wenn er doch nur nicht am Fen­ster ges­tanden hätte! Wie kon­nte er nur so unvor­sichtig sein!

Der Bus hielt am Sam­melpunkt und B. stieg wort­los ein. Aus dem Augen­winkel sah er, dass G. ihm nicht fol­gte, son­dern ihn nur boshaft angrin­ste, sein Mel­di aus der Tasche zog und damit demon­stra­tiv in B.‘s Rich­tung wink­te. B. set­zte sich auf einen freien Platz und über­legte fieber­haft. Der Bus würde 15 Minuten brauchen, um ihn bei “Schellnhu­ber-Solar 26” abzuset­zen, der in die Jahre gekomme­nen Solaran­lage, wo er seit zehn Jahren Tag für Tag mit Besen den Staub von den Panee­len fegte oder Vogelscheiße wegkratzte, die die Leis­tung der Tech­nik bee­in­flussten. Dabei lieferte die Anlage ohne­hin kaum noch Energie, schließlich war sie fast 25 Jahre alt und heute fehlten die Ressourcen und das Geld, um neue Paneele anzuschaf­fen. Wür­den sie ihn gle­ich im Kraftwerk ver­haften? Unwahrschein­lich. Die Ver­mess­er und die Grü­nen Gar­den wür­den einige Zeit brauchen, um den Kocher und das Ben­zin zu find­en. Man würde ein­fach auf ihn warten, in seinem Haus. Dem einzi­gen ohne Solarpa­neele im ganzen Dorf. Er kön­nte fliehen, dachte er kurz, und sein Herz hüpfte für einen Moment, als wolle es schon vorau­seilen. Doch die Euphorie schwand schnell. Wom­it und wohin? Seine Beförderungs­berech­ti­gung reichte nur vom Dorf bis zum Kraftwerk und zu Fuß käme er nicht weit.

Resig­niert sank B. auf dem Sitz des Busses zusam­men und ließ die let­zten Jahre Revue passieren. Alles war immer schlim­mer gewor­den, immer restrik­tiv­er. Das tägliche Leben und die Jagd nach Energie ban­den die meis­ten Ressourcen. Die staatlich ges­teuerte Dig­i­tal­isierung tak­tete das Leben aller Men­schen, sofern sie nicht zum Kreis der „Plan­er“ gehörten. Das Mel­di, ein auf Beschluss der EU-Kom­mis­sion einge­führtes innereu­ropäis­ches Smart­phone, regelte die Kom­mu­nika­tion. Es war eben­so verpflich­t­end wie das Smart­meter in jedem Haus und war mit ihm gekop­pelt. Jed­er Energie­ver­brauch musste über das Mel­di beantragt und autorisiert wer­den, jede Mei­n­ungsäußerung, EMail oder SMS ging durch die Hass-Fil­ter der Haupt­abteilung „AA“ des Innen­min­is­teri­ums, die aus der Amadeu-Anto­nio-Stiftung her­vorge­gan­gen war. Die Min­is­terin der Net­ze, Frau Baer­bock und die Min­is­terin der feinen Rede, Frau Roth, beze­ich­neten das Mel­di als “Über­fäl­lige Antwort Europas auf den weltweit­en Trump­is­mus-Putin­is­mus” und als Win-Win-Win-Gerät.

Die Anfänge

Alles begann im Sep­tem­ber 2021, als Robert Habeck Kan­zler ein­er Min­der­heit­sregierung wurde. Zwar erre­icht­en seine Grü­nen nur 32% der Stim­men, doch die andern Parteien waren nicht mehr in der Lage, auch nur einen ernst zu nehmenden Gegenkan­di­dat­en aufzustellen und ergaben sich ihrem Schick­sal, nur noch als Beschaf­fer der 2/3–Mehrheit für zahlre­iche Ver­fas­sungsän­derun­gen zu dienen. B. war damals 18 Jahre alt und kam ger­ade vom Camp­ing-Urlaub aus Hol­land zurück. Er hat­te den kleinen Camp­ingkocher, der ihm nun zum Ver­häng­nis wer­den würde, ger­ade in der Hand, als im ZDF Habecks erste „Rede an den Kli­mawan­del“ lief, in der er ankündigte, das alte Sys­tem zu beseit­i­gen und durch ein neues, besseres zu erset­zen. B. kon­nte diese Rede auswendig. Kein Wun­der, schließlich stand sie mit­tler­weile als Präam­bel in der neuen deutschen Ver­fas­sung, welche 2023 das zur Has­srede erk­lärte Grundge­setz abgelöst hatte:

„Genossen, Kli­maret­ter, Fre­unde der Men­schheit! Es ist Zeit, Schluss zu machen mit der Ver­gan­gen­heit und dieses Land, ja, die ganze Welt in eine neue Ära der Klim­agerechtigkeit, des Wohl­standes und der Gle­ich­berech­ti­gung zu führen. Auf diesem Weg muss uns das Ban­ner der Jugend voran wehen, denn nur die Jugend ist reinen Herzens und von rein­er Klima­bi­lanz. Die rev­o­lu­tionäre Jugend ist es, die CO2 sieht und durch Mut und Hal­tung, wie sie nur ein­er gerecht­en und wahrhafti­gen Idee entsprin­gen kann, die Feinde des Kli­mas ent­lar­ven und zur Rechen­schaft ziehen wer­den. Tapfere Jugend, das dekar­bon­isierte Zeital­ter ist nahe, doch es wird nicht anbrechen bevor nicht der let­zte Ver­bren­nungsmo­tor, das let­zte Stück Kohle und das let­zte Gas­feuerzeug ver­nichtet ist. Geh aufs Land, Grüne Jugend, trage die LED-Fack­el der Rev­o­lu­tion zu den ver­stock­ten Bauern, den Fleis­chessern und Beruf­spendlern. Ver­nichtet die „vier Alten“, die da sind: Die alten Denkweisen, die alten Kul­turen, die alten Gewohn­heit­en und die alten Sitten.“

Man hat­te die Parolen sehr vage und unklar gelassen, so dass die Grü­nen Gar­den, wenn sie trom­mel­nd und hüpfend durch die Orte zogen, immer etwas fan­den, was sie zertreten, kri­tisieren und verurteilen kon­nten. Etwa die alte Denkweise, indi­vidu­elle Mobil­ität für eine Errun­gen­schaft der Zivil­i­sa­tion und Frei­heit zu hal­ten, die alte Sitte, kli­maschädliche Katzen und Hunde zu haben, die alte Gewohn­heit, in Zeit­en der Energieanstren­gung (so wur­den ab 2022 die län­geren Black­outs genan­nt) den alten Ben­z­in­rasen­mäher oder das Not­stro­mag­gre­gat her­vorzu­holen, um der ego­is­tis­chen Energiev­er­schwen­dungssucht zu frö­nen oder die alte Kul­tur, CO2 emit­tierende Wachskerzen am Wei­h­nachts­baum anzuzün­den. Das alles und vieles mehr kostete bald so viele CO2-Straf­punk­te, dass es einem leicht die täglich halb­stündlichen Wärmezuteilun­gen für einen ganzen Win­ter kosten kon­nte – und die waren kalt in let­zter Zeit, was die Grü­nen Gar­den und ihr großer Vor­sitzen­der kurz­er­hand zum Ergeb­nis ihrer Kli­maret­tungs­be­mühun­gen erk­lärt hatten.

Ganz flink waren die kleinen Rev­o­lu­tionäre, die Straf­punk­te in ihre Smart­phones – die später durch Meld­is erset­zt wur­den – einzu­tip­pen. Die SMS mit dem Straf­be­fehl kam stets nur Sekun­den später. Sie waren Ankläger, Richter und Henker in Per­son­alu­nion und je größer die Grup­pen waren, in denen sie durch das Land zogen, umso heftiger waren die Exzesse. Mit Losun­gen wie „Wer Ver­bren­nungsmo­toren ver­steckt ist Energie­ver­brech­er“ und „Auch Jesus ging zu Fuß“ zogen sie durch die Dör­fer, hiel­ten Autos an oder fack­el­ten sie gle­ich ab, wenn sie ihnen „zu groß“ erschienen. Dann kamen die Bewe­gung­sein­schränkun­gen per Verord­nung, die Schließung der Tankstellen, dann das Gute-Sonne-Gesetz, das alle Haus­be­sitzer, die sich keine Solarzellen aufs Dach schrauben woll­ten oder aus Geld­man­gel nicht kon­nten, zu Verdächti­gen und Energi­eschmarotzern erklärte.

Die auftre­tenden Ver­sorgungsen­g­pässe auf dem Land, die wegen des sich ver­schlechtern­den Liefer­verkehrs immer wieder auf­trat­en, schaffte man mit dem Gute-Ver­sorgung-Gesetz zwar nicht ab, aber nun war jed­er Haus­be­sitzer mit mehr als 200 qm Garten per Dekret zum Selb­stver­sorg­er gewor­den und mit Garte­nar­beit beschäftigt, statt nut­zlose kri­tis­che Blogs zu schreiben und sich über den dekadent-blind­en Dünkel der Großs­tadt­be­wohn­er und ihrer grü­nen Eliten lustig zu machen, die glaubten, der Strom käme aus der Steck­dose und das Gemüse aus dem Bio­markt. Es gab Kon­trollen und wenn die Grü­nen Gar­den „schmarotzerischen Zier­rasen“ oder Bego­nien vor­fan­den, wo Kohlra­bi und Kartof­feln hät­ten wach­sen kön­nen, wurde der Rasen­fre­und „zur Rede gestellt“ oder musste gle­ich vor Ort sein „Gras fressen“. B. reißt sich aus seinen Gedanken, denn der Bus hält und die Tür öffnet sich mit einem dumpfen Geräusch.

Aufwachen

[klong]

..

[klong?]

Indymedia, Screenshot Was ist los? Autsch! Ich bin offen­sichtlich eingeschlafen, zur Seite gerutscht und mit dem Kopf unsan­ft auf die Tis­ch­plat­te gek­nallt. Meine Güte, was für Träume! Wie kommt man nur auf sowas! Kranke Phan­tasie? Habe ich Fieber? Da fällt mein Blick auf die Artikel, die ich ger­ade gele­sen hat­te. Die TAZ begrün­det aus­führlich, warum Ver­bote die eigentliche Frei­heit seien, auf Indy­media feiern Kli­maak­tivis­ten ihr Bar­be­cue mit vier „back­frischen Porsche-Cayenne“ im Namen des Kli­maschutzes, in Berlin sper­rten Gre­tas Kli­ma-Kids SUV’s mit Flat­ter­band ab und stell­ten deren Fahrer „zur Rede“, warum sie in der Stadt ein so schädlich­es Auto fahren wür­den. Außer­dem war ein Wikipedia-Artikel geöffnet, in dem die Parolen und die Vorge­hensweise während der Kul­tur­rev­o­lu­tion in Chi­na und die Hand­lun­gen der verblende­ten, miss­braucht­en Jugend beschrieben sind, die mor­dend und mar­o­dierend durch das Land zogen, um “Die vier Alten” zu ver­nicht­en. Die alten Denkweisen, die alten Kul­turen, die alten Gewohn­heit­en und die alten Sit­ten. Hab wohl doch kein Fieber. Ich habe im Traum ein­fach zwei und zwei zusammengezählt.

Titelfo­to: Flickr

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24 Kommentare

  1. Die Erzäh­lung ist deshalb so beängsti­gend, weil es tat­säch­lich so kom­men kön­nte. Der reale Auf­takt zu dieser Denk- und Lebensweise war zu Beginn der Kam­pagne die Fest­stel­lung von Frau Baer­bock, man brauche doch gar nicht die teuren Energiespe­ich­er, denn die Energie kön­nte ja im Strom­netz gespe­ichert wer­den. In die gle­iche Kerbe haute vor weni­gen Tagen eine Aus­sage ein­er Wirtschaft­sjour­nal­istin der WirtschaftsWoche bei Phoenix oder Presse­club “Kohlen­diox­id ist der Müll der Atmo­sphäre”. In Teil 2 der Reportage von Roger Letsch wäre der Bericht des Erzäh­lers über seine Ein­drücke nach der Rück­kehr von ein­er Aus­land­sreise inter­es­sant, in dem der deutsche Energie-Wahnsinn noch nicht um sich gegrif­f­en hat.

  2. Ich musste immer wieder herzhaft lachen, aber immer mit dem Gedanken im Hin­terkopf, dass wir uns ja bere­its schon jet­zt nicht sehr weit von so ein­er Sit­u­a­tion ent­fer­nt befind­en, oder man eine solche als gän­zlich unre­al­is­tisch auss­chließen kön­nte. Erschreckend .

  3. Habe soeben den ver­link­ten Artikel in der “taz” gele­sen und würde gern Max Lieber­mann zitieren.

  4. Ganz großes Kino. Eine erschreck­ende Mis­chung aus “1984” und “Das Leben der Anderen”. Erschreck­end vor allen Din­gen deshalb, weil man den Text vor weni­gen Jahren als dystopis­che Spin­nerei abge­tan hätte und heute alles für prinzip­iell möglich hält.

  5. Zwei Propheten saßen auf einem Berg.
    Und sie sahen auf die Trüm­mer der let­zten Zilivi­sa­tion herab.
    Also sprach der Eine zum Anderen:
    “Du wusstet das dies passieren würde.”
    “Ja.”
    “Wieso ist es dann passiert?”
    “Die Men­schen wussten es eben besser.”

  6. Her­vor­ra­gend!!!
    Das ist schon Lit­er­atur. Span­nend geschrieben. Vielle­icht kön­nen Sie aus diesem Frag­ment einen richti­gen Roman machen. Der kön­nte im richti­gen Ver­lag ein Riesen­er­folg wer­den. Bitte denken Sie darüber nach. Und wenn Sie diesen Roman schreiben, dann möglichst bald. Die kul­turelle und indus­trielle Desta­bil­isierung Deutsch­lands und Wes­teu­ropas entwick­elt sich auch zügig.
    Her­zliche Grüße aus der noch glück­lichen Schweiz von einem ehe­ma­li­gen Ossi

  7. Wollt ihr die total grüne Welt? Jaaaaaaa! Nicht nur Deutsch­land ist von der Öko­hys­terie betrof­fen. Der Klima“schutz”-Wahn hat bere­its den hal­ben Plan­eten befall­en: Gestern erst kündigten 24 von 28 EU-Län­dern an, bis 2050 “kli­ma­neu­tral” zu wer­den. Weit und bre­it keine Kraft, die den Irrsinn wenig­stens brem­sen, geschweige denn stop­pen kön­nte. Die Links­grü­nen haben ganze Arbeit geleis­tet und die ein­schlägige Gehirn­wäsche geht weit­er (Unter anderem die ARD set­zt ihren Dauer­wahlkampf für die Grü­nen fort: https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/sendungen/beimklimaprima-100.html; in ähn­lich­er Weise trom­meln auch pri­vate “Leitme­di­en” täglich für die Zeu­gen Gretas).
    Lieber Herr Letsch, Ihr großar­tiges Stück sollte möglichst umge­hend ver­filmt und dann inten­sivst bewor­ben wer­den. Vielle­icht würde das wenig­stens ein bißchen helfen. Und sei nur, um die schlimm­sten Auswüchse der Ökodik­tatur abzuwehren (s. auch: Gretins an die Macht! https://tinyurl.com/y3m52uul). Allerd­ings ist auch die Filmwirtschaft inzwis­chen arg ver­grünt. Es dürfte also schw­er sein, Pro­duzen­ten, Darsteller, einen Regis­seur und Kinos sowie TV-Sender für ein solch­es Pro­jekt zu gewin­nen. Aber einen Ver­such wäre es alle­mal wert.

  8. Aus der Sicht des ‘Denun­zianten’? ‘Armer B.’? Gründe?

    Warum sollte ein’ Mitläufer’ gle­ichgültig sein — vielle­icht set­zt er nur andere Pri­or­itäten? Wobei es einen’ Mitläufer’ im Drit­ten Reich sys­tem­be­d­ingt gar nicht geben kon­nte, keine Ahnung, welche ‘man’ da zu ken­nen glaubt.

    Ab- oder Zunei­gung sind nicht dis­putabel, nach den Grün­den fra­gen darf man schon, wen­n’s inter­essiert — auch ‘diesen Typus’.

    • Man kann beleucht­en, wie G. zu dem wurde, was er ist, wie sein Welt­bild und seine intrin­sis­che Sicht zus­tande kamen und was ihn antreibt. Leicht ist das sich­er nicht.

      • Ähm­doch, Roger, es ist nicht sehr schw­er, den Werde­gang, ja auch und ger­ade den inneren, des G. her­auszufind­en und zu beleucht­en, warum er ein­fach keine andere Wahl hat­te. Genü­gend Anhalt­spunk­te steck­en ja schon in Dein­er feinen Geschichte, so deut­liche, dass der Leser den G. vor sich sieht.
        Etwa die Geste, mit der er das Mel­di zückt. Also, da war doch mal was?, ein Schlüs­sel­er­leb­nis in ach sein­er Schulzeit, als er nichts war, während die super­pop­uläre Gruppe der Gre­ta-Thun­berg-Jünger jedoch ALLES war. Er durfte nicht mit zu denen gehören, denn ein­er mit falschen Klam­ot­ten, der auch noch näselt, leicht errötet, Al Gores heilige Schriften nicht zitieren kann und nie den richti­gen, angaschierten Ton trifft, nein, mit dem hat man ja nis­cht zu tun. Zumal G. dazu immer die Mäd­chen anstar­rte, und das ist doch Mikroag­gres­sion, Sex­is­mus, ja Objek­tivierung und Verge­wal­ti­gung! Und da war immer dieses hämis­che Wedeln (auf dem Pausen­hof vor allen Leuten) mit den Posi­tion­spa­pieren, in denen drin­stand, wer der Gre­ta Thun­berg bei welch­er Fre­itags-Gele­gen­heit online was ins Fatze­buck schreiben durfte, und da stand der arme G. nun mal nie mit drin. Ach, er wurde bei Face­book sieben­mal und dann völ­lig ges­per­rt, weil er mit wach­sender Verzwei­flung ver­sucht hat­te, sich bei St. Gre­ta einzuschleimen. Und das stand dann in dem neuen Posi­tion­spa­pi­er drin, im TOP “Schwarze Liste”, wo vor allen Leuten aufge­lis­tet wurde, wer ein Abwe­ich­ler war, und warum.
        Also fasste der G. zum ersten Mal in seinem Leben eine Entschei­dung. Die Entschei­dung seines elen­den Lebens. Näm­lich als der A., der St. Gre­ta offiziell den Hof machen durfte, heim­lich beim Mac­Don­ald’s einen Big Mac fraß. Da hat der G. den A. näm­lich gese­hen, fressender­weise. Er hat mit dem Smart­phone, dem Vorgänger des Meld­is, fünf sehr schöne Fotos gemacht, wie der große A. da diesen sehr großen entset­zlichen Bic Mac fraß, und er hat alles sofort in allen ver­füg­baren Ssoschal-Mii­i­idia veröf­fentlicht. Damit stand der A. am näch­sten Schul­mor­gen als der größte Ver­räter da, den die Men­schheit je gese­hen hat­te, und der B., die C. und die D., die den A. schon immer der größten Sauereien verdächtigt hat­ten, feierten den G. plöt­zlich vor allen Leuten als guten Kerl.
        Das reichte dem G. aber nicht. Er hat­te ja jet­zt die MACHT gespürt. Weswe­gen er sich noch heute bei der Amadeo-Anto­nio-Stiftung bewarb, als Volon­tär, und da machte er es genau­so wie mit dem A., denn alle tat­en dort heim­lich diese entset­zlichen pri­vatheim­lichen Fehltritte, hat­ten die falschen Bekan­nten, rede­ten miteinan­der recht­spop­ulis­tis­che Sauereien, flüsterten sex­is­tisch über Trans­frauen und fraßen incog­ni­to beim MacDonald’s.
        So kam es, dass man nir­gend­wo mehr ohne den G. kon­nte, und stieg unaufhalt­sam auf. Er war zwar weit­er elend unglück­lich, denn MACHT hat man ja nie genug!, MAAACHT!!, aber noch heute arbeit­et er daran, immer mehr zu kriegen. Und als Denun­ziant geht viel, ja wenn nicht ALLES. Damit wird man sog­ar Vor­sitzen­der und mehr, und alle kuschen sie, dann.

        • Ich betra­chte es aber als meine Auf­gabe, G’s Kos­mos in den pastel­lig­sten Far­ben zu malen, die auch die Gre­tas und wie sie alle heißen ver­wen­den, wenn sie von der fürder­hin dekar­bon­isierten Welt phan­tasieren. G’s Welt muss eine sein, in die man gern und frei­willig ein­träte, deren Parolen man frei­willig sänge und zu deren Heili­gen man gerne beten würde, wenn…ja wenn man an ein­fach Lösun­gen für Überkom­plexe Prob­leme glaubte. Und ich gebe zu, diese Welt zu entwer­fen, ist ungle­ich schw­er­er, als sie von außen ablehnend zu zeichnen.

  9. Bek­lem­mend! Es ist furcht­bar, weil es so nah ist, fast greif­bar. Das wirk­lich unfass­bare an der ganzen Mis­ere ist ja, daß aus­gerech­net eine Physik­erin diesen Wahnsinn ange­fan­gen, und gestern sog­ar noch aus­geweit­et hat. Kli­maziele ver­schärft. Fünf-Jahres-Plan-Physik. Das Netz ist der Speicher.
    Immer­hin wird es bei den Kampf- und Kri­tik­sitzun­gen* eines nicht geben: Die helle Lampe, die einem zur Zer­mür­bung durch Schlafentzug ins Gesicht scheint. 

    Näch­ster Halt wird wohl das Schöne Blogs Gesetz sein, das kon­ter­rev­o­lu­tionären Sub­jek­ten wie uns die Plat­tform entzieht. Oder man ori­en­tiert sich an Thomas Moores „Utopia“, da ist es ille­gal, sich außer­halb des Regierungs­ge­bäudes über Poli­tik zu unter­hal­ten. Ich bin mir gar nicht sich­er, ob ich diese eher obskure Sache hier erwäh­nen soll, wom­öglich liest es der Falsche, und nimmt es als Anregung.

  10. Sie haben vergessen die Mauer im Deutsch­land zu erwäh­nen, die natür­lich dazu da ist Kli­masün­der an der Flucht zu hindern 😉

    Super Artikel.
    Ich hoffe sie haben nichts dage­gen, wenn ich ihn Papierver­schwen­derisch aus­drucke und bei der Arbeit auf unsere Pin­wand klebe.

  11. WOW — !! Hier liest man ein jour­nal­is­tis­ches Meis­ter­w­erk, das einen total umhaut!
    Danke!
    Man weiß nicht, ob man fas­sungs­los lachen oder weinen soll.

      • 🙂
        Fein­er Text, besten Dank.
        Nur eins: Die Iden­ti­fika­tion des Lesers mit dem armen B. ist vorherse­hbar, nicht? Bess­er für den Text, weil noch gemein­er unter Beibehal­tung der poli­tis­chen Aus­sagen, wäre die Per­spek­tive aus der Sicht des Denunzianten.

        • Lieber Ari, es wird mir zwar extrem schw­er fall­en, mich in diese Rolle zu begeben, aber vielle­icht ver­suche ich das mal. Für Teil 2. 😉

        • Ah!, sehr schön 🙂
          — Oder die Per­spek­tive aus der Sicht eines Gle­ichgülti­gen, der sich das alles mit ansieht und ohne­hin noch nie etwas gegen etwas oder für etwas getan hat. So der Typus des Mitäufers, den man aus der DDR ken­nt und aus dem drit­ten Reich, aber auch aus dem kalten Krieg (ober- oder unter­schwelliger Ameri­ka-Hass, aber immer mit der demokratisch gewen­de­ten Ex-weil-nie-Nazi-Ober­schicht marschierend), und jet­zt hat man diesen Typus ja auch wieder am Hals, so mit­ten im Äon des grassieren­den Anti­ras­sis­mus, des fanatis­chen Admin­is­tra­tivis­mus und der heili­gen Klimareligion.

        • Die kleine Men­schen­menge in der Stube tobte: “Kli­masün­der zu Pflugscharen erziehen! Zukun­fts­fähigkeit wiederherstellen!”
          Soeben war im Kli­mazielt­ag-Mod­ell­prozess (jährlich am Son­ntag zwei Wochen vorm Advent) das Urteil über die Angeklagten gesprochen: schuldig.
          Inzwis­chen war Kli­mazielt­agfeiern wichtiger als der Nation­alfeiertag, weshalb I. eine Son­deren­ergiezuteilung und sog­ar einen Lei­h­fernse­her bekom­men hat­te, um als Kli­maver­di­en­tester des let­zten Jahres eine Feier für das ganze Dorf auszuricht­en. Jed­er mit sein­er eige­nen Feier hätte schließlich auch zuviel verbraucht.

          Der Rei­he nach zeigte die Kam­era die Kli­masün­der. Auch aus I.s Ort war jemand dabei, der Öko­bi­lanzfrevler G. Schwarz­er Tee aus Sri Lan­ka, eine halbe Welt ent­fer­nt: Trans­port-CO2 mit dem Fußab­druck eines Dinosauri­ers. I. hat­te das Meldibild mit den Tee­beuteln selb­st an die Pri­ma-Kli­ma-Stelle geschickt; die Ver­mess­er fan­den außer einem ganzen Kilo des apoka­lyp­tis­chen Zeugs gle­ich zwei Camp­ingkocher, ein Not­stro­mag­gre­gat — und sog­ar gut ver­steck­te Glüh­bir­nen und Benzin.
          Als sie schon auf dem Weg waren hat­te die Web­cam des EBusses noch aufgeze­ich­net wie G. per­fide ver­sucht hat­te den Tee seinem Nach­barn B. anzuhän­gen — bei B. hat­ten die Ver­mess­er aber nichts gefun­nden, als I. sie nach der Razz­ia bei G. kurz “sicher­heit­shal­ber” mit seinem Ersatzschlüs­sel ein­ließ. I. tippte dem jet­zt neben ihm sitzen­den B. halb spöt­tisch an den Ellen­bo­gen und nick­te zum Bild des angeprangerten G.: “Schuldest mir dafür eigentlich no was.”
          “Sag ein­fach, wasd magst.”
          “Weiß no net. Komme irgend­wann bei Gele­gen­heit drauf zrück.”

          Es war mit der richti­gen Verkauf­s­tak­tik für Gele­gen­heit­en eine ganze Menge “was” zu bekom­men, das einem jemand schuldete.

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