B. ist spät dran an die­sem 20. Novem­ber im 26. Jahr der Kli­mare­vo­lu­ti­on. Der zen­tra­le Weck­dienst hat­te ihn erst geweckt, als der Wind wie­der etwas stär­ker blies. Nachts war es fast wind­still gewe­sen und B.‘s Auf­ga­be in Zei­ten grö­ße­rer Ener­gie­an­stren­gun­gen war es, sich ruhig zu ver­hal­ten, kei­ne elek­tri­schen Gerä­te zu benut­zen und die Ener­gie in wich­ti­ge­re Berei­che flie­ßen zu las­sen. Er konn­te ja auch kaum anders, schließ­lich bestimm­te das Smart­me­ter, wann Strom floss. B. gehört zur soge­nann­ten „ener­ge­ti­schen Kampf­re­ser­ve“ (frü­her Abwurf­last genannt), was bedeu­te­te, dass er, zur Untä­tig­keit ver­pflich­tet, gele­gent­lich mit Käl­te, Hun­ger oder dem Ver­lan­gen kämp­fen muss­te, sich ein­fach etwas Was­ser heiß zu machen und über ein paar Min­ze­blät­ter aus dem eige­nen klei­nen Gar­ten zu gie­ßen. Es gab eben nicht immer Strom. Nicht mehr für alle.

Der küh­le, nebe­li­ge Novem­ber­mor­gen kroch B. die Bei­ne hin­auf, wäh­rend er auf den E‑Bus an der Bun­des­stra­ße war­te­te. Es war schon kurz vor neun und er war zügig gelau­fen, um recht­zei­tig am Sam­mel­punkt zu sein. Die Bus­se fuh­ren schon lan­ge nicht mehr in die klei­nen Orte. E‑Busse ent­fern­ten sich gene­rell nicht weit von ihren Depots, weil sie zu Beginn der gro­ßen Kli­mare­vo­lu­ti­on stän­dig lie­gen geblie­ben waren. Erlass Num­mer 232, das Reich­wei­ten­ver­bes­se­rungs­ge­setz, erfand den Tat­be­stand der „Kli­ma­schä­di­gung durch Faul­heit“ und leg­te fest, dass es jedem Bür­ger zuzu­mu­ten sei, bis zu fünf Kilo­me­ter zu den Sam­mel­stel­len zu lau­fen. Außer­dem gab es Gesund­heits­punk­te, wenn man das staat­li­che Trans­port­sys­tem nicht zu sehr belas­te­te. Eine Win-Win-Win-Situa­ti­on, wie Gesund­heits­mi­nis­te­rin Kün­ast und ÖPNV-Minis­ter Hof­rei­ter uni­so­no versicherten.

B.’s Nach­bar G. stapf­te gut gelaunt auf den Sam­mel­punkt zu und bell­te ihm ein über­trie­ben fröh­li­ches „Moin Nach­bar“ ent­ge­gen. G. arbei­tet im Minis­te­ri­um für Kli­ma­kampf und hält sich für unge­mein wich­tig. Ver­mut­lich ist er dort zwar nicht mehr als ein klei­ner Ange­stell­ter, der Geneh­mi­gun­gen zum Betrieb von Elek­tro­ge­rä­ten erteil­te oder ent­zog. Doch oft deu­te­te G. in Zaun­ge­sprä­chen an, wie kurz das Minis­te­ri­um davor ste­he, die all­ge­gen­wär­ti­gen Ener­gie­an­stren­gun­gen zu über­win­den und wie bedeu­tend sein Bei­trag dazu sei. B. moch­te G. nicht, ließ sich jedoch nie etwas anmer­ken. Man konn­te sicher sein, dass G. ohne Zögern die Ver­mes­ser rufen wür­de, also jene Poli­zei-Kom­man­dos des Kli­ma­kampf-Minis­te­ri­ums, die in alt­mo­di­schen Ben­zin­au­tos ange­rast kamen und die Häu­ser der Denun­zier­ten aus­ein­an­der­nah­men, immer auf der Suche nach Ener­gie­ver­bre­chen und Kli­ma­ver­rat. Es war bekannt, dass die Ver­mes­ser immer etwas fan­den. Sie waren sehr gründ­lich und erfin­dungs­reich. Die Kli­ma-Scha­dens­punk­te, die die Ver­mes­ser-Autos erzeug­ten, rech­net man stets dem Kon­to der Durch­such­ten an, was oft allein schon die Hälf­te oder mehr der fäl­li­gen Geld­stra­fe aus­mach­te. Wenn es denn bei einer Geld­stra­fe blieb.

Wirk­lich wich­tig konn­te G. jeden­falls nicht sein, denn er fuhr stets mit dem Bus zur Arbeit. Autos sah man nur noch sel­ten. Aller­dings gehör­te G. nicht zur Reser­ve, son­dern war Par­tei-Kader. Er fuhr jeden Tag zur sel­ben Zeit mit dem Bus, ihn weck­te kein Ener­gie­be­darfs­plan. Mor­gens brann­te nicht nur das Not­licht der Stirn­lam­pe bei ihm und heu­te mor­gen, so glaub­te B., hat­te er sogar den Duft von schwar­zem Tee wahr­ge­nom­men, der aus dem kei­ne zehn Meter ent­fern­ten Küchen­fens­ter des Nach­barn zu ihm drang, als er am Fens­ter stand.

„Na, auch erst mal ein Täss­chen geschlürft, heu­te Mor­gen?“ frag­te G., als er am Sam­mel­punkt ange­kom­men war. B. erstarr­te. Der Tee! Er hat­te am Fens­ter gestan­den, mit einer damp­fen­den Tas­se Minz­tee in der Hand. Er hät­te eigent­lich kei­nen kochen kön­nen, sein Smart­me­ter gab ihm noch kei­nen Strom. Auch war sein gan­zes Haus noch dun­kel gewe­sen. Den Tee hat­te er auf sei­nem klei­nen Cam­ping­ko­cher zube­rei­tet, den er ver­steckt hat­te, als die Bri­ga­den der grü­nen Gar­de vor Jah­ren began­nen, von Haus zu Haus zu zie­hen, um Mofas, Rasen­mä­her, Gas­grills und ande­re „Schäd­lin­ge“ zu kon­fis­zie­ren. Eben­so wuss­te nie­mand von sei­nem klei­nen Vor­rat an Ben­zin, den er sich zuge­legt und gut ver­steckt hat­te, als Erlass 208, das Gute-Luft-Gesetz, den Han­del, den Besitz und die Benut­zung aller flüs­si­gen, fes­ten und gas­för­mi­gen Koh­len­was­ser­stof­fe ver­bo­ten hat­te. G. hat­te zwei­fel­los sei­ne damp­fen­de Tas­se gese­hen, B.‘s Stirn­lam­pe und das dunk­le Haus bemerkt und dann zwei und zwei zusam­men­ge­zählt. B.‘s Knie wur­den weich als er sich aus­mal­te, wie die Ver­mes­ser kom­men wür­den, zusam­men mit den grü­nen Gar­den, die ihnen stets auf dem Fuße folg­ten und er als Kli­ma­ver­bre­cher ange­klagt wür­den. Geschubst, ver­prü­gelt, kahl­ge­scho­ren und an den Pran­ger gestellt wür­de er schließ­lich in einem der Umer­zie­hungs­la­ger lan­den. Man hör­te so eini­ges dar­über und es waren kei­ne schö­nen Geschich­ten. Wenn er doch nur nicht am Fens­ter gestan­den hät­te! Wie konn­te er nur so unvor­sich­tig sein!

Der Bus hielt am Sam­mel­punkt und B. stieg wort­los ein. Aus dem Augen­win­kel sah er, dass G. ihm nicht folg­te, son­dern ihn nur bos­haft angrins­te, sein Mel­di aus der Tasche zog und damit demons­tra­tiv in B.‘s Rich­tung wink­te. B. setz­te sich auf einen frei­en Platz und über­leg­te fie­ber­haft. Der Bus wür­de 15 Minu­ten brau­chen, um ihn bei „Schell­nhu­ber-Solar 26“ abzu­set­zen, der in die Jah­re gekom­me­nen Solar­an­la­ge, wo er seit zehn Jah­ren Tag für Tag mit Besen den Staub von den Panee­len feg­te oder Vogel­schei­ße weg­kratz­te, die die Leis­tung der Tech­nik beein­fluss­ten. Dabei lie­fer­te die Anla­ge ohne­hin kaum noch Ener­gie, schließ­lich war sie fast 25 Jah­re alt und heu­te fehl­ten die Res­sour­cen und das Geld, um neue Panee­le anzu­schaf­fen. Wür­den sie ihn gleich im Kraft­werk ver­haf­ten? Unwahr­schein­lich. Die Ver­mes­ser und die Grü­nen Gar­den wür­den eini­ge Zeit brau­chen, um den Kocher und das Ben­zin zu fin­den. Man wür­de ein­fach auf ihn war­ten, in sei­nem Haus. Dem ein­zi­gen ohne Solar­pa­nee­le im gan­zen Dorf. Er könn­te flie­hen, dach­te er kurz, und sein Herz hüpf­te für einen Moment, als wol­le es schon vor­aus­ei­len. Doch die Eupho­rie schwand schnell. Womit und wohin? Sei­ne Beför­de­rungs­be­rech­ti­gung reich­te nur vom Dorf bis zum Kraft­werk und zu Fuß käme er nicht weit.

Resi­gniert sank B. auf dem Sitz des Bus­ses zusam­men und ließ die letz­ten Jah­re Revue pas­sie­ren. Alles war immer schlim­mer gewor­den, immer restrik­ti­ver. Das täg­li­che Leben und die Jagd nach Ener­gie ban­den die meis­ten Res­sour­cen. Die staat­lich gesteu­er­te Digi­ta­li­sie­rung tak­te­te das Leben aller Men­schen, sofern sie nicht zum Kreis der „Pla­ner“ gehör­ten. Das Mel­di, ein auf Beschluss der EU-Kom­mis­si­on ein­ge­führ­tes inner­eu­ro­päi­sches Smart­pho­ne, regel­te die Kom­mu­ni­ka­ti­on. Es war eben­so ver­pflich­tend wie das Smart­me­ter in jedem Haus und war mit ihm gekop­pelt. Jeder Ener­gie­ver­brauch muss­te über das Mel­di bean­tragt und auto­ri­siert wer­den, jede Mei­nungs­äu­ße­rung, E‑Mail oder SMS ging durch die Hass-Fil­ter der Haupt­ab­tei­lung „AA“ des Innen­mi­nis­te­ri­ums, die aus der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung her­vor­ge­gan­gen war. Die Minis­te­rin der Net­ze, Frau Baer­bock und die Minis­te­rin der fei­nen Rede, Frau Roth, bezeich­ne­ten das Mel­di als „Über­fäl­li­ge Ant­wort Euro­pas auf den welt­wei­ten Trumpis­mus-Puti­nis­mus“ und als Win-Win-Win-Gerät.

Die Anfänge

Alles begann im Sep­tem­ber 2021, als Robert Habeck Kanz­ler einer Min­der­heits­re­gie­rung wur­de. Zwar erreich­ten sei­ne Grü­nen nur 32% der Stim­men, doch die andern Par­tei­en waren nicht mehr in der Lage, auch nur einen ernst zu neh­men­den Gegen­kan­di­da­ten auf­zu­stel­len und erga­ben sich ihrem Schick­sal, nur noch als Beschaf­fer der 2/3‑Mehrheit für zahl­rei­che Ver­fas­sungs­än­de­run­gen zu die­nen. B. war damals 18 Jah­re alt und kam gera­de vom Cam­ping-Urlaub aus Hol­land zurück. Er hat­te den klei­nen Cam­ping­ko­cher, der ihm nun zum Ver­häng­nis wer­den wür­de, gera­de in der Hand, als im ZDF Habecks ers­te „Rede an den Kli­ma­wan­del“ lief, in der er ankün­dig­te, das alte Sys­tem zu besei­ti­gen und durch ein neu­es, bes­se­res zu erset­zen. B. konn­te die­se Rede aus­wen­dig. Kein Wun­der, schließ­lich stand sie mitt­ler­wei­le als Prä­am­bel in der neu­en deut­schen Ver­fas­sung, wel­che 2023 das zur Hass­re­de erklär­te Grund­ge­setz abge­löst hatte:

„Genos­sen, Kli­ma­ret­ter, Freun­de der Mensch­heit! Es ist Zeit, Schluss zu machen mit der Ver­gan­gen­heit und die­ses Land, ja, die gan­ze Welt in eine neue Ära der Kli­ma­ge­rech­tig­keit, des Wohl­stan­des und der Gleich­be­rech­ti­gung zu füh­ren. Auf die­sem Weg muss uns das Ban­ner der Jugend vor­an wehen, denn nur die Jugend ist rei­nen Her­zens und von rei­ner Kli­ma­bi­lanz. Die revo­lu­tio­nä­re Jugend ist es, die CO2 sieht und durch Mut und Hal­tung, wie sie nur einer gerech­ten und wahr­haf­ti­gen Idee ent­sprin­gen kann, die Fein­de des Kli­mas ent­lar­ven und zur Rechen­schaft zie­hen wer­den. Tap­fe­re Jugend, das dekar­bo­ni­sier­te Zeit­al­ter ist nahe, doch es wird nicht anbre­chen bevor nicht der letz­te Ver­bren­nungs­mo­tor, das letz­te Stück Koh­le und das letz­te Gas­feu­er­zeug ver­nich­tet ist. Geh aufs Land, Grü­ne Jugend, tra­ge die LED-Fackel der Revo­lu­ti­on zu den ver­stock­ten Bau­ern, den Fleisch­essern und Berufs­pend­lern. Ver­nich­tet die „vier Alten“, die da sind: Die alten Denk­wei­sen, die alten Kul­tu­ren, die alten Gewohn­hei­ten und die alten Sitten.“

Man hat­te die Paro­len sehr vage und unklar gelas­sen, so dass die Grü­nen Gar­den, wenn sie trom­melnd und hüp­fend durch die Orte zogen, immer etwas fan­den, was sie zer­tre­ten, kri­ti­sie­ren und ver­ur­tei­len konn­ten. Etwa die alte Denk­wei­se, indi­vi­du­el­le Mobi­li­tät für eine Errun­gen­schaft der Zivi­li­sa­ti­on und Frei­heit zu hal­ten, die alte Sit­te, kli­ma­schäd­li­che Kat­zen und Hun­de zu haben, die alte Gewohn­heit, in Zei­ten der Ener­gie­an­stren­gung (so wur­den ab 2022 die län­ge­ren Black­outs genannt) den alten Ben­zin­ra­sen­mä­her oder das Not­strom­ag­gre­gat her­vor­zu­ho­len, um der ego­is­ti­schen Ener­gie­ver­schwen­dungs­sucht zu frö­nen oder die alte Kul­tur, CO2 emit­tie­ren­de Wachs­ker­zen am Weih­nachts­baum anzu­zün­den. Das alles und vie­les mehr kos­te­te bald so vie­le CO2-Straf­punk­te, dass es einem leicht die täg­lich halb­stünd­li­chen Wär­me­zu­tei­lun­gen für einen gan­zen Win­ter kos­ten konn­te – und die waren kalt in letz­ter Zeit, was die Grü­nen Gar­den und ihr gro­ßer Vor­sit­zen­der kur­zer­hand zum Ergeb­nis ihrer Kli­ma­ret­tungs­be­mü­hun­gen erklärt hatten.

Ganz flink waren die klei­nen Revo­lu­tio­nä­re, die Straf­punk­te in ihre Smart­pho­nes – die spä­ter durch Mel­dis ersetzt wur­den – ein­zu­tip­pen. Die SMS mit dem Straf­be­fehl kam stets nur Sekun­den spä­ter. Sie waren Anklä­ger, Rich­ter und Hen­ker in Per­so­nal­uni­on und je grö­ßer die Grup­pen waren, in denen sie durch das Land zogen, umso hef­ti­ger waren die Exzes­se. Mit Losun­gen wie „Wer Ver­bren­nungs­mo­to­ren ver­steckt ist Ener­gie­ver­bre­cher“ und „Auch Jesus ging zu Fuß“ zogen sie durch die Dör­fer, hiel­ten Autos an oder fackel­ten sie gleich ab, wenn sie ihnen „zu groß“ erschie­nen. Dann kamen die Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen per Ver­ord­nung, die Schlie­ßung der Tank­stel­len, dann das Gute-Son­ne-Gesetz, das alle Haus­be­sit­zer, die sich kei­ne Solar­zel­len aufs Dach schrau­ben woll­ten oder aus Geld­man­gel nicht konn­ten, zu Ver­däch­ti­gen und Ener­gie­schma­rot­zern erklärte.

Die auf­tre­ten­den Ver­sor­gungs­eng­päs­se auf dem Land, die wegen des sich ver­schlech­tern­den Lie­fer­ver­kehrs immer wie­der auf­tra­ten, schaff­te man mit dem Gute-Ver­sor­gung-Gesetz zwar nicht ab, aber nun war jeder Haus­be­sit­zer mit mehr als 200 qm Gar­ten per Dekret zum Selbst­ver­sor­ger gewor­den und mit Gar­ten­ar­beit beschäf­tigt, statt nutz­lo­se kri­ti­sche Blogs zu schrei­ben und sich über den deka­dent-blin­den Dün­kel der Groß­stadt­be­woh­ner und ihrer grü­nen Eli­ten lus­tig zu machen, die glaub­ten, der Strom käme aus der Steck­do­se und das Gemü­se aus dem Bio­markt. Es gab Kon­trol­len und wenn die Grü­nen Gar­den „schma­rot­ze­ri­schen Zier­ra­sen“ oder Bego­ni­en vor­fan­den, wo Kohl­ra­bi und Kar­tof­feln hät­ten wach­sen kön­nen, wur­de der Rasen­freund „zur Rede gestellt“ oder muss­te gleich vor Ort sein „Gras fres­sen“. B. reißt sich aus sei­nen Gedan­ken, denn der Bus hält und die Tür öff­net sich mit einem dump­fen Geräusch.

Aufwachen

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Indymedia, Screenshot Was ist los? Autsch! Ich bin offen­sicht­lich ein­ge­schla­fen, zur Sei­te gerutscht und mit dem Kopf unsanft auf die Tisch­plat­te geknallt. Mei­ne Güte, was für Träu­me! Wie kommt man nur auf sowas! Kran­ke Phan­ta­sie? Habe ich Fie­ber? Da fällt mein Blick auf die Arti­kel, die ich gera­de gele­sen hat­te. Die TAZ begrün­det aus­führ­lich, war­um Ver­bo­te die eigent­li­che Frei­heit sei­en, auf Indy­m­e­dia fei­ern Kli­ma­ak­ti­vis­ten ihr Bar­be­cue mit vier „back­fri­schen Por­sche-Cayenne“ im Namen des Kli­ma­schut­zes, in Ber­lin sperr­ten Gre­tas Kli­ma-Kids SUV’s mit Flat­ter­band ab und stell­ten deren Fah­rer „zur Rede“, war­um sie in der Stadt ein so schäd­li­ches Auto fah­ren wür­den. Außer­dem war ein Wiki­pe­dia-Arti­kel geöff­net, in dem die Paro­len und die Vor­ge­hens­wei­se wäh­rend der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on in Chi­na und die Hand­lun­gen der ver­blen­de­ten, miss­brauch­ten Jugend beschrie­ben sind, die mor­dend und maro­die­rend durch das Land zogen, um „Die vier Alten“ zu ver­nich­ten. Die alten Denk­wei­sen, die alten Kul­tu­ren, die alten Gewohn­hei­ten und die alten Sit­ten. Hab wohl doch kein Fie­ber. Ich habe im Traum ein­fach zwei und zwei zusammengezählt.

Titel­fo­to: Flickr

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24 Kommentare

  1. Die Erzäh­lung ist des­halb so beängs­ti­gend, weil es tat­säch­lich so kom­men könn­te. Der rea­le Auf­takt zu die­ser Denk- und Lebens­wei­se war zu Beginn der Kam­pa­gne die Fest­stel­lung von Frau Baer­bock, man brau­che doch gar nicht die teu­ren Ener­gie­spei­cher, denn die Ener­gie könn­te ja im Strom­netz gespei­chert wer­den. In die glei­che Ker­be hau­te vor weni­gen Tagen eine Aus­sa­ge einer Wirt­schafts­jour­na­lis­tin der Wirt­schafts­Wo­che bei Phoe­nix oder Pres­se­club „Koh­len­di­oxid ist der Müll der Atmo­sphä­re“. In Teil 2 der Repor­ta­ge von Roger Letsch wäre der Bericht des Erzäh­lers über sei­ne Ein­drü­cke nach der Rück­kehr von einer Aus­lands­rei­se inter­es­sant, in dem der deut­sche Ener­gie-Wahn­sinn noch nicht um sich gegrif­fen hat.

  2. Ich muss­te immer wie­der herz­haft lachen, aber immer mit dem Gedan­ken im Hin­ter­kopf, dass wir uns ja bereits schon jetzt nicht sehr weit von so einer Situa­ti­on ent­fernt befin­den, oder man eine sol­che als gänz­lich unrea­lis­tisch aus­schlie­ßen könn­te. Erschreckend .

  3. Habe soeben den ver­link­ten Arti­kel in der „taz“ gele­sen und wür­de gern Max Lie­ber­mann zitieren.

  4. Ganz gro­ßes Kino. Eine erschre­cken­de Mischung aus „1984“ und „Das Leben der Ande­ren“. Erschre­ckend vor allen Din­gen des­halb, weil man den Text vor weni­gen Jah­ren als dys­to­pi­sche Spin­ne­rei abge­tan hät­te und heu­te alles für prin­zi­pi­ell mög­lich hält.

  5. Zwei Pro­phe­ten saßen auf einem Berg.
    Und sie sahen auf die Trüm­mer der letz­ten Zili­vi­sa­ti­on herab.
    Also sprach der Eine zum Anderen:
    „Du wuss­tet das dies pas­sie­ren würde.“
    „Ja.“
    „Wie­so ist es dann passiert?“
    „Die Men­schen wuss­ten es eben besser.“

  6. Her­vor­ra­gend!!!
    Das ist schon Lite­ra­tur. Span­nend geschrie­ben. Viel­leicht kön­nen Sie aus die­sem Frag­ment einen rich­ti­gen Roman machen. Der könn­te im rich­ti­gen Ver­lag ein Rie­sen­er­folg wer­den. Bit­te den­ken Sie dar­über nach. Und wenn Sie die­sen Roman schrei­ben, dann mög­lichst bald. Die kul­tu­rel­le und indus­tri­el­le Desta­bi­li­sie­rung Deutsch­lands und West­eu­ro­pas ent­wi­ckelt sich auch zügig.
    Herz­li­che Grü­ße aus der noch glück­li­chen Schweiz von einem ehe­ma­li­gen Ossi

  7. Wollt ihr die total grü­ne Welt? Jaaaaaaa! Nicht nur Deutsch­land ist von der Öko­hys­te­rie betrof­fen. Der Klima„schutz“-Wahn hat bereits den hal­ben Pla­ne­ten befal­len: Ges­tern erst kün­dig­ten 24 von 28 EU-Län­dern an, bis 2050 „kli­ma­neu­tral“ zu wer­den. Weit und breit kei­ne Kraft, die den Irr­sinn wenigs­tens brem­sen, geschwei­ge denn stop­pen könn­te. Die Links­grü­nen haben gan­ze Arbeit geleis­tet und die ein­schlä­gi­ge Gehirn­wä­sche geht wei­ter (Unter ande­rem die ARD setzt ihren Dau­er­wahl­kampf für die Grü­nen fort: https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/sendungen/beimklimaprima-100.html; in ähn­li­cher Wei­se trom­meln auch pri­va­te „Leit­me­di­en“ täg­lich für die Zeu­gen Gretas).
    Lie­ber Herr Letsch, Ihr groß­ar­ti­ges Stück soll­te mög­lichst umge­hend ver­filmt und dann inten­sivst bewor­ben wer­den. Viel­leicht wür­de das wenigs­tens ein biß­chen hel­fen. Und sei nur, um die schlimms­ten Aus­wüch­se der Öko­dik­ta­tur abzu­weh­ren (s. auch: Gre­tins an die Macht! https://tinyurl.com/y3m52uul). Aller­dings ist auch die Film­wirt­schaft inzwi­schen arg ver­grünt. Es dürf­te also schwer sein, Pro­du­zen­ten, Dar­stel­ler, einen Regis­seur und Kinos sowie TV-Sen­der für ein sol­ches Pro­jekt zu gewin­nen. Aber einen Ver­such wäre es alle­mal wert.

  8. Aus der Sicht des ‚Denun­zi­an­ten‘? ‚Armer B.‘? Gründe?

    War­um soll­te ein‘ Mit­läu­fer‘ gleich­gül­tig sein — viel­leicht setzt er nur ande­re Prio­ri­tä­ten? Wobei es einen‘ Mit­läu­fer‘ im Drit­ten Reich sys­tem­be­dingt gar nicht geben konn­te, kei­ne Ahnung, wel­che ‚man‘ da zu ken­nen glaubt.

    Ab- oder Zunei­gung sind nicht dis­pu­ta­bel, nach den Grün­den fra­gen darf man schon, wenn’s inter­es­siert — auch ‚die­sen Typus‘.

    • Man kann beleuch­ten, wie G. zu dem wur­de, was er ist, wie sein Welt­bild und sei­ne intrinsi­sche Sicht zustan­de kamen und was ihn antreibt. Leicht ist das sicher nicht.

      • Ähm­doch, Roger, es ist nicht sehr schwer, den Wer­de­gang, ja auch und gera­de den inne­ren, des G. her­aus­zu­fin­den und zu beleuch­ten, war­um er ein­fach kei­ne ande­re Wahl hat­te. Genü­gend Anhalts­punk­te ste­cken ja schon in Dei­ner fei­nen Geschich­te, so deut­li­che, dass der Leser den G. vor sich sieht.
        Etwa die Ges­te, mit der er das Mel­di zückt. Also, da war doch mal was?, ein Schlüs­sel­er­leb­nis in ach sei­ner Schul­zeit, als er nichts war, wäh­rend die super­po­pu­lä­re Grup­pe der Gre­ta-Thun­berg-Jün­ger jedoch ALLES war. Er durf­te nicht mit zu denen gehö­ren, denn einer mit fal­schen Kla­mot­ten, der auch noch näselt, leicht errö­tet, Al Gores hei­li­ge Schrif­ten nicht zitie­ren kann und nie den rich­ti­gen, anga­schier­ten Ton trifft, nein, mit dem hat man ja nischt zu tun. Zumal G. dazu immer die Mäd­chen anstarr­te, und das ist doch Mikro­ag­gres­si­on, Sexis­mus, ja Objek­ti­vie­rung und Ver­ge­wal­ti­gung! Und da war immer die­ses hämi­sche Wedeln (auf dem Pau­sen­hof vor allen Leu­ten) mit den Posi­ti­ons­pa­pie­ren, in denen drin­stand, wer der Gre­ta Thun­berg bei wel­cher Frei­tags-Gele­gen­heit online was ins Fat­ze­buck schrei­ben durf­te, und da stand der arme G. nun mal nie mit drin. Ach, er wur­de bei Face­book sie­ben­mal und dann völ­lig gesperrt, weil er mit wach­sen­der Ver­zweif­lung ver­sucht hat­te, sich bei St. Gre­ta ein­zu­schlei­men. Und das stand dann in dem neu­en Posi­ti­ons­pa­pier drin, im TOP „Schwar­ze Lis­te“, wo vor allen Leu­ten auf­ge­lis­tet wur­de, wer ein Abweich­ler war, und warum.
        Also fass­te der G. zum ers­ten Mal in sei­nem Leben eine Ent­schei­dung. Die Ent­schei­dung sei­nes elen­den Lebens. Näm­lich als der A., der St. Gre­ta offi­zi­ell den Hof machen durf­te, heim­lich beim MacDonald’s einen Big Mac fraß. Da hat der G. den A. näm­lich gese­hen, fres­sen­der­wei­se. Er hat mit dem Smart­pho­ne, dem Vor­gän­ger des Mel­dis, fünf sehr schö­ne Fotos gemacht, wie der gro­ße A. da die­sen sehr gro­ßen ent­setz­li­chen Bic Mac fraß, und er hat alles sofort in allen ver­füg­ba­ren Sso­schal-Miiiidia ver­öf­fent­licht. Damit stand der A. am nächs­ten Schul­mor­gen als der größ­te Ver­rä­ter da, den die Mensch­heit je gese­hen hat­te, und der B., die C. und die D., die den A. schon immer der größ­ten Saue­rei­en ver­däch­tigt hat­ten, fei­er­ten den G. plötz­lich vor allen Leu­ten als guten Kerl.
        Das reich­te dem G. aber nicht. Er hat­te ja jetzt die MACHT gespürt. Wes­we­gen er sich noch heu­te bei der Ama­deo-Anto­nio-Stif­tung bewarb, als Volon­tär, und da mach­te er es genau­so wie mit dem A., denn alle taten dort heim­lich die­se ent­setz­li­chen pri­vat­heim­li­chen Fehl­trit­te, hat­ten die fal­schen Bekann­ten, rede­ten mit­ein­an­der rechts­po­pu­lis­ti­sche Saue­rei­en, flüs­ter­ten sexis­tisch über Trans­frau­en und fra­ßen inco­gni­to beim MacDonald’s.
        So kam es, dass man nir­gend­wo mehr ohne den G. konn­te, und stieg unauf­halt­sam auf. Er war zwar wei­ter elend unglück­lich, denn MACHT hat man ja nie genug!, MAAACHT!!, aber noch heu­te arbei­tet er dar­an, immer mehr zu krie­gen. Und als Denun­zi­ant geht viel, ja wenn nicht ALLES. Damit wird man sogar Vor­sit­zen­der und mehr, und alle kuschen sie, dann.

        • Ich betrach­te es aber als mei­ne Auf­ga­be, G’s Kos­mos in den pas­tel­ligs­ten Far­ben zu malen, die auch die Gre­tas und wie sie alle hei­ßen ver­wen­den, wenn sie von der für­der­hin dekar­bo­ni­sier­ten Welt phan­ta­sie­ren. G’s Welt muss eine sein, in die man gern und frei­wil­lig ein­trä­te, deren Paro­len man frei­wil­lig sän­ge und zu deren Hei­li­gen man ger­ne beten wür­de, wenn…ja wenn man an ein­fach Lösun­gen für Über­kom­ple­xe Pro­ble­me glaub­te. Und ich gebe zu, die­se Welt zu ent­wer­fen, ist ungleich schwe­rer, als sie von außen ableh­nend zu zeichnen.

  9. Beklem­mend! Es ist furcht­bar, weil es so nah ist, fast greif­bar. Das wirk­lich unfass­ba­re an der gan­zen Mise­re ist ja, daß aus­ge­rech­net eine Phy­si­ke­rin die­sen Wahn­sinn ange­fan­gen, und ges­tern sogar noch aus­ge­wei­tet hat. Kli­ma­zie­le ver­schärft. Fünf-Jah­res-Plan-Phy­sik. Das Netz ist der Speicher.
    Immer­hin wird es bei den Kampf- und Kri­tik­sit­zun­gen* eines nicht geben: Die hel­le Lam­pe, die einem zur Zer­mür­bung durch Schlaf­ent­zug ins Gesicht scheint. 

    Nächs­ter Halt wird wohl das Schö­ne Blogs Gesetz sein, das kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Sub­jek­ten wie uns die Platt­form ent­zieht. Oder man ori­en­tiert sich an Tho­mas Moo­res „Uto­pia“, da ist es ille­gal, sich außer­halb des Regie­rungs­ge­bäu­des über Poli­tik zu unter­hal­ten. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich die­se eher obsku­re Sache hier erwäh­nen soll, womög­lich liest es der Fal­sche, und nimmt es als Anregung.

  10. Sie haben ver­ges­sen die Mau­er im Deutsch­land zu erwäh­nen, die natür­lich dazu da ist Kli­ma­sün­der an der Flucht zu hindern 😉

    Super Arti­kel.
    Ich hof­fe sie haben nichts dage­gen, wenn ich ihn Papier­ver­schwen­de­risch aus­dru­cke und bei der Arbeit auf unse­re Pin­wand klebe.

  11. WOW — !! Hier liest man ein jour­na­lis­ti­sches Meis­ter­werk, das einen total umhaut!
    Danke!
    Man weiß nicht, ob man fas­sungs­los lachen oder wei­nen soll.

      • 🙂
        Fei­ner Text, bes­ten Dank.
        Nur eins: Die Iden­ti­fi­ka­ti­on des Lesers mit dem armen B. ist vor­her­seh­bar, nicht? Bes­ser für den Text, weil noch gemei­ner unter Bei­be­hal­tung der poli­ti­schen Aus­sa­gen, wäre die Per­spek­ti­ve aus der Sicht des Denunzianten.

        • Lie­ber Ari, es wird mir zwar extrem schwer fal­len, mich in die­se Rol­le zu bege­ben, aber viel­leicht ver­su­che ich das mal. Für Teil 2. 😉

          • Ah!, sehr schön 🙂
            — Oder die Per­spek­ti­ve aus der Sicht eines Gleich­gül­ti­gen, der sich das alles mit ansieht und ohne­hin noch nie etwas gegen etwas oder für etwas getan hat. So der Typus des Mitäu­fers, den man aus der DDR kennt und aus dem drit­ten Reich, aber auch aus dem kal­ten Krieg (ober- oder unter­schwel­li­ger Ame­ri­ka-Hass, aber immer mit der demo­kra­tisch gewen­de­ten Ex-weil-nie-Nazi-Ober­schicht mar­schie­rend), und jetzt hat man die­sen Typus ja auch wie­der am Hals, so mit­ten im Äon des gras­sie­ren­den Anti­ras­sis­mus, des fana­ti­schen Admi­nis­tra­ti­vis­mus und der hei­li­gen Klimareligion.

            • Die klei­ne Men­schen­men­ge in der Stu­be tob­te: „Kli­ma­sün­der zu Pflug­scha­ren erzie­hen! Zukunfts­fä­hig­keit wiederherstellen!“
              Soeben war im Kli­ma­ziel­tag-Modell­pro­zess (jähr­lich am Sonn­tag zwei Wochen vorm Advent) das Urteil über die Ange­klag­ten gespro­chen: schuldig.
              Inzwi­schen war Kli­ma­ziel­tagfei­ern wich­ti­ger als der Natio­nal­fei­er­tag, wes­halb I. eine Son­der­en­er­gie­zu­tei­lung und sogar einen Leih­fern­se­her bekom­men hat­te, um als Kli­ma­ver­dien­tes­ter des letz­ten Jah­res eine Fei­er für das gan­ze Dorf aus­zu­rich­ten. Jeder mit sei­ner eige­nen Fei­er hät­te schließ­lich auch zuviel verbraucht.

              Der Rei­he nach zeig­te die Kame­ra die Kli­ma­sün­der. Auch aus I.s Ort war jemand dabei, der Öko­bi­lanz­frev­ler G. Schwar­zer Tee aus Sri Lan­ka, eine hal­be Welt ent­fernt: Trans­port-CO2 mit dem Fuß­ab­druck eines Dino­sau­ri­ers. I. hat­te das Mel­di­bild mit den Tee­beu­teln selbst an die Pri­ma-Kli­ma-Stel­le geschickt; die Ver­mes­ser fan­den außer einem gan­zen Kilo des apo­ka­lyp­ti­schen Zeugs gleich zwei Cam­ping­ko­cher, ein Not­strom­ag­gre­gat — und sogar gut ver­steck­te Glüh­bir­nen und Benzin.
              Als sie schon auf dem Weg waren hat­te die Web­cam des EBus­ses noch auf­ge­zeich­net wie G. per­fi­de ver­sucht hat­te den Tee sei­nem Nach­barn B. anzu­hän­gen — bei B. hat­ten die Ver­mes­ser aber nichts gefunn­den, als I. sie nach der Raz­zia bei G. kurz „sicher­heits­hal­ber“ mit sei­nem Ersatz­schlüs­sel ein­ließ. I. tipp­te dem jetzt neben ihm sit­zen­den B. halb spöt­tisch an den Ellen­bo­gen und nick­te zum Bild des ange­pran­ger­ten G.: „Schul­dest mir dafür eigent­lich no was.“
              „Sag ein­fach, wasd magst.“
              „Weiß no net. Kom­me irgend­wann bei Gele­gen­heit drauf zrück.“

              Es war mit der rich­ti­gen Ver­kaufs­tak­tik für Gele­gen­hei­ten eine gan­ze Men­ge „was“ zu bekom­men, das einem jemand schuldete.

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