B. ist spät dran an diesem 20. Novem­ber im 26. Jahr der Kli­mare­vo­lu­tion. Der zen­trale Weck­dienst hatte ihn erst geweckt, als der Wind wieder etwas stärker blies. Nachts war es fast wind­still gewesen und B.‘s Aufgabe in Zeiten grö­ße­rer Ener­gie­an­stren­gun­gen war es, sich ruhig zu ver­hal­ten, keine elek­tri­schen Geräte zu benut­zen und die Energie in wich­ti­gere Berei­che fließen zu lassen. Er konnte ja auch kaum anders, schließ­lich bestimmte das Smart­me­ter, wann Strom floss. B. gehört zur soge­nann­ten „ener­ge­ti­schen Kampf­re­serve” (früher Abwurf­last genannt), was bedeu­tete, dass er, zur Untä­tig­keit ver­pflich­tet, gele­gent­lich mit Kälte, Hunger oder dem Ver­lan­gen kämpfen musste, sich einfach etwas Wasser heiß zu machen und über ein paar Min­ze­blät­ter aus dem eigenen kleinen Garten zu gießen. Es gab eben nicht immer Strom. Nicht mehr für alle.

Der kühle, nebe­lige Novem­ber­mor­gen kroch B. die Beine hinauf, während er auf den E-Bus an der Bun­des­straße wartete. Es war schon kurz vor neun und er war zügig gelau­fen, um recht­zei­tig am Sam­mel­punkt zu sein. Die Busse fuhren schon lange nicht mehr in die kleinen Orte. E-Busse ent­fern­ten sich gene­rell nicht weit von ihren Depots, weil sie zu Beginn der großen Kli­mare­vo­lu­tion ständig liegen geblie­ben waren. Erlass Nummer 232, das Reich­wei­ten­ver­bes­se­rungs­ge­setz, erfand den Tat­be­stand der „Kli­ma­schä­di­gung durch Faul­heit“ und legte fest, dass es jedem Bürger zuzu­mu­ten sei, bis zu fünf Kilo­me­ter zu den Sam­mel­stel­len zu laufen. Außer­dem gab es Gesund­heits­punkte, wenn man das staat­li­che Trans­port­sys­tem nicht zu sehr belas­tete. Eine Win-Win-Win-Situa­tion, wie Gesund­heits­mi­nis­te­rin Künast und ÖPNV-Minis­ter Hof­rei­ter unisono ver­si­cher­ten.

B.’s Nachbar G. stapfte gut gelaunt auf den Sam­mel­punkt zu und bellte ihm ein über­trie­ben fröh­li­ches „Moin Nachbar“ ent­ge­gen. G. arbei­tet im Minis­te­rium für Kli­ma­kampf und hält sich für unge­mein wichtig. Ver­mut­lich ist er dort zwar nicht mehr als ein kleiner Ange­stell­ter, der Geneh­mi­gun­gen zum Betrieb von Elek­tro­ge­rä­ten erteilte oder entzog. Doch oft deutete G. in Zaun­ge­sprä­chen an, wie kurz das Minis­te­rium davor stehe, die all­ge­gen­wär­ti­gen Ener­gie­an­stren­gun­gen zu über­win­den und wie bedeu­tend sein Beitrag dazu sei. B. mochte G. nicht, ließ sich jedoch nie etwas anmer­ken. Man konnte sicher sein, dass G. ohne Zögern die Ver­mes­ser rufen würde, also jene Polizei-Kom­man­dos des Kli­ma­kampf-Minis­te­ri­ums, die in alt­mo­di­schen Ben­zin­autos ange­rast kamen und die Häuser der Denun­zier­ten aus­ein­an­der­nah­men, immer auf der Suche nach Ener­gie­ver­bre­chen und Kli­ma­ver­rat. Es war bekannt, dass die Ver­mes­ser immer etwas fanden. Sie waren sehr gründ­lich und erfin­dungs­reich. Die Klima-Scha­dens­punkte, die die Ver­mes­ser-Autos erzeug­ten, rechnet man stets dem Konto der Durch­such­ten an, was oft allein schon die Hälfte oder mehr der fäl­li­gen Geld­strafe aus­machte. Wenn es denn bei einer Geld­strafe blieb.

Wirk­lich wichtig konnte G. jeden­falls nicht sein, denn er fuhr stets mit dem Bus zur Arbeit. Autos sah man nur noch selten. Aller­dings gehörte G. nicht zur Reserve, sondern war Partei-Kader. Er fuhr jeden Tag zur selben Zeit mit dem Bus, ihn weckte kein Ener­gie­be­darfs­plan. Morgens brannte nicht nur das Not­licht der Stirn­lampe bei ihm und heute morgen, so glaubte B., hatte er sogar den Duft von schwar­zem Tee wahr­ge­nom­men, der aus dem keine zehn Meter ent­fern­ten Küchen­fens­ter des Nach­barn zu ihm drang, als er am Fenster stand.

Na, auch erst mal ein Täss­chen geschlürft, heute Morgen?“ fragte G., als er am Sam­mel­punkt ange­kom­men war. B. erstarrte. Der Tee! Er hatte am Fenster gestan­den, mit einer damp­fen­den Tasse Minztee in der Hand. Er hätte eigent­lich keinen kochen können, sein Smart­me­ter gab ihm noch keinen Strom. Auch war sein ganzes Haus noch dunkel gewesen. Den Tee hatte er auf seinem kleinen Cam­ping­ko­cher zube­rei­tet, den er ver­steckt hatte, als die Bri­ga­den der grünen Garde vor Jahren began­nen, von Haus zu Haus zu ziehen, um Mofas, Rasen­mä­her, Gas­grills und andere „Schäd­linge“ zu kon­fis­zie­ren. Ebenso wusste niemand von seinem kleinen Vorrat an Benzin, den er sich zuge­legt und gut ver­steckt hatte, als Erlass 208, das Gute-Luft-Gesetz, den Handel, den Besitz und die Benut­zung aller flüs­si­gen, festen und gas­för­mi­gen Koh­len­was­ser­stoffe ver­bo­ten hatte. G. hatte zwei­fel­los seine damp­fende Tasse gesehen, B.‘s Stirn­lampe und das dunkle Haus bemerkt und dann zwei und zwei zusam­men­ge­zählt. B.‘s Knie wurden weich als er sich aus­malte, wie die Ver­mes­ser kommen würden, zusam­men mit den grünen Garden, die ihnen stets auf dem Fuße folgten und er als Kli­ma­ver­bre­cher ange­klagt würden. Geschubst, ver­prü­gelt, kahl­ge­scho­ren und an den Pranger gestellt würde er schließ­lich in einem der Umer­zie­hungs­la­ger landen. Man hörte so einiges darüber und es waren keine schönen Geschich­ten. Wenn er doch nur nicht am Fenster gestan­den hätte! Wie konnte er nur so unvor­sich­tig sein!

Der Bus hielt am Sam­mel­punkt und B. stieg wortlos ein. Aus dem Augen­win­kel sah er, dass G. ihm nicht folgte, sondern ihn nur boshaft angrinste, sein Meldi aus der Tasche zog und damit demons­tra­tiv in B.‘s Rich­tung winkte. B. setzte sich auf einen freien Platz und über­legte fie­ber­haft. Der Bus würde 15 Minuten brau­chen, um ihn bei „Schelln­hu­ber-Solar 26” abzu­set­zen, der in die Jahre gekom­me­nen Solar­an­lage, wo er seit zehn Jahren Tag für Tag mit Besen den Staub von den Panee­len fegte oder Vogel­scheiße weg­kratzte, die die Leis­tung der Technik beein­fluss­ten. Dabei lie­ferte die Anlage ohnehin kaum noch Energie, schließ­lich war sie fast 25 Jahre alt und heute fehlten die Res­sour­cen und das Geld, um neue Paneele anzu­schaf­fen. Würden sie ihn gleich im Kraft­werk ver­haf­ten? Unwahr­schein­lich. Die Ver­mes­ser und die Grünen Garden würden einige Zeit brau­chen, um den Kocher und das Benzin zu finden. Man würde einfach auf ihn warten, in seinem Haus. Dem ein­zi­gen ohne Solar­pa­neele im ganzen Dorf. Er könnte fliehen, dachte er kurz, und sein Herz hüpfte für einen Moment, als wolle es schon vor­aus­ei­len. Doch die Eupho­rie schwand schnell. Womit und wohin? Seine Beför­de­rungs­be­rech­ti­gung reichte nur vom Dorf bis zum Kraft­werk und zu Fuß käme er nicht weit.

Resi­gniert sank B. auf dem Sitz des Busses zusam­men und ließ die letzten Jahre Revue pas­sie­ren. Alles war immer schlim­mer gewor­den, immer restrik­ti­ver. Das täg­li­che Leben und die Jagd nach Energie banden die meisten Res­sour­cen. Die staat­lich gesteu­erte Digi­ta­li­sie­rung taktete das Leben aller Men­schen, sofern sie nicht zum Kreis der „Planer“ gehör­ten. Das Meldi, ein auf Beschluss der EU-Kom­mis­sion ein­ge­führ­tes inner­eu­ro­päi­sches Smart­phone, regelte die Kom­mu­ni­ka­tion. Es war ebenso ver­pflich­tend wie das Smart­me­ter in jedem Haus und war mit ihm gekop­pelt. Jeder Ener­gie­ver­brauch musste über das Meldi bean­tragt und auto­ri­siert werden, jede Mei­nungs­äu­ße­rung, E-Mail oder SMS ging durch die Hass-Filter der Haupt­ab­tei­lung „AA“ des Innen­mi­nis­te­ri­ums, die aus der Amadeu-Antonio-Stif­tung her­vor­ge­gan­gen war. Die Minis­te­rin der Netze, Frau Baer­bock und die Minis­te­rin der feinen Rede, Frau Roth, bezeich­ne­ten das Meldi als „Über­fäl­lige Antwort Europas auf den welt­wei­ten Trumpis­mus-Puti­nis­mus” und als Win-Win-Win-Gerät.

Die Anfänge

Alles begann im Sep­tem­ber 2021, als Robert Habeck Kanzler einer Min­der­heits­re­gie­rung wurde. Zwar erreich­ten seine Grünen nur 32% der Stimmen, doch die andern Par­teien waren nicht mehr in der Lage, auch nur einen ernst zu neh­men­den Gegen­kan­di­da­ten auf­zu­stel­len und ergaben sich ihrem Schick­sal, nur noch als Beschaf­fer der 2/3-Mehr­heit für zahl­rei­che Ver­fas­sungs­än­de­run­gen zu dienen. B. war damals 18 Jahre alt und kam gerade vom Camping-Urlaub aus Holland zurück. Er hatte den kleinen Cam­ping­ko­cher, der ihm nun zum Ver­häng­nis werden würde, gerade in der Hand, als im ZDF Habecks erste „Rede an den Kli­ma­wan­del“ lief, in der er ankün­digte, das alte System zu besei­ti­gen und durch ein neues, bes­se­res zu erset­zen. B. konnte diese Rede aus­wen­dig. Kein Wunder, schließ­lich stand sie mitt­ler­weile als Prä­am­bel in der neuen deut­schen Ver­fas­sung, welche 2023 das zur Hass­rede erklärte Grund­ge­setz abge­löst hatte:

Genos­sen, Kli­ma­ret­ter, Freunde der Mensch­heit! Es ist Zeit, Schluss zu machen mit der Ver­gan­gen­heit und dieses Land, ja, die ganze Welt in eine neue Ära der Kli­ma­ge­rech­tig­keit, des Wohl­stan­des und der Gleich­be­rech­ti­gung zu führen. Auf diesem Weg muss uns das Banner der Jugend voran wehen, denn nur die Jugend ist reinen Herzens und von reiner Kli­ma­bi­lanz. Die revo­lu­tio­näre Jugend ist es, die CO2 sieht und durch Mut und Haltung, wie sie nur einer gerech­ten und wahr­haf­ti­gen Idee ent­sprin­gen kann, die Feinde des Klimas ent­lar­ven und zur Rechen­schaft ziehen werden. Tapfere Jugend, das dekar­bo­ni­sierte Zeit­al­ter ist nahe, doch es wird nicht anbre­chen bevor nicht der letzte Ver­bren­nungs­mo­tor, das letzte Stück Kohle und das letzte Gas­feu­er­zeug ver­nich­tet ist. Geh aufs Land, Grüne Jugend, trage die LED-Fackel der Revo­lu­tion zu den ver­stock­ten Bauern, den Fleisch­essern und Berufs­pend­lern. Ver­nich­tet die „vier Alten“, die da sind: Die alten Denk­wei­sen, die alten Kul­tu­ren, die alten Gewohn­hei­ten und die alten Sitten.“

Man hatte die Parolen sehr vage und unklar gelas­sen, so dass die Grünen Garden, wenn sie trom­melnd und hüpfend durch die Orte zogen, immer etwas fanden, was sie zer­tre­ten, kri­ti­sie­ren und ver­ur­tei­len konnten. Etwa die alte Denk­weise, indi­vi­du­elle Mobi­li­tät für eine Errun­gen­schaft der Zivi­li­sa­tion und Frei­heit zu halten, die alte Sitte, kli­ma­schäd­li­che Katzen und Hunde zu haben, die alte Gewohn­heit, in Zeiten der Ener­gie­an­stren­gung (so wurden ab 2022 die län­ge­ren Black­outs genannt) den alten Ben­zin­ra­sen­mä­her oder das Not­strom­ag­gre­gat her­vor­zu­ho­len, um der ego­is­ti­schen Ener­gie­ver­schwen­dungs­sucht zu frönen oder die alte Kultur, CO2 emit­tie­rende Wachs­ker­zen am Weih­nachts­baum anzu­zün­den. Das alles und vieles mehr kostete bald so viele CO2-Straf­punkte, dass es einem leicht die täglich halb­stünd­li­chen Wär­me­zu­tei­lun­gen für einen ganzen Winter kosten konnte – und die waren kalt in letzter Zeit, was die Grünen Garden und ihr großer Vor­sit­zen­der kur­zer­hand zum Ergeb­nis ihrer Kli­ma­ret­tungs­be­mü­hun­gen erklärt hatten.

Ganz flink waren die kleinen Revo­lu­tio­näre, die Straf­punkte in ihre Smart­pho­nes – die später durch Meldis ersetzt wurden – ein­zu­tip­pen. Die SMS mit dem Straf­be­fehl kam stets nur Sekun­den später. Sie waren Anklä­ger, Richter und Henker in Per­so­nal­union und je größer die Gruppen waren, in denen sie durch das Land zogen, umso hef­ti­ger waren die Exzesse. Mit Losun­gen wie „Wer Ver­bren­nungs­mo­to­ren ver­steckt ist Ener­gie­ver­bre­cher“ und „Auch Jesus ging zu Fuß“ zogen sie durch die Dörfer, hielten Autos an oder fackel­ten sie gleich ab, wenn sie ihnen „zu groß“ erschie­nen. Dann kamen die Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen per Ver­ord­nung, die Schlie­ßung der Tank­stel­len, dann das Gute-Sonne-Gesetz, das alle Haus­be­sit­zer, die sich keine Solar­zel­len aufs Dach schrau­ben wollten oder aus Geld­man­gel nicht konnten, zu Ver­däch­ti­gen und Ener­gie­schma­rot­zern erklärte.

Die auf­tre­ten­den Ver­sor­gungs­eng­pässe auf dem Land, die wegen des sich ver­schlech­tern­den Lie­fer­ver­kehrs immer wieder auf­tra­ten, schaffte man mit dem Gute-Ver­sor­gung-Gesetz zwar nicht ab, aber nun war jeder Haus­be­sit­zer mit mehr als 200 qm Garten per Dekret zum Selbst­ver­sor­ger gewor­den und mit Gar­ten­ar­beit beschäf­tigt, statt nutz­lose kri­ti­sche Blogs zu schrei­ben und sich über den deka­dent-blinden Dünkel der Groß­stadt­be­woh­ner und ihrer grünen Eliten lustig zu machen, die glaub­ten, der Strom käme aus der Steck­dose und das Gemüse aus dem Bio­markt. Es gab Kon­trol­len und wenn die Grünen Garden „schma­rot­ze­ri­schen Zier­ra­sen“ oder Bego­nien vor­fan­den, wo Kohl­rabi und Kar­tof­feln hätten wachsen können, wurde der Rasen­freund „zur Rede gestellt“ oder musste gleich vor Ort sein „Gras fressen“. B. reißt sich aus seinen Gedan­ken, denn der Bus hält und die Tür öffnet sich mit einem dumpfen Geräusch.

Aufwachen

[klong]

..

[klong?]

Indymedia, Screenshot Was ist los? Autsch! Ich bin offen­sicht­lich ein­ge­schla­fen, zur Seite gerutscht und mit dem Kopf unsanft auf die Tisch­platte geknallt. Meine Güte, was für Träume! Wie kommt man nur auf sowas! Kranke Phan­ta­sie? Habe ich Fieber? Da fällt mein Blick auf die Artikel, die ich gerade gelesen hatte. Die TAZ begrün­det aus­führ­lich, warum Verbote die eigent­li­che Frei­heit seien, auf Indy­me­dia feiern Kli­ma­ak­ti­vis­ten ihr Bar­be­cue mit vier „back­fri­schen Porsche-Cayenne“ im Namen des Kli­ma­schut­zes, in Berlin sperr­ten Gretas Klima-Kids SUV’s mit Flat­ter­band ab und stell­ten deren Fahrer „zur Rede“, warum sie in der Stadt ein so schäd­li­ches Auto fahren würden. Außer­dem war ein Wiki­pe­dia-Artikel geöff­net, in dem die Parolen und die Vor­ge­hens­weise während der Kul­tur­re­vo­lu­tion in China und die Hand­lun­gen der ver­blen­de­ten, miss­brauch­ten Jugend beschrie­ben sind, die mordend und maro­die­rend durch das Land zogen, um „Die vier Alten” zu ver­nich­ten. Die alten Denk­wei­sen, die alten Kul­tu­ren, die alten Gewohn­hei­ten und die alten Sitten. Hab wohl doch kein Fieber. Ich habe im Traum einfach zwei und zwei zusam­men­ge­zählt.

Titel­foto: Flickr

24 Kommentare

  1. Die Erzäh­lung ist deshalb so beängs­ti­gend, weil es tat­säch­lich so kommen könnte. Der reale Auftakt zu dieser Denk- und Lebens­weise war zu Beginn der Kam­pa­gne die Fest­stel­lung von Frau Baer­bock, man brauche doch gar nicht die teuren Ener­gie­spei­cher, denn die Energie könnte ja im Strom­netz gespei­chert werden. In die gleiche Kerbe haute vor wenigen Tagen eine Aussage einer Wirt­schafts­jour­na­lis­tin der Wirt­schafts­Wo­che bei Phoenix oder Pres­se­club „Koh­len­di­oxid ist der Müll der Atmo­sphäre”. In Teil 2 der Repor­tage von Roger Letsch wäre der Bericht des Erzäh­lers über seine Ein­drü­cke nach der Rück­kehr von einer Aus­lands­reise inter­es­sant, in dem der deut­sche Energie-Wahn­sinn noch nicht um sich gegrif­fen hat.

  2. Ich musste immer wieder herz­haft lachen, aber immer mit dem Gedan­ken im Hin­ter­kopf, dass wir uns ja bereits schon jetzt nicht sehr weit von so einer Situa­tion ent­fernt befin­den, oder man eine solche als gänz­lich unrea­lis­tisch aus­schlie­ßen könnte. Erschre­ckend .

  3. Habe soeben den ver­link­ten Artikel in der „taz” gelesen und würde gern Max Lie­ber­mann zitie­ren.

  4. Ganz großes Kino. Eine erschre­ckende Mischung aus „1984” und „Das Leben der Anderen”. Erschre­ckend vor allen Dingen deshalb, weil man den Text vor wenigen Jahren als dys­to­pi­sche Spin­ne­rei abgetan hätte und heute alles für prin­zi­pi­ell möglich hält.

  5. Zwei Pro­phe­ten saßen auf einem Berg.
    Und sie sahen auf die Trümmer der letzten Zili­vi­sa­tion herab.
    Also sprach der Eine zum Anderen:
    „Du wusstet das dies pas­sie­ren würde.”
    „Ja.”
    „Wieso ist es dann pas­siert?”
    „Die Men­schen wussten es eben besser.”

  6. Her­vor­ra­gend!!!
    Das ist schon Lite­ra­tur. Span­nend geschrie­ben. Viel­leicht können Sie aus diesem Frag­ment einen rich­ti­gen Roman machen. Der könnte im rich­ti­gen Verlag ein Rie­sen­er­folg werden. Bitte denken Sie darüber nach. Und wenn Sie diesen Roman schrei­ben, dann mög­lichst bald. Die kul­tu­relle und indus­tri­elle Desta­bi­li­sie­rung Deutsch­lands und West­eu­ro­pas ent­wi­ckelt sich auch zügig.
    Herz­li­che Grüße aus der noch glück­li­chen Schweiz von einem ehe­ma­li­gen Ossi

  7. Wollt ihr die total grüne Welt? Jaaaaaaa! Nicht nur Deutsch­land ist von der Öko­hys­te­rie betrof­fen. Der Klima„schutz”-Wahn hat bereits den halben Pla­ne­ten befal­len: Gestern erst kün­dig­ten 24 von 28 EU-Ländern an, bis 2050 „kli­ma­neu­tral” zu werden. Weit und breit keine Kraft, die den Irrsinn wenigs­tens bremsen, geschweige denn stoppen könnte. Die Links­grü­nen haben ganze Arbeit geleis­tet und die ein­schlä­gige Gehirn­wä­sche geht weiter (Unter anderem die ARD setzt ihren Dau­er­wahl­kampf für die Grünen fort: https://​www1​.wdr​.de/​d​a​s​e​r​s​t​e​/​h​a​r​t​a​b​e​r​f​a​i​r​/​s​e​n​d​u​n​g​e​n​/​b​e​i​m​k​l​i​m​a​p​r​i​m​a​-​1​0​0​.​h​tml; in ähn­li­cher Weise trom­meln auch private „Leit­me­dien” täglich für die Zeugen Gretas).
    Lieber Herr Letsch, Ihr groß­ar­ti­ges Stück sollte mög­lichst umge­hend ver­filmt und dann inten­sivst bewor­ben werden. Viel­leicht würde das wenigs­tens ein bißchen helfen. Und sei nur, um die schlimms­ten Aus­wüchse der Öko­dik­ta­tur abzu­weh­ren (s. auch: Gretins an die Macht! https://​tinyurl​.com/​y​3​m​5​2​uul). Aller­dings ist auch die Film­wirt­schaft inzwi­schen arg ver­grünt. Es dürfte also schwer sein, Pro­du­zen­ten, Dar­stel­ler, einen Regis­seur und Kinos sowie TV-Sender für ein solches Projekt zu gewin­nen. Aber einen Versuch wäre es allemal wert.

  8. Aus der Sicht des ‚Denun­zi­an­ten’? ‚Armer B.’? Gründe?

    Warum sollte ein’ Mit­läu­fer’ gleich­gül­tig sein – viel­leicht setzt er nur andere Prio­ri­tä­ten? Wobei es einen’ Mit­läu­fer’ im Dritten Reich sys­tem­be­dingt gar nicht geben konnte, keine Ahnung, welche ‚man’ da zu kennen glaubt.

    Ab- oder Zunei­gung sind nicht dis­pu­ta­bel, nach den Gründen fragen darf man schon, wenn’s inter­es­siert – auch ‚diesen Typus’.

    • Man kann beleuch­ten, wie G. zu dem wurde, was er ist, wie sein Welt­bild und seine intrinsi­sche Sicht zustande kamen und was ihn antreibt. Leicht ist das sicher nicht.

      • Ähmdoch, Roger, es ist nicht sehr schwer, den Wer­de­gang, ja auch und gerade den inneren, des G. her­aus­zu­fin­den und zu beleuch­ten, warum er einfach keine andere Wahl hatte. Genü­gend Anhalts­punkte stecken ja schon in Deiner feinen Geschichte, so deut­li­che, dass der Leser den G. vor sich sieht.
        Etwa die Geste, mit der er das Meldi zückt. Also, da war doch mal was?, ein Schlüs­sel­er­leb­nis in ach seiner Schul­zeit, als er nichts war, während die super­po­pu­läre Gruppe der Greta-Thun­berg-Jünger jedoch ALLES war. Er durfte nicht mit zu denen gehören, denn einer mit fal­schen Kla­mot­ten, der auch noch näselt, leicht errötet, Al Gores heilige Schrif­ten nicht zitie­ren kann und nie den rich­ti­gen, anga­schier­ten Ton trifft, nein, mit dem hat man ja nischt zu tun. Zumal G. dazu immer die Mädchen anstarrte, und das ist doch Mikro­ag­gres­sion, Sexis­mus, ja Objek­ti­vie­rung und Ver­ge­wal­ti­gung! Und da war immer dieses hämi­sche Wedeln (auf dem Pau­sen­hof vor allen Leuten) mit den Posi­ti­ons­pa­pie­ren, in denen drin­stand, wer der Greta Thun­berg bei welcher Frei­tags-Gele­gen­heit online was ins Fat­ze­buck schrei­ben durfte, und da stand der arme G. nun mal nie mit drin. Ach, er wurde bei Face­book sie­ben­mal und dann völlig gesperrt, weil er mit wach­sen­der Ver­zweif­lung ver­sucht hatte, sich bei St. Greta ein­zu­schlei­men. Und das stand dann in dem neuen Posi­ti­ons­pa­pier drin, im TOP „Schwarze Liste”, wo vor allen Leuten auf­ge­lis­tet wurde, wer ein Abweich­ler war, und warum.
        Also fasste der G. zum ersten Mal in seinem Leben eine Ent­schei­dung. Die Ent­schei­dung seines elenden Lebens. Nämlich als der A., der St. Greta offi­zi­ell den Hof machen durfte, heim­lich beim MacDonald’s einen Big Mac fraß. Da hat der G. den A. nämlich gesehen, fres­sen­der­weise. Er hat mit dem Smart­phone, dem Vor­gän­ger des Meldis, fünf sehr schöne Fotos gemacht, wie der große A. da diesen sehr großen ent­setz­li­chen Bic Mac fraß, und er hat alles sofort in allen ver­füg­ba­ren Sso­schal-Miiiidia ver­öf­fent­licht. Damit stand der A. am nächs­ten Schul­mor­gen als der größte Ver­rä­ter da, den die Mensch­heit je gesehen hatte, und der B., die C. und die D., die den A. schon immer der größten Saue­reien ver­däch­tigt hatten, fei­er­ten den G. plötz­lich vor allen Leuten als guten Kerl.
        Das reichte dem G. aber nicht. Er hatte ja jetzt die MACHT gespürt. Wes­we­gen er sich noch heute bei der Amadeo-Antonio-Stif­tung bewarb, als Volon­tär, und da machte er es genauso wie mit dem A., denn alle taten dort heim­lich diese ent­setz­li­chen pri­vat­heim­li­chen Fehl­tritte, hatten die fal­schen Bekann­ten, redeten mit­ein­an­der rechts­po­pu­lis­ti­sche Saue­reien, flüs­ter­ten sexis­tisch über Trans­frauen und fraßen inco­gnito beim MacDonald’s.
        So kam es, dass man nir­gendwo mehr ohne den G. konnte, und stieg unauf­halt­sam auf. Er war zwar weiter elend unglück­lich, denn MACHT hat man ja nie genug!, MAAACHT!!, aber noch heute arbei­tet er daran, immer mehr zu kriegen. Und als Denun­zi­ant geht viel, ja wenn nicht ALLES. Damit wird man sogar Vor­sit­zen­der und mehr, und alle kuschen sie, dann.

        • Ich betrachte es aber als meine Aufgabe, G’s Kosmos in den pas­tel­ligs­ten Farben zu malen, die auch die Gretas und wie sie alle heißen ver­wen­den, wenn sie von der für­der­hin dekar­bo­ni­sier­ten Welt phan­ta­sie­ren. G’s Welt muss eine sein, in die man gern und frei­wil­lig ein­träte, deren Parolen man frei­wil­lig sänge und zu deren Hei­li­gen man gerne beten würde, wenn…ja wenn man an einfach Lösun­gen für Über­kom­plexe Pro­bleme glaubte. Und ich gebe zu, diese Welt zu ent­wer­fen, ist ungleich schwe­rer, als sie von außen ableh­nend zu zeich­nen.

  9. Beklem­mend! Es ist furcht­bar, weil es so nah ist, fast greif­bar. Das wirk­lich unfass­bare an der ganzen Misere ist ja, daß aus­ge­rech­net eine Phy­si­ke­rin diesen Wahn­sinn ange­fan­gen, und gestern sogar noch aus­ge­wei­tet hat. Kli­ma­ziele ver­schärft. Fünf-Jahres-Plan-Physik. Das Netz ist der Spei­cher.
    Immer­hin wird es bei den Kampf- und Kri­tik­sit­zun­gen* eines nicht geben: Die helle Lampe, die einem zur Zer­mür­bung durch Schlaf­ent­zug ins Gesicht scheint.

    Nächs­ter Halt wird wohl das Schöne Blogs Gesetz sein, das kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Sub­jek­ten wie uns die Platt­form ent­zieht. Oder man ori­en­tiert sich an Thomas Moores „Utopia“, da ist es illegal, sich außer­halb des Regie­rungs­ge­bäu­des über Politik zu unter­hal­ten. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich diese eher obskure Sache hier erwäh­nen soll, womög­lich liest es der Falsche, und nimmt es als Anre­gung.

  10. Sie haben ver­ges­sen die Mauer im Deutsch­land zu erwäh­nen, die natür­lich dazu da ist Kli­ma­sün­der an der Flucht zu hindern 😉

    Super Artikel.
    Ich hoffe sie haben nichts dagegen, wenn ich ihn Papier­ver­schwen­de­risch aus­dru­cke und bei der Arbeit auf unsere Pinwand klebe.

  11. WOW – !! Hier liest man ein jour­na­lis­ti­sches Meis­ter­werk, das einen total umhaut!
    Danke!
    Man weiß nicht, ob man fas­sungs­los lachen oder weinen soll.

      • 🙂
        Feiner Text, besten Dank.
        Nur eins: Die Iden­ti­fi­ka­tion des Lesers mit dem armen B. ist vor­her­seh­bar, nicht? Besser für den Text, weil noch gemei­ner unter Bei­be­hal­tung der poli­ti­schen Aus­sa­gen, wäre die Per­spek­tive aus der Sicht des Denun­zi­an­ten.

        • Lieber Ari, es wird mir zwar extrem schwer fallen, mich in diese Rolle zu begeben, aber viel­leicht ver­su­che ich das mal. Für Teil 2. 😉

          • Ah!, sehr schön 🙂
            – Oder die Per­spek­tive aus der Sicht eines Gleich­gül­ti­gen, der sich das alles mit ansieht und ohnehin noch nie etwas gegen etwas oder für etwas getan hat. So der Typus des Mitäu­fers, den man aus der DDR kennt und aus dem dritten Reich, aber auch aus dem kalten Krieg (ober- oder unter­schwel­li­ger Amerika-Hass, aber immer mit der demo­kra­tisch gewen­de­ten Ex-weil-nie-Nazi-Ober­schicht mar­schie­rend), und jetzt hat man diesen Typus ja auch wieder am Hals, so mitten im Äon des gras­sie­ren­den Anti­ras­sis­mus, des fana­ti­schen Admi­nis­tra­ti­vis­mus und der hei­li­gen Kli­ma­re­li­gion.

            • Die kleine Men­schen­menge in der Stube tobte: „Kli­ma­sün­der zu Pflug­scha­ren erzie­hen! Zukunfts­fä­hig­keit wie­der­her­stel­len!”
              Soeben war im Kli­ma­ziel­tag-Modell­pro­zess (jähr­lich am Sonntag zwei Wochen vorm Advent) das Urteil über die Ange­klag­ten gespro­chen: schul­dig.
              Inzwi­schen war Kli­ma­ziel­tag­fei­ern wich­ti­ger als der Natio­nal­fei­er­tag, weshalb I. eine Son­der­en­er­gie­zu­tei­lung und sogar einen Leih­fern­se­her bekom­men hatte, um als Kli­ma­ver­dien­tes­ter des letzten Jahres eine Feier für das ganze Dorf aus­zu­rich­ten. Jeder mit seiner eigenen Feier hätte schließ­lich auch zuviel ver­braucht.

              Der Reihe nach zeigte die Kamera die Kli­ma­sün­der. Auch aus I.s Ort war jemand dabei, der Öko­bi­lanz­frev­ler G. Schwar­zer Tee aus Sri Lanka, eine halbe Welt ent­fernt: Trans­port-CO2 mit dem Fuß­ab­druck eines Dino­sau­ri­ers. I. hatte das Mel­di­bild mit den Tee­beu­teln selbst an die Prima-Klima-Stelle geschickt; die Ver­mes­ser fanden außer einem ganzen Kilo des apo­ka­lyp­ti­schen Zeugs gleich zwei Cam­ping­ko­cher, ein Not­strom­ag­gre­gat – und sogar gut ver­steckte Glüh­bir­nen und Benzin.
              Als sie schon auf dem Weg waren hatte die Webcam des EBusses noch auf­ge­zeich­net wie G. perfide ver­sucht hatte den Tee seinem Nach­barn B. anzu­hän­gen – bei B. hatten die Ver­mes­ser aber nichts gefunn­den, als I. sie nach der Razzia bei G. kurz „sicher­heits­hal­ber” mit seinem Ersatz­schlüs­sel einließ. I. tippte dem jetzt neben ihm sit­zen­den B. halb spöt­tisch an den Ellen­bo­gen und nickte zum Bild des ange­pran­ger­ten G.: „Schul­dest mir dafür eigent­lich no was.”
              „Sag einfach, wasd magst.”
              „Weiß no net. Komme irgend­wann bei Gele­gen­heit drauf zrück.”

              Es war mit der rich­ti­gen Ver­kaufs­tak­tik für Gele­gen­hei­ten eine ganze Menge „was” zu bekom­men, das einem jemand schul­dete.

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