Ich bin mir nicht sicher, ob es der Geschichts- oder Rus­sisch­un­ter­richt war, in dem ich den Namen Soja Kos­mo­dem­jans­ka­ja zuerst hör­te. Jeden­falls gehört er zu dem schlecht sor­tier­ten Scher­ben­hau­fen rus­si­scher Voka­beln und Namen, die in mei­nem Kopf ein eher unbe­ach­te­tes Dasein füh­ren. In letz­ter Zeit und aus gege­be­nem Anlass – etwa, weil ich müh­sam ein paar kyril­li­sche Buch­sta­ben in einer Mel­dung auf Face­book oder Twit­ter ent­zif­fern muss – set­zen sich eini­ge der Scher­ben wie­der zusam­men wie auch der Name Kos­mo­dem­jans­ka­ja, einer Par­ti­sa­nin aus dem Raum Mos­kau, Hel­din der Sowjet­uni­on, Iko­ne des Wider­stands und Säu­len­hei­li­ge, nach der in der DDR Schu­len und NVA-Pan­zer­di­vi­sio­nen benannt wur­den. Gefan­gen und hin­ge­rich­tet von der deut­schen Wehr­macht am 29. Novem­ber 1941 im rus­si­schen Dorf Perischt­sche­wo. So kann man es auf Wiki­pe­dia nachlesen.

Anlass des Erin­nerns war ein Video auf Face­book, in dem offen­sicht­lich ein etwa lebens­gro­ßes Denk­mal Kos­mo­dem­jans­ka­jas von meh­re­ren Män­nern mit Sei­len grob von sei­nem lädier­ten Sockel gezo­gen und zer­stört wur­de. Es war nicht all­zu schwer her­aus­zu­fin­den, ob das Video echt ist und wo es auf­ge­nom­men wur­de. Mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit stammt es aus der nord­ukrai­ni­schen Stadt Tscher­ni­hiw und wur­de im April 2022 auf­ge­nom­men (Hier sehen Sie das Ergeb­nis). „Wer tut sowas?“ war die offen­sicht­li­che Fra­ge und in der ukrai­no­pho­ben Frak­ti­on mei­ner Lands­leu­te war die Ant­wort auf die Fra­ge schnell bei der Hand. Nur die faschis­ti­schen Ukrai­ner wür­den sich der­art bru­tal an der Erin­ne­rung an eine rus­si­sche sowje­ti­sche Anti­fa­schis­tin vergehen!

Ver­glei­che kom­men einem in den Sinn, die jedoch nur auf den ers­ten Blick tref­fend sind. Etwa als die Ira­ker in Bag­dad mit Hil­fe ame­ri­ka­ni­scher Mili­tär­tech­nik das gigan­ti­sche Stand­bild Sad­dam Hus­seins vom Sockel zerr­ten. Doch gehör­te Kos­mo­dem­jans­ka­ja nicht zu den Guten? Schließ­lich kämpf­te sie für ihre Hei­mat und gegen die deut­schen Besat­zer, wäh­rend Sad­dam recht ein­deu­tig der Des­pot sei­nes Lan­des und ver­ant­wort­lich für ein bru­ta­les Sys­tem der Unter­drü­ckung war. Kos­mo­dem­jans­ka­ja unter­drück­te nie­man­den, ihr Denk­mal in Tscher­ni­hiw wur­de lan­ge nach ihrem Tod errich­tet, noch zu Zei­ten der Sowjet­uni­on. Was macht sie also bei den Ukrai­nern vor Ort so ver­hasst, dass die­se nun auch Krieg gegen Stei­ne füh­ren? Und ist hier wirk­lich Faschis­mus am Werk, wie die Laut­spre­cher des Kremls es heu­te gern allem Ukrai­ni­schen anlasten?

Nirgends ein kleinster gemeinsamer Nenner mehr

Die ers­ten Sta­tu­en, die in der an heroi­schen Memo­r­ablen nicht gera­de armen DDR abge­räumt wur­den, waren die Sta­lins. Klamm­heim­lich und ohne gro­ße Erklä­run­gen ver­schwan­den Denk­ma­le und Stra­ßen­na­men aus den Stadt­bil­dern. Die unter Chruscht­schow ver­ord­ne­te Ent­sta­li­ni­sie­rung war frei­lich auf den Stra­ßen leich­ter durch­zu­füh­ren als in den Köp­fen. Mit dem Unter­gang der DDR ver­schwan­den schließ­lich auch Lenins stei­ner­ne Hand­wei­sun­gen, jedoch recht zivi­li­siert mit Hil­fe von Kran statt Ham­mer. Auch wenn die zer­fal­len­de Sowjet­uni­on damals genug mit sich selbst beschäf­tigt war, waren die Ver­ant­wort­li­chen im wie­der­ver­ein­ten Deutsch­land klug genug, nur eine geschei­ter­te impe­ria­le Ideo­lo­gie von den Sockeln zu holen und – etwa in Ber­lin Trep­tow – die Gedenk­or­te an den Blut­zoll der Roten Armee intakt zu las­sen. Man nahm ihnen zwar das Pathos, die Pati­na jedoch ließ man ihnen.

Im Moment sieht es jedoch so aus, als wol­le man über­all „Tabu­la rasa“ machen mit allem, was irgend­wie rus­sisch oder – was in der Wahr­neh­mung der Welt schon immer iden­tisch war – sowje­tisch ist. Nicht nur in der über­fal­le­nen Ukrai­ne wer­den Denk­mä­ler geschleift. Auch in ande­ren Län­dern, die der Wes­ten zumin­dest lan­ge Zeit gern und groß­zü­gig der „rus­si­schen Ein­fluss­sphä­re“ zuord­ne­te, fin­det sich Ver­gleich­ba­res. Auch in Polen wer­den gera­de Denk­mä­ler der Roten Armee abge­ris­sen. Ein Wun­der eigent­lich, dass sie aus­ge­rech­net dort so lan­ge gestan­den hatten.

Der letzte Besatzer ist immer der Schlimmste

Von Deutsch­land aus betrach­tet erscheint es klein­lich, ja kin­disch, sich an Stei­nen abzu­ar­bei­ten, die aus der Ver­gan­gen­heit auf uns gekom­men sind. Es ist und bleibt Van­da­lis­mus und den wer­de ich nicht ent­schul­di­gen. Doch soll­ten wir bei der Betrach­tung der zer­stör­ten Sta­tue in Tscher­ni­hiw etwas zurück­tre­ten und auf Weit­win­kel zoo­men. Am 3. März 2022 began­nen die rus­si­schen Luft­schlä­ge gegen die Stadt Tscher­ni­hiw. Es war die Zeit des Vor­mar­sches der Rus­sen in Rich­tung Kiew und als Stand­ort des ukrai­ni­schen „Armee­kom­man­dos Nord“ war Tscher­ni­hiw direkt Kriegs­schau­platz. Die Kämp­fe in der Regi­on ende­ten erst am 4. April, etwa 700 Men­schen kamen laut ukrai­ni­schen Anga­ben ums Leben.

Zer­stör­te Sta­tue der Soja Kos­mo­dem­jans­ka­ja in Tschernihiw.

Schaut man sich das Bild der zer­stör­ten Sta­tue der Kos­mo­dem­jans­ka­ja genau­er an, fal­len am Gebäu­de im Hin­ter­grund die kaput­ten Fens­ter und die Ein­schuss­lö­cher in der Fas­sa­de auf. Ich weiß es natür­lich nicht wirk­lich, aber es ist plau­si­bel, dass Kämp­fe auch dort statt­fan­den. Zoomt man noch ein wenig wei­ter raus, sieht man viel­leicht, wie der „Krieg der Stei­ne“ auf der ande­ren, der rus­si­schen Sei­te geführt wird. Ver­schie­de­ne Mel­dun­gen (ich ver­lin­ke hier eine tür­ki­sche) zei­gen, dass im von Russ­land erober­ten Mariu­pol eine Sta­tue des „Groß­müt­ter­chen Anya“ errich­tet wur­de. „Als Sym­bol des Mut­ter­lan­des für die gesam­te rus­si­sche Welt“. In den Hän­den hält sie die Fah­ne der Sowjet­uni­on. In Henit­schesk, einer klei­nen, nun eben­falls besetz­ten Stadt am Asow­schen Meer, kleb­ten die neu­en Her­ren das im Jahr 2015 abmon­tier­te Denk­mal Lenins wie­der zusam­men. Die ukrai­ni­sche Nach­rich­ten­sei­ten schäu­men vor Wut, wenn sie über sol­che Vor­fäl­le berich­ten und ver­ber­gen ihre Genug­tu­ung nicht, wenn sowje­ti­sche Denk­mä­ler abge­ris­sen wer­den. Im Krieg der Stei­ne lau­fen Abriss und Errich­tung von Denk­mä­lern gewis­ser­ma­ßen um die Wette.

Dass dies alles einer wie­der­erwach­ten faschis­ti­schen Gesin­nung ent­springt, kann nur glau­ben, wer in dem wech­sel­sei­ti­gen Stei­ne­ver­schie­ben ein Zei­chen von Stär­ke sieht. Es han­delt sich mei­ner Mei­nung nach um Zei­chen der Schwä­che. Auf bei­den Sei­ten. Die Ohn­macht der Ukrai­ne, die rus­si­sche Inva­si­on zu been­den und die faden­schei­ni­ge Recht­fer­ti­gung Russ­lands für die Inva­si­on, für die man die toten Sym­bo­le einer geschei­ter­ten Epo­che bemü­hen muss. Und weil die letz­ten Besat­zer immer die schlimms­ten und bedroh­lichs­ten sind, holt man in der Ukrai­ne gegen die Gespens­ter der sowje­ti­schen Zwangs­ge­mein­schaft jene der Fein­de der Sowjet­uni­on aus dem Zwei­ten Welt­krieg her­vor. Nicht wis­send oder sehen wol­lend, dass natio­na­lis­ti­sche oder gar faschis­ti­sche Gespens­ter Putin nicht erschre­cken, son­dern mühe­los als Grund und Anlass die­nen können.

Der Krieg der Stei­ne wird wei­ter­ge­hen in der Ukrai­ne und er ist nur eines von vie­len Schlacht­fel­dern, auf dem jeder genau die Bil­der von Unge­heu­er­lich­kei­ten fin­den wird, die er sucht und glau­ben will. Der Hass auf alles, was die jeweils ande­re Sei­te aus­macht und defi­niert, ist so groß und alt, dass es, selbst wenn der Krieg heu­te enden wür­de, lan­ge dau­ern wür­de, bis man in Russ­land und der Ukrai­ne wie­der Anknüp­fungs­punk­te und sowas wie einen „kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner“ fin­den kann.

Wer heu­te das Unter­ge­schoss des Reichs­tags­ge­bäu­des in Ber­lin besucht, kann dort die restau­rier­ten Krit­ze­lei­en der Sol­da­ten der Roten Armee betrach­ten, die die­se nach ihrem Sieg im Jahr 1945 dort hin­ter­las­sen haben. Nur eini­ge beson­ders obs­zö­ne wur­den auf Wunsch der rus­si­schen Bot­schaft bei der Restau­rie­rung des Gebäu­des ent­fernt. Eines Tages, wenn die­ser Krieg endet, so hof­fe ich, wird sol­ches auch in der Erin­ne­rungs­kul­tur zwi­schen Rus­sen und Ukrai­nern end­lich mög­lich sein. Dann wird man den Lenin in der Ukrai­ne end­gül­tig abmon­tie­ren und hof­fent­lich auch Obs­zö­ni­tä­ten wie sei­ne Mumie an der Kremlmau­er ver­schar­ren und die Sta­tue der Kos­mo­dem­jans­ka­ja wie­der auf ihren Sockel in Tscher­ni­hiw stellen.

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17 Kommentare

  1. Das tut mir wirk­lich leid. Sie haben voll­kom­men recht. „Ver­schie­de­ne Mel­dun­gen zei­gen, dass im von Russ­land erober­ten Mariu­pol eine Sta­tue des „Groß­müt­ter­chen Anya“ errich­tet wur­de.“ ist natür­lich kor­rekt. Ich hat­te Ihren Bei­trag auf achgut.com gele­sen. Dort ist das Genus von „Müt­ter­chen“ falsch.

    • Sie lie­gen falsch, fürch­te ich. Am Satz „Ver­schie­de­ne Mel­dun­gen zei­gen, dass im von Russ­land erober­ten Mariu­pol eine Sta­tue des „Groß­müt­ter­chen Anya“ errich­tet wur­de.“ hat auch der Duden nichts aus­zu­set­zen. …bis auf die Tat­sa­che, dass ich Mari(o)pol falsch geschrie­ben habe. 😀
      Das „des“ bezieht sich auf die Sta­tue, nicht auf die Großmutter.

  2. Gut gegen­dert: eine Sta­tue der „Groß­müt­ter­chen Anya“ . „Das Groß­müt­ter­chen“ ist ja auch ein­fach zu lupen­rei­nes Deutsch. Kein Neusprech.

    • Ich ver­ste­he den Ein­wand nicht. Groß­müt­ter­chen ist eine durch­aus gebräuch­li­che Über­set­zung des Wor­tes Babusch­ka. Ver­nied­li­chung inklu­si­ve, so hab ich das mal im Rus­sisch­un­ter­richt gelernt. Wo Sie da Gen­de­rei erbli­cken, ist mir Schleierhaft.

  3. Ach, Du miss­ver­stehst das alles. Die rus­si­schen Sta­tu­en die­nen dazu, den Geist des Faschis­mus auf qua­si magi­sche Wei­se zu ban­nen. Dar­um wur­den sie errich­tet. Der Krem­pel dien­te nicht dazu, unter­joch­ten Völ­kern die rus­si­sche Über­le­gen­heit unter die Nase zu rei­ben, son­dern ledig­lich dem unei­gen­nüt­zi­gen Zweck, Hit­lers Geist im Grab zu hal­ten. Doch da die­se stil­len Wäch­ter nie­der­ge­ris­sen wur­den, ist der Nazis­mus und Faschis­mus wie­der erwacht, und zu neu­em Leben erwacht, und wir sind (end­lich) wie­der alle Nazis. Nach­zu­le­sen ists hier:

    https://ria-ru.translate.goog/20220430/zapad-1786247361.html

    https://ria.ru/20220430/zapad-1786247361.html

    Anläss­lich die­ser freu­di­gen Ent­wick­lung hab ich mal eine klei­ne Rede vorbereitet:

    Ehm. *räus­per*

    Kame­ra­den, der schlech­te Frie­den ist vor­über, die Zeit des guten Krie­ges ist end­lich wie­der ange­bro­chen. Die bron­ze­nen Dämo­nen, die unse­re uralten ger­ma­ni­schen Zei­chen bis­her gebannt hiel­ten, wur­den her­nie­der­ge­ris­sen, und end­lich flat­tert unse­re Fah­ne wie­der, für jeder­mann sicht­bar, frei am Firnament.

    Erneut stre­ben asia­ti­sche Hor­den an, das euro­päi­sche Vater­land zu erobern, um ihre dämo­ni­schen Monu­men­te wie­der zu errich­ten, und erneut müs­sen wir uns ihnen mit aller Ent­schlos­sen­heit in den Weg wer­fen. Ver­rä­ter sit­zen in unse­ren eige­nen Rei­hen, wäh­rend der Ivan im Osten die Wie­der­auf­nah­me sei­nes Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges vor­be­rei­tet. Doch, das muss ich ganz klar sagen, Gott sei Dank ist die Era des schlech­ten Frie­dens nun vor­bei, und die Zeit des gro­ßen Kamp­fes wie­der ange­bro­chen, denn nur im Kamp­fe wird unter har­ten Ham­mer­schlä­gen die Schla­cke vom eher­nen Her­zen des Volks­kör­pers abge­schie­den und her­un­ter­ge­bro­chen, damit sich die­ser nicht ver­kom­men und ver­ros­ten mag, son­dern sich statt­des­sen ganz und gar dem ewi­gen Gefecht hin­ge­ben kann.

    Ich weiß, auch Ihr spürt, wie ein blei­er­ner Fluch von unser aller Glie­der abge­fal­len ist, als das sovie­ti­sche Schand­mal gestürzt wur­de, und wir nun, wie aus einem fins­te­ren Trau­me erwacht, daste­hen, uns den Schlaf aus den Augen rei­bend fra­gen, wo wir unse­re Uni­form nie­der­ge­legt haben, und wo die Arm­bin­de, die anzu­le­gen wir nun gedenken.

    In die­sem Sin­ne sage ich Euch: Blut für den Blut­gott! Schä­del für den Schädelthron!

  4. Die Denk­mä­ler sind unbe­waff­net, Herr Letsch, das macht vie­les leichter…sehr schön, dass Sie für unse­re tür­ki­schen Freun­de eine ent­spre­chen­de Quel­le anfüh­ren, die auch dort einen Video­clip zeigt, der offen­bar nicht voll­stän­dig ver­stan­den wurde.

    Deh­nen wir die His­to­rie ein wenig aus, so stellt sich unwei­ger­lich die boh­ren­de Fra­ge: Wann eigent­lich fand die­se Meta­mor­pho­se statt — die Ver­wand­lung die­ses fried­lie­ben­den Staats­ge­bil­des Sowjet­uni­on, das von bru­ta­len deut­schen Scher­gen grund­los über­fal­len wur­de, in einen unbe­re­chen­ba­ren, tücki­schen Feind, dem die eben­falls fried­lie­ben­den Staa­ten des Wes­tens seit lan­gem ent­schlos­sen die Stirn bieten…wegen der Wer­te, glau­be ich…da müss­te ich jetzt noch­mal nachschauen…

    In Bezug auf Ihre Anmer­kun­gen zu Gos­po­din Putin, lie­ber Ben, ist mir die Ein­sicht, dass Sie kei­ne Ahnung haben, beson­ders ange­nehm aufgefallen.

    Lie­be Grüße

    • @M.Sixt Eigent­lich weiß ich gar nicht so recht, ob es Sinn macht, auf einen Kom­men­tar wie Ihren ein­zu­ge­hen. Es gehör­te ja mal zu einer Kul­tur­tech­nik, Unsinn Unsinn sein zu las­sen und nicht stän­dig, v.a. online, in ewi­ge Dis­kus­sio­nen abzu­stei­gen. Auf der ande­ren Sei­te leben wir gera­de in einem Land, das sich mit Fracking von Russ­land unab­hän­gig machen könn­te und die Sank­ti­ons­um­ge­hun­gen abstel­len könn­te, es aber nicht tut. Wir leben in einem Land, in dem Atom­kraft­wer­ke wei­ter­lau­fen könn­ten, aber EON sagt, dass es nicht dar­auf ankä­me, ob man statt­des­sen das immer wert­vol­ler wer­den­de Gas ein­fach ver­heizt. Wir haben Eli­ten, die von Pul­lis reden, weil ihnen fest­ge­fro­re­ne Omas lie­ber sind als sich ehr­lich zu machen. Also bin ich — seit 2015 lei­der schon — auf den Trip umge­schwenkt, nicht mehr Unsinn ein­fach so wei­ter­lau­fen zu lassen. 

      Also was Sie sagen ist hoffentlich …
      1) Wir deh­nen die His­to­rie. Ich tue nicht so, als ob ich Sie ver­ste­he, aber Sie könn­ten etwas mei­nen wie, „Lasst uns mehr Din­ge in den Blick neh­men“. Okay. 

      2) Dann sehe man eine Meta­mor­pho­se von einer fried­li­chen Sowjet­uni­on zu einem tücki­schen Feind. Also der Grund­zu­stand der Sowjet­uni­on ist fried­lich. Auf den fried­li­chen Bür­ger­krieg folg­ten fried­li­che Ent­eig­nun­gen, fried­lich for­cier­te Hun­gers­nö­te und fried­li­che sta­li­nis­ti­sche Säu­be­run­gen. Von die­sem Frie­den aus kam es dann zu einer Ver­än­de­rung zum tücki­schen Feind. Von wem eigent­lich? Klar, wer so „fried­lich“ ist, hat Fein­de. Aber reden wir jetzt von einer fried­li­chen Sowjet­uni­on, die mit Hit­ler Polen auf­ge­teilt hat und die dann erst durch den Ein­marsch der Nazis zum Feind wur­de? Ihre Satz­kon­struk­ti­on wirkt eher so, als ob der Frie­den irgend­wann nach dem Krieg ende­te. Der Frie­den bzw. Unfrie­den hät­te dann aber nichts mit den Nazis zu tun. Der Gedan­ke soll wohl eher sein, dass in den Augen von wem auch immer die Sowjet­uni­on durch den Ein­marsch der Nazis fried­lich gewor­den sei. Die Alli­ier­ten waren nach der Les­art kein Zweck­bünd­nis, son­dern der Idee geschul­det, dass jemand genau dann fried­lich ist oder wird, wenn Nazis einmarschieren. 

      Ver­mut­lich wol­len Sie sagen, dass bis zum Ende des zwei­ten Welt­kriegs irgend­wer die Sowjet­uni­on fried­lich fand und erst danach über das Gulag­sys­tem und die Mor­de rede­te. Nur wer? Aller­hand Leu­te sagen immer aller­hand zu allen Zei­ten, aber was genau haben wir jetzt in den Blick genom­men, wäh­rend wir die His­to­rie aus­deh­nen, und was ist der Schluss, den wir dar­aus zie­hen? Wel­che Infor­ma­ti­on steckt hin­ter Ihren Wor­ten? Wel­che Ansicht? Steckt irgend­et­was hin­ter Ihren Wor­ten? Ist das nor­mal, sei­ne Ansich­ten und Infor­ma­tio­nen so unklar aus­drückt, dass sie unles­bar wer­den? Wozu schreibt man, wenn man nichts kon­kret sagen kann oder will?

      • Der Kern mei­ner Aus­füh­run­gen, lie­ber Ben, bestand ja nicht aus Infor­ma­tio­nen, son­dern einer boh­ren­den Fra­ge. Ihrer freund­li­chen Replik, bestehend aus vie­len wert­vol­len Gedan­ken (fixiert), ent­neh­me ich, dass Sie dem für den frag­li­chen Zeit­raum kol­por­tier­ten Bild einer fried­lie­ben­den sowje­ti­schen Staats­füh­rung und aller damit ver­bun­de­nen Insti­tu­tio­nen eher ableh­nend gegen­über­ste­hen, wobei sich die hier­für genann­ten Bei­spie­le noch belie­big ergän­zen lie­ßen. Etwa Beset­zung des Bal­ti­kums, Krieg gegen Finn­land unter Über­win­dung der Man­ner­heim-Linie, Über­nah­me Gali­zi­ens usw. usf..

        Im Hin­blick auf die heu­ti­ge öffent­li­che Ein­ord­nung des Rechts­nach­fol­gers RF hät­te es inso­weit gar kei­ne Meta­mor­pho­se gege­ben — ein gera­de­zu erschüt­ternd simp­les Fazit.

        Mit weit­rei­chen­den Fol­gen. Denn unter die­sen Umstän­den wäre der „Über­fall auf die fried­lie­ben­de Sowjet­uni­on“ mit ihren damals offen zu Tage getre­ten Expan­si­ons­ab­sich­ten schlicht nicht dar­stell­bar — eine auf nach­rich­ten­dienst­li­che Infor­ma­tio­nen gestütz­te Prä­ven­ti­on hin­ge­gen sehr wohl.

        Wei­ter­hin ver­bin­det man den Begriff „fried­lie­bend“ gemein­hin und ver­mut­lich zu Recht mit Eigen­schaf­ten wie „anstän­dig“, „ver­trau­ens­wür­dig“ oder „wahr­heits­lie­bend“. Anschei­nend des­halb (klei­ner Scherz) haben die West­al­li­ier­ten sämt­li­che Anschul­di­gun­gen und ‚Bewei­se‘ für die gro­ße deut­sche Kol­lek­tiv­schuld, die nahe­zu aus­schließ­lich von der Sowjet­uni­on ‚erar­bei­tet‘ und erho­ben wur­den, unge­prüft über­nom­men und in die Welt getra­gen (gilt natür­lich auch für die Ver­laut­ba­run­gen im Hin­blick auf sowje­ti­sche Kriegsopfer).

        Wenn aber, was an Hand unse­rer unvoll­stän­di­gen Bei­spiel­lis­te nahe­lä­ge, die Sache anders war, sowohl im Innern wie auch nach außen — nicht auszudenken…das geht also ‚mal gar nicht…

        Was folgt dar­aus? Nun, damals gab es Inter­es­sen, die Sowjet­uni­on wider bes­se­res Wis­sen als fried­lie­bend und ver­trau­ens­wür­dig dar­zu­stel­len — heu­te gibt es scheint’s Inter­es­sen, die RF als unbe­re­chen­bar, aggres­siv und tückisch zu stig­ma­ti­sie­ren. Am Ende hilft da nur noch unser wei­ser mosai­scher Bru­der Hen­ry Kis­sin­ger (sinn­ge­mäß):
        „Um sich einer Sache sicher zu sein, muss man ent­we­der alles über sie wis­sen — oder gar nichts..“

        Lie­be Grüße

        • @M.Sixt Als Geor­ge Orwell sei­ne „Farm der Tie­re“ ver­öf­fent­li­chen woll­te, wur­de er von allen Ver­la­gen abge­lehnt, die ein unschul­di­ges Bild der Sowjet­uni­on zeich­nen woll­ten. Ich weiß nicht, wen Sie auf der Sei­te derer wäh­nen, die Orwell zum Schwei­gen brin­gen woll­ten. Hier im Kom­men­tar­be­reich von Herrn Letsch’s Blog wer­den Sie wohl nicht fündig. 

          Ich hab bei mei­nem Ver­such, Ihren Kom­men­tar zu ent­zif­fern, weder Infor­ma­tio­nen noch ihre Ansich­ten ent­deckt. Eben­so wenig fand ich eine „boh­ren­de Fra­ge“, die ich ver­ste­hen wür­de. Wenn die „boh­ren­de Fra­ge“ die Bana­li­tät ist, dass vie­le Leu­te nur nach Infor­ma­tio­nen suchen, die ihnen nüt­zen, dann ist es kei­ne Fra­ge und noch viel weni­ger eine son­der­lich boh­ren­de. Die Erkennt­nis ist in etwa so über­ra­schend wie die Feuch­tig­keit von Was­ser zu ent­de­cken oder nach ihr „boh­rend zu fragen“.

          Aller­dings tu ich Ihnen unrecht, wenn ich die zwei­te „boh­ren­de Fra­ge“ über­se­he, die Sie dran­hän­gen. Die der „öffent­li­chen Dar­stel­lung“ der Sowjet­uni­on und spä­ter Russ­land. Also hier haben wir immer­hin ein Sub­jekt, das wahr­nimmt, die Medi­en­häu­ser und öffent­li­chen Per­so­nen. Es ist ein viel­fäl­ti­ges Sub­jekt, das unse­ren Prä­si­den­ten beinhal­tet, der für eine DDR-finan­zier­te Zeit­schrift geschrie­ben hat, aber es ist immer­hin schon mal ein „wer“. Und die­ses Sub­jekt sucht sich — wie lei­der vie­le Leu­te — Infor­ma­tio­nen selek­tiv und pas­send zu sei­nen bis­he­ri­gen Wün­schen und Infor­ma­tio­nen raus. Auch das ist so über­ra­schend wie die Feuch­tig­keit von Was­ser und ich ver­mu­te, dass es kei­nen Sinn macht, danach „boh­rend zu fragen“.

          Also nach was fra­gen Sie dann? Und hier geht es wohl doch mehr um das Ver­wir­ren an sich. Denn Sie fra­gen im Grun­de „boh­rend“ danach, ob man über­haupt irgend­was ver­ste­hen kann, wenn doch alle mög­li­chen Leu­te sub­jek­tiv mit Scheu­klap­pen ihre Nischen bedie­nen. Ihr letz­tes Zitat soll das unterstreichen.

          Die plum­pe Ant­wort auf ihre „boh­ren­de Fra­ge“ ist, dass man Scheu­klap­pen auch able­gen und sich einen Über­blick ver­schaf­fen kann. Erkennt­nis liegt im Bereich des prag­ma­tisch Schaffbaren. 

          Und es freut mich, dass Sie die „Bewei­se über die deut­sche Kol­lek­tiv­schuld“, also die Bele­ge für den Holo­caust und ande­rer Nazi­ver­bre­chen, hier auf­ti­schen. Ich den­ke näm­lich, dass die typisch rus­si­sche Des­in­for­ma­ti­on von Neo­na­zis gelernt hat. Ver­mut­lich haben sich vie­le Rus­sen zu recht gewun­dert, wie sich so ein dum­mer Kult so hart­nä­ckig hal­ten kann, obwohl es doch so über­wäl­ti­gen­de Bewei­se gibt (und das The­ma ist bes­tens unter­sucht und nicht, wie Sie behaup­ten, blind von Sowjets über­nom­men wor­den). Und der Grund liegt dar­in, dass Neo­na­zis kei­ne plau­si­ble Alter­na­tiv­erklä­rung anstre­ben, wenn sie etwas Plau­si­bles vom Tisch wischen. Es genügt der Zwei­fel ohne Alter­na­ti­ve, ja ohne auch nur ein Suchen nach einer plau­si­blen Erklärung. 

          „Was bedeu­ten die Lücken in der Holz­ver­klei­dung der Gas­kam­mer­tü­re? Was bedeu­tet es, dass für Besich­ti­gun­gen Tei­le der Anla­gen in Stand gehal­ten wer­den oder ein frü­he­rer Zustand wie­der her­ge­stellt wur­de?“ Nichts bedeu­tet es. Die Ant­wort auf all die­se boh­ren­den Fra­gen lau­tet: nix. Es gibt Ber­ge von Bewei­sen und ein Schorn­stein oder was auch immer ändert nicht plötz­lich alles.

          Ich sehe mei­ne Hand noch vor mei­nen Augen. Ich kann auch sehr wohl abschät­zen, dass Ursu­la von der Ley­en weni­ger besch*ssen ist als Vla­di­mir Putin. Ich bin kein Fan von ihr. Aber ich kann sehr wohl einen Über­blick gewin­nen und abschät­zen, dass Frau von der Ley­ens Fein­den z.B. nicht wegen irgend­wel­cher Gif­te die Gesich­ter abschmel­zen (Chlor­ak­ne, Dioxin) oder sie anfan­gen, im Dun­keln zu leuch­ten (Polo­ni­um).

          • Da haben Sie natür­lich Recht, lie­ber Ben — die dich­tes­ten Scheu­klap­pen bil­den sich durch von außen indu­zier­te Emo­tio­nen (urei­ge­ne Auf­ga­be der PR, gera­de zur Zeit wie­der sehr schön und deut­lich zu beob­ach­ten), die einen prag­ma­ti­schen Erkennt­nis­pro­zess erfolg­reich und nach­hal­tig unter­bin­den sollen. 

            Zum Glück für jene, die — against all odds, wie Putin sagen wür­de — eher an letz­te­rem inter­es­siert sind, las­sen sich der Sache die­nen­de, ziel­füh­ren­de Ein­las­sun­gen sehr leicht von PR unter­schei­den, deren Mög­lich­kei­ten im Hin­blick auf Stil und Text­bau­stei­ne doch arg begrenzt erscheinen.

            Die Stei­ne sind gefallen…

            Lie­be Grüße

        • Sag mal, hast Du die­sen gan­zen Text jetzt geschrie­ben, um dar­in unter­zu­brin­gen, dass der Angriff Hit­lers auf Russ­land gerecht­fer­tigt war, die Alter­na­ti­ve sieht man gera­de in der Ukrai­ne, und, dass die Beweis­la­ge eines gro­ßen Teils der Ankla­ge­punk­te gegen Hitler&Co auf von den Soviets vor­ge­brach­ten und kon­trol­lier­ten Bewei­sen basiert, deren Glaub­wür­dig­keit arg begrenzt ist, weil die Soviets mit Fol­ter und Fäl­schun­gen arbei­te­ten, wodurch sich nicht unbe­dingt der Schluss ergibt, dass man den gan­zen Kram leicht­fer­tig glau­ben soll­te. Wor­aus sich wie­der­um schwer­wie­gen­de Ablei­tun­gen im Bezug auf das gegen­wär­tig ver­brei­te­te Welt­bild tref­fen las­sen, nächs­ter Schritt ist der Holo­caust Depro­gramming Cour­se, aber nein, nicht rich­tig, ich deu­te es nur an.

          Ging es nur dar­um, dies unter­zu­brin­gen? Weil, wenn dem so wäre, dann fin­de ich, Du soll­test weni­ger gestelzt vor­ge­hen. Mit die­sem Gestelz­ten ver­bar­ri­ka­dierst Du Dich näm­lich hin­ter einem Hau­fen Schwuch­tel­ei, und spielst das Spiel der­je­ni­gen mit, denen Form wich­ti­ger ist als Inhalt. Erschwe­rend kommt hin­zu, dass Du Dir dann auch noch die zah­len­mä­ßig schwä­che­re Sei­te aus­suchst, sprich beim sich erge­ben­de Dis­put mehr bepim­melt wer­den wirst, als Du selbst bepim­melst. Und teil­neh­men­de Zuschau­er kön­nen eh nicht ein­ord­nen, wer Recht hat, wer­den daher also nur dar­aus schlie­ßen, wer die meis­ten Pim­mel ins Auge gerammt bekam. Damit tust Du nie­man­dem einen Gefal­len, weder Dir selbst noch der Sei­te deren „Mei­nung“ Du vertrittst. 

          Übri­gens, Pro-Tip: Fang mit Pino­chet an, wenn Du Dik­ta­turt­rol­len willst, denn der hat nie­man­den umge­bracht (Com­mu­nists aren’t peop­le) und hat ein wohl­ha­ben­des und gut funk­tio­nie­ren­des Land hin­ter­las­sen, und vor allem mei­nen die Leu­te nicht, dass sie bereits alles über ihn wis­sen. Dem Füh­rer gerecht zu wer­den ist Ober­li­ga, und erfor­dert erheb­lich mehr Skills, wenn Du nicht wie ein Jam­mer­boo­mer wir­ken willst, der sei­ne anal­re­ten­ti­ve Geis­tes­hal­tung mit­tels pas­siv-aggres­si­vem Her­um­ge­schwuch­te­le zum Aus­druck bringt. 

          So klingt das näm­lich meis­tens: „Buuhu­uhuu, wir Nazis wer­den ja immer so unge­recht behan­delt, Buuhuuhuu!!!11“ — Und was tust Du dage­gen? — „Heu­len, buuhuuhuu.“

          Ver­suchs lie­ber erst­mal mit „Darf ich mich mit Ihnen über die fro­he Bot­schaft unse­res Herrn und Erlö­sers, dem hei­li­gen Sankt Augus­to Pino­chet, unter­hal­ten, der sein Land vor dem Kom­mu­nis­mus erret­te­te, indem er jedem Kom­mu­nis­ten eine Frei­fahrt im Heli­ko­pter schenk­te? Sie flo­gen für den Rest ihres Lebens! “

          Jeden­falls: 3/10

            • >A Mensch is a Mensch, Punkt!

              Peop­le != Menschen.

              Das Argu­ment hin­ter „Com­mu­nists aren’t peop­le“ bezieht sich dar­auf, ob jemand sowas wie Rech­te haben kann. Das Kon­zept von grund­sätz­li­chem Han­deln setzt Gegen­sei­tig­keit vor­aus, sprich, es macht kei­nen Sinn, wenn ich Dir irgend­wel­che Rech­te und Frei­hei­ten zuzu­ge­ste­he, die Du mir nicht zugestehst.

              Kom­mu­nis­ten sind für die größ­ten Mas­sen­mor­de des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts ver­ant­wort­lich, und auch sonst bekannt dafür, dass sie, sobald sich ihnen die Mög­lich­keit dazu bie­tet, nach kei­nen mora­li­schen Grund­sät­zen mehr han­deln, und kei­ne Rück­sicht auf Besitz, Leib, und Leben von irgend­wem neh­men, der ihnen in die Que­re kommt. 

              Aus die­sem Grund ergibt es kei­nen Sinn, Kom­mu­nis­ten Rech­te zuzu­spre­chen, die sie selbst nicht aner­ken­nen, und die sie zum Scha­den Aller aus­zu­nut­zen geden­ken. Ein sol­ches Rechts­ver­ständ­nis wür­de das Gegen­teil des­sen beför­dern, was mit dem Recht beab­sich­tigt wird, und kann des­halb nur falsch sein.

              Ergo: Augus­to Pino­chet did not­hing wrong.

  5. Im Prin­zip leh­ne ich Bil­der­stür­mung in jeder Form ab und so wie der Satz schon anfängt, kann ich ihn nur in ein „Aber“ überführen.
    Also mein „Aber“: Wäh­rend es hoch her­geht, kann man auch mal Schrott zer­trüm­mern. Die Rus­sen schie­ßen noch das Land zusam­men. Das Ent­thro­nen von Schrot­ti­ko­nen ist dort nicht so ein eis­kal­ter, ideo­lo­gi­sier­ter Straßennamen-Ikonoklasmus.

    Nor­ma­ler­wei­se bin ich ja auch für weni­ger Emo­tio­na­li­tät im öffent­li­chen Raum und wenn ich den Satz schon so anfange…also mein „Aber“: Ich bin es auch leid, so zu tun, als gäbe es Emo­tio­nen nur auf einer Sei­te und als wäre ins­be­son­de­re der Hass total tabu. Wir haben das näm­lich jetzt auch schon eine Wei­le. Kon­ser­va­ti­ve reden angeb­lich nur „Hass“. Lin­ke ken­nen die­se Emo­ti­on nicht. Lin­ke revo­lu­tio­nie­ren und errich­ten ihre Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats aus­schließ­lich mit Lie­be, Bien­chen, Blüm­chen und Regen­bo­gen­flag­gen­sex. Man kauft denen beim Schrei­en, Krei­schen und Ran­da­lie­ren ihre „Lie­be“ total ab. 

    Ich wür­de viel­leicht auch etwas Nutz­lo­ses, Rus­si­sches zer­schla­gen, wenn ich in Rage über Rus­sen wäre. Ja, es ist sinn­los. Ja, es ist emo­tio­nal. Aber schlimm. Nö. (Vor­aus­ge­setzt, dass kei­ne Men­schen zu scha­den kommen.)

    Also Putin ist mitt­ler­wei­le auch ein wüten­der, alter Zän­ker. Kei­ne Ahnung, was mit dem abgeht. Es gibt ja den Mythos, dass Hen­ry VIII einst vom Gaul gefal­len war. Einen küh­len Kopf hat Putin jeden­falls auch nicht.

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