Wer die Ver­gan­gen­heit nicht ken­nt, ist dazu verurteilt, sie zu wieder­holen.
(Georg San­tayana, spanis­ch­er Philosoph)

Fra­gen sie sich auch manch­mal, warum so wenig Kun­st aus ver­gan­genen Zeit­en auf die Nach­welt gekom­men ist? Zer­rt man diese nicht durch Zufall aus Jahrtausende alten und gut ver­steck­ten ägyp­tis­chen Gräbern wie Howard Carter, sind die Chan­cen ger­ing, dass bedeu­tende Kun­st und kaum weniger bedeu­tende Objek­te des All­t­ags den Weg durch die Zeit unbeschadet bis zu uns über­ste­hen. Ger­aubt, geplün­dert, eingeschmolzen, umge­formt. Ver­streut, zer­stört, ver­loren. Ganz zu schweigen von der Gewalt durch Kriege und religiöse Umwälzun­gen und der Igno­ranz der Sieger in bei­den Fällen. Die ägyp­tis­chen Pyra­mi­den wur­den ihres weißen Kalk­steins entk­lei­det, um daraus Moscheen zu bauen. Die gebran­nten Ziegel Baby­lons spe­ich­ern heute die Wärme pri­vater Kochstellen und das päp­stliche Rom hat­te keine Skru­pel, den antiken Tem­peln und Gebäu­den Mar­mor und Bronze zu rauben, um damit Kirchen und Paläste auszus­tat­ten. Es ist anzunehmen, dass der große Berni­ni, der Architekt des Peter­splatzes, kein schlecht­es Gewis­sen hat­te, weil die Bronze für sein Bal­dachin-Zibo­ri­um im Peters­dom aus der Decke der Vorhalle des Pan­theons ent­nom­men wurde. Warum ich ihnen das alles erzäh­le? Weil wir es im West­en zu ein­er Frage von Aufgek­lärtheit, Bil­dung, Kul­tur, ja Zivil­i­sa­tion erk­lärt haben, die Zer­störung von Geschichte und deren Hin­ter­lassen­schaften für Bar­barei und Frev­el am Erbe der Men­schheit zu betra­cht­en und entset­zt auf­schreien, wenn solch­es heute irgend­wo auf der Welt geschieht. Dabei sind die Frevler, Zer­stör­er und Igno­ran­ten mit­ten unter uns.

Die Archäolo­gie als Wis­senschaft und die Ange­wohn­heit, Kun­st­ge­gen­stände oder andere Objek­te, die mit der Ver­gan­gen­heit und deren Gestal­tern in Berührung kamen oder in Beziehung ste­hen, in Museen zu zeigen oder auf Auk­tio­nen Höch­st­preise dafür zu bieten, sind Erfind­un­gen der Renais­sance und der Aufk­lärung. Eine Ming-Vase, eine Guten­berg-Bibel oder ein Louis-seize-Ses­sel sind aus heutiger Sicht unprak­tisch, ja nut­z­los. Vielle­icht, weil sie sich nicht per App steuern lassen. Doch ihr Wert bemisst sich ja nicht aus dem Porzel­lan, dem vergilbten Papi­er oder ein paar wurm­stichi­gen Stück­en Holz, son­dern aus der Geschichte, die sie erzählen und der Unwahrschein­lichkeit, es durch die Zeit­en bis zu ihren heuti­gen Besitzern und Bewun­der­ern geschafft zu haben. Und doch sind wir immer noch und immer wieder in der Lage, Zeug­nisse der Ver­gan­gen­heit zu zer­stören, wenn sie uns nichts mehr gel­ten oder wir glauben, uns von ein­er unlieb­samen Ver­gan­gen­heit zu befreien, indem wir deren Zeug­nisse ver­nicht­en. Dieses “wir” ist natür­lich die Men­schheit als Ganzes. Doch jed­er mein­er Leser ist ein­ge­laden, sich dieser destruk­tiv­en Gruppe in den beschriebe­nen Fällen nicht zuge­hörig zu fühlen.

Historisches und Aktuelles

2001 schoben sich die Tal­iban in Afghanistan durch eine Zer­störung jäh in die Aufmerk­samkeit des West­ens. Und zwar nicht erst im Sep­tem­ber, son­dern schon im März, als sie die riesi­gen Bud­dha-Stat­uen von Bamiyan sprengten, die bere­its im 6. Jahrhun­dert aus dem Fels gehauen wur­den und nun der islamistis­chen Dok­trin vom Bilderver­bot zum Opfer gefall­en waren. Der Auf­schrei im West­en war groß und ein­hel­lig. Kunst­werke zer­stören, sowas geht gar nicht!

2015 sprengte die IS-Miliz im syrischen Palmyra die Ruinen des antiken Baal-Tem­pels in die Luft und ver­sucht­en genau wie die Tal­iban, Tab­u­la rasa mit der „hei­d­nis­chen“ Ver­gan­gen­heit zu machen. Das Inter­net machte es möglich, dass die Welt dabei zuse­hen musste, wie die selb­ster­nan­nten Gotteskrieger die Zeug­nisse Jahrtausende alter Men­schheits­geschichte aus­löscht­en, auch indem sie etwa in den Museen Syriens und im Irak Reliefs und Plas­tiken zer­schlu­gen.

Was man auf den ersten Blick erken­nt, ist die ide­ol­o­gis­che Gemein­samkeit dieser Ereignisse. In bei­den Fällen glaubten die Abriss­bevollmächti­gen, recht­mäßig zu han­deln. Doch wer hat sie bevollmächtigt? Das Zer­störte sei schließlich falsch, het­zerisch, unrein und das Böse selb­st und wenn solche Hin­ter­lassen­schaften ein­er fer­nen, unver­standen Ver­gan­gen­heit auf Men­schen tre­f­fen, die sich im Besitz der Wahrheit befind­en, geschieht zu allen Zeit­en das­selbe. Ich gebe hier schon mal pauschal man­gel­hafter Bil­dung eine Mitschuld.

Im Juni 2020 kommt es in zahlre­ichen Städten in den Vere­inigten Staat­en zu extrem gewalt­samen Protesten in Folge des Todes von Georg Floyd. Aber auch in Lon­don, Brüs­sel und sog­ar im weit ent­fer­n­ten und auf Diver­sität, Tol­er­anz und Selb­stver­leug­nung gebürsteten Deutsch­land geht die Post ab. In Lon­don wer­den Stat­uen beschmiert und umge­wor­fen und die Liste der „ras­sis­tis­chen Ehren­male“, die gefäl­ligst ent­fer­nt gehören, ist allein in Großbri­tan­nien 60 Ein­träge lang. Win­ston Churchill, Oliv­er Cromwell und König Charles II (ja, bei­de!), Christoph Colum­bus, Fran­cis Drake und Hor­a­tio Nel­son ste­hen auf der Liste, um nur einige Namen zu nen­nen, die auch in Deutsch­land all­ge­mein bekan­nt sind.

In den USA fordert Nan­cy Pelosi, dass man aus dem Kongress die von diversen Bun­desstaat­en ges­tifteten Stand­bilder bekan­nter Kon­föderiert­er ent­ferne, darunter übri­gens pikan­ter­weise das ihres demokratis­chen Parteigenossen Jef­fer­son Davis, dem einzi­gen und glück­losen Präsi­den­ten der Kon­föder­a­tion, welche den Amerikanis­chen Bürg­erkrieg 1861–1865 gegen die Union ver­lor. Mot­to: kommst du in der Gegen­wart poli­tisch nicht weit­er, ver­leugne, ver­damme und bekämpfe öffentlichkeitswirk­sam deine eigene Ver­gan­gen­heit. Seine Feinde mit Respekt und Anstand zu behan­deln, sobald sie besiegt sind, soviel Größe bracht­en die Poli­tik­er im Jahr 1865 noch auf, heutige schreien nach Rache.

In Portsmouth (Vir­ginia) knöpften sich in der Nacht zum 11.6.2020 die Sklaven­be­freier von heute das dor­tige Bürg­erkriegs­denkmal vor. Die vier Stat­uen, darunter Robert E. Lee und Jef­fer­son Davis, wur­den erst enthauptet und dann umgestoßen. Die her­ab­stürzende kopflose Stat­ue von Davis traf einen der Protestler, einen Afroamerikan­er, aus­gerech­net am Kopf und ver­let­zte ihn schw­er. Der Zus­tand des Mannes ist wohl kri­tisch und man kann nur hof­fen, dass er die Selb­ster­mäch­ti­gung sein­er gle­ich­gesin­nten Fre­unde über­leben wird. Falls nicht wäre er nicht das erste „Kol­lat­er­alopfer“ durch “friend­ly fire” der per­versen Bestat­tungs­feier­lichkeit­en zu „Ehren“ von George Floyd.

Was genau unter­schei­det eigentlich das Vorge­hen der Tal­iban in Afghanistan oder des IS in Syrien von dem, was „Protestler“ in Lon­don oder Portsmouth machen? In allen Fällen wer­den his­torische Tat­sachen und wehrlose Mon­u­mente im Namen ein­er ide­ol­o­gis­chen Selb­stüber­höhung zer­stört, ohne dass dadurch der Bud­dhis­mus vom his­torischen Afghanistan fer­nge­hal­ten, das römis­che Reich aus dem his­torischen Syrien ver­trieben oder der amerikanis­che Bürg­erkrieg nachträglich ver­hin­dert wer­den kann. Die religiöse Inbrun­st, mit der die Zer­stör­er zu Werke gehen, hat also min­destens die Par­al­lel der Sinnlosigkeit.

Wie gute Menschen entstehen

In Seat­tle ist mit­tler­weile eine mehrere Blocks große „befre­ite Zone“ ent­standen, in welch­er Aktivis­ten und „frei­willig“ Schon-länger-da-wohnende ein sozial­is­tis­ches Utopia ohne Polizei und ohne Gerichte ver­wirk­lichen wollen. Außer durch einen Twit­ter-Aufruf zu Lebens­mit­tel­spenden (nur veg­an), weil die Obdachlosen den Sozial­is­ten alle Lebens­mit­tel wegge­fut­tert hät­ten und ein­er Wikipedia-Seite hat diese Com­mu­ni­ty allerd­ings noch nicht mehr geschafft als zu beweisen, dass die Abschaf­fung der Polizei keineswegs zu mehr Sicher­heit führt. Wer hätte das gedacht.

Das erste, was der neue “Staat” namens CHAZ inmit­ten Seat­tles ein­führte, ist Gren­zsicherung – man lässt nicht jeden rein und macht im Grunde das­selbe, was man dem Präsi­den­ten an der Gren­ze zu Mexiko vor­wirft. Dann stellt man eine eigene “Polizei” auf, die schw­er bewaffnet die Ord­nung aufrecht erhält und der Pavian mit dem rötesten Arsch schwingt sich zum Anführer auf und hofft auf Expan­sion. Ein Hort der Feigheit, Geil­heit und Lieder­lichkeit, wie ihn die Welt schon so oft gese­hen hat.

Eine zen­trale Forderung dieser „People’s Repub­lic of Capi­tol Hill“ ist übri­gens „[to] drop charges against the pro­test­ers“. Überge­hen wir hier mal die „Unge­nauigkeit“, dass von Protestlern die Rede ist, obwohl sich die Ermit­tlun­gen mit Plün­derun­gen und anderen unan­genehmen „Begleit­er­schei­n­un­gen“ dieser Art von „Befreiung“ befassen. Denn hier sind wir beim Kern des Prob­lems, welch­es sich aus der Selb­ster­mäch­ti­gung dieser Aktivis­ten ergibt:

Diesel­ben Aktivis­ten, die nun für Kör­per­ver­let­zung, Raub und Plün­derun­gen Straf­frei­heit fordern, schwin­gen sich gle­ichzeit­ig zu Schar­frichtern der Geschichte auf. Man fordert also “Gerechtigkeit” von der Geschichte und entzieht sich dieser in der Gegen­wart. Doch wer richtet die Schar­frichter? Diese laufen mit den Maßstäben ihrer schon auf­grund gerin­gen Leben­salters beschränk­ten Welt­sicht zurück durch die Zeit, um his­torische Ereignisse und die dort han­del­nden Per­so­n­en nach ihren eige­nen, nur bed­ingt auf die Ver­gan­gen­heit anwend­baren Moralvorstel­lun­gen in „muss weg“ und „darf bleiben“ einzuteilen.

In Lon­don heißt es nun: Churchill war ein Ras­sist und seine Stat­ue soll ent­fer­nt wer­den. Die Denkmale von Marx und Engels aber bleiben unange­tastet. Nun fordere ich nicht, Marx Stand­bild zu beschmieren, auch wenn seine The­o­rien sich­er deut­lich mehr Men­schen­leben gekostet haben, als alle impe­ri­alen Husaren­stücke Churchills, von welchen er nicht ohne Selb­stkri­tik freimütig in seinen Büch­ern und Presse­bericht­en aus dem Sudan oder Südafri­ka berichtete. Es ist ja generell nicht so, dass die Bilder­stürmer aus 2020 die ersten sind, die Ras­sis­mus im britis­chen Kolo­nial­re­ich erken­nen, die Darstel­lung der Sklaverei in “Vom Winde ver­we­ht” kri­tisch sehen oder das Vorge­hen Kitch­en­er beim Mah­di-Auf­s­tand als unver­hält­nis­mäßig grausam beurteilen. Das tat­en schon die Zeitgenossen und die kri­tis­chen Rezen­sio­nen reißen nicht ab. Jed­er von ein­er Wikipedia-Seite abgeschriebene Schu­lauf­satz zu bekan­nten Per­so­n­en der Geschichte enthält heute mehr reflek­tierte und fundierte Kri­tik als alle Protestschilder in den Straßen Lon­dons oder Seat­tles zusam­men.

Churchills Ver­di­en­ste für das Über­leben Großbri­tan­niens liegen zudem über­schw­er in der Waagschale, als dass er sich eine Behand­lung wie die durch seine igno­ran­ten kul­tur­rev­o­lu­tionären Ururenkel ver­di­ent hätte, die vergessen haben oder nie wussten, dass sie ihr ver­gle­ich­sweise kom­fort­a­bles Leben nicht zulet­zt diesem vor 55 Jahren gestor­be­nen Mann auf dem beschmierten Sock­el ver­danken.

Bürgerkrieg im LARP-Modus

Durch das Shenan­doah-Val­ley in den Vir­ginias zog 1864 auf einem Vergel­tungszug Philip Sheri­dans Armee. Die Tak­tik der „ver­bran­nten Erde“ wurde hier erst­mals angewen­det. Man wollte sich­er­stellen, dass die Kon­föderierten diese Gegend nie wieder nutzen kön­nen, um sich zu ver­sor­gen. Im darauf­fol­gen­den Jahr kapit­ulierte die Süd­staate­n­armee unter Robert E. Lee und die Nord­staat­en hat­ten den Bürg­erkrieg gewon­nen. Die Sklaverei im Süden, ein Momen­tum, das im Ver­lauf des Krieges immer bes­tim­mender wurde, war zwar abgeschafft, doch die Rassen­tren­nung dauerte noch bis in die 1960er Jahre in unter­schiedlichen Graden an.

Die demüti­gende Nieder­lage für den am Boden liegen­den Süden wurde begleit­et von annehm­baren Bedin­gun­gen, auch wenn es lange dauerte, bis das gegen­seit­ige Ver­trauen sich wieder besserte. Die Pop­u­lar­ität ger­ade von Robert E. Lee beschränkt sich indes nicht auf den Süden. Der Prag­ma­tismus, ihm zuzugeste­hen, der mil­itärisch wohl fähig­ste Befehlshaber im Bürg­erkrieg gewe­sen zu sein, der lei­der aus der Sicht des Siegers auf der falschen Seite stand, ist im US-Mil­itär, wo man stets von fähi­gen Geg­n­ern zu ler­nen bere­it ist, bis heute lebendig.

Die Kids, die heute in ein­er Art „Live Action Role Play Modus“ Lees Stat­uen köpfen und sich dabei vielle­icht wie Abo­li­tion­is­ten der gefahrvollen ersten Stunde fühlen, glauben sich moralisch dazu berechtigt. Doch es gibt gute Gründe, warum man (in Demokra­tien) Stat­uen zur Erin­nerung an eine Per­son erst nach deren Tod aufzustellen pflegt: Alles liegt dann auf der Waage. Das Gute wie das Schlechte. Bei Lee neben seinen Ver­di­en­sten im Mexikanisch-Amerikanis­chen Krieg (1846–1848) auch, dass er seine Offiziere davon abhielt, statt 1865 zu kapit­ulieren, in einem end­losen Gueril­la-Krieg gegen die Union weit­erzukämpfen.

Welchen weit­eren Lebensweg diejeni­gen vor sich haben, die heute die Stat­uen von Colum­bus umw­er­fen, Robert E. Lee’s Stand­bild köpfen oder die Bronze des alten, gebeugten Win­ston Churchill beschmieren, ob in 50 Jahren also eine Straße oder ein blutiger Schul-Amok­lauf mit 50 Todes­opfern nach ihnen benan­nt sein wird, ist offen.

Also halte man sich mit Ham­mer, Farbe und Sichel bess­er fern von Denkmälern, von deren Bedeu­tung man lediglich mehr zu wis­sen glaubt als jene, die sie baut­en und jene, die die Wider­sprüche der Darstel­lung sehr wohl ken­nen und sich in demokratis­chen Abstim­mungen immer wieder fra­gen, ob und warum eine Stat­ue ste­hen bleiben darf. Wer bist du, Floy­di­an­er dass du glaub­st, diese Entschei­dun­gen ignori­eren zu dür­fen? Wer bist du, dass du dich für einen besseren Men­schen, ja, für den ersten wirk­lich guten und gerecht­en Men­schen der Geschichte hältst, der über den Wert von Sym­bol­en urteilen darf, weil er frei von Sünde ist und “erkan­nt” hat, was richtig und was falsch ist in der Welt?

Kannst du eine Stat­ue wieder­aufricht­en, wenn sich erweist, dass aus dir Bilder­stürmer ein noch mieser­er Charak­ter wurde als jen­er, den du noch posthum ver­nicht­en und aus­löschen woll­test? Als Athe­ist komme ich meinen Lesern ja nur sel­ten mit Bibelz­i­tat­en, aber hier passt mal eines. Näm­lich Matthäus 7.2: „Denn mit welcher­lei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet wer­den; und mit welcher­lei Maß ihr mes­set, wird euch gemessen wer­den.“

Oder kürz­er und weniger pathetisch: Urteile nicht leicht­fer­tig über die Geschichte, wenn deine noch nicht geschrieben ist. Und lass die Fin­ger von Din­gen, die aus der Ver­gan­gen­heit zur Gegen­wart sprechen. Höre ihnen lieber zu.

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16 Kommentare

  1. Es ist alles gut gesagt, Herr Roger. Mich beun­ruhigt weniger diese Kinderei, son­dern dass es jet­zt bere­its die dritte oder vierte Kinderei in dichter Abfolge ist. Mich beun­ruhigt der Zusam­men­hang schein­bar­er Kindereien. Radikaler Umweltschutz, radikale Zuwan­derungspoli­tik, radikale Gesund­heit­spoli­tik und radikales Gerechtigkeitsstreben. Die Muster der Eskala­tion sind immer die gle­ichen. Die Wirkung ist jet­zt nach der Abschaf­fung der Nation­al­staat­sidee, der Ein­führung der Plan­wirtschaft, der Abschaf­fung der Grun­drechte — nun die Erschüt­terung der öffentlichen Ord­nungs­macht Polizei. Was ist da los, was ist die Agen­da. Kann es sein, dass dies alles in kurz­er Folge zufäl­lig geschieht? Nein, hier wird sys­tem­a­tisch unsere Zivil­i­sa­tion zer­stört. Es find­et eine Rev­o­lu­tion statt. Neu ist, dass nie­mand aus­ruft, wohin die Reise gehen soll, nicht mal die Aktiv­en Teil­nehmer wis­sen es. Das ist nun wirk­lich neu.

  2. @Aristobulus

    Es gab noch einen weit­eren, 5. Bilder- oder bess­er Denkmalver­nich­tungssturm: Die zum Teil rest­lose Zer­störung kriegs­geschädigter Alt­städte in Deutsch­land. Gefordert von vie­len deutschen Architek­ten und zukun­fts­begeis­terten Poli­tik­ern. Den Rest besorgten die großen Han­del­skonz­erne Karstadt, Her­ti ua. Am slimm­sten die heimat­los umherir­ren­den Inva­soren- entschuldigung, es sollte heißen Inve­storen, oft mit ergaunertem Geld ander­er Leute. Nochim­mer wird abgeris­sen, was das Zeug hält. Han­nover oder Köln, die Beispiele sind legion. Was hätte nach 1945 getan wer­den sollen, haben uns auf beschä­mende Weise die Polen vorgemacht. Alleine in Warschau wur­den etwa 740 Alt­stadthäuser, von denen nur noch ein paar Trp­pen­stufen und das Fun­damet vorhan­den waren, orig­i­nal­ge­treu wieder­aufge­baut, eben­so das Stadtschloß. Genau­so Elbing, Danzig, Stet­tin; um nur einige zu nen­nen. Man muß aus dieser Per­spek­tive dankbar sein, daß Danzig unter pol­nis­ch­er Ver­wal­tung ste­ht, son­st wür­den wir es heute nicht mehr wieder­erken­nen!

  3. Großar­tig! Es gibt fast nichts, was hinzufü­gen wäre. Trotz­dem möchte ich, alte Hexe, was dazu sagen. Zwar ver­ab­scheue ich Luther als Mann der Reli­gion eben­so wie die Aja­tol­lahs im Iran. Aber, ob er es wollte oder nicht, er brach die Macht der allein selig­machen­den Kirche und schuf die deutsch Hochsprache. (Auch wenn er Vorgänger hat­te, sein Beitrag war entschei­dend). Bei­de waren/sind her­aus­ra­gende Ver­di­en­ste, die nicht nur D auf Jahrhun­derte bee­in­flußten, son­dern ganz Europa. (Ameri­ka gab es noch nicht:-))) –
    Men­schen früher­er Zeit­en nach heuti­gen Maßstäben zu beurteilen ist dumm, zeugt allen­falls von Unbil­dung. Statt Zer­störung wäre es viel viel bess­er, solch umstrit­ten Stat­uen, Bilder, Straßen­na­men mit erläutern­den Tex­ten zu verse­hen, in denen man sowohl die guten, auch für die Zukun­ft bedeu­ten­den Tat­en erk­lärt wie auch die schwarzen Seit­en der Per­so­n­en. Dann hätte man eine Chance was zu ler­nen. Und wom­öglich ver­hin­dern, daß Men­schen ihre mehr oder weniger berechtigte Wut an denen ausleben. Was an der (ver­gan­genen?) Geschichte sowieso nichts ändert. Die Ver­gan­gen­heit kann man nicht ändern, nur seine Bew­er­tung, — Hinge­gen kön­nte man die Denkmäler, Straßen­na­men der zu ihrer Zeit bekan­nten, aber für die Zukun­ft unbe­deu­ten­den Men­schen ruhig stre­ichen. Wer zu welch­er Sparte gehört sollte in öffentliche Debat­ten entsch­ieden wer­den. Bess­er wäre vielle­icht: Debat­te öffentlich, Entschei­dung durch Fach­leute aller poli­tis­chen Rich­tun­gen. — Soweit die alte Quatschtante namens
    caru­so mit lg-en

  4. „Es ist wichtig, dass wir wis­sen, woher wir kom­men, denn wenn man nicht weiß, woher man kommt, weiß man nicht, wo man ist, und wenn man nicht weiß, wo man ist, weiß man nicht, wohin man geht. Und wenn man nicht weiß, wohin man geht, geht man wahrschein­lich in die Irre.“
    Ter­ry Pratch­ett (1948–2015) britis­ch­er Fan­ta­sy Philosoph

    Wer beim Blick über den Atlantik meint, wir kämen noch ein­mal davon da bei uns noch keine Stat­uen gestürzt wur­den, irrt sich lei­der.
    Bei idi­o­tis­chen Ideen ist Deutsch­land immer vorne mit dabei.
    So hat bere­its 2018 die Uni­ver­sität Greif­swald ihren Namenspa­tron Ernst Moritz Arndt ver­loren. Arndt deutsch-nationaler Schrift­steller und Abge­ord­neter der Frank­furter Nation­alver­samm­lung schrieb auch einige umstrit­tene anti­semi­tis­che Texte. Das reichte der Uni­ver­sität­sleitung der Namen abzule­gen obwohl es dage­gen viel Protest gab.
    Auch das RKI soll seinen Namen ver­lieren, da der Namensge­ber an medi­zinis­chen Exper­i­menten in Afri­ka teil­nahm.
    Und wenn man erst die juden­feindlichen Schriften Mar­tin Luthers richtig aufgear­beit­et hat, dann Gnade ihm Gott. Dann ist die evan­ge­lis­che Kirche aber sowas von am Arsch, daß glaub­st du nicht.
    Und ob dann das Luther Denkmal vor der Frauenkirche ste­hen bleiben kann oder in der Elbe versenkt wird, ist noch nicht entsch­ieden.
    Allerd­ings, Luther hat sich nicht abfäl­lig über PoC geäußert (also soweit mir bekan­nt), hat­te keine Sklaven, vielle­icht kommt er in der gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion noch mal mit einem blauen Auge davon.
    Wahrschein­lich gibt es nur einen Warn­hin­weis am Denkmalssock­el.

    Ich bin also ges­pan­nt, welche Per­son aus der deutschen Geschichte es als erstes trifft, welch­es Denkmal als erstes geschleift wird.

    • … nun ja, was sind “umstrit­tene anti­semi­tis­che Texte”? Müssen sie umstrit­ten sein, um als anti­semi­tisch zu gel­ten? Also, Arndt hat ein­deutig anti­semi­tis­che Texte geschrieben, da beißt die Maus nun mal keinen Faden ab. Zitate ers­pare ich uns allen hier, man find­et sie leicht; und nein, sie sind dann nicht ein­mal aus dem Zusam­men­hang geris­sen, son­dern sie begleit­en sein gesamtes Werk als rot­er Faden. Dazu hat er pathetisch gegen die leichtlebi­gen usf. Fran­zosen geschrieben, Arndts Kollek­tivhass gegen Fran­zosen und Juden war schon unge­heuer — völkisch-kollek­tivis­tis­ch­er Prov­inzial­is­mus in sein­er hil­flosen Unge­heuer­lichkeit. Frei­heit galt ihm nicht als Eigen­schaft des Indi­vidu­ums, son­dern als Eigen­schaft des Volks­ganzen, worin er sich mit dem Turn­vater Jahn traf, der das auch so sah. Arndts Frei­heits­be­griff ist also eine nation­al geis­ternde Fan­tasie.
      Warum soll man sich dann den Namen anheften, als Uni­ver­sität?
      Fritz Reuter hät­ten sie als Namenspa­tron auswählen sollen. Dem Reuter ist nun wirk­lich nichts vorzuw­er­fen.

  5. “Neger sind die Frauen der Juden. Unser­er Zeit.”
    .
    Mit dieser ver­dreht­en Logik ent­larvte schon E. Hen­scheid vor 40 Jahren die Sprach­hülsen…

  6. Es geht nicht um Inhalte. Es geht lediglich um Oppo­si­tion. Wir sind die, die alles anders machen. Und die Alten machen einen Kotau statt ihre Kids zu erziehen.

    In Gebi­eten mit Fas­nets-Kul­tur heißt es eben­falls: „’S gôht drgegà.“ Aber das ist nur die dialek­tisch gemeinte spielerische Umkehrung der Ord­nung wie einst bei den Sat­ur­nalien. Hier glauben allen Ern­stes Kinder und infan­tile See­len, sie kön­nten die Welt bess­er organ­isieren als Erwach­sene.

    Ein Sinnbild ist der Gemüsegarten von CHAZ, in dem zwei Dutzend Pflänzchen vor sich hin­mick­ern, sowie die dor­ti­gen Appelle: Schickt veg­e­tarisches Essen, schickt Schic­ki-Mic­ki-Getränke, schickt Solar-Ladegeräte, schickt „ICE (the good kind)“, also Crys­tal Meth.

  7. Sehr guter Artikel :-), wieder voll auf den Punkt gezielt und mit­ten ins Schwarze getrof­fen.
    Nur der Anfang (“jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”) hat ein paar Dinge zuviel, oder ein paar Aus­las­sun­gen.
    “… das päp­stliche Rom hat­te keine Skru­pel, den antiken Tem­peln und Gebäu­den Mar­mor und Bronze zu rauben, um damit Kirchen und Paläste auszus­tat­ten…”
    Nun, warum denn nicht?, was war daran falsch? Die antiken Gebäude waren alle Ruinen außer weni­gen völ­lig umge­bauter Gebäude wie dem Tab­u­lar­i­um. Die waren seit dem 5. Jahrhun­dert geplün­dert, und der Rest war im dauer­ru­inösen Zus­tand, sehr gut zu sehen auf Pirane­sis Kupfer­stichen. Indem das päp­stliche Rom seit dem 15. Jahrhun­dert plan­mäßig antike Stat­uen und Obelisken neu aufgestellt hat, wur­den sie immer­hin erhal­ten und gepflegt.

    “… Es ist anzunehmen, dass der große Berni­ni, der Architekt des Peter­splatzes, kein schlecht­es Gewis­sen hat­te, weil die Bronze für sein Bal­dachin-Zibo­ri­um im Peters­dom aus der Decke der Vorhalle des Pan­theons ent­nom­men wurde.”
    Die Bronze aus dieser Vorhalle war zwar römisch (2. Jahrhun­dert), aber keine große Kun­st. Berni­ni hat daraus große Kun­st gemacht, nicht? Übri­gens war das Pan­theon seit Jahrhun­derten eine Kirche. Berni­ni hat also Bronze aus ein­er Kirche ent­nom­men, um große Kun­st für eine andere Kirche zu schaf­fen. Also musste er alles Andere als ein schlecht­es Gewis­sen haben.

    “Dabei sind die Frevler, Zer­stör­er und Igno­ran­ten mit­ten unter uns.”
    Ähm, nein :-), nicht in diesm Sinne. Die Igno­ran­ten wohl schon unter uns, und täglich wer­den sie mehr (Ex-Bun­deskan­zler Schröder, jet­zt rus­sis­ch­er Oli­garch, sagte über das Berlin­er Holo­caust-Denkmal, es sei ein Ort, wo man gerne hinge­ht), aber wo sind die Frevler und Zer­stör­er alter Kun­st? Merkel zer­stört das Land, und Min­is­ter Maas zer­frev­elt die Mei­n­ungs­frei­heit. Aber an alter Kun­st verge­ht sich kein­er. Nur an neuer Kun­st. Das Berlin­er Regierungsvier­tel ste­ht voller protziger Beton­klötze, wo man vom Nir­gend­wo ins Nir­gend­wo gehen kann, während der Staat scham­los den Bürg­ern in die Taschen greift. Tja.

    • Die Bronze-Decke des Pan­theon-Por­tals war intakt. Da lag nichts in Trüm­mern. 91 Ton­nen hat man da raus­geschleppt. Hätte ich gern gese­hen, diese Decke. Der Bal­dachin ist ein­fach nur mon­strös und hässlich. Aber das ist ja Geschmackssache.

      • Klar lag da nichts in Trüm­mern; das Pan­theon wurde ja in Berninins Zeit schon seit etwa tausend Jahren als Kirche benutzt, Roger. Übri­gens ist es deswe­gen so gut erhal­ten. Alles, was benutzt wurde, ist erhal­ten — etwa auch ein römis­ch­er Ther­men­saal, San­ta Maria degli Angeli e dei Mar­tiri seit dem Umbau durch Michelan­ge­lo, hier ist er:
        https://it.wikipedia.org/wiki/Terme_di_Diocleziano#/media/File:3222_-_Roma_-_Santa_Maria_degli_Angeli_-_Interno_-_Foto_Giovanni_Dall’Orto_17-June-2007.jpg

        Berni­nis Bal­dachin ist riesig, aber mon­strös?
        https://it.wikipedia.org/wiki/Gian_Lorenzo_Bernini#/media/File:Baldacchino_di_San_Pietro,_G_L_Bernini.jpg
        Luftig ist er :-), die Pro­por­tio­nen sind gelun­gen. Die gedreht­en Säulen sind ein Zitat römis­ch­er Säulen, die schon als Spolien in der vorigen Peter­skirche aus dem 4. Jahrhun­dert standen (ich denke, das sind die aus Mar­mor in den Emporen an der Seite, ein Beispiel mehr von Erhal­tung durch Benutzung). Wenn Berni­nis Bal­dachin da nicht stände, wäre der Raum tat­säch­lich mon­strös.

        P.S. Wie kom­men wir jet­zt zurück zum The­ma des Artikels?, Bilder­sturm, der Geschichte und Kun­st ersat­z­los auf­frisst. Zwei, nein drei, nein vier geschichtliche Bilder­stürmereien fall­en mir ein. Der erste Bilder­sturm fand im Kon­stan­tinopel des 8. Jahrhun­derts statt, als Fanatik­er alle Stat­uen und Mosaiken ver­nichtet haben, die sie find­en kon­nten; weswe­gen dort kaum byzan­ti­nis­che Mosaiken erhal­ten sind. Den zweit­en Bilder­sturm am sel­ben Ort erledigten die Türken ab 1453, und er war voll­ständig. Den näch­sten Bilder­sturm haben die Protes­tanten im 16. Jahrun­dert ver­brochen, als sie in Frankre­ich und Deutsch­land alle Kunst­werke zer­stört haben, die sie find­en kon­nten; und der vierte passiert anno 2020 durch fanatis­che Linke in den USA, die alle Denkmäler umstürzen, die ihnen nicht gefall­en.

        • “Zwei, nein drei, nein vier geschichtliche Bilder­stürmereien fall­en mir ein”
          Das begreife ich nicht. Wieso so wenige? Die Geschichte ist voll davon und die Chris­ten haben wohl das meiste zerk­loppt, ver­bran­nt, ver­nichtet. Ange­fan­gen mit den Kopten, die wun­der­bare ägyp­tis­che Reliefs ver­nichteten, über die Ver­nich­tung jeglich­er Mayaschriften (bis auf fast nix), son­stiger indi­an­is­ch­er Kultur(stätten) bis zu den geseg­neten Wehrma­cht­strup­pen, die began­nen, gnaden­los die bolschewis­tis­che Brut auszurot­ten. Auch kön­nte man die pro­fane Bilder­stürmerei nach jeglichen Kriegen und vie­len Machtwech­seln anführen, so wie das Schleifen der Denkmäler im Osten der Repub­lik nach 1989, oder jet­zt in Polen etc. Somit: was derzeit in der USA von­stat­ten geht ist ein Fliegen­schiß zu dem, was die let­zten 30 Jahre in Neufün­fland abging.

  8. Es kommt noch bess­er: Das Denkmal des 54sten Mass­a­chu­setts Reg­i­ments wurde während der Demos beschmiert.

    Was diese Kretins nicht wussten: Das 54ste bestand zu 100% aus “PoC”, die regel­recht darum bet­tel­ten, bewaffnet an die Front zu dür­fen und dort zur Verblüf­fung ihrer weißen Kam­er­aden über­aus tapfer und aufopfer­ungsvoll kämpften.

      • Ja krass, und unwis­sender als unwis­send. Hmmm. Nein, nicht unwis­send; es herrscht Kul­tur­rev­o­lu­tion à la Mao, und sie wis­sen, was sie tun. Es ste­ht in Maos kleinem roten Buch und in Alin­skys Pam­phleten, wie und warum das sein soll.

        Wenn da eine Stat­ue von Har­ri­et Tub­man (Sklavin, die Sklaven befre­it hat) stände, hät­ten sie die auch geschän­det, weil sie sie für eine South­ern Belle hal­ten. Oder eine Stat­ue von Book­er T. Wash­ing­ton (großer schwarz­er Intellek­tueller), der sich hun­dert Jahre vor Al Sharp­ton über genau diesen kor­rupt-ego­is­tis­chen und zu Gewalt anstachel­nden Typus des Min­der­hei­t­e­nan­führers mok­iert hat, wann ist die dran?

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