„Sche­du­le 7“ ist ein Bün­del von durch­aus sinn­vol­len admi­nis­tra­ti­ven und poli­zei­li­chen Maß­nah­men, das in Groß­bri­tan­ni­en für die Ter­ror­be­kämp­fung ange­wen­det wird – Lau­ren Sou­thern weiß das nun genau. Die­se Maß­nah­men erlau­ben es der bri­ti­schen Poli­zei, auf mög­li­che ter­ro­ris­ti­sche Bedro­hun­gen schnell und unmit­tel­bar zu reagie­ren und auch Ver­haf­tun­gen und Ver­hö­re vor­zu­neh­men. Man hat­te bei der Ver­ab­schie­dung der ent­spre­chen­den Geset­ze an genau jene Art von Ter­ro­ris­mus gedacht, der die Welt und damit auch Groß­bri­tan­ni­en seit fast 20 Jah­ren in Atem hält. Die für die Ver­ab­schie­dung nöti­ge Erfah­rung hat­te man sich in einer Jahr­zehn­te­lan­gen blu­ti­gen Schlacht gegen die ter­ro­ris­ti­sche IRA erwor­ben. Doch auch wenn wir die aktu­el­le Erfolgs­quo­te von MI5 und Scot­land Yard nicht wirk­lich ken­nen, schlüpf­ten doch noch immer so vie­le Atten­tä­ter durch die Maschen der Abwehr­net­ze, dass es im gan­zen Land seit 2005 immer wie­der zu isla­mis­tisch moti­vier­ten Ter­ror­an­schlä­gen gekom­men war.

Gute und schlechte Ideologien

Selbst­mord­bom­ber, Mes­ser­schwin­ger, Trucks-in-Men­schen­men­gen-Fah­rer, öffent­li­che Enthauptungen…die Band­brei­te ist uns in Euro­pa ja mitt­ler­wei­le zum bun­ten All­tags­mix gewor­den und ohne täg­li­che Mes­ser­mel­dung geht in Deutsch­land schon seit lan­gem nichts mehr. Die Erre­gungs­kur­ven der Bevöl­ke­rung fla­chen von Mal zu Mal schnel­ler ab, es blei­ben nur die laten­te Angst und der Ein­druck, die Behör­den bei­der­seits des Ärmel­ka­nals mach­ten nicht gera­de eine glück­li­che Figur bei der Ver­hin­de­rung isla­mis­ti­schen Ter­rors. Spek­ta­ku­lä­re Ver­haf­tun­gen oder Fahn­dungs­er­fol­ge sind auch im König­reich eher sel­ten, wohin­ge­gen bekann­te Dschi­had-Pre­di­ger, die selbst den paki­sta­ni­schen Behör­den zu radi­kal sind und des­halb in Paki­stan Berufs­ver­bot haben, ohne Mühe dort­hin ein­rei­sen kön­nen, um ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie in den eng­li­schen Moscheen zu pre­di­gen und gleich­zei­tig von staat­li­cher Wohl­fahrt zu leben. Auch mit diver­sen „Syri­en-Heim­keh­rern“ haben die Bri­ti­schen Behör­den offen­bar kein Pro­blem – oder möch­ten viel­mehr, das ist mei­ne Ver­mu­tung, kei­ne Pro­ble­me mit ihnen bekom­men. Des­halb lässt man sie unge­hin­dert ins Land, wäh­rend man am 12.3.2018 eine jun­ge kana­di­sche Frau in Calais dar­an hin­dert, ins Land zu kom­men und statt­des­sen ver­haf­tet. Was spielt es da schon für eine Rol­le, dass sie so harm­los und unver­däch­tig ist, dass sie selbst zum Fün­fuhr­tee der Queen und in jedes eng­li­sche Post­kar­ten­kli­schee­bild pas­sen wür­de! Lau­ren Sou­thern, so ihr Name, wur­de auf ihrer Fahrt von Bel­gi­en nach Dover in Calais aus dem Bus geholt und unter Ver­weis auf „Sche­du­le 7“ – also unter Ter­ror­ver­dacht – stun­den­lang von der eng­li­schen Poli­zei ver­hört, bis man ihr schließ­lich die Ein­rei­se nach Groß­bri­tan­ni­en ver­wei­ger­te und in Calais vor die Tür setzte.

Was hat­te Lau­ren Sou­thern in Lon­don vor, dass man Sche­du­le 7 anwen­den muss­te? Nicht etwa Bom­ben wer­fen oder Autos auf Them­se­brü­cken in die Men­ge steu­ern (man frag­te sie beim Ver­hör tat­säch­lich, was sie emp­fän­de, wenn ein Truck in eine Men­schen­men­ge fährt – spe­zi­ell, wenn die Opfer Mus­li­me sei­en), sie plan­te kein Atten­tat und war auch nicht im Auf­trag des Schwe­fel­bu­ben Trump dort – nein, sie woll­te Freun­de besu­chen. Ein Pro­blem könn­te sein, dass Sou­thern das ist, was man wohl zurecht „Erz­kon­ser­va­tiv“ nen­nen kann, was eigent­lich noch ein wei­te­rer Grund für eine Ein­la­dung zum Tee bei „Her Majes­ty“ sein sollte.

So gefährlich wie eine Tasse verschütteter Tee

Die „Right-Wing“ Akti­vis­tin und You­Tube­rin mit etwa einer hal­ben Mil­li­on Fol­lower gibt aber eben kei­ne Beau­ty-Tipps oder mimt die Influ­en­ce­rin, indem sie ihre gespon­ser­ten Ein­käu­fe augen­klim­pernd begig­gelt, son­dern spricht zu The­men wie Extre­mis­mus, Ras­sis­mus, Isla­mis­mus und Mei­nungs­frei­heit. Sie berich­te­te auch über die Ver­su­che der Anti­fa, Ver­an­stal­tun­gen von Milo Yianno­pou­los oder Ben Shapi­ro an ame­ri­ka­ni­schen Hoch­schu­len zu ver­hin­dern oder den G20-Gip­fel in Ham­burg auf­zu­mi­schen. Zuletzt dreh­te sie eine pro­fes­sio­nel­le Doku­men­ta­ti­on mit zahl­rei­chen Inter­views über die sys­te­ma­ti­schen Mor­de an wei­ßen Far­mern in Süd­afri­ka – wur­de also Zeu­gin eines geleb­ten Ras­sis­mus, der in Süd­afri­ka heu­te unter ande­ren Vor­zei­chen statt­fin­det, ohne dass dies unse­ren Main­stream­m­edi­en einen Auf­re­ger wert wäre.

Ja, sie ist kon­ser­va­tiv, sogar liber­tär ange­haucht und man­che ihrer Wert­vor­stel­lun­gen tei­le ich nicht, aber sie ist nicht der Teu­fel und sie ist schon gar kei­ne Ter­ro­ris­tin. Man muss nicht die Tür ver­ram­meln, wenn sie über die Stra­ße kommt und Eng­land abrie­geln ist wohl auch nicht nötig. Sie nimmt jedoch das für sich in Anspruch, was vie­le in ihrer Genera­ti­on schein­bar auf­ge­ge­ben oder nie gelernt haben: sie bil­det sich ihre eige­ne Mei­nung und kann sie elo­quent und klar ver­tre­ten. Das passt nicht jedem. Doch wie kommt die bri­ti­sche Poli­zei dazu, Lau­ren Sou­thern unter Ter­ror­ver­dacht sechs Stun­den lang fest­zu­set­zen und zu ver­hö­ren? Wie kann es sein, dass eine Ein­woh­ne­rin des Com­mon­wealth (Kana­das Staats­ober­haupt ist zum Glück nicht Herr Tru­deau, son­dern die eng­li­sche Queen) sich nicht in Groß­bri­tan­ni­en auf­hal­ten darf? Die Insel gehört auch noch zur EU und koope­ra­tiv sogar noch zum Schen­gen­raum und da Sou­thern sich vor­her ganz legal in Bel­gi­en und Frank­reich auf­hielt, und auch dort nichts ille­ga­les tat, ist ihre Fest­set­zung und Aus­wei­sung ein Akt der Willkür.

Das Vorspiel in Luton

Doch da gab es ja vor eini­gen Tagen ein Vor­spiel in der eng­li­schen Stadt Luton, wo Lau­ren Sou­thern am 24. Febru­ar an einer Akti­on teil­nahm. Das was dort geschah ist Anlass dafür, dass sie sich nun auf der Bann­lis­te wie­der­fin­det. Aus­ge­hend von einem Vice-Arti­kel, in dem Jesus zum Hel­den der LGBT-Com­mu­ni­ty hoch­ge­jazzt wur­de (even­tu­ell die­ser hier) und in dem die The­se ver­tre­ten wur­de, Jesus müs­se schwul sein, dach­ten sich Sou­thern und ein paar Freun­de, dies kön­ne man doch auch mal auf ande­re Reli­gio­nen über­tra­gen. Und mal ehr­lich: wenn schon die LGBT-Akti­vis­ten für die Errich­tung eines isla­mis­ti­schen Got­tes­staa­tes in Paläs­ti­na auf die Stra­ße gehen, war­um dann nicht gleich Allah selbst zum Schutz­herrn aller Les­ben, Schwu­len und Quee­ren aus­ru­fen und unter dem Mot­to „Allah is gay, allah is a god for gays as well“ auf einem Stand in Luton Info­ma­te­ri­al ver­tei­len? Gesagt, getan, das Expe­ri­ment wur­de unter­nom­men. Fly­er wur­den gedruckt, ein Stand her­ge­rich­tet und Lau­ren Sou­thern fand sich mit ihren Freun­den in der Rol­le einer lin­ken LGBT-Akti­vis­tin wie­der, die den Islam ver­tei­digt. Die Reak­ti­on kam prompt und eben am 24. Febru­ar 2018 – in Gestalt der eng­li­schen Poli­zei. Die räum­te den Stand und alle Info-Mate­ria­li­en umge­hend ab. Äuße­run­gen die­ser Art sei­en ver­bo­ten*, hieß es zur Begrün­dung! Dabei blieb es.

Nie­mand wur­de ver­warnt oder ver­haf­tet, nie­mand wur­de ver­letzt. Aber die­ser Vor­fall hol­te Sou­thern ein, denn das Schrei­ben mit ihrer Aus­wei­sung, wel­ches ihr die Poli­zei aus­hän­dig­te, warf ihr „dis­tri­bu­ti­on of racist mate­ri­al in Luton“ vor. Wir kön­nen also fest­hal­ten, dass der Islam für die eng­li­sche Poli­zei kei­ne Reli­gi­on, son­dern eine Ras­se ist und dass sie, statt jagt auf ter­ror­pla­nen­de Isla­mis­ten zu machen, lie­ber deren Rechts­ver­ständ­nis von Blas­phe­mie exe­ku­tiert. Ganz so, als befän­de man sich nicht im Her­zen von Euro­pa, son­dern in Hai­der­abad oder Mekka.

Ein leichter Fang für die Sicherheitskräfte

Dem ver­ständ­li­chen bri­ti­schen Wunsch, die Kon­trol­le über die eige­nen Gren­zen zu behal­ten, steht das soge­nann­te „home­grown“ Pro­blem des Isla­mis­mus ent­ge­gen. Die Segre­ga­ti­on und die Ent­ste­hung von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten mus­li­mi­scher Ein­wan­de­rer ist ein altes, kein neu­es Pro­blem der bri­ti­schen Regie­rung. Zudem eines, dass sie nicht in den Griff bekommt. Die „Asi­en Com­mu­nities“, so der Euphe­mis­mus für die meist paki­sta­ni­schen mus­li­mi­schen Gemein­schaf­ten sind so fest gefügt und undurch­läs­sig, dass sich selbst kri­mi­nel­le Zwangs­pro­sti­tu­ti­on von Kin­dern – meist sol­chen aus den unters­ten sozia­len Schich­ten – oft Jahr­zehn­te­lang ver­tu­schen lie­ßen. Cath­rin Kalhweit von der SZ schrieb dazu in einem Arti­kel:** „Die Lis­te der Orte, wo geschah, was in Rother­ham geschah, ist end­los: New­cast­le, Roch­da­le, Hud­ders­field, Leeds, Man­ches­ter, Shef­field, Der­by, Keigh­ley, Skip­ton, Black­pool, High Wycom­be, Lei­ces­ter, Dews­bu­ry, Midd­les­b­rough, Peterborough, Bris­tol, Hali­fax, Oxford. Die Täter hat­ten fast alle Migra­ti­ons­hin­ter­gund: Paki­stan, Indi­en, Ban­gla­desh, Iran, Irak, Tür­kei.“ Die Poli­zei scheint macht­los, der Empö­rungs­pe­gel bei isla­mis­ti­schem „Home­grown-Ter­ror“ oder offen­sicht­li­cher Skla­ve­rei und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen der beson­ders ekel­haf­ten Sor­te hält nicht lan­ge an. Es wird igno­riert, dass die Ter­ror­ab­wehr weder im inne­ren funk­tio­niert, noch an den Gren­zen die wirk­lich gefähr­li­chen Typen abge­wie­sen werden.

Doch was macht man nun, wenn man zwar eine gan­ze Rei­he schar­fer Werk­zeu­ge gegen den Ter­ro­ris­mus in der Hand hat, jedoch längst nicht mehr die Kraft auf­bringt, die­se auch ein­zu­set­zen? Man setzt sie an ande­rer Stel­le ein. Dort, wo nicht mit Wider­stand zu rech­nen ist. Man erfin­det eine Bedro­hung, die es nicht gibt und die des­halb auch nicht zurück­schlägt und Rache nimmt. Und so exe­ku­tie­ren bri­ti­sche Beam­te heu­te ohne mit der Wim­per zu zucken stein­al­te Blas­phe­mie­ge­set­ze, wie sie aktu­ell nur noch in der Scha­ria Gül­tig­keit haben. Die­se Umla­be­lung ist uns in Euro­pa durch­aus schon bekannt. Als näm­lich 2005 das däni­sche Blatt „Jyl­lands Pos­ten“ eini­ge Moham­med-Kar­ri­ka­tu­ren ver­öf­fent­lich­te, waren die Ver­tei­di­ger des „ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgangs mit der Pres­se­frei­heit“ an vor­ders­ter Beschwich­ti­gungs­front damit befasst, den Pro­phe­ten des Islam vor jeder Belei­di­gung zu beschüt­zen. Der Tenor lau­te­te in etwa so: Natür­lich gibt es die Pres­se­frei­heit, aber den Islam belei­di­gen ist unan­ge­mes­sen. Und klein­laut weiter…man weiß doch wie des­sen Anhän­ger so drauf sind. Das dach­ten wohl auch die Poli­zis­ten in Luton, als sie den „Allah is gay“ Stand hek­tisch abräum­ten und eben­falls die Grenz­po­li­zei, die wenig spä­ter aus einer sati­risch ver­pack­ten Islam­kri­tik einen Ras­sis­mus­vor­wurf gegen Lau­ren Sou­thern strickte.

Kommt „Free Speech“ in Großbritannien unter die Räder?

Dass Lau­ren Sou­thern für Groß­bri­tan­ni­en kei­ne Gefahr dar­stellt, die grö­ßer sein könn­te als eine Tas­se ver­schüt­te­ter Tee, ist natür­lich auch den Sicher­heits­kräf­ten klar, die hier nur Befeh­len folg­ten. Kei­ne ihrer Äuße­run­gen oder Ver­öf­fent­li­chun­gen, die bei einer 22 Jah­re jun­gen Frau noch über­schau­bar und leicht zurück­zu­ver­fol­gen sind, recht­fer­tigt auch nur einen Hauch des Ter­ror­ver­dachts. Ihre Reden und Vide­os wir­ken jedoch als Gegen­mit­tel zu den Seda­ti­va aus Unauf­merk­sam­keit und Ablen­kung von den tat­säch­li­chen Pro­ble­men im Land. So war sie schon in Süd­afri­ka dadurch auf­ge­fal­len, dass sie über die dort gras­sie­ren­de Mord­se­rie an wei­ßen Far­mern berich­te­te und eini­gen Mit­glie­dern des ANC vor lau­fen­der Kame­ra State­ments ent­lock­te, die ohne Zwei­fel einen fins­te­ren Schat­ten des Ras­sis­mus auf die Rain­bow-Nati­on wer­fen – dies­mal unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen. Was Sou­thern wohl aus Lon­don zu berich­ten hätte…?

Es ist anzu­neh­men, dass nicht nur die bri­ti­sche Regie­rung in Zukunft noch stär­ker nach dem Mot­to „If the mes­sa­ge is uncom­for­ta­ble, lock up the mes­sen­ger“ han­deln wird. Ein Umstand, der für das Mut­ter­land von „Free Speech“ beson­ders beschä­mend ist. Rede­ver­bo­te, Medi­en­bann und Ver­leum­dung sind pro­ba­te Mit­tel, an der Repu­ta­ti­on von unbe­que­men Men­schen zu krat­zen. Dass auch wei­ter­hin zu sol­chen Mit­teln der fal­schen Bezich­ti­gung gegrif­fen wird, steht zu befürch­ten. Die­se Ent­wick­lung ist auch in Deutsch­land schon seit län­ge­rem im Gan­ge, man erin­ne­re sich nur an die Schnei­sen des Schwei­gens, die das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz durch die sozia­len Net­ze schlägt. Von Mei­nungs­frei­heit kann in Euro­pa schon eine gan­ze Wei­le kaum noch die Rede sein.

Fazit

Einen Plus­punkt gibt’s für den Schneid von Sou­thern und ihren Freun­den, sich mit solch einer Aus­sa­ge in die Fuß­gän­ger­zo­ne von Luton zu stel­len. Die Debat­te an sich ist mir Schnup­pe und aus der Pra­xis wis­sen wir, dass Reli­gi­ons­stif­ter vor Anwür­fen aller Art nicht sicher sind und unse­res Schut­zes auch nicht bedür­fen. Wit­ze über Moses, Bud­dah oder Jesus fal­len heu­te nicht mehr unter einen Blas­phe­mie-Para­gra­fen, Got­tes­läs­te­rung steht nicht unter Stra­fe – weder hier noch in Groß­bri­tan­ni­en. Und wür­de man als Rei­sen­der an den Hof von Harun al Rashid im Bag­dad des 8. Jahr­hun­derts gelan­gen, könn­te man sich dort sogar mit den neu­es­ten Spott­ver­sen über den Pro­phe­ten Moham­med ver­sor­gen. Das ist heu­te anders, wie wir wis­sen, auch immer häu­fi­ger aus eige­ner Anschau­ung. Ein Spott hier, eine Kari­ka­tur dort, eine Kri­tik oder Replik – alles, was mit dem Islam zusam­men­hängt, wird heu­te als „to hot to hand­le“ betrach­tet. Lie­ber nicht, die Mus­li­me könn­ten sau­er wer­den. Der Humor, so ler­nen wir, kniet nicht auf dem Gebets­tep­pich. Das Abwehr­ge­schütz wird gela­den und abge­feu­ert. Pro­phy­lak­tisch. Wumm – Ras­sis­mus, selbst wenn kei­ne ras­si­schen Ste­reo­ty­pen im Spiel sind. Rumms – Isla­mo­pho­pie, auch wenn es sich hier­bei nicht um ein psy­cho­lo­gi­sches Krank­heits­bild han­delt, das man noch dazu abschal­ten kön­nen soll wie einen Toas­ter. Da wird eine Reli­gi­on in Wat­te gepackt, wie dies die Spreng­meis­ter im Stra­ßen­bau des vor­letz­ten Jahr­hun­derts mit den Fla­schen vol­ler Nitro­gly­ce­rin taten, die bei der kleins­ten Erschüt­te­rung in die Luft gin­gen. Dazu pas­sen aller­dings das stän­di­ge Beschwich­ti­gen und die Ver­si­che­rung nicht, es han­de­le sich um eine „Reli­gi­on des Frie­dens“ – denn sobald einer zuckt, knallt‘s offen­sicht­lich gewaltig!

Jetzt also der Ver­such, die Kri­ti­ker der gewalt­sa­men und into­le­ran­ten Aspek­te des Islam mit eben­den Werk­zeu­gen zu packen, die sie eigent­lich schüt­zen soll­ten. Das ist nicht nur schä­big, son­dern eine Kapi­tu­la­ti­on vor dem Isla­mis­mus, der unter­des­sen wei­ter schal­ten und wal­ten kann, wie es ihm behagt – in Groß­bri­tan­ni­en und anders­wo in Euro­pa. Bleibt noch eine ein­zi­ge ande­re Erklä­rung für die Aus­wei­sung von Lau­ren Sou­thern aus Groß­bri­tan­ni­en, doch die ist bei­na­he noch nie­der­schmet­tern­der: man glaubt, sie als Islam­kri­ti­ke­rin dort nicht aus­rei­chend schüt­zen zu können.

Übri­gens: das „Luton-Expe­ri­ment“ ist mit einem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis been­det wor­den. Vice darf fol­gen­los „Jesus is gay“ schrei­ben, wäh­ren man für den Satz „Allah is gay“ in Groß­bri­tan­ni­en als Ter­ro­rist behan­delt und aus dem Land gewor­fen wird. Let this sink in!

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* Zwar hat Groß­bri­tan­ni­en 2008 das Blas­phe­mie­ge­setz abge­schafft, es wur­de jedoch bereits 2006 der „Racial and Reli­gious Hat­red Act“ ver­ab­schie­det, der es unter Stra­fe stellt, auf­grund reli­giö­ser Ein­stel­lung Hass auf Men­schen zu schü­ren. Dies scheint jedoch nicht auf Hass­pre­di­ger zuzu­tref­fen, die in eng­li­schen Moscheen zum Dschi­had gegen „Ungläu­bi­ge“ auf­sta­cheln. Doch selbst wenn man die­sen Act zur Begrün­dung der Aus­wei­sung Sou­therns her­an­zö­ge, bräuch­te es zu des­sen Durch­set­zung im Ein­zel­fall immer eines: ein rechts­kräf­ti­ges Urteil vor einem ordent­li­chen eng­li­schen Gericht – in der Cau­sa Sou­thern gab es jedoch kei­ne Ankla­ge, kei­nen Klä­ger, kei­ne Anwäl­te, kei­nen Rich­ter und auch kein Urteil. Nur eine will­kür­li­che Ausweisung.

** Hier eine Alter­na­ti­ve Quelle

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38 Kommentare

  1. Falls sich jemand dafür inter­es­siert, für wel­ches Ver­hal­ten genau die Dame als Ter­ro­ris­tin zum Abschuss frei­ge­ge­ben wur­de, der fin­det hier das Cor­pus Delicti:

    https://www.youtube.com/watch?v=AxjH5hZYTbQ

    Man muss sie ein­fach lieben. 

    Abge­se­hen davon eig­net sich das Video als gutes Argu­ment gegen Anti-Ter­ror Geset­ze, die es nicht geben soll­te, weil sie miss­braucht wer­den, UND gegen Mul­ti-Kul­ti. Es zeigt, dass bei­des ein Land in ein Frei­luft-Gefäng­nis ver­wan­delt, in dem die Geset­ze gegen JEDEN miss­braucht wer­den, um durch Inkom­pa­ti­bli­tä­ten her­vor­ge­ru­fe­ne Kon­flik­te nicht offen aus­bre­chen zu las­sen. Und es zeigt, dass Mul­ti­kul­ti-Staa­ten gegen­über Gewalt und Lynch­jus­tiz klein bei­geben, und bei­des in die­sen Frei­luft-Gefäng­nis­sen erfolgs­ver­spre­chen­de Stra­te­gien sind, von denen auch wir mehr erwar­ten können.

      • “ Wofür war die­ses Minus? “

        Form und Inhalt.

        “ Kei­ne Argumente? “

        Kei­ne Zeit zu verschwenden.

        • Was genau ist an Form und Inhalt auszusetzen? 

          Fühlst Du, dass dar­an etwas ver­kehrt ist, so wie mei­ne Freun­din fühlt, dass sie eine neue Hand­ta­sche braucht, oder meinst Du es, so wie ich mei­ne, dass Bat­man viel coo­ler als Spi­der­man ist? Oder schlum­mert in Dei­nem Kop­fi eine Argu­men­ta­ti­on, die Du nicht raus­las­sen willst? Du weißt, sowas mit Argu­men­ten und Logik. Kennst Du das?

          • “ Was genau ist an Form und Inhalt auszusetzen? “

            Form:
            Ihr Duk­tus ist unan­ge­mes­sen, Ihre Voka­beln verfehlt.
            (Aber bei­des durch­aus auf­schluss­reich, nicht nur in Ihrem obi­gen Kommentar.)
            Inhalt:
            Ihre Prä­mis­sen sind meist, Ihre Kon­klu­sio­nen regel­mä­ßig fehlerhaft.
            (Nicht nur in ihrem obi­gen Kommentar.)

            “ […] Du weißt, sowas mit Argu­men­ten und Logik. Kennst Du das? “

            Was genau haben Sie daran …
            ‚Kei­ne Zeit zu verschwenden.‘
            .. nicht ver­stan­den? Ich argu­men­tie­re i.d.R. nur, wenn ich zumin­dest die Hoff­nung hege, dass diie Argu­men­te auch erfasst wer­den. Alles ande­re wäre die besag­te Zeitverschwendung.
            Und:
            Was genau wis­sen Sie als Außen­ste­hen­der über Logik?

            Btw.: Kau­fen Sie Ihrer Freun­din eine neue Hand­ta­sche. Der resul­tie­ren­de Effekt ist gewöhn­lich enorm befriedend.

            • Da ich schon vor lan­gem damit auf­ge­hört habe, wie aus dem vor­letz­ten Jahr­hun­dert zu klin­gen, über­set­ze ich das von mei­nem Vor­red­ner geschrie­be­ne mal, und fas­se es zusammen:

              „Dein Sprach­stil ist ist unan­ge­mes­sen, und Dei­ne Behaup­tun­gen und Schlüs­se sind regel­mä­ßig fehlerhaft. 

              Da fal­len mir auf Anhieb vier Fra­gen ein:

              1. Wel­che Behaup­tung genau ent­spricht nicht den Tatsachen?
              2. In wel­cher Quel­le genau steht das?
              3. Wel­cher Schluss ist fehlerhaft?
              4. Wo genau liegt der logi­sche Fehler?

              „Du bist blöd, weil ich was Bes­se­res bin, und es nicht nötig habe, mit nie­de­rem Gesin­del wie Dir mei­ne Zeit zu verschwenden.“

              Aha. Kannst Du nicht, oder willst Du nicht? Ich tip­pe dar­auf, dass Dus nicht kannst.

              „Kauf Dei­ner Freun­din ne neue Hand­ta­sche, dann gibts Sex“

              Dan­ke für den Rat­schlag, aber mei­ne Freun­din hat bereits sehr vie­le Hand­ta­schen, und ich hal­te es für unklug, Din­ge zu ver­schen­ken, die bereits im Über­maß vor­han­den sind. Über­maß bedeu­tet abneh­men­der Nutz­wert bei gleich­blei­ben­den Anschaffungskosten.

              Ich hab auch einen gut gemein­ten Rat­schlag für Dich: Hör auf, wie Kant in sei­ner Kri­tik der rei­nen Ver­nunft zu schrei­ben, um dar­über hin­weg­zu­täu­schen, dass Du nichts zu sagen hast. Hab statt­des­sen etwas zu sagen, und drück das, was Du zu sagen hast, ein­fach ver­ständ­lich und ohne Fremd­wor­te, Schach­tel­sät­ze, und die­se lächer­lich wir­ken­de Über­heb­lich­keit aus. Bei dem, was Du machst, bla­mierst Du Dich eben­so vor Leu­ten, die sich von Dei­ner Bil­dungs-Schwuch­tel­ei täu­schen las­sen, wie auch vor Leu­ten, bei denen dies nicht klappt. Nur aus jeweils ande­ren Gründen.

    • Hmm, wohl mal wie­der Zeit für eine freie inter­pre­ta­ti­on des belieb­ten Zita­tes (Brecht? Sandburg?):
      „Stell Dir vor, da ist ein Mes­ser­ste­cher und Du gehst nicht hin …“

      Wie geht’s noch in der rea­len Welt weiter?

        • 😀
          Oder nur ein gewal­tig lan­ges Mes­ser: So ab 20 m aufwärts.
          Alter­na­tiv natür­lich ein ganz ganz lan­ger Arm. Dann klappt’s auch mit der Arm­län­ge Abstand! >;o)

  2. Ergän­zung um ein Miss­ver­ständ­nis vor­zu­beu­gen. Der letz­te Satz bezieht nicht auf Sell­ner, der ist sicher ein Rech­ter, son­dern auf mei­nen ers­ten Absatz.

    • Selbst wenn Herr Sell­ner ein „Rech­ter“ ist (was ich nicht beur­tei­len kann, da ich mich nicht mit ihm beschäf­tigt habe) , so hat er den­noch das Recht, sei­ne Mei­nung frei (!) zu äus­sern. Selbst, wenn er den gröss­ten Blöd­sinn ver­zap­fen wür­de, so wäre dies sein gutes Recht!

      Natür­lich stün­de es in die­sem Fall auch jedem Ande­ren zu, frei Kri­tik an sei­nen Ansich­ten zu üben. Jedoch zu ver­su­chen, ihn vom Spre­chen anzu­hal­ten (wie jetzt in UK), oder einem Ver­lag nahe­zu­le­gen, sich von einem Autoren zu tren­nen, oder von einer Par­tei zu for­dern, ein Mit­glied aus­zu­schlies­sen (Sar­ra­zin), das sind alles Ver­su­che, die Mei­nungs­frei­heit ein­zu­schrän­ken, oder nur in den engen Gren­zen eines „Mei­nungs­kor­ri­dors“ zuzulassen.

      Wer dies hin­nimmt, der darf sich anschlies­send nicht über die nächs­te Dik­ta­tur beschweren. 

      Ohne Mei­nungs­frei­heit gibt es kei­ne Freiheit!

      • Sell­ner ist ein Liber­tä­rer. Das bedeu­tet für vie­le Poli­ti­ker, die sich an den wach­sen­den Eta­tis­mus gewöhnt haben, dass er selbst den Teu­fel beim Wür­feln beschei­ßen wür­de. Ich sehe das etwas anders, obwohl ich im Gegen­satz zu Sell­ner nicht glau­be, dass es ganz ohne Staat geht.

        • Ich bin mir mitt­ler­wei­le nicht ein­mal mehr sicher, alle zeit­ge­nös­si­schen „Kampf­be­grif­fe“ kor­rekt zu erfas­sen: „Liber­tä­rer“, „Neo­li­be­ral“, „Glo­ba­list“, etc, wer­den – für mich jeden­falls – zuneh­mend nebu­lös, und tra­gen nichts zur Klä­rung der Fra­ge bei, WAS GENAU die Leu­te denn nun eigent­lich im Sinn haben.

          Der Kern mei­ner Gesell­schafts­auf­fas­sung ist deckungs­gleich mit dem 1st Amend­mend in den USA. Jeder hat das Recht, zu sagen, was er will, solan­ge nicht gezielt zu Gewalt auf­ge­ru­fen wird.

        • Auch wenn ich unger­ne den Klug­schei­ßer spiele:
          Sell­ner ist ein Iden­ti­tä­rer, also schon ein­deu­tig rechts (was ja legi­tim ist, wie links zu sein) und lt. Ver­fas­sungs­schutz und wei­te­rer in die­ser Bezie­hung mehr oder weni­ger kom­pe­ten­ter Quel­len sogar rechts­ex­trem. Ich per­sön­lich habe da noch nichts Extre­mes bei den Iden­ti­tä­ren ent­de­cken kön­nen bis auf viel­leicht eine leich­te Springerstiefelromantik.
          Bis­her haben sich die Iden­ti­tä­ren mei­nes Wis­sens nach aus­schließ­lich fried­li­cher Aktio­nen bedient. Sind also so eine Art Green­peace der Rech­ten Szene.

          Liber­tär ist was anderes…
          Und nein, ohne Staat (ein­schließ­lich der Beam­ten) geht es wirk­lich nicht. Da haben wir eine rich­tig gute Basis in Deutsch­land, die es zu bewah­ren gilt.

          • „Iden­ti­tä­rer“, ein wei­te­rer schwam­mi­ger Begriff, der für mich unbrauch­bar ist. Die­ses zwang­haf­te In-Schub­la­den-ein­sor­tie­ren-wol­len ist kontraproduktiv.

            Las­sen Sie doch die Leu­te ein­fach ihre Mei­nung aus­drü­cken, ver­bal und in Schrift­form. Dann sor­tiert sich das schon ent­spre­chend des Sinngehaltes.

            Wofür der Ver­fas­sungs­schutz gut sein soll, dass muss mir aller­dings wohl irgend­wann jemand erklä­ren. In mei­nen Augen ein nutz­lo­ser Haufen.

            „Ohne Staat (ein­schließ­lich der Beam­ten) geht es wirk­lich nicht.“

            Mit dem gegen­wär­ti­gen (Vielfrass-)Staatswesen wird es aller­dings nicht mehr lan­ge gut gehen. Fällt der Finanz­sek­tor, so fällt der Rest:

            https://www.nzz.ch/finanzen/interview-mit-markus-krall-der-draghi-crash-ist-nur-eine-frage-der-zeit-ld.1308458

          • Herr Sell­ner ist liber­tär und der Ver­fas­sungs­schutz ist ein kri­mi­nel­ler Sta­si-Gesta­po-Ersatz­ver­ein, der so vie­le Straf­ta­ten began­gen hat, dass dar­an Par­tei­ver­bots­ver­fah­ren vor Gericht geschei­tert sind.

  3. Herr Letsch, man­no mann, hier fas­sen Sie hei­ße Eisen an. Als Ver­tei­di­ger der Rech­te der Rech­ten ist man dann plötz­lich selbst einer. Umkehr unmög­lich und dann wird es unge­müt­lich. Denn um die Rech­te klein zu hal­ten ist jedes Mit­tel legi­tim. Es wird öffent­lich so gehand­habt aber auch im Pri­va­ten. Die­ses emp­fin­de ich als unbe­greif­lich bis ent­setz­lich. Dan­ke, dass Sie sich dage­gen stellen.

    Kurz noch zwei Ergän­zun­gen: Lau­ren Sou­thern, da war doch schon­mal was:
    http://meedia.de/2017/07/10/nach-hetzjagd-vorwuerfen-beim-g20-zeit-online-trennt-sich-von-stoerungsmelder-autor-soeren-kohlhuber/

    Eben­falls die Ein­rei­se in Mut­ter­land der Frei­en Rede ver­wei­gert wur­de kürz­lich Mar­tin Sell­ner (nein, muss man auch nicht gut fin­den den Mann, aber gewal­tig ist der auch nicht …) ein­schließ­lich 2 Tage Knast:
    http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Nach-Festnahme-Identitaeren-Chef-meldet-sich-zu-Wort/325755001

    Für die Lin­ke ist alles, was nicht links ist, rechts. Und im Zwei­fel ist rechts dann auch gleich rechts­ex­trem. Dar­un­ter fal­len dann schnell auch die Liberalen.

    • Die ein­zi­ge Gren­ze der Mei­nungs­frei­heit ist das Straf­recht. Wenn das nicht mehr gilt, kön­nen wir nicht mehr von Mei­nungs­frei­heit reden. Das gilt selbst­ver­ständ­lich nicht nur für Lin­ke. Bei Sell­ner und Pet­ty­bo­ne liegt die Sache übri­gens etwas anders, wenn­gleich ich es in die­sen Fäl­len genau­so ver­ur­tei­le, sie gleich ein­zu­sper­ren. Sell­ner ist Akti­vist und woll­te an einer poli­ti­schen Ver­an­stal­tung teil­neh­men – hier haben die Bri­ten aus­rei­chend Auto­ri­tät, eine Ein­rei­se zu unter­bin­den. Sell­ner ist näm­lich kein Bri­te. Pet­ty­bo­nes Fall ist noch kom­pli­zier­ter, weil sie zwar Akti­vis­tin, aber auch Jour­na­lis­tin ist. In Sou­thern Fall ist die Sach­la­ge imho ein­deu­tig, des­halb habe ich die­ses Bei­spiel gewählt.

      • [[ Die ein­zi­ge Gren­ze der Mei­nungs­frei­heit ist das Strafrecht. ]]

        Exakt.

        Aller­dings den­ken sich wohl vie­le Deut­sche, dass in der Ver­gan­gen­heit für das Ver­tre­ten der aktu­el­len Regie­rungs­mei­nung noch nie ein Bür­ger an die Wand gestellt wor­den ist.

        Obrig­keits­den­ken, Feig­heit, und Grup­pen­ver­hal­ten, das ist jeden­falls mei­ne Mei­nung zu den Ursa­chen des rück­rats­sei­ti­gen Meinungsfreiheitsdefizites.

      • „Die ein­zi­ge Gren­ze der Mei­nungs­frei­heit ist das Strafrecht.“

        Also kann man die Rede­frei­heit belie­big beschrän­ken. Man schreibt die Beschrän­kun­gen ein­fach ins Straf­ge­setz­buch, und schon ist der Roger zufrie­den. Zumin­dest, bis es den Roger selbst trifft. Aber dann ist der Roger ganz allei­ne, weil die­je­ni­gen, die es vor ihm getrof­fen hat, schon weg sind, und die­je­ni­gen, die es nach ihm tref­fen wird, froh sind, dass es nicht sie erwischt hat.

        Unrecht ist Unrecht, egal in wel­chem Buch es steht.

        • Das die­se Aus­sa­ge nur für Sys­te­me gilt, die über eine frei­heit­li­che Grund­ord­nung ver­fü­gen, muss man doch nicht wirk­lich jedes mal dazu sagen, oder? 😉

          • Ich den­ke Herr Spahn trifft den Nagel auf den Kopf. Die frei­heit­li­che Grund­ord­nung defi­niert sich vor allem durch die Wah­rung der Mei­nungs­frei­heit und der Gesetz­ge­ber hat da kei­ne belie­bi­ge Weisungsmacht. 

            Das wird ger­ne ver­wischt, indem so getan wird, als wäre es schwie­rig eine ernst­zu­neh­men­de Dro­hung von der Ver­öf­fent­li­chung einer Mei­nung zu unter­schei­den. Oder als wäre ein Geheim­nis­ver­rat ver­wech­sel­bar mit einer Mei­nung. In Wahr­heit ist nichts mit einer Mei­nung ver­wech­sel­bar und eine frei­heit­li­che Grund­ord­nung defi­niert sich dadurch, dass die Mei­nungs­äu­ße­rung akzep­tiert wird. Deutsch­land hat kei­ne frei­heit­li­che Grund­ord­nung. Wir sind nur frei­er als ande­re Staa­ten, die es noch schlech­ter machen, wie Chi­na oder Russland.

          • Wo genau sehen Sie denn eine frei­heit­li­che Grund­ord­nung? Doch wohl eher nicht im zeit­ge­nös­si­schen Euro­pa, oder sehe ich das falsch? 

            Abge­se­hen davon wur­de auch in der Sowjet­uni­on das Recht auf Rede­frei­heit in der Ver­fas­sung fest­ge­schrie­ben. Ich wür­de ein­mal behaup­ten, dass die­ses Recht in der Sowjet­uni­on nicht das Papier wert war, auf dem es geschrie­ben stand. Im End­ef­fekt läuft doch alles auf die Fra­ge hin­aus, wie sehr eine Regie­rung die Pri­vi­le­gi­en miss­braucht, die ihr ver­lie­hen wur­den. Ums mit Bas­ti­at zu sagen, kann man eine Regie­rung nicht dazu zwin­gen, mora­lisch zu sein, man kann sie nur dar­an hin­dern, unmo­ra­lisch zu sein. Letz­te­res erreicht man, indem man ihr alle Mit­tel nimmt, die sie miss­brau­chen könn­te. Und aus dem Grund bin ich, was sol­che Rech­te wie die Rede­frei­heit angeht, ein Abso­lu­tist. Jede Ein­schrän­kung ist Unrecht, egal, in wel­chem Buch sie steht. Und jede Abwei­chung von die­ser Richt­li­nie eröff­net Miss­brauch Tür und Tor. Und je kom­pli­zier­ter ein Rechts­sys­tem ist, des­to leich­ter kann es miss­braucht wer­den. Des­halb sind Aus­nah­men und Son­der­re­ge­lun­gen inakzeptabel.

            • [[ Und aus dem Grund bin ich, was sol­che Rech­te wie die Rede­frei­heit angeht, ein Absolutist. ]]

              Ein exzel­len­ter Punkt.

              Je län­ger ich dar­über nach­den­ke, des­to mehr ten­die­re ich dazu, Ihnen zuzustimmen.

              Schau­en wir uns doch ein­mal die gegen­wär­ti­gen lega­len Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit an:

              Auf­ruf zur Gewalt, Belei­di­gung, Leug­nung des Holo­causts, und die Her­ab­wür­di­gung von Volks­grup­pen und Reli­gio­nen, fällt mir spon­tan ein.

              Das ein­zi­ge, was für mich rele­vant ist, das ist der Auf­ruf zur Gewalt. Ande­rer­seits, wenn man ange­sichts der stän­di­gen „Vor­komm­nis­se“ mit mes­ser­be­wehr­ten Jung­mus­li­men zur Bil­dung von Bür­ger­weh­ren auf­rie­fe – was ja durch­aus in Gewalt enden könnrw – ist man dann bereits jen­seits des GG? A la „Bil­dung einer ter­ro­ris­ti­schen Vereinigung“?

              Ich per­sön­lich ver­ab­scheue den Islam, und alles, wofür er steht. Ich betrach­te die­se Ideo­lo­gie als die momen­tan gröss­te Bedro­hung der Mensch­heit (neben der Über­be­völ­ke­rung). Und mir passt es über­haupt nicht, dass man das in vie­len Online-Foren so nicht aus­drü­cken kann.

              Der Rest, Belei­di­gung, etc, sind für mich Peti­tes­sen. Und wenn jemand ernst­haft meint, in Anbe­tracht all der über­wäl­ti­gen­den Bewei­se, den Holo­caust leug­nen zu kön­nen, dann soll er das ruhig tun. Es ist immer noch das bes­te Mit­tel, Ver­rück­te ein­fach solan­ge reden zu las­sen, bis sie sich aus ihren eige­nen Wort einen Strick gedreht haben.

            • Hey „-1“,

              ich wür­de ger­ne eine Begrün­dung für „-1“ lesen.

              Herz­lich,
              Holger

            • Schön, dass zur Abwech­se­lung auch mal jemand über Sinn und Unsinn vom hie­si­gen Recht nach­denkt. Die­ser gan­ze Kada­ver­ge­hor­sam gegen­über dem, was irgend­wel­che Poli­ti­ker beschlie­ßen, ist auf Dau­er depri­mie­rend. Es gab in der Ver­gan­gen­heit mehr als genü­gend Unrecht, um es ange­bracht erschei­nen zu las­sen, mal dar­über nach­zu­den­ken, was genau sowas ausmacht. 

              Ich hab mir jetzt über­legt, ob ich ne Argu­men­ta­ti­on schrei­be, wes­halb jede ein­zel­ne Ein­schrän­kung der Rede­frei­heit grö­ße­re Schä­den anrich­tet, als das ursprüng­li­che Pro­blem, aber ich wäre zu faul, etwas zu schrei­ben, das höchst­wahr­schein­lich nicht ver­öf­fent­licht wird. In jedem Fall unter­drückt man Wahr­hei­ten und schafft Mär­ty­rer. Man legt eben­falls eine zutiefst men­schen­ver­ach­ten­de Welt­sicht an den Tag, wenn man meint, für Ande­re ent­schei­den zu kön­nen, was die Wahr­heit ist. Und selbst, wenn es einen Rechts­weg gibt, auf dem man vor Gericht bewei­sen kann, dass eine Behaup­tung den Tat­sa­chen ent­spricht – sofern Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen über­haupt geschützt sind, was bei Belei­di­gung zum Bei­spiel nicht der Fall ist – ist so ein Gerichts­ver­fah­ren mit so vie­len Kos­ten und Auf­wand ver­bun­den, dass ein Ver­fah­ren an sich bereits eine Bestra­fung dar­stellt. Allein durch die Exis­tenz sol­cher Geset­ze schafft man Unrecht, egal, was genau im Geset­zes­text steht.

              Bezüg­lich der Bür­ger­wehr fällt mir etwas ein, das in der, auf dem Papier, noch frei­heit­li­chen Grund­ord­nung der USA steht:

              „A well regu­la­ted Mili­tia, being necessa­ry to the secu­ri­ty of a free Sta­te, the right of the peop­le to keep and bear Arms, shall not be infringed.“

              So kann man das mit den Bür­ger­weh­ren auch lösen. Man macht ein­fach ein Grund­recht dar­aus. Per­sön­lich hal­te ich das für die Ide­al­lö­sung. Men­schen, die arbei­ten gehen und die Kin­der ver­sor­gen müs­sen, haben kei­ne Zeit, um mit Demons­tra­tio­nen beim Staat bet­teln zu gehen. Im Gegen­satz zu voll­zeita­li­men­tier­ten Anti­fan­ten, deren Wohl­erge­hen davon abhängt, dass mehr und mehr umver­teilt wird. Nor­ma­le Men­schen sind in der poli­ti­schen Are­na ein­fach im Nach­teil. Wenn die nor­ma­len Men­schen dann auch noch ent­zahnt sind, kön­nen sie kei­ne Bedin­gun­gen schaf­fen, in denen man ihnen zum Bei­spiel mal erklä­ren muss, wel­ches höhe­re Gut durch eine Poli­tik geschaf­fen wird, die die Ver­ge­wal­ti­gungs-Wahr­schein­lich­keit ihrer Frau­en und Kin­der mas­siv erhöht, und die oben­drein auf unpro­duk­tivs­te Wei­se schwei­ne­teu­er ist. Man kann dann ein­fach durch­re­gie­ren, und die Pro­ble­me aus­sit­zen. Schließ­lich gibts nie­man­den, der etwas tun könn­te. Die Bevöl­ke­rung ist unterworfen. 

              BTW, ich wür­de wet­ten, dass es sol­che Äuße­run­gen sind, die die meis­ten Minus ein­brin­gen. Man­che Men­schen sind halt stolz dar­auf, dass sie sich frei­wil­lig bücken, wäh­rend man ande­re erst dazu zwin­gen muss. Die erst­ge­nann­ten krie­gen Panik­an­fäl­le, wenn jemand im Ange­sicht der Aut­ho­ri­tät nicht die Arsch­ba­cken spreizt, und fin­den es geil, wenn jemand gezwun­gen wird. Ich hal­te das für eine Art von Stock­holm Syn­drom. Und es scheint häu­fi­ger zu wer­den. Es gab hier ja sogar jeman­den, der den aktu­el­len Beam­ten­staat als Gan­zes für erhal­tens­wert hält, was eine Sicht­wei­se ist, die ich in die­ser Form nicht­mal mehr von Beam­ten ken­ne. Die­je­ni­gen, die ich ken­ne, ver­die­nen so halt ihr Geld, fin­den ansons­ten aber vie­les dar­an schei­ße. Das ist zumin­dest mei­ne Erklä­rung für das ‑1.

            • Herr Spahn, Ihr neu­es­ter Bei­trag erfüllt mein rebel­li­sches Herz mit Freude! 🙂

          • Ja und ja. Denn es gilt zwar das Prin­zip der Mei­nungs­frei­heit, da ich aber für das Gesamt­werk hier ver­ant­wort­lich zeich­ne, möch­te ich bestimm­te For­mu­lie­run­gen hier nir­gends an den Wän­den haben. Mei­ne Wän­de, mei­ne Regeln. 😉

            • [[ …möch­te ich bestimm­te For­mu­lie­run­gen hier nir­gends an den Wän­den haben. ]]

              Ich ver­wen­de eben manch­mal ger­ne auch dras­ti­sche For­mu­lie­run­gen, um auf den Punkt zu kom­men. Ganz beson­ders dann, wenn es um die Mei­nungs­frei­heit geht. 

              [[ Mei­ne Wän­de, mei­ne Regeln. ]]

              Abso­lut nachvollziehbar.

      • Ich habe eine ‚Dau­men hoch‘ gege­ben, aber mir ist nur bedingt wohl dabei. Denn das Straf­recht könn­te belie­big geän­dert wer­den und damit eben jenes Grund­recht sys­te­ma­tisch aus­ge­höhlt wer­den. Sicher, auch das Straf­recht steht unter dem Grund­ge­setz. Aber wir haben es prak­tisch am NetzDG gese­hen, wie leicht man die Grund­rech­te aus­he­beln kann.

        For­mal gese­hen müss­te das Grund­recht des DG also sei­ne Gren­zen nur im Kon­text des GG fin­den. Die Durch­füh­rung im Straf­recht darf die­ses nicht belie­big aushebeln.

  4. Lau­ren Sou­thern wur­de beim G20-Gip­fel vom Anti­fa-Mob regel­recht gejagt. Als sie und ihre Kame­ra­leu­te die Klei­dung wech­sel­ten, um wei­ter­hin uner­kannt Inter­views zu füh­ren, wur­den sofort Bil­der von ihr ver­brei­tet, und die Grup­pe fort­ge­setzt ange­grif­fen. Ihr wur­de schliess­lich nahe­ge­legt, sich doch bes­ser woan­ders auf­zu­hal­ten, weil man „ihre Sicher­heit nicht gewähr­leis­ten kön­ne“. Geleb­te Mei­nungs­frei­heit 2017.

    Die Dame ist aller­dings wirk­lich bewun­ders­wert. Mit wel­chem Mut sie sich immer wie­der völ­lig ver­rück­ten Per­so­nen ent­ge­gen stellt, das ist schon höchst respek­ta­bel! Hier eines mei­ner Lieb­lings­vi­de­os von ihr:

    https://www.youtube.com/watch?v=PSsk_k7MBpw

    und hier noch ein Best-Of-Lauren-Southern:

    https://www.youtube.com/watch?v=1C0ZPMbqTsM

    Die bri­ti­sche Poli­zei und Jus­tiz kann man aller­dings nur noch als beschä­mend bezeich­nen. Aus Rother­ham (1400 in der Mehr­zahl von Paki­sta­nis miss­brauch­te eng­li­sche Mäd­chen) wur­de nichts gelernt. Gera­de wur­de bekannt, das in Tel­ford die­sel­ben Ver­bre­chen von den glei­chen Ver­däch­ti­gen über Jah­re hin­weg began­gen wur­de (1000 eng­li­sche Mäd­chen unter Dro­gen gesetzt, ver­ge­wal­tigt, an ande­re „Män­ner“ ver­lie­hen, und zur Pro­sti­tu­ti­on gezwun­gen, und – wohl in drei Fäl­len – auch umgebracht).

    Als Grund, war­um die Poli­zei & die Jus­tiz nicht ein­schritt, wur­de ange­ge­ben: „Man woll­te den Unter­stüt­zern von Ras­sis­ten und Frem­den­hassern nicht in die Hän­de spielen“.

    Wenn also, um die­sen Vor­gang ein­mal auf Deutsch­land zu über­tra­gen, die AfD die Unter­drü­ckung von isla­mi­schen Ver­bre­chens­mel­dun­gen bemän­geln wur­de, dann wäre nicht das Ver­bre­chen das Pro­blem, son­dern die AfD wäre es, da die­se das Ver­bre­chen auf das scham­lo­ses­te „poli­tisch instru­men­ta­li­siert“. Ver­rück­te Welt!

    • Es mag ja durch­aus sein, dass die Ter­ror­ge­setz­ge­bung in GB wirk­lich zur Bekämp­fung von Ter­ro­ris­mus ein­ge­führt wur­de. Das Pro­blem bei sol­chen Geset­zen ist aber immer, genau zu defi­nie­ren, was man denn unter „Ter­ro­ris­mus“ zu ver­ste­hen hat.
      Da die­ses Gesetz jetzt gegen Lau­ren Sou­thern ange­wen­det wur­de, ver­mu­te ich, dass das Gesetz eben gera­de nicht ein­deu­tig defi­nier­te, was unter „Ter­ro­ris­mus“ zu ver­ste­hen sei.
      Gleich­zei­tig lässt man näm­lich IS-Anhän­ger (offen­bar bri­ti­sche Staats­bür­ger?) sowie aus­ge­wie­se­ne Hass­pre­di­ger, die zum Krieg gegen „Ungläu­bi­ge“ auf­ru­fen, unbe­hel­ligt einreisen.
      Man erkennt dar­an, dass die­se Ter­ro­ris­mus­ge­set­ze Gum­mi­pa­ra­gra­phen ent­hal­ten, die von bestimm­ten Inter­es­sen­grup­pen gegen miss­lie­bi­ge (bzw. erwünsch­te) Per­so­nen ange­wen­det wer­den können.
      Ein Trauerspiel!

      • [[ Da die­ses Gesetz jetzt gegen Lau­ren Sou­thern ange­wen­det wur­de, ver­mu­te ich, dass das Gesetz eben gera­de nicht ein­deu­tig defi­nier­te, was unter “Ter­ro­ris­mus” zu ver­ste­hen sei. ]]

        Die bri­ti­schen Behör­den schei­nen eine Hei­den­angst davor zu haben, dass der gesell­schaft­li­che Deckel vom Topf fliegt. Ver­ges­sen Sie nicht, dass in UK die „Paki-Pro­ble­me“ wesent­lich älter sind, als die Tür­ken-/Kur­den­pro­ble­ma­tik in DE. 

        Da schwelt wohl so eini­ges unter der Ober­flä­che, und die Behör­den ver­su­chen anschei­nend mit allem Mit­teln, den Leu­ten ein­bläu­en zu wol­len „Gehn’se wei­ter, hier jibt’s nüscht zu sehn“ und „Allet is jut!“.

    • „Wenn also, um die­sen Vor­gang ein­mal auf Deutsch­land zu über­tra­gen, die AfD die Unter­drü­ckung von isla­mi­schen Ver­bre­chens­mel­dun­gen bemän­geln wur­de, dann wäre nicht das Ver­bre­chen das Pro­blem, son­dern die AfD wäre es, da die­se das Ver­bre­chen auf das scham­lo­ses­te “poli­tisch instrumentalisiert”. “

      War das Pro­blem an der Köl­ner Neu­jahrs­fei­er mit der öffent­li­chen Gang­bang-Par­ty nicht auch, dass die Ver­öf­fent­li­chung die­ser Mel­dung Ras­sis­ten und Aus­län­der­hassern in die Hän­de spielt? Die ers­te Demons­tra­ti­on nach den Über­grif­fen war doch auch „Gegen Ras­sis­mus, gegen Sexis­mus“, um den Platz ja nicht irgend­wel­chen Nazis zu überlassen.

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