Ich habe Covid durchgemacht, kann es aber dank zweier neg­a­tiv­er PCR-Tests nicht beweisen. Was soll ich tun? Was darf ich hof­fen? Was ist der Mensch?

„If you don’t like the vac­cine, then try Covid instead.“ So lautet ein schnip­pis­ch­er Kom­men­tar unter einem Tweet des Chef­panikers Karl Lauter­bach, wo sich seit vie­len Monat­en die Jünger dieses Meis­ters der Schwarz­malerei mit jenen prügeln, die – um es vor­sichtig zu for­mulieren – eher von den Coro­na­maß­nah­men und dem medi­alen Sire­nenge­heul gen­ervt sind als von der Krankheit selb­st. Lauter­bach zieht nun also seine Verzei­hung an Jan Josef Liefers zurück, weil dessen „Gang nach Canos­sa“, also der Besuch ein­er Inten­sivs­ta­tion, Liefers nicht aus­re­ichend geläutert habe.

Als promi­nentes Aushängeschild von #alles­dicht­machen in Ung­nade gefall­en und gewis­ser­maßen auf Kon­sens­be­währung, genügte dem Lauter­bach der Abstand nicht, den Liefers zu den Ver­rätern zu markieren habe und auch die Lauter­bach­lauda­toren find­en pflichtschuldig abfäl­lige Worte des Miss­fal­l­ens. Der Liefers habe doch den ITS-Mitar­beit­ern ohne­hin nur im Weg ges­tanden, er ver­bre­ite, die Imp­fung selb­st gut ver­tra­gen zu haben und deute damit an, dass es auch anders sein könne, er ratio­nal­isiere die Imp­fung, indem er davon spreche, sich vorher kundig gemacht zu haben – als hätte er selb­st nur einen Hauch von Ahnung, wovon Medi­zin­er sprechen, und außer­dem ver­bre­ite er sowieso nur „Hass und Het­ze“, kurz, die Imp­fung sei weniger eine medi­zinis­che Maß­nahme als ein Akt des Gehor­sams, eine oblig­a­torische Messe für einen neuen Gott. (An dieser Stelle dreimal „Ich folge der Wis­senschaft!“ rufen und mit der linken Hand Salz auf eine schwarze Katze unter ein­er Leit­er wer­fen.) War ihnen das zu zynisch? Nun, Wis­senschaft, die Wider­spruch auss­chließt, nen­nt man Reli­gion oder Aber­glaube, je nach Zahl und Organ­i­sa­tion­s­grad der Anhänger­schaft. Bei den Jüngern Karls des Einzi­gar­ti­gen ist noch nicht entsch­ieden, wohin sich die Waage neigt.

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Diese knapp zwei Minuten BILD-TV-Inter­view mit Liefers müssen jeden­falls die ruhig­sten und sach­lichst vor­ge­tra­ge­nen Hass-und-Het­zminuten gewe­sen sein, die ich je sah. In der Folge des Lauter­bach­schen Lobe­sentzugs entspann sich ein regel­rechter Twit­terkrieg zwis­chen den Hash­tags #dankeKarl und #esIstVor­beiKarl. Die Mei­n­un­gen schwanken also stark zwis­chen Heiligsprechung und Verbannung.

Doch kann man leug­nen, dass Liefers mit der Ein­schätzung richtig liegt, der gegen­wär­tige Druck auf Ungeimpfte stelle Nöti­gung oder Erpres­sung dar? War es nicht Lauter­bach selb­st, der, sein­er Lieblings­beschäf­ti­gung „War­nen“ nachge­hend, noch im Juli erk­lärte, kostenpflichtige Coro­nat­ests seien die Impf­pflicht durch die Hin­tertür? Das dürfe nie kom­men, davor warne er? Nun, das war im Juli. Nun sind die kostenpflichti­gen Tests da und sind plöt­zlich nicht mehr prob­lema­tisch? Wenn wir eines gel­ernt haben in dieser Pan­demie, dann dies: Die Raupe Ver­schwörungs­the­o­rie ver­pup­pt sich gern in Fak­tenchecks, um nach drei Monat­en als par­la­men­tarisch abge­seg­neter Verord­nungs-Schmetter­ling kräftig mit den Flügeln zu schlagen.

Einmal Besserwisser sein!

Ich bin mir ziem­lich sich­er, die Zahl der­er, die nur noch wollen, dass dies alles ein­fach enden möge, weil nie­mand die 3G-Kako­phonie aus Gewarne, Geschwurbel und Gezänk mehr ertra­gen kann, ist min­destens so hoch wie die tat­säch­liche Impfquote, die man prak­tis­cher­weise lange als viel niedriger angab. Nur über die Art, wie es enden möge, herrscht laute Uneinigkeit. Ein Impf­man­dat der Sorte „Strich drunter, Spritze rein und gut ist“, wie in den Lauter­bach-Kom­mentaren gefordert, wird aber nicht kom­men, eben­so wenig wird die Poli­tik es wagen, den Druck um die Hälse der Bürg­er zu lock­ern. Wir haben uns in einem Patt ver­ran­nt. Man braucht die Frei­willigkeit für die moralis­che Mithaf­tung, ganz gle­ich, mit welchen ger­adezu mafiösen Erpres­sun­gen sie auch zus­tande gekom­men sein mag. Den Druck will man nicht lock­ern, weil dies die ulti­ma­tive Legit­i­ma­tion des Wider­stands bedeuten würde. Unsere Regierung ver­han­delt vielle­icht mit Ter­ror­is­ten, jedoch nie mit ihren Bürg­ern! Das ist die Crux bei jedem autoritären Weg. Ein­mal eingeschla­gen, muss er immer bis zum Ende gegan­gen wer­den. Erst zum Ende der Frei­heit und dann dem Ende der autoritären Idee selb­st. Lei­der kön­nen zwis­chen bei­den Enden oft Jahrzehnte liegen.

In der Zwis­chen­zeit set­zt man auf die Vergesslichkeit der Bürg­er, und wer sich darüber beklagt, dass heute unwider­sprochen gel­ten solle, was gestern noch abgestrit­ten und als Ver­schwörung gegeißelt wurde, der wird – wenn er Glück hat – mit dem Hin­weis auf die voran­schre­i­t­ende Wis­senschaft abge­speist. Meist aber – weil es schneller geht und Nach­fra­gen und Wider­spruch abschnei­det – gle­ich per­sön­lich ange­gan­gen und als Covid­iot, Schwur­bler oder sonst­was diskred­i­tiert. Jede noch so däm­liche Anschmutzung geht sogle­ich als Beweis durch, ein Fest für intellek­tuelle Min­der­leis­ter, die sich berufen fühlen, ihren Mit­men­schen mit „Lass dich endlich impfen, du Sau“-Ratschlägen auf die Ner­ven zu gehen. Ein­mal Besser­wiss­er sein, ein­mal moralis­ches Ober­wass­er saufen, ein­mal auf die her­ab­schauen, die ihr Wis­sen nicht löf­fel­weise aus Tagess­chau, taz und Heute-Show holen!

Lauter­bachs Fans loben seine auf Stu­di­en basieren­den Argu­mente und blenden müh­e­los aus, dass andere Stu­di­en zu ganz anderen Ergeb­nis­sen kom­men und dass sich ihr Meis­ter oft im eige­nen argu­men­ta­tiv­en Netz ver­fängt und in Ver­legen­heit gerät wie neulich bei Mais­chberg­er. Solche Inkon­sis­ten­zen lassen sich im Netz natür­lich müh­e­los ignori­eren, inhaltliche Debat­ten erübri­gen sich, und wenn ein erhoben­er Mit­telfin­ger das Argu­ment erset­zt, reagiert die andere Seite let­ztlich auf dem­sel­ben Niveau. Man kann nicht mehr miteinan­der reden, also ver­sucht man es auch nicht mehr mit Rede, son­dern brüllt sich nur noch nieder. Da in etwa ste­hen wir ger­ade, und auf dem Weg dor­thin ent­standen Risse, die sich zu kon­ti­nen­tal­en Graben­brüchen aus­geweit­et haben.

Was kann ich wissen?

Kurz vor Wei­h­nacht­en war es, als die Rück­en­schmerzen began­nen, sehr merk­würdi­ge Rück­en­schmerzen, nicht die ein­er Verspan­nung oder Über­anstren­gung. Unmöglich, eine Lage zu find­en, die den Schmerz erträglich­er wer­den ließ. Es fol­gten Gelenkschmerzen und Mat­tigkeit. Hus­ten und Atem­prob­leme kamen hinzu, als ich bere­its mit Fieber im Bett lag. Nach zwei Tagen und weil inzwis­chen auch noch Geschmack­sir­ri­ta­tio­nen hinzuka­men – alles schmeck­te nach Met­all, lediglich Min­er­al­wass­er bildete eine Aus­nahme, das schmeck­te näm­lich nach Zuck­er­sirup –, Ter­min zum PCR-Test. Ich lag mit allen Symp­tomen und im Däm­mer­schlaf im Bett und drück­te das Fieber müh­sam mit Parac­eta­mol runter, als das Ergeb­nis am näch­sten Tag ein­traf: Covid neg­a­tiv. Das kam unserem Gesund­heit­samt angesichts mein­er Angaben beim Test reich­lich selt­sam vor und man forderte mich zu einem zweit­en PCR-Test auf. Erneut mit neg­a­tivem Ergeb­nis. Die Wei­h­nacht­szeit in Quar­an­täne ver­brin­gend, brauchte ich etwa zwei Wochen, um wieder auf die Beine zu kom­men. Zwar war ich mir sich­er, eine Covid-Infek­tion durchgemacht zu haben, aber was wusste ich schon, ich bin ja kein PCR-Test!

Der Jan­u­ar brachte die Aus­rol­lung der ver­meintlichen Wun­der­mit­tel, die beson­ders gefährde­ten Grup­pen krem­pel­ten in echt, Promi­nente nur in Sim­u­la­tion die Ärmel hoch. Bei meinem Besuch fand ich meinen Hausarzt in entspan­nter Stim­mung. Meine Frage nach der Imp­fung, die damals noch stark verk­nappt war, ließ ihn nur abwinken. Erst mal abwarten, keine Gefahr für Sie, wahrschein­lich hat­ten Sie es ja ohne­hin schon, und über­haupt sei es viel wichtiger, sich statt gegen Coro­na gegen Pneumokokken zu immu­nisieren, schon weil kri­tis­che Covid-Ver­läufen häu­fig bak­te­ri­ol­o­gis­che Lun­genentzün­dun­gen entwed­er begün­sti­gen oder am Ende noch „on top“ hinzukä­men. Ein durch und durch ratio­nales und offenes Arzt-Patient-Gespräch mit Risikobe­w­er­tung. Imp­fung ja, aber eben nicht die gegen Covid.

Der Früh­ling kam, der Lock­down blieb. Die Covid-Imp­fun­gen wur­den aus­geweit­et und in meinem Umfeld häuften sich Neben­wirkun­gen und Fälle von „geimpft und trotz­dem krank“. Nichts Ern­stes zum Glück, aber ich wollte mich vor mein­er Entschei­dung noch mal mit meinem Arzt berat­en. Welch­er Impf­stoff wird emp­fohlen, welche Reak­tio­nen muss ich auf­grund von Allergien und anderen Vor­erkrankun­gen gewär­ti­gen, was emp­fiehlt er, solle ich tun angesichts dieser Impfhys­terie. Berechtigte Fra­gen, wie ich fand. Und da war ja noch meine mys­ter­iöse von zwei neg­a­tiv­en PCR-Tests einger­ahmte Weihnachtsunpässlichkeit…

Genesen, aber nicht dokumentiert

Im August saß ich also wieder bei meinem Arzt, der mir wie ein ander­er Men­sch erschien. Antikör­pertest? Ja, könne er ver­an­lassen. Kostet aber. Kein Prob­lem, sage ich. Welchen Impf­stoff er empfehle? Wir ver­impfen hier ohne­hin nur BioN­Tech, alles andere seien nur „Nis­chen­pro­duk­te“. Ob ich wom­öglich in eine dieser Nis­chen passen würde, weiß er nicht. Bleibt die Frage nach meinem indi­vidu­ellen Risiko auf­grund… – weit­er kam ich nicht. Das Risiko müsse man ohne­hin gesamt­sta­tis­tisch betra­cht­en. Die Schw­erkraft zog hart an meinem Unterkiefer. Denn wenn ich gesamt­sta­tis­tis­che Betra­ch­tun­gen wün­sche, unter­halte ich mich für gewöhn­lich nicht mit Ärzten, son­dern mit Mathematikern.

Den Antikör­pertest ließ ich noch machen und als ich das Ergeb­nis in den Hän­den hielt, holte ich mir inter­pre­ta­tive Hil­fe bei anderen Medi­zin­ern. Dass meine „Episode“ aus Dezem­ber 2020 eine Covid-Infek­tion war, ste­ht dem­nach fest. Die gemessene Menge entsprechen­der Antikör­p­er belege das. Weil der Wert aber nach fast neun Monat­en noch so absurd hoch ist, sei es min­destens wahrschein­lich, dass ich einen weit­eren Kon­takt zum Virus hat­te. Falls dies so ist, hat mein Immun­sys­tem mir dies­mal nichts davon mit­geteilt. Ich bin also im besten Sinne des Wortes eines der begehrten „G“, näm­lich gene­sen und bin es doch ­– einger­ahmt von zwei falsch neg­a­tiv­en PCR-Tests – gemäß den gel­tenden Bes­tim­mungen – nur illegalerweise.

Also doch „Strich drunter, Spritze rein und gut ist“? Also doch die „gesamt­sta­tis­tis­che Betra­ch­tung“, Kol­ben müssen gedrückt wer­den für den Sieg? Danke, aber „nein danke“! Ganz ein­fach deshalb, weil ich mit Stand heute – wer ken­nt schon die Zukun­ft – die erste der Kant’schen Fra­gen, die nach dem Wis­sen, wie fol­gt beant­worte: Ich bin ganz offen­sichtlich den „…then try Covid instead“-Weg gegan­gen. Zweifel­los kein angenehmer Weg, so viel kann ich für meinen Fall sagen, aber gemäß Stu­di­en – wie dieser der Yale Uni­ver­si­ty – schützt eine natür­lich erwor­bene Immu­nität immer­hin fünf bis 13-mal bess­er vor schw­eren Ver­läufen als die bish­er ver­füg­baren Imp­fun­gen. Gewiss, die erwor­bene Immu­nität lässt mit der Zeit nach, aber das tut der Schutz durch die Imp­fung ja schließlich auch.

Sich­er ist hinge­gen, dass es – wis­senschaftlich betra­chtet – keinen Zweifel an mein­er durchgemacht­en Infek­tion geben kann, während die poli­tis­che Def­i­n­i­tion „voll­ständig geimpft“ eine Schlin­gelfor­mulierung von großer Flex­i­bil­ität darstellt. Ein Boost­er hier, eine Auf­frischung dort, schon wird emp­fohlen, die Johnson&Johnson-Imp­fung durch eine weit­ere mit Bion­tech zu „ergänzen“, welche sich viele nur deshalb injizieren ließen, weil es dann bei ein­er Imp­fung hätte bleiben sollen. Was heute voll­ständig ist, kann mor­gen schon als gefährlich lück­en­haft, ja covid­i­o­tisch gel­ten. Und wer weiß, ob nicht irgen­deine Studie dem­nächst zu dem Schluss kommt, dass die Ver­läufe umso milder wer­den, je öfter man sich infiziert? Nun, auch das wis­sen wir bis­lang noch nicht. Auch nicht, ob es eine gute Idee ist, die Impfwirkung mit ein­er nachträglichen Infek­tion zu ergänzen, wie Chris­t­ian Drosten so ganz neben­bei ausplauderte.

Was soll ich tun?

Doch was mache ich hier eigentlich? Gewiss, ich wollte meine Geschichte schon lange auf­schreiben, schon weil ich sie immer und immer wieder erzählen muss. Immer dann, wenn ich ange­gan­gen werde, mich für meine „Ver­weigerung“ zu recht­fer­ti­gen. Ich will mich aber nicht recht­fer­ti­gen und das Grundge­setz sagt, ich muss dies auch nicht tun. Wed­er für meinen Glauben noch für meinen Unglauben noch für meine Zweifel, die auf ganz spez­i­fis­chen Infor­ma­tio­nen, Gegeben­heit­en und Entschei­dun­gen fußen. Ich will auch nicht auf die gnädi­ge Gewährung als Priv­i­legien verklei­de­ter Grun­drechte oder die Zuerken­nung irgen­deines G‑Status drän­gen. Denn ganz gle­ich, ob es 2, 3, 4 oder 99G sind, bleibt das G‑schubse doch stets ein nicht durch Wahl zus­tande gekommenes poli­tis­ches Man­dat, mit dessen Hil­fe unveräußer­liche Grun­drechte dosiert und nach Wohlver­hal­ten zugeteilt wer­den sollen. Ver­fes­tigt sich die Tolerierung dieser Verk­nap­pung und Zuteilung von demokratis­ch­er Atem­luft und wird zur Gewohn­heit, ist es aus und vor­bei mit der Freiheit.

Was darf ich hoffen?

Im Ver­ständ­nis Kants bezieht sich alles Hof­fen im religiösen Sinn auf die Glück­seligkeit, im ratio­nalen Sinn jedoch eher auf die Frage, was berechtigter­weise zu hof­fen sei – und da ist der liebe Gott natür­lich raus aus der Haf­tung. Hier bin ich zugegeben noch rat­los­er als Kant. Die Imp­fung erfüllt die Hoff­nung auf den Sieg über die Krankheit schon mal nicht, wie wir wis­sen, hinge­gen sind die durch die Coro­na­maß­nah­men angerichteten Schä­den weltweit äußerst man­i­fest. Her­beigerech­nete bessere Sta­tis­tiken für Ver­läufe und Schutz vor dem Tod helfen da wenig, weil sich die sehr reale Panikmache bezüglich Covid nicht mit sta­tis­tis­chen Wirkungs­graden oder poli­tis­chen Beteuerun­gen besiegen lässt. Absolute Ver­sprechen rufen nach absoluter Erfül­lung, und let­zteres ist bei der Imp­fung lei­der ausgeblieben.

Zu hof­fen, einige der befürchteten Neben­ef­fek­te der Imp­fung wür­den bald ein Umdenken in der Poli­tik bewirken, sind jedoch eben­so töricht. Umso ver­bis­sener würde der Chor poli­tisch gefäl­liger Bänkel­sänger gegen jene vorge­hen, die ihrer Mei­n­ung nach von dem Umschwung moralisch prof­i­tieren kön­nten. Eine Imp­fung als gerichtlich ange­ord­nete Maß­nahme oder wie in Aus­tralien mit Polizeige­walt durchge­set­zte Internierun­gen würde dann im Zweifel jede Kon­troll­gruppe, die durch ihre bloße und hart­näck­ige Exis­tenz Zweifel an der all­ge­me­ingülti­gen, ewigen Wahrheit aufkom­men ließe, zum Ver­s­tum­men brin­gen. Den Pfiz­er-Proban­den des Zulas­sungsver­fahrens, die lediglich ein Place­bo erhal­ten haben (Kon­troll­gruppe), hat man aus­gerech­net mit Bezug­nahme auf ethis­che Redlichkeit längst Imp­fange­bote gemacht. Der ÖRR assistierte bere­its seit Ende 2020 mit der Fest­stel­lung, dass „Place­bo-Stu­di­en bald ethisch nicht mehr akzept­abel“ seien. Auf die Rück­kehr wis­senschaftlich­er Redlichkeit und Gründlichkeit ist also auch kaum zu hoffen.

Was ist der Mensch?

Schaut man sich im Land um, dann ist der Men­sch derzeit offen­bar kaum mehr als ein Weisungsempfänger, eine sta­tis­tis­che Größe, ein Stör­fak­tor und wahlweise Hin­der­nis oder Hil­f­spolizist. Für alle Lauter­bachi­an­er lautet die Antwort auf die Frage aller Kant’schen Fra­gen natür­lich „zu impfen ist er, der Men­sch, und zwar voll­ständig!“. Mein Leben wäre leichter, wenn ich dem blind zus­tim­men würde. Ob es länger andauern würde, ist ungewiss. Es ist nicht mehr ganz leicht, ille­gal gesund zu sein. Doch wo Kant von der „Befol­gung legit­imer Nor­men“ sprach, stellt sich mir zunächst die Frage nach der Legit­im­ität der Nor­men, die zu befol­gen sind und wer die Legit­i­ma­tion erteilt hat.

Wo Kant „per­sön­liche Pflicht­en“ find­et, tauchen in sein­er Gle­ichung wed­er der Staat noch das „gesellschaftliche Wohl“ auf, auf welche sich diese Pflicht­en heute beziehen sollen. Was den Men­schen quält, ist, dass er unzufrieden mit sich selb­st und der Welt ist, seit die Poli­tik ihn von seinen Näch­sten ent­fremdet und diese zum Feind erk­lärt hat. Und er prügelt deshalb stel­lvertre­tend auf seinen Näch­sten ein, weil er an die Poli­tik nicht her­an­re­icht. Noch. An dieser verord­neten Span­nung kann er wohl zer­brechen, der Men­sch. Und er tut dies meist nicht laut­los. Die Poli­tik­er jeden­falls scheinen sich heute weit weniger vor Coro­na zu fürcht­en als vor den Men­schen, die ihre Coro­n­apoli­tik zu erdulden haben. Zer­broch­ene Men­schen tra­gen keine Staat­en, son­dern Revolutionen.

Zuerst erschienen auf achgut.com

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7 Kommentare

  1. In ein­er Rede über den „Grü­nen Paß”, gerichtet an den Sen­at in Rom, erk­lärte der ital­ienis­che Philosoph Gior­gio Agam­ben am 7. Okto­ber 2021:

    „Ich möchte mich nur auf zwei Punk­te konzen­tri­eren, die ich den Abge­ord­neten zur Ken­nt­nis brin­gen möchte, die sich zur Umwand­lung der Verord­nung über den grü­nen Paß in ein Gesetz äußern müssen.

    Der erste ist die offen­sichtliche Wider­sprüch­lichkeit des betr­e­f­fend­en Dekrets. Sie wis­sen, daß die Regierung sich mit einem speziellen Dekret von jeglich­er Haf­tung für durch den Impf­stoff verur­sachte Schä­den befre­it hat. Und die Schwere dieser Schä­den ergibt sich aus der Tat­sache, daß in Artikel 3 des Dekrets aus­drück­lich die Artikel 589 und 590 des Strafge­set­zbuch­es erwäh­nt wer­den, die sich auf fahrläs­sige Tötung und fahrläs­sige Ver­let­zun­gen beziehen.

    Wie maßge­bliche Juris­ten fest­gestellt haben, bedeutet dies, daß der Staat nicht bere­it ist, die Ver­ant­wor­tung für einen Impf­stoff zu übernehmen, der seine Test­phase noch nicht abgeschlossen hat. Gle­ichzeit­ig ver­sucht er mit allen Mit­teln, die Bürg­er zur Imp­fung zu zwin­gen, indem er sie andern­falls aus dem gesellschaftlichen Leben auss­chließt und nun mit dem neuen Dekret, das Sie bestäti­gen sollen, ihnen sog­ar die Arbeitsmöglichkeit nehmen will.

    Ist es möglich, frage ich, sich eine rechtlich und moralisch anor­malere Sit­u­a­tion vorzustellen? Wie kann der Staat diejeni­gen, die sich entschei­den, sich nicht impfen zu lassen, der Ver­ant­wor­tungslosigkeit bezichti­gen, wenn der­selbe Staat formell jegliche Ver­ant­wor­tung für mögliche schw­er­wiegende Fol­gen ablehnt? Weiterlesen:
    https://www.klonovsky.de/acta-diurna/

  2. Ich möchte das aus per­sön­lichem Erleben gern ergänzen. Meine Frau und ich haben zwei Enkel im Alter von 2 und 4 Jahren und wir hat­ten uns (im Gegen­satz zu den meis­ten Großel­tern, die ihre Enkelkon­tak­te sehr ein­schränk­ten) vorgenom­men, dass wir weit­er das Leben mit unseren Enkeln genießen wer­den. Wir haben also während der gesamten Pan­demie drei bis vier­mal wöchentlich Kon­takt gehabt. Wir standen alle ohne Maske vor der Kita mit anderen Eltern, wir waren auf dem Spielplatz mit fün­fzig Kindern und Eltern, alle ohne Maske. Bis auf die Monate Jan­u­ar bis April 2021 als der Bürg­er­meis­ter Tschentsch­er durch­drehte und Masken auch auf Spielplätzen zu tra­gen waren. Da tru­gen wir die Dinger wie die meis­ten auf Halb­mast. Wir waren auf Sylt und an der Ost­see in Urlaub. Wir waren in Restau­rants, wenn sie geöffnet hat­ten, etc. Was ich sagen will ist: Wäre Coro­na die Seuche vor der die Regierung warnt, wir hät­ten es sich­er bekom­men! Haben wir aber nicht. Meine Frau hat sich im Mai impfen lassen, von ein­er Ärztin, die Bekan­nte vor­zog, obwohl sie noch nicht dran waren… Ich bin nicht geimpft. Weil mein Immun­sys­tem per­fekt ist. Ich bin nie krank, habe kaum Erkäl­tun­gen gehabt, warum soll ich mich spiken lassen? Meine Frau hat­te Null Impf­reak­tio­nen. Aber, sie war jet­zt, im Gegen­satz zu son­st bere­its zweimal erkäl­tet. Ich nicht. In unserem Bekan­ntenkreis gab es eine ältere Frau, die let­zten Herb­st über ihren Schwiegersohn mit COVID 19 infiziert wurde. Sie hat­te eine schwere Grippe und lag 14 Tage im Bett zuhause. Jet­zt ist sie Gene­sene. Und hat wahrschein­lich die beste Immu­nausstat­tung von uns allen.

  3. “Alles, was wir brauchen, ist eine richtig große Krise und die Natio­nen wer­den die neue Wel­tord­nung akzep­tieren.” David Rockefeller.

    “In der Poli­tik geschieht nichts zufäl­lig. Wenn es passiert, dann war es sich­er so geplant.” – Franklin D. Roosevelt

  4. Wieder ein­mal den Irrsinn in diesem Lande und zu dieser Zeit her­vor­ra­gend in Worte gefasst. Bess­er kann man es nicht auf den Punkt bringen.
    Und die Raupe Ver­schwörungs­the­o­rie ist mein absoluter Hit.
    Sowas muss einem erst­mal einfallen.
    Chapeau !

  5. “Erst zum Ende der Frei­heit und dann dem Ende der autoritären Idee selb­st. Lei­der kön­nen zwis­chen bei­den Enden oft Jahrzehnte liegen.”
    .
    Oder 12 Jahre.

    • Also die 12 Jahre bis zum Ende der Welt durch Klimawandel?
      Dann hät­ten wir seit dieser Ankündi­gung ja fast schon die Hälfte geschafft.
      Dumm nur, dass die angekündigten 12 Jahre seit min­destens 1980 immer wieder von vorn los­ge­hen — “gefühlte” tausend Jahre lang, bis zum ausster­ben der Geg­n­er der Wahrheit, oder bis zum Hitze­tod des Uni­ver­sums: je nach­dem, was früher eintritt.

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