Wie wenig ich doch diese Sprache ver­misst habe – und wie leicht sie mir heute wieder Gänse­haut ver­schafft und mich in eine leicht anges­pan­nte, nach Aus­gän­gen, Fluchtwe­gen, Tar­nun­gen und Ali­bis suchende Stim­mung ver­set­zte, wenn ich es zuließe. Lange Zeit nach dem Ende der DDR habe ich sie nicht mehr gehört, spätestens seit März ist sie wieder da und wird immer lauter, fordern­der und unverblümter. Hier einige Frag­mente aus einem BZ-Artikel vom 13.11.2020, der schildert, wie eine Berlin­er Staat­san­wältin als Teil­nehmerin ein­er „Quer­denker-Demo“ zum Entset­zen der Presse „die Seit­en wechselt“:

  • „Gle­ich­wohl sollte man sich gut über­legen, an der­ar­ti­gen Versammlungen…“
  • „…in vorder­ster Rei­he demon­stri­ert – an der Seite von Regierungskritikern“
  • „…kon­nte die Beamtin auf Video­ma­te­r­i­al iden­ti­fiziert werden“
  • „soll teilgenom­men haben“
  • „soll Ide­olo­gien teilen“
  • „teilt Posts“…

Alles Zitate wie aus einem Hand­buch der Stasi zur Desin­for­ma­tion, Überwachung und Zer­set­zung. „An der Seite von Regierungskri­tik­ern“…sowas geht näm­lich gar nicht, meint die BZ, wen­ngle­ich es natür­lich (noch!) erlaubt sei.

Der Satz „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Wider­stand zu Pflicht“, der laut BZ ein „Erken­nungsmerk­mal der recht­sex­tremen Szene“ sein soll, stammt übri­gens von Bertholt Brecht, der bis heute völ­lig unverdächtig ist, mit dem Faschis­mus sym­pa­thisiert zu haben. Zumin­d­est nicht mit dem braunen, son­dern „nur“ mit dem roten, aber dessen Ter­ror ist in diesem Land ja längst reha­bil­i­tiert und bis in ehe­mals kon­ser­v­a­tive Kreise salon­fähig. Brechts Werk ist nun also auch verdächtig und wer es zitiert, macht sich verdächtig.

So verdächtig, wie man sich als DDR-Bürg­er machte, wenn man ein Schild mit dem Zitat von Artikel 27 der DDR-Ver­fas­sung trug: „Jed­er Bürg­er der DDR hat das Recht, den Grund­sätzen dieser Ver­fas­sung gemäß seine Mei­n­ung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsver­hält­nis beschränkt. Nie­mand darf benachteiligt wer­den, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht. Die Frei­heit der Presse, des Rund­funks und des Fernse­hens ist gewährleistet.“

Es half in der DDR wenig bis gar nichts, sich auf diesen Artikel zu berufen und es hil­ft ger­ade heute auch nicht viel, tut man das­selbe mit Artikel 5 GG. Wer in den 80er und 90er Jahren im West­en an Demos gegen Nato-Dop­pelbeschluss, Friedens- oder Oster­märschen teil­nahm, fand sich unweiger­lich irgend­wann unter DKP-Plakat­en und roten Fah­nen wieder. Nie­mand kam auf die Idee, man müsse sich von diesen Leuten dis­tanzieren, dürfe nicht mit ihnen auf ein­er Demo gese­hen wer­den oder aus deren ide­ol­o­gisch ver­bohrten Schädeln könne der Kom­mu­nis­mus auf die Demon­stran­ten tropfen. Heute hinge­gen reicht der Ruf „Reichs­bürg­er“ als Vogelscheuche, um jede Demo mühe- und beweis­los zu dele­git­imieren und die wüten­den Men­schen zurück in ihre Häuser zu treiben.

Die BZ hat ver­standen, was Frei­heit wirk­lich ist und wie sie nach Presse-Def­i­n­i­tion nüt­zlicher­weise beschaf­fen sei: Frei­heit könne näm­lich beschmutzt wer­den von ander­er Leute Frei­heit­en, ist dann ungültig und unbrauch­bar und muss fort­ge­wor­fen wer­den. Deshalb darf nur sehr sparsam und nach staatlich­er Anweisung Gebrauch von der Frei­heit gemacht wer­den. In der DDR war das für den 1. Mai und den 7. Okto­ber geregelt, und zwar immer für und mit, nie gegen die Regierung. In der Bun­desre­pub­lik neuen Typs ist derzeit noch kein Ter­min fest­gelegt. Die Kan­z­lerin arbeit­et wohl noch an den Losungen.

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18 Kommentare

  1. @Rolf: Nee, ich gehe joggen. Bewahrt mich davor, pseudopsy­chol­o­gis­ches Geschwafel anhören zu müssen.

  2. Lieber Hr. Letsch, ich schätze ihre Ansicht­en und Erken­nt­nisse sehr; Vor­sicht bei Kuck­uck­sz­i­tat­en (oben. „Der Satz „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Wider­stand zu Pflicht“, der laut BZ ein „Erken­nungsmerk­mal der recht­sex­tremen Szene“ sein soll, stammt übri­gens von Bertholt Brecht“) … hier nun der wahrscheinl. Ursprung, Orig­i­nal von Papst Leo XIII. (Sapi­en­ti­ae Chris­tianae [Der Gehor­sam gegenüber den legit­i­men Geset­zen] „Wenn aber die Geset­ze des Staates mit dem göt­tlichen Recht in offen­barem Wider­spruch ste­hen, wenn sie der Kirche Unrecht zufü­gen oder den religiösen Verpflich­tun­gen wider­stre­it­en oder die Autorität Jesu Christi in seinem Hohen­priester ver­let­zen, dann ist Wider­stand Pflicht und Gehor­sam Frevel …“
    mit besten Grüßen von der anderen Seite der Welt (die Japan­er kön­nen übri­gens auch sehr trotzköp­fig sein und im Gegen­satz zur deutschen tut die japanis­che Regierung sehr viel zum Woh­lerge­hen ihrer Menschen)

    • Brecht hat das Zitat in dieser Form ver­wen­det, dass dieses sin­ngemäß auch Vorgänger hat, ist nicht weit­er ver­wun­der­lich. Let­ztlich wurde wohl alles schon mal gesagt oder gedacht, zumin­d­est wenn es um das Zusam­men­spiel von Macht und Ohn­macht geht.

      • „Let­ztlich wurde wohl alles schon mal gesagt oder gedacht …“
        … das Wichtig­ste jeden­falls (schlag nach in Bibel, Pla­ton und Shake­speare 😉 ), was uns aber nicht am Wider­spruch gegen mod­erne Torheit­en hin­dern soll;
        Danke B.H. 🙂

  3. Hm. Ist Euch eigentlich mal aufge­fall­en, dass die „Recht­en“ sich ständig bei irgendwelchen Nicht-Recht­en bedi­enen, wenn sie irgen­det­was vor sich her­tra­gen? Das Brecht-Zitat erin­nert mich daran, und auch die entwed­er schwulen oder nicht-weißen Poster­boys, die sich diese Leute als Vorzeigeschild ihrer Bewe­gung umhän­gen, weil sie sich selb­st nicht trauen. Und das, wom­it die sich von Left­ies und Islamis­ten abgren­zen, ist eben­falls der Inbe­griff des Leftietums. 

    Die ver­steifen sich auf die vorgeschobe­nen Grund­sätze ihres Gegen­spiel­ers, die früher mal zu dem Resul­tat führten, das dieser haben wollte, und die nun anderen vorgeschobe­nen Grund­sätzen gewichen sind, die zum jet­zt gewün­scht­en Resul­tat führen sollen. Was son­st kann man als Sklaven­moral beze­ich­nen, wenn nicht dies?

    Naja. Eigentlich sollte man für diese Leute die Sklaverei wieder ein­führen, ein­fach nur um sie dezen­tral zu unter­drück­en und auszu­plün­dern. Sobald man denen näm­lich irgendwelche Rechte gibt, ver­all­ge­mein­ern sie lediglich die Sklaverei, zu der sie geboren sind, und einen noch schlechteren Aus­gang gibts nicht. 

    Altertüm­liche Insti­tu­tio­nen waren oft­mals gar nicht so verkehrt. Die ver­hin­derten mehr Prob­leme als man meint.

  4. Neulich hat­te ich einen Auss­chnitt aus der Sendung „Talk im Hangar“ geschaut. Da saß ein Typ, der meinte, das Schlimme an Trump sei nicht, was er getan habe, son­dern wie er gedacht habe.

    Manch­mal denke ich, dass ich der einzige Wes­si bin, der bei sowas zusam­men­zuckt. Die anderen haben „aus der Geschichte gel­ernt“, was heißt, dass man die Lehre ver­standen hat: Wer stets brav still­hält und kuscht, bekommt vielle­icht auch die Gele­gen­heit, gün­stig Möbel zu ersteigern oder so.

    • Wieso zuckst Du da zusam­men? So wie Du es beschreib­st hat der dem Don­ald doch ein Kom­pli­ment gemacht, wen­ngle­ich auch nur in abgemildert­er Form. 

      Der hat gesagt, dass der Don­ald wie ein schar­fes Mess­er gedacht hat, aber wie ein stumpfes Mess­er han­delte. Klar wärs bess­er, wenn er die Welt in eine Dystopie für diese Art von „Men­schen“ ver­wan­delt hätte, aber er hat zumin­d­est die richtige Ein­stel­lung gehabt. Das ist, was ich da heraushöre.

        • Ach, ich glaube Du siehst das zu eng. 

          Was er meinte ist, dass es bess­er wäre, wenn er in ein­er Dystopie leben würde, in der sein Leben nichts als Leid und Jam­mer ist, denn dann kön­nte er immer jam­mern, und hätte fol­glich immer Aufmerk­samkeit. Solche Leute träu­men doch davon, dass so ein Todess­chwadron mal bei ihnen klopft, um ihnen einen gratis-Helikopter­flug zu spendieren, weil in diesem Augen­blick ihr ganzes Leben in einem einzi­gen Opfer­gang der Klarheit und Tugend kul­minieren würde. 

          Du weißt schon, reich nem Left­ie den kleinen Fin­ger, dann hat er einen Tag zu fressen, aber spendiere ihm einen gratis-Helikopter­flug, dann fliegt er für den Rest seines Lebens. 

          Die wollen das doch. Ich finde es auch ehrlich gesagt ziem­lich ego­is­tisch, ihnen diesen Höhep­unkt ihres ganzen Lebens vorzuen­thal­ten, und sie stattdessen ihr Leben lang zu ignori­eren, um sie am Schluss ins Altenheim abzuschieben, damit einige Pflege­di­en­ste an ihnen noch abkassieren können.

          • Wenns Todess­chwadron klopft, dann wer­den die doch wie Jesus! Sie erlei­den das Mar­tyri­um im Namen der Tugend. Und welche höhere Würdi­gung kann ein Men­sch erfahren. Hin­ter­her wer­den sog­ar vielle­icht die Nachricht­en­leute, die ihnen ihr Leben lang die Wahrheit ver­mit­telt haben, der Welt mit ern­stem Blick ihre Him­melfahrt verkünden.

            Deren größtes Prob­lem ist, dass sie zu den „geistig armen“ gehören, deren Seele der eines Kindes gle­icht. Die kön­nen sowas wie Todess­chwadrone nicht selb­st aufziehen. Darum muss man es ihnen abnehmen. Darum hat der Mann gebeten.

            • Ich lese hier „Left­ies“ (????) , „Opfergang“,„Wenn’s Todess­chwadron klopft“.… Bin ich in ein­er Psy­chi­ater-Selb­shil­fe­gruppe gelandet?

          • Ich hege ja auch oft grausame Gedanken. Deshalb auch mein erster Song ‚Ms Lad­son Gets Away With It‘ zur Dop­pel­moral von Ursu­la von der Leyen. Nach­dem ich das Ding dum­mer­weise ohne Metronom und Tal­ent zusam­mengeschus­tert hat­te und ein res­olutes „Na ja, die Bohemi­an Rhap­sody war auch Kraut und Rüben“ meinen Zweifeln ent­ge­gen­stellte, ist mir ein­geleuchtet, dass ich damit weniger die EU-Fürstin quäle als lei­der die Hör­er. Ver­flixt! Also unter­titelt, damit man es the­o­retisch mit der War­nung, doch den Ton auszu­lassen, weit­er­leit­en kön­nte. Aber eigentlich ist das auch zu pein­lich, weshalb ich es dort abge­spe­ichert hab, wo es mein­er Erfahrung nach abso­lut nie­mand sieht, auf Youtube. Es ist zwar kein Helikopter­flug, aber die Grausamkeit­en eskalieren sicht- und hörbar.

            P.S. Also dass Linke es nicht schaf­fen, Nach­wuchs aufzuziehen, der uns zu Tode schwadronieren kön­nte, wär mir neu.

            • Ich muss Dich loben, denn Deine Aus­sage lässt mich darauf schließen, dass Du es voll­bracht hast, Dich dem Kon­takt zu Men­schen in aus­re­ichen­dem Maße zu entziehen, um ihren Musikgeschmack, beziehungsweise die Qual­ität der Musik, die sie als „hör­bar“ empfind­en, nicht zu kennen. 

              Wobei Du an Deinen Edit­ing-Skills arbeit­en soll­test. Der Track ist zu laut und dadurch verz­er­rt. Am besten erst­mal Spitzen weg­muten, alles nor­mal­isieren, und die dynamis­cheren Tracks etwas kom­prim­ieren. Danach die Laut­stärke der einzel­nen Tracks nur noch nach unten regeln. Zum Schluss, wenn alles zusam­menge­set­zt ist, das Gesamt-Ding nochmal nor­mal­isieren, um die Laut­stärke auf den Stan­dard anzuheben. Und auch an der Ton­sicher­heit edi­tieren, sprich die Snip­pets, bei denen Du tonalisch daneben liegst, mal um nen Halbton oder so in die richtige Rich­tung drehen. 

              Bezüglich der Lyrics bist Du aber ganz schön harm­los geblieben… Wobei es sein kön­nte, dass ich ver­wöh­nt bin, weil ich eigentlich nur Instru­men­tal­musik höre, oder zumin­d­est Musik, deren Lyrics ich nicht ver­ste­he. Da kriegt man ein gewiss­es Kopfki­no dazu. Ich würde mich aber mehr mit Arche­typen beschäfti­gen, als mit irgendwelchen Mid­wits, mit denen man bess­er einen Rübe­nack­er gedüngt hätte. Die Real­ität ist, dass sich Fick-Sklaven und Arbeits-Sklaven darum zanken, wer von seinem alterss­chwachen Her­rn mehr Good­ies bekommt, und da ist nichts erbaulich­es dran. Und tragisch ists auch nicht. Es ist nur lang­weilig, und wenns nicht darum geht, die alle niederzubren­nen, fehlt auch die Pointe. Darum Archetypen.

              Achso, und musikalisch… Warum machst Du nicht sowas wie „Start up the Rotors“ oder „Back to the Way of Con­quer“? Gibts bei archive.org. Ein-Mann-Män­ner­chöre ohne viel Klim­bim und ohne große Tonakro­batik. Für mich klingt das ein­fach­er umset­zbar, und ich glaube wir mögen bei­de Min­i­mal­is­mus. Im Prinzip musst Du dafür nur wis­sen, was ein Akko­rd ist, die Kom­plex­ität der Auf­gabe wäre also reduziert.

              P.S.

              Link­sex­treme sind die let­zte auch nur halb­wegs gesunde Aris­tokratie, die dieser kranken Gesellschaft noch bleibt. Schau Dir an, wie schnell die einen großen und Gewalthaufen organ­isieren kön­nen, und wie kom­man­do-artig sie ihre Anschlägchen und Tier­be­freiun­gen auszuführen ver­ste­hen. Deren Ideen mögen zwar noch so ver­schroben sein, aber deren Ver­hal­ten ist das Ver­hal­ten junger Aristokraten. 

              Und davon gibt es zu wenig, und nicht zu viel, weil das einzige, was eine Gesellschaft gesund hält, eine Vielzahl von miteinan­der konkur­ri­eren­den Eliten sind, die sich gegen­seit­ig umbrin­gen, sobald sich jemand Dys­funk­tion­al­ität leis­tet. Wenn man sowas nicht hat, wird Dys­funk­tion­al­ität nicht mehr begren­zt, und man bekommt Ver­fall. Da sehe ich eine größere Gefahr, als im Leftietum.

    • Abge­se­hen davon… Hör auf Medi­en zu kon­sum­ieren. Ist schlecht für den Kopf. Mod­erne Medi­en sind der Men­schheit Feind.

  5. Ich kann mir den Beitrag von dem Schmierblatt „Bild“ nicht antun, das hält mein Herz nicht mehr aus, denn diese ekel­er­re­gende Het­zkam­pagne über die Staat­san­wältin wurde heute in nahezu allen Pro­pa­gand­ablät­tern durchgereicht. 

    So unter anderem auch von dem gle­ichgeschal­teten Tagesspiegel, der in ein­er unglaublichen Anmaßung auf das Plakat: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Wider­stand zu Pflicht“ geschrieben hat: „Es ist ein Spruch, der beson­ders in der recht­en Szene über­aus beliebt ist, um den Kampf gegen die frei­heitlich-demokratis­che Grun­dord­nung zu legitimieren“. 

    Das ist widerlich!!!

    Man kann gar nicht so viel fressen, wie man. kotzen muss.

    Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/wollt-ihr-den-totalen-lockdown-berliner-staatsanwaeltin-demonstriert-mit-reichsbuergern-und-querdenkern/26619624.html

    • Ich empfinde es genau­so wie Sie, Kessia.
      Solche Het­zartikel erzeu­gen auch bei mir Übelkeit und ich kann sie daher nur unter größter Selb­st­diszi­plin lesen.
      Der Artikel des Schmierblatts, der hier im Text ver­linkt wurde, stand aber nicht in der BILD, son­dern in der BZ, was es aber lei­der nicht bess­er macht.
      LG

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