Glaubt man einigen Urtei­len in der Presse, ist nach fünf­und­sieb­zig Jahren Ruhe erneut jemand aus Öster­reich ins unschul­dige Deutsch­land unter­wegs, um hier seiner per­ver­sen Lei­den­schaft für Anti­se­mi­tis­mus zu frönen. Diesmal statt in Uniform mit schril­len Fummeln und mit Nail-Exten­si­ons, den straf­fen Sei­ten­schei­tel ersetzt die blass-beto­nierte Kurz­fri­sur. Die Rede ist natür­lich von Lisa Eckhart, jener öster­rei­chi­schen Kaba­ret­tis­tin, die gerade von den Reak­tio­nen auf einen ihrer Auf­tritte aus 2018 ein­ge­holt wird. In den Mit­ter­nachts­spit­zen (WDR) eröff­nete Eckhart 2018 ihren Vortrag mit einem Sujet, welches man aus heu­ti­ger Sicht als „miss­glückt“ bezeich­nen kann. 2018 jedoch war die Nach­rich­ten­lage gerade eine andere als heute und dem Publi­kum die genann­ten Namen durch täg­li­che Mel­dun­gen gerade sehr geläu­fig. Im Fahr­was­ser der Vor­würfe gegen den Hol­ly­wood-Pro­du­zen­ten Harvey Wein­stein, dem einer der erfolg­reichs­ten Hash­tags der Geschichte gewid­met wurde, hagelte es auch gegen Woody Allen neue Miss­brauchs­vor­würfe und bei der Gele­gen­heit holte man die alten gegen Roman Polan­ski auch gleich wieder hervor. Ein unap­pe­tit­li­cher Vorwurf lag in der sen­sa­ti­ons­gei­len Luft und eine Kaba­ret­tis­tin griff ihn auf. Eckhart ging davon aus, dass ihr Publi­kum dies schon ver­ste­hen würde und setzte genau dort ihr Skal­pell an.

Miss­ver­stan­den wurde sie offen­sicht­lich erst mit zwei­jäh­ri­ger Ver­spä­tung. Oder hatte man Eckhart nach­träg­lich viel­leicht jetzt erst „richtig“ ver­stan­den? Zwar erin­nere ich mich, beim ersten Hören des Stückes gedacht zu haben, dass man diese Worte schon ver­schie­den aus­le­gen kann – und Dop­pel­deu­tig­keit wird im Land der klaren Kante nie zuguns­ten des Ange­klag­ten gezählt. Das Ziel Eck­harts war ver­mut­lich die Gewich­tung eines (ver­meint­lich) schüt­zen­den Min­der­hei­ten­sta­tus beim Begehen von Straf­ta­ten. Dass sich Eckhart hierfür aus­ge­rech­net Polan­ski, Allen und Wein­stein her­aus­griff, ent­sprach 2018 zwar durch­aus der Nach­rich­ten­lage mit Schlag­seite, stellt aus heu­ti­ger Sicht aber den ersten Stein des Ansto­ßes dar. Doch spielt der zeit­li­che Kontext eben eine wich­tige Rolle, die man mal eben gestri­chen hat.

Der zweite Vorwurf spießt die Ver­wen­dung eines anderen ehr­ab­schnei­den­den Ste­reo­typs auf, denn Witze über Juden und Geld…nun, da wo der Spaß für viele aufhört, fängt er für Eckhart über­haupt erst an. Zuge­ge­ben, das tut der Anti­se­mi­tis­mus auch. In Deutsch­land zumin­dest, wo Vor­würfe seit Jahr­hun­der­ten immer in diese Rich­tung zielen. Im öst­li­chen Europa rich­tete sich das Res­sen­ti­ment hin­ge­gen meist gegen die Armut der Juden. Allein daran erkennt man schon, dass es in Wirk­lich­keit nie gegen Reich­tum oder Armut ging, sondern immer nur gegen die Juden. Aber im Kaba­rett? Ist es da erlaubt, Witze über Ste­reo­type zu reißen? Gele­gent­lich. Aber bitte nur, wenn der Künst­ler sie gefahr­los auf sich selbst bezie­hen kann! Tussi-Witze also nur von Frauen und nur Schwar­zen ist es erlaubt, Witze über Haut­far­ben zu machen. Der Kasper darf sich nur selber schla­gen, denn das Kro­ko­dil steht unter Arten­schutz. Ein Hofnarr soll er sein, der Kaba­ret­tist, und mir fallen rei­hen­weise Namen ein, die ihre Aufgabe genau darin sehen: sie amü­sie­ren den Hof auf eigene Kosten. Dem ent­zieht sich Eckhart bereits durch ihre zur Schau gestellte Abge­ho­ben­heit und Distanz: „Das ich heute Abend bei ihnen sein darf, das freut mich sehr für Sie!”

Ich kann die Sen­si­bi­li­tät ver­ste­hen, mit der auch einige meiner jüdi­schen Freunde auf besag­ten Auf­tritt reagier­ten. Der Anti­se­mi­tis­mus in all seinen Tar­nun­gen rankt an vielen poli­ti­schen und reli­giö­sen Ecken wie Efeu. Die auf­kom­mende Befürch­tung hat wahr­lich gute Gründe. Wollte man Eckhart jedoch mit der­sel­ben Gar­ten­schere behan­deln, die gegen das wuchernde Efeu hilft, schnitte man zu tief. Ob sich jedoch jemand von den Aus­sa­gen Eck­harts ver­letzt fühlt, muss jeder für sich selbst ent­schei­den.

Ich frage mich nun, ob mit mir etwas nicht stimmt, weil ich die Grenz­über­schrei­tung Eck­harts zwar wahr­nahm, jedoch im Verlauf ihres Vor­trags die sati­ri­schen Brüche und Spie­ge­lun­gen zu erken­nen glaubte. Andere Beob­ach­ter wollen dies offen­bar nicht gelten lassen. Bilde ich mir das also alles nur ein? Wo ich eine Geschmack­lo­sig­keit bemerkte, die von den nach­fol­gen­den Sätzen wieder ein­ge­fan­gen wurde und durch­aus Refle­xio­nen über Vor­ur­teile und Schein­hei­lig­keit ermög­lichte, erkann­ten andere effekt­hei­schende Grenz­über­schrei­tung und blanken Anti­se­mi­tis­mus. Mit anderen Worten: ich fand, dass Eckhart in ihrem Vortrag buch­stäb­lich „noch die Kurve“ bekam, während andere sie an der­sel­ben Wand ras­sis­ti­schen Schwach­sinns zer­schel­len sahen, wie weiland einen anderen berüch­tig­ten Öster­rei­cher. Und genau darüber, über diese unter­schied­li­che Wahr­neh­mung, kann man strei­ten. Aber auch nur über diese.

Was nach ankla­gen­den Arti­keln in RND und JA (hier und hier), die ich wie gesagt kaum nach­voll­zie­hen kann, beson­ders in den sozia­len Medien los­brach, empfand ich als ziem­lich unap­pe­tit­lich und wenig sinn­voll. Wüste Ver­wün­schun­gen und Inju­rien der Art „die ist ja gar keine Frau“, „häss­lich ist sie auch“ und „schreck­lich unta­len­tiert“ gingen mir doch sehr von der Sache weg und in die ver­nunft­mä­ßig ver­bo­tene Rich­tung „ad hominem“. Auch schlägt der Vorwurf, „so jemand braucht Publi­city und Publi­kum“ in sehr flaches Wasser, denn schließ­lich trifft dieser Vorwurf tat­säch­lich und aus­nahms­los auf jeden zu, der sich für Geld auf eine Bühne stellt. Noch bemüh­ter erscheint mir deshalb der Versuch, in Ana­lo­gie zu dem von Eckhart bemüh­ten Geld-Nar­ra­tiv („Man dachte, denen [den Juden] ginge es nur ums Geld. Doch es geht ihnen um die Weiber und dafür brau­chen sie das Geld.“) Eckhart zu unter­stel­len, für Geld mache sie alles. Als Retour­kut­schen ver­let­zen solche Inju­rien nicht, beson­ders wenn sie expli­zit als Satire gekenn­zeich­net sind und Erklä­run­gen der Art „mal sehen, wie weit wir gehen können“ ent­hal­ten. Um die Antwort vorweg zu nehmen: sehr weit offen­sicht­lich, da Eckhart zu den Vor­wür­fen schweigt. Doch was bleibt von einem Vorwurf übrig, wenn man daraus ledig­lich den Schluss zieht, mit glei­cher Münze Wech­sel­geld geben zu müssen?

Dass jedoch aus­ge­rech­net der WDR sich nun ver­an­lasst sieht, sich ver­tei­di­gend vor Eckhart zu stellen, ent­behrt nicht einer gewis­sen Komik. Der Sender hat sich in Sachen Anti­se­mi­tis­mus in der Ver­gan­gen­heit nicht gerade glaub­wür­dig gezeigt, etwa als er ver­suchte, die Aus­strah­lung eines Doku­men­tar­films über Anti­se­mi­tis­mus erst zu ver­hin­dern und dann mit einem haar­sträu­ben­den „Fak­ten­check“ samt Maisch­ber­ger-Son­der­sen­dung ver­se­hen hatte. Damals war dem WDR die Kunst­frei­heit egal und dem Fil­me­ma­cher Joachim Schroe­der ließ man seine sati­ri­sche Stil­mit­tel gerade nicht durch­ge­hen. Diesen Fall im Sinn wirken die aktu­el­len Demen­tis im Fall Eck­harts leider wie Schutz­be­haup­tun­gen. Der WDR hat seine Glaub­wür­dig­keit in Sachen Anti­se­mi­tis­mus schon vor langer Zeit ver­spielt. Aus­ge­rech­net von solchen „Anwäl­ten“ ver­tei­digt zu werden, schadet Eckhart sicher mehr, als es ihr nützt.

Verständnis und Missverständnis

Viel­leicht liegt ja in den Erwar­tun­gen auf allen Seiten der Schlüs­sel zu Ver­ständ­nis oder Miss­ver­ständ­nis. Auch in der Frage, auf welches Welt­bild und welche Vor­ur­teile Satire beim Publi­kum trifft. Ob einem Flach­hirn mit federn­dem rechtem Arm oder linken Welt­re­vo­lu­tio­nä­ren mit Che-Guevara-Atti­tüde ein Vortrag Eck­harts als Hand­lungs­an­wei­sung oder Bestä­ti­gung der eigenen Vor­ur­teile dienen könnte? Ich weiß es nicht, vermute jedoch, dass solche Zeit­ge­nos­sen schon von der bour­geoi­sen Affek­tiert­heit Eck­harts auf der Bühne abge­sto­ßen wären oder ihr sprach­lich kaum zu folgen ver­möch­ten. Auch spricht die Tat­sa­che, dass in Eck­harts Texten aus­nahms­los alle – ein­schließ­lich sie selbst, die Männer, die Frauen, die Habs­bur­ger, die Öster­rei­cher und das Monster aus Braunau – ihr Fett abbe­kom­men, gegen eine tat­säch­lich anti­se­mi­ti­sche Agenda.

Viel­leicht funk­tio­niert ihre kaum gebro­chene Satire ja nur bei jenen Zuschau­ern wie gewünscht, die nicht ange­füllt sind mit anti­se­mi­ti­schem Res­sen­ti­ment, das nur darauf lauert, her­vor­zu­bre­chen. Es ist leider eine trau­rige Tat­sa­che, dass diese Grund­an­nahme längst nicht für alle Men­schen zutrifft. Eck­harts „Schuld“ bestünde dann darin, die geis­tige Reife ihres Publi­kums über­schätzt zu haben und es anzu­sta­cheln, anstatt ihm die nötige tole­ran­z­er­wei­ternde Medizin zu ver­ab­rei­chen. Die erwar­tete Reak­tion des Publi­kums, welches natür­lich zu Fackeln und Mist­ga­beln hätten greifen müssen, blieb aller­dings aus.

Dass Eckhart nicht die Absicht hat, sich zum zahn­lo­sen und wider­spruchs­ar­men Spaß­mach­er­lein degra­die­ren zu lassen, zu dem sich fast alle ihrer Berufs­kol­le­gen im Laufe der Zeit ent­wi­ckel­ten, weil sie um Sen­de­plätze besorgt sind, hat sie in ihren Büh­nen­pro­gram­men stets deut­lich gemacht. Sie geriert sich lieber als wan­delnde Lit­faß­säule – oder tref­fen­der: Mar­ter­pfahl – all jener Laster, Abgründe und Sünden, für welche die katho­li­sche Kirche einst das Fege­feuer erfun­den hat. Lisa Eckhart erteilt sich selbst unge­fragt das Pri­vi­leg, Dinge so aus­zu­spre­chen und zu benen­nen, wie es bislang nur einer lite­ra­ri­sche Figur gestat­tet war: Goethes Mephisto.

Natür­lich kann ich nicht aus­schlie­ßen, dass Eckhart all die ima­gi­nier­ten Über­le­gen­hei­ten, Belei­di­gun­gen und sprach­lich bril­lan­ten Unver­schämt­hei­ten gar nicht sati­risch ver­ar­bei­tet, sondern nichts als den eigenen kruden Sub­jek­ti­vis­mus ver­brei­tet, um ihrem Publi­kum Hand­lungs­an­wei­sun­gen zu geben. Schließ­lich strot­zen ihre Meta­phern nur so vor Gewalt, Rache­ge­lüs­ten und öster­reich-unga­ri­schen K&K‑Phantasien. Tabu­brü­che pflas­tern ihren Weg und unter der Parole „wehret den Anfän­gen“ kann man in Deutsch­land treff­lich mar­schie­ren, sogar gegen Satire.

Viel­leicht muss Deutsch­land tat­säch­lich auch aus dieser Rich­tung längst wieder für „in Gefahr“ erklärt werden. Diesmal, weil die zyni­sche und gewalt­af­fine Büh­nen­fi­gur einer Mitt­zwan­zi­ge­rin mit Hang zu Dra­ma­tik und Grenz­über­schrei­tung als Mischung aus Karl Kraus und Jörg Haider in Deutsch­land nach der Macht greift. Den wich­tigs­ten Beweis für ihre ver­bre­che­ri­schen Absich­ten hat uns Lisa Eckhart schließ­lich selbst immer wieder in ihrem Büh­nen­pro­gramm gegeben.

Sie jubeln mir zu, diese Deut­schen! Einer an Kunst­schu­len abge­lehn­ten, gran­teln­den Öster­rei­che­rin. Sie lernen einfach nicht dazu!“

Wer weiß schon, ob das tat­säch­lich sati­risch gemeint war… Eck­harts Herr­schaft über die Welt würde jeden­falls gna­den­los sein, denn jeder wäre sofort ver­lo­ren, der Goethes Faust nicht aus­wen­dig und mit Beto­nung (!) auf­sa­gen könnte.

15 Kommentare

  1. Ich hab den Vortrag der Dame nicht gehört, aber ich bin mir ziem­lich sicher, dass sie die Argu­men­ta­tion des Herrn Hitler nicht wie­der­ge­ge­ben hat. Die übri­gens der Argu­men­ta­tion des Herrn Solz­he­nit­syn stark ähnelte, und darauf hin­aus­lief, dass Juden den Kom­mu­nis­mus und dessen Gräuel zu ver­ant­wor­ten haben, die schon vor Beginn des zweiten Welt­kriegs geno­zi­dal waren. Was sich übri­gens stark von der Behaup­tung unter­schei­det, Ost­eu­ro­päer haben etwas gegen Juden gehabt, weil diese arm waren.

    Hier wird das ganze mal von nem anti­se­mi­ti­schen Rabbi zusam­men­ge­fasst: https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​r​R​k​D​K​0​0​o​MxQ

    So geht Anti­se­mi­tis­mus. Wenns sowas in der Glotze oder sonstwo im Main­stream gegeben hätte, hätte mans gehört.

    Abge­se­hen davon denke ich, dass heut­zu­tage Anti­se­mi­ten die­je­ni­gen sind, die am ehesten Opfer von ehren­rüh­ri­gen Falsch­be­haup­tun­gen werden. Weil sie Wahr­hei­ten vor­zu­brin­gen haben, nicht ins Nar­ra­tiv passen. Juden hin­ge­gen wird im Ver­gleich in den Arsch gekro­chen, und jeder Mist abge­kauft, und wenns doch mal auf­fliegt, dann wars halt gelogen, ist aber dennoch wahr, sonst hängt’s Welt­bild schief.

    Wenn Anti­se­mi­tis­mus so ein großes Thema ist, das sich ledig­lich aus Unwahr­hei­ten nährt, dann kann man die Argu­mente auch mal vor­brin­gen um sie zu wider­le­gen. Man könnte den Herrn Hitler dann mal korrekt und neutral wie­der­ge­ben, oder auch den Herrn Ford, oder den Herrn Solz­he­nit­syn, um auf­zu­zei­gen, welcher rele­vante Teil davon unwahr ist. Oder mein­ent­we­gen auch, was in der Culture of Cri­tique steht. Das tut man aber alles nicht. Statt­des­sen errich­tet man Stroh­män­ner, damit man diese gleich wieder zer­pflü­cken kann.

    Mit kri­ti­schem Denken hat diese Her­an­ge­hens­weise nichts zu tun. Das ist Dressur.

  2. DER KORSETTIERTE HUMOR

    Wo Jan Böh­mer­mann als Sati­ri­ker gilt kann es mit dem Humor nicht weit her sein. Aber ver­mut­lich liegt es ja wieder mal an mir und meinem Ver­hält­nis zur Klein­kunst. Auch Carolin Kebekus, Dieter Nuhr, Oliver Welke, Volker Pispers, ja sogar Sarah Sil­ver­man bringen mich selten, eigent­lich eher gar nicht, zum Lachen. Es ist alles so vor­her­seh­bar. Fast jede Pointe schon mal gehört. Über Jürgen von der Lippe habe ich mal gelacht, aber das ist Jahr­zehnte her und da war ich noch jung, uner­fah­ren und leich­ter zufrie­den zu stellen.

    Kann also nur an mir liegen. Wiewohl man die Tragik des Lebens mit Witzen ent­schär­fen kann, und das mache ich manch­mal selbst, ist nicht jede Plat­ti­tüde komisch. Satire sollte intel­li­gent sein. Wobei man beim Grillen nicht immer in Hoch­form sein muß, aber der Satire, die auf der Bühne prä­sen­tiert wird, geht ja Vor­be­rei­tung und Kalkül voraus.

    Bevor ich nun zu der Kaba­ret­tis­tin Lisa Eckhart aus Leoben in der Stei­er­mark komme, (die ich bisher gar nicht kannte) und ihre Satire über Juden und Schwarze, schweife ich noch einmal etwas ab und schöpfe aus eigenem Leben und Erfah­run­gen mit dem Witz.

    Mit dem jüdi­schen Witz.

    Einer der besten Freunde unserer Familie, inzwi­schen gestor­ben weshalb ich seinen Namen schrei­ben kann, war Reuven Sanders. Rudi, wie wir ihn nannten, war Jude, ein deut­scher Jude, beim Secret Service gewesen, baute später die El-Al mit auf und hatte mit Helga, seiner Frau, auch einer Jüdin, einen wun­der­vol­len Sohn der als Pilot im 6‑Tage-Krieg abge­schos­sen wurde. Eine Tragik die die Beiden zeich­nete.

    Aber nicht nur das, die Nazis hatten seine ganze Familie und die von Helga vergast, weshalb sie, obwohl sie deut­sche Juden waren und z.B. Weih­nach­ten mit dem Weih­nachts­bau fei­er­ten, Deutsch­land nach dem Krieg ver­las­sen hatten, obwohl sie sich als Deut­sche fühlten, aber nach dem 6‑Tage-Krieg und dem Verlust des Sohnes, zurück­ge­kom­men waren.

    Die Beiden waren oft bei uns ein­ge­la­den, immer waren sie gut gestimmt und voller Humor. Und manch­mal erzählte Rudi Witze, jüdi­sche Witze, so scharf, so hart, daß sich in mir alles zusam­men­zog. Auch konnte er über Juden so richtig abläs­tern. am Anfang machte mir das große Pro­bleme.
    Dennoch wagte ich fast mein ganzes Leben nicht diese Witze zu wie­der­ho­len und/oder wei­ter­zu­er­zäh­len. Unter den heu­ti­gen deut­schen Humor­po­li­zis­ten hätte es einen Auf­schrei gegeben, sie hätten ihn, Rudi, der so unend­lich viel gelit­ten hatte, in die rechte Ecke gestellt, ihn ange­grif­fen, medial fertig gemacht. Aber so wenig wie Rudi als Jude Anti­se­mit sein konnte, viel­leicht nutze er die Witze ja auch als Ven­til­funk­tion um den Schre­cken besser zu ver­ar­bei­ten, glaube ich das Lisa Eckhart Anti­se­mit ist. Nicht­ju­den werden eben Juden­witze nicht ver­zie­hen.

    Daran also muß ich denken wenn ich die Auf­re­gung um diese Lisa Eckhart sehe. Ihr pieksen in die Vor­ur­teile der Men­schen nehmen ihr genau die übel, die diese Vor­ur­teile haben. Wie oft höre ich, daß Juden Geld haben, reich sind, Macht ausüben, die Geschi­cke der Mensch­heit lenken.

    Aber, meine Güte, nicht alle Juden sind so reich und unsym­pa­thisch wie George Soros. Den ich nicht mag. Aber nicht weil er Jude ist, mei­net­we­gen kann er vom Mond kommen. Sondern wegen seines Auf­tre­tens, seiner Ansich­ten, seiner Domi­nanz. Und ja, Harvey Wein­stein finde ich auch ekel­haft, jeden­falls äußer­lich und ver­stehe nicht warum Frauen sich ihm hin­ga­ben. Und wenn sie sich ihm hin­ga­ben warum sie dann hin­ter­her so ein Lamento ange­fan­gen haben.

    Und auch das: Ich kenne Juden die es gar nicht so dicke haben. Men­schen denen am Monats­ende heiß und kalt wird, die jeden Pfennig umdre­hen müßen. Und denen diese Emp­find­lich­keit der Moral­apos­tel wahr­schein­lich schon deshalb auf die Eier geht, weil die sich WIEDER anmaßen für Juden zu spre­chen ohne darum gebeten worden zu sein.

    Als das kom­pri­miert Lisa Eckhart in einigen Sätzen und legt die Finger in die Wunde, aber anzüg­lich und doch nicht so, daß man in laut­hal­si­ges Lachen aus­bre­chen könnte. Wie gesagt, Klein­kunst ist nicht so meine Domäne, aber natür­lich darf sie das machen, die Klein­kunst Und auch über die 7 Liter Blut im Penis der Schwar­zen witzeln. Wer das ver­neint ist welt­fremd und sollte einfach mal wahr­neh­men, daß es eine ganze Indus­trie gibt die diese Vor­ur­teile auf die Spitze treibt, es tat­säch­lich Dar­stel­ler gibt die diesem Kli­schee ent­spre­chen. Siehe „Blacks on Blondes”.

    Die deut­sche Humor­po­li­zis­ten sind zu 100 Prozent Hypo­kri­ten. Anma­ßende Bevor­mun­der. Es sind Leute die Juden immer noch wie Kin­der­gar­ten­kin­der behan­deln, ihnen das Erwach­sen­wer­den oder Erwach­sen­sein ver­sa­gen. Niemand hat sie beauf­tragt für Juden zu spre­chen. Die­je­ni­gen die sich jetzt darüber echauf­fie­ren sind so Edel­men­schen, genau die, die unsere Main­stream­presse so uner­träg­lich, so unles­bar machen. Wahr­haft, glaub­wür­dig und authen­tisch sind sie nicht.

    Sie sollten einfach mal die Fresse halten. Und richtig hin­hö­ren.

  3. Lisa Eckhart ist für ihre Genera­tion ein genia­les Aus­nah­me­ta­lent aber bleiben Legen­den wie Dieter Hil­de­brandt usw. auf ewig uner­reich­bar! ! !

  4. Wer Lisa Eckhart ist, ich habe keine Ahnung. Ich bin eine alte (89j.) und nicht ganz gesunde Frau die immer nur zu Hause hockt und im Netz lebt. Aber mit diesen Sätzen „Sie jubeln mir zu, diese Deut­schen! Einer an Kunst­schu­len abge­lehn­ten, gran­teln­den Öster­rei­che­rin. Sie lernen einfach nicht dazu!“ trifft sie ins Schwarze, vor allem mit dem zweiten.
    Das ist genau der Ein­druck, den ich auch langsam bekam, seitdem ich nichts anderes zu tun habe, als im Netz zu leben.
    lg
    caruso

  5. Mich fas­zi­niert sie. Ich glaube, ich bin das pas­sende Publi­kum. Schon allein, weil sie die Rich­ti­gen her­aus­for­dert, die­je­ni­gen, die sich echauf­fie­ren, die den hin­ter­sin­ni­gen Wink genau so ver­ste­hen, dass sie ihre heuch­le­ri­sche Maske lupfen. Haha, Satire darf alles! Satire soll nicht gefal­len, sie soll weh tun, aber gerade so viel, dass man noch lachen kann. Nach­denk­lich soll sie machen. Ich glaube, die Zeit ist für Lisa Eckhard noch nicht gekom­men. Es gibt noch zu wenige, die bereit sind zu denken. Ich werde ihre Auf­tritte weiter mit Genug­tu­ung ver­fol­gen.

  6. Ist Lisa wirk­lich eine Frau oder doch ein Mann oder etwas dazwi­schen?
    Ich finde sie beim links­grü­nen Nuhr letzte Zeit gar nicht so schlecht.
    Genau wie Nuhr sollte sich jede/r zweit­klas­sige Clown/in etwas gemä­ßigt
    in der Politik zu bewegen.
    Ewige Dis­kre­tie­run­gen insbes. von Nuhr gegen die AfD wirken in dem
    humanen Körper wie ein Brech­mit­tel.
    An einen der besten Kaba­ret­tis­ten wie es Hil­de­brand war, kommen sie alle nicht heran.

  7. Schade, das Sie nicht das gesamte Zitat auf­füh­ren – aber ich halte Ihnen sehr zu Gute, das Sie es in den damals all­ge­gen­wär­ti­gen und heute nicht mehr ohne wei­te­res prä­sen­ten Zusam­men­hang stellen.
    Mir per­sön­lich ist die Eckhard nicht wirk­lich sym­pa­thisch. aber ich aner­kenne es immer, wenn jemand intel­lek­tu­ell anspruchs­volle Satire dar­bie­tet. Nur zum Bei­spiel, das Zitat in Ihrem vor­letz­ten Absatz … einfach gut!

    • Ich wollte ver­mei­den, eine Art „Werk­schau” zu zeigen und zu Eck­harts „Ent­las­tung” anzu­fü­gen. YouTube ist schließ­lich voll von ihren Sachen, da kann sich jeder selbst ein Bild machen. Stun­den­lang, wenn nötig. Man muss sie auch nicht mögen, auch mir gefal­len nicht alle Texte von ihr. Aber das tut ja nichts zur Sache.

  8. Ohne, außer deiner Schil­de­run­gen, etwas über den Shit­s­torm zu wissen (ihr betref­fen­des Pro­gramm kenne ich aller­dings), und ohne gar nicht erst abstrei­ten zu wollen, dass ich sie mag, stellt sich der Vorgang für mich recht über­sicht­lich dar:
    1. (zu ihr) Was tut man einer­seits, wenn man mit dem Denken und rede­ge­wand­ten Zur­schau­stel­len, wie eben Lisa Eckhart, keine Pro­bleme hat, also dies­be­züg­lich hoch­ta­len­tiert ist, sich aber einem Publi­kum gegen­über sieht, dessen grö­ße­rer Teil noch nicht einmal den Auf­merk­sam­keits­bo­gen über einen 10 min-WDR-Auf­tritt gespannt bekommt, geschwei­gen denn den intel­lek­tu­el­len Zugang zu ihrer Dop­pel­bö­dig­keit meis­tert, und ande­rer­seits, wenn man, und zwar ohne seine Selbst­ach­tung gänz­lich in die Tonne zu treten (indem man das Niveau des Zuschau­ers annimmt), dennoch bei dem Gedanke schwach wird, viel­leicht doch etwas Gage vom ÖRR abzu­fas­sen: Man par­odiert das Publi­kum gegen­über (Glotze, Stu­dio­bühne). Und nichts anderes tut sie da. Es ist eine Parodie auf die, die während dieses Vor­trags selbst­ge­fäl­lig über Pointen lachen, deren dop­pel­ten oder dritten Boden sie über­haupt nicht ver­stan­den haben. Ich denke, auf­rech­ter kann man beim WDR sein Geld nicht ver­die­nen…
    2. (zu den Shit­s­tor­mern) Hier läuft im Prinzip das Muster ab, was in einer immer nar­ziss­ti­scher wer­den­den Gesell­schaft immer häu­fi­ger zu Tage tritt: unge­lieb­ter, also gehass­ter eigener Per­sön­lich­keits­an­teile ent­le­digt man sich, indem man sie anderen zuschreibt (psy­cho­lo­gisch: Pro­jek­tion). Das ver­schont einen vor der Refle­xion (Auf­ar­bei­tung) dieser eigenen Anteile und sichert einen Platz bei „den Guten”.

    Obwohl ich es sehr traurig finde, dass es Lisa Eckhart jetzt trifft, ver­wun­dert es mich aber über­haupt nicht, dass sie zur Ziel­scheibe wird; da „passt” eigent­lich alles. Dass eine „Titanic” das gedurft hätte (und hat), wo man L.E. angreift, offen­bart ihr Kaliber. Ich hoffe sehr, dass sie das stolz durch­schifft…

    • Ich kann Ihnen nur unein­ge­schränkt zustim­men. Wenn L.E. beim dritten Satz ist, haben viele im Publi­kum den ersten Satz schon wieder ver­ges­sen. Man hat Geld fürs Ticket bezahlt, sitzt bequem und will mit ein paar Kra­chern unter­hal­ten werden. Da ist Böh­mer­mann klar im Vorteil – obwohl, eine Parodie ist der Böh­mer­mann auf eine gewisse Art schon auch.

  9. Was ist eigent­lich der Unter­schied zwi­schen Böh­mer­manns Zie­gen­fi­ckers­sa­tire und Lisa Eck­harts Kaba­rett­kunst? Böh­mer­mann können die Couch­po­ta­toes folgen und die „Medi­en­schaf­fen­den” können sich sicher sein, der rich­ti­gen Seite zu „bei­fal­len”.

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