Dädalus warnte seinen Sohn Ikarus davor, mit der unvoll­kom­me­nen Kon­struk­tion auf seinem Rücken zu hoch auf­zu­stei­gen und konnte doch ahnen, dass dieser seine Warnung in den Wind schla­gen würde. Ikarus glaubte an seine Kraft und an die Flügel aus Wachs und Federn auf seinem Rücken, die sein Vater gebaut hatte, und stieg und stieg und stieg. Die Ika­russe der Moderne treffen sich gerade in Bonn, wo sie sich für 70 Mil­lio­nen Euro zwölf Tage lang gegen­sei­tig der Fes­tig­keit des Wachses in ihren Flügeln ver­si­chern. Jour­na­lis­ten, die neu­gie­rig und mit bren­nen­den Fragen ihren Ideen und Flügeln zu nahe kommen könnten, mögen sie nicht. Jedoch glauben sie fest daran, fliegen zu können, wie hoch auch immer sie wollen.

Manch­mal bin ich nur noch müde. Bin ich es leid, immer die­sel­ben kurz­sich­ti­gen Jubel­ar­gu­mente zu lesen und immer wieder wie Dädalus auf die Pro­bleme in der schönen Theorie der Ener­gie­wende hin­zu­wei­sen. Heute ist wieder so ein Tag und ich möchte sagen: „Fliegt doch endlich los, ent­flieht eurer Gefan­gen­schaft in der fos­si­len Energie, hört nicht auf die Zweif­ler, Dädalus und andere Beden­ken­trä­ger. Wir stehen euch nicht mehr im Weg. Gebt uns bitte einfach nur eine Woche Vor­warn­zeit bei der Abschal­tung aller Kohle- und Atom­kraft­werke, damit wir recht­zei­tig ein paar hundert Liter Wasser bunkern, die Brief­tau­ben in Stel­lung bringen, einen Kamin­ofen nebst reich­lich Brenn­holz anschaf­fen und uns mit Lebens­mit­tel­kon­ser­ven ein­de­cken können, um auf einen grö­ße­ren und län­ge­ren Zusam­men­bruch der Netze vor­be­rei­tet zu sein. Dann legt den Schal­ter um, genießt den Zusam­men­bruch des Indus­trie­stand­or­tes Deutsch­land und hofft das Beste.“ Henrik Müller, Kolum­nist beim Spiegel, spricht euch anläss­lich des Kli­ma­gip­fels in Bonn jeden­falls Mut zu: „Wir sind viel zu pes­si­mis­tisch!“

In einem Land, das bei jeder neuen Tech­no­lo­gie nach Tech­nik­fol­ge­ab­schät­zun­gen ruft, Atom­ener­gie in jeder Form ablehnt (außer im Iran, ver­steht sich) und Ethik-Kom­mis­sio­nen aus Sozio­lo­gen und Theo­lo­gen für Furz & Feu­er­stein Beden­ken sammeln lässt…in einem solchen Land erscheint es mir jedoch sehr seltsam, dass Politik, Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen und Medien aus­ge­rech­net beim Thema Kli­ma­wan­del und Ener­gie­wende einen derart blinden Opti­mis­mus an den Tag legen, wie sie ihn sich und anderen in keinem wei­te­ren Bereich gestat­ten. Und so strotzt Müllers Kolumne auch nur so von Zir­kel­schlüs­sen, fal­schen Annah­men, Aus­las­sun­gen und Gebeten, dass meine Müdig­keit gerade wie weg­ge­bla­sen ist. Doch der Reihe nach, sehen wir mal, was Herr Müller so schreibt:

Aber so rasch kommt auch ein US-Prä­si­dent nicht aus bestehen­den Ver­trä­gen heraus.“

Um den Hauch der Ver­geb­lich­keit, welcher das ganzen Pariser Kli­ma­ab­kom­men umweht, zu bemän­teln, wird auch von SPON immer und immer wieder das Märchen vom Aus­stieg der USA aus dem Abkom­men erzählt. Dabei waren die USA nie „drin“, weil das Gesetz nie dem Kon­gress vorlag. Obama war klug genug, es nicht vor­zu­le­gen, weil er wusste, dass dies mit seiner Nie­der­lage geendet hätte. Doch nun defi­niert man die in den USA dennoch hier und dort ange­streb­ten Ver­bes­se­run­gen in Sachen Emis­sio­nen und Ener­gie­ef­fi­zi­enz einfach als Wider­stand gegen Trump, hoffend, dass der nächste Prä­si­dent wieder kon­zi­li­an­ter sein möge und die Pariser Kli­ma­lüge wieder mit­trüge. Fakt ist aber, dass sinn­volle Pro­gramme zur Res­sour­cen­scho­nung und zur Luft­rein­hal­tung des Pariser Kli­ma­ab­kom­mens über­haupt nicht bedür­fen, weil es andere, bessere und nach­voll­zieh­bare Gründe dafür gibt. Und dass ein hei­li­ger Eid auf die Pariser Klima-Bibel noch lange kein Garant für adäquate Politik ist, zeigt das Bei­spiel Deutsch­land gera­dezu exem­pla­risch! Der Allein­ver­tre­tungs­an­spruch der IPCC kommt einem hei­li­gen Gebot gleich, dem­ge­mäß man „keine Umwelt­re­le­van­ten Ziele neben ihm“ haben darf. Deutsch­land ist deshalb nur ein „Sünder“, wenn es die Kli­ma­ziele nicht einhält und wie wir wissen, kann eine Sünde in der Reli­gion ver­ge­ben werden. Wir könnten Buße tun, Bes­se­rung geloben und eine fromme Spende leisten – doch bleibt unsere Absicht rein. Wer sich jedoch außer­halb des Abkom­mens stellt, es anzwei­felt oder ver­wirft, ist ein Ketzer und kann weder auf Nach­sicht, noch auf Erlö­sung hoffen. Dass aus­ge­rech­net die USA dieses Sakri­leg begin­gen, sich außer­halb der Kli­ma­kir­che zu stellen, ist natür­lich wegen ihrer Größe und Bedeu­tung pro­ble­ma­tisch. Deshalb wird mit aller­lei Tricks so getan, als sei sie noch Teil der Gemeinde und wenn der böse Anti­kli­ma­tist Trump erst gestürzt sei, kehrten die Kräfte des Guten zurück an die Macht. Was für eine ver­lo­gene, ein­fäl­tige Heu­che­lei!

Erneu­er­bare Ener­gien werden rapide wett­be­werbs­fä­hig. Mas­sen­mo­bi­li­tät mit Elek­tro­an­trieb ist, dank der Fort­schritte in der Akku­tech­no­lo­gie, inzwi­schen denkbar.“

Tech­no­lo­gisch hat Deutsch­land seine ehe­ma­lige Füh­rungs­rolle in Sachen Ener­gie­er­zeu­gung aller­dings längst ver­lo­ren. Nach­ein­an­der büßten wir unseren Vor­sprung erst in der kon­ven­tio­nel­len Kraft­werks­tech­nik, dann der in der Atom­ener­gie und anschlie­ßend die im Bereich Sonne und Wind ein. Geblie­ben sind in ALLEN Berei­chen nur die Seg­mente, die durch Sub­ven­tio­nen am Leben gehal­ten werden. „Denkbar“ ist außer­dem ein gefähr­li­cher Begriff! Es ist zum Bei­spiel denkbar, dass ich heute Lotto spiele und dar­auf­hin denkbar, dass ich am Samstag den Jackpot abräume. Für meine und des Landes nähere wirt­schaft­li­che Zukunft, sollte aber eher das „machbar“ ent­schei­dend sein. Derzeit ist es das nur inso­fern, als dass ich kein Lotto spiele.

Dazu kommt eine Eigen­schaft der Erneu­er­ba­ren, die eine güns­tige Dynamik aus­lö­sen könnte: Einmal instal­liert, pro­du­zie­ren Wind­rä­der und Solar­pa­nels Strom zu äußerst nied­ri­gen Kosten. Anders als Öl, Kohle oder Gas, die bei jeder zusätz­li­chen Kilo­watt­stunde in immer grö­ße­rer Menge ein­ge­setzt werden müssen, sind Wind und Son­nen­licht umsonst. Ent­spre­chend billig ist der auf diese Weise pro­du­zierte Strom. Ein Effekt, der sich heute schon an der Leip­zi­ger Strom­börse beob­ach­ten lässt, wo die Groß­han­dels­preise zeit­weise gegen null fallen (was aber, so wie die deut­sche Ener­gie­wende funk­tio­niert, bei den Ver­brau­chern nicht ankommt).“

Sowohl Sonne als auch Wind sind in ihrer mas­sen­haf­ten Ver­wen­dung tech­no­lo­gisch ver­hält­nis­mä­ßig junge Ener­gie­trä­ger. Aber bereits heute ist klar, dass es auch bei diesen Tech­ni­ken einen Lebens­zy­klus, War­tungs­ar­bei­ten und Ent­sor­gungs­kos­ten gibt. Das geht soweit, dass auch irgend­wann die tau­sende Tonnen schwe­ren Fun­da­mente jedes Wind­ra­des rück­ge­baut werden müssen – Kosten, die bislang nur wenige „Wind­bau­ern“ bei der Frucht­folge auf dem Zettel haben. Die man­gelnde Ener­gie­dichte von Sonne und Wind erkau­fen wir uns mit ent­spre­chen­dem Flä­chen­ver­brauch. Der Traum von Henrik Müller vom Öko­strom für „koste fast garnix“ ist somit nicht mehr wert, als das Bas­tel­er­geb­nis eines Siebt­kläss­lers, der seinem Phy­sik­leh­rer stolz ein „Per­pe­tuum Mobile“ vor­führt, das an einer Auto­bat­te­rie hängt. Außer­dem hat Müller nicht begrif­fen, wie die nied­ri­gen Preise an der Leip­zi­ger Strom­börse zustande kommen. Dort werden Über­ka­pa­zi­tä­ten gehan­delt, die immer dann massiv auf­tre­ten, wenn das Netz den zu viel pro­du­zier­ten Sonnen- und Wind­strom nicht auf­neh­men kann, weil ihn keiner braucht! Diese Bör­sen­preise basie­ren nicht auf Erzeu­ger­prei­sen. Die garan­tier­ten Ver­gü­tun­gen der Erzeu­ger durch das staat­li­che Sub­ven­ti­ons­sys­tem kommen ja noch oben drauf, denn die Betrei­ber der Anlagen werden nicht aus den Ver­kaufs­er­lö­sen der Strom­börse bezahlt.

Auf­grund der bereits heute instal­lier­ten Nenn­leis­tung der Öko-Stromer kommt es an Sonne- und Wind­rei­chen Tagen an der Börse sogar immer wieder zu nega­ti­ven Preisen, die nichts anderes dar­stel­len, als Ent­sor­gungs­kos­ten. Der „Fisch“ liegt auf dem Tresen und keiner will ihn kaufen, weil alle satt und ver­sorgt sind. Was machen also die „Fisch­händ­ler“ an der Börse mit dem Über­an­ge­bot an schnell ver­derb­li­chem Fisch? Weg­wer­fen kann man ihn nicht, weil er in Echt­zeit anfällt und unge­dul­dig in die Netze drängt. Also ver­schenkt man den Fisch oder gibt jedem Kunden am Ende sogar noch Geld, damit er welchen mit­nimmt. Wie kann man nun den Kunden, der seinen Fisch über einen festen Lie­fer­ver­trag beim Fisch­händ­ler kauft, „ange­mes­sen“ am Ver­lust­ge­schäft betei­li­gen? Schauen Sie einfach auf Ihre Strom­rech­nung, dann wissen sie, dass die Groß­han­dels­preise sehr wohl beim Ver­brau­cher ankom­men, nämlich als Summe aus Energie- Sub­ven­ti­ons- und Ent­sor­gungs­kos­ten. Auf dem Strom­markt sind Angebot und Nach­frage durch den extrem schwan­ken­den Öko­strom mit seinen Ein­spei­se­ga­ran­tien längst nicht mehr im Gleich­ge­wicht und dem Ver­brau­cher erzählt man seit Jahren, die Preis­trei­ber seien die kon­ven­tio­nel­len Kraft­werke, die jedoch als einzige in der Lage sind, den „Fisch“ immer in genau der Menge bereit­zu­stel­len, wie der Kunde es wünscht. Der Fisch­han­del „Ener­gie­wende“ stinkt, und zwar vom Kopfe her!

Natür­lich ist dieses Umsteu­ern nicht zum Null­ta­rif zu haben. Gängige Schät­zun­gen gehen von einem glo­ba­len Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men in Höhe von etwa einer Billion US-Dollar jähr­lich aus. Gelder, die ange­sichts nied­ri­ger Zinsen und der inten­si­ven Suche nach Anla­ge­mög­lich­kei­ten eigent­lich mobi­li­sier­bar sein sollten. Es wird darauf ankom­men, welt­weit Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die es Inves­to­ren ermög­li­chen, trotz nied­ri­ger Absatz­preise für Strom aus­kömm­li­che Ren­di­ten zu erwirt­schaf­ten. Und zwar mög­lichst auch in Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern, wo die Ener­gie­in­fra­struk­tur noch im Ent­ste­hen begrif­fen ist. Und wo die Bevöl­ke­run­gen teils nach wie vor stark wachsen.“

Es ist eine echte Meis­ter­leis­tung der Ener­gie­wen­der in Sachen Mar­ke­ting, dem Ver­brau­cher zwei kom­plett unver­söhn­li­che Para­dig­men als eine einzige, gran­diose Idee zu ver­kau­fen. Da ist zunächst das Gerede von der „quasi kos­ten­lo­sen Energie“, die uns gera­dezu endlos von Sonne und Wind zur Ver­fü­gung gestellt wird. Ande­rer­seits betont man stets sehr offen, dass der Umbau unserer Ener­gie­sys­teme eine gewal­tige Kraft­an­stren­gung dar­stel­len werde, mit anderen Worten: es wird richtig teuer. Null­ta­rif? Natür­lich nicht! Aber keine Sorge, das Geld ist gerade billig, auch das „koste fast garnix”, wegen der Null­zins­phase! Wie’s das Schick­sal so fügt, ist immer etwas „umsonst“. Ob Draghi im Sinn hatte, durch die Zins­po­li­tik der EZB die Ener­gie­wende anzu­kur­beln? Oder ob er viel­mehr sieht, dass es Ländern wie Italien oder Grie­chen­land nur so möglich ist, ihre Schul­den zu bedie­nen und weitere zu machen? Die „Rah­men­be­din­gun­gen“, von denen Müller spricht, sind jeden­falls nichts anderes als Sub­ven­ti­ons­pro­gramme mit kre­dit­fi­nan­zier­tem Kos­te­fast­nix­geld der Steu­er­zah­ler in Europa, genauer Nord­eu­ropa, oder noch genauer: Deutsch­land.

Mit einer rasch stei­gen­den Bevöl­ke­rungs­zahl wäre dieses Ziel ver­mut­lich uner­reich­bar. Derzeit wächst die Kopf­zahl auf dem Pla­ne­ten jähr­lich um 83 Mil­lio­nen Men­schen: einmal Deutsch­land zusätz­lich, Jahr für Jahr. Aber womög­lich sind wir derzeit auch an dieser Stelle zu pes­si­mis­tisch. Die UN-For­scher haben ein hoff­nungs­vol­les Sze­na­rio durch­ge­rech­net. Es ist durch­aus möglich, dass die Mensch­heit um 2050 ihre maxi­male Größe erreicht. Die Zahl der Erd­be­woh­ner läge dann bei 8,8 Mil­li­ar­den Men­schen, 1,2 Mil­li­ar­den mehr als heute. In den Jahr­zehn­ten danach würde die Welt­be­völ­ke­rung all­mäh­lich schrump­fen.“

Durch­aus möglich ist aber auch, dass die UN-For­scher falsch liegen mit ihrem hoff­nungs­vol­len Sze­na­rio. Und ist es nicht merk­wür­dig, dass die angeb­li­che Haupt­ur­sa­che für die Kli­ma­er­wär­mung, der Mensch und ins­be­son­dere die Anzahl derer, die sich auf der Erde tummeln, erst nach­ran­gig in die Kli­ma­ret­tungs­mo­delle Einzug finden soll? Die letzte große Welt­be­völ­ke­rungs­kon­fe­renz der UN fand 1994 in Kairo statt. Man hat es nicht so eilig wie die Kli­ma­ret­ter, die eigenen hoch­fah­ren­den Beschlüsse regel­mä­ßig zu kor­ri­gie­ren, wohl weil sich das Ver­sa­gen der Bevöl­ke­rungs­pla­ner nicht so leicht auf Wet­ter­phä­no­mene und kom­plexe phy­si­ka­li­sche Zusam­men­hänge schie­ben lässt. Einer der Beschlüsse der Kon­fe­renz, „…Fami­li­en­pla­nung für alle bis spä­tes­tens 2015 zugäng­lich zu machen, darf heute, 23 Jahre später, ange­sichts der unge­brems­ten Bevöl­ke­rungs­ex­plo­sion gerade in Afrika als kra­chend geschei­tert ange­se­hen werden. Der unmit­tel­bare kausale Zusam­men­hang zwi­schen Res­sour­cen­ver­brauch, CO2-Emis­sion, Ener­gie­be­darf und Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung ist seit jeher klar, spä­tes­tens seit Kairo’94. Und nun erklärt uns Herr Müller vom Spiegel, dass man ERST mal den Kli­ma­wan­del auf­hal­ten wolle und sich DANACH um eine 8,8 Mrd. große Welt­be­völ­ke­rung kümmern werde, die dann aber wahr­schein­lich sowieso von ALLEIN schrumpfe?

Tun wir für einen Moment mal so, als gäbe es tat­säch­lich einen linea­ren Zusam­men­hang zwi­schen Erd­er­wär­mung und CO2-Außstoß der Mensch­heit. Tun wir außer­dem so, als wären die Bil­li­ar­den-Inves­ti­tio­nen gegen den Kli­ma­wan­del nicht besser auf­ge­ho­ben bei der Bewäl­ti­gung der Folgen von Kli­ma­ver­än­de­run­gen und glauben, wir müssen den CO2-Ausstoß um 60% verringern…läuft dann bei einer aktu­el­len Welt­be­völ­ke­rung von 7,47 Mil­li­ar­den Men­schen – was einem Zuwachs von etwa 1,5 Mrd. seit Inkraft­tre­ten des Kyoto-Pro­to­kolls 1997 ent­spricht – nicht irgend­was grund­sätz­lich falsch? Und lügt sich Henrik Müller nicht selbst die Taschen voll, wenn er glaubt, das Wachs­tum würde bei 8,8 Mil­li­ar­den quasi von selbst enden, während sein Blatt, der Spiegel, für 2100 bereits von 11,2 Mil­li­ar­den Men­schen ausgeht?

Ich habe weder etwas gegen Elek­tro­au­tos, noch hängt mein Herz am Ver­bren­nungs­mo­tor. Auch bin ich gänz­lich frei von Aktien der „übli­chen Ver­däch­ti­gen“ aus der „Lobby“ der Erd­er­wär­mer, Koh­le­ver­bren­ner und Ben­zin­schleu­dern. Im Gegen­teil, ich bin gera­dezu ein Tech­no­lo­gie­freak und würde mich ehrlich freuen, wenn dieses ener­ge­tisch unschul­dige Schla­raf­fen­land tat­säch­lich funk­tio­nie­ren könnte! Aber die Welt, die sich Henrik Müller erträumt, halte ich für einen gefähr­li­chen Betrug. Weil die zen­trale Frage, deren Beant­wor­tung erst all die Blü­ten­träume von bil­li­ger Energie für jeder­mann möglich machen würde, in seinem Artikel mit keinem ein­zi­gen Wort erwähnt ist, weil bisher NIEMAND sie je beant­wor­ten konnte: wo ist die Spei­cher­tech­no­lo­gie, mit der wir im indus­tri­el­len Maßstab die vola­tile grüne Energie spei­chern und somit puffern können?

Statt also mit Wachs in den Flügeln abzu­he­ben und das Beste zu hoffen, sollte Ikarus viel­leicht mit dem Abheben solange warten, bis sein Vater das Flug­zeug erfun­den hat. Schon ange­sichts der Tat­sa­che, dass Wachs und Kli­ma­er­wär­mung denkbar schlecht zusam­men­pas­sen.

16 Kommentare

  1. Alle bösen Koh­le­kraft­werke mal GLEICHZEITIG für eine Woche zu War­tungs­zwe­cken vom Netz nehmen – das wäre eine heil­same Erfah­rung für alle grünen Visio­näre. Man kann den grünen Tee auch kalt trinken.

    • Dafür müssten ALLE ver­nünf­ti­gen Kräfte ihren Wider­stand auf­ge­ben – und es ist sooo schwer, die Ver­nunft aus ver­nünf­ti­gen Men­schen zu ent­fer­nen. Noch schwe­rer, die Dumm­heit aus Dummen. 😉

  2. Danke. Wie Sie bin ich von den unauf­hör­li­chen, nie ver­sie­gen­den Ergüs­sen natur­wis­sen­schaft­li­cher und tech­ni­scher Analpha­be­ten ermüdet, gleich­wohl dankbar, wenn sach­kun­dige Gegen­rede nicht ein­schläft. Was bewegt diese Pre­di­ger außer dem mit ihren Lit­ur­gien erziel­ten Ein­kom­men? Es ist leider auch eine von wis­sen­schafts­fer­nen Medien ver­blö­dete Masse, die ihnen applau­diert – und so ver­stär­ken sich Traum­tän­zer ideo­lo­gisch ver­bräm­ter Plan­wirt­schaft und ihnen fol­gen­des media­les Heils­ge­du­del. Jedem, der Physik, Mathe­ma­tik, Chemie, Bio­lo­gie früh­zei­tig abge­wählt hat, wird das Herz warm und das Auge feucht vor eigener Bes­ser­mensch­lich­keit. Gern nimmt er die Sub­ven­tion für die Solar­pa­nels auf dem Dach oder den steu­er­be­güns­tig­ten Profit aus dem Wind­park mit, der Rest ist ihm egal.
    Erheben Sie weiter mit guten Argu­men­ten Ein­spruch – es wird nichts alter­na­tiv­los bleiben.

    • Was mich stets ver­blüfft ist, wenn eigent­lich natur­wis­sen­schaft­lich gebil­dete Leute, die bestimmt auch klüger sind als ich und auch nicht unbe­dingt mora­lisch kor­rum­piert, dennoch diesem Wahn anhän­gen. Denn auch bei wohl­wol­len­der Betrach­tung vermag ich nichts als Wahn zu erken­nen. Ich denke, dass Ideo­lo­gie mächtig in Sachen Ver­blen­dung wirken kann.

      • Kinder, ich will, dass es Euch einmal besser geht, als es uns ergan­gen ist!”

        Und es ging den Kindern besser, und sie hatten dadurch die Mög­lich­keit, in einer immer homo­ge­ner wer­den­den Geschall­schaft schlei­chend zu ver­blö­den…, und über das Resul­tat dis­ku­tie­ren wir gerade.

        Voila.

  3. Die ganze Wind- und PV-Geschichte wird sich erstens niemals finan­zi­ell rechnen, und zwei­tens niemals in der Lage sein, den Ener­gie­be­darf der Welt zu decken. Das ist schon so oft nach- und vor­ge­rech­net worden, dass es in der Tat ermü­dend ist, immer wieder die Bastion der ideo­lo­gi­schen Traum­tän­zer mit den phy­si­ka­li­schen Rea­li­tä­ten zu bepu­dern.

    Was uns allen, welt­weit, in der Tat aus der Misere helfen würde, das sind Tho­ri­um­re­ak­to­ren nach dem Molten-Salt-Prinzip:

    https://​en​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​M​o​l​t​e​n​_​s​a​l​t​_​r​e​a​c​tor

    Wer mag, kann sich das einmal auch noch gerne die deut­sche „Über­set­zung” des obigen Arti­kels durch­le­sen. Selbst bei ober­fläch­li­chem Über­flie­gen des Arti­kels ist die anti-nuklear-ideo­lo­gi­sche Durch­set­zung unver­kenn­bar:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssigsalzreaktor

    Die USA hatten jeden­falls einen solchen Ver­suchs­re­ak­tor für 6000h unter Voll­last laufen, bereits in den 60ern (siehe Details im obigen Link). Da dieser Reak­tor­typ aller­dings kein Plu­to­nium erbrü­tet, war er für die Regie­rung wohl nicht sehr inter­es­sant.

    Diese Tech­no­lo­gie könnte uns die nächs­ten paar Hun­dert­tau­send Jahre lang mit Energie ver­sor­gen, bei mini­ma­lem Risiko. Die Chi­ne­sen for­schen momen­tan daran, und wie ich die ein­schätze, werden wir bald die ersten Reak­to­ren sehen.

    Made in China, not Made in Germany, of course…

    • Die Tech­no­lo­gie des Flüs­sigs­alz­re­ak­tors ist in der Tat hoch­in­ter­es­sant. Beson­ders, weil es ein prin­zi­pi­ell passiv-siche­res System ist, dass im Fall einer Havarie schlicht „ausgeht”. Nuklear-Exper­ten und Phy­si­ker (die echten, nicht die auf Kanz­ler­ses­seln) wissen das. Nuklear-Exper­ten hört man in Deutsch­land aber längst nicht mehr zu.

      • Exakt.

        Deutsch­land wird – im Gross­maß­stab – als Resul­tat in der Welt der Zukunft wohl keine grosse Rolle mehr spielen werden.

        Erschre­ckend, wie in 2–3 Gene­ra­tio­nen eine einst­mals solch diverse Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft, und die damit ein­her­ge­hende wirt­schaft­li­che Blüte, ver­spielt wird!

        • Das kommt, wenn das Bauch­den­ken die mediale Ober­ho­heit über­nom­men hat. Wenn die Angst vor Spinnen und Mäusen, sorry: Mole­kü­len und Staub­par­ti­keln prä­sen­ter ist als die Furcht vor wirt­schaft­li­chem und kul­tu­rel­len Zusam­men­bruch. Wenn die Kür wich­ti­ger wird als die Pflicht, die gute Gesin­nung wich­ti­ger als das Über­le­ben.

          Die Ver­sor­gung durch die flei­ßi­gen weißen, alten Männer wird selbst­ver­ständ­lich wei­ter­hin erwar­tet, während Leis­tung, Wissen und Tech­no­lo­gie als Feinde weib­li­chen Wohl­füh­lens dif­fa­miert werden.

          Es ist wie bei Puber­tie­ren­den, die selbst­ver­ständ­lich davon aus­ge­hen, dass die Erwach­se­nen den Laden am Laufen halten und ihnen ihre Rebel­lion finan­zie­ren.

  4. Die besten Elek­tro­fahr­zeuge hatte Deutsch­land schon einmal, nämlich die „Elekt­oboote” vom Typ XXI: https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​U​-​B​o​o​t​-​K​l​a​s​s​e​_​XXI

    Zitat:

    Die Bat­te­rie­an­lage bestand aus 2× (3× 62) = 372 Blei­ak­ku­mu­la­tor­zel­len des Typs AFA 44 MAL 740W mit je 620 kg Masse und einer Gesamt­masse von 236 Tonnen.

    => 236 Tonnen Bat­te­rien. Pro Boot.

    Hier die Fahr­be­rei­che (nach Mes­sun­gen auf U 3507 im end­gül­ti­gen Zustand):

    Mit Schleich-E-Maschi­nen Unter­was­ser­fahrt:
    487 See­mei­len bei 3 Knoten
    333 See­mei­len bei 5 Knoten
    256 See­mei­len bei 6 Knoten
    mit Haupt-E-Maschi­nen, Unter­was­ser­fahrt
    120 See­mei­len bei 8 Knoten
    79 See­mei­len bei 10 Knoten
    26 See­mei­len bei 15 Knoten
    mit Die­sel­mo­to­ren, Über­was­ser­fahrt
    15.700 See­mei­len bei 9 Knoten
    14.100 See­mei­len bei 10 Knoten
    10.600 See­mei­len bei 12 Knoten
    5.200 See­mei­len bei 15,6 Knoten
    mit Die­sel­mo­to­ren, Schnor­chel­fahrt
    15.100 See­mei­len bei 6 Knoten
    10.300 See­mei­len bei 8 Knoten

    1944 also bereits das­selbe „Preis-/Leis­tungs­ver­hält­nis” in Sachen Batterie/Diesel wie heute.

  5. Es gibt zwar sehr wohl eine Spei­cher­tech­no­lo­gie, die kos­ten­güns­tig ist: Man nennt sie fossile Brenn­stoffe. Diese stellt die Natur bereit. Die Kosten waren die Absen­kung des CO2 Gehal­tes der Atmo­sphäre auf unter 300 ppm. Das führte zu ernsten Man­gel­er­kran­kun­gen der einst so üppigen Pflan­zen­welt. Zum Glück nor­ma­li­siert sich das nun so langsam wieder.

    • Fossile Brenn­stoffe binden das C, das in frühen Zeiten einmal als CO2 in der Atmo­sphäre war und aus dem die mäch­ti­gen Urwäl­der her­vor­gin­gen, bis diese dann durch mäch­tige tek­to­ni­sche Ver­wer­fun­gen unter die Erde gepflügt worden, wo sie zu fos­si­len Brenn­stof­fen wurden. Wir befreien einen Teil dieses C wieder während der Ener­gie­ge­win­nung. Offen­bar ist der Planet auch zu Zeiten der Urwäl­der nicht an Über­hit­zung ver­glüht.

  6. Ganz erschüt­tert frage ich in welcher Lot­te­rie , Hendrik Müller seinen angeb­li­chen Pro­fes­so­ren Titel gewon­nen hat. Seine Klima Glosse ist Schwach­sinn pur

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