Ein Schnipsel eines Videos aus Jan­u­ar 2022, das im Schaus­piel­haus Stuttgart ent­standen ist, sorgt ger­ade für Schnap­pat­mung auf Twit­ter und Face­book. Als Gas­tred­ner­in an einem von 20 Auf­führungsta­gen des Stücks „Ökozid“ fällt die TAZ-Autorin Ulrike Her­rmann ein ver­nich­t­en­des Urteil über der Idee des „grü­nen Wach­s­tums“. Ich will mich hier gar nicht über das Konzept von „Ökozid“ aus­lassen, weil das The­ater dem gle­ich­nami­gen ARD-Pro­pa­gan­das­treifen von 2020 nichts mehr hinzufügt. Her­rmanns Lau­da­tio ragt jedoch aus dem Ensem­ble der „üblichen Verdächti­gen“ her­aus, die bei der­lei The­men stets am Red­ner­pult ste­hen wie etwa Luisa Neubauer und Jür­gen Resch. Und das auf schreck­liche und ehrliche Weise. Kli­maschutz, darum geht es natür­lich immer!

Und wie die gesamte Wel­tret­terblase stellt Her­rmann den Sinn und das Endziel der Ret­terei nicht in Frage. Das müsse halt alles geschehen und Punkt. Anders als die Schlangenölverkäufer des „Green Deal“ ist sie jedoch um eine ehrliche Beschrei­bung des Endzu­s­tandes, den sie anstrebt, bemüht. Die Idee ein­er grü­nen Wohl­stands­ge­sellschaft in ein­er nicht allzu fer­nen Zukun­ft wird in Her­rmanns fün­fzehn Minuten lan­gen Vor­trag zur Ken­ntlichkeit entstellt. Kein Stein, so Her­rmann, werde auf dem anderen bleiben auf dem Weg von „hier“ (Hand nach oben, Kap­i­tal­is­mus) nach „da“ (Hand nach unten, anämisch-kreis­laufwirtschaftlich­es Nullem­mis­sion­sökowun­der­land). In der Beschrei­bung dessen, was uns am Ende dieses Weges erwartet, stimme ich mit Her­rmann fast voll­ständig übere­in. Nur bin ich im Gegen­satz zu ihr nicht überzeugt davon, dass wir über diese Brücke gehen soll­ten. Ich empfehle, statt der kurzen Zusam­men­schnitte gle­ich die Lang­fas­sung des Vor­trags anzuse­hen, schon damit die Chronolo­gie der Aus­sagen stimmt.

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Geplanter Abstieg

Her­rmann beze­ich­net sich selb­st als Fan des Kap­i­tal­is­mus, obwohl sie ihn abschaf­fen will. Alle Sozial­sys­teme vor dem Kap­i­tal­is­mus seien sta­tis­che Agrarge­sellschaften gewe­sen, erst der Kap­i­tal­is­mus habe eine Dynamik entwick­elt und ver­spreche Wach­s­tum. Das klingt ja nett, ist aber schon empirisch falsch. Her­rmann sieht zwis­chen der Antike und dem Aufkom­men des Kap­i­tal­is­mus im 18. Jahrhun­dert kein­er­lei Entwick­lung. Ich bin sich­er, dass nicht ein­mal die größten Apolo­geten des Kap­i­tal­is­mus diese Art Erweck­ungsle­gende so teilen wür­den.

Die Fortschritte – und damit natür­lich auch das Wach­s­tum, das Her­rmann so vehe­ment ablehnt – fan­den nur auf anderen Sek­toren statt. Exten­siv, wie es für agrarische Gesellschaften typ­isch ist, etwa durch Ausweitung der Ack­er­flächen durch Rodun­gen oder die Besied­lung ganz­er neu ent­deck­ter Kon­ti­nente. Das freilich mit der neg­a­tiv­en Begleit­er­schei­n­ung von Ter­ri­to­ri­alkon­flik­ten aller Größenord­nun­gen. Her­rmann meint jedoch, da war nichts, was nach Wach­s­tum aus­sah, was ich angesichts von Namen wie Mag­el­lan, Michelan­ge­lo, Gut­ten­berg oder Bach doch stark in Zweifel ziehen möchte.

Die Leis­tun­gen der genan­nten wur­den übri­gens aus­drück­lich nur deshalb möglich, weil der Men­sch es geschafft hat­te, schon damals und vor der Zeit der indus­triellen Rev­o­lu­tion seine Nase gele­gentlich aus der Ack­er­furche zu erheben und sich mit mehr zu befassen, als im Win­ter die prekäre Energiev­er­sorgung aufrecht und die Back­stuben warm zu hal­ten.

Man sollte doch annehmen, die Energiequellen, zu denen Her­rmann zurück will, müssen min­destens so zuver­läs­sig sein wie jene, die der indus­triellen Rev­o­lu­tion und der Kohle voraus ging. Lei­der ist das nicht der Fall, wie Her­rmann selb­st erk­lärt. Erneuer­bare Energien wer­den dauer­haft teuer und volatil sein und damit hat sie wohl lei­der recht.

Begren­zen­der Fak­tor war die Energie schon vor der indus­triellen Rev­o­lu­tion, die aus Holz und tierischen Energien wie Walöl oder dem guten alten „Hafer­mo­tor“ stammten. Han­del­sim­pe­rien, die mark­twirtschaftlich agierten (ohne dafür eine the­o­retis­che Erken­nt­nis oder gar einen Namen zu haben), die wuch­sen und den Wohl­stand ihrer Län­der mehrten, gab es seit der frühen Antike. Die Mark­twirtschaft als natür­liche Wirtschafts­form ist also uralt, der Kap­i­tal­is­mus ist lediglich seine Aus­for­mulierung unter den Bedin­gun­gen der indus­triellen Rev­o­lu­tion und deren Nach­fol­gern. Treiben­der Fak­tor war und ist die bessere Ver­füg­barkeit von Infor­ma­tion und Energie, wobei das erste vom zweit­en abhängig ist. Aus Hafer und Holz wurde Kohle, aus Kohle wur­den Öl und Gas. Der Schritt zu Kernen­ergie und kün­ftig Fusion ist weltweit gemacht, nur in Deutsch­land lässt man den Fuß gefährlich in der Luft hän­gen. Das „Min­istry Of Sil­ly Walks“ kommt einem in den Sinn. Nur humor­los­er und weniger trittsich­er.

Doch zurück zur kleinen neuen Welt von Ulrike Her­rmann, die knall­hart for­muliert, dass es den Kli­maret­tern um nichts weniger als die voll­ständi­ge Ver­nich­tung der indus­triellen Basis des Lan­des gehen muss. Ihr ist so klar wie mir, dass es genau darauf hin­aus­laufen wird, dass dieser Abstieg Mil­lio­nen Men­schen um ihre Exis­tenz brächte und dass weite Berufs­felder kom­plett über­flüs­sig wür­den. Wer also heute Messe­bauer, Grafikde­sign­er oder Inhab­er ein­er PR-Agen­tur ist, für den wird es eng. Ich möchte drin­gend noch Gen­der­forsch­er, Parteivor­sitzende und Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte auf die rote Liste set­zen, denn auch für solche spätkap­i­tal­is­tis­chen Dekaden­zschmarotzer ist ein­fach nicht genug Buch­weizen­grütze im Gemein­schaftskessel. Arbeit wer­den aber alle find­en, da ist sich Her­rmann sich­er! Win­dräder bauen sich nicht von allein und im Bioland­bau und bei der Wieder­auf­forstung der Wälder gibt es viel zu tun.

Dum­mer­weise ist es mit nicht benötigten Fer­tigkeit­en wie mit ungenutzten Muskeln: die Atro­phie set­zt schnell ein. Zur Aufrechter­hal­tung ein­er Gesellschaft, wie sie Her­rmann vorschwebt, genügt eben der Entwick­lungs­stand ein­er Stammes­ge­sellschaft wie der ger­man­is­chen im Jahre 9, wobei ich mir recht sich­er bin, dass es in der des Jahres 2035 min­destens noch einen Migra­tions­beauf­tragten geben muss, der für einen her­zlichen Emp­fang der römis­chen Legio­nen sorgt. Wie eine solche Gesellschaft jedoch in der Lage sein soll, trotz­dem weit­er Win­dräder aufzustellen und zu betreiben, bleibt ein Rät­sel, denn der Stahl, das Kupfer, das Neodym, der Beton und all die anderen Mate­ri­alien vere­deln sich ja auch nicht von allein und müssten wohl importiert wer­den.

Wobei sich die Frage stellt, was Deutsch­land noch exportieren kann, um die Importe zu bezahlen, wenn es sich erst von der Indus­trie ver­ab­schiedet hat. Vielle­icht Holz? Da wäre aber Gre­ta sauer, denn die kundig­ste Forstfach­wirtin vor dem Her­rn weiß ganz sich­er, dass man davon die Fin­ger lassen muss, weil man Wälder nicht auf­forsten kann. Was allerd­ings, wenn es nicht kom­plet­ter Kokolores wäre, die Beschäf­ti­gungspläne von Ulrike Her­rmann gle­ich mit tor­pedieren würde und uns so der Vorstel­lung beraubte, Kevin Küh­n­ert und Ricar­da Lang bei der Ver­rich­tung von Forstar­beit­en (ohne Zuhil­fe­nahme von schw­erem und CO2-lastigem Gerät) zu sehen. Wom­öglich ist die Sache doch kom­plex­er, als Gre­ta und TAZ-Jor­nal­istin­nen sie sich vorstellen kön­nen.

Der Sinn des Kapitalismus

Kap­i­tal­is­mus, und das wussten wir bish­er nicht, dient laut Her­rmann nicht der Befriedi­gung von Bedürfnis­sen, son­dern allein der Aufrechter­hal­tung des Sys­tems Kap­i­tal­is­mus, wom­it aus dem „Henne-Ei“-Problem ein „Ei-Ei“ wurde. Jedoch ist nicht Wis­senschaft, son­dern Ide­olo­gie im Spiel, wenn man zur Def­i­n­i­tion eines Begriffes oder des Inhaltes des­sel­ben den Begriff selb­st her­anziehen muss. Das kann nicht gut gehen, wie man ger­ade erst in der Doku­men­ta­tion „What Is A Woman“ von Matt Walsh ein­drucksvoll sehen kon­nte. Bricht man die Aus­sagen Her­rmanns zum Sinn des Kap­i­tal­is­mus auf den logis­chen, abstrak­ten Kern herunter und wen­det ihn auf zum Beispiel sie selb­st an, dient eine Ulrike Her­rmann let­ztlich auch zu nichts anderem, als zur Exis­ten­zsicherung von Frau Her­rmann und ein Wach­s­tum ist auch da beim besten Willen nicht zu erken­nen. Doch bei­de funk­tion­ieren, Ulrike Her­rmann genau­so wie der Kap­i­tal­is­mus: Her­rmann bekommt beim TAZ-Artikel schreiben Hunger und der Kap­i­tal­is­mus macht sie satt.

Knapp und teuer

Für alle Zeit, so weiß Her­rmann – und ich stimme ihr da in weit­en Teilen zu – ist die Energie aus den soge­nan­nten Erneuer­baren knapp und teuer. Doch wie Habeck denkt sie nicht ein­mal daran, auf der Ange­bots­seite etwas zu unternehmen, son­dern stre­icht rig­oros die Nach­frage. Es reiche eben nicht fürs Flugzeug, und nicht für Banken oder Lebensver­sicherun­gen und auch nicht fürs E–Auto im Indi­vid­u­alverkehr, dass ohne­hin eine Sack­gasse ist. Man könne ja Bus fahren. Doch wer baut die Straßen, hält die Brück­en instand und baut die Busse? Die Infra­struk­tur des Arminius im Teu­to­burg­er Wald mag ja kosten­los gewe­sen sein, die eines exk­lu­siv täti­gen ÖPNV ist es lei­der nicht.

Also doch ein Fitzelchen Indus­trie, um die Busse zu bauen? Ein wenig Met­al­lurgie, um die Motoren und das Blech für die Karosserie fer­ti­gen zu kön­nen? Ein wenig chemis­che Indus­trie vielle­icht, für den Kor­ro­sion­ss­chutz? Man stellt sich unwillkür­lich die Frage, ob die Strecke wirk­lich gut genug bemessen wer­den kann, die Her­rmann in ihrer Rede von „da oben“ nach „da unten“ gestisch darstellte. Und wer genau ist so schlau, die vie­len Mil­lio­nen nur so mit­telschlauen Par­tizipan­ten des Kap­i­tal­is­mus durch eine staatlich verord­nete Super­in­tel­li­genz zu erset­zen? Wer darf über­leben, wer muss unterge­hen? Eine staatliche Triage buch­stäblich über Leben und Tod wäre die Folge, aber vielle­icht kann man diese Fol­gen ja wieder den Ungeimpften in die Schuhe schieben.

Eine Eigen­schaft des Kap­i­tal­is­mus, wenn er sich entsprechend ent­fal­ten kann, ist es aber ger­ade, Ressourcen bess­er und effek­tiv­er verteilen zu kön­nen, als alle Pla­nungskom­mis­sio­nen aller sozial­is­tis­chen Man­gel­wirtschaften aller Zeit­en zusam­men. Her­rmann unter­schlägt bei ihrer Bewe­is­führung, dass die ver­heeren­den ökonomis­chen Auswirkun­gen, beispiel­sweise der Covid-Lock­downs, von den Staat­en aus­gin­gen und nicht von der kap­i­tal­is­tis­chen Weltwirtschaft. Auch Kriege, die andere Geißel unser­er Epoche, wer­den von Staat­en vom Zaun gebrochen – nicht vom Kap­i­tal­is­mus – und mit aller­größter Ressourcenver­schwen­dung geführt.

Kriegswirtschaft

Wom­it wir bei der ger­adezu aben­teuer­lichen Schlussfol­gerung Her­rmanns wären, wie der Umbau des Kap­i­tal­is­mus in Deutsch­land in einen CO2-neu­ralen Pony­hof von­stat­ten gehen soll. Als Vor­bild führt die TAZ-Jour­nal­istin aus­gerech­net die britis­che Kriegswirtschaft an, die unter Churchill eine staatlich verord­nete, aber noch in Teilen pri­vatwirtschaftliche war und mit staatlichen Zuteilun­gen bis weit nach dem Krieg, bis ins Jahr 1954 arbeit­ete. Was die Pop­u­lar­ität der Maß­nah­men ange­ht, gehen die Mei­n­un­gen weit auseinan­der. Jedoch gibt es einige entschei­den­den Unter­schiede zu dem Spar­ta, dass Ulrike Her­rmann in Deutsch­land zu erricht­en wün­scht.

  • Zunächst war die Ein­führung der Kriegswirtschaft eine unmit­tel­bare Folge der Bedro­hung durch das Hitler­regime. Die Gefahr war real und bestand nicht aus ein­er Rei­he windi­ger Prog­nosen, dass die Sahne auf den Erd­beeren in Wim­ble­don im Jahr 2000 um 2° wärmer sein könne.
  • Außer­dem han­delte es sich schon mit Blick auf die Hoff­nung, diesen Krieg am Ende zu gewin­nen, um eine aus­drück­lich tem­poräre Maß­nahme.
  • Grund­sät­zlich bedeutete der Umbau eine mas­sive Ausweitung der Indus­triepro­duk­tion, nicht deren Ein­stel­lung. Wozu übri­gens jede Menge bil­liger Energie (in Form von ein­heimis­ch­er Kohle und per­sis­chem Erdöl) benötigt wurde. Alles andere also als eine anämis­che Man­gel­wirtschaft mit Win­drädern, wie sie Her­rmann und vie­len Grü­nen vorschwebt.
  • Zu guter Let­zt schaue man sich an, wo die Siegerma­cht Großbri­tan­nien am Ende der Zuteilungswirtschaft ver­glichen mit dem besiegten und geteil­ten Deutsch­land (nun ja, dem west­lichen Teil zumin­d­est) stand. Die Kriegswirtschaft hat sich als völ­lig untauglich in Frieden­szeit­en erwiesen.

Was Her­rmann fordert, ist zwar auch eine Ever­est-Bestei­gung im Aus­maß eines Weltkrieges, der Berg­steiger soll sich aber vorher die Pul­sadern auf­schnei­den, um Gewicht für den Auf­stieg einzus­paren. Man muss kein Wirtschaftswis­senschaftler oder Medi­zin­er sein, um zu ahnen, dass das nicht funk­tion­ieren kann.

Als viel bessere Analo­gie, auch was den Aus­gang des Exper­i­ments anbe­langt, eignet sich die Franzö­sis­che Rev­o­lu­tion, beson­ders in den Jahren 1793 und 1794. Auch hier zeigte sich bei den schlimm­sten Eifer­ern dieser Rousseau’sche Zwang, sich vom Zivil­isierten (vul­go Verderbten) zu ver­ab­schieden und nach einem uni­versellen Natur­recht zu leben, in welchem es für den gesin­nungs­festen Fran­zosen eigentlich nur zwei geeignete Werkzeuge gab: den Pflug oder die Waffe. Ähn­lich wie die grüne Rev­o­lu­tion heute startete auch die franzö­sis­che als eine bürg­er­liche, die jedoch immer schneller von der Gle­ich­heit der Chan­cen zu Gle­ich­heit der Ver­mö­gen abglitt. Immer mehr staatliche Ein­griffe und Gän­geleien fol­gten und schlechte Erlasse wur­den durch noch schlechtere erset­zt. Nach der Ein­führung von Höch­st­preisen und Höch­stlöh­nen brach die Wirtschaft am Ende fast voll­ständig zusam­men, weil der allmächtige Wohlfahrt­sauss­chuss schließlich so viele Zügel in der Hand hat­te, dass die zu lenk­enden Pferde nicht mehr wussten, ob sie vor­wärts oder rück­wärts gehen soll­ten und zudem völ­lig verängstigt und unselb­st­ständig waren. Wollen wir hof­fen, dass es bei unseren Grün­roten nie­man­den gibt, der es ver­mag, uns in der Rolle eines Robe­spierre über diese Brücke zu jagen.

Die so kalten wie ehrlichen Worte von Ulrike Her­rmann kom­men vielle­icht ger­ade noch rechtzeit­ig, um den Weg in die Dunkel­heit in ein gespen­stis­ches Licht zu tauchen. Denn wenn auch nicht alle Kli­maret­ter sich bewusst sind, dass es so etwas wie grünes Wach­s­tum oder auch nur eine bezahlbare Energiev­er­sorgung durch Sonne und Wind nicht gibt, so wür­den doch die meis­ten von ihnen den Weg abwärts auch dann gehen, wenn sie wüssten, was am unteren Ende der Reise auf sie wartet. Man hofft, selb­st nicht über die Klinge sprin­gen zu müssen, weil man die Rev­o­lu­tion doch stets rück­halt­los bejubelt hat. Eine Ricar­da Lang, ein Kevin Küh­n­ert oder auch Ulrike Her­rmann wer­den nie als Biobauern und Forstar­beit­er im Herrmann’schen Ökosozial­is­mus fro­nen. Sie hof­fen auf einen Posten bei der Bedi­enung der Guil­lo­tine.

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30 Kommentare

  1. @Roland Mock
    Ich lese ger­ade ein paar Kom­mentare unter der Indu­bio-Folge. Da gibt es Leute, die meinen, unsere hellen Politköpfchen seien fremdges­teuert und die bet­teln darum, Men­schen mit ihren Ansicht­en öfter bei Plat­tfor­men wie der Achse zu Wort kom­men zu lassen. Wären die ARD-Leute nicht so hohl, kön­nte sie die Oper­a­tion “Ver­nich­tungss­chlag durch reden Lassen” starten.

    Ich hab wahrlich schon oft die AfD vertei­digt. Sie ist mir auch nicht zu rechts, son­dern zu links, voll mit alten SED-Leuten, wie Sie auch fest­stellen. Aber in Deutsch­land sind selb­st bein­harte Kom­mu­nis­ten zu rechts. Der Amerikan­er, so weiß der Deutsche, sieht ja schon den Sozial­is­mus, wenn alle Her­aus­forderun­gen mit Umverteilungsideen beant­wortet wer­den, was offen­bar (trotz der jün­geren Erfahrung mit dem demokratis­chen Sozial­is­mus in Venezuela) falsch sei.

    Und die ganze Ukraine-Sache treibt mich auch die Wände hoch. Es gin­ge uns nichts an, wenn eine Armee sich in unsere Rich­tung bewegt. Die Polen sind übri­gens Umfra­gen zufolge schon deut­lich weniger wil­lens als die Ukrain­er, ihre Heimat zu vertei­di­gen. In Deutsch­land wäre es nur noch jed­er Fün­fte. Aber wenn der Höcke und der Gauland erst mal die Hymne sin­gen …
    Ich weiß nicht, was den Leuten durch die Birne geht! Selb­st nach­dem offen­sichtlich wurde, dass die Tur­bine in Mül­heim abso­lut keine Rolle spielte, räumt man nichts ein!

    Würde der gesamte West­en den Ukrain­ern den Dolch in den Rück­en steck­en und Putin seinen Enthaup­tungss­chlag in Kiew durchziehen, hät­ten die Russen prompt einen Ver­sorgungsko­r­ri­dor, um den man in den näch­sten Jahren sein Mil­itär wieder auf­bauen kön­nte, um sich weit­er zu graben. Aber für die ganzen Alt-SEDler, bedeutet das ja eh nur eine Befreiung vom frei erfun­de­nen amerikanis­chen Joch. Und Leute, die sich über “Kartof­fel” und “Köter­rasse” aufre­gen, als wäre es eine Mohammed­kar­rikatur, gehen mir mit ihrer haus­fräulichen Lob­bet­telei auch auf den Keks. Ich kann in diesem Volk, kaum noch vernün­ftig und logisch mit irgend­je­man­dem reden, geschweige denn irgend­was mir auf­bauen. Wie soll sich denn meinen “Stolz auf das Land” wieder auf­bauen und erhal­ten?

    Und dann ist es vor ein­er mas­siv­en Krise auch grotesk hohl, sich ekel­haft gegenüber den Ukrain­ern zu äußern. Wir brauchen bald jede aus­ländis­che Hil­fe, die wir kriegen kön­nen, und schreien “Ist mir doch egal, was anderen passiert!”

  2. …die Ide­alvorstel­lung ein­er “grü­nen” Gesellschaft ist schlicht und ergreifend Nord­ko­rea.
    Dort ist alles ds Real­ität was sich besagte “Wel­tret­ter” so wün­schen.
    …ach ja der let­zte macht bitte das Licht aus, sollte ger­ade Strom da sein…

  3. @Aristobulus
    Viel Glück mit dem Schreiben! Ich hab von Kun­st abso­lut keine Ahnung. Ich krieg nur mit, wie schwierig die Ver­lags­land­schaft in Deutsch­land ist (Pir­inc­ci, Moni­ka Maron, Uwe Tel­lkamp …). Vielle­icht ist es leichter, den Stoff in The­ater­stück­form zu gießen. Man behält ja die Rechte bis zu dem Zeit­punk, an dem etwas kom­merziell wird und kann es bis dahin unter Schülerthe­ater­grup­pen und Laien­schaus­piel­ern zirkulieren lässt. Wenn ich Joan Rivers richtig ver­standen habe, sind die drei wichtig­sten Zutat­en des kün­st­lerischen Erfol­gs: gese­hen wer­den, gese­hen wer­den und gese­hen wer­den. Auf der anderen Seite sprechen Sie so viele Sprachen, dass Sie auf deutsche Ver­lage nicht angewiesen sind. Das macht dann aber sehr viel Zusatzarbeit. Und die Schweiz ist auch klein. Ach, egal, ich hab keine Ahnung und sie find­en Ihren Weg.

  4. Lieber Roger, erst kam mein Kom­men­tar gar nicht durch, dann zweimal je dop­pelt. Kön­nten Sie vielle­icht drei Vier­tel weg­nehmen? Bei der Gele­gen­heit: Wäre gar nicht so verkehrt, wenn man einen Kom­men­tar, wie bei der NZZ, noch ein paar Minuten selb­st redigieren kön­nte (Schreibfehler beseit­i­gen und so). Danke und angenehmen Tag R.M.

    • Ja, das ist etwas tricky mit den Kom­mentaren, weil ich die — auf­grund schlechter Erfahrun­gen — stets und aus­nahm­s­los manuell freis­chalte. Die sind vorher also nicht im Sys­tem und man kann sie deshalb auch nicht noch kor­rigieren. Das Freigeben geht mal schneller und mal langsamer, je nach dem, ob ich ger­ade online bin oder vielle­icht auch mal was anderes zu tun habe. Lei­der muss ich das so machen, weil ich son­st über­all lesen müsste, was für ein abgrundtief bös­er oder erbärm­lich­er Wicht ich sei und was mit mir zu geschehen habe. Das Sys­tem hat also Nachteile.
      Vorteil: so ist jed­er Kom­men­tar gewis­ser­maßen ein unge­filtert­er Zwis­chen­ruf, der wie in der BT-Debat­te peni­bel doku­men­tiert wird. Ich fil­tere ja nur das Ord­nungsrufwürdi­ge her­aus. Und Rechtschreibfehler mache ich selb­st so viele, dass man bei mir in guter Gesellschaft ist. 😉

      • Hi, Roger. Wäre es nicht lohnend, mal diese Kom­mentare die Dich so dif­famieren mal in einem Artikel zu zitieren?, schon um fes­zustellen warum und inwiefern Linksver­siffte mit ander­er Schat­tierung dif­famieren als Rechtsver­siffte das tun, und um mal festzustellen wie diese Schat­tierung eigentlich aussieht.

        Inter­es­sant wärs auch festzustellen ob da wom­öglich über­pro­por­tion­al viele anscheinend rechtsver­siffte Kom­mentare vor­liegen — oder ob Linksver­siffte nicht ein­fach naziver­siffte Kom­mentare als Rol­len­prosa recht gern da hin­tun wo es ihnen nicht passt; schon um zu insinuieren dass draußen über­all Nazis seien.

        Viele Grüße!

  5. “Sie hof­fen auf einen Posten bei der Bedi­enung der Guil­lo­tine.”
    Die wichtig­ste Aussage.Man muß Fr.Herrmann sehr dankbar sein für ihre klaren Aus­sagen.

  6. und wer fährt die Busse mit zwei Per­so­n­en an Bord stündlich in jedes Hin­ter­tupfin­gen-Nor­dostaus­bau?
    das muss man sich auch leis­ten wollen

    • Nee nee, an Kom­fort ist in der Her­rmann-Welt nicht zu denken. Es gibt zwei Busse: einen, der die Leute zur Arbeit ein­sam­melt und einen, der sie nach der Parteiver­samm­lung und den täglichen drei Minuten Hass auf den Kli­mawan­del wieder in ihre Wohn­si­los fährt.

      • tschuldigung … ich hoffe, ich kriege jet­zt keine Abzüge beim Social Cred­it Sys­tem, wie kann ich mir erdreis­ten zu glauben, dass ich mehr Busse kriege
        (hat­te meine Kind­heit in einem öster­re­ichis­chen Bun­des­land im Kopf, wo es am Woch­enende in manchen Orten einen Bus in der Früh am Sam­stag und einen am Abend am Son­ntag gab …)

  7. Ich kann’s lei­der nicht anders sagen: Diese dumme Frau, die sich für wahnsin­nig intel­li­gent hält, merkt gar­nicht, dass sie die Geis­ter­fahrerin ist. Es gelingt ihr auch das Wort AKW nicht ein­mal in den Mund zu nehmen. Während die ganze Welt auf Kernkraft set­zt um Emis­sions-frei und sich­er (ja sich­er!) den Wohl­stand der zweit­en und drit­ten Welt zu ermöglichen, fab­u­liert sie vom Glück der Beschränkung. Und selb­st wenn ihr das ganze deutsche Volk auf den Leim gehen würde, der Rest der Welt wird es nicht tun! Wir hat­ten schon mit Luther eine Per­son, die im sel­ben Umfang irrte. Sein Irrtum führte a) zur Sta­bil­isierung des Katholizis­mus und b) zur Ver­nich­tung der Deutschen Völk­er bis auf einen trau­ri­gen Rest. Wann hört dieses Volk auf sich für klüger als andere Völk­er zu hal­ten? Wann wer­den Leute wie Her­rmann aus­gep­fif­f­en statt beklatscht?

    • Sie haben völig Recht; bloß der Satz über deutsche Volksver­nich­tung ist ja großer Unfug.

      P.S. Ein Volk kann ’sich’ übri­gens für gar nichts hal­ten, nicht mal für was Besseres. Nur Einzel­nen kön­nen das, indem sie dann aufs Volk oder auf die Schwu­len­gruppe oder auf den Beruf­s­stand der Klemp­n­er pro­jizieren wie die zu sein hät­ten, ah und dass die ver­nichtet wür­den naturgemäß.

  8. Erken­nt da irgendw­er noch Unter­schiede zwis­chen Frau Her­mann et al und den roten Khmer?
    Außer, das man Frau Her­rmann und Kon­sorten vielle­icht noch rechtzeit­ig vor dem Massen­ster­ben unschädlich machen kann?

    • Und muss. Kann und muss. Man kann zu allem wahnsin­nig viel Kluges und Wichtiges sagen und schreiben, aber langsam geht uns die Zeit aus. Die Frau gehört offen­bar zu den pro-kap­i­tal­is­tis­chen Grü­nen. Eben­so wie die anti-kap­i­tal­is­tis­chen Grü­nen wis­sen auch die pro-kap­i­tal­is­tis­chen Grü­nen nicht, um was es geht, aber nach dem Wurf der Münze haben die Göt­ter entsch­ieden, dass sie “pro” statt “kon­tra” sind.

      Eigentlich ist hier die Gemen­ge­lage viel kom­plex­er als in der angel­säch­sis­chen Welt mit ihrem Woke-Gedöns. Wir haben Woke+. Das Plus ste­ht für end­lose Lebenslü­gen­ket­ten ver­schieden­er Milieus. Frau Her­rmann berech­net “ver­brauchte Plan­eten”.

      In Deutsch­land fehlt das kor­rigierende Ele­ment. Wir haben keine Fehlerkul­tur. Wir haben par­al­lele Kulte. Und davon haben wir noch deut­lich mehr als die Amerikan­er oder die Briten, die es sich leis­ten kön­nen, jet­zt ewig über den Jed­er-ist-ein-Nazi-Zirkus zu schwätzen. Es gibt in Deutsch­land den absur­den Anspruch, “andere Mei­n­un­gen gel­ten zu lassen.”

      Etwas ist richtig oder falsch und gegebe­nen­falls weiß man das noch nicht, aber ob etwas gilt oder nicht gilt, ist eigentlich keine Frage des Zulassens. Man kor­rigiert und lässt sich kor­rigieren. In Unken­nt­nis lässt man etwas ste­hen, aber eben aus Unken­nt­nis, und nicht, weil man es für eine Tugend hält, selb­st­gerechte Lebenslü­gen unwider­sprochen zu hal­ten.

      Also wie kriegt man das weg? Wenn in der kalten Jahreshälfte im Dunkeln protestiert wird und der heiße Früh­ling auf den heißen Win­ter fol­gt, bleibt auch unklar, für oder gegen was man da auf die Straße geht. Ich bin mir nicht sich­er, ob wir alle das­selbe wollen. Und eine Wahlrecht­sre­form, damit wir mal die Prob­leme entkop­peln und die jew­eils Kom­pe­ten­testen an die Schalthebel kriegen, wird auch nicht disku­tiert.

      Teile der AfD sind auch sek­ten­haft gewor­den. Ständig lese ich in den Kom­mentaren, dass man sich in den Blogs “Achgut” und “Tichy” nicht genug gefeiert sieht. Medi­en sind aber nicht Cheer­leader der einen oder anderen Gruppe. Keine Gruppe kann bei allem alles richtig machen. Auch die AfD sollte sich über­legen, ob es nicht wichtiger wäre, gute Einzelper­so­n­en in Par­la­mentssitze und Min­is­te­ri­al­funk­tio­nen zu brin­gen als jet­zt ewig darauf zu hof­fen, die Partei als Ganzes über­all gle­ichzeit­ig unterzubrin­gen. Wenn der thüringis­che Bil­dungsmin­is­ter direkt und parteiun­ab­hängig wählbar wäre, hätte ich kein Prob­lem damit, Björn Höcke zu wählen. Ich will ihn aber nicht ein­fach für “irgend­was” wählen müssen. Mir wäre ein Thi­lo Sar­razin als Bun­des­bankpräsi­dent lieber oder ein Bernd Lucke als Ver­wal­ter von EU-Ret­tungss­chirm-Verpflich­tun­gen (Nik­ki Haleys UN-Diplo­mat­en-Min­is­teri­um wurde auch für sie und die Sit­u­a­tion neu geschaf­fen.).

      Jede kleine Kri­tik oder Mei­n­ungsab­we­ichung wird mit­tler­weile als Feind­schaft fehlin­ter­pretiert. Damit kopiert man im Umfeld der AfD den Haupt­fehler der Linken. Einen anderen Trend, den ich sehe — und ich scheue hier vor Namen­snen­nung zurück — ist, dass auch im AfD-Umfeld Stand­punk­te nach Milieu-Applaus gewichtet ans Mikro­fon getra­gen wer­den und nicht, weil der Sprech­er sie selb­st ver­ste­ht und auch im offe­nen Gespräch vertreten kön­nte. Damit hält man die Partei zusam­men. Weil das offene Gespräch ohne­hin von den Linken abgelehnt wird, fliegt der Integritätsver­lust auch nicht auf. Die Folge wird aber auf Dauer eine analoge Ver­dum­mung nach dem Vor­bild link­er Parteien sein. Wenn das Parteienge­füge nicht ins­ge­samt aufge­brochen wird, sehe ich keinen Pfad zur Besserung.

      Friedrich “Alk­ib­i­ades” Merz hat sich mit Kernkraftausstieg, Winden­ergie und Frauen­quote bei den Grü­nen ange­biedert und ich ver­mute, dass die Erlaucht­en fest mit einem Bürg­erkrieg rech­nen und auch über­haupt keine Lust haben, dem ent­ge­gen­zus­teuern. Man ver­sichert sich jet­zt wech­sel­seit­ig die Sek­ten-Zuge­hörigkeit. Ich ver­mute außer­dem, dass Herr Merz nicht mehr mit ein­er Kan­zler­schaft rech­net. An diesem Punkt geht es ihm wohl um die Feuerkraft von Polizei und Bun­deswehr im Rück­en und nicht um die Frauen­quote oder den anderen abse­hbar kurzweili­gen Manövern an sich. Deeskalieren ist immer nur etwas für andere. Der Schützen­graben um den Reich­stag wird längst gezo­gen.

      An der Stelle sei auch erin­nert, dass es die Aus­drücke “link­er Hard­lin­er” und “Erzlink­er” nicht gibt, weil das Nachgeben immer von genau ein­er Seite erwartet wird. Es gibt auch nie “linke Prag­matik­er”. “Prag­matik­er” sind immer CDU-Leute wir Merkel. Die Linke ken­nt nur Kon­fronta­tion. An sie richt­en sich keine Appelle und das macht mir Angst. Merz hat das ver­standen, sig­nal­isiert seine Beliebigkeit und rei­ht sich ein in der Pha­lanx. Der Feind ist eben der Bürg­er.

      • Ach, ich hab eben noch ein biss­chen reinge­horscht. Ja, sie ist pro-kap­i­tal­is­tisch, denn es soll ja nicht in die Steinzeit zurück­ge­hen und nur der Kap­i­tal­is­mus hätte uns ja da her­aus­ge­führt, aber natür­lich ist sie auch anti-kap­i­tal­is­tisch, weil wir wegen dem schrök­lichen Wach­s­tum, aus dem Kap­i­tal­is­mus raus müssen. Wir ver­lassen also den Kap­i­tal­is­mus, wer­den aber nicht leben wie ohne den Kap­i­tal­is­mus. Und das ist alles nur dann wider­sprüch­lich, wenn es einen schert. Ist einem vol­lkom­men wurscht, was Kap­i­tal­is­mus ist oder nicht ist, dann find­et man ein­fach die Bal­ance aus Kap­i­tal­is­mus-Nicht-Kap­i­tal­is­mus, der KaNiKap. Der KaNiKap ken­nt keine Flugzeuge, außer die von Kli­makon­ferenz zu Kli­makon­ferenz. Bana­nen muss man neu denken. Autos kann man abschaf­fen und wenn die Russen angreifen, rufen wir ein­fach den Frieden aus. Wie viel Geld man allein schon spart, wenn man auf Krieg verzichtet, aber das will ja immer kein­er, genau­so iss­es doch, meine Damen und noch mehr Damen. Es muss einem alles ein­fach nur egal genug sein, dann passt das auch. Aber bewusst! Es muss einem mit einem neuen Bewusst­sein bewusst egal sein.

      • Exzel­len­ter Kom­men­tar!, beson­ders Ihre Beobach­tung “ist hier die Gemen­ge­lage viel kom­plex­er als in der angel­säch­sis­chen Welt mit ihrem Woke-Gedöns. Wir haben Woke+. Das Plus ste­ht für end­lose Lebenslü­gen­ket­ten ver­schieden­er Milieus” hat man woan­ders noch nicht gele­sen oder gehört.
        Voll auf den Punkt.

      • Par­don!, nochmal ich :-). Habe soeben Ihren exzel­len­ten Begriff “Woke+” geklaut mit Ver­laub; ver­wende ihn in einem Roman den ich grad schreibe.
        Die Pas­sage in dem Roman, die Ihren Begriff ver­wen­det und ein biss­chen aus­führt jet­zt zur späten Nacht, liest sich so:

        “In Deutsch­land kommt diese Lebenslügerei zu dem was sie aus dem wok­en Selb­sthass der Sprachregelun­gen in Ameri­ka kopieren. The-Crit­i­cal-Race-The­o­ry und die ganze Gen­der-The­o­ry in Ameri­ka drehen eine Pirou­ette nach der anderen vorm Woke-Sein und dem heili­gen Spiegel­bild des virtue-sig­nalling; wer da nicht woke ist oder sich nicht mit rosa Ein­hörn­ern spiegelt gilt als Nazi.
        Jedoch hier, ja in Deutsch­land wo man verzweifelt ist über Besser­wiss­er weil Deutsche nun mal alles noch viel-viel bess­er besser­wis­sen!, haben wir Woke+. Das Plus ste­ht für end­los einan­der steigernde Ket­ten aus Lebenslü­gen der Juste-Milieus in Unis, in der Poli­tik, und in den Medi­en so wie im Staats­fernse­hen das woke Lebenslü­gen und Selb­sthass ganz toll und voll gru­vi find­et.
        So wie auf der schein­bar anderen Seite der bedeu­tend daherquas­sel­nde Herr Koslows­ki oder Klonovs­ki oder wie er heißt, und wie Björn Höcke die bei­de auf bräun­lich lebenslügner­ische Weise Woke+ sind weil da die Volks-Iden­tität ver­nichtet und das Deutsch­tum unver­di­en­ter­maßen ange­spuckt werde; ja das gibts auch!, ist bloß ver­gle­ich­sweise sel­ten. Paar Tausend von denen gibts vielle­icht grad noch wenn man sie mit der Lupe sucht; jedoch kein­er von denen sitzt irgend­wo am poli­tis­chen Hebel oder indok­triniert Kinder­gartenkinder Schüler Stu­den­ten Staats­fernseh­pub­likum. Das erledi­gen schon jene Mil­lio­nen aus dem Uni-Medi­en-Poli­tik-Juste-Milieu.
        So gehen sie zugrunde.”

      • Span­nend was Sie über die AfD schreiben. Mir geht es ähn­lich. Sie leg­en den Fin­ger in die Wunde („Energiewende“, Ein­wan­derungspoli­tik, Coro­na-Wahn usw.) und haben gute Leute. Aber die Partei inge­samt wirkt manch­mal wie eine Sek­te, hat eine gewisse Wagen­burg­men­tal­ität entwick­elt. Bei Kri­tik wird man sofort in das Lager der „Alt­parteien“ gestellt. Und für meinen Geschmack sind auch zuviele direkt von der PDS zur AfD gewech­selt. Was man auch jet­zt wieder in Zeit­en des Krieges merkt: Die Feind­bilder, die — soweit ich es weiß- von AfD-Leuten vertreten wer­den, sind fast iden­tisch mit jenen, die uns in der DDR eingeprügelt wur­den. Wenn ich von „gewis­sen Kreisen der Finan­zoli­garchie“ und „amerikanis­chen Kriegstreibern und ihren Helfer­shelfern“ lese, höre ich meinen nicht­snutzi­gen, natur­doofen, Intri­g­an­ten Staats­bürg­erkun­delehrer palav­ern. Gott sei sein­er verge­bungs­bedürfti­gen Seele gnädig. Schade. Eine AfD, in welch­er Lucke, Meuthen, Wei­del (mit Abstrichen) und Leute wie ihr verkehrspoli­tis­ch­er Sprecher(komme nicht auf seinen Nsmen; ein excel­lentes Mann) das Sagen hät­ten, würde ich wählen. Schon, weil es keine (weit­ere????) bürg­er­liche Partei in Deutsch­land mehr gibt. Span­nend was Sie über die AfD schreiben. Mir geht es ähn­lich. Sie leg­en den Fin­ger in die Wunde („Energiewende“, Ein­wan­derungspoli­tik, Coro­na-Wahn usw.) und haben gute Leute. Aber die Partei inge­samt wirkt manch­mal wie eine Sek­te, hat eine gewisse Wagen­burg­men­tal­ität entwick­elt. Bei Kri­tik wird man sofort in das Lager der „Alt­parteien“ gestellt. Und für meinen Geschmack sind auch zuviele direkt von der PDS zur AfD gewech­selt. Was man auch jet­zt wieder in Zeit­en des Krieges merkt: Die Feind­bilder, die — soweit ich es weiß- von AfD-Leuten vertreten wer­den, sind fast iden­tisch mit jenen, die uns in der DDR eingeprügelt wur­den. Wenn ich von „gewis­sen Kreisen der Finan­zoli­garchie“ und „amerikanis­chen Kriegstreibern und ihren Helfer­shelfern“ lese, höre ich meinen nicht­snutzi­gen, natur­doofen, Intri­g­an­ten Staats­bürg­erkun­delehrer palav­ern. Gott sei sein­er verge­bungs­bedürfti­gen Seele gnädig. Schade. Eine AfD, in welch­er Lucke, Meuthen, Wei­del (mit Abstrichen) und Leute wie ihr verkehrspoli­tis­ch­er Sprecher(komme nicht auf seinen Nsmen; ein excel­lentes Mann) das Sagen hät­ten, würde ich wählen. Schon, weil es keine (weit­ere?) bürg­er­liche Partei in Deutsch­land mehr gibt.

  9. Und kein­er von diesen Vögeln (und Vögelin­nen?) hat auf dem Schirm, dass wir in 8–10 Jahren einen zusam­men­brechen­den Sozial­staat bekom­men wer­den. Hier sind sie übri­gens in bester Gesellschaft mit den meis­ten Poli­tik­ern, die hier­auf auch kein­er­lei Gedanken ver­schwen­den. Dann kön­nen die auf dem Bio­hof Unkrautzupfend­en sehen, wie sie die alten Men­schen ernährt bekom­men.

    • in 8 Jahren habt ihr (oder auch wir — eh das gle­iche Prob­lem hier, bin Ösi) schon genug Black­outs gehabt, dass die Mehrheit nicht mal mehr weiß, wie man Sozial­staat buch­sta­biert — will sagen, dass es so lange eh nicht mehr dauert

  10. Frau Her­rmann hat eine Ide­olo­gie, (wie jede Ide­olo­gie: eine beengte) und alles was da nicht rein­passt, wird unter­schla­gen (tre­f­fliche kleine Beispiele hat Herr Letsch ja gegeben: “Michelan­ge­lo, Gut­ten­berg oder Bach ”).
    Dann passt’s.
    Jeden­falls in die taz.

  11. Das dumm-erweck­te Gequas­sel der Frau Her­rmann erin­nert äuußerst an alles was die protes­tantis­che “Erweck­ungs­be­we­gung” im 19. Jahrhun­dert so über die Verderbtheit allen men­schlichen Strebens und über die Rückbesin­nung auf ein fru­gales Leben nach Vorväter Sitte geäußert hat. Auch da ging es fortwährend darum dass jed­er der in der Welt und nicht in der Reli­gion lebe dem Satan ver­fall­en sei, und dass einzig die Erlö­sung durch Gnade den Men­schen von der Uner­lös­theit des Strebens ret­ten könne; nein müsse.
    Gequas­sel das bloß Gequas­sel blieb weil die “Erweck­ungs­be­we­gung” kein­er­lei reale Macht besaß im 19. Jahrhun­dert.
    Im 21. Jahrhun­dert ist das wahrlich anders!, da sitzen genau diese erweck­ten Nasen an den Schalthe­beln von Regierun­gen, ver­fü­gen über Mil­liar­den­bud­gets (die sie freilich nicht selb­st erwirtschaftet haben, der­lei Pro­fanes tun die Erweck­ten nie) und beschallen den ganzen Plan­eten. Da kann man sich die Ohren zuhal­ten so fest man will; die klauen Strom und drehen die Laut­sprech­er auf 11.

  12. …eine klitzek­leine Kor­rek­tur dazu: im Absatz ‘Kriegswirtschaft’ schreiben Sie “…Als Vor­bild führt die TAZ-Jour­nal­istin…” bei der TAZ arbeit­en keine Jour­nal­is­ten, …was das ganze “Durcheinan­der” der Her­rmann wohl dann aus­re­ichend umfan­gre­ich erk­lärt …das ist so ähn­lich wie diese ÖR-Ver­laut­barungs-Sprech­puppe mit dem Refrain “…Kinder sind schlecht für das Kli­ma”

  13. Eine exzel­lente Analyse der von den Grü­nen und ihren Unter­stützern verur­sacht­en Mis­ere! Grat­u­la­tion dazu, das ist doch min­destens einen Grimme Preis wert!

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