Karl-Marx-Statue in ChemnitzIm Jahr des 200. Geburt­stages von Karl Marx wer­den wohl noch so einige Hym­nen auf ihn gesun­gen und müssen wir wohl noch so manche Lobrede über uns erge­hen lassen. Seine Geburtsstadt Tri­er stellt sog­ar eine fün­fein­halb Meter große Marx-Stat­ue auf ­­– ein Geschenk Chi­nas – da kommt Freude auf gegenüber der Por­ta Nigra. Es mutet beina­he wie ein Wun­der an, dass die Chem­nitzer ihre Stadt nicht wieder in Karl-Marx-Stadt umbe­nen­nen wollen. Aber die haben wohl aus der Geschichte gel­ernt, anders als eifrige Kolum­nis­ten wie Hen­rik Müller vom Spiegel, der einen recht selt­samen Artikel mit der Über­schrift „Der Kap­i­tal­is­mus geht zugrunde“ geschrieben hat. Nun ist Hen­rik Müller nicht irgendw­er, son­dern Pro­fes­sor für wirtschaft­spoli­tis­chen Jour­nal­is­mus an der Tech­nis­chen Uni­ver­sität Dort­mund und pro­moviert­er Volk­swirt, ökonomis­che Geset­zmäßigkeit­en soll­ten somit etwas sein, was er nicht nur vom Hören­sagen ken­nt. Seine ein­lei­t­en­den Worte sind klug gewählt:

„Was kann uns Marx heute noch sagen? Ich meine, vor allem dies: Dass es sich lohnt, mit offe­nen Augen durch die Welt zu gehen, um die großen Umbrüche der Gegen­wart frühzeit­ig zu erkennen.“

Auf diesen Satz möchte ich später noch ein­mal zurück­kom­men. Über­fliegen wir aber zunächst Müllers Ein­las­sun­gen zur ökonomis­chen Einord­nung des Marx‘schen Werkes, die alle­samt nicht zu tadeln sind. Auch die Frage, ob Marx „In“ oder „Out“ ist, kann man nicht pauschal beant­worten, weil er ein­er­seits als Ikone von hirn­losen Antifan­ten auf T‑Shirts und „Her­aus zum 1. Mai“-Plakaten vergöt­tert wird, wie er ander­er­seits als Kro­nzeuge und Ini­tia­tor für jedes noch so krude und gescheit­erte sozial­is­tis­che Exper­i­ment her­hal­ten muss. Doch zu seinem Glück war Marx eben ein The­o­retik­er, der die Wirkung sein­er Worte nie in den „Mühen der Ebene“ erproben musste. Man kann ihn – und darin stimme ich mit Müller übere­in – nur schw­er für den wirtschaftlichen Unver­stand sozial­is­tis­ch­er Traumtänz­er ver­ant­wortlich machen. Es waren Lenin, Stal­in, Mao, Pol Pot, Cas­tro und Genossen, die aus Marx The­o­rien blutige Utopi­en macht­en und es sind Leute wie Kip­ping, Bartsch und Varo­ufakis, die heute noch glauben, da gin­ge noch was. Nur die Tat­sache, dass Marx selb­st, genau wie jene, die ihm in den ver­gan­genen hun­dert Jahren das Hohe­lied san­gen, am Ende stets pleite war, vere­int die „Brüder im Geiste“.

Ab jetzt wird’s irre!

„Und heute?“ fragt Müller nach der Ein­leitung und was er dann vor den Lesern aus­bre­it­et, ist aben­teuer­lich! Er tren­nt die physis­che Pro­duk­tion von Waren, von denen Marx man­gels Inter­net und Net­flix ja noch aus­ge­hen musste, von der heuti­gen, imma­teriellen Welt ab, so als gäl­ten ökonomis­che Geset­ze hier nicht. Ging Marx noch von der Knap­pheit des Kap­i­tals aus, so sei heute Kap­i­tal im klas­sis­chen Sinn nicht mehr knapp, deshalb ist sein Preis – der Zins, die Ren­dite – entsprechend niedrig.“ Das ist ein Sprung! Ob der Autor vergessen hat, dass es zu Marx Zeit­en im indus­triellen Pio­nier­land Eng­land noch eine Edel­met­allgedeck­te Währung gab, was diese Knap­pheit erst her­vor­bringt? Und ist Knap­pheit nicht ein wesentlich­es Merk­mal ein­er Währung, wenn sie auch wer­tauf­be­wahrend wirken soll? Wäre dies anders, hät­ten die Pfund­noten doch auf Heringe statt auf Ster­ling-Sil­ber gelautet, oder? Davon hätte man mehr druck­en kön­nen, was jedoch angesichts der Verderblichkeit dieser Sicher­heit das Bankgeschäft schon im 19. Jahrhun­dert zu ein­er stink­enden Angele­gen­heit gemacht hätte.

Das „Kap­i­tal im klas­sis­chen Sinne“ heute nicht mehr knapp ist, liegt doch wohl daran, dass unser Währungssys­tem in gewaltiger Schieflage ist. Wir soll­ten uns fra­gen, ob wir das wirk­lich dem Kap­i­tal­is­mus in die Schuhe schieben kön­nen, oder ob es sich beim Geld­druck­en, beim Staaten­ret­ten und beim Euro-Fazil­itäten grün­den nicht vielmehr um inter­ven­tion­is­tis­che Ein­griffe der Staat­en selb­st han­delt, von denen ein jed­er stets weit­ere nach sich zieht. Hier hil­ft ein Blick in das Werk eines anderen Ökonomen, Lud­wig von Mis­es, der diese unheil­volle Entwick­lung in seinem Buch „Kri­tik des Inter­ven­tion­is­mus: Unter­suchun­gen zur Wirtschaft­spoli­tik und Wirtschaft­side­olo­gie der Gegen­wart“ schon 1929 vorgeze­ich­net hat­te. Doch weit­er im Text von Hen­rik Müller:

„Nehmen Sie diesen Text. Stünde er in ein­er gedruck­ten Zeitung, hätte er Eigen­schaften wie eine Ware. In dig­i­taler Form aber kön­nen Sie ihn lesen, während andere Leute zur gle­ichen Zeit das­selbe tun; Sie nutzen ihn wed­er exk­lu­siv noch ver­brauchen Sie ihn[…] Der Preis dieses Textes jedoch ist Null; Sie haben keinen Cent dafür bezahlt. Warum? Weil die „Pro­duk­tion“ jed­er weit­eren Ein­heit — jed­er weit­ere Abruf — qua­si keine Kosten verur­sacht. Heutige Ökonomen wür­den sagen: Die Gren­zkosten sind Null.“

Stimmt das Beispiel? Kostet es wirk­lich nichts, den Text zu lesen? Ich muss Strom ver­brauchen und die Spiegel-Serv­er wer­den auch nicht ohne laufen. Der Energie­ver­brauch wird sich auch erhöhen, wenn mehr Leser die Seite im Netz abrufen. Die Gren­zkosten mögen extrem ger­ing sein, Null sind sie gle­ich­wohl nicht und von den Fixkosten wollen wir mal gar nicht erst reden. Doch SPON lebt ja nicht vom Strom verkaufen, son­dern davon, mit dem Artikel Wer­bung einzublenden. Der Leser bezahlt also sehr wohl, nur mit ein­er anderen Währung. Es kön­nte dur­chaus sein, dass er sich des Wertes dieser Währung, sein­er Dat­en und sein­er Aufmerk­samkeit, so langsam auch bewusster wird. Wer hier von ein­er Art Kosten­los­ge­sellschaft der Zukun­ft faselt, möchte nur ver­schleiern, auf welch indi­rek­te Weise man heute Kosten deck­en kann. Kön­nte man sich über Gren­zkosten im dig­i­tal­en Zeital­ter noch tre­f­flich stre­it­en, gleit­en Müllers Schlussfol­gerun­gen für die Wirtschaft der näheren Zukun­ft ins Gruselige ab:

„Eines scheint mir sich­er: Dem Staat wird eine neue und noch promi­nen­tere Rolle zuwach­sen als bisher.“

Die „prominente Rolle“ des Staates

Weil „mehr Staat“ seit Jahren nicht funk­tion­iert, lautet das neue Mot­to nun „noch mehr Staat“. Und das wird heißen, mehr Poli­tik­er, mehr Ver­wal­tung, mehr Reg­ulierung, mehr Geset­ze, mehr Steuern, mehr EU. Ein­fach mal sack­en lassen, was für einem Utopia uns Hen­rik Müller hier entgegenträumt.

„Wenn viele Preise gegen Null sinken, gibt es unter nor­malen Mark­tbe­din­gun­gen kein pri­vatwirtschaftlich­es Ange­bot. Wer investiert schon, wenn sich damit kaum noch Erlöse erzie­len lassen? Möglich, dass der Staat nicht umhinkommt, viele Güter auf Dauer zu sub­ven­tion­ieren — oder Mark­t­struk­turen zu schaf­fen, die den Wet­tbe­werb soweit ein­schränken, dass den­noch Erlöse erziel­bar sind. Das ist heikel.“

Dauer­hafte Sub­ven­tio­nen und Wet­tbe­werb ein­schränken? Das ist nicht „heikel“, das wäre eine Katas­tro­phe! Und was soll das heißen, „Preise gegen Null“? Wenn Preise der­art sinken, ist dies ja wohl logis­cher­weise ein Zeichen von Überange­bot oder einem total­en Zusam­men­bruch eines Mark­tes. Wäre es logisch, die Pro­duk­tion von Disket­ten­laufw­erken staatlich zu sub­ven­tion­ieren, weil die Her­steller über Unverkäu­flichkeit und Preisver­fall kla­gen? Ein Markt, in den nie­mand mehr investieren will, stirbt – und zwar mit Fug und Recht. Hält ihn ein Staat kün­stlich am Leben, stirbt er den­noch – nur etwas später, wenn die Sub­ven­tio­nen nicht mehr fließen. Es kön­nte natür­lich sein, dass Müller hier die Idee mit den Null-Gren­zkosten für seinen Artikel wieder auf­greift, aus denen er ein Sub­ven­tion­s­ge­bot für sein Medi­um ableit­et. Aber nein, unmöglich! Wann hätte es jemals Bestre­bun­gen gegeben, „Sys­tem­rel­e­vante“ Medi­en unter einem staatlichen Gewächshaus zu hal­ten! (Psst, gab’s doch schon: lesen Sie mal hier und hier.)

„Viele Ökonomen ver­muten inzwis­chen, dass der gemessene Fortschritt (die Pro­duk­tiv­ität) auch deshalb lahmt, weil auf vie­len Märk­ten die Inten­sität des Wet­tbe­werbs abn­immt. Wie hält man den Fortschritt unter diesen Bedin­gun­gen am Laufen?“ 

Die Inten­sität des Wet­tbe­werbs nimmt ab, weil Sub­ven­tio­nen langfristig ver­hin­dern, dass sich funk­tion­ierende Märk­te über­haupt bilden kön­nen! Und wie möchte Herr Müller den Fortschritt ans Laufen kriegen? Mit weit­eren Sub­ven­tio­nen und mit noch stärk­er­er staatlich­er Reg­ulierung? Das ist ein Zirkelschluss, der einem Volk­swirt eigentlich pein­lich sein sollte.

„Durch die Dig­i­tal­isierung wird Wis­sen zunehmend unab­hängig vom Men­schen verfüg‑, kopi­er- und ver­bre­it­bar. Woher aber kom­men kün­ftig die Einkom­men, wenn Wis­sen und Kön­nen dank Dig­i­tal­isierung frei ver­füg­bar sind? Um was machen die Leute, die durch den Wan­del zum imma­teriellen Kap­i­tal­is­mus ihren Job verlieren?“

Wenn Wis­sen nicht dazu führt, Urteil­skraft auszu­bilden, ist es wert­los. Die Wikipedia-Seite von Abra­ham Lin­coln find­en zu kön­nen und vorzule­sen ist nicht das­selbe, wie über die Zusam­men­hänge und Akteure des amerikanis­chen Bürg­erkrieges eine mehrstündi­ge Debat­te zu führen. Und „Kön­nen“, lieber Herr Müller, ist nochmal was ganz anderes. Wer behauptet, „Kön­nen“ sei Dank Dig­i­tal­isierung frei ver­füg­bar, macht sich lächer­lich. Und was soll bitte immer dieses ängstliche Gerede vom Job­ver­lust? Noch in den 50er Jahren des let­zten Jahrhun­derts waren ganze Heer­scharen von Schauer­leuten in den Häfen Europas damit befasst, Schiffe von Hand zu ent­laden. Diese Jobs kom­men dank der Con­tain­er­schiff­fahrt nie wieder. Robot­er, einst Gew­erkschaftlers Alb­traum, schaf­fen mehr Arbeit­splätze, als sie über­flüs­sig machen. Warum sollte das in der Dig­i­tal­isierung anders sein? Das neue Märk­te auch neue Berufe her­vor­brin­gen, ist evi­dent. In der IT-Branche arbeit­en 2018 Deutsch­landweit 925.000 Beschäftigte. Die Zahl der Jobs in diesem Sek­tor hat sich in zehn Jahren fast ver­dop­pelt. Der imma­terielle Kap­i­tal­is­mus hat also dur­chaus Vorteile und funk­tion­iert – wenn man ihn in Ruhe lässt.

„Auch Energie dürfte immer bil­liger wer­den. Denn ein immer größer­er Teil der Energiev­er­sorgung basiert auf Sonne und Wind, auf freien Gütern also, die keinen Preis haben, weshalb schon heute der Großhan­del­spreis an der Strom­börse an windi­gen Son­nen­t­a­gen abschmiert.“

Also Herr Müller, jet­zt ent­täuschen Sie mich aber wirk­lich! Denn dass Energie bei uns immer bil­liger wer­den „dürfte“, ist ein Märchen. Dafür sor­gen staatliche Reg­ulierung und das EEG mit dop­pelt aus­geschenk­ten Sub­ven­tio­nen – die einen für den Ökostrom, die anderen für die fos­sile Reserve, falls Sonne und Wind nicht ver­füg­bar sind. Und was den fehlen­den Preis ange­ht, trifft dies nur für den Energi­eträger selb­st zu, nicht für die Anlage, die die Energie ein­sam­melt. Das gilt übri­gens streng genom­men auch für das Kohle­flöz, das eben­falls keine Rech­nung schickt. Der Null­preis an der Börse übri­gens, der sog­ar des Öfteren ein „Minus­preis“ ist, bildet die Kosten ab, die wir beim Ver­schenken von über­flüs­sigem Strom haben, ist also ökonomisch kein Grund zur Freude. Null­preis heißt hier let­ztlich nichts anderes als Nullbe­darf – ein funk­tion­ieren­der Markt erzeugt solche Zustände nicht. Aber vielle­icht soll­ten wir hier den Begriff der Gren­zkosten mal wieder ins Spiel brin­gen, denn wenn kein Bedarf am pro­duzierten Strom beste­ht und wir diesen man­gels Tech­nik auch nicht sin­nvoll spe­ich­ern kön­nen – außer man nutzt die rhetorischen Spe­ich­er von Frau Baer­bock – kom­men die Gren­zkosten schnell wieder runter von ihrer grü­nen Null, weil die Entsorgung des zu viel pro­duzierten Stroms eben teuer wer­den kann. Und während die Sub­ven­tion­s­gepud­erte europäis­che Land­wirtschaft bis 2007 noch stof­fliche „But­ter­berge“ und „Milch­seen“ vor­weisen kon­nte, macht sich der am Markt vor­bei pro­duzierte Öko-Strom nur als Schwarzes Loch in den Kassen sein­er Ver­brauch­er bemerkbar.

Die großen Marx’schen Umbrüche

Doch kom­men wir zu den „großen Umbrüchen“ zurück, die frühzeit­ig zu erken­nen Müllers Cre­do aus der Betra­ch­tung der Bedeu­tung von Marx für die Gegen­wart und Zukun­ft ist. Die Mark­twirtschaft – Marx würde von Kap­i­tal­is­mus sprechen – ist tat­säch­lich in einem bekla­genswerten Zus­tand, ganz beson­ders hier in Deutsch­land. Das fällt nur deshalb nicht all­ge­mein auf, weil sich momen­tan alles auf wun­der­same Weise zugun­sten der deutschen Wirtschaft zu fügen scheint. Doch das ist nur die Ober­fläche, unter der sich eine Menge gigan­tis­ch­er Risiken immer weit­er auf­schaukelt. Der Zus­tand unser­er Währung ist da nur ein Symp­tom. Doch es waren die Staat­en, die entsch­ieden, Banken zu ret­ten und Staats­bankrotte mit Bürgschaften zuzuk­leis­tern. Der Inter­ven­tion der Staat­en ist es geschuldet, dass wir heute in ein­er nie dagewe­se­nen Nul­lzins-Phase fest­steck­en. Unser Finanzmin­is­ter ist es, der sich darüber freuen darf, dass die Ren­dite von deutschen Staat­san­lei­hen mit­tler­weile neg­a­tiv ist und der Gläu­biger dem Schuld­ner noch Geld oben­drauf geben muss. In Wirk­lichkeit gibt es seit Jahrzehn­ten und in vie­len Bere­ichen den Trend, durch staatlichen Inter­ven­tion­is­mus mehr und mehr Wirtschaft­szweige und damit auch die Märk­te unter die Auf­sicht des Staates zu stellen und mit einem bun­ten Strauß an Ver­boten, Förderun­gen, Strafen und Sub­ven­tio­nen nur noch eine Art per­versen Pseu­do-Wet­tbe­werb am Leben zu hal­ten. Die Staat­en und deren han­del­nde Poli­tik­er und Beamte bezahlen diese reg­u­la­torischen Maß­nah­men mit Wech­seln, die sie sich von den Steuerzahlern quer­schreiben lassen. Und das, da bin ich mir ziem­lich sich­er, hätte auch Marx nicht gefall­en. Der war so ehrlich, seine Wech­sel vom Kap­i­tal­is­ten Engels zeich­nen zu lassen.

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26 Kommentare

  1. “Es waren Lenin, Stal­in, Mao, Pol Pot, Cas­tro und Genossen, die aus Marx The­o­rien blutige Utopi­en machten …”

    Gott, wie klein­lich! Beim näch­sten Massen­mord wird alles besser.

  2. Wom­it hat Karl Marx das ver­di­ent, daß sich soviele neolib­erale Rumpel­stilschen, incl. Kom­men­ta­tor so zu ihm ohne jegliche Argu­mente zu ihm äußern dür­fen. Es ist zum Heulen.

    • Nen­nt sich Mei­n­ungs­frei­heit, Herr Müller. Gilt auch für Rumpel­stilzchen wie Sie und mich. Argu­mente wur­den übri­gens genan­nt. Müssen Sie aber nicht zur Ken­nt­nis nehmen. Mei­n­ungs­frei­heit, wie gesagt. 😉

    • “Wom­it hat Karl Marx das ver­di­ent, daß sich soviele neolib­erale Rumpel­stilschen, incl. Kom­men­ta­tor so zu ihm ohne jegliche Argu­mente zu ihm äußern dürfen. ”

      Ich würde mal behaupten, dass die über hun­dert Mil­lio­nen Todes­opfer des Sozial­is­mus dur­chaus als Begrün­dung genü­gen soll­ten, um schlecht über den Vor­denker der Sozial­is­ten zu sprechen. Falls dies nicht genügt, kann man auch noch die viel höhere Zahl von Men­schen anführen, die unter der Imple­men­tierung des Sozial­is­mus im Elend lebten. Auch kön­nte man anführen, dass Marx Argu­men­ta­tion schon in den Prämis­sen falsch war. Es gab niemals eine kom­mu­nis­tis­che Urhorde — das wurde von der Anthro­polo­gie wider­legt — und es schafft auch keinen Mehrw­ert, wenn ich ein Loch aus­bud­dele, Roger es wieder zuschüt­tet, und wir bei­de dafür ent­lohnt wer­den. Let­zteres müsste laut Marx Wirtschaft­s­the­o­rie jedoch der Fall sein. Falls das auch nicht genügt, kann man auch noch das Ad-Hominem-Argu­ment anführen, dass Karl Marx, men­schlich gese­hen, Abschaum war. Er fick­te und schwängerte seine geistig behin­derte Haushäl­terin, der er lebenslang keinen Lohn zahlte. Als diese dann einen Sohn bekam, schmiss er sie raus, und stellte sie erst wieder ein, nach­dem dieser Sohn in einem Waisen­haus für die Unter­schicht abgeschoben war. Sohn und Haushäl­terin wur­den im Tes­ta­ment expliz­it von ein­er Erb­schaft aus­geschlossen. Die Haushäl­terin wurde von Karl Marx in schlim­mer­er Weise aus­ge­beutet, als je ein Tagelöh­n­er von einem Fab­rikar­beit­er aus­ge­beutet wurde. Fab­rikar­beit­er beka­men wenig­stens Lohn. Aber Karl Marx, dieser Heuch­ler, heuchelte die Unter­drück­ten zu vertreten, während er sie aus­beutete, und davon lebte, sich bei Kap­i­tal­is­ten durchzuschnor­ren, um auch ja niemals ein­er ehren­werten Tätigkeit nachzugehen.

      Genügt das alles nicht als Begrün­dung, Karl Marx mit­samt sein­er Lehre für Dreck zu hal­ten, und ebendies auch zu äußern? Wie begrün­den Sie es, dass Sie ander­er Mei­n­ung sind? Wohlfüh­lkom­mu­nis­mus, dem es egal ist, wie viele Men­schen­leben dadurch zer­stört wer­den? Und ich spreche in der Gegen­warts­form, weil ich Sie als Beweis dafür betra­chte, dass Marx­is­mus immer noch nicht tot ist, son­dern er lebt, und das durch ihn verur­sachte Elend noch nicht an seinem Ende ange­langt ist. Lenin und Stal­in kön­nte man ihren Kom­mu­nis­mus noch nach­se­hen, weil dieses Exper­i­ment zu deren Leben­szeit noch nicht aus­pro­biert wor­den ist, und es ja hätte klap­pen kön­nen. Diese Entschuldigung haben Sie nicht. Dafür ists 100 Jahre zu spät. So, nun gehen Sie heulen, und betra­cht­en Sie es bitte als Zeichen mein­er Abscheu, dass ich Sie nicht geduzt habe. Das wäre mir zu viel Ver­traulichkeit gewe­sen, und ich ziehe in diesem Fall möglichst großen Abstand vor.

      • Eine kleine Kor­rek­tur: Tagelöh­n­er wur­den natür­lich von Fab­rikbe­sitzern aus­ge­beutet, als Let­ztere diesen einen Arbeit­splatz gaben, den die Tagelöh­n­er der Alter­na­tive vor­zo­gen. Fab­rikar­beit­er hat­ten damit nichts zu tun.

    • Herr Müller, ich empfehle einen Umzug nach Venezuela. Dort kön­nen Sie Ihr Marx­is­ten­herz völ­lig unbeschw­ert von der Kette lassen, und den Vene­zolan­ern endlich ein­mal zeigen, wie man Sozial­is­mus richtig macht. 🙂

      • Cuba ist auch noch “schön” und jet­zt wo Nord­ko­rea sich “öffnet” ist das auch eine Besuch­sempfehlung. Südafri­ka wird auch von Woche zu Woche “schön­er”.

    • Wert­er Herr Müller, ihre Kri­tik ist typ­isch für jeman­den, der eine Per­son, die er zwar nie per­sön­lich ken­nen­gel­ernt hat, allein auf­grund des über­liefer­ten Nach­lass­es verehrt. (Diese Art der unre­flek­tierten Ado­ra­tion sei ihnen unbenommen.)
      Es ste­ht ihnen aber nicht zu anderen das Recht abzus­prechen, zu ein­er möglicher­weise anderen Mei­n­ung zu kom­men. Marx war auch ein Pri­vat­men­sch, dessen Leben sehr gut recher­chiert ist. Wol­fram Weimar schreibt dazu fol­gen­des: „ denn die Forschung zeigt, dass Marx nicht nur ein Mann mit chro­nis­chen Geld­prob­le­men war, der sich als aggres­siv­er Schmarotzer auf Kosten von Fam­i­lie und Fre­un­den undankbar durchs Leben schlug und selb­st sein­er armen Mut­ter rück­sicht­s­los das let­zte Witwen­geld entriss.“ … „Aus den Briefen und Artikeln geht auch her­vor, dass Marx ein aus­geprägter Anti­semit und Ras­sist war“. Somit ste­ht es jedem frei, die Dok­trin eines Her­rn Karl Marx abzulehnen und zu kritisieren.

    • Zum The­ma empfehle ich auch das Buch (oder Hör­buch) “Marx & Engels intim” von meinem Fre­und Simon Aksti­nat und seinem Brud­er. Gesprochen von Gisy (Engels, passt ja) und Rowohlt (Marx). Rowohlt war ein­er der genial­sten Sprech­er, die es je gab. Seine Stimme allein ist das Hör­buch wert. Die Hör­probe zeigt schon gut, was für ein Men­schen­schlag die bei­den Säu­len­heili­gen des Kom­mu­nis­mus waren, näm­lich eben­solche Ras­sis­ten und Kolo­nial­is­ten wie alle ihre Zeitgenossen.
      Hier gehts zum Hörbuch

  3. Grund­sät­zlich gilt: egal, welch­es sys­tem, wenn es kum­mul­ta­tio­nen von reich­tum und Macht zulässt, dann führt dies mit­tel und langfristig immer! ins chaos!
    unsere machthaber und andere eliten, haben bish­er abso­lut kein inter­esse an ein­er nach­halti­gen wirtschaft- und gesellschaftsform.
    die indi­vid­u­al­ität und cre­ativ­ität sind die besten voraus­set­zun­gen für fortschritt, erfolg und zufrieden­heit. aber!!!! diesen treiben müssen ober­gren­zen geset­zt wer­den. dazu ist offen­sichtlich nie­mand bere­it. beson­ders ganz oben die hin­ter­män­ner der noten­banken und ver­fechter des schuldgeldsys­tems. (das bedin­gungslose grun­deinkom­men ist keine lösung!)

    • “Grund­sät­zlich gilt: egal, welch­es sys­tem, wenn es kum­mul­ta­tio­nen von reich­tum und Macht zulässt, dann führt dies mit­tel und langfristig immer! ins chaos!”

      Warum dies? Begründe. Du klingst wie jemand, der gerne in ein­er Wagen­burg leben würde, weil er meint, dort wären lauter glück­liche Men­schen, die im Ein­klang mit sich und der Welt leben. Nichts gegen Wagen­bur­gen. Argu­men­tierst Du als näch­stes für Frei­wirtschaft, nicht real­isierend, dass der Euro bere­its Eigen­schaften von Sil­vios Freigeld hat, und er dadurch nicht bess­er wurde?

      “unsere machthaber und andere eliten, haben bish­er abso­lut kein inter­esse an ein­er nach­halti­gen wirtschaft- und gesellschaftsform.”

      Immer dieser herum­meck­ernde Obrigkeits­glaube. Was haben die Eliten mit der Wirtschafts- und Gesellschafts­form zu tun? Sind die etwa dafür ver­ant­wortlich, die Gesellschaft zu for­men? Falls ja, bist Du sicher­lich dafür, dass hof­fentlich bald der größte Führer aller Zeit­en die Macht erlangt, und er die Men­schheit in seinen Hän­den wie Wachs formt. Mit absoluter Macht aus­ges­tat­tete Führer kön­nen das viel bess­er als eine Horde von Poli­tik­ern und Bankstern, die sich gegen­seit­ig im Weg sind. Und falls nein, warum willst Du, dass die mehr tun, als aktuell, und nicht weniger? Man müsste sich doch wün­schen, dass Eliten, mit denen man unzufrieden ist, so weit in den Hin­ter­grund treten, dass man ihre Exis­tenz gar nicht mehr bemerkt. Stattdessen willst Du Obergrenzen.

      Größen­wahn ists.

  4. Carl Schurz, ein Zeitgenosse von Marx, notierte einst: “Was Marx sagte, war in der Tat gehal­tre­ich, logisch und klar. Aber niemals habe ich einen Men­schen gese­hen von so ver­let­zen­der, unerträglich­er Arro­ganz des Auftretens.” Natür­lich kan­nte Schurz nicht die realex­istieren­den Umset­zungsver­suche von Marx logis­chen und klaren Ergüssen. Wie sagte noch Bill Warn­er „Wenn die The­o­rie nicht zur Real­ität passt, dann ist die The­o­rie falsch“. Diese Wahrheit kön­nte man auch so manchem wirtschaft­spoli­tis­chen Jour­nal­is­ten ins Stamm­buch schreiben.

  5. Ab jet­zt wird´s Irre…

    Die DDR wurde “gestürzt”, alles sollte bess­er wer­den und nun geht es wieder mit großen Schrit­ten zurück.
    Ich ver­ste­he es nicht und auch nicht das es so Wieder­stand­s­los hin­genom­men wird… sind denn alle nur noch bekloppt?

  6. Kom­pli­ment: so schnell auf diesen Artikel reagiert. Mir ist erst mal die Spucke wegge­blieben bei so viel ide­ol­o­gis­ch­er “Marxwirtschaft”, Sys­tem- und Geld­poli­tik in einen Topf, schnell mal geschüt­telt, etwas grün gar­niert und fertig…

    • Dabei hab ich sog­ar noch recht lange gebracht um zu ver­dauen, dass ein VOLKSWIRTSCHAFTLER so denkt! Im Grund bin ich immer noch nicht drüber weg.

      • Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. 

        Gibts irgen­deine nicht durch Steuern finanzierte Einkom­men­squelle, über die Masse der VWLer ihr Leben bestre­it­en kön­nen? Büch­er schreiben zählt nicht, weil diejeni­gen Büch­er, die eine gewisse Auflage erre­ichen, von hochrangi­gen Experten geschrieben wur­den, die in den 30 Jahren, denen es bedurfte, um zu einem hochrangi­gen Experten zu wer­den, ver­hungert wären, hät­ten sie keine Steuern kassiert.

        Mil­ton Fried­man schrieb, bevor er vom Verkauf sein­er Büch­er leben kon­nte, auch nur Abstrak­tes zur Preis­the­o­rie, mit dem er nie­man­dem auf die Füße trat. Erst nach­dem er durch den Verkauf sein­er Büch­er unab­hängig von seinem Lehrstuhl wurde, äußerte er sich öffentlich in der Weise, wie man ihn ken­nt. Seine Schriften, in denen er sich für die kom­plette Abschaf­fung des Wohlfahrtsstaats, des staatlichen Bil­dungssek­tors, der Zugangs­beschränkun­gen zum Medi­zin­sek­tor, und so weit­er ein­set­zte, kamen erst, nach­dem er mehr Geld mit Büch­ern als mit seinem Lehrstuhl ver­di­ente. Davor hätte er den Großteil dessen, wofür er uns in Erin­nerung geblieben ist, über­haupt nicht äußern kön­nen. Ich hab meine Argu­men­ta­tion, weshalb alle Dro­gen aus­nahm­s­los und ohne jede Ein­schränkung legal­isiert gehören, prak­tisch 1:1 von ihm über­nom­men, und Mil­ton Fried­man hielt das für eine kon­ser­v­a­tive Posi­tion. Sowas kann man als ein­fach­er Staat­sangestell­ter nicht öffentlich sagen.

        Genau so wirds den meis­ten VWLern gehen, nur mit dem Unter­schied, dass es heute weniger Frei­heit von Zwang gibt, als zu Mil­ton Fried­mans Zeiten.

  7. Habe nun Stund’ um Stund’ gewartet, um endlich von echt­en Marx­is­ten eine Rep­lik auf Deinen Artikel lesen zu dür­fen. Fehlanzeige. Sind Marx­is­ten etwa aus­gestor­ben, oder sind diese alters­be­d­ingt ein­fach nicht mehr internetgängig?

    Roger, Du hättest vielle­icht doch lieber etwas über einen toten Hund schreiben sollen (“Chicol­i­to for­ev­er” — *schluchz*)… das hätte Dir garantiert die Hütte voll­ger­am­melt mit LeserIN­NEN­beiträ­gen. ;-P

    • Ach…und die Restkom­mu­nis­ten sind alle mit den Vor­bere­itun­gen zum 1. Mai beschäftigt. Es müssen Pali-Feudel gebügelt, Pflaster­steine aus­ge­graben und gün­stige Tankstellen für die Fül­lung der Mol­lis gefun­den wer­den. Heute ist heilige Nacht und mor­gen marx­is­tis­che Weihnacht.

  8. Ich hab heut noch nicht genug gesof­fen, um Karl Marx zu ertra­gen. Es ist schon erschreck­end, wie aber auch alles von diesen Irren unter­wan­dert wird. Die ZEIT ist längst nicht mehr ein­fach links. Marx dies, Marx das. 

    Die Entschuldigun­gen sind auch unerträglich. Nein, er wurde nicht falsch ver­standen. Er hat unzäh­lige Briefe geschrieben im Bestreben, jeden erden­klichen Kon­flikt nach Kräften zu einem Blut­bad hochzu­jazzen. Seine “The­o­rie” ist dumm und war es damals schon. Wer meint, dass dem Dursti­gen Wass­er mehr wert sei, wenn Arbeit in das Wass­er gesteckt wurde, ist dumm. Die Schlussfol­gerun­gen sind auch alle erfol­gre­ich gescheit­ert. Toll.

    • Also ich weiß, dass der Text sich auf einen Artikel im Spiegel bezieht. Die Bemerkung zur ZEIT ist nur ein Schlenker. Die sind total durch. Zwis­chen ZEIT online und Stal­in passt kaum noch ein Blatt Papier.

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