Es wird immer als Glücksfall betrachtet, wenn ein lautstarker Gegner die Seiten wechselt und solch ein Ereignis wird selbstverständlich propagandistisch ausgeschlachtet. Mit „wenn sogar der schon sagt, dass…“ fangen dann die Meldungen an und der „Überläufer“ wird zum Kronzeugen erklärt. Wenn also der linke Filmemacher und Aktivist Michael Moore anlässlich des „EarthDay“ seinen neuesten Dokumentarfilm über die angeblich so heilsame „Erneuerbare Energie“ kostenlos ins Netz stellt, hat das Gewicht. Der Film ist ein typisch Moore’sches Stück, in dem der Zuschauer keine Sekunde darüber im Zweifel bleibt, welche Seite die des Filmemachers (also die richtige) und welche die falsche ist. Moores neuester Film „Planet oft the Humans“ stellt in starken – oder genauer gesagt „gestärkten“ – Bildern eine Generalabrechnung mit der weltweiten „Energiewende“ am Beispiel der USA dar. Moor desillusioniert sein grün-weltretterisch angehauchtes Publikum, indem er hinter die Kulissen von Solar- Wind- und Biomasse-Industrie blickt und die ökologischen Folgen des Hypes um die „renewable energy“ aufzeigt. Überall Scheinheiligkeit, egal wohin Moore in dieser Branche schaut.

Der Film enthält im Grunde jedoch keine einzige Information, über welche die Kritiker der „Energiewende“ nicht schon seit Jahren vergeblich sprechen. Die Herolde und Kobolde der Energiewende sind lauter, besser vernetzt und finanziell so gut ausgestattet, dass Kritiker mühelos aus dem Diskurs gedrängt werden. Doch Moore ist eben nicht irgendein Kritiker, er hat die Seiten gewechselt und ist vom Saulus zum Paulus geworden – so scheint es. Jedoch nur auf den ersten Blick.

Der Film ist wirklich unterhaltsam und auch wenn Moore wie üblich zur Dramatisierung und verkürzter Darstellung neigt, sollten sie sich den Film unbedingt ansehen, um sich selbst ein Urteil bilden zu können. Aber wie sie sich natürlich denken können, kann ich mir einige Bemerkungen mal wieder nicht verkneifen.

Die Metamorphose grüner Ideen

So wie man den Anblick der Weite erst genießen kann, wenn der Gipfel des Berges erklommen ist, konnte auch die Ökobewegung erst in einem Umfeld ökonomischer Sicherheiten, also „auf dem Gipfel“ einer prosperierenden Gesellschaft entstehen. Die Grünen waren so betrachtet nie die Revolutionäre, für die sie sich gern halten, sondern leiteten eher evolutionäre Veränderungen und (oft) Verbesserungen ein. Beispiel: Das Auto war eine technische Revolution, während der Katalysator – so nützlich diese Neuerung auch war – lediglich eine Evolution darstellte. Dass man bewährte Prozesse optimieren kann und die Effizienz steigert, ist aber in Industriegesellschaften eine Binsenweisheit.

Doch in vielen Grünen steckt heute eben auch ein linker Revolutionsführer, der raus will, um Politik zu „gestalten“. So kommt es, dass grüne, eher evolutionäre Positionen sich immer mehr linken, revolutionären Positionen annähern. Öko-Bewegungen werden mit der Zeit stets kompromissloser, radikaler, extremistischer. Was als F4F-Eisbär-Rettung beginnt, endet zuverlässig im Nihilismus wie bei „Extinction Rebellion“ und damit in Fundamentalkritik an der Gesellschaft, der Wirtschaft und dem Menschen an sich. Der grünen Bewegung wohnt also eine Tendenz zur Inhumanität inne, weil der vermeintliche Wissensvorsprung einer „eingeweihten“ Elite, die sich im Besitz einer Wahrheit wähnt, die unwissenden und unwillige Masse zu ihrem Glück zwingen muss. Nicht anders sieht das Selbstverständnis vieler Linken aus, die sich im Besitz einer perfekten „wissenschaftlichen Theorie“ wähnen, an die es die Praxis anzupassen gilt.

Michael Moore stellt die CO2-Molekül-Zählerei nicht grundsätzlich in Frage und befasst sich auch nicht mit technologischen Erwägungen, Wirkungsgraden und Kosten. Die unmittelbaren Schäden, welche die Natur durch den Ökostrom-Wahn nimmt, stellt er zwar treffend dar, doch macht er dafür nicht den ideologischen Blindflug verantwortlich, in welchem sich Aktivismus und Politik befinden. Der Linke Moore beschuldigt den Kapitalismus, was sich ideologisch perfekt mit dem deckt, was die grünen Extremisten von Extinction Rebellion antreibt. Der Sammelbegriff „links-grün“ trifft also in der Endkonsequenz zu, obgleich ich mir eine häufig ergänzend verwendete adjektivische Injurie nicht erlaube. Der Punkt ist klar genug.

Die Kapitalismuskritik des Michael Moore

Für die im Film gezeigte ökologische Katastrophe in Folge des Einsatzes von Sonne, Wind und Biomasse macht Moore Kapitalismus und Gewinnstreben skrupelloser Konzerne verantwortlich. Doch unter wirklich marktwirtschaftlichen Bedingungen würden weder Solar- noch Windenergie in der heutigen Form gedeihen. Jenseits von einigen Spezialanwendungen und Off-Grid-Insellösungen bedarf es vielmehr massiver politischer Einflussnahme, damit sich die Wirtschaft auf derlei unattraktives Gelände begibt.

Die Huhn-oder-Ei-Frage ist, was war zuerst da: Die Subvention oder die Idee, wie man das Gold der Steuerzahler und Verbraucher mittels Ökostrom zu Stroh spinnen kann? Mangelnde Effizienz, Zuverlässigkeit, hoher Flächenverbrauch und Wartungskosten, schlechte Recyclingfähigkeit der eingesetzten Materialien… nur wenig spricht für den massenhaften Einsatz von Solar- und Windkraftanlagen als Ersatz konventioneller Kraftwerke und deren Weiterentwicklung. Doch wo ein politischer Wille ist und Geld winkt, findet die Wirtschaft natürlich einen Weg, es einzustreichen. Die Ineffizienz der „Green Energy“ steht deren Ausbau nur deshalb nicht im Weg, weil die Politik alle Einwände beiseite wischt und Medien, Aktivisten die Profiteure ihr nach Kräften dabei helfen.

Marktwirtschaft und Erneuerbare Energien

Je weiter ein Wirtschaftszweig von der Politik entfernt ist, umso näher ist er den Prinzipien der Marktwirtschaft. Die Branche der Erneuerbaren ist der Politik jedoch sogar noch näher als die Rüstungsindustrie der nationalen Sicherheit. Waffen kann man überall kaufen. Aber ohne politisches Patronat und im echten Wettbewerb kann die „Grüne Energie“ nirgends auf der Welt überleben. Was das für wirtschaftliche Folgen hat, begreifen wir erst allmählich – in Deutschland zum Beispiel beim Blick auf die Stromkosten. Michael Moore begriff es, als er sah, wer profitiert und wie die gepriesenen Projekte sich entwickeln.

Die ökologischen Folgen der „Grünen Energie“ macht Moore in seinem Film insgesamt sehr gut sichtbar. Doch er ist blind für die Rolle von Politik, Medien und Aktivisten und alle seine Vorwürfe laufen am Ende darauf hinaus, dass der Mensch selbst durch Hemmungslosigkeit (Überbevölkerung) und Gier (Kapitalismus) das eigentliche Problem sei. Doch glaubt im Ernst jemand, die „grüne Revolution“ könnte ein Erfolg sein, wenn sie nur nicht in die Hände „gieriger Kapitalisten“ geriete, die sie „pervertieren“?

Die tendenzielle Überbevölkerung der Erde halte ich – anders als Moore ­– auch nur für eine temporäre Episode, die durch Bildung, Marktwirtschaft und infolgedessen durch politische Stabilität und akkumulierten Wohlstand überwunden werden kann. Wann eine Gesellschaft den Punkt überschritten hat, ab dem die Bevölkerungszahl nicht weiter wächst und sogar zurück geht, kann man in der demographischen Entwicklung Europas erkennen. Dass unsere Politiker den einsetzenden Rückgang der Bevölkerung als Problem betrachten, statt hierin eine Chance zur Konsolidierung zu sehen, zeugt meiner Meinung nach leider von Unkenntnis.

Der Film lässt offen, wie sich die Autoren die Lösung des Problems der Überbevölkerung konkret vorstellen und ob der ganze Green-Energy-Schwindel beendet werden kann, bevor die Menschheit den trügerischen Verheißungen noch bis über die Klippe folgt. Sozialistische „Abkürzungen“ durch (andere) staatlicher Eingriffe unter der Ägide einer (anderen) Wissenselite, wie sie vielleicht jenen vorschweben, die den „grünen Weg“ verlassen und lieber gleich einen sozialistischen einschlagen möchten, führen aber mit Sicherheit in eine (andere) Katastrophe. Im Film tauchte bei 1:16:00 das Logo von „Extinction Rebellion“ auf, was sicher kein Zufall war.

Bleibt festzustellen, dass Moore mit seinem Film einige der Lügen über die „Grüne Energie“ gut sichtbar gemacht hat. Beim Sturz von der Klippe will ich später jedenfalls niemanden klagen hören, es hätte doch niemand ahnen können, dass die Energiewende scheitern könne, weil ja nur Spinner wie dieser Klugscheißer auf „unbesorgt.de“ davor warnten. Man konnte es wissen. „Wenn sogar Michael Moore sagt, dass…“ na, sie wissen schon.

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22 Kommentare

  1. Verstehe ich nicht, soll ich nen Film gucken wie in Amiland Windkraft betrieben wird?

    Na da steht n Propeller und dreht sich, irgendjemand hat ihn gebaut, bezahlt und versucht den Strom zu verkaufen. Den gibt es aber nur wenn der Wind weht, dann will auch der Nachbar Strom verkaufen. Funzt also nur wenn es nichts anderes gäbe, dann wäre aber nicht genug Strom da um so´n Ding zu bauen.

    Alles bekannt, Thema durch. Filme sind dann kompletter Fake durch Schnitte etc. . Schau ich sowieso nicht, warum soll ich jetzt ne Ausnahme machen?

    • Schaut an nicht auch manchmal einen neuen Krimi, obwohl man schon in einem früheren Krimi gesehen hat, wie ein Mörder überführt wurde? 😉

  2. Sehr geehrter Herr Letsch, 

    Ihren Beitrag habe ich auf Achgut wahrgenommen und war dort, wie noch mehr hier, einigermaßen irritiert über die Art und Stoßrichtung Ihrer Kritik, wie der zahlreicher Kommentatoren.

    M.A.n. ist dies ein immens wichtiger Film einfach aus dem Grund, dass ein in der Wolle gewirkter „Environmentalist“ mit einem Regisseur der seit Kindesbeinen sich als „radikaler Grüner“ versteht den Naiven und Gutgläubigen aufzeigt, mit wem Sie sich ins Bett legen. Mit ihren ärgsten Gegnern; Energiekonzernen, Big Shots von Wallstreet und z.B. den verhassten Koch-Brothers.

    Diese Pointe so klar herauszuarbeiten ist für sich genommen schon ein sehr großes Verdienst.

    Sie beklagen, dass MM nach wie vor den Kapitalismus dafür verantwortlich mache, also sein altes Schema beibehalte. Sowenig wie „die Wissenschaft“ gibt, gibt es „den Kapitalismus“.

    Sicher sind wir uns einig, dass K die beste Form ist, Wettstreit um Ideen zu führen und auch die Allokation von Mitteln zu deren Entwicklung und Umsetzung ist dort besser gewährleistet, als in allen anderen bekannten Wirtschaftsformen.

    Nach meinem Eindruck, und dafür lassen sich in seinen Filmen auch viele Anhaltspunkte finden, kritisiert Moore vor allem die sog. Corporatocracy, die nun kapitalistischer Denkungsart gerade nicht entspricht. Und nicht zu vergessen, er ist Amerikaner und betrachtet, was er dort sieht.

    Wenn es Sie interessiert, die ETH Zürich hat in 2011 eine interessante Untersuchung zum Einfluss und der Wirkmächtigkeit internationaler Konzerne und deren Verflechtung vorgelegt:
    Vitali, Glattfelder und Battiston sin die Autoren, findet sich leicht im Netz. Könnte zum Staunen führen.

    Weiter werfen Sie ihm vor, dass er weder CO2-, technische Möglichkeiten noch Kosten etc. zum Gegenstand macht. Die Implikationen dessen, was wir seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten an Wahnsinn im Zusammenhang mit Ökologismus, Klimawandel, Energiewende u.a.m. erleben, benötigt ein filmisches Werk mindestens vom Kaliber der SHOA von Spielberg, womit lediglich der Umfang gemeint ist. In einem Film von 100 Minuten all das unterzubringen, was Sie fordern geht schlicht nicht.

    Moore hat diesen Film so weit ersichtlich selbst finanziert, er stellt ihn kostenlos zur Verfügung und er hat viel Erfahrung als Filmemacher. Ihm ist klar, dass er sich in diesem Umfang konzentrieren muss. Wäre das ein Aspekt ? Oder anders gefragt, wie umfangreich ist Ihre Filmerfahrung?

    Last but (bei weitem) not least, sind Sie der Ansicht, dass sich der Film an die wendet, die all das schon wissen oder wenigstens ahnen ?

    Oder doch eher an die Naiven aber fest Gläubigen ?.

    Ich meine letzteres, Und wenn bei denen etwas in diesem runden Ding da oben in Bewegung gerät, wäre das schon ein toller Erfolg.

    Ich finde es schade, dass Sie den Film eher madig machen. Verständlich einerseits, auch Sie unterliegen der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Und die gibt es natürlich eher für Kritik als für Zustimmung.
    Schöne Grüße in die Runde

    • Ich kann nur für mich und nicht für die Kommentare sprechen. Den Film fand ich durchaus nützlich und die Zusammenhänge auch gut erklärt. Aber wie ich schon sagte, reden viele andere und sogar seriöse Wissenschaftler sich mit diesen Argumenten den Mund fusselig, OHNE Gehör zu finden. Und genau deshalb wird der Film auch (leider) nichts bewirken, so leid mir das auch tut. Moore wird die Grüne Community einfach „exkommunizieren“ und fertig. Man wird ihm sagen, er sei ja kein Wissenschaftler, nachdem man den kritischen Wissenschaftlern seit Jahren vorwirft, sie seien bezahlte Agenten von Kohle und Atom. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich das schnell ändert.
      Außerdem bleibe ich dabei, dass der Film tatsächlich „Maden“ hat - und zwar antikapitalistische Maden, ganz gleich wie sehr ich seinen sonstigen Aussagen zustimme. Und ich habe auch dargelegt, dass jede grüne Bewegung sich am Ende auf genau diese eine Stoßrichtung konzentriert: Kollektivismus. Es ist aber schon schlimm genug, in einer Welt volatiler und teuer Energie zu leben. Käme dazu noch eine „romantische“ sozialistische Ordnung hinzu, wäre die Katastrophe unaufhaltsam. In der Welt des G. würde Moore sich pudelwohl fühlen. Zumindest glaubt er das.
      https://unbesorgt.de/klimarevolution-ein-morgen-im-leben-des-b-und-des-g/

  3. Was Moore und Konsortien noch nicht wissen: Menschen streben immer nach Sicherheit und der Weg die zu erlangen ist voller Fallstricke. Dann sind da noch die sozialen wie körperlichen Bedürfnisse. Die zu erlangen erfordert hohen Energieeinsatz - immer! Ganz egal, wie man es dreht oder wendet, egal, wie Mensch ans Ziel zu kommen gedenkt, sobald er ein Problem gelöst hat, hat er mindestens zwei neue erschaffen. So jedenfalls in unserer Zivilisation.
    Der Gipfel menschlicher Evolution wäre nicht Technologie, Wohlstand für alle und die perfekte Gerechtigkeit, sondern die Perfektion in Demut und Dankbarkeit, Bescheidenheit und Rücksichtnahme. Damit wären viele Probleme gelöst. Ausgerechnet jene, die sich erfolgreich aus eigener Kraft um die Belange ihrer selbst und ihres Umfeldes bemühen, sind in mancher Kategorie der Evolution vorangeschritten.
    Das Palaver der Verdammnis um Kommunismus oder Kapitalismus ist auch nur ein Ablenkungsmanöver von eigenen Unzulänglichkeiten. Das Herrschenwollen über andere Menschen, ob Konsum oder sonst was, ist der Gipfel davon.

  4. Nach dem Film habe ich das Interview mit Alex Eppstein angeschaut (Englisch), wo Eppstein genau wie Sie, Herr Letsch, die Grünen und Linken als eine Antihumane Bewegung geiselt. Ich finde, dies trifft auch zu und Ihre Analyse, dass der Kapitalismus schuld sei nicht zutrtifft ist auch korrekt. Aber der Film ist doch trotz allen Mängeln sehr nötig.
    Hier das Interview mit Eppstein: https://www.youtube.com/watch?v=77xM1epQszg

      • Was soll notwendig daran sein, einen Film von Michael Moore zu schauen? Der Autor schreibt doch selbst, nichts von dem, was da „aufgedeckt“ wird ist neu. Und es hätte mich auch gewundert, wenn Moore - den ich immer für die amerikanische Inkarnation Karl Eduard von Schnitzlers gehalten habe - von seinem primitiven Antikapitalismus abgewichen wäre. Keiner, der noch alle Tassen im Schrank hat, hätte z.B. die Landschaft mit Stahl verschandelt, hätte der Staat (nicht irgendwelche „Kapitalisten“) ihm nicht im Rajmen der sog. Einspeisevergütung Geld für diesen Schrott von morgen hinterhergeworfen.

        • Solche Dinge aus den Mündern selbsterklärter und desillusionierter „Treehugger“ zu vernehmen, ist jedoch allemal eine amüsante Sache. 😉

  5. Der Staat ist der Zuhälter des Kapitalismus (und, nebenbei, keinesfalls die Dirne des Wählers).
    Kapitalismuskritik halte ich deshalb insofern und dann berechtigt, wenn er sich mit gestohlenem Geld (Steuern) vom Staat bestechen lässt. Allerdings legst du ja immer die reinste Form des Kapitalismus zu Grunde, womit dein Text wieder „rund“ läuft…

    • Kapitalismuskritik ist ein fehlgeleiteter Begriff (ähnlich wie „Israelkritik“), weil er statt kritisch auf Machtmissbrauch und Korruption abzuzielen das einzige Wirtschaftssystem in Frage stellt, welches nachweislich funktioniert. Wenn Ladendiebstahl zur Kritik am Supermarktbetreiber führt, statt den Dieb anzuklagen, haben wir eine Verschiebung der Verantwortung. Deshalb: Kapitalismuskrik: Nein. Kritik an Regeln oder deren Nichteinhaltung oder Kritik jenen, die betrügen, verschwenden und bestechen: Ja, gern sogar! 

      Die Tatsache, dass ein Unternehmer jeden sich bietenden Vorteil ausnutzt, der ihm das Überleben sichert, spricht vor allem gegen die politische Gewährung dieser Vorteile. Es stimmt nämlich leider nicht, dass sich Unternehmen einen möglichst freien und harten Wettbewerb wünschen würden. Subventionen NICHT anzunehmen, wenn sie von der Politik so großzügig angeboten werden, bedeutet, dem Wettbewerber einen Vorteil zu überlassen. Regulierungen, solange sie einem selbst Vorteile verschaffen, sind gern gesehen. Dieser Verführung zu widerstehen und als Staat möglichst nur für faire Regeln zu sorgen, ist die Crux. Ideal ist also nicht ein „schwacher Staat“, sondern einer, der Marktregeln durchsetzen kann, die gleichzeitig so transparent sind, dass sie nicht korrumpierbar sind. Um diesem Ideal näher zu kommen ist der Begriff „Republik“ (öffentliche Sache) sogar noch entscheidender als „Demokratie“.

      Dein Bild vom Staat als Zuhälter des Kapitalismus ist insofern recht passend, weil unser Staat (besonders dessen politische Kaste) den Zweck der Wirtschaft darin sieht, die Politik mit Geld und Bedeutung auszustatten. Die Politik klagt gleichzeitig - und unberechtigterweise - ständig über das „Primat der Wirtschaft“ und den wachsenden Reichtum seiner „Dirnen“. Doch man schaue sich an, welche Summen die Politik bewegt, wenn sie glaubt, handeln zu müssen. Die Prostitution der Wirtschaft und die Zuhälterei der Politik, welche die Wirtschaft mit Subventionen lockt, die sie letztlich selbst erwirtschaften muss, hat aufzuhören.

      • Sehe ich genauso. Ich höre immer wieder, daß die Wirtschaft den Staat am Nasenring durch die Manege zieht. Marxisten (derer auch M. Moore einer ist) nennen das „das Primat der Wirtschaft über die Politik“. Im Zweifel ist es aber exakt umgekehrt: Atomausstieg, „Energiewende“, ungesteuerte Einwanderung, diese ganzen unseligen EU- Grenzwerte: Dies alles waren und sind nicht Entscheidungen der Wirtschaft, sondern jene der Politik. Die Energiekonzerne, die durch politische Entscheidungen zwei Drittel des Marktwertes eingebüßt haben, die Autohersteller, deren bisher funktionierendes Geschäftsmodell durch nationale und EU-Vorgaben („Dekarbonisierung“) geschreddert wird, Chemie, Pharmaindustrie, Landwirtschaft.… Ihnen allen wirft der
        S t a a t, und nur dieser, Knüppel zwischen die Beine. Daß Manager wie Diess und Müller dann noch unterwürfig danke sagen und um Subventionen betteln, ist saudämlich und erbärmlich, steht aber auf einem Blatt.

        • Ich denke, es ist das gleiche Blatt.
          Und, um in der Metapher vom Eingang zu bleiben: Die Gewerkschaften sind/waren die Schutzgelderpresser der Wirtschaft.
          Auch, wenn man medial seit längerem nichts mehr von ihnen hört, waren sie doch die Handlanger und Wegebener eines nimmersatten und hypertrophierten Staatsapparates.

  6. In hundert Jahren wird man feststellen, dass der Monotheismus nur eine Episode war. Die Menschheit kehrt zum Naturglauben zurück. Mutter Natur muss gerettet werden, um sie gnädig zu stimmen, die Windkraftanlage als Fortsetzung des Regentanzes. Und wieder liegt völlige Unkenntnis bezüglich der inneren Zusammenhänge von Klima, Flora und Fauna zu Grunde. Die moderne Welt ist nur eine Hülle, die von niemandem verstanden wird. Im Kern sind die Menschen genauso ahnungslos und leichtgläubig und immer bereit, den größten Quatsch zu glauben, wie vor tausend Jahren. Damals kam der Scharlatan auf die Burg und verkaufte Schlangen-Elixier (in dem nichts von einer Schlange enthalten war) gegen alle möglichen und unmöglichen Gebrechen. Heute sind wir nur auf den ersten Blick weiter: Wissenschaftler entwerfen Statistiken, um zu beweisen, dass der grüne Weg der richtige ist. War aber damals nicht anders, auch der Scharlatan hatte Mittel und Wege, Beweise zu fingieren. Der Spruch „Glauben heißt nicht wissen“ war zu jeder Zeit falsch. Denn die Leute glauben zu wissen, und das Wissen wird zu ihrer Identität.
    Bei Partys mache ich mir immer einen Spaß und erzähle von der Reparatur der Zündfunken-Rückholfeder (beim Diesel!). Zu meinem nicht geringen Erstaunen glauben die Bildungsbürger fast alle die Geschichte, bei den angeblichen Verlierern der Bildungsmisere nur wenige. Und Menschen mit Down-Syndrom nie!! Gerade die Entscheidungsträger glauben mithin an Magie. Nun also, nachdem 5000 Jahre lang Krieg geführt wurde, in dem stets die Klugen und Tapferen starben und immer die Verschlagenen und Feigen überlebten, stellen nun die Grünen das Ergebnis dieser natürlichen Auslese dar. Da können sie aber stolz sein.….
    Und Herr Moore ist als Grüner das, was die SEDler bei uns sind: Beide halten ihre Idee für grandios gut, nur bei der Umsetzung hapert es.

  7. Im Film wird klar, es ist Gibbs‘ Film. Gibbs wird mehr als einmal persönlich.
    M. Moore dagegen findet im Film so gut wie nicht statt. 

    Produzent heißt, wie auch in anderen Kunst-Bereichen, vor allem: Geldgeber und hier dazu noch: Namens-Geber. Herrn Jeff Gibbs kennt keiner, beachtet keiner, …aber Michael Moore! q.e.d.

    (Bin aus der Musikbranche, kenne solche Handlungsweise; ist auch nix Schlimmes dabei. Es hilft oft der Sache)

    • More kann in dieser Weise nicht in Interviews oder auf der Straße erscheinen, weil er als Aktivist „verbrannt“ ist. Wer für diesen Film Koch und wer Kellner ist, wird vielleicht klar, wenn man sich das Interview von The Hill ansieht, in dem Moore und Gibbs auf die Kritiker reagieren. (q.e.d. 😉 )
      https://youtu.be/Bop8x24G_o0

  8. Absolut richtig, was Sie schreiben. Die Lügen im Kleinen - Dieselaggregate im Hintergrund beim „Rein-Solarstrom Propagandakonzert“ oder der ja massenhaft in der Wüste ungenutzt liegende Sand als Grundstoff für die Solarpanels (nur leider völlig unbrauchbar dafür) und die im Großen („Menschenfreund“ Al Gore und seine verbündeten Asympathen) werden gut entlarvt. 

    „Die Ineffizienz der „Green Energy“ steht deren Ausbau nur deshalb nicht im Weg, weil die Politik alle Einwände beiseite wischt und Medien, Aktivisten (und) die Profiteure ihr nach Kräften dabei helfen.“ 

    Das haben Moore und Gibbs gut vermittelt. Ja, siehe Deutschland. Irre Aktivisten ohne Denkvermögen und eine Politik, die dank Staatsfunk und Jubelpresse tut, was sie will. Nur ein Blackout scheint hier noch eine Umkehr möglich zu machen, allerdings wird auch das dann mehr als ungemütlich. Guter Film, Mr. Moore, und vor allem für Ihre eigentliche Klientel lehrreich.

  9. Der Film ist von Jeff Gibbs - Michael Moore tritt lediglich als bekannter(er) Name in Erscheinung.

    • Moore ist der Produzent. Und zwar einer, der wie üblich zu 100% zur Aussage des Films steht. Gibbs ist Moores Regisseur, mit dem er schon für Fahrenheit 9/11 gearbeitet hat. In Moores Filmen läuft nichts, wenn es nicht läuft wie Moore es will.

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