Friedrich August von Hayek, Zeichnung von Stefan KlinkigtAls „Mah­nung an die Mensch­lich­keit“ möch­te die BILD das Cre­do von Prof. Dr. Wolf­gang Henn ver­stan­den wis­sen und titelt wir­kungs­si­cher: „Imp­fen las­sen – oder auf Beatmung ver­zich­ten!“ Henn ist nicht irgend­wer, son­dern berät die Bun­des­re­gie­rung im Ethik­rat. Sie wis­sen schon, jenes Gre­mi­um, wel­ches immer dann ange­ru­fen wird, wenn es gilt, unbe­que­men Ent­schei­dun­gen den Hauch der Alter­na­tiv­lo­sig­keit und jedem Wider­spruch den Geruch des amo­ra­li­schen zu ver­pas­sen. Zwar wer­den unse­re Poli­ti­ker nicht müde zu beteu­ern, einen Impf­zwang wer­de es nicht geben. Doch beto­nen die­sel­ben Poli­ti­ker auch, ihnen sei­en die Hän­de gebun­den, wenn die Imp­fung von pri­va­ten Wirt­schafts­zwei­gen künf­tig als Ein­tritts­kar­te gefor­dert wür­de. Kein Flug ohne Imp­fung, kein Ein­tritt ins Sta­di­on, kein Kon­zert­ti­cket, kei­ne Woh­nungs­be­sich­ti­gung, kein Kre­dit, kei­ne Lebensversicherung…man bil­de wei­te­re Beispiele.

Hayek hatte recht

Nun also deu­tet sich die Mög­lich­keit an, durch ange­droh­te Behand­lungs­ver­wei­ge­rung der „Frei­wil­lig­keit“ zur Imp­fung etwas nach­hel­fen zu kön­nen. Wir betre­ten hier einen ganz neu­en Raum staat­li­chen Han­delns, der jedoch zwangs­läu­fig am Ende des Weges liegt, den wir seit März gehen. Bemer­kens­wert ist, dass der Staat als über­ge­ord­ne­te Enti­tät mit Zwang Ent­schei­dun­gen für den Ein­zel­nen trifft und damit den Bereich ver­lässt, in dem er Kom­pe­tenz hat. Die Art des Zwangs ist dabei uner­heb­lich. Ent­schei­dend ist, dass damit gedroht wird, die Argu­men­te des Ein­zel­nen nicht gel­ten zu las­sen, wenn sie zu einer ande­ren Ent­schei­dung füh­ren. Der Staat weiß es bes­ser und über­schreibt mit einer mora­li­schen Anwei­sung per­sön­li­che Ent­schei­dun­gen, selbst wenn die­se noch so gut begrün­det sein mögen. Die­se Form der „Grenz­ver­let­zung“, bei der sich Staat oder Mensch bei ihren Hand­lun­gen gewis­ser­ma­ßen in der Sphä­re irren, ist gut bei Fried­rich August von Hayek beschrieben:

„Unse­re Schwie­rig­keit besteht zum Teil dar­in, daß wir unser Leben, unse­re Gedan­ken und Gefüh­le unent­wegt anpas­sen müs­sen, um gleich­zei­tig in ver­schie­de­nen Arten von Ord­nun­gen und nach ver­schie­de­nen Regeln leben zu kön­nen. Woll­ten wir die unver­än­der­ten, unein­ge­schränk­ten Regeln des Mikro­kos­mos (d. h. die Regeln der klei­nen Hor­de oder Grup­pe oder bei­spiels­wei­se unse­rer Fami­li­en) auf den Makro­kos­mos (die Zivi­li­sa­ti­on im Gro­ßen) anwen­den, wie unse­re Instink­te und Gefüh­le es uns oft wün­schen las­sen, so wür­den wir ihn zer­stö­ren. Wür­den wir aber umge­kehrt immer die Regeln der erwei­ter­ten Ord­nung auf unse­re klei­ne­ren Grup­pie­run­gen anwen­den, so wür­den wir die­se zer­mal­men. Wir müs­sen also ler­nen, gleich­zei­tig in zwei Wel­ten zu leben.“ 1)

Sol­che Über­tre­tun­gen gibt es in bei­de Rich­tun­gen und sie häu­fen sich. Ich behaup­te, die Sum­me die­ser Sphä­ren­ver­let­zun­gen ist zum größ­ten Teil für die Atmo­sphä­re des Miss­trau­ens ver­ant­wort­lich, die sich gegen­über der Poli­tik in die­sem Land aus­ge­brei­tet hat. Die Ord­nun­gen der „klei­nen Hor­den“ wer­den immer häu­fi­ger von meist sehr klein­tei­li­gen staat­li­chen Anord­nun­gen über­schrie­ben, wäh­rend beson­ders sen­dungs­star­ke Poli­ti­ker ihre per­sön­li­chen Ver­zichts­ent­schei­dun­gen (vega­ne Ernäh­rung, kein Auto, grü­ne Ener­gie etc.) gern zur all­ge­mei­nen Regel machen möch­ten. Mot­to: was für mich gut ist, kann für das Land nicht schlecht sein. Der Erfah­rungs­ho­ri­zont vie­ler Poli­ti­ker geht ja in vie­len Fäl­len auch kaum über das Per­sön­li­che hin­aus, was dem „Gestal­tungs­wil­len“ kogni­ti­ve Gren­zen setzt. Im Zwei­fel reicht es sogar, dies nur vir­tu­ell zu voll­zie­hen, indem man bei­spiels­wei­se am liebs­ten das Flie­gen ver­bie­ten möch­te, selbst jedoch zum Eis essen nach Kali­for­ni­en flie­gen darf.

Das was Ethik­pro­fes­sor Henn for­dert, kann aus Sicht eines Staa­tes, der ein Gesund­heits­sys­tem auf ein Maß her­un­ter­schrump­fen möch­te, wel­ches ihm noch groß­zü­gi­ge Mit­tel für Pro­jek­te der Wäh­ler­er­zie­hung lässt, nur der Anfang sein. Jede Tätig­keit, die über ein mög­lichst gerin­ges mitt­le­res Risi­ko hin­aus­geht, könn­te den Ver­lust des Ver­si­che­rungs­schut­zes und der Soli­da­ri­tät der Gemein­schaft bedeu­ten. Zucker, Alko­hol, Tabak, Fast Food: ver­bo­ten! Ski fah­ren: auch ver­bo­ten. Über­haupt Sport, der grö­ße­re Ver­let­zungs­ri­si­ken birgt. Ande­rer­seits muss Sport natür­lich ver­pflich­tend gefor­dert wer­den, um die Gesund­heit zu ver­bes­sern. Und dann erst die Gestal­tungs­räu­me im Trans­port! Tem­po 80 außer­orts, Tem­po 30 in der Stadt – über­all. Da Auto­fah­ren gene­rell gefähr­li­cher ist als die Bahn zu neh­men, kann man es auch gleich ganz ver­bie­ten. Was der Abmahn­ver­ein „Deut­sche Umwelt­hil­fe“ mit dem Fein­staub nicht schafft, lässt sich locker über die Volks­ge­sund­heit bewerk­stel­li­gen. Außer für die, die es tun müs­sen, selbst­ver­ständ­lich! Poli­zei, Feu­er­wehr, Ama­zon-Lie­fe­ran­ten und Politiker.

Doch neh­men wir die Tria­ge „geimpft oder nicht“ von Pro­fes­sor Henn noch­mal genau­er unter die Lupe. Die Hal­tung der über­ge­ord­ne­ten Instanz Staat ist klar. Man will eine mög­lichst gute Durch­imp­fung der Bevöl­ke­rung errei­chen. Ein Ansin­nen, das ich gut ver­ste­hen und auch nach­voll­zie­hen kann. Wie schon oft gesagt bin ich kein Impf­geg­ner. Im Gegen­teil. Henn schaut also sehr wahr­schein­lich auf die ers­ten Resul­ta­te der Imp­fun­gen in Kana­da, den USA und Groß­bri­tan­ni­en, stellt fest, dass es zwar zu eini­gen Neben­wir­kun­gen und Kom­pli­ka­tio­nen kam (auch zu uner­war­te­ten), hält das Risi­ko, durch Neben­wir­kun­gen zu Scha­den zu kom­men, jedoch für gerin­ger als die Wahr­schein­lich­keit, durch Covid-19 zu ster­ben. Wir soll­ten hier übri­gens nur den Eigen­schutz betrach­ten, weil man ja offen­bar auch nach der Imp­fung noch Über­trä­ger der Krank­heit sein kann. Das Argu­ment: „Schutz der Ande­ren“ zieht hier also nicht.

Die Risi­ko­ab­schät­zung des Ein­zel­nen kommt jedoch ganz anders zustan­de als die Henns. Da spielt zunächst das Alter eine Rol­le. Für unter 60-jäh­ri­ge ist das Krank­heits­ri­si­ko bekannt­lich deut­lich gerin­ger. Dann die Tätig­keit, die Anzahl der Kon­tak­te im All­tag und vie­les mehr. Bekannt ist, dass der Impf­stoff bei Men­schen mit star­ken und zahl­rei­chen All­er­gien hef­ti­ge bis lebens­be­droh­li­che Reak­tio­nen aus­lö­sen kann. Wür­de sich Henns Tria­ge-Regel durch­set­zen, stün­de ein an sich gesun­der Mitt­zwan­zi­ger Flug­be­glei­ter mit zahl­rei­chen All­er­gien viel­leicht irgend­wann vor der Wahl, sich dem erhöh­ten Risi­ko der Imp­fung aus­zu­set­zen oder sei­nen Beruf auf­zu­ge­ben, weil es zwar kei­ne Impf­pflicht gibt, sein Arbeit­ge­ber die­se eine Imp­fung aber vor Vor­aus­set­zung machen darf. Ein nicht­ge­impf­ter Motor­rad­fah­rer, der unver­schul­det einen schwe­ren Unfall hat­te, könn­te nur hof­fen, dass im Kran­ken­haus der Coro­na-Schnell­test nega­tiv aus­fällt, weil er sonst kei­ne Hil­fe bekä­me. Henns staat­lich ver­ord­ne­te Zwangs­so­li­da­ri­tät wür­de auf der Ebe­ne des Indi­vi­du­ums teil­wei­se erheb­lich höhe­re Risi­ken ein­for­dern und ver­lan­gen, dass ein­zel­ne Men­schen „zum Woh­le der All­ge­mein­heit“ ihre per­sön­li­che Risi­ko­ab­schät­zung – ganz gleich, wie die­se zustan­de kam – igno­rie­ren. So schafft man viel­leicht Mär­ty­rer, jedoch kein Ver­trau­en in Regie­rungs­han­deln. Jetzt wird klar, war­um Hayek für sol­che Über­grif­fig­kei­ten des Gro­ßen ins Klei­ne das star­ke Wort „zer­mal­men“ ver­wen­det hat.

Warum die Eile?

Ein wei­te­res Pro­blem ergibt sich aus dem ambi­tio­nier­ten Zeit­plan für die „Durch­imp­fung“, zumin­dest in Indus­trie­staa­ten wie Deutsch­land und den USA. Ein neu­er Impf­stoff, für des­sen Neben­ef­fek­te es – im Gegen­satz zur Krank­heit, die er bekämp­fen soll – noch kei­ne Mit­tel- oder Lang­zeit­un­ter­su­chun­gen gibt, wird gera­de in rasen­dem Tem­po ausgerollt.

Die­ser Aspekt wird von „Dark­Hor­se“, dem You­Tube-Kanal von Bret Wein­stein und Hea­ther Heying in einem Video gut beleuch­tet. Bei­de sind übri­gens Bio­lo­gen, bei­de PhD, bei­de ehe­mals Pro­fes­so­ren am Ever­green Col­le­ge, wel­ches sie im Streit ver­lie­ßen. Grob gesagt, weil es – wie heu­te üblich – Dif­fe­ren­zen zwi­schen den Pro­fes­so­ren und woken Stu­den­ten gab. Wein­steins Wiki­pe­dia-Arti­kel gibt eine unge­fäh­re Vor­stel­lung der Ereig­nis­se am Ever­green Col­le­ge. Ach, ver­hei­ra­tet sind die bei­den auch – und ein offen­sicht­lich extrem gutes Team vor der Kame­ra, wo sie sich fort­wäh­rend gegen­sei­tig kor­ri­gie­ren, ergän­zen und Sät­ze wech­sel­sei­tig been­den. Den You­Tube-Kanal kann ich unein­ge­schränkt emp­feh­len, schon weil alle Vide­os aus der Ecke „Gesprä­che unter Erwach­se­nen“ kom­men und sach­lich fun­diert geführt wer­den. Dabei wür­de ich die bei­den eigent­lich als klas­si­sche „Lef­ties“ bezeich­nen. Aller­dings von der guten, ratio­na­len, schöp­fe­risch täti­gen Sor­te, die sich ange­sichts des Zustands der lin­ken Kräf­te in Land (USA) und Stadt (Port­land) und deren Ver­laut­ba­run­gen und Aktio­nen per­ma­nent fra­gen, wel­che ros­ti­gen ideo­lo­gi­schen Nägel denen wohl in letz­ter Zeit durch die Köp­fe gegan­gen sein mögen.

The­ma dies­mal wie gesagt: Poten­zi­el­le Lang­zeit­ri­si­ken des COVID-Impfstoffs.

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Bei­de sehen und for­mu­lie­ren sehr klar den Unter­schied zwi­schen der kol­lek­ti­vis­ti­schen Sicht des Staa­tes auf Gesund­heits­pro­ble­me und der indi­vi­du­el­len Sicht des Ein­zel­nen Men­schen. Bei­de Sicht­punk­te haben gute, ratio­na­le Argu­men­te, die man anhö­ren soll­te. Wein­stein bemän­gelt, dass Kri­ti­ker wie Kin­der behan­delt wür­den, denen man sage, es gäbe kei­ne Risi­ken. Wer auf­muckt, wird als Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker abge­stem­pelt (neu­deutsch „Quer­den­ker“), was den Ver­schwö­rungs­theo­rien aber erst recht Zulauf verschaffe.

In den USA gehört das gesam­te medi­zi­ni­sche Per­so­nal zur vor­ran­gi­gen Ziel­grup­pe der nun anlau­fen­den Imp­fun­gen und Wein­stein fragt sich, ob es wirk­lich klug ist, ange­sichts der Risi­ken des Impf­stoffs zuerst die gesam­te „Front­li­ne“, also jeden Arzt und das gesam­te Pfle­ge­per­so­nal zu imp­fen. Soll­ten wir nicht viel­leicht nur die Hälf­te oder ein Drit­tel behan­deln und sehen, was pas­siert? Wie sieht eigent­lich das Risi­ko­ma­nage­ment hier aus? Es gibt im Grun­de keins!

Durch die Defi­ni­ti­on von Vor­rang-Grup­pen geht ein Staat womög­lich das Risi­ko ein, gera­de ver­letz­li­che bzw. sys­tem­re­le­van­te Grup­pen zu schä­di­gen, indem man ihnen die indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung durch Zeit­druck abnimmt. Mir wäre also sehr viel woh­ler, wenn die star­re Auf­tei­lung in Impf­ko­hor­ten unter­blie­be und aller­größ­ter Wert auf die Frei­wil­lig­keit gelegt wür­de – beson­ders in offi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen. Gera­de Ethik-Pro­fes­so­ren wie Henn soll­ten ihre uti­li­ta­ris­ti­sche Ein­stel­lung bes­ser für sich behal­ten und statt die Regie­rung zu bera­ten, lie­ber alar­mis­ti­sche Reden für Karl Lau­ter­bach schrei­ben. Ich für mei­nen Teil wer­de mich in Sachen Imp­fung wie immer mit mei­nem Arzt bera­ten und lege kei­nen Wert auf die „Bera­tung“ durch Mit­glie­der der Ethik­kom­mis­si­on der Bundesregierung.

 

1) The Fatal Con­ceit: The Errors of Socia­lism. F.A. von Hayek,1988. Deut­sche Über­set­zung in „F.A. von Hay­eks kon­sti­tu­tio­nel­ler Libe­ra­lis­mus“, Pies/​Leschke, Mohr Sie­beck 2003

Titel­bild mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Ste­fan Klinkigt.

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13 Kommentare

  1. Da unse­re Ber­li­ner Kory­phä­en am Werk sind, wird das Schlech­tes­te aus bei­den Wel­ten dabei herauskommen.
    Impf­zwang UND zu wenig Impfstoff.

  2. Wenn „auf Beatmung ver­zich­ten“ bedeu­tet, auf Intu­ba­ti­on zu ver­zich­ten, dann ja, bit­te. Die­se Art der Beatmung ist der­ma­ßen in Ver­ruf gera­ten, dass ich ger­ne zurückstehe.
    @W. +Rös­ner: War­um so aus­fäl­lig? Sie könn­ten Ihre Mei­nung doch ohne Schaum vor dem Mund dar­le­gen. Ihre Argu­men­te wer­den nicht bes­ser, wenn Sie sie mit Ver­bal­in­ju­ri­en garnieren.

  3. Man soll­te die Impf­kam­pa­gne unbe­dingt von Ber­lin aus orga­ni­sie­ren las­sen, dann hät­ten wir den ers­ten Retro-Impf­stoff für eine aus­ge­stor­be­ne Viruserkrankung.

  4. Ich bin auch von den Gleich­zei­tig­kei­ten fas­zi­niert. Vor drei Mona­ten wuss­ten wir noch nicht, ob und wann ein Impf­stoff gefun­den wer­den wird, aber die Hälf­te des Inter­nets wuss­te schon, dass sie dage­gen ist. 

    Jetzt haben wir ers­te Kan­di­da­ten und wäh­rend der omi­nö­se Ethik­rat Lis­ten- und Prio­ri­tä­ten vor­gibt, weil Haus­ärz­te das par­tout nichts selbst ein­schät­zen kön­nen, wird schon die Jagd auf Impf­ver­wei­ge­rer gestartet.

    Mei­ne Kris­tall­ku­gel und das Horo­skop sagen mir, dass wir AfD-Abge­ord­ne­te tage­lang am Stuhl fest­bin­den wer­den unter Dro­hun­gen, dass er hier nicht weg kommt, bis der Impf­stoff in sei­nen Venen ist. Bis die Sprit­ze aber tat­säch­lich da ist, wur­de dann schon halb Afri­ka geimpft. Der impf­wil­li­ge Euro­pä­er ver­rö­chelt der­weil vor der Tür, wäh­rend die letz­te Injek­ti­on der Stadt im Hos­piz gesetzt wird.

  5. Wir sind ver­lo­ren, wenn sogar ein Roger Lesch einen so däm­li­chen Arti­kel zustan­de bringt. Ich weiß gar nicht, wo ich anfan­gen soll. Der Mann hat offen­bar nicht mit­be­kom­men, dass die CFR von Covid19 bei 0,25% liegt, und wenn doch, dann hat er nicht ver­stan­den, was die­se Zahl bedeu­tet. Näm­lich, dass wir über Vor­sor­ge von COVID nicht mehr spre­chen müs­sen. Und über fre­che Ver­su­che, ris­kan­te Imp­fun­gen zu ver­kau­fen erst Recht nicht. Viel zu viel dum­mes, erschre­cken­des Gela­ber zu einem The­ma, das offen­bar für den Schrei­ber­ling hier zu kom­plex ist. Frü­her habe ich schon mal intel­li­gen­te Arti­kel von ihm gele­sen, jetzt springt er über alle Stöck­chen, die uns zum über­sprin­gen ange­dient wer­den. Grausig.

  6. Über Sinn und Unsinn, Wir­kun­gen und Gefah­ren der ver­schie­de­nen Impf­stof­fe brau­chen wir hier gar nicht zu dis­ku­tie­ren. Wer es mag, darf sich ger­ne auch mit Des­in­fek­ti­ons­mit­tel oder mit Wod­ka imp­fen las­sen, sofern er einen Arzt fin­det, der dafür die medi­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung übernimmt.

    Aber die Dro­hung gegen vie­le mit der Ver­wei­ge­rung ärzt­li­cher Leis­tun­gen ist nicht nur die Androh­nung unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung in einem Maße, das als Nöti­gung der Öffent­lich­keit bewer­tet wer­den kann, nach §126 StGB „Stö­rung des öffent­li­chen Frie­dens durch Andro­hung von Straf­ta­ten“. Sie wider­spricht auch dem Art. 3, Satz 3 des Grund­ge­set­zes („Nie­mand darf wegen […] sei­ner […] poli­ti­schen Anschau­un­gen benach­tei­ligt oder bevor­zugt wer­den.“) und davon abge­lei­tet Volks­ver­het­zung nach §130 StGB.

    Wolf­gang Henns For­de­rung ist also nicht nur kri­mi­nell, son­dern sogar ver­fas­sungs­wid­rig. Sagt Wolf­gang Kubicki.

    Aber in dem Land, in dem wir gern und gut leben, wird ja Bauch­füh­len und Har­mo­nie­stre­ben höher gehan­delt als har­te recht­li­che Vor­schrif­ten. Weiß jemand, ob es bei der Zustim­mung zu den Maß­nah­men nen­nens­wer­te Unter­schie­de zwi­schen Män­nern und Frau­en gibt? Wer ver­tei­digt die Frei­heit und wer lebt die Unterwerfung?

    • Im Hin­blick auf die zu ver­hin­dern­de Krank­heit wäre es ja logisch; nun aus­ge­rech­net den­je­ni­gen bevor­zugt das Recht auf eine Imp­fung anzu­bie­ten, die die erwähn­ten woken Stu­den­ten für die Inkar­na­ti­on des Bösen hal­ten — alten (wei­ßen) Män­nern. Nach­dem sta­tis­tisch gese­hen der Durch­schnitts­mann das­sel­be Risi­ko für schwe­re Ver­läu­fe (oder gar den Tod durch) das Coro­na­vi­rus hat wie eine zehn bis fünf­zehn Jah­re älte­re Durch­schnitts­frau, soll­te das in der Ver­tei­lung des knap­pen Guts auch dem­entspre­chend berück­sich­tigt werden.
      Wird es? Nein — die „wokes­colds“ hät­ten es am liebs­ten umgekehrt.
      Beson­ders viel Hirn wird sowie­so nicht hin­ein­ge­steckt in den Kohor­ten­zwang — sonst wür­de näm­lich der nega­ti­ve Anti­kör­per­test (zunächst) zur Vorraus­set­zung für eine Imp­fung: wer schon Immu­ni­tät hat (und sei es auch nur teil­wei­se), soll­te sich hin­ter die­je­ni­gen ein­rei­hen, die noch nicht im Genuss einer sol­chen sind. „Ver­bes­sern“ kann man sei­nen Schutz bit­te erst, wenn alle wenigs­tens ein klei­nes Stück­chen davon abbe­köm­men könnten.

      Eigent­lich ist der Impf­stoff näm­lich viel zu knapp für Gedan­ken­spie­le um Zwangs­maß­nah­men und Staats­er­zie­hung. Wür­de man es den Ein­zel­nen über­las­sen, wann sie eine Imp­fung für nötig erach­ten (und nur Vor­keh­run­gen gegen „Panik­imp­fun­gen“ tref­fen), dann wür­den schon von allein die­je­ni­gen zuerst dafür anste­hen, die sie am nötigs­ten brauchen.

      • Tho­mas Bern­hard, der seit sei­ner Jugend nur noch ein biss­chen Lun­ge hat­te und der zur Grup­pe der am Meis­ten Gefähr­de­ten gehö­ren wür­de (wenn er noch leb­te), wür­de sich grad vor Ekel schüt­teln und sagen, dass die Staats­rhe­to­rik wegen der Staats­imp­fe­rei gegen den Staats­vi­rus mal wie­der eine Staats-Wider­wär­tig­keit im Spe­zi­el­len, Beson­de­ren, Gene­rel­len und Uni­ver­sel­len sei („sie machen Allen auf den Kopf!“), und dann hätt‘ er frei­lich g’schossn.
        Ach, aber vor­her hät­te er dar­auf bestan­den, dass man die Alten in sei­nem Ort sofort impft, ja sofern die das denn über­haupt wol­len, und erst dann ihn selber.

        Der Tho­mas Bern­hard, der war etwa hun­dert­sieb­zehn­mal ethi­scher, als es der Staats­pro­fes­sor Henn und die Staats­bild­zei­tung jemals sein werden.

  7. Die Fra­gen die Roger hier stellt sind auch mir gleich ein­ge­fal­len als ich die Schlag­zei­le, in der expo­niert aus­ge­stell­ten „Bild“ las.
    Alko­hol, Niko­tin, jeg­li­cher Sport (außer Schach viel­leicht), auto­fah­ren alles müss­te ver­bo­ten wer­den. Auch rad­fah­ren ist poten­ti­ell nicht unge­fähr­lich. Und wenn man bedenkt wie vie­le Unfäl­le im Haus­halt passieren…
    Ich fra­ge mich, wel­che Ethik der Human­ge­ne­ti­ker Prof. Henn vertritt?
    Möch­te er eine Ein­tei­lung nach wer­tem und unwer­tem Leben vor­neh­men? Bis dato glaub­te ich, das hät­ten wir seit 75 Jah­ren überwunden.
    Wenn sol­che Wis­sen­schaft­ler unse­re Regie­rung bera­ten muss einem Angst und Ban­ge werden.

    • Nur sol­che bera­ten die deut­sche Regie­rung. In jeder Hin­sicht. Ande­re, die was Ande­res raten, gel­ten regie­rungs­seits als Quer­den­ker oder so.

      Der Ethik-Henn möch­te, dass Allen, die ihm quer vor­kom­men, ein Schild umge­hängt wird mit dem Reim so ähn­lich wie vor 82 Jah­ren, „ich bin am Ort das größ­te Schwein und lass mich mit dem Virus ein.“
      Na pfui Deibel.

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