Friedrich August von Hayek, Zeichnung von Stefan KlinkigtAls „Mahnung an die Mensch­lich­keit“ möchte die BILD das Credo von Prof. Dr. Wolf­gang Henn ver­stan­den wissen und titelt wir­kungs­si­cher: „Impfen lassen – oder auf Beatmung ver­zich­ten!“ Henn ist nicht irgend­wer, sondern berät die Bun­des­re­gie­rung im Ethik­rat. Sie wissen schon, jenes Gremium, welches immer dann ange­ru­fen wird, wenn es gilt, unbe­que­men Ent­schei­dun­gen den Hauch der Alter­na­tiv­lo­sig­keit und jedem Wider­spruch den Geruch des amo­ra­li­schen zu ver­pas­sen. Zwar werden unsere Poli­ti­ker nicht müde zu beteu­ern, einen Impf­zwang werde es nicht geben. Doch betonen die­sel­ben Poli­ti­ker auch, ihnen seien die Hände gebun­den, wenn die Impfung von pri­va­ten Wirt­schafts­zwei­gen künftig als Ein­tritts­karte gefor­dert würde. Kein Flug ohne Impfung, kein Ein­tritt ins Stadion, kein Kon­zert­ti­cket, keine Woh­nungs­be­sich­ti­gung, kein Kredit, keine Lebensversicherung…man bilde weitere Beispiele.

Hayek hatte recht

Nun also deutet sich die Mög­lich­keit an, durch ange­drohte Behand­lungs­ver­wei­ge­rung der „Frei­wil­lig­keit“ zur Impfung etwas nach­hel­fen zu können. Wir betre­ten hier einen ganz neuen Raum staat­li­chen Han­delns, der jedoch zwangs­läu­fig am Ende des Weges liegt, den wir seit März gehen. Bemer­kens­wert ist, dass der Staat als über­ge­ord­nete Entität mit Zwang Ent­schei­dun­gen für den Ein­zel­nen trifft und damit den Bereich ver­lässt, in dem er Kom­pe­tenz hat. Die Art des Zwangs ist dabei uner­heb­lich. Ent­schei­dend ist, dass damit gedroht wird, die Argu­mente des Ein­zel­nen nicht gelten zu lassen, wenn sie zu einer anderen Ent­schei­dung führen. Der Staat weiß es besser und über­schreibt mit einer mora­li­schen Anwei­sung per­sön­li­che Ent­schei­dun­gen, selbst wenn diese noch so gut begrün­det sein mögen. Diese Form der „Grenz­ver­let­zung“, bei der sich Staat oder Mensch bei ihren Hand­lun­gen gewis­ser­ma­ßen in der Sphäre irren, ist gut bei Fried­rich August von Hayek beschrieben:

Unsere Schwie­rig­keit besteht zum Teil darin, daß wir unser Leben, unsere Gedan­ken und Gefühle unent­wegt anpas­sen müssen, um gleich­zei­tig in ver­schie­de­nen Arten von Ord­nun­gen und nach ver­schie­de­nen Regeln leben zu können. Wollten wir die unver­än­der­ten, unein­ge­schränk­ten Regeln des Mikro­kos­mos (d. h. die Regeln der kleinen Horde oder Gruppe oder bei­spiels­weise unserer Fami­lien) auf den Makro­kos­mos (die Zivi­li­sa­tion im Großen) anwen­den, wie unsere Instinkte und Gefühle es uns oft wün­schen lassen, so würden wir ihn zer­stö­ren. Würden wir aber umge­kehrt immer die Regeln der erwei­ter­ten Ordnung auf unsere klei­ne­ren Grup­pie­run­gen anwen­den, so würden wir diese zer­mal­men. Wir müssen also lernen, gleich­zei­tig in zwei Welten zu leben.“ 1)

Solche Über­tre­tun­gen gibt es in beide Rich­tun­gen und sie häufen sich. Ich behaupte, die Summe dieser Sphä­ren­ver­let­zun­gen ist zum größten Teil für die Atmo­sphäre des Miss­trau­ens ver­ant­wort­lich, die sich gegen­über der Politik in diesem Land aus­ge­brei­tet hat. Die Ord­nun­gen der „kleinen Horden“ werden immer häu­fi­ger von meist sehr klein­tei­li­gen staat­li­chen Anord­nun­gen über­schrie­ben, während beson­ders sen­dungs­starke Poli­ti­ker ihre per­sön­li­chen Ver­zichts­ent­schei­dun­gen (vegane Ernäh­rung, kein Auto, grüne Energie etc.) gern zur all­ge­mei­nen Regel machen möchten. Motto: was für mich gut ist, kann für das Land nicht schlecht sein. Der Erfah­rungs­ho­ri­zont vieler Poli­ti­ker geht ja in vielen Fällen auch kaum über das Per­sön­li­che hinaus, was dem „Gestal­tungs­wil­len“ kogni­tive Grenzen setzt. Im Zweifel reicht es sogar, dies nur vir­tu­ell zu voll­zie­hen, indem man bei­spiels­weise am liebs­ten das Fliegen ver­bie­ten möchte, selbst jedoch zum Eis essen nach Kali­for­nien fliegen darf.

Das was Ethik­pro­fes­sor Henn fordert, kann aus Sicht eines Staates, der ein Gesund­heits­sys­tem auf ein Maß her­un­ter­schrump­fen möchte, welches ihm noch groß­zü­gige Mittel für Pro­jekte der Wäh­ler­er­zie­hung lässt, nur der Anfang sein. Jede Tätig­keit, die über ein mög­lichst gerin­ges mitt­le­res Risiko hin­aus­geht, könnte den Verlust des Ver­si­che­rungs­schut­zes und der Soli­da­ri­tät der Gemein­schaft bedeu­ten. Zucker, Alkohol, Tabak, Fast Food: ver­bo­ten! Ski fahren: auch ver­bo­ten. Über­haupt Sport, der größere Ver­let­zungs­ri­si­ken birgt. Ande­rer­seits muss Sport natür­lich ver­pflich­tend gefor­dert werden, um die Gesund­heit zu ver­bes­sern. Und dann erst die Gestal­tungs­räume im Trans­port! Tempo 80 außer­orts, Tempo 30 in der Stadt – überall. Da Auto­fah­ren gene­rell gefähr­li­cher ist als die Bahn zu nehmen, kann man es auch gleich ganz ver­bie­ten. Was der Abmahn­ver­ein „Deut­sche Umwelt­hilfe“ mit dem Fein­staub nicht schafft, lässt sich locker über die Volks­ge­sund­heit bewerk­stel­li­gen. Außer für die, die es tun müssen, selbst­ver­ständ­lich! Polizei, Feu­er­wehr, Amazon-Lie­fe­ran­ten und Politiker.

Doch nehmen wir die Triage „geimpft oder nicht“ von Pro­fes­sor Henn nochmal genauer unter die Lupe. Die Haltung der über­ge­ord­ne­ten Instanz Staat ist klar. Man will eine mög­lichst gute Durch­imp­fung der Bevöl­ke­rung errei­chen. Ein Ansin­nen, das ich gut ver­ste­hen und auch nach­voll­zie­hen kann. Wie schon oft gesagt bin ich kein Impf­geg­ner. Im Gegen­teil. Henn schaut also sehr wahr­schein­lich auf die ersten Resul­tate der Imp­fun­gen in Kanada, den USA und Groß­bri­tan­nien, stellt fest, dass es zwar zu einigen Neben­wir­kun­gen und Kom­pli­ka­tio­nen kam (auch zu uner­war­te­ten), hält das Risiko, durch Neben­wir­kun­gen zu Schaden zu kommen, jedoch für gerin­ger als die Wahr­schein­lich­keit, durch Covid-19 zu sterben. Wir sollten hier übri­gens nur den Eigen­schutz betrach­ten, weil man ja offen­bar auch nach der Impfung noch Über­trä­ger der Krank­heit sein kann. Das Argu­ment: „Schutz der Anderen“ zieht hier also nicht.

Die Risi­ko­ab­schät­zung des Ein­zel­nen kommt jedoch ganz anders zustande als die Henns. Da spielt zunächst das Alter eine Rolle. Für unter 60-jährige ist das Krank­heits­ri­siko bekannt­lich deut­lich gerin­ger. Dann die Tätig­keit, die Anzahl der Kon­takte im Alltag und vieles mehr. Bekannt ist, dass der Impf­stoff bei Men­schen mit starken und zahl­rei­chen All­er­gien heftige bis lebens­be­droh­li­che Reak­tio­nen aus­lö­sen kann. Würde sich Henns Triage-Regel durch­set­zen, stünde ein an sich gesun­der Mitt­zwan­zi­ger Flug­be­glei­ter mit zahl­rei­chen All­er­gien viel­leicht irgend­wann vor der Wahl, sich dem erhöh­ten Risiko der Impfung aus­zu­set­zen oder seinen Beruf auf­zu­ge­ben, weil es zwar keine Impf­pflicht gibt, sein Arbeit­ge­ber diese eine Impfung aber vor Vor­aus­set­zung machen darf. Ein nicht­ge­impf­ter Motor­rad­fah­rer, der unver­schul­det einen schwe­ren Unfall hatte, könnte nur hoffen, dass im Kran­ken­haus der Corona-Schnell­test negativ aus­fällt, weil er sonst keine Hilfe bekäme. Henns staat­lich ver­ord­nete Zwangs­so­li­da­ri­tät würde auf der Ebene des Indi­vi­du­ums teil­weise erheb­lich höhere Risiken ein­for­dern und ver­lan­gen, dass ein­zelne Men­schen „zum Wohle der All­ge­mein­heit“ ihre per­sön­li­che Risi­ko­ab­schät­zung – ganz gleich, wie diese zustande kam – igno­rie­ren. So schafft man viel­leicht Mär­ty­rer, jedoch kein Ver­trauen in Regie­rungs­han­deln. Jetzt wird klar, warum Hayek für solche Über­grif­fig­kei­ten des Großen ins Kleine das starke Wort „zer­mal­men“ ver­wen­det hat.

Warum die Eile?

Ein wei­te­res Problem ergibt sich aus dem ambi­tio­nier­ten Zeit­plan für die „Durch­imp­fung“, zumin­dest in Indus­trie­staa­ten wie Deutsch­land und den USA. Ein neuer Impf­stoff, für dessen Neben­ef­fekte es – im Gegen­satz zur Krank­heit, die er bekämp­fen soll – noch keine Mittel- oder Lang­zeit­un­ter­su­chun­gen gibt, wird gerade in rasen­dem Tempo ausgerollt.

Dieser Aspekt wird von „Dark­Horse“, dem YouTube-Kanal von Bret Wein­stein und Heather Heying in einem Video gut beleuch­tet. Beide sind übri­gens Bio­lo­gen, beide PhD, beide ehemals Pro­fes­so­ren am Ever­green College, welches sie im Streit ver­lie­ßen. Grob gesagt, weil es – wie heute üblich – Dif­fe­ren­zen zwi­schen den Pro­fes­so­ren und woken Stu­den­ten gab. Wein­steins Wiki­pe­dia-Artikel gibt eine unge­fähre Vor­stel­lung der Ereig­nisse am Ever­green College. Ach, ver­hei­ra­tet sind die beiden auch – und ein offen­sicht­lich extrem gutes Team vor der Kamera, wo sie sich fort­wäh­rend gegen­sei­tig kor­ri­gie­ren, ergän­zen und Sätze wech­sel­sei­tig beenden. Den YouTube-Kanal kann ich unein­ge­schränkt emp­feh­len, schon weil alle Videos aus der Ecke „Gesprä­che unter Erwach­se­nen“ kommen und sach­lich fun­diert geführt werden. Dabei würde ich die beiden eigent­lich als klas­si­sche „Lefties“ bezeich­nen. Aller­dings von der guten, ratio­na­len, schöp­fe­risch tätigen Sorte, die sich ange­sichts des Zustands der linken Kräfte in Land (USA) und Stadt (Port­land) und deren Ver­laut­ba­run­gen und Aktio­nen per­ma­nent fragen, welche ros­ti­gen ideo­lo­gi­schen Nägel denen wohl in letzter Zeit durch die Köpfe gegan­gen sein mögen.

Thema diesmal wie gesagt: Poten­zi­elle Lang­zeit­ri­si­ken des COVID-Impfstoffs.

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Beide sehen und for­mu­lie­ren sehr klar den Unter­schied zwi­schen der kol­lek­ti­vis­ti­schen Sicht des Staates auf Gesund­heits­pro­bleme und der indi­vi­du­el­len Sicht des Ein­zel­nen Men­schen. Beide Sicht­punkte haben gute, ratio­nale Argu­mente, die man anhören sollte. Wein­stein bemän­gelt, dass Kri­ti­ker wie Kinder behan­delt würden, denen man sage, es gäbe keine Risiken. Wer auf­muckt, wird als Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker abge­stem­pelt (neu­deutsch „Quer­den­ker“), was den Ver­schwö­rungs­theo­rien aber erst recht Zulauf verschaffe.

In den USA gehört das gesamte medi­zi­ni­sche Per­so­nal zur vor­ran­gi­gen Ziel­gruppe der nun anlau­fen­den Imp­fun­gen und Wein­stein fragt sich, ob es wirk­lich klug ist, ange­sichts der Risiken des Impf­stoffs zuerst die gesamte „Front­line“, also jeden Arzt und das gesamte Pfle­ge­per­so­nal zu impfen. Sollten wir nicht viel­leicht nur die Hälfte oder ein Drittel behan­deln und sehen, was pas­siert? Wie sieht eigent­lich das Risi­ko­ma­nage­ment hier aus? Es gibt im Grunde keins!

Durch die Defi­ni­tion von Vorrang-Gruppen geht ein Staat womög­lich das Risiko ein, gerade ver­letz­li­che bzw. sys­tem­re­le­vante Gruppen zu schä­di­gen, indem man ihnen die indi­vi­du­elle Ent­schei­dung durch Zeit­druck abnimmt. Mir wäre also sehr viel wohler, wenn die starre Auf­tei­lung in Impf­ko­hor­ten unter­bliebe und aller­größ­ter Wert auf die Frei­wil­lig­keit gelegt würde – beson­ders in offi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen. Gerade Ethik-Pro­fes­so­ren wie Henn sollten ihre uti­li­ta­ris­ti­sche Ein­stel­lung besser für sich behal­ten und statt die Regie­rung zu beraten, lieber alar­mis­ti­sche Reden für Karl Lau­ter­bach schrei­ben. Ich für meinen Teil werde mich in Sachen Impfung wie immer mit meinem Arzt beraten und lege keinen Wert auf die „Bera­tung” durch Mit­glie­der der Ethik­kom­mis­sion der Bundesregierung.

1) The Fatal Conceit: The Errors of Socia­lism. F.A. von Hayek,1988. Deut­sche Über­set­zung in „F.A. von Hayeks kon­sti­tu­tio­nel­ler Libe­ra­lis­mus“, Pies/Leschke, Mohr Siebeck 2003

Titel­bild mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Stefan Klinkigt.

13 Kommentare

  1. Da unsere Ber­li­ner Kory­phäen am Werk sind, wird das Schlech­teste aus beiden Welten dabei herauskommen.
    Impf­zwang UND zu wenig Impfstoff.

  2. Wenn „auf Beatmung ver­zich­ten” bedeu­tet, auf Intu­ba­tion zu ver­zich­ten, dann ja, bitte. Diese Art der Beatmung ist der­ma­ßen in Verruf geraten, dass ich gerne zurückstehe.
    @W. +Rösner: Warum so aus­fäl­lig? Sie könnten Ihre Meinung doch ohne Schaum vor dem Mund dar­le­gen. Ihre Argu­mente werden nicht besser, wenn Sie sie mit Ver­bal­in­ju­rien garnieren.

  3. Man sollte die Impf­kam­pa­gne unbe­dingt von Berlin aus orga­ni­sie­ren lassen, dann hätten wir den ersten Retro-Impf­stoff für eine aus­ge­stor­bene Viruserkrankung.

  4. Ich bin auch von den Gleich­zei­tig­kei­ten fas­zi­niert. Vor drei Monaten wussten wir noch nicht, ob und wann ein Impf­stoff gefun­den werden wird, aber die Hälfte des Inter­nets wusste schon, dass sie dagegen ist. 

    Jetzt haben wir erste Kan­di­da­ten und während der ominöse Ethik­rat Listen- und Prio­ri­tä­ten vorgibt, weil Haus­ärzte das partout nichts selbst ein­schät­zen können, wird schon die Jagd auf Impf­ver­wei­ge­rer gestartet.

    Meine Kris­tall­ku­gel und das Horo­skop sagen mir, dass wir AfD-Abge­ord­nete tage­lang am Stuhl fest­bin­den werden unter Dro­hun­gen, dass er hier nicht weg kommt, bis der Impf­stoff in seinen Venen ist. Bis die Spritze aber tat­säch­lich da ist, wurde dann schon halb Afrika geimpft. Der impf­wil­lige Euro­päer ver­rö­chelt derweil vor der Tür, während die letzte Injek­tion der Stadt im Hospiz gesetzt wird.

  5. Wir sind ver­lo­ren, wenn sogar ein Roger Lesch einen so däm­li­chen Artikel zustande bringt. Ich weiß gar nicht, wo ich anfan­gen soll. Der Mann hat offen­bar nicht mit­be­kom­men, dass die CFR von Covid19 bei 0,25% liegt, und wenn doch, dann hat er nicht ver­stan­den, was diese Zahl bedeu­tet. Nämlich, dass wir über Vor­sorge von COVID nicht mehr spre­chen müssen. Und über freche Ver­su­che, ris­kante Imp­fun­gen zu ver­kau­fen erst Recht nicht. Viel zu viel dummes, erschre­cken­des Gelaber zu einem Thema, das offen­bar für den Schrei­ber­ling hier zu komplex ist. Früher habe ich schon mal intel­li­gente Artikel von ihm gelesen, jetzt springt er über alle Stöck­chen, die uns zum über­sprin­gen ange­dient werden. Grausig.

  6. Über Sinn und Unsinn, Wir­kun­gen und Gefah­ren der ver­schie­de­nen Impf­stoffe brau­chen wir hier gar nicht zu dis­ku­tie­ren. Wer es mag, darf sich gerne auch mit Des­in­fek­ti­ons­mit­tel oder mit Wodka impfen lassen, sofern er einen Arzt findet, der dafür die medi­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung übernimmt.

    Aber die Drohung gegen viele mit der Ver­wei­ge­rung ärzt­li­cher Leis­tun­gen ist nicht nur die Androh­nung unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung in einem Maße, das als Nöti­gung der Öffent­lich­keit bewer­tet werden kann, nach §126 StGB „Störung des öffent­li­chen Frie­dens durch Andro­hung von Straf­ta­ten“. Sie wider­spricht auch dem Art. 3, Satz 3 des Grund­ge­set­zes („Niemand darf wegen […] seiner […] poli­ti­schen Anschau­un­gen benach­tei­ligt oder bevor­zugt werden.“) und davon abge­lei­tet Volks­ver­het­zung nach §130 StGB.

    Wolf­gang Henns For­de­rung ist also nicht nur kri­mi­nell, sondern sogar ver­fas­sungs­wid­rig. Sagt Wolf­gang Kubicki.

    Aber in dem Land, in dem wir gern und gut leben, wird ja Bauch­füh­len und Har­mo­nie­stre­ben höher gehan­delt als harte recht­li­che Vor­schrif­ten. Weiß jemand, ob es bei der Zustim­mung zu den Maß­nah­men nen­nens­werte Unter­schiede zwi­schen Männern und Frauen gibt? Wer ver­tei­digt die Frei­heit und wer lebt die Unterwerfung?

    • Im Hin­blick auf die zu ver­hin­dernde Krank­heit wäre es ja logisch; nun aus­ge­rech­net den­je­ni­gen bevor­zugt das Recht auf eine Impfung anzu­bie­ten, die die erwähn­ten woken Stu­den­ten für die Inkar­na­tion des Bösen halten – alten (weißen) Männern. Nachdem sta­tis­tisch gesehen der Durch­schnitts­mann das­selbe Risiko für schwere Ver­läufe (oder gar den Tod durch) das Coro­na­vi­rus hat wie eine zehn bis fünf­zehn Jahre ältere Durch­schnitts­frau, sollte das in der Ver­tei­lung des knappen Guts auch dem­entspre­chend berück­sich­tigt werden.
      Wird es? Nein – die „wokes­colds” hätten es am liebs­ten umgekehrt.
      Beson­ders viel Hirn wird sowieso nicht hin­ein­ge­steckt in den Kohor­ten­zwang – sonst würde nämlich der nega­tive Anti­kör­per­test (zunächst) zur Vorraus­set­zung für eine Impfung: wer schon Immu­ni­tät hat (und sei es auch nur teil­weise), sollte sich hinter die­je­ni­gen ein­rei­hen, die noch nicht im Genuss einer solchen sind. „Ver­bes­sern” kann man seinen Schutz bitte erst, wenn alle wenigs­tens ein kleines Stück­chen davon abbe­köm­men könnten.

      Eigent­lich ist der Impf­stoff nämlich viel zu knapp für Gedan­ken­spiele um Zwangs­maß­nah­men und Staats­er­zie­hung. Würde man es den Ein­zel­nen über­las­sen, wann sie eine Impfung für nötig erach­ten (und nur Vor­keh­run­gen gegen „Panik­imp­fun­gen” treffen), dann würden schon von allein die­je­ni­gen zuerst dafür anste­hen, die sie am nötigs­ten brauchen.

      • Thomas Bern­hard, der seit seiner Jugend nur noch ein biss­chen Lunge hatte und der zur Gruppe der am Meisten Gefähr­de­ten gehören würde (wenn er noch lebte), würde sich grad vor Ekel schüt­teln und sagen, dass die Staats­rhe­to­rik wegen der Staats­imp­fe­rei gegen den Staats­vi­rus mal wieder eine Staats-Wider­wär­tig­keit im Spe­zi­el­len, Beson­de­ren, Gene­rel­len und Uni­ver­sel­len sei („sie machen Allen auf den Kopf!”), und dann hätt’ er frei­lich g’schossn.
        Ach, aber vorher hätte er darauf bestan­den, dass man die Alten in seinem Ort sofort impft, ja sofern die das denn über­haupt wollen, und erst dann ihn selber.

        Der Thomas Bern­hard, der war etwa hun­dert­sieb­zehn­mal ethi­scher, als es der Staats­pro­fes­sor Henn und die Staats­bild­zei­tung jemals sein werden.

  7. Die Fragen die Roger hier stellt sind auch mir gleich ein­ge­fal­len als ich die Schlag­zeile, in der expo­niert aus­ge­stell­ten „Bild” las.
    Alkohol, Nikotin, jeg­li­cher Sport (außer Schach viel­leicht), auto­fah­ren alles müsste ver­bo­ten werden. Auch rad­fah­ren ist poten­ti­ell nicht unge­fähr­lich. Und wenn man bedenkt wie viele Unfälle im Haus­halt passieren…
    Ich frage mich, welche Ethik der Human­ge­ne­ti­ker Prof. Henn vertritt?
    Möchte er eine Ein­tei­lung nach wertem und unwer­tem Leben vor­neh­men? Bis dato glaubte ich, das hätten wir seit 75 Jahren überwunden.
    Wenn solche Wis­sen­schaft­ler unsere Regie­rung beraten muss einem Angst und Bange werden.

    • Nur solche beraten die deut­sche Regie­rung. In jeder Hin­sicht. Andere, die was Anderes raten, gelten regie­rungs­seits als Quer­den­ker oder so.

      Der Ethik-Henn möchte, dass Allen, die ihm quer vor­kom­men, ein Schild umge­hängt wird mit dem Reim so ähnlich wie vor 82 Jahren, „ich bin am Ort das größte Schwein und lass mich mit dem Virus ein.”
      Na pfui Deibel.

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