Es gibt Texte, die einen völ­lig rat­los zurück­lassen. Sie enthal­ten auf den ersten Blick viele Wahrheit­en, verknüpfen diese aber auf eine Weise, dass das geze­ich­nete Gesamt­bild völ­lig verz­er­rt, hässlich und am Ende nut­z­los ist. Sie erk­lären nichts, stellen nichts richtig, kla­gen nicht an, fordern nichts. Und den­noch schaf­fen sie es, dass man sich nach dem Lesen schlechter fühlt – voraus­ge­set­zt, man lässt den Inhalt nahe genug an sich her­an. Solch ein Text ist der von Jule Hoff­mann in der Zeit. Er trägt den wenig ein­fühlsamen Titel „Deutsch und damit nicht nor­mal“. Er knüpft – wie kön­nte es anders sein – an der Naz­izeit an und behauptet: Eine Selb­st­beze­ich­nung wie „Men­schen mit Naz­i­hin­ter­grund“ würde uns, den Deutschen, bei der Aufar­beitung helfen.

Moshtari Hilal und Sinthu­jan Varathara­jah, zwei dur­chaus bemerkenswerte Kün­stler ganz ohne Nazi‑, aber mit anderem, vere­del­n­dem Hin­ter­grund, haben den Begriff geprägt, dem Jule Hoff­mann nun nach­lei­det. Diese Begriff­serfind­ung kann man nur als äußerst geschäft­stüchtig beze­ich­nen. Denn bei­de Kün­stler geben dem Pub­likum das, was es sehn­lichst erwartet: einen wohli­gen Grusel vor sich selb­st und reich­lich Grund, Asche aufs eigene Haupt zu schaufeln. Denn es wird ihnen aufge­fall­en sein, liebe Leser, dass zwei moral­isierende Geräusche mit der zeitlichen Ent­fer­nung zu den Ereignis­sen lauter wer­den: die Schuldzuweisung am und der Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Als moralis­che Schied­srichter bieten sich Migranten aus aller Despoten Län­der an, deren Fam­i­lien vor ganz und gar undeutschem Ter­ror­is­mus, Armut, Krieg und religiös­er Verknöcherung aus ihren Herkun­ft­sre­gio­nen flo­hen. Aus guten Grün­den also! Die eigentlichen Fluchtur­sachen wer­den dann in Deutsch­land zur Folge von Kolo­nial­is­mus und Ras­sis­mus zweck­op­ti­miert. Das Abstoßende wird zum Anziehen­den wird zum Abstoßen­den. So ist er, der unter­drück­te Men­sch, wenn ihm die Frei­heit schmerzt. Schnell hat man gel­ernt, dass man in diesem Land am leicht­esten reüssieren kann, wenn man ein­er möglichst klar definierten Opfer­gruppe ange­hört und der verkomme­nen Mehrheits­ge­sellschaft mit der Stahlwolle der Herkun­ft das Gewis­sen wäscht.

Aus religiös­er oder eth­nis­ch­er Unter­drück­ung im Herkun­ft­s­land lässt sich hier kein Honig mehr saugen. Man braucht lokales Unter­drück­ungskolorit und das ist hierzu­lande nun­mal braun. Doch lassen wir die Sys­tem- und Kap­i­tal­is­muskri­tik bei­seite, die Hilal und Varathara­jah gern auf Insta­gram the­ma­tisieren. Die bei­den reflek­tieren ihre Erleb­nisse in ihrer gemein­samen Echokam­mer und oft sind sog­ar gute Gedanken dabei. Entschei­dend sind die Sig­nale, die sie aus ihrer kleinen Blase nach außen senden. Jule Hoff­mann jeden­falls greift die Vor­würfe auf, ohne zu zögern.

Krieg der Opfer

Den Lesern wird aufge­fall­en sein, dass seit Jahren ein erbit­tert­er Krieg um die gesellschaftliche Deu­tung­shoheit im Gange ist. Ich denke, man kann diesen Kampf auf berechtigte (und erfol­gre­iche) Emanzi­pa­tions­be­we­gun­gen zurück­führen, in denen benachteiligte Grup­pen ihre rechtliche Gle­ich­stel­lung erkämpften. Der Fem­i­nis­mus, aus­ge­hend von den Suf­fraget­ten bis hin zu Alice Schwarz­er oder die amerikanis­chen Bürg­er­rechts­be­we­gun­gen von Fred­er­ick Dou­glass bis Mar­tin Luther King Junior sind gute Beispiele. Doch wohin mit der antrainierten Energie, wenn der Kampf gewon­nen, die Gle­ich­stel­lung prinzip­iell erre­icht ist? Neue Unter­drück­un­gen müssen her und so feiern der Kampf gegen Hitler, gegen Ras­sis­mus und aller­lei imag­inierte Ungerechtigkeit­en ihre Aufer­ste­hung. Je geringer die Gegen­wehr man­gels Feind ist, umso lauter und fordern­der wird der Kampf geführt. Doch davon soll hier gar nicht die Rede sein, son­dern vom offen­sichtlichen Anfang des Endes dieser intellek­tuellen Nachge­burten echter Befreiungskämpfe.

Denn fol­gt man den Argu­menten von Hilal und Varathara­jah wie Jule Hoff­mann dies tut, bleibt dem kartof­feldeutschen Alman jede Ret­tung ver­wehrt, muss jed­er Ver­such, sich dem wok­en Zeit­geist anzuschle­ichen, erfol­g­los bleiben. Ein Beispiel aus dem Zeit-Artikel: Der Buch­laden „She said“ den Emil­ia von Sen­ger in Berlin-Kreuzberg eröffnet hat. Zwis­chen den Buchdeck­eln dieses Ladens kom­men nur „Frauen und queere Autor*innen“ zu Wort. Was für ein mutiges Unter­fan­gen, welch pro­gres­sive Sig­nalqual­ität! Nimm das, Patri­ar­chat! Doch reicht das? Von wegen! Hilal und Varathara­jah geben den Namen „von Sen­ger“ ins Such­feld bei Google ein und find­en Entset­zlich­es: Nazis, über­all Nazis! Groß- und Urgroß­vater der Inhab­erin des Ladens waren hochrangige Wehrma­cht­sange­hörige, das Kap­i­tal, das die Grün­derin in ihren Laden steck­te, entspringe also sehr sich­er aus braunen Zeit­en, zumal von Sen­ger nicht auf die Idee kam, diesen Vor­wurf zu entkräften. Die startete ein Zeit(un)geistprojekt, dass sie eigentlich immun machen müsste gegen jede kap­i­tal­is­muskri­tis­che Anschmutzung und find­et sich nun mit dem ulti­ma­tiv­en Tod­schla­gar­gu­ment in den braunen Sumpf zurück­gestoßen: alles Nazis, diese Deutschen! Zumin­d­est haben sie alle einen Naz­i­hin­ter­grund, über den sie sich nicht erheben kön­nen. Queer hin oder fem­i­nis­tisch her!

Hoff­mann weit­er: „es ist kein Zufall, dass der Impuls von Men­schen wie Hilal und Varathara­jah aus­ge­ht, deren Per­spek­tive geprägt ist von All­t­agsras­sis­mus, von ras­sis­tis­chen Anschlä­gen und Fra­gen der Zuge­hörigkeit und des Deutsch­seins. Für sie ist klar zu erken­nen, wie unge­brochen, wie „sta­bil“ die Kon­ti­nu­ität des Nation­al­sozial­is­mus in Deutsch­land ist, wie sie im Video sagen.“

Ein wohliger Schauer läuft Jule Hoff­mann über den Rück­en, wenn sie sich stel­lvertre­tend für ihre Gen­er­a­tion von den bei­den Insta­gram­mern schuhrigeln lässt. Endlich sagt’s mir mal jemand, der auch noch einen braunen Pullover anhat! Nur keine falsche Rück­sicht auf deutsche Empfind­lichkeit­en. Doch was Hilal und Varathara­jah da tre­f­fen, ist in Hoff­manns Gen­er­a­tion und Soziotop kein wun­der Punkt, son­dern der G‑Punkt. Die Lust, jeden noch so absur­den Vor­wurf der Unter­drück­ung und Anbräu­nung brav zu apportieren und die Kom­pe­tenz und die Wahrhaftigkeit ander­er prinzip­iell höher einzuschätzen als eigene Urteil­skraft und Charak­ter. Man­gel­ndes Selb­st­be­wusst­sein ist die Achilles­ferse der eige­nen Iden­tität, an der sich nun mal nichts ändern lässt. Nicht mal für Deutsche Kartoffeln.

Der Zeit-Leser springt mit­ten hinein in den Prozess der Kan­ni­bal­isierung der Opferi­den­titäten, in welchem sich Opfer und Täter ständig nach dem Grad der eige­nen, imag­inierten Unter­drück­ung neu sortieren, während sie in der Schlange der staatlich ali­men­tierten Essen­saus­gabe ste­hen. Frau­sein, Schwarz­sein, Schwul­sein, Klein­sein, Dummsein…Deutschsein heißt Nazi­sein und im Zweifels­fall, sich wieder ganz hin­ten einzuord­nen in der Hack­o­rd­nung erweck­ter Iden­titäten. Im glob­alen Kon­text – und darunter machen es Wel­tret­ter bekan­ntlich nicht – bedeutet das nichts Gutes für deutsche Pro­tag­o­nis­ten, deren lauteste und medi­al präsen­teste Vertreter zudem noch „aus gutem (weil reichem) Hause“ kom­men. Kap­i­tal und Nazi also. Ganz schlechte Karten beispiel­sweise für Luisa Neubauer.

Es gibt also keinen Platz in der Führungsriege der schö­nen, neuen, gerecht­en Welt für Men­schen mit Naz­i­hin­ter­grund. Zum Glück haben wir ger­ade noch rechtzeit­ig damit ange­fan­gen, die schuld­be­ladene Gen­er­a­tion der Enkel und Urenkel durch gän­zlich von der­lei Erb­sün­den freie Men­schen aus aller Dik­ta­toren Län­der zu erset­zen, denen wir die moralis­che Führung über­tra­gen kön­nen. Ganz nach dem bekan­nten Mot­to “Liebe Aus­län­der, lasst uns nicht mit den Deutschen allein”. Denn während unsere Bun­deregierung nicht müde wird, die Erfolge der Inte­gra­tion zu feiern und von den Kartof­fel-Almans noch stärkere Anstren­gun­gen fordert, haben Hilal und Varathara­jah gar keine Ver­an­las­sung, sich die Schuhe der Großel­tern der Almans von heute anzuziehen. Für sie ist der braune Pullover der per­fek­te moralis­che Zeigefin­ger, mit dem sie zum Glück nicht das Ger­ing­ste zu tun haben. Sag „ja“ zu Deutsch­land, aber „nein“ zu den Deutschen mit ihrem Naz­i­hin­ter­grund. Man kann es sich ja aussuchen.

Wir wis­sen längst, dass man mit der Dro­hung, bei Unge­hor­sam als Nazi beze­ich­net zu wer­den, selb­st den besten Alman zu allem bewe­gen kann. Über jedes Stöckchen wird er sprin­gen, jedem Blödsinn applaudieren, jed­er Kas­tra­tion wird er zus­tim­men, jeden Wech­sel wird er zeich­nen, wenn man ihn nur nicht an die Tat­en der Gen­er­a­tion sein­er Großel­tern erin­nert oder Rechen­schaft fordert. Doch wenn alle schuldig sind, ist in Wirk­lichkeit nie­mand schuldig. Man dis­tanziert sich zwar ständig von den Ver­brechen, lässt sich jedoch wider­spruch­s­los von ihnen vere­in­nah­men und verurteilen. Die ober­fläch­liche Gedenkkul­tur, die sich unabläs­sig mit der Ver­gan­gen­heit aber nie mit der Gegen­wart oder der Zukun­ft befasst, hat einen Griff an die See­len geschraubt, an dem man sie jed­erzeit pack­en und schüt­teln kann. Gesund ist das nicht und hil­ft auch lei­der nicht bei der Bewäl­ti­gung aktueller Prob­leme. Eben­so wenig ver­hin­dert das per­ma­nente Schüt­teln das Wieder­auf­flam­men längst für über­wun­den geglaubter Ismen, ange­fan­gen beim Anti­semitismus bis hin zum Kommunismus.

Doch so ganz mag sich auch Jule Hoff­mann dem Alle-sind-Nazis-Nar­ra­tiv nicht unter­w­er­fen. Sie tut das, was Gen­er­a­tio­nen von Nachkriegs­ge­bore­nen hierzu­lande getan haben: dif­feren­zieren. Sie spricht von ihren Großel­tern, die natür­lich keine Nazis waren und darf auf der dem Spielfeld von „War Opa im Wider­stand oder auf dem Wach­turm“ einige Felder vor­rück­en. Puh, nochmal Glück gehabt! Kollek­tivschuld? Gern, aber für mich bitte eine kleinere Por­tion. Nützt nur nichts, wie wir aus Hoff­manns Text ler­nen, denn let­ztlich sei jed­er kom­pro­mit­tiert. Hat Hoff­mann etwa „ein Recht, Stolz zu sein“, weil ihre Oma in der Küche weinte, weil das Atten­tat auf Hitler miss­lang? Die Frage ist genau­so irre wie der Vor­wurf an Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg, er sei als Ange­höriger der Wehrma­cht schließlich eben­so Täter und ver­di­ene die Ehrun­gen nicht, oder, ange­wandt auf die heutige Zeit, die Weigerung des ASB, AfD-Abge­ord­nete an Erste-Hil­fe-Kursen teil­nehmen zu lassen. Die Rei­he lässt sich end­los fortsetzen.

Nicht gelernt, darüber zu sprechen?

„Wir haben nicht gel­ernt, darüber zu sprechen, nicht ein­mal untere­inan­der. Ich kenne eigentlich nie­man­den, die oder der offen erzählt, dass die Großel­tern Nazis waren“, behauptet Hoff­mann. Doch von Sprachlosigkeit, die es auf indi­vidu­eller Ebene sich­er gab und noch gibt – ob wegen Trau­ma­tisierung oder aus Schuldge­fühl, sei mal dahingestellt – kann im größeren Kon­text kaum die Rede sein. Nichts ist im Deutsch­land des Jahres 2021 medi­al präsen­ter als das Dritte Reich, momen­tan vielle­icht abge­se­hen von Corona.

Kein Tag verge­ht ohne Naziver­gle­ich, kein Sende­tag in ARD und ZDF ohne Auftritt von Adolf Nazi höch­st­per­sön­lich. Wir sprechen über nichts anderes, weil nichts ein­er poli­tis­chen oder NGO-Kar­riere so förder­lich ist, wie die glaub­hafte Ver­sicherung, kein Nazi zu sein und mit 80 Jahren Ver­spä­tung – dafür umso wohlfeil­er – gegen den Faschis­mus zu kämpfen. Dis­tanzierung wohin man schaut. Es ist der deutscheste aller Moral­häm­mer und der sieht über­all Naz­inägel. Die zu Unrecht getrof­fe­nen krüm­men sich unter den Schlä­gen, die weni­gen echt­en genießen den Klang, den diese Aufmerk­samkeit in ihnen erzeugt. Nur Unbeteiligte, die in diesem per­versen Spiel wed­er Nagel noch Ham­mer sind, vernehmen den Mis­sklang des Selb­stzer­störerischen, des Selb­sthas­s­es und der Hil­flosigkeit, der auch aus Tex­ten wie dem von Jule Hoff­mann spricht.

Fun­fact am Rande: Moshtari Hilal, eine der Erfind­erin­nen des Fram­ing­be­griffs „Men­schen mit Naz­i­hin­ter­grund“, berichtet auf Insta­gram freudig, dass sie ihre Eltern überre­den kon­nte, sich impfen zu lassen. Glück­wun­sch dazu! Sie selb­st wird sich natür­lich eben­falls impfen lassen, meint sie. Zumin­d­est mit „Medi­zin­ern mit Naz­i­hin­ter­grund“ scheint sie also kein Prob­lem zu haben. Wer auf der Suche nach dem „moral high­ground“ ist, kön­nte Hilal wegen solch­er Aus­sagen angesichts tat­säch­lich­er Gräueltat­en his­torisch­er, echter Naz­iärzte nun einen moralis­chen Strick drehen. Wenn sie dies jedoch wie ich für albern, hin­ter­hältig und unangemessen hal­ten wür­den, liebe Leser, stimmt wahrschein­lich mit ihrem Naz­i­hin­ter­grund etwas nicht mehr. Schal­ten sie deshalb schnell ZDFin­fo ein, damit sie wieder im Bilde sind, was Hitler ger­ade so treibt.

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23 Kommentare

  1. Wäre es denn dann OK, wenn Türken jet­zt kat­e­gorisch als “Men­schen mit arme­nier­mor­den­dem osman­is­chen Kolonisierung­sh­in­ter­grund” beschrieben oder wer­den, Pak­ista­nis und mus­lim­is­che Inder als “Men­schen mit Hin­du­mas­sakrierung­sh­in­ter­grund” oder die afrikanis­chen Nach­fahren afrikanis­ch­er Sklaven­händler (die naturgemäß zahlre­ich­er sein dürften als die der verkauften Sklaven) als “Men­schen mit Sklavenhändlerhintergrund” ?

  2. Da will eine linke Redak­teurin aus dem Fach „Kul­tur“, daß ich mir einen „Naz­i­hin­ter­grund“ andichte. Sie selb­st hat ganz offen­bar einen „Hin­ter­grund“, der son­st nur Ärzten zugänglich ist.

    • Hat sie.
      Sie ist im Alter von 2 Jahren nach Deutsch­land emi­gri­ert und ihrer Heimat Kab­ul “stets ver­bun­den geblieben”. Da allerd­ings Deutsch­land weitaus weniger Sch*** ist als der ihr so ver­bun­dene Geburt­sort, auch und beson­ders im Hin­blick auf die Behand­lung von Frauen und Mäd­chen, muß halt die Wahlheimat, in der sie sich im sabbel­nden Gewerbe qua Dop­pelquote durch­par­a­sitiert, in den Dreck gezo­gen wer­den. Minderwertigkeitskomplexvollklatsche.

  3. Sehr geehrter Herr Letsch! Auf der Achse habe ich diesen Artikel gele­sen. Der Kom­men­tar­bere­ich ist aber bere­its geschlossen. Zum Glück kann ich meinen Senf hier noch ablassen. Ernst Jünger (ja, der Böse) sagte mal in sein­er Goethe Preis Rede im Jahr 1982: “Dem Zeital­ter des Anstre­ich­ers ist das Zeital­ter der Anbräuner gefol­gt.” [Rede sehr hörenswert, Link muß im Kom­men­tar nicht erscheinen: https://www.youtube.com/watch?v=oMBfcg4PFhE%5D Damit drück­te er schon damals äußerst präzise aus, was in diesem Artikel geschildert ist. Durch Zufall bin ich noch auf einen Stre­it aus dem ver­gan­genen Jahr gestoßen. Der bekan­nte Maler Neo Rauch hat ein bewußt häßlich­es Bild mit dem Titel “Der Anbräuner” gemalt und die Main­stream­presse titschte daraufhin im Dreieck. Lohnt mal einen Blick oder zwei und vielle­icht sog­ar einen Artikel. Beste Grüße!

  4. Lustig. Das ganze scheint mir eine Mis­chung aus Par­a­sitismus und ein­er Art qua­si-religiösen Wahns zu dessen Recht­fer­ti­gung zu sein. Da steigern sich sub­ven­tion­ierte Wohl­stand­skind­chen, die für ihre absolute Tiefen­ver­wöh­n­theit keine Recht­fer­ti­gung find­en, für die Tat­sache, das sie z.B. ohne Stu­di­enge­bühren mas­siv auf Kosten ander­er existieren, von ihren Eltern und der Gesellschaft in die Demenz ver­wöh­nt wur­den in einen sek­tiererischen Wahn, der ihre Nut­zlosigkeit recht­fer­ti­gen soll.
    “Seht her, ich bin kein Par­a­sit, nie­mand der ander­er Men­schen Leben­szeit stiehlt, ich bin gut und wertvoll, ich stelle mich ja hero­isch den Nazis ent­ge­gen und büsse ganz doll.”
    Ja, Schei*dreck.

  5. Erlauben Sie mir bitte noch einen län­geren Nach­trag, der vielle­icht zum Ver­ständ­nis dessen hil­ft, was sich in Frau Jules Welt abspielt.

    Über die Jahre hörte man immer vom Ver­schwinden der Reli­gio­nen, konko­r­dant mit dem Ver­dun­sten des Chris­ten­tums. Bis dann mit dem Import und robusten Auftreten des Islams die Reli­gion wieder in den Blick geri­et. Sie war aber nur schein­bar ver­schwun­den, vielmehr in säku­lare Heil­slehren trans­formiert. Dieser Trans­for­ma­tion­sprozess fand in Europa intellek­tuell seinen Abschluss in Hegel, Karl Löwith hat das ein­dringlich her­aus­gear­beit­et. Hegel stand auf dem Kopf schon ganz richtig, und wenn auch sein Werk Abstruses enthält (so die Aus­führun­gen zur Natur­wis­senschaft), so doch auch viel Großar­tiges und sorgfältig Beobachtetes & Durch­dacht­es, man denke an die Schriften zur Ästhetik. Das war zu ein­er Zeit, als das Chris­ten­tum noch im Schwange war.

    Danach kam Marx, der Hegel nach eigen­em Bekun­den auf die Füße stellte und so erst für Aktivis­ten, denen Füße & Hände wichtiger waren als der Kopf, hand­hab­bar machte, gle­ich ob es sich um Folter­er & Genickschussspezial­is­ten des NKWD oder Zuträgerin­nen des Staatssicher­heits­di­en­stes han­delte, die ihre Kom­mili­to­nen bespitzelten.

    Der Marx­is­mus-Lenin­is­mus trägt alle Züge ein­er Reli­gion, bis hin zu den tödlichen Kämpfen der Sek­ten gegeneinan­der. Ob Jesus Gott ist oder an der Gottes­natur teil hat oder nur Men­sch ist, ob das Brot Sym­bol seines Fleis­ches oder tat­säch­lich sein Fleisch ist, das waren Fra­gen auf Leben und Tod. Man sieht es heute wun­der­bar an den sog. Diskus­sio­nen über den Sozial­is­mus, die ganz wie the­ol­o­gisch-dog­ma­tis­che Debat­ten von aller Empirie entkop­pelt sind, ja let­ztere wird als schädlich erk­lärt, weil sie den Blick auf das wahre Gottes­bild ver­stelle. Alle Prob­leme wer­den durch Def­i­n­i­tio­nen und Pos­tu­late fik­tiv gelöst (und kon­seku­tiv durch Gewalt). Man sieht die the­ol­o­gis­che Prove­nienz und den parathe­ol­o­gis­chen Habi­tus wun­der­bar bei Haber­mas, wenn er schreibt, dass sich „die Fak­ten der The­o­rie fügen“, nicht etwa umgekehrt, oder „Eine Aus­sage ist wahr, wenn der Gel­tungsanspruch der Sprechak­te, mit denen wir, unter Ver­wen­dung von Sätzen, jene Aus­sage behaupten, berechtigt ist“, wohlge­merkt nicht die Sätze „richtig“ sind (das würde die Suche nach objek­tiv­en Kri­te­rien implizieren), son­dern ihr „Gel­tungsanspruch berechtigt“. Darüber kön­nen wir natür­lich im Volkssow­jet abstim­men. So auch, ob nicht 3x3=10 sein kann, weil son­st (a) die 10 diskri­m­iniert würde und (b) gewisse Intel­li­gen­zen Prob­leme bekä­men, die nicht sein dür­fen. Hamed Abdel-Samad berichtet irgend­wo, in einem islamis­chen Land ein Plakat gese­hen zu haben, auf dem sin­ngemäß stand „Enthauptet alle, die leug­nen, dass der Islam die Reli­gion des Friedens ist“. Kog­ni­tive Dis­so­nanz ist ger­adezu Programm.

    Ganz ana­log dem Marx­is­mus-Lenin­is­mus wal­tet der Ökol­o­gis­mus-Kli­ma­tismus, man sehe nur „Kli­maleuger“, „Kli­masün­der“, „Kli­mafas­ten“, „Klimabuße“ usw. Kirchen aller Couleur haben Wis­senschaft selek­tiv aufge­grif­f­en und zu parareligiösen Dog­men erhoben, genau darin zeigt sich ihre gen­uine Wis­senschafts­fremd­heit oder ‑feindlichkeit. Durchge­hend zu sehen ist auch das Motiv der Beherrschung ander­er, welch­es jed­er Reli­gion zugrund­liegt, das wech­sel­seit­ige Überwachen. Wer in ein­er stark religiösen Umge­bung aufgewach­sen ist, ken­nt das, auch die Veren­gung des Urteils. Statt jew­eils eine dem Prob­lem angepasste, genaue, inhaltliche Begrün­dung zu geben, unter­stellt man die ein­fach die Supe­ri­or­ität der eige­nen Per­son und Gruppe. Früher hieß es als Argu­ment „Ket­zer“, „Athe­ist“, „Jude“, heute heißt es „Recht­spop­ulist“, „Nazi“, „Men­schen­feind“.

    Entsprechend führte vom Stammes­feind über den Gottes­feind & Glaubens­feind eine direk­te Lin­ie zum Klassen­feind & Rassen­feind, mit tra­di­tionell tödlichen Kon­se­quen­zen. „Men­schen­feind“ ist die Steigerung, ein max­i­mal ver­sa­til­er Begriff, der bestens zur Legit­i­ma­tion eines umfänglichen Aus­mor­dens im 21. Jahrhun­dert geeignet sein wird. Sog­ar Mohammedis­ten kön­nen ihn ver­wen­den, denn nur Moslems sind nach ortho­dox­er Lehre wahre Men­schen, sog. Ungläu­bige nicht, vielmehr sind diese bösar­tige Störele­mente und Feinde der wahren Men­schen, mithin: Men­schen­feinde. Voilà. Dem Klassen­feind gab man ja auch kein Par­don, und die vorge­bliche Mei­n­ungs­frei­heit ein­er Rosa L. schloss bekan­ntlich nur Kom­mu­nis­ten ein. Die Ver­wandtschaft zwis­chen Marx­is­ten, Reli­gion­is­ten, Neo­ras­sis­ten usw. reicht bis auf den Grund und ist nicht nur eine vorüberge­hende Gemein­samkeit von Inter­essen. Man ist von gle­ich­er Art.

    Frau Jule gehört also in einen Kon­text. So wie sie über die Deutschen schreibt, kann ohne jedes Prob­lem ein Mohammedist über Ungläu­bige schreiben. Auch diese sind abge­fall­en vom Glauben (weil jed­er als Moslem geboren wird) und zur Hölle ver­dammt, und eventuell darf man auf Erden bere­its nach­helfen, siehe auch Stal­in oder Mao. Allerd­ings kön­nen sie noch zur Antifa, par­don dem wahren Glauben kon­vertieren. Sich­er wird man, was ich hier schreibe, im Milieu Jule für krankhaft (nicht nor­mal), gefährlich und ver­botswürdig erk­lären, und man wird umgekehrt darauf hof­fen, dass viele Zeitgenossen, vor allem solche, welche sich von ein­er neuen Dik­tatur des Eli­tari­ats Prof­it ver­sprechen, genü­gend oppor­tunis­tisch und geistig leer sind, um auf Frau Jules o.ä. Res­o­nan­zange­bote für Hohlköpfe anzusprechen.

    • Bei allem Respekt: Aber viel zu viel Worte als Ent­geg­nung auf geisti­gen Dünnschiß.

    • Sehr gute Darstel­lung. Es sind ja mehrere einzig wahre Reli­gio­nen im Moment kompatibel:
      1. die Woke-Religion
      2. die Öko-Mutter-Gaia-wird-sich-rächen-Religion
      3. der Sozialismus
      4. die EU-Religion

      Der Athe­is­mus wurde 2015 geköpft, weshalb jet­zt auch alle genan­nten Reli­gio­nen gle­ichzeit­ig kom­pat­i­bel mit dem Islam und v.a. der evan­ge­lis­chen Kirche sind. Die Schwulen wer­den den Athe­is­ten fol­gen, wenn sich die Wäh­lerde­mogra­phie gewan­delt hat. 

      Der Wider­spruch, den viele sehen, ist kein­er. Die Aufk­lärung, die mit den Athe­is­ten verknüpft wurde, kon­nte ja auch auf Gre­ta-Thun­berg-ist-Wis­senschaft ver­legt wer­den. Die Schwulen und Fem­i­nis­ten wer­den entsprechend im Islam eine Nis­che find­en. Wo ein Elite-Wille ist, ist auch eine NGO.

    • @R.J. 15. März 2021 At 16:18

      Es lohnt sich schon, sich den geisti­gen Geschwüren des herrschen­den Zeit­geistes mit der Lupe zu näh­ern, meine ich. Ergüsse wie den von der Jule halte ich für Symp­tome ein­er Art See­lenkrankheit viel­er Deutsch­er. Es ist ein spezielles Fla­gel­lanten­tum, bei dem dann aber andere “die anderen Deutschen” gepeitscht wer­den und durch das man sich selb­st aufwertet. 

      Sehe das auch so, dass dieser Selb­sthass einiger Deutsch­er fanatisch religiöse Züge aufweist. Es stimmt auch, dass in Wes­teu­ropa und den USA tausend irre neue Gegen­stände der Ver­got­tung an die Stelle des Chris­ten­tums getreten sind (oder getreten wurden).
      Für falsch halte ich jedoch den Unter­ton, der Reli­gion gen­er­al­isierend und pauschal­isierend als neg­a­tiv hin­stellt. Es sind eben nicht “alle Reli­gio­nen gle­ich” und den Mann aus Nazareth bekommt man nicht aus der europäis­chen Kul­turgeschichte her­aus, die uns bis heute prägt. Selb­st Athe­is­ten, auch wenn sie es abstre­it­en wer­den. Jesus war rev­o­lu­tionär. Er wertete den Men­schen enorm auf. Gott wurde selb­st Men­sch. Das Indi­vidu­um, die einzi­gar­tige Seele jedes Men­schen gewann an Bedeu­tung. Das ist antikollek­tivis­tisch. Der freie Wille, die Erken­nt­nis, dass nur Gott für religiöse Ver­fehlun­gen zur Rechen­schaft zieht. “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.” Im Islam ist das anders. Nicht nur das. Ein weites Feld. 

      Um nochmal zu der Jule zu kom­men. Eine weit­ere Rolle spielt bei solchen Leuten natür­lich auch die banale wirtschaftliche Über­legung: Solch­er Käse lässt sich ein­fach pri­ma verkaufen. Naz­izeit geht immer. Gekop­pelt mit deutsch­er Selb­st­geißelung, da ist die Pat­te garantiert und man hat noch “Hal­tung” bewiesen. Das bringt Geld und noch Punk­te dazu! 🙂

      • Es ging mir nicht darum, Reli­gion per se schlecht zu machen, die hat vielfältige Wurzeln in der Evo­lu­tion und Men­schheits­geschichte und ist eine anthro­pol­o­gis­che Kon­stante in all ihren Aus­prä­gun­gen. Der mod­erne, pri­ma vista a‑theistisch erscheinende Typus hängt sich vorzugsweise an parareligiöse, poli­tis­che, weltliche Fik­ti­olo­gien, weil die hand­fester erscheinen, er will Paradies und Erlö­sung so bald als möglich, und sei es nur gefühlt. Und er bedarf sim­pler, über­sichtlich­er Fik­ti­olo­gien, weil er charak­ter­lich und intellek­tuell nicht in der Lage ist, die Kom­plex­ität und Ungewis­sheit der Welt auszuhal­ten. Es ist kein Zufall, dass die mörderischen säku­laren Lehren, die im im 19 Jh. ent­standen, mit der Aus­bre­itung von „Bil­dung“ ein­hergin­gen. Heute, mit Studi­um für fast alle, sehen Sie das in extremer Form. Die uni­ver­sitär ges­tanzte Intel­li­genz reicht dazu, Begriffe aufzuschnap­pen und in Sätze zu brin­gen, nicht aber dazu, diese Begriffe durchzuarbeiten.

        So wer­den nun diejeni­gen, die früher beispiel­sweise in ein­er ein­fachen Reli­gion als Dien­st­boten oder Näherin­nen ihren Trost gefun­den hät­ten, intellek­tuell, the­o­retisch, kri­tisch. Auf­grund der Män­gel der Dis­po­si­tion bleibt es aber bei prä­ten­tiösen, pseudowis­senschaftlichen, durch trick­hafte Rhetorik immu­nisierten Phrasen. Dahin­ter ste­ht ein fun­da­men­taler Man­gel an Beschei­den­heit (*). Entsprechend wird die Welt in klim­lal und klim­ram, fem­lal und fem­ram, rass­lal und rass­ram, nazlal und nazram usw. kat­e­gorisiert, ganz wie im Islam in halal und haram (der ver­mut­lich bei alle­dem gewin­nen wird). Und es wer­den Kon­ten geführt, wie hoch man damit im Him­mel kommt. Da find­en Sie nicht Analo­gien, son­dern iden­tis­che Mech­a­nis­men: der alte Adam & die alte Jule plus die alte Hor­den- & Meuten­mechanik. Hinzu kom­men, mod­ern, die Gewinne aus der pro­jek­tiv­en Selb­stzerknirschung, wenn man sich selb­st „geistlich“ salviert, jedoch auf Kosten ander­er, die nicht nur abgew­ertet, son­dern der Hölle zuge­ord­net werden.

        Daraus erwächst Macht. So wie ein richtiger Mohammedist (früher auch bei Chris­ten zu find­en) aus der radikalen Selb­stun­ter­w­er­fung unter Gott das Recht ableit­et, andere radikal zu unter­w­er­fen. Auf­grund der Art der Bil­dung (Fähigkeit, klin­gende Phrasen eben­so para­noid wie inko­härent aneinan­derzurei­hen) kommt das bei Frau Jule etwas chao­tis­ch­er, doch im Prinzip gle­ich. Es geht nicht darum, welch­es geistige Niveau ihre Aus­führun­gen haben, so wenig wie sein­erzeit bei Rosen­berg oder Ehren­burg. Es geht darum, zu ver­ste­hen, welche Mech­a­nis­men dahin­ter am Werk sind. Schim­pansen führen auch Kriege gegeneinan­der und brin­gen „gemein­sam“ andere Schim­pansen der eige­nen Gruppe um; sich­er sind sie nach­her mit sich selb­st zufrieden. Wären sie gebildet, kön­nten sie irgen­deinen Götzen- oder Nazi- oder Rassen- oder Hal­tungs­makel angeben und genau begrün­den, weswe­gen die anderen nicht nor­mal waren und weg kon­nten. Das Wochen­blatt hieße dann ver­mut­lich „Pan“, nicht „Zeit“.

        (*) Wern­er Heisen­berg wird der Satz zugeschrieben: „Nur wenige Men­schen wis­sen, wie viel man wis­sen muss, um zu wis­sen, wie wenig man weiß.“ Der heute ver­bre­it­ete Dun­ning-Kruger-Typus, als Pro­dukt zunehmender Bil­dung und sendungs­be­wusster Erreg­barkeit, ist das Gegenteil.

  6. Als Jahre nach 1945 Geboren­er war ich so frei eine Ver­anstal­tung zur Deutsch Israelis­chen Fre­und­schaft (1971) zu besuchen. Die Erb­schuld sollte auch meine Gen­er­a­tion tra­gen, da wir als Kinder der Mörder die Schuld zu tilgen hät­ten. In der fol­gen­den Dis­sku­sion fragte ich, ob diese Schuld also nach Hitlers Art der Sip­pen­haft ver­hängt wird und wieviele unge­borene zukün­ftige Gen­er­a­tio­nen noch betrof­fen währen. Das war das erste Mal dass ich als Nazi beze­ich­net wurde und des Saales verwiesen.
    Bei meinem Studi­um in den USA bat mich ein Kol­lege um Hil­fe beim Aus­füllen eines deutschen Doku­ments. Es ging um die Rente für seine Jüdis­che Schwiegermut­ter im Rah­men der Wiedergut­machung. Mein Inter­esse war geweckt und ich fand her­aus dass die
    Wiedergut­machung der höch­ste Betrag war, den jemals ein Staat (BRD) an Pri­vat­per­so­n­en aus­gezahlt hat. Ich war dafür, die wirk­lich von dem Nazi Ter­ror betrof­fe­nen Men­schen zu helfen und eine Wiedergut­machung so gut wie möglich zu gestalten.

    Und jet­zt kom­men wir zum undankbarem Gesin­del das Moral predigt und doch nur umson­st fressen will. Keinen Cent für Schmarotzer die ihr Auskom­men auf moralis­ch­er Erpres­sung und ver­lo­gen­em Mit­ge­fühl berufen. Im Beson­derem von Smarotzern und Nutznießern unser­er Staates und sein­er Kul­tur, die selb­st ein­er Kul­tur entstam­men, die lieber Heute als Mor­gen den Tod aller Juden herbeisehnt.

    • Ihnen wurde mit Sicher­heit NICHT gesagt, dass Sie “als Kinder der Mörder die Schuld zu tilgen hät­ten”. Auch das unmögliche Wort “Erb­schuld” ist mit Sicher­heit NICHT gefallen.
      Das Gerücht, dass irgend­wann irgendw­er so was irgendwem gesagt habe, beson­ders die Juden den Deutschen (“Erb­schuld!”, “Schuld­kom­plex!”, “Judenknacks!”, usw. usf), ist ein bekan­ntes Topos aus dem neon­azis­tis­chen Millieu.
      Zu dem Sie ja nicht gehören; in Ihren Kom­mentaren hier ist das jeden­falls nicht enthalten.
      Warum behaupten Sie den­noch, was nicht passiert ist?

      • Ihre Kri­tik bezieht auf ” ihre eige­nen Annahme” dass ich Lüge wenn ich Worte wäh­le die genau das aus­drück­en was zu meinem Rauss­chmiss führte.
        Bedenken sie den Zeitraum und lesen sie Artikel von damals. Schon damals galt vie­len das moralis­che Inter­esse nicht den Juden, son­dern der eige­nen Ideologie.
        PS. Finanziert von uns, wurde ein­er aus der dama­li­gen Clique zum Orangen pflück­en in den Kib­buz geschickt. Fre­und­schaften kön­nen länger dauern als “wok­er” Zeitgeist.

        • Ihre Erin­nerung ist völ­lig daneben, weil sie nicht auf wörtlichen Äußerun­gen beruht. Sie reimen sich da was zusam­men. Wie erwäh­nt, Aus­drücke wie “Erb­schuld” usf. sind Nar­ra­tiv, aber kein­er hat sie 1971 ver­wen­det, außer den ewig Gestrigen.
          Ihnen ist was durcheinandergeraten.
          So wie “eine Ver­anstal­tung zur Deutsch Israelis­chen Fre­und­schaft (1971) zu besuchen”. Sehen Sie?, es gibt keine Vere­ini­gung dieses Namens. Aber es gibt die Deutsch-Israelis­che Gesellschaft.

        • Wir der Name “Aris­to­b­u­lus” sug­ger­ri­ert, ist er ein offen­bar ganz kor­rek­ter selb­st­gerechter Haarspal­ter. Denn man tau, fro­hes Spal­ten. Dumm nur, dass er im Sinne von Fräulein Jule trotz­dem mitschuldig ist an den Ver­brechen sein­er Ahnen. Und noch düm­mer, dass er diese Schuld nie wird tilgen können.

    • Erb — “Schuld” heißt Erbe der Schuld, heißt immer so weit­er ad infin­i­ty. Wenn Dad dem Sohne­mann die Schlüs­sel für den neuen Golf über­re­icht, ste­hen Fer­di Porsche und der Führer Pate, zumin­d­est nach dem Maß der wok­en Blokes. Gela­belt mit “Nazi-Hin­ter­grund”, 2 Klassen unter dem edlen Migra­tionsh­in­ter­grund. Alman-Kartof­fel­stampf, ab dem ersten Schrei gecan­celt. Quo vadis, Germania?

  7. Danke, Herr Letsch. Sich­er sollte man einen Artikel, der in einem typ­is­chen, zeit­geisti­gen Erzeug­nis der Qual­i­taille erscheint, auch sozialpsy­chol­o­gisch, eth­nol­o­gisch, anthro­pol­o­gisch und vielle­icht gar pri­ma­tol­o­gisch auf­fassen. Kikeriki‑, Gack­er- und Hackbedürfnisse find­en sich bei allen Pri­mat­en, ger­ade unter typ­is­chen Ange­bilde­ten, wie sie sich in der Qual­i­taille aufkonzen­tri­eren, dient ja die Intel­li­genz oft dazu, die eige­nen Vorurteile zu ratio­nal­isieren und her­metisch gegenüber Kri­tik abzuriegeln.

    Was fasziniert, ist die Kon­ti­nu­ität der alten Denk­fig­uren. Nehmen Sie den klas­sis­chen, christlich unter­füt­terten Anti­semitismus. Die Juden haben unseren Her­rn Jesus getötet, sie bereuten nicht, wiesen die darge­botene Hand zurück, sind von Grund auf und irre­versibel ver­dor­ben, Kon­ver­sion macht sie auch nicht bess­er (siehe Mar­ra­nen), daher kön­nen und müssen sie als Schande des Men­schengeschlechts weg, das ist der Schluss, den dann AH radikal gezo­gen hat.

    Deutschen und Weißen gegenüber wer­den seit­ens Jule-Typen völ­lig analoge Denk­fig­uren ange­wandt. Sie sind unheil­bar verderbt, man kann ihnen gegenüber nicht „ras­sis­tisch“ sein, das und vieles unter­schei­det sie von anderen Men­schen­rassen, sie sind intrin­sisch defekt, sie haben die Welt ver­dor­ben. Die Ide­al­isierung der Frem­den ken­nen wir von antiken Intellek­tuellen wie Tac­i­tus (Ger­ma­nen u.ä.) über Bougainville & Kon­sorten (Tahi­ti u.ä.) bis heute.

    Ich finde es kurios, wenn jemand mit so offen­sichtlich para­noi­dem, geschlossen­em Welt­bild wie Frau Jule über das urteilt, was „nor­mal“ ist. Amüsant wird es, bedenkt man, dass „Jule“ die ger­man­isch-nordis­che Ver­sion von „Julia“ ist, d.h. die „dem Jupiter Gewei­hte“ oder „Fröh­liche“. Von let­zterem bemerkt man nichts, vielle­icht von ersterem. Lesen Sie Aus­führun­gen von NS-Philosophen und ihren Vor­läufern über die Juden, dann sprin­gen die Par­al­le­len ins Auge. Die Parolen wech­seln, der Typus bleibt. Aber das dürfte für Frau Jule zu hoch sein.

  8. Das mit den Großel­tern zieht ja längst nicht mehr. Ich bin Opa und 1962 geboren. Mein Vater wurde 1938 geboren, also selb­st der Uropa ist sozusagen naz­ifrei. Da ich die Autorin nicht kenne, weiß ich natür­lich nicht, was vor 100 Jahren mit ihren Ahnen so ange­sagt war. Kön­nte inter­es­sant sein.

    Je mehr Zeit verge­ht, desto abstruser wird die ganze “Nazi-Ver­gan­gen­heits­geschichte”, ja, sie ver­wan­delt sich in solch ein­er absur­den Weise, dass sich heute viele Neu-Linke exakt nach Goebbels Gebrauch­san­weisung der Steuerung und frei­williger Gle­ich­schltung der Medi­en richt­en, sprich, wenn Neu-Nazis ander­s­denk­ende Men­schen als Nazis beze­ich­nen, ich meine, wer kann so etwas eigentlich noch ernst nehmen?

      • Ah, genauestens. Zumal die Fra­gen nach dem all­ge­mein­deutschen Nazi-gewe­sen-Sein ja immer die näch­ste Frage her­beizwingt, wer jet­zt die wahren Nazis seien, nicht?, indem man selb­st ja kein­er sei. Da bieten sich wieder mal die Juden an. Umfra­gen aus den let­zten Jahrzehnen liefern immer das gle­iche Resul­tat: Der nor­male Anti­nazideutsche glaubt zu etwa 50%, dass die Israelis die ‘Palesti­nenser’ so behan­deln wie einst die Nazis die Juden behan­delt haben. In dieser kranken Idee liegt, wie Eike Geisel einst gesagt hat, die wahre Wiedergutwer­dung der Deutschen.

        P.S.
        Was ist die dauernde Beschäf­ti­gung mit den Schat­ten von Nazis, die alltägliche Sich­tung von Adolf Böse hin­ter der näch­sten Ecke, und das Erschnüf­feln von Nazideutschen der siebten Gen­er­a­tion: Reine Selb­st­be­zo­gen­heit und eitle Selb­st­be­spiegelung, nix son­st. Anstatt darauf zu acht­en, dass die Juden endlich sich­er leben kön­nen, machen sie den Jud zum Obernazi.

        • Danke, Ari, dass du mich auf diesen Artikel aufmerk­sam gemacht hast. Es war eine inter­es­sante Lektüre.

      • “Jene, die an der­lei Zuschrei­bun­gen ver­di­enen. Und das nicht zu knapp.”

        Ja @Roger Letsch, das stimmt natür­lich. Nur je mehr Beach­tung diese Bek­loppten find­en, desto sicher­er ist ihr Ver­di­enst. Und wenn man mal bedenkt, für was für ein Sch… heute unvorstell­bare Sum­men aus­gegeben wer­den (die es ja gar nicht gibt, die nur virtuell vorhan­den sind), dann kann einem nicht nur schwindlig wer­den, nein, es zeigt sich daran die Gemein­samkeit der bril­lanten Artikel wie der Ihrige mit der Müh­sal des Sisyphos. Die Arbeit ist edel und gut, wirken würde allein das Zudrehen des Geld­hahns, was dann aber wieder Sache der Poli­tik wäre, die das nicht will, da man so schön damit ablenken kann.

        “Anstatt darauf zu acht­en, dass die Juden endlich sich­er leben kön­nen, machen sie den Jud zum Obernazi.”

        Genau so ist es @Aristobulus. War da nicht etwas mit Täter-Opfer-Umkehr? Ist unge­mein prak­tisch, damit lässt sich halt pri­ma Geld­ver­di­enen und es führt in der “eitlen Selb­st­be­spiegelung” zum vol­len­de­ten Narziss­mus. Der braucht ja gar nicht oh weh, oh ewiglich zu hal­ten, Bestand zu haben, denn wie Her­mann Göring (sin­ngemäß) sagte? “Haupt­sache 10 Jahre gut gelebt.”

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