Es gibt Tex­te, die einen völ­lig rat­los zurück­las­sen. Sie ent­hal­ten auf den ers­ten Blick vie­le Wahr­hei­ten, ver­knüp­fen die­se aber auf eine Wei­se, dass das gezeich­ne­te Gesamt­bild völ­lig ver­zerrt, häss­lich und am Ende nutz­los ist. Sie erklä­ren nichts, stel­len nichts rich­tig, kla­gen nicht an, for­dern nichts. Und den­noch schaf­fen sie es, dass man sich nach dem Lesen schlech­ter fühlt – vor­aus­ge­setzt, man lässt den Inhalt nahe genug an sich her­an. Solch ein Text ist der von Jule Hoff­mann in der Zeit. Er trägt den wenig ein­fühl­sa­men Titel „Deutsch und damit nicht nor­mal“. Er knüpft – wie könn­te es anders sein – an der Nazi­zeit an und behaup­tet: Eine Selbst­be­zeich­nung wie „Men­schen mit Nazi­hin­ter­grund“ wür­de uns, den Deut­schen, bei der Auf­ar­bei­tung helfen.

Mosh­tari Hil­al und Sin­thu­jan Varat­ha­ra­jah, zwei durch­aus bemer­kens­wer­te Künst­ler ganz ohne Nazi‑, aber mit ande­rem, ver­edeln­dem Hin­ter­grund, haben den Begriff geprägt, dem Jule Hoff­mann nun nach­lei­det. Die­se Begriffs­er­fin­dung kann man nur als äußerst geschäfts­tüch­tig bezeich­nen. Denn bei­de Künst­ler geben dem Publi­kum das, was es sehn­lichst erwar­tet: einen woh­li­gen Gru­sel vor sich selbst und reich­lich Grund, Asche aufs eige­ne Haupt zu schau­feln. Denn es wird ihnen auf­ge­fal­len sein, lie­be Leser, dass zwei mora­li­sie­ren­de Geräu­sche mit der zeit­li­chen Ent­fer­nung zu den Ereig­nis­sen lau­ter wer­den: die Schuld­zu­wei­sung am und der Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Als mora­li­sche Schieds­rich­ter bie­ten sich Migran­ten aus aller Des­po­ten Län­der an, deren Fami­li­en vor ganz und gar undeut­schem Ter­ro­ris­mus, Armut, Krieg und reli­giö­ser Ver­knö­che­rung aus ihren Her­kunfts­re­gio­nen flo­hen. Aus guten Grün­den also! Die eigent­li­chen Flucht­ur­sa­chen wer­den dann in Deutsch­land zur Fol­ge von Kolo­nia­lis­mus und Ras­sis­mus zweck­op­ti­miert. Das Absto­ßen­de wird zum Anzie­hen­den wird zum Absto­ßen­den. So ist er, der unter­drück­te Mensch, wenn ihm die Frei­heit schmerzt. Schnell hat man gelernt, dass man in die­sem Land am leich­tes­ten reüs­sie­ren kann, wenn man einer mög­lichst klar defi­nier­ten Opfer­grup­pe ange­hört und der ver­kom­me­nen Mehr­heits­ge­sell­schaft mit der Stahl­wol­le der Her­kunft das Gewis­sen wäscht.

Aus reli­giö­ser oder eth­ni­scher Unter­drü­ckung im Her­kunfts­land lässt sich hier kein Honig mehr sau­gen. Man braucht loka­les Unter­drü­ckungs­ko­lo­rit und das ist hier­zu­lan­de nun­mal braun. Doch las­sen wir die Sys­tem- und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik bei­sei­te, die Hil­al und Varat­ha­ra­jah gern auf Insta­gram the­ma­ti­sie­ren. Die bei­den reflek­tie­ren ihre Erleb­nis­se in ihrer gemein­sa­men Echo­kam­mer und oft sind sogar gute Gedan­ken dabei. Ent­schei­dend sind die Signa­le, die sie aus ihrer klei­nen Bla­se nach außen sen­den. Jule Hoff­mann jeden­falls greift die Vor­wür­fe auf, ohne zu zögern.

Krieg der Opfer

Den Lesern wird auf­ge­fal­len sein, dass seit Jah­ren ein erbit­ter­ter Krieg um die gesell­schaft­li­che Deu­tungs­ho­heit im Gan­ge ist. Ich den­ke, man kann die­sen Kampf auf berech­tig­te (und erfolg­rei­che) Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gun­gen zurück­füh­ren, in denen benach­tei­lig­te Grup­pen ihre recht­li­che Gleich­stel­lung erkämpf­ten. Der Femi­nis­mus, aus­ge­hend von den Suf­fra­get­ten bis hin zu Ali­ce Schwar­zer oder die ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­rechts­be­we­gun­gen von Fre­de­rick Dou­glass bis Mar­tin Luther King Juni­or sind gute Bei­spie­le. Doch wohin mit der antrai­nier­ten Ener­gie, wenn der Kampf gewon­nen, die Gleich­stel­lung prin­zi­pi­ell erreicht ist? Neue Unter­drü­ckun­gen müs­sen her und so fei­ern der Kampf gegen Hit­ler, gegen Ras­sis­mus und aller­lei ima­gi­nier­te Unge­rech­tig­kei­ten ihre Auf­er­ste­hung. Je gerin­ger die Gegen­wehr man­gels Feind ist, umso lau­ter und for­dern­der wird der Kampf geführt. Doch davon soll hier gar nicht die Rede sein, son­dern vom offen­sicht­li­chen Anfang des Endes die­ser intel­lek­tu­el­len Nach­ge­bur­ten ech­ter Befreiungskämpfe.

Denn folgt man den Argu­men­ten von Hil­al und Varat­ha­ra­jah wie Jule Hoff­mann dies tut, bleibt dem kar­tof­fel­deut­schen Alman jede Ret­tung ver­wehrt, muss jeder Ver­such, sich dem woken Zeit­geist anzu­schlei­chen, erfolg­los blei­ben. Ein Bei­spiel aus dem Zeit-Arti­kel: Der Buch­la­den „She said“ den Emi­lia von Sen­ger in Ber­lin-Kreuz­berg eröff­net hat. Zwi­schen den Buch­de­ckeln die­ses Ladens kom­men nur „Frau­en und quee­re Autor*innen“ zu Wort. Was für ein muti­ges Unter­fan­gen, welch pro­gres­si­ve Signal­qua­li­tät! Nimm das, Patri­ar­chat! Doch reicht das? Von wegen! Hil­al und Varat­ha­ra­jah geben den Namen „von Sen­ger“ ins Such­feld bei Goog­le ein und fin­den Ent­setz­li­ches: Nazis, über­all Nazis! Groß- und Urgroß­va­ter der Inha­be­rin des Ladens waren hoch­ran­gi­ge Wehr­machts­an­ge­hö­ri­ge, das Kapi­tal, das die Grün­de­rin in ihren Laden steck­te, ent­sprin­ge also sehr sicher aus brau­nen Zei­ten, zumal von Sen­ger nicht auf die Idee kam, die­sen Vor­wurf zu ent­kräf­ten. Die star­te­te ein Zeit(un)geistprojekt, dass sie eigent­lich immun machen müss­te gegen jede kapi­ta­lis­mus­kri­ti­sche Anschmut­zung und fin­det sich nun mit dem ulti­ma­ti­ven Tod­schlag­ar­gu­ment in den brau­nen Sumpf zurück­ge­sto­ßen: alles Nazis, die­se Deut­schen! Zumin­dest haben sie alle einen Nazi­hin­ter­grund, über den sie sich nicht erhe­ben kön­nen. Queer hin oder femi­nis­tisch her!

Hoff­mann wei­ter: „es ist kein Zufall, dass der Impuls von Men­schen wie Hil­al und Varat­ha­ra­jah aus­geht, deren Per­spek­ti­ve geprägt ist von All­tags­ras­sis­mus, von ras­sis­ti­schen Anschlä­gen und Fra­gen der Zuge­hö­rig­keit und des Deutsch­seins. Für sie ist klar zu erken­nen, wie unge­bro­chen, wie „sta­bil“ die Kon­ti­nui­tät des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Deutsch­land ist, wie sie im Video sagen.“

Ein woh­li­ger Schau­er läuft Jule Hoff­mann über den Rücken, wenn sie sich stell­ver­tre­tend für ihre Genera­ti­on von den bei­den Insta­grammern schuhr­igeln lässt. End­lich sagt’s mir mal jemand, der auch noch einen brau­nen Pull­over anhat! Nur kei­ne fal­sche Rück­sicht auf deut­sche Emp­find­lich­kei­ten. Doch was Hil­al und Varat­ha­ra­jah da tref­fen, ist in Hoff­manns Genera­ti­on und Sozio­top kein wun­der Punkt, son­dern der G‑Punkt. Die Lust, jeden noch so absur­den Vor­wurf der Unter­drü­ckung und Anbräu­nung brav zu appor­tie­ren und die Kom­pe­tenz und die Wahr­haf­tig­keit ande­rer prin­zi­pi­ell höher ein­zu­schät­zen als eige­ne Urteils­kraft und Cha­rak­ter. Man­geln­des Selbst­be­wusst­sein ist die Achil­les­fer­se der eige­nen Iden­ti­tät, an der sich nun mal nichts ändern lässt. Nicht mal für Deut­sche Kartoffeln.

Der Zeit-Leser springt mit­ten hin­ein in den Pro­zess der Kan­ni­ba­li­sie­rung der Opfer­iden­ti­tä­ten, in wel­chem sich Opfer und Täter stän­dig nach dem Grad der eige­nen, ima­gi­nier­ten Unter­drü­ckung neu sor­tie­ren, wäh­rend sie in der Schlan­ge der staat­lich ali­men­tier­ten Essens­aus­ga­be ste­hen. Frau­sein, Schwarz­sein, Schwul­sein, Klein­sein, Dummsein…Deutschsein heißt Nazi­sein und im Zwei­fels­fall, sich wie­der ganz hin­ten ein­zu­ord­nen in der Hack­ord­nung erweck­ter Iden­ti­tä­ten. Im glo­ba­len Kon­text – und dar­un­ter machen es Welt­ret­ter bekannt­lich nicht – bedeu­tet das nichts Gutes für deut­sche Prot­ago­nis­ten, deren lau­tes­te und medi­al prä­sen­tes­te Ver­tre­ter zudem noch „aus gutem (weil rei­chem) Hau­se“ kom­men. Kapi­tal und Nazi also. Ganz schlech­te Kar­ten bei­spiels­wei­se für Lui­sa Neubauer.

Es gibt also kei­nen Platz in der Füh­rungs­rie­ge der schö­nen, neu­en, gerech­ten Welt für Men­schen mit Nazi­hin­ter­grund. Zum Glück haben wir gera­de noch recht­zei­tig damit ange­fan­gen, die schuld­be­la­de­ne Genera­ti­on der Enkel und Uren­kel durch gänz­lich von der­lei Erb­sün­den freie Men­schen aus aller Dik­ta­to­ren Län­der zu erset­zen, denen wir die mora­li­sche Füh­rung über­tra­gen kön­nen. Ganz nach dem bekann­ten Mot­to „Lie­be Aus­län­der, lasst uns nicht mit den Deut­schen allein“. Denn wäh­rend unse­re Bund­e­re­gie­rung nicht müde wird, die Erfol­ge der Inte­gra­ti­on zu fei­ern und von den Kar­tof­fel-Almans noch stär­ke­re Anstren­gun­gen for­dert, haben Hil­al und Varat­ha­ra­jah gar kei­ne Ver­an­las­sung, sich die Schu­he der Groß­el­tern der Almans von heu­te anzu­zie­hen. Für sie ist der brau­ne Pull­over der per­fek­te mora­li­sche Zei­ge­fin­ger, mit dem sie zum Glück nicht das Gerings­te zu tun haben. Sag „ja“ zu Deutsch­land, aber „nein“ zu den Deut­schen mit ihrem Nazi­hin­ter­grund. Man kann es sich ja aussuchen.

Wir wis­sen längst, dass man mit der Dro­hung, bei Unge­hor­sam als Nazi bezeich­net zu wer­den, selbst den bes­ten Alman zu allem bewe­gen kann. Über jedes Stöck­chen wird er sprin­gen, jedem Blöd­sinn applau­die­ren, jeder Kas­tra­ti­on wird er zustim­men, jeden Wech­sel wird er zeich­nen, wenn man ihn nur nicht an die Taten der Genera­ti­on sei­ner Groß­el­tern erin­nert oder Rechen­schaft for­dert. Doch wenn alle schul­dig sind, ist in Wirk­lich­keit nie­mand schul­dig. Man distan­ziert sich zwar stän­dig von den Ver­bre­chen, lässt sich jedoch wider­spruchs­los von ihnen ver­ein­nah­men und ver­ur­tei­len. Die ober­fläch­li­che Gedenk­kul­tur, die sich unab­läs­sig mit der Ver­gan­gen­heit aber nie mit der Gegen­wart oder der Zukunft befasst, hat einen Griff an die See­len geschraubt, an dem man sie jeder­zeit packen und schüt­teln kann. Gesund ist das nicht und hilft auch lei­der nicht bei der Bewäl­ti­gung aktu­el­ler Pro­ble­me. Eben­so wenig ver­hin­dert das per­ma­nen­te Schüt­teln das Wie­der­auf­flam­men längst für über­wun­den geglaub­ter Ismen, ange­fan­gen beim Anti­se­mi­tis­mus bis hin zum Kommunismus.

Doch so ganz mag sich auch Jule Hoff­mann dem Alle-sind-Nazis-Nar­ra­tiv nicht unter­wer­fen. Sie tut das, was Genera­tio­nen von Nach­kriegs­ge­bo­re­nen hier­zu­lan­de getan haben: dif­fe­ren­zie­ren. Sie spricht von ihren Groß­el­tern, die natür­lich kei­ne Nazis waren und darf auf der dem Spiel­feld von „War Opa im Wider­stand oder auf dem Wach­turm“ eini­ge Fel­der vor­rü­cken. Puh, noch­mal Glück gehabt! Kol­lek­tiv­schuld? Gern, aber für mich bit­te eine klei­ne­re Por­ti­on. Nützt nur nichts, wie wir aus Hoff­manns Text ler­nen, denn letzt­lich sei jeder kom­pro­mit­tiert. Hat Hoff­mann etwa „ein Recht, Stolz zu sein“, weil ihre Oma in der Küche wein­te, weil das Atten­tat auf Hit­ler miss­lang? Die Fra­ge ist genau­so irre wie der Vor­wurf an Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg, er sei als Ange­hö­ri­ger der Wehr­macht schließ­lich eben­so Täter und ver­die­ne die Ehrun­gen nicht, oder, ange­wandt auf die heu­ti­ge Zeit, die Wei­ge­rung des ASB, AfD-Abge­ord­ne­te an Ers­te-Hil­fe-Kur­sen teil­neh­men zu las­sen. Die Rei­he lässt sich end­los fortsetzen.

Nicht gelernt, darüber zu sprechen?

„Wir haben nicht gelernt, dar­über zu spre­chen, nicht ein­mal unter­ein­an­der. Ich ken­ne eigent­lich nie­man­den, die oder der offen erzählt, dass die Groß­el­tern Nazis waren“, behaup­tet Hoff­mann. Doch von Sprach­lo­sig­keit, die es auf indi­vi­du­el­ler Ebe­ne sicher gab und noch gibt – ob wegen Trau­ma­ti­sie­rung oder aus Schuld­ge­fühl, sei mal dahin­ge­stellt – kann im grö­ße­ren Kon­text kaum die Rede sein. Nichts ist im Deutsch­land des Jah­res 2021 medi­al prä­sen­ter als das Drit­te Reich, momen­tan viel­leicht abge­se­hen von Corona.

Kein Tag ver­geht ohne Nazi­ver­gleich, kein Sen­de­tag in ARD und ZDF ohne Auf­tritt von Adolf Nazi höchst­per­sön­lich. Wir spre­chen über nichts ande­res, weil nichts einer poli­ti­schen oder NGO-Kar­rie­re so för­der­lich ist, wie die glaub­haf­te Ver­si­che­rung, kein Nazi zu sein und mit 80 Jah­ren Ver­spä­tung – dafür umso wohl­fei­ler – gegen den Faschis­mus zu kämp­fen. Distan­zie­rung wohin man schaut. Es ist der deut­sches­te aller Moral­häm­mer und der sieht über­all Nazi­nä­gel. Die zu Unrecht getrof­fe­nen krüm­men sich unter den Schlä­gen, die weni­gen ech­ten genie­ßen den Klang, den die­se Auf­merk­sam­keit in ihnen erzeugt. Nur Unbe­tei­lig­te, die in die­sem per­ver­sen Spiel weder Nagel noch Ham­mer sind, ver­neh­men den Miss­klang des Selbst­zer­stö­re­ri­schen, des Selbst­has­ses und der Hilf­lo­sig­keit, der auch aus Tex­ten wie dem von Jule Hoff­mann spricht.

Fun­fact am Ran­de: Mosh­tari Hil­al, eine der Erfin­de­rin­nen des Framing­be­griffs „Men­schen mit Nazi­hin­ter­grund“, berich­tet auf Insta­gram freu­dig, dass sie ihre Eltern über­re­den konn­te, sich imp­fen zu las­sen. Glück­wunsch dazu! Sie selbst wird sich natür­lich eben­falls imp­fen las­sen, meint sie. Zumin­dest mit „Medi­zi­nern mit Nazi­hin­ter­grund“ scheint sie also kein Pro­blem zu haben. Wer auf der Suche nach dem „moral high­ground“ ist, könn­te Hil­al wegen sol­cher Aus­sa­gen ange­sichts tat­säch­li­cher Gräu­el­ta­ten his­to­ri­scher, ech­ter Nazi­är­z­te nun einen mora­li­schen Strick dre­hen. Wenn sie dies jedoch wie ich für albern, hin­ter­häl­tig und unan­ge­mes­sen hal­ten wür­den, lie­be Leser, stimmt wahr­schein­lich mit ihrem Nazi­hin­ter­grund etwas nicht mehr. Schal­ten sie des­halb schnell ZDFin­fo ein, damit sie wie­der im Bil­de sind, was Hit­ler gera­de so treibt.

Vorheriger ArtikelIndubio findet des Pudels Kern
Nächster ArtikelDas Datei muss in eine Verzeichnis

23 Kommentare

  1. Wäre es denn dann OK, wenn Tür­ken jetzt kate­go­risch als „Men­schen mit arme­nier­mor­den­dem osma­ni­schen Kolo­ni­sie­rungs­hin­ter­grund“ beschrie­ben oder wer­den, Paki­sta­nis und mus­li­mi­sche Inder als „Men­schen mit Hin­du­mas­sa­krie­rungs­hin­ter­grund“ oder die afri­ka­ni­schen Nach­fah­ren afri­ka­ni­scher Skla­ven­händ­ler (die natur­ge­mäß zahl­rei­cher sein dürf­ten als die der ver­kauf­ten Skla­ven) als „Men­schen mit Sklavenhändlerhintergrund“ ?

  2. Da will eine lin­ke Redak­teu­rin aus dem Fach „Kul­tur“, daß ich mir einen „Nazi­hin­ter­grund“ andich­te. Sie selbst hat ganz offen­bar einen „Hin­ter­grund“, der sonst nur Ärz­ten zugäng­lich ist.

    • Hat sie.
      Sie ist im Alter von 2 Jah­ren nach Deutsch­land emi­griert und ihrer Hei­mat Kabul „stets ver­bun­den geblie­ben“. Da aller­dings Deutsch­land weit­aus weni­ger Sch*** ist als der ihr so ver­bun­de­ne Geburts­ort, auch und beson­ders im Hin­blick auf die Behand­lung von Frau­en und Mäd­chen, muß halt die Wahl­hei­mat, in der sie sich im sab­beln­den Gewer­be qua Dop­pel­quo­te durch­pa­ra­si­tiert, in den Dreck gezo­gen wer­den. Minderwertigkeitskomplexvollklatsche.

  3. Sehr geehr­ter Herr Letsch! Auf der Ach­se habe ich die­sen Arti­kel gele­sen. Der Kom­men­tar­be­reich ist aber bereits geschlos­sen. Zum Glück kann ich mei­nen Senf hier noch ablas­sen. Ernst Jün­ger (ja, der Böse) sag­te mal in sei­ner Goe­the Preis Rede im Jahr 1982: „Dem Zeit­al­ter des Anstrei­chers ist das Zeit­al­ter der Anbräu­ner gefolgt.“ [Rede sehr hörens­wert, Link muß im Kom­men­tar nicht erschei­nen: https://www.youtube.com/watch?v=oMBfcg4PFhE%5D Damit drück­te er schon damals äußerst prä­zi­se aus, was in die­sem Arti­kel geschil­dert ist. Durch Zufall bin ich noch auf einen Streit aus dem ver­gan­ge­nen Jahr gesto­ßen. Der bekann­te Maler Neo Rauch hat ein bewußt häß­li­ches Bild mit dem Titel „Der Anbräu­ner“ gemalt und die Main­stream­pres­se titsch­te dar­auf­hin im Drei­eck. Lohnt mal einen Blick oder zwei und viel­leicht sogar einen Arti­kel. Bes­te Grüße!

  4. Lus­tig. Das gan­ze scheint mir eine Mischung aus Para­si­tis­mus und einer Art qua­si-reli­giö­sen Wahns zu des­sen Recht­fer­ti­gung zu sein. Da stei­gern sich sub­ven­tio­nier­te Wohl­stands­kind­chen, die für ihre abso­lu­te Tie­fen­ver­wöhnt­heit kei­ne Recht­fer­ti­gung fin­den, für die Tat­sa­che, das sie z.B. ohne Stu­di­en­ge­büh­ren mas­siv auf Kos­ten ande­rer exis­tie­ren, von ihren Eltern und der Gesell­schaft in die Demenz ver­wöhnt wur­den in einen sek­tie­re­ri­schen Wahn, der ihre Nutz­lo­sig­keit recht­fer­ti­gen soll.
    „Seht her, ich bin kein Para­sit, nie­mand der ande­rer Men­schen Lebens­zeit stiehlt, ich bin gut und wert­voll, ich stel­le mich ja hero­isch den Nazis ent­ge­gen und büs­se ganz doll.“
    Ja, Schei*dreck.

  5. Erlau­ben Sie mir bit­te noch einen län­ge­ren Nach­trag, der viel­leicht zum Ver­ständ­nis des­sen hilft, was sich in Frau Jules Welt abspielt.

    Über die Jah­re hör­te man immer vom Ver­schwin­den der Reli­gio­nen, kon­kor­dant mit dem Ver­duns­ten des Chris­ten­tums. Bis dann mit dem Import und robus­ten Auf­tre­ten des Islams die Reli­gi­on wie­der in den Blick geriet. Sie war aber nur schein­bar ver­schwun­den, viel­mehr in säku­la­re Heils­leh­ren trans­for­miert. Die­ser Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess fand in Euro­pa intel­lek­tu­ell sei­nen Abschluss in Hegel, Karl Löwith hat das ein­dring­lich her­aus­ge­ar­bei­tet. Hegel stand auf dem Kopf schon ganz rich­tig, und wenn auch sein Werk Abstru­ses ent­hält (so die Aus­füh­run­gen zur Natur­wis­sen­schaft), so doch auch viel Groß­ar­ti­ges und sorg­fäl­tig Beob­ach­te­tes & Durch­dach­tes, man den­ke an die Schrif­ten zur Ästhe­tik. Das war zu einer Zeit, als das Chris­ten­tum noch im Schwan­ge war.

    Danach kam Marx, der Hegel nach eige­nem Bekun­den auf die Füße stell­te und so erst für Akti­vis­ten, denen Füße & Hän­de wich­ti­ger waren als der Kopf, hand­hab­bar mach­te, gleich ob es sich um Fol­te­rer & Genick­schuss­spe­zia­lis­ten des NKWD oder Zuträ­ge­rin­nen des Staats­si­cher­heits­diens­tes han­del­te, die ihre Kom­mi­li­to­nen bespitzelten.

    Der Mar­xis­mus-Leni­nis­mus trägt alle Züge einer Reli­gi­on, bis hin zu den töd­li­chen Kämp­fen der Sek­ten gegen­ein­an­der. Ob Jesus Gott ist oder an der Got­tes­na­tur teil hat oder nur Mensch ist, ob das Brot Sym­bol sei­nes Flei­sches oder tat­säch­lich sein Fleisch ist, das waren Fra­gen auf Leben und Tod. Man sieht es heu­te wun­der­bar an den sog. Dis­kus­sio­nen über den Sozia­lis­mus, die ganz wie theo­lo­gisch-dog­ma­ti­sche Debat­ten von aller Empi­rie ent­kop­pelt sind, ja letz­te­re wird als schäd­lich erklärt, weil sie den Blick auf das wah­re Got­tes­bild ver­stel­le. Alle Pro­ble­me wer­den durch Defi­ni­tio­nen und Pos­tu­la­te fik­tiv gelöst (und kon­se­ku­tiv durch Gewalt). Man sieht die theo­lo­gi­sche Pro­ve­ni­enz und den para­theo­lo­gi­schen Habi­tus wun­der­bar bei Haber­mas, wenn er schreibt, dass sich „die Fak­ten der Theo­rie fügen“, nicht etwa umge­kehrt, oder „Eine Aus­sa­ge ist wahr, wenn der Gel­tungs­an­spruch der Sprech­ak­te, mit denen wir, unter Ver­wen­dung von Sät­zen, jene Aus­sa­ge behaup­ten, berech­tigt ist“, wohl­ge­merkt nicht die Sät­ze „rich­tig“ sind (das wür­de die Suche nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en impli­zie­ren), son­dern ihr „Gel­tungs­an­spruch berech­tigt“. Dar­über kön­nen wir natür­lich im Volks­so­wjet abstim­men. So auch, ob nicht 3x3=10 sein kann, weil sonst (a) die 10 dis­kri­mi­niert wür­de und (b) gewis­se Intel­li­gen­zen Pro­ble­me bekä­men, die nicht sein dür­fen. Hamed Abdel-Samad berich­tet irgend­wo, in einem isla­mi­schen Land ein Pla­kat gese­hen zu haben, auf dem sinn­ge­mäß stand „Ent­haup­tet alle, die leug­nen, dass der Islam die Reli­gi­on des Frie­dens ist“. Kogni­ti­ve Dis­so­nanz ist gera­de­zu Programm.

    Ganz ana­log dem Mar­xis­mus-Leni­nis­mus wal­tet der Öko­lo­gis­mus-Kli­ma­tis­mus, man sehe nur „Kli­ma­l­eu­ger“, „Kli­ma­sün­der“, „Kli­ma­fas­ten“, „Kli­ma­bu­ße“ usw. Kir­chen aller Cou­leur haben Wis­sen­schaft selek­tiv auf­ge­grif­fen und zu para­re­li­giö­sen Dog­men erho­ben, genau dar­in zeigt sich ihre genui­ne Wis­sen­schafts­fremd­heit oder ‑feind­lich­keit. Durch­ge­hend zu sehen ist auch das Motiv der Beherr­schung ande­rer, wel­ches jeder Reli­gi­on zugrund­liegt, das wech­sel­sei­ti­ge Über­wa­chen. Wer in einer stark reli­giö­sen Umge­bung auf­ge­wach­sen ist, kennt das, auch die Ver­en­gung des Urteils. Statt jeweils eine dem Pro­blem ange­pass­te, genaue, inhalt­li­che Begrün­dung zu geben, unter­stellt man die ein­fach die Supe­rio­ri­tät der eige­nen Per­son und Grup­pe. Frü­her hieß es als Argu­ment „Ket­zer“, „Athe­ist“, „Jude“, heu­te heißt es „Rechts­po­pu­list“, „Nazi“, „Men­schen­feind“.

    Ent­spre­chend führ­te vom Stam­mes­feind über den Got­tes­feind & Glau­bens­feind eine direk­te Linie zum Klas­sen­feind & Ras­sen­feind, mit tra­di­tio­nell töd­li­chen Kon­se­quen­zen. „Men­schen­feind“ ist die Stei­ge­rung, ein maxi­mal ver­sa­ti­ler Begriff, der bes­tens zur Legi­ti­ma­ti­on eines umfäng­li­chen Aus­mor­dens im 21. Jahr­hun­dert geeig­net sein wird. Sogar Mohamm­edi­s­ten kön­nen ihn ver­wen­den, denn nur Mos­lems sind nach ortho­do­xer Leh­re wah­re Men­schen, sog. Ungläu­bi­ge nicht, viel­mehr sind die­se bös­ar­ti­ge Stör­ele­men­te und Fein­de der wah­ren Men­schen, mit­hin: Men­schen­fein­de. Voi­là. Dem Klas­sen­feind gab man ja auch kein Par­don, und die vor­geb­li­che Mei­nungs­frei­heit einer Rosa L. schloss bekannt­lich nur Kom­mu­nis­ten ein. Die Ver­wandt­schaft zwi­schen Mar­xis­ten, Reli­gio­nis­ten, Neo­ras­sis­ten usw. reicht bis auf den Grund und ist nicht nur eine vor­über­ge­hen­de Gemein­sam­keit von Inter­es­sen. Man ist von glei­cher Art.

    Frau Jule gehört also in einen Kon­text. So wie sie über die Deut­schen schreibt, kann ohne jedes Pro­blem ein Mohamm­edi­st über Ungläu­bi­ge schrei­ben. Auch die­se sind abge­fal­len vom Glau­ben (weil jeder als Mos­lem gebo­ren wird) und zur Höl­le ver­dammt, und even­tu­ell darf man auf Erden bereits nach­hel­fen, sie­he auch Sta­lin oder Mao. Aller­dings kön­nen sie noch zur Anti­fa, par­don dem wah­ren Glau­ben kon­ver­tie­ren. Sicher wird man, was ich hier schrei­be, im Milieu Jule für krank­haft (nicht nor­mal), gefähr­lich und ver­bots­wür­dig erklä­ren, und man wird umge­kehrt dar­auf hof­fen, dass vie­le Zeit­ge­nos­sen, vor allem sol­che, wel­che sich von einer neu­en Dik­ta­tur des Eli­ta­ri­ats Pro­fit ver­spre­chen, genü­gend oppor­tu­nis­tisch und geis­tig leer sind, um auf Frau Jules o.ä. Reso­nanz­an­ge­bo­te für Hohl­köp­fe anzusprechen.

    • Bei allem Respekt: Aber viel zu viel Wor­te als Ent­geg­nung auf geis­ti­gen Dünnschiß.

    • Sehr gute Dar­stel­lung. Es sind ja meh­re­re ein­zig wah­re Reli­gio­nen im Moment kompatibel:
      1. die Woke-Religion
      2. die Öko-Mutter-Gaia-wird-sich-rächen-Religion
      3. der Sozialismus
      4. die EU-Religion

      Der Athe­is­mus wur­de 2015 geköpft, wes­halb jetzt auch alle genann­ten Reli­gio­nen gleich­zei­tig kom­pa­ti­bel mit dem Islam und v.a. der evan­ge­li­schen Kir­che sind. Die Schwu­len wer­den den Athe­is­ten fol­gen, wenn sich die Wäh­ler­de­mo­gra­phie gewan­delt hat. 

      Der Wider­spruch, den vie­le sehen, ist kei­ner. Die Auf­klä­rung, die mit den Athe­is­ten ver­knüpft wur­de, konn­te ja auch auf Gre­ta-Thun­berg-ist-Wis­sen­schaft ver­legt wer­den. Die Schwu­len und Femi­nis­ten wer­den ent­spre­chend im Islam eine Nische fin­den. Wo ein Eli­te-Wil­le ist, ist auch eine NGO.

    • @R.J. 15. März 2021 At 16:18

      Es lohnt sich schon, sich den geis­ti­gen Geschwü­ren des herr­schen­den Zeit­geis­tes mit der Lupe zu nähern, mei­ne ich. Ergüs­se wie den von der Jule hal­te ich für Sym­pto­me einer Art See­len­krank­heit vie­ler Deut­scher. Es ist ein spe­zi­el­les Fla­gel­lan­ten­tum, bei dem dann aber ande­re „die ande­ren Deut­schen“ gepeitscht wer­den und durch das man sich selbst aufwertet. 

      Sehe das auch so, dass die­ser Selbst­hass eini­ger Deut­scher fana­tisch reli­giö­se Züge auf­weist. Es stimmt auch, dass in West­eu­ro­pa und den USA tau­send irre neue Gegen­stän­de der Ver­got­tung an die Stel­le des Chris­ten­tums getre­ten sind (oder getre­ten wurden).
      Für falsch hal­te ich jedoch den Unter­ton, der Reli­gi­on gene­ra­li­sie­rend und pau­scha­li­sie­rend als nega­tiv hin­stellt. Es sind eben nicht „alle Reli­gio­nen gleich“ und den Mann aus Naza­reth bekommt man nicht aus der euro­päi­schen Kul­tur­ge­schich­te her­aus, die uns bis heu­te prägt. Selbst Athe­is­ten, auch wenn sie es abstrei­ten wer­den. Jesus war revo­lu­tio­när. Er wer­te­te den Men­schen enorm auf. Gott wur­de selbst Mensch. Das Indi­vi­du­um, die ein­zig­ar­ti­ge See­le jedes Men­schen gewann an Bedeu­tung. Das ist anti­kol­lek­ti­vis­tisch. Der freie Wil­le, die Erkennt­nis, dass nur Gott für reli­giö­se Ver­feh­lun­gen zur Rechen­schaft zieht. „Wer ohne Sün­de ist, wer­fe den ers­ten Stein.“ Im Islam ist das anders. Nicht nur das. Ein wei­tes Feld. 

      Um noch­mal zu der Jule zu kom­men. Eine wei­te­re Rol­le spielt bei sol­chen Leu­ten natür­lich auch die bana­le wirt­schaft­li­che Über­le­gung: Sol­cher Käse lässt sich ein­fach pri­ma ver­kau­fen. Nazi­zeit geht immer. Gekop­pelt mit deut­scher Selbst­gei­ße­lung, da ist die Pat­te garan­tiert und man hat noch „Hal­tung“ bewie­sen. Das bringt Geld und noch Punk­te dazu! 🙂

      • Es ging mir nicht dar­um, Reli­gi­on per se schlecht zu machen, die hat viel­fäl­ti­ge Wur­zeln in der Evo­lu­ti­on und Mensch­heits­ge­schich­te und ist eine anthro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te in all ihren Aus­prä­gun­gen. Der moder­ne, pri­ma vis­ta a‑theistisch erschei­nen­de Typus hängt sich vor­zugs­wei­se an para­re­li­giö­se, poli­ti­sche, welt­li­che Fik­tio­lo­gien, weil die hand­fes­ter erschei­nen, er will Para­dies und Erlö­sung so bald als mög­lich, und sei es nur gefühlt. Und er bedarf simp­ler, über­sicht­li­cher Fik­tio­lo­gien, weil er cha­rak­ter­lich und intel­lek­tu­ell nicht in der Lage ist, die Kom­ple­xi­tät und Unge­wiss­heit der Welt aus­zu­hal­ten. Es ist kein Zufall, dass die mör­de­ri­schen säku­la­ren Leh­ren, die im im 19 Jh. ent­stan­den, mit der Aus­brei­tung von „Bil­dung“ ein­her­gin­gen. Heu­te, mit Stu­di­um für fast alle, sehen Sie das in extre­mer Form. Die uni­ver­si­tär gestanz­te Intel­li­genz reicht dazu, Begrif­fe auf­zu­schnap­pen und in Sät­ze zu brin­gen, nicht aber dazu, die­se Begrif­fe durchzuarbeiten.

        So wer­den nun die­je­ni­gen, die frü­her bei­spiels­wei­se in einer ein­fa­chen Reli­gi­on als Dienst­bo­ten oder Nähe­rin­nen ihren Trost gefun­den hät­ten, intel­lek­tu­ell, theo­re­tisch, kri­tisch. Auf­grund der Män­gel der Dis­po­si­ti­on bleibt es aber bei prä­ten­tiö­sen, pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen, durch trick­haf­te Rhe­to­rik immu­ni­sier­ten Phra­sen. Dahin­ter steht ein fun­da­men­ta­ler Man­gel an Beschei­den­heit (*). Ent­spre­chend wird die Welt in klimlal und klim­ram, femlal und fem­ram, ras­s­lal und rass­ram, nazlal und nazram usw. kate­go­ri­siert, ganz wie im Islam in halal und haram (der ver­mut­lich bei alle­dem gewin­nen wird). Und es wer­den Kon­ten geführt, wie hoch man damit im Him­mel kommt. Da fin­den Sie nicht Ana­lo­gien, son­dern iden­ti­sche Mecha­nis­men: der alte Adam & die alte Jule plus die alte Hor­den- & Meu­ten­me­cha­nik. Hin­zu kom­men, modern, die Gewin­ne aus der pro­jek­ti­ven Selbst­zer­knir­schung, wenn man sich selbst „geist­lich“ sal­viert, jedoch auf Kos­ten ande­rer, die nicht nur abge­wer­tet, son­dern der Höl­le zuge­ord­net werden.

        Dar­aus erwächst Macht. So wie ein rich­ti­ger Mohamm­edi­st (frü­her auch bei Chris­ten zu fin­den) aus der radi­ka­len Selbst­un­ter­wer­fung unter Gott das Recht ablei­tet, ande­re radi­kal zu unter­wer­fen. Auf­grund der Art der Bil­dung (Fähig­keit, klin­gen­de Phra­sen eben­so para­no­id wie inko­hä­rent anein­an­der­zu­rei­hen) kommt das bei Frau Jule etwas chao­ti­scher, doch im Prin­zip gleich. Es geht nicht dar­um, wel­ches geis­ti­ge Niveau ihre Aus­füh­run­gen haben, so wenig wie sei­ner­zeit bei Rosen­berg oder Ehren­burg. Es geht dar­um, zu ver­ste­hen, wel­che Mecha­nis­men dahin­ter am Werk sind. Schim­pan­sen füh­ren auch Krie­ge gegen­ein­an­der und brin­gen „gemein­sam“ ande­re Schim­pan­sen der eige­nen Grup­pe um; sicher sind sie nach­her mit sich selbst zufrie­den. Wären sie gebil­det, könn­ten sie irgend­ei­nen Göt­zen- oder Nazi- oder Ras­sen- oder Hal­tungs­ma­kel ange­ben und genau begrün­den, wes­we­gen die ande­ren nicht nor­mal waren und weg konn­ten. Das Wochen­blatt hie­ße dann ver­mut­lich „Pan“, nicht „Zeit“.

        (*) Wer­ner Hei­sen­berg wird der Satz zuge­schrie­ben: „Nur weni­ge Men­schen wis­sen, wie viel man wis­sen muss, um zu wis­sen, wie wenig man weiß.“ Der heu­te ver­brei­te­te Dun­ning-Kru­ger-Typus, als Pro­dukt zuneh­men­der Bil­dung und sen­dungs­be­wuss­ter Erreg­bar­keit, ist das Gegenteil.

  6. Als Jah­re nach 1945 Gebo­re­ner war ich so frei eine Ver­an­stal­tung zur Deutsch Israe­li­schen Freund­schaft (1971) zu besu­chen. Die Erb­schuld soll­te auch mei­ne Genera­ti­on tra­gen, da wir als Kin­der der Mör­der die Schuld zu til­gen hät­ten. In der fol­gen­den Diss­kusi­on frag­te ich, ob die­se Schuld also nach Hit­lers Art der Sip­pen­haft ver­hängt wird und wie­vie­le unge­bo­re­ne zukünf­ti­ge Genera­tio­nen noch betrof­fen wäh­ren. Das war das ers­te Mal dass ich als Nazi bezeich­net wur­de und des Saa­les verwiesen.
    Bei mei­nem Stu­di­um in den USA bat mich ein Kol­le­ge um Hil­fe beim Aus­fül­len eines deut­schen Doku­ments. Es ging um die Ren­te für sei­ne Jüdi­sche Schwie­ger­mut­ter im Rah­men der Wie­der­gut­ma­chung. Mein Inter­es­se war geweckt und ich fand her­aus dass die
    Wie­der­gut­ma­chung der höchs­te Betrag war, den jemals ein Staat (BRD) an Pri­vat­per­so­nen aus­ge­zahlt hat. Ich war dafür, die wirk­lich von dem Nazi Ter­ror betrof­fe­nen Men­schen zu hel­fen und eine Wie­der­gut­ma­chung so gut wie mög­lich zu gestalten.

    Und jetzt kom­men wir zum undank­ba­rem Gesin­del das Moral pre­digt und doch nur umsonst fres­sen will. Kei­nen Cent für Schma­rot­zer die ihr Aus­kom­men auf mora­li­scher Erpres­sung und ver­lo­ge­nem Mit­ge­fühl beru­fen. Im Beson­de­rem von Sma­rot­zern und Nutz­nie­ßern unse­rer Staa­tes und sei­ner Kul­tur, die selbst einer Kul­tur ent­stam­men, die lie­ber Heu­te als Mor­gen den Tod aller Juden herbeisehnt.

    • Ihnen wur­de mit Sicher­heit NICHT gesagt, dass Sie „als Kin­der der Mör­der die Schuld zu til­gen hät­ten“. Auch das unmög­li­che Wort „Erb­schuld“ ist mit Sicher­heit NICHT gefallen.
      Das Gerücht, dass irgend­wann irgend­wer so was irgend­wem gesagt habe, beson­ders die Juden den Deut­schen („Erb­schuld!“, „Schuld­kom­plex!“, „Juden­knacks!“, usw. usf), ist ein bekann­tes Topos aus dem neo­na­zis­ti­schen Millieu.
      Zu dem Sie ja nicht gehö­ren; in Ihren Kom­men­ta­ren hier ist das jeden­falls nicht enthalten.
      War­um behaup­ten Sie den­noch, was nicht pas­siert ist?

      • Ihre Kri­tik bezieht auf “ ihre eige­nen Annah­me“ dass ich Lüge wenn ich Wor­te wäh­le die genau das aus­drü­cken was zu mei­nem Raus­schmiss führte.
        Beden­ken sie den Zeit­raum und lesen sie Arti­kel von damals. Schon damals galt vie­len das mora­li­sche Inter­es­se nicht den Juden, son­dern der eige­nen Ideologie.
        PS. Finan­ziert von uns, wur­de einer aus der dama­li­gen Cli­que zum Oran­gen pflü­cken in den Kib­buz geschickt. Freund­schaf­ten kön­nen län­ger dau­ern als „woker“ Zeitgeist.

        • Ihre Erin­ne­rung ist völ­lig dane­ben, weil sie nicht auf wört­li­chen Äuße­run­gen beruht. Sie rei­men sich da was zusam­men. Wie erwähnt, Aus­drü­cke wie „Erb­schuld“ usf. sind Nar­ra­tiv, aber kei­ner hat sie 1971 ver­wen­det, außer den ewig Gestrigen.
          Ihnen ist was durcheinandergeraten.
          So wie „eine Ver­an­stal­tung zur Deutsch Israe­li­schen Freund­schaft (1971) zu besu­chen“. Sehen Sie?, es gibt kei­ne Ver­ei­ni­gung die­ses Namens. Aber es gibt die Deutsch-Israe­li­sche Gesellschaft.

          • Wir der Name „Aris­to­bu­lus“ sug­ger­riert, ist er ein offen­bar ganz kor­rek­ter selbst­ge­rech­ter Haar­spal­ter. Denn man tau, fro­hes Spal­ten. Dumm nur, dass er im Sin­ne von Fräu­lein Jule trotz­dem mit­schul­dig ist an den Ver­bre­chen sei­ner Ahnen. Und noch düm­mer, dass er die­se Schuld nie wird til­gen können.

    • Erb — „Schuld“ heißt Erbe der Schuld, heißt immer so wei­ter ad infi­ni­ty. Wenn Dad dem Soh­ne­mann die Schlüs­sel für den neu­en Golf über­reicht, ste­hen Fer­di Por­sche und der Füh­rer Pate, zumin­dest nach dem Maß der woken Blo­kes. Gela­belt mit „Nazi-Hin­ter­grund“, 2 Klas­sen unter dem edlen Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Alman-Kar­tof­fel­stampf, ab dem ers­ten Schrei gecan­celt. Quo vadis, Germania?

  7. Dan­ke, Herr Letsch. Sicher soll­te man einen Arti­kel, der in einem typi­schen, zeit­geis­ti­gen Erzeug­nis der Qua­li­tail­le erscheint, auch sozi­al­psy­cho­lo­gisch, eth­no­lo­gisch, anthro­po­lo­gisch und viel­leicht gar pri­ma­to­lo­gisch auf­fas­sen. Kikeriki‑, Gacker- und Hack­be­dürf­nis­se fin­den sich bei allen Pri­ma­ten, gera­de unter typi­schen Ange­bil­de­ten, wie sie sich in der Qua­li­tail­le auf­kon­zen­trie­ren, dient ja die Intel­li­genz oft dazu, die eige­nen Vor­ur­tei­le zu ratio­na­li­sie­ren und her­me­tisch gegen­über Kri­tik abzuriegeln.

    Was fas­zi­niert, ist die Kon­ti­nui­tät der alten Denk­fi­gu­ren. Neh­men Sie den klas­si­schen, christ­lich unter­füt­ter­ten Anti­se­mi­tis­mus. Die Juden haben unse­ren Herrn Jesus getö­tet, sie bereu­ten nicht, wie­sen die dar­ge­bo­te­ne Hand zurück, sind von Grund auf und irrever­si­bel ver­dor­ben, Kon­ver­si­on macht sie auch nicht bes­ser (sie­he Mar­ra­nen), daher kön­nen und müs­sen sie als Schan­de des Men­schen­ge­schlechts weg, das ist der Schluss, den dann AH radi­kal gezo­gen hat.

    Deut­schen und Wei­ßen gegen­über wer­den sei­tens Jule-Typen völ­lig ana­lo­ge Denk­fi­gu­ren ange­wandt. Sie sind unheil­bar ver­derbt, man kann ihnen gegen­über nicht „ras­sis­tisch“ sein, das und vie­les unter­schei­det sie von ande­ren Men­schen­ras­sen, sie sind intrinsisch defekt, sie haben die Welt ver­dor­ben. Die Idea­li­sie­rung der Frem­den ken­nen wir von anti­ken Intel­lek­tu­el­len wie Taci­tus (Ger­ma­nen u.ä.) über Bou­gain­ville & Kon­sor­ten (Tahi­ti u.ä.) bis heute.

    Ich fin­de es kuri­os, wenn jemand mit so offen­sicht­lich para­no­idem, geschlos­se­nem Welt­bild wie Frau Jule über das urteilt, was „nor­mal“ ist. Amü­sant wird es, bedenkt man, dass „Jule“ die ger­ma­nisch-nor­di­sche Ver­si­on von „Julia“ ist, d.h. die „dem Jupi­ter Geweih­te“ oder „Fröh­li­che“. Von letz­te­rem bemerkt man nichts, viel­leicht von ers­te­rem. Lesen Sie Aus­füh­run­gen von NS-Phi­lo­so­phen und ihren Vor­läu­fern über die Juden, dann sprin­gen die Par­al­le­len ins Auge. Die Paro­len wech­seln, der Typus bleibt. Aber das dürf­te für Frau Jule zu hoch sein.

  8. Das mit den Groß­el­tern zieht ja längst nicht mehr. Ich bin Opa und 1962 gebo­ren. Mein Vater wur­de 1938 gebo­ren, also selbst der Uropa ist sozu­sa­gen nazi­frei. Da ich die Autorin nicht ken­ne, weiß ich natür­lich nicht, was vor 100 Jah­ren mit ihren Ahnen so ange­sagt war. Könn­te inter­es­sant sein.

    Je mehr Zeit ver­geht, des­to abstru­ser wird die gan­ze „Nazi-Ver­gan­gen­heits­ge­schich­te“, ja, sie ver­wan­delt sich in solch einer absur­den Wei­se, dass sich heu­te vie­le Neu-Lin­ke exakt nach Goe­b­bels Gebrauchs­an­wei­sung der Steue­rung und frei­wil­li­ger Gleich­schl­tung der Medi­en rich­ten, sprich, wenn Neu-Nazis anders­den­ken­de Men­schen als Nazis bezeich­nen, ich mei­ne, wer kann so etwas eigent­lich noch ernst nehmen?

      • Ah, genau­es­tens. Zumal die Fra­gen nach dem all­ge­mein­deut­schen Nazi-gewe­sen-Sein ja immer die nächs­te Fra­ge her­bei­zwingt, wer jetzt die wah­ren Nazis sei­en, nicht?, indem man selbst ja kei­ner sei. Da bie­ten sich wie­der mal die Juden an. Umfra­gen aus den letz­ten Jahr­zehnen lie­fern immer das glei­che Resul­tat: Der nor­ma­le Anti­na­zi­deut­sche glaubt zu etwa 50%, dass die Israe­lis die ‚Pales­ti­nen­ser‘ so behan­deln wie einst die Nazis die Juden behan­delt haben. In die­ser kran­ken Idee liegt, wie Eike Gei­sel einst gesagt hat, die wah­re Wie­der­gut­wer­dung der Deutschen.

        P.S.
        Was ist die dau­ern­de Beschäf­ti­gung mit den Schat­ten von Nazis, die all­täg­li­che Sich­tung von Adolf Böse hin­ter der nächs­ten Ecke, und das Erschnüf­feln von Nazi­deut­schen der sieb­ten Genera­ti­on: Rei­ne Selbst­be­zo­gen­heit und eit­le Selbst­be­spie­ge­lung, nix sonst. Anstatt dar­auf zu ach­ten, dass die Juden end­lich sicher leben kön­nen, machen sie den Jud zum Obernazi.

        • Dan­ke, Ari, dass du mich auf die­sen Arti­kel auf­merk­sam gemacht hast. Es war eine inter­es­san­te Lektüre.

      • „Jene, die an der­lei Zuschrei­bun­gen ver­die­nen. Und das nicht zu knapp.“

        Ja @Roger Letsch, das stimmt natür­lich. Nur je mehr Beach­tung die­se Beklopp­ten fin­den, des­to siche­rer ist ihr Ver­dienst. Und wenn man mal bedenkt, für was für ein Sch… heu­te unvor­stell­ba­re Sum­men aus­ge­ge­ben wer­den (die es ja gar nicht gibt, die nur vir­tu­ell vor­han­den sind), dann kann einem nicht nur schwind­lig wer­den, nein, es zeigt sich dar­an die Gemein­sam­keit der bril­lan­ten Arti­kel wie der Ihri­ge mit der Müh­sal des Sisy­phos. Die Arbeit ist edel und gut, wir­ken wür­de allein das Zudre­hen des Geld­hahns, was dann aber wie­der Sache der Poli­tik wäre, die das nicht will, da man so schön damit ablen­ken kann.

        „Anstatt dar­auf zu ach­ten, dass die Juden end­lich sicher leben kön­nen, machen sie den Jud zum Obernazi.“

        Genau so ist es @Aristobulus. War da nicht etwas mit Täter-Opfer-Umkehr? Ist unge­mein prak­tisch, damit lässt sich halt pri­ma Geld­ver­die­nen und es führt in der „eit­len Selbst­be­spie­ge­lung“ zum voll­ende­ten Nar­ziss­mus. Der braucht ja gar nicht oh weh, oh ewig­lich zu hal­ten, Bestand zu haben, denn wie Her­mann Göring (sinn­ge­mäß) sag­te? „Haupt­sa­che 10 Jah­re gut gelebt.“

Comments are closed.