Ich verweigere mich der maskierten Realität wo immer es geht, aber wenn man schon mal kurz in Nürnberg ist, muss man natürlich auch der Kaiserburg einen Besuch abstatten, bevor die Überbleibsel weiß-europäischer Restgeschichte geschleift sind und progressiver Indifferenz Platz gemacht haben, weil die Erben der Erbauer des Abendlandes kniend die Strafe dafür empfangen, ihren Feinden all jene Waffen an die Hand gegeben zu haben, für deren Erfindung und Benennung sie sich heute laut jammernd entschuldigen.

Dass sich das Aufsichtspersonal der Nürnberger Burg nicht darüber im Klaren ist, welches Erbe es da verwaltet, wird leider nur zu deutlich, wenn man unter der Herrschaft von Kaiser Corona dem ersten glaubt, auch nur mit einer Handvoll anderer maskierter Menschen plus Abstandsregel durch die kaiserlichen Hallen streunen zu dürfen.

Jede Treppe, jedes Nebengelass, jede Kemenate hat einen eigenen, nach Quadratmetern und Zahl anwesender Wachpersonen („Sie gehör‘n ja ned zu meiner Familie“) definierten Numerus Clausus, der peinlich genau eingehalten werden muss. Überall steht Personal bereit, nicht um Vandalismus und andere Handgreiflichkeiten gegenüber der Geschichte zu verhindern, sondern um Vierergruppen in drei Teile zu teilen oder dem Reichsverweser der nächsten räumlichen Teilmenge per Walkie-Talkie oder Handzeichen wie auf dem Rollfeld eines Militärflughafens mitzuteilen, wie die Migrationsquote in einer Minute aussehen könnte, weil sich zwei Besucher gerade anschicken, den Nachbarraum in Richtung des übernächsten zu verlassen. Schon nach kurzer Zeit hat man vergessen, warum man eigentlich diese Burg besuchen wollte und hofft nur noch, schnellstmöglich Raum für Raum wie Level für Level eines stupiden Computerspiels hinter sich bringen, um endlich wieder frische Luft zu kommen.

Üblicherweise kenne ich historische Orte, die ich besuche, aus der Theorie und fülle durch persönliche Anwesenheit nur Lücken in der Anschauung historischer Begebenheiten oder Personen. In der Kaiserburg Nürnberg wurde diese historische Anschauung leider überdeckt durch die Allgegenwart von Söder, Merkel und Drosten sowie einer ganzen Armee bürokratischer Korinthenkacker, wodurch jede Aura des Ortes wie eine Seifenblase zerplatzte.

Eine unwürdige und mangels Besucheransturm zudem völlig überflüssige Demonstration eines deutschen Prinzips, hier in fränkischer Ausführung: „Frroch‘ ned, moch hoid“. Eine Maske zu tragen erwies sich hier als kleinster Teil des Übels. Sich nicht frei bewegen zu können und gegen Eintrittsgeld auch noch als Spielstein einer blödsinnigen Mengenlehre herhalten zu müssen, ist demütigend und abschreckend. Zumindest letzteres war wohl durchaus beabsichtigt.

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1 Kommentar

  1. Tja, was soll man auch noch sagen? Wir sind an dem Punkt, wo Resignation eine Option wird.

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