Forscht die Klimawissenschaft ergebnisoffen?

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Nicht wenige Men­schen haben die Vor­stel­lung, Natur­wis­sen­schaft­ler seien Team­player, die ihr ganzes Leben lang völlig unei­gen­nüt­zig nach neuen Erkennt­nis­sen suchen, ori­gi­nelle oder noch unge­dachte Ideen und Arbei­ten mühelos ver­öf­fent­li­chen können und es freudig begrü­ßen, wenn andere Wis­sen­schaft­ler eines Tages den Beweis führen, dass ihre Arbeit wahl­weise völlig nutzlos war oder so gra­vie­rende sys­te­ma­ti­sche Fehler enthält, dass sie dadurch eben­falls nutzlos ist. Ganz gleich, ob einem das am Beginn oder am Ende einer aka­de­mi­schen Kar­riere pas­siert – es ist ver­hee­rend. Nicht nur in der Kli­ma­wis­sen­schaft. Und spä­tes­tens an dieser Stelle wird man fest­stel­len müssen, dass auch Kli­ma­wis­sen­schaft­ler nur Men­schen sind und zutiefst mensch­lich reagie­ren. Mit Ableh­nung, Ver­drän­gung, Empö­rung und sogar mit Gegen­an­grif­fen. Sie holen ihre „großen Brüder“ zu Hilfe, ver­su­chen sich Mehr­hei­ten zusam­men­zu­trom­meln und schre­cken manch­mal sogar vor Trick­se­reien, Ver­leum­dung und Betrug nicht zurück. weiter lesen

Sticks and Stones – Kritiker keifen, das Publikum feiert

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Was Comedy und Kaba­rett angeht, geht es fürch­ter­lich öde zu in diesem Land. Mit wenigen Aus­nah­men. Nicht anders ist es in den Ver­ei­nig­ten Staaten. Dank Netflix tauchen beson­dere Comedy-Spe­cials wie Dave Cha­pel­les „Sticks and Stones” ja zeit­gleich auch bei uns auf und man kommt beim Ver­gleich zu fol­gen­dem Fazit: In Zeiten, in denen selbst­er­nannte Ver­tei­di­ger der Rechte von aller­lei Min­der­hei­ten mit Strich­lis­ten an jedem Spiel­feld­rand stehen, um unpas­sende, aus­gren­zende, belei­di­gende oder ver­all­ge­mei­nernde Aus­sa­gen zu ahnden, ist es fast unmög­lich, witzig zu sein. Sprach­re­ge­lun­gen und zu jeder Empö­rung ent­schlos­sene Kri­ti­ker ato­mi­sie­ren jede Über­ra­schung, jede sprach­li­che Wendung und fangen vor­aus­ei­lend selbst noch erdachte Krän­kung ihrer Schutz­be­foh­le­nen Ziel­gruppe mit reli­giö­sem Eifer ab. Überall lauern Fall­stri­cke. Die Liste der Tabu-Themen und ‑Ziel­schei­ben des Spotts ist auf beiden Seiten des Atlan­tiks mitt­ler­weile endlos. Klam­mert man Frauen, Schwarze, Aus­län­der, Alte, Junge, Behin­derte (Achtung: Tabu-Tabu, hier muss man von Benach­tei­lig­ten spre­chen), Muslime, Migran­ten, LGBTs, Dicke, Dünne, Dumme und Demo­kra­ten aus, bleiben in den USA am Ende nur noch Maga-Heads und Trump selbst als legi­time Ziel­scheibe des Spotts übrig – und Come­di­ans wie Dave Cha­pelle sollen liefern. Buhhh…boring! weiter lesen

Brexit – Deal or no deal und viele Fragen offen

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Kommt in Gesprä­chen dieser Tage die Rede auf den Brexit, liegen bei vielen Deut­schen die Nerven so blank, wie sie das angeb­lich in Brüssel tun. Doch sobald Sätze mit „Dieser Idiot Johnson…“ begin­nen, rate ich zu Tee, Jam, Scones und Pick­nick­de­cke, damit sich der Dampf ein wenig ver­zie­hen kann und man etwas klarer sieht. Denn trotz aller Fehler, welche bri­ti­sche Poli­ti­ker vor und nach dem Refe­ren­dum anein­an­der­ge­reiht haben, sollte man die Agenda Brüs­sels nicht aus den Augen ver­lie­ren. weiter lesen

Herr Dobrindt und die Kampfpreissteuer

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Manch­mal schaf­fen es Poli­ti­ker, ihre Ahnungs­lo­sig­keit, Inkom­pe­tenz und ihre Agenda gleich mit in einem Satz unter das ver­dutzte Volk zu streuen. Wenn dies münd­lich vor Kameras geschieht und nicht noch mal eben schnell ein Refe­rent für Nebel & Schleier drüber gucken konnte, ist es beson­ders ver­hee­rend. Alex­an­der Dob­rindt (CSU), seines Zei­chens CSU-Lan­des­grup­pen­chef im Bun­des­tag und ex-Bun­des­ver­kehrt­mi­nis­ter mit bösem Maut­aus­schlag, fordert eine Kampf­preis­steuer für Bil­lig­flüge und sagte fol­gen­den Ham­mer­satz in die Kamera der Tages­schau: weiter lesen

Ein Pokerspiel um Hockeystick und Klimakatastrophe

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Stellen Sie sich vor, sie sitzen bei einer Poker­par­tie und haben gute Karten. Sie ahnen, dass Ihr Gegen­über ein lau­si­ges Blatt hat, aber der grinst Sie nur an und erhöht die Ein­sätze. Ihnen geht langsam das Geld aus, aber sie gehen schließ­lich aufs Ganze und wollen sehen. Die Regeln sind klar, Karten auf den Tisch! Doch ihr Gegen­über grinst weiter und zeigt seine Karten nicht. Sicher, Sie gewin­nen! Der Einsatz gehört Ihnen, aber Ihr Gegen­über behaup­tet frech, er habe gar nicht ver­lo­ren, er habe nur eine Frist ver­strei­chen lassen. Sein Blatt sei nach wie vor unschlag­bar, er zeigt es Ihnen aber nicht! Was nach einem ganz miesen Spiel klingt, ist die Rea­li­tät. Der Spieler, der „sehen“ wollte heißt Timothy Ball, der Typ mit dem „gehei­men Blatt“ ist Michael Mann und das „Spiel“ fand vor wenigen Tagen am obers­ten Gericht von British Colum­bia in Kanada statt. Fall Sie von dieser Partie bisher nichts gehört haben, liegt das jedoch nicht daran, dass sie nur von „lokaler Bedeu­tung“ wäre. Die Bedeu­tung des Spiels ist groß, auch deshalb, weil sein Ausgang ein aus Angst errich­te­tes Gebäude ins Wanken bringt und dessen Fun­da­ment sich gerade in Treib­sand ver­wan­delt hat: Die Mär vom aus­schließ­lich men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del und ihre gra­phi­sche Inkar­na­tion, die Hockey­stick-Kurve. weiter lesen

Diversität – wir zerreiben unsere Sprache zu Staub

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Treibt man die Durch­set­zung von „Diver­si­tät“ und die Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness auf die Spitze, zer­fällt die deut­sche Sprache dabei zu Staub und eignet sich kaum mehr für den Trans­port irgend­ei­ner Infor­ma­tion, weil sich hinter jeder Rede­wen­dung eine soge­nannte Micro-Aggres­sion ver­ber­gen kann, an die nur noch keiner gedacht hat. Geschlecht zuwei­sende Sub­stan­tive, patri­ar­chale Verben, sexis­ti­sche Adjek­tive, aus­gren­zende Pronomen…kein Stein bleibt auf dem anderen, wenn man mit dem Hammer dieser Ideo­lo­gie auf einer gewach­se­nen, leben­di­gen, viel­deu­ti­gen Sprache her­um­prü­gelt. Es kommt immer nur darauf an, die Micro-Aggres­sio­nen als erster zu ent­de­cken und laut­hals anzu­pran­gern und wenn man die Urheber auf dem fal­schen Fuß erwischt, behält man bei der Deutung immer die Ober­hand. Vor solchen Angrif­fen sind selbst die pro­fes­sio­nells­ten Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten und Diver­si­täts­ex­per­ten nicht sicher, weil man nie gewiss sein kann, genug getan zu haben und andere nicht noch kor­rek­ter for­mu­lier­ten. Dazu jetzt ein kleines Expe­ri­ment. weiter lesen

The roof is on fire – wie man Bolsonaro medial anzündet

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The roof is on fire – wie man unliebsame Politiker medial anzündetHetze und Hitze liegen nicht nur sprach­lich eng bei­ein­an­der. Betrach­tet man die Mel­dun­gen der letzten Tage über die Wald­brände im Ama­zo­nas­ge­biet, bekommt man den Ein­druck, der neue bra­si­lia­ni­sche Prä­si­dent drehe gerade ein Video für ein 99-Luft­bal­lons-Nena-Come­back und sei im Wald höchst­per­sön­lich mit Streich­holz und Ben­zin­ka­nis­ter unter­wegs. Wald­brände sind in der Tat schreck­lich und nicht nur wer zur Rettung des Regen­wal­des liter­weise Krom­ba­cher soff, blickt betrof­fen. Bol­so­naro handele nicht, so liest man überall. Brände löschen ist schließ­lich die ein­fachste Sache von der Welt, wenn sie nicht gerade beim Übungs­schie­ßen der Bun­des­wehr im Moor ent­ste­hen, dann kann man natür­lich nix machen. Was hat er also vor, der Beel­ze­bub Bol­so­naro, warum steckt er das Haus an, in dem er selber lebt? Sowas tun Men­schen eben, wenn ihnen die richtig linke Ein­stel­lung fehlt, raunt es im tro­cke­nen deut­schen Blät­ter­wald und man kann froh sein, dass die Funken aus Bra­si­lien es aller Panik zum Trotz nicht über den Atlan­tik schaf­fen. weiter lesen

Äpfeln und Birnen – Seenotrettung auf Ostsee und Mittelmeer

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Florian West­phal, Geschäfts­füh­rer bei „Ärzte ohne Grenzen“ heute im DLF (18:26 Uhr, Infor­ma­tio­nen am Abend) über das Ver­tei­lungs­ge­zerre der EU-Staaten bei afri­ka­ni­schen Migran­ten, die auf Malta oder Lam­pe­dusa anlan­den:

Man sollte sich mal vor­stel­len, See­not­ret­tung auf der Nordsee oder Ostsee liefe so. Es werden Men­schen geret­tet und dann wird erst mal ver­han­delt mit jedem Hafen, ob sie dann dahin in Sicher­heit gebracht werden. Das darf nicht die neue Nor­mal­si­tua­tion werden.“

Lieber Herr West­phal,
das ist auch nicht die Nor­mal­si­tua­tion. Über Ihre medi­zi­ni­schen Kennt­nisse möchte ich nicht mut­ma­ßen, diese mögen beacht­lich sein, ich weiß es nicht. Dass Sie jedoch ekla­tante Defi­zite im Bereich Logik haben, oder Äpfel nicht von Birnen unter­schei­den können, ist nach diesem Satz bewie­sen. Men­schen, die auf Nord- und Ostsee in Seenot geraten (dieses Wört­chen bitte in Abgren­zung zu „begeben“ nutzen, aber das ist heute gar nicht unser Thema), haben nichts Eili­ge­res zu tun als dies: jeden Hafen, in den sie sich retten konnten, so schnell wie möglich wieder in Rich­tung Heimat zu ver­las­sen. Deshalb ist ihnen auch die Gast­freund­schaft in JEDEM Hafen sicher. Deshalb strei­ten nicht Stral­sund und Stock­holm über die Anlan­dung eines DGzRS-Kutters. weiter lesen

Frankfurter Hauptschule oder: Was Goethe so alles am A… vorbei geht

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Sind Sie manch­mal beim Lesen von Nach­rich­ten oder als Zeit­zeuge der Akti­vi­tä­ten ihrer Mit­men­schen pein­lich berührt, ver­stört oder gar ange­ekelt? Blicken Sie in die Gesich­ter ihrer Mit­men­schen, um fest­zu­stel­len, ob es denen ebenso geht? Dann machen sie sich keine Sorgen, denn sehr wahr­schein­lich wohnen sie der Ent­ste­hung von moder­ner Kunst bei. Moderne Kunst ist häufig anders und bringt im Publi­kum gänz­lich neue Saiten zum Schwin­gen, als dies in über­wun­de­nen, patri­ar­cha­len Zeiten der Fall war. Und sei die ange­schla­gene Saite auch nur der Nervus vagus. Das jüngste Meis­ter­werk der „Frank­fur­ter Haupt­schule“, einem halbanony­men femi­nis­ti­schen Künst­ler­kol­lek­tiv mit RAF-zwei­punkt­null-Atti­tüde, war jedoch nicht einfach ein Griff ins Klo! Statt­des­sen langte man gründ­lich daneben. weiter lesen

Israel – sicher ist sicher!

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Von Deutsch­land nach Israel zu reisen bringt es mit sich, dass man einen Haufen „Gepäck“ dabei hat, von dem man nichts ahnt. Ich meine das Bild, welches durch die vor­ein­ge­nom­mene Bericht­erstat­tung in vielen deut­schen Medien in die Hirne meiner Lands­leute ein­tröp­felt. Mal absichts­voll, mal unbe­wusst, aber stetig. Man merkt es bereits an den besorg­ten Blicken und Nach­fra­gen auf die Mit­tei­lung, dass man nach Israel fliegen werde. Selbst wenn man wie ich seit Jahren gegen die latent ankla­gende und war­nende Bericht­erstat­tung anschreibt, wundert man sich vor Ort in Israel dann über Dinge, die eigent­lich so über­haupt nicht ver­wun­der­lich sind. weiter lesen