Männer, die auf Ziegen sparen

3

Bei moder­nen indus­tri­el­len Lebens­mit­teln wird heute gern ein „Mehr­wert“ ver­kauft, indem man gesund­heit­li­chen Nutzen oder die Aus­schüt­tung von Glücks­hor­mo­nen ver­spricht. „func­tio­nal food“ nennt man das dann und es ver­kauft sich wie geschnit­ten Brot. Die Leute wollen ja nicht nur Geld aus­ge­ben und satt werden, sie wollen ein gutes Gefühl oben­drauf. Für sich selbst, den Nach­wuchs und natür­lich auch für die Umwelt, das Klima und den ganzen Rest. Aber ich will hier eigent­lich nicht vom Essen reden, sondern über einen ver­gleich­ba­ren Trend in der Ent­wick­lungs­hilfe. Also über Ent­wick­lungs­hilfe mit Mehr­wert, „func­tio­nal aid“ gewis­ser­ma­ßen. weiter lesen

Das Genie der Diplomatie!

3

Man will nicht locker­las­sen. Dabei gäbe es sicher tausend oder mehr Themen, über die man als deut­scher Bun­des­prä­si­dent auf Antritts­be­such in Israel spre­chen könnte. Zum Bei­spiel über die Anstren­gun­gen die Israel unter­neh­men muss, um mit der starken Zuwan­de­rung von Juden aus aller Welt fertig zu werden, die sich in ihren Hei­mat­län­dern leider nicht mehr sicher fühlen können. Viel­leicht hätte das Staats­ober­haupt des Ein­wan­de­rungs­lan­des Deutsch­land sich Tipps vom Staats­chef des Ein­wan­de­rungs­lan­des Israel holen können. Oder viel­leicht redet man über die gute Zusam­men­ar­beit im Bereich High-Tech oder darüber, wie israe­li­sche Waren von eif­ri­gen BDS-Kämp­fern aus deut­schen Regalen gezerrt werden. Oder man spricht über die Gefah­ren, die vom nahen Krieg in Syrien, der His­bol­lah und dem IS für Israel aus­ge­hen. Aber Stein­meier könnte natür­lich auch – wie üblich – über die „Sied­lungs­po­li­tik“ spre­chen und darüber, dass die Zwei-Staaten-Lösung „alter­na­tiv­los“ sei, denn das tun ja sowieso alle unent­wegt, während sich Israel brav dafür bedankt, dass es sich von Poli­ti­kern, die ihre Infor­ma­tio­nen über die Lage in Israel vor­wie­gend von dessen Tod­fein­den bezie­hen, über die eigenen Pro­bleme auf­ge­klärt wird. Schön, wenn man solche Ver­bün­de­ten hat! weiter lesen

Graue Männer für einäugige Zeloten

0

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht zu den Men­schen gehöre, die Ver­schwö­rungs­theo­rien anhän­gen. Ich werde schon miss­trau­isch, wenn auch nur von „großen Plänen“ oder „gehei­men Treffen“ die Rede ist, weil das, was sich in Wirk­lich­keit hinter ver­mu­te­ter Macht und Herr­lich­keit ver­birgt, oft an Bana­li­tät kaum zu über­tref­fen ist. Deshalb fällt es mir in letzter Zeit zuneh­mend schwe­rer, die Beweg­gründe der hys­te­ri­sier­ten Massen zu ver­ste­hen, die sich unter selbst­ge­mal­ten Pla­ka­ten ver­sam­meln, deren Infor­ma­ti­ons­ge­halt nur mit Mühe einen Glück­skeks füllen würde, und ihren Hass in aggres­si­ven Schlacht­ge­sän­gen gegen Ange­hö­rige eine von ihnen ver­ach­te­ten Min­der­heit von Mit­bür­gern her­aus­brül­len, weil diese poli­tisch nicht ihrer Meinung sind. weiter lesen

Was die Deutschen wirklich dachten, aber nicht zu sagen wagten

9

Am 31.7.2015 war die Welt für Deutsch­land noch beinahe in Ordnung. Der Tram­pel­pfad, den wir heute Bal­kan­route nennen, war gerade im Ent­ste­hen begrif­fen, die Türkei war ein belieb­tes Urlaubs­land und ein treuer Ver­bün­de­ter im Kampf für die Demo­kra­tie und EU-Mit­glied­schaft. Die Briten und Ame­ri­ka­ner gehör­ten zu den Guten, Deutsch­land hatte Außen­gren­zen und Frau Merkel war noch nicht ganz über ihren mora­li­schen Tief­punkt hinweg, den ihr die Medien attes­tier­ten, weil sie einem paläs­ti­nen­si­schen Mädchen coram publico sagte „Wir können aber nicht alle auf­neh­men“. Noch Fünf Monate bis Sil­ves­ter in Köln, Ansbach war eine weit­ge­hend unbe­kannte bay­ri­sche Klein­stadt, in Nizza wohnte der Geld­adel und gestern kann in Schwe­den höchs­tens ein Sack Knä­cke­brot umge­fal­len sein. Gut, der Krieg in Syrien lief schon eine Weile, und der isla­mis­ti­sche Anschlag auf Charlie Hebdo und den kosche­ren Super­markt in Paris machten die Leute in Europa etwas nervös, aber die ara­bi­sche und afri­ka­ni­sche Welt hatte eigent­lich nur ein Problem: nämlich den Deut­schen bei der Lösung deren Fach­kräfte- und Bevöl­ke­rungs­pro­ble­men zu helfen, weshalb sie ihre Besten auf die Reise zu uns schick­ten. weiter lesen

Die Übernächstenliebe eines Problemverschiebers

27

Es gibt tat­säch­lich Men­schen, die Deutsch­land wieder ver­las­sen müssen. Zum Bei­spiel dann, wenn ihr Arbeits­ver­trag oder ihr Tou­ris­ten­vi­sum aus­läuft. Und es soll sogar Fälle geben, in denen ein Asyl­an­trag abge­lehnt wurde, womög­lich sogar aus Gründen! So ging es auch einem Migran­ten aus Eritrea, der über Italien nach Europa kam, dann aber lieber nach Deutsch­land wei­ter­reiste. Seiner Aus­wei­sung entging er, weil er in der evan­ge­li­schen Gemeinde Flint­bek in Schles­wig-Hol­stein Kir­chen­asyl erhielt. weiter lesen

Demokratie lebt!

0

Nur auto­ri­täre Systeme zeich­nen sich dadurch aus, dass sie Massen mobi­li­sie­ren.” Mit anderen Worten: Die Demo­kra­tie lebt nur dann, wenn sie sich nicht durch mil­lio­nen­schwere Kam­pa­gnen wie „Demo­kra­tie leben” von Minis­te­rin Schwe­sig zwangs­be­atmen lässt. Deshalb hat unser Autoren­blog achgut​.com die Aktion Demo­kra­tie lebt! ins Leben gerufen, für deren Gelin­gen es keine fetten Budgets braucht, mit denen man die Pla­kat­wände der Repu­blik mit debilen Selbst­ver­ständ­lich­keits­phra­sen zukleis­tern muss. Es braucht dafür nur zwei­er­lei: Leben Sie ihr Leben und bewah­ren Sie sich ein gesun­des Miss­trauen gegen­über ihrer Regie­rung. Und wenn sie fest­stel­len, dass sie von der Regie­rung auf­ge­for­dert werden, deren Arbeit zu erle­di­gen, greifen sie zu Pauken und Trom­pe­ten. Und wer könnte ihnen das besser erklä­ren, als unser Doyen und Gründer der Achse des Guten, Henryk M. Broder? Film ab! weiter lesen

Auf ein Wort – Innenansichten aus Erdoganistan

2

Zum Refe­ren­dum in der Türkei ist eigent­lich alles gesagt. Auch ich habe ent­täuscht, jedoch nicht über­rascht auf den Ausgang des Refe­ren­dums geschaut. Es fühlt sich, trotz der gockel­haf­ten Aus­set­zer Erdo­gans und der damit ein­her­ge­hen­den schritt­wei­sen Ent­frem­dung von Europa, wie ein Verlust an. Denn ich habe per­sön­lich tolle Erin­ne­run­gen an das Land und Freunde dort. Bodrum, Ephesos, Magne­sia, traum­hafte Land­schaf­ten im Hin­ter­land, jeden Stein dort umgibt eine fin­ger­di­cke Patina aus Geschichte. Hetiter, Perser, Grie­chen, Römer, Byzan­ti­ner, Osmanen…und jede Menge wun­der­ba­rer gast­freund­li­cher Men­schen. Gött­li­che Speisen, durch­aus akzep­ta­bles Bier und Was­ser­me­lo­nen, die nir­gends so köst­lich schme­cken, wie im Süd­wes­ten der Türkei. Aber nun? Die Türken haben abge­stimmt, das muss ich akzep­tie­ren, sage ich mir. Und so gestimmt sprach ich gestern auch mit meinem tür­ki­schen Freund Hikmet*, der nicht nur in Deutsch­land lebt, sondern hier wirk­lich „ange­kom­men“ ist. Ein Demo­krat, also ein „Nein“-Sager, einer, der für gewöhn­lich mit seinen eben­falls in Deutsch­land leben­den Lands­leu­ten hart ins Gericht geht, wenn manche von ihnen mal wieder laut­stark um mehr inte­gra­tive Auf­merk­sam­keit buhlen und Herr Mazyek in der Rolle des Opfers­lamms durch die TV-Shows tingelt. Hikmet hat noch nie gejam­mert. Er ist Unter­neh­mer, arbei­tet in der Rei­se­bran­che und pendelt seit Jahren aus beruf­li­chen Gründen ständig zwi­schen Deutsch­land und der Türkei hin und her. Er kennt beide Länder, beide Völker. weiter lesen

Deutschland ist ein 50-Prozent-Einwanderungsland

0

SPON haut auf die große Glocke und titelt: „Jeder zweite Flücht­ling hat nach fünf Jahren einen Job“. Das klingt seelig und man fragt sich, woher der Spiegel das weiß. Als Quelle gibt man das IAB an, das Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung, dass dazu eine Studie ver­öf­fent­licht hat. Dort aller­dings ist man deut­lich vor­sich­ti­ger als im Spiegel von der Mei­nungs­front und titelt lieber nur „Erwerbs­tä­ti­gen­quote von 50 Prozent unter den Geflüch­te­ten nach fünf Jahren rea­lis­tisch“. (Hier das PDF dazu) weiter lesen

Wie man sich eine 70%-Mehrheit bastelt

6

Stelle eine Frage nicht, wenn dir die Antwort nicht gefal­len könnte – so sagt das Sprich­wort. Der Gefäl­lig­keits­sta­tis­ti­ker for­mu­liert anders: Stelle Fragen so, dass du das gewünschte Ergeb­nis erhältst. Und was ist in der Politik die Königs­dis­zi­plin der Frage? Genau, die „reprä­sen­ta­tive Mei­nungs­um­frage“!

Solche Mei­nungs­um­fra­gen zu Sach­the­men sind ein belieb­tes Mittel, sich für umstrit­tene Vor­ha­ben eine anony­mi­sierte Legi­ti­mi­tät zu ver­schaf­fen, ins­be­son­dere dann, wenn die Umfrage eine mög­lichst breite Zustim­mung ergibt. Die Politik kann mit dem Hinweis auf eine „breite Mehr­heit“ leich­ter agieren, denn „Mehr­heit“ ist ein Zau­ber­wort, dass in der Demo­kra­tie heu­ti­ger Prägung allemal genügt, um die „Min­der­heit“ zum Schwei­gen zu bringen. Dum­mer­weise stehen solchen „Mehr­heits­mei­nun­gen“ aber oft Gesetze im Weg, die hof­fent­lich so stabil sind, dass sie die Min­der­heit vor der Willkür der Mehr­heit zu schüt­zen ver­mö­gen. Es ist zum Bei­spiel derzeit noch undenk­bar, dass die „Mehr­heit der Kre­dit­neh­mer“ gegen die ver­gleichs­weise kleine Min­der­heit der Kre­dit­ge­ber durch­setzt, dass alle Kredite nicht mehr bedient werden. Noch nicht. Und so staunte ich denn auch nicht schlecht als der Focus titelte: „Große Mehr­heit steht hinter Kampf gegen Hass im Netz“. weiter lesen

Der Weg in die kritikbefreite Mehrheitsgesellschaft mit islamischem Antlitz

4
Imad Karim, auf Face­book ver­stummt.

Die Neigung der Deut­schen Sprache, Worte zu Gir­lan­den zusam­men­zu­zie­hen, die Nicht­mut­ter­sprach­lern kaum noch über die Zunge wollen, ist legen­där. Beson­ders kreativ wird man, wenn es gilt, Gesetze so zu benen­nen, dass schon im Namen klar ist, wo der Frosch die Locken hat. Mein bis­he­ri­ger Favorit war ganz klar das „Wachs­tums­be­schleu­ni­gungs­ge­setz“. Bisher! Denn nun gibt es das „Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz“. Ein Gesetz, das zudem das Poten­zial hat, mir sehr viel näher zu kommen, als mein bis­he­ri­ger Favorit. Das mit dem schnel­le­ren Wachs­tum wollte bei mir nicht so recht klappen, aber dass Maas und die von ihm beauf­trag­ten Scher­gen bei mir und anderen etwas durch­set­zen werden, scheint aus­ge­macht. Das Wort kommt mir zwar noch locker über die Zunge, würde aber gern meine Lippen ver­schlie­ßen. weiter lesen