Ex bavaria lux – Seehofer und die konservative Palastrevolte

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ex bavaria luxZwölf Mer­kel­jahre haben es geschafft, dass bei den aller­meis­ten Jour­na­lis­ten Deutsch­lands bereits das Wort „Wind“, so es aus dem Munde der Kanz­le­rin kommt, die Frisur in Bewe­gung setzt. Egal wohin man schaut, überall kapri­ziert man sich auf die Äuße­run­gen See­ho­fers, seine Ulti­ma­ten, seine Erpres­sun­gen, seine Wort­brü­che. Merkels Beitrag zur Ent­frem­dung? Für die Journ­al­lie nicht vor­han­den! Nur See­ho­fer zündele „ohne Not“. Nur er bringe die Union ins Wanken, er setze alles aus Spiel, er iso­liere Deutsch­land in Europa. Und während man genau zu kennen glaubt, was Merkel plane (ja was eigent­lich?), schüt­telt man über See­ho­fer nur den Kopf. „Poli­ti­scher Selbst­mord“ ist noch das freund­lichste, was man ihm in den Kom­men­ta­ren attes­tiert, die schrägste Klat­sche ist mit „See­ho­fer droht mit der Ein­hal­tung gel­ten­den Rechts“ beschrif­tet und wird beherzt aber blind mit links geschla­gen. Der 2. Juli 2018 brachte anschei­nend Klärung, wobei sich alle Beob­ach­ter ver­wun­dert die Augen reiben – die einen, weil sie kaum glauben können, wie erpress­bar und offen­kun­dig macht­los Merkel ist, die anderen, weil sie ent­täuscht darüber sind, dass See­ho­fers Kopf noch auf seinen Schul­tern sitzt. War alles nur Thea­ter­don­ner? Oder ist der Show­down nur auf­ge­scho­ben? Ver­wir­rend ist zudem, dass sich beide als Sieger prä­sen­tie­ren. Doch was, wenn das Stück, welches da in München und Berlin gegeben wurde, ein ganz anderes war, als im Pro­gramm steht? weiter lesen

Antwort vom Bundespräsidenten

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Frank Walter SteinmeierEin Schrei­ben des Bun­des­prä­si­di­al­am­tes steckte in meinem Brief­kas­ten. Darin bittet Bun­des­prä­si­dent Frank-Walter Stein­meier den Leiter seiner Ordens­kanz­lei (so heißt das wirk­lich), uns seine Gedan­ken mit­zu­tei­len. Solche Briefe erhält man nicht alle Tage. Doch da Gunter Weiß­ger­ber und ich uns vor zwei Wochen große Mühe gegeben hatten und einen form­voll­ende­ten, inhalt­lich und typo­gra­fisch wohl­rie­chen­den Vor­schlag zur Aus­zeich­nung Vera Lengs­felds mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz erster Klasse an den Bun­des­prä­si­den­ten rich­te­ten, wollte man uns durch eine rasche Antwort die Ehre erwei­sen. Schließ­lich handelt es sich bei solch prä­si­dia­ler Auf­merk­sam­keit nicht um fürst­li­che Gnade, sondern um demons­tra­tiv prä­sen­tierte Bür­ger­nähe, selbst wenn unsere Staats­ober­häup­ter in ihren Weih­nachts­an­spra­chen kaum weniger unter­kühlt erschei­nen, als die Queen von England bei ver­gleich­ba­ren Gele­gen­hei­ten und auch kaum weniger Unver­bind­lich­kei­ten von sich geben als eben jene Königin, wenn sie zu ihren Unter­ta­nen spricht. weiter lesen

Migration als Problemlöser? Ihr Heuchler!

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In ihrer Aus­bil­dung lernen Sani­tä­ter ein­zu­schät­zen, welchen Ver­letz­ten sie in welcher Rei­hen­folge helfen sollen, falls sie an einem Unfall­ort mit meh­re­ren Opfern ein­tref­fen. Wich­tige Regel dabei: schau zuerst nach jenen, die reglos sind, nicht jammern, nicht stöhnen und nicht um Hilfe bitten, denn denen geht es am dre­ckigs­ten. Es gäbe diese Regel nicht, wenn sie selbst­ver­ständ­lich wäre. Es ist nämlich gar nicht so leicht, eine direkte Bitte oder einen Hil­fe­ruf zu igno­rie­ren, um sich zunächst um die wirk­lich schwer Ver­letz­ten zu kümmern. Außer­dem winkt dem Beloh­nungs­sys­tem im Kopf des Helfers ein durch­aus ehrlich gemein­tes „Danke“, was für Erst­hel­fer (aber nicht nur die) ein innerer Antrieb sein kann. Der Mensch ist nämlich im Großen und Ganzen ein soli­da­ri­sches Wesen, das gern und selbst­los hilft, nur muss er sich für die Prio­ri­tä­ten dieser Hilfe Regeln geben, die er sonst viel­leicht unwis­sent­lich ver­letz­ten würde, weil er die Über­sicht über die Lage und die Ursa­chen einer Kata­stro­phe aus dem Blick ver­liert. Der Über­blick auf Ursa­chen und Sym­ptome für die welt­wei­ten Bewe­gun­gen der Migra­tion hat Europa zur Zeit gänz­lich aus dem Blick ver­lo­ren und die selbst­lo­sen Helfer stürzen sich auf jene Opfer, die am lau­tes­ten schreien. weiter lesen

Seehofer: laden, zielen, kneifen…verbluten?

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Was genau war das nun heute, was Merkel und See­ho­fer auf zeit­gleich aber getrennt statt­fin­den­den Pres­se­kon­fe­ren­zen mit­zu­tei­len hatten? Die Ein­hel­lig­keit des Urteils, dem­ge­mäß See­ho­fer umge­fal­len sei und Merkel ihn mal wieder am aus­ge­streck­ten Arm habe ver­hun­gern lassen, macht betrof­fen. Nicht dass mich die auf Haltung gebürs­te­ten öffentlich/rechtlichen über­rascht hätten. Deren Sen­de­kon­zept des „Erklär­thea­ters in meh­re­ren Auf­zü­gen“ hat am Bei­spiel einer Ausgabe des Heute-Jour­nals Alex­an­der Kissler im Cicero haar­klein file­tiert. Doch selbst kri­ti­sche Medien und die Blo­go­sphäre rufen „Boo“, weil der Horst zwar zu „High Noon“ in der Sonne stand, aber schein­bar nicht gezogen hat. Dabei schien er „in der Sache“ recht ent­spannt gewesen zu sein. Zunächst und sofort werde man die Migran­ten an der Grenze zurück­wei­sen, die ohnehin eine Auf­ent­halts­sperre hätten. Man rieb sich ver­wun­dert die Augen und fragte sich, ob es nicht ohnehin die Aufgabe einer solchen Sperre sei, die Wie­der­ein­reise zu ver­hin­dern. Das ist natür­lich richtig, und aus Poli­zei­krei­sen vernahm man auch sofort die Recht­fer­ti­gung, dass dies schon jetzt erfolge. Aber wie viele Grenz­über­gänge kon­trol­liert die Bun­des­po­li­zei in Bayern doch gleich? Drei? Und die rest­li­chen siebzig bisher nicht? Na da schau her, da homa’s doch! Das soll sich nun sofort ändern. Man wird sehen, wie das so ablau­fen wird – ver­mut­lich wird es Umwege um Bayern herum geben. weiter lesen

Merkel, eine Gefahr für Deutschland – Deutschland eine Gefahr für Europa

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Die letzten Getreuen von Kanz­le­rin Merkel – viele schei­nen es ja nicht mehr zu sein – warnen vor den Folgen eines wieder ein­ge­führ­ten Grenz­re­gimes. Weise man jene ab, die schon in anderen EU-Staaten regis­triert seien, würden diese unkon­trol­liert „zurück­flu­ten“, was ange­sichts der Tat­sa­che, dass man uns seit Monaten erzählt, die Flut sei längst zu einem unbe­deu­ten­den Rinnsal gewor­den, höchst befremd­lich klingt. Denn nur eine der Aus­sa­gen kann stimmen, wahr­schein­lich stimmen beide nicht. Aber Merkels Getreue werden nicht müde, die angeb­li­chen Folgen mög­li­cher Grenz­ab­wei­sun­gen in den schlimms­ten Farben zu schil­dern. Die Ita­lie­ner nämlich, die würden dann doch glatt über­haupt nicht mehr regis­trie­ren und die Leute direkt zur deut­schen Grenze durch­win­ken. Was für ein pro­phe­zeiter Undank! Die Ita­lie­ner wieder! Und natür­lich die anderen undank­ba­ren, die Dänen, die an ihrer Grenze zu Deutsch­land und der zu Schwe­den wieder kon­trol­lie­ren. Dann die Polen, Tsche­chen, Slo­wa­ken, Öster­rei­cher, die Ungarn sowieso, die Slowenen…die Liste unserer Euro­päi­schen Freunde ist ver­dammt kurz gewor­den in letzter Zeit. Unein­ge­schränkte Zustim­mung kommt derzeit nur noch aus­ge­rech­net aus Grie­chen­land. Um die Ironie dieser Tat­sa­che zu begrei­fen, muss man weder Poli­tik­wis­sen­schaf­ten noch Volks­wirt­schaft stu­diert haben. Ein Blick in die Presse von 2010 bis 2015 genügt. weiter lesen

To deal or not to deal – Trump und das heulen der Presse

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Die Defi­ni­tion von Wahn­sinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und
andere Ergeb­nisse zu erwar­ten.“ (Albert Ein­stein)

USA, NordkoreaDie Presse hat es nach dem Treffen von Trump und Kim in Sin­ga­pur kaum länger aus­hal­ten können, die Ver­ein­ba­run­gen mit Gering­schät­zung zu über­zie­hen, als ich es schaffe, unter Wasser die Luft anzu­hal­ten. Das war natür­lich zu erwar­ten, denn im Grunde ist es längst gleich­gül­tig, was Trump sagt oder tut – er liegt in der Beur­tei­lung durch die deut­schen Medien stets mei­len­weit daneben. Nachdem sich die Öffent­lich­keit von dem kurzen Schock der Ankün­di­gung des Tref­fens erholt hatte, hieß es, Trump werde sich wohl über den Tisch ziehen lassen. Als das Treffen abge­sagt war, frot­zelte man über die vor­ei­lig gepräg­ten Gedenk­mün­zen und erklärte das ganze zum typisch trump­schen Kar­ne­vals-Scherz. Zum Schluss fiel es jedoch immer schwe­rer, schnell genug „Ja, aber…“-Sätze zu for­mu­lie­ren, so deut­lich und stark waren die Bilder. weiter lesen

Das Bundesverdienstkreuz für Vera Lengsfeld!

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Vera Lengs­felds poli­ti­scher Weg bis heute gibt Zeugnis ihrer Moti­va­tion für Frei­heit und Selbst­be­stim­mung in der Demo­kra­tie der Bun­des­re­pu­blik. Jüngs­tes und bisher erfolg­reichs­tes Bei­spiel ihres Wirkens sind die »Erklä­rung 2018« mit über 160 000 Unter­schrif­ten und die »Peti­tion 2018« mit inzwi­schen mehr als 50 000 Unter­stüt­zern. Nach Helmut Schmidt gibt es die Ver­ant­wor­tung der Regie­ren­den und die Ver­ant­wor­tung der Regier­ten. Vera Lengs­feld nimmt ihre Ver­ant­wor­tung als Regierte wahr und belebt auf diese Weise das Gemein­we­sen. Aus diesem Grund schla­gen wir dem Bun­des­prä­si­den­ten vor, Vera Lengs­feld mit dem »Bun­des­ver­dienst­kreuz 1. Klasse« zu wür­di­gen.
Wir haben heute unseren Vor­schlag an den Bun­des­prä­si­den­ten und den Regie­ren­den Bür­ger­meis­ter von Berlin über­mit­telt. Wir sind der Meinung, dass die Öffent­lich­keit von unserem Vor­schlag erfah­ren sollte und machen ihn aus diesem Grunde bekannt. Das Ver­fah­ren zur Ver­lei­hung ist trans­pa­rent, wie es sich für diese Demo­kra­tie ziemt. weiter lesen

denic: Internet goes Brieftaube

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Ich lege auf. Das war eben eines der Tele­fo­nate, wie ich es in den letzten Jahren immer mal wieder führte, aller­dings ging es anders aus als gewöhn­lich. Gewöhn­lich pas­sierte etwa fol­gen­des: Der Chef eines kleinen Hand­werks­be­trie­bes meldet sich bei mir, er habe beschlos­sen, jetzt endlich und nach Jahren doch mal eine pro­fes­sio­nelle Web­seite haben zu wollen. Damals, so der Chef, also vor gefühlt 15 Jahren, hätte der Neffe des Schwa­gers einen Nerd zum Freund gehabt und der hätte da mal was gemacht, aber der sei längst nach Kanada aus­ge­wan­dert und nun wisse im Grunde niemand mehr, was und wo und wie. Wie der Name der Domain lautet ist noch schnell geklärt, wo sie gehos­tet ist und wie die Zugangs­da­ten beim Pro­vi­der lauten weiß der Hand­wer­ker nicht. Für solchen Schnick­schnack habe er sich nie inter­es­siert. Ein schnel­ler Blick in die Daten­bank des deut­schen Domain-Regis­ters bei denic​.de erbrachte aber schnell Klar­heit über C-Admin und Pro­vi­der und dem Hand­wer­ker konnte schnell gehol­fen werden. Wie gesagt, so war es „gewöhn­lich“. weiter lesen

Die Frösche verweigern Untersuchungsausschuss zum BAMF-Sumpf

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Was ging wirk­lich schief, wer war über­for­dert und welche Ver­ant­wor­tung trägt die Bun­des­kanz­le­rin“ – so die Anmo­de­ra­tion von Anke Plätt­ner für die Phoenix-Runde „Der BAMF-Skandal – Streit um die Flücht­lings­po­li­tik“ vom 5.6.2018 und weil außer dem anwe­sen­den Robin Alex­an­der niemand eine Ahnung davon zu haben vorgab, wer letzt­lich für das Chaos ver­ant­wort­lich sein könne, ging es vor allem um die Frage, ob und wenn ja wozu es einen par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schuss dazu geben solle. Das Fazit vorweg: weder Kon­stan­tin von Notz (Grüne) noch Philipp Amthor (CDU) sehen dafür eine Not­wen­dig­keit, bestrei­ten jedoch, prin­zi­pi­ell etwas gegen einen solchen zu haben. Das ist Aus­wei­che delux, denn wenn es doch einen geben sollte, könnte man bruch­los in die vor­derste Front der Auf­klä­rer wech­seln. Bremsen und Beschleu­ni­gen zur glei­chen Zeit, so geht Politik in Deutsch­land. WDR-Autorin Julia Barth findet hin­ge­gen, Unter­su­chungs­aus­schüsse bräch­ten ohnehin nie alles ans Licht, würden jedoch gute Arbeit leisten – zum Bei­spiel in dem, der den Anschlag vom Breit­scheid­platz unter­su­che. Dass sich Barths Aus­sa­gen gegen­sei­tig wider­spre­chen fällt nur Robin Alex­an­der auf. Die zehn Minuten zwi­schen den Aus­sa­gen Barths reich­ten offen­bar nicht ganz aus, um den Wider­spruch zu „ver­sen­den“. Amthor und von Notz sitzen übri­gens beide im Innen­aus­schuss, und den halten beide für das per­fekte Gremium zur Auf­klä­rung von Poli­tik­ver­sa­gen. Genervt denkt jetzt sicher der eine oder andere, „Innen- oder Unter­su­chungs­din­gens – Haupt­sa­che Aus­schuss und Auf­klä­rung! Doch so leicht sollte man das Ablen­kungs­ma­nö­ver nicht schlu­cken. weiter lesen

Angela Merkel spricht von der Zukunft

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Heute würde ich mir am liebs­ten einen dieser Chem­trail-Aluhut­trä­ger greifen und eine sofor­tige Erklä­rung dafür ver­lan­gen, warum das Zeug aus­ge­rech­net bei mir nicht zu wirken scheint. Chemie kann so grausam sein! Und die Zukunft erst! Beson­ders dann, wenn Worte über sie aus dem Munde von Angela Merkel kommen, ich zufäl­lig zuhöre und die Dosis des ver­sprüh­ten Ver­traui­ums offen­bar nicht wirkt.

Der Deutsch­land­funk berich­tet über die Jah­res­kon­fe­renz des „Rates für nach­hal­tige Ent­wick­lung“. Das ist in etwa das, was früher mal der „Girls­day“ war – nur eben in teuer und für jene großen Kinder, deren Gestal­tungs­wille sie mangels anwend­ba­rer Qua­li­fi­ka­tion in die Politik getrie­ben hat. Dieses Urteil mag harsch, unge­recht und gera­dezu bös­ar­tig klingen, aber wenn die Ver­an­stal­ter mit irgend­ei­ner anderen Bot­schaft als dieser zu den Steu­er­zah­lern vor­drin­gen wollten, welche diese Party nun schon das 18. Jahr in Folge finan­zie­ren, sollten sie pein­lich genau darauf bedacht sein, wen sie als Refe­ren­ten und Gast­red­ner ein­la­den und sich drin­gend vorher die Manu­skripte schi­cken lassen. Auf keinen Fall jedoch darf es je wieder gesche­hen, dass die Rede von Kanz­le­rin Merkel an die Öffent­lich­keit dringt. Denn nur selten habe ich grö­ße­ren Unsinn gehört, als bei der Merkel-Rede am 4.6.2018 auf eben diesem Nach­hal­tig­keits­kon­gress! weiter lesen

Ein Vogelschiss trifft ganz gewiss

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Die meiste Zeit ver­mit­telt uns die Medi­en­öf­fent­lich­keit ein osten­ta­tiv zur Schau gestell­tes Des­in­ter­esse an dem, was Poli­ti­ker der AfD so sagen und tun. Doch spä­tes­tens bei Zwi­schen­ru­fen wie „Kopf­tuch­mäd­chen“ und „Vogel­schiss“ wird schnell allen klar, dass die Jour­na­lis­ten gera­dezu an den Mündern dieser Partei kleben. Wir dürfen also davon aus­ge­hen, dass wir über jede unge­heu­er­li­che Aussage, die je ein Ver­tre­ter dieser Partei von sich geben wird, aus­führ­lich unter­rich­tet werden. Von der Rede Alice Weidels, die zu 99% ein fun­dier­ter Angriff auf die Mer­kel­re­gie­rung war, wird jedoch nur der ver­zerrt dar­ge­stellte Halb­satz mit den „Mes­ser­män­nern und Kopf­tuch­mäd­chen“ im Gedächt­nis bleiben. Selbst Par­la­ments­prä­si­dent Schäuble hatte offen­bar Mühe, der Zei­chen­set­zung und Bedeu­tungs­zu­ord­nung der Rede ange­mes­sen zu folgen, weshalb er eine Rüge aus­sprach, wo es nichts zu rügen gab. Etwas anders liegt die Sache bei der Rede Gau­lands auf dem Bun­des­kon­gress der „Jungen Alter­na­tive“, in der er die zwölf Jahre der Nazi-Herr­schaft als „einen Vogel­schiss auf 1.000 Jahren erfolg­rei­cher deut­scher Geschichte“ bezeich­nete. weiter lesen

Die gleichen Fragen: Erklärung 2018 und BAMF-Untersuchungsausschuss

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Die „Gemein­same Erklä­rung 2018“ ver­sam­melte als freie Peti­tion mehr als 160.000 Unter­stüt­zer, während sie nun, da sie auf den offi­zi­el­len Servern des Bun­des­ta­ges steht, in der ersten Woche erst etwas mehr als 30.000 Unter­schrif­ten ver­zeich­nen kann. Einige Achse-Autoren haben die Peti­tion unter­schrie­ben, andere nicht. Roger Letsch hat mit dem ehe­ma­li­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gunter Weiß­ger­ber (SPD) über die Peti­tion und darüber gespro­chen, was die Betei­li­gung an derlei „Gras­root-Bewe­gun­gen“ für die Demo­kra­tie in unserem Land bedeu­tet. Weiß­ger­bers These: Die Erklä­rung 2018 wirke in die gleiche Rich­tung wie die For­de­rung nach einem Bamf Unter­su­chungs­aus­schuss. Das sei zwar nicht geplant gewesen, liege jetzt aber auf der Hand. Die BAMF-Vor­gänge seien daher so etwas wie ein Kata­ly­sa­tor für die Erklä­rung 2018. Und die Erklä­rung sei ein Kata­ly­sa­tor für die Ein­set­zung eines BAMF-Unter­su­chungs­aus­schus­ses. Nach dem Gespräch hat der bis­he­rige Skep­ti­ker Weiß­ger­ber deshalb auch unter­schrie­ben. weiter lesen

Die EZB, dein flexibler Freund und die niedrigen Zinsen

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Es gibt Men­schen, die möchte ich nur zu gern mal an beiden Schul­tern packen, kräftig schüt­teln und ihnen dabei tief in die Augen sehen. Nur um fest­zu­stel­len, wie leicht sich die Murmeln dahin­ter in Bewe­gung setzten lassen. Ein heißer Kan­di­dat dafür ist Vítor Con­s­tân­cio, der Vize­prä­si­dent der EZB, aus dem der Spiegel ein Inter­view her­aus­ge­schüt­telt hat. Die dabei her­aus­ge­pur­zel­ten Glas­mur­meln möchte ich ihnen nicht vor­ent­hal­ten. Con­s­tân­cio zeigte sich nämlich ver­blüfft, dass die Deut­schen die aktuell nied­ri­gen Zinsen nicht nutzen, um mehr Schul­den zu machen. Alle machen das, nur die Deut­schen nicht. Überall kaufen die EU-Bürger ihre Immo­bi­lien auf Pump, nur die Deut­schen wollen einfach nicht mit­ma­chen. Über­haupt ist der por­tu­gie­si­sche EZB-Vize unzu­frie­den mit den Deut­schen: weiter lesen

Artikuliert euch besser!

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Die AfD hat für den 27.5.2018 zu einer Groß­demo nach Berlin ein­ge­la­den und der erwart­bare Reflex war natür­lich, dass es zu Gegen­de­mons­tra­tio­nen kommen wird. Soweit, so normal. Ich will hier weder die Demo noch deren Anti­po­den bewer­ten, es sollte aber in einer Demo­kra­tie mit funk­tio­nie­ren­der (!) Mei­nungs­frei­heit sogar möglich sein, dass beides zusam­men fried­lich abläuft. Ich weiß, dass ich hier gegen meine Erwar­tun­gen schreibe. Ganz neben­bei bemerkt hätte sich unter dem Motto „Zukunft Deutsch­land“ noch vor wenigen Jahren die halbe Repu­blik in einer Art bedin­gungs­lo­sem Konsens ver­sam­meln können, heute ist dies ein Thema, in dem Kri­ti­ker schon Anflüge von Neun­zehn­hun­dert­schwarz­weiss zu erken­nen glauben, gegen die drin­gend vor­ge­gan­gen werden müsse. Frei nach dem Motto „Zukunft Deutsch­lands? Das muss ver­hin­dert werden!“. weiter lesen

Facebook: Primat der Politik, Kontrollverlust und Brüsseler Spitzen

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Antonio Tajani und Marc ZuckerbergEs war defi­ni­tiv ein Fehler, den Fern­se­her ein­zu­schal­ten, bevor ich mich mit Fieber ins Bett fallen ließ. Die Fern­be­die­nung war uner­reich­bar weit weg und so deli­rierte ich mich hilflos durch den Arte-The­men­abend über die soge­nannte 68er-Bewe­gung. Als ich am nächs­ten Tag erwachte, traten mir die Szenen immer noch bruch­stück­haft vor Augen, beglei­tet von den splitt­ri­gen Gedan­ken Cohn-Bendits und Dit­furths und vielen anderen selt­sa­men Ver­stie­gen­hei­ten. Ich hörte auch davon, dass die Ideen nicht geschei­tert seien, dass aber leider die Wirt­schaft den Kampf um das Primat gegen die Politik gewon­nen habe. Dabei konnte man am frühen Abend davor auf Phoenix die Zur­schau­stel­lung des Glau­bens bewun­dern, die Politik habe sich dieses Primat nun doch und end­gül­tig gesi­chert! Also ein 68er Sieg über den Kapi­ta­lis­mus auf ganzer Linie! In Brüssel kam es nämlich zur Anhö­rung des Kapi­ta­lis­ten Marc Zucker­berg durch Ver­tre­ter des EU-Par­la­ments. Ich benutze das Wort „Anhö­rung“, weil ich kein bes­se­res habe, nicht weil ich Ver­glei­che zu den Bar­be­cues ziehen würde, zu denen derlei Hea­rings im US-Senat werden können. In der EU ticken die Uhren eben etwas anders. In einer Anhö­rung hört man sich etwas an, und je länger man spricht, umso wich­ti­ger ist man, das war schon alles. weiter lesen