Schadenfreude buchstabiert man
„B-R-E-X-I-T”

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Ein halbes Jahr noch, dann braucht man für eine Reise nach London wieder ein Visum – schade, ist aber nun mal so! Die Berichte, die Häme, das süf­fi­sante Grinsen, die in deut­schen Medien über die sto­ckende Aus­tritts­ver­hand­lun­gen Groß­bri­tan­ni­ens und die ver­här­te­ten Posi­tio­nen der EU zu lesen sind, nehmen deshalb aber gerade erst richtig Fahrt auf. Man hofft auf ein Wunder, das Wunder vom Exit vom Brexit und eine bri­ti­sche Regie­rung, die reu­mü­tig zurück in den eta­tis­ti­schen Schoß der EU kriecht. Das wird zwar nicht pas­sie­ren, aber die Kon­flikt­fel­der, die der Spiegel gerade ent­deckt, sind schon sehr aben­teu­er­lich – und vor allem sehr weit weg! Anguilla, ein kleines kari­bi­sches Über­see­ge­biet der Briten in der Karibik macht den Sturm­ge­schütz-Kano­nie­ren Sorgen! Trouble in Para­diese! Anguilla könnte abge­schnit­ten werden von der euro­päi­schen Zivi­li­sa­tion, wenn es nicht mehr über den kurzen Seeweg ver­bun­den wäre mit den fran­zö­si­schen und hol­län­di­schen Über­see­ge­bie­ten St. Martin und Sint Maarten, den unmit­tel­ba­ren euro­päi­schen Insel-Nach­barn in der Karibik. Was wäre, wenn der Flug­ha­fen auf der Nach­bar­in­sel den Tou­ris­ten von Anguilla ver­sperrt bliebe? Anders herum könnte man fragen, was aus dem Flug­ha­fen würde, wenn er nicht auch Tou­ris­ten nach Anguilla schau­feln könnte? Haben solche Medail­len nicht immer zwei Seiten und steht tat­säch­lich in Stein gemei­ßelt, dass eine EU-Außen­grenze für ihre Anrai­ner prin­zi­pi­ell ein unüber­wind­li­ches büro­kra­ti­sches Hin­der­nis dar­stel­len muss? weiter lesen

Übergebt Bayern an Katharina Schulze!

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Ob wir am Sonntag erleben dürfen, wie das Bun­des­land südlich des Weiß­wur­st­äqua­tors nach jahr­zehn­te­lan­ger Ein­par­tei­en­herr­schaft Anschluss an die Moderne findet? Wird Bayern endlich das kun­ter­bunte Berlin ein­ho­len können oder wei­ter­hin in feudal-rück­stän­di­gen Partei-Struk­tu­ren mit Ewig­keits­an­spruch ver­har­ren wie…wie…Bremen, nur anders? In mir ringen der Realist und der Fata­list. Der Fata­list ist längst von der Klippe gesprun­gen und ruft „nun gebt der Katha­rina Schulze doch einfach das Land, umso schnel­ler ist es vorbei“, doch der Realist packt den Lebens­mü­den beherzt am Knöchel und stöhnt „Aber es lief doch bisher so gut in Bavaria! Besser als sonst irgendwo!“ weiter lesen

Zersetzung reloaded: Die „Scharniermedien“ der Achse des Guten

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Wie’s der Beel­ze­bub so will, ist das Ende des aktu­el­len Arti­kels von Alex­an­der Wendt auf Publico der per­fekte Anfang für meinen Artikel. Wendt beschreibt die vagen Anwürfe und Ver­däch­ti­gun­gen, denen Huber­tus Knabe aus­ge­setzt ist, um nach­träg­lich seiner ver­füg­ten Ent­las­sung als Leiter der Stasi-Gedenk­stätte mora­li­sches Gewicht zu ver­lei­hen. Nichts Kon­kre­tes, sondern „Struk­tu­rel­les“ wirft man ihm vor. Diese Art des Vor­ge­hens ist im Stasi-Jargon als „Zer­set­zung“ perfekt aus­for­mu­liert. Die Staats­si­cher­heits-Richt­li­nie 1/76 zur „Zer­set­zung“ von „feind­lich-nega­ti­ven Per­so­nen“ listete fol­gende Maß­nah­men auf, um Ziel­per­so­nen zu zer­stö­ren: „Sys­te­ma­ti­sche Dis­kre­di­tie­rung des öffent­li­chen Rufes, des Anse­hens und des Pres­ti­ges auf der Grund­lage mit­ein­an­der ver­bun­de­ner wahrer, über­prüf­ba­rer und dis­kre­di­tie­ren­der, sowie unwah­rer, glaub­haf­ter, nicht wider­leg­ba­rer und damit eben­falls dis­kre­di­tie­ren­der Angaben; sys­te­ma­ti­sche Orga­ni­sie­rung beruf­li­cher und gesell­schaft­li­cher Miss­erfolge zur Unter­gra­bung des Selbst­ver­trau­ens ein­zel­ner Per­so­nen.“ Die Mecha­nis­men der „Zer­set­zung” schei­nen dieser Tage jeden­falls wieder sehr in Mode zu kommen, wie ein wei­te­rer Fall zeigt. weiter lesen

Der „Global Compact for Migration“ und die demografische Dividende

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Am 18.7.2018 meldete die Bun­des­re­gie­rung, eine Kom­mis­sion „Gleich­wer­tige Lebens­ver­hält­nisse“ gebil­det zu haben. Dort will man Vor­schläge erar­bei­ten, wie „…in Zukunft Res­sour­cen und Mög­lich­kei­ten für alle in Deutsch­land leben­den Men­schen gerecht ver­teilt“ werden können. Was auf den ersten Blick nach einem Werk der Barm­her­zig­keit klingt – es kommt das Zau­ber­wort „gerecht“ darin vor – ent­puppt sich in der Kon­se­quenz vor allem als neue Umver­tei­lungs­ma­schine und eine weitere Mög­lich­keit, sich in das Leben jedes ein­zel­nen Bürgers ein­zu­mi­schen. Anglei­chen, umver­tei­len, regu­lie­ren, steuern. Und besteuern. Denn darauf läuft es letzt­lich hinaus. Und so wird es kommen, dass jemand, der aus einer struk­tur­schwa­chen Region in eine pro­spe­rie­rende zieht, dort zur Kasse gebeten wird, um den Miss­stän­den abzu­hel­fen, die ihn weg­trie­ben. Das will man offen­bar so lange wei­ter­trei­ben, bis jede Bewe­gung erstirbt und es überall gleich ist. Das kann noch etwas dauern und bis auch noch das letzte Kind gut gekämmt zur Schule geht, können noch viele Haar­bürs­ten umver­teilt werden. Bemer­kens­wert ist übri­gens auch die For­mu­lie­rung „alle in Deutsch­land leben­den Men­schen“, wo es doch um ein Ost-West-Gefälle und um Bürger geht. Diesen Vorgang behal­ten wir im Sinn und widmen uns einem anderen Poli­tik­feld, in dem man den­sel­ben kol­lek­ti­vis­ti­schen Geist und die Idee einer belie­big form­ba­ren Gesell­schaft wie­der­fin­det. Denn vom 10.–11. Dezem­ber 2018 wird eine UN-Kon­fe­renz in Mar­ra­kesch zwei soge­nannte „Global Com­pacts“ beschlie­ßen, einen für Flucht und Ver­trei­bung, den anderen für Migra­tion. weiter lesen

Tanz im Orient-Express

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Antje Sievers über den deutschen Kampf gegen die Empirie. 

Wir schrie­ben das Jahr 2001, unser kli­ma­ti­sier­ter Bus rollte durch die Vororte von Kairo, während unser ein­hei­mi­scher und stets etwas mür­ri­sche Rei­se­lei­ter die Gegend erklärte. Sein Tonfall änderte sich von scherz­haft heiter zu abschät­zig nei­disch, als er auf einige ver­gleichs­weise teuer aus­se­hende Gebäude auf Hügeln in der Nähe hinwies. In Erin­ne­rung ist mir geblie­ben, dass es ihm eines dieser Gebäude beson­ders angetan hatte. Dieses, so sprach er, ohne seine Gering­schät­zung zu ver­ber­gen, gehöre der berühm­ten Tän­ze­rin „X“ – ihr Name ist mir leider ent­fal­len. Es folgen einige belei­di­gende Bemer­kun­gen und Unter­stel­lun­gen, die keinen Zweifel daran auf­kom­men ließen, was unser Rei­se­lei­ter von Damen wie „X“ hielt. An diese Anek­dote musste ich denken, als ich die ersten Seiten von Antje Sievers Buch „Tanz im Orient-Express“ las, auf denen sie darlegt, wie sich das Ansehen von Tän­ze­rin­nen im ara­bi­schen Raum im Laufe der Zeit ver­än­dert, vulgo ver­schlech­tert hat. weiter lesen

Kauders Abgang und noch kein Neuanfang

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Don­ner­wet­ter, Union! Das hätte ich euch gar nicht zuge­traut: Volker Kauder, Merkels Frak­ti­ons­wa­den­bei­ßer der ersten Stunde, erhielt eine deut­li­che Klat­sche bei der Wahl zum Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den, anders kann man das Ergeb­nis von 125:112 gegen ihn wohl kaum werten. Dabei sollte seine Wie­der­wahl wie immer eine Form­sa­che werden, wenn, ja wenn da nicht plötz­lich jemand, der auch noch sein Stell­ver­tre­ter war, den Feh­de­hand­schuh auf­ge­nom­men hätte, was die Presse unisono nur belä­chelte. Allein diese Tat­sa­che zeigt, wie eng ver­zahnt die Hirne der Jour­na­lis­ten und der poli­ti­schen Ent­schei­der in Berlin mitt­ler­weile sind, denn das glaub­ten die Poli­ti­ker um Merkel und Kauder schließ­lich auch. Das mit den Gegen­kan­di­da­ten ist aber so eine Sache, die man in der Union (und anderswo leider auch) nur allzu gern ver­mei­det, wenn’s sich irgend­wie machen lässt. Hans Michel­bach (CSU) sprach im „ZDF Spezial“ am 25.9.2018 zwar beru­hi­gend von einem „nor­ma­len demo­kra­ti­schen Vorgang“, der jedoch ist seit 1973 nicht mehr aus­pro­biert worden. Gegen­kan­di­da­ten für das Amt des Frak­ti­ons­chefs gab es in der Union seit Jahr­zehn­ten nicht, was ein selt­sa­mes Bild auf die demo­kra­ti­sche „Nor­ma­li­tät“ in einer Bun­des­tags­frak­tion wirft – oder aber auf Aufgabe und Zweck eines Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den, der eben kein demo­kra­ti­sches Amt innehat, sondern aus­schließ­lich Exe­ku­tor von Kanzler und oder Par­tei­chef ist. weiter lesen

Staats-Journalismus auf dem Vormarsch

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Wenn es noch so etwas wie Mei­nungs­frei­heit gibt im Land, dann gehören dazu drei Aspekte. Die Frei­heit, eine Meinung zu haben, sie gefahr­los äußern zu können sowie – und das steht natür­lich am Anfang – sich zunächst selbst eine bilden zu können! Letz­te­res gelingt umso besser und unvor­ein­ge­nom­me­ner, je näher man dem Ent­ste­hungs­ort der Infor­ma­tion kommt, was im Zeit­al­ter des Inter­net deut­lich leich­ter fällt als früher. Wer ein Ei beschrei­ben will, muss sich mit den Hühnern abgeben und sollte nicht einfach ein Omelett anstar­ren. Was für Eier gilt, gilt auch für Infor­ma­tio­nen aus der Politik, Wirt­schaft und der Poli­zei­ar­beit. Die DLF-Sendung „@Mediasres“ vom 20.9.2018 zeigt jedoch, dass unsere Medien sehr unglück­lich darüber sind, dass heute Infor­ma­tio­nen bereits am Ent­ste­hungs­ort ver­teilt und ver­brei­tet werden und nicht mehr, wie früher üblich, durch die Filter der Presse laufen. Dazu ließ man gleich zwei Prot­ago­nis­ten des „betreu­en­den Jour­na­lis­mus“ zu Wort kommen: Marina Weis­band (ehemals Pira­ten­par­tei) und den stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den des Pres­se­ra­tes Manfred Protze (Refe­rent der katho­li­schen Jour­na­lis­ten­schule ifp). weiter lesen

Mediale Verschiebung der Begriffe und Bedeutungen

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Ob die Regie­ren­den merken, dass ihnen die Zeit davon­läuft? Ist das viel­leicht der Grund, warum sie im aktuell auf mole­ku­la­rer Ebene statt­fin­den­den Bür­ger­krieg jetzt gleich mal ein paar Gänge höher schal­ten? Und wer eska­liert eigent­lich mehr, die Politik, die jetzt auch noch die letzten Kri­ti­ker in den eigenen Reihen stand­recht­lich um die Ecke bringt? Oder die Medien, die mit auf­ge­ris­se­nen Mäulern am Rand stehen, und nur mühsam ein bel­len­des „Kreu­zi­get ihn“ unter­drü­cken können? Maaßen hat der Kanz­le­rin wider­spro­chen, brüllen sie – und das darf bekannt­lich niemand. Das Auto­dafé bei „Anne Will“ am 16.9.2018 konnte ich mir nicht ansehen. Nicht wegen der Zeit, nein, ich wollte einfach nicht Zeuge eines Pro­zes­ses sein, dessen Ausgang, Urteil und Straf­maß von Beginn an fest­stand und von dessen anwe­sen­den Rich­tern ich ledig­lich Petra Pau für cha­rak­ter­lich integer halte – und die kommt aus einer ideo­lo­gi­schen Ecke, vor der mir inhalt­lich schon prin­zi­pi­ell graust. Was sagt das wohl über Habeck, Schulz und den Rest des Tri­bu­nals? Mir genüg­ten am Tag nach der Sendung einige Video-Schnip­sel von wenigen Sekun­den, um einen hin­rei­chen­den Ein­druck vom Prozess zu bekom­men. Mehr als ein paar Sekun­den hat das Antifa-Video aus Chem­nitz schließ­lich auch nicht gedau­ert und es wird offen­bar aus­rei­chen, um den Chef unseres Inlands­ge­heim­diens­tes aus dem Amt zu kegeln – wozu also über­haupt noch irgendwo genauer hin­se­hen? Maaßen hat Merkel wider­spro­chen, Maaßen muss gehen. Merkel beugt seit Jahren Recht, ist aber noch da. Aber das ist wohl etwas voll­kom­men anderes. weiter lesen

Zehn Jahre Lehman-Pleite – das ZDF feiert die europäische Stabilität

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Screen­print des Heute-Jour­nals vom 14.9.2018: Geld-Gieß­kanne der Zen­tral­ban­ken im Kri­sen­mo­dus 2008. Aus dem ist die EZB aller­dings bis heute nicht heraus.

Was eigent­lich genau vor zehn Jahren begann, wie Claus Kleber am 14.9.2018 im Heute-Journal (ab 14:28 min) ver­kün­dete, steht wohl bis heute nicht so genau fest. Finanz­krise, Ban­ken­krise, Staats­schul­den­krise, Ver­trau­ens­krise… von allem war etwas dabei. Kleber nennt es Finanz­krise und ver­or­tet deren Beginn exakt auf den 14.9.2008, als die Invest­ment­bank Lehman Bro­thers kol­la­bierte – und keiner, so Kleber, hätte das vor­aus­ge­se­hen. Das ist sowohl richtig als auch falsch. Richtig deshalb, weil die Politik welt­weit den keyne­sia­nis­ti­schen Ver­spre­chen von Alan Green­span glaubte – und damit ganz klar aufs falsche Pferd gesetzt hatte und auf dieses heute leider immer noch wettet. Falsch deshalb, weil es zu allen Zeiten Öko­no­men und Volks­wirt­schaft­ler gab, die vor dem locke­ren Fiat-Geld und der auf­ge­bläh­ten Finanz­wirt­schaft warnten, weil diese sich völlig von der Real­wirt­schaft ent­kop­pelt hatte. Klebers Aussage, „…das Finanz­sys­tem ist heute sta­bi­ler, besser kon­trol­liert“ stimmt so pau­schal nicht, vor allem, weil welt­weit eine weitere Kon­zen­tra­tion in wenigen, gigan­ti­schen Insti­tu­ten statt­ge­fun­den hat. „Too Big To Fail“ ist das schlimmste, was man zulas­sen kann. Banken müssen pleite gehen können und man muss sie auch pleite gehen lassen, wenn es zum Schwur kommt. Die Lehman-Pleite war ein heil­sa­mer Schock, den es so in der Euro­welt nicht gab. Dort wurde geret­tet, dass es nur so krachte! weiter lesen

Der Kohleausstieg als Einstieg in den Dieselgenerator

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Ich bin kein Fan der Braun­kohle. Die Tage­baue mit ihrem Land­schafts­ver­brauch, den zurück­blei­ben­den Mond­land­schaf­ten, der schmut­zi­gen Ver­bren­nung, dem gerin­gen Wir­kungs­grad … es spricht nicht viel für diesen Ener­gie­trä­ger, außer, dass er eben da und billig ist. Meis­tens jeden­falls. Es gab mal ernst­hafte Über­le­gun­gen, Leipzig zu ver­le­gen, weil die Stadt auf einem rie­si­gen Flöz steht. Gut, dass die DDR das Geld nicht auf­brin­gen konnte und deren Ende auch das Ende solcher irr­sin­ni­gen Pläne war. Ich bin aller­dings Fan einer gesi­cher­ten Ener­gie­ver­sor­gung, an die ich mich doch sehr gewöhnt habe, genau wie der Rest der Repu­blik. Mit wenigen Aus­nahme wie Kran­ken­häu­sern, die alle­samt Gene­ra­to­ren im Keller haben und der Bun­des­wehr, die aus tak­ti­schen Gründen ähnlich tickt, sind fast alle darauf ange­wie­sen, dass Netz-Strom kon­ti­nu­ier­lich zur Ver­fü­gung steht. Doch gerade die Kon­ti­nui­tät wird immer mehr zum Problem, weil wir es uns leisten, gleich zwei Aus­stiegs-Sze­na­rien der Ener­gie­er­zeu­gung par­al­lel laufen zu lassen und es ver­säu­men aus­zu­rech­nen, ob das gut gehen kann – oder sogar absicht­lich mit fal­schen Zahlen ope­riert wird. weiter lesen

Das verschleuderte Gemeingut – ein Nachtrag zum Artikel von Gerd Held

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Von Gerd Held finden sie auf achgut​.com eine tref­fende Analyse dessen, was wirk­lich hinter dem von der Migra­ti­ons­krise aus­ge­lös­ten Unwohl­sein, dem all­ge­mei­nen Grum­meln, Murren und den Pro­tes­ten steckt. Es geht eben gerade nicht um die vor­schnell unter­stellte Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sis­men aller Art oder poli­ti­sche Abdrift nach Neun­zehn­hun­dert­schwarz­weiß, sondern allein um die Frage, mit welcher Dreis­tig­keit die Bun­des­re­gie­rung unsere Gemein­gü­ter ver­schleu­dert und wer Willens und in der Lage ist, das zu erken­nen. Die Gemein­gü­ter, von denen Gerd Held spricht, sind zum Bei­spiel die innere Sicher­heit, Lan­des­ver­tei­di­gung, Sozi­al­kas­sen, Bil­dungs­we­sen, Rechts­sys­tem, Infra­struk­tur. All die Insti­tu­tio­nen also, an deren Aufbau, Aus­stat­tung und Funk­tio­nie­ren wir hier im Land jahr­zehn­te­lang hart gear­bei­tet haben, sind sub­stan­zi­ell unter Druck durch unge­steu­erte Zuwan­de­rung von Pro­fi­teu­ren, die letzt­lich zwar die Äpfel pflü­cken, den Baum aber nie mit­ge­pflegt haben. Die Vor­stel­lung, das könnte irgend­wie noch gut für uns aus­ge­hen, wenn die Zuwan­de­rer nicht deut­lich mehr Poten­zial mit­brin­gen, als sie an Gemein­gut auf­zeh­ren, ent­stammt ganz offen­sicht­lich mathe­ma­tisch unter­durch­schnitt­lich begab­ten Geis­tern. Gemein­gü­ter gehören jedoch nicht einem anony­men Staat oder einer Regie­rung, diese sind ledig­lich mit deren Schutz und Erhal­tung beauf­tragt. Diese Bewah­rung der Gemein­gü­ter ist die vor­dring­li­che, wenn nicht gar einzige Aufgabe der han­deln­den Politik – und dieser Aufgabe kommt sie aktuell mehr schlecht als recht nach. weiter lesen

Beeindruckender Journalismus beim „Campfire-Festival“

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Jour­na­lis­ten wollen geliebt werden für das, was sie tun. Da geht es ihnen kaum anders als Musi­kern, Poli­ti­kern oder Kon­di­to­ren. Dum­mer­weise steckt der Jour­na­lis­mus in Deutsch­land in einer tiefen Glaub­wür­dig­keits­krise, aus der er so schnell auch nach dem „Camp­fire-Fes­ti­val“ nicht her­aus­kom­men wird. Seine aktu­elle Bewäh­rungs­probe in Chem­nitz jeden­falls hat er gran­dios ver­geigt. Eigent­lich wäre die Geschichte hier zu ende, aber natür­lich werde ich meinen Lesern noch etwas aus­führ­li­cher mit­tei­len, wie ich zu diesem Schluss komme. Denn es hat sich etwas ereig­net. Etwas, das dem Jour­na­lis­mus in Deutsch­land wieder auf die Spur bringen und dessen Kunden ver­an­las­sen sollte, erneut Ver­trauen zu fassen. Trainer für Team­work, Grup­pen­dy­na­mik und Chakka-Kultur (Jetzt hätte ich beinahe „Wir-schaf­fen-das-Kultur“ gesagt) bemühen ja gerne Situa­tio­nen, die eine gemein­same Bedro­hung durch äußere Ein­flüsse sug­ge­rie­ren, weshalb sie ihre Kli­en­ten zum Klet­tern, zum Segeln oder einfach in den Wald schi­cken. Der deut­sche Jour­na­lis­mus möchte Ver­trauen bei seinen Kunden zurück­ge­win­nen – und greift dafür aus­ge­rech­net auf Begriffe der Lager­feu­er­ro­man­tik zurück, weil dort der Jour­na­lis­mus angeb­lich begon­nen habe, so der Initia­tor von Camp­fire. Das muss der Jour­na­lis­mus wohl mit Gerüch­ten gemein­sam haben. Die gingen auch oft vom Lager­feuer aus. Dem DLF war das Event in Düs­sel­dorf am 3.9.2018 jeden­falls einen selt­sa­men Bericht wert. weiter lesen

Eurosystem auf der Kippe?

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Während Grüne und Linke einen Rechts­ruck im Land zu erken­nen glauben, die Regie­rung aus Union und SPD in auf­ge­reg­ten Alar­mis­mus ver­fällt und die ver­blie­bene bür­ger­li­che Mitte sich mehr und mehr darüber wundert, wozu man in einer Markt­wirt­schaft eigent­lich so viel Regu­lie­rung braucht und wozu Minis­te­rin Giffey jetzt auch noch ein „Gesetz zur För­de­rung der Demo­kra­tie“ aufs Gleis setzen will – während die deut­sche Politik also mit Selbst­lob, Nabel­schau und Spie­gel­fech­te­reien beschäf­tigt ist, klopfen im sich langsam mit Wasser fül­len­den Maschi­nen­raum der euro­päi­schen Wirt­schaft (genauer: der Finanz­wirt­schaft) die Heizer mit Schür­ha­ken von unten gegen das Ball­saal-Deck der „MS Europa”, wo sich das Publi­kum darum strei­tet, wer beim Unter­gang links und wer rechts sitzen solle und mit wem man auf keinen Fall jemals gemein­sam unter­zu­ge­hen gedenke. Wir haben nämlich in der Tat noch Pro­bleme im Land und der EU, die sich nicht mit einem Hashtag, einem Gra­tis­kon­zert oder einer „breiten gesell­schaft­li­chen Initia­tive“ besei­ti­gen lassen. Ren­ten­lü­cke? Pfle­ge­not­stand? Sicher, das alles drückt. Aber es kommt wohl noch dicker und schnel­ler, als wir denken – und zwar auf einer Bau­stelle, die von der Politik bereits als erle­digt gekenn­zeich­net wurde: unsere Währung und das Euro­sys­tem als Ganzes. weiter lesen

Demokratieverständnis und WirSindMehr

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Hash­tags erzäh­len keine Geschichte, sie erklä­ren nichts. Hash­tags sind Ver­kür­zun­gen und zugleich Schei­ter­hau­fen, auf die jeder sein Hölz­chen werfen darf, solange es nur gut brennt. Hash­tags betrei­ben die Fast­foo­di­sie­rung der poli­ti­schen Debatte. Denn dif­fe­ren­zie­ren kann man nicht, wenn man nur bren­nende Holz­scheite wirft. Der Hashtag „Wirs­ind­mehr“, der als Abwehr­zau­ber ver­meint­li­cher „Hetz­jag­den“ in Chem­nitz benutzt wurde und in einem Gra­tis­kon­zert gip­felte, bei dem man „für einen guten Zweck“ den Mord an Daniel H. instru­men­ta­li­sierte, ist der per­fekte Anlass, kurz inne zu halten und zu schauen, ob wir uns wirk­lich in eine gute Rich­tung bewegen. weiter lesen

Spenden statt musikalischer Tatortreinigung

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Mein Artikel über die Vor­fälle in Chem­nitz schlug recht hohe Wellen hier im Blog sowie auf achgut​.com, noch dazu meist posi­tive. Zum Glück hat offen­bar niemand ihn als Auf­for­de­rung ver­stan­den, mit Forke und Fackel um die Häuser zu ziehen. Noch inter­es­san­ter fand ich die Reak­tio­nen einiger Nacht­schat­ten­ge­wächse, die – mit einer Aus­nahme – jedoch nicht mit öffent­lich, sondern per Mail statt­fan­den. Das Geplap­per solcher sich intel­lek­tu­ell geben­der „Jour­na­lis­ten“ wie mir sei schließ­lich nichts anderes als devotes Ange­wanze an die wahren Macht­ha­ber im Osten, wo seit 1991 (Quelle Chrti­sian W. in den Kom­men­ta­ren) der stramme Nazi mar­schiere. Leute wie Broder und ich schrie­ben doch eh nur für Geld, welches „das Kapital hinter der AfD“ mit großen Kellen über uns aus­gösse. Wie Chris­tian dann aber auf Selbst­hass schließt, wo wir doch für unsere Schmier­fin­ke­reien so überaus generös bezahlt würden, bleibt wohl das Geheim­nis eines Zeit­ge­nos­sen, der seine Vor­stel­lun­gen von Jour­na­lis­mus und Öko­no­mie aus der Rigaer Straße 94 in Berlin hat. weiter lesen