“Ode an die Freude”, Feuer an der Elbe

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Foto: action press

Ich kann gut verstehen, warum sich Staatslenker und Metropol-Bürgermeister um Veranstaltungen wie Olympia oder G20-Gipfel reißen: es ist einfach eine verlockende Gelegenheit, die schönen Seiten der Stadt herzuzeigen und ein Bisschen anzugeben. Wer schaut da schon auf die Kosten! Oder darauf, ob die Bevölkerung eine solche Veranstaltung für eine gute Idee hält. Zu Olympia wurden die Hamburger befragt und diese hatten mehrheitlich abgelehnt. Es ist anzunehmen, dass eine ähnliche Befragung zum G20-Gipfel vergleichbar ausgegangen wäre. Gut, dass man diesmal nur die Politiker gefragt hat! Kommt in Merkels Geburtsstadt, hieß es. Kommt nach Hamburg, haben sie gesagt. Das gibt schöne Bilder noch kurz vor der Bundestagswahl, haben sie gesagt. Unvergessliche Eindrücke mit Bedeutungs-Schlagsahne warten auf die Weltpolitik – na, das hat ja schon mal gut geklappt! weiter lesen

Wie Bundeskanzler Kiesinger die „Ehe für alle“ ermöglichte

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Bundesarchiv, B 145 Bild-F024017-0001 / Gathmann, Jens / CC-BY-SA 3.0

Gerade hatte ich noch die Feder in der Hand, um mit einer gefühlten Armee von Gleichgesinnten gegen den Verlust der Meinungsfreiheit anzuschreiben, den Herr Maas heute eingeleitet hat und durch den ahnungslosen Bundestag peitschte, da ruft Frau Merkel bei „Brigitte“: „Schaut da, ein Vög’lein!“ und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wandte sich flugs einem anderen Thema zu. Wer von dieser Volte Angela Merkels wirklich überrascht war, muss in den letzten zwölf Jahren in einer Marskolonie verbracht haben. Alle andern wissen längst, dass es keine Position gibt, für die sie wirklich steht, keine Meinung, die sich nicht ändern könnte, keinen Verrat, zu dem sie nicht fähig wäre. Die Ablenkung war jedenfalls perfekt! weiter lesen

Die “Via Dolorosa” zieht weiter!

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Wer Jerusalem besucht hat, und sich eine Weile in der Altstadt aufhielt, dem laufen zwangsläufig die frommen Touristen über den Weg, welche die 14 Stationen des Kreuzwegs, des Martyriums Christi ablaufen. Die „Via Dolorosa“ wurde zwar – wie viele Orte mit Ausnahme des Tempelberges – erst sehr viel später definiert, aber es ist der Gedanke, der zählt. Wenn man sich in der Nähe von Station eins ein Kreuz leihen und dann bis zur Grabeskirche tragen möchte, hilft das der frommen Seele auf. Denn wo kann man in der satten, sicheren Wohlstandswelt des Westens von heute noch die Qualen der ersten Christen nachempfinden und sich durch Leiden und Verzicht das Himmelreich sichern? Doch es soll heute „Christen“ geben, die einfach nicht begreifen wollen, wie förderlich es für ihr Seelenheil sein kann, wenn sie sich oder ihre Kinder in Gefahr bringen. Kreuzigungen sind aber nach dem Ende des römischen Reiches gänzlich aus der Mode gekommen, steinigen, häuten oder in siedendem Öl braten…all das bleibt dem frommen Christenmenschen von heute leider versagt, wenn er sich nicht mit offenen Armen und Hosianna-Gesängen nach Rakkah begibt. Umso unverständlicher war es der ev. Kirche in Schleswig-Holstein, als sie vor einigen Monaten in Flintbek unterhalb des von der Gemeinde betriebenen Kindergartens immer wieder Flüchtlinge im Kirchenasyl unterbrachte, dass die Eltern der Kinder dies nicht als willkommene Möglichkeit ansahen, in näheren Kontakt zu Jesus zu gelangen. Ein jeder trage gefälligst ein Kreuz! Ob er will, oder nicht – ob es seines ist, oder nicht! weiter lesen

„I will fix it“ oder wie der WDR in die eigene Falle tappte

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Foto: WDR

Wie nennt man das, wenn man versucht, eine kaputte Sache zu reparieren, und dabei alles nur noch schlimmer macht? Es gibt nur eine Sprache, in der es dafür ein Wort gibt, die Deutsche: verschlimmbessern. Und Deutschland ist auch das einzige Land, das sich zu diesem Zweck ganze Sender leistet – ganz vorneweg der WDR.

Wo soll man beginnen um das zu beschreiben, was gestern bei der Ausstrahlung des Films „Auserwählt und Ausgegrenzt“ und der Diskussionsrunde danach geschah? Zunächst etwas wirklich Positives: In der Fassung, die die „Bild“ den Zuschauern gezeigt hatte, fehlten die deutschen Untertitel unter den Einblendungen von arabischen TV-Ausschnitten. Vermutlich, weil „Bild“ eine Rohfassung gesendet hat. Wenn Sie aber glauben, das wäre einer der „handwerklichen Mängel“ gewesen, die der WDR gefunden hatte, muss ich Sie enttäuschen. Die Stelle fand auch keine Entsprechung in den 29 Thesen des „Faktenchecks“, die der WDR als Handreiche zusammengestellt hatte. Deren Zweck ist es nämlich vor allem, an der Glaubwürdigkeit der im Film interviewten Personen zu kratzen, wenn diese etwas zugunsten des Films beitrugen. weiter lesen

Morgen bei Maischberger: natürlicher Antisemitismus in Gaza?

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“Al Mashtal”, Gaza

Ob es in den Redaktionen wohl Telefonlisten mit Experten gibt, die man im journalistischen Notfall durchgehen kann, wenn ein O-Ton zu Spezialgebieten gefordert ist? Gibt es Erdbeben-Experten, Lebensmittelskandal-Experten, Oktoberfest-Experten? Sicher, aber die Listen dazu sind wohl recht kurz. Noch kürzer dürfte nur die Liste der Dokumentarfilmexperten sein, die man durchgehen könnte, um eine Erklärung für „handwerkliche Mängel“ in einer zurückgehaltenen Doku über Antisemitismus zu erhalten. Deshalb schaut man lieber gleich in der längsten Liste der Redaktion des Deutschlandfunks nach – in der für Nahostexperten. Als solche stand Gemma Pörzgen dem Sender am 15.6.2017 für ein Interview zur Verfügung. Zwar hat Frau Pörzgen zum letzten Mal vor 11 Jahren aus Israel und den Autonomiegebieten berichtet – und das auch nur knapp zwei Jahre lang. Außerdem gilt sie eigentlich als Expertin für den Osten, also für die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Egal, Osten…Naher Osten…was macht das schon für einen Unterschied! Frau Pörzgen wurde als Expertin vorgestellt, das muss reichen. Was ist ihr denn nun aufgefallen, als sie den Film „Auserwählt und Ausgegrenzt“ gesehen hat?  weiter lesen

Der neue, alte, ewige, unveränderliche Antisemitismus

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Noch toben die Zorngewitter der Nationalen Pressefront angesichts des Coups der BILD-Zeitung, einen Film zu zeigen, den das qualitätsbewusste Kulturprogramm von Arte als handwerklich unzureichend abtun wollte, und weil dessen Aussagen zu einseitig seien und darin der der gescholtenen Partei der Antisemiten, Israelnichtgutfinder und Palästinasolidaritätskomitees nicht genügend Raum gegeben sei, ihrem mühsam umfloskelten Judenhass eine Garnitur von rationaler Petersilie beizulegen. Dies besorgten aber die Autoren, die den Finger ausreichend tief in den braunen Lehm aus „Bilderberg“, „Protokollen“, „Rothschild“ und „Weltverschwörung“ steckten, und in einer kurzen Einlassung hinreichend zusammenfassten. Mehr von dieser schlaffen Petersilie braucht es nun wirklich nicht auf dem Teller. Wer dergleichen mag, wird seit Jahren bestens bedient mit den üblichen 15-Sekunden-Berichte in ARD und ZDF, in denen von „Genozid“, „Massenmord“, „Geiselhaft“ und „Freiluftgefängnis“ die Rede ist, wenn es um Gaza geht oder die mit den Worten „illegale Siedler“ oder „militante Siedler“ beginnen, wenn von den „besetzten Gebieten“ die Rede ist. weiter lesen

Deine Meinung, dieses Arschloch!

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(c) http://infar.be/

Wer die öffentlichen Aussagen evangelischer Geistlicher oder grüner Politiker beurteilen will – besonders, wenn sie sehr schrill klingen – der muss sich natürlich zunächst einige wichtige Fragen stellen. Zuerst: hat er oder sie das wirklich so gesagt? Dann: war es ein Versehen, gar nicht so gemeint, anders geplant oder ist vielleicht jemand auf der Maus ausgerutscht? Außerdem: steckt der russische Geheimdienst dahinter? Und zu guter Letzt natürlich: war die Aussage gegen Trump gerichtet? Was natürlich jederzeit jede Schrillheit rechtfertigen würde. weiter lesen

Der Anfang vom Ende der Klimareligion und der EU?

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Juni 2016, Brexit-Day. Fassungslosigkeit herrscht in ganz Europa. Wie konnte das nur passieren? War nicht allüberall klar und in Stein gemeißelt, dass EU gleichbedeutend mit Zukunft ist und dass man schon ziemlich dumm sein müsse, wenn man auf die Segnungen eines von Brüssel gelenkten Zentralstaates verzichten würde? Und nun das!

Juni 2017, Klima-Exit-Day: Fassungslosigkeit herrscht in der ganzen Welt. Wie konnte das nur passieren? War nicht allüberall klar und in Stein gemeißelt, dass Klimarettung gleichbedeutend mit Zukunft ist und dass man schon ziemlich dumm sein müsse, wenn man auf die Segnungen eines vom IPCC gelenkten Zentralstaates verzichten würde? Und nun das! weiter lesen

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Wieder ein Anschlag, wieder Tote und Verletzte, wieder betroffene Politiker und eine Netzgemeinde, die sich beim kondolierende gegenseitig überbietet. Ich bin es leid. Sowohl die Anschläge, die Toten, die Verletzten, die betroffenen Politiker und auch die kondolierende Netzgemeinde. Ich bin nicht mehr „je suis“, denn ich bin längst nicht mehr erschüttert. Erschütternd ist nur die Erkenntnis, dass die Skeptiker es wieder nicht geschafft haben, mit ihrer pessimistischen Einschätzung des Zustandes unserer Welt widerlegt zu werden. USA, Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien…es passiert in der Nähe oder weiter weg oder um die Ecke. Wir zählen die Toten, pflegen die Verletzten, singen unsere Hymnen und tuen so, als würde sich nichts für uns ändern. Wir kenne die Ursachen, reden aber nicht darüber und finden alle mögliche Ersatzprojektionsflächen, um nur nicht an die bittere Wahrheit heran zu müssen: Es ist nicht soziale Ungerechtigkeit, es ist nicht die Armut, es ist nicht Diskriminierung. Es hat ganz einfach etwas mit dem Islam zu tun. weiter lesen

It’s the Islam, stupid!

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Der Spiegel trauert immer noch. Um Obama. Die verheulten Rückblicke und die stets zwischen den Zeilen stehenden „Was-hätte-Obama-jetzt-getan“-Reminiszenzen kotzen mich einfach nur noch an. Heute sprach Trump in Saudi-Arabien über den Islam und der Spiegel erinnert voller Wehmut an Obamas friedenheischende Rede 2008 in Kairo. Die Rede Trumps im Jahr 2017 sei fehlerfrei vorgetragen, aber nur Obama hätte damals die richtigen Worte gefunden, indem er sagte „Amerika und der Islam schließen sich nicht aus“ – Trump hingegen spreche nur von Extremismus, Terrorismus, Krieg und dem Kampf von Gut gegen Böse. SPON-Autor Christoph Sydow meint „Mit dieser Rede hat Trump noch einmal deutlich gemacht, dass er den Islam in erster Linie als Gefahr und Brutstätte für Terror sieht“. Ich frage mich, als was Christoph Sydow den Islam wohl in erster Linie sieht. Als Partner in der Demokratie? Als Besieger des Welthungers? Als Durchsetzer der Gleichberechtigung? Als Garant der Religionsfreiheit? Als spirituelle Quelle für Homosexuelle? Als Bollwerk gegen den Antisemitismus? weiter lesen

Der Sheriff von Nottingham wäre so gern Robin Hood!

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„Ich will das alles gar nicht wiederholen, weil ich es eigentlich auch hasse, die Sätze, die da oft fallen im Netz wiederholen zu müssen.“ Da ist er also wieder, der Hass. Diesmal der Hass auf den Hass, geäußert in der Sitzung des Bundestages vom 19.5.2017, gesprochen ausgerechnet von einer der Abgeordneten, die dem Hass in besonderer Weise den Kampf angesagt haben – von Renate Künast. Den Hass hassen ist also legitim, Hass auf den Hass ist etwas absolut Gutes, lernen wir. Man könnte aber auch schlussfolgern, dass Hass auch ein zwar destruktives, aber durchaus legitimes menschliches Gefühl sein kann. Da müssen wir nur Frau Künasts Rede folgen. Die einen hegen und pflegen ihren Hass, angeblich ohne Grund und aus niederen Motiven, andere wiederum überfällt er wie ein Wolf infolge von Kränkungen, Missachtungen, Lügen oder Betruges – diese Form des Hasses nimmt Frau Künast für sich in Anspruch. Meinetwegen. Ich tue das auch. weiter lesen

Männer, die auf Ziegen sparen

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Bei modernen industriellen Lebensmitteln wird heute gern ein „Mehrwert“ verkauft, indem man gesundheitlichen Nutzen oder die Ausschüttung von Glückshormonen verspricht. „functional food“ nennt man das dann und es verkauft sich wie geschnitten Brot. Die Leute wollen ja nicht nur Geld ausgeben und satt werden, sie wollen ein gutes Gefühl obendrauf. Für sich selbst, den Nachwuchs und natürlich auch für die Umwelt, das Klima und den ganzen Rest. Aber ich will hier eigentlich nicht vom Essen reden, sondern über einen vergleichbaren Trend in der Entwicklungshilfe. Also über Entwicklungshilfe mit Mehrwert, „functional aid“ gewissermaßen. weiter lesen

Das Genie der Diplomatie!

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Man will nicht lockerlassen. Dabei gäbe es sicher tausend oder mehr Themen, über die man als deutscher Bundespräsident auf Antrittsbesuch in Israel sprechen könnte. Zum Beispiel über die Anstrengungen die Israel unternehmen muss, um mit der starken Zuwanderung von Juden aus aller Welt fertig zu werden, die sich in ihren Heimatländern leider nicht mehr sicher fühlen können. Vielleicht hätte das Staatsoberhaupt des Einwanderungslandes Deutschland sich Tipps vom Staatschef des Einwanderungslandes Israel holen können. Oder vielleicht redet man über die gute Zusammenarbeit im Bereich High-Tech oder darüber, wie israelische Waren von eifrigen BDS-Kämpfern aus deutschen Regalen gezerrt werden. Oder man spricht über die Gefahren, die vom nahen Krieg in Syrien, der Hisbollah und dem IS für Israel ausgehen. Aber Steinmeier könnte natürlich auch – wie üblich – über die „Siedlungspolitik“ sprechen und darüber, dass die Zwei-Staaten-Lösung „alternativlos“ sei, denn das tun ja sowieso alle unentwegt, während sich Israel brav dafür bedankt, dass es sich von Politikern, die ihre Informationen über die Lage in Israel vorwiegend von dessen Todfeinden beziehen, über die eigenen Probleme aufgeklärt wird. Schön, wenn man solche Verbündeten hat! weiter lesen

Graue Männer für einäugige Zeloten

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Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die Verschwörungstheorien anhängen. Ich werde schon misstrauisch, wenn auch nur von „großen Plänen“ oder „geheimen Treffen“ die Rede ist, weil das, was sich in Wirklichkeit hinter vermuteter Macht und Herrlichkeit verbirgt, oft an Banalität kaum zu übertreffen ist. Deshalb fällt es mir in letzter Zeit zunehmend schwerer, die Beweggründe der hysterisierten Massen zu verstehen, die sich unter selbstgemalten Plakaten versammeln, deren Informationsgehalt nur mit Mühe einen Glückskeks füllen würde, und ihren Hass in aggressiven Schlachtgesängen gegen Angehörige eine von ihnen verachteten Minderheit von Mitbürgern herausbrüllen, weil diese politisch nicht ihrer Meinung sind. weiter lesen

Was die Deutschen wirklich dachten, aber nicht zu sagen wagten

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Am 31.7.2015 war die Welt für Deutschland noch beinahe in Ordnung. Der Trampelpfad, den wir heute Balkanroute nennen, war gerade im Entstehen begriffen, die Türkei war ein beliebtes Urlaubsland und ein treuer Verbündeter im Kampf für die Demokratie und EU-Mitgliedschaft. Die Briten und Amerikaner gehörten zu den Guten, Deutschland hatte Außengrenzen und Frau Merkel war noch nicht ganz über ihren moralischen Tiefpunkt hinweg, den ihr die Medien attestierten, weil sie einem palästinensischen Mädchen coram publico sagte „Wir können aber nicht alle aufnehmen“. Noch Fünf Monate bis Silvester in Köln, Ansbach war eine weitgehend unbekannte bayrische Kleinstadt, in Nizza wohnte der Geldadel und gestern kann in Schweden höchstens ein Sack Knäckebrot umgefallen sein. Gut, der Krieg in Syrien lief schon eine Weile, und der islamistische Anschlag auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt in Paris machten die Leute in Europa etwas nervös, aber die arabische und afrikanische Welt hatte eigentlich nur ein Problem: nämlich den Deutschen bei der Lösung deren Fachkräfte- und Bevölkerungsproblemen zu helfen, weshalb sie ihre Besten auf die Reise zu uns schickten. weiter lesen

Die Übernächstenliebe eines Problemverschiebers

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Es gibt tatsächlich Menschen, die Deutschland wieder verlassen müssen. Zum Beispiel dann, wenn ihr Arbeitsvertrag oder ihr Touristenvisum ausläuft. Und es soll sogar Fälle geben, in denen ein Asylantrag abgelehnt wurde, womöglich sogar aus Gründen! So ging es auch einem Migranten aus Eritrea, der über Italien nach Europa kam, dann aber lieber nach Deutschland weiterreiste. Seiner Ausweisung entging er, weil er in der evangelischen Gemeinde Flintbek in Schleswig-Holstein Kirchenasyl erhielt. weiter lesen

Demokratie lebt!

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“Nur autoritäre Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie Massen mobilisieren.” Mit anderen Worten: Die Demokratie lebt nur dann, wenn sie sich nicht durch millionenschwere Kampagnen wie “Demokratie leben” von Ministerin Schwesig zwangsbeatmen lässt. Deshalb hat unser Autorenblog achgut.com die Aktion Demokratie lebt! ins Leben gerufen, für deren Gelingen es keine fetten Budgets braucht, mit denen man die Plakatwände der Republik mit debilen Selbstverständlichkeitsphrasen zukleistern muss. Es braucht dafür nur zweierlei: Leben Sie ihr Leben und bewahren Sie sich ein gesundes Misstrauen gegenüber ihrer Regierung. Und wenn sie feststellen, dass sie von der Regierung aufgefordert werden, deren Arbeit zu erledigen, greifen sie zu Pauken und Trompeten. Und wer könnte ihnen das besser erklären, als unser Doyen und Gründer der Achse des Guten, Henryk M. Broder? Film ab! weiter lesen

Auf ein Wort – Innenansichten aus Erdoganistan

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Zum Referendum in der Türkei ist eigentlich alles gesagt. Auch ich habe enttäuscht, jedoch nicht überrascht auf den Ausgang des Referendums geschaut. Es fühlt sich, trotz der gockelhaften Aussetzer Erdogans und der damit einhergehenden schrittweisen Entfremdung von Europa, wie ein Verlust an. Denn ich habe persönlich tolle Erinnerungen an das Land und Freunde dort. Bodrum, Ephesos, Magnesia, traumhafte Landschaften im Hinterland, jeden Stein dort umgibt eine fingerdicke Patina aus Geschichte. Hetiter, Perser, Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen…und jede Menge wunderbarer gastfreundlicher Menschen. Göttliche Speisen, durchaus akzeptables Bier und Wassermelonen, die nirgends so köstlich schmecken, wie im Südwesten der Türkei. Aber nun? Die Türken haben abgestimmt, das muss ich akzeptieren, sage ich mir. Und so gestimmt sprach ich gestern auch mit meinem türkischen Freund Hikmet*, der nicht nur in Deutschland lebt, sondern hier wirklich „angekommen“ ist. Ein Demokrat, also ein „Nein“-Sager, einer, der für gewöhnlich mit seinen ebenfalls in Deutschland lebenden Landsleuten hart ins Gericht geht, wenn manche von ihnen mal wieder lautstark um mehr integrative Aufmerksamkeit buhlen und Herr Mazyek in der Rolle des Opferslamms durch die TV-Shows tingelt. Hikmet hat noch nie gejammert. Er ist Unternehmer, arbeitet in der Reisebranche und pendelt seit Jahren aus beruflichen Gründen ständig zwischen Deutschland und der Türkei hin und her. Er kennt beide Länder, beide Völker. weiter lesen

Deutschland ist ein 50-Prozent-Einwanderungsland

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SPON haut auf die große Glocke und titelt: „Jeder zweite Flüchtling hat nach fünf Jahren einen Job“. Das klingt seelig und man fragt sich, woher der Spiegel das weiß. Als Quelle gibt man das IAB an, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass dazu eine Studie veröffentlicht hat. Dort allerdings ist man deutlich vorsichtiger als im Spiegel von der Meinungsfront und titelt lieber nur „Erwerbstätigenquote von 50 Prozent unter den Geflüchteten nach fünf Jahren realistisch“. (Hier das PDF dazu) weiter lesen

Wie man sich eine 70%-Mehrheit bastelt

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Stelle eine Frage nicht, wenn dir die Antwort nicht gefallen könnte – so sagt das Sprichwort. Der Gefälligkeitsstatistiker formuliert anders: Stelle Fragen so, dass du das gewünschte Ergebnis erhältst. Und was ist in der Politik die Königsdisziplin der Frage? Genau, die „repräsentative Meinungsumfrage“!

Solche Meinungsumfragen zu Sachthemen sind ein beliebtes Mittel, sich für umstrittene Vorhaben eine anonymisierte Legitimität zu verschaffen, insbesondere dann, wenn die Umfrage eine möglichst breite Zustimmung ergibt. Die Politik kann mit dem Hinweis auf eine „breite Mehrheit“ leichter agieren, denn „Mehrheit“ ist ein Zauberwort, dass in der Demokratie heutiger Prägung allemal genügt, um die „Minderheit“ zum Schweigen zu bringen. Dummerweise stehen solchen „Mehrheitsmeinungen“ aber oft Gesetze im Weg, die hoffentlich so stabil sind, dass sie die Minderheit vor der Willkür der Mehrheit zu schützen vermögen. Es ist zum Beispiel derzeit noch undenkbar, dass die „Mehrheit der Kreditnehmer“ gegen die vergleichsweise kleine Minderheit der Kreditgeber durchsetzt, dass alle Kredite nicht mehr bedient werden. Noch nicht. Und so staunte ich denn auch nicht schlecht als der Focus titelte: „Große Mehrheit steht hinter Kampf gegen Hass im Netz“. weiter lesen