Nachtrag zum Politiktheater

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In der Sonn­tags­frage besetzte ich unseren Innen­mi­nis­ter mit der Rolle des Über­for­der­ten, dessen Raus­wurf das Publi­kum jeden Moment erwar­tet. So ganz raus ist er noch nicht, aber Königin Angie I. hat sein Minis­te­rium heute schon mal um den aktuell ent­schei­den­den Teil gekürzt und die Flücht­linge zur Chef­sa­che erklärt. Mal sehen, ob da nicht noch was geht, wir dürfen gespannt sein.

Alles wird gut – alternativlos!

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Im Moment dreht sich die Bericht­erstat­tung über die mitt­ler­weile etwa 800.000 Flücht­linge im Land mal in die eine, mal in die andere Rich­tung. Schaut man ins Gebüh­ren-TV, bekommt man von Grö­ne­meyer ordent­lich „Habt-Euch-Nicht-So-Mar­me­lade“ aufs Brot geschmiert, gar­niert von posi­ti­ven Nach­rich­ten, herz­er­wär­men­den Bei­spie­len und jeder Menge Beschwich­ti­gun­gen. Nega­tive Aspekte gibt es nicht, höchs­tens Anlauf­schwie­rig­kei­ten, Miss­ver­ständ­nisse oder „Geis­tige Brand­stif­tung“.

Wir schaf­fen das also immer noch, Augen zu und durch. Die Debatte gleitet aber zuneh­mend ins Absurde ab, wenn die Schön­schrei­ber und Posi­tiv­den­ker nicht schnell genug laufen können, weil sie immer häu­fi­ger von der Rea­li­tät ein­ge­holt werden. Dann erfah­ren wir, was für ein unver­schäm­tes Glück wir doch haben! Jetzt endlich wird – quasi neben­bei – unser demo­gra­fi­sches Problem gelöst! Die Deut­schen werden viel­leicht doch nicht aus­ster­ben und die Welt damit um ein schrul­li­ges und zu Über­re­ak­tio­nen in jede Rich­tung nei­gen­des Völk­chen mit kom­pli­zier­ter Sprache ärmer werden, weil uns Syrien retten wird! Ein paar Mil­lio­nen junge Men­schen und beson­ders deren Kinder werden das schon schaf­fen. Bei­trags­zah­ler statt Refu­gees. Und die Poli­tik­dar­stel­ler meinen es wirk­lich ernst mit solchen Ein­wür­fen. weiter lesen

Vizekanzler geht Flüchtlinge gucken

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Von seiner Chefin hat er gelernt, ein ange­mes­sen betrof­fe­nes Gesicht zu machen und als er dem SPIEGEL das Inter­view* gab, saß die Mimik perfekt! Morgens Berlin, Nebel – das Gesicht hält. Mittags Jor­da­nien, die Sonne brennt – die Betrof­fen­heit wächst.

Hier ein kleiner minis­te­ria­ler O‑Ton vom Vize­kanz­ler Gabriel aus dem Spiegel-Inter­view: „Die Men­schen kommen, weil sie nach Jahren des Kriegs in Syrien jede Hoff­nung ver­lo­ren haben, in ihre Heimat zurück­zu­keh­ren. Und weil die inter­na­tio­nale Staa­ten­ge­mein­schaft ihnen nicht einmal mehr genug Geld für Nahrung und medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in den Flücht­lings­la­gern gibt. Ich war gerade in Jor­da­nien im größten Lager der Region: Weil sich die Situa­tion dort dra­ma­tisch ver­schlech­tert hat, brechen die Flücht­linge im wahrs­ten Sinne ihre Zelte ab und machen sich Rich­tung Europa und Deutsch­land auf. Das sind die wahren Flucht­ur­sa­chen – nicht das Ver­hal­ten von Frau Merkel.“ weiter lesen

Von Breschnew lernen heißt siegen lernen?

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Als der Afgha­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Muham­mad Taraki (der sich zuvor an die Macht geputscht hatte) 1978 seine sowje­ti­schen Freunde drin­gend um Hilfe bat, tat ihm der Kreml den Gefal­len und mar­schierte 1979 in Afgha­ni­stan ein. Derlei Nach­bar­schafts­hilfe kannte man aus dem Ost­block schon von früher. Buda­pest, Prag, Ostberlin…wenn jemand sagt, komm doch mal vorbei, ist das Völ­ker­recht nicht ver­letzt, meint der Kreml. Gestern gab es eine offi­zi­elle Bitte um mili­tä­ri­sche Hilfe, aus­ge­spro­chen vom Dik­ta­to­ren­prak­ti­kan­ten Assad, adres­siert an den Kreml. Seit heute hilft Putin. Ich kann das natür­lich nach­voll­zie­hen! Wenn man selbst durch Tricks, Erpres­sung, Natio­na­lis­mus, poli­ti­schen Mord und Ämter-Rocha­den an der Macht bleiben muss, hält man sich an Good­fel­las, die die Welt ähnlich sehen. Ich bin mir nicht sicher ob ich Putin Glück wün­schen sollte aber er wird es brau­chen können. Bre­schnew war so blöd, noch vor der Olym­piade in Moskau 1980 den Afgha­nen zu „helfen“. Putin hatte seine Olym­piade schon. Da hat er schon mal Glück gehabt! weiter lesen

Sonntagsfrage zum Politiktheater

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Ein wich­ti­ges äußeres Merkmal einer Demo­kra­tie sind Wahlen, das weiß ja jeder. All­ge­mein, frei, geheim, fair…so sollen sie sein. In Deutsch­land kann man davon aus­ge­hen, dass wir unsere Kommunal‑, Land­tags- und Bun­des­tags­wahl eini­ger­ma­ßen korrekt über die Bühne bekom­men. Auch sonst wählen wir ja, was das Zeug hält: IHK, Betriebs­räte, Auto des Jahres, Brot des Monats und das neuste Smart­phone. Wählen ist toll – wenn man die Wahl hat oder wenn man sich ent­schei­den kann. Vor der Auslage eines Fisch-Ladens hätte ich aber schon Pro­bleme mit den Kan­di­da­ten, weil ich Fisch nicht ver­trage. „Wahl als Bür­ger­pflicht“ würde mir in dem Fall mehr als nur Bauch­schmer­zen berei­ten. weiter lesen

Entdeckt: Die neue deutsche Grenze!

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Grenzen sollen fallen in Europa. So dachte man sich das bei der Schaf­fung der EG. Zunächst hatte man dabei ja nur an die Wirt­schaft gedacht, mit der EU und dem Schen­gen-Abkom­men sollten sich dann auch die Men­schen frei in Europa bewegen können. Dabei hatte man natür­lich im Sinn, dass Fran­zo­sen unge­hin­dert nach Deutsch­land, Deut­sche nach Spanien oder Briten nach Italien gelan­gen sollten. An Syrer nach Öster­reich oder Iraker nach Deutsch­land hatte man dabei noch gar nicht gedacht! Nun sind sie hier und es werden immer mehr. Selbst unseren Poli­ti­kern wird es langsam unheim­lich vor ihrer eigenen Traute und Gast­freund­schaft. Dabei haben sie gerade eine neue Grenze geschaf­fen, die dabei ist, sich kreuz und quer durch das Land auf­zu­rich­ten. Die Grenze wird wohl als 552 Euro-Grenze in die Geschichte ein­ge­hen. weiter lesen

Aus Hamburg nichts Neues über Nahost

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Das ZDF sendete am 25.9. eine Doku­men­ta­tion (Ewiger Aufruhr – Die Geschichte des Nahost-Kon­flikts (Spiegel TV 2011), die mir bisher ent­gan­gen war. Nun gut, ich lerne ja immer gern etwas dazu und viel­leicht gibt es ja mit vier Jahren Abstand eine andere, inter­es­sante Sicht auf die Pro­bleme im Nahen Osten. Psst, es geht los…

Seit Genera­tio­nen stehen sich die Kon­tra­hen­ten unver­söhn­lich gegen­über…“ und weil es sich bei Kon­flik­ten im All­ge­mei­nen und im „Hei­li­gen Land“ im Beson­de­ren so anbie­tet „…es gilt das bibli­sche Prinzip ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘…“. Und dann, langsam und mit sanfter, geübter Stimme aus dem Off kommt Volker Perthes, seines Zei­chens Poli­to­loge, mit geball­tem Wissen ins Bild: „Ein Kon­flikt, der so lange anhält, wird natür­lich ideo­lo­gisch über­höht und er wird auch reli­giös über­höht. Und wir sehen das auf den beiden Seiten. Wir haben natio­na­lis­ti­sche Extre­mis­men, wir haben reli­giöse Extre­mis­men, die das Land selber zum Teil hei­li­gen und reli­giös über­hö­hen und den ganzen Kon­flikt dar­stel­len als einen Kon­flikt zwi­schen Juden­tum und Islam, zwi­schen Islam und dem Rest, zwi­schen dem Westen und dem Islam, zischen dem Juden­tum und dem Anti­se­mi­tis­mus der Welt, also eine ganze Menge von Über­hö­hun­gen sie letzt­lich alle igno­rie­ren, es geht um eines: Ums Land.“ weiter lesen

Wann wir scheitern Seit’ an Seit’

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Sag mir was du isst, dann sage ich dir, wer du bist“ sagt ein altes deut­sches Sprich­wort. In Anleh­nung daran kann man die meisten Men­schen schon nach wenigen Minuten eines Gesprächs über Alltag und Politik einem poli­ti­schen Lager zuord­nen, oder, anders­herum bei Kennt­nis deren Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit leicht vor­aus­sa­gen, wie schon die ersten Minuten eines Gesprächs über Alltag und Politik ver­lau­fen werden. Während SPD und CDU heute jedoch eine gewisse Belie­big­keit der Grund­sätze an den Tag legen und kaum unter­scheid­bar sind – beide Par­teien würden dies selbst sicher eher „Real­po­li­tik“ nennen – schafft es die Linke immer mehr, sich auf stein­zeit­kom­mu­nis­ti­sche Klas­sen­kampf­po­si­tio­nen zurück­zu­zie­hen. Während es die alten Par­tei­gran­den a lá Gysi und Bisky noch schaff­ten, ange­sichts des geschei­ter­ten sozia­lis­ti­schen Frei­land­ver­suchs DDR an pas­sen­der Stelle ein wenig Zer­knir­schung und Selbst­kri­tik unter ihre State­ments zu mischen, kommt die heutige Füh­rungs­ebene der Linken gänz­lich ohne Selbst­zwei­fel aus. weiter lesen

Für alles offen und nicht ganz dicht

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Die Hilfs­be­reit­schaft in München und anderen Städten schaffte es, die Welt­öf­fent­lich­keit vom so genann­ten Dun­kel­deutsch­land abzu­len­ken und wenn man andern­tags die Presse ver­folge erfuhr man, wie beein­druckt das Ausland von den Deut­schen war. Das haben wir aber auch wirk­lich endlich mal gebraucht! Schließ­lich hatten die Grie­chen und viele Kom­men­ta­to­ren welt­weit noch vor wenigen Wochen nicht ver­stan­den, wie gut wir es mit ihnen, Europa und der ganzen Welt meinen. Dabei hassen wir es wie die Pest, nicht geliebt und bewun­dert zu werden. Wir bewei­nen die Opfer des Holo­caust, sparen Energie und trennen unseren Müll. Wir können eigent­lich alles besser als alle Anderen – nicht nur Autos bauen und Fußball spielen. Nun ja, Gewehre, Flug­hä­fen und Phil­har­mo­nien können wir nicht so gut, das soziale Gefälle bei uns ist stark wie kaum in einem anderen Land und unsere Infra­struk­tur brö­ckelt bedenk­lich vor sich hin. Aber Kli­ma­ret­tung ist bei uns Chef­sa­che, genau wie nun die Flücht­lings­krise. Wir kri­ti­sie­ren Amerika, lieben es aber nach New York zum Shoppen oder nach Las Vegas zum Protzen zu fliegen und schlüp­fen Nacht für Nacht unter die schüt­zende Decke, die das böse ame­ri­ka­ni­sche Militär seit Jahr­zehn­ten über uns breitet. Die Decke kratzt etwas, hielt uns aber viele Jahre lang die Pro­bleme der Welt vom Pelz. weiter lesen

Hiobs Zimmer

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Quelle: www.talkurbex.com
Quelle: www​.tal​kurbex​.com

Ich bin ein prag­ma­ti­scher Rei­sen­der. Beson­ders wenn ich nicht zum Zweck der Erho­lung und allein unter­wegs bin, stecke ich so mache Absteige locker weg. Selbst wenn mich das Rei­se­fie­ber in ferne Länder treibt, gilt mein Inter­esse eher dem Land, seinen Men­schen und den Kul­tu­rel­len High­lights, die mich dorthin gezogen haben. Mit anderen Worten: Als pro­fes­sio­nel­ler Hotel­tes­ter würde ich elen­dig­lich ver­hun­gern! Dabei ist es natür­lich nicht so, dass ich Mängel nicht sehe, im Gegen­teil! Ich kann aber im Inter­esse von Stim­mung, Laune und den zu erwar­ten­den Aben­teu­ern lächelnd über vieles hinweg sehen. It’s not an Bug, it’s a feature! Fahr­stuhl defekt und das Zimmer liegt im fünften Stock­werk? Man soll ja sowieso mehr für seine Fitness tun. Ein Blitz hat das Wifi des Hotels außer Gefecht gesetzt? Zum Glück war ich noch nicht da! Auf der Fahrt zum abge­le­gen Hotel irgendwo in Meck­len­burg über­fahre ich fast einen Strauß? Safari hatte ich gar nicht gebucht, ein kos­ten­lo­ses Extra! Aus Dusche und Was­ser­hahn plörrt ver­schie­den­far­bi­ges Wasser? In Ägypten soll man sel­bi­ges ja sowieso nicht mal zum Zäh­ne­put­zen ver­wen­den. Sicher schickt das Hotel so eine Warnung durch die Lei­tun­gen. weiter lesen