Mit offenen Karten

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Ja ich weiß, das ist eine Arte-Sendung. Eine gute noch dazu wie ich finde. Und genau an eine solche Sendung musste ich vor einigen Tagen denken, als ich diese Karte auf Fotos einer Anti-Israel-Demo sah:

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In besag­ter Arte-Sendung ging es um Bei­spiele, wie Karten so ein­ge­setzt werden, dass sie poli­tisch dem einen oder anderen Zweck beson­ders dien­lich sind. Das kann man zum Bei­spiel errei­chen, indem man die Umstände, die zum Aus­se­hen einer Karte, zu Grenz­ver­läu­fen und Namen geführt haben, kom­plett aus­blen­det oder umdeu­tet. Die obige Karte ist dafür ein gera­dezu per­fek­tes Bei­spiel. Man nehme aus dem Zusam­men­hang geris­sene Karten, deute sie im eigenen Sinne, lässt unbe­queme „Zwi­schen­sta­dien“ oder „Ereig­nisse“ wie Kriege weg und Sim­sa­la­bim: Die gewünschte Wirkung beim un-infor­mier­ten Betrach­ter stellt sich ein. Ver­gleicht man zum Bei­spiel unter solch ver­fäl­schen­den Gesichts­punk­ten die Karten von Deutsch­land in den Jahren 1937 und 1991, könnte man Angst vor den Polen bekom­men. Nun wissen wir aber, das zwi­schen 1939 und 1945 ein paar klit­ze­kleine Ereig­nisse lagen, welche die Grenz­zie­hung nach­hal­tig beein­flusst haben und die Polen erwie­sen sich ja wohl doch eher als fried­li­che Nach­barn. weiter lesen

Herr Augstein und die Frauenrechte

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Herr Aug­stein, Kolum­nist bei Spiegel-Online war am 6.10.2015 zu Gast bei Maisch­ber­ger. Es ging wie so oft in letzter Zeit mal wieder um die Flücht­linge. Und er kann Prio­ri­tä­ten setzen, der Spiegel-Junior!

Jetzt kommen all die Kon­ser­va­ti­ven und sorgen sich um Frau­en­rechte”, sagt er.

Was wollte Herr Aug­stein uns denn damit sagen? Grö­ne­mey­ert er jetzt etwa auch? Sollen sich mal nicht so haben, die Frauen? Sollen wir die Frau­en­rechte, für deren Zustan­de­kom­men Herr Aug­stein übri­gens nicht die Lor­bee­ren auf dem Kopf hat, mal eben „aus­setz­ten“? So wie den Min­dest­lohn viel­leicht? Reicht ein Kopf­tuch oder muss es gleich eine Burka sein? In diesem einen Aug­stein-Satz schwingt eine Rot­zig­keit, die kaum zu über­tref­fen ist. Ein Silvio Ber­lus­coni könnte in einem Prak­ti­kum bei Aug­stein noch viel lernen. weiter lesen

Nachtrag zum Politiktheater

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In der Sonn­tags­frage besetzte ich unseren Innen­mi­nis­ter mit der Rolle des Über­for­der­ten, dessen Raus­wurf das Publi­kum jeden Moment erwar­tet. So ganz raus ist er noch nicht, aber Königin Angie I. hat sein Minis­te­rium heute schon mal um den aktuell ent­schei­den­den Teil gekürzt und die Flücht­linge zur Chef­sa­che erklärt. Mal sehen, ob da nicht noch was geht, wir dürfen gespannt sein.

Alles wird gut – alternativlos!

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Im Moment dreht sich die Bericht­erstat­tung über die mitt­ler­weile etwa 800.000 Flücht­linge im Land mal in die eine, mal in die andere Rich­tung. Schaut man ins Gebüh­ren-TV, bekommt man von Grö­ne­meyer ordent­lich „Habt-Euch-Nicht-So-Mar­me­lade“ aufs Brot geschmiert, gar­niert von posi­ti­ven Nach­rich­ten, herz­er­wär­men­den Bei­spie­len und jeder Menge Beschwich­ti­gun­gen. Nega­tive Aspekte gibt es nicht, höchs­tens Anlauf­schwie­rig­kei­ten, Miss­ver­ständ­nisse oder „Geis­tige Brand­stif­tung“.

Wir schaf­fen das also immer noch, Augen zu und durch. Die Debatte gleitet aber zuneh­mend ins Absurde ab, wenn die Schön­schrei­ber und Posi­tiv­den­ker nicht schnell genug laufen können, weil sie immer häu­fi­ger von der Rea­li­tät ein­ge­holt werden. Dann erfah­ren wir, was für ein unver­schäm­tes Glück wir doch haben! Jetzt endlich wird – quasi neben­bei – unser demo­gra­fi­sches Problem gelöst! Die Deut­schen werden viel­leicht doch nicht aus­ster­ben und die Welt damit um ein schrul­li­ges und zu Über­re­ak­tio­nen in jede Rich­tung nei­gen­des Völk­chen mit kom­pli­zier­ter Sprache ärmer werden, weil uns Syrien retten wird! Ein paar Mil­lio­nen junge Men­schen und beson­ders deren Kinder werden das schon schaf­fen. Bei­trags­zah­ler statt Refu­gees. Und die Poli­tik­dar­stel­ler meinen es wirk­lich ernst mit solchen Ein­wür­fen. weiter lesen

Vizekanzler geht Flüchtlinge gucken

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Von seiner Chefin hat er gelernt, ein ange­mes­sen betrof­fe­nes Gesicht zu machen und als er dem SPIEGEL das Inter­view* gab, saß die Mimik perfekt! Morgens Berlin, Nebel – das Gesicht hält. Mittags Jor­da­nien, die Sonne brennt – die Betrof­fen­heit wächst.

Hier ein kleiner minis­te­ria­ler O‑Ton vom Vize­kanz­ler Gabriel aus dem Spiegel-Inter­view: „Die Men­schen kommen, weil sie nach Jahren des Kriegs in Syrien jede Hoff­nung ver­lo­ren haben, in ihre Heimat zurück­zu­keh­ren. Und weil die inter­na­tio­nale Staa­ten­ge­mein­schaft ihnen nicht einmal mehr genug Geld für Nahrung und medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung in den Flücht­lings­la­gern gibt. Ich war gerade in Jor­da­nien im größten Lager der Region: Weil sich die Situa­tion dort dra­ma­tisch ver­schlech­tert hat, brechen die Flücht­linge im wahrs­ten Sinne ihre Zelte ab und machen sich Rich­tung Europa und Deutsch­land auf. Das sind die wahren Flucht­ur­sa­chen – nicht das Ver­hal­ten von Frau Merkel.“ weiter lesen

Von Breschnew lernen heißt siegen lernen?

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Als der Afgha­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Muham­mad Taraki (der sich zuvor an die Macht geputscht hatte) 1978 seine sowje­ti­schen Freunde drin­gend um Hilfe bat, tat ihm der Kreml den Gefal­len und mar­schierte 1979 in Afgha­ni­stan ein. Derlei Nach­bar­schafts­hilfe kannte man aus dem Ost­block schon von früher. Buda­pest, Prag, Ostberlin…wenn jemand sagt, komm doch mal vorbei, ist das Völ­ker­recht nicht ver­letzt, meint der Kreml. Gestern gab es eine offi­zi­elle Bitte um mili­tä­ri­sche Hilfe, aus­ge­spro­chen vom Dik­ta­to­ren­prak­ti­kan­ten Assad, adres­siert an den Kreml. Seit heute hilft Putin. Ich kann das natür­lich nach­voll­zie­hen! Wenn man selbst durch Tricks, Erpres­sung, Natio­na­lis­mus, poli­ti­schen Mord und Ämter-Rocha­den an der Macht bleiben muss, hält man sich an Good­fel­las, die die Welt ähnlich sehen. Ich bin mir nicht sicher ob ich Putin Glück wün­schen sollte aber er wird es brau­chen können. Bre­schnew war so blöd, noch vor der Olym­piade in Moskau 1980 den Afgha­nen zu „helfen“. Putin hatte seine Olym­piade schon. Da hat er schon mal Glück gehabt! weiter lesen

Sonntagsfrage zum Politiktheater

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Ein wich­ti­ges äußeres Merkmal einer Demo­kra­tie sind Wahlen, das weiß ja jeder. All­ge­mein, frei, geheim, fair…so sollen sie sein. In Deutsch­land kann man davon aus­ge­hen, dass wir unsere Kommunal‑, Land­tags- und Bun­des­tags­wahl eini­ger­ma­ßen korrekt über die Bühne bekom­men. Auch sonst wählen wir ja, was das Zeug hält: IHK, Betriebs­räte, Auto des Jahres, Brot des Monats und das neuste Smart­phone. Wählen ist toll – wenn man die Wahl hat oder wenn man sich ent­schei­den kann. Vor der Auslage eines Fisch-Ladens hätte ich aber schon Pro­bleme mit den Kan­di­da­ten, weil ich Fisch nicht ver­trage. „Wahl als Bür­ger­pflicht“ würde mir in dem Fall mehr als nur Bauch­schmer­zen berei­ten. weiter lesen

Entdeckt: Die neue deutsche Grenze!

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Grenzen sollen fallen in Europa. So dachte man sich das bei der Schaf­fung der EG. Zunächst hatte man dabei ja nur an die Wirt­schaft gedacht, mit der EU und dem Schen­gen-Abkom­men sollten sich dann auch die Men­schen frei in Europa bewegen können. Dabei hatte man natür­lich im Sinn, dass Fran­zo­sen unge­hin­dert nach Deutsch­land, Deut­sche nach Spanien oder Briten nach Italien gelan­gen sollten. An Syrer nach Öster­reich oder Iraker nach Deutsch­land hatte man dabei noch gar nicht gedacht! Nun sind sie hier und es werden immer mehr. Selbst unseren Poli­ti­kern wird es langsam unheim­lich vor ihrer eigenen Traute und Gast­freund­schaft. Dabei haben sie gerade eine neue Grenze geschaf­fen, die dabei ist, sich kreuz und quer durch das Land auf­zu­rich­ten. Die Grenze wird wohl als 552 Euro-Grenze in die Geschichte ein­ge­hen. weiter lesen

Aus Hamburg nichts Neues über Nahost

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Das ZDF sendete am 25.9. eine Doku­men­ta­tion (Ewiger Aufruhr – Die Geschichte des Nahost-Kon­flikts (Spiegel TV 2011), die mir bisher ent­gan­gen war. Nun gut, ich lerne ja immer gern etwas dazu und viel­leicht gibt es ja mit vier Jahren Abstand eine andere, inter­es­sante Sicht auf die Pro­bleme im Nahen Osten. Psst, es geht los…

Seit Genera­tio­nen stehen sich die Kon­tra­hen­ten unver­söhn­lich gegen­über…“ und weil es sich bei Kon­flik­ten im All­ge­mei­nen und im „Hei­li­gen Land“ im Beson­de­ren so anbie­tet „…es gilt das bibli­sche Prinzip ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘…“. Und dann, langsam und mit sanfter, geübter Stimme aus dem Off kommt Volker Perthes, seines Zei­chens Poli­to­loge, mit geball­tem Wissen ins Bild: „Ein Kon­flikt, der so lange anhält, wird natür­lich ideo­lo­gisch über­höht und er wird auch reli­giös über­höht. Und wir sehen das auf den beiden Seiten. Wir haben natio­na­lis­ti­sche Extre­mis­men, wir haben reli­giöse Extre­mis­men, die das Land selber zum Teil hei­li­gen und reli­giös über­hö­hen und den ganzen Kon­flikt dar­stel­len als einen Kon­flikt zwi­schen Juden­tum und Islam, zwi­schen Islam und dem Rest, zwi­schen dem Westen und dem Islam, zischen dem Juden­tum und dem Anti­se­mi­tis­mus der Welt, also eine ganze Menge von Über­hö­hun­gen sie letzt­lich alle igno­rie­ren, es geht um eines: Ums Land.“ weiter lesen

Wann wir scheitern Seit’ an Seit’

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Sag mir was du isst, dann sage ich dir, wer du bist“ sagt ein altes deut­sches Sprich­wort. In Anleh­nung daran kann man die meisten Men­schen schon nach wenigen Minuten eines Gesprächs über Alltag und Politik einem poli­ti­schen Lager zuord­nen, oder, anders­herum bei Kennt­nis deren Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit leicht vor­aus­sa­gen, wie schon die ersten Minuten eines Gesprächs über Alltag und Politik ver­lau­fen werden. Während SPD und CDU heute jedoch eine gewisse Belie­big­keit der Grund­sätze an den Tag legen und kaum unter­scheid­bar sind – beide Par­teien würden dies selbst sicher eher „Real­po­li­tik“ nennen – schafft es die Linke immer mehr, sich auf stein­zeit­kom­mu­nis­ti­sche Klas­sen­kampf­po­si­tio­nen zurück­zu­zie­hen. Während es die alten Par­tei­gran­den a lá Gysi und Bisky noch schaff­ten, ange­sichts des geschei­ter­ten sozia­lis­ti­schen Frei­land­ver­suchs DDR an pas­sen­der Stelle ein wenig Zer­knir­schung und Selbst­kri­tik unter ihre State­ments zu mischen, kommt die heutige Füh­rungs­ebene der Linken gänz­lich ohne Selbst­zwei­fel aus. weiter lesen