Dummheit-Macht-Politik

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Die Deut­schen sind ver­liebt in ihre Währung. Zwei totale Zusam­men­brü­che nach Welt­krieg Eins nebst Welt­wirt­schafts­krise der Zwan­zi­ger Jahre und dem Zweiten Welt­krieg haben hier­zu­lande die Evo­lu­tion zur „Schwä­bi­schen Haus­frau“ erst möglich gemacht. „Schaffe, schaffe: Häusle baue“ einer­seits, „Hund ver­kau­fed‘, selber belled“ auf der anderen. Kaum ein anderes Land ist so beses­sen vom Sparen und der „hohen Kante“ oder arg­wöhnt derart bei „Kredit“ und „Pump“. Zuge­ge­ben, das klappt auch hier­zu­lande nicht immer wirk­lich gut. Bund, Länder und Kom­mu­nen sind im Grunde über beide Ohren ver­schul­det und einige Kom­mu­nen – wie so manche Stadt im Ruhr­ge­biet – haben auch die Ohren nicht mehr über Wasser, aber alles in allem kann Deutsch­land seinen Schul­den­dienst pünkt­lich bedie­nen. Die Alli­ier­ten gaben den West­deut­schen die D‑Mark (und schufen damit de Facto auch für die nicht so weit ent­fern­ten Ost-Deut­schen den Wäh­rungs­stan­dard, weil es eben „echte“ und „Alu­blech­mark“ gab) welche zu einer Sta­bi­len Währung wurde, der die Men­schen ver­trauen. Regie­run­gen kamen und gingen, die D‑Mark blieb wie sie war. Das stetige Wirt­schafts­wachs­tum mit nur wenigen „Knicks“ sorgte dafür, dass die Deut­schen nach dem Krieg nie eine massive Abwer­tung ihres Geldes hin­neh­men mussten, wie etwa Frank­reich, Italien oder Grie­chen­land dies zu tun gezwun­gen waren. Der Sog der D‑Mark machte es 1990 auch unmög­lich, einen anderen, für die marode DDR-Wirt­schaft scho­nen­de­ren Weg als die bedin­gungs­lose Kapi­tu­la­tion ein­zu­schla­gen: Die schnellst­mög­li­che Wie­der­ver­ei­ni­gung – die eigent­lich ein Bei­tritt war – erwies sich als unum­gäng­lich. weiter lesen

Die Bahn kommt nicht!

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Und es ist mir per­sön­lich kom­plett wurscht! Ich lebe auf dem platten Land und mein ein­zi­ger Kontakt zum ÖPNV besteht in einem freund­li­chen „Hallo“ zu meinem Nach­barn, der als Bus­fah­rer arbei­tet. Jeder Ort, den ich nicht zu Fuß errei­chen kann oder mangels Zula­de­ka­pa­zi­tät oder Zeit will, wird von mir auf umwelt­schäd­li­che Weise per Auto oder Flug­zeug ange­steu­ert. Solange es gesell­schaft­lich noch gedul­det wird, dass es Men­schen wie mich gibt, die weit weg von U‑, S- und DieBahn leben, um ihren Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten aber in die große weite Stadt und Welt hinaus müssen, werde ich mich dessen auch nicht schämen. Ich schaffe es, meine Wege per Auto so genau zu timen, dass mir auch Staus, Streiks, Frost, Hagel­schlag und Masern­epe­de­mieen nicht den Tag ver­mie­sen können – was natür­lich nicht bedeu­tet, dass ich immer und überall pünkt­lich bin. Wer will das schon! weiter lesen

Die Nachtwölfe und die nicht genutzte Chance

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Putins Biker werden am 9. Mai ver­mut­lich nicht durch Berlin knat­tern, um der gefal­le­nen Rot­ar­mis­ten des zweiten Welt­krie­ges zu geden­ken und ihre „Sie­ges­fahrt“ zu krönen. Schade, dabei hätte das ein echter Spaß werden können. Man hat es von rus­si­scher Seiten aber auch wirk­lich unge­schickt vor­be­rei­tet: Einfach mal so durch Polen fahren? Wie unsen­si­bel! Warum nicht statt­des­sen eine gemein­same Stern­fahrt mit einen deut­schen Rocker­club nach War­schau um dort des unse­li­gen Hitler-Stalin-Paktes zu geden­ken, der den Polen im Sep­tem­ber 1939 einen über­ra­schen­den Zwei­fron­ten­krieg samt anschlie­ßen­der Auf­tei­lung bescherte? Statt­des­sen wählt man die Route so, dass man unwei­ger­lich an eine Reihe von Domi­no­stei­nen denkt, die vor 70 Jahren einer nach dem anderen unter Sowje­ti­sche Vor­herr­schaft gerie­ten – und es für viele Jahre der „brü­der­li­chen Freund­schaft“* auch blieben. weiter lesen

Teurer Freund und billige Polemik

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Selbst wenn Nach­kriegs­kon­fe­ren­zen, Gerichts­ur­teile, frei­wil­li­gen Zah­lun­gen, For­mu­lie­rungs­tricks und bila­te­ra­len Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Grie­chen­land und Deutsch­land die Repa­ra­ti­ons­frage als erle­digt zurück­las­sen finde ich es geschmack­los, die aktu­el­len Schul­den mit diesen For­de­run­gen zu ver­knüp­fen. Zuge­ge­ben: Von Seiten der Bun­des­re­gie­rung hört man derlei Ver­qui­ckung nicht. Aber die Blogs und Foren hier­zu­lande sind voll mit Gehäs­sig­kei­ten, die man höchs­tens ober­fläch­lich nach­voll­zie­hen kann. Ich möchte gern etwas tiefer graben und auch unsere grie­chi­schen Freunde ein­la­den, etwas genauer hin­zu­se­hen. weiter lesen

Flüchtlingsgeschichten

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Flüchtlingsgeschichten

Es war einmal eine Mutter. Unschul­dig am ver­gan­ge­nen Krieg, ihr Mann in eben diesem Krieg gefal­len, flieht sie mit ihren drei kleinen Töch­tern (5−10 Jahre alt) aus ihrer Heimat, als diese von der sieg­rei­chen Seite besetzt wurde. Sicher, ihr eigenes Land hat den Krieg begon­nen – aber sie selbst war an der Ent­schei­dung, die Nach­bar­völ­ker zu über­fal­len sicher nicht betei­ligt. Alles Futsch, alles kaputt! Ent­wur­zelt, ver­zwei­felt, zu Fuß auf der Flucht. Nun wachsen die Töchter nach dem frühen Tod der Mutter in der Fremde heran. Allein, ohne Eltern, immer noch ent­wur­zelt. In ihrer neuen Heimat spricht man wenigs­tens ihre Sprache, auch wenn der eigene Dialekt ein wenig befremd­lich wirkt. Aber es mussten ja alle von dort fliehen und eine neue Heimat finden. Einige zogen 100 Kilo­me­ter, andere 1000 Kilo­me­ter oder weiter. Die Töchter werden größer und gründen Fami­lien. Sie… weiter lesen

Er ist wieder da!

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Er ist wieder da!

Kalter Krieg 2.0

Was war die Welt früher doch einfach zu ver­ste­hen! Je nach dem auf welcher Seite des eiser­nen Vor­hangs man saß, gab es in der Summe klare Vor­stel­lun­gen von Gut und Böse. Die atomare Abschre­ckung sorgte dafür, dass sie Groß­mächte jeweils das Messer an der Kehle des anderen hatten, alle Kon­flikte traten hinter diese „Mutter der Kon­flikte“ zurück. Ich stand damals natür­lich – wie jeder andere überall auf der Welt übri­gens auch – auf der „guten“ Seite. Jeden­falls sagten uns die Greise im Polit­büro, das dies so sei und dass das Bestre­ben der anderen, bösen Impe­ria­lis­ten aus dem Westen sei, uns zu ver­nich­ten. Und wenn sie das nicht mit Pers­higs, Leo­pard­pan­zern und Helmut Schmidt schaff­ten, ver­such­ten sie es eben mit den Ver­lo­ckun­gen des Wohl­stands. Reisen, Autos, Musik…perfinde Dinge, die uns schwä­chen und ein­lul­len sollten. Der arme, geknech­tete Arbei­ter im Westen hin­ge­gen, wenn er nicht der impe­ria­lis­ti­schen Hirn­wä­sche erlegen war, liebte die DDR. So sollten wir das sehen. Taten wir aber nicht. Wir schau­ten nicht nur die aktu­elle Kamera und den Schwar­zen Kanal, wir wurden umso miss­traui­scher, je mehr Geifer über unsere offi­zi­el­len Medien ver­brei­tet wurde. weiter lesen

Herr Augstein spricht vom Neuanfang in Griechenland

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Herr Augstein spricht vom Neuanfang in Griechenland

Heute las ich Ihre SPON-Kolumne, Herr Aug­stein. Und ich denke, Sie liegen diesmal daneben.

Ein Ergeb­nis des zweiten Welt­krie­ges und der Nazi­zeit ist für manche eine Art sin­gu­lä­rer Welt­re­kord, den selbst­ver­ständ­lich Deutsch­land ein­ge­stellt hat und der für alle Zeiten uner­reich­bar bleiben muss. Die meisten Toten, die größte Schuld, der per­fekte Genozid, das schlimmste Grauen. Das ist der Maßstab, an dem sich alles Elend dieser Welt messen lassen muss! Da bestehen wir ‚drauf! Ver­gli­chen mit dem, was Deutsch­land ange­rich­tet hat, ist alles andere nur eine Lap­pa­lie! Die Hamas greift Israel mit Raketen an? Unsere V1 war treff­si­che­rer! Kor­rup­tion und Schul­den­wirt­schaft in Grie­chen­land? Wir waren schlim­mer! Grie­chi­sche Reeder bezah­len ihre Steuern nicht? Ach was, deut­sche Sol­da­ten haben halb Europa ermor­det!

Aber gut, bleiben wir bei ihrem Ver­gleich Herr Aug­stein, schauen wir uns die Lage in Grie­chen­land an und ver­glei­chen sie mit der in Deutsch­land nach WWII. Der erste Unter­schied der uns auf­fällt – und wahr­schein­lich ist es der wich­tigste – ist, dass Deutsch­land nach dem Krieg ein besetz­tes Land war, ein geteil­tes und ver­klei­ner­tes noch dazu. Auch wenn es den einen oder anderen unbe­lehr­ba­ren Nazi gab (und gibt) und sich viele um ihre gerechte Strafe her­um­drück­ten war doch die Ein­sicht, dass da in den letzten 12 Jahren etwas gehörig und unglaub­lich schief gelau­fen war, was man schwer­lich jemand anderem in die Schuhe schie­ben konnte, bei den meisten vor­han­den. In Grie­chen­land war diese Ein­sicht höchs­tens kurz auf­ge­fla­ckert, dann hatte man wieder ein beque­me­res Feind­bild. Die Deut­schen eignen sich auf­grund ihrer his­to­ri­schen Qua­li­fi­ka­tion bestens dafür und Frau Merkel ist ja auch aus ihrem Hei­mat­land Satire gewohnt. weiter lesen

To Russia with love…

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To Russia with love…

Lieber Wal­d­imir,

es läuft gerade gar nicht gut zwi­schen uns. Ich habe heute deine Pres­se­kon­fe­renz gesehen in der du aus­führ­lich erklärst, dass an all dem was gerade pas­siert natür­lich ich – der Westen – Schuld bin. Was den Kurs des Rubels angeht, hast du sicher sogar teil­weise recht damit. Du bist ein bril­lan­ter Tak­ti­ker und deine Ana­ly­sen des Ist-Zustands unserer Bezie­hun­gen sind wie immer mes­ser­scharf. Leider sind deine Stra­te­gi­schen Fähig­kei­ten mit deinen tak­ti­schen nicht zu ver­glei­chen. Schlim­mer noch: Du scheinst anzu­neh­men, dass auch ich bei der Beur­tei­lung der Lage nur auf die jüngs­ten Ereig­nisse schaue. Das ist aber nicht so. Du denkst, keiner würde dich ver­ste­hen. Ich denke, das beruht auf Gegen­sei­tig­keit. Ich werde ver­su­chen, dir die wich­tigs­ten Fakten aus meiner Sicht zu erklä­ren: weiter lesen

Am Ende siegt der Zweifel

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Am Ende siegt der Zweifel

Georg Diez befasst sich in seinem Artikel bei SPON mit dem Hass der IS-Ter­ro­ris­ten – und findet krea­tive Erklä­run­gen

Lieber Herr Diez, geht’s nicht auch mal eine Spur weniger selbst­an­kla­gend? Schon wieder jemand der meint, dass im Grunde doch der Westen Schuld ist an der Misere im Irak und Syrien. Muss ja so sein! Da gibt der Isla­mis­ten-Rekru­tie­rer Hasnain Kazim im Spiegel-Inter­view von sich (http://​www​.spiegel​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​a​u​s​l​a​n​d​/​i​s​-​i​s​l​a​m​i​s​c​h​e​r​-​s​t​a​a​t​-​s​t​r​e​i​t​g​e​s​p​r​a​e​c​h​-​m​i​t​-​e​i​n​e​m​-​i​s​l​a​m​i​s​t​e​n​-​a​-​9​9​8​7​2​0​.​h​tml) „Wer hat die Welt erobert und ver­sucht, alle fremden Kul­tu­ren und Reli­gio­nen zu unter­wer­fen? Die Geschichte des Kolo­nia­lis­mus ist lang und blutig. Und sie dauert bis heute an, in Form von Arro­ganz des Westens gegen­über allen anderen.“ weiter lesen

Die guten und die bösen Islamisten

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Selektive Wahrnehmung und Appeasement in Europa

Noch vor wenigen Wochen wurden die Frie­dens­be­weg­ten hier­zu­lande nicht müde zu fordern, Israel müsse mit der Hamas ver­han­deln. Und das waren noch die mode­ra­tes­ten Stimmen! Andere ver­gli­chen Israels Armee schon mal mit jener der Nazis und glaub­ten an einen neuen Völ­ker­mord. Die Hamas sei schließ­lich die gewählte Regie­rung im Gaza­strei­fen, sagte man. Ver­hand­lun­gen seien unum­gäng­lich. Nun macht eine Schwalbe noch keinen Sommer und eine Wahl noch keine Demo­kra­tie – sowas lernt man auf jeder Dik­ta­to­ren­schule. Außer­dem steht und stand die Hamas auf der Ter­ror­liste des EU Minis­ter­rats und bei aller berech­tig­ten Häme und Miss­trauen gegen die Insti­tu­tio­nen der EU… auf diese Liste kommt man nicht, weil man krumme Gurken ver­kauft oder zu schnell durch Brüssel gefah­ren ist. weiter lesen