Das Schreiben fällt mir immer schw­er­er. Anfangs habe ich das für ein Zeichen von Urlaub­sreife oder Schreib­block­ade gehal­ten. Doch sobald ich mich auf eher kleine, schein­bar neben­säch­liche Begeben­heit­en stürzen kann und dor­thin blicke, wo sich der riesige Berg aus Ide­olo­gie und falsch­er Poli­tik am Rand nur langsam in die wehrlose Real­ität hinein frisst, fällt mir das Schreiben selt­sam leicht. Nur dort, wo der Berg schon zu hoch für einen Wan­der­er und der Ges­tank zu groß ist, misslin­gen mir neuerd­ings Ver­suche der Beschrei­bung und Einord­nung. Ich kann mit Spaß und Sarkas­mus über die Speisekarte bei VW oder den Ver­such bericht­en, ein Straßen­schild in Garch­ing von Erich Käst­ner zu befreien, wenn es jedoch um die großen poli­tis­chen Anmaßun­gen und Zumu­tun­gen geht, erlahmt mir die Hand. Vielle­icht weil ich denke, diesen Unrat rieche doch ohne­hin jed­er und jed­er müsse mit­tler­weile merken, dass er seine Füße nicht mehr sauber und selb­st­bes­timmt vor­einan­der set­zen kann. Wozu also beschreiben, was jed­er sieht? Wozu vor etwas war­nen, was ver­loren und begraben scheint und offen­bar nur von weni­gen ver­misst wird? Wozu über­haupt noch über Frei­heit nachdenken…?

Nur hier und da ist vielle­icht noch einiges zu ret­ten, wenn man nur entschlossen dage­gen ankämpft…und dann ist die Gele­gen­heit vor­bei, die näch­ste selt­same 16+1‑Konferenz der Granden dieser Repub­lik vorüber, der Kater gekämmt, das Kind im Brun­nen, das näch­ste Stückchen Frei­heit unter Schlamm begraben, der schnell trock­net und zu Gewohn­heit und Stumpf­sinn aushärtet. Die Hoff­nung liegt nur noch in den Ris­sen, die sich immer deut­lich­er auf der Kruste zeigen und im Ver­bor­ge­nen wach­sen. Die Flex­i­bil­ität des „Flusses“ Poli­tik mit all den Wirbeln und Schleifen, über welche die Wass­er der jün­geren Geschichte in diesem Land ver­fügten, ist endgültig einem zähen Ein­heits­brei gewichen, der sturheil in eine Rich­tung fließt.

Selb­st die geschick­testen poli­tis­chen Wellen­re­it­er sind mit weni­gen Aus­nah­men zu Prinzip­i­en­re­it­ern gewor­den. Hin­dernisse und Wider­sprüche wer­den zugedeckt und begraben, wenn sie klein sind oder nach­dem sie zu Klein­holz gemacht wur­den. Unter­dessen steigt der poli­tis­che Schlamm an den großen Wider­stän­den hoch, unfähig, die Rich­tung zu ändern oder an den Seit­en nach neuen Wegen zu suchen. Man. Will. Da. Durch! Hin­ter sich das zer­störte Fluss­bett des Ver­trauens und des Gemein­schafts­ge­fühls, vor sich ein Prob­lem, mit dem fer­tig zu wer­den man nicht in der Lage ist. Und doch ren­nt man immer weit­er an gegen die Real­ität, der man nicht auswe­ichen kann, weil man sie für eine Illu­sion hält. Vorneweg: Markus Söder, der Märchenkönig, dem wohl als erstem über­haupt ein Prinzip­i­en­re­it­er­stand­bild errichtet wer­den wird. Die Coro­na-Poli­tik der Bun­desregierung ver­sucht, ein Land zu ret­ten, indem sie alles, was es zusam­men­hält, zugrunde richtet.

Die Freiheit schleicht zum Schafott

Analo­gien drän­gen sich auf, auch wenn sie weniger als Sch­ablo­nen für die konkreten Vorgänge tau­gen, son­dern lediglich die ver­häng­nisvollen Mech­a­nis­men verdeut­lichen, welche die einen freudig auf­greifen, während die anderen darunter zu lei­den haben. Ich über­springe hier die Mon­strositäten in der deutschen Geschichte, diese Ver­gle­iche sind mir zu infla­tionär. Gehen wir zurück in die Schlussphase der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion, ins Jahr 1794, als Robe­spierre „die Tugend und den Ter­ror“ auf die Tage­sor­d­nung geset­zt hatte.

Die vom Kon­vent aus­gear­beit­ete Ver­fas­sung von 1793 war nicht in Kraft geset­zt wor­den und statt der gewählten Volksver­samm­lung herrschte de fac­to der Wohlfahrt­sauss­chuss, der die Abge­ord­neten an der kurzen Leine führte und ihnen die Dekrete dik­tierte, die man zu ver­ab­schieden habe. Auch wenn mir die Gren­zen des Ver­gle­ich­es dur­chaus klar sind, erin­nert das doch unan­genehm an die im Grundge­setz nicht vorge­se­henen „Min­is­ter­präsi­den­tenkon­ferenz“, die heute kaum anders vorge­ht und kaum bess­er legit­imiert ist. Den guten Zweck führte der Wohlfahrt­sauss­chuss in Frankre­ich indes schon im Namen, während die Min­is­ter­präsi­den­tenkon­ferenz willige Herolde in den Medi­en braucht, die ihre „Beschlüsse“ affir­ma­tiv aus­posaunen, als kämen sie aus den Parlamenten.

Der Tugend­hafte von damals förderte die Rev­o­lu­tion nach Kräften, der von heute ist geimpft oder lässt sich schle­u­nigst impfen. Wem es an auf diese Weise definiert­er Tugend fehlt, der wird ins Abseits gestellt, dop­pelt zur Kasse gebeten und bestraft. Das Gesetz, demzu­folge die “Feinde des Vater­lan­des keinen Besitz in ihm haben dür­fen” hat­te in Frankre­ich der Erzrev­o­lu­tionär Saint-Just einge­bracht, während die Feinde von heute für die oblig­a­torische Tests und die Poli­tik zu ihrer Aus­gren­zung nur dop­pelt zur Kasse gebeten wer­den, da sie über Steuern und Abgaben für den abgelehn­ten Impf­stoff und die Kam­pagne zu dessen Durch­set­zung mit zahlen dür­fen. So viel zur sehr ein­seit­i­gen Sol­i­dar­ität, die man den Ver­weiger­ern der guten Sache entziehen will. Der franzö­sis­che Bürg­er im Jahr 1794 war sich übri­gens nie sich­er, ob er der Rev­o­lu­tion schon genug gedi­ent hat­te oder ob nicht ein Nach­bar noch eifriger nach dem Tyran­nen­blut der Ver­räter rief und für laues Ver­hal­ten Rechen­schaft von ihm fordern würde. Ob sich hier eine aktuelle Entsprechung find­en wird, muss wohl die Zeit erweisen.

Den Geimpfen wer­den indes kleine Erle­ichterun­gen in Aus­sicht gestellt, sofern sie sich der neuen Kon­troll­dok­trin unter­w­er­fen und bei jed­er Gele­gen­heit ihren Immu­nisierungsnach­weis vorzeigen. Der Imp­fausweis wird zur uni­versellen Ein­trittskarte in die Gesellschaft (oder doch zumin­d­est in den unter­halt­samen Teil, denn arbeit­en darf der Ungeimpfte ja schon noch) und jed­er Wirt, Kino­be­treiber oder Straßen­bahnkon­trolleur ist nun zum Hand­langer der Exeku­tive, zum Hil­f­spolizis­ten ernan­nt. Ein Bürg­er­di­enst, den sich der Staat nichts kosten lassen muss. Das Gefälle an Priv­i­legien zwis­chen geimpft und nicht geimpft genügt vor­erst als Antrieb.

Was soll schon sein, wird der eine oder andere jet­zt denken. Einen Per­son­alausweis haben wir schließlich auch alle und wer ver­weigert am Flughafen das Vorzeigen seines Pass­es? Doch das sind staatlich hoheitliche Auf­gaben, die von Polizei oder Zoll erledigt wer­den – oder auch nicht erledigt wer­den, wenn es in den poli­tis­chen Kram passt. Der neue Imp­fausweis ist anders. Der alte, gelbe Imp­fausweis diente der Selb­stver­sicherung des eige­nen Impf­s­ta­tus, während der neue dig­i­tale Impf­pass vor allem vor staatlich­er Willkür schützt. Nie­mand fälschte früher das gelbe Heftchen. Wozu auch, es wäre Selb­st­be­trug gewe­sen und der Arzt, der die elf Jahre zurück­liegende Tetanus-Imp­fung erneuern möchte, wird keine Gewalt anwen­den, wenn der Patient dies nicht oder erst später wünscht.

Heute entschei­det der dig­i­tale Impf­pass nicht nur darüber, ob man reisen kann. Er wird essen­ziell. Das macht Fälschun­gen erst rel­e­vant, denn er ist nicht mehr nur Erin­nerung an den eige­nen Immu­nitätssta­tus und Beweis­mit­tel im Fall von Regress­forderun­gen gegen den Her­steller der Charge des Impf­stoffs, son­dern in erster Lin­ie Zugangs­berech­ti­gung zur Außen­welt. Hat sich die Trennlin­ie mit­tels Impf­pass erst etabliert, kann man jed­erzeit weit­ere Felder definieren, auf denen er benötigt wird.

Ganz ähn­lich funk­tion­ierte während der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion das „cer­ti­fi­cat de civisme“, der soge­nan­nte Bürg­er­ausweis. Aus­gestellt von Gemein­de­vorste­hern oder Überwachungsauss­chüssen – gern auf Empfehlung eines ver­di­en­ten Jakobin­ers oder gar einem der „großen“ Rev­o­lu­tionäre – attestierte das Papi­er, dass der Träger der Sache der Rev­o­lu­tion wohl geson­nen ist, seinen Bürg­ereid geleis­tet und seine Steuern bezahlt hat und somit ein anerkan­nter Bürg­er sei. Ehe­ma­lige Adelige erhiel­ten den Ausweis grund­sät­zlich nicht, aber die hat­ten ohne­hin kein Inter­esse, eines der vie­len neuen öffentlichen Ämter anzutreten, für die man einen Bürg­er­ausweis anfangs brauchte. Geimpft wer­den sie heute. Die Zivil­i­sa­tion macht immer­hin Fortschritte.

Später weit­ete man die Wirk­samkeit des „cer­ti­fi­cat de civisme“ Stück für Stück aus, bis sog­ar die dank Mis­s­wirtschaft notwendi­ge Brotkarte für das schlechte “Ein­heits­brot” in Paris nur noch mit dem Ausweis gültig war. Kurz vor Ende der Schreck­en­sh­errschaft war der Besitz dieses Papiers das Wichtig­ste, was einen von Ver­haf­tung und der Guil­lo­tine tren­nte. Jed­er Bürg­er war berechtigt, jeden anderen Bürg­er nach diesem Ausweis zu fra­gen und die Behör­den zu ver­ständi­gen, wenn das Gegenüber keinen vorzuweisen hat­te. Dazu war kein Verge­hen nötig, weil keinen Ausweis zu besitzen schon das Verge­hen war. Der Ausweis tren­nte Frankre­ich scharf in gute und schlechte Menschen.

Die Legit­i­ma­tion­snöte fan­den (und find­en) also nicht zwis­chen Bürg­er und Staat zu einem bes­timmten Zweck statt, son­dern waren all­ge­mein und umfassend. Die Über­tra­gung dieser Mech­a­nis­men ins Jahr 2021 über­lasse ich der Fan­tasie mein­er Leser. Solche Dystopi­en wer­den jeden­falls kaum angenehmer, wenn man in Rech­nung stellt, dass heute keine Guil­lo­tine mehr in Betrieb ist oder dass der heutige „Bürg­er­ausweis“ im Unter­schied zu dem franzö­sis­chen aus dem 18. Jahrhun­dert ein Ver­falls­da­tum hat. Der heutige Inhab­er muss also wom­öglich recht bald erneut seine Anhänglichkeit durch Koop­er­a­tion unter Beweis stellen, wenn er nicht auf die Seite der „Ver­räter des Vater­lan­des“ wech­seln möchte und so Teile sein­er Grun­drechte doch noch verliert.

Wo stehen wir eigentlich?

Mit kleinen Abstu­fun­gen wis­sen wir auch über 500 Tage nach dem ersten Lock­down noch immer nicht genau, wo wir ste­hen. Wie sich­er die meis­ten hat­te ich aber lange Zeit die Hoff­nung, die Entwick­lung wirk­samer Impf­stoffe würde uns nach einem Jahr wieder in frei­heitliche Bah­nen lenken. Die Hoff­nung habe ich zwar noch nicht aufgegeben, aber mein Ver­trauen in die Poli­tik von Bun­des- und Lan­desregierung oder gar in die EU ist mit­tler­weile rest­los aufge­braucht. Das Bild vom ver­wüsteten Fluss­bett, dass ich am Anfang bemühte, erscheint mir ganz passend. Denn die Gewis­sheit, dass die Poli­tik bei all ihren Irrtümern nie den einzel­nen Bürg­er aus dem Blick ver­liert, dessen Dien­stleis­ter er ist, ist aus­geris­sen und kann nicht so schnell wieder nachwach­sen. Wer nun denkt, wir hät­ten unsere Frei­heit eben nur mal kurz gegen Sicher­heit einge­tauscht, über­schaut die Lage nicht vollständig.

Schon die medi­zinis­che Sicher­heit ist eine Illu­sion. Erste Ärzte verkün­den, keine Ungeimpften mehr zu behan­deln, die Über­trag­barkeit neuer Virus-Vari­anten wird von der Imp­fung nicht oder kaum bee­in­flusst, die Drittimp­fun­gen haben begonnen. Aus Israel, dem Vor­re­it­er der Covid-Imp­fung, wer­den bere­its Erkrankun­gen trotz des soge­nan­nten „Booster“-Shots gemeldet. Vol­lkom­men ver­schwun­den ist hinge­gen für viele die Sicher­heit bezüglich der eige­nen Leben­s­pla­nung. Wer kauft schon heute Konz­ertkarten für ein Event, dass im Novem­ber stat­tfind­en soll? Wer bucht Urlaub in einem Land, die mor­gen schon zum Hochrisiko­ge­bi­et erk­lärt wer­den kann? Wer ken­nt sich noch aus mit den einzel­nen Coro­na-Maß­nah­men im Han­del oder muss fest­stellen, dass dort teil­weise noch Regeln ver­langt und durchge­set­zt wer­den, deren aus­lösende Inzi­den­zen und Beschlüsse längst Geschichte sind? Nie­mand stellt das mehr in Frage, kaum jemand protestiert im All­t­ag, die Kun­den sind so müde gewor­den wie das Per­son­al, dass in der gesamten Repub­lik (außer teil­weise in Sach­sen) noch immer hin­ter seinen Masken vor sich hin schwitzt – selb­st dann, wenn die wie ein Weihrauch­fass durch die Medi­en geschwenk­te Inzi­denz kaum noch glimmt und ein­stel­lige Werte zeigt.

Man hat sich an die Vor­gaben gehal­ten, war anfangs sog­ar froh, dass es „Mach­er“ wie diesen König Markus gab, der zwar im Grunde auch nichts wusste, aber han­delte, anord­nete, forderte. Wie ein Uhrw­erk set­zten sich diejeni­gen in Bewe­gung, die in die Poli­tik gegan­gen waren, „um zu gestal­ten“. Was für ein Fest für eine von ihrer Macht berauschte Leg­isla­tive! Und gestal­tet haben sie. Mit dem Ziel, die Kurve „abzu­flachen“ und das Gesund­heitssys­tem nicht zu über­las­ten, wurde das Leben der Men­schen immer weit­er einge­hegt. Dem ver­meintlichen Leben­sret­ter über­re­ichte der Bürg­er die Schlüs­sel zu allen Bere­ichen seines Lebens und es muss bezweifelt wer­den, dass er sie frei­willig und voll­ständig zurück erhält.

Man hielt Abstand, gab nie­man­dem mehr die Hand, umarmte nicht, trug Maske, arbeit­ete im Home-Office, sagte die Fam­i­lien­feier ab, ver­lor ein Schul­jahr im dig­i­tal­en Wun­der­land, besuchte die betagten Eltern nicht mehr, um sie zu schützen. Manche Men­schen gin­gen monate­lang nicht vor die Tür. Mit anderen Worten: man betrieb Risiko­min­imierung, weil man – mit Abstu­fun­gen – die Krankheit ernst nahm. Die Hor­ror­bilder aus Chi­na oder Nordi­tal­ien und die vie­len Geschicht­en aus dem Paulan­er­garten mit all den plöt­zlich und ohne Vor­erkrankun­gen tot umfal­l­en­den Kernge­sun­den wur­den nie offiziell demen­tiert oder in einen real­is­tis­chen Kon­text geset­zt. Sie waren ein­fach zu nüt­zlich bei der Volk­serziehung. Wusste nicht schon der ehe­ma­lige Chef der EU-Kom­mis­sion Junck­er, dass man lügen muss, wenn’s drauf ankommt? Immer noch kann man offiziell zwar mit oder an Coro­na ster­ben, das Risiko, durch die uner­wün­scht­en Neben­wirkun­gen nicht voll­ständig zuge­lassen­er Impf­stoffe zu Schaden zukom­men, fällt jedoch vol­lkom­men unter den Tisch.

Dabei wis­sen wir aus neueren Stu­di­en (oder kön­nten wis­sen), dass die Wirk­samkeit von Bion­tec, Mod­er­na und Co. nur in Bezug auf die eigentlichen Ziel­grup­pen, also beson­ders gefährdete Men­schen, bei opti­mistis­chen 90–95% liegt. Über den Bevölkerungs­quer­schnitt mit sehr unter­schiedlichen Lebenssi­t­u­a­tio­nen schnur­rt der Schutzgewinn auf wenige Prozent zusam­men. Laut ein­er im „The Lancet“ veröf­fentlicht­en Studie muss man beispiel­weise mit Pfizer/Biontec sta­tis­tisch gese­hen 119 Men­schen impfen, um eine weit­ere Über­tra­gung zu verhindern.

Nun kann man argu­men­tieren, dass jedes Leben zählt (oder jede Infek­tion, die ja bekan­ntlich nicht immer das Leben kostet) und wenn man die ganze Welt impfen müsste, um ein Leben zu ret­ten, dann…nein, so funk­tion­iert das lei­der nicht. Son­st müssten wir angesichts von mul­tire­sisten­ten Keimen, ärztlichen Kun­st­fehlern, Haushalt­sun­fällen und tausend anderen „nicht hin­nehm­baren“ sta­tis­tis­chen Unge­heuer­lichkeit­en das Leben ganz aufgeben. Risikoab­schätzung ist dur­chaus staatliche Auf­gabe, wo es um all­ge­meine Risiken oder äußere Bedro­hun­gen geht. Ja, auch die Abwehr ein­er Pan­demie gehört dazu. Die Vor­bere­itung auf Extremwet­ter übri­gens auch. Die per­sön­lichen Risiken muss jedoch jed­er selb­st oder in Absprache mit Fam­i­lie und hinzuge­zo­ge­nen Experten (Ärzte, Apothek­er, Ver­sicherun­gen, Stunt­man, Avon-Bera­terin…) tre­f­fen. Das gilt auch für Imp­fun­gen. Staatlich­er Druck und Repres­sio­nen bewirken eher das Gegen­teil dessen, was sie beab­sichti­gen, wie man in Aus­tralien derzeit gut beobacht­en kann. Fak­tisch ste­ht das Land unter Kriegsrecht, das Mil­itär assistiert der Polizei in den Städten bei der Durch­set­zung der an Hausar­rest gren­zen­den Coro­na-Regeln in aus­gewählten Stadtvierteln. Und das bei ein­er 7‑Tage-Inzi­denz von 9, man beachte die Skala im Bild. Trotz des unglaublichen Drucks der Regierung liegt die Impfquote für Aus­tralien bei unter 20%…woran das wohl liegen könnte?

Quelle: https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/australien/

An dieser Stelle zitiere ich immer wieder gern F.A. von Hayek, der diese uns staatlich übergestülpte Dien­stverpflich­tung namens “Sol­i­dar­ität” eines jeden gegenüber jedem selb­st gegen seinen Willen wie fol­gt beschrieben und abgelehnt hat:

„Ein all­ge­mein­er Altru­is­mus ist aber sinn­los. Nie­mand kann sich wirk­lich um alle anderen küm­mern. Die Ver­ant­wor­tung, die wir übernehmen kön­nen, müssen immer par­tikulär sein, sie kön­nen nur jene betr­e­f­fen, von denen wir konkrete Tat­sachen wis­sen und mit denen wir uns entwed­er durch Wahl oder beson­dere Umstände ver­bun­den fühlen. Es gehört zu den fun­da­men­tal­en Recht­en und Pflicht­en eines freien Men­schen, zu entschei­den, welche und wessen Bedürfnisse ihm am wichtig­sten erscheinen.“ (Aus „Die Ver­fas­sung der Frei­heit“ S. 98, gefun­den in „Philoso­phie der Frei­heit“, Haber­mann, S. 22)

Eine Impf­pflicht gegen die eigene Risikoab­schätzung zugun­sten eines “höheren Wohls” schließt das aus. Das schnip­pis­che „es ist doch gar keine Pflicht” kön­nt ihr euch sparen. Die Beto­nung liegt bei Hayek auf „Wahl oder beson­dere Umstände“ es geht den Staat schlicht nichts an, wie jemand zu ein­er Entschei­dung oder Wahl gelangt. Für gewöhn­lich inter­essieren die Gründe für eine Wahl den Staat auch nicht. Solange es nur die ver­meintlich richtige Wahl ist, ist ihm das Kom­pe­ten­zlev­el des Wäh­lers egal, das zur Entschei­dung geführt hat. Ist erst der Weg zum autoritären Staat beschrit­ten, hat der Bürg­er fak­tisch keine Wahl mehr, selb­st wenn er Kom­pe­tenz hätte.

Die etwas anderen Analogien

Nicht nur ich neige dazu, die Gegen­wart mit Hil­fe von Exem­peln aus der Geschichte ver­ste­hen zu wollen. Der Men­sch ist gut im Erken­nen von Mustern, die er zu Erfahrun­gen und Vorurteilen verdichtet. Doch wo ich nach ver­gle­ich­baren Exper­i­menten von Staat­en suche, die sie mit ihren Bürg­ern ver­anstal­teten, suchen die Befür­worter des aktuellen Aus­nah­mezu­s­tands in der Anmaßung und der Über­grif­figkeit der Poli­tik nach dem Nor­malen und der Ratio. Wenn etwa Anette Dowideit in der Welt zu dem Schluss kommt, die Mark­twirtschaft sei am Werk, wenn der 1. FC Köln nur noch Karten an Geimpfte verkauft (mit einem kleinen Kontin­gent für Getestete), ist das ein­fach nur albern. Der Markt regelt im Fußball vielle­icht die Preise der Ein­trittskarten und die Ablös­esum­men der Spiel­er, schließt aber keine Kun­den aus. Nur weil der Vere­in oder eine Fir­ma in der Pri­vatwirtschaft und nicht beim Staat ange­siedelt ist, ver­hält er sich nicht automa­tisch mark­twirtschaftlich, wenn Sank­tio­nen oder Sub­ven­tio­nen (direkt oder indi­rekt) im Spiel sind.

Noch dick­er trägt Fernse­hdok­tor Eckart von Hirschhausen in seinem „Impf­buch für alle“ auf, einem vom Gesund­heitsmin­is­teri­um finanzierten und in den Apotheken „kosten­frei“ erhältlichen Buch, das auch als PDF und Hör­buch ver­füg­bar ist. Man hat keine Kosten gescheut, das scheue Reh namens “Impfgeg­n­er” zu lock­en! Zwar sind unbe­strit­ten viele inter­es­sante und wert­freie Fak­ten zu Imp­fun­gen im All­ge­meinen enthal­ten, die Coro­na-Imp­fung jedoch wird in eine Rei­he mit all den anderen gut getesteten, reg­ulär zuge­lasse­nen und bewährten Vakzi­nen gestellt, in die sie zumin­d­est momen­tan noch nicht gehört. Ich weiß nicht, welche Facharz­taus­bil­dung Hirschhausen genossen hat, aber Orthopädie wird es nicht gewe­sen sein, denn seine Ver­gle­iche hinken gewaltig, weil er die Imp­fun­gen gegen Pock­en, Tuberku­lose, Masern und Covid-19 argu­men­ta­tiv zusammenrührt.

Auch seine Vertei­di­gung des Staates, der die Entschei­dungs­frei­heit in allen möglichen Feldern begren­zen dürfe, ist schwach. Man könne sich zum Beispiel nicht frei entschei­den, ob man links oder rechts auf der Straße fahre, schreibt er. Streng genom­men ist das falsch, man kann dies tun. Doch der Ver­gle­ich führt uns direkt ins Zen­trum des Prob­lems, näm­lich zum Risiko. Das ist näm­lich für einen Falschfahrer auf der A8 weitaus größer als für einen ungeimpften Lit­er­at­en auf Hel­goland, dessen einzige Kon­tak­te zur Außen­welt das Inter­net, der Post­bote und der Piz­za­liefer­di­enst sind. Der Men­sch ist ja nicht blöde, auch wenn er von unser­er Regierung und ihren Ver­gle­iche-Liefer­an­ten gern dazu gemacht wird.

Die Qual­ität von Regeln ist auch eine Frage der Empirie. Gute Poli­tik macht sin­nvolle Regeln und die Straßen­verkehrsor­d­nung ist voll von sin­nvollen Regeln! Ich habe auch noch nie­man­den gegen die Vor­fahrt­sregeln demon­stri­eren oder “quer­denken” sehen. Nicht sin­nvoll ist hinge­gen so gut wie alles, was uns an Gren­zw­erten, Schwellen­inzi­den­zen, Impfver­sprechen und Ein­schränkun­gen in Sachen Covid zuge­mutet wird. Es ergibt nur lei­der keinen Sinn mehr, sich mit Leuten, die mit FFP2-Maske Fahrrad oder allein Auto fahren, über Empirie und Entschei­dungs­frei­heit zu unterhalten.

Aber ich will nicht uner­wäh­nt lassen, dass auch Eckart von Hirschhausen in seinem Buch sog­ar gute und richtige Schlüsse zieht. Etwa auf Seite 70: „Denn irgend­wann ist der Zeit­punkt erre­icht, zu dem jede Per­son die geimpft wer­den möchte, auch geimpft wurde. Bei der COVID-19-Pan­demie dürfte es in Deutsch­land im Herb­st 2021 so weit sein […] Wenn dieser Zeit­punkt erre­icht ist, geht von Ungeimpften kein Risiko mehr für die Gesellschaft aus, son­dern nur noch für sie ganz per­sön­lich.“ (kur­sive Her­vorhe­bun­gen von mir)

Sie sehen also, liebe Leser, das “Impf­buch für alle” wurde vor der Min­is­ter­präsi­den­tenkon­ferenz vom 10.8. fer­tig und Herr von Hirschhausen wusste noch nichts vom Beschluss unseres Wohlfahrt­sauss­chuss­es, das gesellschaftliche Leben der Ungeimpften kün­ftig „vom Markt regeln“ zu lassen, wie die Welt-Autorin von weit­er oben wohl sagen würde. Sobald diese „Sozialschmarotzer“ von Impfver­weiger­ern sich die Testerei näm­lich nicht mehr leis­ten kön­nen, wird sie ihre Ren­itenz gegen staatliche Anord­nun­gen schon schmer­zlich genug ein­schnüren. Hun­dert­tausende frisch ernan­nte Hil­f­spolizis­ten warten nur darauf, sie gemäß der Beschlüsse belehren zu dür­fen. Gemäß der sozial­is­tis­chen Def­i­n­i­tion von „Frei­heit“, welche ange­blich zu 3% aus Mei­n­ungs­frei­heit, 2% Berufs­frei­heit und 1% Reise­frei­heit beste­ht. Der Rest sind Sachzwänge. Die Risikobe­w­er­tung des Fernse­hdok­tors wird sich also für Ungeimpfte gewiss noch ändern.

Nun habe ich es also doch geschafft, wieder mal mit­ten hineinzus­prin­gen in den hüftho­hen Dreck aus Regierungsver­sagen und Poli­tikan­maßun­gen in Sachen Coro­na. Lei­der wirken bei Aufen­thal­ten in diesen poli­tis­chen Abgrün­den keine Imp­fun­gen. Im Gegen­teil, die Symp­tome des Wahnsinns, die einen bei Berührung dieses The­mas ansprin­gen, wer­den immer schlim­mer. Ich hoffe, zumin­d­est psy­chi­a­trische Behand­lun­gen sind noch im Kassen­beitrag inbe­grif­f­en. Die wer­den wir näm­lich bald alle brauchen, Geimpfte wie Ungeimpfte.

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19 Kommentare

  1. Mir fällt ein Zitat von Hans Mag­nus Enzens­berg­er, der 2014 im Feuil­leton der FAZ (zwar in einem anderen Kon­text, aktuell aber wieder sehr tre­f­fend ) sagte: »Der Schlaf der Ver­nun­ft wird bis zu dem Tag anhal­ten, an dem eine Mehrheit der Ein­wohn­er unseres Lan­des am eige­nen Leib erfährt, was ihnen wider­fahren ist. Vielle­icht wer­den sie sich dann die Augen reiben und fra­gen, warum sie die Zeit, zu der Gegen­wehr noch möglich gewe­sen wäre, ver­schlafen haben.«

  2. Ihr Artikel ist richtig gut. Und er ist wichtig nicht etwa, weil er Neues ver­bre­it­et, son­dern weil er ein wenig das Gefühl der Ohn­macht lin­dert. Es ist gar nicht in erster Lin­ie der Staat, dem man wegen seines Betrugs oder wenig­stens sein­er unwissentlichen oder in guter Absicht betriebe­nen Maß­nah­men gegen Ander­s­denk­ende verurteilen muss (vom pos­i­tivsten Möglichen aus­ge­hend), son­dern es sind die Men­schen, die derzeit außer Rand und Band ger­at­en sind und sich langsam aber stetig zu einem Marsch zusam­men­find­en, der, wür­den Ungeimpfte in bes­timmten Stadtvierteln leben, als Pogrom enden würde. Im All­t­ag haben Begriffe wie “asozial” und “Abschaum” längst Einzug erhal­ten, die im Nach­hinein durch Brinkhausens Het­ze legit­imiert wur­den. Es ist die Panik ein­er Rinder­herde (Flucht­tiere), die die Rinder während eines Runs nicht bemerken lässt, wie sie ges­trauchelte eigene Artgenossen oder sog­ar Ver­wandte tot­tram­peln. Alles, was zufäl­lig ihren Weg kreuzt oder was sich bewusst ihm ent­ge­gen­stellt, wird niederg­er­an­nt. Dahin­ter steckt nicht ein­mal böse Absicht, im Gegen­teil, der Fluchtin­stinkt der Herde dient dem Schutz eines jeden Mit­glieds, dient dem Über­leben aller. Und doch nutzt dieser Instinkt dann nur wenig, wenn die Herde in ihrem Run auf einen Abgrund zusteuert.

    Trotz unser­er Intel­li­genz zeigt sich gegen­wär­tig wie wir jedem anderen sozialen Lebe­we­sen auf der Erde gle­ichen. Evo­lu­tionär sind wir eine Spezies unter vie­len, und wenn man mal ein paar Schritte zurück tritt, um das ganze Bild zu betra­cht­en (qua­si aus dem Orbit mit hochau­flösenden Kam­eras auf die Erde blickt), noch dazu den Zeitraf­fer im Gehirn bemüht, dann wird deut­lich, wie weltweit eine wabernde Masse men­schlich­er Pop­u­la­tion zunimmt, sich aus­bre­it­et und alles andere ver­drängt. Das kann aus der Ferne nicht als Kon­se­quenz indi­vidu­eller Entschei­dun­gen aus­gemacht wer­den, erst recht nicht, wenn der Zeitraf­fer 100 Jahre in ein­er Sekunde abbildet. Somit erken­nen wir hoch oben im Orbit nur die “größeren Zusam­men­hänge”. Wenn eine Pop­u­la­tion zu groß ist, sor­gen natür­liche Umstände für ihr Eindäm­men. Aus solchen Mech­a­nis­men hat uns die Intel­li­genz befre­it, glauben wir, doch wie ein solch­er Kipp­punkt eigentlich genau und vom Nahen betra­chtet langsam in Zeitlupe aussieht, das erleben einige vielle­icht ger­ade, die sich noch nicht oder erst zöger­lich dem Run der Herde anschließen. Kön­nte es nicht eine solche glob­ale Hys­terie sein, die als natür­lich­er Eindäm­mung­sprozess am Ende dem Fortbe­stand der Spezies dient? Wer in diesem Fall die Geimpften und die Nicht­geimpften sind, das über­lasse ich gerne der Fantasie.

  3. Der Coro­n­a­grusel lässt nach, aber man kann immer noch mehr ver­sich­ern und gegen Schaden “gemein­sam stark sein”. Im Moment ist die Flut-Vor­sorge-Kern-alles-Dings­bums-Vol­lka­sko der Ren­ner in den Medi­en. Die muss natür­lich “angesichts des Kli­mawan­dels” staatlich befohlen wer­den. Ohne Ver­sicherungszwang haben son­st am Ende “die Men­schen”, die am oder im Fluss ihr Haus gebaut haben, öfter Flutschä­den zu bezahlen als die Bürg­er, die auf einem Hügel wohnen. Die machen den schlanken Fuß! Unsol­i­darisch! Da muss die Baer­bock ran! 

    Gegeben der Gren­zen des Mei­n­ung­shor­i­zonts kann man das besten­falls noch abwen­den, wenn man laut und deut­lich ruft, dass jemand, der an Flüssen statt an Win­drädern siedelt, es eigentlich gar nicht bess­er ver­di­ent hat! Ha!

    2015 haben wir nicht ein­mal die Frei­heit der Sicher­heit geopfert und dabei bei­des ver­loren, son­dern haben die Frei­heit für die Unsicher­heit wegegeben. Das ist so blöd, dass wed­er Ben­jamin Franklin noch Thomas Jef­fer­son drauf gekom­men wären. 

    Mir ist auch nicht klar, warum man sich noch nicht mal aus Eigen­in­ter­esse impfen darf, wenn man denn will. Dieses Getue, dass man alles immer nur für andere täte, geht doch auf keine Kuh­haut. Man lässt sich impfen, weil man sich selb­st etwas davon erhofft und lässt dann, bitte, andere in Ruhe! Diese per­ma­nente Vernei­n­ung des Eigen­in­ter­ess­es als etwas anrüchiges stinkt nach Kom­mu­nis­mus und ich weiß auch nicht, warum ich sehe, was so viele offen­bar partout nicht sehen.

  4. „Wozu also beschreiben, was jed­er sieht? Wozu vor etwas war­nen, was ver­loren und begraben scheint und offen­bar nur von weni­gen ver­misst wird? Wozu über­haupt noch über Frei­heit nach­denken…?“. Oder um mit den Worten (in ein­er Welle der Res­ig­na­tion über die Verge­blichkeit allen Strebens über­schwemmten) Patrick Süskinds zu fra­gen: „…Wozu denn lesen, wenn ich doch weiß, dass nach kürzester Zeit nicht ein­mal mehr der Schat­ten ein­er Erin­nerung zurück­bleibt? Wozu denn über­haupt etwas tun, wenn alles zu nichts zer­fällt? Wozu denn leben, wenn man ohne­hin stirbt?“. Sehr geehrter, lieber Herr Letsch (und ich hab‘ mich extra angemeldet, um dies hier zu äußern): Genau deswe­gen! Und jet­zt werde ich mir Kurt Cobain in seinem Kranken­hausleibchen reinziehen. Live At Read­ing 1992. Auf den Wahnsinn!

  5. Ja, klare, schon nahezu dystopis­che Worte, die all das aus­drück­en was ich mich kaum zu denken getraue weil ich son­st in Depres­sio­nen versinke. Ich hoffe inständig, das diese “Rev­o­lu­tion” bald ihre Kinder (Anzettler) frisst und bin bald soweit das ich mithelfe am Strick zu ziehen.

  6. Danke für diese abso­lut klaren Worte über diesen im Grunde nicht beschreib­baren Irrsinn! Es mildert die per­sön­liche Ohn­macht oder die Hoffnungslosigkeit!

  7. “Das Schreiben fällt mir immer schwerer.”

    Es ist schön, dass Men­schen was in Worte fassen kön­nen, wo mir der Ver­stand ver­sagt. Wo man nicht begreifen kann, was da täglich stattfindet.
    Selb­st hier in West­ern Aus­tralia (2011 aus­ge­wan­dert) will kaum ein­er begreifen, dass auch ein gold­en­er Käfig ein Käfig ist!

    • Perth, das war in meinem Kopf immer sowas wie die finale Not­bremse, um aus diesem Wahnsinnskarus­sell hier auszusteigen. Eine mit­tel­große Stadt, so weit weg von allen großen Hort­en des Wahnsinns auf dieser Welt wie es nur geht… Von den admin­is­tra­tiv­en Schwierigkeit­en sieht man in seinen Träu­men ja nichts. Nun frage ich mich langsam, ob die mir so grund­sät­zlich sym­pa­this­chen Aus­tralier den Ver­stand ver­loren haben. Es ist ein Trauer­spiel. Bleiben Sie tapfer, lieber Herr Jahn!

  8. „Nur wo der gesunde Men­schen­ver­stand seinen Sinn ver­loren hat, kann ihm die total­itäre Pro­pa­gan­da unges­traft ins Gesicht schla­gen.” Han­nah Ahrendt

  9. Her­vor­ra­gen­der Artikel oder vielmehr Essay, der eines mein­er Haupt­the­men, näm­lich eine kri­tis­che Abwä­gung des Zeital­ters der Aufk­lärung, ins Felde führt und welch­er mich in mein­er eige­nen Arbeit ein großes Stück vor­wärts gebracht hat.
    Im Grunde genom­men ist es der beste pub­lizierte Beiträg, den ich zu dem The­menkom­plex Covid und Imp­fung bish­er gele­sen habe.
    Gut, dass sie ihre Schreib­block­ade über­wun­den haben — an der Über­win­dung der meinen arbeite ich noch.

  10. Ich teile Ihren Pes­simis­mus dur­chaus. Nur eine Sache zur Ergänzung: die char­gen­num­mer des Impf­stoffs nützt nix da ja ver­traglich die Her­steller von jeglich­er Haf­tung befre­it wur­den. Und auch der Staat sich durch aller­lei nette juris­tis­che Winkelzüge raus hält. Spätestens an der Stelle kommt die soge­nan­nte Eigen­ver­ant­wor­tung wieder unter dem ablagemö­bel hervor.

    • Bei den Coro­na-Impf­stof­fen ist das so. Aber bei “nor­malen” Imp­fun­gen hil­ft die Num­mer, nachzu­vol­lziehen, was man eigentlich bekom­nen hat (wenn man es über­haupt bekom­men hat, wie der aktuelle fall aus Fries­land zeigt). Wenn der Staat eine echte Impf­PFLICHT ver­hängt wie einst gegen Pock­en oder lokal gegen Masern, sieht das mit der Haf­tung schon wieder ganz anders aus. Aber es ist schon richtig: man ver­sucht, die “Frei­willigkeit” zu erzwin­gen, um nicht in die Haf­tung zu kommen.

  11. Ich kann Ihre Niedergeschla­gen­heit gut ver­ste­hen, Herr Letsch ‚Sie und Ihre Kol­le­gen laufen ver­bal ständig gegen Gummiwände.Was ich ein­fach nicht ver­ste­he ‚ist, warum so viele Men­schen ( auch intel­li­gente, oder ger­ade intel­li­gente?) diesen Irrsinn kla­g­los mittragen.
    Viele Grüße aus dem son­ni­gen Kroa­t­ien, wo die Men­schen größ­ten­teils masken­los ihr Leben genießen und ich mir ein gutes Ner­venkostüm für die Rück­kehr nach Deutsch­land zulege.

  12. Wozu also beschreiben, was jed­er sieht? Wozu vor etwas war­nen, was ver­loren und begraben scheint und offen­bar nur von weni­gen ver­misst wird? Wozu über­haupt noch über Frei­heit nachdenken…?

    Doch, es muss sein. 

    Diese Kako­phonie der Selb­st­gerecht­en, der selb­ster­nan­nten Warn­er und “Beschützer”, der uns von den Grun­drecht­en befreien­den Apolo­geten der Coro­na­maß­nah­men, der Propädeuten “der Wis­senschaft”, der ein­seit­ig erblind­e­ten Juris­ten, der Unfähi­gen, Über­forderten und sich selb­st Über­schätzen­den, der Morala­pos­tel und Wel­tun­ter­gang­spropheten — sprich Leg­isla­tive, Exeku­tive, Judika­tive und Main­streamme­di­en — ist ein­fach nicht mehr auszuhal­ten. Am lieb­sten möchte man laut loss­chreien. Sie haben diesen Auf­schrei in sehr wahren Worte gepackt, Herr Letsch. Dafür vie­len Dank

  13. Frei­heit und Frei­willigkeit bedin­gen einan­der. Wer die Frei­willigkeit beschränkt, der zer­stört auch die Frei­heit. Genau dies geschieht ger­ade scheibchenweise.

  14. “Die Coro­na-Poli­tik der Bun­desregierung ver­sucht, ein Land zu ret­ten, indem sie alles, was es zusam­men­hält, zugrunde richtet.”
    Das fasst Ihre ganze, tief­trau­rige, her­vor­ra­gende Analyse bündig zusam­men. Ich kann sie als schreiben­der Kol­lege bis in die let­zte Pore nachempfinden.
    Über Don Cor­leone musste ich trotz­dem kurz lachen.

      • Aber bitte mit Abstand und Vor­weis eines 3 G Nach­weis­es. Ich pro­biere es zur Zeit eher mit Weinen. Geht ange­blich ohne 3 G. Herr Letsch, wenn Sie ein Impf­stoff wären, möchte ich der Erste sein!

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