Das Schrei­ben fällt mir immer schwe­rer. Anfangs habe ich das für ein Zei­chen von Urlaubs­rei­fe oder Schreib­blo­cka­de gehal­ten. Doch sobald ich mich auf eher klei­ne, schein­bar neben­säch­li­che Bege­ben­hei­ten stür­zen kann und dort­hin bli­cke, wo sich der rie­si­ge Berg aus Ideo­lo­gie und fal­scher Poli­tik am Rand nur lang­sam in die wehr­lo­se Rea­li­tät hin­ein frisst, fällt mir das Schrei­ben selt­sam leicht. Nur dort, wo der Berg schon zu hoch für einen Wan­de­rer und der Gestank zu groß ist, miss­lin­gen mir neu­er­dings Ver­su­che der Beschrei­bung und Ein­ord­nung. Ich kann mit Spaß und Sar­kas­mus über die Spei­se­kar­te bei VW oder den Ver­such berich­ten, ein Stra­ßen­schild in Gar­ching von Erich Käs­t­ner zu befrei­en, wenn es jedoch um die gro­ßen poli­ti­schen Anma­ßun­gen und Zumu­tun­gen geht, erlahmt mir die Hand. Viel­leicht weil ich den­ke, die­sen Unrat rie­che doch ohne­hin jeder und jeder müs­se mitt­ler­wei­le mer­ken, dass er sei­ne Füße nicht mehr sau­ber und selbst­be­stimmt vor­ein­an­der set­zen kann. Wozu also beschrei­ben, was jeder sieht? Wozu vor etwas war­nen, was ver­lo­ren und begra­ben scheint und offen­bar nur von weni­gen ver­misst wird? Wozu über­haupt noch über Frei­heit nachdenken…?

Nur hier und da ist viel­leicht noch eini­ges zu ret­ten, wenn man nur ent­schlos­sen dage­gen ankämpft…und dann ist die Gele­gen­heit vor­bei, die nächs­te selt­sa­me 16+1‑Konferenz der Gran­den die­ser Repu­blik vor­über, der Kater gekämmt, das Kind im Brun­nen, das nächs­te Stück­chen Frei­heit unter Schlamm begra­ben, der schnell trock­net und zu Gewohn­heit und Stumpf­sinn aus­här­tet. Die Hoff­nung liegt nur noch in den Ris­sen, die sich immer deut­li­cher auf der Krus­te zei­gen und im Ver­bor­ge­nen wach­sen. Die Fle­xi­bi­li­tät des „Flus­ses“ Poli­tik mit all den Wir­beln und Schlei­fen, über wel­che die Was­ser der jün­ge­ren Geschich­te in die­sem Land ver­füg­ten, ist end­gül­tig einem zähen Ein­heits­brei gewi­chen, der stur­heil in eine Rich­tung fließt.

Selbst die geschick­tes­ten poli­ti­schen Wel­len­rei­ter sind mit weni­gen Aus­nah­men zu Prin­zi­pi­en­rei­tern gewor­den. Hin­der­nis­se und Wider­sprü­che wer­den zuge­deckt und begra­ben, wenn sie klein sind oder nach­dem sie zu Klein­holz gemacht wur­den. Unter­des­sen steigt der poli­ti­sche Schlamm an den gro­ßen Wider­stän­den hoch, unfä­hig, die Rich­tung zu ändern oder an den Sei­ten nach neu­en Wegen zu suchen. Man. Will. Da. Durch! Hin­ter sich das zer­stör­te Fluss­bett des Ver­trau­ens und des Gemein­schafts­ge­fühls, vor sich ein Pro­blem, mit dem fer­tig zu wer­den man nicht in der Lage ist. Und doch rennt man immer wei­ter an gegen die Rea­li­tät, der man nicht aus­wei­chen kann, weil man sie für eine Illu­si­on hält. Vor­ne­weg: Mar­kus Söder, der Mär­chen­kö­nig, dem wohl als ers­tem über­haupt ein Prin­zi­pi­en­rei­ter­stand­bild errich­tet wer­den wird. Die Coro­na-Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung ver­sucht, ein Land zu ret­ten, indem sie alles, was es zusam­men­hält, zugrun­de richtet.

Die Freiheit schleicht zum Schafott

Ana­lo­gien drän­gen sich auf, auch wenn sie weni­ger als Scha­blo­nen für die kon­kre­ten Vor­gän­ge tau­gen, son­dern ledig­lich die ver­häng­nis­vol­len Mecha­nis­men ver­deut­li­chen, wel­che die einen freu­dig auf­grei­fen, wäh­rend die ande­ren dar­un­ter zu lei­den haben. Ich über­sprin­ge hier die Mons­tro­si­tä­ten in der deut­schen Geschich­te, die­se Ver­glei­che sind mir zu infla­tio­när. Gehen wir zurück in die Schluss­pha­se der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, ins Jahr 1794, als Robes­pierre „die Tugend und den Ter­ror“ auf die Tages­ord­nung gesetzt hatte.

Die vom Kon­vent aus­ge­ar­bei­te­te Ver­fas­sung von 1793 war nicht in Kraft gesetzt wor­den und statt der gewähl­ten Volks­ver­samm­lung herrsch­te de fac­to der Wohl­fahrts­aus­schuss, der die Abge­ord­ne­ten an der kur­zen Lei­ne führ­te und ihnen die Dekre­te dik­tier­te, die man zu ver­ab­schie­den habe. Auch wenn mir die Gren­zen des Ver­glei­ches durch­aus klar sind, erin­nert das doch unan­ge­nehm an die im Grund­ge­setz nicht vor­ge­se­he­nen „Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz“, die heu­te kaum anders vor­geht und kaum bes­ser legi­ti­miert ist. Den guten Zweck führ­te der Wohl­fahrts­aus­schuss in Frank­reich indes schon im Namen, wäh­rend die Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz wil­li­ge Herol­de in den Medi­en braucht, die ihre „Beschlüs­se“ affir­ma­tiv aus­po­sau­nen, als kämen sie aus den Parlamenten.

Der Tugend­haf­te von damals för­der­te die Revo­lu­ti­on nach Kräf­ten, der von heu­te ist geimpft oder lässt sich schleu­nigst imp­fen. Wem es an auf die­se Wei­se defi­nier­ter Tugend fehlt, der wird ins Abseits gestellt, dop­pelt zur Kas­se gebe­ten und bestraft. Das Gesetz, dem­zu­fol­ge die „Fein­de des Vater­lan­des kei­nen Besitz in ihm haben dür­fen” hat­te in Frank­reich der Erz­re­vo­lu­tio­när Saint-Just ein­ge­bracht, wäh­rend die Fein­de von heu­te für die obli­ga­to­ri­sche Tests und die Poli­tik zu ihrer Aus­gren­zung nur dop­pelt zur Kas­se gebe­ten wer­den, da sie über Steu­ern und Abga­ben für den abge­lehn­ten Impf­stoff und die Kam­pa­gne zu des­sen Durch­set­zung mit zah­len dür­fen. So viel zur sehr ein­sei­ti­gen Soli­da­ri­tät, die man den Ver­wei­ge­rern der guten Sache ent­zie­hen will. Der fran­zö­si­sche Bür­ger im Jahr 1794 war sich übri­gens nie sicher, ob er der Revo­lu­ti­on schon genug gedient hat­te oder ob nicht ein Nach­bar noch eif­ri­ger nach dem Tyran­nen­blut der Ver­rä­ter rief und für lau­es Ver­hal­ten Rechen­schaft von ihm for­dern wür­de. Ob sich hier eine aktu­el­le Ent­spre­chung fin­den wird, muss wohl die Zeit erweisen.

Den Geimp­fen wer­den indes klei­ne Erleich­te­run­gen in Aus­sicht gestellt, sofern sie sich der neu­en Kon­troll­dok­trin unter­wer­fen und bei jeder Gele­gen­heit ihren Immu­ni­sie­rungs­nach­weis vor­zei­gen. Der Impf­aus­weis wird zur uni­ver­sel­len Ein­tritts­kar­te in die Gesell­schaft (oder doch zumin­dest in den unter­halt­sa­men Teil, denn arbei­ten darf der Unge­impf­te ja schon noch) und jeder Wirt, Kino­be­trei­ber oder Stra­ßen­bahn­kon­trol­leur ist nun zum Hand­lan­ger der Exe­ku­ti­ve, zum Hilfs­po­li­zis­ten ernannt. Ein Bür­ger­dienst, den sich der Staat nichts kos­ten las­sen muss. Das Gefäl­le an Pri­vi­le­gi­en zwi­schen geimpft und nicht geimpft genügt vor­erst als Antrieb.

Was soll schon sein, wird der eine oder ande­re jetzt den­ken. Einen Per­so­nal­aus­weis haben wir schließ­lich auch alle und wer ver­wei­gert am Flug­ha­fen das Vor­zei­gen sei­nes Pas­ses? Doch das sind staat­lich hoheit­li­che Auf­ga­ben, die von Poli­zei oder Zoll erle­digt wer­den – oder auch nicht erle­digt wer­den, wenn es in den poli­ti­schen Kram passt. Der neue Impf­aus­weis ist anders. Der alte, gel­be Impf­aus­weis dien­te der Selbst­ver­si­che­rung des eige­nen Impf­sta­tus, wäh­rend der neue digi­ta­le Impf­pass vor allem vor staat­li­cher Will­kür schützt. Nie­mand fälsch­te frü­her das gel­be Heft­chen. Wozu auch, es wäre Selbst­be­trug gewe­sen und der Arzt, der die elf Jah­re zurück­lie­gen­de Teta­nus-Imp­fung erneu­ern möch­te, wird kei­ne Gewalt anwen­den, wenn der Pati­ent dies nicht oder erst spä­ter wünscht.

Heu­te ent­schei­det der digi­ta­le Impf­pass nicht nur dar­über, ob man rei­sen kann. Er wird essen­zi­ell. Das macht Fäl­schun­gen erst rele­vant, denn er ist nicht mehr nur Erin­ne­rung an den eige­nen Immu­ni­täts­sta­tus und Beweis­mit­tel im Fall von Regress­for­de­run­gen gegen den Her­stel­ler der Char­ge des Impf­stoffs, son­dern in ers­ter Linie Zugangs­be­rech­ti­gung zur Außen­welt. Hat sich die Trenn­li­nie mit­tels Impf­pass erst eta­bliert, kann man jeder­zeit wei­te­re Fel­der defi­nie­ren, auf denen er benö­tigt wird.

Ganz ähn­lich funk­tio­nier­te wäh­rend der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on das „cer­ti­fi­cat de civisme“, der soge­nann­te Bür­ger­aus­weis. Aus­ge­stellt von Gemein­de­vor­ste­hern oder Über­wa­chungs­aus­schüs­sen – gern auf Emp­feh­lung eines ver­dien­ten Jako­bi­ners oder gar einem der „gro­ßen“ Revo­lu­tio­nä­re – attes­tier­te das Papier, dass der Trä­ger der Sache der Revo­lu­ti­on wohl geson­nen ist, sei­nen Bür­gereid geleis­tet und sei­ne Steu­ern bezahlt hat und somit ein aner­kann­ter Bür­ger sei. Ehe­ma­li­ge Ade­li­ge erhiel­ten den Aus­weis grund­sätz­lich nicht, aber die hat­ten ohne­hin kein Inter­es­se, eines der vie­len neu­en öffent­li­chen Ämter anzu­tre­ten, für die man einen Bür­ger­aus­weis anfangs brauch­te. Geimpft wer­den sie heu­te. Die Zivi­li­sa­ti­on macht immer­hin Fortschritte.

Spä­ter wei­te­te man die Wirk­sam­keit des „cer­ti­fi­cat de civisme“ Stück für Stück aus, bis sogar die dank Miss­wirt­schaft not­wen­di­ge Brot­kar­te für das schlech­te „Ein­heits­brot” in Paris nur noch mit dem Aus­weis gül­tig war. Kurz vor Ende der Schre­ckens­herr­schaft war der Besitz die­ses Papiers das Wich­tigs­te, was einen von Ver­haf­tung und der Guil­lo­ti­ne trenn­te. Jeder Bür­ger war berech­tigt, jeden ande­ren Bür­ger nach die­sem Aus­weis zu fra­gen und die Behör­den zu ver­stän­di­gen, wenn das Gegen­über kei­nen vor­zu­wei­sen hat­te. Dazu war kein Ver­ge­hen nötig, weil kei­nen Aus­weis zu besit­zen schon das Ver­ge­hen war. Der Aus­weis trenn­te Frank­reich scharf in gute und schlech­te Menschen.

Die Legi­ti­ma­ti­ons­nö­te fan­den (und fin­den) also nicht zwi­schen Bür­ger und Staat zu einem bestimm­ten Zweck statt, son­dern waren all­ge­mein und umfas­send. Die Über­tra­gung die­ser Mecha­nis­men ins Jahr 2021 über­las­se ich der Fan­ta­sie mei­ner Leser. Sol­che Dys­to­pien wer­den jeden­falls kaum ange­neh­mer, wenn man in Rech­nung stellt, dass heu­te kei­ne Guil­lo­ti­ne mehr in Betrieb ist oder dass der heu­ti­ge „Bür­ger­aus­weis“ im Unter­schied zu dem fran­zö­si­schen aus dem 18. Jahr­hun­dert ein Ver­falls­da­tum hat. Der heu­ti­ge Inha­ber muss also womög­lich recht bald erneut sei­ne Anhäng­lich­keit durch Koope­ra­ti­on unter Beweis stel­len, wenn er nicht auf die Sei­te der „Ver­rä­ter des Vater­lan­des“ wech­seln möch­te und so Tei­le sei­ner Grund­rech­te doch noch verliert.

Wo stehen wir eigentlich?

Mit klei­nen Abstu­fun­gen wis­sen wir auch über 500 Tage nach dem ers­ten Lock­down noch immer nicht genau, wo wir ste­hen. Wie sicher die meis­ten hat­te ich aber lan­ge Zeit die Hoff­nung, die Ent­wick­lung wirk­sa­mer Impf­stof­fe wür­de uns nach einem Jahr wie­der in frei­heit­li­che Bah­nen len­ken. Die Hoff­nung habe ich zwar noch nicht auf­ge­ge­ben, aber mein Ver­trau­en in die Poli­tik von Bun­des- und Lan­des­re­gie­rung oder gar in die EU ist mitt­ler­wei­le rest­los auf­ge­braucht. Das Bild vom ver­wüs­te­ten Fluss­bett, dass ich am Anfang bemüh­te, erscheint mir ganz pas­send. Denn die Gewiss­heit, dass die Poli­tik bei all ihren Irr­tü­mern nie den ein­zel­nen Bür­ger aus dem Blick ver­liert, des­sen Dienst­leis­ter er ist, ist aus­ge­ris­sen und kann nicht so schnell wie­der nach­wach­sen. Wer nun denkt, wir hät­ten unse­re Frei­heit eben nur mal kurz gegen Sicher­heit ein­ge­tauscht, über­schaut die Lage nicht vollständig.

Schon die medi­zi­ni­sche Sicher­heit ist eine Illu­si­on. Ers­te Ärz­te ver­kün­den, kei­ne Unge­impf­ten mehr zu behan­deln, die Über­trag­bar­keit neu­er Virus-Vari­an­ten wird von der Imp­fung nicht oder kaum beein­flusst, die Dritt­imp­fun­gen haben begon­nen. Aus Isra­el, dem Vor­rei­ter der Covid-Imp­fung, wer­den bereits Erkran­kun­gen trotz des soge­nann­ten „Booster“-Shots gemel­det. Voll­kom­men ver­schwun­den ist hin­ge­gen für vie­le die Sicher­heit bezüg­lich der eige­nen Lebens­pla­nung. Wer kauft schon heu­te Kon­zert­kar­ten für ein Event, dass im Novem­ber statt­fin­den soll? Wer bucht Urlaub in einem Land, die mor­gen schon zum Hoch­ri­si­ko­ge­biet erklärt wer­den kann? Wer kennt sich noch aus mit den ein­zel­nen Coro­na-Maß­nah­men im Han­del oder muss fest­stel­len, dass dort teil­wei­se noch Regeln ver­langt und durch­ge­setzt wer­den, deren aus­lö­sen­de Inzi­den­zen und Beschlüs­se längst Geschich­te sind? Nie­mand stellt das mehr in Fra­ge, kaum jemand pro­tes­tiert im All­tag, die Kun­den sind so müde gewor­den wie das Per­so­nal, dass in der gesam­ten Repu­blik (außer teil­wei­se in Sach­sen) noch immer hin­ter sei­nen Mas­ken vor sich hin schwitzt – selbst dann, wenn die wie ein Weih­rauch­fass durch die Medi­en geschwenk­te Inzi­denz kaum noch glimmt und ein­stel­li­ge Wer­te zeigt.

Man hat sich an die Vor­ga­ben gehal­ten, war anfangs sogar froh, dass es „Macher“ wie die­sen König Mar­kus gab, der zwar im Grun­de auch nichts wuss­te, aber han­del­te, anord­ne­te, for­der­te. Wie ein Uhr­werk setz­ten sich die­je­ni­gen in Bewe­gung, die in die Poli­tik gegan­gen waren, „um zu gestal­ten“. Was für ein Fest für eine von ihrer Macht berausch­te Legis­la­ti­ve! Und gestal­tet haben sie. Mit dem Ziel, die Kur­ve „abzu­fla­chen“ und das Gesund­heits­sys­tem nicht zu über­las­ten, wur­de das Leben der Men­schen immer wei­ter ein­ge­hegt. Dem ver­meint­li­chen Lebens­ret­ter über­reich­te der Bür­ger die Schlüs­sel zu allen Berei­chen sei­nes Lebens und es muss bezwei­felt wer­den, dass er sie frei­wil­lig und voll­stän­dig zurück erhält.

Man hielt Abstand, gab nie­man­dem mehr die Hand, umarm­te nicht, trug Mas­ke, arbei­te­te im Home-Office, sag­te die Fami­li­en­fei­er ab, ver­lor ein Schul­jahr im digi­ta­len Wun­der­land, besuch­te die betag­ten Eltern nicht mehr, um sie zu schüt­zen. Man­che Men­schen gin­gen mona­te­lang nicht vor die Tür. Mit ande­ren Wor­ten: man betrieb Risi­ko­mi­ni­mie­rung, weil man – mit Abstu­fun­gen – die Krank­heit ernst nahm. Die Hor­ror­bil­der aus Chi­na oder Nord­ita­li­en und die vie­len Geschich­ten aus dem Pau­laner­gar­ten mit all den plötz­lich und ohne Vor­er­kran­kun­gen tot umfal­len­den Kern­ge­sun­den wur­den nie offi­zi­ell demen­tiert oder in einen rea­lis­ti­schen Kon­text gesetzt. Sie waren ein­fach zu nütz­lich bei der Volks­er­zie­hung. Wuss­te nicht schon der ehe­ma­li­ge Chef der EU-Kom­mis­si­on Juncker, dass man lügen muss, wenn’s drauf ankommt? Immer noch kann man offi­zi­ell zwar mit oder an Coro­na ster­ben, das Risi­ko, durch die uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen nicht voll­stän­dig zuge­las­se­ner Impf­stof­fe zu Scha­den zukom­men, fällt jedoch voll­kom­men unter den Tisch.

Dabei wis­sen wir aus neue­ren Stu­di­en (oder könn­ten wis­sen), dass die Wirk­sam­keit von Bio­n­tec, Moder­na und Co. nur in Bezug auf die eigent­li­chen Ziel­grup­pen, also beson­ders gefähr­de­te Men­schen, bei opti­mis­ti­schen 90–95% liegt. Über den Bevöl­ke­rungs­quer­schnitt mit sehr unter­schied­li­chen Lebens­si­tua­tio­nen schnurrt der Schutz­ge­winn auf weni­ge Pro­zent zusam­men. Laut einer im „The Lan­cet“ ver­öf­fent­lich­ten Stu­die muss man bei­spiel­wei­se mit Pfizer/Biontec sta­tis­tisch gese­hen 119 Men­schen imp­fen, um eine wei­te­re Über­tra­gung zu verhindern.

Nun kann man argu­men­tie­ren, dass jedes Leben zählt (oder jede Infek­ti­on, die ja bekannt­lich nicht immer das Leben kos­tet) und wenn man die gan­ze Welt imp­fen müss­te, um ein Leben zu ret­ten, dann…nein, so funk­tio­niert das lei­der nicht. Sonst müss­ten wir ange­sichts von mul­ti­re­sis­ten­ten Kei­men, ärzt­li­chen Kunst­feh­lern, Haus­halts­un­fäl­len und tau­send ande­ren „nicht hin­nehm­ba­ren“ sta­tis­ti­schen Unge­heu­er­lich­kei­ten das Leben ganz auf­ge­ben. Risi­ko­ab­schät­zung ist durch­aus staat­li­che Auf­ga­be, wo es um all­ge­mei­ne Risi­ken oder äuße­re Bedro­hun­gen geht. Ja, auch die Abwehr einer Pan­de­mie gehört dazu. Die Vor­be­rei­tung auf Extrem­wet­ter übri­gens auch. Die per­sön­li­chen Risi­ken muss jedoch jeder selbst oder in Abspra­che mit Fami­lie und hin­zu­ge­zo­ge­nen Exper­ten (Ärz­te, Apo­the­ker, Ver­si­che­run­gen, Stunt­man, Avon-Bera­te­rin…) tref­fen. Das gilt auch für Imp­fun­gen. Staat­li­cher Druck und Repres­sio­nen bewir­ken eher das Gegen­teil des­sen, was sie beab­sich­ti­gen, wie man in Aus­tra­li­en der­zeit gut beob­ach­ten kann. Fak­tisch steht das Land unter Kriegs­recht, das Mili­tär assis­tiert der Poli­zei in den Städ­ten bei der Durch­set­zung der an Haus­ar­rest gren­zen­den Coro­na-Regeln in aus­ge­wähl­ten Stadt­vier­teln. Und das bei einer 7‑Ta­ge-Inzi­denz von 9, man beach­te die Ska­la im Bild. Trotz des unglaub­li­chen Drucks der Regie­rung liegt die Impf­quo­te für Aus­tra­li­en bei unter 20%…woran das wohl lie­gen könnte?

Quel­le: https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/australien/

An die­ser Stel­le zitie­re ich immer wie­der gern F.A. von Hayek, der die­se uns staat­lich über­ge­stülp­te Dienst­ver­pflich­tung namens „Soli­da­ri­tät” eines jeden gegen­über jedem selbst gegen sei­nen Wil­len wie folgt beschrie­ben und abge­lehnt hat:

„Ein all­ge­mei­ner Altru­is­mus ist aber sinn­los. Nie­mand kann sich wirk­lich um alle ande­ren küm­mern. Die Ver­ant­wor­tung, die wir über­neh­men kön­nen, müs­sen immer par­ti­ku­lär sein, sie kön­nen nur jene betref­fen, von denen wir kon­kre­te Tat­sa­chen wis­sen und mit denen wir uns ent­we­der durch Wahl oder beson­de­re Umstän­de ver­bun­den füh­len. Es gehört zu den fun­da­men­ta­len Rech­ten und Pflich­ten eines frei­en Men­schen, zu ent­schei­den, wel­che und wes­sen Bedürf­nis­se ihm am wich­tigs­ten erschei­nen.“ (Aus „Die Ver­fas­sung der Frei­heit“ S. 98, gefun­den in „Phi­lo­so­phie der Frei­heit“, Haber­mann, S. 22)

Eine Impf­pflicht gegen die eige­ne Risi­ko­ab­schät­zung zuguns­ten eines „höhe­ren Wohls” schließt das aus. Das schnip­pi­sche „es ist doch gar kei­ne Pflicht” könnt ihr euch spa­ren. Die Beto­nung liegt bei Hayek auf „Wahl oder beson­de­re Umstän­de“ es geht den Staat schlicht nichts an, wie jemand zu einer Ent­schei­dung oder Wahl gelangt. Für gewöhn­lich inter­es­sie­ren die Grün­de für eine Wahl den Staat auch nicht. Solan­ge es nur die ver­meint­lich rich­ti­ge Wahl ist, ist ihm das Kom­pe­tenz­le­vel des Wäh­lers egal, das zur Ent­schei­dung geführt hat. Ist erst der Weg zum auto­ri­tä­ren Staat beschrit­ten, hat der Bür­ger fak­tisch kei­ne Wahl mehr, selbst wenn er Kom­pe­tenz hätte.

Die etwas anderen Analogien

Nicht nur ich nei­ge dazu, die Gegen­wart mit Hil­fe von Exem­peln aus der Geschich­te ver­ste­hen zu wol­len. Der Mensch ist gut im Erken­nen von Mus­tern, die er zu Erfah­run­gen und Vor­ur­tei­len ver­dich­tet. Doch wo ich nach ver­gleich­ba­ren Expe­ri­men­ten von Staa­ten suche, die sie mit ihren Bür­gern ver­an­stal­te­ten, suchen die Befür­wor­ter des aktu­el­len Aus­nah­me­zu­stands in der Anma­ßung und der Über­grif­fig­keit der Poli­tik nach dem Nor­ma­len und der Ratio. Wenn etwa Anet­te Dowi­deit in der Welt zu dem Schluss kommt, die Markt­wirt­schaft sei am Werk, wenn der 1. FC Köln nur noch Kar­ten an Geimpf­te ver­kauft (mit einem klei­nen Kon­tin­gent für Getes­te­te), ist das ein­fach nur albern. Der Markt regelt im Fuß­ball viel­leicht die Prei­se der Ein­tritts­kar­ten und die Ablö­se­sum­men der Spie­ler, schließt aber kei­ne Kun­den aus. Nur weil der Ver­ein oder eine Fir­ma in der Pri­vat­wirt­schaft und nicht beim Staat ange­sie­delt ist, ver­hält er sich nicht auto­ma­tisch markt­wirt­schaft­lich, wenn Sank­tio­nen oder Sub­ven­tio­nen (direkt oder indi­rekt) im Spiel sind.

Noch dicker trägt Fern­seh­dok­tor Eck­art von Hirsch­hau­sen in sei­nem „Impf­buch für alle“ auf, einem vom Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um finan­zier­ten und in den Apo­the­ken „kos­ten­frei“ erhält­li­chen Buch, das auch als PDF und Hör­buch ver­füg­bar ist. Man hat kei­ne Kos­ten gescheut, das scheue Reh namens „Impf­geg­ner” zu locken! Zwar sind unbe­strit­ten vie­le inter­es­san­te und wert­freie Fak­ten zu Imp­fun­gen im All­ge­mei­nen ent­hal­ten, die Coro­na-Imp­fung jedoch wird in eine Rei­he mit all den ande­ren gut getes­te­ten, regu­lär zuge­las­se­nen und bewähr­ten Vak­zi­nen gestellt, in die sie zumin­dest momen­tan noch nicht gehört. Ich weiß nicht, wel­che Fach­arzt­aus­bil­dung Hirsch­hau­sen genos­sen hat, aber Ortho­pä­die wird es nicht gewe­sen sein, denn sei­ne Ver­glei­che hin­ken gewal­tig, weil er die Imp­fun­gen gegen Pocken, Tuber­ku­lo­se, Masern und Covid-19 argu­men­ta­tiv zusammenrührt.

Auch sei­ne Ver­tei­di­gung des Staa­tes, der die Ent­schei­dungs­frei­heit in allen mög­li­chen Fel­dern begren­zen dür­fe, ist schwach. Man kön­ne sich zum Bei­spiel nicht frei ent­schei­den, ob man links oder rechts auf der Stra­ße fah­re, schreibt er. Streng genom­men ist das falsch, man kann dies tun. Doch der Ver­gleich führt uns direkt ins Zen­trum des Pro­blems, näm­lich zum Risi­ko. Das ist näm­lich für einen Falsch­fah­rer auf der A8 weit­aus grö­ßer als für einen unge­impf­ten Lite­ra­ten auf Hel­go­land, des­sen ein­zi­ge Kon­tak­te zur Außen­welt das Inter­net, der Post­bo­te und der Piz­za­lie­fer­dienst sind. Der Mensch ist ja nicht blö­de, auch wenn er von unse­rer Regie­rung und ihren Ver­glei­che-Lie­fe­ran­ten gern dazu gemacht wird.

Die Qua­li­tät von Regeln ist auch eine Fra­ge der Empi­rie. Gute Poli­tik macht sinn­vol­le Regeln und die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung ist voll von sinn­vol­len Regeln! Ich habe auch noch nie­man­den gegen die Vor­fahrts­re­geln demons­trie­ren oder „quer­den­ken” sehen. Nicht sinn­voll ist hin­ge­gen so gut wie alles, was uns an Grenz­wer­ten, Schwel­len­in­zi­den­zen, Impf­ver­spre­chen und Ein­schrän­kun­gen in Sachen Covid zuge­mu­tet wird. Es ergibt nur lei­der kei­nen Sinn mehr, sich mit Leu­ten, die mit FFP2-Mas­ke Fahr­rad oder allein Auto fah­ren, über Empi­rie und Ent­schei­dungs­frei­heit zu unterhalten.

Aber ich will nicht uner­wähnt las­sen, dass auch Eck­art von Hirsch­hau­sen in sei­nem Buch sogar gute und rich­ti­ge Schlüs­se zieht. Etwa auf Sei­te 70: „Denn irgend­wann ist der Zeit­punkt erreicht, zu dem jede Per­son die geimpft wer­den möch­te, auch geimpft wur­de. Bei der COVID-19-Pan­de­mie dürf­te es in Deutsch­land im Herbst 2021 so weit sein […] Wenn die­ser Zeit­punkt erreicht ist, geht von Unge­impf­ten kein Risi­ko mehr für die Gesell­schaft aus, son­dern nur noch für sie ganz per­sön­lich.“ (kur­si­ve Her­vor­he­bun­gen von mir)

Sie sehen also, lie­be Leser, das „Impf­buch für alle” wur­de vor der Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz vom 10.8. fer­tig und Herr von Hirsch­hau­sen wuss­te noch nichts vom Beschluss unse­res Wohl­fahrts­aus­schus­ses, das gesell­schaft­li­che Leben der Unge­impf­ten künf­tig „vom Markt regeln“ zu las­sen, wie die Welt-Autorin von wei­ter oben wohl sagen wür­de. Sobald die­se „Sozi­al­schma­rot­zer“ von Impf­ver­wei­ge­rern sich die Tes­te­rei näm­lich nicht mehr leis­ten kön­nen, wird sie ihre Reni­tenz gegen staat­li­che Anord­nun­gen schon schmerz­lich genug ein­schnü­ren. Hun­dert­tau­sen­de frisch ernann­te Hilfs­po­li­zis­ten war­ten nur dar­auf, sie gemäß der Beschlüs­se beleh­ren zu dür­fen. Gemäß der sozia­lis­ti­schen Defi­ni­ti­on von „Frei­heit“, wel­che angeb­lich zu 3% aus Mei­nungs­frei­heit, 2% Berufs­frei­heit und 1% Rei­se­frei­heit besteht. Der Rest sind Sach­zwän­ge. Die Risi­ko­be­wer­tung des Fern­seh­dok­tors wird sich also für Unge­impf­te gewiss noch ändern.

Nun habe ich es also doch geschafft, wie­der mal mit­ten hin­ein­zu­sprin­gen in den hüft­ho­hen Dreck aus Regie­rungs­ver­sa­gen und Poli­ti­kan­ma­ßun­gen in Sachen Coro­na. Lei­der wir­ken bei Auf­ent­hal­ten in die­sen poli­ti­schen Abgrün­den kei­ne Imp­fun­gen. Im Gegen­teil, die Sym­pto­me des Wahn­sinns, die einen bei Berüh­rung die­ses The­mas ansprin­gen, wer­den immer schlim­mer. Ich hof­fe, zumin­dest psych­ia­tri­sche Behand­lun­gen sind noch im Kas­sen­bei­trag inbe­grif­fen. Die wer­den wir näm­lich bald alle brau­chen, Geimpf­te wie Ungeimpfte.

Vorheriger ArtikelVolkswagen wird die Wurst ausgetrieben
Nächster ArtikelIhr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt

19 Kommentare

  1. Mir fällt ein Zitat von Hans Magnus Enzens­ber­ger, der 2014 im Feuil­le­ton der FAZ (zwar in einem ande­ren Kon­text, aktu­ell aber wie­der sehr tref­fend ) sag­te: »Der Schlaf der Ver­nunft wird bis zu dem Tag anhal­ten, an dem eine Mehr­heit der Ein­woh­ner unse­res Lan­des am eige­nen Leib erfährt, was ihnen wider­fah­ren ist. Viel­leicht wer­den sie sich dann die Augen rei­ben und fra­gen, war­um sie die Zeit, zu der Gegen­wehr noch mög­lich gewe­sen wäre, ver­schla­fen haben.«

  2. Ihr Arti­kel ist rich­tig gut. Und er ist wich­tig nicht etwa, weil er Neu­es ver­brei­tet, son­dern weil er ein wenig das Gefühl der Ohn­macht lin­dert. Es ist gar nicht in ers­ter Linie der Staat, dem man wegen sei­nes Betrugs oder wenigs­tens sei­ner unwis­sent­li­chen oder in guter Absicht betrie­be­nen Maß­nah­men gegen Anders­den­ken­de ver­ur­tei­len muss (vom posi­tivs­ten Mög­li­chen aus­ge­hend), son­dern es sind die Men­schen, die der­zeit außer Rand und Band gera­ten sind und sich lang­sam aber ste­tig zu einem Marsch zusam­men­fin­den, der, wür­den Unge­impf­te in bestimm­ten Stadt­vier­teln leben, als Pogrom enden wür­de. Im All­tag haben Begrif­fe wie „aso­zi­al” und „Abschaum” längst Ein­zug erhal­ten, die im Nach­hin­ein durch Brink­hau­sens Het­ze legi­ti­miert wur­den. Es ist die Panik einer Rin­der­her­de (Flucht­tie­re), die die Rin­der wäh­rend eines Runs nicht bemer­ken lässt, wie sie gestrau­chel­te eige­ne Art­ge­nos­sen oder sogar Ver­wand­te tot­tram­peln. Alles, was zufäl­lig ihren Weg kreuzt oder was sich bewusst ihm ent­ge­gen­stellt, wird nie­der­ge­rannt. Dahin­ter steckt nicht ein­mal böse Absicht, im Gegen­teil, der Flucht­in­stinkt der Her­de dient dem Schutz eines jeden Mit­glieds, dient dem Über­le­ben aller. Und doch nutzt die­ser Instinkt dann nur wenig, wenn die Her­de in ihrem Run auf einen Abgrund zusteuert.

    Trotz unse­rer Intel­li­genz zeigt sich gegen­wär­tig wie wir jedem ande­ren sozia­len Lebe­we­sen auf der Erde glei­chen. Evo­lu­tio­när sind wir eine Spe­zi­es unter vie­len, und wenn man mal ein paar Schrit­te zurück tritt, um das gan­ze Bild zu betrach­ten (qua­si aus dem Orbit mit hoch­auf­lö­sen­den Kame­ras auf die Erde blickt), noch dazu den Zeit­raf­fer im Gehirn bemüht, dann wird deut­lich, wie welt­weit eine wabern­de Mas­se mensch­li­cher Popu­la­ti­on zunimmt, sich aus­brei­tet und alles ande­re ver­drängt. Das kann aus der Fer­ne nicht als Kon­se­quenz indi­vi­du­el­ler Ent­schei­dun­gen aus­ge­macht wer­den, erst recht nicht, wenn der Zeit­raf­fer 100 Jah­re in einer Sekun­de abbil­det. Somit erken­nen wir hoch oben im Orbit nur die „grö­ße­ren Zusam­men­hän­ge”. Wenn eine Popu­la­ti­on zu groß ist, sor­gen natür­li­che Umstän­de für ihr Ein­däm­men. Aus sol­chen Mecha­nis­men hat uns die Intel­li­genz befreit, glau­ben wir, doch wie ein sol­cher Kipp­punkt eigent­lich genau und vom Nahen betrach­tet lang­sam in Zeit­lu­pe aus­sieht, das erle­ben eini­ge viel­leicht gera­de, die sich noch nicht oder erst zöger­lich dem Run der Her­de anschlie­ßen. Könn­te es nicht eine sol­che glo­ba­le Hys­te­rie sein, die als natür­li­cher Ein­däm­mungs­pro­zess am Ende dem Fort­be­stand der Spe­zi­es dient? Wer in die­sem Fall die Geimpf­ten und die Nicht­ge­impf­ten sind, das über­las­se ich ger­ne der Fantasie.

  3. Der Coro­na­gru­sel lässt nach, aber man kann immer noch mehr ver­si­chern und gegen Scha­den „gemein­sam stark sein”. Im Moment ist die Flut-Vor­sor­ge-Kern-alles-Dings­bums-Voll­kas­ko der Ren­ner in den Medi­en. Die muss natür­lich „ange­sichts des Kli­ma­wan­dels” staat­lich befoh­len wer­den. Ohne Ver­si­che­rungs­zwang haben sonst am Ende „die Men­schen”, die am oder im Fluss ihr Haus gebaut haben, öfter Flut­schä­den zu bezah­len als die Bür­ger, die auf einem Hügel woh­nen. Die machen den schlan­ken Fuß! Unso­li­da­risch! Da muss die Baer­bock ran! 

    Gege­ben der Gren­zen des Mei­nungs­ho­ri­zonts kann man das bes­ten­falls noch abwen­den, wenn man laut und deut­lich ruft, dass jemand, der an Flüs­sen statt an Wind­rä­dern sie­delt, es eigent­lich gar nicht bes­ser ver­dient hat! Ha!

    2015 haben wir nicht ein­mal die Frei­heit der Sicher­heit geop­fert und dabei bei­des ver­lo­ren, son­dern haben die Frei­heit für die Unsi­cher­heit wege­ge­ben. Das ist so blöd, dass weder Ben­ja­min Fran­k­lin noch Tho­mas Jef­fer­son drauf gekom­men wären. 

    Mir ist auch nicht klar, war­um man sich noch nicht mal aus Eigen­in­ter­es­se imp­fen darf, wenn man denn will. Die­ses Getue, dass man alles immer nur für ande­re täte, geht doch auf kei­ne Kuh­haut. Man lässt sich imp­fen, weil man sich selbst etwas davon erhofft und lässt dann, bit­te, ande­re in Ruhe! Die­se per­ma­nen­te Ver­nei­nung des Eigen­in­ter­es­ses als etwas anrü­chi­ges stinkt nach Kom­mu­nis­mus und ich weiß auch nicht, war­um ich sehe, was so vie­le offen­bar par­tout nicht sehen.

  4. „Wozu also beschrei­ben, was jeder sieht? Wozu vor etwas war­nen, was ver­lo­ren und begra­ben scheint und offen­bar nur von weni­gen ver­misst wird? Wozu über­haupt noch über Frei­heit nach­den­ken…?“. Oder um mit den Wor­ten (in einer Wel­le der Resi­gna­ti­on über die Ver­geb­lich­keit allen Stre­bens über­schwemm­ten) Patrick Süs­kinds zu fra­gen: „…Wozu denn lesen, wenn ich doch weiß, dass nach kür­zes­ter Zeit nicht ein­mal mehr der Schat­ten einer Erin­ne­rung zurück­bleibt? Wozu denn über­haupt etwas tun, wenn alles zu nichts zer­fällt? Wozu denn leben, wenn man ohne­hin stirbt?“. Sehr geehr­ter, lie­ber Herr Letsch (und ich hab‘ mich extra ange­mel­det, um dies hier zu äußern): Genau des­we­gen! Und jetzt wer­de ich mir Kurt Cobain in sei­nem Kran­ken­haus­leib­chen rein­zie­hen. Live At Rea­ding 1992. Auf den Wahnsinn!

  5. Ja, kla­re, schon nahe­zu dys­to­pi­sche Wor­te, die all das aus­drü­cken was ich mich kaum zu den­ken getraue weil ich sonst in Depres­sio­nen ver­sin­ke. Ich hof­fe instän­dig, das die­se „Revo­lu­ti­on” bald ihre Kin­der (Anzett­ler) frisst und bin bald soweit das ich mit­hel­fe am Strick zu ziehen.

  6. Dan­ke für die­se abso­lut kla­ren Wor­te über die­sen im Grun­de nicht beschreib­ba­ren Irr­sinn! Es mil­dert die per­sön­li­che Ohn­macht oder die Hoffnungslosigkeit!

  7. “Das Schrei­ben fällt mir immer schwerer.”

    Es ist schön, dass Men­schen was in Wor­te fas­sen kön­nen, wo mir der Ver­stand ver­sagt. Wo man nicht begrei­fen kann, was da täg­lich stattfindet.
    Selbst hier in Wes­tern Aus­tra­lia (2011 aus­ge­wan­dert) will kaum einer begrei­fen, dass auch ein gol­de­ner Käfig ein Käfig ist!

    • Perth, das war in mei­nem Kopf immer sowas wie die fina­le Not­brem­se, um aus die­sem Wahn­sinns­ka­rus­sell hier aus­zu­stei­gen. Eine mit­tel­gro­ße Stadt, so weit weg von allen gro­ßen Hor­ten des Wahn­sinns auf die­ser Welt wie es nur geht… Von den admi­nis­tra­ti­ven Schwie­rig­kei­ten sieht man in sei­nen Träu­men ja nichts. Nun fra­ge ich mich lang­sam, ob die mir so grund­sätz­lich sym­pa­thi­schen Aus­tra­li­er den Ver­stand ver­lo­ren haben. Es ist ein Trau­er­spiel. Blei­ben Sie tap­fer, lie­ber Herr Jahn!

  8. „Nur wo der gesun­de Men­schen­ver­stand sei­nen Sinn ver­lo­ren hat, kann ihm die tota­li­tä­re Pro­pa­gan­da unge­straft ins Gesicht schla­gen.” Han­nah Ahrendt

  9. Her­vor­ra­gen­der Arti­kel oder viel­mehr Essay, der eines mei­ner Haupt­the­men, näm­lich eine kri­ti­sche Abwä­gung des Zeit­al­ters der Auf­klä­rung, ins Fel­de führt und wel­cher mich in mei­ner eige­nen Arbeit ein gro­ßes Stück vor­wärts gebracht hat.
    Im Grun­de genom­men ist es der bes­te publi­zier­te Bei­träg, den ich zu dem The­men­kom­plex Covid und Imp­fung bis­her gele­sen habe.
    Gut, dass sie ihre Schreib­blo­cka­de über­wun­den haben – an der Über­win­dung der mei­nen arbei­te ich noch.

  10. Ich tei­le Ihren Pes­si­mis­mus durch­aus. Nur eine Sache zur Ergän­zung: die char­gen­num­mer des Impf­stoffs nützt nix da ja ver­trag­lich die Her­stel­ler von jeg­li­cher Haf­tung befreit wur­den. Und auch der Staat sich durch aller­lei net­te juris­ti­sche Win­kel­zü­ge raus hält. Spä­tes­tens an der Stel­le kommt die soge­nann­te Eigen­ver­ant­wor­tung wie­der unter dem abla­ge­mö­bel hervor.

    • Bei den Coro­na-Impf­stof­fen ist das so. Aber bei „nor­ma­len” Imp­fun­gen hilft die Num­mer, nach­zu­voll­zie­hen, was man eigent­lich bek­om­nen hat (wenn man es über­haupt bekom­men hat, wie der aktu­el­le fall aus Fries­land zeigt). Wenn der Staat eine ech­te Impf­PFLICHT ver­hängt wie einst gegen Pocken oder lokal gegen Masern, sieht das mit der Haf­tung schon wie­der ganz anders aus. Aber es ist schon rich­tig: man ver­sucht, die „Frei­wil­lig­keit” zu erzwin­gen, um nicht in die Haf­tung zu kommen.

  11. Ich kann Ihre Nie­der­ge­schla­gen­heit gut ver­ste­hen, Herr Letsch ‚Sie und Ihre Kol­le­gen lau­fen ver­bal stän­dig gegen Gummiwände.Was ich ein­fach nicht ver­ste­he ‚ist, war­um so vie­le Men­schen ( auch intel­li­gen­te, oder gera­de intel­li­gen­te?) die­sen Irr­sinn klag­los mittragen.
    Vie­le Grü­ße aus dem son­ni­gen Kroa­ti­en, wo die Men­schen größ­ten­teils mas­ken­los ihr Leben genie­ßen und ich mir ein gutes Ner­ven­kos­tüm für die Rück­kehr nach Deutsch­land zulege.

  12. Wozu also beschrei­ben, was jeder sieht? Wozu vor etwas war­nen, was ver­lo­ren und begra­ben scheint und offen­bar nur von weni­gen ver­misst wird? Wozu über­haupt noch über Frei­heit nachdenken…?

    Doch, es muss sein. 

    Die­se Kako­pho­nie der Selbst­ge­rech­ten, der selbst­er­nann­ten War­ner und „Beschüt­zer”, der uns von den Grund­rech­ten befrei­en­den Apo­lo­ge­ten der Coro­na­maß­nah­men, der Pro­pä­deu­ten „der Wis­sen­schaft”, der ein­sei­tig erblin­de­ten Juris­ten, der Unfä­hi­gen, Über­for­der­ten und sich selbst Über­schät­zen­den, der Moral­apos­tel und Welt­un­ter­gangs­pro­phe­ten – sprich Legis­la­ti­ve, Exe­ku­ti­ve, Judi­ka­ti­ve und Main­stream­m­edi­en – ist ein­fach nicht mehr aus­zu­hal­ten. Am liebs­ten möch­te man laut los­schrei­en. Sie haben die­sen Auf­schrei in sehr wah­ren Wor­te gepackt, Herr Letsch. Dafür vie­len Dank

  13. Frei­heit und Frei­wil­lig­keit bedin­gen ein­an­der. Wer die Frei­wil­lig­keit beschränkt, der zer­stört auch die Frei­heit. Genau dies geschieht gera­de scheibchenweise.

  14. „Die Coro­na-Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung ver­sucht, ein Land zu ret­ten, indem sie alles, was es zusam­men­hält, zugrun­de richtet.”
    Das fasst Ihre gan­ze, tief­trau­ri­ge, her­vor­ra­gen­de Ana­ly­se bün­dig zusam­men. Ich kann sie als schrei­ben­der Kol­le­ge bis in die letz­te Pore nachempfinden.
    Über Don Cor­leo­ne muss­te ich trotz­dem kurz lachen.

      • Aber bit­te mit Abstand und Vor­weis eines 3 G Nach­wei­ses. Ich pro­bie­re es zur Zeit eher mit Wei­nen. Geht angeb­lich ohne 3 G. Herr Letsch, wenn Sie ein Impf­stoff wären, möch­te ich der Ers­te sein!

Comments are closed.