diem-updateIch wollte warten, wirklich! Aber ähnlich wie die Kinder, denen ein Ü-Ei vor die Nase gelegt wird und ein weiteres versprochen ist, wenn sie es nicht anrühren, musste ich einfach nachsehen, wie es DiEM25 geht, obwohl das Jahr noch nicht mal zur Hälfte rum ist. Ich schrieb ja erst im Februar darüber und wollte bis 2017 warten.

Zunächst mal die positive Nachricht: Es gibt sie noch! Und das Sendungsbewusstsein ihres Vortänzers Yanis Varoufakis ist auch noch da. Besonders er ist noch da, der Yanis. Aber ich will mich nicht schon wieder mit den Intentionen von Leuten wie Varoufakis, Diez oder Kipping befassen. Ich interessiere mich heute für die Basis der Bewegung, die bei DiEM25 Freiwillige heißen. Und das sind mittlerweile immerhin schon 12.000 Leute! Leider hat DiEM25 keine Strukturen geschaffen, um denen auch was Sinnvolles zu tun zu geben, das will man auch nicht. Stattdessen …

[…] wird DiEM25 zu radikalen Mitteln greifen: den eingereichten Bewerbungen nach sind die meisten Freiwilligen offenbar sehr kluge und fähige Menschen. Nutzt diese Fähigkeiten, um euch selbst zu organisieren und DiEM25 voranzubringen. Wir vertrauen euch. Wartet nicht’ auf Anweisungen, sondern tut euch mit ein paar weiteren Mitgliedern zusammen, nutzt eure Intelligenz, um eigenständig Strategien zu entwickeln, wie ihr DiEM25 zum Erfolg bringen könnt, und wartet nicht auf Genehmigung, legt einfach los!“

Man soll doch bitte DiEM25 Spontaneous Collectives (DSCs) bilden und einfach loslegen. „Spontane Ordnung“ nennt DiEM25 das, was aus der schottischen Aufklärung kommt. Natürlich hofft DiEM25, die Bezeichnung DSC möge den Freiwilligen gefallen, sonst darf man sich aber sicher auch ganz spontan einen anderen Namen geben. Wie wäre es zum Beispiel mit „Sponti-Gruppe“?

Und wie soll das ablaufen, hat DiEM25 ein paar praktische Tipps für die Jünger? Zunächst mal lokal. Nicht mehr als sieben Leute, möglichst ohne Sprach- und Kulturbarriere (schöner Euphemismus). Dann horizontal (nicht, was Sie denken) weil man zwar niemandem etwas vorschreiben darf, aber wenigstens einer als Koordinator wissen sollte, worum es geht. Schließlich verantwortungsvoll, will heißen: Macht was ihr wollt, aber baut keinen Scheiß.

Cave Canem

Was man aber nun so gar nicht unter dem DiEM25-Banner sehen will, sind Selbstdarsteller. Deshalb:

„Eine Gefahr birgt die ganze Sache jedoch, und die sollten wir ansprechen: aufmerksamkeitsheischenden Aktivistinnen und Aktivisten sollte keine Gelegenheit gegeben werden, die Zielsetzungen von DiEM25 zu unterwandern oder Mitglieder zu verdrängen, denen es mehr auf den Inhalt als auf Selbstprofilierung ankommt. Aufmerksamkeitsheischende werden jedes Verhalten verstärken, das ihnen Aufmerksamkeit beschert. Deshalb schenkt niemandem Aufmerksamkeit, der provoziert oder Ärger macht, nur um sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Wendet euch stattdessen Leute zu, die still etwas Nützliches tun und ermutige sie. Auf diese Weise sollten wir eine Kultur schaffen, die sich gegen selbstsüchtiges Verhalten wendet und stattdessen Aktivitäten fördert, die unsere gemeinsamen Ziele des Manifests unterstützen.“

Die Revolution ist noch sooo jung und schon von Unterwanderung bedroht. Ein Schelm der bei dieser „Varoufakischen Klausel“ daran denkt, dass ein aufmerksamkeitsheischender Selbstdarsteller bei DiEM25 schon genügt. Aber hören wir doch mal rein in die offenen Diskussionen im DiEM25-Forum, dort, wo die Begeisterten, die Neodemokraten und die zukünftige Elite Europas die Weichen des Kontinents auf Demokratie stellen:

„Ich habe eine konkrete Frage: wenn ich es schaffen sollte die Petition auszudrucken, und einen Info-Stand organisiere, um Unterschriften zu sammeln, was dann? Wie kommt die Unterschriftenliste an die richtige Adresse, und welche Adresse ist das? …“

Tage später:

„Hello? Anyone out there to help me?????

Dann doch noch eine Antwort:

Hey, have a look at [link] the Paris DSC is collecting signatures today. They are having people sign on the computer. We don’t have a mechanism in place yet for hand-written signatures. I guess you can send them to me for now, and I will forward them to whoever will do the hand-over, once that is decided.“

Und noch jemand bietet Hilfe an:

„I would type them in, one of my few skills. If this is needed.“

Köstlich!

Jeder macht was er will, keiner weiss, was das soll, aber alle machen mit.

Ich frage mich, woher ich diese Organisationsform kenne… ja, genau! Aus Griechenland, das griechische Steuersystem und das Grundstückskataster funktionieren so – oder so ähnlich. Da hat der Yanis sich aber richtig angestrengt und das Beste beider Welten zusammengebracht: EU-Demokratieverständnis und griechische Organisationsprinzipien. Herzlichen Glückwunsch! Ok, Herr Varoufakis, eigentlich wollte ich ja erst 2017 wieder bei Ihnen vorbeischauen. Ich überlasse Sie und Ihre Organisation also wieder sich selbst, damit sollten Sie bis 2017 ausreichend beschäftigt sein.

* unbesorgt leise ab *

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